Untrügliche Zeichen

Wenn die Ratten das Schiff verlassen, sollte man baldestmöglich abheuern. Es gibt untrügliche Zeichen. Gibt es Zeichen für das Bevorstehen eines Klimawandels? Nun, es gibt einige, aber sind sie untrüglich? Einige kommen dem zumindest nahe. Anfang Oktober hatte ich von dem Plan des maledivischen Präsidenten Mohamed Nasheed berichtet, seinen Schariastaat nach Australien zu verlegen (1). Frank Seidlitz berichtete nun vor zwei Wochen in der “Welt” vom 25. Oktober (2) über die Neuausrichtung der Geopolitik reicher Schwellenländer. Unter diesen verbreitet sich eine Entwicklungspolitik, die den weltweiten Erwerb von Land und Anbaulizenzen zum Ziel hat. In vorderster Reihe dabei: Saudi-Arabien und die Golfstaaten.

Die Welt: “Reiche Ölstaaten und boomende Schwellenländer sichern sich weltweit immer mehr Agrarflächen, Abbaugebiete für seltene Rohstoffe und exklusive Lizenzen für die eigene Ölversorgung. (…) Der Auftritt staatlicher Akteure ist in der Tat ein Novum. Bisher waren es allenfalls nur Unternehmen aus Industrienationen, die sich vereinzelt um Ackerflächen und Rohstoffabbau in Entwicklungs- und Schwellenländern bemühten. Doch mit dem wirtschaftlichen Aufstieg von Brasilien, China, Indien, Russland und den Golfstaaten hat sich nicht nur die Zahl der Käufer deutlich erhöht, die nun um knappe Ackerböden und Fördergebiete buhlen. ‘Der Unterschied zwischen dem Landkauf früher und heute ist, dass die neuen Geschäfte Teil einer regierungsgeführten Politik sind’, sagt David Hallam von der FAO. Landkauf ist längst Teil staatlicher Expansionspolitik.”

Auslöser für diese neue Politik seien u.a. die durch riskante Spekulationen, das Bevölkerungswachstum und den enormen Bedarf von Wachstumsriesen wie China ausgelöste Preisschocks bei Getreide (bis zu 240%) und Rohöl (350%) – offenbar nicht aber etwa der Jihad – gewesen.

Die Welt: “Gerade bei den zahlungskräftigen Importländern wie China, den Golfstaaten oder Südkorea setzte wegen der rasanten Preisentwicklung ein Umdenken ein. Reihenweise verabschiedeten diese Staaten nationale Versorgungsstrategien, die nun mit privaten Firmen oder staatlichen Konzernen umgesetzt werden. (…) Allein in Tansania übersteigen laut der Menschenrechtsorganisation Fian die Anfragen von Investoren die Ackerfläche um das Doppelte. Weltweit sind etwa 180 solcher Landgeschäfte erfasst – und das sind nur die, die veröffentlicht wurden. Laos etwa hat bereits zwei bis drei Millionen Hektar Land verpachtet – rund 15 Prozent des gesamten Staatsgebietes. (…) In anderen Ländern geht die Entwicklung in die gleiche Richtung. Saudi-Arabien etwa sicherte sich in Pakistan rund 500 000 Hektar Agrarland. LIBYEN kaufte sich in der UKRAINE 250 000 Hektar Land zusammen. (…) Im Sudan sicherten sich die Vereinigten Arabischen Emirate 400 000 Hektar, Saudi-Arabien kaufte sich rund 500 000 Hektar in Tansania für den Anbau von Agrarprodukten. Damit will das Königreich vorbauen, wenn es 2016 die EIGENPRODUKTION von Weizen wegen der Wasserknappheit AUFGEBEN wird. Gerade die Golfstaaten sind auf den Nahrungsmittelanbau im Ausland angewiesen, um die eigene Bevölkerung und die hohe Zahl von Arbeitsmigranten zu versorgen.”

Besonders beliebt bei den Staats-Agenten ist Afrika. Angola ist fest in der Hand Chinas, in Madagaskar wurde der Verkauf der Hälfte des fruchtbaren Ackerlandes an den Südkoreanischen Daewoo-Konzern grade noch durch die Entmachtung von Präsident Marc Ravalomanana verhindert.

“Für die Bevölkerung in den Entwicklungsländern bleibt dieser Ausverkauf nicht folgenlos. Schon jetzt sind etwa 43 der 53 afrikanischen Länder nicht in der Lage, für eine ausreichende Ernährungssituation zu sorgen. Auch wenn die ausländischen Investoren oftmals den Kauf von Land oder Abbaugebieten den jeweiligen Regierungen mit Gegenleistungen versüßen, etwa dem Aufbau der Infrastruktur, entpuppen sich solche Versprechungen meist als substanzlos. Oft werden eben nicht einmal einheimische Arbeiter eingestellt, um die Ackerböden zu bearbeiten, sondern ausländische Kräfte. Daewoo etwa wollte Feldarbeiter aus Südafrika nach Madagaskar holen. In Mosambik sollen einmal bis zu 10 000 chinesische Siedler die gepachteten Reisfelder bewirtschaften”, so Seidlitz. “Der Export von Rohstoffen und der Import von Arbeitskräften stellen daher auch die Entwicklungshilfe immer mehr infrage. Denn um die Hungersnot etwa in Subsahara-Afrika zu bekämpfen, pumpte allein die Uno rund 2,1 Milliarden Euro an Nahrungshilfe in die Region. Gleichzeitig verkaufen die Länder aber ihre wertvollsten Ackerflächen an ausländische Staaten und Firmen. Das extremste Beispiel dafür ist sicherlich der Sudan.” Der Sudan nämlich – der, wie UNO-Mitarbeiter Kantor Oshidari meint, “die Kornkammer Afrikas” sein könnte – hat Hunderttausende Hektar Ackerland an Südkorea, China und die Vereinigten Arabischen Emirate verscherbelt aber andererseits allein von den USA 283.000 Tonnen Hirse geschenkt bekommen.

Diese großzügigen Geschenke des Westens setzen nicht nur Ressourcen frei, die es den Despoten der jeweiligen Länder ermöglichen, noch mehr Bürger ihrer Länder noch effektvoller zu ermorden, nein, sie FÜHREN sogar zu KORRUPTION, wie die heutige FAZ berichtete: “(…) Karzai müsse die Korruption in seinem Land ‘ausmerzen’, forderte Frau Clinton nach einem Treffen mit Bundesaußenminister Westerwelle. Westerwelle verlangte von Karzai, dass er ‘gute Regierungsführung’ zu seinem Maßstab mache. Karzai hatte zuvor das AUSLAND mitverantwortlich für die KORRUPTION in seinem Land gemacht. Dem amerikanischen Sender PBS sagte er, das VIELE GELD aus dem Ausland habe eine bis dahin ungesehene Art von Korruption nach Afghanistan gebracht…” Tja, so oder so, schuld ist immer der Westen. Können die sich denn gar nicht vorstellen, dass wir dieses Spiel irgendwann mal sowas von satt haben (3)?

Aber zurück zu der Frage, ob es untrügliche Zeichen für den Klimawandel gibt: Ich meine, dass das Verhalten der reichen Orkstaaten ein solches ist. Ihnen geht das Wasser aus. Die setzen nicht mehr nur auf die Landnahme durch Einwanderung, die wollen nicht von den “Launen” der Gastgeberländer abhängig sein, die wollen Herren im Haus sein, und da sie zu schwach sind, es zu erobern, kaufen sie es. Die Ratten kaufen das Schiff…

Time am 10. November 2009

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(1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/10/07/maledivische-malaise/

(2) http://www.welt.de/die-welt/wirtschaft/article4967889/Getreide-ist-das-neue-Gold.html

(3) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/10/27/gewinnchance-0-spielen-sie/

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