Die heutige FAZ bringt eine interessante Arbeit von Leo Wieland über die Vertreibung der letzten Mohammedanisten aus Spanien, nein, damals, leider, vor genau 400 Jahren, 1609.
1492 konnten die “katholischen Könige” Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragon, die durch ihre Hochzeit 1469 den Grundstein für das heutige Spanien legten, mit dem Sultanat von Granada nach einem zehnjährigen Krieg die letzte mohammedanistische Bastion in Spanien überwinden. Leider erließen sie anschließend das Alhambra-Edikt (1), welches die Vertreibung bzw. Zwangskonvertierung aller spanischen Juden vorsah (und bis 1968 Gültigkeit hatte). Gedacht zur Herstellung der inneren Einheit Spaniens wie auch zur Bereicherung am Eigentum der Juden, zeitigte der Exodus von 130.000 bis 300.000 gut gebildeten und aufgestellten Sepharden das Ende der entstehenden Mittelschicht, Wissenschaft und Kultur gingen bedeutender Köpfe verlustig. Die florentinischen Medici nahmen viele von ihnen mit offenen Armen auf, bittere Ironie der Geschichte: Der Krieg gegen Muhammad XII. „Boabdil“ (2) hatte nur durch die massive Unterstützung jüdischer Finanziers gewonnen werden können.
Nach dem Untergang des Sultanats zogen sich viele Orks, die sogenannten “Morisken” (3), in die zerklüfteten aber fruchtbaren Alpujarras zurück (4). Von hier aus kam es schon 1500 zu Aufständen gegen die Christen. Philipp II. (5) verbot den Islam und das Arabische und ordnete Zwangskonvertierungen an, also Maßnahmen, die mittelfristig auch im Europa unserer Tage bedeutsam werden könnten. Infolge dieser brach von 1569 bis 1571 ein erneuter Aufstand los, nach dessen Niederschlagung viele Morisken nach Aragon und Kastilien umgesiedelt wurden, generell wurden alle zwangskonvertiert. Über ihre Treue zum neuen Glauben wachte das Santo Oficio, dass oftmals feststellen mußte, dass die neuen “Christen” im Geheimen den Mohammedanismus weiterpraktizierten.
Leo Wieland: “Philipp III. tat, was Karl V. und Philipp II. schon erwogen, aus praktischen Gründen aber wieder verworfen hatten. Er ordnete an, dass ‘alle Morisken aus diesem Königreich vertrieben und in die Berberei geschickt’ werden sollten. Das Dekret datiert vom 9. April 1609. Es sollte aber Monate dauern, bis es allgemein bekannt, und sechs Jahre, bis es Schritt für Schritt von Region zu Region auf der Iberischen Halbinsel ausgeführt wurde. Damals verlor Spanien, das rund sieben Millionen Einwohner zählte, etwa fünf Prozent seiner Bevölkerung. Zugleich verloren mindestens 300.000 Morisken … ihre Heimat und ihr Hab und Gut.”
Außergewöhnlich (für ein MSM) die anschließende Passage: “Die spanischen Historiker machen in diesem Jahr, zum Teil begleitet (oder kontrolliert? T.) von Maghrebinern aus der Zunft…, rückblickende Bestandsaufnahme. Dabei mischen sich in das Bedauern ob der ‘großen Tragödie’ von damals mit all ihren gravierenden wirtschaftlichen, demographischen und kulturellen Konsequenzen VORSICHTIG AUCH gegenwartsbezogene Fragen. Sind mittelalterliche religiöse Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit, Ressentiments und Komplexe heutzutage SPIEGELVERKEHRT vorwiegend für die arabisch-islamische Welt kennzeichnend? Gibt es insbesondere nach den Madrider Terroranschlägen vom März 2004 VERSUCHE einer neuen ‘Dämonisierung’ von Muslimen? SIND die in den vergangenen Jahren mit schon einer Million zur stärksten Einwanderergruppe in Spanien gewordenen Marokkaner, Algerier und anderen Maghrebiner eine NEUE ‘fünfte Kolonne’ – wie Philipp III. einst seinen Ausweisungsentscheid begründete? Im Zeitalter der politischen Korrektheit ist derlei NOCH mehr Subtext als Gegenstand freimütiger Debatten. Historiker, wie Rafael Carrasco… weisen immerhin mit spitzen Fingern auf mögliche heikle Fragestellungen hin. Insgesamt halten sich die Aufräumungsarbeiten, die von Ausstellungen wie ‘Zwischen Land und Glaube’ an der Universität von Valencia (bis Ende Juni) angereichert werden, ABER EHER im Rahmen TRADITIONELLER Vergangenheitsbewältigung mit viel Sympathie für die verfolgte MINDERHEIT.”
Als Motive für die Vertreibung der Orks nennt Wieland zunächst die Tatsache, dass die Orks trotz Konversion als nicht-assimilierbar galten. Sie wurden auch als Gefahr für die Sicherheit des Staates gesehen, denn Spanien stritt mit Türken und Berberpiraten um die Herrschaft im Mittelmeer. Zudem war Philipp grade 1609 gezwungen, ein Abkommen mit den flämischen Protestanten zu schließen. Wieland vermutet deshalb auch eine Machtdemonstration als Hintergrund. “Dass der Monarch durch den Verlust einer fleißigen und erfolgreichen Minderheit, die neben dem bäuerlichen Gros auch zahlreiche Geschäftsleute und Verwaltungsfachleute einschloss, seinem Land erheblichen wirtschaftlichen Schaden zufügte und so den Boden für den allmählichen Niedergang des spanischen Imperiums bereiten half, wurde im Eifer nicht bedacht.” Wiki berichtet zB., dass 270 von 400 Orten in den Alpujarras seit 1570 mit christlichen Bauern aus Galicien, León, Asturien und Kastilien neu besiedelt worden waren. Die neuen Bewohner hätten aber nicht das arabische Bewässerungssystem weiterführen können. Die Landwirtschaft sei verfallen und die Region in Vergessenheit geraten. Es lag also eine Situation vor, die wiederum quasi spiegelverkehrt zur heutigen war, da die Mohammedanisten die Gefängnisse und Sozialämter füllen oder wenn nicht durch Gewalttaten, dann durch perversen Sprechgesang auffallen.
Wieland: “Die spanischen Geschichtsforscher heben zugleich in breiter Front hervor, dass damals kein einziger aller christlichen Nachbarn, der französische König inbegriffen, protestiert oder wenigstens ein kritisches Wort geäußert habe.” Eine einmalige Geschlossenheit in einer heutzutage als politisch inkorrekt geltenden aber sicher realistischen Einschätzung des Mohammedanismus bzw. des angemessenem Umgangs mit ihm also? Dem würde ich zustimmen und hoffen, dass wir im Westen diese Geschlossenheit wieder erreichen könnten.
Time am 30. Mai 2009
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(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Alhambra-Edikt
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Muhammad_XII._(Granada)
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Morisken
(4) http://de.wikipedia.org/wiki/Alpujarras
(5) http://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_II._(Spanien)
PS.: Was die praktische Ausgestaltung des Projektes “Trennen, was NICHT zusammengehört” betrifft, so ist es für uns Europäer vielleicht billiger, wenn wir jeden einzelnen hiesigen Ork damit in den Orient zurücklocken, dass wir ihm dort auf unsere Kosten eine Existenz aufbauen. Lesen Sie diesbezüglich ein interessantes Interview mit dem dänischen Psychologen Nicolas Sennels auf europenews unter
http://europenews.dk/de/node/21875
Tags: Alhambra-Edikt, Ferdinand II. von Aragon, Granada, Isabella I. von Kastilien, Morisken, Philipp II., Philipp III.