Machen sie mit der heutigen FAZ (bzw. HC. Rössler) und mir einen Sprung nach Jerusalem zur dortigen Buchmesse.
Rössler: “Er kam, aber auf das Ei wollte er nicht VERZICHTEN. Seit 1963 steht am Beginn der Jerusalemer Buchmesse die Verleihung des Jerusalem-PREISES. Doch zu dieser Tradition gehört jedes Jahr eine ZITTERPARTIE. Denn für die Jury ist nicht nur die literarische Qualität des Preisträgers entscheidend, sondern auch die Frage, ob er ihn überhaupt ANNIMMT und selbst kommt. Haruki Murakami reiste nach Jerusalem, obwohl der Gaza-Krieg gerade erst gut vier Wochen zurückliegt. Viele hätten versucht, ihn davon abzuhalten, sagt der diesjährige Preisträger aus Japan. Die Politik mied er in seiner Preisrede, mit literarischen Mitteln bezog er aber recht eigenwillig Position: ‘Wenn ich zwischen einer hohen und dicken Mauer und einem Ei entscheiden muss, das an ihr zerbirst, werde ich immer auf der Seite des Eis stehen’, stellt er fest. Wir seien letztlich alle zerbrechliche Eier, die an den Mauern von Menschen errichteter Systeme zerbrächen. Frühere Jerusalem-Preisträger wie Susan Sontag, Jorge Luis Borges und Graham Greene fanden einst deutlichere Worte: Arthur Miller etwa forderte das Ende des israelischen Siedlungsbaus.”
Soso, der Preisträger läßt den Dichterfürsten raushängen und gebiert eine Allegorie – ach, wäre es doch ein Ei gewesen! Die armenarmen Pallie-Terroristen als rohes Ei , das auf einer bösenbösen Mauer zerschellt, köstlich. Das hat mit Politik (die “mied er in seiner Preisrede” bekanntlich) natürlich rein GARNICHTS zu tun. Ich denke nicht, dass er die Orks beleidigen wollte, was aber zweifellos der Fall ist: Wer will schon gern ein Matschei auf einer Mauer sein? Übrigens, bei 1,5 Milliarden Orks gegen 7 Millionen Juden (das ist ein Verhältnis von 214,28 zu 1), WER ist da Ei und wer Mauer?
“Im Vergleich zu den europäischen Messen geht es in Jerusalem jedoch eher kleinstädtisch zu”, weiß Rössler. “Aus Deutschland sind in diesem Jahr NUR Holtzbrinck und der Jüdische Verlag von Suhrkamp SELBST vertreten. Andere lassen ihre Bücher am deutschen Stand des Goethe-Instituts ausstellen.” Das ist nicht ohne weiteres nachvollziehbar, denn: “Sieben Millionen Israelis kaufen jedes Jahr zwölf Millionen Bücher – sie gehören damit zu den eifrigsten Lesern auf der Welt.” Rössler weiter: “Die Auswahl der Verlage erscheint bisweilen EIGENWILLIG: Raul Teitelbaums neues Buch ‘Die biologische Lösung’, in dem er beschreibt, dass die meisten Holocaust-Überlebenden starben, bevor sie eine Entschädigung aus Deutschland erhielten, steht nicht weit entfernt von einem Nachschlagewerk zu ‘Giften und Vergiftungen.’”
Nein, Herr Rössler, SIE fallen weniger durch Ihre genaue Beobachtungsgabe auf als durch Ihre unglaubliche Geschmacklosigkeit – in einem Porzellanladen wären Sie vermutlich besser aufgehoben.
Jedoch: “Aus Deutschland reiste auch Najem Wali mit seinem Buch nach Jerusalem, das zeigt, dass Literatur im Nahen Osten LEBENSGEFÄHRLICH sein kann. Mit seiner ‘Reise in das Herz des Feindes’ brach der seit langem in Berlin lebende irakische Autor ein TABU: Er ist als Araber nach Israel gereist und erzählt, wen er dort getroffen hat: ‘Menschen, die Angst haben wie WIR, nicht Monster, wie OFT (nicht eher AUSSCHLIESSLICH? T.) in der arabischen Welt dargestellt. Von denen haben wir selbst GENUG.’ Sein Buch brachte ihn auf die TODESLISTE des irakischen ‘Widerstands’, arabische Verleger wagen aus Angst vor einem BOYKOTT (oder schlimmerem, nehme ich an, T.) nicht, es zu veröffentlichen; sogar FREUNDE in Deutschland wandten sich ab, ‘weil ich mit dem Buch ihren Vorurteilen widersprach’. In Israel hat Wali indes einen Verleger gefunden. An seinem Buchmessestand liegen schon die ersten Exemplare auf Hebräisch aus.”
Jaja, bald haben die kein Papier mehr, weil sie alles für ihre Todeslisten brauchen. Willkommen bei UNS, Najem, ich wünsche Ihnen alles Gute. Und mit der VERLEIHUNG des Unehrentitels “FAZ-Ali” an HC Rössler warten wir noch ein bißchen, der “Neue” muss sich erst mal reinfinden, und besser als der endlich von den FAZ-Lesern gegangene Jörg Bremer ist er allemal.
Time am 20. Februar 2009
Tags: Haruki Murakami, Najem Wali