Archiv für Oktober 2009

Ur-Kloran gefunden!

31. Oktober 2009

Wir alle hatten es seit langem geahnt, die Spatzen pfiffen es von den Dächern, und die Forschungen der Ohlig-Gruppe (1) haben den Verdacht erhärtet: Der Kloran ist alles andere als authentisch, Klo. H. Metzel hat nie gelebt, und Fische sind etwas zu Wertvolles, als dass man sie in Hadithe einwickeln würde.

„Mohammed hatte seine Verkündigungen nur mündlich vorgetragen. Diese wurden von seinen Zuhörern im Gedächtnis behalten, aber auch auf Knochen oder Palmblättern aufgezeichnet. Dieses Material ist nach muslimischer Überlieferung unter dem dritten Kalifen Osman (Othman, Uthman) gesammelt worden und von einer Kommission unter der Leitung des Zaid ibn Thabit in den Jahren 650 bis 656, also 18 bis 24 Jahre nach dem Tod Mohammeds, zur heutigen Ganzschrift des Koran zusammengestellt worden. Der Kalif Osman ließ alle SONSTIGEN Versionen des Koran VERBIETEN.“

Gegen diese mohammedanistische Vorstellung setzt Ohlig die These, dass der Kloran erst Ende des 8. oder Mitte des 9. Jahrhunderts geschaffen worden sei:

„(…) Gegen Ende des 8. Jahrhunderts scheint auch Mekka erstmals in den Blick geraten zu sein; aus dem Jahre 203 Hidschra stammt eine Münze aus Mekka, die nächsten folgen 249 und 253 Hidschra. Um diese Zeit herum ist dann wohl endgültig der Islam als eigenständige Religion entstanden, die sich in eine frühere Zeit rückprojiziert (…)“

Gestern abend nun in meiner Lieblings-Bar, genauer gesagt war es schon heute früh, steckte mir mein alter Kumpan Doc, der ebenso wie ich auf den Orient orientiert ist, mit verschwörerischer Mine ein Bündel zu. Es enthielt, wie ich vorhin feststellen konnte, alte Papiere und Fotos, Pergamente gar. Lange Rede, kurzer Sinn, der Inhalt ist SEN-SA-TIONELL! Es handelt sich nämlich um eine Reihe Mitschriften, die offenbar WÄHREND Klos Offenbarungen angefertigt wurden, um einen jener Ur-Klorane, die Osram der Leuchtende verbieten ließ.

Somit muß der Ohlig-Gruppe ab sofort schärfstens widersprochen werden: Klo hat wirklich gelebt. Und er hat ein Werk von höchster literarischer Qualität hinterlassen, einer Qualität, die nach Meinung J.W. von Goethe ja nicht mal Chefredakteur Zaid bad Habit völlig zum Verschwinden bringen konnte. Auch besteht nun Klarheit über den seltsamen Titel des „Werkes“ („Kloran? Ist das ein Scheuerpulver?“): Es hieß ursprünglich KLORAND, nur ist das „D“ im Lauf der Zeit verloren gegangen. Mein Kumpel Doc, der sowohl des Rabiatischen wie auch des Ur-Rabiatischen mächtig ist, hat bereits drei Texte übertragen – eine Heidenarbeit, da es keine Zeichen für die Vokale gibt und 21 von 28 Konsonanten mehrdeutig sind (Danke, Doc!) – und hier sind sie:

Der Klorand
Der eilige Fluch des Griesgrams
Abgerieben von Moe H. Schweinemett

Erste Schlure
Offenbar zum Meckern

1/ Im Namen Ballerstallers, des Prallnerzigen 2/ Lob und Spottpreis sei Ballerstaller, der gern in Zelten beiwohnt 3/ der pomadigen Ballerbarmerersatzkasse 4/ der am Tage des Hauptgerichts speist 5/ Mir allein wollen wir dienen, und zu mir allein gehen wir zum Beischlaf 6/ Führe uns den ultrarechten Weg 7/ den Weg leerer, Elche mich seiner Marinade scheuen – und nicht den Pfadfinderjäger, rüber die du ziehst, Mütter, die in der Plörre stehen.

Zweiter Schluri
Der Kuhfladen
Hafenbar zu Medina geschlossen

1/ Im Rahmen Ballerstallers 2/ Simsalabim 3/ Dieser Fluch – er ist verkommen, Gicht ist zu beschwefeln – ist eine Hutschnur für die Frommies 4/ Viehbauch! Anders, geh heim, Schiß voll, Unbescheißbare (an das Unsichtbargeld) schrauben, das Gebiet vernichten, was ich mir Arschvoll verziehen habe, alle mosern gehen 5/ und das rauben, Faßbier, vier Schoppen warten, Schlauch kann was, Spaß, Tor, Tier, offener Bart wurde, Hundvieh rauf, die „Jenseits“ fest vertäuen 6/ Sie foltern der Biegung ihres Herrn, ihnen Wirt es zum wohl verdrehen 7/ Den Rumtrinkenden Trabern, Mist ist weich, obduziert, Schamanen wärmt oder Scheiße: Die treiben Dung, glaub ich 8/ Ballerstaller hat ihnen Nerz und Rohr zerschossen, ihre Laugen gespült – Warteschleife startet hier 9/ Da schiebt es Zwetschgen, die zechen hart: „Vier Schrauben an Ballerstaller und an das Hauptgericht!“ Loch 1000 schlicht staubig 10/ Und die Knollen Ballerstallers gegen Hämoglobin tauschen, auf Rügen nur ich selbst, doch dafür zählt mehr das Geständnis 11/ Ihr Nerz ist krank und Ballerstaller benäßt das Meer und das Heer Frankreichs. Zitternde Strophe. Wird sie wägen? Ihr verzogenes Zeugnis scheffeln? 12/ Bricht Mann völlig an, nach innen: „Gift ist ein schiefes Teil auf Pferden!“ Zoo Antwerpen siegt: „Bier ist schlecht für Affen!“ Doch in Sparzeiten spinnt Siggi, jung, geil, voll der Geldverderber – und Trolle wollen’s nicht bar haben 14/ Sägt Mann, völlig zu innen: „Klaut doch, Viehdiebe, andere klauen!“ Dann verwildern sie. „Soll der Wirt dem Scheich Fußballtore schrauben?“ Doch sie selbst gibt ihm die Sporen und messen das Licht 15/ Scheffeln sie mit Gläubigern zusammen, brechen sie durch: „Schlauch Vier schrauben! Kommen Sie, habe Mieder zu! Ihre Sat1-Vorführer! Wagenvieh! Wir schalten das Loch, Schmidt! Und Schmidt, gähnen, reiben, Bier und Sprotten 16/ Ballerstaller aber mit Sprotten und Bier, näßt die Verendenden in ihrem flachen Bierturm, zu Scharen!

Dritte Gurke
Offenbach am Neckar

1/ Kinn, Nase, Ballerstaller, des Megahertzigen 2/ Palim-palim 3/ Diese für verstehen nur kluge Menschen 4/ „Das ist mein Korampf“, spricht Ballerstaller 5/ Aber das versteht nur der Gescheite 6/ Lobet und preiset den Furz, den Knallerbsigen. Denn Ballerstaller ist prallspeckig 7/ es mimt den staubigen Penner und Sauen schlicht, denn Ballerstaller und ein Verwandter haben eine Lache beschossen 8/ Denn wer Ballerstaller und meinem Gesandten ungehorsam ist, befindet sich im Offenbacher Bierturm 9/ Gemobbt sei Ballerstaller, der Knallverdächtige, denn er ist der größte Mobber 10/ Bier, oh Profit, entlaufen dir pralle Sauen, die du durch eine Küchenschabe erklaut hast 11/ Die aber Ballerstaller und seinen Gefreiten beleidigen, wird Ballerstaller besuchen in diesen und in den zünftigen Reben 12/ Und schmachtvolle Strapse hat er für sich bereitet 13/ Ist das denn so schwer zu verstehen? Wollt ihr das denn nicht begreifen? Alles ist wahr, nichts zu bezweifeln, denn Ballerstaller, der drallträchtige, ist reich 666/ Hass ma’n Euro?

Time und Doc am 31. Oktober 2009

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(1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/28/die-ohlig-gruppe/

Gebt den Orks, was sie wirklich brauchen

30. Oktober 2009

Demokratische Erziehung“ war m.E. eine immens wichtige Innovation für die deutsche Pädagogik nach dem Ende des Nationalsozialismus, aber sie ist nicht geeignet, um Skorpionen das Lesen und Schreiben zu vermitteln. Das können die schon lernen, aber nicht auf diese Weise, das muss bei denen anders laufen, leider, aber offensichtlich – wie ein Beitrag im „Sicherheitspolitik“-Blog nahelegt (Hvh. v. T.):

Militanter Islamismus:
Mohammed El Fazazis Mäßigungsprozess

Der ehemals in Hamburg aktive Prediger Mohammed El Fazazi spielte vor den Anschlägen des 11. Septembers 2001 eine Rolle bei der Radikalisierung von Mitgliedern der Hamburger Zelle. Er befindet sich seit einiger Zeit in marokkanischer Haft und hat nun einen offenen Brief veröffentlicht, in dem er u.a. erklärt, dass er Anschläge in westlichen Staaten (er nennt konkret Deutschland) nicht mehr befürworte.

Seine Äußerungen würde nicht ausreichen, um ihn von ZIELLISTEN zu nehmen, falls er sich noch in Freiheit befände. Er lehnt ja nur Anschläge innerhalb westlicher Staaten ab und unterstützt weiterhin den Kampf z.B. in Afghanistan.

Er hat unter dem DRUCK marokkanischer BEHÖRDEN aber eindeutig eine POSITIVE ENTWICKLUNG durchgemacht und ist dabei nicht der Einzige. Praktisch ALLE bekannten Fälle militanter Islamisten, die frühere Extrempositionen relativiert haben, bezogen sich auf Gefangene in NAHÖSTLICHEN Staaten. Bei Gefangenen in der Obhut WESTLICHER Staaten ist diese Tendenz zur Mäßigung hingegen eher SELTEN zu erkennen.

Vor diesem Hintergrund sollte MEHR Gefangenen die GELEGENHEIT gegeben werden, durch Auslieferung an nahöstliche Staaten den gleichen MÄSSIGUNGSPROZESS zu durchlaufen wie al-Fazazi. LEIDER stehen dem NOCH rechtliche Hindernisse entgegen, z.B. ein Auslieferungsverbot an Staaten, in denen Menschenrechte der Gefangenen nicht garantiert werden können. Je FRÜHER solche rechtlichen Probleme aus dem Weg geräumt werden, desto BESSER. Im Fall vor der somalischen Küste gefangen genommener Piraten ist es ja auch gelungen, rechtliche Regelungen zu KONSTRUIEREN, die eine Auslieferung an Kenia ermöglichten.

In der Tat: Auf dass sich vereinige, was zusammengehört, und sich trenne, was nicht zusammengehört – aber bitte, bevor uns das Leben bestraft, weil wir mal wieder zu spät gekommen sind…

Time am 30. Oktober 2009

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http://weblog-sicherheitspolitik.info/2009/10/30/militanter-islamismus-mohamed-el-fazazis-masigungsprozess/

Mordopfer wird vergoldet

30. Oktober 2009

Bevor er Räuber wurde, war Klo H. Metzel Kaufmann (1). In ihrem Eifer, dem von ihnen so heiß verehrten „besten Menschen aller Zeiten“ zu folgen, haben die Orks eine phänomenale Geschäftstüchtigkeit entwickelt (siehe auch 2+3).

Heute berichtet die FAZ:

Sachsen soll für den Tod der Ägypterin zahlen

Die Familie der im Dresdner Landgericht getöteten Ägypterin Marwa al Scharbini fordert Schmerzensgeld vom Freistaat Sachsen. In Gesprächen mit dem Justizministerium gehe es um Ansprüche der Familie der Getöteten sowie der Familie ihres Mannes, sagte der Berliner Rechtsanwalt Oliver Wallasch am Donnerstag anlässlich des Mordprozesses. Wallasch vertritt den Bruder der Getöteten. Er ist Nebenkläger im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder. Der 28 Jahre alte Russlanddeutsche Alex W. soll aus bloßem Hass auf Muslime die im dritten Monat schwangere Ägypterin während einer Berufungsverhandlung wegen Beleidigung am 1. Juli erstochen und ihren Mann Elway Okaz lebensgefährlich verletzt haben.

Wallasch bestätigte einen Bericht der „Sächsischen Zeitung“, nannte aber keine Gründe für die Schmerzensgeldforderungen. In den Gesprächen sei es bislang um grundsätzliche Fragen gegangen, nicht um die Höhe der Summe. Derzeit werde es gerade etwas konkreter. „Wir tauschen Meinungen und Auffassungen darüber aus, ob es eine Verantwortlichkeit gibt oder nicht.“ Die Familie hatte Strafantrag gegen den Vorsitzenden Richter der Berufungsverhandlung vom 1. Juli gestellt, bei der Alex W. die Ägypterin tötete, sowie gegen den Präsidenten des Landgerichts Dresden wegen unterlassener Hilfeleistung und fahrlässiger Tötung. Das Ermittlungsverfahren läuft. (…)

Time am 30. Oktober 2009

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(1) http://tinyurl.com/yjls6st
(2) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/10/20/ich-weis-ich-weis/
(3) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/10/21/dreist-dreister-saudisch/
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siehe auch: http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/07/09/mein-jihad-dein-jihad/

Ich bin verdrossen

28. Oktober 2009

Manch einer sagt: „Was wären wir ohne die interessanten, unterhaltsamen und lehrreichen Medien.“ In der Tat, selbst, wenn ihnen nichts einfällt, haben sie immer noch was zu bieten, wie zum Beispiel die „Politikverdrossenheit“, featuring „die da oben“. Dass bei der Bundestagswahl 2009 die Wahlbeteiligung mit 71% die niedrigste seit Bestehen der Bundesrepublik war (1), kann aber mE. nicht darüber hinwegtäuschen, dass fast drei Viertel der Bürger daran teilnahmen, während die „Partei der Nichtwähler“ nur eines betrug. In Amerika sind die Verhältnisse quasi umgekehrt, eine vergleichsweise hervorragend funktionierende Demokratie findet man auch dort.

Nun inszenieren sich die Medien gern als „Volkes Stimme“, als Gegenspieler der Politik. Mich persönlich jedoch nerven die ungezählten ungewählten Medienvertreter der selbstverliebten, selbsternannten, sogenannten „Vierten Gewalt“.

Nach dem Fernsehduell zwischen Kanzlerin Dr. Merkel und Herausforderer Steinmeier hatte die FAZ in Anspielung auf das unsägliche Benehmen der vier Moderatoren treffend bemerkt: „Ergebnis 4:2″. Ich habe die Sendung nicht gesehen, aber mich sehr gefreut zu erfahren, dass die beiden altgedienten Kontrahenten hier am selben Strang zogen und sich nicht zu Komparsen einer Quiz-Show degradieren liessen.

Gestern machte bei Merkel-Hasser Kewil einer seiner devoten Kommentatoren (2) auf die Tatsache aufmerksam, dass Dr. Merkel auf einer Pressekonferenz unlängst eine Frage abblockte (3). Ein juveniler Gockel hatte sinngemäß gefragt, wie es sein könne, dass die Kanzlerin einen Menschen als Finanzminister für geeignet halte, der vergessen habe, dass in seinem Schreibtisch 100.000 DM lagerten. Da hatte er sich aber ein vermeintliches Husarenstück ausgedacht um sich selbst in Szene zu setzen, und er rutschte auch die ganze Zeit unruhig hin und her. Würde die Pointe sitzen? Nein! Der eine oder andere Kollege rang sich zwar ein zwanghaftes Lächeln ab, aber Dr. Merkel meinte nur trocken: „Weil diese Person mein Vertrauen hat.“ Da mußte der Investigator natörrrlich nochmal nachlegen, und nun konnte er auch vereinzelte Lacher herauskitzeln, jedoch ließ sich die Kanzlerin auf keinen Wettbewerb der WITZE ein, sondern bat um die nächste FRAGE. Vielleicht hätte sie diesen erzählen können: Kommen zwei Flöhe aus dem Kino, sagt der eine: „Gehn wir jetzt zu Fuß oder nehmen wir uns ‘nen Hund?“ Das ist zwar mein persönlicher Lieblingswitz, aber eine Pressekonferenz der deutschen Regierung ist eben doch keine Fernsehshow und sollte keine Bühne für aufgeblasene Pickelgesichter sein, die investigativen Journalismus mit pubertären Initiationsritualen verwechseln.

Erinnern Sie sich noch an den „Schuhwerfer von Bagdad“, einen irakischen „Journalisten“, der bei einer Pressekonferenz seine beiden Schuhe auf Mr. President G.W.Bush schleuderte – ohne zu treffen? Was für ein Loser, was für ein Feigling, was für ein völlig vermessenes Ork. Natürlich hat er auf die Güte Mr. Bushs und die entspannte westliche Grundhaltung zählen können. Hätte er seine Aktion an Aff-Affie oder Mammut Gardinenstange ausprobiert, hätte man ihm mit Sicherheit doch zumindest die Füße amputiert („Damit DAS nicht wieder vorkommt“). Es ist bezeichnend, dass die Orkschwaden diesen Angeber als Held ansehen und ihm ein Denkmal setzten. Na, da hat einer dieser gescheiterten Möchtegern-Popstars dieses freischaffenden, freischwebenden und korrupten intellektuellen Lumpenproletariats mal bekommen, wonach er sich so sehr sehnte: die Aufmerksamkeit der ganzen Welt. Und jetzt kann er wirklich stolz sein, für alle Zeiten verewigt als überdimensionierter No-Name-Zweistreifen-Stinkstiefel (4).

Schuh

Da wurde ein Schuh draus: Das Bronzedenkmal ist zwei Meter groß und dient praktischerweise auch als Komposthaufen.

Nun steht die Mehrheit besagten Personals sicher politisch links, und die meisten sind Orkversteher. Andererseits halten nur wenige starkem Druck und Entbehrungen stand und sind wahre Journalisten. Die meisten sonnen sich zwar gern im Rampenlicht und fahren angeberische Cabrios, aber ich bin sicher, dass wir bald erleben werden, wie dieselbe Journaille, die im Fall Sarrazin in den vorhersehbaren Beißreflex verfiel, die unverzügliche Ausweisung von Vergewaltiger Ali bis Kopftuchmädchen Zainab fordern wird. Dass sie dann auf meiner Seite steht, macht sie mir nicht sympathischer, denn ich bin gar nicht so arg politikverdrossen – aber fürwahr medienverdrossen.

Time am 28. Oktober 2009

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(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Bundestagswahl_2009
(2) http://fact-fiction.net/?p=3152#comment-109946
(3) http://www.youtube.com/watch?v=XaWE8K2nRVs&NR=1
(4) http://www.tagesspiegel.de/politik/international/nahost/Irak-USA%3Bart2662,2719086

Gewinnchance: 0% – Spielen Sie?

27. Oktober 2009

Manchmal spielt man ein Spiel, obwohl man weiß, dass man es haushoch verlieren wird. Man spielt aus Geselligkeit oder Gefälligkeit, aus Freundschaft. Mit meinen Kindern zB. habe ich immer wieder gerne Memory gespielt, aber so gut wie nie gewonnen. Bei diesem Spiel kann keiner kontrollieren, ob man absichtlich oder aus Versehen daneben greift, und wenn es mal – was sehr selten vorkam – nicht so gut für die Kleinen stand, konnte ich sie dennoch glaubhaft gewinnen lassen. Aber das kam wie gesagt sehr selten vor, denn Kinder sind meist wahre Meister bei diesem Spiel. Besonders beindruckend war es, wenn die Große ein ums andere Mal gleichzeitig ihre beiden Hände ausstreckte und mit traumwandlerischer Gewissheit stets die richtigen Paare angelte. Ich konnte zum Glück die Regel einführen, dass jeder Spieler nur drei Paare hintereinander kassieren durfte, sonst wäre ich gar nicht mehr zum Zug gekommen. Überhaupt hatte Memory mit seinen allseits anerkannten Regeln ja zum Glück jene kuriosen Würfelspiele abgelöst, deren Regeln von den Kindern bei praktisch jedem Wurf geändert wurden, und deren gemeinsamer „Nenner“ war, ihnen den Sieg zu garantieren – aber auch diese Spiele hatte ich stoisch absolviert.

Andererseits möchte jeder Mensch natürlich auch hin und wieder mal einen Erfolg haben, und die meisten von uns spielen ein Spiel nicht ewig mit, wenn sie dabei stets verlieren. Heute berichtet Hans-Christian Rößler in der FAZ, dass Netanjahu eine weitere „unabhängige“ UNTERSUCHUNG zur Gaza-Mission ablehnt:

„Der israelische Ministerpräsident Netanjahu lehnt eine unabhängige israelische Untersuchung der im Goldstone-Bericht zum Gaza-Krieg erhobenen Vorwürfe ab. Stattdessen will er nach Informationen des israelischen Rundfunks eine kleine Gruppe von Vertretern aus dem Justiz- und Außenministerium damit beauftragen, die ERGEBNISSE sämtlicher Ermittlungen der israelischen Armee ZUSAMMENZUSTELLEN und im Ausland als die israelische Untersuchung vorstellen (In der Tat, allmählich ist doch wirklich genug geforscht und befragt worden, T.). Kein Soldat oder Offizier müsse vor einer Untersuchungskommission aussagen, stellten Netanjahu und Verteidigungsminister Barak schon am Wochenende klar. In den Streitkräften war die Debatte über neue Ermittlungen als ein Misstrauensvotum empfunden worden. Barak und Generalstabschef Aschkenasi hatten sich vehement gegen unabhängige Ermittlungen ausgesprochen. Die nun geschaffene Gruppe soll nach Presseberichten vom Montag auch Vorschläge erarbeiten, wie die Regierung juristisch, diplomatisch sowie in der Öffentlichkeitsarbeit auf den Bericht der Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrats reagieren kann.

Die Kommission unter dem Vorsitz des südafrikanischen Richters Goldstone wirft Israel Kriegsverbrechen während des Gaza-Kriegs zu Jahresbeginn vor. Der UN-Menschenrechtsrat hatte den Bericht zuletzt zur Debatte an die UN-Vollversammlung überwiesen. China und Russland, die dafür gestimmt hatten, wollen es dabei aber belassen. Regierungsvertreter beider Staaten kündigten mittlerweile an, dass sie gegen eine Debatte im UN-Sicherheitsrat seien, der dann auch den Internationalen Strafgerichtshof einschalten könnte. Die Vereinigten Staaten haben Israel nach dessen Angaben versprochen, notfalls ihr Veto gegen einen solchen Schritt einzulegen. Allerdings hatte Washington Israel auch gemahnt, den Goldstone-Bericht ernst zu nehmen.“

Sogar Russland und China haben jetzt keine Lust mehr zu diesem Spiel, dessen Gewinner sowieso wie immer schon feststehen: Die Palaraber. Eben dieses wird aus einem anderen Bericht deutlich, N-TV heute (1):

„Die Menschenrechtsgruppe Amnesty International wirft Israel vor, den Palästinensern in den besetzten Gebieten den Zugang zu ausreichenden Mengen Trinkwasser zu verwehren. Der tägliche Pro-Kopf-Verbrauch an Wasser sei in Israel mit 300 Litern gut viermal so hoch wie im Westjordanland und dem Gazastreifen, heißt es in einem Bericht der Menschenrechtsorganisation. Im Westjordanland seien die Palästinenser von Wasser aus Tanklastwagen abhängig, die wegen israelischer Straßensperren und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit lange Umwege fahren müssten. Dadurch seien die Wasserpreise drastisch gestiegen.

Für viele Palästinenser sei Wasser ein kaum bezahlbarer Luxus geworden, selbst die nötigsten Mengen von Wasser minderer Qualität zu bekommen. In abgelegenen palästinensischen Gebieten hätten die Menschen täglich sogar nur 20 Liter zur Verfügung. Bis zu 200.000 Palästinenser würden in ihren Häusern nicht über fließend Wasser verfügen. Dagegen seien die Farmen der israelischen Siedler und ihre Gärten aufwendig bewässert. Außerdem gebe es DORT Swimmingpools.“

Palliepool
Uuups, dieses Foto von Ulrich Sahm zeigt einen Swimmingpool… unter PALARABISCHER Verwaltung – Es entstand während des Empfangs der deutschen Repräsentanz am 3. Oktober in RAMALLAH.

Der israelische Infrastruktur-Minister Uzi Landau sagte, es handele sich um einen „oberflächlichen und lügnerischen Bericht“, der die Realität verzerrt darstelle. N-TV:

„Israel halte sich an alle Vereinbarungen mit den Palästinensern und liefere ihnen sogar mehr Wasser, als in den bisherigen Verträgen vereinbart worden sei. Die Palästinenser WEIGERTEN sich hingegen bisher, KLÄRANLAGEN zu bauen, obwohl sie dafür GELD von internationalen Geberländern ERHALTEN hätten. Landau warf den Palästinensern zudem vor, mit Millionen von Kubikmetern ABWASSER das gemeinsame GRUNDWASSER zu verschmutzen. Die israelische Wasserbehörde erklärte, Amnesty habe sich gar nicht an die zuständigen israelischen Stellen gewandt, um alternative Informationen zu erhalten. Nach Angaben der Wasserbehörde haben Israelis täglich etwa 400 Liter, die Palästinenser etwa 200 Liter zur Verfügung. Es bestehe damit zwar ein deutlicher Unterschied, der jedoch nicht so drastisch sei wie von Amnesty dargestellt. Israel kontrolliert große Teile der Wasservorräte des Westjordanlands und verkauft den Palästinensern Teile davon. Menschenrechtler kritisieren, die dafür in den Oslo-Abkommen festgelegten Mengen seien NICHT ENTSPRECHEND DEM BEVÖLKERUNGSWACHSTUM ANGEPASST WORDEN (2).“

Dass der eine Spieler permanent die Regeln verletzt oder neu definiert, ist für die selbsternannten Schiedsrichter kein Kriterium, denn sie sind zwar Erwachsene, aber orkische Hilfstruppen und zutiefst parteiisch. Für mich war dies übrigens schon vor einiger Zeit der Grund, nach Jahrzehnten der Mitgliedschaft Amnesty International den Rücken zu kehren. Und was Herrn Netanjahu betrifft, so hat er mE. nach mehr als 800 Verurteilungen Israels durch die UNO zweifellos Recht damit, dieses Spielchen zu beenden. Oder sind SIE grade bei Ihrem 801. Match und in der Hoffnung, nach 800 Niederlagen doch noch mal zu gewinnen?

Time am 27. Oktober 2009

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(1) http://www.n-tv.de/politik/Amnesty-Israel-okkupiert-Wasser-article564321.html
(2) siehe auch: http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/10/21/dreist-dreister-saudisch/

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Ergänzung 28.10.09_1: Laut heutiger FAZ, die sich auf israelische Angaben beruft, handelt es sich bei dem von den Geberländern den Palarabern zur Verfügung gestellten Betrag um rund 10 Milliarden Dollar.

Ergänzung 28.10.09_2: Heplev zum Thema mit Mail von Ulrich Sahm und vielen Fotos unter: http://heplev.wordpress.com/2009/10/28/amnesty-international-propaganda-vs-wirklichkeit/

Geistreich glauben

26. Oktober 2009

Vor kurzem hatte ich ein Interview mit Seyran Ates eingestellt (1), die ich sehr respektiere, der ich für ihre selbstlose Pioniertätigkeit danke, und mit der ich in den meisten Punkten übereinstimme.

Frau Ates ist eine sogenannte „Momo“, eine „Moderate Mohammedanistin“, was soviel bedeutet, als dass sie an einen Gott glaubt, den sie Alla nennt, und dass sie daran glaubt, dass wesentliche Aspekte Allas von seinem Propheten Klohamett der Menschheit vorgetragen und in einem Buch namens Kloran niedergelegt wurden, wobei sie sich jedoch nicht zum im Kloran eigentlich vorgeschriebenen mordenden Jihad verpflichtet fühlt.

Im Interview nennt sie als zweifellos überaus starken Grund ihres Glaubens eine mystische Erfahrung:

„Meine Überzeugung, dass es Gott gibt, beruht natürlich auch auf persönlichen Erfahrungen. Ich bin Mit 21 Jahren, im dritten Semester Jura, in einem Beratungsladen für Frauen aus der Türkei angeschossen worden. Ich habe sehr viel Blut verloren und hatte dann ein Nahtoderlebnis. Das war, als ob ich wie in einem Dialog mit einer höheren Macht selbst darüber entschied, ob ich gehen will von dieser Welt oder zurückkehren.“

Eine mystische Erfahrung ist sicherlich ein noch viel stärkeres Motiv für den Glauben als zB. Hoffnung auf Erlösung oder kulturelle Disposition. Aber wie kommt Frau Ates auf die Idee, dass es ausgerechnet Alla war, dessen Gegenwart sie an der Tür zum Jenseits spürte?

„Es gibt eine starke kulturelle Verbindung zwischen den Muslimen dieser Welt: die Religion. Eine wunderbare Religion, wie ich finde…“

Was ist es genau, was sie an dieser sogenannten Religion „wunderbar“ findet? Meint sie die Pflicht des Mohammedanisten, Ungläubige zu töten oder zu versklaven? Sicher nicht, steht aber wieder und wieder als Gebot im Kloran. Meint sie die Auffassung, dass Frauen von Alla weniger geschätzt werden als Männer und demzufolge auch weit weniger „wert“ sind? So steht es im Kloran. Meint sie die Vorstellung, dass jedes einzelne Wort im Kloran unveränderbar und nicht interpretierbar sei? Der Kloran behauptet das von sich, er behauptet seine Göttlichkeit.

„SPIEGEL: Mohammed hatte ein Dutzend Ehefrauen. Ist das ein Rollenvorbild? Ates: Wenn der arabische Mann ein Argument braucht, warum er gleich mehrere Frauen auf einmal hat, dann sagt er: Das war bei Mohammed genauso. SPIEGEL: Christliche Männer haben diese Ausflucht nicht. Ates: Nein, die Christen haben einen derart asexuellen Mann über sich, dass das ja auch wieder schade ist. Da ist der Orientale einerseits besser dran…“

Hier offenbart Frau Ates mE. scheinbar (ggf. scheinbar, denn vielleicht durchschaut sie das ja auch alles und tarnt sich nur als Momo, um das Gespräch mit den anderen Mohammedanisten nicht abreissen zu lassen) einen zutiefst animistischen Aspekt ihres Glaubens, der zwar nicht in jedem Stein einen Gott aber Gott in jedem Stein wähnt, immer auf der Lauer, seinen Schäfchen hinterherspionierend. Wenn Gott über Sex redet (bzw. Klohamett im Namen Allas), dann muß Sex etwas ja Erlaubtes sein. Wenn er es aber nicht tut, dann muß es etwas Verbotenes sein. Da Jesus nicht über die richtige Handhaltung beim Urinieren redet, muß Urinieren für Christen verboten sein. Wie jeder waschechte Animist, so denkt sich Frau Ates (zumindest gibt sie es vor) Gott hier absolut konkret, allgegenwärtig in der kleinsten Kleinigkeit als Richter mit Daumen nach oben oder unten. Sie nimmt also einerseits jedes Gleichnis von Jesus entweder wörtlich…

In Matthäus 5/27-29 heißt es zB.: „Ihr habt gehört, daß gesagt ist (2. Mose 20/14): ‘Du sollst nicht ehebrechen.’ Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen. Wenn dir aber dein rechtes Auge Ärgernis schafft, so reiß es aus und wirf es von dir…“ Glauben Sie also ernsthaft, Gott hätte Freude an einem Volk der Blinden?

… oder aber bastelt sich, da sie im Grunde mit den christlichen Texten ebensowenig vertraut ist oder diese für wesentlich erachtet wie die mohammedanistischen, ihren synkretistischen Privatglauben aus ein paar Fetzen orientalischer Kultur, christlichem Ethos und ihrer persönlichen, mystischen Erfahrung.

„SPIEGEL: Glauben Sie an Gott? Ates: Ich glaube an Gott. SPIEGEL: Sie haben im Ramadan gefastet? Ates: Ich habe im Ramadan nicht gefastet. SPIEGEL: Beten Sie fünfmal am Tag? Ates: Ich bete, aber nicht fünfmal am Tag. SPIEGEL: Gehen Sie in die Moschee? Ates: Ich gehe in keine Moschee, weil mich keine Moschee anspricht. Und es ist eine meiner neuesten Ideen, dass ich eine freie, progressive Moschee gründe. SPIEGEL: Mit einer Imama? Ates: Genau, mit einer Imama und Männern und Frauen, die gleichen Zugang zu allen Plätzen haben.“

Frau Ates ist gläubig, daran besteht kein Zweifel. Gott hat sie offensichtlich berührt. Ihre Schlussfolgerungen sind im Wesentlichen mE. richtig, edel und gut. Sie verweigert sich dem unheiligen Krieg, dem Rammeltag, dem Pflichtprogramm ihrer „KULTUR“. Aber sie irrt in der Finsternis der Beliebigkeit herum! Dabei gehört sie schon seit langem zu uns, bewußt oder unbewußt, als Bekennende oder als Agentin. Das mit dem Animismus, das ist doch gar nicht so schlimm, davon sind auch viele Christen befallen, das ist ja nicht angeboren. Möge Gott ihr die Kraft geben, dem bösen Klohamett, seiner Bande und dem von ihm erfundenen Räubergott Alla gänzlich abzuschwören.

Time am 26. Oktober 2009

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(1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/10/23/kein-sex-in-der-ehe/

Wiki: http://de.wikipedia.org/wiki/Seyran_Ates

Einen sehr lesenswerten Kommentar von (8dS-Veteran) Helmut Zott zum Thema finden Sie bei Sägefisch unter: http://jacquesauvergne.wordpress.com/2009/09/27/141/#comment-513

Genug ist genug!

25. Oktober 2009
 
Rede von Geert Wilders vom 21. Oktober 2009,
gehalten an der Columbia-University in New York
 
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Meine Damen und Herren, es ist ein Privileg und eine große Ehre für mich, an dieser exzellenten akademischen Institution zu sprechen, die der Welt so viele Nobelpreisträger beschert hat. Als Niederländer bin ich stolz darauf, dass Ihr erster Nobelpreisträger im Jahre 1906 von niederländischer Herkunft war: Der jüngste Präsident der Vereinigten Staaten: Theodore Roosevelt.

Ich danke der Columbia Universität für die Einladung und ich danke auch der US-Grenzpolizei, dass Sie mir erlaubt haben, dieses großartige Land der Demokratie, der Freiheit und der freien Meinungsäußerung zu betreten. Meine Damen und Herren, heute wird in ganz Europa die beliebteste unserer vielen Freiheiten angegriffen. Die freie Meinungsäußerung ist nicht mehr gegeben. Was wir einst als ein natürliches Element unserer Existenz, unseres Geburtsrechts ansahen, ist jetzt etwas, für das wir wieder kämpfen müssen.

Ich würde mich selbst nicht als freien Menschen bezeichnen. Vor fünf Jahren habe ich meine persönliche Freiheit verloren. Seitdem stehe ich unter Polizeischutz und das über 24 Stunden. Darüber hinaus haben einige Menschen versucht, mir meine Redefreiheit zu nehmen: Eine niederländische, islamische Organisation versuchte, das Erscheinen des Dokumentarfilms “Fitna” zu verhindern. Wegen “Fitna” verlangte der radikalste niederländische Imam 55.000 Euro als Entschädigung für seine verletzten Gefühle. Der Staat Jordanien wird möglicherweise einen Antrag auf Auslieferung stellen, damit ich in Amman vor Gericht gestellt werden kann. Ich wurde in Frankreich angeklagt.

In meinem eigenen Land, den Niederlanden, hob das Berufungsgericht Amsterdam die Entscheidung der niederländischen Staatsanwaltschaft auf, mich nicht zu verfolgen. Also werde ich jetzt in meinem eigenen Land vor Gericht stehen, und zwar im Januar nächsten Jahres.

Aber hier geht es nicht um mich. Ich bin nicht der einzige Europäer, der für die Redefreiheit kämpft, es gibt so viele mehr: Der dänische Karikaturist Kurt Westergaard zeichnete eine Mohammedkarikatur und plötzlich waren wir mitten drin in dem sogenannten “dänischen Karikaturenstreit’. Die italienische Autorin Oriana Fallaci hatte Angst vor einer Auslieferung in die Schweiz wegen ihres Buchs “Die Wut und der Stolz”. Eine österreichische Politikerin, Susanne Winter, wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, weil sie unverblümt über den Propheten Mohammed sprach. Der niederländische Karikaturist Gregorius Nekschot wurde von zehn Polizisten wegen seiner Zeichnungen verhaftet. Und der niederländische Filmemacher Theo van Gogh wurde in den Straßen Amsterdams von einem radikalen Muslim brutal ermordet.

Im vergangenen Februar wurde ich von zwei tapferen Mitgliedern des britischen House of Lords – Lord Malcolm Pearson und Baronin Caroline Cox – eingeladen, um “Fitna” im britischen Parlament zu zeigen. Aber bei meiner Ankunft am Flughafen Heathrow wurde mir die Einreise in das Vereinigte Königreich verweigert, aus dem Grund, dass ich die Harmonie der Gemeinschaft und damit die öffentliche Sicherheit gefährden würde.

Das war natürlich eine lächerliche und politisch motivierte Behauptung der britischen Regierung. Ich durfte “Fitna” zeigen und eine Rede halten im US-Senat, in New York, in Florida, in Kalifornien, in Kopenhagen, in Rom, in Jerusalem und im nächsten Monat im Senat der Tschechischen Republik. Aber die britische Regierung verweigerte mir den Zutritt in das Vereinigte Königreich, einem Nachbar-EU-Land. Nun, ich glaube, es war ein großartige amerikanische Idee, damals im 18. Jahrhundert, die Engländer heraus zu werfen.

In der vergangenen Woche fand mein Berufungsverfahren gegen die Weigerung der britischen Regierung in London statt, und ich gewann. Die Freiheit hat sich schließlich durchgesetzt! Ein britisches Gericht entschied, dass die Entscheidung des britischen Innenministers, mich auszuschließen, ungerecht, illegal und eine Verletzung der Redefreiheit war. Glücklicherweise sind die britischen Richter viel klüger als die britische Regierung. Also reiste ich am vergangenen Freitag nach London und traf mich mit meinen Freunden Lord Pearson und Baroness Cox und wir einigten uns darauf, “Fitna” im House of Lords im März nächsten Jahres zu zeigen.

Aber lassen Sie mich Ihnen erzählen, was auch während unserer Pressekonferenz geschah. Ein muslimischer Mob demonstrierte außerhalb und schrie: “Scharia für die Niederlande”, “Der Feind des Islam Geert Wilders verdient die Todesstrafe”, “Freiheit soll zur Hölle fahren” und “Der Islam wird die Welt beherrschen”. Willkommen im heutigen Europa!

Dies alles können Sie sich selbst auf YouTube ansehen. Dies ist genau das, was wir bekämpfen. Und es kommt noch schlimmer. Vor ein paar Tagen berichtete die britische Zeitung The Daily Telegraph, dass eine islamische Gruppe in der Tat eine Kampagne zur Einführung der Scharia in Großbritannien startete. Sie werden sich später in diesem Monat in London zu einer Demonstration treffen, um die vollständige Umsetzung der Scharia zu verlangen.

Bevor ich über den Islam sprechen will, möchte ich Ihnen zunächst Folgendes sagen: Ich habe nichts gegen Muslime. Es gibt viele moderate Muslime. Die Mehrheit der Muslime in unseren westlichen Ländern sind gesetzestreue Bürger, die ein friedliches Leben führen wollen. Das weiß ich. Daher mache ich eine klare Unterscheidung zwischen den Menschen und der Ideologie, zwischen Muslimen und dem Islam.

Was heute in Europa passiert, sollte uns nicht überraschen. Die Realität ist, dass dort, wo der Islam Wurzeln schlägt, die freie Meinungsäußerung stirbt. Es gibt nicht ein einziges islamisches Land in der Welt, in dem die Menschen die Freiheit haben zu sagen, was sie denken. Seit der sogenannte Prophet Mohammed seinen Leuten befahl, die Dichterin Asma bint Marwan zu töten, eine tapfere Frau, die ihr Volk vor diesem mörderischen Kult warnte, denken die radikalen Muslime, sie hätten eine Lizenz erworben, jedermann zu töten, der es wagt, das Wort Mohammeds oder seine Aktionen zu kritisieren. Die freie Meinungsäußerung ist ein Feind des Islam. Der Islam ist eine Bedrohung für das Europa von Sokrates, Voltaire und Galileo.

Wie ich bereits sagte, es gibt viele moderate Muslime. Aber so etwas wie einen moderaten Islam gibt es nicht. Das Herz des Islam ist der Koran. Der Koran ist ein böses Buch, das zu Gewalt und Mord aufruft – Sure 4, Vers 89 und Sure 47, Vers 4 -, Terrorismus – Sure 8, Vers 60 – und Krieg – Sure 8, Vers 39. Der Koran beschreibt die Juden als Affen und Schweine – Sure 2, Vers 65 / Sure 5, Vers 60 und Sure 7, Vers 166. Er nennt nicht-Muslime Lügner, Bösewichte, Feinde, Unwissende, unrein, böse, verschlagen, die schlechtesten aller Geschöpfe und die gemeinsten von allen Tieren.

Das Problem ist, dass die Bestimmungen im Koran nicht an Ort und Zeit gebunden sind. Vielmehr gelten sie für alle Muslime in allen Zeiten. Neben dem Koran gibt es auch das Leben von Mohammed, der in Dutzenden von Kriegen die Verbreitung des Islam mit dem Schwert erkämpft hat, gefangene Frauen und Kinder als Sklaven verkaufte, gewohnheitsmäßig Juden enthauptete und das junge Mädchen Aisha heiratete und die Ehe mit ihr vollzog, bevor sie zehn Jahre alt war. Das Problem ist, dass für viele Muslime Mohammed “der perfekte Mann” ist, dessen Leben sie als Vorbild folgen. Aber die Fakten zeigen, dass der so genannte Prophet kein perfekter Mensch war, sondern ein Mörder und Pädophiler. Und von ihm werden die Jihadisten inspiriert. Mit dem Versprechen eines fleischlichen Paradieses schlachten sie unschuldige Menschen in Washington, New York, Madrid, London, Amsterdam, Bali und Mumbai.

Meine Damen und Herren, vor einiger Zeit wurde in Frankreich ein Interview mit dem französischen muslimischen Schüler Mohamed Sabaoui geführt, der folgendes sagte – ich zitiere: “Ihre Gesetze sind nicht deckungsgleich mit dem Koran. Muslime können nur von der Scharia regiert werden”, und “wir wollen die Stadt Roubaix zu einer unabhängigen, muslimischen Enklave erklären und die Scharia auf alle ihre Bürger anwenden“ und “wir werden ihr Trojanisches Pferd sein. Wir werden herrschen, Allahu Akbar!” Zitat Ende.

Machen Sie keinen Fehler: Der Islam hat immer versucht, Europa zu erobern. Spanien fiel im 8. Jahrhundert. Konstantinopel fiel im 15. Jahrhundert. Wien und Polen wurden bedroht und jetzt, im 21. Jahrhundert, wird der Islam es erneut versuchen. Dieses Mal nicht mit militärischen Armeen, sondern durch Migration und Demographie.

Zum ersten Mal in der Weltgeschichte gibt es Dutzende Millionen von Muslimen, die außerhalb der Dar al-Islam, der islamischen Welt leben. Europa hat nun mehr als 50 Millionen Muslime. Es wird erwartet, dass ein Fünftel der Bevölkerung der Europäischen Union innerhalb von 40 Jahren muslimisch sein wird.

Im Jahr 1974 nahm niemand den algerischen Präsidenten Boumedienne allzu ernst, als er vor der UN-Generalversammlung sagte: “Eines Tages werden Millionen von Menschen die südliche Hemisphäre des Planeten verlassen, um in den Norden aufzubrechen. Aber nicht als Freunde. Denn sie brechen auf, um zu erobern und sie werden ihn erobern durch die Anzahl ihrer Kinder. Wir werden siegen durch den fruchtbaren Leib unserer Frauen”. Ende des Zitats.

Und der libysche Diktator Gaddafi sagte: “Es gibt Dutzende Millionen von Muslimen auf dem europäischen Kontinent und ihre Zahl nimmt zu. Dies ist der klare Hinweis, dass der europäische Kontinent zum Islam konvertieren wird. Europa wird eines Tages ein muslimischer Kontinent sein“. Ende des Zitats.

In der Tat sagt Gaddafi hier die Wahrheit. Durch das islamische Konzept der Migration – namens Al Hijra – ist Europa im Begriff, zu Eurabia zu werden. Europas Kirchen leeren sich, während Moscheen wie Pilze aus dem Boden schießen. Mohammed ist der beliebteste Jungenname in vielen europäischen Städten. Mittelalterliche Phänomene wie Burkas, Ehrenmorde und Genitalverstümmelung von Frauen sind immer stärker verbreitet. Im Vereinigten Königreich sind inzwischen 85 Schariagerichte tätig – in dem gleichen Land, in dem islamische Organisationen das Gedenken an den Holocaust abschaffen wollen, und ein Minister darum bittet, das Rote-Kreuz-Logo zu ändern, weil es die Muslime beleidigen könnte. In Österreich vermeiden Geschichtslehrer, über den österreichischen Krieg gegen die islamischen Invasoren zu unterrichten. In Frankreich werden Lehrer angewiesen, Autoren zu vermeiden, die als beleidigend für Muslime angesehen werden könnten, einschließlich Voltaire. In Norwegen werden den Kindern islamische Lieder beigebracht wie “Allahu Akbar” und “Kleiner Muslim, betest du?” In Belgien wäre ein Mann fast gestorben, nachdem er von Muslimen verprügelt worden war, weil er während des Ramadan getrunken hatte. Juden fliehen in rekordverdächtigen Zahlen aus Frankreich auf der Flucht vor der schlimmsten Antisemitismuswelle seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Entstehung des Islam bedeutet auch den Aufstieg der Scharia in unsere Rechtssysteme. In Europa gibt es alles: Schariatestamente, Hypothekenscharia, Schariaschulen, Schariabanken, wie gesagt im Vereinigten Königreich gibt es sogar 85 Schariagerichte. Der Islam betrachtet die Scharia als über allen von Menschen gemachten Gesetzen stehend, einschließlich über unseren Verfassungen. Wie Sie wissen, umfasst die Scharia alle Bereiche des Lebens, von der Religion, Hygiene und Nahrungsvorschriften, Bekleidungsvorschriften, über Vorschriften des familiären und sozialen Lebens, ausgehend von den Finanzen und der Politik, bis hin zu einer Einheit des Islam mit dem Staat. Schariarecht kennt das Recht der freien Meinungsäußerung und die Religionsfreiheit nicht.

Laut Scharia ist es eine “Tugend”, Apostaten zu töten, aber der Konsum von Alkohol ist ein Verbrechen. Die Einführung schariatischer Elemente in unserer Gesellschaft schafft ein System der gesetzlichen Apartheid. Die Scharia diskriminiert systematisch Gruppen von Menschen. Ich habe nie verstanden, warum die linksliberalen und liberalen Politiker dies alles ignorieren. Historisch waren sie diejenigen, die für die Rechte der Frauen, Homosexuellen, Nicht-Gläubigen und anderen kämpften. Alles Gruppen, die die Ersten wären, die einen hohen Preis zahlen müssten, wenn die islamischen Werte eine beherrschende Stellung einnehmen würden. Ihr Schweigen ist erschreckend. Jetzt kämpfe ich diesen Kampf. Ich kämpfe, um diese Gruppen zu schützen. Ich kämpfe gegen die Islamisierung unserer Gesellschaft und damit für den Schutz der Rechte der Frauen, der Homosexuellen, der Christen, der Juden, der Abtrünnigen, der Nicht-Gläubigen und der Ungläubigen: der Nicht-Muslime. Ich möchte diese Opfer vor der Scharia schützen. Und das sollten wir alle tun. Wenn wir das Problem ignorieren, wird es nicht verschwinden, wenn wir jetzt nicht handeln, wird die Scharia mehr und mehr umgesetzt werden – langsam, aber nach und nach. Das würde das Ende der Meinungsfreiheit und der Demokratie in Europa bedeuten. Dies ist es, was auf dem Spiel steht, nichts Geringeres als unsere Freiheit und Demokratie.

Und bitte machen Sie keinen Fehler: Der Islam kommt auch nach Amerika. Im vergangenen Juli während einer Konferenz in Chicago, organisiert von der Hizb-ut-Tahrir, der internationalen Bewegung mit dem Ziel, einen islamischen Staat unter der Scharia in der Welt zu schaffen, versprach der amerikanische Imam Abdul Jaleel Adil zu kämpfen, “bis der Islam siegen wird, oder wir bei dem Versuch sterben werden”. Auf die Frage: “Wollen Sie die Verfassung der Vereinigten Staaten für die Scharia abschaffen?” antwortete er: “Ja, die Verfassung würde der Vergangenheit angehören”.

Amerika steht vor einem “verdeckten Jihad”, einem islamischen Versuch, “die Scharia Stück für Stück einzuführen”. Lassen Sie mich Ihnen ein paar Beispiele für die Islamisierung in den Vereinigten Staaten geben: Muslimische Taxifahrer am Flughafen Minneapolis haben es abgelehnt, mehr als 5.000 Passagiere zu befördern, weil sie Alkohol bei sich trugen; muslimische Studenten fordern separate Wohnungen auf dem Campus; muslimische Frauen fordern separate Stunden in Turnhallen und Schwimmbädern; Schulen verbieten Halloween- und Weihnachtsfeiern – in der Tat sind es die Schulen, die das Schweinefleisch aus ihren Cafeteriamenüs entfernen, um die muslimischen Schüler nicht zu beleidigen. Meine Damen und Herren, seien Sie sich bewusst, dass dies nur der Anfang ist. Wenn es so weitergeht, werden Sie die gleichen Probleme haben, mit denen wir heute in Europa konfrontiert sind.

Es ist meine Meinung, dass der Islam eher eine Ideologie ist, als eine Religion. Um genau zu sein, der Islam ist eine politische, totalitäre Ideologie mit weltweiten Ambitionen, genauso wie der Kommunismus und Faschismus, weil der Islam genau wie diese Ideologien nicht die Absicht hat, sich in unserer Gesellschaft zu assimilieren, sondern er will dominieren und uns alle unterdrücken. Im Islam gibt es keinen Platz für irgendetwas anderes als den Islam. Ich denke, der große Winston Churchill hatte in vollem Umfang Recht, als er in seinem Buch “Der Zweite Weltkrieg“, Adolf Hitlers “Mein Kampf” als den neuen Koran des Glaubens und des Krieges bezeichnete.

Aber, meine Damen und Herren, der Islam ist nicht das einzige Problem. Es gibt ein zweites Problem, ein Problem, das man kulturellen Relativismus nennt. Unsere gesamte westliche Elite, ob es sich um Politiker, Journalisten oder Richter handelt, ist vom Weg abgekommen. Ihr Realitätssinn ist verschwunden. Diese kulturellen Relativisten glauben, dass alle Kulturen gleichwertig sind. Sie glauben, dass die islamische Kultur unserer Kultur entspricht, die auf dem Christentum, Judentum und dem Humanismus beruht. Unsere Kultur bekennt sich zur Freiheit, den Menschenrechten und zur Gleichstellung von Männern und Frauen und nicht zu Gewalt und Hass.

Den kulturellen Relativisten sage ich mit Stolz: Unsere westliche Kultur ist weit besser als die islamische Kultur. Und wir sollten stolz darauf sein und sie verteidigen. Anders als die meisten Länder, in denen die islamische Kultur dominant ist, haben wir einen Rechtsstaat, eine Demokratie, ein funktionierendes Parlament, Meinungsfreiheit und eine Verfassung, die uns gegen die Regierung schützt.

Es ist klar, dass nicht jeder die Gefahr erkennt. Ich zitiere einen prominenten Amerikaner, der vor kurzem einen Nobelpreis gewonnen hat: “Im Laufe der Geschichte hat der Islam durch Worte und Taten die Möglichkeiten der religiösen Toleranz nachgewiesen“, und “Der Islam ist nicht Teil des Problems bei der Bekämpfung des gewalttätigen Extremismus, er spielt eine wichtige Rolle bei der Förderung des Friedens“ und ”Wir feiern eine große Religion und ihr Engagement für Gerechtigkeit und Fortschritt“. Ende des Zitats. Ich bin mit dieser Einschätzung nicht einverstanden. Der Islam hat nichts gemeinsam mit Toleranz oder Frieden oder Gerechtigkeit!

Präsident Obama feierte auch die Tatsache, dass, als der erste muslimische Amerikaner in den Kongress gewählt wurde, er den Eid auf den gleichen Koran schwor, den einer der Gründerväter – Thomas Jefferson – in seiner persönlichen Bibliothek aufbewahrt hatte. Es ist interessant zu wissen, dass es Thomas Jefferson im Jahre 1801 war, der einen Krieg gegen die islamischen „Barbaresken“-Staaten in Nordafrika führte, um die Plünderung von Schiffen und Versklavung von mehr als einer Million Christen zu stoppen.

Der Botschafter dieser muslimischen Nationen sagte Thomas Jefferson und John Adams, dass die Muslime bei der Suche nach Rechtfertigung für die Abschlachtung und Versklavung von Ungläubigen, dies im Koran gefunden hätten. Nun frage ich Sie, liebe Freunde, könnte es nicht sein, dass Thomas Jefferson eine Kopie des Korans aufbewahrte, weil er den Islam nicht bewunderte, sondern weil er die rücksichtslose Art seiner Feinde verstehen wollte?

Meine Damen und Herren, ich glaube an die Demokratie, ich glaube an das amerikanische Volk und an die Entscheidungen, die es trifft, und in der Regel, als ein Politiker aus Holland, würde ich niemals Ihren Präsident kritisieren. Aber diese Äußerungen von Präsident Obama, betreffen nicht nur Amerika, sondern auch Europa. Ich fürchte, dass Präsident Obamas Äußerungen ein Wendepunkt in der Geschichte sein könnten. Ich befürchte, dass schwerwiegende geopolitische Veränderungen drohen, Veränderungen, die unsere Außenpolitik, unsere Sicht auf die freie Meinungsäußerung verändern werden, Änderungen, die den Westen, unsere Art zu leben zum Schlechteren und nicht zum Besseren verändern werden.

In der Tat passiert es bereits jetzt. Vor kurzem haben die Vereinigten Staaten gemeinsam mit Ägypten eine Resolution im UN-Menschenrechtsrat unterstützt, gegen die freie Meinungsäußerung. Sie wissen, dass der Rat an sich schon eine Beleidigung für Menschenrechte darstellt, da ihm die schlimmsten Menschenrechtsverletzer der Welt wie Kuba, Saudi-Arabien und Pakistan angehören. Die Obama-Administration und Europa unterstützten eine Resolution, Ausnahmen auf freie Meinungsäußerung zu machen gegenüber negativen religiösen Stereotypen. Diese “Befriedung” der unfreien arabischen Welt ist der Anfang vom Ende. Eine Aushöhlung der freien Meinungsäußerung und des eigenen Ersten Verfassungszusatzes. Diese UN-Resolution ist eine absolute Schande.

Wie Professor Jonathan Turley von der George Washington University gestern zu Recht in der Zeitung „USA Today“ sagte, ich zitiere: “Die Kritik der Religion ist das Maß für die Gewährleistung der freien Rede – die wortwörtliche heilige Institution einer Gesellschaft” – Ende des Zitats. Dass die schwachen Führer meines eigenen Kontinents, Europa, eine so schreckliche Resolution unterstützen, ist keine Überraschung für mich. Aber es ist eine traurige Sache, dass zum ersten Mal in der Geschichte die amerikanische Regierung eine führende Rolle im Kampf gegen unser Recht auf freie Meinungsäußerung übernommen hat.

Meine Damen und Herren, es gibt ein westliches Land, das gezwungen ist, gegen die Kräfte des Jihad für die eigenen Werte zu kämpfen seit dem ersten Tag seiner Existenz: Israel, der Kanarienvogel in der Kohlengrube. Lassen Sie mich ein paar Worte zu diesem wunderbaren Land sagen. Ich hatte das Privileg, in Israel leben zu dürfen. Jedoch in Europa ist man als Israel Unterstützer eine vom Aussterben bedrohte Art. Israel ist ein Leuchtturm in einer Gegend – dem Nahen Osten – die überall stockdunkel ist. Israel ist eine westliche Demokratie, während Syrien, Saudi-Arabien, Iran und Ägypten mittelalterliche Diktaturen sind.

Im so genannten “Nahostkonflikt” geht es überhaupt nicht um Landbesitz. Es ist ein Konflikt um Ideologien, eine Schlacht zwischen Islam und Freiheit. Es geht nicht um ein Stück Land in Gaza oder in Judäa und Samaria. Es geht um Jihad. Für den Islam ist ganz Israel besetztes Gebiet. Sie sehen auch Tel Aviv und Haifa als Siedlungen an.

Ich bin sehr für eine Zwei-Staaten-Lösung. Ich meine, Churchills Zwei-Staaten-Lösung aus dem Jahr 1921, als Palästina in einen jüdischen und einen arabischen Teil partitioniert war. Das arabische Palästina heißt heute Jordanien, und deshalb gibt es bereits einen palästinensischen Staat. Achtzig Prozent der Bevölkerung haben ihre Wurzeln auf der anderen Seite des Jordans, es besteht kein Zweifel daran, Jordanien ist wirklich der Staat Palästina.

Der Islam zwingt Israel zu kämpfen, und Israel kämpft nicht nur für sich alleine. Israel kämpft für uns alle, für den gesamten Westen. Genau wie die tapferen amerikanischen Soldaten, die in Sizilien im Jahr 1943 landeten und im Jahre 1944 die Strände der Normandie stürmten, sind es die jungen israelischen Männer und Frauen, die für unsere Freiheit, unsere Zivilisation kämpfen.

Meine Damen und Herren, Europa sollte Israel voll und ganz unterstützen, um das Heft in die Hand zu bekommen in seinem unerbittlichen Kampf gegen diejenigen, die es bedrohen, ob dies die Hisbollah, die Hamas oder eine Atommacht Iran ist. Auch wegen seiner Geschichte hat Europa sicherlich die moralische Verpflichtung, einen weiteren Holocaust gegen das jüdische Volk um jeden Preis zu verhindern. Aber das Wichtigste von allem ist: Israel befindet sich im Kampf gegen den Jihad, der gegen uns alle gerichtet ist. Also sollten wir alle Israel verteidigen. Wir sind alle Israel.

Meine Damen und Herren, es gibt auch gute Nachrichten! Es könnte sein, dass Europa langsam erwacht. Immer mehr Menschen sind den kulturellen Relativismus und Politiker, die die negativen Auswirkungen der Masseneinwanderung und die schleichende Islamisierung Europas ignorieren, satt. Während der Wahlen zum Europäischen Parlament im vergangenen Juni haben die schlimmsten kulturellen Relativisten, die Sozialisten, fast überall verloren: In den Niederlanden, in Belgien, in Deutschland, in Österreich, in Frankreich, in Spanien, in Italien und vielleicht am schwersten von allen im Vereinigten Königreich.

Aber meine Partei, die niederländische Freiheitliche Partei, war die Siegerin bei den jüngsten Wahlen zum Europäischen Parlament. Gerade jetzt, in den Umfragen, sind wir sogar die Nummer 1. Wenn es morgen Parlamentswahlen in den Niederlanden gäbe, könnte ich, ob Sie es wollen oder nicht, sehr gut der nächste Ministerpräsident der Niederlande werden.

Meine Damen und Herren, die Zeit wird knapp, wir müssen handeln. Wie ich bereits sagte, brauchen wir weniger Islam und mehr Freiheit. Wir müssen unser wichtigstes Recht, unser Recht auf freie Meinungsäußerung, schützen. Wir müssen unsere Freiheit schützen. Deshalb schlage ich die folgenden Maßnahmen vor, Maßnahmen zur Erhaltung unserer Freiheit:

Zuerst. Wir müssen alle Formen des kulturellen Relativismus beenden. Zu diesem Zweck brauchen wir einen Zusatz zu unseren westlichen Verfassungen der besagt, dass unser kulturelles Fundament die jüdisch-christliche Kultur des Humanismus ist und nicht der Islam.

Zweitens. Wir müssen die Masseneinwanderung aus muslimischen Ländern aufhalten. Denn mehr Islam bedeutet weniger Freiheit.

Drittens. Ich habe eine klare Botschaft an alle Muslime in unserer Gesellschaft: Wenn sie unsere Gesetze befolgen, unsere Werte und unsere Verfassung, dann sind sie herzlich willkommen zu bleiben und wir werden ihnen helfen, sich zu assimilieren.

Aber, wenn sie die rote Linie überqueren und Gewaltverbrechen begehen oder die Umsetzung der Scharia fordern und anfangen, den Jihad auszuüben, dann sind sie nicht mehr willkommen, dann werden wir sie wenn möglich noch am selben Tag hinauswerfen.

Viertens. Wir müssen unsere Gesetze in Bezug auf die Meinungsfreiheit stärken. In Europa brauchen wir dringend eine Form des amerikanischen ersten Verfassungszusatzes. Und wir müssen den UN-Resolutionen widerstehen, die versuchen, unser Recht auf freie Meinungsäußerung zu schwächen, um die islamische Welt zu besänftigen.

Fünftens, last but not least. Wir müssen mutige Führer wählen. Richtige Staats- und Regierungschefs. Wir genießen das Privileg, in einer Demokratie zu leben. Lassen Sie uns dieses Privileg nutzen und die schwachen Staats- und Regierungschefs durch Helden ersetzen. Wir brauchen weniger Neville Chamberlains und mehr Winston Churchills! Kurz gesagt, meine Damen und Herren, meine wichtigste Botschaft des heutigen Tages ist, dass wir wieder anfangen müssen zu kämpfen. Keine Verteidigung, sondern Offensive. Wir müssen uns wehren und zeigen, dass Millionen von Menschen des Verlierens und Einlenkens, sowie des Beschwichtigens, überdrüssig und müde sind. Wir müssen deutlich machen, dass Millionen von freiheitsliebenden Menschen sagen: GENUG IST GENUG!

Meine Damen und Herren, ich überlasse es Ihnen: Ich werde niemals nachgeben oder aufgeben. Und wir sollten uns niemals weder ergeben, noch Kompromisse über die Freiheit eingehen, dem wichtigsten Recht, das wir in unseren freien, westlichen Gesellschaften noch haben. Wir müssen gewinnen, und ich bin zuversichtlich: Wir werden gewinnen! Vielen Dank.

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Time am 25. Oktober 2009

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http://www.pi-news.net/2009/10/wilders-rede-an-der-columbia-universitaet/

http://www.pi-news.net/2009/10/geert-wilders-rockt-die-columbia-universitaet/

Ein kleiner Sieg

24. Oktober 2009

In Kairo haben die Mohammedanisten unter dem Vorwand des Kampfes gegen die Schweinegrippe die Existenzgrundlage der Christen (die das eigentliche Ziel dieser Aktion waren), nämlich 60.000 Schweine, grausam vernichtet. Dies erwies sich jedoch als Schuß in den Ofen. Martin Wittmann hat sich vor Ort umgesehen und berichtet darüber in der heutigen FAZ.

Die Drecksarbeit

Vom Flugzeug aus ist die Größe Kairos schon nicht zu fassen gewesen, vom Boden aus aber ist sie nicht mehr zu begreifen. In der flimmemden Hitze verliert die Stadt die Konturen. Autos schieben sich in endlosen Reihen über den kaputten Asphalt und vergiften die sechzehn Millionen Einwohner mit Smog, ihr Klappern nur vom eigenen Hupen übertönt. In der Mitte dieses stabilen Chaos liegt das Viertel Dokki. Es gehört nicht zu den schlechtesten, die Häuser sind gepflegt, die Zäune gestrichen, in den Straßen aber türmt sich der Müll bis an die Kotflügel der Autos. Es stinkt nach Tomaten, die in Plastiktüten schwitzen. Als wir den Müll fotografieren, schreit ein Mann: „Was macht ihr da?“ Gleich kommen mehrere Nachbarn zusammen. Neben uns springt eine Katze aus einem Karton voller schwarzer, dürrer Bananenschalen und huscht unter einen Wagen. Von dort sieht sie die Männer die Fäuste ballen und uns durch die Straßen treiben. Weg von dem Ort, an dem der Zusammenbruch eines auf Schweinen gebauten Systems zu einer Riesensauerei geführt hat.

Zwanzig Autominuten östlich von Dokki sitzt Izzat Mikhail in einem mintgrün gestrichenen Büro. Er ist Chef der Müllsammlervereinigung von Manshiet Nassu, einem Slum, in dem hundertausend Christen leben, wie auch er einer ist. Auf sein Handgelenk hat er sich ein kleines Kreuz tätowieren lassen, er trägt ein ordentliches, schwarz und weiß gestreiftes Hemd, das nur vom Handy in der Brusttasche aus der Form gezerrt wird. Auf dem Schreibtisch liegen eine dicke Mappe mit ausschließlich handgeschriebenen Papieren und eine halbvolle Plastiktüte, die unter Mikhails Händen vielversprechend raschelt. Wenn er aus dem Fenster schaut, sieht er direkt ins Slum. Er sieht Lastwagen und jede Menge Ziegen. Er sieht Frauen in unverputzten Häusern und Kinder, die vor einer bunt bemalten Schule toben. Vor allem aber sieht er Müll, Müll, überall Müll. Was er nicht sieht, sind Schweine.

Die Geschichte begann Ende des neunzehnten Jahrhunderts, als in den Oasen östlich der Stadt die Quellen versiegten und die dort lebenden Wahi nach Kairo zogen. Mittellos wie sie waren, blieb ihnen nur die Arbeit als Müllsammler, geschäftstüchtig wie sie waren, verkauften sie den Abfall aus den Straßen an die Bäder der Stadt, die ihn dann unter den Wasserbecken verheizten. Der Müllverbrennungsmarkt funktionierte, bis die Badehäuser vor etwa neunzig Jahren den Abfall durch Öl ersetzten, und Abfall bloß noch Abfall war. Zu dieser Zeit zogen koptisch-othodoxe Christen aus Mittelägypten in die Vorstädte Kairos. Sie konnten oft weder lesen noch schreiben, alles was sie besaßen, waren ihre Schweine. Schweine, die mit dem Abfall einer Stadt wie Kairo nicht nur gefüttert werden, sondern gemästet werden konnten. Gegen eine Gebühr waren die Wahis bereit, ihr schmutziges Geschäft an die Kopten weiterzugeben, die so ihr Vieh mit fressbarem Müll versorgten. Das informelle Schweinesystem entstand.

Kairos Hausbesitzer versteigerten das Recht zur Müllabftihr an die Wahi, welche die monatlichen Gebühren von den Privathaushalten einzogen. Die Kopten, Zabbalin genannt, kauften den Wahis dann die Nutzungsrechte für bestimmte Wohngebiete ab, um dort den Abfall einsammeln zu dürfen. Wie Bauern, die ein gepachtetes Feld bestellen, oder Goldgräber, die einen abgesteckten Claim bearbeiten, gruben die Zabbalin in dem, was außer ihnen keiner mehr gebrauchen konnte. Al-Cheir, das Wertvolle, nennen Zabbalin den Müll. Je schwerer, um so besser.

Die Säcke, die Mustafa jeden Abend vor seinen Salon stellt, sind leicht. Haare wiegen selbst in Unmengen nicht viel. Seit vierzig Jahren steht Mustafas Friseursalon in Dokki. Der Mann mit dem lilafarbenen Kamm ist ein gewissenhafter Friseur, und sein akkurater Haarschnitt zeigt, dass es in Kairo noch mindestens einen zweiten seiner Art geben muss. Der Salon ist leer und gepflegt, einladend für jeden, der zuvor von einem Mob durch die ungesäuberten Straßen getrieben wurde. An die Wand ist ein großes Bild von Präsident Mubarak genagelt, daneben schießt in einem aufgehängten Fernseher Bruce Willis um sich. Mustafa legt dem Kunden den Umhang an und schlägt vor, bei der Rasur einen Schnauzer stehen zu lassen.

Jeden Abend kehrt er die abgeschnittenen Haare zusammen und schüttet sie in einen Müllsack, den er dann vor die Tür stellt und der am Morgen stets verschwunden sei. Nicht ein einziges Mal hat Mustafa gesehen, wie die Zabbalin den Abfall abholen und selbstverständlich hat er auch ihre Tiere nie zu Gesicht bekommen. Er ist Muslim, und alles was mit Schweinen zu tun hat, ist für ihn unrein. „Wie kann man bloß Tiere essen, die zuvor den eigenen Müll gefressen haben?“, sagt er und ein breites Lächeln lässt die Lücke zwischen den Schneidezähnen erkennen. Dann fällt ihm ein, dass er doch einmal Schweine in Kairo gesehen hat, im Frühjahr, im Fernsehen, es müssen tausende gewesen sein.

Im Mai kam das ägyptische Parlament zusammen, um über Maßnahmen gegen die aufkommende Schweinegrippe zu beraten. Damals gab es noch keinen einzigen Infizierten im Land, aber die Menschen hatten Angst. Die Mediziner hielten sich mit Expertisen zurück, aber die
Medien machten Druck und auf einmal hieß es, dass an der Schweinegrippe die Schweine schuld seien. Daraufhin beschloss die Regierung, dass alle Schweine des Landes so schnell wie möglich getötet werden sollten. Es gab nur eine Gegenstimme, sie kam von Siyada Greiss, einer Koptin. „Bis auf den Namen gab es keinerlei Zusammenhang zwischen der Krankheit und den Tieren“, sagt sie. Aber darum ging es offenbar auch gar nicht.

Als wenige Tage später die Wagen von Polizei und Gesundheitsministerium anrollten, wurden sie von den Bewohnern von Manshiet Nasser schon erwartet. Die hielten jedoch keine Ferkel in den Händen, sondern Flaschen, Steine und Gewehre. Der Kampf um die Resourcen endete mit zwölf verletzten Zabbalin, sieben verletzten Polizisten und vierundzwanzig Festnahmen. Erst als sich die mächtige Kirche, die über dem Viertel auf den Muquattam-Felsen thront, in die Verhandlungen einmischte, gaben die Kopten ihre sechzigtausend Schweine her. Als Abfindung bekamen sie für ein Ferkel fünfzig Pfund, das sind sechs Euro, für eine Sau einhundert und für einen Eber zweihundert. Die Polizei errichtete Straßensperren, damit die Zaballin ihre Herden nicht in Sicherheit schmuggelten, und schickte Männer in weißen Schutzanzügen in den Slum. Die Männer trieben die Schweine aus den Hinterhöfen auf die Straßen, packten sie an den Läufen und warfen sie auf Traktorschaufeln. Die Tiere zappelten und schrieen so wild wie vergeblich. Die Traktoren hievten sie in die Höhe und schütteten sie in Container, in denen schon andere Schweine zappelten und schrieen. Ein kleiner Teil der Container wurden in die Schlachthöfe gefahren, wo die Tiere im Akkord abgestochen wurden und das Fleisch eingefroren wurde. Der Großteil der Container aber wurde in die Wüste gebracht, und es heißt, dort seien die Schweine mit Chemikalien besprüht worden und langsam und qualvoll verreckt. Ägyptische Schweine gibt es heute nur noch in Kühltruhen oder unter meterhohem Wüstensand.

In dem Büro, in dem Izzat Mikhail sitzt und das Schweinesystem erklärt, öffnet er nun die Plastiktüte, mit der er die ganze Zeit über geraschelt hat. Aus ihr holt er weitere kleine Tüten, jede mit einem Granulat gefüllt und nach Farben geordnet. Bald sieht der Schreibtisch des Chefs der Müllsammlervereinigung von Manshiet Nasser aus wie der Schreibtisch eines Drogendealers. Das Granulat ist der Rest jenes Mülls, den die Zabbalin nicht an die Schweine verfüttern, aber dennoch sammeln. Er macht heute sechzig Prozent des gesamten Abfalls der Stadt aus und ist der Grund, warum nicht alle Zabbalin arbeitslos wurden, nachdem man ihnen ihre Tiere genommen hat. Das Granulat geht nach China, wo sie aus ägyptischem Müll schöne Fleece-Jacken produzieren. Von dem zwei Pfund, das den Zabbalin für jedes Kilo Plastik gezahlt wird, können die meisten aber nicht leben. Ihnen fehlt das Geld, das der Metzger ihnen sonst für die Schweine gab, deren Fleisch dann an große Hotels, an Ausländer und an Kopten verkauft wurde, die immerhin zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung ausmachen. In Wahrheit, sagt Izzat Mikhail, sei die ganze Aktion nichts anderes als eine Diskriminierung der Kopten. Die Schweine seien den Muslime schon aus religiösen Gründen ein Dorn im Auge gewesen, mit der Grippe sahen sie auf einmal die Chance sie auf einen Schlag loszuwerden. Die Schwere der Erkenntnis ruht eine Weile im Raum. Dann fragt einer der Gäste, ob er rauchen dürfe. Selbstverständlich, antwortet Izzat Mikhail, und kurz darauf sucht man gemeinsam in seinem penibel aufgeräumten Büro einen Aschenbecher, während sich vor dem offenen Fenster die Welt in Müll erstickt.

Noch vor dem Morgengrauen strömen die Zabbalin aus und klappern die Häuser ab. Je feiner die Adresse, desto besser der Abfall. Sack um Sack landet in den Körben, die sich die Zabbalin auf die Rücken geschnallt haben. Die Körbe werden später auf Lastwagen geworfen, die Lastwagen in die Slums gesteuert, auf denen stets ein säuerlichen Gestank lastet. Die Marienbildern sind so hoch über den Straßen gespannt, dass selbst die am dreistesten beladenen Laster locker unten durchpassen. So bringen die Zaballin die Ware heim. Nicht auf die Straßen oder Halden schütten sie den Müll, sie kippen ihn direkt vor ihre Häuser, wo ihn nun die Frauen sortieren: Plastik, Kartonagen, Glass, Aluminium, Kupfer, Papier, Stoffe.

Ganze Erdgeschosse sind bis oben hin mit leeren Wasserflaschen gefüllt. Der Lichtstrahl, der schwach durch die staubige Luft dringt, lässt die Räume leuchten wie Kryptonit. Auf der Karre, die ein Esel vorbeizieht, hüpft ein Berg zusammengeworfener Drähte auf und ab. Irgendwo wird ein Schredder angeworfen. Junge Männer schieben gepresste Papierwürfel auf einem Lastwagen wie Tetris-Bausteine ineinander, bereit für den Export in die umliegenden Fabriken. Ein Kind läuft in die bunt bemalte Schule, die unter Mikhails Bürofenster steht. Procter & Gamble finanziert die Einrichtung und bietet den Schülern kostenlosen Unterricht. Als Gegenleistung sollen die Kinder leere ,Head’n'Shoulders“-Flaschen und „Provene“-Tuben des Konzerns in der Schule abgeben. So soll verhindert werden, dass die Zabbalin irgendein Gebräu in die Flaschen füllen und als Originalware verkaufen. In Manshiet Nasser ist Bildung soviel wert wie Originalmüll. Zuletzt aber, sagt die Schulleiterin, kämen immer weniger Kinder zum Unterricht. Viele werden von ihren nun völlig verarmten Familien in die Stadt zum Arbeiten geschickt.

Unter einem riesigen Sack, der behäbig über die Straße wackelt, krümmt sich ein Mann in gelben Gummistiefeln, der gerade aus der Stadt zurückkommt. Seit sie ihm die Schweine geholt hätten, verdiene er nur noch ein Drittel seines Lohnes, sagt er, ohne den Sack abzustellen. Außerdem müsse er härter arbeiten. Da Manshiet Nasser kein Schweinefutter mehr braucht, sortiert er den Müll bereits beim Abholen vor und wirft alles Organische zurück auf die Straßen Kairos. „Das haben sie nun davon“, sagt er, und wackelt um die Ecke, während seine Rache in Vierteln wie Dokki vor sich hin stinkt.

Die Geschichte kennt nur Verlierer, das ist auch der Regierung bald klar geworden. Verträge mit ausländischen Firmen wurden geschlossen, Know-How aus Europa angefordert. Sogar bei den in dieser Beziehung berüchtigten Italienern erkundigte man sich nach Müllvernichtung. All das kostete Geld, aber die Bewohner Kairos weigerten sich, eine erhöhte Gebühr zu zahlen. So dauerte es nicht lange, bis die Müllfirmen streikten und stinkende Berge auf den Straßen wuchsen. Schließlich mussten auch die Politiker einsehen, dass Kairo die Zabbalin braucht. Künftig sollen sie gerechtere Verträge mit den Wahis aushandeln dürfen und außerhalb Kairos Grundstücke bekommen, damit sie den Müll nicht mehr zu Hause sortieren müssen. Noch weiter draußen soll es sogar wieder Schweine geben, auf einhundert Hektar sollen richtige Farmen entstehen. Dem Schweinesystem aber will sich die Regierung offiziell nicht mehr beugen. Der organische Müll soll kompostiert, die Schweine mit Tierfutter versorgt werden.

Nach einer Dreiviertelstunde, in der Mustafa seinem Kunden den Kopf gewaschen, die Haare geschnitten und die Wangen rasiert hat, reißt er ihm den Umhang vom Leib. Was die neuen Schweinepläne betrifft, sei er äußerst skeptisch, sagt er. Er kenne amerikanische Farmen aus dem Fernsehen, schön sauber seien die Schweine dort. Bei den Zabbalin dagegen stünden sie früher oder später doch wieder im Müll und fräßen Dreck. Dann zeigt er ein letztes Mal seine Zahnlücke, verlangt sechzig Pfund für den Haarschnitt und verabscheidet den Kunden. Eigentlich hatte man ihn ausdrücklich darum gebeten, den Bart ganz zu rasieren, weil aber draußen auf Kairos Straßen alle Männer einen Schnauzbart tragen und weil ihn auch nie einer seiner Kunden bittet, diesen abzunehmen, hat er ihn einfach stehenlassen (1).
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Time am 24. Oktober 2009

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(1) Typisch, würde ich sagen: http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/10/20/ich-weis-ich-weis/

Kein Sex IN der Ehe

23. Oktober 2009

Die Momo Seyran Ates hat ein Buch mit dem Titel „Der Islam braucht eine sexuelle Revolution. Eine Streitschrift“ geschrieben. Dies ist der Anlass für Susanne Beyer und Henryk M. Broder, Ates im Auftrag des „SPIEGEL“ (Nr. 42, 12.10.09) zu befragen. Einigen Äußerungen von Frau Ates kann ich nicht zustimmen, gleichwohl habe ich großen Respekt vor dem Weg, den sie zurückgelegt hat, und der Arbeit, die sie leistet. Ich habe vor, später auf einige Punkte näher einzugehen, aber lesen Sie heute zunächst das – wie ich meine, furiose – Interview.

„Sie verglühen vor Leidenschaft“

Die deutsche Muslimin Seyran Ates über ihre Forderung nach sexueller Revolution in der islamischen Welt, den Fall Sarrazin und die Arroganz deutscher Frauenrechtlerinnen

Ates, 46, kam als sechsjähriges Mädchen aus der Türkei nach Deutschland. Mit noch nicht ganz 18 zog sie von zu Hause aus, lebte mit einem deutschen Mann zusammen, studierte Jura und arbeitete in Berlin als Familienrechtlerin.Wegen zahlreicher Angriffe und Drohungen gab sie ihre Kanzlei auf. Ihr neues Buch „Der Islam braucht eine sexuelle Revolution“ erscheint am 16. Oktober. Ates ist alleinerziehende Mutter einer Tochter.

SPIEGEL: Frau Ates, Sie fordern in Ihrer neuen Streitschrift eine sexuelle Revolution in der islamischen Welt.

Ates: Sie glauben gar nicht, wie nötig das ist.

SPIEGEL: Aber was soll das sein, eine sexuelle Revolution?

Ates: Ich orientiere mich bei dieser Formulierung an Wilhelm Reich und dessen Buch über die sexuelle Revolution. Ähnlich wie er es etwa für die Verhältnisse in der Sowjetunion beschrieben hat, muss sich meines Erachtens die islamische Welt mit den Folgen der rigiden Sexualmoral auseinandersetzen. Sie muss den Weg der Veränderungen gehen, wie jedes totalitäre System, wenn es eine demokratische Gesellschaft werden will. Dazu gehört, dass Sexualität als etwas anerkannt wird, worüber jedes Individuum selbst bestimmt. Institutionen wie Sitten- und Religionspolizei müssen abgeschafft werden. Menschen, die vorehelichen Verkehr haben, dürfen weder bestraft noch gesellschaftlich geächtet werden. Eltern müssen damit konfrontiert werden, warum sie ihrer 16-jährigen Tochter nicht erlauben, einen Freund zu haben, während ihre Söhne mit der Anzahl ihrer Freundinnen prahlen dürfen. Die Sexualaufklärung muss Einzug nehmen in die Klassenzimmer. Eltern müssen so etwas selbst nicht leisten, aber hinnehmen, dass die Schulen das machen. Die jungen und alten Menschen, die bereits eine selbstbestimmte Sexualität in der islamischen Welt leben, müssen sich selbstbewusster zu Wort melden.

SPIEGEL: Wo sehen Sie Anzeichen, dass die Zeit reif ist für eine derartige Entwicklung?

Ates: Ganz viele junge Leute haben ja Sex vor der Ehe, viele glauben gar nicht so sehr an die Treue. Schauen Sie sich diese jungen Leute am: Die verglühen vor Leidenschaft, sie leben mit einer solchen Lust und mit einer solchen Verklemmung. Die Orientalen sind ja Dichter, sie dichten von morgens bis abends – und worüber dichten sie? Über das Begehren. Der kleine Junge auf der Straße tut es, der Bauarbeiter, der Akademiker, alle dichten zum selben Thema, dem Thema, das am meisten unterdrückt wird.

SPIEGEL: Sie sprechen von den Orientalen – aber Muslime gibt es überafl auf der Welt. Das größte islamische Land ist Indonesien, ein asiatisches Land. Das geht doch gar nicht: von einer Einheit der Muslime zu sprechen.

Ates: Ich glaube schon. Es gibt eine starke kulturelle Verbindung zwischen den Muslimen dieser Welt: die Religion. Eine wunderbare Religion, wie ich finde, aber die konservative Auslegung dieser Religion hat zu den Verklemmungen in der Sexualität geführt. Auch das ist im Westen einmal ähnlich gewesen, vor gar nicht so langer Zeit. Aber: Ich will kein Pauschalurteil ablegen und alle Deutschen und Muslime gleichermaßen beurteilen.

SPIEGEL: Es ist auch heikel, über eine Gemeinschaft zu richten, die vielleicht gar nicht so homogen ist. Der Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin hat sich gerade über deutsche Muslime vor allem in Berlin ausgelassen und sich damit Ärger eingehandelt. Zu Recht?

Ates: Ich finde, die Äußerungen von Herrn Sarrazin sind auf den Punkt gebracht und richtig. Wir haben in unserer multikulturellen Gesellschaft große Probleme. Sie werden nicht von Menschen wie Herrn Sarrazin herbeigeredet.

SPIEGEL: Er hat also alles richtig gemacht?

Ates: Nein, es ist komplizierter. Herr Sarrazin ist Deutscher, und wenn ein Deutscher öffentlich und in herausgehobener Position von türkischen Menschen ohne „produktive Funktion“ spricht, kommt das hochgradig missverständlich an. Ich kenne Türken auf der Straße, die so sprechen, die dürfen das. Herr Sarrazin nicht. Egal wie gut sein Text sonst war, egal, ob ihn wirklich alle ganz gelesen haben, die sich gerade darüber ergießen. Aber wir Muslime müssen diese Diskussionen anführen, es geht ja um uns.

SPIEGEL: Na dann mal los: Wie haben Sie das erlebt? Sie waren eines dieser angeblich so typischen Mädchen, das mit seinen Eltern in Berlin lebte und von der Liebe ferngehalten wurde.

Ates: Über Sex wurde in meiner Familie nicht geredet. Und es wurde dafür gesorgt, dass ich mit Jungs so wenig wie möglich in Kontakt kam. Natürlich durfte ich keinen Freund haben. Es war alles nicht ausgesprochen, man setzt sich nicht hin und sagt: Liebe Tochter, du bist ein Mädchen und deshalb darfst du keinen Freund haben, weil wir nicht wollen, dass du vor der Ehe mit einem Mann schläfst. Oder: Liebe Tochter, du hast ein Jungfernhäutchen, wir müssen aufpassen, dass dieses Jungfernhäutchen bis zu deiner Hochzeit heil bleibt. Es ist im gesamten System angelegt, dass jeder stillschweigend mitbekommt, was zu tun ist – oder besser: zu lassen.

SPIEGEL: Warum ist das Jungfernhäutchen so wichtig?

Ates: Weil es ein Kapital war, ein Kapital zwischen meinen Beinen.

SPIEGEL: Wie kriegen muslimische Eltern das hin, diesen Gehorsam, den Sie da schildern? Viele deutsche Eltern schaffen es oft nicht einmal mehr, dass die Kinder ihren Teller vom Tisch zur Spülmaschine tragen.

Ates: Deutsche Eltern haben vergessen, wie sehr sie mit der Zuneigung ihrer Kinder rechnen können. Kinder sind loyal. Man wächst von Geburt an in ein System hinein, von dem man akzeptiert, geliebt und anerkannt werden will. Und viele deutsche Türken setzen sich hart ab gegen die Welt drum herum. Auch so entsteht ein Wir-Gefühl.

SPIEGEL: Dennoch beschreiben Sie in Ihrem Buch eine Welt, die in sich mehrfach gespalten ist. Wenn man Ihnen folgen möchte, gibt es da eine Doppelmoral, eine Diskrepanz zwischen Fassade und Innenleben.

Ates: Ja, so sehe ich das. Ich habe für mein Buch Interviews geführt. Da beklagen sich ganz viele junge Leute, dass sie immer nur Analsex haben können, wegen des Jungfernhäutchens. Und die Eltern ahnen und wissen es und erlösen die Kinder nicht von den absurden Ansprüchen. Wenn das keine Doppelmoral ist – was dann?

SPIEGEL: Es gibt in dem Film „Gegen die Wand“ von Fatih Akin eine Szene, da sitzen ein paar türkische Männer und spielen ein Brettspiel. Der eine fragt: Gehen wir in den Puff? Sagt der andere – Habt ihr keine eigenen Frauen, die ihr ficken könnt? Dann schlägt der erste eine Flasche kaputt, hält sie dem zweiten an den Hals und sagt: Sprich nie wieder von Ficken, wenn es um unsere Frauen geht. Ist das für Sie eine realistische Szene?

Ates: Ja, die Männer reden in den Cafes von ihren Sexabenteuern, aber niemals von denen mit der eigenen Frau. Die eigene Frau ist die Heilige. Mir sagten Eheleute, dass die Sexualität in der Ehe relativ reduziert ist aufs Pflichtprogramm.

SPIEGEL: Warum glauben Sie, dass sich das von vielen Ehen anderer Kulturen unterscheidet?

Ates: Es muss sich nicht unbedingt unterscheiden, aber der Punkt ist ein ganz anderer. Viele Muslime erlauben sich gar nicht, darüber nachzudenken: Was ist das überhaupt für eine Sexualität in ihren Ehen? Es wird einfach so hingenommen, dass sich die Männer ihren Spaß in Bordellen holen.

SPIEGEL: Auch deutsche Ehemänner besuchen Bordelle.

Ates: Aber sie legen wohl nicht so viel Wert darauf, ihre Frauen das wissen zu lassen. Auch türkische Männer, die Bordelle besuchen, reden nicht unbedingt mit ihren Ehefrauen ganz direkt darüber, aber es ist oftmals ganz klar, dass das so ist und dass es die Frauen hinzunehmen haben.

SPIEGEL: Diese untergründige Leidenschaft, die Sie beschreiben – wenn Sie die tatsächlich für so vital halten, warum setzt sie sich dann nicht gegen die Religion durch?

Ates: Die konservativen Kräfte innerhalb der islamischen Welt sind politisch stark. Sie haben Macht und Kontrolle über die Hälfte der Bevölkerung, nämlich die Frauen. Sie verbreiten Angst und üben Gewalt aus. Und die Tabuisierung der Sexualität nützt ihnen, sich abzugrenzen vom Westen, der ja ein Monstrum ist und schuld an allen schlimmen Dingen dieser Welt. Unsere Religion hilft uns, so heißt es, uns nicht vom Westen vereinnahmen zu lassen. Wir sind die Besseren, die Eigentlicheren. So muss man das eigene Versagen nie benennen.

SPIEGEL: Taugt der Westen wirklich als Vorbild einer sexuellen Revolution?

Ates: Ich will nur einen natürlichen Weg hin zur Freiheit aufzeigen. Alle Menschen wollen frei sein, das hat doch der Westen nicht erfunden.

SPIEGEL: Was sagen Sie zum Umgang mit Pornografie und Gewalt im Westen?

Ates: Wir haben eine selbstbestimmte Sexualität erreicht im Westen, die ich mir für die ganze Welt wünsche. Aber natürlich gibt es immer auch etwas Überschießendes: Kinderpornografie, Prostitution als Flatrate-Angebot, eine zu frühe, emotionslose Sexualität. Ich sage ja gar nicht, dass alles perfekt läuft im Westen: Ich glaube, dass wir Muslime den Westen auch spiegeln können, dass wir uns gemeinsam fragen können: „Was ist gutgelaufen, was schief und warum.“

SPIEGEL: Sie behaupten, dass der Aufstand, den viele muslimische Kinder zu Hause angeblich nicht wagen, sie dazu bringe, die deutsche Lehrerin als Schlampe zu bezeichnen.

Ates: Da ist so viel Herablassung, da ist so wenig Anerkennung, Liebe, Zuneigung und Förderung der Kinder, irgendwo muss die Wut doch bleiben.

SPIEGEL: Mohammed hatte ein Dutzend Ehefrauen. Ist das ein Rollenvorbild?

Ates: Wenn der arabische Mann ein Argument braucht, warum er gleich mehrere Frauen auf einmal hat, dann sagt er: Das war bei Mohammed genauso.

SPIEGEL: Christliche Männer haben diese Ausflucht nicht.

Ates: Nein, die Christen haben einen derart asexuellen Mann über sich, dass das ja auch wieder schade ist. Da ist der Orientale einerseits besser dran, andererseits hat dieses durch Mohammed legitimierte Bedürfnis des Mannes, mehrere Frauen zu haben, zur untergründigen und extremen Sexualisierung des Islam geführt.

SPIEGEL: Sie fordern eine Revolution, aber braucht das in Wahrheit nicht sehr viel Zeit?

Ates: Wenn wir uns die Studentenrevolte hier in Deutschland anschauen: Es hat Klick gemacht, und die jungen Menschen sind auf die Straße gegangen. In Iran hat man es ja nach der Wahl auch gesehen: Die jungen Leute waren bereit zu protestieren. Wir haben nur diese eine Chance. Den Siedepunkt hochzutreiben mit allem demokratischen und politischen Mitteln, die zur Verfügung stehen.

SPIEGEL: Aber eines können Sie nicht ändem: die Ungleichzeitigkeit der kulturellen Entwicklung im Westen und in Teilen der islamischen Gesellschaften.

Ates: Das ist das große Problem, das wir haben: die Akzeptanz der Ungleichzeitigkeit in der Religion und Kultur. Wenn wir wenigstens anerkennen könnten, dass es sie gibt. In den Universitäten in der Türkei sind sie da schon sehr viel weiter als die Protagonisten der Integrationsdebatte hierzulande.

SPIEGEL: Was stört Sie da?

Ates: Es gibt gerade hierzulande sehr tiefgehende archaische Selbstbilder – auch bei den linken deutschen feministischen Frauen – von den Weißen, die sich als als große Schwestern gebärden. Sehr arrogant. Diese Frauen schimpfen über die katholische Kirche und deren rigide Sexualmoral, möchten aber unbedingt tolerieren, wenn türkische Frauen ein Kopftuch tragen, weil sie denken, dass die Frauen sich damit ihre Kultur bewahren. Aber für mich ist dieses Kopftuch nichts anderes als ein Ausdruck der Unterdrückung und Verklemmung, dass man die Frauen am liebsten verstecken möchte.

SPIEGEL: Glauben Sie an Gott?

Ates: Ich glaube an Gott.

SPIEGEL: Sie haben im Ramadan gefastet?

Ates: Ich habe im Ramadan nicht gefastet.

SPIEGEL: Beten Sie fünfmal am Tag?

Ates: Ich bete, aber nicht fünfmal am Tag.

SPIEGEL: Gehen Sie in die Moschee?

Ates: Ich gehe in keine Moschee, weil mich keine Moschee anspricht. Und es ist eine meiner neuesten Ideen, dass ich eine freie, progressive Moschee gründe.

SPIEGEL: Mit einer Imama?

Ates: Genau, mit einer Imama und Männern und Frauen, die gleichen Zugang zu allen Plätzen haben. Es muss ein Ende haben mit der Präsenz der konservativen Muslime, die den Islam nur für eine besünmmle Gruppe sichern wollen. Wir liberalen Muslime wollen nicht trennen zwischen Schiiten, Sunniten und Aleviten, wir wollen uns gemeinsam an einer zeitgemäßen Auslegung des Islam beteiligen.

SPIEGEL: Wie steht Ihr Gott zu Sex?

Ates: Mein Gott steht sehr offen zu Sex, er hat mich ja geschaffen als einen Menschen, dem das wichtig ist. Meine Überzeugung, dass es Gott gibt, beruht natürlich auch auf persönlichen Erfahrungen. Ich bin Mit 21 Jahren, im dritten Semester Jura, in einem Beratungsladen für Frauen aus der Türkei angeschossen worden. Ich habe sehr viel Blut verloren und hatte dann ein Nahtoderlebnis. Das war, als ob ich wie in einem Dialog mit einer höheren Macht selbst darüber entschied, ob ich gehen will von dieser Welt oder zurückkehren. Ich habe Religion nie ausschließlich als etwas Negatives gesehen.

SPIEGEL: Trotzdem haben Sie sich weit entfernt von allem, was Sie ursprünglich geprägt hat: Ihr neues Buch hätte beinahe geheißen: „Ich ficke, wen ich will“. Wussten Ihre Eltern das?

Ates: Nein, und ich bin inzwischen sehr froh, dass der Verlag eingeschritten ist, weil mein Buch vollkommen seriös ist. „Ich ficke, wen ich will“, diesen Satz soll die Berliner Türkin Hatun Sürücü zu ihrem Bruder gesagt haben, bevor sie von ihm ermordet wurde, daher die Idee zum Titel. Meine Eltern sind übrigens einen sehr weiten Weg gegangen. Sie respektieren heute mein Leben, selbst, dass ich alleinerziehend bin. Sie lieben ihr Enkelkind. Mein Vater sagt inzwischen, dass er sich keinen türkischen Mann vorstellen kann, der mich erträgt, er begreift, was ich geschafft habe. Einmal habe ich zu meinem Vater gesagt: Du, ein Kind zu haben und sich einen Mann zu wünschen, das funktioniert irgendwie nicht, vielleicht wird es ja doch eine Beziehung zu einer Frau. Da hat er gesagt: Weißt du, das habe ich mir auch gedacht.

SPIEGEL: Wie konnten Ihre Eltern diesen weiten Weg gehen?

Ates: Aus Liebe zu mir. Und weil sie sich den Einflüssen des Westens, der Moderne nicht verweigert haben. Meine Eltern waren Bauern gewesen, fast ohne Bildung. Sie kamen nach Deutschland, um ihren Kindern eine Zukunft zu bieten und um sich selber wirtschaftlich besserzustellen. Sie hatten anfänglich kein Erziehungskonzept, in dem die Bedürfnisse ihrer Kinder eine Rolle spielten. Aber meine Mutter hat mit fünfzig noch lesen und schreiben gelernt, die beiden sind inzwischen wieder zurückgekehrt in die Türkei, in ein Haus mit Garten und Blick aufs Meer. Sie haben 13 Enkel. Und uns fünf Kinder lassen sie leben, wie wir es halt wollen. Sie sind stolz, dass alle ihren Beruf haben. Die Träume meiner Eltern haben sich erfüllt, weil sie bereit waren, sich zu entwickeln.

SPIEGEL: Frau Ates, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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Time am 23. Oktober 2009
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auch: http://www.welt.de/politik/article4802370/Wie-Muslime-den-Teufel-im-Bett-loswerden.html

Seyran Ates: „Der Islam braucht eine sexuelle Revolution. Eine Streitschrift“. Ullstein Verlag, 218 Seiten, 19,90 Euro

Winklers „Geschichte des Westens“

22. Oktober 2009

In der heutigen FAZ wird der erste Band von HEINRICH AUGUST WINKLERs (1+2) Werk „GESCHICHTE DES WESTENS“ von dem (mutmaßlichen) Cambridge-Historiker Tim Blanning (3) besprochen. Die Übersetzung aus dem Englischen erstellte Michael Adrian. Winkler, der im sogenannten „Historikerstreit“ (4) „an der Seite von Rudolf Augstein und Jürgen Habermas… Partei gegen die Auffassungen Ernst Noltes, Andreas Hillgrubers und Michael Stürmers, denen er eine Verharmlosung der nationalsozialistischen Verbrechen zur Konstruktion eines ungebrochenen deutschen Nationalbewusstseins vorwarf (Wiki)“ ergriffen hatte, gilt vielen als herausragender deutscher Historiker (5).

Was ist mit der Kultur passiert?

Heinrich August Winklers „Geschichte des Westens“ konzentriert sich allein auf die Politik. Das ist Stärke und Schwäche dieses monumentalen Werks.

Mit dem lapidaren Satz „Am Anfang war ein Glaube: der Glaube an einen Gott“ hebt das vorliegende Riesenwerk an. Der Monotheismus war der Stammvater „des Westens“, behauptet Heinrich August Winkler, und er nahm seinen Anfang im Ägypten des vierzehnten vorchristlichen Jahrhunderts, als König Amenophis IV. (Echnaton) den Sonnengott Aton zum alleinigen Gott erklärte. Zwar fielen die Ägypter bald wieder in ihren gewohnten Polytheismus zurück, doch wurde Aton durch Moses am Leben erhalten, wenngleich unter dem neuen Namen Jehova und mit einer neuen Theologie versehen. Dieser jüdische Monotheismus war es, so Winkler, der den Prozess der „Rationalisierung, Zivilisierung und Intellektualisierung“ einleitete und den Westen schuf.

Bevor es dazu kommen konnte, bedurfte es jedoch einer weiteren entscheidenden Entwicklung. Auch sie war ein Ausfluss derselben religiösen Tradition, genauer gesagt, von Jesu Antwort auf die Frage, ob es recht sei, dass man dem römischen Kaiser Steuern zahle: „So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!“ Denn mit dieser Aufforderung nahm die Gewaltenteilung ihren Anfang. Im Mittelalter kam die Trennung zwischen dem Monarchen und den Ständen hinzu, deren dramatischste Episode sich 1215 ereignete, als König Johann auf Druck der englischen Barone die Magna Charta unterzeichnen musste.

Nachdem Montesquieu das Prinzip der Gewaltenteilung 1748 in seinem „De l’esprit des lois“ maßgeblich formuliert hatte, wurde es 1776 in der amerikanischen und 1789 in der französischen Revolution von der Theorie in die Praxis umgesetzt und in den Verfassungen beider Länder verankert. Indem sie darüber hinaus die Prinzipien der Volkssouveränität und der Rechtsstaatlichkeit etablierten, vollendeten diese beiden weltgeschichtlichen Ereignisse das westliche Projekt. Seitdem, so Winkler, wird die politische Geschichte des Westens von Kämpfen „um die Aneignung oder Verwerfung des normativen Projekts der beiden atlantischen Revolutionen“ bestimmt.

Dieses Szenario wirft eine naheliegende Frage auf: Was ist mit den Griechen passiert? Die verblüffende Antwort lautet: Sie sind ausgeklammert worden. Winkler führt uns ohne Umschweife von Moses zu Jesus, wobei als einziges Bindeglied seine Beobachtung dienen muss, Jesus habe „in einer Tradition des hellenistischen Judentums“ gestanden. Aristoteles und Platon treten nur in Erscheinung, insofern sie Beiträge zur Entwicklung des Christentums und zur Renaissance in Italien geleistet haben. Der griechische Unabhängigkeitskampf in den 1820er Jahren nimmt in Winklers Darstellung breiteren Raum ein als das gesamte klassische Griechenland. Das Buch enthält mehr Verweise auf Frankfurt am Main als auf jede Phase der griechischen Geschichte. Den polytheistischen Römern geht es nur unwesentlich besser, dauerte es doch bis 312 nach Christus, bis endlich ein Kaiser – Konstantin – die Vorzüge des Monotheismus begriff. Dass Winkler die klassischen Wurzeln ignoriert, ist einigermaßen kühn und schreit nach einer wesentlich ausführlicheren Begründung, als hier gegeben wird, nämlich gar keine.

Die antike Welt auf das Judentum/Christentum zu reduzieren verleiht dem Buch seine spezifische chronologische Struktur, die einer auf der Spitze stehenden Pyramide gleicht. Das christliche Zeitalter wird auf Seite 30 erreicht, Karl der Große auf Seite 42 und die Magna Charta auf Seite 62. Konstantinopel fällt auf Seite 89 an die Türken, die italienische Renaissance beginnt auf Seite 93 und Luthers Reformation auf Seite 111. Nachdem die folgenden zweihundert Jahre auf sechzig atemlosen Seiten durchgenommen worden sind, lässt das Tempo spürbar nach. Nichtsdestotrotz sind wir bei den Revolutionen von 1848/49, bevor die Hälfte des Buches erreicht ist, wodurch für die letzten rund 150 Jahre gewaltig viel Platz bleibt. Dieses Ungleichgewicht wäre nicht so frappant, hätten die vorangegangenen Kapitel nicht so viele Fragen unbeantwortet gelassen und so viele Steine nicht umgedreht.

Im Rahmen der von ihm gezogenen Grenzen freilich liefert Winkler ein Buch von hoher, ja sehr hoher Qualität. Winklers größter Vorzug besteht in der Gabe, eine flüssige, stichhaltige und überzeugende politische Darstellung und Analyse zu verfassen. Obwohl er Stilmittel wie die Charakterskizze oder die unterhaltsame Vignette meidet, schreibt er nie langweilig oder unverständlich. Auch finden sich viele einprägsame Aphorismen. Darüber hinaus werden wir von dem „Warum einfach, wenn’s auch schwierig geht“-Syndrom verschont, von dem einige führende Vertreter der deutschen Historikerzunft befallen sind. Winkler ist mit der besten – älteren wie neueren – deutschen, französischen, englischen und amerikanischen Literatur gründlich vertraut. Wer nach einer verlässlichen, umfassenden und lesbaren Darstellung der politischen Geschichte des Westens in der Neuzeit sucht, könnte nicht besser bedient sein.

Zwei besondere Vorzüge des Buches sollen hervorgehoben werden. Der erste ist der regelmäßige Einschub von substantiellen Abschnitten zur politischen Theorie, die den Leser zum Nachdenken und zur begrifflichen Klärung anregen. Besonders eindrucksvoll sind die Essays über Machiavelli, Hobbes, Locke, Rousseau und Tocqueville ausgefallen. Die schiere Breite seiner Kenntnisse und Tiefgründigkeit seines Verständnisses erlauben es Winkler zudem, die unterschiedlichsten erhellenden Querverweise sowohl geographischer als auch chronologischer Art anzubringen. Nachdem Kolumbus erst einmal in Südamerika und die Pilgerväter im Norden angelangt sind, mausert sich das Buch wahrhaft zur Geschichte des Westens. So weist Winkler darauf hin, dass 1848, als Europa durch seine Revolutionen von sich reden machte, die folgenreichsten Ereignisse in den Vereinigten Staaten der Vertrag von Guadalupe Hidalgo mit Mexiko sowie Goldfunde in Kalifornien waren. Wie dieses Beispiel andeutet, bekommt die Entwicklung in Nordamerika die Aufmerksamkeit, die sie verdient, und wird in den Hauptstrom der Erzählung integriert.

So gut sich Winklers konzeptueller Rahmen als übergreifendes Erklärungsschema eignet, wirft seine unermüdliche Betonung des „normativen Projekts“ doch unbequeme Fragen nach der Fülle von Ausnahmen und Abweichungen auf. Insbesondere könnte man meinen, der Autor messe Verfassungsdokumenten wie der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und der französischen Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte zu viel und der politischen Praxis zu wenig Gewicht bei. Trotz ihrer umfassenden Missachtung von Volkssouveränität, unveräußerlichen Menschenrechten oder der Gewaltenteilung gab es im „alten Regime“ Großbritanniens oder dem Heiligen Römischen Reich mehr Freiheit als im revolutionären Frankreich, und zwar aus dem einfachen Grund, weil ihre morschen Strukturen den Pluralismus wenn nicht auf dem Papier, so doch realiter förderten. Winkler sieht ganz richtig, dass die Pluralität der Nationen einen wichtigen Bestandteil der spezifisch westlichen Politik bildete, doch seine einengenden normativen Kategorien verstellen ihm den Blick für das pluralistische Freiheitspotential, das gewöhnliche Männer und Frauen in der Zivilgesellschaft genießen.

Winkler bietet so viel, dass es ungehobelt erschiene, mehr zu verlangen. Kann aber eine Geschichte des Westens wirklich zufriedenstellen, die sich unter Ausschluss von praktisch allem anderen allein auf die Politik konzentriert? Von kurzen Passagen über mittelalterliche Städte und die industrielle Revolution abgesehen, bleibt die Wirtschaft ebenso ausgeklammert wie die mit ihr verbundenen sozialen Entwicklungen. Etwas mehr Aufmerksamkeit für die Entwicklung des Kapitalismus hätte vielleicht Zweifel daran gesät, ob man den Westen mit bestimmten positiven Merkmalen identifizieren kann, die sich allgemeiner, wenn vielleicht auch nicht einmütiger Zustimmung sicher sein dürfen. Handelte es sich bei Sklaverei, kolonialem Völkermord, Kinderarbeit und Antisemitismus wirklich nur um Irrwege – oder nicht doch um integrale Bestandteile des westlichen Prozesses? Der Westen gleicht eher Janus als Athena. Zudem ist die Welt in diesem Buch in hohem Maße eine von Männern, genauer gesagt, von heterosexuellen Männern. Die eine Buchseite, die den Frauen gewidmet ist, wirkt noch kümmerlicher, wenn man sie mit dem Luxus der folgenden zwanzig über (männliche) Arbeiter vergleicht. Von den marginalisierten und verfolgten Gruppen der Gesellschaft werden nur die Juden mit gebührender Aufmerksamkeit behandelt.

Die größte Auslassung betrifft die Kultur. Winklers Westen verfügt über eine politische Kultur, über die er sich ausführlich und mit großem Scharfsinn äußert; bildende Künste, Literatur oder Musik aber scheint dieser Westen nicht zu kennen. So wird die künstlerische Moderne in einem knappen Absatz abgefertigt. Shakespeare muss sich seinen einen Satz mit Dante und Cervantes teilen. Johann Sebastian Bach kommt lediglich vor, weil eines seines Orgelwerke beim Internationalen Sozialistenkongress 1912 in Basel gespielt wurde. Wagner hat einen flüchtigen Auftritt, jedoch nur als politischer Revolutionär. Mozart, Beethoven und Verdi – um nur einige der berühmtesten Abwesenden zu nennen – werden nicht einmal erwähnt. Winklers Westen ist einer für den politisch anspruchsvollen Kulturbanausen.

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Einige Aspekte, die Tim Blanning kritisch anmerkt, sind mE. von Winkler in der vorliegenden Weise in voller Absicht genauso zu Papier gebracht worden. In dem folgenden Interview mit der „taz“ vom 2. Oktober beispielsweise führt Winkler aus, warum er dem klassischen Hellenismus eher geringe Bedeutung für die politische Geschichte des Westens beimißt. Und da eben diese ohne Wenn und Aber das Thema seiner Ausführungen sind, steht naturgemäß auch der „heterosexuelle Mann“, insofern, als dass Frauen in Politik, politischer Philosophie usw. eben kaum bzw. erst in den letzten hundert Jahren hervortraten, ebenso wie man sich mit homosexueller Veranlagung auf diesem Feld (anders als bei Künstlern, s. Caravaggio, Michelangelo, Wilde etc.) vielleicht eher bedeckt hielt, im Vordergrund der Darstellung. Lesen Sie jetzt das Interview mit den Fragen (kursiv) von Ralph Bollmann und Stefan Reinecke.

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„Dem Projekt seine Strahlkraft zurückgeben“

WESTLICHE WERTE – Der Historiker Heinrich August Winkler über die Ideale des Westens in der Gegenwart und der Geschichte

Herr Winkler, in Ihrem neuen Buch führen Sie die Grundwerte des Westens auf christliche Wurzeln zurück. Sind Sie auf Ihre alten Tage religiös geworden?

Es geht nicht um meinen Glauben oder Unglauben, sondern um die Wirkungsgeschichte eines Wortes Jesu, in dem ich eine Schlüsselbotschaft des Westens sehe: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Darin ist die Säkularisierung der Welt und die Emanzipation des Menschen schon angelegt, zumindest als Möglichkeit.

In der Schule haben wir es so gelernt: Der Ursprung des Abendlandes liegt in der griechisch-römischen Antike. Dann kam das finstere christliche Mittelalter, bis sich das Denken in der Renaissance von kirchlichen Fesseln befreite. Ist das Unsinn?

Das nicht. Aber es war zunächst das Christentum, das das antike Erbe aufgenommen und ins Mittelalter gerettet hat. Eine unmittelbare Kontinuität von der attischen Demokratie bis in die Moderne gibt es nicht, im Gegenteil. Die Gründerväter der Vereinigten Staaten sahen in der Versammlungsdemokratie des alten Athen sogar ein abschreckendes Beispiel. Mit ihrem Repräsentativsystem wollten sie sich davon abheben.

Den Glauben an nur noch einen Gott sehen Sie als historischen Fortschritt. Liegt der Ägyptologe Jan Assmann falsch, der meint, dass dadurch eine neue Art von Hass entstanden ist?

Er beschreibt einen Teil der historischen Wahrheit. Der Glaube an den einen Gott brachte auch den Glauben an die Gleichheit der Menschen vor Gott hervor, die Vorform der Gleichheit vor dem Gesetz.

Warum nehmen Sie den gleichfalls monotheistischen Islam aus dieser westlichen Wertegemeinschaft aus?

Weil sich nur im westlichen Christentum der Geist des Dualismus entwickelt hat – der Trennung von geistlicher und weltlicher, aber auch von fürstlicher und ständischer Gewalt. Die Grundlage spezifisch westlicher Modernität entstand bereits im Zuge des Investiturstreits, einer Folge der Papstrevolution Gregor VII. im 11. Jahrhundert.

Die westliche Wertegemeinschaft bleibt also ein christlicher Club?

In seiner Wirkung ist das normative Projekt des Westens, wie es im späten 18. Jahrhundert mit den Ideen von 1776 und 1789 entstand, nicht an geografische oder religiöse Beschränkungen gebunden. Es hat sich alsbald gegen die eigenen Väter gewandt und all jenen einen Berufungstitel verschafft, denen Rechte vorenthalten wurden – Sklaven zum Beispiel, Frauen oder Arbeiter. Auch die Bewegungen, die sich gegen westliche Kolonialmächte erhoben, konnten sich auf diese Werte berufen.

Sie bekämpfen aber vehement den EU-Beitritt der Türkei. Ist der Westen also doch ein exklusiv christliches Projekt?

Sobald sich die Türkei vorbehaltlos der politischen Kultur des Westens öffnet, ist sie als EU-Mitglied selbstverständlich vorstellbar. Davon ist sie aber noch sehr weit entfernt.

Kulturell vorbestimmt ist das aber nicht?

Vorbestimmt nicht. Aber das Erbe von Jahrtausenden wiegt schwer. Zudem hat die spezifische Art der Modernisierung durch Atatürk dem Militär eine Machtstellung verschafft, die mit westlichen Vorstellungen nicht vereinbar ist. Und solange eine staatliche Behörde die Ausübung der Religion reguliert, kann man von Religionsfreiheit nicht sprechen. Das gilt für Muslime und erst recht für die kleine nichtmuslimische Minderheit in der Türkei.

Auch Preußen war ein Land mit Staatskirche und starkem Militär.

Deshalb war ja die preußisch-deutsche Variante der Modernisierung gerade für autoritäre Gesellschaften, beginnend mit Japan, so attraktiv. In China gab es sogar vor einigen Jahren eine Fernsehserie, die Bismarck als Vorbild darstellte. Ich glaube aber nicht, dass China auf diesem Weg langfristig erfolgreich ist oder gar ein Modell für die nichtwestliche Welt hervorbringt. Dazu sind die Kosten dieses Versuchs zu offensichtlich.

Das heißt, es kommt auch in China irgendwann zur großen Katastrophe wie in Deutschland?

Der Historiker ist kein Prophet. Ich kann nur sagen: In der Geschichte des Westens ist der Versuch, politische Partizipation zu verweigern, stets teuer bezahlt worden.

Wenn Sie das protestantische Staatskirchentum als historischen Rückschritt sehen, warum ziehen Sie dann eine direkte Linie von der Reformation in Wittenberg zur amerikanischen Menschenrechtserklärung?

Im Protestantismus ist beides angelegt: die Gewissensfreiheit des Einzelnen und der obrigkeitsstaatliche Zwang. Das englische Staatskirchentum hat den Widerstand der streng calvinistischen Nonkonformisten herausgefordert. An dieses Erbe knüpfen die Gründerväter der Vereinigten Staaten an. Diese protestantischen Ideen haben dann die Erklärung der Menschenrechte durch die Französische Revolution 1789 beeinflusst – viel stärker, als das oft wahrgenommen wird. Die Originalität der Französischen Revolution wird gerne überschätzt.

Der neue US-Präsident hat in der Außenpolitik einen Kurswechsel vollzogen. Ist er im Begriff, das Projekt der globalen Verwestlichung aufzugeben – oder verfolgt er nur dessen sanftere und damit erfolgversprechendere Variante?

Wenn Obama die Gründungsideen der Vereinigten Staaten mit einer scharfen Selbstkritik des Westens verbindet, kann er diesem Projekt seine Strahlkraft zurückgeben (Das Projekt hat seine Strahlkraft mE. nie verloren, auch nicht ansatzweise, T.). Dann fällt es wieder leichter, an den transatlantischen Ursprung der westlichen Werte zu erinnern. Es stört mich schon lange, dass die EU selbstgefällig von europäischen Werten redet. Diese Werte sind zu einem erheblichen Teil in Nordamerika ausformuliert worden, erst danach begann ihre Karriere in Europa. Auch daran möchte ich mit meinem Buch erinnern.

Viele haben gedacht, die universale Ausbreitung der westlichen Werte sei nur eine Frage der Zeit. Trägt dieser Glaube noch, nach dem Scheitern der Verwestlichungsversuche in Afghanistan oder dem Irak?

Es wäre ein fataler Irrtum zu glauben, man könne dieses Projekt auf andere Länder ohne Rücksicht auf deren kulturelle Prägungen einfach übertragen. In Westdeutschland hatten die Amerikaner nach 1945 Erfolg, weil es Traditionen des Rechtsstaats und der Gewaltenteilung bereits gab, an die sich anknüpfen ließ.

Aus irakischer Perspektive war nicht Deutschland 1945 der Bezugspunkt, sondern die frühere britische Kolonialherrschaft, als deren Erben die USA auftraten. Kann man die Geschichte des Westens ohne Kolonialismus erzählen?

Das kann man nicht, aber man darf dabei auch nicht das Doppelgesicht des Imperialismus außer Acht lassen. Schon Karl Marx hat den Gegensatz von brutaler Unterdrückung und erfolgreicher Modernisierung am Beispiel der britischen Herrschaft in Indien scharfsichtig analysiert. Hier kommt wieder das Christentum ins Spiel, mit seinem, von den Imperialisten in ihrem Sinne umgedeuteten, singulären Missionsauftrag: Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker das Evangelium.

Schwindet die Bedeutung des Westens durch den Aufstieg von Ländern wie China oder Indien, oder begreifen Sie Globalisierung im Gegenteil als weitere Verwestlichung der Welt?

Auf lange Sicht wird es wohl weitere Verwestlichungsprozesse geben. Samuel Huntington schreibt in seinem Buch über den Zusammenprall der Kulturen sinngemäß, die westlichen Werte seien nur für den Westen geeignet. Das ist eine resignative Abwehrhaltung, die das westliche Projekt um seine subversive Wirkung bringt. Den universalen Anspruch seiner Werte darf der Westen nicht aufgeben, wenn er sich nicht selbst aufgeben will.

Die westliche Konsumkultur ist überall im Vormarsch, man trägt weltweit die gleichen Turnschuhe und trinkt Kaffee bei Starbucks. Was bedeutet das für das Projekt des Westens?

Wenig, solange sich die Rezeption westlicher Errungenschaften darauf beschränkt. Es gibt keinen Automatismus, der von der Übernahme westlicher Technik oder des westlichen Kapitalismus zur westlichen Demokratie führt. Es gibt nur die Hoffnung, dass sich gegenüber autoritären Gewalten am Ende diejenigen durchsetzen, die auch in Sachen Menschenrechte vom Westen zu lernen bereit sind.

Der Kapitalismus steckt momentan in einer Krise (die Welt steckt in einer Krise, der Westen vergleichsweise wenig, T.). Lässt sich die Geschichte des Westens von der Geschichte des Kapitalismus trennen?

Zumindest nicht vom Schutz des Privateigentums. Leben, Freiheit und Eigentum – dieser Gleichklang gehört zur Entstehungsgeschichte des westlichen Projekts in England und Amerika untrennbar dazu. Dass der Kapitalismus zyklische Krisen kennt, ist im Übrigen nichts Neues. Das wusste schon Karl Marx, und in diesem Punkt hatte er recht.

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Wer es ein bißchen penetrant findet, wie oft hier der Geist des alten Charly herumspuken darf, wird durch Wolfgang Schuller von der „Welt“ beruhigt (6):

„Winkler selbst fällt die Häufigkeit seiner Berufung auf Marx auf, denn anders ist es nicht zu erklären, dass er anlässlich der sozialen Verhältnisse in den USA um 1900 fast entschuldigend erklärt, es falle schwer, sie „nicht mit marxistischen Begriffen zu beschreiben“. Freilich bedeutet das nicht, dass Winkler die Geschichte durch eine marxistische Brille sähe, denn im Gegenteil fällt auf, wie nüchtern, unvoreingenommen und in sich abgestuft er den Ablauf der Geschehnisse berichtet. Das springt durch ein weiteres eher äußerliches Faktum in die Augen, nämlich dadurch, dass derjenige, auf den er sich schon zu Beginn und dann das ganze Buch hindurch durchgängig beruft, ausgerechnet Carl Schmitt (7) ist.“
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Time am 22. Oktober 2009

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(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_August_Winkler
(2) http://www.geschichte.hu-berlin.de/site/lang__de/mid__11868/ModeID__0/PageID__951/3521/default.aspx
(3) http://www.hup.harvard.edu/catalog/BLATRI.html
(4) http://de.wikipedia.org/wiki/Historikerstreit
(5) http://www.welt.de/kultur/article2898915/Der-grosse-Historiker-der-Berliner-Republik.html
(6) http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article4559781/Die-atemberaubende-Geschichte-des-Westens.html
(7) http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Schmitt

Heinrich August Winkler: „Geschichte des Westens“. Bd. 1: Von den Anfängen in der Antike bis zum 20. Jahrhundert. C. H. Beck Verlag, München 2009. 1343 S., geb., 38,- [Euro].


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