Diesen Leuchtturm knickte der Sturm,
andere werden manchmal durch ihre Wärter ruiniert
Der Historiker Wolfgang Benz, den Counterjihadi Fred Alan Medforth von “Jihad Watch Deutschland” scherzhaft “Allahs Benz” nennt (1), gehört zu jenen deutschen Intellektuellen, die ohne eine fundierte Analyse des Gegenstandes mit großem Eifer die Promotion des totalitären Mohammedanismus betreiben. Im nächsten Monat wird er in den Ruhestand verabschiedet. Lesen sie einen Rückblick von Martin Eich aus der heutigen FAZ.
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Das doppelte Erbe des Wolfgang Benz
Das Zentrum für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin erhält eine neue Leitung. Die alte hatte zuletzt viel getan, um den guten Ruf des Hauses zu mindern.
Am 21. Oktober wird Wolfgang Benz, Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA) der Technischen Universität Berlin, mit einer Feierstunde in den Ruhestand verabschiedet werden. Der 69-jährige Historiker, der dem Zentrum seit zwanzig Jahren vorsteht, hat ihm Stimme und Gewicht verliehen, Renommee und Einfluss verschafft – und damit zugleich das geisteswissenschaftliche Profil der TU geschärft. Folgt man Kritikern, hat der Leuchtturm allerdings in den vergangenen Monaten erheblich an Strahlkraft verloren. Um die Benz-Nachfolge tobte ein erbitterter Streit, bei dem es vordergründig um Kandidaten und Verfahrensfragen, tatsächlich aber um die Ausrichtung dieses Eckpfeilers der deutschen Antisemitismusforschung ging. Der scheidende Leiter ist daran nicht unschuldig.
Denn Benz ist seit mehreren Jahren bestrebt, dem Zentrum eine neue Funktion zu verschaffen. Zunehmend mischt er sich in tagesaktuelle Debatten ein, die bestenfalls mittelbar mit der genuinen Aufgabenstellung der Einrichtung zu tun haben, zuletzt in die Diskussion um Thilo Sarrazin. Nicht jedem gefällt das, nicht immer vermögen die dabei bemühten Parallelen zu überzeugen. So organisierte das ZfA etwa im Juli 2008 gemeinsam mit Pro Asyl eine Konferenz, die erstmals Zweifel am neuen Kurs weckte. Unter der Überschrift “Festung Europa. 70 Jahre nach Evian. Menschenrechte und Schutz von Flüchtlingen” kam man in Evian-les-Bains am Genfer See – wo sich 1938 auf Einladung der US-Regierung Vertreter von 32 Staaten trafen, um über die Aufnahme von NS-Verfolgten zu beraten – zusammen, um die Asyl- und Flüchtlingspolitik der EU-Staaten zu kritisieren.
Und als das ZfA nur wenige Monate später, im Dezember 2008, unter dem missverständlichen Titel “Feindbild Islam – Feindbild Jude” zu einer weiteren Konferenz lud, sah sich Benz einer Kritikerphalanx gegenüber. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, die damals noch Köhler hieß und Islambeauftragte der CDU-Bundestagsfraktion war, gehörte ebenso dazu wie der Historiker und Antisemitismusforscher Matthias Küntzel, Publizist Henryk M. Broder oder Vertreter jüdischer Organisationen. Der ZfA-Leiter verharmlose mit diesem Vergleich die Judenverfolgung im Dritten Reich, ziehe deren Singularität in Zweifel, so der Tenor vieler Wortmeldungen damals.
Solche Schlussfolgerungen seien unzulässig, sagt Benz heute. “Ich habe nie etwas gleichgesetzt, nur auf strukturelle und methodische Ähnlichkeiten hingewiesen.” Parallelen seien gegeben, zumal nicht die nationalsozialistischen Verfolgungen gemeint seien, sondern die “Judenhetze im 18. und 19. Jahrhundert, die sich auf angebliche Aussagen im Talmud berufen hat”. Ähnlich verhalte es sich, wenn “selbsternannte Koran-Exegeten” dem Islam unterstellen würden, den Hass auf Andersgläubige zu schüren. “Der Vergleich ist zulässig, auch um Unterschiede herauszuarbeiten.”
“Es müssen” aber, so der Philosoph Edmund Husserl einst, bei einem Vergleich “die zu vergleichenden Inbegriffe ganz oder zum Teil aus wechselseitig gleichen Inhalten bestehen, und zwar so, dass die sämtlichen Inhalte des einen in dem andern durch gleiche vertreten sind.” An dieser Vorgabe scheitert die von Benz gebildete Analogie. Die aktuellen Lebensumstände von Muslimen in den westlichen Demokratien und die von Juden in den erwachenden Nationalstaaten des 18. und 19. Jahrhunderts könnten unterschiedlicher nicht sein. Hatte mit der Französischen Revolution noch eine kurze Periode der Aufklärung eingesetzt, in der Behinderungen, denen sich die Juden seit dem Mittelalter ausgesetzt sahen, in vielen Staaten verringert oder beseitigt wurden, so sahen sie sich im gesamten 19. Jahrhundert vielerorts mit neuen diskriminierenden Gesetzen konfrontiert.
In Deutschland gründeten sich antisemitische Vereine, die in der Politik schnell an Einfluss gewannen, 1882 und 1883 wurden in Dresden und Chemnitz “Internationale antijüdische Kongresse” abgehalten. Und in Frankreich mobilisierte nicht nur die Presse während der Dreyfus-Affäre einschlägige Klischees. Mag vielleicht die “Wut der neuen Muslimfeinde dem alten Zorn der Antisemiten gegen die Juden gleichen”, wie Benz im ZfA-Jahrbuch 2008 schreibt – Größenordnungen, soziale Merkmale, Ursachen und Symptome sind verschieden. “Schräg und falsch” sei der Vergleich, urteilt Küntzel.
Spätestens seit diesen Zeilen stehen Benz und sein Ideal einer “Vorurteilsforschung”, bei der die Denkmuster des Antisemitismus als Matrix zur Erklärung anderer Ressentiments dienen sollen, unter dem Verdacht der Geschichtsklitterung – und unter dem einer zu unkritischen Sicht auf den Islamismus. Benz macht es seinen Kontrahenten dabei einfach, denn die vom Zentrum gesetzten Arbeitsschwerpunkte nähren diesen Verdacht: Ein zehnköpfiges Forschungskolleg “Antisemitismus in Europa 1879 bis 1914″ befasst sich mit allen Daseinsformen des gestrigen Antisemitismus, während die Erforschung des zeitgenössischen hier nur ein Nischendasein fristet.
Obwohl dieser Antisemitismus derzeit nicht nur in den islamischen Ländern und unter den muslimischen Minoritäten Europas an Boden gewinnt: Nach einer Studie betrachten 40 Prozent der britischen Muslime Juden als “legitime Ziele im Kampf um eine gerechte Ordnung im Nahen Osten”, viele Verschwörungstheorien um die Anschläge vom 11. September kommen nicht ohne antisemitische Zusätze aus, und selbst die Massenmedien des Israel-Verbündeten Türkei verbreiteten anlässlich der Kaperung der Gaza-Hilfsflotte antijüdische Stereotype. In Deutschland kam es seinerzeit, weitgehend unbemerkt, zum vielleicht stärksten antisemitischen Ausbruch seit 1945: Auf Hunderten von Facebook-Profilen verbreiteten nahezu gleichzeitig vorwiegend Migranten aus islamischen Ländern eindeutige Botschaften, lobten Hitler und die Rassenpolitik der Nationalsozialisten. Nicht unter Pseudonym, sondern im eigenen Namen.
Zu all dem schwieg das Berliner Zentrum. Benz, der auch dem wissenschaftlichen Beirat für das in Österreich erscheinende “Jahrbuch für Islamophobieforschung” angehört, will darin kein Versäumnis erkennen: “Ich habe mich mehrfach gegen alle islamistischen Tendenzen ausgesprochen. Wir haben auch einen Mitarbeiter, der sich mit dem Antisemitismus unter europäischen Moslems befasst.” Und ZfA-Mitarbeiterin Juliane Wetzel, die das “Jahrbuch für Antisemitismusforschung” redaktionell betreut, sekundiert: “Wir sind kein Zentrum für Aktionismus, sondern wollen uns den Problemen seriös nähern.”
So entstand eine Konfliktlage, die sich während des Bewerbungsverfahrens um die Benz-Nachfolge entzündete. Während ausgewiesene Antisemitismusexperten nicht in die nähere Auswahl kamen, erscheint auf der Liste ins Auge gefasster Kandidaten die langjährige Benz-Mitarbeiterin Angelika Königseder, die vor zwei Jahren im ZfA-Jahrbuch hinsichtlich des Abdrucks der Mohammed-Karikaturen schrieb, die involvierten Printmedien hätten sich zurückhalten sollen, anstatt “die Presse- und Meinungsfreiheit (…) wie eine Monstranz vor sich her” zu tragen.
Es sind solche Vorgänge, die in Fachkreisen für Aufmerksamkeit sorgten und den auch von Wolfgang Benz begründeten Ruf des ZfA unterminierten. Stefanie Schüler-Springorum, die bislang noch dem Institut für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg vorsteht, hat, wie soeben bekannt wird, vor zwei Wochen den Ruf als Nachfolgerin von Benz erhalten. Sie wird dem Leuchtturm wieder zu seiner alten Strahlkraft verhelfen müssen.
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Time am 29. September 2010
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1) http://fredalanmedforth.blogspot.com/2010/04/prof-dr-ahnungslos.html
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PS, Neues von Stuxie, “n-tv” (2):
Tags: Angelika Königseder, Fred Alan Medforth, Martin Eich, Stefanie Schüler-Springorum, Wolfgang Benz
