Tapfer: Kartika Sari Dewi Shukarno
Konvertiten sind oftmals Avantgarde, weil ihre neue Situation sie besonders begeisterungsfähig macht und in einen Rauschzustand versetzt, und weil sie natürlich der neuen Gemeinschaft ihren Wert demonstrieren wollen. Allerdings ist ihre Biografie, anders als die jener, die in diese Gemeinschaft hineingeboren wurden, zu einem sehr großen Teil von Vorstellungen geprägt, die der neuen Gemeinschaft fremd sind und die sich in ihrer Gesamtheit nicht ohne weiteres ablegen lassen.
Am Beispiel westlicher Konvertitinnen zum Mohammedanismus lässt sich dieses Phänomen gut beobachten. Ich hatte vor einigen Jahren darüber z.B. in Bezug auf eine Schleiereule auf einem Sportrad sinniert (1) und verweise ein weiteres Mal auf die interessante Webseite der unsäglichen Konvertitin zum Schiismus – und Verehrerin des perversen Klomeini (2) – Meryem (3), die außer antijüdischer Hetze offenbar auch das Hobby Fallschirmspringen betreibt. Es ist also zu fragen, ob die Konvertiten und besonders die Konvertitinnen nicht nur als Ork-Agenten sondern eher oder zumindest auch als trojanische Pferde des Westens gesehen werden sollten, durch die der Virus “Freiheit” auf den Mohammedanismus übertragen wird. In der heutigen FAZ berichtet Markus Werner über einen aktuellen Fall.
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Folgt dem Beispiel eurer Schwestern!
Eine deutsche Konvertitin ruft Frauen zum Kampf auf. Im Internet werben immer mehr Musliminnen für den Heiligen Krieg. Mütter reisen in Lager nach Pakistan. Wird der Dschihad weiblich?
Die kleine Safiyya S. bekommt kein Kindergeld mehr. So hat es der Landrat des Rhein-Sieg-Kreises Mitte März entschieden. Denn ihre Eltern halten sich nicht mehr in Deutschland auf. Sie sind im Frühjahr 2009 Hals über Kopf weggezogen aus dem Mehrfamilienhaus im beschaulichen Bonn-Beuel. Den Freunden und Verwandten erzählen sie von einer Urlaubsreise. Die Tochter nehmen sie mit. Am Ziel ihrer Reise tun sie, was sie für ihre Pflicht halten: kämpfen im Dschihad, dem Heiligen Krieg. Der Trip geht nach Wasiristan, ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet. Der Vater, Javad S., ein in Bonn aufgewachsener Afghane, wird am 17. Oktober 2009 im Gefecht mit pakistanischen Soldaten getötet. Er ist 22 Jahre alt, nennt sich Abu Safiyya, Vater von Safiyya. Die Propagandisten der Terrorgruppe “Islamische Bewegung Usbekistans”, der er sich angeschlossen hatte, widmen seinem Andenken ein Video, in dem er lächelnd mit einer Panzerfaust, einer Kalaschnikow und dem Koran posiert – etwas unislamisch wird der Streifen nach einem Cäsar-Zitat benannt: Er kam, sah und siegte.
Spektakulär an dem Video ist die Botschaft seiner jungen Witwe. Sie preist ihren toten Mann als Helden und Vorbild, auf dessen Märtyrertod sie stolz sei. Das ist zu erwarten von einem Propagandafilm. Doch “Ummu Safiyya”, die Mutter von Safiyya, wie sie sich nennt, begnügt sich damit nicht. Sie ruft die “lieben Schwestern” in der Heimat auf, es ihr gleichzutun, den “trügerischen Luxus in Deutschland” hinter sich zu lassen, sich den Kämpfern anzuschließen. Sogar ohne Mahram, ohne männlichen Vormund und Begleiter, sollten die Frauen sich auf den Weg machen “für ein Leben in Freiheit” in Wasiristan. “Folgt dem Beispiel eurer Schwestern, die sich uns alleine angeschlossen haben!”, fordert die Frau, die ganz in Schwarz und mit Niqab, dem nur mit einem Sehschlitz versehenen Gesichtsschleier, gekleidet ist, in akzentfreiem Deutsch. Denn Luisa S., so ihr eigentlicher Name, ist eine deutsche Konvertitin, die im Hessischen aufwuchs und in Bonn im Zeitraffer zu einer radikalen Muslimin wurde. Zwischen ihrer Konversion zum Islam und ihrem Entschluss, in den Dschihad zu reisen, liegen wenige Monate. Alles spricht dafür, dass es auch ihr eigener Entschluss gewesen ist, ins Kampfgebiet an der afghanischen Grenze zu gehen, dass sie nicht das Anhängsel ihres Mannes, sondern vielleicht die treibende Kraft hinter der Ausreise war. “Ich werde auch weiter meine Pflicht im Dschihad erfüllen”, stellt sie ihr Selbstbewusstsein zur Schau.
Eine deutsche Muslimin macht offensiv Werbung für den bewaffneten Kampf, ruft Frauen auf, in den Krieg zu ziehen. Das ist neu. Denn bisher spielten Frauen in den terroristischen Netzwerken der Islamisten keine eigene Rolle. Frauen sollten die Männer unterstützen, ihnen den Rücken stärken, sie sollten das Haus hüten und die Kinder im streng islamischen Sinne erziehen. Spenden zu sammeln oder Informationen an Brüder weiterzugeben, wie es die in Haft befindliche Filiz Gelowicz, die Frau des Sauerland-Attentäters Fritz Gelowicz, tat, gilt bei den radikalislamischen Salafisten zwar als zulässig. Der Kampf selbst aber ist keine Frauensache. “Dschihad ist das Privileg der Männer”, heißt es in einer der Szene-Schriften. Der Auftritt der deutschen Witwe wird im Internet – neben begeisterter Zustimmung – von Muslimen scharf verurteilt; die Aufforderung, auch ohne Mann zu reisen, wird als vom Islam streng verboten kritisiert.
Auch die deutschen Sicherheitsbehörden beschäftigt der Fall. Denn sie beobachten seit einiger Zeit eine wachsende Aktivität von Frauen in der hiesigen Dschihadisten-Szene, auch unter deutschen Frauen, die zum Islam übergetreten sind und die sich besonders radikal zeigen. “Konvertitinnen, die nicht in der muslimischen Tradition aufgewachsen sind, haben bestimmte Denkverbote über die Rolle der Frau nicht verinnerlicht. Sie sind daher eher bereit, den aktiven Kampf von Frauen im Dschihad zu propagieren”, sagt Burkhard Freier, stellvertretender Leiter des Verfassungsschutzes von Nordrhein-Westfalen. Zwar ist ein Aufruf zum Kampf wie jener von Ummu Safiyya noch die Ausnahme. “Doch es gibt Anzeichen, dass Frauen im Dschihad-Milieu sich nicht mehr mit der allein dienenden Rolle zufriedengeben wollen”, pflichtet Manfred Murck, Vize-Präsident des Hamburger Verfassungsschutzes, bei. Im deutschsprachigen Internet werben immer mehr Frauen für den Heiligen Krieg – und scheuen nicht vor drastischer Rhetorik zurück. “Sie verherrlichen Gewalt und rechtfertigen den Tod von Ungläubigen für die angeblich gerechte Sache. In der Brutalität und aggressiven Wortwahl stehen sie in ihrer Propaganda den Männern nicht nach”, sagt Freier.
Das Internet gibt den Frauen die Möglichkeit, versteckt und dennoch öffentlich präsent zu sein, zu kommunizieren. In “Schwesternräumen” chatten militante Musliminnen in Deutschland heute über die Lage in Palästina und Afghanistan oder über die Frage, ob Selbstmordattentate im Islam auch für Frauen zulässig sind. Zwar geben die Männer in der Szene weiterhin den Ton an. Doch neben der “hörigen Geliebten” ist auch die “dschihadistische Feministin” eine mittlerweile markante Gruppe in der Szene, wie Verfassungsschützer in einer Untersuchung von zwanzig Aktivistinnen feststellen. Eine Brigitte Mohnhaupt des Salafismus gibt es freilich nicht. Doch zumindest im Vorfeld des islamistischen Terrorismus sind in Deutschland lebende Frauen heute sehr präsent.
Zudem gehen, wie Abu und Ummu Safiyya, immer mehr junge Paare aus Deutschland in die Lager im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet. Viele nehmen ihre Kinder mit. Allein aus Berlin sind in jüngster Zeit mindestens vier Paare ausgereist – ohne dass sie sich untereinander abgesprochen hätten. Unter zehn Islamisten einer Hamburger Gruppe, die im vergangenen Frühjahr Deutschland verließ, waren zwei Frauen. Den Behörden gelingt es oft nicht, die Ausreisen zu verhindern. Zu schnell verläuft die Radikalisierung, als dass die Reisepläne bekannt werden; mitunter waren es vier Monate zwischen Konversion und Ausreise. Oft wissen die Eltern der Reisenden nichts vom Trip ihrer Söhne und Töchter, sondern erfahren, wie kürzlich in Berlin, durch den Verfassungsschutz, dass ein vermisstes Kind eine paramilitärische Ausbildung im Grenzgebiet zu Afghanistan durchläuft. Von 215 Personen aus Deutschland hat das Bundesamt für Verfassungsschutz derzeit Kenntnis, die eine solche Ausbildung gemacht haben oder sie anstrebten. Etwa die Hälfte, 105 Personen, halten sich derzeit wieder in Deutschland auf. Darunter ist auch die Witwe eines Selbstmordattentäters.
In Videos werben die Organisationen wie die “Deutschen Taliban Mudschahedin” dafür, mit Frauen und Kindern nach Wasiristan zu kommen. Die Verhältnisse dort sind alles andere als idyllisch: Die im Internet versprochenen Schulen und Krankenhäuser gibt es nicht, das Lager, ein paar Lehmhütten und Zelte, muss immer wieder verlegt werden. Doch die Aussicht, mit Frau und Familie dort willkommen zu sein, soll die Männer locken, soll ihnen die Reise ins Ungewisse erleichtern. Denn auch militante Islam-Krieger sind Männer, sehnen sich nach Frauen. Die richtige Frau zu finden ist in der Szene ein großes Thema. Wie sehr ihnen Partnerinnen fehlen, hat der vor einem Monat von pakistanischen Soldaten im Grenzgebiet zu Afghanistan erschossene deutsche Islamist Eric Breininger in seinen postum im Internet veröffentlichten Memoiren beschrieben. Es wäre gut, wenn unverheiratete Frauen kommen würden, “denn es gibt hier viele unverheiratete Brüder, die sich wünschen, eine Familie zu gründen. Auch ich hoffe darauf, eine deutsch- oder arabischsprechende Frau zu finden”, so der Islamist aus dem Saarland über seinen unerfüllten Traum (4).
Laut Breiningers Aufzeichnungen sollen auch Frauen in den Lagern in Wasiristan an der Waffe ausgebildet werden. “Die Schwestern lernen hier, ebenso wie die Mudschahedin selbst, den Umgang mit Schusswaffen. Sie müssen also nicht besorgt sein, hilflos zu sein”, schreibt er. Doch Ermittler bezweifeln, dass Frauen aus Deutschland als Soldatinnen des Heiligen Krieges kämpfen. Die Lage dort ist für sie immer gefährlicher. Der Druck auf die Taliban und ihre internationalen Gäste hat durch die Offensive der pakistanischen Armee in der jüngsten Zeit zugenommen. Hinzu kommt der Beschuss durch die Amerikaner, die mit dem Einsatz von Drohnen versuchen, islamistische Kämpfer zu töten. Auch Eric Breininger, der zuvor in mehreren Propagandavideos aufgetreten war, soll auf der “Todesliste” der Amerikaner gestanden haben.
Dennoch rechnen Fachleute nicht damit, dass in Afghanistan, wie zuvor in Palästina, dem Irak oder in Tschetschenien, Frauen als Selbstmordattentäterinnen aktiv werden. Auch dass eine “schwarze Witwe” oder eine Konvertitin als “blonde Bombe” hierzulande zuschlagen würde, gilt als unwahrscheinlich.
Sicher ist das indes nicht. Luisa S. alias “Ummu Safiyya” wird weiter eine Rolle spielen wollen im Kampf gegen die Ungläubigen. In Deutschland war sie als Beamtin im öffentlichen Dienst in der Verwaltung tätig. Der Landrat des Rhein-Sieg-Kreises hat sie mit Wirkung vom 17. Februar diesen Jahres aus dem Beamtenverhältnis entlassen. Die Entlassungsverfügung konnte ihr nicht zugestellt werden. Denn Luisa S. hält sich weiter im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet auf. Vielleicht betreut sie dort einen neuen Kämpfer. Die Witwe eines Märtyrers zu heiraten gilt als ehrenhaft. Irgendwann wird Luisa S. ihrer Tochter erklären müssen, warum ihr Vater und sie nach Afghanistan gegangen sind, damit Papa für die richtige Sache sterben sollte.
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Liegt hier eher eine eher zufällige, ungewollte und sicher auch nicht langfristige Entwicklung des “Counterjihad durch Jihad” vor, so hatte “NRW-Spion” am 24.8. 2009 von einer mutigen Überspitzung des Jihad bzw. der Scharia zwecks Entlarvung derselben durch eine tapfere Malayin berichtet, die wegen Biergenusses religionspolizeilich verprügelt werden sollte (5):
“(…) Weil Alkoholgenuss in dem islamischen Land Muslimen streng verboten ist, wurde das Model verhaftet und zu einer Geldstrafe von 1.400 Dollar verurteilt. Und nicht nur das: Die malaysischen Richter hielten sechs Stockhiebe ebenfalls für eine angemessene Strafe und verurteilten damit zum ersten Mal eine Frau zu einer Prügelstrafe. Ihr Schicksal habe die malaysische Bevölkerung, die zu 60 Prozent aus Angehörigen des Islams besteht, nach Angaben der Basler Zeitung bewegt. In dem südostasiatischen Land herrsche wie in so vielen anderen islamischen Ländern Streit zwischen fundamentalistischen und moderaten Gläubigen. Kartika Sari Dewi Shukarno verzichtete darauf, das Urteil anzufechten, obwohl sie dem Bericht zufolge gute Chancen auf eine Begnadigung gehabt hätte. Im Gegenteil: Das Model bietet seinem Schicksal die Stirn und fordert, dass man sie öffentlich auspeitscht. Nach eigener Aussage wolle die mutige 32-Jährige die Vollstreckung transparent machen, schließlich wolle die Scharia mit einer solchen Strafe ein Beispiel für andere Muslime zu setzen. Der Vater des Models erklärte unterdessen, seine Tochter wolle die Behörden durch Blossstellung herausfordern. ‘Das Gesetz liegt leicht falsch. Sie behaupten, sie seien Gentlemen, die die Werte hochhalten. Dann soll das Publikum auch sehen, wie nobel und nett sie wirklich sind’, zitiert die Online-Ausgabe der Basler Zeitung den Vater der Verurteilten. Mit ihrem Verhalten hat die junge Frau offenbar schon jetzt mehr erreicht, als sie mit einem langen Gerichtsverfahren je hätte ausrichten können. (…)
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Time am 30. Mai 2010
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1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/27/highway-to-hell/
2) http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/04/14/milieustudien-6-ignoranz-und-perversion/
3) http://meryemdeutschemuslima.wordpress.com/
4) sehr lesenswerter Artikel über Breininger:
http://www.politplatschquatsch.com/2010/05/gotteskrieger-mit-kommaschwache.html
5) http://www.nrw-spion.de/lifestyle/news/Muslimisches-Model-will-oeffentliche-Pruegelstrafe/5097
Tags: Eric Breininger, Filiz Gelowicz, Fritz Gelowicz, Kartika Sari Dewi Shukarno, Markus Werner, Ummu Safiyya
