Manch einer sagt: “Was wären wir ohne die interessanten, unterhaltsamen und lehrreichen Medien.” In der Tat, selbst, wenn ihnen nichts einfällt, haben sie immer noch was zu bieten, wie zum Beispiel die “Politikverdrossenheit”, featuring “die da oben”. Dass bei der Bundestagswahl 2009 die Wahlbeteiligung mit 71% die niedrigste seit Bestehen der Bundesrepublik war (1), kann aber mE. nicht darüber hinwegtäuschen, dass fast drei Viertel der Bürger daran teilnahmen, während die “Partei der Nichtwähler” nur eines betrug. In Amerika sind die Verhältnisse quasi umgekehrt, eine vergleichsweise hervorragend funktionierende Demokratie findet man auch dort.
Nun inszenieren sich die Medien gern als “Volkes Stimme”, als Gegenspieler der Politik. Mich persönlich jedoch nerven die ungezählten ungewählten Medienvertreter der selbstverliebten, selbsternannten, sogenannten “Vierten Gewalt”.
Nach dem Fernsehduell zwischen Kanzlerin Dr. Merkel und Herausforderer Steinmeier hatte die FAZ in Anspielung auf das unsägliche Benehmen der vier Moderatoren treffend bemerkt: “Ergebnis 4:2″. Ich habe die Sendung nicht gesehen, aber mich sehr gefreut zu erfahren, dass die beiden altgedienten Kontrahenten hier am selben Strang zogen und sich nicht zu Komparsen einer Quiz-Show degradieren liessen.
Gestern machte bei Merkel-Hasser Kewil einer seiner devoten Kommentatoren (2) auf die Tatsache aufmerksam, dass Dr. Merkel auf einer Pressekonferenz unlängst eine Frage abblockte (3). Ein juveniler Gockel hatte sinngemäß gefragt, wie es sein könne, dass die Kanzlerin einen Menschen als Finanzminister für geeignet halte, der vergessen habe, dass in seinem Schreibtisch 100.000 DM lagerten. Da hatte er sich aber ein vermeintliches Husarenstück ausgedacht um sich selbst in Szene zu setzen, und er rutschte auch die ganze Zeit unruhig hin und her. Würde die Pointe sitzen? Nein! Der eine oder andere Kollege rang sich zwar ein zwanghaftes Lächeln ab, aber Dr. Merkel meinte nur trocken: “Weil diese Person mein Vertrauen hat.” Da mußte der Investigator natörrrlich nochmal nachlegen, und nun konnte er auch vereinzelte Lacher herauskitzeln, jedoch ließ sich die Kanzlerin auf keinen Wettbewerb der WITZE ein, sondern bat um die nächste FRAGE. Vielleicht hätte sie diesen erzählen können: Kommen zwei Flöhe aus dem Kino, sagt der eine: “Gehn wir jetzt zu Fuß oder nehmen wir uns ‘nen Hund?” Das ist zwar mein persönlicher Lieblingswitz, aber eine Pressekonferenz der deutschen Regierung ist eben doch keine Fernsehshow und sollte keine Bühne für aufgeblasene Pickelgesichter sein, die investigativen Journalismus mit pubertären Initiationsritualen verwechseln.
Erinnern Sie sich noch an den “Schuhwerfer von Bagdad”, einen irakischen “Journalisten”, der bei einer Pressekonferenz seine beiden Schuhe auf Mr. President G.W.Bush schleuderte – ohne zu treffen? Was für ein Loser, was für ein Feigling, was für ein völlig vermessenes Ork. Natürlich hat er auf die Güte Mr. Bushs und die entspannte westliche Grundhaltung zählen können. Hätte er seine Aktion an Aff-Affie oder Mammut Gardinenstange ausprobiert, hätte man ihm mit Sicherheit doch zumindest die Füße amputiert (“Damit DAS nicht wieder vorkommt”). Es ist bezeichnend, dass die Orkschwaden diesen Angeber als Held ansehen und ihm ein Denkmal setzten. Na, da hat einer dieser gescheiterten Möchtegern-Popstars dieses freischaffenden, freischwebenden und korrupten intellektuellen Lumpenproletariats mal bekommen, wonach er sich so sehr sehnte: die Aufmerksamkeit der ganzen Welt. Und jetzt kann er wirklich stolz sein, für alle Zeiten verewigt als überdimensionierter No-Name-Zweistreifen-Stinkstiefel (4).

Da wurde ein Schuh draus: Das Bronzedenkmal ist zwei Meter groß und dient praktischerweise auch als Komposthaufen.
Nun steht die Mehrheit besagten Personals sicher politisch links, und die meisten sind Orkversteher. Andererseits halten nur wenige starkem Druck und Entbehrungen stand und sind wahre Journalisten. Die meisten sonnen sich zwar gern im Rampenlicht und fahren angeberische Cabrios, aber ich bin sicher, dass wir bald erleben werden, wie dieselbe Journaille, die im Fall Sarrazin in den vorhersehbaren Beißreflex verfiel, die unverzügliche Ausweisung von Vergewaltiger Ali bis Kopftuchmädchen Zainab fordern wird. Dass sie dann auf meiner Seite steht, macht sie mir nicht sympathischer, denn ich bin gar nicht so arg politikverdrossen – aber fürwahr medienverdrossen.
Time am 28. Oktober 2009
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(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Bundestagswahl_2009
(2) http://fact-fiction.net/?p=3152#comment-109946
(3) http://www.youtube.com/watch?v=XaWE8K2nRVs&NR=1
(4) http://www.tagesspiegel.de/politik/international/nahost/Irak-USA%3Bart2662,2719086
Tags: G. W. Bush, Merkel, Schuhwerfer von Bagdad, Steinmeier