Dass der Counterjihad an Boden gewinnt, ist nicht zuletzt daran zu sehen, dass ein FAZ-Redakteur nach dem anderen beginnt, in seine Richtung zu tendieren. Heute beschuldigte Joseph Croitoru die iranischen Machthaber, das syrische, alevitische Minderheitenregime zu unterstützen.
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Heimliche Helfer
Hinweise auf iranische Unterstützung für Syrien
Die Zeichen mehren sich, dass das Assad-Regime in Syrien, dessen Ende die Oppositionsbewegung am heutigen Freitag in zahlreichen angekündigten Demonstrationen wieder fordern wird, zunehmend in Bedrängnis gerät. Das Land ist der arabische Schlüsselverbündete von Iran, also würde Assads Sturz auch die persische Demokratiebewegung stärken. Aber genau dieses Szenario will man in Damaskus wie in Teheran um jeden Preis verhindern. Deshalb gilt es jetzt offenbar, bei der Unterdrückung der Proteste möglichst viel voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen.
In den letzten Tagen häuften sich die Hinweise darauf, dass sich Assad die Erfahrungen seines Bündnispartners Iran zunutze macht und er bei der Zerschlagung der Demonstrationen womöglich direkte Hilfe aus Teheran bekommt. So führt derzeit das syrische Staatsfernsehen wiederholt geständige “Terroristen” vor, die angeblich Anschläge auf Angehörige der Sicherheitskräfte verübt haben. Derartige Inszenierungen, über die die syrische Regierungspresse dann ausführlich berichtet, sind vor allem aus dem iranischen Fernsehen bekannt. Festgenommene demokratische Aktivisten wurden dort nach größeren Protestwellen dem Volk als reuige Verschwörer präsentiert.
In der syrischen Version lässt man die Geständigen sagen, sie seien von einem radikalislamischen “Scheich” zum Dschihad gegen das Regime mobilisiert worden. Als Mitverschwörer und Drahtzieher werden aber nicht nur religiöse “Extremisten” angeführt, sondern den Aussagen der Verhafteten zufolge sollen an den subversiven Aktionen auch nicht näher bezeichnete “Intellektuelle” beteiligt gewesen sein, womit man diese Gruppe ebenfalls pauschal zu Staatsfeinden erklärt.
Wie es zu solchen Geständnissen kommen kann, schilderte jüngst ein anonymer Teilnehmer des oppositionellen arabischsprachigen Internetforums “Shababsyria” (Syriens Jugend). Geheimpolizisten hätten ihn ohne Vorwarnung am Arbeitsplatz aufgegriffen und verhaftet. Er habe dann mehrere Tage in verschiedenen Gefängnissen zugebracht, wo Offiziere der Staatssicherheit auch unter Anwendung verschiedener Foltermethoden versucht hätten, ein Geständnis aus ihm herauszupressen. Er sollte zugeben, dass er islamischer Terrorist sei; an zweiter und dritter Stelle stand die Option, amerikanischer oder zionistischer Spion zu sein. Nach eigenem Bekunden leistete der wiederholt Gefolterte konsequent Widerstand und wurde schließlich entlassen. Ihm war während seiner Tortur etwas aufgefallen, was besonderen Mitteilungswert hat: Unter den Folterknechten hätten sich einige befunden, die mit libanesischem und iranischem Akzent sprachen. Man darf hier Hilfskräfte aus den Reihen der proiranischen libanesischen Hizbullah und aus der berüchtigten Gefängniswelt von Iran vermuten.
Dass das syrische Regime bei den Repressionen gegen die Demokratiebewegung Handlanger aus dem Libanon und Iran einsetzt, dafür spricht auch die jüngste Protesterklärung syrischer Studenten der Universität Damaskus. Wo immer einheimische Studenten sich versammelten, da seien bald auch libanesische und iranische Kommilitonen zur Stelle, die den Demonstrierenden handgreiflich begegneten. Die syrischen Studenten, die auf freie Meinungsäußerung pochen, sind davon überzeugt, dass es sich bei den gewalttätigen libanesischen Hochschülern um Anhänger der schiitischen Hizbullah handelt.
Ähnliches wird mittlerweile über die Zerschlagung der landesweiten Protestkundgebungen berichtet. Laut Augenzeugenberichten werden die Sicherheitskräfte bei ihrem gewaltsamen Vorgehen immer wieder von iranischen Helfern unterstützt. Auf den Internetseiten der Opposition, etwa “Syrianrevolution”, hat man dafür eine plausible Erklärung: Weil sich syrische Soldaten weigerten, auf demonstrierende Landsleute zu schießen, übertrage das Regime diese Aufgabe zunehmend der iranischen Verstärkung, die weniger Hemmungen habe. Bestätigen lassen sich solche Berichte, mit denen die Aktivisten das Verhalten der Regierung als skrupellos und verräterisch entlarven wollen, allerdings nicht. Auffälligerweise begannen solche Beobachtungen zu kursieren, als die amerikanische Regierung verlauten ließ, ihr lägen konkrete – wenn auch nicht weiter spezifizierte – Beweise für eine aktive Einmischung von Iran in Syrien vor. Auch sollte man den triumphierenden Unterton, der in den Meldungen über Hilfsdienste der Iraner mitschwingt, nicht übersehen – wird doch als Grund für diese Maßnahme gern suggeriert, dass immer häufiger syrische Sicherheitsleute Befehle aus moralischen Gründen verweigern.
Fest steht, dass die syrischen Machthaber, anders als die iranischen, kaum auf das Szenario geographisch breitgestreuter Massendemonstrationen vorbereitet waren. Mit dem verstärkten Einsatz von Panzereinheiten versucht man nun wohl die unzureichenden Kapazitäten der eigenen Schlägertrupps zu kompensieren. Dass Assad dabei auf die Hilfe der damit sehr erfahrenen iranischen Basidsch zurückgreift, ist allemal plausibel.
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Time am 29. April 2011
Schlagwörter: Joseph Croitoru
