Der Jihad kann als marktwirtschaftliches Phänomen beschrieben werden, wie Lawrence R. Iannaccone („The Market for Martyrs“, 2004, 1) und Alan Krueger („What makes a terrorist“, 2007, 2) gezeigt haben.
Dabei werden in Bezug auf den Arbeitsmarkt sowohl die Angebotsseite (Arbeiter) als auch die Nachfrageseite (Manager) untersucht. Beide Seiten (die „Terrorfirma“) formen aus einer relativ kleinen Zahl von Spezialisten der Angebotsseite das „Produkt“ (den „Ich-Bomber“), das dann wiederum auf den öffentlichen Markt gebracht werden und dort durch Furcht oder Bewunderung politische, ökonomische oder militärische Gewinne erzielen kann.
Dabei hat sich anscheinend gezeigt, dass Ansätze, den „Ich-Bomber“-Markt durch Abschreckung der Angebotsseite relativ erfolglos geblieben sind. Beim Vergleich mit amerikanischen oder asiatischen Sekten stellte sich nämlich heraus, dass die „Ich-Bomber“ wie die Mitglieder „normaler“ Sekten entgegen der allgemeinen Anschauung weder arm, noch dumm, weder krank, geisteskrank oder depressiv, auch nicht aggressiv sind, und dass sie auch keinen Grund hatten, ihre Opfer zu hassen. Die Konversion ging nicht mit „Gehirnwäsche“ oä. einher, sondern war fast immer eine rationale Entscheidung (Die Mitglieder von Sekten verlassen diese übrigens auch in der Regel völlig intakt – bei den „Moonies“ zB. waren das über 75% der schon nach einer Woche, nach einem Jahr waren dann nur noch 5% übrig – und sie haben selbst nach Jahren der Mitgliedschaft nur geringe Problem bei der Bewältigung des Alltags und der Aufnahme von Beziehungen).
Üblicherweise findet weiterhin die Mitgliederrekrutierung, die nie spontan erfolgt, sondern immer ein Prozess ist, nicht auf der Straße, sondern überwiegend zunächst im Familien-, Freundes- und später Bekanntenkreis statt (P. Vogel zB., ehemaliger Boxer, fischt in Phase II im Kleinkriminellenmilieu, dem er entstammt). Besonders ansprechbar sind dabei Menschen, die ansonsten eher schwache Bindungen an Familie, Hobby, Eigentum oder eine Religion haben. Der Glaube entwickelt sich erheblich langsamer als das Eingebundensein in die Gruppe. Diese Beobachtungen werden von Krueger, der sich auf palästinensische, libanesische und israelische Erhebungen stützt, bestätigt. Er fand heraus, dass Jihad-Attacken bei besser gebildeten und besser situierten Pallies erheblich mehr Zuspruch finden als bei armen und ungebildeten, wie auch, dass Hissbulla-Mitglieder besser ausgebildet und besser situiert sind als der Durchschnitt der libanesischen Bevölkerung. Der Ansatz, auszubilden und materiell (noch mehr) zu unterstützen, wird daher an der Angebotsseite vorbeigehen, mithin zumindest kurzfristig in Bezug auf Jihad-Attacken erfolglos bleiben.
Außerdem ist das Angebot zu Morden und ggf. zu sterben angesichts der Größe der Gesamtfirma für die meisten Firmenmitglieder relativ risikolos (Es ist hier also falsch zu fragen, warum rationale Menschen bereitwillig ihr Leben einfach wegschmeißen, da es eigentlich eher allgemein üblich ist, daß rationale Menschen bereit sind, für andere (zB. Familie) bzw. ihre Werte Risiken oder Opfer in Kauf zu nehmen. Dies ist zB. in allen Gesellschaften in Form von Militär, Feuerwehr etc. Standard. „Selbstmord“ steht dabei ja – im Gegensatz zu „Risiko“ nicht am Anfang des Eintritts in die Firma). „Terrorfirmen“ können weiterhin auch dann existieren und enormen Schrecken hervorrufen, wenn es nur ein extrem kleines Angebot gibt. Die üblichen Strafen (Gefängnis, Hinrichtung) haben zudem nur geringen Effekt. Wie sich in Israel im Lauf der Jahre gezeigt hat, unterstützt ein breites Spektrum von mit dem „Ich-Bomber“-Tum verbundenen Belohnungen/Bezahlungen viele verschiedene Quellen, aus denen sich das Angebot speisen kann ebenso wie viele Arten der Rekrutierung: Wenn die Wohnungen von Attentätern durch die IDF zerstört wurden, erhielten die Familien erhöhte materielle Unterstützung usw., und inzwischen „bieten“ die „Terrorfirmen“ auch „Produkte“ wie als schwangere Frauen, als IDF-Soldaten oder als ultraorthodoxe Juden verkleidete Attentäter. Bemühungen, die Arbeitsmarkt-Angebotsseite kostspieliger zu machen, haben letztendlich nur dazu geführt, dass die Ehre und Verehrung der Anbieter gesteigert wurde.
Auf der NACHFRAGESEITE ist es zunächst geboten, den Managern der „Terrorfirmen“ mindestens denselben Grad an Rationalität zu unterstellen, wie sie bei den Mitgliedern der Angebotsseite festgestellt worden ist. Wesentlich für die Bereitstellung von „Ich-Bombern“ ist die Existenz eines Teams. Nur ein Team ist in der Lage, durch einen sozialen Prozess mit dem Anbieter das „Produkt“ zu erzeugen. Weiterhin ist zu beachten, dass „Terrorfirmen“ in ständiger Gefahr der Liquidierung existieren, und daher, anders als normale Firmen, nur unter enormem Aufwand mit anderen Firmen zusammenarbeiten können. Dieser Aufwand kann durch Integration eigentlich externer Dienste verringert werden, was wiederum aber die internen Kosten erhöht. Dies führt dann typischer Weise zur Teilung in zahllose Minizellen, die nur durch strenge Regeln und Strafen, starke soziale Bindungen und starke Führung erfolgreich sein können, und die daher dazu tendieren, „religiöse“ Gruppen zu sein (Bei diesen ist festzuhalten, dass sie eine enorme persönliche Belohnung nach dem Leben versprechen. Egal, welchen Grad an Glaubwürdigkeit dieses Versprechen hat, so ist es doch damit immer größer als das irgendeiner säkularen Ideologie). Darüber hinaus lassen sich nahezu alle Charakteristika religiöser Sekten bei „Terrorfirmen“ beobachten: ein spezieller Lebensstil, starke Gruppenbindung, große Barrieren zur Welt außerhalb der Gruppe, der Besitz einer exklusiven Wahrheit, vielfältiger interner (Waren, Dienstleistungs-) Service usw. Erfolgreich scheint dabei das Konzept zu sein, die Terrorfirma innerhalb einer größeren Sekte zu platzieren, die einen Schutzwall, ein „Biotop“ bildet und Dienste und Rekruten zur Verfügung stellen kann (Hamas) bzw die Platzierung innerhalb einer übergeordneten, gleichwohl subkulturellen religiösen Tradition (Shia oä.).
Die Schlussfolgerung könnte folgende sein: Beim Vergleich zwischen mohammedanistischem und nicht-mohammedanistischen religiösen Extremismus fällt auf, dass letzterer nur sehr selten gewalttätig ist. Obwohl zB. viele Millionen US-Bürger Abtreibung als Mord ansehen, und obwohl diese permanent in unzähligen Kirchen als solche verurteilt wird, obwohl das POTENTIELLE Angebot an „Ich-Bombern“ also enorm ist, bleibt das REALE Angebot bei Null, weil hier die NACHFRAGE nicht gegeben ist, weil es für die „Firmen“ angesichts der sie umgebenden Realitäten UNPROFITABEL ist, mit dem Produkt „Ich-Bomber“ auf den Markt zu treten. Dies alles zeigt, dass eine dauerhafte Schließung des „Ich-Bomber“-Marktes nur erreicht werden kann, indem seine Einträglichkeit für die Nachfrageseiten des Arbeits- wie des öffentlichen Marktes beendet wird. Dies könnte einerseits zB. langfristig dadurch erreicht werden, indem die Bedingungen des öffentlichen Marktes dahingehend verändert werden, dass Prosperität, Demokratie usw. entwickelt werden. Es kann aber mittelfristig, da ja von relativ empfindlichen „Firmen“ ausgegangen werden kann, versucht werden, durch kleine, aber gezielte Änderungen den Arbeitsmarkt zu stören. So kann zB. die Kooperation von „Terrorfirmen“ gestört werden, indem sie in schädigende Konkurrenzkämpfe geführt werden, indem ihre Leistungsunfähigkeit durch Propagierung gescheiterter Anschläge in Abrede gestellt wird, oder indem sie zB. von ihren intern angebotenen Service-Leistern bzw. Leistungen getrennt werden. Die IDF haben sich darüberhinaus relativ erfolgreich zB. auf der Angebotsseite um die Manager/Hamasfunktionäre gekümmert (Entführung wenn möglich, Eliminierung falls nötig). Die Gewinnung irakischer Stämme (die sicher nicht vom Satanismus des Mohammedanismus überzeugt wurden, sondern die vielmehr auf ein für sie günstiges Geschäft eingegangen sind (3) ist ein weiteres erfolgreiches Beispiel, das Steve Schippert nunmehr auch auf Pakistan übertragen will (4).
Time am 23. November 2007
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(1) http://www.mercatus.org/publications/pubID.1499/pub_detail.asp
(2) http://www.american.com/archive/2007/november-december-magazine-contents/what-makes-a-terrorist
(3) http://www.michaelyon-online.com
(4) http://www.frontpagemag.com/Articles/Read.aspx?GUID=1999A55B-78E2-4BE7-9753-CD5ED5146430
Schlagworte: Counterjihad, Iannacone, Ich-Bombe, Kruger