Archiv für Februar 2011

Wanderer

28. Februar 2011

„Wanderer im Nebel“ von Caspar David Friedrich

Dass Margot Käßmann eine absolute Fehlbesetzung als evangelische Bischöfin war, machte sie m.E. weniger durch ihre trunkene Autofahrt, bei der ja nichts passiert war, deutlich, als vielmehr durch ihre wiederholten, kontraproduktiven oder einfach nur peinlichen Äußerungen. Im aktuellen „Chrismon“ (1), welches sie mitherausgibt, faselt sie rund um das Wort „Migration“ (2), und man ist lebhaft an Otto Waalkes grandiosen Sketch „Wort zum Montag“ erinnert (3): „Denn sind nicht wir alle Migranten?“

Ihr Aufsatz ist folgendermaßen verschlagwortet: „Schlagworte Migration | jüdisch | christlich“, aber natürlich meinen ihre Ausführungen, so wie es grundsätzlich immer der Fall ist, wenn von „Migranten“ die Rede ist, nicht irgendwelche Immi- oder Emigranten, und schon gar nicht Juden und Christen, sondern sie meinen in Wirklichkeit die Orks, nur will sie es nicht sagen, und sie glaubt, wir merken es nicht. Merke: Wer immer das Wort „Migrant“ verwendet, ist entweder Ork oder Dimmi!

Dabei sind ihre Darlegungen teilweise nicht uninteressant und auch nicht völlig falsch: Juden und Christen als eine Kultur, die sich in permanenter Bewegung befindet… Aber das Thema ist doch nicht die Wanderung als solche und sind nicht ihre jeweiligen konkreten Ursachen. Es geht um die Bewegung zu Gott und darum, ihm die Treue zu halten wie auch darum, ihm vertrauen zu können. Und für die Juden geht es auch immer darum, endlich einen Platz zu finden, der ihnen Ruhe und Sicherheit gibt, um ihren eigenen Staat.

„Streitfall Migration – es könnte viele Debatten entspannen, wenn klar würde: Auch das christliche Abendland ist letzten Endes ein Ergebnis von Migration.“ Mit diesem Schlusssatz macht sie den Rahmen deutlich, in dem ihr gesamter Text zu sehen ist. Auf ihn entwickelt sie ihn hin.

Es gibt z.Z. zwar viele Debatten, aber diese haben tatsächlich nur ein zentrales Streit-Thema: den Mohammedanismus. Es geht nicht um Einwanderer X und Auswanderer Y, es geht darum, dass 1,5 Mrd. Menschen einer sklavistischen und extrem aggressiven Ideologie anhängen, die die Weltherrschaft anstrebt und alle Zivilisationen vernichten will. Dieses Wesen der Ideologie will Frau Käßmann verwischen, und sie will die Tatsache verwischen, dass die Mehrheit der Orks dieses Wesen positiv beurteilt und wie Süchtige daran hängt. Sie stellt das Thema „Bewegung“ oder „Wanderung“ in den Vordergrund, sie erklärt ausführlich, dass dies auch zu unserer Kultur gehört, dass wir selbst Wanderer sind, um einen Schirm über jenen aufzuspannen, die in ungeheuren Massen in unsere Zivilisation eingewandert sind, sie ausnutzen und vernichten wollen: die Orks!

Dies ist die Klo-H.-Metzel-Methode, dem Gegner eine Position oder ein Verhalten zu unterstellen, die oder das jener gar nicht hat, und gleichwohl mit Macht dagegen zu mobilisieren. Nochmals: Es gibt keinen „Streitfall Migration“! Es gibt allerdings einen „Streitfall Mohammedanismus“!

Um auf meine Einführung zurückzukommen: Ich finde es falsch, jemand zu einem Führer der evangelischen Kirche zu machen, der derartigen Aufwand betreibt, um letztlich Sozialbetrug, Ehrenmorde und Scharia zu verschleiern und zu beschönigen. Warum pointiert sie ihre Ausführungen nicht in der Art, uns Westlern auf unser langen Wanderung Mut zu machen?

Ja, wir sind Wanderer! Ja, wir respektieren andere Wanderer!

Nein, wir lehnen Jihad, Scharia und den perversen Verbrecher Klo H. Metzel ab!

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Migration -
Was wäre das christliche Abendland ohne diese Erfahrung?

Migration – das ist ein Thema, zu dem Juden und Christen viel zu sagen haben. Es ist ein urbiblisches Motiv. Die Ersten, die sich aufmachen, sind in der biblischen Geschichte Adam und Eva: Sie müssen das Paradies verlassen, um eine neue Heimat zu finden. Abraham und ­Sarah brechen auf in ein unbekanntes Land – in einer Hungersnot, als die ersten Wirtschaftsflüchtlinge sozusagen. Joseph findet sich gezwungenermaßen in der Fremde wieder und muss sich integrieren. Mose führt in der biblischen Erzählung das ganze Volk Israel aus Ägyptenland in die Wüste und schließlich bis zur Grenze des gelobten und verheißenen Landes. Dort werden die Israeliten kämpfen müssen, um ihre Kultur zu behaupten gegen die vorhandene Kultur des Landes Kanaan. Und immer wieder gibt es Auseinander­setzungen, ob denn das Volk abtrünnig sei, wenn es Kultur und Religion der Völker vor Ort annehme, sich zu sehr assimiliere, statt die Differenz zu leben.

Fremd sein oder sich anpassen, sich inte­grieren oder okkupieren, sich abgrenzen oder assimilieren – es sind Themen, die die Bibel auf faszinierende Weise durchbuchstabiert. So haben etwa die Gefangenen in Babylon Heimweh nach Jerusalem, und der Prophet Jeremia rät ihnen in einem Trostbrief, sich nicht zurückzusehnen, sondern dort, wo sie nun einmal sind, Familien zu gründen und Häuser zu bauen. Der Prophet Elia hingegen wettert gegen die Baalspropheten und legt sich blutig mit Königin Izebel an.

Nach der Zerstörung des Tempels im Jahre 70 nach Christus verlor das jüdische Volk seine Heimat in Israel, in Jerusalem. Und Jüdinnen und Juden in aller Welt ­fragen sich seitdem: Was bedeutet mein Jüdischsein in der Fremde, in Argentinien oder den USA, in Frankreich oder Indien, im Libanon oder in Kenia? Wie weit kann ich mich anpassen, wo muss ich mich abgrenzen? Wann gefährdet die Abgrenzung mein Leben? Und wo werde ich sie durchhalten, auch wenn ich mein Leben dafür riskiere – weil andere meinen, ich gehöre nicht dazu? Weil sie sagen, ich bin nicht Deutscher, sondern Jude?

Auch im Neuen Testament, dem griechischen Teil (!? T.) der Bibel, ist viel von Migration die Rede. Weise Männer aus dem ­Orient machen sich auf in die Fremde, nach Bethlehem, um einen König zu suchen, so erzählt es Matthäus. Joseph muss mit Maria und dem neugeborenen Jesus nach Ägypten fliehen. Jesus selbst weiß als junger Mann, dass der Prophet nichts gilt im eigenen Land. Und Paulus wurde der erste große reisende Missionar. Er geht ­unermüdlich von Ort zu Ort, um das Evangelium zu verbreiten, und überschreitet die Grenze zu Europa.

Migrare heißt wandern – und das wandernde Gottesvolk ist ein urbiblisches Bild von Mose bis zum Hebräerbrief. Unterwegs zu sein, in fremden Kulturen heimisch zu werden, das ist eine Kernerfahrung der ­biblischen Erzählungen.

Die Kirchengeschichte schließlich ist im Anschluss an Paulus Missionsgeschichte und damit Migrations- und Inkulturationsgeschichte. Der „Missionsbefehl“ aus ­Matthäus 28: „Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker…“ wurde zur Grundlage einer weltweiten Ausbreitung des Christentums. Und es bedurfte mutiger Menschen, die bereit waren, ihre Heimat zu verlassen, um das zu tun. Gleichzeitig werden sich so manche Xukuru-­Indianer in Brasilien oder Adivasi in Südindien gefragt haben, was denn diese Menschen aus fremden Ländern wollten.

Streitfall Migration – es könnte viele Debatten entspannen, wenn klar würde: Auch das christliche Abendland ist letzten Endes ein Ergebnis von Migration.

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Time am 28. Februar 2011

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1) http://chrismon.evangelisch.de/
2) http://chrismon.evangelisch.de/blog/auf-ein-wort/migration-was-waere-das-christliche-abendland-ohne-diese-erfahrung-7515
3) http://www.youtube.com/watch?v=MY83lz2frIg

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Soundtrack, rein assoziativ:
„The Wanderer“ von Status unter
http://www.youtube.com/watch?v=8sSEU68m-9Q&feature=related

Ein mutiger Cartoon

27. Februar 2011

Diese Karikatur von Greser und Lenz aus der FAZ vom 15. Februar habe ich soeben beim Aufräumen entdeckt. Eigentlich geht der Spruch so: „Allah ist groß, Allah ist mächtig, er hat einen A*sch von drei Meter sechzig“, wie  auch in der „taz“ vom 17. Februar 2001 zu lesen war (1), und er wurde mindestens schon in den 1930er-Jahren aufgesagt. Ob sich die „taz“ das heutzutage noch trauen würde? Ich finde jedenfalls den oben stehenden Cartoon auch ohne „A*sch“ mutig und counterjihadisch, zumal die Zeichner davon ausgehen müssen, dass viele ihrer Leser den alten Spruch kennen, und der ist in der Tat einer Fatwa würdig.

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Time am 27. Februar 2011

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1) http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2001/02/17/a0100

Leserbrief-Counterjihad (#12)

26. Februar 2011

In der Druckerei

In der heutigen FAZ gab es etliche counterjihadische Leserbriefe. Ernst Eichengrün z.B. wies Panik-Paddels Hymne auf die Takija (1) zurück.

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Taqiya in Teheran

Wie schön wäre es, wenn Patrick Bahners mit seinem Artikel über die „Panikmacher“ Recht hätte und alle Muslime die „taqiya“ nur im Falle einer existentiellen Bedrohung als lebensrettende Notlüge gebräuchten. Doch leider gibt es ein Gegenbeispiel, wie es prominenter und repräsentativer nicht sein kann: das Verhalten des Ajatollah Chomeini, der beim Sturz des Schah-Regimes den Eindruck erweckte, er wolle eine freiheitlich-demokratische Republik einführen, um die vielfältigen, auch säkularen Träger der Revolution zu täuschen und so einzubinden. Doch schon nach wenigen Wochen ließ er die Maske fallen und etablierte seine Theokratie.

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Wolfgang Horn drückte sein Entsetzen über die pro-mohammedanistischen Vorstellungen Schnarres aus:

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Kaum zu glauben

Zum Artikel „Das ist Kulturrelativismus“ (2): Liberale Bürgerinnen und Bürger müssen Necla Kelek in ihrer Auseinandersetzung mit der Bundesjustizministerin Recht geben. Es ist verstörend und kaum zu glauben, dass eine ranghohe liberale Politikerin die Rückkehr der Religion in die Politik für richtig hält. Im liberalen Rechtsstaat haben die Grundrechte des Einzelnen Vorrang vor kollektiven Interessen von Religionsgemeinschaften. Die Trennung von Politik und Religion ist die Grundlage der Religionsfreiheit im liberalen Rechtsstaat. Eine Justizministerin, die dies vergisst, um den religiösen Ansprüchen islamischer Gemeinschaften auch gegen das einzelne Individuum rechtliche Geltung zu verschaffen, ist fehl am Platz.

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Willi Hermann Merten kam gegen Rohe gewendet auf die Tiefenwirkung von Ideologien bzw. Religionen zu sprechen.

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1949 noch nicht in Sicht

Zu „Das ist Rechtskulturrelativismus“ (3): Es klingt so schön, wenn Mathias Rohe schreibt: „Wer sich an das Recht hält, darf seine Religion und Kultur pflegen.“ Man unterschätzt die Tiefenwirkung des Glaubens auf Menschen und menschliche Gemeinschaften, wenn man ihn mit „religiösen oder kulturellen Wertvorstellungen“ gleichsetzt, die sich jeder Rechtslage auf Dauer einpassen könnten. Die Hoffnung auf eine „authentische muslimische Selbstauslegung im Rahmen der deutschen Verfassungsordnung“, die den Islam „säkularen europäischen Rechtsordnungen“ einfügen könnte, wird trügen. Das Christentum kann unter jeder Staatsform leben. Der Islam müsste sich von seinen Wurzeln lösen, um seinem politischen Führungsanspruch abzuschwören.

Staatliches Recht ist nicht voraussetzungslos, sondern eine Folge weltanschaulicher Denkvoraussetzungen. Bei der Entstehung unserer Verfassung im Jahre 1949 war der Islam nicht in Sicht. Der bei uns vorhandene „demokratisch-rechtsstaatliche Grundkonsens“ beruht auf christlichen Wurzeln, ohne die es keine Aufklärung gegeben hätte und die dem Islam fehlen.

Ein staatliches Recht, das so grundsätzlich anders geartete Lebensgrundlagen wie Christentum und Islam meint überbrücken zu können, etwa indem es die Prüfung von Grundlagen wie Bibel und Koran meint ausblenden zu dürfen und sich nur auf die Prüfung aktueller Verhaltensweisen von Mehrheiten beschränkt, leidet unter einer gefährlichen Selbstüberschätzung.

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Professor Dr. Ludger Kaup schließlich demontierte noch einmal Schnarres Text und brachte interessante Vergleiche zwischen Bibel und Kloran.

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Gemeinsames im islamischen Mainstream

Zum Beitrag von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger „Jeder Religion die gleiche Chance“ (4): Es ist erfreulich, eine Justizministerin zu haben, die sich im Islam so gut auskennt, dass sie Andersdenkende als „unbeschwert von Sachkenntnissen“ bezeichnen darf. Schade nur, dass ihre Bibelkenntnisse nicht das gleiche Niveau zeigen. Denn sonst wüsste sie, dass sich in der Bibel im Laufe der Jahrhunderte eine Entwicklung zum Humaneren manifestiert hat. Das Abrogationsprinzip ist einer Juristin sicherlich nicht unbekannt. Wenn sie schon keine christlich-jüdische Tradition des Abendlandes anerkennt, ist es umso weniger begründet, sich auf strengere Maßregeln in der Art eines mosaischen „Auge um Auge …“ zu berufen statt auf das spätere Neue Testament als die originär christliche Quelle, in der es heißt: „Liebet Eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen …“ (Mt 5,43-47); viele andere Stellen fände sie dort, die ihr Moseszitat ersetzen. Der Koran zeigt dagegen eine gegenläufige Entwicklung: Die anfängliche, in unseren Augen gemäßigtere mekkanische Phase wird in den anschließenden zehn medinensischen Jahren deutlich rigoroser.

Natürlich wäre es eine Verzerrung, allen Menschen mit muslimischem Hintergrund eine zum Fanatismus neigende übergroße Religiosität zu unterstellen. Aber dennoch lassen sich, allen Randerscheinungen zum Trotz, akzeptierte Gemeinsamkeiten im islamischen Mainstream ausmachen: Der Koran sei eine Verbalinspiration von Allah und entziehe sich damit jeder Veränderung. Daher darf er eigentlich nicht einmal übersetzt werden, so dass beispielsweise Türken ihn konsequenterweise auf Arabisch zu lernen haben, obwohl das für sie eine fremde Sprache bedeutet. Mohammed habe ein Leben ohne Sünde geführt, das damit vorbildlich für jeden „Gläubigen“ sei. Damit werden die zahllosen Hadithe (außerkoranisch überlieferte Äußerungen oder Lebensbeschreibungen von Mohammed) gerechtfertigt, die eine zentrale Rolle für die Scharia spielen; es gibt im Übrigen keine geschlossene Gesetzessammlung wie das Bürgerliche Gesetzbuch, die man einfach nachlesen könnte. Auf die alles entscheidende Frage, warum sich die Ansätze eines „Euroislam“ gegen den Mainstream durchsetzen sollten, geht Frau Ministerin gar nicht erst ein, schließlich haben die Träger wesentlicher Reformansätze ihre Heimatländer verlassen müssen und sind nach Europa oder Nordamerika ausgewandert. Vergleiche auch Patrick Bahners in der F.A.Z. vom 14. Februar: „Umso schwerer wiegt, dass nur eine winzige Minderheit der Rechtsgelehrten in den islamischen Ländern eine liberale Reform der Scharia bejaht.“

Wenn die Ministerin verlangt, unser Blick solle sich auf das Individuum richten und nicht auf eine Gruppe, so ist die Achtung vor dem Einzelnen eine unverzichtbare Errungenschaft unserer Kultur; aber darf man darüber die Prozesse der Gruppendynamik ignorieren? Wenn das schon für unsere eigene Gesellschaft gilt, wie viel mehr für Gruppen, die dem Dar al Islam (Haus des Islam) mit seinem ausgeprägten Gemeinschaftsbewusstsein entstammen? Gerade Kollektivphänomene sind es doch, die bei einem Teil der Muslime zu Problemen führen, was sich in Extremsituationen etwa in den Ehrenmorden zeigt. Auch die Salafiten oder Wahabiten lassen sich über Individualvorstellungen nicht verstehen.

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Time am 26. Februar 2011

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1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/16/panik-paddel/
2) http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/15/thema-der-reale-mohammedanismus/
3) http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/22/neues-von-der-quallenfarm/
4) http://www.faz.net/s/RubC4DEC11C008142959199A04A6FD8EC44/Doc~E33127543A626497C9A690AAD1690C890~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Rohes Geschichten

26. Februar 2011

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Time am 26. Februar 2011

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http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/22/neues-von-der-quallenfarm/

Territorialverhalten

25. Februar 2011

Leider kein Gesprächspartner:
Islamkritikkritiker markiert das unerlaubte Gebiet

Für einen seiner letzten und sehr lesenswerten Artikel ist mein Bloggerfreund Tangsir auch von seinen Stammlesern heftig kritisiert worden. Zu Recht, wie ich meine, hatte er uns doch mit einem Paddel-Pahners-Superposter geschockt (1). Lieber Tangsir, das hat mit Information und Aufklärung nicht das Geringste mehr zu tun, das ist reinster Splatter-Journalismus!

Paddel Pahners (2) war auch das Thema mehrerer Leserbriefe in der gestrigen FAZ. Da gab es z.B. einen Herrn Thomas Berger, der sich als Panik-Paddel-Groupie outete und ihn indirekt als „Wind der Aufklärung“ bezeichnete.

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Der Wind der Aufklärung

Zur Replik von Thilo Sarrazin auf Patrick Bahners (3): Man steht fassungslos vor dem Versuch Thilo Sarrazins, seine unter dem Deckmäntelchen der Islamkritik verborgene antiaufklärerische Volksverhetzung weißwaschen zu wollen. Hat nicht der maßgeblich von bürgerrechtlichen, demokratischen Forderungen und nicht vom Islamismus getragene Volksaufstand Arabiens ihn und die anderen sogenannten Islamkritiker restlos verstummen lassen? Natürlich kann und darf man den Islam kritisieren, genau so wie das Christentum und jede andere Religion oder weltanschauliche Doktrin. Sarrazin, Kelek, Hirsi Ali, Broder, Giordano und viele andere aber müssen sich sagen lassen, dass auch da der Ton die Musik macht. Deren populistische, grob diffamierende Pauschalurteile, mit denen sie dem europäischen Pöbel alle Muslime bis hin zu den aufgeklärteren und säkularisierten Aleviten zur totalitären Ausgrenzung und zum Entzug elementarer Grundrechte freigegeben haben, ist durch nichts zu entschuldigen.

Sarrazin und den anderen sogenannten Islamkritikern weht derselbe Wind der Aufklärung, der Bürger- und Menschenrechte hart ins Gesicht, der in Arabien schon Ben Ali und Mubarak hinweggefegt hat. Sie haben die zentralen kulturellen Werte Europas verraten.

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Ob das wirklich der Wind der Aufklärung oder Scharia ist, wird die Zeit zeigen. Für Herrn Berger aber haben die arabischen Aufstände die betreffenden Gesellschaften bereits in wesentlichem Maße in westlich-freiheitliche transformiert, was zeigt, dass er den Charakter unser Zivilisation gar nicht begriffen hat. Von Angriffen auf koptische Klöster (4) und ermordeten Geistlichen (5), von antijüdischen Massenkundgebungen hat er natürlich nichts gehört (6), hier ist in bekannter Manier der Wunsch Allavater des Gedankens.

Berger: „Natürlich kann und darf man den Islam kritisieren… ABER…“: Achten Sie bitte auf die „Ja-aber-Methode“ (7)!

Tja, und dann die Gleichsetzung der „sogenannten“ Islamkritiker (d.s.u.a. Ayaan Hirsi Ali, Henryk Broder, Ralph Giordano, Necla Kelek, Thilo Sarrazin, Alice Schwarzer und Peter Sloterdijk, die laut Berger den Islam nicht wirklich kritisieren, sondern nur „sogenannte“ Islamkritiker sind, da Kritik nach seinem Verständnis wohl immer positiv sein muss – zumindest, wenn es um den Mohammedanismus geht) mit mohammedanistischen Diktatoren, das ist schon ein erschütterndes Beispiel des Krankheitsbildes der verheerenden „Aufklärungsphobie“ (Tangsir) im Endstadium. Die Islamkritiker haben „die zentralen kulturellen Werte Europas verraten“ tönt Erzengel Berger, und werden „hinweggefegt“ werden. Kleiner ging es nicht, sachlich-argumentativer Gehalt: 0,00%. Oben ist unten und Nazislam ist Frieden. Ergo: Wir haben es eindeutig mit einem „Pinkelparolen-Pinkler“ zu tun (8), der in der FAZ sein Revier bzw. das seines Ork-Herren markieren will.

Ein weiterer Leserbrief war ebenfalls bemerkenswert… bescheuert. Fasten seatbelts, Dirk Jakobi is coming in:

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Thilo Sarrazin entlarvt sich selbst

Mein großes Lob für die Auseinandersetzung Ihres Feuilletons mit einigen Islamkritikern. Der Abdruck aus dem Buch von Patrick Bahners ist sowohl wohltuend als auch intellektuell ansprechend. Endlich einmal eine fundierte liberale Kritik einiger prominenter Islamkritiker. Dabei wird nämlich deutlich: Es spricht nichts gegen eine fundierte Kritik des Islam aus einer liberalen Grundhaltung. Bahners zeigt jedoch, dass den in den deutschen Medien erfolgreichen Islamkritikern genau das fehlt: eine liberale Grundhaltung und eine profunde Kenntnis des Islam.

Es ist auch zu begrüßen, gleich darauf Thilo Sarrazin die Möglichkeit zur Gegenattacke zu gewähren. Sowohl weil diese Form der Islamkritik in den Medien so erfolgreich ist, als auch, weil sie, wie ich finde, sich selbst entlarvt. So fabriziert Sarrazin genau das, was er Bahners zuschreibt: haltlose Unterstellungen. Sarrazin macht Bahners flugs zum fundamentalistischen Gegner der gleichen Rechte von Frauen. Und das nur, weil Bahners für das liberale Recht der Religionsfreiheit von Schulkindern eintritt, die sich auch im Tragen normaler Kopftücher äußern kann. Das ist offenbarend und erwächst offensichtlich einem Furor, den Sarrazin selbstverständlich nicht sich, sondern Bahners unterstellt.

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Wieder zunächst die „Ja-aber-Methode“, hier getarnt als „Ja-jedoch-Methode“. Und dann eine absurde Unterstellung, eine ungeheure Denkfaulheit und eine bezeichnende Konditionierung. Jakobi: „Sarrazin macht Bahners flugs zum fundamentalistischen Gegner der gleichen Rechte von Frauen.“

Was hatte Thilo geschrieben (s. 3)?

„Im Kampf gegen die Islamkritiker im Allgemeinen und die genannten Personen im Besonderen geraten Bahners die Probleme, welche die Islamkritik anspricht, weitgehend aus den Augen. Es geht ihm nicht um Frauenrechte, nicht um Transferbezug, nicht um Mängel in der Bildungsbeteiligung, nicht um das Heiratsverhalten, nicht um Erscheinungen der Gewalt, nicht um Parallelgesellschaften. Patrick Bahners geht es nur um ein Thema: nämlich darum, dass es aus seiner Sicht falsch und moralisch verwerflich ist, Muslime zur Assimilation an die europäische Kultur anzuhalten. (…)“

Exakt dies ist m.E. der Fall. Paddel interessiert sich nicht für die Lebenswirklichkeit der Orkfrauen. Denn er interessiert sich erstens mal gar nicht nicht für jene unter ihnen, die frei wie die Westlerinnen sein wollen, aber z.B. durch den Druck der Community daran gehindert werden. Er gibt zweitens zwar vor, sich für jene zu interessieren, die ihre Rolle, wie sie durch den Nazislam festgelegt wird, als gegeben hinnehmen. Aber er ist eben nur bei diesen, sofern sie diese (untergeordnete) Rolle akzeptieren. Dies erzwingt m.E. den Schluss, dass ihn im Grunde die Frauen als weibliche Individuen nicht interessieren bzw. dass sie ihn nur interessieren, solange sie (ihre Unterwerfung unter) die Ideologie repräsentieren und diese befördern. Bezeichnend ist es zudem, dass sich Pahners die Positionen zu eigen macht, die von besonders fanatischen Orks stammen, dabei gäbe es durchaus den einen oder anderen Reform-Ork. Thilo:

„Exemplarisch ist seine Behandlung der Kopftuchfrage: Wenn zwölfjährige Mädchen in der Schule kein Kopftuch tragen dürfen, so ist das für ihn vor allem und zunächst eine Verletzung der Religionsfreiheit. Es kommt ihm nicht in den Sinn zu fragen, inwieweit die Freiheitschancen der jungen Mädchen beeinträchtigt werden, wenn sie nicht einmal in der Schule aus den rigorosen islamischen Auffassungen zur Rolle und zum Verhältnis der Geschlechter entlassen werden und dies noch – an der weltlichen Schule geduldet – durch ihre Kleidung zum Ausdruck bringen müssen.

Unterschwellig wird bei Bahners sichtbar, dass ihm die schamhaft und rollengerecht verhüllte islamische Weiblichkeit viel sympathischer ist als das unverhüllte sexuell aufgeladene Chaos abendländischer säkularer Frauenemanzipation. Hier kommt eine heimliche Sehnsucht nach einer verbindlichen Weltordnung jenseits menschlicher Maßstäbe zur Geltung, die das Abendland einfach nicht mehr bieten kann.“

Klar, dass das für die Dimmis, die es gewohnt sind, in Pinkelparolen zu denken, zuviel Text ist, als dass sie es freiwillig lesen würden – geschweige denn zweimal. Aber es ist easy und evident, sofern man bereit ist, die Erkenntnis zuzulassen.

Denn die exklusive Präferenz Paddels für jene Orkfrauen, die den Nazislam in seiner autoritärsten oder ggf. sogar sklavistischen Form bereitwillig leben und nach außen repräsentieren, lässt nur den Schluss zu, dass ihm die Alternative, der Gegensatz, das „Chaos abendländischer säkularer Frauenemanzipation“, zutiefst zuwider ist. Für die Freiheiten dieser Frauen setzt er sich nicht ein, sie sind ihm kein Sterbenswörtchen wert. Pahners offenbart also in der Tat sein Verständnis von Frauen als Dingen, die nur dann gut sind, wenn sie „Religiösität“ (Unterwerfung unter den Nazislam) zeigen, die aber dann irrelevant sind, wenn sie Bürgerinnen sein wollen.

Dass Paddel ein spürbares Problem mit den freiheitsdurstigen und selbstbewussten westlichen Frauen hat, war übrigens auch schon Lesern dieses Blogs aufgefallen, hier Auryce: „Ein schmächtiger, unattraktiver Mann, der in seinem Leben nicht viel geleistet hat, sammelt seine Gedanken in einem Buch… Und was kommt heraus? Beschimpfungen und Diffamierungen, gerichtet gegen starke (Alice Schwarzer), mutige (Ayaan Hirsi Ali, Necla Kelek) und erfolgreiche (Kristina Schröder) Frauen… Mit der Hilfe eines Psychologen ließe sich da sicher einiges aufarbeiten, Herr Bahners!“ (9)

„Sarrazin macht Bahners flugs zum fundamentalistischen Gegner der gleichen Rechte von Frauen“, meint Jakobi. UNSINN, Paddel IST ein fundamentalistischer Gegner der Gleichberechtigung, WEIL sie ein Grundwiderspruch zum Nazislam ist, der wiederum für Paddel höher steht als sonst irgendwas. Dies geht aus seinem Text m.E. zweifellos hervor, und grade jemand, der sich so sicher fühlt wie der FAZ-Feuilletonchef, agiert vorzugsweise unverstellt aus seinem Innersten, welches im Fall Pahners nach Mekka ausgerichtet ist.

Jakobi: „Und das NUR, weil Bahners für das liberale Recht der Religionsfreiheit von Schulkindern eintritt, die sich auch im Tragen normaler Kopftücher äußern kann.“ Dieser Satz ist falsch. Richtig ist vielmehr, dass Paddel NUR für die Religionsfreiheit der Orks im Westen eintritt, nicht etwa für die der Christen in Orkländern. Falsch ist auch, dass Paddel für die Religionsfreiheit DER Orks im Westen eintritt. Er tritt vielmehr nur für diejenigen Orks ein, die ihrer Hassreligion besonders demonstrativ und offensiv Macht und Geltung verschaffen wollen. Diese Hassreligion KANN sich nicht nur im Tragen von Kopftüchern äußern, sie MUSS sich in der Verhüllung und Markierung der Frau äußern, wobei im Westen das Gesicht sichtbar bleiben darf, in einem Großteil der Orkstaaten aber nicht einmal das. Das Kopftuch ist, wie jeder Counterjihadi weiß und wie natürlich auch Jakobi und Panik-Paddel wissen, ein religiös-politisches Symbol und also alles andere als ein „normales“ Kopftuch, wie Jakobi dümmlich vom Stapel lässt.

Denken wir mal über „das Recht der Religionsfreiheit von Schulkindern“ nach. Wie alt mögen diese „sweet little schoolgirls“ sein, die laut Jakobi von dem bösen Wolf Thilo gehetzt werden? Nun, er nennt sie Kinder, und da sehen wir keine jungen Frauen im Abitur vor uns, sondern vielleicht 10-12-Jährige. Deren Recht auf Religionsfreiheit wollen Pahners und sein Kumpel Jakobi verteidigen. Aber wenn Kinder in diesem Alter eine Religion oder Ideologie derartig kompromisslos und demonstrativ leben, würde man doch normalerweise an Gehirnwäsche und Sekte denken, das Jugendamt verständigen und das Kind ggf. aus der Familie nehmen lassen. Ist eine Religion im Allgemeinen und diese im Besonderen etwas so Einfaches, Bedeutungsloses und Kleines, dass sich ein Kind ohne massive Indoktrination oder Zwang dazu entscheiden oder es überhaupt auch nur ansatzweise begreifen könnte?

Natürlich nicht, aber hier wird einmal mehr eine Grundthese der Orks und ihrer Speichellecker deutlich, und die lautet, dass man als Mohammedanist geboren wird, was keinesfalls hinterfragt werden darf und für das ganze Leben gilt. Bei unserem Haus-Dimmie Rai liest sich das so (10): „… nur weil sie die ‚falsche’ Religionszugehörigkeit haben!“ Als ob die Religionszugehörigkeit ein unabänderliches Schicksal wäre und die Inhalte der Religion völlig egal.

Diese Religion wird also vorwiegend nicht in einem geistigen Prozess erarbeitet und angenommen, sie ist angeboren – eine Art Religionsrassismus. Konversion zu ihr ist möglich, das Recht sie zu verlassen ist Paddel and  Friends jedoch ebenfalls keine Zeile wert.

Sie nennen sich „liberal“, „aufklärerisch“ und „profunde Kenner“ des Mohammedanismus, aber ihre Parolen sind reines Territorialverhalten. Dies hatte auch Dr. Rainer Schimpf in der gestrigen FAZ festgestellt.
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Warum so plakativ, so aggressiv?

Die unglaubliche Hybris, mit der Patrick Bahners im Vorabdruck aus seinem Buch „Die Panikmacher“ die Islamkritiker angeht, ist erschreckend. Ein Artikel mit solcher Wucht ist mir als langjährigem Abonnenten Ihrer Zeitung (fünfzehn Jahre) noch nie aufgestoßen. Warum muss dieser Artikel auch noch mit solch einer plakativen und aggressiven Überschrift mit riesigen schwarzen Buchstaben, die fast eine halbe Seite in „Bild“-Größe einnehmen, veröffentlicht werden? Ich kann mich nicht erinnern, jemals in Ihrem Feuilleton einen Artikel mit einem so martialischen Auftritt gesehen und gelesen zu haben. Ganz offensichtlich will der Autor (und die Redaktion?) unmissverständlich und hart klarmachen, was der Leser von diesen Menschen inmitten unserer Gesellschaft zu halten hat und dass deren Meinungen nicht erwünscht sind. Die Tatsache, dass Sie Ihren Kritikern wie Thilo Sarrazin in Ihrer Zeitung Raum geben, rechtfertigt und entschärft die Präsentation meines Erachtens nicht.

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Die Islamkritiker, die ein wesentlicher Teil des Counterjihad sind, kritisieren den Mohammedanismus. Sie lesen die mohammedanistischen Texte und kritisieren sie, weil sie sie als gegen unsere Gesellschaft gerichtet deuten. Die Kritiker der Islamkritiker lesen weder die mohammedanistischen Texte noch die der Islamkritiker. Sie kritisieren (was eine freundliche Umschreibung für geifernden Rufmord ist) die Islamkritiker, weil diese den Mohammedanismus kritisieren.

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Time am 25. Januar 2011

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1) http://tangsir2569.wordpress.com/2011/02/23/neue-epidemie-breitet-sich-aus-aufklarungsphobie/
2) http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/16/panik-paddel/
3) http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/19/thilo-vs-panik-paddel/
4) http://www.pi-news.net/2011/02/angriffe-auf-koptische-kloster/
5) http://www.pi-news.net/2011/02/koptischer-priester-erstochen-aufgefunden/
6) http://aro1.com/forderungen-nach-vernichtung-israels-auf-dem-tachrir-platz/
7) http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/12/sie-haben-keine-chance/
8- http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/18/pinkelparolen/
9) http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/19/thilo-vs-panik-paddel/#comment-1129
10) http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/19/thilo-vs-panik-paddel/#comment-1116

The Green Wave

23. Februar 2011

„The Green Wave“ ist ein m.E. inhaltlich wie stilistisch hochinteressanter Film des aserbaidschanisch-iranischen Filmemachers Ali Samadi Ahadi (1), der als 13-jähriger allein vor dem Mulla-Regime floh und seitdem in Deutschland lebt. Sein Film erinnert an die Proteste gegen die Wahlfälschung des Regimes im Sommer 2009 im Iran.

Verena Lueken berichtete in der heutigen FAZ. Links zu YouTube-Clips finden Sie unten.

Zum Untertitel „Das Web hat eine Bestimmung: Freiheit!“ erlaube ich mir anzumerken: „Die Welt hat eine Bestimmung: Freiheit!“.

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Der kurze Sommer der Hoffnung in Iran

Erschütternd: Die Dokumentarmontage „The Green Wave“
von Ali Samadi Ahadi

Iran, im Sommer 2009. Ein Regimewechsel steht an, so scheint es, Millionen gehen für Mir Hussein Mussawi auf die Straße, sie jubeln ihm zu, sie wählen ihn. Und werden um ihre Stimme betrogen.

Heute wissen wir nicht genau, was in Iran eigentlich vor sich geht. Wie es auf den Straßen tatsächlich aussieht. Wie viele Menschen protestieren, wie viele verletzt werden, wie viele sterben, wie viele verhaftet sind oder verschwinden. Vor eineinhalb Jahren aber, als zum ersten Mal die Bevölkerung gegen Ahmadineschad auf die Straße ging, in der Hoffnung und Überzeugung, einfach durch Ausübung ihres Wahlrechts einen Regierungswechsel herbeiführen zu können, war das noch anders. Wir hatten Fernsehbilder der Großdemonstrationen vor der Wahl, während der Wahl und danach, vor allem aber wurden Bilder und Filme von Teilnehmern öffentlich, die mit kleinen Digitalkameras oder Mobiltelefonen aufgenommen worden waren. Es gab Blogs, in denen wir von der grausigen Brutalität lesen konnten, mit denen die Revolution niedergeschlagen wurde, Tweets und Facebook-Einträge, über die sich aktuelle Nachrichten verbreiteten. Zumindest was das Herausschmuggeln von Bildern angeht, ist das heute deutlich schwieriger geworden.

Der Filmemacher Ali Samadi Ahadi, 1972 in Täbris geboren und 1985 ohne seine Familie nach Deutschland gekommen, hat diese inoffiziellen Bilder und Berichte zur Grundlage seines Films „The Green Wave“ gemacht. Dazu hat er Iraner befragt, die im Augenblick nicht in Iran leben: Shrin Ebadi, die Juristin und Nobelpreisträgerin; Payam Akhavan, den ehemaligen UN-Ankläger, juristischen Berater am Internationalen Gerichtshof und Mitgründer des Iran Human Rights Documentation Center; den schiitischen Geistlichen Mohsen Kadivar; den Blogger Mehdi Mohseni und die Journalistin Mitra Khalatbari, die beide in der Protestbewegung aktiv waren und nach deren Niederschlagung ins Exil gingen. Sie alle haben von mehr Demokratie in Iran geträumt, und sie haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sie irgendwann Wirklichkeit werden wird. Akhavan etwa sagt, alle Greueltaten regierungstreuer Schlägertruppen mit oder ohne Uniform würden in seinem Zentrum dokumentiert und mit den Namen der Verantwortlichen versehen: „Der Tag wird kommen, an dem sie sich verteidigen müssen.“

Vom Sommer 2009, als die Straßen Teherans in der Farbe Grün erstrahlten und der Regimewechsel zum Greifen nahe schien und als diese Hoffnung eine Energie als Vorschein der Freiheit freisetzte, die sich dann doch nicht durchsetzte – davon erzählt „The Green Wave“. Und zwar schneidet Ahadi die Interviewpassagen zwischen dokumentarisches Material und montiert diese Elemente in eine als Motion-Comic gestaltete fiktive Geschichte zweier Studenten, Azadeh (Pegah Ferydoni) und Kaveh Navid Akhavan). Diese beiden Erzähler sind Konstrukte aus den Bloggereinträgen und Tweets, die über die Bilder gesprochen werden. Der junge Mann sieht ein bisschen so aus wie der Filmemacher (der nicht nach Iran einreisen darf), die junge Frau trägt einen locker geschwungenen Schal um den Kopf und scheint furchtloser zu sein als er. Sie ist Wahlhelferin beim Präsidentschaftskandidaten Mussawi, der zur Symbolfigur der „grünen Bewegung“ wurde, und sie taucht auch als Ärztin oder Schwester in einem Krankenhaus wieder auf, in dem bei den Straßenkämpfen Verwundete verbotenerweise behandelt werden. „Sieben Menschen sind uns heute gestorben“, heißt es einmal, während sie sich das Blut von den Händen wäscht, „und die Toten werden vom Geheimdienst weggeschleift, bevor wir die Personalien aufnehmen können.“ Auch dies sind Zeilen aus einem Blogeintrag.

Diese Art des Erzählens erinnert nicht nur von fern an „Waltz With Bashir“, den vermutlich ersten animierten Dokumentarfilm, den Ari Folman 2008 in Cannes vorstellte. Die Animation Ahadis ist zwar weit weniger elaboriert, aber die Wirkung ist wie damals verblüffend – dass wir nämlich den Dokumentarcharakter des Films sofort akzeptieren, obwohl wir es doch offensichtlich gar nicht mit Dokumenten, sondern mit in Bewegung gesetzten gezeichneten Bildern und mit persönlichen Berichten zu tun haben.

Einige Szenen sind schwer auszuhalten. Da sind regimetreue Schläger auf Motorrädern, die in die Menge rasen, während der Beifahrer seine Hand mit einem Messer ausstreckt und jeden verletzt, der in der Fahrlinie ist. Oder ein kleiner Junge, der in einer Gasse steht und von Zivilbeamten totgeprügelt wird. Szenen im Gefängnis, über die sich die Erzählung eines Häftlings legt, der von der Überfüllung spricht und davon, wie Menschen in diesem vollgepfropften Raum sterben. Von Vergewaltigungen von Männern und Frauen, von Müttern, die auf den Friedhöfen ihre toten Kinder beklagen.

Die „grüne Revolution“, der hier ein Denkmal gesetzt wird, war zwar nicht erfolgreich. Die Bewegung aber ist nicht tot. Hoffentlich tauchen irgendwann wieder mehr Video- oder Handyfilme auf, die uns davon berichten, was heute auf Teherans Straßen vor sich geht.

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Time am 23. Februar 2011

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1) http://de.wikipedia.org/wiki/Ali_Samadi_Ahadi

weitere Links:
http://www.youtube.com/watch?v=vOlz9KZX4JU
http://www.youtube.com/watch?feature=iv&v=QptUELNc1Ls&annotation_id=annotation_741064
http://www.youtube.com/watch?v=5q9uG6Ypx_0&feature=channel
http://www.youtube.com/watch?v=jB_XtLJGnro&feature=channel
- http://www.kino.de/kinofilm/the-green-wave/128413.html

Neues von der Quallenfarm

22. Februar 2011

Der Kongress tanzt die Scharia.

In der heutigen FAZ erhielt Mathias („mit einem t“) Rohe (im Bild oben links) die Gelegenheit, an Necla Keleks Argumenten (1) vorbei in beleidigendem Ton über sie und die Islamkritik herzuziehen sowie eher unfreiwillig seine schariafreundliche Position darzulegen. Lesen Sie seinen Aufsatz mit Anmerkungen meinerseits.

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Das ist Rechtskulturrelativismus

Geheimkommando Scharia-Import? Die  Legende vom  heimlichen Umbau des  Rechtssystems gehört zu den Erfindungen der  Islamkritik. Antwort auf Necla Kelek. Unvereinbarkeit von  demokratischem  Rechtsstaat und Islam? So  wollen es die Extremisten.

Allein im Land Berlin hat es in den letzten Monaten zehn Brandanschläge auf Moscheen gegeben. Eine junge kopftuchtragende Frau ist von einem Islamhasser (1. Verwendung der Vokabel, T.) brutal ermordet worden. In einer repräsentativen Umfrage hat sich eine Mehrheit der Befragten für eine spürbare Beschränkung religiöser Rechte von Muslimen ausgesprochen. Vor diesem Hintergrund hat die Bundesministerin der Justiz das Thema Islam und Recht zum Gegenstand ihres Neujahrsempfangs gewählt.

(Hier erklärt Rohe die Wahnsinnstaten zweier psychisch schwer gestörter Einzeltäter (2) zu einer allgemeinen Tendenz in Deutschland. Er wird sie in der Folge in direkten Bezug zur Islamkritik bzw. Frau Kelek setzen. T.)

Sie hat dabei die Einhaltung rechtsstaatlicher Grundsätze auch bei hoch emotionsgeladenen Gegenständen angemahnt. Necla Kelek scheint das so sehr zu missfallen (Nein, das nicht, sondern die totale Ahnungslosigkeit der Ministerin in Bezug auf mohammedanistisches Recht („Scharia“) bei gleichzeitiger Herabsetzung der Leute, die sich tatsächlich damit auseinandersetzen missfällt Frau Kelek. T.), dass sie am liebsten den Rücktritt der Ministerin sähe. So ist ihr Artikel „Das ist Kulturrelativismus“ zu verstehen, der am 15. Februar in diesem Feuilleton erschienen ist (Er ist bestenfalls s.E. so zu verstehen. T.). Noch schlimmer in Frau Keleks Augen: Die Ministerin hatte mich als einen Juristen und Islamwissenschaftler, der sich seit vielen Jahren mit diesem Thema befasst, um einen Vortrag gebeten.

(Was Frau Kelek an Herrn Rohe schlimm findet, verschweigt er. Sie wirft ihm vor, rechtspolitischer Mentor des ZMD sowie der mutmaßlich verfassungsfeindlichen „Milli Görüs“ (IGMG) zu sein. Frau Kelek: „Er war es, der als Mitglied der entsprechenden Arbeitsgruppe der ersten Islamkonferenz mit dafür gesorgt hat, dass – gegen den Widerstand der säkularen Muslime – empfohlen wurde, das Kopftuch bei Kindern ‚als religiöse Vorschrift’ zu akzeptieren und an Schulen zu dulden.“ T.)

Die einleitende Kernpassage meiner Rede – im Internet nachlesbar – lautet so: „Dieses Land braucht kulturelle Vielfalt, es schätzt sie. Aber das Recht als solches ist nicht multikulturell in dem Sinne, dass wir einen rechtlichen Pluralismus hätten. Nein – es ist die Rechts- und Verfassungsordnung dieses Landes, die freiheitlich demokratische Grundordnung, die alleine den Maßstab abzugeben hat. Das heißt aber gerade nicht Uniformität in allen Bereichen des Rechts. Es gibt einen weitreichenden Schutz der Religionsfreiheit. Religion wird nach der Konzeption unserer Verfassung als prinzipiell positive mögliche Ressource angesehen. Das beschränkt sich nicht nur auf die Mehrheitsreligion. Und deswegen muss es auch für Muslime möglich sein in diesem Land, ihre Religion zu leben, im Rahmen des geltenden Rechts.“

(Das ist nicht das Problem, das die Islamkritik hat. Sie will, dass auch in sehr unbedeutenden Fällen nicht im Namen der Scharia Recht gesprochen wird, weil sie die Beobachtung gemacht hat, dass der Charakter des Mohammedanismus unbedingt expansiv ist, dass also unbedeutenden bedeutendere, schließlich wichtige und letztlich alle Fälle folgen werden. Sie fragt weiterhin, warum eine Religion über den persönlichen Glauben und das Kultzentrum hinaus den Anspruch erhebt, Wirklichkeit zu gestalten, zunächst Recht zu sprechen, später dann vielleicht auch Kriege zu erklären. Im Westen ist die Trennung von Staat und Kirche eine zentrale Grundlage der Gesellschaftsordnung. Eine Religionsgemeinschaft, die beansprucht, dass im Namen ihrer Religion Recht gesprochen wird, hebt diese Trennung zweifelsfrei auf und demontiert somit unsere Grundlagen. T.)

Das sollte so klar formuliert sein, dass auch Frau Kelek es verstehen kann.

(Sein primitives Gepöbel fällt auf ihn selbst zurück. T.)

Gleichwohl behauptet sie, ich („Ich, ich, ich“. T.) versuchte, „islamische Rechtsauffassungen über die Hintertür des Methodenstreits in unser Recht zu implantieren“, vielleicht als Epigonin einer Alice Schwarzer, die seit Jahren ebenso beharrlich wie faktenresistent einen Feldzug gegen mich führt. Welcher Methodenstreit? Nochmals: Hier gilt deutsches Recht, und deutsches Recht alleine bestimmt, ob und in welchem Umfang religiöse oder fremde rechtliche Normen im Inland zur Anwendung kommen können.

(Rohes Analyse, dass bei uns deutsches Recht gilt, ist richtig. Aber Keleks Vorwurf, er versuche mohammedanistisches Recht zu implantieren, ist es ebenso, wenn er die Auffassung vertritt, es solle auch nur im allerkleinsten Fall im Namen der Scharia geurteilt werden. T.)

Ist Frau Kelek aufgefallen, dass ich im nämlichen Festvortrag dafür plädiert habe, die Fälle der Anwendung ausländischen Rechts (und damit auch islamisch geprägter Vorschriften) dadurch substantiell zu reduzieren, dass wir künftig Familien- und Erbrecht nicht mehr an die Staatsangehörigkeit, sondern an den verfestigten (inländischen) Aufenthalt der Betroffenen knüpfen sollten?

(Die Anwendung ausländischen Rechts sollte m.E. nicht verringert sondern abgeschafft werden. T.)

Und wo liegt das Problem, wenn etwa eine Iranerin von einem deutschen Gericht 600 Goldstücke zugesprochen erhält, die ihr nach ihrem Ehevertrag zustehen? Hier, vor allem aber im Iran wird sie das Geld gut gebrauchen können.

(Methode „der nette Türke von nebenan“: Darum geht es nicht. Es geht um die Hoheit säkularer Prinzipien. T.)

Natürlich darf in Frau Keleks Ausführungen der Hinweis auf die Steinigung nach Scharia-Recht nicht fehlen. Es ist schlimm genug, dass solche furchtbaren Menschenrechtsverletzungen noch in unseren Tagen in manchen – nicht allen! – vom islamischen Recht geprägten Staaten erfolgen.

(Es ist nicht absonderlich, die Steinigung als Vollendung der Scharia zu erwähnen, denn auch wenn sie in einigen Staaten noch nicht angewendet wird, so ist die Tendenz der meisten Staaten zu mehr Mohammedanismus doch eindeutig (3), und dies bedeutet mehr Scharia in ihrer reinsten Form (4).)

Wer sie hierzulande befürwortet, stellt sich selbstverständlich außerhalb der Verfassung. Aber wer tut das? Unter Muslimen in Deutschland bin ich auf eine einzige Äußerung eines früheren Berliner Imams gestoßen, die ich schnellstens publiziert habe – vielleicht ein kleiner Beitrag dazu, dass dem Betreffenden nun die Wiedereinreise verweigert worden ist. Frau Keleks Argumentation verläuft entlang des unredlichen Argumentationsmusters: „Wenn heute gebetet werden darf, wird morgen gesteinigt“.

(Auch dies ist keine absonderliche Vorstellung, denn der Mohammedanismus wurde vor 1.400 Jahren von einem analphabethischen Penner in einem arabischen P*sskaff gegründet (5) aber beherrscht dieser Tage 1,5 Mrd. Menschen zu ihrem Schaden. Auch ist es klar, dass sich natürlich keiner von ihren feigen Mullas traut, hier Steinigungen zu fordern, was in Frankreich, Holland und England schon ganz anders aussieht. T.)

Die Arbeitsgruppe Verfassungsfragen der ersten Deutschen Islamkonferenz ist – wenig überraschend – übereingekommen, ihre Empfehlungen alleine auf der Grundlage des geltenden deutschen Rechts zu entwickeln. Von dem von Frau Kelek behaupteten „Widerstand der säkularen Muslime“ war wenig zu erkennen. Auch wenn einzelne Teilnehmer sich zum Beispiel gegen das Tagen von Kopftüchern in der Schule gewandt haben, so hat doch niemand in Frage gestellt, dass wir uns am geltenden Recht auszurichten haben, und genau das ist geschehen.

(Das wäre ja auch noch schöner… Dass man es tat, ist aber im Fall des Dr. Rohe nicht gleichbedeutend mit der Aussage, man wolle dies immer tun, denn ihm und Schnarre geht es doch grade um die Idee, bei den Orks mehr Akzeptanz für unser Recht zu erlangen, indem erlaubt wird, es in Teilen auszusetzen und der Scharia den Vorrang zu geben. T.)

„Kulturrelativismus“ ist das entscheidende Stichwort für Frau Keleks Vorwürfe. Aber welche Kultur wird da relativiert? Mit gutem Grund unterscheidet das Recht Sphären der Durchsetzung notwendig einheitlicher Regeln und Verhaltensmaßstäbe von solchen, in denen Vielfalt zulässig, ja vielleicht erwünscht ist. Das gilt auch für das Religionsverfassungsrecht. Der deutsche, säkular-religionsoffene Staat trennt Religion von der Ausübung staatlicher Macht, belässt jedoch den Religionen und Weltanschauungen breiten Raum in der Öffentlichkeit und kooperiert in vielfältiger Weise mit ihnen, vom Religionsunterricht in öffentlichen Schulen über Seelsorge in Militär und Justizvollzugsanstalten bis hin zur Partizipation in Rundfunkbeiräten.

(Es ist richtig, dass die christlichen Kirchen in hohem Maße an der Gestaltung und dem Funktionieren unser Gesellschaft mitwirken. Sie fordern aber keine juristischen Befugnisse. So ist eine Hochzeit in der Kirche kein juristisch-hoheitlicher Akt, sondern ein „Gottesdienst aus Anlass einer Eheschließung“, und viele Pastoren verweigern daher das Zeremoniell des Ringtausches im Rahmen dieses Gottesdienstes. Pastoren haben noch das Recht, Kopien zu beglaubigen, und das war’s dann. Rohe aber will viel, viel mehr für den Mohammedanismus, Schritt für Schritt. T.)

Staatliche Neutralität und Gleichbehandlung der Religionen und Weltanschauungen sind zentrale Merkmale des Religionsverfassungsrechts. Die Rechtsprechung hat diese Grundsätze in einer Fülle von Entscheidungen umgesetzt und dabei deutlich gemacht, dass auch Muslime dieselben Rechte genießen und denselben Pflichten unterliegen wie alle anderen Bürger und Bewohner dieses Landes. Unerlässliche Handlungsgrundlage ist dabei die Einhaltung des geltenden (Er ist ja mit großem Engagement dabei, ein ANDERES geltendes Recht zu verwirklichen. T.) Rechts. Maßstab dafür ist nicht die abstrakte Prüfung religiöser Texte wie Koran oder Bibel, sondern dasjenige, was die Gläubigen in ihrem konkreten Reden und Tun daraus ableiten. Es wäre geradezu verantwortungslos, wenn wir Menschen, die sich rechtstreu verhalten, aber auch an ihren religiösen oder kulturellen Vorstellungen festhalten möchten, aus dem demokratisch-rechtsstaatlichen Grundkonsens hinausdefinieren würden.

(Erst redet er für die Einhaltung des geltenden Rechts, dann dagegen, dass Menschen, die an ihren religiösen Geboten festhalten wollen, „aus dem demokratisch-rechtsstaatlichen Grundkonsens hinausdefiniert werden“, was eben zwingend nur bedeuten kann, das GELTENDE Recht so zu gestalten, dass dies nicht geschieht: Ein eindeutiges Plädoyer für die Änderung unseres Rechts in Richtung Scharia. T.)

Und wer sich an das Recht hält, darf seine Religion und Kultur pflegen.

(Dagegen hat niemals irgendwer was gesagt. Aber was ist z.B. mit dem massenhaften Schächten von Tieren in der Türkei und neuerdings auch in europäischen Städten (6)? Das halten sie für ihre religiöse Pflicht (s. „halal“), dass muss also genehmigt werden. Was ist mit den Massengebeten, die ganze Stadtviertel lahmlegen. Was ist mit der Verstümmelung weiblicher und auch männlicher Sexualorgane? Der Prophet selbst steinigte, das halten sie… T.).

Der Fortbestand der kulturellen Prägungen unseres Landes kann nicht primär durch das Recht gesichert werden, sondern nur durch aktive Beteiligung und Weitergabe an künftige Generationen. Dass der Umgang mit religiöser und kultureller Vielfalt Reibungsflächen bietet, ist keine neue Erfahrung. Meine Heimatstadt Erlangen ist heute zu Recht stolz auf ihre hugenottische Tradition. Die Einwanderung der Hugenotten wurde allerdings seinerzeit von erheblichem Misstrauen begleitet Stichworte: merkwürdiger Kult, nämlich reformiert statt lutherisch, unverständliche – französische – Sprache, eigenartige Essgewohnheiten, Wegnahme der Arbeitsplätze. Wir tun heute gut daran, uns an den Gemeinsamkeiten zu orientieren, statt Unterschiede von vornherein ohne sachlichen Grund negativ zu belegen.

(Mir ist nichts von Massenschlächtereien im Namen der Hugenotten bekannt. Der Leichenberg des Mohammedanismus ist 270 Millionen Tote hoch, täglich kommen mindestens 100 weitere dazu, die Orks behandeln ihre Frauen wie Sklaven, und die Länder der Orks sind Dreckshaufen. DAS ist das Problem, nicht ihre Essgewohnheiten. T.)

Einem ungewöhnlich breiten Spektrum der deutschen Bundes- und Landespolitik ist es zu verdanken, dass religiösen Muslimen in unserem Land der vom Recht definierte Weg in die Klassenzimmer und Universitäten gebahnt wird, mit mancherlei Problemen im Detail, aber einigem Anlass zum Optimismus. In diesen Tagen hat sich das in Äußerungen des Bundesministers des Inneren wie auch von Vertretern vieler Bundesländer bei einer Tagung der zweiten Deutschen Islamkonferenz in Nürnberg gezeigt. Der Weg zur Etablierung islamischen Religionsunterrichts für die weit mehr als 700.000 Schülerinnen und Schüler und zur Einrichtung einer islamischen Theologieist beschritten.

(„Der Weg zur Einrichtung einer islamischen Theologie ist beschritten“, meint Rohe absolut vermessen, als ob es nicht seit 1.400 Jaheren mohammedanistische Theologie gäbe. T.)

Gerade hier ist die weitere Entwicklung einer authentischen muslimischen Selbstauslegung im Rahmen der deutschen Verfassungsordnung zu erhoffen und zu erwarten. Es geht um das notwendige intellektuelle Gerüst für die übergroße Mehrheit von Musliminnen und Muslimen in unserem Land, die faktisch längst „angekommen“ sind, die aber auch Antworten von „innen“ benötigen, die sie dazu befähigen, zu diesem Staat und seiner Rechtsordnung auch überzeugt ja zu sagen. Es gibt extremistische Propaganda in die gegenteilige Richtung.

(Nein, es gibt vor allem die absolut berechtigte Angst, die Kontrolle über ein staatsfeindliches Geschehen zu verlieren, welches gleichwohl auch noch vom deutschen Bürger finanziert werden soll. T.)

Umso wichtiger ist es für unsere Gesellschaft insgesamt, dass die verständigungs- und integrationsbereite Mehrheit ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft erhält.

Wenn uns allerdings Frau Kelek in einer im Rhein-Main-Teil dieser Zeitung am 18. Januar abgedruckten Rede die Ergebnisse der recht brutal betriebenen Zwangsassimilation der Polen im Kaiserreich als gelungenes Integrationsbeispiel anpreist, kann einem angesichts solcher Naivität nur Angst und bange werden. Jedenfalls tut sie gut daran, erklärtermaßen darauf zu verzichten, der Bundesministerin der Justiz „rechtspolitischen Nachhilfeunterricht“ zu erteilen.

(Sein primitives Gepöbel fällt auf ihn selbst zurück. T.)

Ich möchte beharrlich daran weiterarbeiten, mit wissenschaftlichen Methoden die muslimische Präsenz im Rahmen säkularer europäischer Rechtsordnungen zu erforschen.

(Unsinn, von wegen „Wissenschaftler“, Rohe ist ein Politiker, ein Politiker für die Orks, ein Ork-Agent. T.!)

Wenn Frau Kelek mir und anderen vorwirft, sich dabei am geltenden Recht zu halten (Wo hat sie ihm denn nur DAS vorgeworfen? Jetzt geht’s aber mit ihm durch, der Afghane ist einfach zu hart für ihn, er sollte nur noch den Marokkaner rauchen. T.), dann darf der Jurist und Staatsbürger dies als Kompliment nehmen. Und wenn sie meint, mich dabei als „rechtspolitischen Mentor von ZMD und Milli Görüs“ bezeichnen zu müssen, dann wäre ihre eigene passende Einordnung wohl die einer Hofnärrin am Hofe der Islamhasser (2. Verwendung des Wortes. Die infame Beleidigung Keleks kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass er ihrer Anschuldigung, er sei ein Mentor von Milli Görüs, nichts entgegenzusetzen hat. T.). Ich wäre ihr verbunden, wenn sie ihre Einschätzung den Betreibern muslimischer Websites mitteilte, auf denen ich wegen kritischer Anmerkungen immer wieder einmal als erklärter Feind des Islam gebrandmarkt werde. (In Bezug auf diese Behauptung hätte ich gerne mal ein paar Links. T.).

Nicht jeder, der meint, die deutsche Staatsordnung gegen den Islam verteidigen zu sollen, hat offenbar auch verstanden, was er oder sie tatsächlich verteidigt. Die Grundlagen des deutschen Verfassungsrechts, darunter auch Reichweite und Grenzen der Religionsfreiheit, müssen sicherlich immer wieder neu erklärt und verstanden werden – in der gesamten Gesellschaft. Insofern fügt sich Frau Keleks Stellungnahme in die gegenwärtige, teils vehement geschürte Angstdebatte über den Islam. Wer wollte die Gefährlichkeit des islamisch begründeten Extremismus leugnen?

(Nein, die genannten Islamkritiker haben einen anderen Ansatz. Sie analysieren den Mohammedanismus als totalitäre Philosophie und die Jihadisten als dessen Avantgarde. T.)

Mit gutem Grund sind die zuständigen Behörden, aber auch die Wissenschaft wachsam. Der deutsche Rechtsstaat wurde nicht von ungefähr als „wehrhafte Demokratie“ ausgestaltet. Aber (Achtung: die „Ja-aber-Methode… ; s. 7) auch hier gilt, dass sich die Definition der Positionen, die als bedrohlich und verfassungsfeindlich zu gelten haben, an den Maßstäben des Rechts orientieren muss und nicht an persönlichen Vorlieben oder Abneigungen. Was Frau Kelek und ihr ideologisches Umfeld betreiben ist nichts anderes als Rechtskulturrelativismus. Um es ganz deutlich zu sagen: Wer das Geschäft des islamischen Extremismus fördern will, der auf Unvereinbarkeit von demokratischem Rechtsstaat und Islam pocht, muss es so anfangen.

(Alles klar: Counterjihad = Jihad, oben = unten, Nazislam = Frieden. T.)

Wie aber gehen wir damit um, dass in vielen Teilen der islamisch geprägten Welt trotz einer Tradition der Toleranz (nicht: Gleichberechtigung) religiöse Minderheiten unterdrückt werden und dass dort oft noch brutale patriarchalische Lebensverhältnisse herrschen? Die Antwort des Rechtsstaats lautet: Nicht dadurch, dass man Menschen, die hierfür keine Verantwortung tragen, in Sippenhaft nimmt. Nicht dadurch, dass man sich die Maßstäbe von Diktaturen zu eigen macht. Sondern dadurch, dass man sich eine gemeinsame, für alle verbindliche Hausordnung gibt, die sich auf die Pfeiler Demokratie und Menschenrechte stützt. Wer diese Hausordnung respektiert, darf sich einrichten, wie er mag. Nur wer das Recht im eigenen Haus auch für Minderheiten anmahnt, kann glaubwürdig Missstände bei anderen kritisieren, wie unser Bundespräsident Wulff in Ankara.

(Es geht hier doch niemandem, nicht mal den Orks, um die Frage, ob „geltendes“ Recht beachtet werden muss. Dass es beachtet werden muss – und es könnte auch das Faustrecht gelten – ist jedem klar. Die Frage ist, welches Recht gilt, wie sieht denn die Hausordnung aus? Ist es eine mit Scharia oder eine säkulare? T.)

Die Aufklärerinnen und Aufklärer, die unsere Verfassung vor rechtstreuen Muslimen retten wollen, sollten ein wenig über den aufklärerischen Grundsatz meditieren, dass auch das Recht des anderen auf eine abweichende Meinung verteidigenswert ist, solange dieser andere sich friedlich artikuliert. Säkularistischer Tugendterror ist keine wünschenswerte Alternative zur Religionsdiktatur – und schon gar nicht zum säkularen demokratischen Rechtsstaat.

(Es geht nicht um „Tugend“. Es gibt auch keinen Terror außer dem globalen, welcher im Namen des Mohammedanismus ausgeübt wird. Und abweichende Meinungen gibt es in seiner Sphäre auch nur unter Lebensgefahr. Gegen diese Gesellschaftsform stellt sich die Islamkritik. Und gegen mutmaßlich bezahlte Agenten vom Schlage Rohes, denen ihre Mitbürger egal sind, wenn es nur ihnen persönlich gut geht. Darum geht es. T.)

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Time am 22. Februar 2011

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1) http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E5428DF971697476480FFF198F2BF37F9~ATpl~Ecommon~Scontent.html
2) http://www.pi-news.net/2011/01/moschee-brandstifter-beim-nervenarzt-linke-still/
3) http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/20/festung-fur-den-fortschritt/
4) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/22/hadithe-7-strafrecht/
5) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/23/hadithe-3-aint-no-fun-waitin-round-to-be-a-millionaire/
6) http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/10/26/mah-lammchen-mah/
7) http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/12/sie-haben-keine-chance/

Hunger

21. Februar 2011

Hurghada, Ägypten

Hunger bedeutet nicht nur Hungersnot mit vielen Toten. Hunger bedeutet vor allem massenhafte Unterernährung über lange Zeiträume, bedeutet also massenhafte Geburt von Kindern, deren Hirne durch den Mangel unterentwickelt sind, die anfälliger für Krankheiten sind, und die eine kürzere Lebensdauer haben.

Dies als sich selbst regelndes Problem zu sehen (Stichwort „Youth bulge“) halte ich für falsch, denn das rasante Anwachsen der Bevölkerung grade in unterentwickelten Ländern wird nicht dadurch ausgeglichen werden, dass dort alle verhungern oder sich umbringen. Ich könnte mir denken, dass die Entwicklung im Gegenteil immer unmäßiger verlaufen könnte.

Je primitiver die Menschen, desto rechtloser und ungeschützter sind die Frauen. Desto ungehemmter wird bekanntermaßen Sexualität ausgelebt. Desto weniger weit verbreitet ist auch das Wissen um die Zusammenhänge zwischen Körper, Sexualität und Fortpflanzung. Wenn hingegen das Wissen und eine offene, gleichberechtigte Stellung gegeben sind, kann ein Paar auch ohne die vom Vatikan abgelehnten (teilweise recht komplizierten oder ungesunden Verhütungsmittel) Nachwuchs verhindern oder kontrollieren, ohne auf Sex verzichten zu müssen.

Das Wissen kann nicht verbreitet werden, ohne dass man darüber redet, und die Frauen müssen nein sagen dürfen, wann sie wollen. Bei den Orks gilt jedoch: „Eure Weiber sind euch ein Acker. Gehet zu euerm Acker, von wannen ihr wollt“ (2. Sure, Vers 223; Recl. S. 54).

Anders als Inge Kloepfer und Konrad Mrusek, die in der gestrigen FAZ schlechte Regierungsqualität, Nahrungsmittelabhängigkeit und eine verfehlte Agrarpolitik (welche insbesondere durch mangelnde Investitionen gekennzeichnet sei) für die Misere verantwortlich machen, würde ich das Augenmerk eher auf ideologische Basis und daraus resultierende Unterdrückung der Frauen richten, aber das habe ich oben getan und überlasse die „Arena“ nun dem Team Kloepfer/Mrusek.

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Die Früchte des Hungers

Knappe Nahrungsmittel provozieren Revolten. Die Zahl der Hungeraufstände wird steigen. Die Muster sind klar erkennbar.

Politische Umstürze in Tunesien und Ägypten, Unruhen in Bahrein, Jordanien, Libyen und im Jemen, neue Proteste im Irak, Demonstrationen in Marokko, Nervosität in Syrien und am Golf: die gesamte arabische Welt ist in Aufruhr. Die Zeichen stehen auf Zeitenwende. Sie standen es auch schon während der Hungerrevolten 2007/2008; nur sprang da der Funke noch nicht über.

Die jüngste Entwicklung hält die westliche Welt derart in Atem, dass die Auslöser der demokratischen Protestwellen der vielfach autokratisch regierten Völker kaum noch auszumachen sind: Es waren – wieder einmal – die drastisch gestiegenen Lebensmittelpreise, die die Menschen letztendlich auf die Straßen trieben und jenen nordafrikanischen Flächenbrand auslösten, in dem sich derzeit vor allem politischer Unmut entlädt.

Es handelt sich tatsächlich um eine Art Zeitenwende – mit erheblichem politischem Sprengstoff, sagt Bettina Rudloff von der Berliner Stiftung für Wissenschaft und Politik. Und diese Zeitenwende geht vom weltweiten Nahrungsmittelmarkt aus. Dort steigt das Angebot seit längerer Zeit schon deutlich langsamer als die Nachfrage, was die Rahmenbedingungen dieses Marktes regelrecht auf den Kopf stellt. Deshalb weiß Rudloff: „Die Agrarpreise werden in Zukunft weiter steigen. Dazu wird es im Rahmen dieses globalen Trends immer wieder zu heftigen Preisausschlägen nach oben kommen.“ Also zu Phasen, in denen sich die Preise verdoppeln oder verdreifachen können. Und genau diese Phasen werden wohl auch künftig von Unruhen begleitet werden.

Ein Flächenbrand über mehrere Länder hinweg entsteht meist dann, wenn sich die Preise um einhundert Prozent erhöhen, hat der Agrarökonom Joachim von Braun, Direktor des Zentrums für Entwicklungsforschung an der Universität Bonn, ausgemacht. Derartige Ausschläge werden in Zukunft häufiger der Fall sein. So war es auch 2007/2008. Es gab Hungerrevolten in nahezu vierzig Ländern. Sie begannen in Mexiko, weil die Tortillas teurer wurden. Der Funke sprang dann über in die Maghreb-Staaten und nach Afrika.

Ihre explosive und vor allem politisch so destabilisierende Kraft entwickeln diese Preissteigerungen allerdings nicht nur in jenen Ländern, in denen die Versorgungslage grundsätzlich schon unzureichend ist. Relevant ist nach Erkenntnis der Wissenschaftler vielmehr das Ausmaß der gefühlten, also relativen Verschlechterung. Rudloff verweist noch einmal auf die Jahre 2007 und 2008. „In der Mehrzahl der Fälle kam es in Ländern zur Aufruhr, die damals gerade nicht als extrem versorgungsgefährdet galten: in Argentinien, Ägypten, Peru, Senegal, Burkina Faso, Moçambique, Jemen, Indien, Indonesien, Pakistan, Kamerun, Trinidad und Tobago.“

Dabei ist der Prozess von den Versorgungskrisen hin zu politischen Krisen noch vergleichsweise wenig erforscht. Der Zusammenhang, so viel ist sicher, ist jedenfalls nicht linear. Nicht jede Versorgungskrise führt zur politischen Revolution. Da muss dann schon mehr zusammenkommen.

„Aber es gibt Muster“, sagt der Agrarökonom von Braun, Muster für den Zusammenbruch politischer Systeme in Versorgungskrisen. Die klassischen Einflussfaktoren, die dazu führen, dass aus der Versorgungskrise eine politische Krise wird, sind vielfältig: Dazu gehören neben dem Versorgungszustand des Landes das Bevölkerungswachstum und die demographische Struktur sowie die Qualität der Regierungen.

In Ländern wie Ägypten oder Tunesien war diese nachweislich schlecht. In Libyen ist sie es auch. Genau in diesem Fällen entfalten Ernährungskrisen über kurz oder lang ihre Sprengkraft. „Besonders in Ländern mit mangelhafter Regierungsführung waren die Proteste bisher gewalttätig“, sagt der Agrarexperte. Also dort, wo sich die politische Elite – alt und erstarrt – von einer jungen, dynamischen Bevölkerung hinreichend entfernt hat, wo Korruption und Nepotismus regieren und den jungen Menschen die Perspektive fehlt.

Neu ist das Phänomen nicht. Der Zusammenhang hat nur lange niemanden interessiert. Schon in den neunziger Jahren haben die Wissenschaftler John Walten und David Seddon für die 70er und 80er Jahre belegt, dass zwar eine allgemeine Beziehung zwischen Hungerunruhen und Preiserhöhungen für Lebensmittel besteht, dass allerdings der Zugang zu Lebensmitteln immer nur einer der Gründe für den Ausbruch echter Revolten gewesen ist.

„Food Riots“ haben eine jahrhundertelange Tradition und entfalteten immer wieder nachhaltige Wirkung. Zum Beispiel im berühmten „Guerre des farines“ (Mehlkrieg) im Frankreich Ludwigs XVI. Damals, 1775, ließ die Liberalisierung des Getreidemarktes die Preise derart in die Höhe schießen, dass die Menschen revoltierten. Der Mehlkrieg wird häufig als Vorbote der Französischen Revolution interpretiert, da hohe Brotpreise den Unmut in der Bevölkerung weiter verstärkten und auch bei der Revolution selbst eine Rolle spielten.

Doch zurück in die Gegenwart: Wann genau in den einzelnen Ländern der Punkt erreicht ist, der die Preisexplosion zu politischen Unruhen werden lässt, weiß niemand. Ein weiteres Indiz ist die Abhängigkeit der Länder von internationalen Nahrungsmittelmärkten. Viele von ihnen sind auf Einfuhren angewiesen, so wie Ägypten, das zu den größten Getreideimporteuren der Welt zählt. Hier spüren die Bürger sofort, wenn sich Mais oder Weizen stark verteuern.

Solche Länder gibt es – außer Ägypten – noch ziemlich viele. Die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen FAO hat nicht weniger als 77 Staaten auf ihrer Liste, die sie als Low-Income-Food-Deficit-Countries bezeichnet. Ihre Import-Rechnungen werden aufgrund der gestiegenen Preise dieses Jahr mit 30 Milliarden Dollar um elf Prozent höher ausfallen als 2010. Doch sind sie alle Kandidaten für politische Umstürze?

Die UN-Organisation gibt sich besorgt, will sich aber partout nicht an derlei Überlegungen beteiligen: „Solche Spekulationen sind gefährlich und unseriös“, sagt FAO-Sprecher Erwin Northoff. Warum eigentlich? Hätte der Westen über derlei Muster intensiver nachgedacht, wäre er von der Entwicklung im nördlichen Afrika nicht unbedingt überrascht gewesen.

Neben schlechter Regierungsqualität und der Nahrungsmittelabhängigkeit finden sich noch andere typische Strukturen, die politische Krisen in Folge von Nahrungsmittelknappheit wahrscheinlich machen: Dazu zählt eine häufig völlig verfehlte Agrarpolitik. Auch hier lassen sich Muster erkennen. Dazu gehört zweierlei: Zum einen das kontraproduktive Verhalten im Krisenfall, wenn angeschlagene Regierungen zur Beruhigung der Bevölkerung Lebensmittel subventionieren, panikartig im großen Stil Getreide auf dem Weltmarkt kaufen oder die Gehälter der Staatsbediensteten heraufsetzen.

Schwerer wiegt aber, dass die Landwirtschaft in den importabhängigen Ländern über Jahre stark vernachlässigt wurde. Sie liegt derart darnieder, dass die Bauern noch nicht einmal die gestiegenen Weltmarktpreise zur Erhöhung ihrer Einkommen nützen können, weil ihre Produktivität über Jahrzehnte gelitten hat. Es mangelt nicht zuletzt an Saatgut und Wasser. „Dabei liegt gerade hier, in der Produktivität der Kleinbauern, der Schlüssel zur Wachstumsförderung, welche die Armut abbaut“, sagt Agrarökonom von Braun.

Über Jahrzehnte haben viele Länder nicht in die Landwirtschaft investiert. „Seit den 60er und 70er Jahren sind sowohl private als auch staatliche Investitionen in diesen Sektor dramatisch gesunken und falsche Politiken in anfälligen Ländern betrieben worden“, sagt Wissenschaftlerin Rudloff. „Auch das hat viele Länder zu Importeuren gemacht und in die Abhängigkeit des Weltmarktes oder von Nahrungsmittelhilfen getrieben.“

Die Zukunft wird unruhiger, weil Nahrungsmittelkrisen zunehmend zu einem Risiko der politischen Sicherheit werden. Das könnte alsbald genauso für Wasser gelten, wenn die wachsende Wasserknappheit ihre politische Sprengkraft in weit größerem Maße entfalten wird als bisher.

Von den bald 7 Milliarden Menschen auf der Erde hungern eine Milliarde. „Rund zwei Milliarden haben einen Mangel an Vitaminen und Mikronährstoffen, der ihre Gesundheit und physische Leistungsfähigkeit beeinträchtigt“, sagt von Braun. Und die Hälfte von ihnen sind Kleinbauern, also genau jene, die die politisch destabilisierenden Nahrungsmittelkrisen eigentlich verhindern helfen könnten.

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Time am 21. Februar 2011

Festung für den Fortschritt

20. Februar 2011

Die Festung Marienberg in Würzburg (1) wurde erfolglos von den aufständischen Bauern berannt, fiel aber im 30-jährigen Krieg für einige Zeit den Schweden in die Hände.

Alard von Kittlitz liefert der FAZ m.E. durchweg ausgezeichnete Artikel. Heute brachte die Zeitung einen Kommentar von ihm, der sich mit der Flüchtlingsproblematik auseinandersetzt.

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Festung Europa

Die 5000 Tunesier, die vergangene Woche auf Lampedusa anlangten, bilden womöglich nur den Anfang eines Flüchtlingsstroms, der noch anschwellen wird. Und zwar gerade dann, wenn in Nordafrika eintritt, was wir uns wünschen: eine Demokratisierung, ein Aufschwung der Freiheit. Sogleich forderte in Deutschland ein selbsternannter Polizeisprecher, Europa müsse zur Festung werden. Wer will so etwas? Eine stacheldrahtumzäunte Enklave, in der wir fein leben, während die Armen draußen verhungern? Ganz einfach: Das will niemand. Aber tatsächlich leben wir längst in einem solchen Europa, hinter Mauern, Küsten, Stacheldrahtrollen gegen einen Strom von Armen, die zu uns wollen. Nur identifizieren wollen wir uns nicht damit. Wir wollen nicht nur reich sein, sondern auch gut.

Die Europäer sind reich. Fast alle anderen sind ärmer, teilweise sehr viel ärmer als die Tunesier, die nach Italien geflohen sind, weil sie dort auf ein besseres Leben hoffen. Wie gehen wir damit um? Christus sagt dem reichen Jüngling: Wenn du in den Himmel willst, dann verkauf deinen Besitz und verteil das Geld an die Armen. Der Jüngling geht traurig davon, und auch die Umstehenden sagen erschrocken: Dann wird ja keiner selig.

Seligkeit gibt es nicht in der Politik. Es gibt Wünsche, und es gibt Möglichkeiten. Hurra, freie Tunesier, kommt her, ihr seid arm, wir sind reich, jetzt teilen wir? In Wirklichkeit will das keiner – jedenfalls keiner auf der Geberseite. Die wahren Grenzen unserer Hilfsbereitschaft sprach der Innenminister aus, als er sich gegen die Aufnahme tunesischer Flüchtlinge wandte. „Wir können nicht alle sozialen Probleme dieser Welt lösen“, sagte de Maizière. Diese Haltung der Union nannte Claudia Roth von den Grünen „zynisch und heuchlerisch“ – die Sympathie mit den Tunesiern, die ihren Diktator gestürzt haben, sei nicht echt. Doch mit welchem Recht wollen wir Tunesier hereinlassen und Somalier draußen halten?

Europa ist wie Lampedusa. Es leben, gemessen an der Weltbevölkerung, nur wenige Menschen hier – aber so viel besser als so viele andere. Das liegt auch daran, dass wir, wie der reiche Jüngling, unseren Reichtum behalten haben, statt ihn auszuschütten. Wir geben im Rahmen unserer Möglichkeiten, aber wir wollen natürlich selbst nicht arm werden dabei. Manchmal lassen wir Einwanderer herein, auch deswegen, weil hier zu wenige Kinder geboren werden. Weil wir das Recht politisch Verfolgter auf Asyl anerkennen. Oder weil wir in besonderen Fällen – Kosovo-Flüchtlinge – gezielt helfen wollen.

Aber für die Armutsflüchtlinge dieser Welt sind unsere Grenzen dicht. Mit diesem Konflikt müssen wir leben. Es geht nämlich nicht darum, wie man die Seligkeit erlangt oder wie man es schafft, sich besser zu fühlen, sondern darum, wie man mit konkreten Problemen umgeht, welche Mittel man dazu hat und wie weit die reichen. Und dazu gehört auch die Einsicht, dass Probleme sich nicht umso leichter lösen lassen, je schwerer sie wiegen, sondern dass es in der Regel umgekehrt ist.

Es versuchen mittlerweile vier von fünf Flüchtlingen aus Nordafrika, über die griechisch-türkische Grenze nach Europa zu gelangen. Allein im letzten Jahr hat sich die Zahl der auf diesem Landweg ankommenden Menschen fast vervierfacht, etwa 30.000 sind gekommen, nicht nur aus Nordafrika, auch aus Afghanistan und anderen Ländern. Die Folgen sind bekannt. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat die Zustände in den Aufnahmestellen erst im Januar als „erniedrigend und unmenschlich“ bezeichnet. Die griechischen Behörden sind derart überlastet, dass viele, die tatsächlich verfolgt werden und ein Recht auf Asyl haben, nicht einmal ein vernünftiges Verfahren bekommen. Jedes Jahr ertrinken viele Flüchtlinge bei dem Versuch, an der Küstenwache vorbei zu uns zu gelangen, und es gibt Geschichten von Menschen, die Gaddafi in Frachtcontainern nach Sudan geschickt hat, weil er die Bitte der Europäer um Hilfe beim Flüchtlingsproblem so interpretiert.

Das ist die Wirklichkeit der Festung Europa, es ist nicht richtig, sie zu ignorieren; und ebenso wenig ist es richtig, so zu tun, als hätten wir die Macht, das wirklich grundlegend zu ändern. Mit viel Geld könnte man die Situation womöglich erträglicher machen: Flüchtlingsunterkünfte wie Abfangmethoden humaner gestalten, den Ankömmlingen echte Asylverfahren ermöglichen. Wer sich die Menschenrechte auf die Fahnen geschrieben hat, darf nicht anders handeln. Aber die Tore öffnen, das können wir nicht.

Denn grundsätzlich müssen die Probleme dort gelöst werden, wo sie entstehen. Fehlender Wohlstand, fehlendes Recht: Dieses Elend muss an der Wurzel bekämpft werden. Außenminister Westerwelle hat vorgeschlagen, europäische Hilfsleistungen – sie belaufen sich für Nordafrika jedes Jahr auf Milliarden – künftig stärker an echte Reformen in den Empfängerländern zu knüpfen. Das ist der vernünftigste Ansatz.

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Wenn Kittlitz schreibt: „Das liegt auch daran, dass wir, wie der reiche Jüngling, unseren Reichtum behalten haben, statt ihn auszuschütten. Wir geben im Rahmen unserer Möglichkeiten, aber wir wollen natürlich selbst nicht arm werden dabei“, so stimme ich ihm zu. Ich möchte aber aus christlicher Perspektive, die Herr Kittlitz mit der Geschichte vom reichen Jüngling (Matth. 19,16ff.) anspricht, betonen, dass es m.E. schon unsere wesentliche Aufgabe ist, uns dafür einzusetzen, dass jeder Mensch auf Erden in Wohlstand und Freiheit leben kann.

Dass wir aber unseren „Reichtum behalten haben statt ihn auszuschütten“ ist eine Metapher für einen wesentlichen Aspekt westlicher Philosophie im Gegensatz zur mohammedanistischen, nämlich den der Bewahrung und Entwicklung. Dieser Gedanke wird durch das Gleichnis der „Anvertrauten Zentner“ (Matth. 25,14f.) sehr stark pointiert, in welchem die Diener, die das anvertraute Silber vermehrten, die Hochachtung ihres Herren gewinnen.

Dass wir global gesehen so gut dastehen, ist also m.E. ein Resultat der Qualität unserer Ideen, Philosophien und Religion. Als Atheist wird man vielleicht betonen, wie sehr wir uns dies erarbeitet bzw. auch unter großen Opfern erkämpft haben, als Christ wird man es vielleicht eher als das Geschenk des gütigen Jahwe sehen. Das ist jedoch nicht so wesentlich wie die extreme Differenz der Gesamtheit unserer Vorstellungen zu denen der Orks und die Tatsache, dass wir immer stärker unter Druck geraten.

Einerlei ob Resultat einer gesellschaftlichen Entwicklung, philosophischer Forschung oder Geschenk Gottes, unsere Position verpflichtet uns, unsere Stellung zu verteidigen und auszubauen. Kittlitz meint, es ginge darum „…wie man mit konkreten Problemen umgeht, welche Mittel man dazu hat und wie weit die reichen“, und diese Sicht teile ich. Ziel ist wohl das Glück der ganzen Menschheit, aber dies kann nicht dadurch gefördert werden, indem man die Festung Europa an die Barbaren gibt. Die Tore der Festung verschlossen zu halten und dadurch ihren Fortbestand zu sichern, ist nicht „zynisch und heuchlerisch“, wie Claudia „Bullfrog“ Roth blökt, es ist vielmehr unsere Pflicht im Interesse der Weiterentwicklung der gesamten Menschheit, ihres Wohlstands, ihres Wissens und ihrer Freiheit.

Von der orkischen Welt dürfen wir in Bezug auf dieses Projekt nichts erhoffen. Überall soll es dort immer noch mohammedanistischer werden, was bedeutet schariatischer bzw. barbarischer. Der Nazismus hatte 12 Jahre, der Kommunismus 70. Der Mohammedanismus hat 1400 Jahre lang Zeit gehabt, irgendetwas zu entwickeln, was den Menschen dient und sie glücklicher macht. Dies ist bisher nicht geschehen und es wird nicht geschehen. Er ist ein einziges Unglück. Ich meine den „realen Mohammedanismus“, nicht jenen aus der Fantasie weltfremder, bekiffter Redakteure (2).

Lesen sie diesbezüglich nun einen Artikel des nüchternen  Joseph Croitoru aus der FAZ vom 17. Februar.

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Islamischer sollen sie werden

Ägyptens erster Verfassungsreformer könnte den Weg
der arabischen Länder weisen

Der Freiheitswunsch der Ägypter muss, ehe er in demokratische Tagespolitik umgesetzt werden kann, in einer neuen Verfassung festgeschrieben werden. Bildet sich bei den Ägyptern ein neues Selbstbewusstsein, so ist damit zu rechnen, dass eine eigene Version von Demokratie angestrebt wird, bei der der Westen lediglich als eine der Inspirationsquellen dienen würde – die weit wichtigere wird wohl die islamische Tradition sein.

Darauf deutet jetzt der Beschluss des Obersten Militärrats, den pensionierten Richter Tariq al Bishri zum Vorsitzenden des achtköpfigen Ausschusses für die Überarbeitung der Verfassung zu ernennen. Es ist eine Wertentscheidung mit Signalwirkung, die nicht nur die Richtung der Verfassungsdebatte andeutet, sondern womöglich auch ähnliche Diskussionen in anderen arabischen Ländern beeinflussen könnte. Denn der siebenundsiebzigjährige Jurist, Rechtsphilosoph und Historiker al Bishri ist nicht nur als Streiter für die Unabhängigkeit der Justiz und als jemand bekannt, der schon 2004 seine Landsleute aufforderte, mit zivilem Ungehorsam gegen die Zustände im Land zu kämpfen. Als Rechtsphilosoph, der über zwanzig Bücher veröffentlicht hat, genießt er in der arabischen Welt auch als Denker einer angestrebten staatsrechtlichen Synthese von Demokratie und Islam Ansehen.

Im vergangenen November betonte er etwa gegenüber dem islamistischen Portal „islammemo“ die Notwendigkeit, die ägyptische Rechtsprechung zwar weiterhin im demokratischen Rahmen, aber noch stärker im Sinne eines islamischen Rechtsdenkens zu formulieren. Er ist, wie andere Vertreter der reformistischen islamisch-modernen Rechtsschule, der Auffassung, dass schon in der älteren Geschichte des Islam demokratische Ansätze zu finden sind. Damit steht er für eine Sicht der Dinge, die auch unter Islamisten verbreitet ist und die dazu tendiert, manche Aspekte der islamischen Staatsgeschichte zu idealisieren. So habe, meint al Bishri, lange bevor im Westen Religionsfreiheit zur rechtlichen Norm wurde, der Kalifen-Staat auch Nichtmuslimen die freie Ausübung ihrer Religion gestattet – dabei lässt der frühere Richter allerdings die systematische Diskriminierung von Juden und Christen vor allem im Mittelalter außer Acht, wenn er auch einräumt, dass ihr Ausschluss von der Macht mit heutigen Demokratiebegriffen nicht vereinbar sei. Aus dieser Auffassung folgt, dass er etwa als engagierter Anwalt der Rechte der Kopten gilt. Dennoch stellt für ihn die Festsetzung der Scharia als Hauptquelle einer modernen Gesetzgebung kein Hindernis dar für eine demokratisch orientierte Rechtsfindung innerhalb eines säkularen Nationalstaates, weise doch das islamische Religionsgesetz bei vielen Fragen eine große Breite an Auslegungen auf, die den Richtern genügend Spielraum biete.

Wovon al Bishri hier redet, ist, zumindest formal, in Ägypten schon seit Beginn der achtziger Jahre verfassungsrechtliche Realität. Damals ließ Präsident Sadat in der Verfassung die Formulierung zur Rolle der Scharia dahingehend ändern, dass sie von „einer Quelle“ zur „Hauptquelle“ der Rechtssystems wurde. Ähnlich formulierte Verfassungstexte finden sich auch in anderen islamischen Ländern. In der Praxis bedeutet dies, dass in Ägypten seitdem erlassene Gesetze generell den „Grundsätzen der Scharia“ nicht widersprechen dürfen. Wie diese Maxime im Einzelnen umgesetzt wird, ist in der Rechtsprechung Ägyptens von Fall zu Fall unterschiedlich und hängt von der Argumentationsstärke der jeweils Debattierenden und von ihrer Fähigkeit ab, die islamische Rechtsliteratur in ihrem Sinne zu deuten.

Diese juristische Diskussionskultur stützte sich bislang auf islamische Rechtsgelehrte und auf eine Richterschaft, die – auch wenn sie sich hin und wieder dem Autoritarismus Mubaraks zu widersetzen vermochte – dem Regime weitgehend hörig war und die von ihm vorangetriebene Modernisierung eher unterstützte als blockierte. Dies könnte sich jedoch bald ändern, wenn im Land wirklich freie Demokratie herrschte und islamische Werte ohne den Druck eines autoritären säkularistischen Herrschaftssystems ungehindert diskutiert werden würden. An Stelle von Anpassungsfaktoren, die die bisherige Westbindung des Landes bedingten, könnten künftig Scharia-Kompatibilitätsfragen in den Vordergrund rücken und zu einer wie auch immer gearteten stärkeren Islamisierung öffentlicher Debatten führen.

Zwar soll die angekündigte Überarbeitung des ägyptischen Grundgesetzes nicht jenen Artikel 2 der Verfassung betreffen, der den Islam als Staatsreligion festschreibt und den erwähnten Status der Scharia fixiert. Vielmehr sollen vor allem die Hindernisse für die freie Entfaltung einer pluralistischen Parteienlandschaft beseitigt werden. Von welcher Art Rhetorik indes solche Korrekturen begleitet sein könnten, darauf deutet schon die Wahl Tariq al Bishris zum Vorsitzenden des Verfassungsausschusses. Er ist alles andere als ein Freund der Vereinigten Staaten und steht für eine stärkere Bindung an die islamische Welt. Nicht nur deshalb bringt der angesehene Richter Iran Sympathie entgegen, sondern auch deshalb, weil Teheran sich der „Aggression“ Israels widersetze und nichts Verwerfliches tue, wenn es seine Nationalinteressen über alles erhebe und konsequent verfolge. Ähnliches erwartet al Bishri wohl von dem künftigen ägyptischen Regime. An solche Prioritäten wird man sich im Westen gewöhnen müssen.

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Time am 20. Februar 2011

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1) http://de.wikipedia.org/wiki/Festung_Marienberg
2) http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/16/panik-paddel/

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Soundtrack: „Bullfrog Blues“ von Rory Gallagher unter
http://www.youtube.com/watch?v=33Jaodra7AY

Thilo vs. Panik-Paddel

19. Februar 2011

Paddel Pahners exzessive Selbstbeweihräucherung und Buchreklame (1), zu der er Deutschlands beste Zeitung missbraucht, ist einigen Lesern unangenehm aufgefallen, so Peter Christian Hall, wie in der heutigen Ausgabe zu lesen ist:

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Eine stillose Selbstverliebtheit

Eine bildlose Aufmacherseite des Feuilletons mit 18 Zentimeter hoher Überschrift („Die Panikmacher“) und 9 Zentimeter hohen Einzelbuchstaben hat es in Ihrer Zeitung in den rund fünfzig Jahren, die ich sie lese, noch niemals gegeben – Gott sei Dank, überschreitet das doch sogar noch die „Bild“-Zeitung. Und was hatte das geschätzte Blatt am 16. Februar mit dieser sensationellen Aufmachung im Feuilleton, aus der einem das Wort Panik entgegenspringt, denn so Sensationelles mitzuteilen? Man mag es kaum glauben: den Vorabdruck aus einem Buch ihres eigenen Feuilletonchefs. Das ist eine stillose Selbstverliebtheit, die nicht nur in Ihrer Zeitung beispiellos ist.

Aber da dieser Leserbrief die F.A.Z. selbst kritisiert und nicht die Meinung irgendeines anderen Leserbriefschreibers, werden Sie ihn wohl wieder einmal nicht abdrucken, und das wäre nach meiner Erfahrung wahrlich nicht beispiellos.

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Da hat Herr Hall aber die FAZ unterschätzt, denn sie wäre nicht die beste Zeitung Deutschlands, wenn sie nicht die Debatte pflegen würde, zu der gehört, dass unterschiedliche oder gar gegensätzliche Positionen geäußert werden. Und daher habe ich jetzt – nach den Dimmie-Texten der letzten Tage – das große Vergnügen, Ihnen einen exzellenten Aufsatz aus der heutigen FAZ zu präsentieren, in welchem Thilo Sarrazin das Buch von Panik-Paddel Pahners einer gründlichen Betrachtung unterzieht.

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Erdogans Ghostwriter

Warum verfolgt Patrick Bahners all jene mit solchem Ingrimm, die es wagen, bei der Integration von Muslimen auf Probleme hinzuweisen? Wir Islamkritiker sind weder blind für die Wirklichkeit noch Panikmacher. Eine Kritik an einem zornigen Buch

Patrick Bahners hat ein sehr zorniges Buch geschrieben. In „Die Panikmacher“ kommt ein klares Feindbild zum Vorschein, nämlich „die Islamkritik“. Bahners differenziert nur unwillig beziehungsweise gar nicht zwischen unterschiedlichen Strömungen der Islamkritik, das sind für ihn alles Zweige vom selben illegitimen Stamm, allesamt Vertreter einer „Kultur des Ressentiments“ und damit alle moralisch zutiefst fragwürdig. Die Argumentation der Islamkritiker läuft für ihn auf den Aufruf zu einem „Weltbürgerkrieg“, zur Vernichtung der Muslime und des muslimischen Glaubens hinaus. Einzelnen Islamkritikern gesteht er zu, dass sie das vielleicht nicht so meinen oder die Folgen ihres Tuns nicht überschauen. Insgesamt aber hält er das Treiben der Islamkritiker für religionsfeindlich und auch feindlich gegenüber jeder wahren Liberalität, letztlich einem jakobinischen Staatsverständnis entstammend, einem Tugendterror in neuer und schrecklicher Form das Wort redend.

Die historische Parallele zur Islamkritik sieht Bahners im bürgerlichen Antisemitismus des neunzehnten Jahrhunderts. Immer wieder versieht er seine Kritik der Islamkritik mit entsprechenden Konnotationen, und folgerichtig beendet er sein Buch mit einem langen Zitat des Historikers Heinrich Treitschke aus dem Jahre 1879, das mit dem fatalen Satz endete „Die Juden sind unser Unglück“. Bahners führt Treitschke an, um zu unterstellen, dass dessen Forderung an die „israelitischen Mitbürger“, sie sollten „Deutsche werden, sich schlicht und recht als Deutsche fühlen“, letztlich den Weg nach Auschwitz bereitete. Zustimmend zitiert er Micha Brumlik, der mich „einen Treitschke des frühen einundzwanzigsten Jahrhunderts“ nannte. Bahners bringt nicht zufällig Treitschkes Forderung nach Assimilation und den Weg nach Auschwitz in einen Zusammenhang. Fast könnte man vermuten, er hätte für den türkischen Präsidenten Erdogan die Rede in der Köln-Arena geschrieben, in der dieser sagte: „Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“

Durch den Bezug auf den Antisemitismus und auf Auschwitz als dessen Folgen greift Bahners zum maximalen Vergeltungsmittel, quasi zur Kernwaffe des deutschen politischen Diskurses. Wer so argumentiert, möchte seine Gegner ein für alle Mal erledigen. Wer Kernwaffen einsetzt, der ist entweder bedenkenlos, oder es mangelt ihm an Mitteln konventioneller Kriegsführung. Bahners äußert auch einige kluge Gedanken, und es hätte seinem Buch besser getan, wenn er argumentativ etwas abgerüstet hätte. So erweckt er den Eindruck, dass ihn Emotionen treiben, die mehr ihn beherrschen, als dass er sie beherrscht.

Im Zentrum seines Buches steht ein objektives Problem. Viele Kritiker des Islam sehen dieses Problem genauso, nur geben sie eine andere Antwort: Der säkulare, freiheitliche Rechtsstaat hat zur Voraussetzung, dass alle Bürger, Rechtssubjekte und gesellschaftlichen Organisationen sich an seine Regeln halten, sie in gewissem Umfang auch verinnerlichen und den Regeln des staatlichen Rechts im Zweifel den Vorrang geben vor abweichenden religiösen Geboten. Für jene, die Bahners „Säkularisten“ oder „Islamkritiker“ nennt, ist klar, dass den Regeln des freiheitlichen Rechtsstaats unter allen Umständen Vorrang gebührt vor abweichenden Glaubensregeln oder den Gewohnheiten von Einwanderern mit einer anderen kulturellen Tradition. Für Bahners ist das gar nicht klar. Er argumentiert, dass für jeden Gläubigen das göttliche Recht über dem von Menschen gemachten Recht stehe und dass es unzumutbar und unmoralisch sei, einen Menschen zum Glaubensverrat zu zwingen, indem man ihm abfordere, den Vorrang des menschlichen Rechts vor den göttlichen Geboten zu beachten und auch zu bekennen.

Damit spricht Bahners ein grundlegendes Problem an, welches weit über den Islam hinausweist: Im Kern jeder religiösen Überzeugung steckt nämlich eine gefühlte Offenbarung, deren Quelle nicht von dieser Welt ist und die sich folglich auch nicht den eher zufälligen, jedenfalls von Menschen gemachten sozialen Lebensregeln beugen kann. Wenn schon, dann muss das menschliche Regelwerk der offenbarten göttlichen Ordnung folgen.

Was heißt das in Deutschland und Europa für die Integration einer Religion wie des Islam, dessen Glaubenssätze und Lebensregeln zu vielen Aspekten der säkularen Moderne eher im Widerspruch stehen? Welche Konflikte ergeben sich daraus, und wie kann man diese produktiv und zukunftsweisend bewältigen?

Das hätte der Gegenstand des Buches sein können. Dafür interessiert sein Autor sich aber nicht. Er verfolgt über dreihundert Seiten alle jene mit seinem Ingrimm, die in der Integration von Muslimen in Europa und weiter steigenden Einwanderungszahlen aus muslimischen Ländern Probleme sehen. Seine Lieblingsfeinde sind dabei, in alphabetischer Reihenfolge: Ayaan Hirsi Ali, Henryk Broder, Ralph Giordano, Necla Kelek, Thilo Sarrazin, Alice Schwarzer, Peter Sloterdijk.

Im Kampf gegen die Islamkritiker im Allgemeinen und die genannten Personen im Besonderen geraten Bahners die Probleme, welche die Islamkritik anspricht, weitgehend aus den Augen. Es geht ihm nicht um Frauenrechte, nicht um Transferbezug, nicht um Mängel in der Bildungsbeteiligung, nicht um das Heiratsverhalten, nicht um Erscheinungen der Gewalt, nicht um Parallelgesellschaften. Patrick Bahners geht es nur um ein Thema: nämlich darum, dass es aus seiner Sicht falsch und moralisch verwerflich ist, Muslime zur Assimilation an die europäische Kultur anzuhalten. Wenn der türkische Präsident Erdogan je einen Ghostwriter brauchte, Patrick Bahners wäre die ideale Besetzung.

Exemplarisch ist seine Behandlung der Kopftuchfrage: Wenn zwölfjährige Mädchen in der Schule kein Kopftuch tragen dürfen, so ist das für ihn vor allem und zunächst eine Verletzung der Religionsfreiheit. Es kommt ihm nicht in den Sinn zu fragen, inwieweit die Freiheitschancen der jungen Mädchen beeinträchtigt werden, wenn sie nicht einmal in der Schule aus den rigorosen islamischen Auffassungen zur Rolle und zum Verhältnis der Geschlechter entlassen werden und dies noch – an der weltlichen Schule geduldet – durch ihre Kleidung zum Ausdruck bringen müssen.

Unterschwellig wird bei Bahners sichtbar, dass ihm die schamhaft und rollengerecht verhüllte islamische Weiblichkeit viel sympathischer ist als das unverhüllte sexuell aufgeladene Chaos abendländischer säkularer Frauenemanzipation. Hier kommt eine heimliche Sehnsucht nach einer verbindlichen Weltordnung jenseits menschlicher Maßstäbe zur Geltung, die das Abendland einfach nicht mehr bieten kann.

Wenn man ein Buch liest oder eine Meinung hört, bei der man den Grundansatz nicht teilt, sollte man gleichwohl für die Argumentationsrichtung des anderen offen bleiben, sonst gibt es keinen Dialog. Das vermisse ich bei Bahners. Exemplarisch dafür ist, wie herabsetzend, ja, entstellend und verfälschend er die Personen und die Argumente der von ihm kritisierten Islamkritiker behandelt. Der Umstand, dass er solche Mittel nötig hat, desavouiert sein Anliegen und stellt seine Motive in Frage.

Ziemlich zu Anfang seines Buches setzt er sich mit meinem Interview in „Lettre International“ vom September 2009 auseinander, und dabei wird seine Methode deutlich. Er zitiert mich zu den Stufen der Integration: „Die erste Vorstufe ist, dass man Deutsch lernt, die zweite, dass man vernünftig durch die Grundschule kommt, die dritte, dass man auf das Gymnasium geht, dort Examen macht und studiert.“ Das ist eigentlich banal. Im Interview ging es um die Erhöhung des Anteils der Migranten im öffentlichen Dienst, und für den Dienst in der Justiz, in der Finanzverwaltung, als Lehrer oder in der Polizei ist heute in der gehobenen oder höhere Laufbahn stets ein Studium erforderlich. Mehr türkische und arabische Migranten in diese Positionen zu bringen bedeutet deshalb zunächst, dass mehr von ihnen Abitur machen und studieren. Bahners dagegen kommentiert zu meinem Zitat „Vollständig integriert ist der Akademiker, der ganze Mensch hat Abitur“ und unterstellt mir damit einen albernen Bildungsdünkel, den ich gar nicht habe.

Er unterstellt mir ferner „das Phantasma einer durch administrative Maßnahmen herbeigeführten ethnischen Sauberkeit“ und „die Ordnungsidee einer durch Umsiedlungsmaßnahmen verbesserten Bildungsstatistik“. Tatsächlich fordere ich eine stärkere Orientierung des Bildungswesens und der Hochschulen am Leistungsgedanken und führe unter anderem aus: „Wenn die Türken sich so integrieren würden, dass sie im Schulsystem einen anderen Gruppen vergleichbaren Erfolg hätten, würde sich das Problem auswachsen. Türkische Anwälte, türkische Ärzte, türkische Ingenieure werden auch deutsch sprechen, und dann wird sich der Rest relativieren.“ So sagte ich im „Lettre“-Interview. Bahners dagegen verdreht meine Aussagen in ihr Gegenteil, um mir das „Phantasma ethnischer Sauberkeit“ durch „administrative Umsiedlungsmaßnahmen“ zu unterstellen. Die Konnotation zum Holocaust ist offenbar gewollt, seine Insinuation ist ungeheuerlich und zudem unanständig.

Für Bahners ist diese Methode, seine Gegner zu zitieren und ihre Aussagen zu verfälschen, leider exemplarisch. Das ganze Buch ist voll davon. Damit bin ich bei der Frage des „Anstandes“. Bahners findet nicht, dass es in Deutschland ein Problem im Spannungsfeld von Meinungsfreiheit und „politicial correctness“ gibt. Er lehnt diesen Begriff ab und führt stattdessen den „Anstand“ als Maßstab menschlicher und damit auch politischer Kommunikation ein. Damit wird aber lediglich der eine Begriff für „Das sagt man nicht“ durch einen anderen ersetzt, zudem durch einen Begriff, der aufgrund seiner Subjektivität Konventionen immer nur reflektieren, nicht aber hinterfragen kann. Unter dem Begriff des Anstandes können unerwünschte Fragen und Meinungen perfekt ausgegrenzt werden, und davon macht Bahners reichlich Gebrauch. Es fehlt nur noch die Volte, auch den jeweiligen Inhalt des Anstandsbegriffes aus einer religiösen Offenbarung abzuleiten, und die erwünschte Abschirmung jedweder Diskussion von den Gefahren politischer Inkorrektheit wäre gelungen. Wohlgemerkt, diese Argumentation ist keine Lizenz, den Anstand aufzugeben; aber man muss sich über die Wirkung von Begriffen klar sein. Durch die Verwendung des Anstandsbegriffs wird das Problem der „political correctness“ nicht gelöst, es wird noch verschärft. Folgerichtig findet denn auch Bahners nicht, dass mein „Lettre“-Interview die Grenzen politischer Korrektheit überschritt, er findet ganz einfach, dass es unanständig war und damit seriöser Auseinandersetzung eigentlich nicht wert.

Typisch für seine verquere Weltsicht ist die Verharmlosung der Vorgänge um die Mohammed-Karikaturen. Nicht der Skandal, dass Menschen starben wegen der Karikaturen, dass Attentate verübt wurden und dass der Karikaturist seit Jahren mit dem Tode bedroht ist, wird von ihm thematisiert, sondern uns wird die ironische Belehrung zuteil, dass sich „die republikanische Weltöffentlichkeit … den Einsatz der ehrwürdigen Mittel der Blasphemie zum Zwecke der Geistesschärfung und Geisterscheidung vorbehalten müsse“. Das heißt, Bahners teilt offenbar die Empörung der islamischen Welt über die Karikaturen, und ebenso teilt er ihre Nicht-Empörung über die Gewalttätigkeiten als Reaktion auf diese Karikaturen.

Seine Emotionen spart Bahners sich für jene auf, die er als Islamkritiker sieht. Bei Henryk Broder zum Beispiel stellt er die moralische Integrität in Frage, indem er dessen Diskussion des Toleranz-Begriffes mit den Worten kommentiert: „Aber soll dadurch die Moral über sich selbst aufgeklärt werden, oder soll sie weichen?“ Necla Kelek gesteht er zwar zu, dass sie eine „intellektuell anregende“ Doktorarbeit geschrieben habe, aber er sät Zweifel an der Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit ihrer in „Die fremde Braut“ erzählten persönlichen Familiengeschichte. Ihn stört ganz offenbar, dass Necla Kelek die allmähliche Islamisierung des typischen türkischen Gastarbeiters in Deutschland, wie sie sie beobachtet hat, nicht mag. Er spricht ihr die wissenschaftliche Seriosität ab: „Die Autorin ist im Hauptberuf heute Akteurin der Medienwelt“, und dann kommt der Blattschuss: „Legt man an die Entwicklung der Autorin einen intellektuellen Maßstab an, muss man von Regression sprechen.“

Das ist Diffamierung, sie stammt aus dem Munde eines Mannes, der in der ausländer- und gewerbefreien Bonner Südstadt im Einfamilienhaus aufwuchs, im fußläufig entfernten Bonner Beethovengymnasium zur Schule ging, sodann in Bonn und Oxford studierte und anschließend, im Alter von 22 Jahren, der Redaktion der F.A.Z. beitrat. Von den Stürmen des Lebens ist Patrick Bahners wahrlich verschont geblieben. Das ist ihm nicht vorzuwerfen, aber es berechtigt ihn nicht (zur zudem inhaltlich völlig unbegründeten) Arroganz gegenüber jenen, die ihr persönlicher Lebenslauf ganz anders gefordert und geprägt hat; vielleicht haben diese auch deshalb mehr mitzuteilen.

Die Diffamierung Keleks geht aber weiter: „Indem sie aussprach, dass sie in der islamischen Welt nicht einmal auf Verbündete im Geiste zu hoffen wagte, hatte sie die Frontlinie eines Weltbürgerkrieges gezogen.“ Dank Patrick Bahners wissen wir endlich: Nicht Al Qaida ist eine Gefahr für den Weltfrieden, Necla Kelek ist es – und mit ihr alle, die ihre Befürchtungen teilen! Der Furor des Patrick Bahners (so wird man wohl seine Einstellung bezeichnen dürfen) wendet sich mit besonderer Schärfe gegen die Grundsätze der französischen laizistischen Politik.

Seine Abneigung zieht auch Familienministerin Kristina Schröder auf sich, weil sie den Zusammenhang von Religion und Gewaltbereitschaft bei muslimischen Jugendlichen thematisiert. Und auch hier kann er es nicht lassen, mit dem Mittel der persönlichen Herabsetzung zu arbeiten. Er kennzeichnet sie als „die Politologin, die der aus dem Fernsehen bekannte Wahlforscher Jürgen Falter mit einer Untersuchung über die Gerechtigkeitsideale der CDU-Bundestagsabgeordneten promoviert“. Mit diesem völlig sachfremden Hinweis will er wohl seine Meinung zum Ausdruck bringen, dass die amtierende Familienministerin eine Dünnbrett-Dissertation geschrieben habe. Was soll das, und was hat dies mit den Argumenten von Kristina Schröder zu tun, außer man will eine Person diffamieren, um das Gewicht ihrer Meinung zu vermindern?

Schließlich zitiert Patrick Bahners die rhetorische Frage von Necla Kelek: „Sind wir keine Deutschen, Türken, sondern zuerst Christen, Juden oder Muslime, keine Bürger, sondern Gläubige oder Ungläubige?“ Er unterschiebt Necla Kelek eine Auffassung, die sie gar nicht hat: „Die Auffassung, dass der Staat das Höchste ist und es für den Frommen nie eine Gewissenspflicht zum Widerstand geben kann, haben in Deutschland zuletzt die Deutschen Christen vertreten.“ Nicht der Staat ist das Höchste, sondern eine rechtsstaatliche Verfassung der Freiheit – diesen Unterschied verwischt Bahners, um Necla Kelek in die Nähe der Deutschen Christen zu rücken, die die NS-Diktatur stützten.

Mit dieser letzten großen Diffamierung unterstellt Bahners Necla Kelek und mit ihr allen Islamkritikern, sie wären der Meinung, es gebe keine Gewissensinstanz und kein sittliches Gebot jenseits des Staates. Diese Unterstellung ist so ungeheuerlich, dass sich die Feder dagegen sträubt, sie niederzuschreiben. Hier hat sich ein Autor – und wohl auch ein Mensch – wirklich verrannt.

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Bleibt mir zu fragen, wie lange Chefredaktion und Herausgeber PPP noch gestatten wollen, das Niveau des Feuilletons von Ausgabe zu Ausgabe weiter abzusenken (2). Hat der Verlag nicht eventuell eine andere Aufgabe für ihn? Er ist doch noch jung (3), könnte man ihm nicht einen neuen Anfang z.B. in Teheran oder Damaskus ermöglichen?

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Time am 19. Februar 2011

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1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/16/panik-paddel/
2) http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/17/studi-postille-faz/
3) http://www.faz.net/s/RubD87FF48828064DAA974C2FF3CC5F6867/Doc~EFA5EF28DC4474AC883819BB9B623CED3~ATpl~Ecommon~Scontent.html


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