Archiv für Juli 2009

Mein Jihad, Dein Jihad…

9. Juli 2009

… Jihad ist gegen uns alle da!

Jeden Tag ermorden Mohammedanisten vor allem Christen (aber auch Anhänger anderer Religionen). Heute zB. berichtet die FAZ: „Beim zweiten Bombenanschlag auf eine Kirche innerhalb von drei Tagen sind am Dienstag auf den Philippinen sechs Menschen getötet worden. 50 Menschen wurden verletzt…“ So geht es seit vielen Jahrhunderten, Tag für Tag, Mord für Mord.

Aber manchmal erwischt es auch einen besonders frechen Ork am falschen Ort zur falschen Zeit…

Eine Mohammedanistin wurde im Gericht von Dresden erstochen. Sie hatte sich mit einem Nicht-Ork offenbar über eine Spielplatzschaukel gestritten. Sie war der Ansicht, dass dieser (oder sein Kind?) nicht das Recht habe, auf der Schaukel zu sitzen, sondern nur ihr(e) Kind(er). Ich finde es auch flegelhaft, wenn Erwachsene mit ihren Kindern zusammen ausufernd Kinderspielgeräte belegen oder gar nur für sich allein nutzen, aber die Welt ist voller Flegel, leider, so what?

Jedoch: Die Jihad-Orka in vollem Schleiereulen-Ornat im Kampfauftrag legte sich an und fing natürlich ein paar Schimpfworte ein, deren schwerwiegenstes „Terroristin“ war. Eine gute Gelegenheit, den Kinderspielplatzjihad vor Gericht zu bringen, meinte sie nun. Der Asi-Nichtork, ein Rußlanddeutscher, wurde in erster Instanz zu 780 Euro verknackt. „Diesen Betrag plus Anwalt zahlt man doch aus der Kaffeekasse, da regt man sich doch nicht drüber auf“, meint ein jeder Dimmi-Dumpfie. Indes, damit war es offenbar noch nicht genug, die nächste Instanz wurde eröffnet (von wem?), und der mutmaßlich („wie aus gewöhnlich gut informierten Kreisen berichtet wird…“) ebenso alk- wie orkerfahrene Rußlanddeutsche sehnte sich vielleicht inzwischen nach Kasachstan zurück. Eine Kurzschlußreaktion folgte, und Marwa al-Scharbini ging in die Hölle ein, wie wir einem Hadith von Buhari entnehmen (II/11, Recl. S. 37). Denn Klo sagte: “Die Hölle wurde mir gezeigt. Und die Mehrzahl ihrer Bewohner waren Frauen.” Nun gut, vielleicht kommt unter wenigen Marwa davon, denn sie ist offenbar eine „Märtyrerin“ (1) und ein „Opfer des Schleiers“, wie wir laut heutiger FAZ aus der ägyptischen Presse erfahren können. Die regierungsnahe Zeitung Al-Ahram schließt zudem messerscharf: „Europa will ein privater Club bleiben, nur für Christen.“

Wenn es denn so wäre (das mit dem „Christen-’Club’“), und als ob „privat“ ein Vergehen wäre. Aber tatsächlich werden WIR von zig-Millionen wenn nicht potentieller Terroristen so doch evidenter Jihadisten, die nur zZ. den Jihad lediglich um Kinderschaukeln sogar bis ins Gericht tragen, bis in unsere Kirchen und Schlafzimmer überschwemmt. So what, All-Orkistan entsorgt zZ. Tag für Tag alle No-Orks auf seinen Territorien durch Massaker (s.o.), so why we shouldn’t try the same – in case of BALANCE?

Ich bedaure, dass Frau Scharbini den Deutschen von der Schaukel verjagen wollte, ich bedaure, dass er mit Schimpfworten antwortete, ich bedaure, dass sie ihn vor Gericht zog, ich bedaure, dass die Dimmis dort ihm eine harte Strafe verpaßten, ich bedaure, dass die Strafe für zu gering erachtet wurde (?), und der Fall weiterverfolgt wurde, ich bedaure, dass der Deutsche die Orka ermordete. Alles sinnlos, alles eklig und blutig und unwürdig, eben Jihad.

Und Jihad – bzw. Counterjihad – ist AUCH das, was grade in Xinjiang geschieht. Natürlich leidet China unter einer sehr unsympathischen Ein-Parteien-Diktatur. Aber die Chinesen sind, so meine Meinung, alles andere als unsympathisch. Sie alle leiden mehr als unter allem anderem mE. unter dem JIHAD! Ein Gemeinwesen mit 1,5 Mrd. Mitgliedern folgt evtl. anderen Gesetzen als wir. Ich verabscheue den Jihad wie nichts anderes auf der Welt (vielleicht mit Ausnahme des deutschen Nationalsozialismus und des russischen Bolschewismus), und wenn es in der FAZ heißt, 120 Uiguren seien getötet worden, dann bedaure ich das zwar, aber ich bin auch der Ansicht, der Counterjihad MUSS über den Jihad siegen (und 120 in einer Reihe sind mE. ein bezahlbarer Preis)! Denn wo der Jihad siegen würde, hätte die Menschheit verloren!

Kina-Kina-Kina!

Time (of COUNTERJIHAD) am 8. Juli 2009

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(1) http://www.eslam.de/begriffe/s/scharbini_marwa.htm

http://www.pi-news.net/2009/07/gerichtsmord-politisch-instrumentalisiert/#more-70734

Hier zwei Tips von Monalisa:

http://www.youtube.com/watch?v=hKKS0ykOaeE&feature=channel

http://www.youtube.com/watch?v=vAQpTm0joUI&feature=channe

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PS2: http://www.youtube.com/watch?v=LPShqHaeuTw – check it !

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Update 07.08.09: Die zweite Instanz wurde von der Staatsanwaltschaft eröffnet, der das erste Urteil zu milde erschien und die im zweiten Verfahren das Opfer als Zeugin lud.

Udate 25.10.09: Ein Artikel in der heutigen FAZ klärt darüber auf, dass es PASSANTEN gewesen seien, die die Polizei geholt hätten. Weiterhin habe das Mordopfer die angeblich getätigten Schimpfworte vor Gericht leicht entschärft, sich deeskalierend verhalten.
http://www.faz.net/s/RubF3CE08B362D244869BE7984590CB6AC1/Doc~E9FEB8D3546634CA9851FD715CB469465~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Update 28.10.09: Die heutige FAZ berichtet widerum Folgendes: „Er nannte sie ‘Islamistin’ und ‘Terroristin’. Andere griffen ein. Marwa al Scharbini rief mit dem Handy einer weiteren Frau die Polizei.“ Somit war mE. doch auch der Kinderspielplatz-JIHAD eine der Ursachen für die Eskalation, angestachelt u.a. möglicherweise von gutmenschlichen Orkverstehern – wobei ich nie in Frage stellen würde, dass es sich bei dem Attentat um einen heimtückischen und schrecklichen  Mord handelt.

Andere schauen auf uns

6. Juli 2009

Gestern brachte die FAZ einen sehr freundlichen Aufsatz des japanischen Diplomaten Yoshitaka Hanada, der von 2006 bis 2009 Generalkonsul seines Landes in Frankfurt am Main war, über Deutschland und die Deutschen. Ich möchte seine Komplimente erwidern: Ich bin von Japan fasziniert, und ich freue mich, dass die Japaner nach den Schrecken des WW2 wie wir in den Kreis der zivilisierten Nationen zurückgefunden haben. „Wie sehen andere uns Deutsche?“ – Das ist mE. eine interessante Frage, deren Beantwortung uns auf dem Weg zu erkennen, wer wir sind, und warum wir uns gegen die Orks verteidigen sollten, weiterbringen könnte. Lesen Sie anschließend vielleicht auch noch die Ausführungen des schweizer Schriftstellers Thomas Hürlimann zum gleichen Thema (1).

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Welch behagliche Kultur, welche Kraft der Autos, welche Betrübnis der Seelen: ein japanischer Blick auf Deutschland

Nach Europa kam ich in der Absicht, herauszufinden, was denn das „Alte“ ist und was Deutschland ausmacht. Dabei machte ich zum einen die Erfahrung, dass das gute, alte Europa dort noch in Blüte stand, wo sich die Monarchie erhalten hatte. Sie und die Eliten haben die europäische Kultur geformt: eine prunkvolle und luxuriöse Kultur, die sich auf einen Reichtum gründete, der alles andere unterdrückte. Dieses „Alte“ der europäischen Kultur hat noch eine weitere Seite: eine behagliche Kultur, die sich in dezentralen Verhältnissen herausgebildet hat und vom Volk geprägt wurde.

Deutschland ist ein dezentrales Land. Frankfurt ist nur eines von vielen Zentren. Die Gesellschaft kennt nicht, wie Tokio, einen einzigen Pol, auf den sich alles konzentriert; die Zentren verteilen sich über das ganze Land. Für Japaner ist es geradezu unglaublich, dass der Frankfurter Flughafen nur wenige Minuten von der Innenstadt entfernt ist.

Die Menschen können an Orten, die sich ins Gigantische gewandelt haben, nicht leben. Im Leben der Menschen gibt es so etwas wie einen Maßstab der räumlichen Selbstbeschränkung, damit die Leute untereinander kommunizieren können. In den Dörfern in Deutschland geht man morgens Brot kaufen und führt ein Gespräch mit den Leuten im Laden. Auf dem Markt trinkt man Milch; sie schmeckt, und man fragt, wo sie erzeugt wurde. Solche angenehmen Seiten braucht der Mensch in seinem Leben. Ein Leben wie in Tokio und in New York widerspräche dieser stillen, menschlichen Denk- und Lebensweise – und die ist Teil des „guten, alten Europa“.

Dabei habe ich stets an meine Heimat gedacht: War der Weg Japans nach dem Krieg richtig? Deutschland und Japan hatten die gleiche Startposition. Aber ist Japan 60 Jahre nach dem Krieg nicht in eine „falsche“ Lage geraten? Japan hat zwar ein hohes Wirtschaftswachstum erzielen können; es ist die zweitgrößte Wirtschaftsnation der Welt. Aber wenn man nach den Lebensverhältnissen der Leute fragt, wo in Japan gibt es dann heute noch ein solch reichhaltiges, angenehmes Leben?

Deutschland und Japan sind beide stolz auf ihre Hochtechnologie, in der industriellen Fertigung sind sie führend. Wenn man die hergestellten Dinge aber genauer betrachtet, so weisen die deutschen und die japanischen Produkte große Unterschiede auf, selbst wenn es sich um die gleichen Produkte, die gleiche Hochtechnologie handelt: Das Japanische ist zart, fein, weiblich – das Deutsche imposant, gründlich, männlich.

Dank der Technik sind japanische Autos fehlerfrei: Jedes einzelne Teil wird in feinster Präzision hergestellt, auf einem Niveau, das den Ansprüchen der Nasa genügen würde. Aber an Kraft kommen sie den deutschen Autos nicht gleich. Wenn ich in Deutschland auf der Autobahn fahre, dann spüre ich die Kraft der deutschen Autos, und diese Kraft ist eine Stütze der deutschen Maschinenbauindustrie. Auch die Gründlichkeit ist eine deutsche Eigentümlichkeit. Es gibt ein Autobahnnetz, das bis in jeden Winkel des Landes reicht; jede einzelne Strecke wird tadellos in Ordnung gehalten, die Fahrspuren sind immer klar erkennbar. Mit welcher Gründlichkeit dies geschieht, merkt man sofort, wenn man einmal ins benachbarte Ausland fährt. Deutschland bewegt sich spät, aber wenn es sich einmal in Bewegung setzt, tut es das mit Gründlichkeit.

Was die Deutschen herstellen, ist vollkommen. Alles ist enthalten, keine Wünsche bleiben offen. Deutschland legt bei der Schaffung von Systemen in unvergleichlicher Weise Stärke an den Tag. Verfügt es aber auch über die gleiche Kraft, diese Systeme zu erhalten und zu betreiben? Es versteht sich von selbst, dass für das Planen und Erstellen von Systemen sowie bei deren Erhaltung und Betrieb unterschiedliche Fähigkeiten zum Tragen kommen. Während bei der Planung und Schaffung vor allem Kreativität wichtig ist, erfordern der Erhalt und die Umsetzung vor allem stete Achtsamkeit für das System als Ganzes, eine improvisierende Reaktion auf die jeweiligen Umstände – mit anderen Worten: eine flexible Gewandtheit. Ist das eine Stärke der Deutschen? Wenn ich Deutschland betrachte, kommt es mir in den Sinn, wie sehr das Volk zweigeteilt ist. Es gibt eine große Kluft zwischen der Elite und dem breiten Volk. Diese Kluft wird durch das deutsche Bildungssystem weiter vergrößert.

Systeme werden von nur wenigen herausragenden Köpfen geschaffen, aber viele Menschen müssen sie betreiben und warten. Hier leisten die Japaner Hervorragendes, bei der Schaffung von Systemen sind sie ungeschickt. Verfügt man in Deutschland wohl in dem gleichen Maße über flexible Anpassungsfähigkeit, wie man Hervorragendes leistet beim Entwerfen von Systemen? Dies kommt mir beim Betrachten der Infrastrukturen von Eisenbahn und Post in den Sinn.

Der Schlüssel zum Verständnis Deutschlands, so ist mir berichtet worden, seien nicht die Imposantheit und die Gründlichkeit, sondern gewiss auch der Romantizismus und der Pessimismus. Ein Herz, das so von Melancholie erfüllt ist, dass ihm gleich die Tränen kommen, wenn es zu Beginn des Herbstes die welken Blätter herabfallen sieht, soll es in Deutschland und in Russland geben, nicht aber etwa in Frankreich.

Eine Rückschau in die Vergangenheit zeigt, dass man aufgrund der Erfahrungen des Krieges umsichtig gegenüber der Zukunft geworden ist. Deshalb fürchtet man die Inflation. Dieser Pessimismus bildet einen Kontrast zum amerikanischen Optimismus. Wenn man die amerikanische Kultur als „Traum“ bezeichnet, so ist die deutsche Kultur „Betrübnis“. Die kraftvolle, gründliche, männliche Kultur enthält Romantizismus und pessimistische „Betrübnis“. Wie konnten beide Wesensmerkmale miteinander verschmelzen? Weil die Menschen keine einseitigen Wesen sind. Einseitige Wesen sind monoton, langweilig. Auch wenn die Menschen kraftvoll auf männliche Weise leben, so ist doch in den Falten ihrer Seele Trauer verborgen. Dort existieren Kultur und Musik. Vielleicht ist es ein ganz besonders geschmackvolles Volk.

Die amerikanische Kultur kennt keine Tabus, sie reißt Beschränkungen nieder und wagt unbekümmert Neues. An den amerikanischen Mikrowellenherden gibt es neuerdings Hinweisschilder, die davor warnen, Hunde hineinzusetzen. An Waschmaschinen soll es Schilder gibt, dass dort keine Katzen gewaschen werden dürfen. Das mag symbolhaft sein für die amerikanische Prozessgesellschaft, aber bezeichnend für die amerikanische Gesellschaft ist das Ausschlagen ins Extrem.

Auch in Japan kann es ein Ausschlagen ins Extrem geben. Das Kobe-Rindfleisch wird erzeugt, indem man den Rindern Bier zu trinken gibt und sie massiert, damit sich das Fett über den ganzen Körper verteilt. Bis ins Detail ist festgelegt, in welchem Alter die Rinder was zu fressen bekommen, welche Massagen sie bekommen, welche Bewegungen sie machen dürfen. So entsteht jener feine, runde Geschmack. Das ist eine Kunst, und es ist der Beweis für die Feinheit der japanischen Kultur, die die Zartheit bis zum Äußersten treibt. So ist die japanische Warenproduktion, hier liegt das Geheimnis ihrer hohen Qualität. Aber es ist auch ein Extrem. Zwar liegt dies auf einer anderen Ebene als das Extrem, Katzen in der Waschmaschine zu waschen, aber ein solches Bemühen um die Qualität ist, gemessen am weltweiten Standard, eindeutig ein Extrem.

In Japan verwendet man große Sorgfalt auf die Qualität der Waren. Nicht mehr als 60 Prozent aller Karotten, die geerntet werden, werden auf dem Markt angeboten. Die übrigen 40 Prozent werden weggeworfen, aber nicht etwa weil sie verdorben oder von schlechter Qualität wären. Es gibt festgelegte Normen für Waren, die auf dem Markt angeboten werden: Wenn die Karotte länger ist, als die Norm es gestattet, oder wenn sie nicht die richtige Form hat, wenn sie an der Spitze etwas gespalten ist. Diese Verschwendung ist außergewöhnlich und extrem. Ist Deutschland frei von solchen Extremen?

In Frankfurt ist das meiste im Krieg zerstört worden. Beim Wiederaufbau hat man den alten Zustand getreu wiederhergestellt, tatsächlich aber ist Frankfurt eine neue Stadt. Unvermittelt bleibt das Auge an etwas Neuem haften, stößt der Blick auf irgendein originelles Design: Neben der historischen, alten Schule ragt ein mit Stahlrohren durchzogenes Gebäude aus nacktem Beton in die Höhe.

In Deutschland gibt es Orte, an denen die Dinge nicht in einer Verlängerung der bis dahin gewohnten Linie, sondern plötzlich in deren Veränderung in Erscheinung treten. Das zeigt sich auch in den Debatten, die Deutsche führen: Es wird das akzeptiert, dem der Gesprächspartner nichts entgegenzusetzen hat. In Japan aber kommt es vor, dass das Argument des Siegers in einer Debatte nicht akzeptiert wird, wie sehr jener auch gesiegt haben mag. Die Beurteilungskriterien in solchen Fällen sind der gesunde Menschenverstand, das Gefühl oder die Tradition. Die deutsche Gesellschaft kann den gesunden Menschenverstand, das Gefühl oder die Tradition außer Kraft setzen. Das ist das Extreme in der deutschen Gesellschaft – es ist, wie in Japan, aber auch ein Ausdruck der Ernsthaftigkeit, mit der man sich einem Problem zuwendet. Hier liegt die größte Gemeinsamkeit zwischen Deutschen und Japanern, zweier liebenswürdiger Völker voller Ernst.

Time am 6. Juli 2009

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(1) http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E2B97824327D843AFBA59C4B0C6E88AC4~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Töten nicht ohne Lizenz

5. Juli 2009

Wenn Linken etwas nicht gefällt, hantieren sie gerne mit dem Vorwurf, etwas sei „illegal“: die NATO-Bombardements Jugoslawiens zB. oder aber auch das Engagement der Bundeswehr in Afghanistan. Mit diesem Phänomen setzte sich am 2. Juli der sächsische Justizminister und ehemalige Vorsitzende des Deutschen Richterbundes Geert Mackenroth (CDU) in der FAZ auseinander.
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Die deutschen Soldaten müssen auch im Ausland die Grundrechte beachten. Aber am Hindukusch gelten nicht die gleichen Maßstäbe wie hierzulande.

Stellen Sie sich vor, Soldaten der Bundeswehr stoßen bei einer Routinepatrouille auf einen afghanischen Terroristen der Al Qaida und übergeben ihn den afghanischen Polizeibehörden, die ihn inhaftieren. Wäre das rechtswidrig? Einige sind dieser Meinung. Sie vertreten die Auffassung, das Handeln staatlicher Stellen im Ausland müsse denselben grundrechtlichen Anforderungen genügen wie im Inland; dies gelte sowohl für den Bundesnachrichtendienst als auch für die Bundeswehr als Teil einer international operierenden Interventionsarmee. Diese Forderung ist auf den ersten Blick bestechend einfach – auf den zweiten Blick erweist sie sich jedoch als deutlich zu schlicht.

Führt man diesen Gedanken nämlich weiter, kommt man zu dem Ergebnis, dass die Bundeswehrsoldaten nicht nur – wozu sie bereits völkerrechtlich verpflichtet sein können – eine menschenrechtswidrige Behandlung des Festgenommenen durch die afghanische Polizei zu verhindern hätten. Bei Anwendung des Grundgesetzes wäre die Festnahme und Übergabe des Terroristen zum Zwecke seiner Inhaftierung unzweifelhaft ein Eingriff in das Grundrecht auf Freiheit der Person (Artikel 2 Absatz 2, Artikel 104 Absatz 1 Satz 1 des Grundgesetzes), der nur aufgrund und nach den Vorgaben eines Gesetzes zulässig wäre. Nach Artikel 104 Absatz 2 wäre unverzüglich, spätestens nach 48 Stunden, eine richterliche Entscheidung herbeizuführen. Der Richter hätte dem Festgehaltenen die Gründe seiner Festnahme mitzuteilen, ihn zu vernehmen und ihm Gelegenheit zu Einwendungen zu geben (Artikel 104 Absatz 3). Geht man davon aus, dass sich auch seine weitere Behandlung nach deutschem Recht zu richten hat, müsste er bis zu seiner rechtskräftigen Verurteilung von Strafgefangenen gesondert untergebracht werden, nach seiner Aufnahme wäre er – gegebenenfalls mittels eines Hinweisblattes – über seine Rechte zu belehren und zu befragen, ob dringende Maßnahmen sozialer Hilfe nötig sind. Ihm wäre anstaltseigener Lesestoff in ausreichendem Maße zur Verfügung zu stellen, und er hätte das Recht, sich gegen Anordnungen und Maßnahmen zu beschweren. Denn dies sind die Vorschriften der Untersuchungshaftvollzugsordnung, an denen sich Freiheitsbeschränkungen in Deutschland auszurichten haben. Es spricht – bei aller positiver Entwicklung in Afghanistan – jedenfalls derzeit wenig dafür, dass das afghanische Rechtswesen diese Voraussetzungen erfüllen kann.

Nach der eingangs geschilderten Logik führt dies zur Rechtswidrigkeit der Festnahme durch deutsche Soldaten. Afghanistan müsste entweder sofort die deutsche Rechtsordnung übernehmen, oder der Terrorist müsste nach Deutschland verbracht oder laufengelassen werden. Keine dieser Varianten ist realistisch. Weil die Soldaten dennoch weiter nach Terroristen wie Bin Ladin suchen, bewegen sie sich – ebenso wie die Agenten des Bundesnachrichtendienstes, die im Rahmen der Terrorismusabwehr im Ausland observieren – nach Auffassung etwa des rechtspolitischen Sprechers der Linken im Bundestag, Wolfgang Neskovic, „tagtäglich in der Illegalität“. Da es völkerrechtlich nicht verboten sei, Angehörigen fremder Staaten dieselben Rechte zu gewähren wie eigenen Staatsangehörigen, sei die Bundesrepublik hierzu auch verpflichtet. Warum das so sein soll, bleibt im Unklaren. Stattdessen wird die Ausgangsaussage relativiert: Bei „Schutzrechten oder Leistungspflichten, die aus Grundrechten abgeleitet werden“, soll keine Grundrechtsbindung bestehen. Aber warum eigentlich nicht, sofern die Leistung nicht die völkerrechtliche Souveränität des anderen Staates tangiert? Dass Grundrechte nicht nur Abwehrrechte gegen den Staat sind, sondern auch Rechte auf Teilhabe an bestimmten staatlichen Leistungen gewähren und dem Staat Schutzpflichten auferlegen, gehört heute zum juristischen Allgemeingut. Und diese Funktion der Grundrechte ist derjenigen als Abwehrrecht keineswegs nachrangig, sondern gleichberechtigt. Warum sollen in unserem Beispielsfall die Soldaten einerseits nur dann zur Festnahme des Terroristen berechtigt sein, wenn sie sicher sein können, dass er spätestens nach 48 Stunden einem Richter vorgeführt wird, andererseits aber nicht zu seinem Schutz verpflichtet sein, wenn andere ihn in der Haft vielleicht mit dem Tode bedrohen?

Gerade bezogen auf deutsche Streitkräfte, die an dem Einsatz einer Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe wie in Afghanistan beteiligt sind, drängt sich eine Grundrechtsbindung keinesfalls auf. Der Geltungsbereich der Grundrechte deckt sich mit dem Wirkungsbereich deutscher Staatsgewalt. Es bestehen jedoch erhebliche Zweifel daran, ob die für eine Isaf-Truppe tätigen Bundeswehrsoldaten überhaupt deutsche Staatsgewalt ausüben. Sie handeln nicht für die Bundesrepublik, sondern im Rahmen und nach den Regeln eines Systems gegenseitiger kollektiver Sicherheit im Sinne von Artikel 24 Absatz 2. Werden deutsche Streitkräfte als nationale Einheiten der Befehlsgewalt eines solchen Sicherheitssystems unterstellt, liegt hierin gerade eine Beschränkung der Hoheitsrechte des Bundes. Status und Rechte der Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe richten sich nach den zwischen der Nato und der Regierung von Afghanistan getroffenen Vereinbarungen.

Der Bundesnachrichtendienst hingegen übt hoheitliche Gewalt der Bundesrepublik aus. Da die Wirkung des Artikel 1 Absatz 3 („Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.“) sich nicht allein auf das Bundesgebiet erstreckt, sondern über dieses hinausgeht, kann ein durch die Grundrechte des Grundgesetzes vermittelter Schutz ausländischer natürlicher Personen gegenüber im Ausland durchgeführten Maßnahmen des BND durchaus in Betracht kommen. Dieser gilt nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts aber nicht uneingeschränkt; entscheidend für den Grundrechtsschutz bei auslandsbezogenen Sachverhalten sind das betroffene Grundrecht und dessen Auslegung.

Aus diesen Erwägungen heraus können wir gerade nicht jedes deutsche staatliche Handeln im Ausland einfach denselben grundrechtlichen Bindungen unterwerfen. Unbestritten ist, dass die Grundrechtsbindung der deutschen Staatsgewalt nicht an den deutschen Staatsgrenzen endet. Allgemeingültige Antworten für die Geltung sämtlicher Grundrechte bei allen grenzüberschreitenden Sachverhalten gibt es nicht. Artikel 1 Absatz 3 ist zwar der Ausgangspunkt der Überlegungen, aber darin erschöpft sich die Aussage des Grundgesetzes zu Sachverhalten mit Auslandsberührung eben nicht. Zum einen ist zu beachten, dass das Grundgesetz durchaus Differenzierungen und Aussagen zu auslandsbezogenen Sachverhalten enthält. So gelten eine Reihe von Grundrechten, zum Beispiel Versammlungsfreiheit, Freizügigkeit, Berufsfreiheit – diejenigen, die die Mütter und Väter des Grundgesetzes für besonders sensibel hielten – nur für Deutsche, nicht dagegen für Ausländer. Und ausländische juristische Personen können sich überhaupt nicht auf Grundrechte berufen. Zum zweiten lässt sich aus einer Reihe von Grundgesetzbestimmungen das Postulat der Völkerrechtsfreundlichkeit des Grundgesetzes herleiten. Ihm kommt die Bedeutung einer Auslegungsrichtlinie zu, die nicht nur bei der Auslegung einfachen Rechts, sondern eben auch bei der Interpretation des Grundgesetzes selbst beachtet werden muss. Deshalb hat das Bundesverfassungsgericht zu Recht hervorgehoben, dass das Verfassungsrecht mit dem Völkerrecht abgestimmt werden und die räumliche Reichweite für jede Verfassungsbestimmung differenziert bestimmt werden muss. Staatliches Recht und Völkerrecht sind mit den Erfordernissen der internationalen Gemeinschaft in ihrer Verbindung und Wechselwirkung zu sehen.

Dieses Zusammenspiel verbietet undifferenziert-schlichte Antworten. Dementsprechend differenzierend und vorsichtig ist die bisherige Rechtsprechung. Dabei ist das von einigen beklagte Fehlen einer geschlossenen Theorie zur Grundrechtsanwendung bei auslandsbezogenen Sachverhalten nicht nur der Vielgestaltigkeit dieser Sachverhalte geschuldet, die von der Zustellung eines ausländischen familiengerichtlichen Urteils über die grenzüberschreitenden Emissionen eines genehmigten Kraftwerks bis zu unserem Beispielfall reichen, sondern nicht zuletzt auch der rasanten Entwicklung, mit der sich die internationalen – staatlichen und privaten – Verflechtungen wie auch die Bedrohungsszenarien und mit ihnen die deutschen Aktivitäten im Ausland entwickeln.

Wer will, dass Deutschland als gleichberechtigtes Glied in der Staatengemeinschaft auftritt und Verantwortung in der Welt übernimmt, wer will, dass Deutschland sich und andere Staaten so gut als möglich vor internationalen Bedrohungen schützt, der muss sich diesen schwierigen Fragen und Abwägungen stellen und darf sich nicht mit einfachen Antworten zufriedengeben. Die auch hier zu beobachtende Globalisierung sollte vielmehr gerade den Blick dafür öffnen, dass auch auf dem Gebiet der Grundrechte der ausschließlich nationalstaatlich ausgerichtete Blickwinkel zu beschränkt ist. Es sei denn natürlich, das internationale Engagement Deutschlands soll grundsätzlich in Frage gestellt werden. Den Grundrechten erweist man damit freilich einen Bärendienst.

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Unter (1) gibt Eckard Lohse (2) einen Überblick über das Thema. In der heutigen FAZ berichtet er auch über die morgige, erstmalige „Ehrenkreuz für Tapferkeit“-Verleihung an vier deutsche Afghanistan-Veteranen:

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Morgen ist es so weit. Um 13.30 Uhr werden im Bundeskanzleramt erstmals vier Bundeswehrsoldaten mit dem neugeschaffenen „Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit“ ausgezeichnet. Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich wird das machen, an ihrer Seite wird sie Verteidigungsminister Franz Josef Jung haben. Die Bundesregierung hüllt sich in Schweigen über die Identität der Soldaten und den Grund der Auszeichnung. Einiges ist gleichwohl bekanntgeworden. Was ist das für die Bundeswehr von heute – „Tapferkeit“? Ausgezeichnet werden vier Soldaten, die im vergangenen Herbst beim Fallschirmjägerbataillon 263 in Zweibrücken dienten und in den Afghanistan-Einsatz gingen. Nachdem einer ihrer Kameraden bei einem Selbstmordanschlag schwer verwundet worden war und sein Fahrzeug brannte, standen sie ihm bei, obwohl sie unter Beschuss waren. Die Gefahr erhöhte sich noch dadurch, dass sich in der Nähe des brennenden Fahrzeugs Munition befand, die zu explodieren drohte. Das geschah in der Nähe von Kundus. Verteidigungsminister Jung hat das „Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit“ mit einem Erlass vom 16. Oktober 2008 eingeführt. Bislang gab es Ehrenmedaillen und Ehrenkreuze, die „für treue Pflichterfüllung und überdurchschnittliche Leistungen“ in der Regel nach einer bestimmten Dienstzeit verliehen wurden.

Mit der Auszeichnung für Tapferkeit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass immer mehr deutsche Soldaten in Kampfsituationen geraten. Drei Voraussetzungen für die Auszeichnung werden formuliert: „Angstüberwindendes, mutiges Verhalten bei außergewöhnlicher Gefährdung für Leib und Leben mit Standfestigkeit und Geduld, um den militärischen Auftrag zu erfüllen.“ Oder: „Herausragendes Führungsverhalten in einer konkreten Gefährdungssituation.“ Oder: „Selbständiges, entschlossenes und erfolgreiches Handeln in einer ungewissen Situation.“ Es genügt, wenn eine der drei Bedingungen erfüllt ist. Die Definitionen passen auch auf die erfolgreiche Bekämpfung eines militärischen Gegners. Es kann also auch für Verhalten beim Angriff das Ehrenkreuz verliehen werden. Die Tapferkeit muss über das von Soldaten ohnehin erwartete Normalmaß hinausgehen.

Time am 5. Juli 2009

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(1) http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~E24367F2BF45244AE88268D933224C575~ATpl~Ecommon~Scontent.html

(2) http://www.faz.net/s/RubD87FF48828064DAA974C2FF3CC5F6867/Doc~EA51F26F4D2414424B25534D1FBCFA35C~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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PS: License to kill… nachdenklich bis kritisch und mehr im Allgemeinen reflektierte Bob Dylan das Thema 1983 auf seinem Album „Infidels“, und er scheint seinerzeit andere Schlußfolgerungen gezogen zu  haben als ich heute, aber meine Freunde bleiben meine Freunde, auch wenn wir mal unterschiedlicher Auffassung sind. Ein mE. sehr schöner Song, hier der Text:

License To Kill

Man thinks ’cause he rules the earth he can do with it as he please
And if things don’t change soon, he will.
Oh, man has invented his doom,
First step was touching the moon.

Now, there’s a woman on my block,
She just sit there as the night grows still.
She say who gonna take away his license to kill?

Now, they take him and they teach him and they groom him for life
And they set him on a path where he’s bound to get ill,
Then they bury him with stars,
Sell his body like they do used cars.

Now, there’s a woman on my block,
She just sit there facin’ the hill.
She say who gonna take away his license to kill?

Now, he’s hell-bent for destruction, he’s afraid and confused,
And his brain has been mismanaged with great skill.
All he believes are his eyes
And his eyes, they just tell him lies.

But there’s a woman on my block,
Sitting there in a cold chill.
She say who gonna take away his license to kill?

Ya may be a noisemaker, spirit maker,
Heartbreaker, backbreaker,
Leave no stone unturned.
May be an actor in a plot,
That might be all that you got
‘Til your error you clearly learn.

Now he worships at an altar of a stagnant pool
And when he sees his reflection, he’s fulfilled.
Oh, man is opposed to fair play,
He wants it all and he wants it his way.

Now, there’s a woman on my block,
She just sit there as the night grows still.
She say who gonna take away his license to kill?

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Hier die Studioaufnahme:

http://www.youtube.com/watch?v=kc7CTBoC_yo

Hier eine Performance in Prag 1995:

http://www.youtube.com/watch?v=KZ0UJYGRkA8

 

Herzlich willkommen, Amir Hassan!

2. Juli 2009

Vor einigen Tagen hatte ich ein paar Ausschnitte aus einem Aufsatz des iranischen Schriftstellers Amir Hassan Cheheltan aus der FAZ gebracht, in dem er erklärte, warum er entgegen seiner sonstigen Gewohnheit diesmal zur Wahl gegangen war (1). Wie die FAZ heute mitteilt, hat er grade ein einjähriges DAAD-Stipendium in Deutschland angetreten, und sein Roman „Teheran Revolutionsstraße“ soll in diesem Monat erscheinen (P. Kirchheim Verlag, München). Der heutige FAZ-Artikel trägt den Titel „Meine letzten Tage in Iran“, und ich schließe daraus, dass Herr Cheheltan sich dazu entschlossen hat, in Zukunft bei uns im freien Westen zu leben. Ich freue mich, dass er an stumpfsinnigen Bürokraten und speichelleckenden Orkverstehern vorbei die Aufnahmeprüfung bestanden hat. Ich bin der Ansicht, wir sollten Menschen mit demokratischer Gesinnung aus aller Welt bei uns aufnehmen, aber wir sollten zB. eine Familie, in der der Neugeborene den Namen „Osama“ oder „Usama“, „Asamer“ oder „Besamer“ trägt, umgehend heimschicken, heim in ihre Sandkiste.

Herzlich willkommen, Amir Hassan!

Lesen Sie nun Amir Hassans Tagebucheinträge vom 20. bis 30. Juni 2009, aus dem Persischen übersetzt von Susanne Baghestani.

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Samstag, 20. Juni

Die Protestbewegung gegen die Wahl hat neuen Aufschwung erhalten, insbesondere nachdem der Revolutionsführer in seiner gestrigen Freitagspredigt die Ergebnisse abermals bestätigt und Ahmadineschad zum rechtmäßigen Staatspräsidenten des Landes erklärt hat.

Heute steht im Internet ein Artikel, der die Vielfalt der Anti-Aufruhr-Truppen in den Straßen beschreibt: Einheiten in Tarnkleidung, Kommandotrupps auf Motorrädern, mit Knüppeln und taktischen Einsatzschilden bewehrte Sicherheitskräfte sowie Verbände in khakifarbenen Westen. Der Artikel erläutert außerdem diverse Widerstands- und Fluchttaktiken; unter anderem, dass man Tränengas durch das Anzünden mehrerer Zigaretten und den resultierenden Rauch neutralisieren könne. Ferner wird empfohlen, sauberen weißen Stoff als Verbandszeug mitzunehmen, und die korrekte Durchführung einer künstlichen Beatmung beschrieben. Bei der Lektüre hat man den Eindruck, es handele sich um Anweisungen zum Widerstand gegen eine angreifende ausländische Armee.

Der heutige Demonstrationszug, der vom Revolutionsplatz bis zum Freiheitsplatz verlaufen sollte, wurde massiv durch Regierungstruppen behindert. Entlang der gesamten Strecke kam es zu Aufruhr und Scharmützeln. Teheran ist wieder in einen blutigen Kreislauf geraten; mehrere Demonstranten starben beim Beschuss durch Anti-Aufruhr-Truppen.

Sonntag, 21. Juni

Der heutige Tag war ein schwarzer. Ich begann ihn mit einem Videofilm im Internet. Ein hübsches junges Mädchen fiel plötzlich auf den Asphalt einer Straße in Teheran; offenbar von einer Kugel im Herzen getroffen, spuckte es Blut und starb. Ein Mann mittleren Alters, der neben ihr kniete, rief mehrmals flehentlich: „Bleib da!“ Im Hintergrund war eine kämpfende und flüchtende Menge zu erkennen. Unvermutet brach ich in Tränen aus; meine Frau und mein Sohn waren nicht zu Hause, also konnte ich meinen Gefühlen freien Lauf lassen. O Gott! Wie viel Kummer soll diese Heimat noch ertragen?

Montag, 22. Juni

Heute wurden ausführlichere Informationen über die junge Frau veröffentlicht, die gestern auf der Straße starb. Sie hieß Neda, war siebenundzwanzig, Studentin der Philosophie und am Samstag zusammen mit ihrem Musiklehrer unterwegs. Ihr Foto haben Millionen von Menschen weltweit gesehen, das Bild hat sich auch auf den Plakaten der Demonstranten verewigt: ein blutüberströmtes Gesicht mit halbgeöffneten Augen, von bestürzender Unschuld. Gestern hat man sie bei Sonnenuntergang auf dem Teheraner Hauptfriedhof beerdigt. Manche bezeichnen sie schon als die iranische Jeanne d’Arc. Auf Bitten ihrer Familie sollte in einer Moschee eine Trauerfeier für sie abgehalten werden; die Bassidschi-Milizen der Moschee haben es nicht gestattet. Aber die ganze Stadt hat sich jetzt in einen Ort zu ihrem Gedenken verwandelt.

Die Sicherheitsbehörden haben Krankenhäuser, die Verwundete aufnehmen, davor gewarnt, in den Sterbeurkunden Schussverletzungen als Todesursache zu vermerken. Außerdem geht das Gerücht, dass einige der Kommandotrupps auf den Straßen arabisch sprechen; vermutlich sind es Libanesen.

Dienstag, 23. Juni

Heute erklärte der Wächterrat, er könne die Ergebnisse der Präsidentenwahl nicht annullieren, da es sich nur um kleinere Verstöße gehandelt habe. Dagegen haben reformorientierte Geistliche öffentlich erklärt: „Für die Unruhen und Tötungen der vergangenen Tage machen wir jene verantwortlich, die die Hauptstadt ohne Begründung in eine Kaserne verwandelt haben.“ Im Internet wird ein mit „Neda“ betiteltes Nachrichtenmagazin veröffentlicht, benannt nach dem getöteten Mädchen. Es beziffert die Todesopfer der vergangenen Tage auf mehr als dreißig. Morgen will sich Teherans Bevölkerung vor dem Parlament versammeln.

Die andere wichtige Nachricht lautete, dass gestern sämtliche Mitarbeiter der Tageszeitung „Kalame-ye Sabz“ sowie des Nachrichtenportals „Kalameh“, die beide Mussawi gehören, verhaftet worden sind. Die Zahl solcher Festgenommenen beläuft sich inzwischen auf achthundert Personen. Hinzu kommen all jene, die bei Straßenkundgebungen verhaftet wurden.

Mittwoch, 24. Juni

Heute konnte aufgrund des massiven Aufgebots von Polizei und Weißhemden die Protestversammlung vor dem Parlament nicht stattfinden. Es wurde jedoch von vereinzelten Demonstrationen in der Umgebung berichtet.

In diesem Tohuwabohu hat der Vorsitzende des parlamentarischen Justizausschusses verkündet, dass die Steinigung aus dem Gesetzeskatalog islamischer Strafen getilgt worden ist. Damit erfüllt sich eine jahrelange Forderung von Menschenrechtsaktivisten und Frauenrechtlerinnen in Iran. Dies ist vermutlich ein kleines Zugeständnis an die Opposition.

Ich las ein kurzes Interview, das ein junger Journalist in einem Sandwich-Lokal mit einem Bassidschi geführt hatte. Dieser sagte, man habe ihn aus Torbat, einer Stadt im äußersten Osten Irans, für zehn Tage und einen Tageslohn von 200 000 Tuman (etwa zweihundert Euro) in die Hauptstadt abkommandiert. Er sei ledig, wolle sich aber von diesem Geld eine Frau nehmen. Der Bassidschi habe gelacht und gesagt, dass er sich nun sogar zwei Frauen leisten könne.

Heute wurde außerdem bekanntgegeben, dass siebzig Universitätsprofessoren nach einem Treffen mit Mussawi verhaftet worden sind. Morgen wollen sich die Teheraner in schwarzer Kleidung mit Rosen an Nedas Grab versammeln.

Donnerstag, 25. Juni

In einem offenen Brief haben iranische Exilautoren die Schriftsteller der Welt aufgefordert, die iranische Volksbewegung zu unterstützen. Im Netz las ich im Zusammenhang mit den jüngsten Ereignissen das Gedicht „Verschenk nicht meine Heimat“ der angesehenen persischen Gegenwartslyrikerin Simin Behbahani; es ist sehr eindrücklich.

Morgen beabsichtigt das iranische Volk, zu Nedas Gedenken nach Sonnenuntergang Kerzen anzuzünden. Dieses Mädchen gleicht einem leuchtenden Stern im Zentrum der Protestbewegung. Man hat außerdem beschlossen, mittags grüne Luftballons über Teherans Himmel aufsteigen zu lassen. Obwohl diese Bewegung so blutig verlaufen ist, verbannt sie den Tod und ist geprägt von poetischer Schönheit.

180 einheimische Journalisten haben öffentlich die massive Behinderung ihrer Berichterstattung kritisiert. Sie berichten, dass Regierungsbeamte in den Druckereien erschienen und die Journalisten gezwungen seien, ihre Artikel vorab genehmigen zu lassen.

Freitag, 26. Juni

Als ich mich heute an den Frühstückstisch setzte, drückte meine Frau mir eine Zeitung in die Hand und sagte: „Lies!“ Die Nachricht, die sie angestrichen hatte, besagte, dass die Ermordung Nedas einem Teheraner Korrespondenten der BBC zuzuschreiben sei, den man vor zwei, drei Tagen ausgewiesen hatte. Die linientreue Zeitung behauptete, der Korrespondent habe einen Verbrecher engagiert, um auf einen Demonstranten zu schießen und damit Schlagzeilen zu produzieren. Je größer die Lüge, desto leichter wird man sie vermutlich glauben!

Der Verband der Dokumentarfilmer hat in einer Mitteilung die tätlichen Angriffe auf einige seiner Mitglieder und die Beschlagnahmung ihrer Kameras kritisiert. Die Dokumentaristen bekräftigen, es sei ihr berufsmäßiges Recht, die Ereignisse auf den Straßen zu filmen.

Heute erfuhr ich, dass vier prominente Mitglieder der iranischen Fußball-Nationalmannschaft, die beim Spiel gegen Südkorea grüne Armbänder (in der Farbe der Protestbewegung) getragen hatten, pensioniert worden sind!

Bei Anbruch der Dämmerung sah ich, wie mein Sohn zwei angezündete Kerzen auf die Veranda trug; ich wusste, sie waren für Neda bestimmt. Er sagte aber, eine sei für Michael Jackson. Ich weiß, dass viele iranische Jugendliche über dessen unerwarteten Tod bestürzt sind.

Meine Frau trifft sich einmal im Monat mit ihren Kommilitoninnen. Heute Abend kehrte sie von dem Treffen später als gewöhnlich und sehr wütend zurück. Sie sagte, die Polizei habe mehr als zehnmal ihr Auto angehalten und den Kofferraum durchsucht. Selbstverständlich ist das auch eine Machtdemonstration.

Ich sollte noch erwähnen, dass Mussawi bekanntgegeben hat, die Sicherheitspolizei habe seine Kontakte zu seinen Anhängern erheblich eingeschränkt.

Samstag, 27. Juni

Heute wurde die Bevölkerung im Netz aufgefordert, Produkte von Nokia zu boykottieren, weil das Unternehmen der Regierung Anlagen verkauft habe, die es ermöglichten, Mobiltelefone abzuhören und die damit versendeten E-Mails und Kurznachrichten abzufangen.

Ein Arzt, der zum Zeitpunkt von Nedas Ermordung in ihrer Nähe gestanden hatte, berichtete in einem Interview mit der BBC, die Kugel sei frontal in ihre Brust eingedrungen und habe die Aorta zerfetzt. Unter solchen Umständen blute der menschliche Körper in weniger als einer Minute aus. Es steht fest, dass Neda von einem Scharfschützen niedergeschossen wurde. Zuvor hatten die Websites das Foto eines mit einem Maschinengewehr bewaffneten Schützen auf einem Flachdach veröffentlicht. Die Regierung behauptet, Nedas Ermordung sei das Werk der Aufständischen. Wenn Polizei oder Sicherheitskräfte niemanden erschießen sollen, weshalb erscheinen sie dann bewaffnet auf den Straßen?

Wie in den vergangenen Nächten erschallen pünktlich um zehn die Allahu-akbar-Rufe von den Dächern. Eine der Kuriositäten dieser Bewegung ist, dass das Volk aus Protest gegen eine religiöse Oberherrschaft religiöse Slogans verwendet; Religion versus Religion!

Sonntag, 28. Juni

Heute las ich in den Nachrichten, dass der Bürgermeister von Florenz zum Zeichen seiner Solidarität mit den Forderungen des iranischen Volks das Portal des Rathauses mit einer grünen Stoffbahn behängt hat. Florenz ist meine Lieblingsstadt, ich habe zwei Jahre in ihrer Nähe gelebt. Die Geste hat mich außerordentlich beeindruckt. Es wäre gut, wenn die übrigen Bürgermeister der Welt diesem Beispiel folgten. Die iranische Bevölkerung bedarf dieser Unterstützung.

Ein hochrangiger libanesischer Geistlicher führt die Ereignisse der vergangenen Tage auf westliche Einmischung zurück. Zur selben Zeit berichten diverse Websites von libanesischen Hizbullah-Truppen auf Teherans Straßen. Offensichtlich ist ein lukratives Geschäft im Gange: Die iranische Regierung unterstützt die libanesische Hizbullah finanziell in ihrem Widerstand gegen Israel, und die Hizbullah schickt ihre Truppen nach Iran, um die Bevölkerung einzuschüchtern und zu verprügeln!

Heute verbrachte ich einen Teil der Zeit mit Vorbereitungen für meinen einjährigen Aufenthalt in Deutschland. Nichts fällt mir schwerer, als meine Heimat unter diesen Umständen zu verlassen. Aber was bleibt mir anderes übrig? Diese Reise war schon lange geplant, ich bin Gast des DAAD, außerdem soll ich in den kommenden Monaten mehrere Lesungen in Deutschland und anderen deutschsprachigen Ländern abhalten.

Montag, 29. Juni

Gerüchte besagen, dass die Familien der Opfer der vergangenen Tage deren Leichen nur gegen Zahlung mehrerer Millionen Tuman ausgehändigt bekämen. Heute wurden im Netz die Namen von 22 Getöteten veröffentlicht, darunter auch ein zwölfjähriges Kind. Die Hälfte aller Opfer waren Studenten.

Das Staatsfernsehen verbreitet seit einigen Tagen Geständnisse der bei den Unruhen Verhafteten. Diese Geständnisse sind in Wahrheit politische Selbstbezichtigungen und Denunziationen der Gesinnungsgenossen und Gefährten, die einer von Amerika gesteuerten samtenen Revolution beschuldigt werden. Niemand glaubt ihnen. Seit rund vierzig Jahren werden politische Gefangenen in diesem Land gezwungen, sich im Fernsehen zu verleugnen.

Gegen Mittag klopfte ein Nachbar an die Haustür und berichtete, dass die Beamten wieder die Wohnungen stürmen und die Satellitenschüsseln von den Dächern räumen würden. Er habe deshalb das Haupttor unseres Appartementgebäudes verriegelt. Allerdings hat man unsere Wohnungen vor zwei Jahren schon einmal gestürmt, sämtliche Schüsseln abgerissen und mitgenommen.

Ein hochrangiger Geistlicher hat eine Fatwa ausgesprochen, der zufolge Angriffe auf wehrlose Bürger in den Straßen nicht rechtens seien. Die Straßenproteste sind sichtbar abgeflaut; es bleibt abzuwarten, welche Formen der Widerstand annehmen wird. Dennoch haben Mussawi und Karrubi abermals erklärt, dass sie sich nur mit einer Wiederholung der Präsidentenwahl zufriedengeben.

Dienstag, 30. Juni

Ich sitze gerade mit meiner Frau und meinem Sohn im Flugzeug. Vor wenigen Minuten hat der Kapitän mitgeteilt, dass die Fluggeschwindigkeit derzeit achthundert Stundenkilometer beträgt. In diesem Tempo entferne ich mich also von meiner Heimat!

Ich bin müde, dieser Tage habe ich viel gearbeitet, mich aber noch mehr gegrämt und gesorgt. Jetzt will ich ein wenig schlafen. In diesem besonderen Augenblick wünsche ich mir, in einen meiner lichten Kindheitsträume sinken zu können.

Time am 2. Juli 2009

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(1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/06/19/ein-ork-kennt-keinen-scherz/

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PS.: It’s summertime! http://www.youtube.com/watch?v=EbGfwzMZAEM&feature=related


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