Nachdem die mohammedanistische Avantgarde “Al Kaida” am 11. September 2001 die Jihad-Offensive gegen den Westen eröffnet hatte, waren unserseits schnelle Entscheidungen nötig. Verantwortungsbewußt und führungsstark beschloss die Regierung von Präsident Bush, die Mördernester in Afghanistan auszuräuchern.
Die wahre Natur des Feindes war zu diesem Zeitpunkt den wenigsten bekannt, und sie ist es auch heutzutage noch immer wohl nur einer Minderheit. Ich selbst fand erst nach intensiver Lektüre des Klorans, der schon vor Jahrzehnten (bis auf das Vorwort von A. Schimmel ungelesen) in meinem Regal verstaubt war, im Frühjahr 2002 zur uneingeschränkten Unterstützung der amerikanischen Politik und zum Counterjihad.
So ist es wohl nicht erstaunlich, dass viele damals auch glaubten, die Afghanen sehnten sich nach der Befreiung vom Joch der Taliban, sie sehnten sich nach Frieden und Freiheit. Wie sehr die kühnen Visionen von Sir William Garsting und Winston Churchill für den Sudan (1) an der mohammedanistischen Realität gescheitert waren, war in Vergessenheit geraten. Allmählich wird jedoch offenbar, dass ein gravierender Teil des afghanischen Volkes nichts lieber als ein armseliges Leben als Räuber, Mörder und Rauschgiftproduzent führen möchte. Von dem Geld, das wir dorthin fließen lassen, werden Waffen gekauft um uns zu vernichten. Die Brunnen, die am Montag gegraben werden, sind am Dienstag wieder zugeschüttet. Ich denke, das klassische neokonservative Projekt ist zu fragwürdig geworden, als dass es unverändert weitergeführt werden könnte, was nicht heißen darf, dem globalen Jihad freie Hand zu lassen. Dies meint auch Klaus-Dieter Frankenberger in der heutigen FAZ:
“Es ist überhaupt nicht überflüssig, dass der neue Nato-Generalsekretär Rasmussen an seinem ersten Arbeitstag daran erinnert, dass die Allianz die ultimative Versicherung für rund eine Milliarde Menschen ist. Wenn es um Sicherheit geht, um das atlantische Verhältnis und um die Abwehr “moderner” sowie traditioneller Bedrohungen, dann ist dieses Bündnis nach wie vor unerlässlich – obwohl nicht zu leugnen ist, dass seine Mitglieder oft nicht einer Meinung sind über Aufgaben, Vorgehen und in der Gefahrenbeurteilung. Die Amerikaner sehen in der Nato gern ein global einzusetzendes Instrument westlicher Interessenpolitik; die meisten europäischen Partner halten es lieber mit der kollektiven Verteidigung, für andere ist sie die klassische Versicherungspolice gegen Russland. Dabei ist klar, dass zumindest im Moment Interventionen die Hauptaufgabe sind. Und da ist die Nato besonders in Afghanistan engagiert und exponiert. Das hat heute ohne Wenn und Aber Priorität. Rasmussen wird das den Mitgliedern unermüdlich zu verdeutlichen haben: wegen der Sache, weil ein Scheitern desaströs wäre.”
In der Sonntagsausgabe vom 2. August hatte der Professor für Politikwissenschaft an der Katholischen Hochschule Köln, Heinz Theisen, eine mE. sehr lesenwerte Analyse vorgelegt, deren vorgebliches Hauptresümee (Truppenabzug) ich jedoch nicht teile.
Der Kulturkrieg
Die Verstärkung des Nato-Einsatzes in Afghanistan kann nur dazu dienen, Bedingungen für einen Abzug auszuhandeln
Die Nato war bis 1990 das erfolgreichste Bündnissystem der Weltgeschichte. Der Historiker Paul W. Schroeder benennt dafür drei Voraussetzungen. Erstens habe es innerhalb des Bündnisses einen Konsens über eine praktische und konkrete Definition von Frieden gegeben. Zweitens habe das Bündnis zur politischen Integration sowohl auf der atlantischen als auch auf der europäischen Bühne beigetragen. Drittens habe man nicht auf die Zerstörung des gemeinsamen Feindes gedrängt, sondern sich mit dieser Bedrohung arrangiert. Aus diesem Erfolg gelte es für die Ausein-andersetzungen mit dem Terror, mit Schurkenstaaten und gescheiterten Staaten zu lernen. Diese existieren seit Jahrhunderten und ließen sich nie ein für alle Male ausrotten. Durch eine Universalisierung ihrer Mission insbesondere in Afghanistan sei die Nato in große Gefahr geraten, ihre gemeinsame Definition vom Frieden in allgemeinen Demokratisierungs- und Entwicklungsprojekten zu verwässern.
Der 11. September 2001 verleitete die Nato zu einer offensiven Form der Terrorbekämpfung, die zudem territorial fixiert wurde. Die Nato gab ihre erfolgreiche Abschreckungs- und Eindämmungsstrategie zugunsten der Vorstellung auf, dass diese gegen den Terrorismus und islamischen Extremismus nichts ausrichtet. Man könne nicht mit ihnen leben und sie überleben, sondern müsse sie angreifen und zerstören, mehr noch, demokratisieren und entwickeln.
Solange der Westen seine Einflusssphäre mit der Universalität der allgemeinen Menschenrechte gleichsetzt, droht jedes Problem auf der Welt zu einem Problem des Westens zu werden, ob die mangelnde Autonomie der Tibeter, die Unterdrückung der Frauen Afghanistans oder der Landverlust der Palästinenser (d.i. der Landverlust des Mohammedanismus durch die Rückkehr der Juden in ihre Heimat, T.). Im Weißbuch der Bundeswehr von 2006 wird ein Problemuniversalismus propagiert, der eine Entgrenzung der Einsatzgebiete und Einsatzformen zur Folge hat. Es gelte “… den Bedrohungen und Risiken dort zu begegnen, wo sie entstehen”. Unter dieser Prämisse ist es nur folgerichtig, dass wir unsere Sicherheit am Hindukusch verteidigen, uns um die gesellschaftliche Entwicklung Afghanistans, um freie Wahlen in Kongo und um die Grenzen im Nahen Osten kümmern. Einen solchen Problemhorizont kann sich die Nato aber nicht leisten (Die Ineinssetzung der militärischen Verteidigung unserer Sicherheit mit gesellschaftlicher Entwicklung oder freien Wahlen finde ich hier unzutreffend, T.).
Der Kulturkrieg in Afghanistan ist weder militärisch noch über zivile Projekte zu gewinnen. Die Taliban interpretieren die politischen Motive des Westens als Kampf gegen ihre kulturelle Werteordnung, wobei sich ethnische und islamistische Motive verschränken. Westliche Ideale gelten ihnen als Fremdkörper. Dass die amerikanische Regierung jetzt dem zivilen Aufbau Priorität gibt, werden Islamisten für ihre Zwecke zu nutzen wissen. So wie sie demokratische Wahlen für ihre Machtergreifung zu missbrauchen pflegen, missbrauchen sie auch Schulen und Entwicklungsprojekte für eine Islamisierung der Gesellschaft. Die Unterscheidung von “militärisch” und “zivil” ist angesichts einer totalitären islamistischen Ideologie nicht haltbar.
Im Jahr 2007 sind in Afghanistan 40 Konvois des Welternährungsprogramms verschwunden, 40 zivile Helfer sind getötet und 89 entführt worden. Es werden wieder zehn Jahre alte Mädchen verheiratet. Außerhalb Kabuls müssen alle Frauen über 13 die Burka tragen. Die Taliban wurden verdrängt, nicht aber ihre Regeln. Es ist für den Westen nicht möglich, sich gegenüber einem kulturgeprägten Sozialverhalten zurechtzufinden.
Zur Korruption gehören immer zwei. Einer zahlt, einer nimmt. Reinhard Erös, Leiter der Kinderhilfe Afghanistan, hat dies aus nächster Nähe erlebt. Von den 80 Millionen Euro deutscher Entwicklungshilfe an Afghanistan seien im Jahr 2006 weniger als 25 Millionen tatsächlich bei Projekten angekommen. Der große Rest sei einfach verschwunden, in horrenden Gehältern und “Verwaltungskosten”. Nach Veröffentlichung dieser Zahlen hat die Bundesregierung das Übel nicht etwa abzustellen versucht, sondern den Betrag auf 140 Millionen erhöht. Zwei Drittel der Ministerien gelten als hoffnungslos korrupt, das Kabinett ist entlang der Ethnien gespalten und Präsident Karzai irrelevant.
Eingriffe in eine fremde Kultur haben immer andere Effekte als erwartet. Die Verstrickung der Nato brachte einer ihrer Kommandeure auf den Punkt: Da es nicht ihre Aufgabe sei, Mohnfelder niederzubrennen, sei die paradoxe Situation entstanden, dass durch den Schutz der westlichen Soldaten der Anbau und Handel mit Drogen blüht. Seit der Besetzung Afghanistans kam es dort zu einem dramatischen Anwachsen des Rauschgiftanbaus. Aus Angst, die Zivilbevölkerung gegen sich aufzubringen, schauen die internationalen Truppen zu.
Zu den moralischen Verstrickungen gegenüber Korruption und Drogenhandel gesellt sich eine noch verhängnisvollere Verstrickung zwischen humanitären und politischen Motiven auf der einen Seite und militärischen Zwängen auf der anderen Seite. Im Kampf gegen die asymmetrische Kriegsführung separatistischer oder religiöser Bewegungen kann der Westen schon aus ethischen Gründen nicht gewinnen. Erfolg ist im Guerrillakrieg allenfalls mit Methoden möglich, die mit unserem Ethos nicht vereinbar sind und die daher militärische Siege in politische Niederlagen verwandeln. Dass die Taliban zahlenmäßig immer stärker werden, hängt damit zusammen, dass in Afghanistan fast sieben Kinder pro Frau geboren werden. Von den 500 000 jährlich mannbar werdenden Knaben haben vielleicht 150 000 eine Chance auf den Opiumfeldern und bei den Ordnungstruppen, solange diese vom Westen bezahlt werden. Der Rest sind potentielle Talibankämpfer.
“Gemäßigte” Taliban gibt es allenfalls im Hinblick auf taktische Kompromisse, in denen die Nato die ethnischen gegen die islamistischen Motive auszuspielen versuchen sollte. In den vergangenen Jahren sind immer mehr Paschtunen zu Taliban geworden, weil sie sich nicht damit abfinden wollen, dass fremde Truppen im Land sind und eine korrupte Regierung stützen. Den ethnisch motivierten Kulturalisten lässt sich hoffentlich wie im Irak ein Waffenstillstand bis zum Abzug der Nato abkaufen. Als einzige Bedingung wird die Nato durchsetzen müssen, dass Al Qaida nicht mehr nach Afghanistan gelassen wird. Eine militärische Intervention in nur einem Land löst schon deshalb keine Probleme, weil diese meist mit der gesamten Region verbunden sind. Eine Ausweitung des Konflikts in die Region durch die neue “Afpak-Strategie” von Präsident Obama ist militärisch folgerichtig und politisch falsch. Die Einbeziehung Pakistans hat eine Flüchtlingswelle von 2,5 Millionen Menschen ausgelöst, die Kämpfe haben sich intensiviert und die Region weiter destabilisiert. Die weitere Militarisierung des Konflikts untergräbt Pakistans Abwehrkräfte. Die Pakistani müssten das Gefühl haben, für Pakistan und nicht für Amerika zu kämpfen.
Es wäre einen letzten Versuch wert, statt der unerreichbaren Demokratie den Aufbau funktionierender Staatsorgane, von Verwaltung, Polizei und Armee, voranzutreiben. Vor allem müssten die Stammesfürsten (In Nordamerika hatten seinerzeit die Briten und die Franzosen jeweils verschiedene Indianerstämme zu Bundesgenossen gemacht, T.) unterstützt werden, die noch am ehesten die Regionen regieren und vielleicht sogar den Taliban Paroli bieten könnten. In jedem Fall wird man die gesamte Region ihrer Selbstverantwortung überlassen und sich auf Eindämmung der von dort ausgehenden Gefahren beschränken müssen. Wie werden es die Taliban dann mit den Menschenrechten halten? Dem Westen wird die bittere Einsicht nicht erspart bleiben, dass er darauf keinen Einfluss hat. Die Utopie einer Universalisierung von Demokratie und Menschenrechten ist an die Realitäten einer multikulturellen Welt gestoßen.
In einer neuen Nato-Strategie geht es nicht mehr um die “Universalität von Demokratie und Menschenrechten”. Wir müssen die Grenzen zwischen den Kulturen stärker beachten und uns wie bereits im Kalten Krieg auf die Verteidigung der eigenen Hemisphäre beschränken. Die erste Niederlage wird der Nato in Afghanistan nicht erspart bleiben. Wenn der geordnete Rückzug mit einer plausiblen Erklärung des Scheiterns und mit einer realistischen Zukunftsstrategie verbunden wird, muss diese Niederlage keineswegs zum Zerfall der Nato führen. Das Vertrauen der interventionsskeptischen Bürger im Westen könnte angesichts realistischer Ziele sogar wieder zunehmen.
Die Nato braucht eine Art Realpolitik der Kulturen. Durch eine Definition der Grenzen des Möglichen, welche auch die überdehnten Nato-Erweiterungspläne in den russisch-orthodoxen Kulturkreis zu den Akten legt, ließe sich in den Nato-Mitgliedsländern ein neues Wir-Gefühl entwickeln. Der Rückzug vom selbsternannten “Universal Player” zu einem Garanten der westlichen Sicherheit müsste an die bewährten Erfolgsbedingungen der Nato aus der Zeit des Kalten Krieges anknüpfen.
In seiner Kairoer Rede benennt Barack Obama das Dilemma des Westens: Einerseits dürfe keiner Nation von einer anderen ein Regierungssystem aufgezwungen werden. Amerika maße sich nicht an zu wissen, was für alle das Beste ist. Andererseits glaube er ohne Wenn und Aber, dass sich alle Menschen nach bestimmten Dingen wie Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit sehnen. Eine neue Realpolitik der Kulturen darf sich nicht jenseits, sondern muss sich innerhalb dieses Dilemmas bewegen.
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Ich meine, wir haben wirklich guten Willen bewiesen. Aber jetzt sollten wir den Blick von den Problemen der wütenden, jungen afghanischen Männer mal wieder auf unsere eigenen werfen: Das sind Jihadgemetzel, Drogen- und orkische Einwandererüberschwemmung und, ähem… wütende, junge afghanische Männer!
“… dürfe keiner Nation von einer anderen ein Regierungssystem aufgezwungen werden”, habe Obama gesagt. So, und warum nicht? Ich selbst habe auch nicht entschieden, in Deutschland in einer Demokratie zu leben. Ich bin dankbar dafür, dass ich es darf, aber ich könnte es auch nicht ändern, selbst wenn ich wollte. Und warum nicht? Weil die Demokratie STÄRKER ist als ich! Wenn wir nicht stärker als unsere Todfeinde sein wollen, wenn wir unsere Interessen nicht unbedingt durchsetzen wollen, werden wir von Spielern zu Spielsteinen. Unsere Interessen sind zB. ein Leben ohne Jihad, ohne Drogen und mit Deutsch als Verkehrssprache. Wir sollten uns daher nicht und niemanden fragen, ob es korrekt sei, die mohammedanistischen Mohnfelder abzubrennen. Wir werden die Taliban NIE zu unseren Freunden machen. Wir sollten also besser uns und unsere Freunde vor DENEN schützen. Es geht gar nicht darum, einen Krieg zu gewinnen oder ein Territorium. Es geht darum, zusammen mit unseren Freunden unsere großartigen Gesellschaften weiterzuentwickeln, ohne von den Rudeln der gierigen und grausamen Orks darin behindert zu werden. Es geht um die Etablierung eines umfangreichen Schutzes gegen eine Plage, so, wie sie uns gegen andere Plagen wie Pest und AIDS bereits gelungen ist.
Time am 4. August 2009
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(1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/27/churchill-5-kritik/
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PS: Ein starker Präsident wie Mr. Bush kann mE. auch beißende oder unfaire (sogar UNFLÄTIGE) Kritik vertragen. Kennen Sie “Sweet Neocon” von den Stones?
http://www.youtube.com/watch?v=fwj6ZGMF_uA
Tags: Afghanistan, Heinz Theisen, Kulturkrieg, Paul W. Schroeder, Präsident G. W. Bush, Rasmussen, Taliban