Archiv für März 2010

Wer den Schaden hat

31. März 2010

… braucht sich um „gute“ Ratschläge nicht zu sorgen.

Satellitenaufnahme der Kaukasusländer: längs der Mitte Großer Kaukasus, darunter (südlich) Kleiner Kaukasus. Links Schwarzmeer-Küste und schmales Pontus-Gebirges, rechts Kaspisches Meer, zu dem die (hier braun erscheinende) Transkaukasische Senke entwässert. Südlich des Großen Kaukasus liegen Georgien und Aserbaidschan, zum unteren Bildrand hin Armenien und der Vansee.

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MaggieTh schreibt über das Bild des Jihad in den MSM (1):

„Zumindest die GEZ-Presse nährt unablässig die Meinung jener, die sich weigern, die Kriegserklärung der mohammedanischen Welt anzunehmen. Während die twin towers brannten, gingen Kinder durch syrische und ägyptische Städte und verteilten an Wildfremde Süßigkeiten. Sind nun die Missversteher des Mohammedanismus so viele oder sind es die Mohammedaner selber?“

Die amerikanische Regierung unter George W. Bush hingegen hatte den Jihad umgehend als solchen verstanden, angenommen und wenig später die Taliban in Afghanistan ausgeräuchert. Sodann wurde die Diktatur im Irak zerschlagen. Der grausame Despot Saddam und seine perversen Söhne wurden bestraft. Den „heissen“ Counterjihad kämpfen die Amerikaner in beiden Ländern noch heute.

Immer wieder kommen dabei leider auch Unschuldige ums Leben oder zu Schaden, aber das ist zuallerletzt vom Westen beabsichtigt. Die Amis wenden ebenso wie die Israelis und alle anderen westlichen Streitkräfte große Mühen dazu auf, Kollateralschäden zu vermeiden, während es die Orks, wie ihre Strategie gegen die israelische “Cast Lead“-Operation (2) gezeigt hat, im Gegensatz dazu genau darauf anlegen.

Während sich die MSM mit Kritik am westlichen Vorgehen im „heissen“ Counterjihad aber eher Zurückhaltung auferlegen, dürfen sie diesbezüglich gegenüber Russland die Zügel schiessen lassen. Man kann schon froh sein, wenn in den Ergüssen Vokabeln wie „Islamismus“ vorkommen. Eigentlich scheint der jüngste Massenmord von Moskau eher als Protestaktion gegen die mangelnde Integration der Region in das russische Reich gewertet zu werden. Ein Zusammenhang mit dem globalen Jihad wird nicht gesehen, Putin ist schuld – und dementsprechend sind die Lösungsvorschläge. Anders als dies der Westen in Afghanistan/Irak praktiziert, wird ausgerechnet den Russen, die überhaupt keine Erfahrungen mit Demokratie, Bürgergesellschaft, gewaltloser Erziehung usw. haben, empfohlen, im Kaukasus auf Kooperation, Gewaltlosigkeit, Vermehrung des Wohlstandes und dergleichen mehr zu setzen. Dies zeigt m.E. das heutige Potpourri aus anderen Zeitungen zum Thema in der heutigen FAZ. Die Pariser Tageszeitung „La Croix“ macht dabei einen gutmenschlichen aber immerhin balancierten Anfang:

„Präsident Medwedjew und Premier Putin haben ihre Entschlossenheit geäußert, die Verantwortlichen der Anschläge zu bestrafen. Doch der Terrorismus lässt sich nicht ausschließlich mit Waffengewalt bekämpfen, weder in Afghanistan noch im russischen Kaukasus. Ebenso wichtig ist es, den dort lebenden Bevölkerungen eine Zukunft zu bieten, damit die Terroristen ihre Machtbasis bei den Armen und den Enttäuschten verlieren. Medwedjew hat zu diesem Zweck eine Persönlichkeit ernannt, die die Wirtschaftsentwicklung in der Region ankurbeln soll. Dieses Ziel sollte man jetzt nicht aus den Augen verlieren, auch nicht unter dem Vorwand, die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen und die Autorität des Staates demonstrieren zu müssen.“

Die Straßburger Tageszeitung „Les Dernières Nouvelles d’Alsace“ stellt das Versagen Moskaus fest:

„Alle Spuren vermischen sich, doch alle führen in den Nordkaukasus. Zuerst nach Tschetschenien, auch nach Inguschetien und Dagestan, zu diesen selbstverwalteten Republiken, die Dutzende von Völkern vereinen, mit verschiedenen Sprachen und Überzeugungen, die alle den Gesetzen ihrer jeweiligen Gruppierungen gehorchen… Russland zögerte stets zwischen Kompromissen, Allianzen und Verrat und ermutigte dabei lokale Marionettenmachthaber wie Kadyrow in Grosnyj. Moskau hat immer wieder versagt bei dem Versuch, seine Kaukasus-Provinzen zu integrieren.“

Die „Salzburger Nachrichten“ tun so, als ob die Haltung Moskaus dem Kaukasus gegenüber stets ausschließlich und einseitig von Gewalt geprägt gewesen sei und als ob es z.B. die tschetschenischen Überfälle auf Dagestan ab 1996 nicht gegeben hätte (3).

„Ganz offenbar reichen Geheimdienste, Polizei und Militär in der Auseinandersetzung mit dem kaukasischen Separatismus nicht aus. Wo sich ethnischer Hass mit religiösem Fanatismus und terroristischem Know-how vereint, braucht es vermutlich neben der staatlichen Gewalt auch ein politisches Konzept, um des Terrors Herr zu werden. Ein politischer Ansatz zur Lösung der Probleme im Nordkaukasus, ein Ansatz zur Gestaltung der Zukunft – das hat Moskau bisher noch nicht versucht. Ein solches Konzept müsste auf Kooperation mit der Bevölkerung beruhen, nicht auf deren Unterdrückung. Ein solches Konzept könnte vielleicht dem Extremismus den Nährboden entziehen.“

Die Budapester Tageszeitung „Nepszava“ bezichtigt die Führer der Russen, ein „finsteres Spiel“ zu spielen:

„Die Moskauer Bluttat zeigt, in welchem Maße Russland mit dem Kaukasus nichts anzufangen weiß. In Tschetschenien hat man eine Art Ordnung hergestellt, mit militärischer Gewalt und mit dem Einkaufen lokaler Kleindespoten und Kriegsherren, wofür man einen hohen Preis zahlt. Dieser Friede ist ein nur scheinbarer. Denn sobald die Interessen dieser örtlichen Anführer es erfordern, werden diese sich gegen Moskau wenden. Die tschetschenischen Separatisten wiederum setzen den Kampf mit den ihnen eigenen terroristischen Mitteln fort. Doch ihre Rache trifft unschuldige Menschen und nicht deren Führer, die ein finsteres Spiel um eine verfluchte Region spielen.“

Die Warschauer Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“ prognostiziert eine zunehmende antidemokratische Entwicklung Russlands:

„Egal, wer hinter den Terroranschlägen in Moskau steht – Terroristen aus dem Kaukasus, radikale Nationalisten oder gar der russische Geheimdienst -, das ist ein Schlag gegen die Politik des Präsidenten Medwedjew. Er versucht seit einigen Monaten in Russland eine neue Perestrojka einzuleiten. Doch nach den Anschlägen wird Russland den Kampf gegen den Terrorismus wieder verstärken. Wie immer wird es dabei viel Übertreibung geben. Die Machtstrukturen und Geheimdienste werden die Situation nutzen und ihre Stellung stärken. Der Entwurf eines demokratischen und weltoffenen Russlands wird in den Hintergrund treten. Schade.“

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Für die ARD schreibt Christina Nagel zu dem den willfährigen Dimmi verratenden Titel „Unter Generalverdacht“ (4):

„’Ohne Gnade’ will Russlands Präsident Medwedjew die Drahtzieher der Anschläge von Moskau jagen. ‚Bestien’ nennt der Präsident sie und macht überdeutlich, woher diese Bestien seiner Meinung nach kommen: aus dem Kaukasus. Das schürt einmal mehr den Hass der Russen auf Menschen mit kaukasischem Aussehen.“ Was aber ist „kaukasisches Aussehen“?

Nagel: „Seit Montag sind die Blicke noch abschätziger geworden. Jeder, der anders aussieht, eine TASCHE oder ein HANDY in der Hand hält, gilt als verdächtig. BÄRTE verwandeln Männer in potenzielle Täter, KOPFTÜCHER Frauen in Schwarze Witwen.“

Die einen leiden, weil sie verbrannt und zerfetzt wurden, die anderen leiden unter „abschätzigen“ Blicken, aber stolz und unbeirrbar müssen sie weiterhin öffentlich ihren Glauben an den Blutsäufergott Alla Hubal demonstrieren, ohne den Schmiss zu haben, dann auch mal einen nachdenklichen oder ablehnenden Blick eines Bürgers ertragen zu können.

„In den vergangenen Jahren machten russische Nationalisten geradezu Jagd auf Kaukasier. Sie prügelten und töteten sie“, behauptet Nagel und macht bedauerliche und abscheuliche Einzeltaten zur Regel, den massenhaften mohammedanistischen Terrorismus jedoch zum Einzelfall.

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Dankenswerterweise brachte die FAZ heute einen ausführlichen Artikel von Michael Ludwig, der aus meiner Sicht mal ungewohnt objektiv die Probleme darstellt, mit denen Russland (und mit ihm im Grunde die gesamte nichtmohammedanistische Welt) konfrontiert wird (5). Hier ein paar Auszüge:

„(…) Es spricht vielmehr vieles dafür, dass ihre Politik im Nordkaukasus in den vergangenen zehn Jahren von der Furcht vor einem Horrorszenario bestimmt wurde: Der Kreml sah und sieht wohl noch immer die Gefahr, dass er das Gebiet nördlich des Kaukasuskamms zwischen dem Schwarzem Meer und Kaspischem Meer ohne den massenhaften Einsatz russischer Soldaten VERLIEREN könnte.

Aus Moskauer Sicht besteht die Gefahr, dass sich Russlands Zugang zu dem an Öl und Gas reichen sowie geostrategisch wichtigen Kaspischen Becken irgendwann auf einen schmalen Landstreifen reduzieren könnte, wenn es seine muslimischen Teilrepubliken im Nordkaukasus nicht zur Räson zwingt. Ein von Russland losgelöster Nordkaukasus unter muslimischen, WOMÖGLICH islamistischen Einfluss, KÖNNTE zudem einen Dominoeffekt zur Folge haben, dem muslimische Aserbaidschan im Südkaukasus, das an Dagestan grenzt, zum Opfer fallen könnte. Ein „zweites Afghanistan“ unmittelbar vor Russlands Haustür WÄRE nach einem solchen Szenario nicht mehr auszuschließen.

Auch aus diesem Grund hat der frühere amerikanische Präsident George W. Bush Russlands grausamen Kampf gegen den Terror im Nordkaukasus nicht so hart gerügt wie andere Menschenrechtsverletzungen, sondern als Teil des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus eher akzeptiert. (…)

In den Jahren zwischen dem Friedensschluss unter Jelzin und dem Beginn des zweiten Tschetschenienkriegs hatten sich unter dem in freien und fairen Wahlen gewählten Präsident Aslan Maschadow Islamisten und verbrecherische Politiker jedweder Couleur in Tschetschenien breit machen können, die mit Menschen, Waffen und Rauschgift handelten (Kidnapping wurde zum größten „Wirtschaftszweig“, T.). Maschadow schaute weg oder war zu schwach, etwas dagegen zu unternehmen. Dieses Tschetschenien, ein Räubernest, das von niemandem kontrolliert wurde, wurde in Moskau zunehmend als Gefahr für Russland und dessen Stellung in der Region betrachtet. Putin sagte Jahre später und sicherlich nicht zu Unrecht, die Tschetschen hätten die Chance der „Quasi-Unabhängigkeit“ am Rande der Föderation nicht genutzt. Maschadow wurde 2005 von russischen Sicherheitskräften getötet, Bassajew, der sich selbst bezichtigte, viele Terroranschläge organisiert zu haben, bis hin zur Geiselnahme von Beslan, 2006. (…)

Umarow sagte sich vor drei Jahren öffentlich vom tschetschenischen Separatismus los und ernannte sich zum „Emir des Kaukasus“, gab mithin die alten tschetschenische Ziel, einen Nationalstaat zu bilden, auf. Die Errichtung eines ISLAMISCHEN GOTTESstaates (ein Widerspruch in sich, T.) im gesamten Nordkaukasus und der Kampf gegen Russen sowie den moralisch verderbten Westen sind die Parolen, mit denen Umarows Anhänger im Internet werben, während tschetschenische Exilpolitiker im Westen am Separatismus festhalten. Es scheint jedoch, dass ein beträchtlicher Teil des Untergrunds im Nordkaukasus Umarow folgt.

Die Russen haben immer wieder versucht, die Weltöffentlichkeit für sich einzunehmen, indem sie den Kampf im Nordkaukasus als Teil des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus hinstellten. Zugleich geißelten sie, meist ohne dabei Namen zu nennen, ausländische Mächte und Geheimdienste oder fremde Länder, die Terroristen im Nordkaukasus zu unterstützen würden. (…)

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Was Russland tatsächlich blüht, wenn es nicht mit aller Kraft gegen den mohammedanistischen Terror vorgeht, zeigen Beispiele aus der ganzen Welt von Pakistan bis zum Kosovo. Das ist immer die gleiche Taktik: Zuerst Unruhe schüren, dann Autonomie verlangen, dann die Region abtrennen, dann die Minderheiten massakrieren. Und niemand sollte glauben, dass der mohammedanistische Moloch (6) jemals satt werden könnte.

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Time am 31. März 2010

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1) http://eurabianfarm.wordpress.com/2010/03/30/der-neue-kolonialismus/
2) http://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Gegossenes_Blei
3) http://de.wikipedia.org/wiki/Dagestan#Dagestan_in_der_Russischen_F.C3.B6deration
4) http://www.tagesschau.de/ausland/kaukasus176.html
5) http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~E84E64915406A440F85144B5EC8CB8205~ATpl~Ecommon~Scontent.html
6) http://de.wikipedia.org/wiki/Moloch_%28Religion%29

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Ergänzung 170410, ein Leserbrief aus der heutigen FAZ von Klaus Decker:

Zu „Machtlos“ (F.A.Z. vom 30. März): Ich möchte Sie herzlich bitten, von dem gedankenlosen Sprachgebrauch Abstand zu nehmen, sogenannte „Selbstmordattentäter“ würden Menschen mit in den Tod reißen. Nein, sie ermorden grausam und heimtückisch Menschen – unter skrupellosem Einsatz des eigenen Lebens. Die von Michael Ludwig gewählte Formulierung, die Moskauer Terroristen hätten den Tod von Zivilisten „in Kauf genommen“, ist daher nicht nur völlig unangemessen, sondern ein Fehlgriff, der erkennen lässt, dass man in Sachen Terrorismus die Maßstäbe entweder verloren oder noch gar nicht gewonnen hat. Es ist höchste Zeit, die Sachverhalte nicht mehr zu „vernebeln“, sondern Menschenverachtung Menschenverachtung und Mord Mord zu nennen.

Riesenerfolg

30. März 2010

Von Peter Lang veröffentlichte die heutige FAZ einen Leserbrief zum Thema Irak, der mir aus der Seele spricht.

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Ich habe mich über die hohe Wahlbeteiligung im Irak gefreut. Trotz Bomben und Granaten und des Bannfluchs al Quaidas für die Teilnehmer an der Wahl sind die Iraker nun in Massen zu den Wahlurnen geströmt. Für die arabische Welt zwischen Schatt al Arab und dem westlichen Mittelmeer, ja für die ganze Welt bedeutet das eine historische Sensation.

Was viele Skeptiker für unmöglich hielten, ist – historisch gesehen – im Handumdrehen Wirklichkeit geworden. Gesunder Menschenverstand, Mut und die Attraktivität einer demokratischen Gesellschaftsordnung siegten über erstarrte und überkommene Gesellschaftsformen in einem arabischen Land, das bisher nur feudalähnliche oder diktatorische Systeme kannte. Über Jahrhunderte.

Nur ungern werden es viele wahrhaben wollen, dass der erfolgreiche zweite Wahlgang auch ein nachträglicher Riesenerfolg für den ehemaligen amerikanischen Präsidenten Bush und seine Berater war. Selbstverständlich auch für seinen Nachfolger Obama, der Bushs Politik unbeirrt fortsetzte. Kluge Zeitgenossen werden jetzt sofort auf die Opfer hinweisen, die der Krieg kostete, um das alte Herrschaftssystem zu zerschlagen.

Ich erlaube mir, darauf hinzuweisen, wie lang und blutig etwa der Weg Frankreichs und Italiens war, um ein demokratisches System aufzubauen. Vom langen Weg Deutschlands zur Demokratie weiß jeder von uns. Er war dramatisch. Für den Erfolg spielte wieder Amerika die entscheidende Rolle.

Auch der Irak konnte nicht aus eigener Kraft ein despotisches Herrschersystem überwinden. Deutschland sollte jetzt aktiv dabei mithelfen, die neue, zarte demokratische Ordnung zu stabilisieren.

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In der Tat, und es sollte darüber nachgedacht werden, ob es nicht auch andere liebenswürdige Völker gibt, die ihre despotischen Herrschersysteme nicht aus eigener Kraft überwinden können, und denen man dabei helfen sollte. Rings um den Irak scheint es mir von solchen gradezu zu wimmeln.

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Time am 30. März 2010

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auch: http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/03/18/gemach-gemach-junger-freund/

Wäre, wäre, wäre

30. März 2010

In der heutigen FAZ demonstriert Regina Mönch (1) mit einem Kommentar in Bezug auf die jüngsten Parolen des türkischen Ministerpräsidenten, dass wesentliche Positionen des Counterjihad durchaus auch bei den MSM angekommen sind und dort geteilt werden. Sie müssen aber offenbar noch durch den üppigen Gebrauch des Konjunktivs verschleiert werden.

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Türkentum?

Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit ist dabei, sein ruiniertes Image wieder aufzupolieren. Jetzt hat er die deutschen Türken entdeckt und greift die Kanzlerin an, die sich gegen deren Vereinnahmung durch den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan verwahrt hat. Sie stigmatisiere die Türken, behauptet Wowereit, weil die Kanzlerin nur diese aufgefordert habe, sich besser zu integrieren. Schließlich hätten auch Deutsche Defizite.

Auf dem „Ideenkonferenz“ genannten Treffen seiner SPD wurden noch andere alte Hüte hervorgezaubert, darunter die empirisch nicht belegbare Behauptung, alles werde besser, lernten die Kinder nur auch in ihrer Muttersprache. Gemeint war die türkische. Berlins Polen, Italiener, Russen, um nur einige der größeren Gruppen zu nennen, haben sich darum nie bemüht, sieht man einmal von den sechzehn hochbeliebten Europaschulen ab, die jeweils zweisprachig unterrichten.

Ihre Plätze für die deutschen Mitschüler müssen jedes Jahr wegen der enormen Nachfrage verlost werden, und würde die Stadt noch einmal so viele zulassen, wären auch die rasch gefüllt. Doch im Unterschied zum Angebot, Französisch, Englisch, Italienisch oder Russisch von Anfang an zu lernen, hat sich die Idee der deutsch-türkischen Alphabetisierung bei deutschen Eltern nicht durchsetzen können.

Auf den privaten Gülen-Gymnasien wiederum, die es nicht nur in Berlin gibt, lernen fast ausschließlich junge Deutschtürken. Sind es solche Schulen, die der türkische Ministerpräsident alle Jahre wieder fordert? Dann wäre sein rigides Eintreten für Türkentum und die Zuverlässigkeit seiner vermeintlichen Landsleute im europäischen Ausland mehr als nur politisches Gepolter vor einem Staatsbesuch der Kanzlerin, sondern Teil einer Strategie, die Türken hierzulande als anerkannte Minderheit zu etablieren. Das wäre ein auf Dauer gestelltes Integrationshindernis. Diesem machtbewussten Auftreten religiöser und politischer Vormünder kann nur die Mehrheitsgesellschaft etwas entgegensetzen: ihr demokratisches, freiheitliches Selbstverständis, das gerade vielen türkischen Migranten rätselhaft geblieben ist.

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Time am 30. März 2010

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1) http://www.faz.net/s/RubD87FF48828064DAA974C2FF3CC5F6867/Doc~E488D021D3C4E468DA67FD8F292971323~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Selbst Schuld

29. März 2010

Blutiger Jihad und mörderische mohammedanistische Attentate im Westen haben bekanntlich nichts mit dem Fieslahm, seinen abartig gewalttätigen Grundlagentexten oder der kranken Psyche von Klo H. Metzel zu tun, sondern sie werden von Menschen ausgeübt, die den Mohammedanismus „missverstehen“ und ihn „gekidnappt“ haben.

Anders in Israel. Am Terror gegen die Juden haben sie selbst Schuld, ääh, die Zionisten („gegen Juden dürfen WIR ja nichts mehr haben“), also die Juden, die in einem jüdischen Staat Israel leben wollen, und die der Ansicht sind, dass dieser Staat seine Existenz militärisch verteidigen darf bzw. sollte. Völlig unverständlicherweise bestehen die Zionisten z.B. darauf, für Bürger ihres Staates Wohnhäuser in ihrer Hauptstadt bauen zu wollen, die doch bekanntlich von den Mohammedanisten zu ihrer drittheiligsten erklärt wurde. Es ist natürlich völlig logisch, dass es dann Ärger gibt, und dass das Ansinnen der Zionisten also eine Provokation und die Ursache für die Gewalttaten der Orks ist.

Auch die Kinesen sind für ihr provokantes Auftreten bekannt. Wie das Erdoganferkel kürzlich feststellte (1), haben sie kürzlich mal wieder einen Völkermord an den türkstämmigen Uiguren vollzogen, von denen etliche (ebenso wie etliche Nicht-Orks) im Verlauf von blutigen Unruhen zwischen ihnen und Han-Chinesen zu Tode kamen, insgesamt soll es 197 (offiziell – 2) bis 800 (nur Uig. nach uig. Ang. – 3) Opfer gegeben haben.

Mindestens ebenso provokant wie die Zionisten sind übrigens die Iwans, wenn nicht provokanter. Zwei weibliche Ich-Bomben haben heute in Moskau z.Z. mindestens 37 Menschen ermordet und 102 verletzt (4). N-TV macht erstmal 70 Verletzte daraus und berichtet dann (5):

„Experten in Moskau vermuten, dass es sich um einen Racheakt islamistischer Untergrundkämpfer aus dem Nordkaukasus handelte. Russische Sicherheitskräfte hatten in der Konfliktregion, in der auch das frühere Kriegsgebiet Tschetschenien liegt, zuletzt Dutzende Rebellen getötet.“ So was aber auch, bewaffnete Rebellen wurden getötet, wenn DAS keine Provokation ist…

N-TV fährt sodann den „Terrorismus-Experten“ Michael Lüders auf:

„Lüders (vermutet) das Schlimmste: ‚Es wird Vergeltungsmaßnahmen geben, militärische Exkursionen mit vermutlich vielen Toten, auch auf ziviler Seite, was dann wiederum den Terror derer, die glauben, Widerstand zu leisten, erneut beflügeln wird. Es ist ein endloser Kreislauf der Gewalt’, so Lüders weiter. Dieser könne nur unterbrochen werden, wenn die Regierenden und die demokratische Opposition, die nicht im Untergrund wirkt im Nordkaukasus, miteinander Verhandlungen aufnähmen über eine andere Zukunft des Kaukasus. ‚Aber dazu ist die Regierung in Moskau in der Vergangenheit nie bereit gewesen.’“ Einmal mehr erscheint der russische Staat als Ursache wenn nicht als der eigentliche Verbrecher.

Die FAZ hat einen Verdacht: „Es werden SEPARATISTEN hinter der Tat vermutet“, und wer würde für Separatismus im Fall Russlands kein Verständnis haben. Kerstin Holm schaut dem Volk im Auftrag der Zeitung aufs Maul (6):

„Für ein aus Tschetschenien, das mit gewaltigen russischen Finanzmitteln unter dem Putin-Freund Ramsan Kadyrow befriedet wurde, gesteuertes Attentat bestand diesmal eigentlich kein Anlass, sagt die Kunsthistorikerin Selfira Tregulowa.“ Aha, keine Orks? Wer könnte das besser beurteilen als eine „Kunsthistorikerin“!

„Auch der Journalistin Nina Kurijewa scheint die Versicherung von Geheimdienstchef Bortnikow, die Auftraggeber des Verbrechens säßen im Nordkaukasus, allzu vorhersehbar.“

Mhm, ob, nein wirklich, sollte nicht eigentlich die Regierung das Massaker eigenhändig gesteuert haben? So eine absurde und perverse These ist von Mohammedanisten und Bolschewisten immer wieder in Bezug auf den 11. September und gegen die Regierung Bush geäußert worden: auf obskuren Internetseiten. Bei uns wird so etwas noch am Tag des Attentats auf der Seite des renommiertesten Presseorgans Deutschlands verbreitet:

„Doch viele trauen ihrer Regierung, gegen die sich in jüngster Zeit immer mehr Volksproteste mobilisieren, beinahe jeden Schachzug zu, um den Zorn der verarmenden und entrechteten Leute in eine andere Richtung zu lenken. Wie viele Moskauer muss Frau Kuriewa an die Sprengstoffanschläge von 1999 denken, die dabei halfen, Putin an die Macht zu bringen und von denen gemäß den Nachforschungen des ermordeten Ex-Spions Alexander Litwinenko zumindest ein Teil von den Diensten selbst gelegt wurde, um Angst zu säen. (…) Das Verhalten der Miliz, die in erhöhte Bereitschaft versetzt wurde, nährt die Verschwörungstheorien und hilflosen Hass. Der Moskauer Andrej Kirpitschnikow, der kurz nach den Anschlägen an einer Metroticketkasse anstand, hörte, wie ein dicker Polizist mit kugelsicherer Weste einer betagten U-Bahn-Mitarbeiterin beinahe triumphierend zuschrie, es würden jetzt noch mindestens drei Explosionen folgen. Kirpitschnikow fragte den Beamten, was das zu bedeuten habe. Doch statt einer Erklärung drohte der ihm nur, er würde ihn festnehmen und aufs Geheimdienstquartier der Lubjanka verfrachten.“ Enorm glaubwürdige Story, meine ich.

Aber irgendwie hat der Iwan das  alles auch verdient, kleingeistig und geldgierig wie er ist:

„Von der teilweise lahmgelegten Metro und der Angst, sie zu benutzen, profitierten aber auch etliche Fahrer staatlicher Busse, die von Fahrgästen Summen von fast hundert Euro verlangten, um für sie ihre Türen aufzumachen.“

So sind es wieder einmal – neben den Orientalisten und „Experten“ – Journalisten und Schriftsteller, geistige Elite des Westens wie Russlands, die exzellente Lösungen anzubieten haben, z.B. die, den Mohammedanisten Russland zu überlassen und sich nach Franz-Joseph-Land (7) zurückzuziehen:

„Dass Premier Putin lapidar ankündigte, die Schuldigen an dem Terrorakt würden liquidiert, lasse vor allem eine weitere Verhärtung des politischen Kurses befürchten, meint Viktor Jerofejew. Das wäre aber genau das FALSCHE in dieser Situation, so der Schriftsteller, der zugleich den Terroristen den tiefsten Hass ausspricht. Sein Kollege Wladimir Sorokin erblickt in Putins Erklärung die reflexhafte Drohgeste eines politischen Führers, der das Unabwendbare aufhalten will. Das russische Imperium zerfalle weiter, davon ist Sorokin überzeugt. Der Nordkaukasus, an dem der Kreml – wie schon im neunzehnten Jahrhundert – so verzweifelt festhält, sei auf Dauer nicht zu halten.“

Auch die „Süddeutsche“ empfiehlt die Kapitulation (8): „Wenn also Präsident Dmitrij Medwedjew den Kaukasus Russlands schlimmstes innenpolitisches Problem nennt, wenn er von ‚beispielloser’ Korruption, Gewalt und Clanwirtschaft spricht, dann ist das auch die Folge einer Politik, die zu lange auf Härte gesetzt hat.“

Bei der SZ erscheinen die Meuchelmörder als Freiheitskämpfer, indes: „sie wollen MEHR als NUR ein FREIES Tschetschenien.“ Sie wollen, was für die SZ kein Widerspruch ist, ein „freies“ Scharia-Tschetschenien innerhalb eines Kalifats „vom Kaspischen bis zum Schwarzen Meer“.

Die SZ resümiert: „Eines aber ist unübersehbar: Die wichtigsten Spieler sind an einer Lösung des Kaukasus-Konfliktes nicht interessiert.“

Mit anderen Worten: Die russische Regierung hat am Konflikt Schuld.

So werden die Orks uns holen, einen nach dem anderen, die Deutschen, die auf die Russen herabschauen, die Russen, die auf die Chinesen herabschauen, die Chinesen, die auf die Juden herabschauen – anstatt dass wir alle begreifen, dass wir allesamt von den Mohammedanisten absolut nichts zu erwarten sondern exakt das gleiche Problem mit ihnen haben.

Am Ende werden von allen Nicht-Orks nur die Juden als Nicht-Orks übrig bleiben, denn sie sind Gottes auserwähltes Volk.

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Time am 29. März 2010

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1) http://www.asbarez.com/78534/erdogan-accuses-armenians-of-‘exterminating’-turks/

2) http://de.wikipedia.org/wiki/Uiguren#Unruhen_von_2009

3) http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,635078,00.html

4) http://www.jihadwatch.org/

5) http://www.n-tv.de/politik/meldungen/Medwedew-kuendigt-harten-Kampf-an-article798576.html

6) http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~EEC7B3CBE0E7C432CBBF4B1D5441243E7~ATpl~Ecommon~Scontent.html

7) http://de.wikipedia.org/wiki/Franz-Joseph-Land

8- http://www.sueddeutsche.de/,tt2m1/politik/168/507328/text/

Haftstrafen

28. März 2010

Einen Taxifahrer zu ermorden ist nicht o.k., dafür kriegt man 10 Jahre Haft:

„Der 20-jährige Mickey M. wurde gestern vom Landgericht Oldenburg wegen Mordes, gefährlicher Körperverletzung und Raub zu zehn Jahren Jugendstrafe verurteilt. Übereinstimmend nahmen Staatsanwaltschaft und Gericht an, dass der Täter noch nach Jugendstrafrecht zu beurteilen und zu verurteilen sei. Er erhielt für seine Taten die danach mögliche Höchststrafe. Nach Überzeugung des Gerichts hatte der Verurteilte im September 2009 einen 58 Jahre alten Taxifahrer erstochen und eine 61-jährige Taxifahrerin durch Messerstiche schwer verletzt.“ (1)

Banküberfälle mit Geiselnahme sind auch nicht o.k., dafür gibt es ebenfalls 10 Jahre Haft:

„Banküberfall mit Geiselnahme: 10 Jahre Haft für Bosnier – Der 43-Jährige ist nicht rechtskräftig wegen schweren Raubes, Nötigung und Freiheitsentziehung zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Nach einem Banküberfall war er mit einer Geisel fünf Stunden auf der Flucht.“ (2)

Sexueller Verkehr mit minderjährigen Schutzbefohlenen ist auch nicht o.k., dafür gibt es… 10 Jahre Haft:

„Wie bild.de berichtet, soll die us-amerikanische Lehrerin Pamela Rogers wegen sexueller Kontakte zu einem 13-jährigen Schüler insgesamt 10 Jahre Haft verbüßen.“ (3)

Was nun jedoch absolut gar nicht geht, das ist das Beschmieren einer Moschee mit Hakenkreuzen und ihre anschließende Niederbrennung, und deshalb gibt’s dafür denn auch FÜNFZEHN Jahre, wie die gestrige FAZ berichtete:

„Haft wegen Anschlags auf Moschee – Ein 34 Jahre alter Amerikaner ist von einem amerikanischen Bundesgericht für einen Anschlag auf eine Moschee im Bundesstaat Tennessee zu gut 15 Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte gestanden, das islamische Zentrum in Columbia 2008 zusammen mit zwei Komplizen in Brand gesteckt UND das Gebäude mit Hakenkreuzen beschmiert zu haben. Einer der Mittäter war bereits zu einer hohen Haftstrafe verurteilt worden, der andere wartet noch auf sein Urteil.“

Auch schlimm aber doch am wenigsten schlimm ist versuchter Mord in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung, jedenfalls dann, wenn der Täter Mohammedanist ist:

„Wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung wurde Moussa C. gestern zu einer neunjährigen Haftstrafe verurteilt. Zudem muss er 7000 Euro Schmerzensgeld bezahlen. Im August vergangenen Jahres lauerte der gebürtige Mauretanier seinem Opfer vor dessen Wohnung in Trier-West auf, übergoss ihn mit Schwefelsäure und attackierte ihn mit einem Hammer. Die Schwurgerichtskammer ist davon überzeugt, dass er den neuen Partner seiner Exfreundin töten wollte.“ (4)

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Time am 28. März 2010

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1) http://www.taxipress.de/taxipress/artikel.php?id=418

2) http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/487906/index.do

3) http://www.jurablogs.com/de/insgesamt-10-jahre-haft-fuer-lehrerin-wegen-sex-mit-13-jaehrigem-schueler

4) http://www.16vor.de/index.php/2010/03/18/neun-jahre-haft/

Einsitzender des Elfenbeinturms

28. März 2010

In der gestrigen FAZ berichtete Alessandro Topa über den französischen Philosophen und Orientalisten Henry Corbi. Wir erleben den Schah als messerscharfen Analytiker und einen hochspezialisierten westlichen Denker mit dicken Brillengläsern, der Iran zwar den einen oder anderen europäischen Impuls gab, insgesamt aber offenbar eher an der Renaissance des Mohammedanismus und des Jihad mitwirkte (indem er ihn z.B. mit dem uralten Zoroastrismus kompatibilisierte – 1), welcher mit der Machtergreifung Klomenis einen ersten Höhepunkt erlebte. Wir sehen m.E. einmal mehr einen westlichen Intellektuellen, der vom Mohammedanismus durch seine randständigen Autoren und  Dissidenten fasziniert wird, und der diese anstelle der Grundlagentexte Kloran, Hadithe und Sira zu seinem Wesen erklärt.

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Vorsitzender der Pfauentruppe

Der französische Philosoph Henry Corbin (1903 bis 1978) fand seine spirituelle Heimat in Iran unter der Herrschaft von Schah Reza Pahlewi. Man sollte meinen, nach der Islamischen Revolution von 1979 wäre er dort als Denker diskreditiert. Doch Corbin gilt für die Perser immer noch als großer Mittler.

Henry Corbin ist einer der wenigen Europäer, nach denen in Teheran eine Straße benannt ist. Gesäumt von alten Villen und Lehmmauern geht die Gasse im Herzen des historischen Stadtzentrums von einer Allee namens Neauphle-le-Château ab. Eine kleine katholische Kirche sowie die Botschaften Italiens und Frankreichs liegen in unmittelbarer Nähe.

Neauphle-le-Château: Das ist das Dorf bei Versailles, in dem sich Ajatollah Chomeini ab dem 8. Oktober 1978 eine Kommunikationszentrale einrichten konnte, deren massenmediale Funktionalität nicht unwesentlich dazu beitrug, aus der iranischen eine islamische Revolution zu machen. Henry Corbin hingegen war tags zuvor in Paris gestorben. Von 1945 bis 1977 hatte der Professor der École Pratique des Hautes Études den Herbst in Teheran verlebt, um Manuskripte zu editieren und islamische Philosophie zu lehren. Nun tobte die Revolution, und bald würde jener Islam, den er für ein Phänomen der Verwestlichung halten musste, seinen grausamen Triumphzug beginnen: der politische.

Dem rechten Winkel, in dem Corbin und Chomeini im Teheraner Straßenbild aufeinanderprallen, entspricht in der Rhetorik der Ideengeschichte die Figur des Chiasmus: Während einer der bedeutendsten Orientalisten des zwanzigsten Jahrhunderts in seiner Forschung jahrzehntelang das Bild eines spekulativen Islams zeichnete, dessen Innerstes nicht durch die Scharia, sondern durch Mystik (erfan) und Theosophie (hekmat ilahiya) zum Ausdruck kommen sollte, kehrte Chomeini wie ein Robespierre redivivus nach Teheran zurück, um sein Volk durch das Fegefeuer des politischen Terrors zur Theokratie zu führen. Am Schnittpunkt dieses Chiasmus wären Begriffe wie Imam, velayat und Antimodernismus zu verzeichnen, die im Denken beider zentral waren. Oder aber, in erster Annäherung an eine eigentümliche coincidentia oppositorum, drei philosophische Szenen.

Die erste markante Szene: Am 8. März 1947 wird Henry Corbin mit dem französischen Kulturattaché eine Audienz im Golestan-Palast gewährt. Es ist das erste Gespräch des damals Dreiundvierzigjährigen mit dem siebenundzwanzigjährigen Schah. Corbin war im Herbst 1939 zu einem kurzen Forschungsaufenthalt nach Istanbul entsandt worden, der am Ende sechs Jahre dauerte. Dem Schüler des Mediävisten Étienne Gilson und des Orientalisten Jules Massignon scheint das unbeabsichtigte, keinesfalls aber unfreiwillige Exil nicht weiter belastet zu haben, konnte er doch die Kriegsjahre nutzen, um sich in die Werke jenes Schihabaddin Suhravardi zu vertiefen, dessen Manuskripte er ursprünglich bloß hatte sichten und ablichten wollen. Der iranische Theosoph, der 1191 auf Befehl Saladins mit nur siebenunddreißig Jahren als Ketzer in Aleppo hingerichtet wurde, sollte Corbins „geistiges Schicksal, diese Welt zu durchwandern“, nachhaltig prägen, denn die Synthese platonischer, islamischer und zoroastrischer Elemente, auf die er in dessen Denken stößt, erschließt ihm Iran als „mittlere und vermittelnde Welt“, mithin als Zentrum und Brücke zwischen Religionen, Kulturen und Zeiten. Noch 1945 gibt er den ersten Band der „Opera metaphysica et mistica“ Suhravardis heraus.

Die Istanbuler Studien führen den Franzosen zu jener Generalthese, mit der er einen veritablen Paradigmenwechsel in der abendländischen Sichtweise der islamischen Philosophie bewirkt hat: Sah man deren Tradition bis zur Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts noch als eine an, die mit dem Tod des arabischen Aristotelikers Averroes (1126 bis 1198) ihre welthistorische Mission der „Fortpflanzung der Philosophie“ (Hegel) vollendet hatte, weil die – vom Corpus der griechischen Episteme geschwängerte – muslimische Mutter bald schon ein kräftiges christliches Kind in Gestalt des Thomismus zur Welt brachte, konnte Corbin zeigen, dass der philosophische Eros im islamischen Kulturkreis keinesfalls nach dem zwölften Jahrhundert erlosch. Vielmehr setzt schon mit der Illuminationsphilosophie Suhravardis eine Entwicklung im ostislamischen Raum ein, die im siebzehnten Jahrhundert in der Lehre des großen Denkers des Safavidenreichs, Mullah Sadra, kulminiert und sich zu einer Systematik fortgestaltet, die noch heute in Iran tradiert wird.

Unmittelbar nach Kriegsende wird Corbin nach Teheran entsandt, um dort neue philologische Goldadern zu entdecken. Schon im Frühjahr 1946 erscheinen „Les motifs zoroastriens dans la philosophie de Sohrawardi“ in zweisprachiger Ausgabe. Der Franzose erwirbt sich bei den so dankbaren wie stolzen Iranern schnell den Ruf des Wiederentdeckers ihrer verlorenen philosophischen Tradition und wird demgemäß verehrt: „Henry Corbin“, so liest man denn auch in der Vorrede von 1946, „hat unsere Herzen erleuchtet und den Glanz des alten Iran wiederaufscheinen lassen.“ Als sich 2008 Corbins Todestag zum dreißigsten Mal jährte, waren es nicht der „Figaro“ oder „Le Monde“, sondern die – inzwischen verbotene – iranische Tageszeitung „Kargozaran“, die ihm unter dem Titel „Erkundungen in einem verlorenen Kontinent“ einen ganzseitigen Artikel widmete.

Die zweistündige Unterhaltung Henry Corbins mit dem Schah von Persien, deren Verlauf Corbins Gattin Stella in Stichworten festhält, kreist erst spenglerianisch um Leben und Sterben der Zivilisationen, bevor der Zustand Irans ins Auge gefasst wird. Mit diesem ist Mohammed Reza Pahlewi sechs Jahre nach der – durch Briten und Russen erzwungenen – Abdankung seines autokratischen Vaters alles andere als glücklich. Der Monarch zeigt sich von der Notwendigkeit der Herausbildung einer Elite überzeugt und hegt wenig Zweifel daran, was deren Entstehen behindert hat: „Kein Denker, nicht ein Dichter in den letzten Jahrhunderten. Warum nur? Ist vielleicht der Islam dafür verantwortlich?“

Als man schließlich auf die Möglichkeit eines atomar verursachten Weltuntergangs zu sprechen kommt, beginnt Corbin womöglich, dem jungen Herrscher eschatologischen Honig um den Mund zu schmieren. „Henry“, so notiert Stella Corbin, „unterstreicht, dass der Begriff des Weltuntergangs zoroastrischen Ursprungs ist: die Zersetzung der Welt der Finsternis ist der ultimative Triumph des Lichts.“ Kein anderer als Zarathustra, so belehrt der Gründer des Teheraner Institut Français für Iranologie den Schah, habe erstmals die Verklärung der Welt verkündet und dem Tod so den Charakter einer „finalen Katastrophe“ genommen. Besagtes Licht des Heils ist das zoroastrische Xvarenah: eine göttliche Emanation, halb Gloria, halb Fatum, aus der Ahura Mazda alles Leben erschafft und „kraft der die Kreaturen in einer Hierarchie geordnet sind, die eine jede das ihr eigentümliche Werk vollbringen lässt“, wie es mit platonischen Untertönen bei Suhravardi heißt.

Man kann sich kaum vorstellen, dass Corbin dem jungen Monarchen kein Exemplar seiner vieldiskutierten „Motifs zoroastrien“ mitgebracht haben sollte. Denn an wen, wenn nicht an ein kommendes „Licht der Arier“, das im aufziehenden Sturm des Kalten Kriegs flackert, könnte sich ein Buch wenden, das unter dem Begriff des „Xvarenah royal“ die Suhravardische Theorie des vollkommenen Führers als sakrale Legitimation charismatischer politischer Herrschaft interpretiert?

Als Corbin im Anschluss von seinem Glück berichtet, mit dem Studium arabischer und persischer Texte seiner philosophischen Berufung folgen zu können, unterbricht ihn der in militärischen Institutionen erzogene Mohammed Reza Pahlewi gerührt, um alle zu preisen, die ihrer Berufung folgend ein erfülltes Leben führen können. Ein Vierteljahrhundert später, pünktlich zu den pompösen Zelebrationen der iranischen Monarchie, die der König der Könige 1971 in Persepolis feiern lässt, erscheint mit großzügiger finanzieller Unterstützung iranischer Ministerien Corbins monumentale Summe seiner Studien unter dem programmatischen Titel „En Islam Iranien“.

Das vierbändige Werk des Philosophen und das Hundert-Millionen-Dollar-Event des Schahs ergänzen sich perfekt: Der Theosoph am Pfauenthron dokumentiert mit der Akribie des Meisterdenkers genau das für die Geschichte des iranischen Geistes, was der Monarch so maß- wie substanzlos in der politischen Dimension zu inszenieren bemüht ist, wenn er sich Ruhm und Herrlichkeit seiner Ahnen wie ein Goldenes Vlies aus Xvarenah royal umwirft. War Henry Corbin also, wie der Judaist Steven Wasserstrom in einer einflussreichen Studie argumentiert hat, letztlich dies: ein faschistoider Orientalist, dessen „spiritueller Iran dem imperialen Iran des Schah diente“?

Die zweite markante Szene: „Er war ein lebendes Paradoxon“, lacht Gholam-Hossein Dinani. Der siebzigjährige Philosoph sitzt im Hörsaal der ehemaligen „Kaiserlichen Akademie für Philosophie“, an der Corbin in den letzten Jahren seines Lebens lehrte. „Äußerlich war er Europäer, stets elegant, mit Krawatte und Anzug. Doch in seinem Inneren lebte ein orientalischer Mystiker. Da ich mich gern neben ihn setzte, hörte ich ihn zuweilen Mantras wiederholen, die wir dhikr nennen und von Personen rezitiert werden, die von einem Meister in die schiitische Mystik initiiert werden. Sogar sein Exemplar von ,Sein und Zeit’ war voller arabischer Randnoten, mit denen er sich das Denken Heideggers erschloss, obwohl er ihn ja kennengelernt und sogar ins Französische übersetzt hatte.“

Man merkt es dem hellwachen Professor Dinani an, dass er in theologischen Seminaren das Denken im Takt dialektischer Streitgespräche erlernt hat. Begriffsbestimmungen werden dialogisch durchgeführt, und wenn der liebenswerte Philosoph fragt, was wohl der Glaube ohne das Fundament der Vernunft wäre, möchte man glatt mit einem „Gewiss nichts, oh Gholam-Hossein“ antworten. „Wenn Corbin in Teheran war, fuhr ich mit meinem Lehrer Allameh Tabatabai jeden Donnerstag aus Ghom zu ihm“, erinnert sich der damals frischgebackene Rechtsgelehrte, der den Turban bald wieder ablegte, weil ihm das privilegierte Leben der Mullahs missfiel. „Diese Treffen waren etwas Besonderes für uns, denn damals war selbst die schiitische Philosophie kaum Bestandteil unseres Studiums.“

Ähnlich wie der Sufismus war diese dem Klerus ein Dorn im Auge, da man Gedanken fürchtete, die die Geltung der Scharia unterwandern könnten. Um die acht Personen, so Dinani, nahmen an den Gesprächen zwischen Corbin und dem quietistischen Ajatollah Allameh Tabatabai teil, der als einer der bedeutendsten schiitischen Philosophen und Koranexegeten des zwanzigsten Jahrhunderts gilt. „Tabatabai war stark am Denken des Okzident interessiert, das Corbin uns näherbrachte, wohingegen dieser davon profitierte, zentrale Lehren der schiitischen Theologie von einer Koryphäe wie Tabatabai exponiert zu bekommen“, fasst Professor Dinani die günstige Kommunikationslage zusammen. „Für viele war es das erste Mal, überhaupt nur die Namen von Kant, Hegel oder Kierkegaard zu hören.“

Die spirituelle Hermeneutik, die Corbin von der Existentialontologie Heideggers und der Tradition Suhravardis beeinflusst entwickelt, setzt bei dem Phänomen der Buchreligion an. Für diese ist eine Situation konstitutiv, in der die Frage nach dem wahren Sinn der Schrift in den Mittelpunkt des Glaubens rückt und eine neue „spirituelle Kultur“ in den abrahamitischen Religionen hervorbringt. Eigentümlich an dieser ist näherhin der hermeneutische Zirkel, kraft dessen sich das Wort Gottes nur in dem Maße erschließt, in dem es sich entzieht: „Die Weise des Verstehens“, so schreibt Corbin in seiner „Histoire de la philosophie islamique“, „ist von der Daseinsweise des Verstehenden bedingt, wie auch umgekehrt das innere Dasein des Gläubigen durch seine Verstehensweise.“

Die in diesem Zirkel angelegte Unendlichkeit des Interpretationsprozesses, der auf die Auslotung des spirituellen Schriftsinnes in seiner Totalität abzielt, sah Corbin im Rahmen des Christentums durch die kirchliche Autorität des Magisteriums blockiert, während der sunnitische Islam einseitig als Verkörperung starrer Gesetzesreligiösität interpretiert wird, die sich nach dem „Siegel der Propheten“ mit dem buchstäblichen Schriftsinn als positive Religiosität in Gestalt der Scharia bei der Regelung des praktischen Lebens beruhigt. Einzig im Schiismus sah Corbin ein religiöses Bewusstsein, das sich in Gestalt der zwölf Imame als „Hüter des Buches“ dem Problem des wahren inneren Sinnes der Offenbarung stelle und so als Nährboden einer „prophetischen Philosophie“ dienen könne.

Im Zentrum dieser Spekulation, deren Grundzüge schon mit den ersten Imamen nach dem Tod des Propheten feste Kontur annehmen, steht das komplexe Konzept der velayat, das für Corbin – anders als in Chomeinis theokratischem Prinzip der „Herrschaft des obersten Rechtsgelehrten“ (velayat-e faqih) – nicht den Sinn politischer Vormundschaft hat, sondern qua „initiatorisches Charisma der Freunde Gottes“ die theologische Grundlage darstellt, auf der die heiligen Imame dem Zyklus der Prophetie einen Zyklus spiritueller Initiation folgen lassen. „In Corbins Sicht des Schiismus war es entscheidend, dass vermittels der velayat die Beziehung des Menschen zu Gott nie abreißt“, erläutert Gholam-Hossein Dinani. „Mit Politik hatte das für ihn nichts zu tun.“

Die dritte markante Szene: Daryush Shayegan ist ein langjähriger Freund Henry Corbins und dessen iranischer Meisterschüler. Bei den Gesprächen mit Ajatollah Tabatabai übersetzte er oft, da Corbin Farsi zwar lesen, nicht aber sprechen konnte. Der weltgewandte franco-iranische Philosoph erinnert sich an einen Mann, der von seiner Arbeit absorbiert war. „Er hatte etwas Mönchisches, konnte sich aber wie ein Kind an Scherzen freuen und war furchtbar schwerhörig.“ Shayegan interpretiert Corbins Werk als spirituelle Topographie des iranischen Islam, die in ihrer Synopsis der religiösen, philosophischen, erotisch-mystischen und künstlerischen Dimensionen der persischen Geistesgeschichte unübertroffen sei, gleichwohl der Franzose einen recht selektiven Zugang zu Land und Leuten gepflegt habe.

„Corbin hat sich nicht für den Volksglauben oder die Alltagskultur interessiert, geschweige denn für soziale Probleme. Iran war für ihn das archetypische Land der Dichter und Mystiker“, urteilt Shayegan, der die Rolle der symbolisierenden Einbildungskraft und ihres religiösen mundus imaginalis in den systematischen Mittelpunkt des Werks Corbins gerückt sehen möchte. Dies wird auch dessen Antimodernismus gerecht, der die „Katastrophe des Geistes“ darin sah, dass eine materialistische Menschheit, die in nichts mehr die Zeichen ihres Schöpfers zu erkennen vermag, des göttlichen Feuers verlustig geht, das sie in sich trägt. Corbin wollte dies Feuer aus dem Geiste der esoterischen Traditionen der abrahamitischen Religionen wiederentfachen – „Häretiker der Welt vereinigt euch!“, soll er einmal bei einer Tagung ausgerufen haben.

„Als ich ihn im Spätsommer 1978 in Paris besuchte, war er schon bettlägrig und konsterniert ob der Geschehnisse in Iran. ,Wogegen protestieren denn die Menschen?’, fragte er mich. ,Kannst du mir erklären, was da los ist?’ Wir wussten, dass es unsere letzte Begegnung sein würde und hatten Tränen in den Augen.“ Aber die Politik, so urteilt Daryush Shayegan nüchtern über seinen Lehrer und Freund, „war ganz und gar nicht sein Garten“.

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Time am 28. März 2010

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1) http://de.wikipedia.org/wiki/Zoroastrismus

Manch Ork hat den Jihad satt

27. März 2010

Zwei Christen sind in diesem Monat in Pakistan ermordet worden, weil sie die Konversion zum Fieslahm ablehnten. TROP (1): „Arshed Masih wurde verbrannt (seine Frau vergewaltigt).  Rashid Masih wurde mit einer Axt totgehackt. Wenn dies nicht das wahre Gesicht des Islam ist, wo bleibt dann der muslimische Aufschrei darüber?“ Ich vermute, dass dieser „Aufschrei“ unwahrscheinlicher ist als das Ende des Mohammedanismus selbst. Immerhin scheinen in einigen Teilen der Welt inzwischen sogar mohammedanistische Fundamentalisten und Schariafans vom blutigen Jihad die Nase voll zu haben (dessen Opfer ohnehin zu 98% Orks sind), wie Jochen Buchsteiner für die heutige FAZ aus Indonesien berichtet.

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Drei Strömungen des Dschihadismus

Die Terrorszene in Indonesien ist
nicht mehr so übersichtlich wie früher

Der befürchtete Anschlag vor dem (verschobenen) Besuch des amerikanischen Präsidenten Obama ist ausgeblieben, aber Indonesien atmet nicht auf. Die Festnahme von fast 50 Extremisten in den vergangenen vier Wochen hat dem Land deutlich gemacht, dass die Gefahr terroristischer Anschläge akut bleibt. „Das Problem ist nicht verschwunden“, sagt Sydney Jones von der „International Crisis Group“, die als Kennerin der indonesischen Terrorszene gilt. Andi Widjajanto von der Universitas Indonesia prophezeit seinem Land sogar eine „düstere Zukunft“. Die Regierung, sagt er, habe noch „keinen Weg gefunden, die Bedrohung effektiv in den Griff zu bekommen“.

Aufgeschreckt wurde die Expertenszene durch die Aktivitäten bisher unbekannter Gruppen. Im Februar stürmte die Polizei ein Ausbildungslager in der Provinz Aceh, die zwar für ihre Scharia-Experimente bekannt ist, nicht aber als Standort von Terrorgruppen. Die Festgenommenen – fünf Verdächtige wurden bei der Razzia erschossen – entpuppten sich als Extremisten, die nur lose, wenn überhaupt, Kontakt zur bekannten Terrorgruppe „Jemaah Islamiyah“ (JI) unterhielten.

Die „Aceh-Gruppe“ sei von Männern rekrutiert worden, die gemeinsam Ausbildungslager auf den Philippinen besucht hätten, sagt Nassir Abbas, ein früheres Mitglied der JI. Abbas beschreibt die neue Gruppe als heterogen und „offen für alle, die sich am Dschihad beteiligen wollen“. Die JI habe Terroroperationen abgeschworen, versichert er. „Gefährlich sind jetzt die Gruppen, die sich von ihr abgespalten haben.“

Frau Jones bezeichnet die Aceh-Gruppe als „Koalition“ vieler kleiner Zellen, die es auf lokale Einrichtungen und Persönlichkeiten abgesehen hätten. Sie setze auf militärisches Training in eigenen Ausbildungslagern, die sie als Basis für begrenzte Aktionen nutzten. In dieser Ausrichtung unterscheide sie sich einerseits von der JI und deren „weichem Ansatz“ und andererseits von einer Hardliner-Gruppierung, in der sich Anhänger des im vergangenen Jahr erschossenen Malaysiers Nurdin Top sammelten. Diese orientiere sich an der Operationspraxis von Al Qaida und plane Terroranschläge großen Stils auf westliche Ziele. Indonesien, resümiert sie, habe es nun mit „drei Strömungen des Dschihadismus“ zu tun.

Dass sich das „Dschihadi-Netz“ neu entfalten konnte, erklärt Frau Jones auch mit Versäumnissen des Staates. Die neuen Splittergruppen würden von Extremisten unterstützt und ideologisch eingenordet, die den Behörden of bekannt seien. Zu ihnen gehörten vor allem entlassene Häftlinge, die weder in ihrer Zeit im Gefängnis noch danach angemessen beobachtet würden. Frau Jones berichtet von einem Insassen, in dessen Zelle 15 Mobiltelefone gefunden worden seien. Mehrere rechtskräftig verurteilte Terroristen hätten nach der Entlassung nahtlos an ihr altes Leben angeknüpft. Fast die Hälfte der etwa 500 Extremisten, die seit 2002 inhaftiert wurden, sind inzwischen wieder frei.

Nötig sei kein neues Gesetz, sondern die effektive Anwendung geltenden Rechts, meint Frau Jones. Die geplante Einführung neuer Vollmachten für die Strafverfolger – ein „Internal Security Act“ nach dem Beispiel Singapurs – bezeichnet Frau Jones als „katastrophal“. Sie befürchtet eine Einschränkung von Öffentlichkeit und Transparenz, die Indonesien bei der Terrorbekämpfung wertvolle Dienste geleistet hätten.

Denn bei allen Mängeln haben die Strafverfolgungsbehörden unbestreitbare Erfolge vorzuweisen. Anders als etwa in Pakistan werden Terroristen in Indonesien gefasst, vor Gericht gestellt und auch verurteilt – drei von ihnen zum Tode. Die fünf großen Anschläge der vergangenen Jahre – auf zwei Nachtclubs in Bali 2002, auf ein Hotel in Jakarta 2003, auf die aus-tralische Botschaft 2004, auf mehrere Re-staurants in Bali 2005 und schließlich auf zwei Hotels in Jakarta 2009 – sind weitgehend aufgeklärt. Geholfen hat eine Bevölkerung, die inzwischen deutlich Position gegen die Terroristen bezieht. Dies wiederum ist Folge des großen, öffentlichen Verfahrens gegen die Attentäter von Bali, als Millionen von Fernsehzuschauern vor Augen geführt wurde, dass der inländische Terrorismus ein indonesisches Gesicht hat und nicht – wie von vielen behauptet – vom amerikanischen oder israelischen Geheimdienst gesteuert wird. „Der Bali-Prozess war eine Schule für die Nation“, sagt Bambang Harymurti, der Chef der politischen Zeitschrift „Tempo“.

Verkörpert werden die Fahndungserfolge von der Terror-Spezialeinheit „Densus 88″, die von amerikanischen und australischen Fachleuten ausgebildet wurde. Bei ihren Razzien geht sie hart vor. Etwa fünf Prozent aller Verdächtigen, hat der Wissenschaftler Widjajanto errechnet, würden von der Spezialeinheit erschossen. Die Klagen darüber halten sich in Grenzen. Die 400 Mann starke Spezialeinheit, die mit ihren Namen an die 88 auf Bali getöteten Australier erinnert, zählt zu den angesehenen Institutionen des Landes. Mitte März machte sie gemeinsam mit einer Sondereinheit der Armee eine Übung in der Hauptstadt Jakarta und legte über Stunden zentrale Plätze wie Hotels, den Hafen und den Flughafen lahm. Simuliert wurde ein Terrorangriff, wie ihn Bombay im November 2008 erlebt hatte. Die Bürger beschwerten sich nicht, sondern lobten die Übung und fragten sogar, warum sie nicht einbezogen würden.

Auch die Extremisten in Aceh hatten die Bevölkerung falsch eingeschätzt. Der Erstürmung ihres Ausbildungslagers waren Hinweise aus der Nachbarschaft vorausgegangen. Abbas vermutet, dass die Extremisten die Provinz, die als „Terrasse Mekkas“ bekannt ist, für ein besonders geeignetes Umfeld gehalten hätten. Aceh, wo vor gut fünf Jahren ein Bürgerkrieg zu Ende gegangen ist, genießt in Indonesien einen Sonderstatus, den es unter anderem mit der schrittweisen Einführung islamischen Rechts nutzt. Anders als im Rest des Landes leben an Sumatras Nordspitze fast ausschließlich Muslime, die Kleidervorschriften, Alkoholverbot oder öffentliche Züchtigung von Missetätern begrüßen. Nun mussten die Extremisten erfahren, dass aus Religiosität noch keine Sympathie für islamistischen Terror erwächst. „Sie wollten ein Lager aufbauen“, sagt der frühere JI-Mann, „und sie haben sich ihr Grab geschaufelt.“

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Time am 27. März 2010

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1) http://www.thereligionofpeace.com/

Im Interview: Avigdor Lieberman

26. März 2010

Im aktuellen „Spiegel“ (#12) steht Israels Außenminister Avigdor Lieberman den Spiegel-Redakteuren Christoph Schult und Martin Doerry Rede und Antwort. Herr Lieberman ist über den Jihad voll und ganz im Bilde. Seine Äußerungen bilden einen angenehmen Kontrast zur Borniertheit vieler deutscher Politiker wie auch den teilweise recht naseweisen Fragen der Journalisten, welche unfreiwillig deutlich machen, dass sie diese aus der Perspektive der Palaraber stellen.

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„Wir führen einen Kulturkampf“

Israels Außenminister Avigdor Lieberman, 51, über die Siedlungspolitik seines Landes, die Bedrohung durch das iranische Nuklearprogramm und die Ausweglosigkeit des Konflikts mit den Palästinensern

SPIEGEL: Herr Außenminister, in der Woche, in der die Palästinenser endlich neuen Friedensverhandlungen zugestimmt haben, kündigt Ihre Regierung an, 1600 neue Wohneinheiten in einer jüdischen Siedlung in Ostjerusalem zu bauen. Sie haben nicht nur die Palästinenser, sondern auch Ihren wichtigsten Verbundeten, die USA, provoziert. Warum?

Lieberman: Wir haben niemanden provoziert. Ich höre all diese Verurteilungen Israels in Bezug auf das sogenannte Ostjerusalem. In derselben Woche wurden in Pakistan 60 Menschen durch Terroranschläge getötet. In jedem Land um uns herum gibt es Blutvergießen und Spannungen. Aber alle ziehen über Israel her. Ich warte auf den Tag, an dem der Deutsche Bundestag über die Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien debattiert.

SPIEGEL: Wir sprechen aber mit dem israelischen Außenminister, nicht mit dem saudi-arabischen.

Lieberman: Die ganze Schuld auf Israel abzuladen ist Heuchelei. Wir sind die einzige Demokratie im Nahen Osten. Der israelisch-palästinensische Konflikt macht vielleicht drei Prozent aller Konflikte in der Region aus. US-Senatoren und Kongressmitgheder, die in den Golfstaaten, Ägypten, Saudi-Arabien oder Jordanien zu Besuch sind, berichten uns, dass ihre arabischen Gesprächspartner nur kurz auf die Palästinenser eingehen, das sind pure Lippenbekenntnisse. 95 Prozent der Zeit warnen sie vor der Bedrohung durch Iran.

SPIEGEL: Im Moment sprechen aber alle über Israel. Die USA kritisieren, Ihre Regierung unterminiere den Friedensprozess, und sagten einen Besuch des US-Sondergesandten George Mitchell ab.

Lieberman: Selbst zwischen den besten Freunden kann es Fehler und Missverständnisse geben. Wir haben nie versprochen, das Bauen in Jerusalem einzustellen. Aber die Ankündigung ausgerechnet während des Besuchs von US-Vizepräsident Joe Biden zu machen war ein Fehler – ein bürokratischer Fehler des zuständigen Bauausschusses.

SPIEGEL: Sie kritisieren also nur das Timing, nicht aber den Plan, die bestehenden Siedlungen auszubauen?

Lieberman: Sie müssen verstehen: Es handelt sich nicht um Siedlungen. 65 Prozent der jüdischen Bevölkerung Jerusalems leben in den neuen Wohnvierteln, die wir nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 errichtet haben.

SPIEGEL: Sogar für die Amerikaner sind es Siedlungen. Sie liegen jenseits der 67er-Grenze, und das ist ein Problem.

Lieberman: Sie liegen jenseits der 67er-Grenze, aber es handelt sich nicht um kleine Dörfer, sondern um Stadtteile mit Zehntausenden Einwohnern.

SPIEGEL: Also haben Sie ein umso größeres Problem!

Lieberman: Das ist kein Problem, sondern ein integraler Teil unserer Hauptstadt. Wir sind nicht bereit, über Jerusalem zu verhandeln.

SPIEGEL: Einerseits kritisieren Sie die Palästinenser dafür, Vorbedingungen zu stellen, andererseits weigern Sie sich selbst, über so einen zentralen Streitpunkt wie Jerusalem zu sprechen.

Lieberman: Premierminister Benjamin Netanjahu hat eine Rede in der Bar-Ilan-Universität gehalten, in der er zum ersten Mal die Zwei-Staaten-Lösung anerkannt hat. Das war eine schwierige Entscheidung, vergessen Sie nicht, es handelt sich um eine rechtsgerichtete Regierung. Zweitens haben wir die Zahl der Straßensperren im sogenannten Westjordanland verringert und die Bewegungsfreiheit der Palästinenser erweitert. Dadurch haben wir den palästinensischen Städten ein Wirtschaftswachstum von acht Prozent ermöglicht. Drittens haben wir ein weitgehendes Moratorium über den Siedlungsbau verhängt.

SPIEGEL: An das Sie sich aber nicht halten: Gerade hat Verteidigungsminister Ehud Barak in der Westbank-Siedlung Beitar Illit 112 neue Wohnungen bewilligt.

Lieberman: Wir haben innerhalb eines Jahres viele Vorleistungen erbracht, und trotzdem sagt die ganze Welt: „Okay, das ist gut, aber ihr müsst noch mehr liefern.“

SPIEGEL: Auch die USA fordern von Israel zusätzliche Gesten. Werden Sie etwas anbieten?

Lieberman: Wir haben viele Gesten an die Palästinenser gemacht. Wir erwarten jetzt von den Amerikanern, Druck auf die Palästinenser auszuüben, damit sie mit ihren anti-israelischen Aktivitäten in der ganzen Welt aufhören. Die Palästinenser müssen ihre Klagen vor internationalen Gerichten gegen israelische Offiziere zurücknehmen, den Boykott israelischer Waren stoppen und ihre Hetzreden beenden. Wenn das nicht passiert, welchen Anreiz haben wir, weitere Kompromisse zu machen?

SPIEGEL: Ist die Aussicht auf einen Friedensvertrag mit den Palästinensem nichts?

Lieberman: Wir wollen in erster Linie Sicherheit. Die internationale Gemeinschaft macht einen strategischen Fehler. Man kann Frieden nicht erzwingen. Zuerst muss man Sicherheit und Wohlstand schaffen, dann kann man eine umfassende Lösung erreichen.

SPIEGEL: Also sind Verhandlungen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sinnlos?

Lieberman: Nein, wir müssen den politischen Prozess am Leben erhalten. Gespräche sind besser als nichts. Das Problem ist, dass wir nicht wissen, wen Mahmud Abbas repräsentiert. Seine Fatab hat 2006 die Wahl verloren. 2007 hat die Hamas im Gaza-Streifen gewaltsam die Macht übernommen.

SPIEGEL: 19 Jahre nachdem der Friedensprozess mit der Konferenz von Madrid begann, führen Sie jetzt erneut sogenannte indirekte Gespräche. Der US-Sondergesandte Mitchell will die 15 Kilometer zwischen Jerusalem und Ramallah hinundher pendeln. Warum so kompliziert?

Lieberman: Wir waren von Anfang an für direkte Gespräche, ob in Jerusalem oder Ramallah. Es sind die Palästinenser, die sich dagegen wehren. Und sie fühlen sich dadurch bestärkt, dass der Westen ständig über die Siedlungen spricht.

SPIEGEL: Halten Sie die Amerikaner für naiv?

Lieberman: Ich weiß nicht, ob sie naiv sind. Ich glaube nur an Fakten, und die lauten: Trotz der Siedlungen haben wir zwei Friedensverträge geschlossen, einen mit Ägypten und einen mit Jordanien. Und obwohl sowohl Ehud Barak als auch Ehud Olmert bereit waren, die meisten Siedlungen zu räumen und zur Grenze von 1967 zurückzukehren, haben sich die Palästinenser geweigert zu unterschreiben. Wir haben mit dem Autonomieabkommen von Oslo die Hälfte des Wesjordanlandes aufgegeben…

SPIEGEL:… nicht Sie, sondern die linke Regierung des damaligen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin.

Lieberman: Ja, ich war dagegen, und es tut mir leid, dass ich recht hatte. 16 Jahre lang haben wir Zugeständnisse gemacht, aber die Palästinenser haben nur abgelehnt. Obwohl es auf israelischer Seite all die netten Typen waren: Rabin, Peres, Barak, Olmert, Scharon. Nicht so böse Kerle wie ich.

SPIEGEL: Scharon, ein netter Typ?

Lieberman: Er hat die Siedlungen im Gaza-Streifen geräumt.

SPIEGEL: Wozu brauchen Sie die Siedlungen im Westjordanland überhaupt?

Lieberman: Zuerst einmal sind Judäa und Samaria der Geburtsort unserer Nation seit den Tagen der Bibel. Aber die Siedlungen dienen auch unserer Sicherheit.

SPIEGEL: Die Siedlungen? Gefährden die nicht in Wahrheit Ihre Sicherheit?

Lieberman: Nein. Die Siedlungen um Jerusalem etwa sind für uns wie ein Zaun.

SPIEGEL: Aber Sie haben doch bereits eine Mauer zwischen Jerusalem und das Westjordanland gebaut.

Lieberman: Die Siedlungen sind ein zweiter Sicherheitsring, wir brauchen sie. Aber wir sind bereit, über einen Teil von ihnen zu verhandeln.

SPIEGEL: Sie wohnen selbst in einer Siedlung: Nokdim, südöstlich von Betlehem.

Lieberman: Und ich habe gesagt, dass ich bereit wäre, sie aufzugeben. Aber ich muss sicher sein, dass es auf der anderen Seite einen Partner gibt, der Ergebnisse liefert. Unsere Erfahrung sagt, dass es keinen Partner und keine Ergebnisse gibt.

SPIEGEL: Vielleicht hat Israel bislang einfach nicht genug geboten?

Lieberman: Es gibt ein fundamentales Missverständnis über die Natur dieses Konflikts. Er begann als nationaler Streit zweier Völker um ein Stück Land. Aber er hat sich in einen religiösen Konflikt verwandelt. Wir führen einen Kulturkampf, den man nicht mit territorialen Zugeständnissen beilegen kann.

SPIEGEL: Israels Motive sind doch teilweise auch religiös, kürzlich erklärte Ihre Regierung das Grab des biblischen Urvaters Abraham in Hebron zum „zionistischen Kulturerbe“. Es wird aber auch von Muslimen als Heiligtum verehrt.

Lieberman: Hebron war die erste jüdische Stadt, hier nahm unsere Nation mit König David ihren Anfang. Wir haben den Status quo des Abraham-Grabs nicht verändert, Muslime haben freien Zugang zu der dortigen Moschee. Diese Toleranz gibt es auf muslimischer Seite nicht. Letzte Woche rief die Hamas zu einem „Tag des Zorns“ auf, weil wir im jüdischen Teil der Altstadt von Jerusalem die 1948 zerstörte Hurva-Synagoge wiedereröffnet haben.

SPIEGEL: Was ist Ihre Lösung?

Lieberman: Ich sehe derzeit keine Lösung, wir sollten uns darauf konzentrieren, den Konflikt zu managen. Sehen Sie eine Lösung in Afghanistan? Im Irak?

SPIEGEL: In Afghanistan weniger, im Irak schon eher.

Lieberman: Wenn der Westen in so vielen Teilen der Welt gescheitert ist, können Sie nicht erwarten, dass ausgerechnet der Konflikt in unserer Ecke lösbar ist. Sie können einen islamistischen Tsunami nicht stoppen, indem Sie irgendwo im Ozean eine kleine Insel aufschütten. Das größte Problem ist der aggressive Einfluss Irans.

SPIEGEL: Derzeit verhandelt der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen über neue Strafmaßnahmen gegen Teheran. China und Russland haben bisher immer „lähmende Sanktionen“ abgelehnt. Ist es ohne diese Länder möglich, Teheran vom Bau der Atombombe abzuhalten?

Lieberman: Das Problem sind nicht nur Russland und China, sondern auch Indien, die Türkei und andere. Aber es würde ausreichen, wenn der Westen, die EU, Japan, Australien und Kanada, harte Sanktionen verhängen. Das würde dem iranischen Atomprogramm die Luft abschnüren.

SPIEGEL: Tut Deutschland Ihrer Meinung nach genug?

Lieberman: Deutschland spielt eine sehr positive Rolle. Bei meinem letzten Besuch hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass die deutsche Regierung von der Notwendigkeit harter Sanktionen überzeugt ist. Ich fürchte nur, dass Streitigkeiten und ein Mangel an politischem Willen innerhalb der internationalen Gemeinschaft echte Sanktionen verhindern könnten.

SPIEGEL: Wird es dann einen Militärschlag geben?

Lieberman: Ich glaube nicht, dass Israel die Verantwortung dafür übernehmen sollte. Aber wir nehmen keine Option vom Tisch.

SPIEGEL: Was ist die größere Gefahr für Israel: ein nuklear bewaffneter Iran oder die Unterstützung Teherans für die Hamas und die libanesische Hisbollah?

Lieberman: Die größte Gefahr ist die Unschlüssigkeit der internationalen Gemeinschaft. Iran bedroht die ganze Welt. Es ist kein Zufall, dass die Iraner keinen Unabhängigkeitstag feiern, sondern den Jahrestag der Revolution. Revolutionäre trachten immer danach, ihre Revolution zu exportieren. Das war bei den Bolschewiken so und auch bei Che Guevara. Daher sehen wir iranische Aktivitäten in der ganzen Welt: in Afrika, in Südamerika und natürlich im Nahen Osten; bei Hamas, Hisbollah oder Muktada al Sadr im Irak. Sie sind alle Stellvertreter Irans.

SPIEGEL: Und deshalb musste der Mossad den Hamas-Waffenhändler Mahmud alMabhuh in Dubai töten?

Lieberman: Sie müssen zu viele James-Bond-Filme gesehen haben. Ich habe das Video der Dubaier Polizei auch im Fernsehen gesehen, aber es gibt keinerlei Beweise.

SPIEGEL: Alle Indizien führen nach Israel. Die Agenten nutzten zum Beispiel Identitäten von Juden, die aus Großbritannien und Australien nach Israel eingewandert sind.

Lieberman: Wir kooperieren mit Großbritannien und Australien in den Ermittlungen. Sie haben Polizei-Inspektoren nach Israel entsandt.

SPIEGEL: Sie sagen, es war nicht der Mossad?

Lieberman: Wir bekämpfen den Terror jeden Tag. Und wir versuchen, trotz allem eine Demokratie mit klaren Regeln zu bleiben. Ich erwarte von der Welt mehr Verständnis für unsere Probleme.

SPIEGEL: Einer der mutmaßlichen Täter benutzte einen deutschen Pass, den er mit dem Hinweis beantragt hatte, seine Eltern seien Holocaust-Überlebende. Der deutsche Generalstaatsanwalt ermittelt wegen Verdachts auf Mord und Agententätigkeit. Wird Israel ein Rechtshilfe-Ersuchen aus Deutschland positiv beantworten?

Lieberman: Wir werden helfen, so gut wir können. Wir kooperieren auf allen Ebenen mit der Bundesrepublik.

SPIEGEL: Im Bundesnachrichtendienst ist man irritiert, weil Israel offenbar einen Hamas-Mann umgebracht hat, während der BND gleichzeitig auf Bitten Israels mit der Hamas über eine Freilassung des entführten Soldaten Gilad Schalit verhandelte.

Lieberman: Wir schätzen das deutsche Engagement im Fall Schalit sehr.

SPIEGEL: Im BND heißt es, die israelische Regierung sei von einem bereits ausgehandelten Gefangenenaustausch in letzter Minute zurückgetreten.

Lieberman: Ich kommentiere das nicht. Wir werden alles tun, um dieses für uns hochsensible Kapitel abzuschließen.

SPIEGEL: Es heißt, Sie verstünden sich gut mit Außenminister Guido Westerwelle. Sie haben in Jerusalem eine Zigarre zusammen geraucht.

Lieberman: Westerwelle ist ein sehr ernstzunehmender Politiker. Ich denke, er vertritt Deutschland würdig.

SPIEGEL: Die meisten Deutschen sehen das derzeit anders. Sie finden, er benehme sich mehr wie ein Oppositionsführer denn wie ein Außenminister. Warum haftet Ihnen das Image des bösen Typen an?

Lieberman: Die Menschen haben die Wahl zwischen der süßen Lüge und der bitteren Wahrheit. Ich sage die bittere Wahrheit, aber viele Menschen wollen sie nicht hören.

SPIEGEL: Herr Außenminister, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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Time am 26. März 2010

Anstatt sich zu freuen

26. März 2010

Zur Zeit macht das Buch des Palarabers Mosab Hassan Yousef Furore. Dieser älteste Sohn des Hamas-Mitbegründers Scheich Hassan Yusef wechselte in israelischer Haft aus Ekel vor den Methoden seiner Hamas-Genossen die Seite, wurde ein exzellenter Agent Israels und konvertierte zum Christentum. Für Dimmi Joseph Croitoru ist das alles ein wenig zuviel, Agent ginge ja noch, schade zwar, aber dann noch Konversion zum Christentum? Und das Buch von evangelikalen Verlagen herausgegeben? Unmöglich! Und anstatt sich über die grandiose Selbstbefreiung eines gehirngewaschenen Orks aus den Fesseln seiner mörderischen Ideologie zu freuen, grantelt Croitoru zahnlos herum, was tief in seine Seele blicken lässt.

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Der Grüne Prinz war ein Spion

Vom Islamisten zum christlichen Missionar: „Sohn der Hamas“ heißt das autobiographische Buch von Mosab Hassan Yousef, das in diesen Tagen  auf Deutsch erscheint.

In fundamentalistischen Bewegungen sind Dissidenten die Ausnahme. Dies gilt auch für die palästinensisch-islamistische Hamas. Obgleich der zweiunddreißigjährige Palästinenser Mosab Hassan Yousef offiziell nie zu ihren Mitgliedern gehörte, war sein persönliches Schicksal auf besondere Weise mit der Organisation verknüpft, was ihn am Ende zu einem ihrer erbittertsten und auch bislang SCHRILLSTEN Gegner werden ließ. Denn als ältester Sohn und zeitweiliger Assistent des Hamas-Mitbegründers Scheich Hassan Yousef NUTZTE er seine Position, um als Informant für den israelischen Inlandsgeheimdienst Schabak (Schin Beth) palästinensische Terroristen in der Westbank auszuforschen.

Seit drei Jahren lebt er in den Vereinigten Staaten. Dort erschien Anfang März seine von viel MEDIENRUMMEL begleitete Autobiographie „Sohn der Hamas“; in diesen Tagen kommt sie in Deutschland auf den Markt. Wie die amerikanische Originalversion (bei Tyndale House Publishers) erscheint auch die deutsche Übersetzung in einem KONFESSIONELLEN Verlag (SCM Hänssler, Holzgerlingen) – beide Häuser werden zum EVANGELIKALEN Verlagsspektrum gezählt. Diese Wahl ist alles andere als ZUFÄLLIG. Denn das Buch enthält nicht nur die Bekenntnisse eines für die Israelis tätigen palästinensischen Spions. Es ist auch die Geschichte seiner BEKEHRUNG zum Christentum (= evangelikal, T.).

Als EIFRIGER Christ zieht Mosab Yousef jetzt öffentlich gegen den GOTT der Muslime zu Felde und SCHIMPFT Allah einen „Terroristen“. Gleichzeitig beruft er sich auf das Gebot der Feindesliebe, das auch seine einstigen Informantendienste RECHTFERTIGEN soll.

Von seinen MISSIONARISCHEN Förderern wird Yousef in das KORSETT einer fast TYPOLOGISCHEN (d.h. unindividuellen, unpersönlichen, T.) Figur des erfolgreich bekehrten militanten Muslims GEZWÄNGT, gut INSTRUMENTALISIERBAR gerade in Zeiten, in denen Konvertiten in umgekehrter Richtung immer wieder als Al-Qaida-Terroristen von sich reden machen. Wohl deshalb hat der deutsche Verlag das Werk mit dem im englischen Original fehlenden Untertitel „Mein Leben als Terrorist“ versehen, der das im Kern humane Motiv der Agentendienste Mosabs fast schon VERFÄLSCHT: Es sei ihm bei seiner Geheimdiensttätigkeit, durch die zahlreiche Anschläge auf Israel verhindert werden konnten, darum gegangen, unschuldige Menschenleben zu retten – und, wo es ging, auch die Attentäter selbst vor dem sicheren Tod zu bewahren. Er selber, auch das gibt er immer wieder zu Protokoll, sei kein Terrorist – ebenso wenig sein Vater, der noch nicht einmal einer Fliege etwas zuleide tun könne und der die Selbstmordattentate der Hamas nur auf ihren Druck hin bejaht haben soll. Auf dem Pamphlet liegt der Schatten des Vaters, dessen Menschenliebe Mosab als verlorener Sohn nach wie vor rühmt. So wird es auch zu einer Verteidigungsschrift gegenüber Vater und Familie, denen sich der Autor immer noch liebevoll verbunden fühlt, obgleich sie ihn mittlerweile zum Verräter erklärt und verstoßen haben.

Das starke familiäre Band zu zerreißen war, so liest man nicht nur zwischen den Zeilen, für den Konvertiten, der ursprünglich – wie schon sein Großvater und Vater vor ihm – eigentlich Imam werden sollte, das Schmerzlichste. Dieses Bekenntnis SOLL die AUTHENZITÄT seiner Bekehrungsgeschichte steigern. Diese Konversion BEDARF des OBLIGATEN Schlüsselerlebnisses. Hier ist es die Begegnung des Verfassers mit den Schergen der Hamas in einem israelischen Gefängnis. Dass der bei Ramallah aufgewachsene Junge Mosab als steinewerfendes Intifada-KIND schon einmal eine ENTFÜHRUNG durch ISRAELISCHE Siedler GLIMFLICH überstanden hatte, hielt ihn später nicht davon ab, sich in JUGENDLICHEM LEICHTSINN (was nichts mit Jihad zu tun hat, will C. sagen, T.) an der Beschaffung von Waffen zu beteiligen, was ihm Inhaftierung und FOLTER (?, T.) durch die Israelis einbrachte. Einer langjährigen Haft konnte er nur entgehen, weil er dem DRUCK seiner israelischen Vernehmer nachgab (der Folter, will C. sagen, T.) und sich bereit erklärte, mit dem Schabak zusammenzuarbeiten.

Dies geschah ANGEBLICH zunächst in der Absicht, den israelischen Dienst als Doppelagent von innen zu bekämpfen. Mehrere Monate im israelischen Megiddo-Gefängnis musste er dennoch verbringen, die ihm die Augen öffneten. Dem Sektor der Hamas-Häftlinge zugeteilt, erlebte er nämlich dort, wie die Islamisten Mithäftlinge folterten, die sie – MEIST unbegründet – der Kollaboration verdächtigten. Das Bild jener Güte und Menschenfreundlichkeit, mit dem der damals achtzehnjährige Mosab die Organisation des vergötterten Vaters verband, zerbrach. Dass die Israelis auf eine solche Reaktion SPEKULIERT haben könnten, kommt dem Autor indes nicht in den SINN (Sie ist ja auch tatsächlich UNsinnig, wie die extreme Verbundenheit z.B. der meisten Guantanamo-Gefangenen mit dem Jihad zeigt, T.). Er GLAUBT auch heute LIEBER der Version seines israelischen FÜHRUNGSOFFIZIERS Loai, die monatelange Haftzeit sei nötig gewesen, um sich nicht als Spion verdächtig zu machen.

Wieder in Freiheit, lieferte Mosab Yousef seinen Auftraggebern, die ihm den Decknamen Grüner Prinz gaben und ihm ein GEHALT zahlten, regelmäßig wertvolle Informationen, die längst nicht nur die Aktivitäten der Hamas betrafen. So gelang es ihm, die Mitbegründer der zunächst undurchschaubaren Terrororganisation „Al-Aqsa-Brigaden“ als Mitglieder von Jassir Arafats Leibgarde „Force 17″ zu entlarven. Und in zahlreichen anderen Fällen war es (nach seinen EIGENEN Angaben) ihm zu verdanken, dass geplante Selbstmordanschläge vereitelt und Bombenbauer ausfindig gemacht werden konnten. Ohne die Identität der Zielpersonen gekannt zu haben, verhinderte der Grüne Prinz zudem Attentate auf Schimon Peres und den früheren orientalischen Oberrabbiner Ovadja Josef (Na, wenn das nicht erstklassige Arbeit war! Das kann Herr Croitoru nun aber nicht so stehenlassen… T.). Einen Einblick in die internen Abläufe auf der Führungsebene der Islamistenorganisation konnte er allerdings nicht WIRKLICH gewinnen. So erfuhr er von der Kooperation der Hamas mit der Fatah bei der Inszenierung der Al-Aqsa-Intifada eher ZUFÄLLIG, als er seinen Vater zu Treffen mit dem damaligen Palästinenserpräsidenten Arafat begleitete. Und zu einem weiteren Erkenntnisgewinn über die Funktionsweise der Organisation tragen auch jene vom Autor erwähnten Telefonate NICHT bei, die er stellvertretend für den immer wieder inhaftierten Vater mehrmals mit Khalid Meschal, dem Chef des Hamas-Politbüros in Damaskus, geführt haben WILL.

Selbst der Hamas-Anführer Hassan Yousef soll über die terroristische Infrastruktur der Organisation nur schlecht informiert gewesen sein – dies glaubt jedenfalls sein Sohn, der auch Exklusives über die Untergrundaktivitäten der Islamisten in der Westbank entdeckt zu haben meint: die Tarnung mehrerer Aktivisten als Bürokräfte eines Zentrums für islamische Studien in Ramallah, die ihre Unauffälligkeit nutzten, um Gelder an den militärischen Arm der Hamas zu transferieren. Dem israelischen Geheimdienst ebenso wie der Autonomiebehörde Arafats allerdings dürfte dies längst bekannt gewesen sein. Indirekt zeugt die Darstellung des Autors, dem kürzlich sein ehemaliger Führungsoffizier gegenüber der Zeitung „Haaretz“ ein ungewöhnliches Spionagetalent bescheinigte, eher davon, dass Yousef seine Verdienste als Informant doch ETWAS überschätzt – dieser Ansicht ist übrigens auch der „Haaretz“-Geheimdienstexperte Yossi Melman.

Zu DENKEN gibt auch, dass Mosab Yousef, mit CHRISTLICH-MISSIONARISCHEM Ziel, aber nicht wirklichkeitsfremd, zwar scharf vor der Gefahr der Hamas warnt, an deren Feindbild von der FATAH indes festhält. Der Verfasser kann seine Abscheu vor der säkularen Gegnerin kaum verbergen und zeigt sich so auch heute noch als wahrer „Sohn der Hamas“. Entsprechend sieht die Fatah-nahe palästinensische Presse Yousefs Enthüllungsbuch lediglich als einen weiteren Versuch der Israelis, Mahmud Abbas’ Organisation als korrupt und als im Volk verhasst zu DISKREDITIEREN. Die Hamas ihrerseits bestreitet, dass Yousef junior je Einblick in ihre Entscheidungsprozesse gehabt haben könnte – und dürfte dabei NICHT GANZ UNRECHT haben. Übersetzungen ins Arabische und Hebräische sind, wie der amerikanische Verlag auf Anfrage mitteilte, bereits in Vorbereitung.

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Nun ist Herr Croitoru (1) als 1960 in Haifa Geborener zwar kein „echter“ 68er, aber sein Text macht z.B. aus seiner christenfeindlichen Grundhaltung („Missionare“) m.E. kein Hehl. Israel scheint der dort Aufgewachsene auch distanziert bzw. negativ gegenüberzustehen. Political corrupt gehören für ihn „zum Streit immer zwei“, eigentlich hat „jeder Recht“ und mutmaßlich viermal im Jahr ist er in der Hopi-Schwitzhütte anzutreffen. Er hat es sich behaglich in seinem Elfenbeinturm eingerichtet. Er möchte nicht in seinem Marihuanarausch und dem Traumbild einer säkularen und rationalen Palaraberorganisation namens Fatah gestört werden. Wie die Faust auf’s Auge passt hierzu eine von „Heplev“ am 22. März übersetzte Notiz von „Elder of Zion“ (2):

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Fatah rügt Hamas, sie sei nicht genügend pro Terror

Gestern sagte Hamas-Führer Mahmud Zahar, das jüngste tödliche Raketenfeuer aus dem Gazastreifen solle die Autorität der Hamas untergraben und spiele Israel in die Hände. Es fehlte nur noch, dass er sagte, diejenigen hinter den Angriffen seien Kollaborateure Israels. Heute wird er für seine öffentlichen Äußerungen gegen das Raketenfeuer von der üblichen Sammlung Terrorgruppen kritisiert: vom Islamischen Jihad, der Volksfront für die Befreiung Palästinas – und von der Fatah, Israels angeblich moderatem Friedenspartner.

Fatah-Sprecher Fayed Abu Eita beschuldigte die Hamas, sie gebe den Terror („Widerstand“) auf, um ihre Macht zu erhalten. Er sagte, das Volk habe die Hamas gewählt es zu führen, weil sie Raketen nach Israel schossen, aber unglücklicherweise habe die verräterische Hamas eine Kehrtwende gemacht und agitiere gegen die Raketen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Fatah die Hamas kritisierte, sie sei nicht gewalttätig genug. Doch die westlichen Medien erwähnen diese Kleinigkeiten nie, weil sie einen festen Glauben haben: „Hamas = Terroristen, Fatah = Friedenspartner“. Und sie können es sich nicht leisten die Leute wissen zu lassen, dass ihre Weisheit irgendwo ein Defizit hat.

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Time am 26. März 2010

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1) http://www.litrix.de/autoren/autor/josephcroitoru/deindex.htm
2) http://heplev.wordpress.com/2010/03/22/fatah-rugt-hamas-sie-sei-nicht-genugend-pro-terror/

Erdoganmännchen meist humorlos

25. März 2010

Am 8. März 2008 hatte the Fuhrergan von den türkischen Frauen gefordert, sie sollten mindestens drei Kinder gebären, denn: „DIE wollen die türkische Nation AUSLÖSCHEN. Nichts anderes wollen SIE!“ (1). Das türkische Satire-Magazin „Penguen“ brachte daraufhin das obenstehende Titelbild.

Gestern hatte ich von einer Einladung berichtet, die Kalif Recep I. gegenüber 1500 türkischstämmigen europäischen Politikern und Unternehmern am 27. Februar 2010 ausgesprochen hatte (2). Unangenehm aufgefallen waren dabei in Europa zunächst vor allem seine massiven Versuche, die Bürger fremder Staaten auf seine Politik einzuschwören, die diese Bürger als Agenten der Turkisierung und Islamisierung Europas instrumentalisieren will.

In der heutigen FAZ richtet Michael Martens seinen Blick auf die Ausführungen from the Fuhrergan zum Thema „Karikaturen, Meinungsfreiheit und ihre Grenzen“, welche er für die eigentlich schärfsten Passagen der Rede hält, sowie auf den Umgang des Erdoganmännchens mit heimischen Karikaturisten, die ihn auf die Schippe nehmen. Die Humorlosigkeit des Kalifen ist wirklich bedenklich, worin er seinem Vorbild Klo H. Metzel ähnelt, der einige Spötter allerdings sogar ermorden ließ (3). Die im Text enthaltenen Karikaturen habe ich dem Internet entnommen. Beim Googeln mit den Stichworten „Erdogan Penguen“ wird deutlich, dass Recep I. offenbar das bevorzugte und dankbare Opfer der türkischen Karikaturisten ist. Interessant finde ich auch die diesbezügliche Diskussion auf der deutsch-türkischen Seite „Politikcity“ (4).

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Nicht witzig

Wenn es um ihn geht,
versteht der türkische Ministerpräsident keinen Spaß

Die Rede, die der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am 27. Februar vor mehr als 2000 „Auslandstürken“ in einem Kongresssaal in Istanbul hielt, hat mit Verspätung auch im Ausland viel Beachtung gefunden. Einige Teilnehmer hatten den Auftritt des Regierungschefs der Türkei, der auch Vorsitzender der islamisch geprägten „Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung“ (AKP) ist, als unstatthaften Versuch bezeichnet, im Ausland lebende Bürger türkischer Abstammung zu Handlangern Ankaras zu degradieren. Tatsächlich waren viele Formulierungen des türkischen Ministerpräsidenten bestenfalls missverständlich. Die schärfsten Passagen seiner Ansprache galten jedoch nicht den angeblich stets bedrohten Türken im Ausland, sondern den skandinavischen Zeichnern, die mit ihren Mohammed-Karikaturen nach europäischer Interpretation von ihrem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch gemacht, dieses nach muslimischem Verständnis hingegen auf gröblichste Weise missbraucht hatten. Erdogan nannte es „inakzeptabel“, dass Künstler, Journalisten, Zeichner, Musiker, Wissenschaftler „und sogar Politiker“ sich an „Verhaltensweisen, Debatten oder Veröffentlichungen“ beteiligten, die für Muslime beleidigend seien oder sein könnten.

Die Verantwortlichen hätten kein Recht, sich hinter der Meinungsfreiheit „zu verstecken“, sagte Erdogan und gab den Karikaturisten in Dänemark und Schweden einen schroffen Ratschlag: „Wenn ihr etwas karikieren wollt, karikiert eure eigenen Werte… Die Freiheiten sind nicht unbegrenzt… Eure Freiheit endet, wo die Freiheit eines anderen beginnt.“ Solche Ansichten kennt man von Erdogan. In seinem eigenen Land versucht er sie seit Jahren auf eine Weise anzuwenden, die kein gutes Licht auf sein Demokratieverständnis wirft. Regelmäßig lässt er Karikaturisten verklagen, wenn sie ihn in seiner Ansicht nach ungehöriger Weise dargestellt haben. Als einer der Ersten musste Musa Kart diese Erfahrung machen, nachdem die besonders AKP-kritische Zeitung „Cumhuriyet“ im Mai 2004 eine Zeichnung von ihm veröffentlicht hatte: Zu sehen war Erdogan als Katze, hoffnungslos verheddert in die Schnüre eines Wollknäuels, mit dem sie offenbar eben noch gespielt hatte. Die Zeichnung sollte den türkischen Streit um die Imam-Hatip-Schulen darstellen, in den sich Erdogan nach Ansicht des Zeichners auf ungeschickte Weise verstrickt hatte.

Die einen sehen Imam-Hatip-Schulen als Lehranstalten mit religiös beschränktem Schwerpunkt, die nur Imame ausbilden und deren Abschlüsse allenfalls zum Besuch theologischer Hochschulen berechtigen sollten, nicht aber zu einem Studium eines anderen Zweiges. Andere, so die AKP, deren Chef selbst eine Imam-Hatip-Schule absolviert hat, wollen diese „muslimischen Fachgymnasien“ von allen Beschränkungen befreien, stoßen dabei jedoch auf den energischen Widerstand der alten, laizistischen Elite des Landes. Im Jahr 2004 war es der damalige Staatspräsident Sezer, der sein Veto gegen ein Gesetz einlegte, das den Absolventen der Imam-Hatip-Schulen Zugang zu allen Fakultäten sichern sollte. Die Karikatur sollte auch andeuten, dass Erdogan mit dem Streit um die Imam-Hatip-Schulen spielt und auf eine Verbreiterung seiner Wählerbasis unter strenggläubigen Muslimen schielt, dabei aber gescheitert sei.

Die Zeichnung war alles andere als ätzend, doch Erdogan konnte sich über den mäßig witzigen und kaum boshaften zeichnerischen Kommentar nicht amüsieren. Er ließ „Cumhuriyet“ und eine Lokalzeitung, die es gewagt hatte, die Zeichnung nachzudrucken, verklagen. Erdogan, dessen Anwälte 5000 türkische Lira (damals knapp 2900 Euro) Schadenersatz verlangten, gewann in erster Instanz, unterlag dann aber in einem Berufungsverfahren. In der Urteilsbegründung hieß es sinngemäß, eine in der Öffentlichkeit stehende Person müsse Kritik ebenso über sich ergehen lassen wie Applaus. Besonders ein Ministerpräsident, der (wie Erdogan) wegen des Zitierens eines Gedichts im Gefängnis gesessen habe, sollte zu größerer Nachsicht im Umgang mit seinen Kritikern fähig sein.

Doch diese Fähigkeit hat Erdogan bis heute nicht entwickelt. Die Liste mit Namen von Karikaturisten und Publikationen, die sich brüsten dürfen, von ihm verklagt worden zu sein, wird stetig länger. Das Satiremagazin „Leman“ ließ Erdogan im Jahr 2006 auf Schmerzensgeld in Höhe von 25 000 Lira verklagen, weil er auf dessen Titelblatt, einem Wortspiel mit seinem Vornamen folgend, als Zecke dargestellt worden war. Einem anderen Zeichner wurde die Darstellung Erdogans als Pferd zum Verhängnis. Dabei ist es oft vor allem das harmlose intellektuelle Niveau der Zeichnungen und Fotomontagen, das den Dargestellten beleidigen könnte. So hätte ein Zeichner, der für eine Erdogan-Karikatur eine Gefängnisstrafe von 425 Tagen verbüßen sollte (die später in eine Geldbuße umgewandelt wurde), eher wegen Einfaltspinselei verurteilt werden sollen: Er hatte Erdogan als Schoßhündchen von George Bush gezeichnet.

Auf eine Klage angelegt hat es auch das türkische Satiremagazin „Pinguin“, das nach Erdogans erstinstanzlichem Erfolg in dem Streit um den „Katzencartoon“ im Februar 2005 eine Geschichte mit dem Titel „Aus dem Reich der Tayyips“ veröffentlichte, in welcher der AKP-Chef mehrfach in Tiergestalt auftauchte. In der darauf folgenden Klage führten die Anwälte aus, die Darstellung ihres Mandanten als Frosch, Kamel, Affe, Schlange, Ente, Elefant und Kuh müsse von einem Leser mit durchschnittlicher Auffassungsgabe als beleidigend empfunden werden. Ob dies bedeute, die zeichnerische Gestaltung Erdogans etwa als Schnecke, Hamster oder Krähe sei zumindest für mittelmäßig intelligente türkische Leser akzeptabel, ließen die Anwälte zunächst offen, doch wurde die Frage von Karikaturisten aus der Schwarzmeerstadt Rize gestellt.

Als das Verfahren gegen die Karikaturen im „Pinguin“ begann, zeichneten sie Erdogan als Sperber und kündigten in einem begleitenden Brief sinngemäß an, beleidigt sein zu wollen, sollte der Premierminister dies nicht als Ehre empfinden, da sich in ihrer Heimat nur die Besten rühmen dürften, mit dem edlen Vogel verglichen zu werden. Den Sperber ließ Erdogan dann auch tatsächlich durchgehen, an der Klage gegen den „Pinguin“, die sich auf 40 000 Lira Schmerzensgeld belief, hielt er jedoch fest. Sie wurde allerdings im Februar 2006 abgewiesen. Zu diesem Zeitpunkt hatte der dünnhäutige Ministerpräsident mit seiner Klagefreude seinem Ruf jedoch schon erheblichen Schaden zugefügt. Ein Kolumnist des Massenblattes „Hürriyet“ ereiferte sich darüber, dass die AKP-Regierung es zwar unter Strafe stellen wolle, die Werte von Muslimen, Christen und Juden zu verunglimpfen, es hingegen erlaubt sei, die Atheisten und ihre Nichtgötter zu beleidigen. An den meisten Freiheitskämpfern in der Türkei müsse man nur ein wenig kratzen, und schon komme darunter jemand zum Vorschein, der allein die Freiheit seiner eigenen Ideen verteidigt, schrieb der Kolumnist und urteilte über Erdogan: „In seiner idealen Welt soll jeder Gedichte des islamischen Militarismus zitieren oder islamistische Ideen verteidigen dürfen. Aber wenn ein Karikaturist den Ministerpräsidenten als Katze darstellt, muss die Meinungsfreiheit eingeschränkt werden – vor allem dann, wenn Herr Erdogan der Ministerpräsident ist.“

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Time am 25. März 2010

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1) http://www.sueddeutsche.de/politik/51/435797/text/
2) http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/03/24/kalif-recep-i/
3) http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/01/15/mohammedanismus-ist-lacherlich/
4) http://www.politikcity.de/forum/showthread.php?p=687537

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auch (Erdogan):
http://www.pi-news.net/2010/03/die-eurotuerken-konferenz-und-das-strafrecht/#more-126702
http://www.pi-news.net/2010/03/tuerkeikonferenz-westlicher-politiker-war-geheim/
http://www.pi-news.net/2010/03/bild-wagner-attackiert-erdogan/

auch (Karikaturenmuseum in ägyptischer Oase):
http://de.qantara.de/webcom/show_article.php/_c-299/_nr-782/i.html


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