Nicht im Geringsten

Sklavenmarkt in Bagdad anno 1237

Aufsätze von Thomas Speckmann lese ich in der FAZ meist mit großem Interesse. So auch heute, obwohl ich seinen aktuellen Text diesmal nicht unwidersprochen präsentieren will. Hier ist er:

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Verbrechen an der Zivilbevölkerung als neues Mittelalter?

Gaddafis Kriegführung in Libyen ist kein epochenspezifisches Phänomen, sondern ein historischer Export Europas

Mitte April verabschiedeten Barack Obama, Nicolas Sarkozy und David Cameron eine gemeinsame Erklärung zur Lage in Libyen: Eine “mittelalterliche Belagerung” erleide Misrata, mit der Libyens Machthaber Muammar al Gaddafi die Bevölkerung “zur Unterwerfung” zwingen wolle. Kehrt das Mittelalter in der Kriegführung zurück? Ist das Zeitalter der “neuen Kriege”, die mit ihren Warlords und Söldnern an die Waffengänge des Dreißigjährigen Krieges erinnern, schon wieder vorbei? Bewegen sich die heutigen Kriegstypen bereits weiter zurück auf der Zeitachse? Von der Neuzeit zum Mittelalter? Als Maßstab für diese Einordnungen dient meist die Intensität kriegerischer Gewaltakte, außerordentlicher Gewaltanwendung und von Kriegsverbrechen. Der Blickwinkel wird dabei von wissenschaftlichen Arbeiten aus der jüngeren Zeit geprägt, die sich größtenteils mit Gewalt im zwanzigsten Jahrhundert beschäftigen, unabhängig davon, ob die dort beobachteten Phänomene im eigentlichen Sinne Bestandteil direkter militärischer Auseinandersetzungen waren oder nicht.

Ein Weg, der mehr Erfolg verspricht bei dem Versuch, aktuelle Konflikte wie den libyschen Bürgerkrieg in die Kriegsgeschichte einzuordnen, ist die epochenübergreifende Untersuchung von “Entgleisungen” innerhalb kriegerischer Konflikte. Denn sie ermöglicht nicht nur eine Dekonstruktion von Normabweichungen, die sich in gewalttätigen Exzessen und einem Übermaß an Gewalt ausdrücken. Eine solche Untersuchung vermeidet auch das Risiko, mit allzu zeitgenössischen Worten auf die Greuel der Vergangenheit zurückzuschauen – mit fassungslosen Blicken auf eine Gewalt, die heute unhaltbar erscheint.

Studien, wie sie Frédéric Rousseau und Burghart Schmidt für das Centre de Recherches Interdisciplinaires en Sciences Humaines et Sociales de l’Université de Montpellier versammeln, erlauben es, dem Vorwurf anachronistischer Betrachtungen entgegenzutreten, der Historikern früherer Zeiten oft und nicht selten vorschnell begegnet (“Kriegsverbrechen vom sechzehnten Jahrhundert bis zur Gegenwart”, Dobu Verlag, Hamburg 2009). Solche Untersuchungen zeigen, dass es beispielsweise nicht notwendig war, bis zum zwanzigsten Jahrhundert zu warten, um zu sehen, dass die Gewalttätigkeiten gegen die Indianer des amerikanischen Kontinents entschieden verurteilt wurden: Trotz der Rechtfertigungen des spanischen Eroberers Hernán Cortés unterstrich der Dominikaner Bartolomé de Las Casas schon im sechzehnten Jahrhundert den illegitimen Charakter der Gewalttaten der Konquistadoren in Mexiko und hob diese Frage auf eine ethische Ebene.

Auch die Verantwortlichen der Geschehnisse, die als Massaker der Waldenser bis in die Gegenwart überliefert wurden, standen schon Mitte des sechzehnten Jahrhunderts “außerhalb der Menschlichkeit”. Der Wortschatz der Gewalt folgte immer rascher der faktischen Gewalt. So erhielt auch der Begriff “Massaker” – wie er erneut im Fall Bengasis als Argument für die westliche Militärintervention verwendet wurde – im sechzehnten Jahrhundert seine bis heute gültige Bedeutung als Umschreibung für den Mord an einer großen Zahl wehrloser, in den meisten Fällen ziviler Personen. Der Gebrauch dieses Begriffs unterstrich schon in der damaligen Epoche ein Abnehmen der Toleranz gegenüber Greueltaten und eine größere Empfindsamkeit gegenüber “Entgleisungen” im Krieg.

Rousseau und Schmidt wenden sich gegen die gerade heute weitverbreitete Neigung, das Ereignis der “Entgleisung” in eine in diesem Sinne konstruierte Rationalität einzubetten, eine Ordnung an die Stelle einer Unordnung zu setzen. Denn dieses Bemühen kann sich als illusorisch erweisen. So ist es oftmals problematisch, den Anteil an Entgleisungen auszumachen, der impulsiven Reaktionen zukommen kann. Ferner erscheint ein asymmetrisches Kräfteverhältnis oft als ein Element, das Entgleisungen erleichtert. Hinzu kommt die entscheidende Bedeutung der Art und Weise militärischer Führung. Die besonderen Bedingungen einer Kriegführung auf fremden Territorien durch isolierte Truppenverbände, die von ihrer Basis getrennt oder zumindest weit entfernt sind, öffnen vielen Arten von Entgleisungen Tür und Tor. Oft führen Schwierigkeiten der Truppenversorgung zu einer Vielzahl von Kontakten mit wehrlosen Zivilisten und damit zur Vervielfältigung von Gewalttätigkeiten am Rande der Kriegsschauplätze.

Bereits die Kriege des sechzehnten Jahrhunderts in den Niederlanden haben gezeigt, dass Ausschreitungen gegen die Zivilbevölkerung von der militärischen Führung immer wieder als ausnahmsweise Überschreitung der Disziplin betrachtet wurden, die es zu kontrollieren galt, dass sie oft aber auch als eine Art Sicherheitsventil für fehlende Soldzahlungen betrachtet und entsprechend toleriert wurden, und dass sie ebenfalls in Zusammenhang mit der feindlichen Haltung der Bevölkerung standen und aus den Leiden resultierten, die die Feldzüge den Soldaten auferlegten. Nicht selten wurden diese Verbrechen als ein “notwendiger” Ausgleich für die Schärfe der militärischen Disziplin innerhalb des Dienstes und der Kämpfe betrachtet.

Mit Blick auf die berechtigte Empörung über die Verbrechen von Gaddafis Truppen an der eigenen Bevölkerung muss sich der Westen zugleich den historischen Spiegel von Rousseau und Schmidt vorhalten lassen. Denn infolge der ständigen Verletzung des europäischen Kriegsrechts in den Kolonialkriegen in Afrika bildeten die dortigen Entgleisungen beinahe schon selbst wieder eine Norm und eine Art der Kriegführung, die von Europa aus exportiert wurde. So war auch Lateinamerika im Unabhängigkeitskampf Schauplatz eines schmutzigen Krieges, dessen grausamste Elemente bereits während der Kämpfe gegen die napoleonischen Truppen in Spanien zu beobachten gewesen waren. Und was die französische Kriegführung in Algerien und das britische Vorgehen im Kongo betraf, so schienen hier Kriegsverbrechen geradezu Bestandteil politisch-militärischer Kolonialstrategien. Somit trifft der Westen heute in Libyen keinesfalls auf spezifisch “mittelalterliche Belagerungen”, sondern auf eine Kriegführung, die nicht nur epochenübergreifend Anwendung findet, sondern auch ein historischer Export Europas ist.

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Zunächst finde ich es ein wenig schade, dass Speckmann in seinen Ausführungen das Mittelalter, welches im Titel angekündigt wird, gänzlich unerwähnt lässt – das hätte mich doch auch sehr interessiert.

Aber was sollen denn diese Sätze: „Gaddafis Kriegführung in Libyen ist kein epochenspezifisches Phänomen, sondern ein historischer Export Europas (…) in Afrika bildeten die dortigen Entgleisungen beinahe schon selbst wieder eine Norm und eine Art der Kriegführung, die von Europa aus exportiert wurde. (…) Und was die französische Kriegführung in Algerien und das britische Vorgehen im Kongo betraf, so schienen hier Kriegsverbrechen geradezu Bestandteil politisch-militärischer Kolonialstrategien. Somit trifft der Westen heute in Libyen keinesfalls auf spezifisch ‘mittelalterliche Belagerungen’, sondern auf eine Kriegführung, die nicht nur epochenübergreifend Anwendung findet, sondern auch ein historischer Export Europas ist.“

Ich bin über die Geschichte Algeriens und Kongos nicht besonders im Bilde, aber kann mir vorstellen, dass die Kolonialmächte tatsächlich oft grausam und verabscheuenswürdig vorgegangen sind. Ich möchte jedoch fragen, was dort vor sich ging, bevor die Europäer erschienen? 

Na klar, der mohammedanistische Sklavenhandel grassierte, ein Sklavenhandel, der in 1.400 Jahren Mohammedanismus niemals und auch heutzutage noch nicht zum Erliegen gekommen ist. Dem von jeher jeglicher Gedanke an ein „Kriegsrecht“ fremd ist.

Die Orks versklavten in Afrika, so Dr. Egon Flaig (1), insgesamt 50 Millionen Menschen und nochmals – vor allem von den Maghreb-Staaten aus – 1,2 Millionen Europäer. Da pro Sklave von fünf damit verbundenen Toten ausgegangen werden muss (Jagd, Flucht, Tod des Ernährers), ist eine Todeszahl von 250 Millionen Afrikanern sowie 6 Millionen Europäern nicht unwahrscheinlich. Die Gesamtzahl der Opfer des Mohammedanismus müsste demzufolge von 270 Millionen auf 400 Millionen korrigiert werden (2).

Wie dem auch sei, die genannten Regionen waren mit ziemlicher Sicherheit auch schon vor der Ankunft der Europäer die Hölle, und zwischen 1988 und 2004 hatten die Jugendlichen des unabhängigen Algeriens denn auch nichts besseres zu tun, als sich 150.000-fach die Kehlen durchzuschneiden. Michael Mannheimer (s. 1):

„Vom ersten Tag des transatlantischen Sklavenhandels an führten die Europäer in der Alten wie in der Neuen Welt eine erregte Debatte über die Sklaverei. 1794 wurde sie von der französischen Nationalversammlung in allen französischen Territorien verboten. 1833 folgte das britische Parlament dem französischen Beispiel. Auf dem Wiener Kongress beschlossen 1815 die europäischen Monarchen, den Sklavenhandel zu unterbinden. Von da an machte die britische Marine Jagd auf Sklavenschiffe, blockierte die westafrikanische Küste und würgte den transatlantischen Sklavenhandel ab. Der jahrzehntelange Einsatz als maritimer Weltpolizist kostete London viel Geld.“

Apropos Mittelalter, Mannheimer:

„Gar so finster war Europas Mittelalter doch nicht: Vor tausend Jahren waren die Territorien nördlich und westlich der Alpen die einzige Region auf der Welt, in der es keine Sklaven gab. Adlige Güter wurden hier von Bauern bewirtschaftet, die in unterschiedlichen Stufen abhängig und unfrei waren. An die Stelle der Sklaverei trat die Leibeigenschaft. Anders als Sklaven gehörten Leibeigene zur Gesellschaft und fristeten, zwar am unteren Ende der sozialen Leiter, ein halbwegs menschenwürdiges Dasein. Niemand durfte sie verkaufen oder verschleppen. Als die (christlich geprägten) Normannen  1066 England (durch Herzog Wilhelm II. aus der Normandie (Nordfrankreich)) eroberten, unterdrückten sie dort die Reste der Sklaverei rigoros. Im ‘Sachsenspiegel’, dem (ältesten) Gesetzeswerk (Rechtsbuch) des deutschen Mittelalters, wurden Mitte des 13. Jahrhunderts sowohl Leibeigenschaft als auch Sklaverei aufgehoben. Frankreichs König Philipp der Schöne schenkte 1299 allen Leibeigenen auf seinen Krongütern die Freiheit, weil ‘jegliches menschliche Geschöpf, welches nach dem Bild unseres Herrn geformt ist, kraft des natürlichen Rechts frei sein muss’. Da war es schon, das ‘natürliche Recht auf Freiheit’, fast 500 Jahre vor der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, mitten im sogenannten finsteren Mittelalter.“

Wir brauchen uns absolut nicht zu schämen, und wir brauchen keine Verantwortung übernehmen für etwas, das wir nicht zu verantworten haben. Wir haben nicht zu verantworten, was Aff-Affie und all die anderen mohammedanistischen Unmenschen von Marokko bis Indonesien verbrechen. Nicht im Geringsten!

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Time am 27. April 2011

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1) http://michael-mannheimer.info/2011/04/22/der-islam-und-die-weltgeschichte-der-sklaverei/
2) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/23/mohammedanismus-und-sklaverei/

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4 Antworten zu „Nicht im Geringsten“

  1. Sophist X sagt:

    Ich möchte mir den Hinweis erlauben, dass in weniger an Geschichte interessierten Teilen der Bevölkerung das 16. Jahrhundert für das Mittelalter gehalten wird. Das mag für jemanden, der mit diesen Begriffen alltäglich umgeht, kaum zu glauben sein, aber es ist mir in meinem Umfeld wiederholt begegnet. Ich halte es für denkbar, dass Th. Speckmann ein Opfer dieser verbreiteten Epochenverwirrung ist.

  2. jack sagt:

    Die europäischen Kolonialherren unterbanden auch in Ostafrika die Sklavenjagd, den Transport und den Handel. Das führte dazu, daß die Arabische Halbinsel, aber auch Ägypten und das Osmanische Reich keinen Nachschub an Sklaven erhielten. Heute wird jedoch Taqiyya aus diesen Ländern und Anhängern praktiziert und behauptet diese hätten den Sklavenhandel freiwillig, aus humanen Gründen, aufgegeben.

  3. jack sagt:

    Auch interessant zur Sklaverei im Islam: in diesen Ländern gibt es auch heute fast keine Nachkommen aus Europa und Afrika (ganz im Gegensatz zu den heutigen Amerikas), die Sklaven wurden prinzipell ENTMANNT (nirgend in der Welt und Geschichte kam das sonst vor). Keine Blauäugigen in Saudiarabien und keine Dunkelhäutigen in der Türkei und umgekehrt auch!
    Weil es diese nicht gibt, so könnte es auch nie eine Sklaverei dort gegeben haben. Wie, alle Juden und Christen wurden zu Klo H. Menzels Zeiten massakriert, es gibt heute dort keine – ergo es hat nie welche gegeben.

  4. jack sagt:

    Kein Musi-Spam!
    Warum bei uns? – Nur HIER ist es zu haben!
    Eine Super Stimme und Zuhörer, die allesamt nicht verfolgt werden!

    Wer hat schon das letzte Rockkonzert in Riad überlebt?!
    Bitte Melden…

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