Archiv für Mai 2010

Seahad

31. Mai 2010

Fred Alan Medforth zitierte gestern auf „Jihad Watch Deutschland“ eine Stellungnahme des „BAK (Bundesarbeitskreis?) Shalom“, einer proisraelischen Organisation innerhalb der Jugendorganisation der SED, die den versuchten Angriff auf israelisches Territorium durch eine sogenannte „Friedensflotte“ (an der einige Mitglieder der SED teilnehmen) pointiert darstellt und verurteilt (1).

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Gazahilfe per Schiff?

Am 23. Mai setzten acht Schiffe von der Türkei und Griechenland aus auf nach Gaza. Sie sind bestückt mit Hilfsgütern für die dort ansässige Bevölkerung. (…) Israel lässt trotz dauerhaften Beschusses islamistischer Kräfte aus dem Gazastreifen fortwährend Lebensmittel und humanitäre Güter durch international anerkannte Organisationen wie das Rote Kreuz nach Gaza.In den vergangenen 18 Monaten wurden über 1 Million Tonnen Hilfgüter nach Gaza geliefert, das ist fast eine Tonne pro Person im Gaza-Streifen. Eine detaillierte Auflistung der Hilfsgüter bietet das israelische Außenministerium an.

Die Ablehnung des Angebots Israels, die Hilfsgüter der Flotte von Free Gaza über den Landweg an das Ziel zu bringen, ist für uns nur durch das Ausnutzen des Leids der palästinensischen Zivilbevölkerung vor Ort begründbar, dessen eigentliches Ziel lediglich eine antiisraelische Kampagne ist. Würden die Aktivistinnen tatsächlich der Zivilbevölkerung helfen wollen, würden sie nicht per Schiff die Güter nach Gaza bringen.

Erschwerend kommt hinzu, dass unter den TeilnehmerInnen der Einweihungszeremonie in Istanbul Mahmad Tzoalha und Sahar Albirawi waren – beides Top-Terroristen der Hamas, die gegenwärtig von Großbritannien aus operieren, sowie Hamam Said, ein Führer der Muslimbruderschaft in Jordanien. Der Vorsitzende von IHH, einer pro-palästinensischen Organisation in der Türkei, Bolant Yilderim, hielt auf der Zeremonie unter Applaus eine antisemitische Rede. In dieser bekundete er: „Israel verhält sich, wie Hitler sich gegenüber den Juden verhalten hat. Hitler baute Konzentrationslager in Deutschland, und heute baut das zionistische Gebilde Konzentrationslager in Palästina“. Der BAK Shalom lehnt daher entschieden die Flottille nach Gaza ab. Sie ist kein Mittel zur Verbesserung der Lage in Gaza, sondern spielt Islamisten, Antisemiten und Israel-Hassern in die Hände. Eine konkrete Hilfe für Gaza wäre über den Landweg möglich gewesen (…)

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Wie die aktuelle Entwicklung zeigt, spielt die Unternehmung den Mohammedanisten und Israelhassern nicht nur in die Hände, sie ist vielmehr eine lange und ausführlich geplante Kommandoaktion derselben. Sie wird betrieben von mehreren Jihad-Vereinen und von allerhöchster türkischer Stelle protegiert. Sie verfolgt mehrere Ziele, zu denen u.a. das Antesten der israelischen Verteidigungslinie bzw. ggf. ihr Durchbrechen und die Blamierung der IDF entweder als unfähig oder als grausam gehören. Dass die Kampagne quasi unter der Schirmherrschaft von Kalif Recep I. steht, verdeutlicht die Tendenz der fortschreitenden Jihadisierung der Türkei und ihrer Annäherung an die iranischen Nazis (Innerhalb des Mohammedanismus randständig, versuchen sowohl Türken als auch Schiiten, seine Avantgarde zu sein). Die Türken haben in eben diesem Interesse hier einen weiteren propagandistischen Vorwand produziert, der ihnen zehn tote Orks allemal wert ist (Das Foto rechts zeigt ein palarabisches Begrüßungskomittee). Ulrich Becker schreibt auf Aro1 (2):

„Ja, Erdogan und damit die Tuerkei haben uns an die Iraner verraten. Jahrelange militaerische Zusammenarbeit sind futsch und Lieferung von hochmodernem israelischen Waffensystemen jetzt fuer Teheran zu begutachten.“

Wadi-Net kommt auf eine weitere Rede zu sprechen, nämlich die des IHH-Sprechers Nurettin Yildiz, der die ganze Aktion ausdrücklich in die Tradition des Jihad gestellt hatte (3):

„In seiner Rede sagte Nurettin Yildiz, dass es von großer Bedeutung sei, dein Schiffskonvoi zu unterstützen. Er verglich die Aktion ‘Für humanitäre Hilfe nach Gaza’ mit dem Tabuk-Feldzug des Propheten und sagte: ‘Der Tabuk-Feldzug fand gegen eine große Armee statt. Auf dem Rückweg nach Medina waren die Kamele der Prophetenarmee so außer Kraft, dass sie nicht mehr weitergehen konnten. Einer, der dies sah, ging zu den Kamelen und sang ihnen etwas über die Wichtigkeit dieses Feldzugs, woraufhin die Kamele wieder schneller wurden. Nach dieser Szene sagte unser Prophet dem Mann ‘Gott möge es dir vergelten’. Genau deshalb sollten wir nun diesen Schiffskonvoi unterstützen, damit solche Aktionen auch vorankommen und nützlich sein können.’“

Auch die Weigerung der „Friedens“-Aktivisten, „ein Päckchen der Familie des seit Juni 2006 im Gazastreifen festgehaltenen Soldaten Gilad Shalit anzunehmen und an seine Geiselnehmer weiterzugeben“ (4), zeigt die eindeutige Einordnung des Unternehmens in den globalen Jihad. Wie Kenner wissen, bedeutet im mohammedanistischen Sprachgebrauch das Wort „Frieden“ nicht die Abwesenheit von Kampf und Gewalt, sondern die Situation der vollständigen Unterwerfung und Versklavung jedweden Oppositionellen. Insofern ist es konsequent, dass offenbar vor allem türkisch-mohammedanistische Teilnehmer der Aktion gegen die IDF-Soldaten in Tötungsabsicht vorgingen, eben um durch deren Tod den (mohammedanistischen) „Frieden“ herzustellen.

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Hier die Stellungnahme des stellvertretenden Außenministers Danny Ayalon (5):

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Ich möchte an diesem Morgen mitteilen, dass die Armada von Hass und Gewalt zur Unterstützung der Terrororganisation Hamas eine vorsätzliche und ungeheuerliche Provokation war. Die Organisatoren sind bestens bekannt für ihre Beziehungen zum Globalen Jihad, zu Al-Qaida und zur Hamas. Sie haben eine Geschichte von Waffenschmuggel und tödlichem Terror. An Bord des Schiffes fanden wir Waffen, die im Voraus bereitlagen und gegen unsere Soldaten zum Einsatz kamen. Die Absicht der Organisatoren war gewaltsam, ihre Methode war gewaltsam und – leider – waren die Resultate gewaltsam.

Israel bedauert jeden Verlust von Menschenleben und hat alles dafür getan, diesen Ausgang zu vermeiden. Wir haben die Organisatoren und alle, die mit ihnen verbunden waren, über diplomatische Kanale und alle andere möglichen Wege wiederholt dazu aufgerufen, diese Provokation zu beenden.

Die sog. humanitäre Hilfe diente nicht humanitären Zwecken. Wäre sie für einen humanitären Zweck bestimmt gewesen, hätten sie unser Angebot angenommen, alle humanitären Güter durch die passenden Kanäle zu liefern, die täglich in Betrieb sind, da wir sicherstellen, dass es keinen Engpass an humanitärem Bedarf in Gaza gibt. Auf täglicher Basis tun wir dies. Wir baten sie darum, dies durch die angemessenen Kanäle zu schicken, seien es die UNO, das Rote Kreuz, unsere Leute, aber vergeblich.

Sie sagten, es handele sich um eine humanitäre Kampagne, aber tatsächlich sagten sie wiederholt, dass es ihre Absicht und ihr Ziel sei, die Blockade, die Seeblockade Gazas zu durchbrechen. Die Seeblockade Gazas ist absolut legal und durch den Terror, den die Hamas in Gaza betreibt, gerechtfertigt. Diesen Schiffen die illegale Einreise nach Gaza zu gestatten, hätte einen Korridor für den Schmuggel von Waffen und Terroristen nach Gaza geschaffen, mit dem Ergebnis, dem unvermeidlichen Ergebniss vieler tausender toter Zivilisten und Gewalt in der gesamten Region.

Nachdem die wiederholten Aufrufe nicht von den Organisatoren beherzigt worden waren, teilten wir ihnen mit, dass ihnen ein Durchbrechen der Blockade nicht gestattet werde, wozu wir gemäß dem Seerecht berechtigt sind. Leiderbefolgten auch die Organisatoren auf jenem Schiff nicht die Aufrufe unserer Soldaten heute Morgen, ihnen friedlich zu folgen und diesen Vorgang zu einem Abschluss, einem friedlichen Abschluss zu bringen.

Kein souveräner Staat würde solche Gewalt gegen seine Zivilbevölkerung zulassen, gegen seine Souveränität, gegen das internationale Recht. Und wir in Israel rufen heute alle relevanten Parteien und alle relevanten Staaten dazu auf, gemeinsam auf eine Beruhigung der Lage hinzuarbeiten.

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Am Sonnabend (29. Mai) hatte Mario Damolin, der sich auf einem der Schiffe befindet, übrigens einen interessanten und detaillierten Bericht für die FAZ verfasst, welcher ebenfalls deutlich macht, wie sehr die Aktion unter der Regie der Jihadisten steht.

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Und Al Dschazira ist immer dabei

Ein Konvoi von neun Schiffen mit fast tausend Passagieren soll Ende Mai die israelische Blockade des Gazastreifens durchbrechen. Eine Koalition internationaler NGOs mit palästinensischen Gruppen im Mittelmeer auf Kurs Gaza.

Khalid Turaani, 48 Jahre alt, Geschäftsmann und amerikanischer Staatsbürger, geboren in einem palästinensischen Flüchtlingslager in Syrien, hat gerade die Renovierungsarbeiten an der „Sfendoni“ inspiziert. „Steinschleuder“ heißt das Schiff, in Anspielung auf die „Intifada“. Als Kontrast zum Namen sieht es aus wie ein Ausflugsboot ins Neckar- oder Maintal, mit Platz für knapp hundert Menschen. Ort: der Hafen von Piräus. In einem anderen Athener Hafen liegt noch das Frachtschiff „Eleftheri Mesogeios“ („Freies Mittelmeer“ – gemeint ist „judenfreies Mittelmeer“, T.), das Hilfsgüter für den Gazastreifen laden soll. 1.400 Tonnen Hilfsgüter lagern auf dem Kai im Frachthafen: hauptsächlich Bauteile für Fertighäuser aus Holz, mehrere hundert elektrische Rollstühle, Medikamente und zwei komplette Wasseraufbereitungsanlagen. „Steinschleuder“ und „Freies Mittelmeer“ wollen sich mit anderen Schiffen aus der Türkei, Griechenland, Schweden, Irland, Deutschland vor Zypern treffen und dann gemeinsam Gaza ansteuern.

Die Teilnehmer: Aktivisten diverser propalästinensischer Gruppen, dazu Journalisten und Leute aus Deutschland, Belgien, Schweden, der Tschechischen Republik, Bulgarien, Italien und natürlich Al Dschazira haben sich auf der „Sfendoni“ versammelt. Schließlich einige als prominent eingestufte Teilnehmer aus Amerika wie etwa der ehemalige Irak-Botschafter Edward L. Peck oder der Navy-Veteran Joe Meadors, der 1967 auf der U.S.S. Liberty den Angriff israelischer Kampfflugzeuge überlebte. Khalid Turaani übernimmt die Regie. Er war Campaigner in Illinois, Wisconsin und Ohio für George W. Bush vor dessen erster Wahl zum Präsidenten und hat bei der zweiten Wahl in der Organisation „Arab-American Republicans Against Bush“ gegen den Amtsinhaber gearbeitet. Er steht der Organisation „American Muslims for Jerusalem“ als Präsident vor. Seit kurzem residiert er in Brüssel. Sein Partner und Vorgesetzter in Europa ist der in London lebende palästinensische Arzt Arafat Shoukri (s. Foto r., T.).

„Safety Instructions“ sollen auf etwaige Aktionen der israelischen Marine gegen den Konvoi vorbereiten. Israels Regierung hat ein konsequentes Vorgehen gegen die „Freedom Flotilla“ angekündigt und spricht von „Piratentum“. Mehrere NGO-Vertreter appellieren an Gewaltlosigkeit, man solle sich nicht provozieren lassen.

Dror Feiler (s. Foto l., T.), der schwedische Vertreter und Vorsitzende der „Jews for Israeli-Palestinian Peace“ ist 58 Jahre alt, Musiker. Er stammt aus einer deutsch-jüdischen Familie, ist in Tel Aviv geboren, war Fallschirmjäger bei der israelischen Armee und einer der ersten Kriegsdienstverweigerer, die den Dienst in den von Israel besetzten Gebieten Palästinas verweigerten. Feiler ist maßgeblich am Kauf des Schiffes „Eleftheri Mesogeios“ als griechisch-schwedische Gemeinschaftsaktion beteiligt gewesen, er hat Gelder und Unterstützer gesammelt. Er berichtet, dass die israelische Regierung vorhabe, den Konvoi zu stoppen und Gefängniszellen für die festzunehmenden Blockadegegner bereithalte. Feiler kündigt an, dass der schwedische Schriftsteller Henning Mankell in Zypern zum Konvoi stoßen wird. Für Feiler, der sich selbst ironisch als Anarchokommunist bezeichnet, könnte diese Aktion den Start in die Politik bedeuten, denn er will im September auf der Liste der linken „Vanster Partiet“ für das schwedische Parlament kandidieren.

Um acht Uhr ist die Abfahrt aus Athen in den Hafen zur „Sfendoni“ geplant, doch der Termin wird ständig verschoben. Dann macht die Nachricht die Runde, der Frachter „Eleftheri Mesogeios“ sei fertig geladen und fahre jetzt ab. Alle wollten die Bilder haben, doch Al Dschazira hat nicht nur hier die Nase vorn. Andere Journalisten fordern von den Organisatoren Gleichbehandlung bei Informationen.

Inzwischen sind die Passagiere der „Sfendoni“ angekommen, der Abfahrtstermin wird auf 19 Uhr festgelegt. Ein Banner mit der Aufschrift „Stoppt den Völkermord – Freies Palästina“ wird angebracht. Welcher Völkermord hier gemeint sein soll, kann auch Khalid Turaani nicht beantworten. Er springt auf, weil er diese Parole für „gefährlich“ hält. Am Ende bleibt das Banner hängen. Um 20.45 Uhr setzt sich die „Sfendoni“ in Bewegung, seltsamerweise von Al Dschazira-TV vom Kai aus mit der Kamera eingefangen. Bleiben die etwa in Athen? Nein, denn 500 Meter weiter am Kai hält die „Sfendoni“ an, und die Journalisten von Al Dschazira steigen zu. Eine reine Inszenierung.

Die Gespräche an Bord kreisen immer wieder um Sinn und Zweck der Aktion. Janet Kobren, eine pensionierte amerikanische Mathematiklehrerin, sieht das alles als Versuch, die „Menschenrechte in Palästina wiederherzustellen“. Sie selbst stammt aus einer jüdischen Familie, ihre Eltern gehören eher dem an, was sie selbst als „jüdische Lobby in den USA“ bezeichnet. Sie hat tiefes Mitgefühl für das Schicksal der Palästinenser. Gerade als Tochter aus einer jüdischen Familie könne man solche Verhältnisse wie in Gaza nicht einfach verdrängen.

Ihr Landsmann Edward L. Peck, zwanzig Jahre lang Botschafter in Nahost, unter anderem im Irak, ist mit 81 der älteste Teilnehmer des Konvois. Er versteht seine Anwesenheit als Protest gegen die amerikanische Politik im Nahostkonflikt; die israelische Politik sei nicht hinnehmbar, Washington außerstande, wirklich Veränderungen herbeizuführen; und die EU halte sich zurück, obwohl sie doch sehr viel naher am Konfliktherd sei.

Unter den Muslimen an Bord der „Sfendoni“ fällt Bilal Abdul Azziz auf: Vollbart, breite Sonnenbrille, braune, militärähnliche Schirmmütze, in feinste, gutsitzende Ballonseide gekleidet. Er ist Englischlehrer und will in Gaza unentgeltlich Unterricht geben. Als Sohn einer irischen Katholikin und eines Jamaikaners ist er spät zum Islam konvertiert – aus Überzeugung, wie er sagt. Schon mehrere Male war er in Gaza, auch durch Tunnels aus Ägypten, was ihm dort Gefängnis einbrachte. Er sieht die Sache so: Die von Israel gewaltsam enteigneten Palästinenser sollten wieder zurückkehren in ihre Heimat, sollten Häuser und Grund zurückerhalten und in die gleichen Rechte gesetzt werden wie die Israelis: „Wer etwas genommen hat, kann es auch wieder hergeben.“ Ja, es gäbe auch einige „gute Israelis“, aber 97 Prozent seien „evil“, böse, und deshalb sei mit Worten wenig zu erreichen. Khalid Turaani lobt Azziz: „Das klang sehr gut, so, als ob du in der besten PR-Schule der Welt gewesen wärst.“

Am späten Abend sitzen Palästinenser mit Janet Kobren um einen Tisch, der mit einer Palästina-Flagge drapiert ist. Lieder werden gesungen, der Kameramann von Al Dschazira hat sich gut positioniert, sein Redakteur dirigiert und stimuliert die singende Gruppe, bis die Einstellungen im Kasten sind. Am nächsten Vormittag steht Dror Feiler auf den Planken der Ladeabdeckung mit seinem Saxophon und spielt Lieder von Hanns Eisler. Wieder Fahnen, Rufe, und der Al Dschazira-Redakteur betätigt sich als Animateur.

Dror Feiler hat neue Informationen vom israelischen Militärfunk wisse er, dass die Marine den Konvoi mit einer „Spezialeinheit Nr. 13″ stoppen wolle. Name der Operation: „Himmelswind“. In Ashkalom wurden mobile Gefängnistrakte aufgebaut, um die Verhafteten unterzubringen. Er habe den Israelis gesagt, dass sie sowieso schon verloren hätten, egal was sie noch anstellen würden. Mittlerweile wurden in der israelischen Presse Artikel und Aufrufe gedruckt, die die Regierung auffordern, die Hände vom Konvoi zu lassen.

Die Verhältnisse auf der „Eleftheri Mesogeios“ sind problematisch. Weil nicht genug Betten vorhanden sind, wird umschichtig geschlafen. Manche nächtigen auf harten Bänken im Freien. Während auf der „Sfendoni“ eher eine „Free-Gaza-Mentalität“ herrschte, ist man hier pragmatischer. Es ist Hilfsfracht an Bord, und die soll zu den Adressaten – und zwar möglichst schnell und unversehrt. Die beengten Verhältnisse werden geduldig ertragen. Das ganze Schiff ist mit Hilfsgütern vollgepackt, die Wasservorräte sind begrenzt. Es sind noch rund 50 Stunden bis Gaza.

Am frühen Morgen schon lautes Hämmern auf der Brücke und auf dem kleinen Oberdeck. Die Luken werden von Rost befreit und abgedichtet. Man bereitet sich auf etwaige Wasserwerferattacken der israelischen Marine vor. Dror Feiler hat in einem Telefongespräch über Satellit mit Pressevertretern der Marine erfahren, dass dort Gerüchte umlaufen, auf der „Eleftheri Mesogeios“ befänden sich Raketen. In Zypern sollten noch Passagiere aufgenommen werden, unter anderem Henning Mankell. Aber die zyprischen Aktivisten hatten große Spruchbänder am Hafen aufgehängt – mit ihren politischen Forderungen. Jetzt gibt es Probleme, weil die israelische Regierung angedroht hat, den Hafen Famagusta im türkischen Teil anzuerkennen, sollte der Schiffskonvoi von griechischen Zyprern unterstützt werden. Viertel vor zwölf kreuzen zwei Militärhubschrauber unbekannter Herkunft in großer Höhe die Fahrtroute der „Eleftheri Mesogeios“. Man rechnet hier mit (fast) allem.

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Ich bin mir sicher, die selbstverliebten westlichen Aktivisten haben nicht damit gerechnet, dass ihre Orkfreunde getreu ihrer Jihadagenda gleich versuchen würden, IDF-Soldaten zu lynchen. Sowas aber auch! Aber was meint die Konvertitin „Meryemdeutschemuslima“ dazu? Komplett gehirngewaschen (auch Hirne pflegen einzulaufen, wenn sie zu stark gewaschen werden) greint sie (6):

„Das habe ich mir bei allem Mißtrauen gegenüber Israel nicht vorstellen können: dass sie mit derartiger Gewalt vorgehen, dass unbewaffnete Menschen umgebracht werden. Ich bin total geschockt. Was werden sie mit den Überlebenden machen? Was wird unsere Regierung tun????? Weiterhin bedingungslose Solidarität mit Terroristen verkünden? Wenigstens die türkische Regierung, Ministerpräsident Erdogan, wird sicherlich wieder kein Blatt vor den Mund nehmen und endgültig jegliche Zusammenarbeit mit Israel einstellen. Weitgehend ist das ja schon geschehen. Werden alle die muslimischen Länder, die das Unrecht so lange geduldet haben aufwachen? Wird Ägypten endlich seine Grenze nach Gaza öffnen? Die Israelis müssen ja zu aller Unmenschlichkeit auch noch absolut dumm sein.

Niemals vergessen: Der Mohammedanismus ist eine COUNTERreligion, geschaffen GEGEN alle anderen. Im Mohammedanismus ist alles anders, Frieden ist Krieg, Liebe Unterwerfung und zum größten Fest Ashura werden die Babys mit Klingen malträtiert, bis das Blut in Strömen spritzt. Aber ich sage Ihnen mal was, ich wette „Meryemdeutschemuslima“ ist noch nicht mal beschnitten (7) und also nach Ansicht der meisten Mohammedanisten gar keine echte Mohammedanistin…

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Time am 31. Mai 2010

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1) http://fredalanmedforth.blogspot.com/2010/05/gazahilfe-per-schiff-pressemitteilung.html
Quelle: http://www.juedische.at/
2) http://aro1.com/tuerkei-out-griechenland-in/#more-4433
3) http://www.wadinet.de/blog/?p=2708
4) http://www.n-tv.de/politik/Solidaritaetsfahrt-mit-Hindernissen-article895925.html
5) http://berlin.mfa.gov.il/mfm/Data/180334.pdf
6) http://meryemdeutschemuslima.wordpress.com/2010/05/31/gaza-hilfsflotte-von-israelischer-marine-abgefangen-mindestens-zwei-tote/
7) http://www.chrismon.de/Anfaenge.php

Update, auch: http://www.pi-news.net/2010/05/islamische-armada-mehr-als-schlacht-um-gaza/#more-138676

Aus meinem Giftschrank (#12)

30. Mai 2010

Auf den oben stehenden „taz“-Artikel hatte PI am 26. Mai aufmerksam gemacht (1). Er ist infam aber sehr interessant, ebenso wie die vielen Kommentare. Interessant ist aber auch allein der Ausriss selbst mit der kurzen Einleitung des Artikels, welche in wenigen Worten die beiden wesentlichen Gleichungen mohammedanistischer Demagogie auf den Punkt bringt: 1.) Islamfeindliche = Neonazis = christliche Fundamentalisten; 2.) Migranten = Mohammedanisten.

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Time am 30. Mai 2010

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1) http://www.pi-news.net/2010/05/taz-islamkritiker-sind-des-denkens-unfaehig/

Counterjihad durch Jihad

30. Mai 2010

Tapfer: Kartika Sari Dewi Shukarno

Konvertiten sind oftmals Avantgarde, weil ihre neue Situation sie besonders begeisterungsfähig macht und in einen Rauschzustand versetzt, und weil sie natürlich der neuen Gemeinschaft ihren Wert demonstrieren wollen. Allerdings ist ihre Biografie, anders als die jener, die in diese Gemeinschaft hineingeboren wurden, zu einem sehr großen Teil von Vorstellungen geprägt, die der neuen Gemeinschaft fremd sind und die sich in ihrer Gesamtheit nicht ohne weiteres ablegen lassen.

Am Beispiel westlicher Konvertitinnen zum Mohammedanismus lässt sich dieses Phänomen gut beobachten. Ich hatte vor einigen Jahren darüber z.B. in Bezug auf eine Schleiereule auf einem Sportrad sinniert (1) und verweise ein weiteres Mal auf die interessante Webseite der unsäglichen Konvertitin zum Schiismus – und Verehrerin des perversen Klomeini (2) – Meryem (3), die außer antijüdischer Hetze offenbar auch das Hobby Fallschirmspringen  betreibt. Es ist also zu fragen, ob die Konvertiten und besonders die Konvertitinnen nicht nur als Ork-Agenten sondern eher oder zumindest auch als trojanische Pferde des Westens gesehen werden sollten, durch die der Virus „Freiheit“ auf den Mohammedanismus übertragen wird. In der heutigen FAZ berichtet Markus Werner über einen aktuellen Fall.

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Folgt dem Beispiel eurer Schwestern!

Eine deutsche Konvertitin ruft Frauen zum Kampf auf. Im Internet werben immer mehr Musliminnen für den Heiligen Krieg.  Mütter reisen in Lager nach Pakistan. Wird der Dschihad weiblich?

Die kleine Safiyya S. bekommt kein Kindergeld mehr. So hat es der Landrat des Rhein-Sieg-Kreises Mitte März entschieden. Denn ihre Eltern halten sich nicht mehr in Deutschland auf. Sie sind im Frühjahr 2009 Hals über Kopf weggezogen aus dem Mehrfamilienhaus im beschaulichen Bonn-Beuel. Den Freunden und Verwandten erzählen sie von einer Urlaubsreise. Die Tochter nehmen sie mit. Am Ziel ihrer Reise tun sie, was sie für ihre Pflicht halten: kämpfen im Dschihad, dem Heiligen Krieg. Der Trip geht nach Wasiristan, ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet. Der Vater, Javad S., ein in Bonn aufgewachsener Afghane, wird am 17. Oktober 2009 im Gefecht mit pakistanischen Soldaten getötet. Er ist 22 Jahre alt, nennt sich Abu Safiyya, Vater von Safiyya. Die Propagandisten der Terrorgruppe „Islamische Bewegung Usbekistans“, der er sich angeschlossen hatte, widmen seinem Andenken ein Video, in dem er lächelnd mit einer Panzerfaust, einer Kalaschnikow und dem Koran posiert – etwas unislamisch wird der Streifen nach einem Cäsar-Zitat benannt: Er kam, sah und siegte.

Spektakulär an dem Video ist die Botschaft seiner jungen Witwe. Sie preist ihren toten Mann als Helden und Vorbild, auf dessen Märtyrertod sie stolz sei. Das ist zu erwarten von einem Propagandafilm. Doch „Ummu Safiyya“, die Mutter von Safiyya, wie sie sich nennt, begnügt sich damit nicht. Sie ruft die „lieben Schwestern“ in der Heimat auf, es ihr gleichzutun, den „trügerischen Luxus in Deutschland“ hinter sich zu lassen, sich den Kämpfern anzuschließen. Sogar ohne Mahram, ohne männlichen Vormund und Begleiter, sollten die Frauen sich auf den Weg machen „für ein Leben in Freiheit“ in Wasiristan. „Folgt dem Beispiel eurer Schwestern, die sich uns alleine angeschlossen haben!“, fordert die Frau, die ganz in Schwarz und mit Niqab, dem nur mit einem Sehschlitz versehenen Gesichtsschleier, gekleidet ist, in akzentfreiem Deutsch. Denn Luisa S., so ihr eigentlicher Name, ist eine deutsche Konvertitin, die im Hessischen aufwuchs und in Bonn im Zeitraffer zu einer radikalen Muslimin wurde. Zwischen ihrer Konversion zum Islam und ihrem Entschluss, in den Dschihad zu reisen, liegen wenige Monate. Alles spricht dafür, dass es auch ihr eigener Entschluss gewesen ist, ins Kampfgebiet an der afghanischen Grenze zu gehen, dass sie nicht das Anhängsel ihres Mannes, sondern vielleicht die treibende Kraft hinter der Ausreise war. „Ich werde auch weiter meine Pflicht im Dschihad erfüllen“, stellt sie ihr Selbstbewusstsein zur Schau.

Eine deutsche Muslimin macht offensiv Werbung für den bewaffneten Kampf, ruft Frauen auf, in den Krieg zu ziehen. Das ist neu. Denn bisher spielten Frauen in den terroristischen Netzwerken der Islamisten keine eigene Rolle. Frauen sollten die Männer unterstützen, ihnen den Rücken stärken, sie sollten das Haus hüten und die Kinder im streng islamischen Sinne erziehen. Spenden zu sammeln oder Informationen an Brüder weiterzugeben, wie es die in Haft befindliche Filiz Gelowicz, die Frau des Sauerland-Attentäters Fritz Gelowicz, tat, gilt bei den radikalislamischen Salafisten zwar als zulässig. Der Kampf selbst aber ist keine Frauensache. „Dschihad ist das Privileg der Männer“, heißt es in einer der Szene-Schriften. Der Auftritt der deutschen Witwe wird im Internet – neben begeisterter Zustimmung – von Muslimen scharf verurteilt; die Aufforderung, auch ohne Mann zu reisen, wird als vom Islam streng verboten kritisiert.

Auch die deutschen Sicherheitsbehörden beschäftigt der Fall. Denn sie beobachten seit einiger Zeit eine wachsende Aktivität von Frauen in der hiesigen Dschihadisten-Szene, auch unter deutschen Frauen, die zum Islam übergetreten sind und die sich besonders radikal zeigen. „Konvertitinnen, die nicht in der muslimischen Tradition aufgewachsen sind, haben bestimmte Denkverbote über die Rolle der Frau nicht verinnerlicht. Sie sind daher eher bereit, den aktiven Kampf von Frauen im Dschihad zu propagieren“, sagt Burkhard Freier, stellvertretender Leiter des Verfassungsschutzes von Nordrhein-Westfalen. Zwar ist ein Aufruf zum Kampf wie jener von Ummu Safiyya noch die Ausnahme. „Doch es gibt Anzeichen, dass Frauen im Dschihad-Milieu sich nicht mehr mit der allein dienenden Rolle zufriedengeben wollen“, pflichtet Manfred Murck, Vize-Präsident des Hamburger Verfassungsschutzes, bei. Im deutschsprachigen Internet werben immer mehr Frauen für den Heiligen Krieg – und scheuen nicht vor drastischer Rhetorik zurück. „Sie verherrlichen Gewalt und rechtfertigen den Tod von Ungläubigen für die angeblich gerechte Sache. In der Brutalität und aggressiven Wortwahl stehen sie in ihrer Propaganda den Männern nicht nach“, sagt Freier.

Das Internet gibt den Frauen die Möglichkeit, versteckt und dennoch öffentlich präsent zu sein, zu kommunizieren. In „Schwesternräumen“ chatten militante Musliminnen in Deutschland heute über die Lage in Palästina und Afghanistan oder über die Frage, ob Selbstmordattentate im Islam auch für Frauen zulässig sind. Zwar geben die Männer in der Szene weiterhin den Ton an. Doch neben der „hörigen Geliebten“ ist auch die „dschihadistische Feministin“ eine mittlerweile markante Gruppe in der Szene, wie Verfassungsschützer in einer Untersuchung von zwanzig Aktivistinnen feststellen. Eine Brigitte Mohnhaupt des Salafismus gibt es freilich nicht. Doch zumindest im Vorfeld des islamistischen Terrorismus sind in Deutschland lebende Frauen heute sehr präsent.

Zudem gehen, wie Abu und Ummu Safiyya, immer mehr junge Paare aus Deutschland in die Lager im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet. Viele nehmen ihre Kinder mit. Allein aus Berlin sind in jüngster Zeit mindestens vier Paare ausgereist – ohne dass sie sich untereinander abgesprochen hätten. Unter zehn Islamisten einer Hamburger Gruppe, die im vergangenen Frühjahr Deutschland verließ, waren zwei Frauen. Den Behörden gelingt es oft nicht, die Ausreisen zu verhindern. Zu schnell verläuft die Radikalisierung, als dass die Reisepläne bekannt werden; mitunter waren es vier Monate zwischen Konversion und Ausreise. Oft wissen die Eltern der Reisenden nichts vom Trip ihrer Söhne und Töchter, sondern erfahren, wie kürzlich in Berlin, durch den Verfassungsschutz, dass ein vermisstes Kind eine paramilitärische Ausbildung im Grenzgebiet zu Afghanistan durchläuft. Von 215 Personen aus Deutschland hat das Bundesamt für Verfassungsschutz derzeit Kenntnis, die eine solche Ausbildung gemacht haben oder sie anstrebten. Etwa die Hälfte, 105 Personen, halten sich derzeit wieder in Deutschland auf. Darunter ist auch die Witwe eines Selbstmordattentäters.

In Videos werben die Organisationen wie die „Deutschen Taliban Mudschahedin“ dafür, mit Frauen und Kindern nach Wasiristan zu kommen. Die Verhältnisse dort sind alles andere als idyllisch: Die im Internet versprochenen Schulen und Krankenhäuser gibt es nicht, das Lager, ein paar Lehmhütten und Zelte, muss immer wieder verlegt werden. Doch die Aussicht, mit Frau und Familie dort willkommen zu sein, soll die Männer locken, soll ihnen die Reise ins Ungewisse erleichtern. Denn auch militante Islam-Krieger sind Männer, sehnen sich nach Frauen. Die richtige Frau zu finden ist in der Szene ein großes Thema. Wie sehr ihnen Partnerinnen fehlen, hat der vor einem Monat von pakistanischen Soldaten im Grenzgebiet zu Afghanistan erschossene deutsche Islamist Eric Breininger in seinen postum im Internet veröffentlichten Memoiren beschrieben. Es wäre gut, wenn unverheiratete Frauen kommen würden, „denn es gibt hier viele unverheiratete Brüder, die sich wünschen, eine Familie zu gründen. Auch ich hoffe darauf, eine deutsch- oder arabischsprechende Frau zu finden“, so der Islamist aus dem Saarland über seinen unerfüllten Traum (4).

Laut Breiningers Aufzeichnungen sollen auch Frauen in den Lagern in Wasiristan an der Waffe ausgebildet werden. „Die Schwestern lernen hier, ebenso wie die Mudschahedin selbst, den Umgang mit Schusswaffen. Sie müssen also nicht besorgt sein, hilflos zu sein“, schreibt er. Doch Ermittler bezweifeln, dass Frauen aus Deutschland als Soldatinnen des Heiligen Krieges kämpfen. Die Lage dort ist für sie immer gefährlicher. Der Druck auf die Taliban und ihre internationalen Gäste hat durch die Offensive der pakistanischen Armee in der jüngsten Zeit zugenommen. Hinzu kommt der Beschuss durch die Amerikaner, die mit dem Einsatz von Drohnen versuchen, islamistische Kämpfer zu töten. Auch Eric Breininger, der zuvor in mehreren Propagandavideos aufgetreten war, soll auf der „Todesliste“ der Amerikaner gestanden haben.

Dennoch rechnen Fachleute nicht damit, dass in Afghanistan, wie zuvor in Palästina, dem Irak oder in Tschetschenien, Frauen als Selbstmordattentäterinnen aktiv werden. Auch dass eine „schwarze Witwe“ oder eine Konvertitin als „blonde Bombe“ hierzulande zuschlagen würde, gilt als unwahrscheinlich.

Sicher ist das indes nicht. Luisa S. alias „Ummu Safiyya“ wird weiter eine Rolle spielen wollen im Kampf gegen die Ungläubigen. In Deutschland war sie als Beamtin im öffentlichen Dienst in der Verwaltung tätig. Der Landrat des Rhein-Sieg-Kreises hat sie mit Wirkung vom 17. Februar diesen Jahres aus dem Beamtenverhältnis entlassen. Die Entlassungsverfügung konnte ihr nicht zugestellt werden. Denn Luisa S. hält sich weiter im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet auf. Vielleicht betreut sie dort einen neuen Kämpfer. Die Witwe eines Märtyrers zu heiraten gilt als ehrenhaft. Irgendwann wird Luisa S. ihrer Tochter erklären müssen, warum ihr Vater und sie nach Afghanistan gegangen sind, damit Papa für die richtige Sache sterben sollte.

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Liegt hier eher eine eher zufällige, ungewollte und sicher auch nicht langfristige Entwicklung des „Counterjihad durch Jihad“ vor, so hatte „NRW-Spion“ am 24.8. 2009 von einer mutigen Überspitzung des Jihad bzw. der Scharia zwecks Entlarvung derselben durch eine tapfere Malayin berichtet, die wegen Biergenusses religionspolizeilich verprügelt werden sollte (5):

„(…) Weil Alkoholgenuss in dem islamischen Land Muslimen streng verboten ist, wurde das Model verhaftet und zu einer Geldstrafe von 1.400 Dollar verurteilt. Und nicht nur das: Die malaysischen Richter hielten sechs Stockhiebe ebenfalls für eine angemessene Strafe und verurteilten damit zum ersten Mal eine Frau zu einer Prügelstrafe. Ihr Schicksal habe die malaysische Bevölkerung, die zu 60 Prozent aus Angehörigen des Islams besteht, nach Angaben der Basler Zeitung bewegt. In dem südostasiatischen Land herrsche wie in so vielen anderen islamischen Ländern Streit zwischen fundamentalistischen und moderaten Gläubigen. Kartika Sari Dewi Shukarno verzichtete darauf, das Urteil anzufechten, obwohl sie dem Bericht zufolge gute Chancen auf eine Begnadigung gehabt hätte. Im Gegenteil: Das Model bietet seinem Schicksal die Stirn und fordert, dass man sie öffentlich auspeitscht. Nach eigener Aussage wolle die mutige 32-Jährige die Vollstreckung transparent machen, schließlich wolle die Scharia mit einer solchen Strafe ein Beispiel für andere Muslime zu setzen. Der Vater des Models erklärte unterdessen, seine Tochter wolle die Behörden durch Blossstellung herausfordern. ‘Das Gesetz liegt leicht falsch. Sie behaupten, sie seien Gentlemen, die die Werte hochhalten. Dann soll das Publikum auch sehen, wie nobel und nett sie wirklich sind’, zitiert die Online-Ausgabe der Basler Zeitung den Vater der Verurteilten. Mit ihrem Verhalten hat die junge Frau offenbar schon jetzt mehr erreicht, als sie mit einem langen Gerichtsverfahren je hätte ausrichten können. (…)

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Time am 30. Mai 2010

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1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/27/highway-to-hell/
2) http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/04/14/milieustudien-6-ignoranz-und-perversion/
3) http://meryemdeutschemuslima.wordpress.com/
4) sehr lesenswerter Artikel über Breininger:
http://www.politplatschquatsch.com/2010/05/gotteskrieger-mit-kommaschwache.html
5) http://www.nrw-spion.de/lifestyle/news/Muslimisches-Model-will-oeffentliche-Pruegelstrafe/5097

Uebel läuft frei rum

29. Mai 2010

In den Redaktionsstuben der MSM wimmelt es von Piratenverehrern (1), Mohammedanistenverstehern und Zivilisationshassern. Mancher vermutet dahinter eine bolschewistische Verschwörung mit dem Ziel, den Deutschen das Gehirn windelweich zu waschen. Ich glaube das nicht, ich glaube eher, die handeln nach dem Motto „Give the people what they want“ (2). Die Abbildung links z.B. zeigt eine Umfrage des „Tagesspiegels“ heute um 13:00 Uhr, die nahelegt, dass fast die Hälfte unser Mitbürger von einem gravierenden unpolitisch-emotionalen Pazifismus befallen sind, von schlimmeren Geisteskrankheiten mal ganz abgesehen. Lesen Sie diesbezüglich nun den schockierenden Leserbrief von Jochen F. „Nomenestomen“ Uebel aus der heutigen FAZ, einem kritischen Geist, der des ewigen Atmens leid ist und den Sinn des Wassers hinterfragt, da doch so viele Menschen und noch viel bessere Geschöpfe in ihm ertrinken.

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Ist das „Abendland“ überhaupt erhaltenswert?

In der Zuschrift von Leser Dr. Unerkannt (Name geändert, T.)… finden sich Denkfehler, die mit den Wurzeln der Kreuz-, Burka- und sonstigen Religionsdebatten zu tun haben. Deutsche (Staats- und Länder-)Verfassungen bekennen sich nicht deswegen zu christlicher Religion, weil sie sich in ihren Präambeln auf Gott berufen. Das Bekenntnis zu Gott wurde von den Autoren der Gesetzeswerke klugerweise freigehalten von einer Koppelung an diese oder jene Religion. Sollte sich in einzelnen Gesetzen, im Widerspruch zu dieser säkularen Zurückhaltung, dann doch das „Christliche“ niedergeschlagen haben, dann stehen diese Gesetze im Widerspruch zur grundgesetzlich festgeschriebenen Religions- und Bekenntnisfreiheit und müssen korrigiert werden. Zwar haben sich die Väter der Verfassung nicht die laizistische Aufgabe gestellt, Religion aus dem öffentlichen Raum hinauszudrängen – aber sie standen zu seiner säkularen Neutralität. Insofern kann aus dem grundgesetzlichen Bekenntnis zu Gott keineswegs das Recht für öffentliche Institutionen abgeleitet werden, Symbole spezifischer Religionen zur Schau zu stellen.

Weiter heißt es, die deutsche Verfassung stehe für Religionsunterricht an öffentlichen Schulen ein, also gebe es ein Recht zu christlicher Symbolik in Klassenzimmern. Jedoch ist Religionsunterricht nicht gleichzusetzen mit Unterweisung in christlicher Religion. Die Geburt auf Scholle A verpflichtet nicht zur Treue zu Religion A. Dass wir vornehmlich Erdenbürger sind und damit ein Nutzungsrecht besitzen an allen geistigen Überlieferungen, wird von solch eingeengter Sicht auf „den“ Westen und „das“ sogenannte Abendland geleugnet.

Sind ohne Bekenntnis zum Christentum die abendländischen Werte in Gefahr? Nein, Freiheit, Gerechtigkeit, Staatlichkeit, Menschlichkeit sind selbstverständlich auch ohne Christentum denkbar. Das zu verneinen wäre nicht nur ein ignoranter Affront gegenüber anderen Kulturen, die sich nicht auf das Christentum berufen und diese Werte trotzdem anstreben, sondern auch ein Affront gegen die Geschichte des „Abendlands“ selbst. Unser modernes Recht ist im Wesentlichen ein Kind des nichtchristlichen Roms, unsere Staatlichkeit ein Kind des nichtchristlichen Griechenlands, und das Streben nach Freiheit und Menschlichkeit als vom Christentum gepachteter, singulärer Wert ist eine so absurde These, dass sie keiner Diskussion würdig ist. Menschen haben schon seit jeher geliebt und sich nach Freiheit gesehnt. Propheten und Heilige haben an diese Werte immer nur erinnert – sie aber keinesfalls erstmalig in die Welt gebracht.

Was, wenn das „Abendland“ mit seiner Geschichte furchterregender Abscheulichkeiten vielleicht gar nicht erhaltenswert wäre? Dann fiele die behauptete Notwendigkeit, es mit christlichen Werten zu stützen, in sich zusammen. Wollen wir wirklich weiter eine Kultur unterstützen, die für Unterjochung und Ausbeutung fremder Völker steht, für das Herstellen und Handeln mit Waffen, für das Hohelied einer chemieorientierten Medizin, für eine sich immer weiter steigernde Lust auf Geschwindigkeit, Menge und Höchstleistung und für den nicht nachlassenden Willen, schädigend in Naturkreisläufe einzugreifen? Und das alles zum Preis stetig nachlassender Zuwendung zu Familie, Gemeinde, Land? Es ist an der Zeit, säkular und religionsneutral zu denken und zu fragen, wie eine Welt beschaffen sein müsste, wenn in ihr der gesunde Menschenverstand und ein mitfühlendes Herz regieren.

Ob in solch einem visionären Gesellschaftsentwurf bestehende Religionen einen Platz haben werden, ist sekundär und für den Erfolg des notwendigen Neuaufbruchs irrelevant. Versagt haben alle instutionalisierten Religionen. Also müssen wir ohne sie auszukommen lernen.

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Uebel läuft frei rum nach dem Aufstand in Zellenblock Nummer neun. Bleibt die Frage, warum Herr Evil Walks (3) meint, aus dem warmen Sanatoriums-Stübchen Leserbriefe an die FAZ schreiben zu müssen, da seine Idealvorstellungen in Kambodscha (4) doch längst verwirklicht worden sind. Sein Leiden in der s.E. nach scheußlichen westlichen Zivilisation begreift er wohl als Geschenk an uns. Nach getaner Arbeit wird er sich dann sicher auf’s Altenteil nach Iran, Sudan oder Nordkorea zurückziehen. Und dort dann und wann weiter an seiner Schädelpyramide werkeln… He’s so bad!

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Time am 29. Mai 2010

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1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/05/28/counter-jihad-zur-see/
2) The Kinks: http://www.youtube.com/watch?v=e22hdJ1wwKg
und: http://www.youtube.com/watch?v=hGcwpJgge6g
3) ACDC: http://www.youtube.com/watch?v=qtmgHKAwxM0
4) Dead Kennedys: http://www.youtube.com/watch?v=t1TGUv33DUY
und: http://www.youtube.com/watch?v=-KTsXHXMkJA

Titelbild: Die Apotheose des Kriegs von Wassili Wassiljewitsch Wereschtschagin, 1871
http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/1376720

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PS.: Hier der Text von AC’s „Evil Walks“:

Evil Walks

Black shadow hangin‘ over your shoulder
Black mark up against your name
Your green eyes couldn‘t get any colder
There‘s bad poison runnin‘ thru your veins
Evil walks behind you
Evil sleeps beside you
Evil talks arouse you
Evil walks behind you

Black widow weavin‘ evil notion
Dark secret‘s bein‘ spun in your web
Good men goin‘ down in your ocean
They can‘t swim cos their tied to your bed
Evil walks behind you
Evil sleeps beside you
Evil talks arouse you
Evil walks behind you
You‘re just crying wolf
I sometimes wonder where you park your broom
Oh black widow

C‘mon weave your web
Down in your ocean
You got ‚em tied to your bed
With your dark dark secret‘s
And your green green eyes
You black widow

Evil, walks behind you
Evil, sleeps beside you
Evil, talks arouse you
Evil, walks behind you
Evil walks behind you
Evil sleeps beside you
Evil talks arouse you
Evil walks behind you

Evil sleeps beside you
Evil talks arouse you
Evil walks behind you
Evil walks

You‘re so bad

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Counter-Jihad zur See

28. Mai 2010

Stephen Decatur junior (1) war einer der ersten Helden der US-Navy. Das Bild zeigt ihn beim Aufbringen eines Kriegsschiffs der Jihad-Piraten von Algier. Decatur starb 1820, nicht von der Hand eines Mohammedanisten, sondern in einem jener idiotischen Duelle, die heutzutage so absurd wirken wie das Werfen von Hühnerknochen bei Vollmond. Das Bild wurde gemalt von dem Briten Dennis Malone Carter (1827-1881). Interessant: Die türkische Fahne im Hintergrund!

Die Leser der FAZ vom 19. Mai schreckte ein großformatiges Foto eines modernen somalischen Jihad-Piraten. Darunter folgte eine Buchbesprechung von Milos Vec über das Werk des Engländers Daniel Heller-Roazen „Der Feind aller“ (Der Pirat und das Recht. Aus dem Englischen von Horst Brühmann. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2010. 348 S., geb., 22,95 Euro), die auf erschütternde Weise die Blindheit des durchschnittlichen MSM-Journalisten und seine an Konditionierung erinnernde Affektivität offenbart.

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Rechtlose auf den Weltmeeren

(Rechtlose? Offenbar geht es um ermordete oder geschändete Piratenopfer. Wir werden sehen…)

Von wegen Auslaufen und Einbuchten: Die Piraten sind als Bedrohung der Schifffahrt zurück. Daniel Heller-Roazen beschreibt ihre Rolle in der Rechtsgeschichte und gerät bei der Gegenwart ins Ungefähre.

(Aha, das Urteil wird gleich zu Beginn verkündet: Daumen runter!)

Die Piraten sind zurück, und die Wissenschaft gedenkt ihrer mit angenehmem Grauen. Mythische Erzählungen steigen auf, und sie verbinden sich mit der ambivalenten Fortschrittsgeschichte des Völkerrechts: Wo Räuber waren, sorgt nun das Seerecht für Ordnung. So jedenfalls hieß es einige befriedete Jahrzehnte lang, bis die Seefahrt wieder durch den Fluch der Meere eingeholt wurde. Daniel Heller-Roazen, Literaturprofessor in Princeton und vielgelobter Autor, hat eine Rechtsgeschichte der Piraten vorgelegt, in der sich tradierte Fakten mit naheliegenden Aktualisierungen verbinden.

(Es sind nicht Wissenschaftler, die ein „angenehmes Grauen“ spüren. Dieses Paradoxon zu empfinden gelingt nur MSM-Journalisten, welche es heutzutage als ihre Aufgabe ansehen, jeden Stoff und jeden Inhalt auf das Niveau einer TV-Show herunterzustutzen. Wissenschaftler forschen, emotionslos und nüchtern. „Mystische Erzählungen steigen“ nicht auf, und sie verbinden sich auch keineswegs mit dem Völkerrecht, so gern Herr Vec auch als mystischer Dichter verehrt werden würde. Indessen werden allgemeine Übereinstimmungen zwischen der heutigen Jihad-Piraterie und der Geschichte der Piraterie angekündigt, und man darf gespannt sein.)

Heller-Roazen erzählt diese Geschichte in lesbarer Chronologie. Antike, Mittelalter und Frühe Neuzeit werden auf Vorfälle und normative Konzepte hin abgeklopft. Er berichtet von Freibeutern, Korsaren und Seekamelen, vom Ende der Kaperei durch die Pariser Deklaration von 1856. Sein Fokus liegt perspektivisch auf der Frage, wer wen als „Pirat“ etikettiert und welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Die politische Pointe dieser Untersuchung liegt, mancher ahnt es vielleicht schon, in der Frage der Exklusion: Welche dunklen Seiten haben politisch-juristische Definitionen und Integrationsprozesse, welche Ausgrenzungen sprechen sie aus?

(Die Frage, „wer wen als ‘Pirat’ ettikettiert“ ist einigermaßen unsinnig, und wohl eher eine demagogisch-rhetorische Frage von Herrn Vec als eine von Herrn Heller-Roazen. Oder will er ernsthaft behaupten, die somalischen Piraten z.B. könnten die gekaperten westlichen Schiffe in der geringsten Hinsicht als Piratenschiffe deklarieren? Oder die Staaten, aus denen sie stammen? Ein Relativismus der borniertesten Art kündet sich an.)

Denn dass der Pirat ein vielfach Geächteter unter den Geschöpfen dieser Erde ist, daran lassen Heller-Roazens Belegstücke keinen Zweifel. Bei Cicero erscheint er in einer legendären Stelle als „communis hostis omnium“, als gemeinsamer Feind aller, oder – so eine frühneuzeitliche Formel – gar als Feind des Menschengeschlechts, „hostis generis humani“. Gegen ihn gilt es sich zu verbünden, ihn musste man von den Küsten und Seestraßen fernhalten, verfolgen und zur Strecke bringen. Bis zu einer Seepolizei freilich ist der Weg noch lang, Auslaufen und Einbuchten ein frommer Wunsch, zumal auch die Piraten ausgeschlafene Bürschchen sind, die sich technisch zu helfen wissen.

(Vec macht aus seiner Sympathy zu diesen Devils kein Hehl, nicht weil sie ihre Verbrechen zur See verüben, sondern weil sie sich gegen die Staatengemeinschaft, die Idee des Staates und also der Idee der konstruktiven Zusammenarbeit stellen. „Bis zu einer Seepolizei freilich ist der Weg noch lang“, freut er sich, seit 2.000 Jahren verteidigen sie nach seiner Ansicht seinen (perversen) Begriff von Freiheit.)

Heller-Roazens Geschichte gewinnt ihre Aktualität also aus der Wiederkehr einer Kriminalitätsform auf den Weltmeeren, die man noch vor einigen Jahrzehnten für erledigt hielt. Das Buch wäre insofern das Musterbeispiel für die Neuerzählung der Geschichte unter dem Vorzeichen einer unerwarteten Auferstehung. Als solche freilich überzeugt sie nur in Maßen, denn wirklich Neues fördert Heller-Roazen weder in Recht noch in Geschichte zutage. Seine Kompilation bedient sich vielmehr solide der bekannten Forschungen und fügte diese, manchmal sogar etwas hölzern, ins Genre eines Sachbuchs mit essayistischen Zügen.

(Den Vorwurf an Heller-Roazen, er habe nichts Neues zutage gefördert, halte ich für anmaßend. Nicht jeder Wissenschaftler muss notwendigerweise Feldforscher sein und z.B. im vorliegenden Fall im Taucheranzug versenkte Galeonen untersuchen. Der Vergleich „Piraterie einst – Piraterie heutzutage“ ist an sich völlig legitim und eine ausreichend anspruchsvolle Aufgabe. Der Vorwurf geht ins Leere, und sollte wohl auch nicht mehr als ein solcher sein bzw. die Überleitung des schriftstellernden MSM-Journalisten zu seinem Lieblingsthema, dem G- äh, nein, dem „theoretischen Punkt“. Was das ist, ein „theoretischer Punkt“? Haben Sie etwa keinen? Schade, sonst könnten wir die tauschen, die wir doppelt haben. Übrigens gibt es für drei „theoretische Punkte“ einen „Bonus-Punkt“. Und für drei Bonuspunkte wiederum gibt es das Sammelheft, wo all die Punkte eingeklebt werden…)

Interessanter dürfte Heller-Roazens theoretischer Punkt sein. Es ist das Philosophieren anhand des historischen Materials über die Figur des Anderen, des aus der Gemeinschaft Ausgeschlossenen: Der Pirat wird zum Paradigma. Hier entwickelt das Buch einen anderen, untergründigen Erzählstrang, für den der Agamben-Übersetzer (2) Heller-Roazen die Piraten Vattels und Wolffs nicht nur mit Melville und Poe, sondern mit den Vordenkern des Ausnahmezustands und der juristisch organisierten Rechtlosigkeit zusammenbringt. Der Kunstgriff der Ausschließung beinhaltet die Selbstermächtigung zur Treulosigkeit, zum Wortbruch, kurz: zu weiteren piratengleichen Grenzüberschreitungen.

(„Sind nicht wir alle Piraten“, meint dies, wir Wortbrecher, wir Treulosen?)

Unverzichtbar Beleg hierfür ist die Steilvorlage der unrühmlichen Verteidiger der US-amerikanischen „verschärften Verhörtechniken“. Sie beriefen sich in ihrer Rechtfertigung der rechtswidrigen Misshandlungen auf die Figur des Piraten als des Ausgeschlossenen aus jeder Rechtsgemeinschaft. So sprach es der Rechtsberater der amerikanischen Regierung, John Choon Yoo, bald nach dem 11. September aus und erinnerte an die „ungesetzlichen feindlichen Kombattanten“, deren Verhalten durch keine Kategorie des Rechtssystems abgedeckt sei. Diese zweite Wiederkehr macht den politischen Reiz des Buches aus, denn sie lässt manche Geschichte der Verfolgung in einem zivilisatorischen Zwielicht erscheinen: Der Staat und seine Vordenker bemächtigen sich der Definitionshoheit übers Meer und erklären kurzerhand den Gegner für vogelfrei.

(„Der Westen ist Abu Graib“, so lautet eine der aktuellsten antiwestlichen Parolen. Und sowas aber auch, der Staat behauptet einfach, das Meer sei dazu da, in fairem und geordneten Handel Waren in aller Welt zu verteilen. Dabei könnte man doch mit dem gleichen Recht behaupten, es sei dazu da, die Piraten zu ihrer Beute zu führen. Meint offenbar Herr Vec. Dieser Anwalt der Haifische hebt anklagend den Zeigefinger: „Der Staat und seine Vordenker BEMÄCHTIGEN sich der Definitionshoheit übers Meer.“ Wie bitte? Sind es nicht die Piraten, die sich der Waren, Schiffe und ehrbaren Seeleute bemächtigen, sie töten, verstümmeln, vergewaltigen und versklaven? Die rauben und morden? Die verhungern würden ohne ihre Opfer, weil sie zu dumm und grausam sind, um auf anständige Weise ihren Lebensunterhalt zu verdienen? Die Hechte brauchen die Karpfen, aber die Karpfen brauchen doch die Hechte nicht!)

Vier wiederkehrende Elemente der Definition hat Heller-Roazen in seiner Genealogie des Piraten ausgemacht: ein Gebiet, in dem rechtliche Ausnahmeregeln gelten; der Akteur wird als universeller Feind definiert; in seiner Verfolgung verwischen die Grenzen von Strafrecht und Politik; der Begriff des Krieges wandelt sich. So weit, so schlüssig. Das sei, so meint Heller-Roazen aber, „heute ein Gegenstand von erheblicher, sogar äußerster Bedeutung“.

(Der Definition von Heller-Roazen nach wären, sofern sie von Vec richtig referiert werden, die somalischden Jihad-Piraten keine Piraten, denn sie werden erstens nicht als universeller Feind definiert. Da gibt es welche, die sie als arme Fischer darstellen, deren Fische der Westen gestohlen hat, da wird immer wieder betont, welchen Segen die Lösegelder für (das von den Mohammedanisten völlig verhunzte) Somalia bedeutet, welchen Rückhalt diese „Robin Hoods der Meere“ haben. Das Strafrecht wird zweitens leider peinlich genau eingehalten und alle ausser den Russen betrachten die Angelegenheit eher als jungmännisches Abenteurertum, anstatt dass man das Ziel verfolgt, Verbrecher unschädlich zu machen. Drittens, es gibt also auch kein Gebiet, in dem rechtliche Ausnahmeregeln gelten, und viertens: auch die Wandlung des Krieges ist hier – leider – noch nicht sichtbar.)

Doch was bedeutet diese Gleichsetzung der Ausgeschlossenen einst und jetzt? Ist der Pirat wirklich eine Schlüsselfigur unseres Denkens? Die Exklusion aus der Rechtsgemeinschaft zeitigt, das ist so weit klar, erbarmungslose Konsequenzen. Die Parallelführung trägt, wo andere einem rechtlichen Ausnahmestatus unterworfen werden. Heller-Roazen behauptet eine grassierende Verbreitung und huldigt damit einem politischen Alarmismus. Wo genau die Figuren „universeller Feindschaft“ juristisch praktiziert werden, möchte er nicht sagen, erst recht läge eine Analyse und Typologie jenseits der Ziele und Aufgaben des Buches. Diese Formel, oft eine kluge Selbstbeschränkung, überzeugt hier gerade nicht.

(Mir scheint, als ob Heller-Roazen, anders als Vec dies darstellt, nicht vier „Elemente der Definition“ des Piraten historisch belegt, sondern vielmehr Elemente der Definition des Kampfes gegen den Piraten. Der Pirat als solcher interessiert ihn (im Gegensatz zu Edelfeder Vec) nicht, er dikutiert Wege zu seiner Eliminierung – dies ist es, was dem romantischen Herrn Vec unangenehm auffällt. Es ist übrigens auch nicht der (westliche, demokratische) Staat, der irgendwen juristisch exkludiert, der schützt ja sogar Mörder vor der Lynchjustiz – im Sinne der Bibel übrigens (s. Mose 1/4,15) – es sind die Piraten und Jihadisten, die sich selbst außerhalb stellen. Dieses Faktum kann der Westen nur feststellen und darauf reagieren, und das gilt auch für Gruppen, die ganze Städte beherrschen. Die Frage, ob man sie als feindliche Armee oder als Verbrecherbande behandeln soll ist irrelevant. Relevant ist allein die Beseitigung der Gefahr.)

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Was mich an Vecs Text außer den getätigten Anmerkungen ein bißchen wundert ist, dass so sehr der aktuelle Bezug herausgestrichen wird, also die somalischen Piraten, und andererseits entlang des Buches von Heller-Roazen der historische Vergleich vorgenommen wird, dass dann aber als Kern die „Rechtlosigkeit“ der Piraten erscheint. Klar, es gab viele Piraten, die auf eigene Rechnung und völlig rechtlos agierten. Vielleicht waren sie auch die Mehrheit. Es gab aber immer auch Piraten oder gar Piratenflotten, die der einen oder anderen staatlichen Macht feindlich gesinnt waren, in den Häfen der anderen jedoch stets sichere Zuflucht fanden, wie z.B. Francis Drake, der deshalb kein Pirat sondern ein „Freibeuter“ war, wie wir bei Wiki erfahren (2):

„Sir Francis Drake (* um 1540 in Tavistock; † 28. Januar 1596) war ein englischer Freibeuter, Entdecker, Vizeadmiral und der erste englische Weltumsegler. Als Navigator und Seemann gilt er bis heute als eine der herausragenden Persönlichkeiten der englischen Seefahrt.“

Diese Piraten waren in der Tat eine historisch relevante, eine paramilitärische Kraft. Auch die Orks hatten natürlich herausragende Persönlichkeiten des Jihad zur See, sie waren sogar, wie viele Historiker meinen, nach den Engländern die zweitgrößte Bedrohung für die junge amerikanische Demokratie. Insofern wäre es m.E. erheblich interessanter, von den Historikern Untersuchungen darüber einzufordern, inwiefern Staaten Rechtsverletzungen oder Verbrechen tolerieren, sofern sie sich gegen Feinde, Gegner oder überhaupt andere richten. Drake beispielsweise erhielt von der Krone die schriftliche Erlaubnis, die Spanier zu massakrieren. Rechtsfrei?

Und die Jihad-Piraten? Ihr Merkmal ist doch auch nicht das Agieren im rechtsfreien Raum. Ihre Opfer waren und sind „Ungläubige“ oder „Nicht-ganz-so-Rechtgläubige-wie-sie“. Ihre Untaten sind also mitnichten rechtsfrei, sondern sie sind vielmehr sogar von deren allerhöchsten Instanz (die für uns die allerniedrigste ist), vom Kloran, abgesegnet.

Die Verlagerung von der Frage, inwiefern die Piraten „rechtlos“ sind hin zu der Frage „wessen Recht brechen sie, wessen Recht befolgen sie“ würde die Analysen in Bezug auf die somalische Jihad-Piraterie weg führen von Bloody Mary, Jack Sparrow und dem ganzen romantischen Unsinn hin zur nüchternen Feststellung: Der Jihad ist nicht nur global geworden, er hat auch das Schwimmen wieder erlernt.

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Time am 28. Mai 2010

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1) http://de.wikipedia.org/wiki/Stephen_Decatur
2) http://de.wikipedia.org/wiki/Agamben
3) http://de.wikipedia.org/wiki/Francis_Drake

Ihr habt es alle gewusst

28. Mai 2010

Ein Führer der Mondgottanbeter vor dem Zeichen der Sonne? Nein, die Strahlen hinter the Fuhrergan gehen von einer Glühbirne aus, dem Logo der AKP. Lesen Sie einen Leserbrief von Kemal Bölge aus der heutigen FAZ, der die Entwicklung in der Türkei pointiert zusammenfasst. Niemand wird später sagen können, er habe von nichts gewusst!

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Eine Kultur der Angst in der Türkei

Zum Artikel „Das Jahrzehnt Erdogans“ (F.A.Z. vom 15. Mai): Die Vorteile, die Ministerpräsident Erdogan gebracht hat, sind laut Wolfgang Günter Lerch von ökonomischer und politischer Natur. Doch diese These ist in dieser Form nicht haltbar. Denn der Schein trügt gewaltig: Seit dem Machtantritt der AKP im Jahre 2002 herrscht in der Türkei eine Kultur der Angst und der Denunziation. Oppositionelle Journalisten und Redakteure werden mit fadenscheinigen Gründen verhaftet und sitzen seit mehreren Jahren in Untersuchungshaft. Das ehemals größte Medienunternehmen des Landes, die Dogan-Gruppe, berichtete monatelang über veruntreute Spendengelder des Vereins „Deniz Feneri“ in Deutschland. Die Funktionäre des Vereins wurden vom Frankfurter Landgericht wegen Spendenbetrugs zu Haftstrafen verurteilt. Die Kontakte des Vereinsvorstands reichen bis in die höchsten Regierungskreise der AKP. Als Reaktion auf die ausführliche Berichterstattung verhängte das türkische Finanzministerium eine Steuerstrafe in Höhe von 1,7 Milliarden Euro.

Das ist ein ganz klarer Angriff auf die Pressefreiheit. Regierungskritische Fernsehkanäle mussten schließen, weil die AKP ihre Möglichkeiten als Regierung missbraucht und die Eigentümer mittlerweile seit mehreren Jahren im Gefängnis sitzen. Nicht anders ergeht es Richtern und Staatsanwälten, die der AKP nicht nahestehen. Nach Stasi-Manier werden angebliche Gespräche von Richtern und Staatsanwälten der AKP-Kampfpresse zugespielt und in der Öffentlichkeit ausgeschlachtet. Selbst ein unbescholtener Bürger kann sich nicht sicher sein, dass sein Gespräch nicht vom „Big Brother“ des AKP-Staates abgehört wird. Die von der Regierungspartei groß angekündigte Verfassungsreform ist in Wahrheit der Versuch, die Gewaltenteilung und damit auch den demokratischen Staat durch ein diktatorisches Regime zu ersetzen. Die türkische Armee, lange ein Garant der säkularen Türkei, ist nicht mehr das, was sie einmal war. Seit Jahren werden ehemalige und aktive Offiziere der Armee unter aberwitzigen Gründen verhaftet und ihnen der Prozess gemacht. Ein Bild des Republikgründers Atatürk reicht der Staatsanwaltschaft als Beweis für eine Anklage aus.

Um sein Ziel, die Errichtung einer Diktatur, zu erreichen, schreckt der „tiefe AKP-Staat“ auch vor erpresserischen, bis in die Verletzung der Privatsphäre reichenden Methoden nicht zurück. Jüngstes Opfer dieser Schmutzkampagne ist der Vorsitzende der Republikanischen Volkspartei (CHP), Deniz Baykal. Es ist alles andere als ein Zufall, dass die Schmutzkampagne gegen die CHP ausgerechnet bei der Abstimmung über die Verfassungsänderungen im Parlament an die Öffentlichkeit gelangte. Annähernd 90 Prozent der Medien des Landes werden mittlerweile von Getreuen der AKP kontrolliert. Jede noch so kleine Kritik an der Regierung Erdogans reicht aus, um im Gefängnis zu landen.

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Time am 28. Mai 2010

Den Terror mit Terror bekämpfen

27. Mai 2010

In der gestrigen FAZ berichtete Matthias Rüb über die verstärkte amerikanische Initiative, den afghanischen Terroristen mit ihren eigenen Mitteln zu begegnen bzw. sie selbst mal ein bißchen mehr zu erschrecken (1).

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Mehr Geheimoperationen amerikanischer Streitkräfte

„New York Times“: Petraeus unterzeichnete
am 30. September 2009 entsprechenden Befehl

Im Kampf gegen internationale Terrororganisationen wie Al Qaida haben die amerikanischen Streitkräfte in den vergangenen Monaten ihre Geheimoperationen ausgeweitet. Wie die Tageszeitung „New York Times“ am Dienstag berichtete, unterzeichnete der Chef des für den Nahen und Mittleren Osten zuständigen Zentralkommandos der Streitkräfte, Heeresgeneral David Petraeus, am 30. September vergangenen Jahres einen sieben Seiten umfassenden Geheimbefehl zur Ausweitung von Operationen von Spezialeinheiten zur Informationsbeschaffung.

In dem Bericht hieß es, dass Petraeus auf diese Weise in Ländern wie Saudi-Arabien, Iran oder Somalia militante Gruppen „unterwandern, stören, abwehren oder vernichten“ wolle. Zudem sollten die Spezialeinheiten künftigen Militärschlägen der Vereinigten Staaten oder verbündeter Streitkräfte den Boden bereiten. Die Operationen sollten auch dazu dienen, weitere Informationen über das iranische Nuklearprogramm zu erhalten und einen möglichen Militärschlag vorzubereiten, falls der Konflikt um das Atomprogramm Teherans eskalieren sollte.

In dem Papier werden Eliteeinheiten autorisiert, in verbündeten und befreundeten, aber auch in feindlich gesinnten Staaten Aufklärung zu betreiben und damit auch zur Vorbereitung von Militärschlägen beizutragen. Ziel des Befehls ist es, den Streitkräften neben den Informationen der maßgeblichen Dienste – zumal des Auslandsgeheimdienstes CIA – auch eigene Informationsquellen zu erschließen. Anders als bestimmte Operationen der CIA bedürfen die Einsätze der Spezialeinheiten keiner ausdrücklichen Zustimmung des Weißen Hauses.

Die Anordnung von Petraeus und die von Spezialeinheiten gewonnenen Informationen haben offenbar schon zu mehreren Angriffen mit Drohnen oder Hubschraubern auf mutmaßliche Terroristenführer geführt. Als frühes Beispiel gilt der tödliche Helikopterangriff von Mitte September vorigen Jahres im Osten Somalias gegen Saleh Ali Saleh Nabhan, einen der meistgesuchten Al-Qaida-Extremisten am Horn von Afrika.

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Hier ein Kommentar von Jochen Buchsteiner in derselben Ausgabe:

Verdeckt

Es mag sein, dass die Supermacht Amerika ihre einzigartige Stellung allmählich verliert, weil andere Staaten, wenn es um Wirtschaftskraft oder politischen Einfluss geht, erfolgreich zu Konkurrenten aufsteigen. Auf militärischem Gebiet ist die Vorherrschaft der Vereinigten Staaten jedoch ungebrochen. Nur sie haben die Fähigkeiten zur weltweiten Projektion von Macht. In Zeiten des Dschihad-Terrorismus und der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen sind „unsichtbare“ militärische Fähigkeiten aber so wichtig wie die sichtbaren. Gerade in asymmetrischen Konflikten zählen frühzeitige und verlässliche Informationen über den Gegner. So überrascht es nicht, dass der Befehlshaber des für den Nahen und Mittleren Osten zuständigen Regionalkommandos, General Petraeus, besonders auf verdeckte Operationen von Spezialkräften setzt. Wie die „New York Times“ herausgefunden hat, sollen sie vor allem Terrororganisationen ausspähen und militärische Operationen vorbereiten – auch in Iran. Präsident Obama sieht vieles anders als sein Vorgänger Bush, handelt oft aber doch ganz ähnlich.

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Time am 27. Mai 2010

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1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/02/05/die-terroristen-terrorisieren/
und http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/01/19/zwei-strategien-gleichzeitig/

Schul-Jihad

26. Mai 2010

Nur für sehr kurze Zeit
ein Ort der Wissenschaft: Ulugh-Beg-Madrasa
in Samarkand/Usbekistan (1)

Jihad ist eine Gefangenschaft von der Wiege bis zum Grab. Natürlich sind die Schulen – die langfristig in Terrorcamps umgewandelt werden sollen, wie die traurige Geschichte der Madrasas zeigt (2) – ein bevorzugter „Kampfplatz“. Regina Mönch berichtet in der heutigen FAZ aus Berlin. Legen Sie die Gurte an.

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Die rituelle Schule

Die Berufungsverhandlung zum Gebetsraum-Urteil

Vor sieben Monaten erstritt sich der Schüler Yunus M. aus dem Berliner Wedding vor Gericht das Recht, sein rituelles Mittagsgebet in der Schule ungestört zu verrichten. Das Urteil ist von vielen als Sieg der Glaubensfreiheit und der Liberalität gefeiert worden, und wer dagegen die Belange der Schule anführte (die in dem Gutachten, auf das sich die Richter bezogen, nicht vorkommen), galt rasch als intolerant. Der „Rheinische Merkur“ aber freute sich damals besonders für „christliche Schülergebetskreise“, denen Schulleiter oft den gewünschten Gebetsraum verweigert hätten. Trotz dieser deutlichen Aufforderung ist nicht bekanntgeworden, dass an staatlichen Schulen Gebetsräume für junge Christen eingerichtet wurden. Bisher jedenfalls nicht.

Yunus M. selber nutzt, aus welchen Gründen auch immer, sein karges Refugium, einen Computerraum, nur selten. Die Berliner Schulbehörde hat gegen das Urteil Berufung eingelegt, weil es von grundsätzlicher Bedeutung sei, den Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule jedoch nicht ausreichend bewertet habe und zudem davon ausgehe, dass alle Muslime so strenggläubig seien wie die Eltern dieses Schülers.

In seinem Gutachten vom Herbst vergangenen Jahres hatte der Erlanger Rechtswissenschaftler und Scharia-Experte Mathias Rohe dem Berliner Schüler bescheinigt, dass er mit seinen Ritualgebeten einer weit über tausend Jahre alten Tradition Folge leisten müsse und ein Verzicht darauf ihn in einen Glaubenskonflikt stürzen könnte, was ihm nicht zuzumuten sei. Die Vorschrift für die Gebetszeiten wurde den Internetseiten des „Zentralrates der Muslime“ und der türkeiorientierten Ditib entnommen. Beide Organisationen haben bisher nicht verlangt, an staatlichen Schulen dafür Räume zu bekommen.

Die Ditib hätte es damit auch schwer, denn ihre vorgesetzte Behörde, das türkische Religionsministerium Dyianet, empfiehlt dergleichen gerade nicht. Im Gegenteil, in der Türkei verweigert man sie strenggläubigen Muslimen, und die großangelegte Gebetsraum-Kampagne einer extremen Sufi-Bewegung dort hatte noch keinen Erfolg, in Deutschland aber schon. Die Familie des Berliner Schülers gehört zu dieser Bewegung, was in der Verhandlung aber keine Rolle spielte. Dort wurde ausführlich die zwingende Notwendigkeit des fünfmaligen Betens erörtert und als einzige exemplarische Modifizierung für vorgeschriebene Zeiten – die sich am Sonnenhöchststand orientieren – die Gebets- und Fastenpraxis nördlich des Polarkreises erwähnt.

In Berlin gibt es inzwischen weitere Anträge auf Gebetsräume, in einem Gymnasium stellten Schüler sogar Wachen auf vor einem Raum, um ihre Forderung durchzusetzen und zu verhindern, dass Glaubensfremde stören. Die Schulleiter berichten von unguten Streitereien, weil es nun vor allem darum ginge, wer ein guter Muslim sei und wer nicht. Konflikte, die das Weddinger Gymnasium, an dem Yunus M. lernt, schon kennt. Der Ratschlag, so etwas pädagogisch zu schlichten, zeugt von Ahnungslosigkeit. Denn dies müssen Lehrer ohnehin, aber seit dem Berliner Urteil häufiger. Früher, so ein Lehrer, sei es den Schülern egal gewesen, wer wie glaube, jetzt werde unter Muslimen jede Glaubensrichtung unterschieden und bewertet, drohten selbst Konflikte zwischen Schiiten und Sunniten in der islamischen Welt Unfrieden in die Schulgemeinde zu tragen.

Die Schulleitung des beklagten Berliner Gymnasiums ist von Kollegen anderer Schulen zum Teil scharf kritisiert worden. Man könne derartige Wünsche durchaus informell regeln, sagen sie, und auf diese Weise vermeiden, dass Schüler sich um eine ähnlich starke öffentliche Aufmerksamkeit bemühen wie Yunus M. Sie wollen nicht wahrhaben, dass es der Familie des Jungen gerade darum ging, ihr Anliegen vor einem deutschen Gericht vorzutragen. „Informelle Regelungen“ haben inzwischen dazu geführt, dass an einigen Berliner Berufsschulen der Unterricht am Freitag gegen elf Uhr endet, weil muslimische Schüler angeben, sie müssten zum Freitagsgebet in die Moschee. Angefangen hatte es mit zwei Schülern, und natürlich ist nicht festzustellen, wer hier nur mit Erlaubnis schwänzt und wer tatsächlich beten geht.

Genauso wenig wie festzustellen ist, ob das islamische Ritualgebet, für das gerade jetzt, vor der Berufungsverhandlung, Gebetsräume gefordert werden, Ausdruck tiefer, bisher unterdrückter Frömmigkeit ist oder ob es eher um die demonstrative Geste und das zu erwartende mediale Interesse geht. Die Berliner Schulbehörde jedenfalls will vor Gericht klären, ob das islamische Selbstverständnis nicht eher die Zusammenfassung zweier Gebete erlaubt; die meisten Muslime dieses Landes pflegen diese Praxis, zumal wenn sie berufstätig sind. Andernfalls muss das Raumprogramm für staatliche Schulen geändert werden, damit gegebenenfalls auch Katholiken, Protestanten, Freikirchler, Buddhisten, Juden, Schiiten, Sunniten sich zum Gebet zurückziehen können. Wer aber will diese andere Schule tatsächlich?

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Time am 26. Mai 2010

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1) http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/1168240
2) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/02/ulugh-beg/

Update, 27. Mai: Yunus M. hat vor Gericht verloren:
http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E51D926C17BB1420D83DDAA7CD85C22CC~ATpl~Ecommon~Scontent.html
auch, 280510: http://fact-fiction.net/?p=4338

Der Vater des Gedankens

25. Mai 2010

Im aktuellen „Spiegel“ (#21) schreibt der pakistanische Journalist und Buchautor Ahmed Rashid zum Thema Afghanistan. Rashid (1) gilt als einer der besten Kenner der Region. Er verfasste einige Standardwerke über die Taliban und veröffentlichte zuletzt „Descent Into Chaos. How the war against Islamic extremism is being lost in Pakistan, Afghanistan and Central Asia“.

Da ein Ork immer ein Ork bleibt, bis er der satanischen Ideologie abgeschworen hat, sind seine Ausführungen wohl als zumindest ambivalent einzustufen. Häufig scheint der Wunsch Vater des Gedankens zu sein, nämlich der Wunsch, Amerika bzw. der Westen möge in Afghanistan scheitern.

Rashid widersprach z.B. der vorherrschenden Meinung, die Taliban müssten, um mit ihnen verhandeln zu können, erst geschwächt werden (2). Solange sie sich stark fühlten, glaubte er, seien sie nämlich eher zu Kompromissen bereit. Sein Konzept war von jeher die „Aussöhnung mit den Taliban“. Hier der Aufsatz von Herrn Rashid:

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Vor dem Endspiel

Amerikas fatale Fehler in Afghanistan

Egal wie oft Barack Obama und seine Berater der Welt noch sagen mögen, dass die Amerikaner sich nicht in 13 Monaten zurückziehen werden, so glauben doch die meisten Afghanen und die Nachbarländer, die sich notorisch in diesem Land einniischen und dort Einfluss ausüben, dass die Endphase jetzt schon begonnen hat.

Deshalb haben sie alle, von den afghanischen Warlords über die Taliban und al-Qaida bis hin zu den Geheimdiensten, ihren Einsatz in diesem großen Spiel erhöht, um ihre Rivalen zu untergraben, ihre eigenen Ziele voranzutreiben und ihre Einflusssphäre auszudehnen. Die Gefahr besteht jetzt darin, dass Afghanistan wieder zum „Kampfplatz Asiens“ wird, ein Begriff, den der Brite Lord Curzon, eine imperiale Figur im 19. Jahrhundert, geprägt hat.

Obama hat das Spiel im vorigen Dezember aus der Hand gegeben. Da kündigte er an, dass 30.000 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan verlegt würden, um die Taliban zurückzuschlagen, und er fügte hinzu, ab Juli 2011 würden die US-Streitkräfte mit dem Abzug beginnen und das Land den Afghanen übergeben. Im Oktober werden also 100.000 amerikanische und 40.000 Soldaten überwiegend aus anderen Nato-Ländern in Afghanistan stehen und dann von Juli 2011 an wieder abziehen.

Mehr als 25 Milliarden Dollar sind bislang nach Afghanistan geflossen, um Armee und Polizei aufzubauen. Noch immer handelt es sich meistens um Analphabeten, um unausgebildete und verantwortungslose Kräfte, die in keiner Weise imstande sind, ihr eigenes Land zu übernehmen. Von den 5.200 Ausbildern aus dem Westen, die nach dem Willen der USA und der Nato die Afghanen unter ihre Fittiche nehmen sollten, ist allenfalls die Hälfte ins Land gekommen. Trotz zahlloser Versprechen haben die Europäer lediglich 300 Ausbilder geschickt.

Für die Afghanen und ihre Nachbarn wie Pakistan, Indien und Iran ist völlig klar, dass die europäischen Nato-Länder, in denen der Krieg an Legitimation und Popularität verloren hat, zum Ausgang rennen werden, sobald der erste amerikanische Soldat das Land verlässt. Die Niederländer haben schon lange ihre Absicht bekundet, dass sie sich in diesem Sommer aus Uruzghan, der umkämpften Provinz im Süden, zurückziehen werden. Die Kanadier verlassen die Provinz Kandahar im nächsten Jahr, gefolgt von den Dänen. Die Briten sollen auf Wunsch der Amerikaner die Provinz Helmand aufgeben und Kandahar übernehmen.

Obamas Entschluss, die Truppen aufzustocken, war wohlüberlegt, abgesehen vom selbstauferlegten Zeitplan, der die US-Kommandeure in Schwierigkeiten bringt. Mit der Aufstockung ging die neue Strategie zur Bekämpfung der Taliban einher, die weniger darauf aus ist, Aufständische zu töten, als die Zivilbevölkerung zu beschützen und die Entwicklung des Landes voranzutreiben. Aber auch solche Vorhaben brauchen Zeit, sie sind nicht binnen einiger Monate zu verwirklichen.

Die neue militärische Strategie wurde erstmals in Marjah angewandt, einem Ort in der Provinz Helmand, die das Zentrum des Drogenhandels bildet. Die 15.000 westlichen und afghanischen Soldaten sind allerdings nicht imstande zu verhindern, dass die Taliban nachts zurückkommen, Minen auf den Straßen legen, die Bevölkerung einschüchtern und überdies verhindern, dass die afghanische Regierung die Stadt unter ihre Kontrolle bekommt.

Jetzt planen die USA und die Nato die größte Offensive dieses Sommers. Dann sollen Zehntausende Soldaten zusammengezogen werden, um Kandahar und die umliegenden Bezirke den Taliban zu

entreißen und afghanischen Kräften zu übertragen. Bei seinem Besuch in Kandahar warnte General David Petraeus die Bewohner davor, dass die Taliban Rache üben und zu schrecklichen Handlungen übergehen könnten, um die Offensive aufzuhalten. Am helllichten Tag haben die Taliban eine Serie von Morden in Kandahar verübt und dabei ein Dutzend hoher Beamter getötet, darunter den stellvertretenden Bürgermeister.

In Afghanistan schlägt sich die internationale Gemeinschaft mit drei dauerhaften Problemen herum, ohne eine Lösung zu finden. Das erste Problem liegt darin, dass sie keinen verlässlichen afghanischen Partner findet. Ein neuer Bericht aus dem Pentagon kommt zum Ergebnis, dass Hamid Karzai lediglich in 29 der 121 Schlüsselbezirke Rückhalt findet. Die meisten Afghanen sitzen auf ihren Händen und warten ab. Der Druck, den die USA zuletzt auf den Präsidenten ausübten, damit der etwas fürs Regieren und gegen die Korruption tut, lässt Karzai kalt.

Seit neun Jahren verhalten sich amerikanische Regierungen im Umgang mit Karzai naiv und unstet. Uber die ganze Zeit hat sich dieser Präsident nicht um sauberes Regieren bemüht, warum sollte er jetzt damit anfangen? Die Entfremdung zwischen Karzai und Washington nimmt zu. Zuerst hat ihn Amerika beschuldigt, er habe die Wahlen manipuliert, dann hat Amerika das Ergebnis hingenommen, um danach wieder mit ihm übers rechte Regieren zu streiten. Davon ließ die Regierung Obama plötzlich wieder ab, um Karzais Besuch in Washington in der vorigen Woche nicht zu gefährden.

Das zweite Problem besteht darin, dass die USA zwar etliche Soldaten für weitere fünf Jahre in Afghanistan belassen mögen, die Europäer aber dabei nicht mitmachen werden. Nach Umfragen ziehen es 72 Prozent aller Briten vor, die Truppen heimzuholen, in Deutschland sind es 62 Prozent. In ganz Europa, von Spanien bis Schweden, haben die Menschen genug von diesem Krieg.

So schlägt sich die Krise in Afghanistan in der Nato in Brüssel und in den europäischen Hauptstädten nieder. Keine Regierung kann es sich auf längere Dauer leisten, an einer Außenpolitik festzuhalten, die daheim zutiefst unpopulär geworden ist und so viel Geld und Blut kostet. Kein Wunder, dass die Nato am 23. April in Tallinn übereinkam, den Afghanen die Kontrolle über einige Bezirke bis Ende des Jahres zu übergeben. Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen meinte frohgemut, „in diesem Jahr reißen wir die Initiative zunehmend an uns“. Das klingt erstaunlich zuversichtlich und deshalb hohl. Die Afghanen halten solche Beschlüsse für einen Rückschritt und nicht für einen Fortschritt.

Deutschland hat seinen Kopf noch mehr als andere Europäer in den Sand gesteckt, anstatt seine Strategie, Absichten und Ziele zu erklären, seitdem rund 4.500 Soldaten in den Norden und nach Kunduz verlegt wurden. Der Grad an Täuschung und Selbsttäuschung, den sich Deutschland geleistet hat, ist bemerkenswert.

Kanzlerin Merkel hat wenig Interesse für Afghanistan aufgebracht und erst kürzlich an ihrer ersten Trauerfeier für einen getöteten Soldaten teilgenommen. Bald werden rund 5.000 US-Soldaten in den Norden verpflanzt, um die Deutschen in einer größeren Offensive gegen die Taliban zu unterstützen.

Das dritte Problem besteht darin, dass die Taliban und andere extremistische Gruppen nach wie vor Zuflucht in Pakistan finden. Das pakistanische Militär ließ zu, dass die Taliban und ihre Verbündeten im Jahr 2003 ihren Feldzug gegen die USStreitkräfte wieder aufnahmen. Präsident Bush scherte sich nicht darum, solange Pakistan hinter al-Qaida her war, wofür das Militär auch sorgte. Präsident Obama drängt entschiedener, aber Pakistan, von jeher fixiert auf Indien, das seinen Einfluss in Kabul ausgedehnt hat, denkt gar nicht daran, seine Option preiszugeben. Darin fühlt sich Pakistan bestätigt, seit Amerika von Rückzug redet. Pakistan will eine herausgehobene Rolle im Endspiel um Afghanistan einnehmen. Dafür hält es sich die Taliban in Reserve.

Allerdings haben auch die pakistanischen Taliban an Gewicht gewonnen. Diese Paschtunen waren ursprünglich wenig mehr als Hilfskräfte für die afghanischen Taliban und für al-Qaida in den Stammesgebieten. Doch seit 2007 fordern sie die Regierung in Islamabad heraus und lösen Chaos mit ihren Selbstmordattentaten im ganzen Land aus. Erst seit etwas mehr als einem halben Jahr geht die Armee gegen die Taliban in sechs der sieben Stammesgebiete vor.

Die Armee weigert sich allerdings, ins siebte Stammesgebiet vorzudringen, nach Nordwaziristan oder weiter südlich in die Grenzregion von Belutschistan, wo die Taliban und ihre Alliierten wie Jalaluddin Haqqani und Gulbuddin Hekmatiar Stützpunkte besitzen.

Auch al-Qaida und etliche Gruppen aus Zentralasien haben Trainingscamps in Nordwaziristan. Dazu gehören ein halbes Dutzend Möchtegembomber verschiedener Nationalität, die Anschläge in Amerika ausführen wollten, und auch etliche Militante aus Deutschland. Seit Faisal Shahzad, US-Bürger pakistanischer Herkunft, eine Autobombe auf dem Times Square in New York hochgehen lassen wollte, steht Pakistan unter ernsthaftem Druck, etwas zu tun. Doch die Armee hat sich noch nie zwingen lassen, gegen ihre eigenen strategischen Interessen zu handeln.

Obama versprach, er wolle die Länder der Region zu einem Pakt überreden, damit Afghanistan nicht wieder zum Spielball seiner Nachbarn wird. Nichts ist daraus geworden. Die Beziehungen zwischen den USA und Iran, zwischen Indien und Pakistan sind schlechter denn je. Die sechs direkten Nachbarn Iran, Pakistan, China, Usbekistan, Tadschikistan, Turkmenistan – und die nahen Nachbarn Indien, Russland und Saudi-Arabien streben allesamt nach Einfluss in einem Afghanistan nach Abzug der USA. Die besten Karten in diesem großen Spiel besitzt Pakistan mit seinem Zugriff auf die Taliban-Führung.

Knapp neun Jahre nach dem 11. September 2001 wird der Westen müde. Afghanistan und Pakistan werden weiter zerbröckeln, wenn denn nicht in den USA, der Nato und den Nachbarstaaten die Einsicht wachsen sollte, dass die Reierung in Kabul mit den Taliban verhandeln muss. Karzai liegt daran, dass er internationalen Rückhalt für solche Gespräche bekommt. Seit bald einem Jahr führt er sie heimlich in Dubai und Saudi-Arabien. Die Taliban ließen unter der Hand wissen, dass sie direkt mit den Amerikanern und der Nato verhandeln wollen.

Die amerikanische Regierung macht zur Bedingung, dass die Taliban jede Verbindung zu al-Qaida lösen müssen, und sie will die Taliban erst militärisch schlagen, um dann mit einem geschwächten Gegner zu verhandeln. Es sieht nicht so aus, als ließe sich dieses Ziel noch erreichen.

Bei anderen Aufständen gingen Kampfhandlungen und Verhandlungen miteinander einher. Die Bedingungen aber, die der Westen den Taliban auferlegen will, lassen sich nur im Dialog erreichen.

Die Macht mit den Taliban zu teilen ist nicht die beste aller Lösungen, am allerwenigsten für die Afghanen, aber sie ist die einzige wirklichkeitsnahe Option, wenn der Westen mit dem Truppenabzug beginnt und Afghanistan ein schwaches, politisch zerklüftetes Land bleibt, umzingelt von raubgierigen Nachbarn.

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Time am 25. Mai 2010

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1) http://de.wikipedia.org/wiki/Ahmed_Rashid
2) http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/03/06/ban-the-taliban/

auch: http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/28/another-ork-agent/

Osttimor: Sieg des Counterjihad

24. Mai 2010


Kirche von Liquiçá

Einige Leser brachten Anregungen und Hinweise, die „Unvollständige Chronologie des mohammedanistischen Jihad über rund 1.400 Jahre“ (1) um die Zerstörung des Sassanidenreiches, die Genozide an Hindus und Buddhisten in Asien, die an den Naturvölkern Borneos und Indonesiens sowie die an den Christen Osttimors zu ergänzen. Der folgende Beitrag will auf der Basis von Wikipedia einen kurzen Überblick über den indonesischen Jihad gegen die „Demokratische Republik Timor-Leste“ geben (2).

Timor war bis zur Inbesitznahme durch die Niedeländer und Portugiesen in mehrere kleine Königreiche geteilt, die gesamte Insel jedoch durch Heirats- und Bündnispolitik vernetzt. 1916 legten die beiden Kolonialmächte die Grenze fest. Der niederländische Westen wurde nach dem zweiten Weltkrieg wie das gesamte Indonesien in die Unabhängigkeit entlassen, der portugiesische Osten mitsamt der Exklave Oecusse erst nach dem Ende der portugiesischen Diktatur 1974 (3). Heute sind 91% der 1,6 Mio. Einwohner Westtimors Christen (56% kath., 32 ev. 3% andere), 8% sind Mohammedanisten (4). In Osttimor ist die Religionszugehörigkeit noch homogener: 98,7% der rd. 1,1 Mio. Einwohner sind Christen (96,5% kath., 2,2% ev.), 0,8% Animisten und 0,3% Mohammedanisten (5).

1975 entflammte dort zunächst ein Bürgerkrieg zwischen den beiden größten Parteien FRETELIN und UDT. Im Gegensatz zur FRETELIN hatte die UDT Wiki zufolge (6) zunächst statt völliger Unabhängigkeit eine enge Bindung an Portugal befürwortet. Als sich der Wahlsieg der FRETELIN abzeichnete, initiierte die UDT einen Putsch, der in einen Bürgerkrieg ausartete und in dessen Verlauf ca. 2.000 Menschen starben. Die FRETELIN siegte und rief am 28. November 1975 die Unabhängigkeit aus. Neun Tage später erfolgte die Invasion durch mohammedanistische, indonesische Truppen. Für die Osttimoresen begannen 25 Jahre schwerer Unterdrückung und die Anhäufung eines Leichenberges durch die Orks, welcher bis zum Ende der Besatzungszeit einen Umfang von 183.000 toten Zivilisten bzw. 22,875% der Bevölkerung erreichen sollte (zum Vergleich: Deutschland erfuhr im zweiten Weltkrieg einen Verlust von insgesamt 5,4 Mio Deutschen bzw. 6,8% der Bevölkerung – 7).

Der Westen, der großes Interesse an guten Beziehungen zu dem riesigen Staat Indonesien hatte, und der eine Destabilisierung der Region sowie die Linksausrichtung der FRETELIN fürchtete, stand der Invasion unschlüssig oder wohlwollend gegenüber (8), obwohl die Orks von Anfang an öffentliche Exekutionen und Massaker an der Zivilbevölkerung vornahmen. Wiki (9):

„Indonesien hatte bei der Invasion die politische Unterstützung der Regierung der USA. Dies belegen Geheimpapiere, die im Dezember 2001 von dem US-amerikanischen National Security Archive (NSA) freigegeben wurden. Nur einen Tag vor der Besetzung Osttimors trafen sich US-Präsidenten Gerald Ford und US-Außenminister Henry Kissinger in der indonesischen Hauptstadt Jakarta mit Präsident General Suharto. Bereits ein Jahr zuvor hatte die indonesische Regierung bei Kissinger angefragt, wie die USA zu einer indonesischen Invasion stehen würden. Im März 1975 empfahl der US-Botschafter in Indonesien David Newson eine Politik des Stillschweigens und unterstützte dabei Kissingers Auffassung. Am 8. Oktober 1975 teilte Philip Habib, Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats, den anderen Teilnehmern mit, dass es so aussehe, als ob Indonesien nun begonnen hätte Osttimor anzugreifen. Kissinger antwortete, er hoffe Habib würde seinen Mund über diese Sache halten. Die USA befürchteten, dass Osttimor zu einem zweiten Kuba werden könne, da die FRETILIN, die Kontakte zur Volksrepublik China hatte, als kommunistisch galt. Gerade in dieser Zeit, kurz nach dem Ende des Vietnamkrieges, wollte man nicht einen kommunistischen Dominoeffekt in Südostasien riskieren, weswegen die USA und Australien die Aktionen des pro-westlichen Indonesiens tolerierten, obwohl Portugal NATO-Mitglied war und versuchte seine ehemalige Kolonie zu unterstützen. Lissabon hatte aber gegen die Interessen der beteiligten Staaten nur diplomatische Möglichkeiten.“

Auch Australien, das nach außen protestierte, hatte Indonesien aus wirtschaftlichen Gründen Stillschweigen zugesichert. Wiki:

„Diese Politik war in der australischen Öffentlichkeit nicht populär, da man sich an den heldenhaften Kampf der Timoresen während des Zweiten Weltkrieges auf Seiten der Australier erinnerte. Es kam zu heftigen Protesten, die jedoch keine Beachtung fanden.“

Allein innerhalb der ersten 10 Wochen der Invasion nahmen die Indonesier schrankenlose Massenvergewaltigungen vor und ermordeten 60.000 Christen. Wiki:

„Es folgte eine Zeit geprägt von Terror und der Umsiedlung der Zivilbevölkerung, Verfolgung von Anhängern der Unabhängigkeitsbewegung durch pro-indonesische Milizen und der Armee.“ (10)

Regelmäßig kam es zu Massakern an Frauen und Kindern, häufig in Kirchen oder an religiösen Plätzen, es kam zu wahllosen Strafaktionen und massiven Bombardements. Offiziell genehmigte Folter, Zwangsumsiedlungen und Zwangssterilisationen ergänzten das Programm. 1991 jedoch machten die Orks einen Fehler. Wiki:

„Während der Anwesenheit des UN-Sonderberichterstatters kam es am 12. November auf dem Friedhof von Santa Cruz in der Hauptstadt Dili zum Santa-Cruz-Massaker (auch Dili-Massaker), bei dem das indonesische Militär über 200 Menschen tötete und in den folgenden Tagen viele verschwinden ließ. Die wegen des geplanten Besuches der Portugiesen angereisten Journalisten konnten das Geschehen beobachten, einem gelang es, das Massaker aufzuzeichnen. Mário Viegas Carrascalão, der ehemalige UDT-Führer, der zu dieser Zeit der indonesische Gouverneur Timor Timurs war, deckte geheime Exekutionen des indonesischen Militärs auf. Die Veröffentlichung führte weltweit zu großer Empörung. Heute ist der 12. November zum Gedenken der Opfer nationaler Feiertag in Osttimor. Nach dem Santa-Cruz-Massaker kippte die öffentliche Meinung in der westlichen Welt zu Gunsten der Timoresen. Zudem war die Sowjetunion im selben Jahr von der Weltbühne verschwunden, so dass Indonesien nicht mehr vor einem marxistischen Schreckgespenst warnen konnte.“

Auch die Transmigrationspolitik der Mohammedanisten war erfolglos geblieben. Wiki:

„In der Hochzeit der Transmigrationspolitik Suhartos, in der Bewohner Indonesiens angesiedelt wurden, stammten 20 % der Einwohner Osttimors aus Indonesien. Allerdings waren die meisten Einwanderer katholischen Glaubens, so dass der Anteil an Muslimen in Osttimor nie über vier Prozent kam.“

1999 hatte Portugal einige Verbündete, erst in der EU, später auch in anderen Teilen der Welt gewonnen, die Indonesien zu einer Lösung des Konfliktes drängten, unter ihnen z.B. auch Nelson Mandela. Wiki:

„Präsident Habibie erklärte unter dem starken internationalen Druck am 27. Januar, dass seine Regierung nun eine Unabhängigkeit Osttimors in Betracht ziehen könne. Am 11. März einigten sich die UN, Portugal und Indonesien auf Ministerebene auf die Abhaltung eines Referendum über die Zukunft Osttimors. Am 21. April einigten sich die Konfliktparteien in Osttimor auf eine Einstellung der Gewalt. Pro-indonesische Kräfte in Osttimor reagierten auf die Ankündigung des Referendums mit massiver Einschüchterung und Bedrohung der Bevölkerung. Am 6. April 1999 verübten pro-indonesische Milizen (sogenannte Wanra), wie Besi Merah Putih und Aitarak, zusammen mit indonesischem Militär das Kirchenmassaker von Liquiçá, bei dem zwischen 61 und über 200 Menschen starben.“

Die Volksabstimmung vom 30. August 1999 brachte schließlich eine eindeutige Mehrheit mit 344.580 Stimmen (78,5 %) für die Unabhängigkeit gegen 94.388 Stimmen (21 %) für die Autonomie, bei einer Beteiligung von über 98%.

Wie stets hielten sich die Orks und ihre Handlanger jedoch nicht an die Abmachungen, Wiki:

„Schon ab dem 2. September eskalierte die Gewalt unter den Augen der Angehörigen der UNAMET-Wahlkommission im ganzen Land. Die enttäuschten Gegner der Unabhängigkeitsbewegung, die pro-indonesischen Milizen und die indonesische Armee massakrierten in vielen Landesteilen Menschen und hinterließen nach ihrem Abzug verbrannte Erde. Noam Chomsky schreibt dazu in Radical Priorities: ‘In einem Monat wurden bei dieser massiven Militäroperation etwa 2.000 Menschen ermordet, Hunderte Frauen und Mädchen vergewaltigt, drei Viertel der Bevölkerung vertrieben und 75 % der Infrastruktur des Landes zerstört.’ Etwa 250.000 Ostimoresen flohen nach Westtimor.“

Nun aber intervenierte die UNO, und 17 Länder stellten ein Kontingent von 9.900 Soldaten. Die Unabhängigkeit der „Demokratischen Republik Timor-Leste“ war gesichert, und der Mohammedanismus musste eine weitere Niederlage auf dem Weg zu seinem unvermeidlichen Ende erfahren. Wiki (11):

„Um 1975 betrug der Anteil der Katholiken an der Bevölkerung nur etwa 30%. Während des Freiheitskampfes gegen Indonesien wurde die Katholische Kirche jedoch zur einigenden Klammer zwischen den zwölf größeren Stammesverbänden gegen die überwiegend muslimischen Indonesier. In keinem anderen Land der Erde hat die Katholische Kirche in den letzten Jahrzehnten einen derart großen Zuwachs erreicht… Osttimor ist laut Verfassung ein säkularer Staat und es herrscht Religionsfreiheit. Ramos-Horta betonte aber in seiner Antrittsrede als Premierminister 2006 die Bedeutung der Katholischen Kirche als ein das Land vereinigendes und zwischen den verschiedenen Konfliktparteien aussöhnendes Element.“

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Time am 24. Mai 2010

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1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/04/23/unvollstandige-chronologie
2) http://de.wikipedia.org/wiki/Osttimor#Kleine_Reiche_und_Fremdherrschaft
3) http://de.wikipedia.org/wiki/Nelkenrevolution
4) http://de.wikipedia.org/wiki/Westtimor#Religion_in_Westtimor
5) http://de.wikipedia.org/wiki/Osttimor#Religion
6) http://de.wikipedia.org/wiki/União_Democrática_Timorense
7) http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Reich_1933_bis_1945
8- http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Osttimors#Reaktionen_des_Auslands
9) http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Osttimors#Invasion_durch_Indonesien
10) http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Osttimors#Der_Kampf_um_die_Unabh.C3.A4ngigkeit
11) http://de.wikipedia.org/wiki/Osttimor#Religion



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