Aurel Kolnai und der Counterjihad

Am Freitag gab es in der FAZ einen Artikel von Raphael Gross, dem Direktor des Jüdischen Museums in Frankfurt sowie Leiter verschiedener Institute, in dem dieser an das Werk “The War Against The West” von Aurel Kolnai erinnerte.

Wiki (1): “Manche Denker, wie z.B. Karl Popper, zählten Kolnai zu den originellsten, aber auch herausforderndsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Kolnai wird heute besonders von Philosophen der analytischen Richtung rezipiert. Er gilt als einer derjenigen Denker, die früh den ‘Graben’ zwischen der so genannten kontinentalen Philosophie und der angelsächsischen Philosophie analytischer Prägung überwanden.”

Gross: “Schon vor siebzig Jahren, am Vorabend des Zweiten Weltkrieges, sagte eine wissenschaftliche Studie voraus, dass aus der Ideologie des Nationalsozialismus ein vernichtender Konflikt hervorgehen würde: ‘The War Against The West’ von Aurel Kolnai. Der Autor dieses siebenhundertseitigen Werkes ist praktisch vollständig vergessen. Vor kurzem wurden allerdings drei seiner beeindruckenden phänomenologischen Studien wiederaufgelegt: über EKEL, HOCHMUT, HASS. Die Arbeiten bilden den Hintergrund von Kolnais Analyse der nationalsozialistischen Ideologie.” Man wird sehen, dass Kolnais Analyse auf den Mohammedanismus gleichermaßen zutrifft.

Zentral in beiden Ideologien ist der HASS, der, so Kolnai, immer aus zwei Komponenten bestehe: einem Werturteil über das Gehasste und einer bestimmten NAHbeziehung. Was wir hassen, sei etwas, was UNS bedrohe, in UNSER Leben EINGREIFE. Kolnai 1935: “Wieweit wird im Hasse die VERNICHTUNG des Gegenstandes gewollt? Ausschaltung, Verbannung, Zugrunderichten, Tötung, metaphysische Entweihung des Gegners – etwa Vereitlung seiner ordnungsgemäßen Beisetzung (oder Köpfen, T.) – liegen in der Linie des hasserfüllten Willens.” Gross führt aus: “HASS ist demnach ein Gefühl, das uns im Gegensatz zu HOCHMUT, EKEL, WUT oder ZORN nicht wieder loslässt. Die hassende Person ist wesentlich tiefer und bindender in ihr Gefühl involviert: ‘Hass ist ein HISTORISCHER Aspekt des Menschenlebens – wie Geburtsumstände, Charakter, Bekehrung, Leidenschaft, Liebe, Werk, Krankheit. ANDERS als Ekel, Wut oder Hochmut kann der Hass so stark in den Vordergrund treten, dass er das ganze sonstige Beziehungsleben des Menschen DOMINIERT. Während wir uns bei Gefühlen der Angst oder des Ekels ABWENDEN oder AUSWEICHEN, erzeugt die Vernichtungsintention des Hasses einen geradezu unwiderstehlichen SOG.’”

Gross weiter: “1900 in Budapest als Aurél Stein geboren, war Kolnai einer der vielen ungarisch-jüdischen Intellektuellen, die nach 1918 nach Deutschland emigrierten… In Deutschland ist der Philosoph und Publizist Kolnai 1926 unter dem Einfluss der Schriften von Gilbert Keith Chesterton (’Pater Brown’, 2) zum KATHOLIZISMUS konvertiert. Kolnai wechselte nicht nur seine religiöse Zugehörigkeit, sondern auch seine philsosophische Orientierung. Während er in den frühen Jahren der Weimarer Republik für Freuds Zeitschrift ‘Imago’ schreibt, wendet er sich nun der Phänomenologie zu. Sein Interesse an der Analyse moralischer Gefühle prägte dann auch ‘The War Against the West’.

Als Erster hat er in dem Werk die BINDENDE Kraft von NEGATIVEN moralischen Gefühlen und Feindbildern analysiert. In zehn Kapiteln beschreibt Kolnai das DENKEN und HASSEN der politischen Nazi-Größen. Darüber hinaus diskutiert er mit präziser Kenntnis die sich als zentral herausstellenden intellektuellen Nazis oder dem Nazismus verbundenen Denker und Autoren: Paul Althaus, Alfred Bäumler, Werner Best, Hans Blüher, Houston Stewart Chamberlain, Artur Dinter, Arnold Gehlen, Walter Gross, Hans Günther, Franz Haiser, Martin Heidegger, Ludwig Klages, Ernst Krieck, Johann von Leers, Carl Schmitt, Wilhelm Stapel, Georg Usadel, Hans Zehrer. Einige davon sind heute wieder en vogue, manche sind vergessen. ALLE haben sie aber ihren intellektuellen Anteil an dem, was Kolnai als Kristallisationspunkt des Nationalsozialismus ausmacht: Sie sind antiliberal und beteiligten sich an der gedanklichen Vorbereitung oder Durchführung des nazistischen Kriegs. Kolnai hat schon 1938 darauf hingewiesen, dass nationalsozialistische Autoren vielfach auch auf deren Gegner eine große Faszination ausübten. Diese Faszination wich 1945 einem Gefühl der Ernüchterung. Sie bleibt aber abrufbar, wie der Antiliberalismus so der Hass auf alles Westliche.

Was ist denn nun aber der WESTEN? Kolnai nennt den Vorrang des RECHTS gegenüber dem Herrschaftsanspruch von einzelnen Personen, die historische Vormacht RATIONALER Ethik und eine SÄKULARISIERTE Politik, deren Führer Teile einer IRDISCHEN Gemeinschaft sind. Im Westen gilt Macht RELATIV, nicht absolut. Bedeutsam sind zudem das römische Recht und seine Rationalisierung von EIGENTUMSBEZIEHUNGEN. Wichtig auch: die Verneinung des MAGISCHEN. Das ÜBERWIEGEN des rationalen über das magische Moment führt zu einer größeren Bedeutung des Prinzips der KONSENSfindung, womit ZWINGEND die Existenz von politischer OPPOSITION (Rechts UND Links, T.) und von INDIVIDUELLEN FREIHEITSRECHTEN einhergehen muss. Es fördert auch die Fähigkeit zu experimenteller FORSCHUNG und die Entwicklung von WISSENSCHAFT überhaupt. Schließlich betont Kolnai den Zusammenhang von PERSÖNLICHER Würde, SEXUELLER Selbstbestimmung und GLEICHBERECHTIGUNG der FRAU.

Auch 1989 mit dem Ende des West-Ost-Konflikts ist diese Form der Ablehnung des Westens nicht verschwunden. Ian Buruma und Avishai Margalit haben dem von Kolnai beschriebenen Phänomen nach 9/11 den Namen ‘Okzidentalismus’ (ein mE. irreführender Terminus, T.) gegeben. Nur einen Aspekt haben sie hinzugefügt: Der Okzidentalismus ist zwar ein durch und durch europäisches Gebräu, aber wenn wir ihn in anderen Teilen der Erde wiederfinden, erscheint er uns plötzlich als gänzlich EXOTISCHES und unbekanntes Wesen: Wie Gauguin und andere Maler die von Frankreich nach Tahiti exportierten bunten Textilien dort plötzlich als Inbegriff tropischer Exotik betrachteten, so ergehe es uns mit dem okzidentalistischen KRIEG gegen den WESTEN.”

Mit anderen Worten, der HASS der Mohammedanisten auf unsere Gesellschaft erscheint uns barbarisch und absurd, jedoch ist er nicht allein eine exotische Erscheinung. Es gibt vielmehr eine Unzahl geistiger Produkte westlicher Denker, die in dieselbe Richtung zielen, und die ihrerseits wiederum den mohammedanistischen Hass von “uns” aus gedanklich unterfüttert haben. Und sehen Sie, diese Denker (s.o.) müssen, da sie keinesfalls “links” sind, wohl der (äußeren) Rechten zugerechnet werden. “Rechts” macht somit wohl nicht automatisch vor Westhass gefeit. Deshalb übrigens interessiert mich POLITIK im Sinn von “rechts” und “links” eigentlich überhaupt nicht! Ich bin Anfang 2002 durch Kloran-Lektüre zum COUNTERJIHAD gekommen. DEN verstehe ich, darum geht es mir! Ein sog. “konservatives Projekt” interessiert mich ebensowenig wie irgend ein anderes, und ich finde, dass Eva Hermann eine ziemlich gestörte egomanische Zicke ist (Gleichwohl bin ich übrigens seit jahrzehnten notorischer CDU-Wähler, sie wissen doch, liebe ehrenwerte “WAHRE” Konservative, diese neuerdings “neokommunistische” Partei, ihihihi!). Und deshalb sind zB. Jihad-Watch von Spencer oder TROP für mich ganz besonders herausragende Counterjihad-Seiten, weil sie sich auf das EINE (mE. WESENTLICHE) Problem konzentrieren können.

Kewil schreibt die Headline: “Wichtige Korrektur! WIR sind schuld, nicht die anderen!” (3) Er fährt SINNGEMÄSS fort: “Die Orks machen nur, was sie eben so machen, rauben, morden, vergewaltigen, da können die nichts für, die SIND eben so. SCHULD an diesen Verbrechen sind nicht die Täter, sind vielmehr die Opfer, WIR selbst! Denn wir haben ZUGELASSEN, dass SCHWULE und FEMINISTINNEN uns Männer so SCHWACH gemacht haben, dass wir den Orks keinen Einhalt mehr gebieten können!” Hier wird deutlich, dass sein Hauptproblem Schwule und Feministinnen sind (gegen die haben selbst “WAHRE” Männer keine Chance: Psst, Magie!), denn wenn es die nicht gäbe, gäbe es auch keine Probleme mit den Orks (die also eine Ebene tiefer verortet werden). Schaffen wir Schwule und Feministinnen ab, ihr Rederecht oä., dann, so deliriert er, ist auch das Orkproblem erledigt. Dass dann auch die demokratische Gesellschaft mit individuellen Freiheitsrechten, sexueller Selbstbestimmung uswusf. erledigt ist, ist ihm offenbar schei*egal. HASST er also im Grunde den für ALLE FREIEN Westen? Hmm…

Der “echte” Time am 23. Februar 2009

____

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Aurel_Kolnai
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Gilbert_Keith_Chesterton
(3) http://fact-fiction.net/?p=1869

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