Archiv für November 2010

Offene Grenze

30. November 2010

Wann immer man Nachrichten über oder aus der Türkei hört, und das ist nicht eben selten, hört man negative Nachrichten (1). Doch je negativer die Nachrichten, desto lauter rühren unsere Elite-Dimmis die Werbetrommel für einen EU-Beitritt der Orks. Lothar Rühl nimmt sich in der heutigen FAZ der aktuellen, ungehemmten Ork-Invasion aus der Türkei an.

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Angeblich machtlos

Nutzt die Türkei massenhafte Grenzverletzungen,
um die EU unter Druck zu setzen?

Die Türkei hat die größte Armee im europäischen Teil der Nato. Dennoch sieht sich der erklärte Beitrittskandidat nicht in der Lage, seine Grenze zur EU gegen illegale Überschreitung in Richtung Griechenland zu kontrollieren. Das ist verwunderlich: Die aktive Heeresstärke umfasst mehr als 400.000 Soldaten, dazu kommt eine militärische Gendarmerie, die Teil der Streitkräfte ist, von mehr als 100.000. Diese Kräfte verfügen über rund 200 Mehrzweck-Hubschrauber. Dennoch sollen nicht genügend Grenzstreifen und Luftbeobachtungsmittel aufgebracht werden können, um Bewegungen auf dem Boden an der Landgrenze zu Griechenland, einem Fluss von nicht mehr als 150 Kilometern Länge in offenem Gelände, zu überwachen.

Während der Spannungen zwischen Griechenland und der Türkei in den achtziger und neunziger Jahren war dieses Grenzgebiet trotz des Kurdenaufstands in Südostanatolien, der starke türkische Kräfte band, auf der türkischen Seite militärisches Sperrgebiet, der Grenzfluss samt anliegenden Dörfern wurde von Truppen kontrolliert. Heimlicher Grenzübergang war ausgeschlossen. Dies galt auch für die griechischen Ägäis-Inseln vor der türkischen Küste. Nun sollen 24 türkische Fregatten und 42 kleinere Kriegsschiffe von Marine und Küstenwache dafür nicht ausreichen? Trotz eines engmaschigen Fernmeldenetzes und elektronischer Datenübertragung sollen Grenzgängerbanden, welche die Migranten auf Booten einschiffen oder über Land führen, unerkannt bleiben?

Eher ist zu vermuten, dass die türkische Regierung wenig Interesse daran hat, ihre Land- und Seegrenzen zu Griechenland, das heißt zur Außengrenze der EU, wirksam zu kontrollieren. Es handelt sich um eine seltsame Kooperationsbereitschaft des Beitrittskandidaten gegenüber der EU und insbesondere dem griechischen Nachbarn, der den Beitrittswunsch Ankaras unterstützt. Es stellt sich also die Frage, ob die Türkei die massenhafte Grenzverletzung über längere Zeit, die sich in jeder Woche mit bis zu mehreren Hundertschaften von Flüchtlingen wiederholt, nicht vorsätzlich duldet und benutzt, um die EU unter Druck zu setzen.

Merkwürdig ist der Umstand, dass die Grenzkrise im Osten Griechenlands und auf dem einzigen Zipfel europäischen Festlandsgebiets der Türkei zwar in Athen und in Brüssel laut beklagt wird, dass aber weder die EU noch die Nato, in der beide Nachbarn verbündet sind, diese Grenzunsicherheit und die damit verbundene Aufnahmekrise in Griechenland im Verhältnis zur Türkei öffentlich thematisiert haben. Klar ist inzwischen, dass es sich nicht einfach um ein humanitäres Flüchtlingsproblem handelt, sondern um organisierte illegale Einwanderung mit wenigstens passiver, wenn nicht sogar aktiver Hilfe der Türkei. Schließlich muss der Flüchtlingsstrom aus dem Orient auf dem langen Weg durch Anatolien oder zur See an der Küste entlang mit Lebensmitteln und Trinkwasser versorgt werden.

Wann immer sie ihre Grenzen schließen wollte, hat die Türkei bislang noch jedes Mal die nötigen Mittel dafür gefunden und auch über lange Zeit eingesetzt. Die türkische Polizei ist stark, gut organisiert, überall präsent und im Zugriff auf Personen nicht zimperlich. Dasselbe gilt auch für den türkischen Zoll. Wenn also der kleine Grenzverkehr nach Griechenland wie auch der Schmuggel nach Europa über Bulgarien und Rumänien sich nahezu ungehindert fortsetzen und ausbreiten können, kann dies nicht einfach mit örtlicher Inkompetenz und Korruption erklärt werden.

Dies betrifft den Rauschgifthandel wie den Tabakschmuggel, die beide erkanntermaßen ebenso wie die unbehinderte illegale Personenwanderung über die Türkei nach Europa verlaufen. Es kann auch terroristischen und anderen kriminellen Netzwerken ihre grenzüberschreitende Aktivität nach Europa hinein – gewollt oder ungewollt – erleichtern. Dies war in der Vergangenheit schon bei den kurdischen Extremisten der PKK wie bei türkischen Islamisten vor allem auf dem Luftweg der Fall. Das türkische Einwanderermilieu in Europa bietet Deckung und Rückhalt.

Doch weder die EU-Kommission (vom Europäischen Parlament nicht zu reden) noch die europäischen Regierungen haben das Problem bisher thematisiert und zum Gegenstand der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei gemacht. Welchen Sinn sollen die gemeinsame „Europäische Außen- und Sicherheitspolitik“, die europäische „Nachbarschaftspolitik“ und die Rhetorik über eine privilegierte Partnerschaft mit der Türkei haben, wenn solche Grenzverletzungen nicht kooperativ zwischen Brüssel und Ankara beendet werden? Die willkürliche, unkontrollierte und illegale Einwanderung unterläuft jede rationale Einwanderungs- und Integrationspolitik; sie ist ein soziales Stabilitäts- und Sicherheitsrisiko, das alle politischen Lösungen kritischer Bevölkerungs- und Ordnungsprobleme erschwert.

Was Berlin betrifft, stellt sich die Frage, wie sich die deutsche Regierung und der Bundestag den weiteren Verlauf und die Folgen insbesondere für Deutschland vorstellen. Wie soll Griechenland wirksam geholfen werden, ohne dass die eindringenden Flüchtlinge einfach auf die EU-Länder verteilt werden und ihre Masse immer weiter wächst? Wie soll die südliche Peripherie der EU gesichert werden? Das Problem stellt sich schon lange für Spanien und Italien, auf dem Balkan und für Malta. Die Regierungen und die EU-Kommission, die sich sonst um jedes Detail zu kümmern weiß, werden auf solche Fragen Antwort geben müssen – ohne politische Leerformeln zu gebrauchen wie bisher.

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Wenn die Türken die Grenze nicht sichern wollen, muss das die EU tun. Für uns sind die läppischen 150 Kilometer nicht länger als für die Türken. Wenn die Entscheidungsträger der EU aber keine Entscheidungen treffen wollen, sind sie überflüssig. Ist doch egal – wenn auch bezeichnend -, was die Türkei auf ihrer Seite macht. Entscheidend ist, ob bei uns die Phalanx steht.

Die Türkei hat bereits eine visafreie Zone mit Syrien, dem Libanon und Jordanien geschaffen (2), der Iran wird folgen. Offene Grenzen für die Orks sind gegeben. Die Türkei macht ihre Präferenzen deutlich und eindeutig klar. Sie präferiert den Westen – als Wirtstier.

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Time am 30. November 2010

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1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/11/11/bad-news-travels-fast/
2) http://de.qantara.de/webcom/show_article.php/_c-468/_nr-1444/i.html

Leserbrief-Counterjihad (#9)

29. November 2010

Füllerspitze

In der heutigen FAZ geht Wolfgang Urban auf die (m.E. gezielten) Entgleisungen des Brandstifter-Orks (1) Kadri Ecvet Tezcan ein (2).

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Ohne ein Wort der Selbstkritik

Die Äußerungen des türkischen Diplomaten Kadri Ecvet Tezcan zur österreichischen Integrationspolitik belegen beispielhaft die Doppelzüngigkeit der Regierungspolitik in Ankara. Der türkische Botschafter in Österreich beklagt mit drastischen Worten die angebliche Benachteiligung seiner Landsleute in der Alpenrepublik. Zugleich fordert er von der Wiener Regierung eine positive Einstellung zu türkischen Einwanderern, die Garantie ihrer Minderheitenrechte sowie die volle Gleichstellung mit der einheimischen Bevölkerung. Mit einem Seitenhieb kritisiert Tezcan auch die Integrationspolitik der deutschen Bundeskanzlerin. Offenbar betrachtet er sich als Interessenvertreter aller Türken in Europa.

Ob Tezcans Vorwürfe an die Wiener Adresse im Kern berechtigt sind, kann hier offen bleiben, denn darüber muss die österreichische Politik befinden. Klar ist allerdings, dass der Ton des türkischen Diplomaten völlig überzogen ist. Nicht hinzunehmen ist zudem die Einseitigkeit, die aus seinen Worten spricht. Während Tezcan von den Europäern Liberalität und Gleichberechtigung einfordert, denkt die türkische Politik nach wie vor nicht ernsthaft daran, dieselben Maßstäbe im eigenen Staat durchzusetzen. Erst vor kurzem hat die Europäische Kommission Ankara abermals vorgeworfen, die Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei nicht genügend zu gewährleisten. Auch der Minderheitenschutz für Kurden oder Armenier sei nicht ausreichend. Wie schlecht es besonders im Inneren des islamischen Landes um die Religionsfreiheit zum Beispiel für die Christen bestellt ist, ist seit langem bekannt. Doch über kleine Korrekturen eher „kosmetischer Art“ ist Ankara bis heute nicht hinausgekommen.

All das weiß natürlich auch der türkische Botschafter in Wien, doch ein Wort der Selbstkritik kommt ihm nicht über die Lippen. Offenbar glauben türkische Politiker und Funktionäre immer noch, sie könnten im Ausland ständig Toleranz einfordern, ohne in ihrer Heimat Toleranz zu praktizieren. Die Europäer sollten ihnen diese skrupellose Doppelmoral nicht durchgehen lassen. Ein Staat, der nicht bereit ist, im eigenen Machtbereich die europäischen Grundrechte voll umzusetzen, kann schon deshalb nicht Mitglied der Europäischen Union werden.

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Über den türkischen Außenminister Ahmet Davutoglu sind die Amerikaner laut „Wikileaks“ bzw. dem aktuellen „Spiegel“ (#48, S. 117) eigentlich voll im Bilde:

„Im Januar 2010 resümiert der US-Botschafter eine Davutoglu-Rede in Sarajevo. ‚Davutoglus These: Dem Balkan, dem Kaukasus und dem Nahen Osten (Israel, T.) sei es unter Kontrolle und Einfluss der Osmanen besser gegangen. Seitdem haben Teilung und Krieg verheerende Auswirkungen gehabt. Jetzt jedoch sei die Türkei zurück und bereit zu führen. Davutoglu: ‚Wir werden den osmanischen Balkan wiederherstellen.’“

Und den ehedem osmanischen Nahen Osten, versteht sich, ohne Israel, versteht sich. Herr Davutoglu macht so in überzeugender Weise klar, dass und warum die EU zur Türkei gehört.

Hallo! Haaalllooo!!!

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Time am 29. November 2010

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1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/11/02/der-grose-wolf/
2) http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/11/11/bad-news-travels-fast/

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Soundtrack: „#9“ von den „Beatles“ unter
http://www.youtube.com/watch?v=HQal-lJrSLI

Mohammedanistische Pädagogik (#2)

28. November 2010

Mohammedanistische Pädagogik kann auf eine 1.400-jährige Geschichte zurückblicken. Deshalb ist sie auch so gut. Und so vielseitig. Schon  ganz früh werden die Kleinen nicht nur mit Sturmgewehren, Maschinenpistolen und Pistolen bekannt gemacht sondern auch mit Bomben und Brandsätzen. Und was könnte niedlicher sein als kleine Mädchen in Camouflage?

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Time am 28. November 2010

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#1: http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/11/26/mohammedanistische-padagogik-1/

Sie machen sich nützlich

28. November 2010

Aus Kairo berichtet in der heutigen FAZ Winand von Petersdorff. In einem Teil der Stadt leben Christen in einem Slum eines Slums von der Abfallverwertung. Es wäre ein schöner Zug, wenn die hiesigen Unterschicht-Orks sich daran ein Beispiel nehmen und sich irgendwie nützlich machen würden.

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Ein Slum zum Leben – wie Kairos Ärmste wirtschaften

In den Elendsquartieren der Welt herrscht Hunger, Arbeitslosigkeit und Depression. So die Vorstellung. Doch in Kairos Slums vibriert das Leben. Die Leute sind beschäftigt, Hunger ist selten, und jeder hat ein Handy.

Es ist schwierig, einen Slum zu loben, wenn man durch dessen stinkenden Unrat stakt. „Garbage City“, die Müllstadt, ist ein Quartier in Ägyptens Hauptstadt Kairo, das niemand geplant hat. Abfall säumt die Gassen, drängt sich an die Wände der armseligen Häuser und quillt aus den offenen Kellerlöchern. Eselfuhrwerke und Lastwagen mit fünf Meter hohen Abfallstapeln durchqueren das Viertel.

Hunde und Katzen tasten sich schnuppernd, wühlend durch den Unrat. Eine Ratte bringt sich schnell in einem Fallrohr in Sicherheit, als ein schwarzer Jeep Cherokee rumpelnd und hupend um die Ecke biegt. Die Gassen sind voller geschäftiger Leute: uniformierte Schulmädchen mustern Passanten, kleine Jungs suchen im Dreck nach Bierdosen und Plastikflaschen, ein Bäckerbote balanciert auf dem Kopf ein Brett mit Fladenbroten. Gebeugte Männer schleppen riesige Bündel mit Altpappe oder Plastiktüten. Auf groben Klötzen sitzen Väter beim Tee, ihre Frauen tragen einjährige Kinder auf der Schulter, die dreijährigen gehen an der Hand. Gezeter, Gehupe, Geschrei, Ziegengemecker, und einmal schreit ein Hahn. Man spürt, wie sich die versmogte Luft auf die Bronchien legt. Und über allem liegt ein Gestank nach Unrat, Auspuffabgasen, verbranntem Plastik und – Schwein.

Das Quartier wuselt und vibriert. Es ist ein Elendsviertel: informell und illegal, ohne nennenswerte staatliche Versorgung und ohne staatlichen Schutz. Steuern zahlt hier keiner. Ob hier 20 000 Menschen leben oder 70.000, weiß auch keiner so genau. „Garbage City“ ist nur ein kleiner Teil von Manshiyat Nasser, einem informellen Stadtteil Kairos, der 700.000 oder auch 1,3 Millionen Einwohner haben könnte.

Slums wie Manshiyat Nasser sind ein globales Phänomen. Ob in Indien, Brasilien, Nigeria oder Ägypten – überall entstehen urbane Konglomerate, über deren periphere Zonen die staatlichen Stellen längst die Kontrolle verloren haben. „Hier wohnen zwar Polizisten, aber sie arbeiten hier nicht“, sagt Hany El Miniawy, ein ägyptischer Stadtplaner.

Slums sind das Ergebnis der größten globalen Bewegung überhaupt: der Landflucht. Jede Woche verlassen genug Menschen ihre Dörfer, um eine Millionenstadt zu füllen. Pro Jahr kehren 70 Millionen Menschen ihren Dörfern den Rücken und suchen ihr Heil in einer Stadt. Die Menschenflut verwandelt die Welt der Bauern in eine Welt der Städter. Vor hundert Jahren lebten noch nicht einmal 20 Prozent der Weltbevölkerung in Städten, jetzt sind es schon mehr als 50 Prozent.

Die neuen Städter landen allerdings nicht in Appartements oder Einfamilienhäusern, sondern in Slums, Favelas, Shantytowns oder Elendsviertelnl, wo sie versuchen, ein paar Quadratmeter für sich und ihre Familien zu besetzen und zu verteidigen.

Gesund ist das Leben nicht, zu beschönigen gibt es auch nichts. Aber für die Landflüchtlinge sind die Slums Sehnsuchtsorte. Sie verbinden sie nicht mit Armut, Hunger, Arbeitslosigkeit, Kriminalität und dumpfer Depression, sondern zu allererst mit Hoffnung.

Warum das so ist, lehrt „Garbage City“. Es ist ein Elendsviertel mit einem Geschäftsmodell. Hier leben vor allem koptische Christen, die Zabaleen. Ihre Familien sammeln in großen Teilen Kairos den Abfall ein, trennen ihn und verkaufen brauchbare Teile. Die Väter ziehen mit ihren Söhnen herunter in die Stadt und holen den Abfall. Die Frauen und Mädchen trennen im zur Straße hin offenen Erdgeschoss ihrer Häuser den Müll in verschiedene Fraktionen – in der Etage darüber wohnen sie.

Die Clans haben sich auf verschiedene Müllfraktionen spezialisiert, die einen auf Pappe, andere auf Metalle, dritte auf Plastik. Das beste Geschäft aber war bis vor anderthalb Jahren der organische Abfall. Mit ihm wurden Schweine gefüttert. Die Zabaleen mästeten Zehntausende Schweine. Das Fleisch verkauften sie an christliche Metzger rund um Kairo – bis die Regierung die Schweine töten ließ, vorgeblich um die Schweinegrippe zu verhindern. Vielen Familien war das Einkommen geraubt. Das war schlimm.

„Mir blutet das Herz, wenn ich daran denke“, sagt der Architekt Hany El Miniawy. Er hatte vergeblich versucht, die Schweinemast in ein neues Gelände auszulagern. Jetzt stehen in den Ställen Ziegen, Bullen oder gar kein Tier. Einige hundert Schweine haben die Zabaleen aber in dunklen Verschlägen versteckt. Man sieht sie nicht, aber man riecht sie.

Mit anorganischem Abfall läuft das Geschäft besser. Die Zabaleen klettern die Wertschöpfungskette des Recycling hinauf. Auf einem Wertstoffhof werden Plastikabfälle geschmolzen und in Granulat für Kunststofffabriken umgewandelt. Von den Bier- und Coladosen wird der Deckel abgeschnitten. Der Aluminium-Korpus geht zusammengepresst nach China, für Eisendeckel finden sich andere Händler.

Der Slum ist integriert in die globale Arbeitsteilung und bildet die informelle Basis einer formalen Ökonomie. Die Zabaleen sind oft Subunternehmer von offiziellen, oft von Beduinen gegründeten Unternehmen, die von der Stadt Kairo Lizenzen zum Müllsammeln haben.

Der Konnex zwischen schwarzer und weißer Ökonomie wird am Stadtbild vieler Megacitys deutlich. Oft liegen die bitterarmen Quartiere direkt neben den Vierteln der Reichen, die Arbeitgeber des günstigen Dienstpersonals und Kunden fahrender Händler sind. Wohlhabende indische Familien etwa lassen sich von sechs bis acht Dienstboten die Mühsal des Kochens, Putzens, der Kinderversorgung und des Einkaufens abnehmen.

Heute schon lebt jeder sechste Mensch in Vierteln wie Manshiyat Nasser, 2030 wird es jeder vierte sein. Städte wie Mumbai (das frühere Bombay), Rio de Janeiro, Nairobi oder Kairo bestehen zu 30 bis 40 Prozent aus informellen Vierteln, die über die alten kartierten Stadtgrenzen hinauswuchern.

Der Westen hatte immer eine schnelle Antwort auf die Frage, warum es arme Leute armer Länder in die unwirtlichen Städte zieht: Illusionen, die bunten Verlockungen und falschen Versprechen der großen Stadt. In dieser Analyse steckt die Herablassung der reichen Länder, die arme Landflüchtlinge in Schwellenländern als dumm und Slums als Horte der Hoffnungslosigkeit abgebucht haben, während sie das Dorfleben als urwüchsig, authentisch, gesund und anständig idealisieren. 

„Ich teile all die romantischen Vorstellungen, die mit einem Dorf verbunden werden, weil ich nie in einem gelebt habe“, spottet der amerikanische Umweltschützer und Zukunftsforscher Stewart Brandt. „In einem Dorf bleibt einer Frau nichts, als ihrem Mann und ihren Verwandten zu gehorchen, Hirse zu stampfen und zu singen“, konstatiert die indische Feministin Kavita Ramdas, die den „Global Fund for Women“ leitet, eine Organisation, die Frauenrechte in aller Welt voranbringen will. In der Stadt dagegen könne eine Frau Arbeit finden, ein Geschäft gründen und ihre Kinder zur Schule schicken. Ein Slum, das ist die primitive Quintessenz, ist besser als ein Dorf.

„In unserem Dorf gab es nichts mehr“, erzählt eine freundliche Frau in einem der schlimmeren Armutsviertel Kairos. Sie sitzt mit anderen Frauen im Stadtteil Misr el Qadima in einem Schulungsraum, den eine lokale Hilfsorganisation angemietet hat. Das Quartier liegt wenige hundert Meter vom Koptischen Museum entfernt, einer bedeutenden, herausgeputzten Sehenswürdigkeit Kairos. Das Elendsviertel ist nur durch eine große Schnellstraße vom Nil getrennt. Die Behausungen aus unverputzten brüchigen Ziegeln sind auf sumpfigem Uferland gebaut. Einige sinken ab, brechen zusammen. Das Viertel ist komplett illegal wie 200 bis 300 andere in der 17-Millionen-Stadt Kairo. Die Stadt hat hier weder Wasserleitungen, Abwasserkanäle noch Stromleitungen oder Straßen gelegt. Die Leute klemmen sich Strom und Kabelfernsehen illegal ab, sie verzweigen offizielle Wasserleitungen, und sie bauen Sickergruben für die Fäkalien.
 


Die Familien kommen immer nach dem gleichen Muster in die Slums, und das gilt global. Der Mann wird vorausgeschickt, sucht einen Platz zum Leben für sich und seine Familie und Arbeit. Nach einer Weile folgt die Familie, dann kommen Cousins, Nachbarn, Freunde nach, bis sich die alte Dorfgemeinschaft neu versammelt hat. 

In Misr el Qadima besetzen die Leute ein Stückchen Land, bauen ein Zimmer. Wenn niemand einschreitet, werden die Häuser vergrößert, erst in die Fläche, dann in die Höhe, vier, fünf Stockwerke. Die Gebäude sind zerbrechlich, die Wände tragen Risse, manches Mauerwerk ragt bedrohlich schief in die Gassen hinein. In einem Haus ist die Frontwand weggebrochen, die Leute haben einen großen Schrank vor das Loch geschoben und wohnen dort weiter. Sie haben keine Ziegelsteine, das Loch zu füllen. In den Häusern ist es so eng, dass die Familien schichtweise schlafen, erst die Kinder, dann die Eltern, dann andere Verwandte. Sie leben als Tagelöhner, als Händler, als Brotverkäufer, die Bessergestellten haben Kioske oder eine Kneipe.

„Täglich kommen neue Leute“, sagen die Bewohner. Eine alte Frau zeigt ihr Haus. Es geht vorbei an Gerümpel über eine enge, grob aus Stein gehauene Treppe ganz nach oben. Unterwegs auf den Zwischenetagen stehen neugierige, schmuddelige, aber freundliche Kinder. Ganz oben im Schlafraum warten zwei Überraschungen: Das Haus hat kein Dach, stattdessen schützen Kartonpappe und aufgerissene Plastiktüten notdürftig vor Regen und Wind.

Die zweite Überraschung ist größer: Ein mächtiger Kühlschrank, Marke Alaska, steht im Schlafraum. Das ist nicht der einzige Luxus der Familie. Im Wohnraum flimmert ein kleiner Fernseher, und Handys hat die Familie auch. „Fast jeder hat hier Handys, selbst die Kinder, oft sogar die neuen Modelle“, sagt Islam Sharaf von der ägyptischen Organisation Adew, die armen Frauen helfen will.

Natürlich fehlt Geld, und Banken gibt es in Slums nicht. Die meisten Bewohner nehmen an einer Organisation namens Gamiyat teil für größere Anschaffungen: Das sind Sparvereine, in die Leute einige Monate Geld einzahlen, um irgendwann eine große Summe zu bekommen für eine Hochzeit, einen Kühlschrank oder ein Handy.

Das Handy ist wichtiger als das Essen, murrt der Entwicklungshelfer Islam. Ob Hunger ein Thema ist, werden die Frauen gefragt. Ist es nicht, aber sie haben fast nie Fleisch, beklagen die Frauen. Nur jetzt ist eine Ausnahme. In diesen Wochen vor den ägyptischen Parlamentswahlen kommen regelmäßig Kandidaten ins Viertel, um mit Fleisch Stimmen zu kaufen. Sonst sieht man hier nie Politiker und kaum Fleisch.

Die Frauen, die durch die Gassen führen, haben sich herausgeputzt. Sie sind die informellen Führer des Viertels, jeweils zuständig für ein paar Straßen. Wenn es Konflikte zwischen Familien, Probleme mit Behörden oder pure Not gibt, springen die Frauen ein. Sie ersetzen die Gerichte, die Polizei und manchmal die Lehrer.

Wo der Staat ausfällt, helfen sich die Menschen selbst, beim Hausbau, bei der Versorgung von Kranken, bei Konflikten mit Behörden. Die Hilfsbereitschaft, auf die die Menschen hier bauen können, ist wie Kapital, nur dass kein Geld fließt. Feste spielen eine große Rolle für die Armen, sie stimulieren die Solidarität der Nachbarn und Verwandten. Damit wirken sie wie Versicherungen. Und ein Geschäft sind die Feste auch. So trifft man im Armenviertel von Misr el Qadima Unternehmer, die den Verleih von Tischen und Stühlen zum Geschäft gemacht haben.

In den Slums der Welt bilden sich soziale Hierarchien heraus, an deren Spitze Geschäftsleute, Mafiabosse, Clanchefs oder andere Führungspersönlichkeiten stehen. Sie sorgen, wenn sie gut sind, für sozialen Ausgleich, Gerechtigkeit und Nothilfe. In Manshiyat Nasser haben sich auf unterster Ebene sogenannte „Raptas“ organisiert, Clans von Leuten, die ursprünglich aus einer Gegend kommen. Sie helfen bei der Organisation von Hochzeiten und schlichten Konflikte.

Um zum informellen Führer eines ganzen Viertels zu werden, bedarf es mehr als natürlicher Autorität. In Kairos „Garbage City“ regiert Vater Ibrahim Samaan, ein koptischer Priester, so sagen die Leute mit Ehrfurcht. „Hier regiert Gott“, sagt Vater Samaan. Er sei nichts als ein Werkzeug in der Hand des Heiligen Geistes. Der Mann wirkt freundlich, angestrengt und vergeistigt. Er sitzt im Kontor einer Tischlereifabrik, die in eine Felswand hineingehauen wurde. Sie fertigt oberhalb von „Garbage City“ Möbel.

Hier lernen Jugendliche die Holzbearbeitung. Viele hatten ihre Arbeit verloren, als die Regierung die Schweine schlachten ließ. Später können sie sich dann vielleicht als Tischler selbständig machen. Vater Sanaan lässt hier Stühle und Bänke für seine Gottesdienste bauen. Das Holz importiert der Vater aus Schweden und Serbien, das Geld dafür stammt aus Spenden.

Die Tischlerei ist nur ein Beispiel für die ungezügelte Energie des Priesters und seiner Mitstreiter. Er hat hier oben eine Arena für Gottesdienste in den Felsen schlagen lassen, die Platz für mehrere 1000 Besucher bietet, außerdem einen Versammlungsraum, in dem Hochzeiten stattfinden können. Ob Kindergärten, Schulen, Weiterbildungseinrichtungen – ohne den Segen des Vaters läuft hier gar nichts. Wer Geld braucht, um eine Firma zu gründen, kommt zu Vater Sanaan, wer Streit hat oder wer krank wird, sowieso.

Manche Leute in Manshiyat Nasser sind richtiggehend wohlhabend geworden, sagt Hany El Miniawy. Aber sie wollen nicht wegziehen. Sie bleiben im Müll wohnen, dort, wo sie jeden kennen. Die soziale Mobilität findet geographische Grenzen. Die Menschen entwachsen selten den Slums. Sie wachsen mit den Slums.

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Time am 28. November 2010

„Kamera stop! Stooop!!!“

27. November 2010

„Was ist denn DAS? Das sieht ja widerlich aus! Ist die Kamera defekt?“

„Nein Chef! Sorry, wir haben vergessen, den Filter davorzusetzen!“

„O.k., dann macht das bitte! Los geht’s! Kamera läuft!“

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Time am 27. November 2010

Mohammedanistische Pädagogik (#1)

26. November 2010

Kinder ernstnehmen, ihnen auf gleicher Augenhöhe begegnen, ihnen Verantwortung übertragen, viel draußen sein und sie hin und wieder nach Herzenslust herumschreien zu lassen sind wichtige Aspekte mohammedanistischer Reformpädagogik.

Sie gehen bis auf den Begründer des Mohammedanismus, Klo H. Metzel zurück, der sich in vorbildlicher Weise durchaus auch mal mit kleinen Mädchen einließ, wenn alle seine Kamele Migräne hatten.

Von den Kindergartenorks bis zu den jungen Heranwachsenden – die mohammedanistische Pädagogik hat umfassende Konzepte der Begleitung entwickelt und ist in der Lage, mit einer minimalen Fehlerquote gnaden- und bedingungslose Exekutoren des Willens ihrer Führer zu produzieren.

Die Überlegenheit mohammedanistischer Pädagogik wird nicht zuletzt durch ihr ästhetischstes Produkt (1), die „Ich-Bombe“, bewiesen.

Unsere neue Serie zeigt die Vielfalt, Weisheit und den Erfolg orkischer Pädagogik für jedermann anschaulich und setzt Sie ohne viele Worte ins Bild. Klar ist: Im Mittelpunkt steht beim Mohammedanismus immer das Kind!

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Time am 26. November 2010

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1) http://www.welt.de/print-welt/article176827/Kunst_des_Maertyrertums.html

Piratenparadies Deutschland

26. November 2010

Wartet auf sein Transitschiff nach Hamburg:
mohammedanistischer Piratena*sch

NTV hatte am Montag berichtet (1):

„Vor dem Hamburger Landgericht hat der Prozess gegen zehn mutmaßliche Piraten aus Somalia begonnen. Die Männer sollen am Ostermontag das Hamburger Frachtschiff ‚Taipan’ vor der Küste Somalias geentert und knapp vier Stunden in ihrer Gewalt gehabt haben. Verletzt wurde dabei niemand. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten einen Angriff auf den Seeverkehr und erpresserischen Menschenraub vor. Ihnen drohen bis zu 15 Jahre Haft. Es ist das erste Mal, dass mutmaßlichen Piraten aus Somalia in Deutschland der Prozess gemacht wird.“

Vor dem Gerichtsgebäude hatten linke Vollpfosten gegen „koloniales Unrecht“ und die Aufbringung der Terrorschiffer durch die israelische Marine vor Gaza agitiert. Kewil hatte zu der Angelegenheit naturgemäß eine pointiertere Meinung (2):

.„.. werden Befangenheits- und Haftprüfungsbeschwerden abgehandelt. Außerdem geht man der wichtigen Frage nach, wie die zehn armen Jüngelchen heißen und wie alt sie sind, wegen dem Jugendstrafrecht. Jeder hat auf Staatskosten zwei Pflichtverteidiger, macht dann insgesamt 20, die alle etwas sagen möchten, und Dolmetscher sitzen an allen Ecken! Angeblich sprechen die Seeräuber außer dem Wort “Asyl” kein Deutsch.

Trotztem fragt man sich als Bürger, warum ein solcher Mammut-Prozeß bis Ostern nötig ist. Der Fall liegt klar, die Beweise sind wasserdicht, das Urteil könnte heute nachmittag fallen. In Revision gehen die multikulturellen Kulturbereicherer sowieso, auch wenn sie freigesprochen werden, denn dann möchten sie Haftentschädigung in Millionenhöhe, die sie in Hamburg sicher kriegen, damit sie später als anerkannte Asylanten ihr trauriges Flüchtlingsdasein an der kalten Waterkant durch Gründung einer Drogen- und Nuttenimport-GmbH etwas aufhellen können. Außerdem müssen sie ihren Verwandten noch Geld nach Hause schicken, denn sie stammen aus ganz ärmlichen Verhältnissen, die wir uns gar nicht vorstellen können. Und im Rahmen des Menschenrechts auf Familiennachzug müßten noch ihre 40 Ehefrauen nach Blankenese importiert …“

Ich denke, Kewil sieht das richtig, und die Piraten sind ja auch äußerst gut gelaunt. Etwas weniger fröhlich gestimmt sind vermutlich jene fünf somalischen Jihad-Piraten, die in ihrer orkischen Hybris oder Dummheit ein Kriegsschiff der US-Marine angegriffen hatten. Ihnen drohen nicht wie bei uns (bis zu) schlappe 15 Jahre Haft (die mit Sicherheit noch auf 10 Jahre wegen guter Führung reduziert werden), sondern ihnen droht dort tatsächlich „lebenslänglich“.  Ihre Schuld wurde in einem Prozess festgestellt, der nur zwei Wochen dauerte.

Bravo USA, obwohl es m.E. am allerbesten wäre, wenn das Problem definitiv vor Ort auf See gelöst würde. Matthias Rüb in der heutigen FAZ:

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Somalier der Piraterie schuldig

Erstmals seit knapp zwei Jahrhunderten sind in den Vereinigten Staaten wieder Piraten wegen Seeräuberei schuldig gesprochen worden. Die zwölf Geschworenen bei einem Bezirksgericht in Norfolk im Bundesstaat Virginia sprachen die fünf angeklagten Somalier schuldig, im April einen Angriff auf das amerikanische Kriegsschiff „USS Nicholas“ vor der Küste des ostafrikanischen Landes unternommen zu haben. Die Geschworenen sprachen die Männer in zahlreichen Anklagepunkten schuldig, darunter Piraterie, Angriff mit gefährlichen Waffen und versuchte Plünderung eines Schiffes. Ihnen drohen nun lebenslange Haftstrafen. Das Strafmaß soll am 14. März verkündet werden. Der Prozess hatte rund zwei Wochen gedauert.

Der Schuldspruch der Geschworenen war das erste Urteil in einem amerikanischen Piratenprozess seit mehr als 190 Jahren. „Die heutige Verurteilung zeigt, dass bewaffnete Überfälle auf Schiffe unter amerikanischer Flagge Verbrechen gegen die internationale Gemeinschaft sind und dass Piraten ernste Konsequenzen vor amerikanischen Gerichten drohen“, sagte der für den Gerichtsbezirk zuständige Bundesstaatsanwalt Neil MacBride. Die somalischen Piraten waren nach den Schüssen auf das Kriegsschiff, das sie offenbar für einen Frachter gehalten hatten, von der Besatzung der „USS Nicholas“ festgenommen und an die amerikanischen Behörden überstellt worden. Die Piraten waren mit automatischen Waffen und einem Granatwerfer bewaffnet.

Die Verteidigung hatte in dem Prozess vergeblich argumentiert, die Männer seien Fischer, die von Piratenbanden zur Seeräuberei gezwungen worden seien. Zudem sagten die Pflichtverteidiger, die Geständnisse der Seeräuber an Bord der „USS Nicholas“, die sie gegenüber einem Übersetzer ablegten, dürften nicht als Beweismittel zugelassen werden, weil es von den Aussagen keine Tonbandaufzeichnungen gebe.

In einem gesonderten Verfahren vor einem Gericht in Virginia sollen weitere somalische Piraten wegen eines Angriffs vom 10. April auf das Schiff „USS Ashland“ zur Rechenschaft gezogen werden. In Hamburg müssen sich seit Montag zehn mutmaßliche somalische Piraten vor Gericht verantworten.

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Time am 26. November 2010

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1) http://www.n-tv.de/ticker/Auftakt-im-Piraten-Prozess-gegen-Somalier-in-Hamburg-article1980736.html
2) http://fact-fiction.net/?p=5408

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25. November 2010

Tempel der Bahai in Langenhain, Deutschland

Und wieder (1) ein ausgezeichneter Artikel von Wolfgang Günter Lerch in der heutigen FAZ. Er lenkt den Blick des Lesers nach Iran und zu den Bahai, die dort grausam verfolgt werden.

Die Bahai kamen in diesem Blog schon mehrfach zur Sprache (2). Mein Wissen ist seitdem nicht wesentlich gewachsen, aber ich hatte vormals den Eindruck gewonnen, dass es sich um eine Häresie handelt, die gewisse kulturelle und rituelle Elemente des Mohammedanismus bewahren will, dessen Zentralthemen Jihad und Unterdrückung („Alla, der Herr der Stufen“ (3) liebt Sklavenhalterei und Frauenunterdrückung) jedoch ablehnt.

Wie ich nicht ohne Widerspruch meiner Freunde darlegte (4), bin ich der Ansicht, dass gegen den Jihad- und Schariamohammedanismus jeder Ork gestärkt werden muss, der diese ablehnt (5), Häresien wie Aleviten und Bahai natürlich ganz besonders. Dies nicht nur, weil sie die Orks spalten und ihnen vernünftige und menschenfreundliche Alternativen zur Klo-H.-Metzel-Ideologie bieten, die aus ihrer eigenen Kultur entstanden sind, sondern auch, weil ihr Leid unser Mitgefühl und unsere Hilfe verdient.

Denn während Ayman „Heulsuse“ Mazyek eine Bedrohung der Orks und ein hasserfülltes Klima „der Angst“ gegen sie fantasiert (6), denn während bei uns ein feister Orkfunktionär wie Kolat die Erfassung antimohammedanistischer Straftaten fordert (7), worunter tatsächlich aber maximal zu verstehen ist, das ein deutsch-deutscher Schüler nicht gleich einer türkisch-deutschen Schleieroma in der Straßenbahn seinen Sitzplatz überlassen hat, dann geht es dementgegen für die Bahai im Iran um Gefängnis, Folter und Tod.

Und wenn sie dann noch so freundlich wie diese daherkommen, könnte ich mir vorstellen, dass sie nicht nur unsere „Geschäftspartner“, sondern sogar unsere Freunde sein könnten. Hier ein Ausschnitt aus einem Bericht der christlich-freikirchlichen „Tempelgesellschaft“ über ein Sommerfest mit den Bahai in Langenhain (8):

„ (…) Die Andacht war sehr bewegend, es wurden Texte aus den heiligen Schriften der Hochreligionen gelesen: aus den Baha’i-Schriften ein Gebet, aus dem Alten Testament Psalm 96,1-13, aus dem Neuen Testament Epheser 1, 3-10, Gebete und Meditation aus den Schriften Baha’u-llahs, eine Auswahl aus den Schriften des Bab, ein gesungenes Gebet in persischer Sprache. Der Bahai-Chor ‚Stimmen Bahas’ sang wunderschön, die einmalige Akustik klang noch lange in mir nach. (…)“

Da ihr Chor sich wunderschön angehört hat, müssen sich die Bahai allerdings sehr weit von den arabischen und türkischen Eroberern entfernt haben. Auch ihre Architektur (s.o.) hat das Bizarre der mohammedanistischen abgelegt und demonstriert Transparenz, Transzendenz und Zerbrechlichkeit.

Sehr schön: Außer Bahai-Texten und persischen Texten wurden zu Ehren der Gäste auch Schriften aus dem Neuen und in Kenntnis des Wesens des Christentums, das m.E. eine jüdische Häresie ist, Texte aus dem Alten Testament gelesen. Unter den Texten der „Hochreligionen“ waren völlig zu Recht keine mohammedanistischen vertreten. Lesen Sie jetzt den Text von Wolfgang Günter Lerch:

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Fast wie Freiwild

Die deutschen Bahai schauen mit wachsender Sorge
auf die Entwicklung in Iran

Es sind nur wenige tausend Menschen, die sich in Deutschland zu der Weltreligion der Bahai mit ihren ungefähr sechs Millionen Anhängern bekennen; doch sie nehmen besonders regen Anteil am Weltgeschehen, was auch an dem in der Regel hohen Bildungsstand der Anhänger dieser Religionsgemeinschaft liegt. Insbesondere interessiert sie natürlich die politische Lage in Iran, wo ihre Religion im 19. Jahrhundert entstand und wo die Bahai-Gläubigen immer wieder schweren Verfolgungen ausgesetzt waren und sind.

Gegenwärtig sorgen sie sich um sieben ihrer Glaubensgenossen, die bereits im vorigen Jahr in Iran festgenommen und unter anderem wegen „Spionage für Israel“ und wegen „Krieg gegen Gott“ angeklagt worden waren. Die sieben repräsentierten auf informelle Weise – jedoch mit Wissen und Duldung des iranischen Regimes – die etwa 300.000 iranischen Bahai, deren offizielles Gremium, der gewählte Nationale Geistige Rat, schon kurz nach dem Sieg der islamischen Revolution ausgelöscht worden war. Prozess und Verurteilung der sieben beruhten auf Vorwänden. Und die willkürlichen Festnahmen dauern an.

Langenhain im Taunus ist das sichtbare Zentrum der deutschen Bahai, erkennbar an dem attraktiven, kuppelgekrönten Tempel, der freilich für alle Bahai in Europa (wie in der Welt) offen ist. Auf jedem der fünf Kontinente gibt es einen. Im Rhein-Main-Gebiet leben besonders viele deutsche Bahai, manche von ihnen sind iranischen Ursprungs und mit deutschen Partnern verheiratet, nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland gekommen und hier geblieben; doch auch mancher deutsche Akademiker findet seinen Weg zu diesem Glauben, der auf zwei aus Iran stammende Stifter („Offenbarer“) zurückgeht: Ali Muhammad, genannt der „Bab“ (etwa: die spirituelle Pforte), durch dessen Wirken die Babi-Bewegung entstand, und Mirza Hussein Ali Nuri, der unter dem Namen Bahaullah (etwa: Glanz Gottes) als eigentlicher Stifter des Bahai-Glaubens verehrt wird. Dieser Glaube hat seine Wurzeln in einer endzeitlichen schiitischen Bewegung, entwickelte sich jedoch zu einer eigenständigen Religion, die ihren Ursprung im Islam nicht verleugnen kann noch will, doch in Lehre und Praxis moderne Wege eingeschlagen hat. Berühmte Orientalisten wie Edward Granville Browne oder Alessandro Bausani haben darüber geschrieben.

Es gibt keinen Klerus, die Moderne wird ebenso akzeptiert wie die Regeln der zeitgenössischen Zivilgesellschaft. Dies heißt andererseits nicht, dass die Bahai nicht strikte ethische Prinzipien hätten. Besonders viel bedeutet den Bahai das Prinzip der immer wieder erneuerten Offenbarung: Die Botschaft des Monotheismus findet – der veränderten Umstände wegen – immer wieder neue Verkünder. Weltzentrum des Glaubens ist das Universale Haus der Gerechtigkeit in Haifa. Bei den Vereinten Nationen sind die Bahai längst akkreditiert. Und ihr Büro in Berlin hält den Kontakt mit der deutschen Politik; da geht es zumeist um die Verletzung der Menschenrechte in Iran und anderswo.

„Wir enthalten uns jeglicher Einmischungen in die Tagespolitik, dies gehört ausdrücklich zu den Lehren unserer Religion“, sagt Ingo Hofmann, der gegenwärtige Sprecher der deutschen Bahai-Gemeinde für die Menschenrechte. „Um so grotesker sind die Anklagen, die das iranische Regime gegen uns vorbringt.“ Hofmann, Jahrgang 1943, dessen Sprache unverkennbar süddeutsch gefärbt ist, ist jetzt gefragter denn je, seitdem die Islamische Republik den Kurs gegen die Bahai wieder verschärft hat. Eine Zeitlang hatte man sie „nur“ diskriminiert, aber weitgehend in Ruhe gelassen, doch nun gibt es wieder Einschüchterungskampagnen, zu denen offenkundig auch die Festnahme und Verurteilung der sieben, fünf Männer und zwei Frauen, gehörten. Hofmann war bis zu seiner Emeritierung Professor für Physik in Frankfurt, hatte davor jedoch auch insgesamt ein Jahr am CERN in Genf gearbeitet, dem riesigen Teilchenbeschleuniger. „Gräber, Plätze und Häuser, die den Bahai aus ihrer Geschichte heraus heilig sind, wurden in jüngerer Vergangenheit in Iran zerstört und geschändet“, teilt er mit. Und er kritisiert Leute, die das gegenwärtige iranische System zu relativieren suchen: „Religionsfreiheit gibt es für die Bahai nicht.“

Armin Eshraghi, bisher Dozent für Persisch an der Universität, der aber künftig an der Theologenschule St. Georgen in Frankfurt Arabisch unterrichten wird, kann nicht verstehen, dass unlängst eine Delegation des Deutschen Bundestages aus Iran zurückkam und die Ungestörtheit der Religionsausübung hervorhob. Er weist darauf hin, dass dies allenfalls für die von der islamischen Verfassung Irans anerkannten religiösen Minderheiten der Parsen, Christen und Juden gelte, die der Islam als seine „Schutzbefohlenen“ sieht. „Wir Bahai hingegen sind im Grunde wie Freiwild.“ Den Mullahs gelten sie tatsächlich seit jeher als Abtrünnige vom Islam. Wie anderswo in diesen Breiten existiert eine Religionsfreiheit nach westlichem Verständnis nicht in Iran. Ein Wechsel der Religion, vom Islam zu einer anderen, ist nicht möglich; die negative Religionsfreiheit erst recht nicht. Und die zu Beginn der fünfziger Jahre gegründete theologische Richtung der Hodschatijeh wurde ins Leben gerufen, um die Bahai zu bekämpfen. Dies war noch zu Zeiten des Schahs Mohammed Reza Pahlewi, der dies duldete; augenblicklich hat die Hodschatijeh in Iran ihre Aktivität wieder verstärkt, Schikanen nehmen zu. So nimmt es nicht wunder, dass Ingo Hofmann immer wieder in Sachen Verletzung der Menschenrechte Stellung beziehen muss. Auch in Ägypten etwa machen die Bahai – es sind nur etwa tausend – nicht nur positive Erfahrungen mit dem dortigen Regime und ihrer muslimischen Umwelt. Tausend Bahai scheinen eine „schreckliche Gefahr“ für die achtzig Millionen Ägypter zu sein, muss man sarkastisch daraus schließen.

Die deutschen Bahai beteiligen sich, wenn sie dazu geladen werden, lebhaft am interreligiösen Dialog. Dafür sind sie auch dank ihres intellektuellen Niveaus bestens gerüstet. Vor allem Udo Schäfer, gewissermaßen der Spiritus Rector der Gemeinde in Deutschland, hat mit seinen Büchern viel zur Erläuterung der Bahai-Lehren beigetragen. Schäfer, Jahrgang 1926 und bis zu seiner Pensionierung als Oberstaatsanwalt dreißig Jahre im deutschen Justizwesen tätig, ist nicht nur Fachmann für die Geschichte, Theologie und Ethik des Bahai-Glaubens, sondern vor allem für die Beziehungen zwischen den Vorstellungen der Bahai und dem deutschen Recht. Auch über den Islam hat er eines der einsichtigsten Bücher geschrieben. Die ersten Bahai-Gemeinden in Deutschland gab es übrigens vor 105 Jahren im Schwäbischen, in Stuttgart, Esslingen und Bad Mergentheim. Abdul Baha, der Sohn Bahaullahs, besuchte die Gemeinden schon 1913.

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Time am 25. November 2010

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1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/11/17/die-bekehrung/
2) http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/01/10/licht-aus-dem-pferch-in-den-pferch/
3) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/23/kloran-7-uber-despotismus-rang-und-herrschaft/
4) http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/11/21/counterjihadisch-bloggen/
5) http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/11/18/steinigung-inakzeptabel-fur-kloran/
6) http://www.pi-news.net/2010/09/mazyek-islamfeindlichkeit-bekaempfen/
7) http://www.pi-news.net/2010/11/kolat-will-erfassung-muslimfeindlicher-straftaten/
8- http://www.tempelgesellschaft.de/index.html?Hauptbereich=/zeitschrift/warte_07/jahresrueckblick_2007.html

Neulich…

24. November 2010

… in Honkytonkystabad.

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Time am 24. November 2010

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PS.: Ich hoffe, wir haben Euch entsorgt, bevor die Aliens landen. Ihr wärt wirklich richtig peinlich! Orks f*ck off!

Viele Wege

24. November 2010

Heike Brink (1): „Viele Wege“

Alle Wege führen nach Rom, sagt man, und viele zum Erfolg. Auch zum Erfolg des Counterjihad mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit. Jedenfalls könnte man einen Beitrag von Mechthild Küpper in der heutigen FAZ über Jihadisten-Aussteiger- und Präventionsprogramme so werten.

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Prävention muss erst gelernt werden

Können Radikalisierungsprozesse verhindert
oder rückgängig gemacht werden?

Während die Reichstagskuppel für Besucher gesperrt wurde und die Polizei sich überall in Berlin-Mitte demonstrativ häufig sehen ließ, veranstaltete die Berliner Innenverwaltung im „Haus der Kulturen der Welt“ eine Tagung über Prävention und Deradikalisierung in der islamistischen Szene. In Deutschland, sagte Innensenator Ehrhart Körting (SPD), herrsche darin Nachholbedarf. Er betonte den religiösen Aspekt: „Unser Grundgesetz ist mit Glauben und Nichtglauben vereinbar, mit dem christlichen Glauben wie mit dem islamischen.“ Alles, „was von religiöser Seite kommt, egal von welcher“, werde in Europa oft als „lebensfremd, rückständig mittelalterlich und unvereinbar mit unserer Rationalität abgetan“. Körting plädierte dafür, Menschen „mit starken religiösen Überzeugungen nicht in die Isolation“ zu treiben, sondern sie anzusprechen und einzubeziehen“. Dies ist seiner Überzeugung nach ein „wesentliches Element bei der Prävention von Radikalisierung“.

Paul Schnabel, der Direktor des niederländischen „Sociaal en Cultureel Planbureau“, warnte dagegen davor, Fundamentalisten, Radikale und Terroristen allzu stark mit ihrer Religion zu identifizieren. Schließlich würden wohl auch Protestanten nicht gern ausschließlich als Protestanten wahrgenommen und allein darauf festgelegt. Der Engländer Hanif Qadir drehte die Frage um: „Wie kann eine gewaltfreie Religion wie der Islam missbraucht werden, um Gewalt zu rechtfertigen?“ Die Prediger der einfachen Wahrheiten, des Richtig-falsch-Musters müssten gefragt werden: „Welcher Islam gestattet Abschottung? Welcher Islam billigt Gewalt?“ Schließlich seien es, etwa in Pakistan, Muslime, die Muslime töteten. Nur in der direkten Konfrontation könne ihnen die Deutungshoheit abgerungen werden, die sich die Verführer zum Terrorismus anmaßten.

Claudia Schmid, die Leiterin des Berliner Verfassungsschutzes, lobte die Berliner für die „unaufgeregte und aufmerksame“ Art, mit den Terrorwarnungen umzugehen. Deutschland sei nicht mehr Ruheraum, sondern Ziel von Terroristen geworden. Es gebe kein „typisches Muster“ bei der Radikalisierung, aber doch einige benennbare Faktoren. Sie zählt dazu die Infrastruktur des „politischen Salafismus“, einer sich besonders streng und eng gebenden Strömung des Islam, die in Deutschland großen Zulauf genießt. Eine Islamschule in Mönchengladbach bietet seit 2007 ein Islam-Fernstudium in deutscher Sprache an, mehrtägige „Islamseminare“ werden organisiert, für die sogar ein Rapper wirbt.

Etliche Prediger betrieben die Indoktrination von Konvertiten und nicht linientreuen Muslimen, ehemalige dschihadistische Kämpfer würden eingesetzt, um die Teilnehmer zu radikalisieren und für den Kampf der Muslime gegen „Juden und Kreuzritter“ auf der ganzen Welt zu werben, sagte Frau Schmid. Anders als die „Hassprediger“ vergangener Jahre zögen sich die neuen Vertreter des Radikalismus nach der ersten Kontaktaufnahme mit den ansprechbaren Teilnehmern ihrer Veranstaltungen in kleine, konspirativ agierende Zirkel zurück. Massiv verbreitet hat sich seit 2007 die gewaltverherrlichende Propaganda im Internet – in Deutsch wie in Türkisch – sowie die Bedeutung von Peergroups, wie sie etwa auch Lebensentscheidungen der Mitglieder der „Sauerlandgruppe“ beeinflusst haben. Das tiefe Empfinden einer gesellschaftlichen Entfremdung teilten viele Einwandererkinder der zweiten oder dritten Generation, etliche wählten den Rückzug aus ihrer Umgebung in eine neue, selbstgewählte, radikale und gewaltbereite. In den vergangenen zwanzig Jahren haben, zitierte Frau Schmid, etwa 220 Personen mit „Deutschland-Bezug“ eine paramilitärische Ausbildung in speziellen Lagern von Terrororganisationen erhalten oder angestrebt, etwa 40 haben sich seit 2001 an Kampfhandlungen beteiligt.

Terroristische Karrieren können nicht als Resultate gescheiterter Integration angesehen werden. Längst sind deutsche Konvertiten und gut integrierte Muslime als radikale Dschihadisten bekannt geworden. So sagte die Islamwissenschaftlerin Christiane Nischler-Leibl, die seit 2009 für Integrationsbelange in der bayerischen Regierung zuständig ist, Radikalisierung geschehe „nicht im luftleeren Raum“, die Anzeichen dafür seien jedoch oft erst im Nachhinein zu erkennen. Ihrer Ansicht nach muss mit den „klassischen Methoden“ versucht werden, so früh wie möglich Auffälligkeiten zu bemerken. Terroristische Radikalisierung erfordere nicht Ursachenbekämpfung, sondern Intervention – so früh wie möglich – und von allen, die in Frage kommen.

Was Hanif Qadir seit sieben Jahren, inzwischen von der Regierung auch finanziell unterstützt, im Nordosten Londons macht, ist in Deutschland noch unvorstellbar. In Berlin, sagte Senator Körting, gebe es noch keine „organisierte Prävention“ gegen Terrorismus. Qadir, der in England geboren und aufgewachsen ist, war 2002 selbst als dschihadistischer Kämpfer nach Afghanistan gereist, hatte sich nach wenigen Tagen schon desillusioniert abgewandt. Seine Stiftung „Active Chance Foundation“ (ACF) arbeitet seither daran, junge, radikalisierte Menschen zurückzuholen. Nur 18 feste Mitarbeiter hat ACF, aber die Stiftung arbeitet mit vielen Institutionen zusammen, sie wirbt aktiv auf der Straße, unterhält ein Fitness-Studio, bietet Seminare und Abenteuerreisen an, bei denen die besonders gefährdeten Jugendlichen etwa beim Bergsteigen zwanglos in Kontakt mit Polizisten oder Soldaten kommen. Ihr gelingt es, hinter die „Mauern des Schweigens“ vorzudringen, dorthin, wo Gruppen sich von der Gesellschaft absondern und eigene Ziele verfolgen. Nicht „für die Regierung“, sondern „als Muslime“ engagieren sich Menschen in der Stiftung, die die Verführungen des radikalen Denkens selbst kennengelernt haben.

Laut Schnabel ist in Holland inzwischen, anders als vor elf Jahren, das Bild der Integration schlechter als die tatsächliche Lage. Unbeachtet von der Öffentlichkeit sei seit dem Mord an Theo van Gogh viel Positives passiert. Frau Nischler-Leibl sagte, um früh gegen Radikalisierung vorgehen zu können, müssten Eltern, Lehrer, Polizisten und Sozialarbeiter mehr Hintergrundwissen besitzen. Aufmerksam folgten etliche „Stadtteilmütter“ der Tagung. Sie vermitteln in den Berliner Bezirken Neukölln und Kreuzberg aktiv zwischen Mehrheitsgesellschaft und den Migranten, indem sie Familien zu Hause aufsuchen und beraten.

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Time am 24. November 2010

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1) http://www.heike-brink.de/bilder.html


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