Wissen Sie, was eine „Hype“ ist? Diese englische Vokabel leitet sich von „Hyperbel“ ab und bezeichnet den deutschen Terminus (künstlicher) „Medienrummel“ (1). Einen solchen möchte die FAZ offenbar gerne um die hessische Kulturpreisdebatte entfachen, und das finde ich gut, weil sich eine mE. ausgezeichnete Möglichkeit bietet, christliche Glaubensinhalte darzustellen und gegen andere abzugrenzen, auf dass sich trenne, was NICHT zusammengehört.
In der heutigen FAZ meldet sich FAZ-Ali1, WG. Lerch zu Wort:
„Dass einmal CHRISTLICHE und MUSLIMISCHE Intellektuelle aus Anlass einer geplanten Preisverleihung über christologische Fragen… in einen DERART heftigen Streit geraten könnten… hätte man sich bis vor kurzem noch nicht TRÄUMEN lassen. Der Plan, den Preis um des religiösen DIALOGES und Friedens willen sozusagen „abrahamitisch“ zu vergeben, ist fürs Erste gescheitert.
Die Auseinandersetzung „über das Kreuz“ wird dabei nicht nur zwischen den ursprünglich zur Ehrung vorgesehenen Persönlichkeiten …, sondern auch deren jeweiligen „Hilfstruppen“ publizistisch geführt. Vor allem die christliche und muslimische Seite stoßen aufeinander. Was früher allenfalls Anlass für Dispute im ELFENBEINTURM der Wissenschaftler war, ist plötzlich öffentlich geworden, dazu noch zu einem Politikum, das dem interreligiösen Dialog einen Schlag versetzt.“
Zumindest in der FAZ ist die Debatte eher lau, es gibt nur wenig Zuschriften zu dem Thema. Auch habe ich nicht bemerkt, und auch bei Dr. Eussner, die sich einen sehr weiten Überblick verschafft hat (2), ist dies nicht der Fall, dass sich Mohammedanisten eingeschaltet hätten. So ist die Debatte eher eine zwischen überzeugten Christen und Westlern, denen das Christentum lästig ist. Immerhin gibt Ali1 nun keine synkretische Allgemeinposition zur Kenntnis, sondern er stellt mohammedanistische Auffassungen von Isa Bin Maryam vor, von dem die Orks in bekannter usurpatorischer Manier behaupten, dieser sei der christliche JESUS gewesen, obgleich jenes Geschichte völlig anders verlief als die von Jesus Christus. Lesen Sie einige der Ausführungen von Ali1 unter dem peppigen Titel
Das Kreuz mit der Kreuzigung
… Kermani als Schiit hat dabei, wie er selbst bekräftigte, durchaus „günstigere“ Voraussetzungen, als etwa sunnitische Muslime, eine Kreuzestheologie zu verstehen, da im Schiitentum das grausame Martyrium der Imame (Ali, Hussein und ihrer leiblichen Nachkommen) bis heute eine wichtige Rolle spielt; ebenso das Erinnern daran, das in seinen alljährlich am Aschura-Tag im Trauermonat Muharram geübten kollektiven Trauer-Riten sowie in den schiitischen Passionsspielen (taziyeh) in manchem an die Semana Santa, die Karwoche in Spanien (die allerdings natürlich orkisch beeinflußt ist, T.), erinnern mag. Die ermordeten schiitischen Imame werden vom schiitischen Volksglauben durchaus auch als „Erlöser“-Figuren verstanden…
Allerdings lehnt der Koran die Lehre von der Inkarnation, der Fleischwerdung Gottes in Jesus Christus, ab. Bis heute weisen Muslime die Auffassung, ja Bezeichnung Jesu als „Sohn Gottes“ zurück, und zwar als blasphemisch – unter Bezug auf Koran-Sure 112 (al-ikhlas), in der es heißt: „Gott ist der Eine, der Mächtige. Er hat nicht gezeugt und Er ist nicht gezeugt, und keiner ist Ihm gleich.“…
Die Kreuzigung wird im Koran zwar erwähnt, doch bezieht sie sich nicht auf Jesus in der Weise, wie die Evangelien es berichten. Die betreffende Stelle ist Sure 4, Verse 157-159, in denen es heißt: „… und weil sie (gemeint sind die Ungläubigen) sagten: Wir haben Jesus, den Sohn Marias, den Gesandten Gottes, getötet. Und sie haben ihn nicht gekreuzigt, sondern es erschien ihnen eine ihm ähnliche Gestalt. Diejenigen, die über ihn uneins sind, sind im Zweifel über ihn. Sie haben kein Wissen über ihn, außer dass sie Vermutungen folgen. Und sie haben ihn nicht mit Gewissheit getötet, sondern Gott hat ihn zu sich erhoben. Gott ist mächtig und weise…“ (Übersetzung von Adel Theodor Khoury, Themenkonkordanz Koran, Gütersloh 2009; enthält alle Stellen über Jesus, Anm. v. Ali1)…
Bis heute ist in der islamischen Welt eine Version von Jesu Ende verbreitet, die sich radikal von den Evangelien unterscheidet. Danach ist Jesus von Palästina aus nach Osten gewandert und hat predigend Indien erreicht. Vor allem die in Pakistan und Indien beheimatete Ahmadiyya-Bewegung des Islam lehrt, Jesus sei am Ende nach Kaschmir gelangt und dort hochbetagt gestorben. In der Stadt Srinagar zeigt man den Touristen das Grab von „Yuz Asaf“, der niemand anders gewesen sei als Jesus. Islamisch orthodox ist diese Lehre allerdings nicht.
Ich habe ein paar Quellen zusammen, erwarten Sie also demnächst einen Aufsatz von mir über die Bedeutung des Kreuzestodes Christus für den christlichen Glauben, aber lesen Sie nunmehr zunächst einen mE. treffenden Leserbrief von Gabriela Stephan:
Das Kreuz wird missdeutet
Mit Interesse las ich den Artikel „Kreuz in Krähwinkel“ von Lorenz Jäger in der F.A.Z. vom 14. Mai. Als jemand, der nicht weiß, welche Kriterien ein Kandidat erfüllen muss, um in den Auswahlkreis für die Auszeichnung des Hessischen Kulturpreises zu gelangen, hat es mich zunächst sehr verwundert, wie vehement Jäger für den Kandidaten zweiter Wahl, Navid Kermani, Partei ergreift. Umso erstaunlicher war es für mich, dass der Entschluss von Fuat Sezgin, den Preis auf Grund von inneren Bedenken seinerseits gegenüber dem Mitpreisträger jüdischer Herkunft, Salomon Korn, nicht anzunehmen, als selbstverständlich hingenommen wird und keiner weiteren Erläuterung bedarf.
Wenn Jäger meint, „diese kühne, dramatische Folge von Kermanis Gedanken, die für einen Muslim an der Schwelle zur Ketzerei liegen müssen… mündet in eine ganz andere Sicht des Kreuzes“, so hat er wohl recht, aber eben in eine antichristliche. Als Christ glaube ich nicht an ein Kreuz, an das zu glauben Kermani kurz davorstand. Ich glaube an den gekreuzigten Gottessohn, Jesus Christus, der von Gott nach drei Tagen von den Toten auferweckt wurde. An dieser Frage („Starb der Gottessohn für meine Sünden zu meiner Erlösung?“) scheiden sich die Geister. Geschickt wird um diesen Kern des christlichen Bekenntnisses herum manövriert, das Kreuz erwähnt, aber missdeutet.
Wir leben in einem demokratischen Land. Die Bürger muslimischen Glaubens und anderer Religionen haben das Recht auf freie Religionsausübung. Dies wird in vielen islamischen Ländern für Christen und religiöse Minderheiten nicht gewährt. So ist es doch mehr als anmaßend, wenn den beiden christlichen Würdenträgern ihr Recht in Frage gestellt wird, gemäß ihres Glaubens die Preisverleihung zusammen mit einem Mann abzulehnen, der provokant aus christlicher Sicht gotteslästerliche Äußerungen publiziert.
Time am 29. Mai 2009
(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Medienrummel
(2) http://www.eussner.net/artikel_2009-05-17_19-30-41.html
außerdem Ausführungen von Daniel Deckers in der FAZ v. 27. Mai unter:
http://tinyurl.com/mbhcuo
Schlagworte: Aschura, Gabriela Stephan, Kreuzigung, Kulturpreisdebatte, Navid Kermani, Wolfgang Günther Lerch
29. Mai 2009 um 16:49
Kein Islam-Lobbyist der FAZ, nicht einmal FAZAli1, reicht an die Unterwürfigkeit der Andrea Dernbach, vom Tagesspiegel.
30. Mai 2009 um 19:56
Liebe Gudrun,
herzlich willkommen!
Ich lese Ihre Aufsätze fast regelmäßig seit Jahren und finde sie immer sehr interessant und sehr gut recherchiert. Vielen Dank dafür.
Ich erlaube mir, Sie als eine „Grande Dame“ des deutschen Counterjihad zu bezeichnen und grüße Sie herzlich,
Ihr Time
31. Mai 2009 um 03:31
Danke, ich bin gerührt!
Hier ist mein neuer Kermani-Artikel: Im Siegeszug ins Zentrum der Macht
Enjoy!