Archiv für November 2009

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30. November 2009

Die FAZ vom 27. November brachte einen Aufsatz von Dr. Michael Pawlik, Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht und Rechtsphilosophie an der Universität Regensburg. Dr. Pawlik erarbeitet darin die Herkunft des westlichen Menschenrechtsverständnisses. Er stellt ihre spezifische und exklusive Bedeutung für die westliche Zivilisation heraus und plädiert für weniger Pathos zugunsten eines größeren Pragmatismus in Bezug auf die westliche – und insbesondere deutsche – Menschenrechtspolitik auf dem internationalen Parkett (Ich meine, daß dies insbesondere gegenüber den Russen und Chinesen angesagt ist). Dr. Pawlik liegt m.E. damit auf einer Linie, die ich befürworten würde: Keineswegs Infragestellung aber: Neubestimmung  jedweden Engagements außerhalb der westlichen Sphäre, Neubestimmung unserer Ziele, Neubestimmung unserer Mittel, Verschlankung, Qualitätsmanagement, Konzentration auf deutsche (westliche) Interessen, Gewährleistung. Maximale Kooperation der westlichen Staaten, geschlossene Zurückweisung der Versuche, die westliche Konzeption zu relativieren (UN-Menschenrechtsrat usw.). Bei allem können wir uns Gelassenheit leisten, denn wir sind im Recht, und wir sind effektiv, das haben die letzten 300 Jahre gezeigt. Das Wort hat Dr. Pawlik:

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Wie allgemein sind  die Menschenrechte?

Der westliche Teil der Welt sollte sich darauf einstellen, dass seine universale Deutung der Menschenrechtsidee in anderen Kulturen auch Widerspruch hervorrufen kann. Menschenrechtspolitik sollte daher auf einem Pragmatismus aus Sittlichkeit beruhen, der darauf vertraut, durch staatliche und gesellschaftliche Praxis auf längere Sicht auch die Einstellung zu ändern.

Aus Anlass des sechzigsten Jahrestages der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte im Dezember vorigen Jahres äußerte sich die zuständige Hochkommissarin der Vereinten Nationen erwartungsgemäß euphorisch: Kein anderes Dokument der neueren Geschichte habe einen größeren Einfluss auf die Menschheit ausgeübt. Weitaus zurückhaltender fiel die Stellungnahme des UN-Generalsekretärs aus. Die Erklärung sei ein inspirierendes Dokument, das freilich erst dann richtig geehrt werde, wenn seine Grundsätze überall und gegenüber jedermann geachtet würden.

Die Herrschaftspraxis in vielen Staaten lässt den verhaltenen Ton des Generalsekretärs passender erscheinen als die festrednerische Apologetik der Hochkommissarin. Freilich hieße es der überwältigenden Mehrzahl jener Handlungen, die wir als menschenrechtswidrig brandmarken, zu viel Ehre anzutun, würde man sie als Stellungnahmen zu dem politisch-philosophischen Streit über Geltungsanspruch und Begründungsbasis der Menschenrechte interpretieren. Sie stellen nichts weiter dar als nackte, sprachlose Gewalt, Akte der Barbarei, die auf ideologische Überhöhung weder Wert legen noch einer solchen zugänglich sind.

Ungeachtet der zahllosen Menschenrechtsverletzungen in vielen Teilen der Welt sind die Menschenrechte in der politischen Rhetorik allgegenwärtig. Der radikale Menschenrechtsleugner ist eine philosophische Kunstfigur ohne nennenswerte öffentliche Ausstrahlung. Wer es wagt, die politische Leitfunktion der Menschenrechte anzuzweifeln, kann außerhalb von Nordkorea, Kuba oder Syrien kaum erwarten, als Gesprächspartner ernst genommen zu werden.

Ungeschlichtet ist allerdings der Streit um die überzeugendste Deutung der Menschenrechtsidee. Das säkular-individualistische – schlagwortartig verkürzt: das westliche – Verständnis der Menschenrechte sieht sich dabei zwei gewichtigen Herausforderungen ausgesetzt. Zum einen wird die Überzeugung, dass der Staat nicht im Dienst Gottes oder einer Partei steht, sondern im Dienst der Bürger, in deren fundamentalen Rechten er sowohl den Grund als auch die Grenze seiner Legitimität findet, mit stark abweichenden Deutungen von Aufgabe und Grenzen politischer Gestaltungsmacht konfrontiert. Gleichgültig, ob sie sich, zumal in der islamischen Welt, aus religiösen Quellen oder, wie in China, aus der Tradition eines sozialen und politischen Kollektivismus speisen, im Ergebnis führen diese Gegeninterpretationen jeweils dazu, dass die Menschenrechte deutlich weiter reichenden Einschränkungsvorbehalten unterworfen werden als in der westlichen Welt üblich. Durch diese äußeren Herausforderungen zu einer Revision ihrer eigenen Begründungsressourcen genötigt, müssen sich die hiesigen Menschenrechtstheoretiker zweitens der ernüchternden Einsicht stellen, dass deren Leistungsfähigkeit erheblich hinter den hochgesteckten Ambitionen vieler westlicher Menschenrechtsfreunde zurückbleibt.

Aus der Trias der traditionellen Begründungsinstanzen Glaube, Natur und Vernunft haben die beiden ersten Elemente ihre Tragfähigkeit eingebüßt. John Lockes Berufung auf den „allmächtigen und unendlich weisen Schöpfer“, dessen Werk und Eigentum die Menschen seien und der ihnen das grundlegende Recht auf Selbsterhaltung verliehen habe, ist seit der Selbstsäkularisierung der politischen Philosophie suspekt geworden. Rousseaus Glaube an den „natürlichen Widerwillen dagegen, irgendein fühlendes Wesen, vor allem unseresgleichen, umkommen oder leiden zu sehen“, ist durch die politischen Gewaltexzesse des vorigen Jahrhunderts so nachhaltig diskreditiert worden, dass man ihn nur noch mit einem Seufzer der Rührung zur Kenntnis nehmen kann.

Aber auch die Berufung auf die dritte Begründungsinstanz, die menschliche Vernunft, steht vor einem Dilemma. Attraktiv erscheint es auf den ersten Blick, einen voraussetzungsarmen Vernunftbegriff zugrunde zu legen, der – so die Hoffnung – als eine Art kleinster gemeinsamer Nenner der divergierenden Vernunftverständnisse auf weitgehende Zustimmung rechnen dürfe. Dies ist die Strategie einer von Thomas Hobbes bis Otfried Höffe reichenden Theorielinie, die vor allem auf das aufgeklärte Selbstinteresse der Menschen setzt.

Die Schwäche dieser Auffassung besteht indessen darin, dass sie den Kern der Menschenrechtsidee, die Überzeugung, dass alle Menschen Inhaber gewisser fundamentaler Rechte sind, nicht adäquat auf den Begriff zu bringen vermag. Rational ist es danach nämlich allein, mit jenen Individuen eine Verständigung zu suchen, von denen ich zu wissen glaube, dass sie für die Beförderung oder Behinderung meiner Interessen wichtig sind. Dass dies alle Menschen sind, ist höchst unwahrscheinlich. Durch das Begründungsraster dieses Vernunftbegriffs drohen vielmehr gerade jene Personen zu fallen, die, weil sie gesellschaftlich unwichtig sind und deshalb über kein ernstzunehmendes Drohpotential verfügen, den Menschenrechtsschutz besonders dringlich benötigen.

Dieser Konsequenz scheint man dadurch entgehen zu können, dass man von einem anspruchsvolleren, normativ aufgeladenen Vernunftbegriff ausgeht. So kann man etwa argumentieren, dass ein Mensch nur dann vernünftig sei, wenn er nach Gesichtspunkten handele, die sich gegenüber jedem anderen Menschen rechtfertigen ließen, auf den sein Handeln Auswirkungen habe. Auch diese Position verfügt über eine hochrespektable Ahnenreihe: Von Kant bis zur Diskurstheorie ist sie in zahlreichen Varianten entfaltet worden.

Abstufungen nach Maßgabe der jeweiligen Durchsetzungsmacht werden dadurch zwar desavouiert. Dafür sieht diese Auffassung sich einer anderen Schwierigkeit gegenüber. Die Kehrseite einer jeden normativen Aufwertung der Vernünftigen ist die Abwertung der Unvernünftigen; je anspruchsvoller der zugrunde gelegte Vernunftbegriff, desto größer die Zahl der Ausgeschlossenen. Für schwerkriminelle und hochgefährliche Individuen, Menschen also, die durch ihr Verhalten unmissverständlich zum Ausdruck gebracht haben, dass sie sich der Stimme der Rechtsvernunft verweigern, ist unter dem Mantel des normativen Vernunftbegriffs kein Raum. Guantánamo hat freilich gezeigt, dass es sich auch bei diesen Menschen um eine Gruppe handelt, die in besonderem Maß auf den Schutz durch grundlegende Rechtsgarantien angewiesen ist.

Die am Beispiel des normativen Vernunftbegriffs aufgezeigte Schwierigkeit gilt für jede Konzeption, die die Zuerkennung eines bestimmten normativen Status an die Erbringung gewisser Leistungen knüpft. Die emanzipatorische Bedeutung dieses Begründungsmodells – seine bekannteste Ausprägung hat es in der Metapher vom Gesellschaftsvertrag und der mit ihr untrennbar verbundenen Forderung nach Vertragstreue gefunden (Pacta sunt servanda) – ist unbestreitbar. Dass nicht Standeszugehörigkeit, sondern eigener Verdienst über die Stellung und die Lebensaussichten einer Person entscheiden soll, bildet den Kern des bürgerlich-liberalen Freiheitsverständnisses. Aber dieses Denken hat eine zumeist vernachlässigte Nachtseite: Es drängt diejenigen in eine prekäre Stellung, die als leistungsunwillig oder leistungsunfähig gelten.

Über dieses Problem kommt man auch dadurch nicht hinweg, dass man den Zusammenhang von Recht und Pflicht, Leistung und Gegenleistung definitorisch auflöst. Die weitverbreitete Aussage, dass die Menschenrechte den Anspruch eines jeden Menschen markierten und sicherten, als ein frei sein eigenes Leben führendes Subjekt anerkannt zu werden, ist zwar nicht falsch, aber unvollständig. Will die Rechtsordnung sich nicht in unauflösbare Widersprüche verwickeln, so kann der Schutz der Autonomie sich nur auf solche Selbstdarstellungen beziehen, die mit der Selbstdarstellungsfreiheit der übrigen Bürger vereinbar sind.

Hingegen lässt es sich auf der Basis dieses Ansatzes nicht begründen, weshalb es ein Menschenrecht ist, zur Preisgabe von Informationen, die man einem anderen rechtswidrig vorenthält, nicht durch Folter gezwungen zu werden. Eine derartige Regel entspringt nicht der Logik der Reziprozität, sondern ist Ausdruck kultureller Verständigung.

Die vorstehenden Überlegungen münden in einen Befund, der auf den ersten Blick verblüffend erscheinen mag. Der Charakter der Menschenrechte als jedermann zustehender und unverlierbarer Rechte stellt danach eine Herausforderung nicht nur für solche Kulturen dar, die einer Fokussierung des Rechtsdenkens auf die einzelne Person skeptisch gegenüberstehen. Es steht auch in einem Spannungsverhältnis zu zentralen Figuren des westlichen Selbstverständigungsdiskurses, etwa dem Konkurrenz- und Marktmachtmodell ökonomischer und dem Verdienstlichkeitsmodell ethischer Rationalität. Wenn es unserem normativen Selbstbild entspricht, auch denjenigen als Träger von Menschenrechten zu behandeln, der sich – überspitzt gesprochen – zuvor wie ein Teufel benommen hat, so zeigen wir damit allerdings auch, dass wir unsere ethische Identität nicht in jenen Teilrationalitäten aufgehen sehen. Gemessen an deren Bewertungsmaßstäben, bekennen wir uns mit der Achtung der Menschenrechte vielmehr zu Konsequenzen von offenkundiger Unvernünftigkeit, ja geradezu zu einem Paradox: der Würde auch des Unwürdigen und der rechtlichen Gleichheit auch des Überflüssigen.

Gerade diese Konsequenzen aber sind es, die den Mehrwert des Menschenrechtsdenkens gegenüber der ideologischen Selbstermächtigung einer sozialen Klasse begründen, der es zuvörderst um die Absicherung und den Ausbau ihrer eigenen Machtpositionen zu tun ist. Entgegen der gängigen Menschenrechtsrhetorik, die sich nicht selten an der Suggestivkraft der eigenen Formeln berauscht, ist ein solches Denken nicht selbstverständlich. Um es einleuchtend oder sogar zwingend zu finden, muss eine Gesellschaft vielmehr in spezifischer Weise disponiert sein. Dazu bedarf es eines höchst voraussetzungsreichen kulturellen Arrangements. Schon die These vom Anrecht eines jeden Menschen auf eine selbstbestimmte Lebensführung ist weit von überzeitlicher Geltung entfernt. Sie konnte sich erst im Gefolge jener tiefgreifenden sozialstrukturellen Umstellung etablieren, die Niklas Luhmann als den Übergang von stratifikatorischer zu funktionaler Differenzierung charakterisiert hat. In stratifizierten Gesellschaften – Adelsgesellschaften – wirkt die Schichtzugehörigkeit multifunktional: Sie bündelt Vorteile und Benachteiligungen in so gut wie allen Funktionsbereichen der Gesellschaft. In funktional differenzierten Gesellschaften verzichtet das Gesamtsystem demgegenüber auf jede Vorgabe, wie die Beziehungen zwischen den Funktionssystemen zu ordnen sind. Die Rolle, die ein Individuum in einem Funktionssystem spielt, ist deshalb grundsätzlich entkoppelt von den Rollen, die es in anderen Funktionssystemen einnimmt.

Was den teilbar gewordenen Individuen in dieser Situation für sich selbst bleibt, ist das Problem ihrer Identität: Sie müssen ihre verschiedenen sozialen Rollen, von denen keine sie in Gänze bestimmt, nunmehr selbst verknüpfen, sich also in einer vorneuzeitlich gänzlich undenkbaren Weise als Subjekte ihres Lebens verstehen. Ein solches Subjekt aber kann sich nur im Reich der Freiheit realisieren; sonst wäre es weder selbständig dargestellt noch einzigartig.

So gesehen stellen die Menschenrechte, die dem Schutz dieser Freiheit dienen, die Antwort des Rechts auf ein spezifisches Problem eines bestimmten Typs von Gesellschaften dar; schon an der Lebenswirklichkeit der Angehörigen der neuen Unterschicht, deren Biographien durch Chancenlosigkeit in so gut wie allen Lebensbereichen gekennzeichnet und die deshalb von den Freiheitszuwächsen in der Folge der funktionalen Differenzierung faktisch ausgeschlossen sind, gehen sie weitgehend vorbei.

Die Überzeugung schließlich, dass niemand durch sein Verhalten den Status als Menschenrechtssubjekt verlieren kann, konnte zumindest in ihrer Formierungsphase kaum ohne stillschweigende Anleihen bei vermeintlich vormodernen, namentlich religiösen Geistesmächten auskommen. Das Nachwirken der über viele Jahrhunderte hinweg verfestigten Überzeugung von der Gotteskindschaft eines jeden Menschen und der Unverlierbarkeit seiner durch die Taufe begründeten Würde dürfte es erleichtert haben, alle Menschen unter den Schutz fundamentaler Rechte zu stellen. Die Religion mochte zusehends verdunsten; aber die durch sie begründeten praktischen Wahrnehmungsmuster lebten in modifizierter Gestalt fort.

Mit diesen Hinweisen auf einige historisch bedeutsame Ermöglichungsbedingungen menschenrechtlichen Denkens soll nicht einer Exklusivitätsthese das Wort geredet werden. Auch von anderen kulturellen Ausgangspunkten her lassen sich menschenrechtsaffine Grunddispositionen ausbilden. Zudem können sich die Praktiken, Hintergrundüberzeugungen und Plausibilitätsstandards einer Kulturgemeinschaft gegenüber ihrem intellektuellen Herkunftsmilieu verselbständigen und gleichsam selbsttragend werden. Die von Max Weber analysierte Emanzipation des modernen Kapitalismus von seinen Wurzeln im Puritanismus ist dafür ein Beispiel; das Menschenrechtsdenken mag im westlichen Bewusstsein einen vergleichbaren Ablösungsprozess durchlaufen haben.

Zur intellektuellen Redlichkeit eines selbstreflexiv gewordenen Freiheitsdenkens und nicht weniger auch zur politischen Klugheit gehört es aber in jedem Fall, sich der Entstehungsgeschichte der eigenen Evidenzvorstellungen bewusst zu bleiben und die eigene Perspektive nicht mit der des Weltgeistes zu verwechseln. Zu glauben, man müsse nur lange genug argumentieren, dann werde jeder Gutwillige die Überlegenheit des westlich-individualistischen Menschenrechtsverständnisses einsehen, ist hermeneutisch naiv und Ausdruck einer gleichsam halbierten, die Gebundenheit an den eigenen Standpunkt außer Acht lassenden Aufklärung.

Auf den ersten Blick scheinen die Schwächen der universalistischen Begründungsansätze für einen Rückzug auf die kulturrelativistische Position von der Gleich-Gültigkeit aller Wertüberzeugungen zu sprechen; in der Tat erfreut sich ein solcher Heroismus der Entsagung in der jüngeren philosophischen Menschenrechtsdiskussion beträchtlicher Zustimmung. Wer dieser Haltung das Wort redet, verkennt jedoch, dass praktische Selbstverständigungsdiskurse sich nicht auf ein „Alles oder nichts“-Schema reduzieren lassen. Menschen sind zum Handeln verurteilt, und als solche können sie nicht mehr tun, als Wertüberzeugungen und Handlungsmaximen gewissenhaft zu bilden und sie so gut zu begründen wie eben möglich.

Die Einsicht, dass es uns verwehrt ist, einen unsere biologischen und sozialen Bedingtheiten transzendierenden, quasigöttlichen Standpunkt einzunehmen, beraubt uns deshalb nicht des Rechts, uns zu der Überzeugung zu bekennen, nach gründlicher Prüfung erscheine uns eine bestimmte Position sämtlichen anderen überlegen. So hat der Westen im Licht seiner kulturellen Traditionen und historischen Erfahrungen gute Gründe dafür, gegenüber den rivalisierenden Konzeptionen auf der Vorzugswürdigkeit seiner säkular-individualistischen Deutung der Menschenrechtsidee zu bestehen und innerhalb der Grenzen dessen, was Takt und diplomatische Klugheit gebieten, mit dieser Einschätzung auch nicht hinter dem Berg zu halten.

Der Westen muss indes mit der Einsicht leben lernen, dass seine Lesart nur eine mögliche, nicht aber die schlechthin zwingende Deutung des Menschenrechtsgedankens darstellt. Dieser Lesart kann aus Gründen widersprochen werden, die hierzulande zwar nicht überzeugend erscheinen mögen, aber auch keineswegs pauschal als Ausdruck von Irrtum oder Heuchelei abgetan werden dürfen. Die Selbstherrlichkeit des Menschen durch die Forderungen eines göttlichen Gesetzes zu begrenzen oder die politische Gemeinschaft im Verhältnis zu den einzelnen Bürgern als das dem Begriff nach Erste zu bezeichnen sind immerhin Positionen, die über lange Zeit auch das geistige Profil Europas geprägt haben. Sie werden nicht dadurch abwegig, dass sie heute vornehmlich von Mächten vertreten werden, die aus anderen Kulturkreisen stammen.

Freilich haben die betreffenden Staaten zumeist eine rechtsstaatlich alles andere als saubere Weste. Der Widerwille ist deshalb verständlich, ihnen mit der Zulassung eines umfassenden Kulturvorbehalts eine Art Blankoscheck zur Einschränkung von Menschenrechten in die Hand zu geben. Dieser Sorge lässt sich aber am besten dadurch begegnen, dass man ihnen nicht länger gestattet, sich in ihrer radikalkulturalistischen Abwehrstellung gegen einen abstrakten Universalismus einzuigeln. Gleichsam als Preis für ihr diskursives Ernstgenommenwerden müssen sie erhöhten Begründungsanforderungen ausgesetzt werden: Sie mögen doch bitte darlegen, welche menschenrechtlichen Konsequenzen sich aus den von ihnen reklamierten Deutungsmodellen im Einzelnen ergeben. Dann dürfte sich rasch erweisen, dass staatliche Willkür und Gewaltsamkeit in keinem Fall Bestandteile einer Menschenrechtskonzeption sind, mit der man sich international sehen lassen kann.

Im Übrigen wird eine Menschenrechtspolitik, die sich der Begrenztheit ihrer Begründungsressourcen bewusst ist, die Gestalt eines „Dissensmanagements“ annehmen, dessen Ziel darin besteht darin, Entscheidungssituationen so zu modellieren, dass die andere Seite aus verständigem Eigeninteresse zu einem Verhalten motiviert wird, welches in seinen Ergebnissen im Großen und Ganzen dem Menschenrechtsverständnis entspricht, das wir für richtig halten.

Nicht der Gestus des Wanderpredigers ist opportun, sondern ein Pragmatismus aus Sittlichkeit. Der politischen Urteilskraft und Geschicklichkeit bleibt dabei ein beträchtlicher Spielraum erhalten. Damit kann man natürlich die Hoffnung verbinden, dass die äußerliche Veränderung staatlicher und gesellschaftlicher Praktiken auf längere Sicht zu einer Änderung der Einstellung führen wird – so wie Kant hoffte, dass die Gewöhnung an ein äußerlich moralkonformes Handeln à la longue auch zu einer Veränderung der Denkungsart führen werde.

Den Deutschen ist ein antipragmatischer Affekt eigen, der sich in der Gegenwart nicht zuletzt in einem hochmoralischen Menschenrechtspathos auslebt. Diesem wohlmeinenden Enthusiasmus gegenüber ist festzuhalten, dass es auf dem Feld der Menschenrechtspolitik geradezu eine sittliche Pflicht zum Pragmatismus geben kann – und zwar keineswegs nur deshalb, weil nach Lage der Dinge ehrgeizigere Projekte ohnehin keine Realisierungschancen besitzen. Vielmehr ist Pragmatismus diejenige Strategie des Umgangs mit kultureller Verschiedenheit, die einem aufgeklärten, die Grenzen der eigenen Begründung anerkennenden Menschenrechtsdenken ansteht. Wem diese Strategie nicht anspruchsvoll genug ist, der versuche erst einmal, sie anzuwenden. Die Beharrlichkeit sowie der Umfang an intellektuellen und materiellen Ressourcen, die er dabei einsetzen muss, geben ihm genügend Gelegenheit, seine Moralität zu beweisen.
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Time am 30. November 2009
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PS.: In derselben Richtung auf der militärischen Ebene: http://weblog-sicherheitspolitik.info/2009/11/30/sicherheitspolitische-kultur-you-cant-handle-the-truth/

Sie beißen die fütternde Hand

28. November 2009

Ein schriftstellerndes Ork hat übel über das Christentum hergezogen, zwei bedeutende christliche Theologen möchten nicht gleichzeitig mit diesem Rohrspatz eine Ehrung entgegen nehmen. Der öffentliche Druck zwingt sie zum Nachgeben, angeblich wurden im persönlichen Gespräch Missverständnisse ausgeräumt… In seiner gestrigen – bejubelten – Preisrede macht Ork Kermani jedoch klar, daß er auf seiner ungebildeten und verleumderischen Position beharrt. Er unternimmt im Schutz der Medienmeinung zudem einen beleidigenden Angriff auf Ministerpräsident Koch, aus dessen Hand er die Ehrung empfängt. Er greift die politische Position des jüdischen Mitgeehrten an und zeiht ihn des Kadavergehorsams dem brutalen Regime Israel gegenüber, das „alles tut“, um den Palliestaat zu verhindern. Er schließt seine Rede mit einem vermeintlich freundlichen Kloranzitat, obwohl er genau weiß, daß dessen Freundlichkeit allein den Mohammedanisten gilt, obwohl er weiß, daß Klo den Mohammedanisten nur wenige Worte weiter die Freundschaft zu Juden und Christen untersagt. Ach ja, übrigens: „Die einzige Gemeinschaft, der ich als Schriftsteller angehören möchte und vom heutigen Abend an hoffentlich WIEDER ausschließlich angehören werde, ist weder Nation noch Konfession. Es ist eine Literatur. Ich bin ein DEUTSCHER Schriftsteller.“ Das ist dufte, Navid!

Vor zwei Tagen habe ich ein Interview von Eren Güvercin mit Ahmad Milad Karimi gebracht, welcher den Kloran neu übersetzt hat (1). Ein Blick auf Herrn Güvercins Blog „grenzgängerbeatz“, der sehr modern und westlich daherkommt, ist sehr aufschlussreich (2). Hier ein lückenloser Abriss zurück in der Zeit:

+++ Interview mit Alan Posener: „Ich greife den Papst an, weil der die Aufklärung angreift“ +++ Der alte Rassismus in neuem Gewand? Kay Sokolowsky über das „Feindbild Moslem“, die Medien und die Hassprediger von PI +++ Diese Manager erhalten keine Boni – Herr Abdal Hakim Murad, Sie sind ein muslimischer Gelehrter, haben aber auch eine moderne Ausbildung genossen. Sie haben sich mit der westlichen Geistesgeschichte und Zivilisation auseinandergesetzt. Der Islam wird stets mit Terrorismus und Extremismus in Zusammenhang gebracht. Nun aber erlebt das kapitalistische System eine Krise. Welche Haltung nimmt der Islam auf dem Gebiet der Ökonomie ein? +++ „Die Sklavenhalter sitzen heute in den Börsen“ – Der Schweizer Soziologe und Politiker Jean Ziegler gilt als Globalisierungskritiker. +++ „Wir brauchen eine Dritte Deutsche Einheit!“ – Armin Laschet, Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, äußert sich im Gespräch über den Wandel der Einwanderungsgesellschaft und die bis heute fehlenden Aufstiegschancen von Migranten in Deutschland. +++ „Die rechte Szene hat sich für die Popkultur geöffnet“ – BIS ZU 30 PROZENT DER BEVÖLKERUNG SCHEINEN ANFÄLLIG FÜR NEONAZISMUS ZU SEIN (Hvh v. G.) +++ „Schule als Lernort für alle Religionen“ – Das Bistum Osnabrück plant ein bundesweit einmaliges interreligiöses Schulprojekt. In Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde und islamischen Organisationen will die Diözese eine Grundschule für alle Religionen betreiben. +++ „Angesichts der Finanzkrise hat die Kirche ihren religiösen Auftrag verfehlt.“ +++ „Ou Topos – Die Suche nach dem Ort, den es geben müßte“ heißt das neue Buch von Heiner Geißler. In seinem Buch erweist sich Heiner Geißler, CDU-Politiker und Attac-Mitglied, als einer der aufregendsten Denker im heutigen Deutschland. +++ Gräben zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen überbrücken – Im kommenden Jahr will die niederländische Muslimpartei (NMP) erstmals an Kommunalwahlen teilnehmen. Ihr Ziel: der rechtspopulistischen Partei Geert Wilders Paroli bieten und die Gleichberechtigung der Muslime zu fördern. +++ „Wir leiden unter dem autoritären Regime Chinas“ +++ Die Vorsitzende des Weltkongresses der Uiguren, Rebiya Kadeer, kritisiert im Gespräch mit Eren Güvercin die Unterdrückung der uigurischen Muslime und appelliert an die islamische Welt, die Uiguren in ihrem Freiheitskampf zu unterstützen. ++++ „Von den abrahamitischen Religionen könnte ein sehr starker Impuls für eine Neuorientierung des globalen Wirtschaftens ausgehen“ – Ein Gespräch mit Prof. Michael N. Ebertz, Soziologe und Theologe, der an der Katholischen Fachhochschule in Freiburg lehrt. Mit ihm sprach Eren Güvercin über die zunehmende Entkonfessionalisierung und Entkirchlichung der Menschen, die „Diktatur des Relativismus“ (Papst Benedikt XVI) und darüber, ob von den abrahamitischen Religionen ein neuer Impuls für die Neuorientierung des globalen Wirtschaftens ausgehen kann. +++ Graue Eminenz im Rampenlicht – Seit der Republikgründung durch Atatürk hatten die jeweiligen Regierungen in der Türkei eine passive und staatszentrierte Außenpolitik verfolgt. Der Sicherheitsaspekt spielte eine zentrale Rolle, so dass Beziehungen zum Ausland zuallererst unter dem Gesichtspunkt der möglichen Auswirkungen auf die nationale Sicherheit betrachtet wurden. Die Außenpolitik unter der Regierung von Ministerpräsident Erdogan verfolgt einen vollkommen anderen Kurs: Nahezu idealistisch offen ging die Türkei nun im internationalen Umfeld vor. Als Vordenker des neuen außenpolitischen Ansatzes gilt der 50 Jahre alte Politikprofessor Ahmet Davutoglu +++ „Dieses Kriegsgebiet hat mich zufriedener denn je gemacht“ – Andrea Busfield ist Journalistin und lebte für einige Jahre in Afghanistan. Im März ist ihr Debütroman „Mauertänzer“ erschienen. Es handelt von dem 11jährigen Jungen Fawad. „Mauertänzer“ vermittelt ein ganz anderes Bild von Afghanistan, als viele es gewohnt sind. +++ Die Unterdrückung der Tibeter sollte uns auch für die Unterdrückung weiterer ethnischer Gruppen in China sensibilisieren – doch wird diese im öffentlichen Diskurs meist ausgeblendet. Das erschütterndste Beispiel ist die Lage der Uiguren in Ostturkestan. +++ „Extreme religiöse Praktiken entstehen immer dann, wenn die Religion aus dem Alltag verschwindet“ – Was geschieht hinter verschlossenen Türen von Koranschulen? Dieser Frage ist der Filmemacher Shaheen Dill-Riaz in seinem neuen Film „Korankinder“ in Bangladesch nachgegangen. +++ „Die Umweltkrise ist auch eine spirituelle Krise“ – Seit einigen Jahren gibt es einen global geführten Umweltdiskurs, der ökologische Themen mit einer islamischen Ethik verbindet. Doch inwiefern kann man aus dem Islam Handlungsanweisungen für ökologische Nachhaltigkeit ableiten? Darüber sprach Eren Güvercin mit der Expertin Sigrid Nökel.

Hier haben wir einen Haufen von Texten, die von Papstkritik über Kapitalismuskritik und Islamkritik-Kritik den Westen ausnahmslos kritisch sehen und daher zusammengesetzt im Grunde eine grundsätzliche Kritik am Westen ergeben. Die Uiguren in OstTURKESTAN (China) verdienen unser Engagement, der türkische Außenminister, der das gute Verhältnis zwischen der Türkei und Israel demontiert und die Türkei auf die Orkstaaten ausrichtet, unsere Verehrung. Was will der Typ eigentlich bei uns, dieser Momo, dieser angebliche Brückenbauer? Sehen Sie sich seine Texte an, sie führen alle in dieselbe Richtung: Ablehnung des Westens, Heilsversprechen Mohammedanismus. Wirtschaftskrise? Nicht beim Schariabanking! Umweltprobleme? Nicht unter dem Mohammedanismus! Es gibt einen Ort, der schön ist, aber der aktuelle Westen ist es nicht.

Und so sehen wir, wie die Momos die Hand beißen, die sie füttert. Sie sind allesamt Orkagenten, und sie haben uns nicht wirklich was zu bieten, wir brauchen sie nicht. Ja, schon klar, nur solange sie sich als Mohammedanisten in die Brust werfen, können sie ein Salär als Abgesandte des Mohammedanismus, als Ork-Experten einstreichen, ohne was zu riskieren. Kann man ja verstehen, wir alle wollen leben ohne großen Ärger. Aber solange sie nicht abschwören, wie Ali Sina, wie Mina Ahadi, wie Arzu Toker (die dafür ihr Leben riskieren und unbedingt unseren Schutz verdienen), hat Klo sie bei den Eiern, da können sie gar nichts gegen machen. Und das, was sie von sich geben, ist – auch wenn es so raffiniert daherkommt wie Kermanis Texte – offenbar zwanghaft gegen uns gerichtet, gegen unser Gesellschaftssystem, gegen unsere gewählten Führer, gegen unsere Kultur: das ist ein Reflex, braincontrol (Seyran Ates nehme ich da mal aus, die ist ein Agent von uns). Wir können die Momos analysieren, studieren, sezieren, aber sie werden nie unsere Freunde sein – solange sie nicht abgeschworen haben, werden sie stets dem bösen Geist von Klo H. Metzel folgen. Allein die Apostaten und Konvertiten sind frei von Allas Bann. Wenn wir einen Jihadisten mit einer geladenen Pistole vergleichen, ist der Momo eine geladene, gesicherte Pistole. Zwischen beiden Zuständen: nur ein Lidschlag.

Time am 28. November 2009

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(1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/11/26/projekt-kloranwasche/

(2) http://erenguevercin.wordpress.com/

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PS.:

Beachten Sie bitte zwei großartige Videos auf YouTube.

Zunächst einen offenbar authentischen Auftritt von Gorilla Chavez und Schimpy Gardinenstange im venezolanischen TV (Quelle: Transatlantic Forum) unter: http://www.youtube.com/watch?v=US-2MKEyCoI&feature=player_embedded#at=28Hier die Übersetzung: „Chavez: Er kehrt aus der Tiefe Persiens zurück, dem grossen Persien! Ah, ich korrigiere, ich habe mich geirrt… ich habe mich geirrt… Danke, Danke Bruder und Meister. Aus der islamischen Tiefe. Eines Tages werden sie zurückkehren. – Ahmadinejad: Ich bin dein Schüler, Präsident! – Chavez: Haha, Du hast mir das sehr gut erklärt. Der Imam Nummer… acht! – Ahmadinejad: Zwölf. – Chavez: Zwölf! Ich habe mich nochmal geirrt! – Ahmadinejad: Der achte Imam ist in der Stadt Mashad, da wo wir waren. – Chavez: Ah, da wo wir waren, Danke. Ich denke ich werde weiterstudieren, sie sehen schon. Gut, der Imam Nummer zwölf, genannt… – Ahmadinejad: Mahdi – Chavez: Mahdi, Mahdi, Mahdi und und Christus werden zurückkehren – zusammen, sich an den Händen haltend… Sie werden wiederkommen.“ – Gegen den Gorilla Chavez ist Mammut m.E. ein Gentleman, sogar die Orks konnten die jahrtausendalte persische Zivilisation nicht völlig auslöschen!

Dies hier (Quelle: Europenews) ist m.E. wunderschön, und es ist 100%iger Counterjihad. Es sagt jedem männlichen Counterjihadi, worum es geht, und daß keine Mühe je zu groß ist – Frauenportraits aus fünf Jahrhunderten: http://www.youtube.com/watch?v=nUDIoN-_Hxs&feature=player_embedded (fast 10 Millionen Aufrufe)

Eine Handvoll Wörter weiter

27. November 2009

Am 19. Mai hatte ich in Bezug auf den „Kulturpreiseklat“ (1) gefragt: „Die Kulturpreisdebatte geht weiter… bis das Ork den Preis doch noch kriegt?“

Nun ja, das Ork hat den PREIS tatsächlich gestern erhalten, aber die DEBATTE ist doch halt irgendwie nach einem kurzen Stück weit im Sande verlaufen. Am 29.8. hatte es die knappe Meldung in der überregionalen FAZ gegeben, daß Einigung zwischen den Kontrahenten erzielt worden sei. Rhein-Main-Ausgabe und FAZ.net hatten dann am 30.8. lapidar gemeldet: „Es ist sicherlich klug, dass sich die vier Teilnehmer des Gesprächs in Mainz entschlossen haben, vorerst nichts Näheres über den Verlauf ihrer Unterhaltung am Freitag mitzuteilen. Nur das erfreuliche Ergebnis haben sie zur Kenntnis gegeben: Salomon Korn, Karl Lehmann und Peter Steinacker sind der Ansicht, dass auch Navid Kermani mit dem Hessischen Kulturpreis ausgezeichnet werden soll. Diese Zurückhaltung ist mit Rücksicht auf das Kuratorium des Hessischen Kulturpreises gewiss geboten.“ (2)

Wie war der Eklat entstanden? Er war entstanden, weil zwei hochrangige christliche Theologen (Karl Kardinal Lehmann (3) und Peter Steinacker – 4) es ablehnten, einen Preis für „interreligiöse Kooperation“ und die „Kultur des Respekts“ gemeinsam mit einem Schriftsteller (Navid Kermani – 5) anzunehmen, der zentrale christliche Glaubensgrundsätze als Gotteslästerung verhöhnt und nicht zu einem klärenden Gespräch bereit war. Neben den beiden Christen sollte der Jude Salomon Korn (6) geehrt werden, eine Situation, die für den vor Mohammedanist Kermani eigentlich vorgesehenen Mohammedanisten Fuat Sezgin (7) aufgrund der fehlenden Distanzierung von Korn gegenüber Israel untragbar war. In der Rede zur Preisverleihung nun macht Kermani deutlich, daß er keineswegs als toleranter Vertreter des Mohammedanismus geehrt werden möchte, sondern als deutscher Schriftsteller. Hier ein paar Highlights aus Kermanis Rede (8):

„Deshalb möchte ich mich heute auch bei denen bedanken, die dafür verantwortlich sind, dass ich den Hessischen Kulturpreis tatsächlich entgegennehmen darf: Das ist die deutsche Öffentlichkeit, das sind die Journalisten, die Wissenschaftler, Schriftsteller und Intellektuellen, die sich in Artikeln zu Wort gemeldet haben, das sind Politiker gerade auch aus der Partei des Ministerpräsidenten, das ist die Opposition im Hessischen Landtag. Besonders bewegt hat mich, wie solidarisch viele Christen und Vertreter der Kirchen auf die Vorwürfe gegen mich reagierten, in Briefen, in Stellungnahmen und sogar in Predigten. Das war eine sehr schöne, beinah zärtliche Erfahrung.“

Kermani dankt einer Massenbewegung „aufrechter Bürger“ von Journalisten über die rot-grüne Opposition bis zu Dimmi-Christen, denen das christenfeindliche Geschwurbel eines Undercover-Orks mehr bedeutet als die profunden Darlegungen ihrer hochqualifizierten Theologen. Die Dimmi-Christen sind seine bevorzugten Opfer:

„Die christliche Toleranz: Ganz neu war sie für mich nicht. Von der Toleranz, die sich im Christentum herausgebildet hat, haben meine Familie und ich nicht gelesen, sondern wir haben sie konkret erlebt, seit meine Eltern vor über fünfzig Jahren nach Deutschland eingewandert sind, in dem christlichen Krankenhaus, in dem mein Vater arbeitete, im christlichen Behindertenheim, in dem meine Cousine untergebracht war, in den christlichen Kindergärten, die wir Söhne besuchten, in der christlichen Familie, in die ein Bruder heiratete, bis hin zur christlichen Schule, die meine Tochter besuchte, und der christlichen Gemeinde in unserem Viertel in Köln – eine Toleranz, welche die Islamische Republik Iran, der ich als Bürger ebenfalls angehöre, Andersgläubigen und Andersdenkenden zumal in diesen Wochen versagt.“

Peinlich, wie er den Christen Honig ums Maul schmiert und noch peinlicher, daß sie es geschehen lassen. Beschönigend kritisiert er den Iran, aber Christen und Juden werden in ALLEN mohammedanistischen Staaten einschließlich der Türkei grausam unterdrückt, so wie es der Kloran vorschreibt (9). Dann bekräftigt er seine Ablehnung der Grundsätze christlicher Theologie und führt eine ebenso subtile wie hinterhältige Attacke gegen Ministerpräsident Koch aus:

„Dass ich an dem Text über die Kreuzigungsdarstellung von Guido Reni nichts zurückzunehmen, nichts zu relativieren und nichts zu entschuldigen habe, wird niemanden überraschen… Hingegen trägt es weder zur Lösung der unleugbar existierenden Probleme bei, noch ist es Ausdruck politischer Verantwortung, in fatal zuspitzenden Äußerungen, im Zusammenspiel mit der Boulevardpresse und mit degoutanten Plakaten an ausländerfeindliche Instinkte zu appellieren, die natürlich in Deutschland wie in jedem anderen Land vorhanden sind.“

Grade noch hatte er die für ihn kämpfende Massenbewegung mit besonderem Hinblick auf die Medien gepriesen, dann seine eigene Unbeugsamkeit unterstrichen, nun fantasiert er sich als Opfer einer Verschwörung der Boulevardpresse im Bündnis mit anti-mohammedanistischen Bürgerinitiativen und der Regierung Koch, und er hebt mahnend den Zeigefinger. Das Publikum seufzt andächtig und ist reif für den Fangschuss:

„Und bei allem Respekt vor dieser Institution (d.i. der Zentralrat der Juden, T.) teile ich die Kritik des ursprünglich nominierten Preisträgers, Fuat Sezgin, an der Stellungnahme des Zentralrats zum Krieg im Gaza-Streifen, GENAUSO wie mich ANDERE (= alle, T.) Stellungnahmen des Zentralrats zum NAHOSTKONFLIKT in ihrer EINSEITIGKEIT befremdet haben. Wir müssen uns gemeinsam gegen jeden zur Wehr setzen, der das Existenzrecht Israels bestreitet. Aber AUCH die Palästinenser haben ein EXISTENZRECHT, und ich wünsche mir, dass der Zentralrat der Juden in Deutschland deutlichere Worte findet, wenn eine israelische Regierung wie die gegenwärtige ALLES tut, um einen lebensfähigen palästinensischen Staat zu VERHINDERN.“

Da ist sie, die obligatorische Stellungnahme gegen Israel, den Staat der Juden, der nach Ansicht der Orks nicht sein darf. Nett, daß er für ein Existenzrecht Israels spricht, aber tut er daß auch für Israel als JÜDISCHER Staat? Oder ist er der Meinung, alle vier oder fünf Generationen der sogenannten „Flüchtlinge“ müssten an die Wohnorte ihrer Urahnen zurückkehren dürfen? Er will sich sogar gegen Gegner des Existenzrechts Israels ZUR WEHR setzen, aber inwiefern TUT er das? Es sind übrigens die MOHAMMEDANISTEN, die nicht nur Israel sondern in weiterer Perspektive ALLEN Juden das Existenzrecht absprechen (10). Es sind die MOHAMMEDANISTEN, die bisher jede Gelegenheit zur Souveränität der Palaraber ausgeschlagen und auf Maximalforderungen (d.i. das Ende des Judenstaates Israel) beharrt haben. Heute meldete „tw_24:blog“:

„Nachdem die israelische Regierung die Einstellung von Bautätigkeiten in ‘Siedlungen’ anordnete, fand das zunächst die PA des ‘Palästinenserpräsidenten’ Abu Mazen nicht gut, sondern ‘gefährlich’; nun meldet auch die Demokratiebewegung Hamas aus dem beinahe judenreinen Gaza sich mit einer eindrücklichen Warnung: ‘A return to the NEGOTIATIONS with Israeli would be a national CRIME, Hamas spokesman Sami Abu Zuhri said on Wednesday. ’A return to the negotiating table is a national crime that Palestinians will surly reject,’ Abu Zuhri said, reacting to an Israeli announcement of a curb on expansion of West Bank settlements.” (11)

Aber egal wie verrückt und grausam, die Pallie-Orks sind den anderen Orks allemal näher als jeder andere, Orks kämpfen für Orks, für niemand anderes. Und das sagt Kermani dem, der es bis hierhin noch nicht begriffen hat, mit folgenden Sentenzen:

„Ich hingegen bin für den diesjährigen Hessischen Kulturpreis nicht allein für meine Bücher nominiert worden, sondern als REPRÄSENTANT einer RELIGION (so wie die anderen drei auch, T.). Dass daran etwas NICHT stimmt, hätte ich früher erkennen müssen (Aber das ist kein Grund für Kermani, den Preis dann auch NICHT anzunehmen, T.) … Ja, ich bin Muslim, und ja, ich bin Schriftsteller. Aber ich bin kein muslimischer Schriftsteller. Die einzige Gemeinschaft, der ich als Schriftsteller angehören möchte und vom heutigen Abend an hoffentlich WIEDER ausschließlich angehören werde, ist weder Nation noch Konfession. Es ist eine Literatur. Ich bin ein DEUTSCHER Schriftsteller.“

Hört, hört! „Ich bin Muslim, aber ich bin kein muslimischer Schriftsteller.“ Wem will Kermani einen derartigen Schwachsinn weismachen? Jedenfalls keinem Mohammedanisten, die lachen schallend und dann steinigen sie ihn, denn entweder bist du Mohammedanist von oben bis unten oder eben Ungläubiger. Sein freundliches und leichtgläubiges Publikum sind wir, nicht die Orks, wir sind die, die er verändern will. „Deutsch gut, Wurst gut“, bekam ich häufiger im Ausland zu hören. „DEUTSCHER Schriftsteller“, das kommt gut an, „einer von UNS Deutschen“ meint mancher, aber ein Flügel des DEUTSCHEN Jihad wimmert grade blutig geschossen im Hindukusch, und Lale Akgün sah sich schon im Amt der DEUTSCHEN Bundespräsidentin. „Nationalismus ist Trumpf“, warum sollte ausgerechnet ein mohammedanistischer Intellektueller und Undercoveragent diese Karte nicht spielen. Geschickterweise schenkt er dann die 45.000 Euro Preisgeld der katholischen Gemeinde St. Theodor in Köln-Vingst, deren Pfarrer Franz Meurer seine Gemeinde nicht nur dazu anhielt, für den Bau der kölschen „repräsentativen“ grauen Wolfsschanze zu werben, sondern deren Bau auch durch Geldspenden tatkräftig unterstützte, damit die DITIB und die armen Scheichs nicht so belastet werden.

Und als fulminanten Schlusspunkt setzt Kermani, der sich lautstark als Mohammedanist bekennt, aber  nicht als solcher angesehen werden will, ein Kloranzitat, das seinen Leuten anzeigt, wem in Wirklichkeit sein Eifer gilt, und das zeigt, daß er die deutschen Dimmis für grade so wenig verblödet hält, daß sie sich noch selbst die Schuhe zur Gala zubinden und seinen Preisgeldscheck unterschreiben können. Kermani: „Hätte Gott es gewollt, Er hätte euch zu einer einzigen Gemeinde gemacht. Doch wollt Er euch prüfen in dem, was Er jedem von euch gab. Wetteifert darum in den guten Taten. Koran, Sure 5, Vers 48.“

Im Reclam steht das inhaltlich übereinstimmend in anderer Formulierung in Vers 53. Nur eine Handvoll Wörter weiter aber in Vers 56/Recl. resümmiert AllaHundseingesandter: „O ihr, die ihr glaubt, nehmt euch NICHT die Juden und Christen zu FREUNDEN; sie sind UNTEREINANDER Freunde, und wer sie zu Freunden nimmt, siehe, der ist von IHNEN. Siehe, Allah leitet NICHT UNGERECHTE Leute.“

Time am 27. November 2009

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(1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/19/1075/

(2) FAZnet: http://tiny.cc/yBcj0

(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Lehmann

(4) http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Steinacker

(5) http://de.wikipedia.org/wiki/Navid_Kermani

(6) http://de.wikipedia.org/wiki/Salomon_Korn

(7) http://de.wikipedia.org/wiki/Fuat_Sezgin

(8) http://tiny.cc/a7n0B

(9) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/23/der-kloran-4-hass-auf-juden-und-christen/

(10) Zwei Hadithe:
1.) „Nachdem sie das Fadschr-Gebet verrichtet haben, werden sie herausgehen, um den Dajjal zu treffen. Und wenn sie den Lügner sehen, wird er anfangen zu schmelzen, wie das Salz im Wasser. Isa (Jesus, T.) wird auf ihn zugehen und ihn töten. Sogar die Bäume und Steine werden dann sagen: „O Geist Allahs, hinter mir ist ein Jude.“ Und keiner von denen, die ihm gefolgt sind, werden bleiben, ohne getötet zu werden.“ (Ahmad 14426) von http://www.islampuls.com/forumnew/viewtopic.php?p=4498
2.) „Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: Die Stunde wird nicht eintreten, bis die Muslime gegen die Juden solange kämpfen und sie töten, bis sich der Jude hinter dem Stein und dem Baum versteckt. Da sagt der Stein oder der Baum: O Muslim! O Diener Allahs! Dieser ist ein Jude hinter mir, so komm und töte ihn! Der einzige Baum, der das nicht macht, ist Al-Gharqad, denn er gehört zu den Bäumen der Juden.“ (Sahih Muslim 5203) von http://hadith.al-islam.com/bayan/display.asp?Lang=ger&ID=1660

(11) http://www.tw24.info/?p=1699

Material aus meiner Madrasa zum Thema unter:
http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/15/die-kunststunde-ii/
http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/16/steinackers-erklarung/
http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/19/1075/
http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/20/liberal-wollte-ich-immer-sein/
http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/28/schade-herrrabbi/
http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/29/kreuzhype/
http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/06/01/kreuzestod-und-auferstehung/

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Ergänzung 28. November: Heute teilen sich Ministerpräsident Koch und Preisträger Korn mit zusammen rund 2400 Wörtern den Platz, der dem grrroßen Kermani gestern von der FAZ als Eröffnungsrede zugestanden wurde (2100 Wörter). Hier die Rede von Koch: http://tiny.cc/0IV2N , hier die von Korn: http://tiny.cc/HzRAT Wie man hört, ist Kardinal Lehmann in seiner Rede (vermutlich klugerweise) nicht auf den Eklat zurückgekommen, bisher habe ich weder seine Rede noch die von Steinacker ausfindig machen können.

Macht besser keine Geschäfte mit Orks!

26. November 2009

In den letzten Tagen überschlugen sich im üblicherweise nüchternen Wirtschaftsteil der FAZ die Emotionen, von Ehrfurcht bis Begeisterung war alles vertreten, eine Stimmung wie am Klondike 1896-1898 (1). Was war geschehen? Die Deutsche Bahn hatte einen Auftrag über 17 Milliarden mit dem Emirat Qatar besiegelt. Die FAZ berichtete am 22. November (2):

„(…) Bahnchef Rüdiger Grube unterzeichnete am Sonntag in der Hauptstadt Doha den Vertrag für die Gründung einer Entwicklungsgesellschaft, an der die Tochter DB International 49 Prozent (! T.) der Anteile hält. Das gemeinsame Unternehmen soll Planung und Bau von Fern- und Güterzugstrecken sowie einer Metro in Doha steuern. Auch Hochgeschwindigkeitsverkehr ist vorgesehen. Grube sagte, der Bahn helfe ein solches Engagement ‘gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, Arbeitsplätze AUCH im INLAND zu sichern.’ Mit dem Vorhaben in Qatar sehe der Konzern außerdem gute Chancen, auch in ANDEREN arabischen Staaten ins Geschäft zu kommen. In den nächsten beiden Jahrzehnten seien in der Region Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe für den Aufbau oder die Erweiterung von Eisenbahnnetzen zu erwarten. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), der auch nach Doha reiste, sagte zu dem Vorhaben: ‘Bei der Planung des Verkehrskonzepts, dem Bau der Infrastruktur, der Lieferung der Fahrzeuge und dem Betreibergeschäft sind für deutsche Unternehmen Milliardenumsätze möglich.’ In Qatar bekommt das Gemeinschaftsunternehmen ‘Qatar Railways Development Company’ ein Planungsbudget von 700 Millionen Euro. Dabei sollen die Deutschen zwei der vier Geschäftsführer stellen, darunter in den ersten vier Jahren den Spitzenmann. Mitgesellschafter ist die staatliche Gesellschaft Qatari Diar. Zunächst sollen rund 50 Experten der DB International im Wüstenstaat die Arbeit aufnehmen. Umgesetzt werden soll ein im vergangenen Jahr erarbeitetes Konzept. Es umfasst ein 300 Kilometer langes Metrosystem in Doha mit vier Linien, eine 180 Kilometer lange Hochgeschwindigkeitstrasse nach Bahrain für maximal Tempo 350 sowie weitere Strecken für Güter- und Personenzüge.“

Einen Tag später wurde bekannt, daß auch Hochtief dabei ist, einzusteigen (3):

„Zwischen Qatar und Bahrain – Hochtief will RIESENBRÜCKE bauen – Die ‘Freundschaftsbrücke’ soll ab dem Jahr 2014 Bahrain mit Qatar verbinden… Dabei geht es um den Bau einer der längsten Brücken der Welt. Das Bauwerk soll Qatar mit dem Königreich Bahrain verbinden… Im Jahr 2014 sollen die ersten Autos und Züge über das Bauwerk rollen…  Konsortialführer des Bauprojekts sind die Essener Hochtief AG und der französische Konzern Vinci. Ein Sprecher von Hochtief bestätigte FAZ.NET am Montag, dass das Unternehmen erste kleine Teilaufträge erhalten habe. Der Hauptauftrag stehe aber noch aus. Zur genauen HÖHE der Investitionssumme und zu weiteren Einzelheiten wollte das Unternehmen derzeit KEINE Angaben machen. (Weshalb die FAZ jetzt mit Aspekten füllt, die eher in ihren Technik-Teil gehören, T.:) Das Bauwerk besteht aus verschiedenen Abschnitten: In den seichteren Bereichen sind künstliche Dämme für die Fahrbahnen geplant von 18 Kilometern Länge. Für die tieferen Meeresabschnitte sind Viadukte und Brücken von nochmals insgesamt 22 Kilometern geplant. Dazu gehören auch zwei 400 Meter lange Schrägseilbrücken, die von Schiffen passiert werden können… Derzeit wird das endgültige Design der Brücke überarbeitet. Neben den vier Fahrbahnen für den Autoverkehr soll die Brücke auch mit der Eisenbahn überquert werden können… In den vergangenen Jahren wurden weltweit spektakuläre Brücken und Dämme geplant und gebaut. Als längstes Bauwerk dieser Art… uswusf.“

Natürlich ist sowas mal wieder DIE Gelegenheit für FAZ-Ali2 Wolfgang Günther Lerch, in der heutigen FAZ die Weisheit eines mohammedanistischen Vogelscheichs zu preisen:

„Der Veränderer – Noch ist es ein Zukunftsprojekt, doch schon die AUSPIZIEN (= Aussichten, T.) machen staunen: Bahnchef Rüdiger Grube hat mit Qatar eine Absichtserklärung über ein gigantisches Vorhaben unterzeichnet, das insgesamt einen Umfang von 17 Milliarden Euro haben soll und besonders für die deutsche Bauindustrie wichtig werden könnte. Bis zum Jahre 2018 soll Doha, die Hauptstadt des Emirats, über ein weitgespanntes S-Bahn-Netz verfügen; darüber hinaus ist vorgesehen, eine Eisenbahntrasse quer durch das Emirat, das sich von der Landmasse der Arabischen Halbinsel wie ein Sporn vorwitzig in die Wasser des Persischen Golfs hineinreckt, bis nach Manama zu treiben, in die Hauptstadt des Königreiches Bahrein, 140 Kilometer lang. Dazu wird auch der Bau einer Brücke erforderlich sein, die Qatar mit der Hauptinsel Bahreins verbinden soll.

Das Vorhaben, das von seinem Volumen her schon mit dem Bau der BAGDAD-BAHN (Wiki (4): „So trug die Bagdadbahn zur Annäherung von Großbritannien, Frankreich und Russland bei und war einer der vielen Gründe, die letztendlich zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs führten.“ T.) im deutschen Kaiserreich verglichen worden ist, zeigt wieder einmal, dass die Golfregion gegenwärtig der Entwicklungs-Brennpunkt der arabischen Welt ist. Die benachbarten Vereinigten Arabischen Emirate, insbesondere DUBAI, haben es vorgemacht, den Bau einer Schnellbahn eingeschlossen. Unter der Herrschaft von Scheich Hamad bin Khalifa aus dem Hause der Al Thani zieht Qatar nach, was nicht heißt, dass dies immer so ist. Der Herrscher ist nämlich selbst ein Mann der Anstöße. Seit seiner Machtübernahme im Jahre 1995 – der Vater, Scheich Khalifa, befand sich zu jenem Zeitpunkt gerade zur Erholung in der Schweiz – hat der Emir sein an Bodenschätzen reiches Land systematisch modernisiert. Erdöl und Gas, die Schmiermittel der modernen Industriezivilisation, haben es möglich gemacht. Wer in den neunziger Jahren die noch bis in die Achtziger hinein bescheiden wirkende Hauptstadt Doha besuchte, erkennt sie heute nicht wieder: Aus den wenigen Hochhäusern von damals ist ein Wald geworden, der die Bucht von Doha mit ihrer hübschen Corniche umstellt. Doch die Modernisierung beschränkt sich nicht darauf: Im Zusammenwirken mit Scheicha Mouza, seiner rührigen (Haupt-, T.) Gattin,  hat der Emir auch das Bildungswesen in den vergangenen Jahren enorm entwickelt; zudem ist MANCHES (was z.B.? T.) lockerer geworden in dem islamischen Lebensstil der Einwohner Qatars.

Scheich Hamad, Jahrgang 1952, erhielt zunächst eine traditionelle Bildung in der Heimat. Wie etliche arabische Führer absolvierte er die britische Militärakademie von Sandhurst und machte seine Karriere in der Armee, bis er deren Oberbefehlshaber wurde. Schon 1977 wurde er offiziell zum Kronprinzen ernannt. In seiner Jugend besonders sportlich (er gilt als begeisterter Taucher), ist er auch heute ein engagierter Förderer des Sports in Qatar: Fußball, Tennis, Leichtathletik, Formel 1. Geld legt er auch in Europa an, etwa durch Beteiligungen bei Volkswagen (Porsche). Qatar hat sich unter ihm so drastisch verändert, dass Arabien-Nostalgiker diesen Wandel beklagen. Doch Romantik, wenn es sie denn je gab in Arabien, bedeutet den Menschen dort weniger als den Außenstehenden.“

Das hört sich ja alles ziemlich TOLL an! Aber uuups… was ist denn DAAAS???

„Furcht vor Zahlungsunfähigkeit – DUBAI in Geldnot“ (5) ??? DAS Dubai? Das, wo alles aus Gold ist, sogar die Klobrillen? Das Land, das uns in jeder zweiten Reisebeilage über den goldenen Klee anempfohlen wird (Welches aber tatsächlich, wir mir mehrere Reisende berichteten, stinklangweilig sein soll)? FAZ.net heute:

„Das ehemalige Boom-Emirat Dubai hat Zweifel an seiner Zahlungsfähigkeit geweckt. Die Regierung bat am Mittwoch die Gläubiger der Palmeninsel-Bauherren um einen Zahlungsaufschub und sorgte damit für AUFRUHR an den internationalen Anleihemärkten. Banker reagierten BESTÜRZT, da Vertreter des Emirats WIEDERHOLT VERSICHERT hatten, alle finanziellen Verpflichtungen könnten erfüllt werden. Die Anleger hatten sich darauf VERLASSEN, dass das Emirat seine von der Finanzkrise ausgelösten Probleme nicht zuletzt mit Hilfe der Öl-reichen Nachbarn und Partner in den Vereinigten Arabischen Emiraten bewältigt. Dubai begründete seine Bitte mit der Restrukturierung der staatlichen Holdinggesellschaft Dubai World. Zu den Töchtern von Dubai World gehören neben einem Hafenbetreiber auch die Baufirma Nakheel sowie die Investmentfirma Istithmar.

Für knapp zwei Jahrzehnte sorgten die STAATSEIGENEN Betriebe für einen wohl beispiellosen Boom Dubais in vielen Bereichen von Bau über Transport hin zur Finanzbranche. Die Dach-Holding Dubai World brauche Zeit für ihre Neuordnung und BEMÜHE sich um einen Aufschub bei der Rückzahlung der Schulden bis MINDESTENS 30. Mai 2010, teilte die Regierung mit. Der Bau der spektakulären Palmen-Inseln im Meer galt vor der Krise als DEMONSTRATION des UNGEHEUREN finanziellen Potenzials des Landes mit seinen 1,7 Millionen Einwohnern. Die Rückzahlung der dafür aufgenommenen SCHULDEN ist nun in der Kreditklemme aber auch der Lackmus-Test dafür, ob das Emirat seinen Verpflichtungen trotz des Abschwungs nachkommen kann. Anzeichen für Schwierigkeiten gibt es SCHON seit EINIGER Zeit: So hatte etwa die Immobilienfirma Nakheel im Januar ihre Pläne für den Bau eines 1000 Meter hohen Wolkenkratzers in Dubai wegen der globalen Finanzkrise auf Eis gelegt.

Dubai World hat offiziellen Angaben zufolge Schulden im Umfang von 59 Milliarden angehäuft. Dies sind laut Schätzungen drei Viertel der gesamten Staatsschulden von etwa 80 Milliarden Dollar. Bei einer Einwohnerzahl von offiziell 1,7 Millionen macht dies grob überschlagen 47.000 Dollar pro Einwohner. Deutschland hat zum Vergleich etwa eine Staatsverschuldung von 1,5 Billionen Euro, derzeit also etwa 2,25 Billionen Dollar. Bei einer Einwohnerzahl von etwa 82 Millionen kommt man auf eine Pro-Kopf-Verschuldung von etwa 27.500 Dollar. Die Zeit in Dubai drängt: Ein Nakheel-Bond über 3,5 Milliarden Dollar wird demnach am 14. Dezember fällig, eine Vereinbarung über knapp eine Milliarde Dollar am 13. Mai. Ein weiterer Immobilien-Entwickler unter dem Dach von Dubai World, Limitless, muss zum 31. März 1,2 Milliarden Dollar zurückzahlen. ‘Der Markt hat eine pünktliche Rückzahlung der 3,5 Milliarden Dollar erwartet’, sagte Eckhart Woertz vom Golf-Forschungszentrum. Nun sei viel VERTRAUEN zerstört. Andere Vermögensverwalter bezeichneten das SIGNAL aus Dubai als SCHOCKIEREND. (…)“

Wenn ein Wüstenscheuch f*rzt, p*rzeln die Aktienkurse:

„Zu den Gläubigern der staatlichen Holding Dubai World zählen einer Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge unter anderen Credit Suisse, Royal Bank of Scotland (RBS), HSBC, Barclays und Lloyds Banking. Die Aktien von RBS verloren in London 8 Prozent. Die HSBC-Titel gaben um 5,3 Prozent nach. Einem Credit-Suisse-Sprecher zufolge hat die Schweizer Großbank kein nennenswertes Dubai-Risiko. Der Aktienkurs brach trotzdem um mehr als 5 Prozent ein. Die Titel des Börsenbetreibers London Stock Exchange (LSE) verbilligten sich um 7 Prozent.(…) Unter Druck gerieten auch die Titel von Daimler (minus 4,2 Prozent) und die Stammaktien von Volkswagen (minus 4,3 Prozent). Noch deutlicher fielen die Porsche-Aktien mit 5,7 Prozent.“ (6)

Im Fall Dubai werden wir es wohl so machen wie die Russen im Fall Libyen, und den Orks ihre Schulden erlassen unter der harten Bedingung, daß sie dafür erstklassige Rüstungsgüter von uns als Geschenk annehmen (7). Im Fall Qatar, so fürchte ich jedoch, werden zuvor doch auch noch einige ein ganz böses Erwachen erleben, und ich könnte mir denken, dass Bahnchef Rüdiger Grube in nicht allzu ferner Zukunft zu ihnen gehören wird. „VERSICHERN“, „SICH VERLASSEN“, „SICH BEMÜHEN“, „VERTRAUEN“, das sind Begriffe, die, wenn man schon meint, mit Orks Geschäfte machen zu müssen, völlig verfehlt sind. Die Frage ist nicht, ob sie dich über’s Ohr hauen wollen oder nicht, und auch nicht die, ob sie es schaffen (sie schaffen es), die Frage ist nur die Höhe des Schadens, mit dem du aus dem „Geschäft“ aussteigen kannst. Laß es lieber! Die AUSPIZIEN, am Klondike einen Batzen Gold zu finden, der vor 111 Jahren von den hunderttausend Diggern dort übersehen worden ist, sind ungleich besser!

Time am 26. November 2009

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(7) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/10/20/ich-weis-ich-weis/
und  http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/10/21/dreist-dreister-saudisch/

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Nachtrag 2.12.09: Der Scheich sagt “Ätsch“ - FAZ, 30. November: „Die Regierung von Dubai hat bekräftigt, dass die Schulden des Staatskonzerns Dubai World NICHT durch den Staat garantiert sind. Der Finanzminister des Emirats, Abdurrahman al Saleh, sagte am Montag nach der Schließung der Börsen in Dubai und Abu Dhabi dem lokalen Fernsehen, Dubai World sei KEIN Teil der Regierung. Die Gläubiger müssten SELBST die Verantwortung für die Mittel übernehmen, die sie Dubai World gegeben hätten. Die Regierung habe Dubai World unter der Prämisse gegründet, dass das Unternehmen auf der Grundlage der Wirtschaftlichkeit seiner Projekte fremde Mittel aufnehme. Er forderte die Gläubiger auf, ihren Teil zur Sanierung von Dubai World beizusteuern. Dubai World ist AUSSCHLIESSLICH im Besitz des STAATS Dubai. Seine Verbindlichkeiten werden auf 59 Milliarden Dollar geschätzt. Viele Gläubiger hatten darauf gesetzt, dass die Verbindlichkeiten durch das Emirat garantiert seien – selbst wenn die Verträge, die sie unterzeichnet hatten, dies ausdrücklich ausschlossen. Die Regierung des Emirats vertritt die Auffassung, die Unternehmen agierten als selbständige wirtschaftliche Einheiten. Da die Grenzen zwischen Staat und Privatwirtschaft FLIESSEND sind, rechneten viele dennoch mit einer Staatsgarantie. (…)“

Projekt Kloranwäsche

26. November 2009


Ich bin, wie Sie wissen, in Bezug auf den Kloran ein arger und entschlossener Wüterich. Da ich nun unlängst behauptete, daß auch Faschisten mal recht haben könnten (1), ist sicher auch die Frage nicht ganz unberechtigt, ob der Kloran wirklich so durch und durch verdorben und schmutzig ist, wie ich es stets darlege, oder ob dort nicht auch der eine oder andere passable oder gar freundliche Vers zu finden ist.

Im Interesse, „Brücken zu bauen“ zwischen dem Mohammedanismus und dem Westen (Brücken, über die aber offenbar stets nur Einbahnstraßen führen dürfen), unternimmt der eine oder andere „Momo“ jedenfalls Versuche, den Kloran als ein Konvolut erscheinen zu lassen, das mit unser Verfassung und menschenfreundlichen Bürgergesellschaft vereinbar sei. So, wie er dasteht, ist er aber offenbar so schmutzig, daß ihn sich kein „Momo“ anziehen mag, ohne zunächst weitreichende Säuberungen an ihm vorzunehmen. Da werden aus dem „Gewand“ quasi besonders dreckige Teile herausgeschnitten, Äußeres wird nach innen gekehrt und neu „vernäht“, es findet auch mindestens eine „Neuübersetzung“ statt, es bedarf mit anderen Worten einer sogenannten, gründlichen „Kloranwäsche“ (vergl. 2).

Ein eher grobes Reinigungsverfahren, nach dessen Abschluss der Kloran ziemlich eingelaufen war, wandten Rabeya Müller und Lamya Kaddor bei ihrem „Koran für Kinder und Erwachsene“ an. „Die Magna Charta westlicher Werte entstand vor rund 1400 Jahren in der Wüste Arabiens. Erstmals in der Weltgeschichte verkündete damals eine Schrift die Ehrfurcht vor allem Leben, kritischen Forschergeist, feministische Kampflust, umfangreichen Minderheitenschutz und einen interreligiösen Dialog im ‘Du bist o.k., ich bin o.k.’-Stil. Dieses Dokument ist der KORAN. Ärgerlicherweise ignorieren aber viele Zeitgenossen dessen Botschaft – entweder weil sie seine Lektüre allzu zäh finden, oder aber weil sie ihn missverstehen…“, dies in etwa war zumindest die Darstellung der Autorinnen, wie die „Welt“ am 14.4.2008 unter dem Titel „Koran light…“ feststellte (3). Da war ihnen aus dem Lager der Nicht-Ganz-So-Moderaten-Mohammedanisten (sog. „Nigasomomos“) nicht ganz so überraschend aber ein stürmischer Wind entgegengeweht. Die Nigasomomos rieben „sich vor allem daran, dass die Verfasser das von Gott (VON ALLA, ANGEBLICH, T.) persönlich herabgesandte Wort wie einen Steinbruch benutzen. Denn die einzelnen Koranverse werden in dem Lesebuch neu gruppiert und nach Themen wie „Schöpfung“, „Mitmenschen“ oder „Vorbildliche Frauen“ sortiert. Und viele der 6000 Koranverse fallen der Auswahl sogar ganz zum Opfer“, meinte auch die „Welt“ zu Unrecht empört. Müller und Kader versuchten der Ächtung durch ihre Community mit dem Argument entgegenzutreten, ihr Lesebuch solle „ja zum Originalkoran hinführen, aber auf keinen Fall unser (!, T.) Heiliges Buch ersetzen“. Das Resultat war eben also ein Kloran light, ein Baby-Kloran, ein „Irgendwie-halt-eben-auch-ein-Stück-weit-Kloran“.

Mit ungleich größerem Anspruch ging Ahmad Milad Karimi zu Werke, wie man vorgestern am 24. November von der obskuren Zeitung „Freitag“ erfahren konnte, die mir tendenziell zu intelligent erscheint, um noch als Dimmi-Produkt durchgehen zu können (4). Lesen Sie ein interessantes Interview von Eren Güvercin (5) mit einem Kloran-Neu-Übersetzer, dem das „Poetische“, „Atmosphärische“ und „Musikalische“ des Korans besonders wichtig erscheint.

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GEBEUGT vor GOTT (gebeugt mag zutreffen, aber gemeint ist ALLA, T.)

Ahmad Milad Karimi hat den Koran neu ins Deutsche übersetzt. Augenmerk lag auf der poetischen Dimension der heiligen Schrift des Islam. Ein Gespräch

Freitag.de: Herr Karimi, es gibt ja mehrere Übersetzungen des Koran ins Deutsche, etwa von Paret oder Khoury. Welchen Sinn kann eine neue Übersetzung ins Deutsche haben? Was unterscheidet Ihre Übersetzung von den anderen?

Ahmad Milad Karimi: Zunächst muss man sagen, dass jede Zeit seine neue Übersetzung braucht. Das ist grundsätzlich festzuhalten. Auf der anderen Seite hat meine Übersetzung im Unterschied zu den schon vorhandenen Übersetzungen, die philologisch sehr genau sind, das erklärte Ziel auch die Form des Koran in die deutsche Sprache zu vermitteln, sozusagen darauf hin zu schauen, in welcher Form der koranische Text oder die koranische Botschaft vorgetragen ist.

Sie haben in Ihrer Übersetzung darauf Wert gelegt, das Poetische und Atmosphärische des Korans in den Vordergrund zu stellen. Wie ist das Ihnen gelungen? Wie sind Sie vorgegangen bei der Übersetzung?

Karimi: Ich habe hörend übersetzt, so dass ich die einzelnen Verse immer wieder angehört habe, um überhaupt in die Atmosphäre hineinzukommen, und dann habe ich versucht den Rhythmus herauszufinden, und dann habe ich versucht rhythmisch und so fern es ging auch in Reimformen, die einzelnen Verse zu übersetzen, in dem ich auch versucht habe, die Wortstellung nachzuahmen. Das heißt, wenn Adjektive im Arabischen nachgestellt sind, habe ich soweit es ging das ins Deutsche so übertragen. Das mag merkwürdig klingen, aber das hat auch einen theologischen Sinn. Der Koran ist voller Spannungen. Wenn da z.B. gesagt ist: „Leite uns den geraden Weg“, dann ist dieser Satz unglaublich langweilig. Der Satz hat keine Spannung, kein Reiz. Aber wenn sie den Satz auf arabisch hören, dann würde es so heißen: „Leite uns recht auf dem Weg, den Geraden.“ Man hat also eine Situation von Sprecher und Zuhörer, der erst mal hört, leite uns recht auf dem Weg, und dann ist eine Atempause, und dann den Weg der Geraden. In dieser Form versuche ich, dem Poetischen gerecht zu werden.

Sie sagen, dass der Koran kein Lesebuch sei. Was meinen Sie damit?

Karimi: Der Koran ist eigentlich etwas vorzutragendes, zu singendes, zu hörendes. So wurde der Koran auch offenbart. Der Koran ist nicht Koran im echten Sinne, wenn er auf dem Bücherregal liegt, sondern erst dann, wenn er vorgetragen wird. In diesem Augenblick ereignet sich die Gegenwart Gottes. Es ist der Gott, der durch mich hindurch spricht. Und dieser Augenblick ist der Augenblick der Offenbarung. Die Muslime rezitieren deswegen der Koran gerne, weil sie nichts anderes machen, als diese eigene Offenbarungssituation zu vergegenwärtigen, so dass der Koran immer ewig bleibt.

Wie alt waren Sie, als Sie den Koran lesen lernten?

Karimi: Als SECHSJÄHRIGER habe ich in Afghanistan in einer Moschee, in einer Koranschule BEWUSST den Korangesang kennen gelernt.

Wie wurde es vermittelt? Bei Koranschulen denken viele Menschen an etwas anderes, als dass Kinder dort den Korangesang lernen…

Karimi: Das ist eigentlich sehr WITZIG, während heute die Koranschulen in Verruf geraten sind, muss man wirklich darauf hinweisen, dass diese Schulen eigentlich etwas ganz anderes wollen. Sie wollen gar nicht den INHALT vermitteln. Das ist gar nicht deren Aufgabe. Sie müssen sich das so vorstellen, als wäre das im profanen Sinne eine Art Gesangsunterricht. Man geht hin, man fragt nicht, was bedeutet dieser Vers, sondern man lernt erstmal Singen. Das ist Tajwid, das ist die Lehre der Schönmachung. Deswegen ist es auch so, dass der Imam oder der Lehrer vorträgt, und alle sprechen nach. Und wenn jemand etwas falsch gemacht hat, müssen es alle wiederholen, wie in einem Chor. Genau so haben wir erst einmal dort den Korangesang gelernt, um dann später im Religionsunterricht den Inhalt vermittelt zu bekommen. Zunächst ging es überhaupt nicht um den Inhalt.

Viele Muslime rezitieren den Koran, ohne dass sie ein Wort Arabisch können. Wie können diese Gläubigen denn Zugang zu der koranischen Offenbarung haben?

Karimi: Das ist doch EIGENTÜMLICH, was sie hier ansprechen, nicht wahr? Die MEISTEN Muslime heute in der ganzen Welt, die Mehrheit der Muslime sind der arabischen Sprache NICHT mächtig, und DENNOCH werden sie nicht nur von der Stunde ihrer GEBURT bis zum TODE vom Koran begleitet, sondern sie sind GERÜHRT und BERÜHRT vom Koran. Ja, warum? (weil Apostaten ermordet werden? T., Nein…) DESHALB, weil der WUNDERCHARAKTER des Koran zunächst nicht darin liegt, was dort STEHT, wie merkwürdig das auch klingen mag, sondern es ist das Koranische, das BEWEGENDE (die Rezitation, der Ausdruckstanz, T.). Wenn sie so wollen, der Islam ist eine ganz eigenwillige Weltreligion, der seine Wurzel, sein Fundament in der POESIE und ÄSTHETIK hat (dem MEUCHELMORD an Poeten und Sängern durch Klo, T.). Das kann KEINE wirkliche Weltreligion für sich in Anspruch nehmen. Wenn sie dies im Kopf haben, und all die Bilder, die wir heute vom Islam vermittelt bekommen, dann hat man einen krassen Widerspruch. Wie kann eine so GEWALTTÄTIGE, Frauen UNTERDRÜCKENDE Religion, eine so INHUMANE und NICHT AUFGEKLÄRTE Religion überhaupt mit Poesie in Verbindung gebracht werden? (The answer is blowing in the wind, T.:) Islam heißt nicht Friede im Sinne von passiv sein, sondern aktiv, und zwar aktiv und beweglich in einem poetischen Sinne. So verstehe ICH den Islam und versuche für einen modernen Islam durch meine Übersetzung auch GERADE in der DEUTSCHEN Gesellschaft, gerade für die (Orks, T.), die kein Arabisch können, eine Art Schattenwerk (Schutzbehauptung, T.) darzulegen, das GEMEINSAM mit dem EIGENTLICHEN KORAN die moderne GESELLSCHAFT mitGESTALTET (tststs, den Gedanken, daß der Fieslahm unbedingt die moderne, also westliche Gesellschaft gestalten muß, also politische Kraft sein muß, kriegt ein Ork einfach nicht aus dem Kopf, T).

Was für eine Rolle kann überhaupt eine Koranübersetzung beim besseren Verständnis des Islam spielen?

Karimi: Die TÜRKISCHEN Mitbürger etwa lesen den Koran auf arabisch. Was machen sie, wenn sie in der Schule sind? Wie können sie über Religion reden, oder über diese Ästhetik und Poesie des Koran? Sie können das gar nicht, weil sie das gar nicht vermitteln können. Mein Versuch ist es, dass sie durch diese Übersetzung darüber reden können. Das ist nicht adäquat, aber sie können darauf hinweisen, schau mal, so kann sich das anhören. Das heißt keine Parallelwelt mehr weiterführen, sondern versuchen die Parallele zu durchbrechen, in dem sie ihnen sozusagen durch die deutsche Sprache hindurch, die sehr kraftvoll und schön sein kann, die reine Religiosität selbst verstehen und vermitteln können (Die türkischen Orks sollen also mit Hilfe der neuen Übersetzung befähigt werden, ihre Parallelwelt zu verlassen, um den Kloran in die westliche, deutsche Gesellschaft zu tragen, T.).

Es gibt ja Passagen oder bestimmte Begriffe, über die immer diskutiert wird, die oft als problematisch gesehen werden. Wie sind Sie mit diesen Stellen umgegangen?

Karimi: Es ist eigentlich eine ganz eigentümliche Sache, weil ich nichts anderes gemacht habe, als philologisch genau zu sein. Philologisch genau bedeutet, genau hin zu schauen, was da steht, wie zum Beispiel – es ist auch verblüffend für mich selbst – das Wort „die Ungläubigen“ kommt als Substantiv im Koran nicht einmal vor, wie auch der Begriff „Heiliger Krieg“ (Also, das ist jetzt aber echt ein Ding, T.).

Waren die bisherigen Übersetzungen in diesem Punkt dann falsch oder zu ungenau?

Karimi: Auf der einen Seite tendenziös, und auf der anderen Seite vielleicht auch bestimmt durch eine ganz bestimmte Atmosphäre. Wenn sie gerade die Paretsche, ja bahnbrechende Übersetzung sich anschauen, für Dschihad steht da wirklich der „heilige Krieg“. Er spricht auch von Heiden. Was sollen denn Heiden sein? Oder andere Übersetzungen sprechen von Polytheisten. Man könnte natürlich den Begriff „Heiliger Krieg“ ins Arabische übersetzen, das würde harb ul-makaddas heißen, aber das ist in keiner Weise Dschihad (Was aber heißt denn nun JIHAD? Anstrengung, ja schon klar, wobei die edelste Anstrengung aber im Krieg gegen die Feinde des Fieslahm besteht, und der Tod darin die einzige sichere Garantie auf einen Platz im Paradies ist. Und wenn die Übersetzung „Ungläubige“, „Heiden“ oder „Polytheisten“ falsch ist, welches ist dann die richtige? Aha, schlau, schlau, wir müssen erst das Buch erwerben, um diese Rätsel zu lösen, zum Fast-Geschenkt-Preis von nur noch 49,95 Euro bei Herder. Der „Freitag“: „Die edle und prächtige Gestaltung ist außergewöhnlich. Endlich entspricht in einer deutschen Übersetzung auch die äußere Form der Sprachschönheit des Textes.“ Na denn, T.). Ich habe keinen etwa KORAN LIGHT zusammengestellt, ohne Prügelverse und so, sondern ich habe genau hingeschaut, was da steht (Und, was steht da bei den Prügelversen? Daß sie „symbolisch“ mit Zahnbürsten durchgeführt werden sollen? T.). Wäre der Koran eine Art Werkzeugkasten, so dass man Instrumente daraus nehmen könnte, was man gerade braucht, dann schon. Man kann so den Koran interpretieren und politisieren, aber nur dann wenn man den Koran nicht POETISCH-ÄSTHETISCH versteht.

Wie können dann bestimmte Ideologien, die es ja unter den Muslimen gibt, ihre gewalttätige und unterdrückende Gesinnung durch Verweise auf den Koran stützen?

Karimi: Das machen die meisterhaft. Gerade weil der Koran offen ist, gerade weil der Koran Begrifflichkeiten verwendet, die mehrdeutig sind, kann man daraus SEHR VIEL machen (etwa AUCH ein POETISCH-ÄSTHETISCHESWerk? T.). Man kann JEDES Werk, wenn ich das so sagen kann, pervertieren. Das wurde in der Geschichte oft genug gemacht. Man hat auch im Namen der Bibel und des Kreuzes Kriege geführt, wohl gemeint für eine Religion der Liebe (Wenn das schon im Namen eines Buches geschehen kann, der Bibel, die die Liebe predigt, um wieviel einfacher ist das mit einem Buch, das dem Niedrigen im Menschen huldigt! T.). Wenn die Einstellung politisch ist, dann ist schon Vorsicht geboten (Si! T.). Der Koran ist KEIN Politikum. Der Koran IST auch KEIN Gesetzbuch (Schön wär’s, s.o.! 1,5 Mrd. Mohammedanisten irren sich, aber der kleine Ahmad (übrigens Kurzform von Mohammed) blickt durch: „Ich will Prophet sein anstelle der Propheten…“ T.). Nur acht Prozent der Verse kann man rechtlich relevant deuten (Das sind mit fast 10% aber erheblich mehr als die vorhin behaupteten 0% , T.). Diese sind aber auch sehr offen und wiederholend (So offen wie 5/42, S. 117, Recl.: „Und der Dieb und die Diebin, schneidet ihnen die Hände ab als Lohn für ihre Taten. Dies ist ein Exempel von Alla…“? Oder NOCH offener? T.). Was sind 92 Prozent sonst? Das sind Geschichten, das Allegorien, das sind Sprachbilder, Metaphern und philosophische Gedanken, theologische Gedanken, Religionsgespräche. Also ganz WUNDERBARE Sachen, die man auch alltäglich rezitieren und GENIESSEN kann.

Was die Ideologen machen, ist sehr gravierend. Sie erheben den Anspruch, genau zu wissen, was im Koran steht. Das ist der Fehler, und das ist ein ISLAMISCHER Fehler (Bravo! T.). Denn man darf nicht Schirk treiben, also nicht neben Gott etwas anderes stellen. Und wenn man sicheres Wissen behauptet, dann behauptet man ein Wissen, was nichts neben sich sein lässt. Die spielen Gott, und verfehlen ihre Religiosität darin, dass sie genau meinen, was da steht, und was Gott von einem will. Es ist gerade koranisch, nichts zu sagen ohne Vorbehalt. Deswegen sagen wir Muslime immer Inscha’allah, wenn Gott will. Nichts geschieht, kein Blatt rührt sich, wenn nicht Gott will, aber auch mein Verständnis von Koran und vom Islam. Allein schon ob es den einen Gott gibt, Inscha’allah gibt es den einen Gott. Denn zu meinen, ich weiß sicher wie Gott selbst, dann habe ich mich neben Gott gesetzt. Der Islam ist nicht ohne Grund eine RELIGION DER BESCHEIDENHEIT (Klar, bloß: Ihre alle ANHÄNGER einschließlich des kleinen Ahmads sind ausnahmslos UNBESCHEIDEN, T.). DER MUSLIM IST GEBEUGT, gebeugt vor Gott (NEIN! Höchstens mal vor ALLA! Durch Klo! T.). Das finde ich SCHÖN.

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Gardinenstange räsonnierte bekanntlich über die hohe „Kunst“ des Selbstmordattentats (6), und ich bin mal wieder erstaunt über die hohe Kunst des Drumherumredens und Ausweichens, die in der Regel der hohen Kunst des Dolchstoßes in den Rücken vorausgeht. An-Na’im, Tibi, Kermani, Karimi, das sind günstigstenfalls Kriegsgewinnler und Scharlatane (7). Mit Sicherheit aber verkleistern sie die Ohren und Augen unserer unentschiedenen Mitbürger, lassen die glauben, was die glauben wollen und geben ihnen das Gefühl, „von Herzen“ geliebt zu werden. Schlimmstenfalls sind sie die, die die Tore öffnen werden. Aber bis dahin binden sie uns einen Bären auf, oder auch zwei, Hauptsache der Euro rollt. Und da wird aus einem ganz normalen, jungen afghanischen Burschen dann rechtzeitig zur aktuellen Buchpräsentation eines dieser fürchterlichen struppigen Monster (8). Wir aber suchen weiter im Kloran nach etwas, das ihn zu mehr macht als Hitlers „Mein Kampf“, zu mehr als dem dreckigen Manifest eines perversen Irren!



Time am 26. November 2009

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(1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/11/22/auch-faschisten-konnen-mal-recht-haben/
(2) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/09/21/die-doner-connection/
(3) http://www.welt.de/politik/article1901094/Koran_light_ohne_Pruegelvers_und_Jungfrauen.html
(4) http://www.freitag.de/kultur/0946-koran-uebersetzung-interview und http://www.freitag.de/kultur/0946-koran-uebersetzung-interview?p=2
(5) http://erenguevercin.wordpress.com/ sehr aufschlussreicher Blog des Interviewers
(6) http://www.welt.de/print-welt/article176827/Kunst_des_Maertyrertums.html
(7) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/27/an-na’ims-medicine-show/ und http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/30/the-fabulous-gitmo-freak-show/
(8) http://www.miladkarimi.de/

Die Kunststunde IV. – Mit Satan ins Museum

24. November 2009

„Highway to Hell“? Nein, Video-Kunst von Abdulnasser Gharem: „The Path“.

Im Berliner Gropiusbau ist bis zum 18. Januar nächsten Jahres die Ausstellung „Taswir. Islamische Bildwelten und Moderne“ zu bestaunen (Taswir bedeutet im Rabiatischen, Persischen und Türkischen „Bild“, „sich ein Bild machen“, „abbilden“, „bebildern“ – die Methode hinter diesem Titel ist evident: Wir sollen auf Teufel komm raus Rabiatisch lernen. Latein ist out, schick ist der, der ein paar orientalische Vokabeln mal eben locker ins Gespräch einfließen lassen kann). Diese Ausstellung scheint zunächst insbesondere eine Provokation innerhalb des Kunstbetriebes darzustellen, indem sie sich selbst zu einem Kunstwerk erhebt, insofern sie die Arbeiten der beteiligten Künstler im Sinne der „Collage“ zu einem übergeordneten Ganzen arrangiert. Niklas Maak berichtet darüber in der heutigen FAZ:

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Ich assoziiere dir mal was

Was dürfen Kuratoren mit Kunst machen? In Berlin sucht man den Geist „islamischer Bildwelten“ ganz poetisch

Dies ist eine Ausstellung über einen Konflikt. Es ist ein Konflikt, der nichts mit dem Thema der Schau zu tun hat, die nach Ausdrucksformen „islamisch geprägter Bildwelten“ in Geschichte und Gegenwart fragt und natürlich auch zahlreiche politisch-religiöse und ästhetische Konflikte reflektiert. Der Konflikt, der im Berliner Gropiusbau sichtbar wird, betrifft die Frage, wie man Ausstellungen macht – und was Kuratoren mit Kunst tun dürfen.

Die Schau, die sich in achtzehn Themenräumen (Themenraum #1 ist – natürlich – dem Kloran gewidmet, T.) vor allem den Echos von Kalligraphie, Ornamentik und Miniaturmalerei in der Gegenwart widmet, hat zwei Kuratoren: Almut Bruckstein Coruh, die vor fünf Jahren die Rudolf-Arnheim-Professur der Humboldt-Universität innehatte und jetzt das „Ha’ Atelier“, eine „Werkstatt für Kunst und Philosophie“, leitet (1), und den Kunsthistoriker und Altertumsexperten Hendrik Budde. Er war in der Ausstellung, die historische Korane des elften Jahrhunderts und andere Objekte einer „islamischen Welt“ mit fünfzig Werken zeitgenössischer Kunst konfrontiert, vor allem für die historischen Exponate zuständig und ist eher an einer ikonographisch nachvollziehbaren Geschichte seiner Preziosen interessiert. Bruckstein Coruh stellt die Exponate dagegen zu einem „poetischen“ und „assoziativen Parcours“ zusammen – ein Verfahren, das zurzeit in Mode ist, wie etwa die letzte Documenta zeigte: Nach visuellen Korrespondenzen, die die Kuratorin für sich entdeckt, werden Dinge zusammengebracht, die bisher keinerlei inhaltliche Bezüge hatten.

Wo die glänzenden Seiten eines Goldkorans aus dem elften Jahrhundert so hell reflektieren, dass es aussieht, als sei der Lesende von einem inneren Licht erleuchtet, stellt die Kuratorin etwas Goldstrahlendes dazu, das nichts mit islamischen Bildwelten zu tun hat, nämlich Wolfgangs Laibs Pigmenthaufen „Fünf unbesteigbare Berge“. Wo eine phantastische osmanische Kalligraphie des sechzehnten Jahrhunderts schwungvoll kurvt, wird gegenüber die 2006 entstandene Arbeit der Syrerin Buthayna Alis „We“ aufgebaut – beschriebene Schaukeln, die den Text wortwörtlich schwingen lassen.

Im besten Fall führen diese „visuellen Korrespondenzen“ zu einem assoziativen Funkenschlag, von dem die Veranstalter nur hoffen können, dass er sich bei möglichst vielen Besuchern auch einstelle; im schlechtesten wird das eine Werk zum Hinweisschild auf die Qualitäten des anderen: Bitte auch links auf goldgelbe Dinge achten! Die subjektive, assoziative Anordnung rückt den Kurator in eine Künstlerrolle; er gruppiert die Arbeiten zu einem Metawerk. Das mag man mögen oder nicht; problematisch wird es aber, wenn man dieses Kunstwollen des Kurators mit Wissenschaft verwechselt und hinter den individuellen, durchaus auch esoterischen Formassoziationen eines Kurators tatsächlich „Wesensverwandtschaften“ überkulturell und überzeitlich gültiger Gestaltprinzipien in islamischer und okzidentaler Kultur vermutet.

Zu den Vorzügen dieser Ausstellung gehört es, dass sie mit dem Klischee eines islamischen Bilderverbots aufräumt. Die hier jenseits assoziativer Feinsinnigkeiten umrissene Geschichte der Kalligraphie führt mit Beispielen, die bis in die Gegenwart führen, die Schwellenspiele von Künstlern vor, die, wie Murat Morova, in ihren kalligraphischen Landschaften die Linien erst zu Buchstaben und dann nahtlos zu Figuren werden lassen. So wechselt die Zeichnung wie ein semiotisches Kippbild zwischen figürlicher Präsenz und sprachlicher Repräsentation, das Bild wird Wort und umgekehrt. Man sieht Akten der Umschreibung zu – im doppelten Sinn als Metaphernproduktion und Veränderung der Tradition. Deutlich wird anhand der wechselhaften Geschichte von Mohammed-Bildern verschiedener Völker und Zeiten, dass „die“ islamische Welt ebenso ein Kampfbegriff kreuzzüglerisch veranlagter Nordwesteuropäer ist wie die „islamische Kunst“ eine nachträglich, im neunzehnten Jahrhundert, aus nichtmuslimischen Museumskreisen an die Objekte herangetragene Kategorisierung. Auch heute – und auch in der Berliner Ausstellung – machen solche georeligiösen Zuordnungen Probleme: Ist Mona Hatoums Rauminstallation „Light Sentence“ von 1992, ein Raumlichtkunstwerk aus Drahtgitterschränken, zwischen denen Glühbirnen sich bewegen und die Schatten in eine wankende, glitzernde Schattenscheinbauwelt verwandeln, nun etwas, das sich erhellend aus dem Kontext „islamischer“ Bildwelten erklären lässt?

Was für die Ausstellung spricht, ist neben den großartigen, selten zu sehenden historischen Exponaten die Menge interessanter Arbeiten wenig bekannter syrischer oder türkischer Künstler wie Susan Hefuna, die traditionelle halbdurchsichtige Raumtrenner neu interpretiert, oder Hale Tenger, der die wehenden Gardinen eines Beiruter Hotels filmt, dessen Scheiben bei einer Explosion brachen.

Anderes irritiert. Ein Katalogbeitrag von Abdul-Rahim Al Shaikh widmet sich William Forsythes Tanzperformance „Human Writes“ sowie Israels Verhalten gegenüber Palästina. Der Autor zitiert dabei Pamphlete, die über eine politische Kritik an Verstößen israelischer Soldaten und Politiker gegen die Menschenrechte deutlich hinausgehen und eindeutig antisemitisch (gemeint ist antijüdisch und antiisraelisch, T.) argumentieren. Unter diesem Katalogbeitrag wird, wie bei einem Wahlwerbespot, zu dessen Ausstrahlung man verpflichtet war, vermerkt, dass „die Berliner Festspiele nicht die in dem Text vertretenen“ Auffassungen teilten. So eine Distanzierung des Veranstalters von seinem Kataloginhalt ist ungewöhnlich und wirft einige Fragen auf – etwa die, ob der Hauptstadtkulturfonds, der Medienpartner Tagesspiegel, die DFG und andere Fördermittelgeber (wie beispielsweise die Allianz-Versicherung - 2, T.) sich nicht davon distanzieren oder nur nicht um ihre Meinung zu diesem Stück gebeten wurden (Ich denke, es wird so sein wie bei FAZ-Ali1 Hermann (3), der Judenhass ist ihnen schon so selbstverständlich geworden, daß sie ihn gar nicht bemerken, T.).

Über den Erkenntnisgewinn einer assoziativen Zusammenschau visueller Korrespondenzen, wie sie die Berliner Ausstellung vorführt, kann man ebenfalls streiten. Künstler, die selbst das Problem schwingender Formen umtreibt, könnten sich an der Gegenüberstellung von Schaukeln und schaukelnder Schrift freuen; wer sich für Herkunft, Tradition und Wandel der gezeigten Formen interessiert, ist mit dem Katalog besser bedient.

Erst dort, in einem lesenswerten Aufsatz von Silvia Naef, erfährt man mehr über die Ikonographie kalligraphischer Traditionen in der Moderne: In Iran etwa bildete sich 1963 im Umfeld des Künstlers Hossein Zenderoudi eine Gruppe namens Saqqakhaneh, die auf Kalligraphisches zurückgriff, um die moderne, internationale gestische Abstraktion mit einer spezifisch persischen Tradition kurzzuschließen. In der Türkei galt die scheinbar „moderne“, abstrakte Malerei als politische Kritik an der staatlich betriebenen Verwestlichung der lokalen Kultur: Mit den kemalistischen Reformen ersetzte das lateinische Alphabet das arabische; dass die verbannte Schrift, die osmanische Kultur in der „westlich“ wirkenden abstrakten Malerei weiterlebte, gehört zur Dialektik, die das politkulturelle Verhältnis von Tradition und Moderne in diesen Ländern bis heute prägt.

Zu solchen politisch-ikonographischen Zusammenhängen hätte man gern mehr erfahren. So aber muss man sich leider mit dem Glanz der Exponate und mehr oder weniger glänzenden Formassoziationen trösten.

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Es spricht natürlich für die FAZ bzw. Niklas Maak, daß man sich anders als andere Publikationen nicht vollständig in Begeisterungsstürmen ergeht, sondern die Aufmerksamkeit kritisch auf eine in einer derartigen Ausstellung mit Sicherheit zu erwartende israelfeindliche Haltung richtet, aber dabei bleibt es leider. Für den Counterjihadi hingegen ist ab hier der Verdacht schon fast hundertprozentige Gewissheit, dass wir es mit einer mohammedanistischen Unterwanderungsveranstaltung zu tun haben. Es scheint um den Mohammedanismus UND den Westen zu gehen, aber selbstverständlich ist der erste der achtzehn Räume dem Kloran gewidmet. „Ein kleines kalligrafisches Kabinett mit herrlichen kufischen Werken, die Fläche wird zur schwebenden Räumlichkeit. Das Prachtstück kommt aus Paris aus der Bibliothèque Nationale: ein nordafrikanischer Purpur-Koran des 14. Jahrhunderts, die Suren sind mit silberner Tinte geschrieben, die Namen der Verse mit Gold herausgehoben,“ schwärmt der Tagesspiegel (4). Die Redakteure verwechseln da was: Es sind die stets rastlosen Nomaden, die allein durch den beruhigenden Glanz des Goldes Ruhe finden – den christlichen Städter lässt sowas eher kalt (zumal den, der weiß, was für ein gräßliches Zeug darin steht).

„Zu den Vorzügen dieser Ausstellung gehört es, dass sie mit dem Klischee eines islamischen BILDERVERBOTS aufräumt,“ meint Maak, aber er irrt. Er wendet sich gegen eine unterstellte Fieslahmofobie, die so nicht existiert. Das Bilderverbot aber ist ebenso eine glasklare kloranische Aussage wie historische Tatsache. In 5/92, Recl. S.124 z.B. heißt es: „O ihr, die ihr glaubt, siehe, der Wein, das Spiel, die BILDER und die Pfeile sind ein Gräuel von Satans Werk. Meidet sie; VIELLEICHT ergeht es euch wohl.“ Auf Alla ist bekanntlich Verlaß – oder auch nicht. Daß mit Bildern NICHT Schrift oder Ornamentik gemeint sind, sondern die FIGÜRLICHE Darstellung, geht aus dem weiteren Kontext des Kloran hervor, in dem an zahlreichen Stellen die bildliche Darstellung Allas verdammt wird, der den Menschen gebildet habe und somit quasi der einzige Bildner sein dürfe. Daß mit Bildern im zitierten Vers NICHT Götzenbilder sondern Bilder aller Art gemeint sind, geht wiederum m.E. daraus hervor, daß sie hier in einer Reihung mit Wein, Spiel und Losen (Pfeilwerfen) genannt werden. Grade die hohe Entwicklung von Kalligrafie und Ornamentik (i.e. Sublimierung) zeigt deutlich, daß die Verbotswut des Mohammedanismus sich gegen die figurative Abbildung richtet – und insbesondere gegen den Realismus. Natürlich gibt es nicht nur an der Peripherie mohammedanistischer Herrschaft hin und wieder mal eine Darstellung eines menschlichen Körpers oder ein Portrait. Aber auch die im Internet sichtbaren Exponate der Ausstellung (auch die westlicher Künstler) sind ja ganz überwiegend nicht-figürlich (5), es geht bei der Masse der Exponate wie gehabt um Kalligrafie und Ornamentik. Vor etlichen Jahren hatte ich Kontakt zu verschiedenen Künstler- und Ateliergruppen, deren orientalische Mitglieder ebenfalls ausnahmslos nicht-figürlich arbeiteten. Die Gewagtesten unter ihnen waren Landschaftsmaler, und auch mir als Laien fiel auf, daß die gemalten Landschaften nie auch nur eine einzige beseelte Kreatur beherbergten (siehe auch 6).

Diese mohammedanistischen Prinzipien werden in der Ausstellung fortgeschrieben und sollen mutmaßlich in die Vorstellungen des westlichen Publikums implementiert werden. Das Mittel ist einmal mehr das seit langem bekannte und immer wieder erfolgreiche der Usurpation (7). „Die Aussteller wollen Verbindungen herstellen zwischen künstlerischen und philosophischen Gestaltungsprinzipien der klassischen islamischen Kunst und Werken der Moderne,“ weiß die „Deutsche Welle“ (8). Aber diese Behauptung minimiert „die Moderne“ auf einen winzigen Aspekt moderner, bildender Kunst. Sie verkennt, daß wesentliche Aufgaben, die einstmals exklusive Aufgaben der bildenden Kunst waren, nunmehr von Fotografie, Film oder Computerspiel aufgenommen werden, die ebenso (überwiegend figürlicher) Teil der Moderne sind wie die Malerei usw. Sie verkennt m.E. auch die Vielfalt moderner, bildender Kunst und Bildhauerei, die keinesfalls unter dem Begriff „Kalligrafie und Ornamentik“ oder „nicht-figürlich“ zu subsummieren sind (von Picasso über Helnwein zu Giger: kommerziell und stilistisch äußerst erfolgreiche „figürliche“ Künstler neben ebenso erfolgreichen „abstrakten“ wie Pollock, Serra usw. demonstrieren vor allem das eine Hauptthema der Moderne: die FREIHEIT). Michael Mayer (9): „Wenn der Islam wie auch das Judentum und nicht zuletzt das Christentum – unbenommen aller Binnendifferenzierungen zwischen den drei abrahamitischen Buchreligionen –, wenn der Monotheismus als Ganzes im Verbot gründet, sich ein Bildnis Gottes zu machen, gründet er auch im Wissen, dass dieses Verbot nur möglich ist im und als Bild. Auf grandiose, erregende, faszinierende Weise reagierten und reagieren islamische Künstler auf genau diese Dialektik, die, wieder unter anderen Vorzeichen, die Moderne kennzeichnet.“ Was für ein grandioser Schwachsinn, einzig geleitet von dem Interesse, den Mohammedanismus als mit Judentum und Christentum, mit der Moderne, dem Westen ähnlich, verbunden und gleich zu erklären. Mehr noch, der Westen erscheint in Mayers Darstellung als dasjenige Subjekt, welches sich nun endlich im 21. Jahrhundert dem nähert, was die „islamischen Künstler“ seit jeher auf  “erregende, faszinierende Weise“ kennzeichnet.

Michael Mayer ist jedoch mehr als ein Dimmi, er ist ein Ork-Agent, und er hat seinen Auftrag begriffen. Er schreibt: „… ist eine Ausstellung, die die VERMEINTLICHE Homogenität des SOGENANNTEN „christlichen Europa“ als ein KONSTRUKT denunziert, das nicht nur SONNTAGSREDEN ziert, sondern latent auch BÜRGERKRIEGE nährt.“ Die Vorstellung („Konstrukt“) eines „homogenen“, nach Ansicht Mayers nur angeblich „christlichen Europas“, macht Mayer als Ursache für zu erwartende Bürgerkriege verantwortlich, die zur Vermeidung eben dieser „DENUNZIERT“ werden muß. Selten deutliche Worte eines Orks: „Es lebe der DENUNZIANT“. Dass dem Westler hingegen tatsächlich eine einzigartige Homogenität bzw. Beschränktheit MOHAMMEDANISTISCHER Kunst um die Ohren gehauen wird, dass wir angehalten werden, Beschränktheit und Unfreiheit als Tugend zu begreifen, korrespondiert hier mit der subtilen Unterstellung, das Christentum sei für Bürgerkriege und Terror verantwortlich. Das ist angesichts der grausamen Realität in den mohammedanistischen Staaten und den vom Mohammedanismus seit Jahrhunderten in immer gleicher Manier angezettelten Bürgerkriegen an allen seinen Grenzen mehr als infam, es ist SATANISCH!

Time am 24. November 2009

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(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Ha’atelier , eine offensichtliche Unterwanderungsorganisation, die an keiner Stelle mohammedanistische Prinzipien hinterfragt. Im Beirat sitzt außer ein paar Alibijuden übrigens auch NAVID KERMANI („Hess.-Kulturpreis-Affaire“). Der Titel der Organisation soll übrigens eine Anlehnung an die israelische Zeitung Ha’aretz symbolisieren.

(2) http://www.allianz-kulturstiftung.de/projekte/bildende_kunst/taswir_2009/index.html

(3) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/11/20/iran-schafft-sechs-sieben-somalias/

(4) http://www.tagesspiegel.de/kultur/ausstellungen/Taswir-Islam-Mitte;art2652,2940491

(5) z.B.: http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-48423.html

(6) http://muslima.mu.funpic.de/Artikel/Teller_Bilder.pdf

(7) z.B.: http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/08/27/mohammedanistische-diabetiker/

oder: http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/09/18/die-judenverschworung/

(8) http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4864135,00.html

(9) http://www.artnet.de/magazine/reviews/mayer/mayer11-11-09.asp

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Ergänzung 16.12.09: Es geht auch anders als sich anzuschleimen. Figurative Malerei in der „Höhle des Löwen“ unter http://de.qantara.de/webcom/show_article.php/_c-469/_nr-1129/i.html

Iran hat fertig

23. November 2009

Häufiger Gastautor in der FAZ ist der ehemalige Ministerialdirektor im Bundesverteidigungsministerium Dr. Hans Rühle. Vor drei Tagen vertrat er in einem umfangreichen Artikel die Auffassung, daß Iran im Prinzip schon jetzt jederzeit bereit sei, Atomraketen auf den Weg zu bringen. Der Aufsatz bringt einen spannenden Überblick über die Finten der iranischen Nazislamisten und lässt keinen Zweifel daran, daß das Hauptziel des iranischen Atomprogramms die Produktion von Atomraketen ist.

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Was der Iran schon kann

Der Auftritt war wie immer gut inszeniert. Der amerikanische Präsident Obama nutzte das am 25. September beginnende Gipfeltreffen der G-20-Staaten in Pittsburgh als Bühne, um das Regime in Iran wegen seines Atomprogramms öffentlich unter Druck zu setzen. Flankiert von Premierminister Brown und Präsident Sarkozy, gab der amerikanische Präsident bekannt, dass Iran schon „vor einigen Jahren in der Nähe von Ghom eine geheime Anlage zur Anreicherung von Uran gebaut hat“. Größe und Beschaffenheit dieser Anlage seien „unvereinbar mit einem friedlichen Programm“.

Entsprechende Beweise hätten die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich tags zuvor der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien übergeben, erläuterte Obama. Am 21. September war bei der IAEA ein Schreiben eingegangen, in dem Iran mit kryptischen Formulierungen den Bau einer neuen „Versuchsanlage“ zur Anreicherung von Uran anzeigte. Diese Mitteilung veranlasste die amerikanische Regierung, in die Offensive zu gehen. Dennoch wirkte ihre diplomatische Betriebsamkeit etwas künstlich. Kennern der Materie war klar, dass die Vereinigten Staaten schon seit Jahren Kenntnis von dieser Anlage in der Nähe von Ghom hatten. Deshalb schien zunächst schwer verständlich, warum Obama gerade die Tagung von Pittsburgh gewählt hatte, um sich mit diesen Informationen an die Öffentlichkeit zu wenden. Doch inzwischen gibt es noch immer streng geheime Fakten, die das erklären könnten.

Der amerikanische Präsident brauchte einen antiiranischen Eklat, um dahinter neue, brisante Erkenntnisse dreier Geheimdienste über den Stand des iranischen Atomprogramms noch für eine gewisse Zeit verbergen zu können: Iranischen Wissenschaftlern ist es gelungen, einen Atomsprengkopf für die Mittelstreckenrakete Shahab-3 mit Erfolg „kalt“ zu testen. Mit anderen Worten: In einem Originalgefechtskopf, bei dem man nur den Kern aus spaltbarem Material durch eine Attrappe ersetzt hatte, konnte ein echter Zündvorgang ausgelöst werden. Die Zündung eines auf dem Implosionsprinzip beruhenden Gefechtskopfes ist der schwierigste Schritt beim Bau einer Atomwaffe. Ist dieser „kalte“ Test bestanden, dann ist der Weg zur Bombe nur noch eine Frage von Tagen – vorausgesetzt, das dafür nötige spaltbare Material, also hochangereichertes Uran oder waffenfähiges Plutonium, ist in ausreichender Menge vorhanden. Das dürfte in Iran der Fall sein.

Die Beurteilung des iranischen Atomprogramms durch die amerikanischen Geheimdienste in dem „National Intelligence Estimate“ (NIE) kam im Jahr 2007 zu dem Ergebnis, dass bis 2003 in geheimen Anlagen Uran mit dem Ziel der Waffenfähigkeit angereichert worden sei. Wie die CIA im April 2008 in einem Hintergrundgespräch berichtete, soll die Anreicherung sogar ohne Unterbrechung andauern. Fachleute sind sich weitgehend einig, dass in Iran tatsächlich hochangereichertes Uran in geheimen Anlagen hergestellt wurde und wird. Das hieße auch, dass die von der IAEA kontrollierte Anreicherungsanlage in Natans nie für die Produktion von hochangereichertem Uran vorgesehen war; die dortige Herstellung von schwach angereichertem Uran wäre demnach nur Teil eines großangelegten Täuschungsmanövers.

Um diese Informationen richtig einordnen zu können, empfiehlt sich ein Blick nach Pakistan. Als dort 1987 ein Implosionsgefechtskopf einen „kalten“ Test bestand, war das Land nach dem Selbstverständnis seiner Regierung eine Atommacht geworden – auch wenn es noch Jahre dauern sollte, bis man dies öffentlich zugab und es der Welt noch viel später durch „heiße“ Tests bewies. Pakistan tat den entscheidenden Schritt zur Nuklearmacht – „crossed the line“, wie der pakistanische Generalstabschef jener Jahre es später formulierte – mit einem erfolgreichen „kalten“ Test des Gefechtskopfes und in dem Wissen, über genügend spaltbares Material für eine Atomwaffe zu verfügen.

Ein Versuch, die neuen Erkenntnisse über das iranische Atomprogramm zu bewerten, führt in das Jahr 2002. Damals wies die Exilorganisation „Nationaler Widerstandsrat“ (National Council of Resistance on Iran, NCRI) in Paris erstmals auf die unterirdische Urananreicherungsanlage in Natans und den Bau eines Schwerwasserreaktors in Arak hin. Die IAEA griff die Informationen auf und stellte eigene Untersuchungen an, denn mit den geheimgehaltenen Vorgängen hatte Iran den Nichtverbreitungsvertrag verletzt. Das Regime bestritt indes die Vorhaltungen und begann sofort, wichtige Teile des Programms durch umfassende Tarnmaßnahmen oder eine radikale Zerstörung der weiteren Beobachtung zu entziehen.

In einem Bericht vom November 2004 führte die IAEA alle Verletzungen des Nichtverbreitungsvertrags auf und stellte fest, die Zusammenarbeit mit Iran zur Aufklärung der Vorwürfe von 2002 sei gekennzeichnet gewesen von „massiven Vertuschungsmaßnahmen, irreführenden Informationen und mutwilligen Verzögerungen beim Zugang der IAEA zu nuklearem Material und entsprechenden Anlagen“.

Das beste Beispiel dafür waren die Vorgänge rund um die Industrieanlage der „Kalaye Electric Company“ am Stadtrand von Teheran. Von Iran offiziell als „Uhrenfabrik“ ausgewiesen, war Kalaye vom NCRI als Anlage identifiziert worden, in der heimlich Uran angereichert werde. Eine von der IAEA verlangte Inspektion wurde zunächst verweigert. Als die Inspektoren der IAEA Kalaye endlich betreten durften, war der Komplex vollständig „renoviert“ worden. Die Räume waren leer, man hatte neue Böden und Wände eingezogen und die Erde in der Umgebung abgetragen und ersetzt. Nichts deutete mehr auf den früheren Verwendungszweck der Räume hin.

Die IAEA-Inspekteure nahmen Proben, und sie wurden auch fündig: In den Räumen war tatsächlich Uran angereichert worden. Mehr noch, es handelte sich nicht nur um reaktorfähiges Uran mit einem Anreicherungsgrad von 3,5 bis fünf Prozent, sondern eindeutig um hochangereichertes Uran (36 bis 70 Prozent U 235). Offenbar hatte man in der Fabrik mit waffenfähigem Uran hantiert, auch wenn das Uran, das heute beim Bau von Atombomben verwendet wird, auf etwa 90 Prozent angereichert wird. Um den Vorwurf zu entkräften, die höhere Anreicherung selbst vorgenommen zu haben, behauptete die iranische Führung, die von der IAEA dokumentierten Ergebnisse beruhten auf „Verunreinigungen“, die dem Vorbesitzer der Gaszentrifugen anzulasten seien. Diese Ausflucht war insofern bemerkenswert, als das Regime lange Zeit behauptet hatte, die Zentrifugen selbst hergestellt zu haben. Nun gab es zum ersten Mal den früheren Besitzer an – Pakistan.

Noch radikaler ging das Regime im Fall der Anlage von Lawisan-Schian vor. Der Nationale Widerstandsrat hatte angegeben, es werde dort auch Uran angereichert. Erste kommerzielle Satellitenaufnahmen der Firma Digital Globe zeigten einen großen, besonders gesicherten Komplex. Ein halbes Jahr später, und noch ehe die Inspektoren der IAEA Zugang erhielten, war der gesamte Komplex verschwunden. Die Erde unter den Anlagen und in der unmittelbaren Umgebung war metertief abgetragen worden, einschließlich aller Pflanzenreste. Spätere Untersuchungen durch die Wiener Behörde ergaben keine Auffälligkeiten. IAEA-Generaldirektor El Baradei sah sich aber zu der Aussage veranlasst, die Methoden seiner Behörde hätten in diesem Fall nicht ausgereicht, um zu eindeutigen Ergebnissen zu kommen.

Für die IAEA war die Erkenntnis, dass Iran schon 1985 mit dem Aufbau eines geheimen Atomprogramms begonnen hatte, ein schwerer Schlag. Dennoch war die Behörde äußerst zurückhaltend, diesem Programm eine militärische Bedeutung zuzuschreiben. Das lag zum einen daran, dass viele Vorgänge weiterhin im Dunkeln lagen und andere, inzwischen bekannte Anlagen nur begrenzt zugänglich waren. Zum anderen hatte die IAEA, die über keine eigenen Aufklärungsmittel wie etwa Satelliten verfügt und auch keinen direkten Zugang zu den Erkenntnissen der nationalen Geheimdienste hat, nur einen begrenzten Wissensstand.

Es blieb den Vereinigten Staaten vorbehalten, in den Vorgängen Elemente eines Atomwaffenprogramms zu erkennen. Im National Intelligence Estimate (NIE) aus dem Jahr 2007 wird festgestellt, dass es in Iran bis zum Herbst 2003 mit hoher Wahrscheinlichkeit ein umfassendes militärisches Atomprogramm gegeben habe. Nicht dazugerechnet wurden die inzwischen bekannten Teile des zivilen Programms in Natans (Anreicherung) und Isfahan (Konversion). Daraus lässt sich schließen, dass das geheime militärische Programm über mindestens eine zusätzliche Anlage zur Anreicherung und zur Konversion von Uran verfügt haben muss. Doch dieser Aspekt schien nach der Veröffentlichung des Berichts kaum einer Nachfrage wert.

Der Grund dafür war die Aussage des NIE, das militärische Nuklearprogramm sei 2003 gestoppt und in den folgenden Jahren wahrscheinlich nicht wiederaufgenommen worden. Diese Aussage war nicht nur politisch motiviert, sondern auch weniger präzise, als es zunächst den Anschein hatte. Wegen einiger unglücklicher Formulierungen blieb unklar, in welchem Umfang das militärische Programm gestoppt worden sei und unter welchen Bedingungen es wiederaufgenommen werden könne. Daher sah sich die CIA veranlasst, in einem Hintergrundgespräch am 24. April 2008 darauf hinzuweisen, dass Iran ein geheimes Anreicherungsprogramm zur Produktion von waffenfähigem Uran gehabt habe und dieses auch weiterhin betreibe. Mehr noch: Der im NIE des Jahres 2007 erwähnte Stopp des Programms beziehe sich nur auf die Herstellung eines Gefechtskopfs – „one narrow piece“ im Gesamtprogramm.

Diese Klarstellung, die wesentliche Teile des NIE von 2007 korrigierte, kam nicht völlig überraschend. Inzwischen waren Details der Aussagen eines Überläufers, des früheren stellvertretenden iranischen Verteidigungsministers und ehemaligen Kommandeurs der Revolutionsgarden, General Asghari, durchgesickert. Asghari soll unter anderem von einer geheimen Anreicherungsanlage in der Nähe von Natans berichtet haben. Das hatten zuvor zwar schon andere Überläufer und auch die Exilorganisation NCRI behauptet; solche Aussagen galten aber zunächst als wenig belastbar.

Die Verfasser des NIE hatten ihre Einschätzung mit dem Hinweis begründet, dass den Geheimdiensten nach jahrelanger Vorarbeit im Sommer 2007 eine „cyber invasion“ gelungen sei. Sie hätten in das Computersystem der iranischen Atomplaner eindringen können, mehrere Wochen Gespräche mitgehört und auf ihren Bildschirmen die Laboreinrichtungen iranischer Ingenieure gesehen. Immer wieder sei auf dieser Ebene darüber geklagt worden, dass die politische Führung das Waffenprogramm 2003 eingestellt habe.

Die Briten protestierten vehement, als befreundete Geheimdienste die Gelegenheit erhalten hatten, die nicht veröffentlichte Langfassung des 140 Seiten umfassenden Berichts einzusehen. Nicht amerikanischen Geheimdiensten, sondern ihnen sei die „cyber invasion“ gelungen; das amerikanische Material sei also aus zweiter Hand. Darüber hinaus hätten die amerikanischen Geheimdienste die Erkenntnisse auf unannehmbare Weise überinterpretiert. Ein Stopp des militärischen Nuklearprogramms könne auf der Grundlage dieses Materials nicht belegt werden. Der Bundesnachrichtendienst und die Franzosen schlossen sich dieser Auffassung an. Auch Israel widersprach der amerikanischen Einschätzung. Anlässlich seines letzten Besuchs in Israel wurde Präsident George W. Bush eindringlich vor Augen geführt, dass das iranische Atomwaffenprogramm uneingeschränkt weitergehe.

Vor diesem Hintergrund ist der Auftritt Obamas am 25. September in Pittsburgh zu sehen. Die Existenz einer geheimen Anreicherungsanlage in der Nähe von Ghom war ihm seit längerem bekannt. Die Präsidentschaftskandidaten waren im September 2008 vom Chef aller 16 Geheimdienste, Mike McConnell, über die internationale Lage informiert worden. Im Zentrum stand dem Vernehmen nach die Situation in Iran. Obama soll gefragt haben, wie viel Zeit ihm für eine diplomatische Lösung noch bleibe. Ein zweites Briefing mit weiteren Informationen fand 36 Stunden nach Obamas Wahlsieg statt. Weil sich Obama auch im Fall Iran für eine Politik der ausgestreckten Hand entschied, wollte er aber offenbar alles vermeiden, was seine Regierung politisch oder gar militärisch unter Zugzwang setzte.

Den Brief der iranischen Regierung vom 21. September, in dem sie den Bau der Anreicherungsanlage in Ghom angezeigt hatte, konnte der Präsident aber nicht ignorieren. Denn in den zurückliegenden Monaten hatten sich die Informationen über ein geheimes iranisches Atomwaffenprogramm weiter verdichtet. Sichtbar wurde dies vor allem an dem nur mühsam unterdrückten Streit über den Iran-Bericht der IAEA vom 28. August. Wie üblich schrieb der Bericht zwar die Zahl der in Natans installierten Zentrifugen und die vorhandene Menge schwach angereicherten Urans fort, doch den Schwerpunkt bildete das Kapitel mit der Überschrift „Possible Military Dimensions“.

In dem Bericht hieß es, Iran habe es bisher versäumt, die erheblichen Zweifel zu entkräften, dass „sein Atomprogramm ausschließlich friedlicher Natur ist“. Die Erkenntnisse, die der Wiener Behörde in den zurückliegenden Monaten zur Verfügung gestellt worden waren, werden aber weder in diesem Bericht noch in dem Dokument vom 16. November angemessen berücksichtigt. Der Bericht im August setzte sich allerdings etwas ausführlicher mit den Fakten auseinander, die sich aus der Analyse des sogenannten „Laptop of Death“ ergeben.

Im Jahr 2003 hatte ein ehemaliger iranischer Offizier dem Bundesnachrichtendienst einen tragbaren Computer zugespielt, auf dessen Festplatte mehr als 1000 Seiten in Farsi über das iranische Atomprogramm gespeichert waren. Der BND reichte den Laptop unverzüglich zur Auswertung an die CIA weiter. Als besonders brisant erwiesen sich die Anleitung zum Bau einer unterirdischen Anlage für Atomtests – die wohl nicht zufällig in ihren Dimensionen der Versuchsanordnung für die pakistanischen Tests von 1998 entsprach -, ein vollständiges Design für eine kleinere Anlage zur Produktion von Uranhexafluorid sowie Studien über Form und Struktur eines Atomsprengkopfes für die iranische Rakete Shahab-3.

Diese Informationen wurden der IAEA schon 2005 übergeben. Nach ihrer Auswertung war klar, dass Handlungsbedarf bestehe. Doch die Vereinigten Staaten hatten aus Gründen des Informantenschutzes verlangt, dass Iran erst nach drei Jahren mit diesen Erkenntnissen konfrontiert werden dürfe. Anfang 2008 schließlich forderte die IAEA die Regierung in Teheran auf, 18 Dokumente, die allesamt auf ein alternatives, vom Militär gesteuertes Atomwaffenprogramm hindeuteten, zu kommentieren. Das Regime gab zwar zu, dass der Inhalt einiger Dokumente korrekt sei; doch in allen entscheidenden Fragen lautet die Antwort, es handele sich um „Fälschungen“. Bis heute wird jede weitere Auskunft verweigert.

Waren schon die auf dem Laptop gespeicherten Dokumente entlarvend, so gilt das erst recht für die jüngsten Erkenntnisse, über die die Wiener Behörde verfügt, ohne von ihnen Gebrauch zu machen. Dazu gehören Informationen über den „kalten“ Test eines auf dem Implosionsprinzip beruhenden Gefechtskopfs oder der Hinweis, dass sich ein bekannter russischer Gefechtskopf-Spezialist in Iran aufhalte. Die IAEA nimmt solche Erkenntnisse aber nur in ihre Berichte auf, wenn die Geheimdienste die Fakten zur Verfügung stellen. Die Dienste sind aus gutem Grund aber nicht bereit, ihre Quellen preiszugeben. Als Organisation der Vereinten Nationen ist die IAEA eine offenes Haus, in dem alle Nationen Sitz und Stimme haben. Deshalb kann es dort keine Vertraulichkeit geben.

Immerhin haben Mitarbeiter der IAEA einen geheimen Bericht über „mögliche militärische Dimensionen“ des iranischen Nuklearprogramms“ verfasst. Obwohl diese Zusammenstellung auf 67 Seiten in den entscheidenden Passagen eher zurückhaltende Formulierungen enthält, lässt sie nur den Schluss zu, dass es in Iran ein umfassendes Waffenprogramm gibt. Lapidar heißt es in dem Bericht: „Die IAEA nimmt an, dass Iran über genügend Informationen verfügt, um einen wirksamen, auf angereichertem Uran basierenden Implosions-Gefechtskopf . . . herzustellen.“

Die geheime Anlage zur Urananreicherung bei Ghom wurde Ende Oktober von der IAEA inspiziert, dennoch bleiben bisher viele Fragen unbeantwortet. Nach dem Treffen ranghoher Vertreter der fünf ständigen Mitglieder im UN-Sicherheitsrat und Deutschlands mit einer iranischen Delegation in Genf wird weiter um den Beginn von Verhandlungen über das Atomprogramm gerungen. Der amerikanische Vorschlag, eine größere Menge schwach angereicherten iranischen Urans in Russland und Frankreich weiter anzureichern und zu Brennelementen für einen alten iranischen Forschungsreaktor zu verarbeiten, hat die Aufmerksamkeit auf einen anderen Aspekt des Atomprogramms gelenkt. Was immer aus dieser Initiative werden sollte, angesichts der Fortschritte, die Iran inzwischen beim Bau einer Nuklearwaffe erreicht hat, bleibt sie nur eine Marginalie.

Denn nach dem erfolgreichen „kalten“ Test eines Implosionsgefechtskopfes hat das Regime die Fähigkeit, eine Bombe zu bauen. Es kann nicht einmal ausgeschlossen werden, dass schon einige Nuklearwaffen produziert worden sind. Das hätte eigentlich die Botschaft des letzten IAEA-Berichts sein müssen. Die fünf ständigen Mitglieder im Sicherheitsrat und Deutschland kaschieren dies durch die informelle Aufforderung an die IAEA, die Informationen über einen möglichen „kalten“ Test in Gesprächen mit Vertretern Irans aufzuklären. Das ist ein Unterfangen, das Jahre dauern kann.

Doch so viel Zeit wird Obama nicht haben. Die Fakten lassen sich auf Dauer nicht bestreiten. Irgendwann wird der UN-Sicherheitsrat nicht um die Feststellung herumkommen, dass das iranische Nuklearprogramm militärischer Natur ist und eine massive Verletzung des Nichtverbreitungsvertrages darstellt. Dann könnten schärfere Sanktionen verhängt oder geeignete Maßnahmen (auch militärische) beschlossen werden, um die Störung der internationalen Ordnung zu beseitigen. Oder will man etwa auf die Israelis warten?

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Tja liebe Juden, ich hoffe Sie sind bereit, mal wieder die Kastanien für uns aus dem Feuer zu holen…

Time am 23. November

Auch Faschisten können mal Recht haben

22. November 2009

Die heutige FAZ:

„… veröffentlichte die Zeitung ‘El País’ Auszüge aus den Tagebüchern Mussolinis, die seine Geliebte Claretta Petacci verwahrt hatte und die jetzt in Buchform auf den Markt kommen. Darin wird der Duce mit diesen wenig schmeichelhaften Worten über die Spanier und ihren Caudillo zitiert: ‘Franco ist ein Idiot. Die Spanier sind apathisch, gleichgültig und haben viel von den Arabern. Sie haben Spanien bis 1480 beherrscht. Acht Jahrhunderte islamischer Dominanz. Hier ist der Grund, warum sie so viel essen und schlafen.’“

Diese Bemerkung hebt sich doch sehr wohltuend von der blinden Mohammedanisten-Begeisterung monarchistischer und nationalsozialistischer Kreise seinerzeit in Deutschland ab (1) – wiewohl der „Duce“ (Führer, 2) im Gegensatz zu „El Caudillo“ (Führer) Franco (3), der sein Land 36 Jahre lang diktatorisch im Würgegriff halten konnte, schon 1945 erschossen wurde. Vor ihm erschossen wurde Claretta Petacci (4), die nur eine von mehreren Geliebten des Scheusals war, und über die Wiki Anrührendes zu berichten weiß: „Als Mussolini gefangen genommen wurde, gab man Clara Petacci die Möglichkeit zur Flucht, aber sie lehnte ab und versuchte hingegen, ihn mit ihrem Körper vor den Kugeln zu schützen. Mussolini wurde kurz nach ihr erschossen.“

Nicht nur Faschisten werden hin und wieder geliebt, diese edelste aller Emotionen soll bisweilen sogar bei Mohammedanisten zu beobachten sein. Ayaan Hirsi Ali (5) suchte Familienmitglieder in einem Flüchtlingslager und erlebte folgende Szene:

„Mahamed sagte, Mahamuuds Frau sei ganz in der Nähe, und den Kindern gehe es gut. Er nahm seinen Bruder beim Arm, und wir gingen weiter. Mahamuuds Frau sah ihn schon von weitem und lief uns entgegen, um uns zu begrüßen. Als sie sich ihm in die Arme warf, brach sie in Tränen aus. Es war erste Mal, daß ich ein somalisches Ehepaar seine Liebe so offen zeigen sah. Sie umarmten sich, streichelten einander das Gesicht, weinten und ließen nicht los. Die Kinder kamen herbeigerannt und klammerten sich an die beiden. Es war ein sehr anrührender Moment der Freude und der Tränen, und Mahamed und ich wandten uns taktvoll ab.“

Ich möchte behaupten, daß der Counterjihad nicht in erster Linie ein Kampf gegen Menschen ist, sondern vor allem einer gegen eine bösartige Ideologie, die Menschen dazu bringt, Böses zu tun und dies für Gutes zu halten. Aber Menschen sind wir natürlich alle miteinander, und am Ende wartet auf uns alle der Sarg (Dem „Caudillo“ ließ die Familie übrigens 1975 nach einem Herzinfarkt gemäß dem Motto „genug ist genug“ die lebenserhaltenden Maschinen abstellen).

Auch wenn manche Mohammedanisten wissen, was Liebe ist, ist der Mohammedanismus gleichwohl eine Ideologie des Hasses, des Hasses auf sich selbst und des Hasses auf alle anderen, auf alles, was lebt, auf alles was ist – die stärkste und eindeutigste Manifestation aller Zeiten des Nihilismus und der Angst. Ali Sina (6): „But how can you move an inch if you are paralyzed by the fear of hell? That psychopath did a pretty good job on his followers. They are reduced into zombies unable to think on their own. It is fear that paralyzes you.“

Ex-Mohammedanist Ali Sina hat Religion von ihrer schaurigsten Seite kennengelernt, ich die christliche hingegen von ihrer freundlichsten durch meine liebevollen Eltern. Ich habe keine Angst, weder vor den läppischen Killer-Orks, noch vor Gott, der mich liebt, der meine Mühe sieht, und der mir meine Fehler vergibt. GOTT führt uns in die FREIHEIT!

Time am 22. November 2009

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(1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/10/18/wir-brauchen-die-turkei/

—  http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/02/nazislamisten/

(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Mussolini

(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Franco

(4) http://de.wikipedia.org/wiki/Clara_Petacci

(5) Ayaan Hirsi Ali, „Mein Leben, meine Freiheit“, Piper 2006, S. 221

(6) http://www.faithfreedom.org/islam/protecting-feelings-muslims

Die Orks verdienen keine Demokratie

21. November 2009

Heute brachte die FAZ einen wie stets exzellenten Bericht von Friederike Böge aus Kundus:

Wir  sind da

Wie es sich in Kundus lebt, das weiß auch die Bundeswehr nicht. Nur gepanzert wagt sie sich aus ihrem Lager in die Stadt. Unsere Autorin hat zwei Jahre dort gewohnt. Nun ist sie noch einmal zurückgekehrt – zwischen alle Fronten.

Als ich vor fünf Jahren nach Kundus zog, war die Stadt ein verschlafenes Nest mit Schlammstraßen, auf denen sich bunt geschmückte Kutschen durch Schlaglöcher quälten. Überall wurde gebaut, kleine Geschäfte öffneten, Flüchtlinge kehrten zurück, Zukunft lag in der Luft. Im Hotel „Kundus“ fanden regelmäßig Bürgerversammlungen statt, in denen über die Parlamentswahl diskutiert wurde, den Karikaturenstreit, die Hochwasserprävention. Bis auf die Rufe der Mullahs morgens um fünf war es so ruhig, dass viele Deutsche, die mit der Bundeswehr oder den Hilfsorganisationen kamen, spöttisch von Bad Kundus sprachen. Ich hätte nie gedacht, dass ich hier einmal von tieffliegenden Kampfflugzeugen geweckt werden könnte. So wie heute Morgen um drei.

Die Stadt, die ich vor drei Jahren verlassen habe, ist heute Frontstadt in einer Provinz, die einem Kriegsgebiet gleicht. Fast wöchentlich werden Soldaten der Bundeswehr angegriffen, und gerade sollen bei einer Offensive der afghanischen Armee und amerikanischer Spezialeinheiten hundertdreißig Taliban getötet worden sein. Nur in gepanzerten Fahrzeugen wagen sich die Deutschen, deren Lager wie ein Ufo auf einem Hügel über der Stadt sitzt, noch durch die Stadt, die sie schützen wollten.

Sie fahren vorbei am Südtor von Kundus, wo der Polizeiposten mit Sandsäcken zu einer kleinen Festung umgebaut ist. Vorbei an der Baumwollfabrik, welche die Stadt in den sechziger Jahren groß gemacht hat und wo heute Arbeiter träge in den Gängen warten. Auf der Hauptstraße geht es zum Verkehrskreisel, auf dem ein Polizist zwischen Autos und Motor-Rikschas steht. Die Eiscremeläden, in denen indische Musikvideos laufen, sind abends in pinkfarbenes Neonlicht getaucht, es sei denn, es ist Stromausfall. Auf dem Bürgersteig schweißen Jungs ohne Schutzkleidung Eisentore zusammen. Geldhändler wedeln mit Dollarbündeln, es gibt Hochzeitsschmuck, chinesische Billigschuhe, Plastikstühle, Teppiche, und in den Gassen dahinter reihen sich die Häuser, Lehmmauer an Lehmmauer. Es wirkt, als habe sich die Stadt seit meiner Abreise kaum verändert.

Als ich in Kundus lebte, arbeitete ein junger Mann für mich als Übersetzer. Er war einer derjenigen, die sich damals auf die Leute aus dem Westen eingelassen haben. Jetzt soll ich ihn in dieser Geschichte Mirwais Amiri nennen, weil er Angst hat, seinen richtigen Namen zu tragen. Wir treffen uns bei ihm, in einem Gehöft am Stadtrand mit Ziehbrunnen und Hühnern. Eine Schwester bringt Tee und Mandeln, und Mirwais erzählt, wie er vor ein paar Tagen auf dem Markt war und Ketchup kaufte. Aus Versehen sei ihm die Flasche heruntergefallen und zerbrochen. Als er sie trotzdem bezahlen wollte, hielt ihn eine Frau zurück. „Du kannst die Tomatensoße nicht benutzen“, sagte sie, „also brauchst du sie nicht zu bezahlen.“ Dann habe sich eine andere eingemischt und gesagt: „Lass den ruhig zahlen, der hat genug Geld, der arbeitet für die Ausländer.“

Mirwais lacht, er lacht darüber, dass er nicht wusste, wer die Frau war, sie trug eine Burka, dass aber sie wusste, wer er war. Eigentlich ist die Geschichte aus genau diesem Grund gar nicht witzig. Seit Monaten geht er jeden Morgen mit Büchern unter dem Arm ins Büro, damit die Leute denken, er sei Student, dabei arbeitet er für eine deutsche Hilfsorganisation. Freunden, die davon wussten, hat er erzählt, er habe gekündigt. Diese Angst, mit Ausländern in Verbindung gebracht zu werden, kannte ich von früher nicht. Sie kam erst, als die Taliban in der Provinz Kundus wieder Fuß fassten.

Mirwais legt eine DVD in den Recorder. Auf dem Bildschirm erscheint ein junger Mann, Schnauzbart, Seitenscheitel, Hemd und Bundfaltenhose. Er läuft die Hauptstraße von Kundus hinunter, vorbei an Kebabständen, Frauen in weißen Burkas, reisigbeladenen Kamelen und Männern mit beigefarbenen Pluderhosen, die in Plastiksandalen dahinschlappen. Der Film ist ein Dokument für die kulturelle Verwirrung eines Übersetzers, der sich zwischen zwei Welten bewegt. Der Mann auf dem Bildschirm ist Mirwais selbst. Er hat seinen Bruder gebeten, ihn zu filmen, weil Verwandte ihm vorgeworfen hatten, sein Gang sei arrogant geworden, seit er mit Deutschen zusammenarbeite. „Ich gehe doch ganz normal“, sagt er.

Mirwais gehört zur neuen Elite von Kundus, die mit der Präsenz von Bundeswehr und Hilfsorganisationen entstanden ist. Sie suchten junge, unbelastete Mitarbeiter, die Englisch sprachen und einen Computer bedienen konnten, und weil das nur wenige waren, stiegen deren Gehälter rasch und veränderten das soziale Gefüge ganzer Familien. Mit neunzehn Jahren verdiente Mirwais sechsmal so viel wie sein Vater, der Lehrer war. Um diese Demütigung zu lindern, gab Mirwais das Geld jeden Monat bei seinen Eltern ab. Trotzdem stieg er zum heimlichen Familienoberhaupt auf, Onkel baten ihn nun um Rat und Hilfe. Inzwischen leben von seinem Gehalt zwanzig Verwandte.

In den vergangenen drei Jahren sind die Taliban wieder nach Kundus eingesickert. In diesem Jahr eröffneten sie im Norden eine zweite Front, als sie im Süden und Osten unter Druck gerieten. Außerdem versorgen die Amerikaner ihre Truppen seit Monaten über Kundus, weil die Route über Pakistan unsicher geworden ist. Damit hat die einst isolierte Provinz für beide Parteien eine neue strategische Bedeutung erlangt. In den paschtunisch besiedelten Distrikten konnten die Taliban alte Netzwerke aktivieren, die ihnen Unterschlupf gewähren. Über Händler aus diesen Distrikten reicht ihr Einfluss bis in die Innenstadt von Kundus, in der sich nun die Stimmung verändert hat.

In der Moschee hört Mirwais die Leute sagen, die Ausländer hätten Menschen wie ihm das Gehirn gewaschen (Interessant, das gewaschene Gehirn mal positiv gewendet: Ein gewaschenes Hirn ist sauber und rein, ein ungewaschenes ist schmutzig, so schmutzig wie die Gedanken des perversen Klohametts, T.), und natürlich haben all seine Begegnungen, die Reisen zu Fortbildungen nach Bonn und Berlin eine Wirkung getan. Wenn Mirwais mit seiner Frau zusammen einkaufen geht, unterhalten sie sich in der Öffentlichkeit. Wenn sie Freunde nach Hause einladen, muss sich seine Frau nicht im Nachbarzimmer verstecken. Das sind Verstöße gegen die Konvention. „Meine Art zu denken hat sich verändert“, sagt Mirwais und klingt wie einer, der sich selbst im Spiegel betrachtet. Eigentlich müsste er seiner Schwester jeden Morgen verbieten, in Jeans zur Schule zu gehen. Das würde sie sogar von ihm erwarten. Aber er nimmt das nicht so ernst. Deshalb hat nun sein jüngerer Bruder diese Aufgabe übernommen.

Der Regisseur Volker Schlöndorff hat einmal beschrieben, wie die Präsenz amerikanischer Soldaten im Deutschland der fünfziger Jahre ihn geprägt habe. „Wir liefen einfach zum Feind über, der sich um kein ,Betreten verboten’ kümmerte, auf Rasen und Blumenbeeten herumkurvte, ein Bein cool aus dem Jeep baumelnd. Die Zivilisation der Amerikaner hatte uns einfach mehr zu bieten als ,das deutsche Erbe’ der Eltern und Lehrer.“ Kann es sein, dass Mirwais fasziniert war von der Zivilisation der Deutschen, in deren Büros Akten und Sitzungstermine mehr galten als Teetrinken und der Respekt vor dem Alter?

Spät, vielleicht zu spät, hat die internationale Gemeinschaft auf die Rückkehr der Taliban reagiert. Sie hatten sich in den Stammesgebieten in Pakistan reorganisiert, während Amerika Al Qaida in Afghanistan gemeinsam mit alten Bürgerkriegsveteranen bekämpfte, die das Land in Schutt und Asche gelegt hatten. Sie halten heute im Parlament, in der Polizei und in den Provinzen wieder alle Fäden in der Hand. Die Korruption, der Machtmissbrauch der eigenen Regierung und die zivilen Opfer bei militärischen Operationen der Ausländer machte die Bevölkerung bald zynisch. Ohne sie aber können die Taliban nicht erfolgreich bekämpft werden. In diesem Umfeld gelingt es radikalen Kräften immer leichter, den Leuten einzureden, ihr Land sei von fremden Mächten besetzt.

Nurulhoda Maulawizada Karimi leitet die Koranschule von Kundus. Der Mullah mit dem wuchtigen Bart weiß, dass Koranschulen im Westen einen üblen Ruf haben, aber das verleitet ihn nur zu einem Scherz. „Wir haben hier 1500 Taliban“, sagt er zur Begrüßung, „Studenten – auf persisch Taliban.“ Er bittet in die Bibliothek, einen Raum voller handgeschriebener Bücher, an dessen Ende ein einzelner Computer steht. Er lobt den Bau von Straßen, Kliniken und Schulen. Doch es habe auch negative Veränderungen gegeben. „Vor allem das Privatfernsehen“, sagt er, „statt zu lernen, gucken unsere Kinder Seifenopern, und die Mädchen tragen Kleider wie indische Schauspielerinnen.“ Die Leute hätten die Bedeutung von Demokratie falsch verstanden. „Sie missbrauchen sie, um halb nackt herumzulaufen.“ Es klingt nicht, als sei Nurulhoda ein Reformer. Er ist es aber.

Vor zwei Jahren hat er die Leitung der Schule übernommen, auf der einige Lehrer noch von den Taliban eingestellt worden waren. Er legt die Hände an die Schläfen, um zu zeigen, wie eingeschränkt deren Blickfeld war. Er setzte Naturwissenschaften und Poesie auf den Plan und ließ das Diskutieren und Moderieren üben statt immer nur den Koran zu rezitieren. Als die Regierung ihm keine neuen Bücher schickte, schloss er kurzerhand einen Sponsorenvertrag mit einem Teehersteller ab. Heute hält er über das Internet Verbindung zu islamischen Lehranstalten in Iran, Ägypten und der Türkei. „Wir wollen an der modernen Entwicklung teilhaben“, sagt er. Wenn es nach ihm ginge, sollte der Westen mit den Religionsgelehrten eine islamische Demokratie in Afghanistan einführen. Um die Rechte der Frauen müsse man sich keine Sorgen machen. Frauenrechte gebe es auch im Koran. Das zeige sich schon daran, dass sie in islamischen Ländern nicht so hart arbeiten müssten wie im Westen.

Es war, als ich vor fünf Jahren nach Kundus kam, um für eine deutsche Hilfsorganisation zu arbeiten, damals viel von Zivilgesellschaft die Rede. Das Wort „civil society“ fehlte selten in Projektanträgen und öffentlichen Reden. Dabei wusste fast niemand so genau, was damit gemeint war. Sprachen die Leute nur „die Sprache der intervenierenden Macht“, um Gelder abzugreifen, wie der Afghanistan-Experte Conrad Schetter einmal schrieb? Hatten westliche Hilfsorganisationen sich von einer kleinen, modernen Elite blenden lassen und dabei die konservative Mehrheit aus dem Blick verloren?

Muslima Waliji ist Chefin der Frauenorganisation „Peace Window for Women“. Sie sitzt in einem großen Büro, in das alle paar Minuten Frauen mit einer Frage oder einem Papier zur Unterschrift kommen. Ihr Sohn und ein Wächter scheinen die einzigen Männer auf dem Gelände zu sein. Waliji hat ihr Kopftuch auf die Schultern rutschen lassen, die Burka hängt neben der Tür. „Die Leute hätten sich Schritt für Schritt dem neuen System genähert“, sagt sie. „Aber dafür brauchten sie Vertrauen und Sicherheit.“ Das Vertrauen in den Staat sei durch Korruption erschüttert worden, und die Gefahr durch militante Kräfte habe die Bereitschaft zu gesellschaftlichem Engagement erstickt.

Muslima Waliji ist schon seit langem eine bekannte Frau in Kundus. Als die Sowjetunion Ende der siebziger Jahre Afghanistan besetzte, wurde sie von den neuen Machthabern zur Leiterin der Behörde für Frauenangelegenheiten in der Nachbarprovinz Takhar ernannt. Manche Einheimische halten ihr den Aufstieg heute noch vor. Trotzdem ließ sie sich, als die Bundeswehr nach Kundus kam, wieder auf ein neues politisches System ein. Nach dem Sturz der Taliban ging sie schon am nächsten Tag in ihre alte Schule, um wieder als Lehrerin zu arbeiten, später gründete sie eine Frauenorganisation. Frauen wie Waliji wurden damals vom Westen gern herumgereicht, weil sie die Hoffnung auf ein anderes Afghanistan verkörperten. Sie wurde zu den Besuchen deutscher Minister geladen, der Name Wieczorek-Zeul geht ihr noch leicht über die Lippen, und sie trat bei Veranstaltungen als Rednerin auf, bei denen sich das lange isolierte Land mit der Welt zu synchronisieren suchte. Damals wurde in Kundus mit viel Aufwand der Tag der Pressefreiheit begangen, der internationale Frauentag, der Tag des Kindes. Es erschien wie ein Fortschritt. Oder wollte das der Westen nur so sehen?

Sayed Faruq Omar ist oberster Richter von Kundus, ein Mann mit einem Spitzbart und einer ironischen Zahnlücke. Sein Haus ist ungewöhnlich schlicht für einen Mann in seiner Position, kahle Räume mit verschlissenen Sitzkissen, ein trostloser Innenhof ohne Blumen. Wie die meisten Regierungsvertreter auf Provinzebene hat Omar gegen die Sowjettruppen gekämpft und später im Bürgerkrieg. Beides tat er unter der Führung von Gulbuddin Hekmatyar, der heute zu den meistgesuchten Terroristen der Welt zählt. Leute wie Omar stellten Bundeswehr wie Hilfsorganisationen vor ein Dilemma. Man wollte und musste mit ihnen zusammenarbeiten, sie waren die afghanische Regierung, und doch wusste man nie , wen man vor sich hatte. Für die anderen mag Sayed Faruq Omar ein Warlord gewesen sein, für mich war er erst einmal mein Chef.

Abends saß er über dem Wörterbuch und lernte Englisch oder brachte sich bei, mit dem Computer umzugehen. Später ging er als vermutlich ältester Student Afghanistans noch einmal an die Universität, um sein Jurastudium abzuschließen. Er bemühte sich, im neuen System seine Stellung zu wahren, und es half ihm, dass er sich mit dem alten auskannte. Als sein Name einmal auf einer Fahndungsliste auftauchte, weil er angeblich Staatsland zu einem Spottpreis erworben hatte und deshalb der Generalstaatsanwalt aus Kabul kam, ihn zu verhaften, warnte ihn örtliche Polizeichef, den er von früher kannte. Die Sache verlief sich, und das Viertel, in dem er damals ein Haus baute, was er heute teuer vermietet, heißt im Volksmund „Rais Abad“, was „Ort der Chefs“ bedeutet. Es ist zu einem Symbol der Korruption in der Regierung geworden. „Hätte ich den Kaufpreis ablehnen sollen, den der Gouverneur angeboten hat“?, fragt Omar. „In unserem Gericht ist doch selbst die Anti-Korruptionsbehörde korrupt.“ Und: „Wer nichts nach Hause bringt, bekommt Ärger mit seiner Frau.“

Als ich noch für Sayed Faruq Omar arbeitete, habe ich nie gefragt, wie es kam, dass er einer von Hekmatyars Milizenchefs wurde. Als ich ihm diese Frage nun stelle, scheint es fast, als habe er darauf gewartet. Er rückt seinen grünen Mantel zurecht und beginnt zu erzählen, streng chronologisch, vier Stunden lang. Auf kritische Nachfragen gibt er fast immer die gleiche Antwort: „Das war damals so.“

Die Söhne, neun und elf sitzen gelangweilt daneben, als Vater vom Krieg erzählt. In den achtziger Jahren hatte er nach Pakistan fliehen müssen, als sein Bruder wegen Mitgliedschaft in einer Widerstandsgruppe vom kommunistischen Geheimdienst verhaftet worden war. In Pakistan traf er dann Hekmatyar, der ihm half, weil er wie Omar aus Imam Sahib kam, einer Kleinstadt im Norden der Provinz Kundus. Er finanzierte ihm ein Jurastudium in Saudi Arabien. Doch als er nach zwei Jahren zurückkehrte, musste er auf einmal kämpfen lernen. „Wir wurden auf einen Workshop des pakistanischen Geheimdienstes geschickt“, sagt Omar, „und konnte wählen zwischen Kursen für Minen legen, Panzerfaust und Kalaschnikow schießen.“ Er sagt tatsächlich „Workshop“ und meint es wohl ironisch. So werden im Volksmund alle Kurztrainingsprogramme genannt, mit denen westliche Hilfsorganisationen das Land überziehen. Ist der Westen in seinen Augen nur eine weitere ausländische Macht, die Afghanistan ihre Werte aufzwingen will?

Stundenlang erzählt Omar über die Kämpfe, die er erst gegen und dann mit dem Usbekenführer Abdul Rashid Dostum, erst gegen und dann mit dem Tadschikenführer Ahmad Shah Massoud, erst gegen die Taliban ausgefochten hat und dann mit ihnen. Damals hatten sie gedroht, seine Heimatstadt anzugreifen, wenn ihnen der örtliche Kommandeur nicht zweihundert Männer stelle. Die undankbare Aufgabe, sie zu führen, sei dann ihm zugekommen, sagt Omar. Beim ersten Schusswechsel seien viele jedoch desertiert, er selbst sei erst gar nicht an die Front gefahren und habe sich bald ins hundert Kilometer entfernte Tadschikistan abgesetzt. Es scheint immer Krieg gewesen zu sein im Leben von Sayed Faruq Omar, aber von den Seitenwechseln kann einem schwindlig werden. Warum hat er denn gekämpft, wenn Gegner und Verbündete nicht mehr zu trennen waren? „Das war damals so“, sagt er.

Eines Tages wird die Bundeswehr aus ihrem Lager über Kundus abziehen. Wenn die Hilfsorganisationen dann nicht mehr sicher sind, werden auch sie gehen. Was wird dann bleiben?

Der Übersetzer Mirwais Amiri wird nach Kabul ziehen müssen, wenn er ohne die Ausländer auf einmal in Gefahr ist in Kundus. Die Frauenrechtlerin Muslima Waliji wird womöglich ihre Frauenorganisation aufgeben und wieder als Lehrerin arbeiten, wie nach dem Abzug der Sowjettruppen. Für den Religionslehrer Maulawi Nurulhoda macht es sicher keinen Unterschied, ob die Deutschen da sind. Und Richter Sayed Faruq Omar wird wohl sagen, das mit der Demokratie und der Idee von einem modernen Staatswesen, das war damals so.

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Ich komme auf meinen Vorschlag „Fort Pointing Man“ (1) zurück: In Afghanistan ist es m.E. das vornehmste Ziel, die Kräfte mohammedanistischer Terroristen aus aller Welt zu binden. Dabei sind die Terroristen auch dann noch Terroristen, wenn sie in Millionenstärke gegen unsere Mauern anrennen sollten oder wenn das ganze afghanische Volk auf ihrer Seite stände.

Deshalb verstehe ich auch weder Mirwais Amiri noch seine deutschen Auftraggeber: Wir erfahren, daß Mirwais große Angst um sein Leben hat. Sie ist so begründet, daß er mit Hilfe einer Videokamera übt, seinen Gang zu kontrollieren – der Gang kann über Leben und Tod entscheiden. Wir erfahren, dass Mirwais 20 Familienmitglieder ernährt und zum heimlichen Familienoberhaupt aufgestiegen ist, bei dem sich die Onkels Rat holen. Warum aber kauft er zB. nicht zehn von diesen Onkels und Cousins Waffen, damit sie ihm beistehen können? Im Wilden Westen trug doch jeder Mann einen Revolver an der Hüfte (manche sogar zwei), und jede Frau hatte einen Derringer in der Handtasche oder im Strumpfband. Warum sollte das heutzutage in unzivilisierten Gegenden anders laufen? Was erwartet der Westen dort zu erreichen? Sind die Indianerkriege schon völlig in Vergessenheit geraten? Wieso sind unsere Freunde unbewaffnet, während die Taliban vor (amerikanischen) Waffen starren?

Das Land dort braucht zudem – anders als Amerika – doch überhaupt keiner, es ist für die Menschheit völlig irrelevant, welche Orkbande welche andere massakriert. Es ist doch eigentlich sogar je mehr je besser: Jeder gegen jeden und alle halten sich gegenseitig schön klein. Wenn einer dieser fiesen Typen zu sehr aufsteigt, sollten wir gleich seine Gegner stark machen. Sayed Faruq Omars Geschichte deutet m.E. überdeutlich in diese Richtung (Talente und Freunde – wie den kleinen Jungen auf dem Foto oben – können wir ja „herausfischen“).

Als unser Fehler Nummer eins kristallisiert sich in meinen Augen heraus, daß wir dort – ebenso wie später im Kosovo – verhindert haben, daß die Bolschewisten ihren Job machen konnten (ich denke nicht, daß die afghanische Niederlage wesentlich für das Ende des Kommunismus war). Als Fehler Nummer zwei sehe ich es an, daß wir nicht verhindert haben, daß mit den Taliban wieder eine Gruppe das Land dominieren und staatliche Strukturen nutzen konnte. In beiden Fällen hat der Westen tatkräftig am Erstarken der Monster mitgewirkt. Einerseits hat er die Horden gegen die Sowjets ausgerüstet, andererseits den pakistanischen Geheimdienst hochgepäppelt, der seinerseits ja quasi personalidentisch mit den Taliban ist.

Ja, „Nachher ist man immer klüger“, aber allmählich wird diese ständige Wiederholung des gleichen Fehlers so richtig ärgerlich, und die Diskussion läuft meiner Ansicht nach auch völlig in die falsche Richtung, wenn Friederike Böge meint: „Eines Tages wird die Bundeswehr aus ihrem Lager über Kundus abziehen.“ Warum sollte sie das tun, bevor der Mohammedanismus vernichtet ist? Nein, wir sollten von dort NIE wieder weggehen, und zwar auch dann nicht, wenn dereinst der Mohammedanismus bedeutungslos geworden ist. Wir sollten aber auch keinen anderen Anspruch haben, als die Orks ordentlich vorzuführen. Demokratie können wir ihnen nicht bringen, die müssen sie sich selbst erarbeiten und vor allem: VERDIENEN.

Time am 21. November 2009

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(1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/09/30/fort-pointing-man/

auch (Benzindiebe stellen Schadenersatzforderungen): http://www.n-tv.de/politik/Deutschland-soll-zahlen-article599707.html

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PS1.: Ist ja ein freundliches Foto, aber warum steht ein Okjunges mit einer großen Tasche ungehängt (in die sehr viel Nitro passt) derartig nah an einem unser Jungs?

PS2.: Heute (221109) in N-TV, neue amerikanische Strategie: http://www.n-tv.de/politik/Milizen-gegen-die-Taliban-article600674.html

Eisvogel bricht ihr Schweigen

20. November 2009

Heute hat PI einen pointierten und sehr lesenswerten Aufsatz von Eisvogel zum Thema „Momos“ wiederveröffentlicht (1).

Im Kommentarbereich wurde in diesem Zusammenhang die Behauptung gestreut, Eisvogel habe Selbstmord begangen. In die Debatte darüber hat sich Eisvogel dann gegen Mittag unter #88 mit folgendem Statement eingeschaltet:

„Ich habe keinen Selbstmord begangen, ich halte einen solchen Schritt immer für falsch. Ich wurde auch nicht von Moslems bedroht, nicht einmal per Email, zumindest habe ich nichts davon mitbekommen, dass mir jemand etwas tun will, abgesehen von den albernen Gehässigkeiten von wegen Anzeigen und Verfassungsschutz. Aber auch diesbezüglich ist nie etwas passiert. Es war eine Mischung aus Privatem und aus dem, was ich erkannt zu haben glaubte (und glaube), die mich dazu gebracht haben, aufzuhören in der alten Weise aktiv zu sein. Danke an alle, die noch an mich denken. Ich wünsche Euch von Herzen alles Gute.“

Ich halte dieses Schreiben für authentisch, und es trifft auch meine Vermutung über die Ursachen von Eisvogels Rückzug. Bloggen ist, zumal, wenn es um so eine unerfreuliche Angelegenheit wie den Mohammedanismus geht, und zumal, wenn man sich derartig engagiert wie Eisvogel, eine strapaziöse Angelegenheit, da braucht es keine Mord-, Selbstmord- oder Verschwörungstheorien. Wir bloggen in Deutschland, einer starken westlichen Demokratie mit hervorragenden Sicherheitsdiensten.

Es ist sehr schade, daß es 8dS nicht mehr gibt, aber mich persönlich hat das Ende dieses Blogs aller Blogs, der mich zum Schreiben gebracht hat, auch vom Kommentatoren zum „Chefredakteur“ gemacht, in meiner komfortablen, recht ruhigen Höhle. Vielleicht könnte Eisvogel hin und wieder einen ihrer brillianten Aufsätze verfassen, eine Armee besteht ja nicht nur aus Marines, sondern auch in der Etappe wird Unerlässliches geleistet. Sie hat jedenfalls lange genug in der Frontlinie gestanden. Andererseits kann man nicht behaupten, daß wir den Krieg gewonnen hätten – mancher meint, er habe noch nicht mal RICHTIG begonnen – und da fehlt uns Eisvogel natürlich sehr. Sie wünscht uns von Herzen alles Gute und ich ihr natürlich auch. Eisvogel fühlt sich nach wie vor dem Thema Counterjihad verpflichtet, das zeigt ihr aktueller Auftritt, der auf regelmäßige Lektüre hinweist. Ich könnte mir denken, daß wir bald wieder mehr von ihr hören und freue mich schon sehr darauf.

Time am 20. November 2009

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(1) http://www.pi-news.net/2009/11/existieren-moderate-moslems/


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