In der Theorie des Counterjihad nimmt naturgemäß die Demografie einen hervorragenden Platz ein. Unsere allergrößte Plage realisiert fantastische Vermehrungsraten, vergleichbar mit denen von Ratten oder Fruchtfliegen. Wir selbst scheinen uns diesbezüglich eher an Orang-Utangs, Elefanten oder Walen zu orientieren (=Qualität vor Quantität).
Die notorischen 5 letzten Konservativen Deutschlands heben mahnend die Zeigekrallen, und sie drohen mit den Pfoten: “Der Vater hat’s verboten – Wann geht ihr Frauen endlich wieder an den Ofen, um uns unseren Hirsebrei anzurühren…”. Knochenhartes Schwarzbrot selbstständig einzuspeicheln haben sie wohl noch nicht gelernt.
Weil manche keine Frau haben, mit der sie auch nur ein Kind haben, bewundern sie Bademäntelträger, die scheinbar eins nach dem anderen aus dem Kaftan hervorzaubern können, die gar vier von diesen gefährlichen Geschöpfen “Weibchen machen” lassen können.
Aber mal ehrlich, wer außer den fünf Freunden mag eigentlich wirklich Mamas Hirsebrei?
Finden Sie nicht auch, dass unsere starken und wahnsinnig gut aussehenden Mamas für Besseres gut sind, als Stunden rund am Herd Hirsebrei für die letzten fünf zahnlosen “Konservativen” zu kochen?
Falls Sie mit “Ja” antworten, wird Sie vermutlich ein Aufsatz von Sibylle Tönnies aus der heutigen FAZ (So, 300809) inspirieren. Frau Tönnies schreibt:
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Männer zu Vätern
Erst wurden sie entwaffnet, jetzt übernehmen sie die Brutpflege: Die Zivilisierung des starken Geschlechts gibt dem Frieden eine Chance
Vor einigen Jahren hat der amerikanische Philosoph Francis Fukuyama das “Ende der Geschichte” festgestellt, und diese Behauptung war erstaunlich erfolgreich: Nach dem Untergang des Sozialismus schien der Kapitalismus für immer an der Macht zu sein, und es galt nur noch, sich darin einzurichten. Inzwischen ist das Gefühl dafür wieder gewachsen, dass sich die Dinge im Fluss befinden. Aber da bisher offen ist, wohin die Strömung geht, wagt niemand, eine große Metamorphose ins Auge zu fassen.
Die Gegenwart befindet sich immer noch in der sogenannten Postmoderne – ein Ausdruck, mit dem ebenfalls gesagt werden soll, dass es unter der Sonne nichts Neues mehr geben wird. Man weigert sich, große Entwicklungen wahrzunehmen und zusammenfassend darzustellen, man interessiert sich nach wie vor für das Unübersichtliche, Hyperkomplexe, Unvereinbare; man stellt sich blind gegenüber großen Linien, die sich in die Zukunft extrapolieren lassen – besonders, wenn sie auf eine Verbesserung hinauslaufen. Katastrophen darf man wohl prophezeien; beschreibt aber jemand günstige Veränderungen, wird er in der Wissenschaft nicht ernst genommen.
Dabei zeigt sich vor unseren Augen eine vielversprechende Metamorphose, eine hoffnungserweckende Jahrtausend-Wandlung, die eigentlich atemberaubend ist. Sie ist Teil des großen allmählichen Prozesses, in dem sich die partikularen Gemeinschaften auflösen, eine universale Welt-Gesellschaft entsteht und die Menschen einander immer ähnlicher werden. Auf allen Ebenen fallen – ganz im Widerspruch zu der postmodernen Betonung des Differierenden – die Unterschiede zusammen.
Der Prophet dieser Angleichung war der Philosoph Max Scheler, der 1928 gestorben ist. “Wenn ich auf das Tor des im Anzug befindlichen Zeitalters einen Namen zu schreiben hätte, der die umfassende Tendenz dieses Weltalters wiederzugeben hätte, so schiene mir nur ein einziger geeignet – er heißt ,Ausgleich’”, sagte er. “Ausgleich der Rassenspannungen, Ausgleich der Mentalitäten, der Selbst-, Welt- und Gotteswahrnehmungen der großen Kulturkreise.”
Eine der Differenzen, die zusammenfallen, ist die “Spezifität der männlichen und weiblichen Geistesart”. Auf den ersten Blick scheint ihr “Ausgleich” nicht neu zu sein; er wurde jedenfalls insoweit hinreichend wahrgenommen, als sich die Frauen den Männern angepasst und die Fähigkeit entwickelt haben, deren Funktionen fast vollständig zu übernehmen. Auch die Angleichung der Männer an die Frauen ist ein alter Vorgang, der nicht wirklich unbemerkt blieb, aber zur Schonung der empfindlichen männlichen Ehre nicht als Angleichung an die Frauen definiert wurde, sondern als Zivilisation.
In seinem großen Buch “Über den Prozess der Zivilisation” hat Norbert Elias diese Angleichung beschrieben. Als ihre wesentliche Triebkraft bezeichnete er die Herausbildung der Staaten: Der Staat entwaffnet den Einzelnen und nimmt ihm die Aufgabe von Schutz und Trutz ab. Durch diesen Prozess hat sich das Urbild des Mannes verändert. Er ist nicht mehr Kämpfer. In der alten, noch nicht vom Staat regierten Zeit waren die Adligen von Banden umgeben, die ihnen folgten und zu jedem Gewaltakt bereit waren; Elias wählte Afghanistan als Beispiel für diese Konstellation. In der modernen Gesellschaft hingegen werden die Männer gezwungen, miteinander in Frieden zu leben – in dem Maße, in dem die Macht der Zentralgewalt wächst. In demselben Maße ändert sich “die Affektmodellierung und der Standard des Triebhaushalts”. Dann schreitet die relative Zurückhaltung und die “Rücksicht der Menschen aufeinander” fort, jedenfalls im Alltag und im normalen gesellschaftlichen Leben. Nur in Zeiten des gesellschaftlichen Umbruchs oder etwa in Kolonialgebieten, wo die gesellschaftliche Kontrolle lockerer ist, brechen Grausamkeit und Zerstörungswut dann noch unmittelbar und ungedämpft hervor.
Der große Einschnitt, den die staatliche Zähmung für den Mann bedeutet hat, wird nicht gern ins Bewusstsein gerückt. Nur die nostalgische Verehrung des ehemals “freien Mannes”, die in allen Kunstgattungen bis hin zum Computerspiel stattfindet, erinnert an den verlorenen Urzustand, als der Mann noch ein ungebundener Töter war.
Norbert Elias hat sein Buch unter das Motto “La civilisation n’est pas encore terminée” gestellt – ein Wort des französischen Philosophen Holbach aus dem Jahre 1774: Der Prozess der Zivilisation ist noch nicht zu Ende. Dieser Vorgang ist gerade im Begriff, in seine nächste Phase einzutreten. In hohem Tempo schiebt sie sich vor unsere Augen. Die Soziologen und Biologen haben die Metamorphose bisher noch kaum gewürdigt – sie wurde zwar wahrgenommen, aber noch nicht in ihrer Tragweite erfasst. Nur eine Stimme hat sie vor einigen Jahren richtig eingeordnet: Astrid Lindgren.
Am Ende ihres fast hundertjährigen Lebens wurde sie gefragt, welche gesellschaftliche Veränderung in diesem Zeitraum die wichtigste gewesen sei. Sie antwortete, ohne zu zögern: die Tatsache, dass die Männer Väter geworden sind. Man muss blind sein, um dieses Faktum ignorieren zu können. Denn überall kann man sie neuerdings sehen, in den Straßen, auf den Kinderspielplätzen, auf den Parkbänken, an allen Ecken und Enden: die aktiven Väter. Männer tragen ihre Babys: auf dem Rücken, vor dem Bauch, auf der Hüfte; Männer schieben ihre Babys im Kinderwagen und im Buggy, binden ihnen Lätzchen um und löffeln aus dem Gläschen Brei in ihre kleinen Münder, wechseln ihnen die Windeln, singen ihnen Lieder vor, wiegen und trösten sie.
Was für ein Unterschied zu der Zeit vor fünfzig, sechzig Jahren! Ich erinnere mich noch, wie damals das Gerücht aufkam: In Amerika spielen die Väter mit ihren Söhnen Fußball… Als meine Mutter Kind war, wurde ein preußischer Offizier noch degradiert, wenn er dabei erwischt wurde, dass er einen Kinderwagen schob.
Geht man – unhistorisch – von der Maxime der Gleichheit der Geschlechter aus, ist an dem neuen Phänomen allerdings gar nichts bemerkenswert. Unter diesem Blickwinkel ist die symmetrische Aufteilung der Kinderbetreuung eine Selbstverständlichkeit, die lediglich eine uralte Verkehrtheit in Ordnung bringt; die Berichtigung einer uralten Ungerechtigkeit, von der man nicht viel Aufhebens machen sollte – die Männer könnten sich etwas darauf einbilden. So wird die Sache von feministischer Seite aus gesehen. Es ist aber ganz im Gegenteil angebracht, von dieser Veränderung ein großes Aufheben zu machen – so wie Astrid Lindgren es tat.
Diese Veränderung ist genauso bedeutend wie der erste Schritt, den die Männer in den Status Civilis getan haben – als der Staat sie dazu zwang. Jetzt ist nämlich das Brutverhalten der Gattung im Begriff, sich zu ändern. An das Neugeborene rückt ein zweiter Mensch heran: sein Vater. Wie sollte man von dieser Metamorphose kein Aufhebens machen? Man kann sie nicht ignorieren – nur, weil es zurzeit nicht modern ist, kollektive, unbewusste, mehr oder weniger biologische Vorgänge in den Blick zu nehmen, nur weil es zurzeit nicht angesagt ist, eine große Entwicklung zu bemerken, die Hoffnung weckt. Das tut sie: Sie gibt dem Weltfrieden eine Chance.
Einer derjenigen, die an die evolutionär angeschobene Verbesserung des Menschen glaubten, war der Paläontologe Teilhard de Chardin. Er gehörte zu den wenigen, die in der Evolution einen Fortschritt sahen, eine Verbesserung, innerhalb deren die kämpferische, antagonistische Struktur der Menschen nur eine Übergangserscheinung ist. Nicht nur die Wissenschaft protestierte dagegen, sondern auch die Kirche, der Teilhard als Jesuit gehorsam war, so dass seine Werke erst nach seinem Tod (1948) veröffentlicht wurden. Das Dogma der Erbsünde schien seiner Lehre entgegenzustehen. Inzwischen ist er rehabilitiert – inzwischen traut der Papst den Menschen sogar den Weltstaat zu als Garanten für den Weltfrieden.
Die von Teilhard so genannte “Konsonation”, die Verfriedlichung der menschlichen Disposition, erhält durch die Metamorphose der Brutpflege eine Chance. Welche Ursache hat sie? Sind da lauter tüchtige Einzelwesen aus eigenem Antrieb aktiv geworden – oder mobilisiert die Gattung kurz vor ihrem Aussterben die letzten Kräfte? Ist es die Fortpflanzungskrise, in die die westlichen Gesellschaften geraten sind, die sogenannte demographische Frage, die die jungen Männer unbewusst in das neue Verhalten hineindrängt?
Lassen wir diese Frage offen. Sie ist nicht wissenschaftlich zu beantworten, sondern nur weltanschaulich. Begnügen wir uns mit den Tatsachen: In Berlin-Prenzlauer Berg sind jetzt die Sandkisten voll von jungen Männern, die dort – mit Würde und Humor – “Backe, backe Kuchen” mit ihren Kleinen spielen. In dieser Gegend ist die Fortpflanzungsrate bekanntlich dreimal so hoch wie im restlichen Deutschland.
Wer wollte diesen Männern noch das muffige alte Argument der Unmännlichkeit entgegenhalten? Die Pionier-Generation in den siebziger und achtziger Jahren, die wir in Strickpullovern und Birkenstocksandalen in Erinnerung haben, hatte sich noch mit der Problematik des Softis herumzuschlagen. In großer Schnelligkeit hat sie sich erledigt. Im Gegenteil: Wer würde heute noch einen Vater attraktiv finden, der nicht weiß, wie man ein Kind hält?
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WAS IST IM PRENZLAUER BERG SO ENTSCHEIDENT ANDERS ALS IN RESTDEUTSCHLAND, ALS DASS DIE FORTPFLANZUNGSRATE DORT DREIMAL SO HOCH IST? LEGIONEN VON WISSENSCHAFTLERN SOLLTEN DAS UMGEHEND HERAUSFINDEN! BITTE AUCH SIE, VEREHRTE HERREN BIRG UND HEINSOHN!
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Time am 31. August 2009
Tags: Birg, Heinsohn, Konstantinopel, Masada, Prenzl'berg, Sibylle Tönnies
1. September 2009 um 13:15
Ich befürchte der Prenzlauer Berg ist einfach eine Familienfreundliche Wohngegend. Zugegebenermaßen bin ich kein Berlinkenner, aber das Phänomen, dass sich junge Paare dort niederlassen, wo die Mieten günstig sind und Parks, Spielplätze, Kindergarten, Schule etc zu Fuss zu erreichen sind kann man auch in anderen Städten beobachten.
Und auch wenn ich der Authorin ihren Optimismus von Herzen gönne, macht mich soviel Endzeitalterrethorik doch skeptisch. Mal abgesehen davon, dass das mit Degradierung preußischer Offiziere wohl ein Ammenmärchen ist. Die Order würde ich gern sehen schon allein um mich zu überzeugen, dass sie nicht auf den 1. April datiert ist.
1. September 2009 um 22:10
Hallo Bodice,
seien Sie herzlich willkommen!
Ob das mit der Degradierung stimmt, weiß ich nicht, halte es jedoch für glaubwürdig. Immerhin sollte noch 1967 Kathrine Switzer aus dem Boston-Marathon entfernt werden, da die Ärzteschaft der Ansicht war, das weibliche Herz sei zu schwach für die Strapaze (1). Mir selbst berichtete eine Bekannte, die jetzt im Ruhestand lebt, dass sie noch Mitte der 70er Jahre bei ihrem Arbeitgeber, einem renommierten Verlag, ein Formular mit der Unterschrift ihres Gatten vorlegen mußte, in dem dieser sein Einverständnis mit der Berufstätigkeit seiner Frau erklärte – so war es gesetzlich vorgeschrieben. Rückblickend hat sich mE. grade seit dem 2.WK mehr verändert, als man manchmal glauben mag.
Mit freundlichen Grüßen
von Time
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(1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/23/frauensport/