
Polizistinnenausbildung in L.A., anno dunnemals
Es ist nicht möglich, die griechische Grenze zur Türkei zu schließen, aber für Ägypten und Tunesien sollen 28 Milliarden Euro bereit gestellt werden, nur weil eine mohammedanistische Clique die andere mohammedanistische Clique von der Macht vertrieben hat (1). Seltsam!
Demokratie und westliche Werte sollen dort angeblich Einzug halten, aber dass das wohl nur ein Wunschtraum westlicher Technokraten bleiben wird, zeigen schon die Aussagen intellektueller Orks à la Hamid Dabashi (2) und Cem Özdemir (3). Diesen geht es zuallererst um eines: um den Mohammedanismus. Mit diesem werden die Mohammedanisten geboren, und ihn dürfen sie nicht verlassen. Sie stellen nicht die Frage, warum man sich überhaupt zu dieser Ideologie zählen sollte, sie nennen keine Textstellen, die es wert wären, gelesen zu werden. Hat denn der Sohn eines Nazis die Pflicht, immer Nazi bleiben zu müssen? Warum darf an die Mohammedanisten nicht die Frage gerichtet werden, warum sie überhaupt Mohammedanisten bleiben müssen? Wenn man diese Frage nicht stellt, wenn man nicht grundsätzlich die Notwendigkeit für einige Menschen, den Kloran zu verehren, verneint, bejaht man die mohammedanistische These, alle Menschen seien als Mohammedanisten geboren und alle Nicht-Orks seien Verräter. Ahmed Al-Tayeb,
Scheich der Kairoer Al-Azhar-Universität (4):
FRAGE: „Dann müssten auch Muslime das Recht haben, sich vom Islam abzuwenden.“
ANTWORT: „Religion ist kein Kleid, das man jederzeit wechseln kann. Ob Muslimen, die sich vom Islam abwenden, die Todesstrafe droht, ist unter den Rechtsgelehrten umstritten. Ich bin nicht dieser Meinung.“ Oh, das ist ja reizend, sie dürfen zwar nicht konvertieren, aber sie dürfen am Leben bleiben: Wir haben offenbar ein Reformork vor uns.
„Können Muslime überhaupt überzeugte, vertrauenswürdige Demokraten und gute deutsche Staatsbürger sein?“ fragt Özdemir scheinheilig und listet Menschen mit Orkhintergrund auf als da wären:
„Darunter sind Gläubige mit und ohne Kopftuch, Kulturmuslime, Säkulare, Laizisten und Atheisten, Schwule, Lesben und Naturschützer.“
Moment mal, „Säkulare, Laizisten und Atheisten, Schwule, Lesben und Naturschützer“ mögen vielleicht eine Orkvergangenheit haben, aber sie sind mit Sicherheit keine Mohammedanisten, da die orkischen Grundlagentexte für sie – Naturschützer ausgenommen – nur die Todesstrafe bereithalten. Diese aber mischt Özdemir mit den „Gläubigen mit und ohne Kopftuch“, mit den Fundamentalisten zusammen, d.h. er fordert mehr Spielraum für die verbrecherische Ideologie im Namen derer, die sich von ihr abgewendet haben. Das ist parasitisch und verdreht – und also typisch mohammedanistisch.
„Denn die Debatte kann nicht mehr geführt werden, ohne dabei auch an die Revolutionen in Ägypten und Tunesien zu denken. Der laute Ruf nach Demokratie, Freiheit und Teilhabe am Wohlstand in diesen muslimischen Ländern bringt die radikalen Islamkritiker mit ihrer Konstruktion eines vermeintlich unveränderlichen Wesens gehörig in die Bredouille.“ Ach, woher denn, eben grade nicht! Die Öffnung nach Gaza, die Vergewaltigung der amerikanischen Journalistin, die Hasstiraden gegen Israel und die Juden, die abgeschlachteten Christen, Anschläge auf Synagogen usw. bestätigen die Skepsis der Islamkritiker, die alles andere als radikal sind – außer in ihrer Gegnerschaft zum Nazislahm. Dass Özdemir hier entgegen den Tatsachen den Sieg westlicher Werte behauptet, zeigt, dass er im Dienst des Mohammedanismus bewusst verschleiern und lügen will.
So erklärt er auch eine Reihe Orks, die der Islamkritik bereits mehrfach als intellektuelle Wegbereiter des Nazislahms aufgefallen sind, zu Erfolgstypen, die alles andere als „statistische Ausreißer“ seien, während in Wirklichkeit „die Fundamentalisten“ die Ausreißer seien.
„Nach diesem Muster sind Navid Kermani, Katajun Amirpur, Fatih Akin und Feridun Zaimoglu bloß statistische Ausreißer, während die Fundamentalisten das angeblich unveränderliche Wesen des Islam abbilden.“
Aber nicht doch, Kermani und Co. SIND Fundamentalisten, denn entweder ist man fundamentalistischer Mohammedanist oder kein Mohammedanist. Feridun Zaimoglu beispielsweise verspürte den dringenden Wunsch, einem lebendigen Schaf den Kopf abzuschneiden, kaum dass er nach längerer Zeit türkischen Boden betreten hatte (5) - und wie Özdemir sich in die Bresche wirft, sagt alles.
„Ork forever“ ist eine grundlegende These des Mohammedanismus, die Unterdrückung der Frauen eine andere. Ich habe bereits vieles dazu geschrieben, lesen Sie mal, was ein namenloser schiitischer Blogger zum Besten gibt (6):
„Die Irrlehren der Taliban haben nichts mit dem Islam zu tun. Sie erinnern uns viel eher an die vorislamische Zeit. Damals begruben die unwissenden Araber ihre Töchter bei lebendigem Leib, weil sie sich für sie schämten. Die Männer verkauften, vermieteten und verschenkten ihre Frauen, nach Lust und Laune. Vor einigen Jahrhunderten betrachtete man in Europa die Frau ebenfalls als minderwertig. Die Frauen wurden mit Ausnahme von Maria (die Mutter des Propheten Isa) als halbmenschliche Wesen betrachtet, ohne eine ewige Seele. Sie besaßen kein Wahlrecht und lebten wie Haustiere.“
Ich halte diese Ausführungen für falsch und verlogen. Vor Klo H. Metzel hatten die Frauen Rechte, während und im Anschluss an seine Herrschaft wurden diese immer weiter eingeschränkt (7). Die Geschichte mit den eingegrabenen Mädchen ist ein Fake nach dem Motto „Haltet den Dieb!“ Den Verkauf von Menschen, die Sklaverei sieht der Mohammedanismus nach wie vor vor, weil er eine Sklavenhalterideologie ist. Deshalb ist er auch eine primitiv-physische Gewaltideologie für Männer, und deshalb muss es unten am Boden der Gesellschaft jemand geben, auf dem herumgetrampelt werden kann. Das sind naturgmäß die Frauen (8), weil sie physisch schwächer sind (9).
„Der Islam versah die Frauen mit Macht, er hat sie den Männern gleichgestellt, so dass diese gleichberechtigt sind wie diese. Allerdings betrifft eine Reihe von Anordnungen speziell die Frau, da sie für diese günstig sind und nicht etwa, weil…“ Ja, ABER! Die Lage der Frauen in allen mohammedanistischen Ländern ist erbärmlich, aber das hat mit dem Mohammedanismus natürlich nichts zu tun. Interessanterweise wurde der Iranerin Ameneh Barami kürzlich denn doch das Recht abgesprochen, die Augen des Mannes zu veröden, der sie mit Säure übergossen hatte (10). Warum? Weil eine mohammedanistische Frau eben nicht die Hand an einen mohammedanistischen Mann legen darf. Weil sie prinzipiell weniger wert ist als er. Weil dies ein Grundpfeiler des Mohammedanismus ist, den außer der Existenz Israels nichts so stört wie die Freiheit der westlichen Frauen.
Diese wiederum, die u.a. durch die Emanzipationsbewegung durchgesetzt wurde, ist nicht nur Counterjihad – was sie ist! Sie ist m.E. auch eine Ursache für unseren phänomenalen Erfolg!
Lesen Sie jetzt diesbezügliche Betrachtungen von Claudius Seidl, die durch einen ausführlichen Aufsatz von Jörg Albrecht über den Machtmissbrauch von Chefs, ein Männerproblem, ergänzt werden.

Der November kommt
Ist Männlichkeit ein bedrohtes Kulturgut? Und was nutzt all das Zürnen und Jammern? Die Ökonomie wird schon dafür sorgen, dass die Frauen immer männlicher und Männer weiblicher werden Wenn die Hälfte der Menschheit sich von den Angewohnheiten der anderen belästigt fühlt, wird es Zeit, sich ein paar Dinge abzugewöhnen.
Waren das tatsächlich die Nachrichten der vergangenen Woche – oder haben die Zeitungen womöglich einen Roman aus dem Paris des ancien régime nacherzählt, eine Novelle aus dem Wien der vorletzten Jahrhundertwende, einen fiktionalen Text also, bisschen trivial und schwülstig: eine sehr, sehr altmodische Männerphantasie, welche, wenn man sie sich bildhaft vorzustellen versuchte, noch nicht einmal das Format von Pasolinis „Decamerone“ hätte. Eher sähe sie so aus wie der Maskenball in Stanley Kubricks „Eyes Wide Shut“, so falsch und pompös, verklemmt und ungeheuer altherrenhaft.
Da sind also hundertfünfzig deutsche Handelsvertreter nach Budapest gefahren, haben sich, wie eine Frau, die dabei war, einer Zeitung berichtet hat, zwischen den eklektizistischen Säulen des Gellért-Bades erst Mut angetrunken, dann aber, erhitzt vom Alkohol und den Dämpfen des Thermalbads, alle Hemmungen abgelegt – und bei der Orgie, die dann gefeiert worden sei, habe man, dank gelber, roter und weißer Armbänder, sehen können, welche der Damen zu welchem Dienste bereit war. Man habe sich in Himmelbetten mit Vorhängen drum herum zurückziehen können; davor habe jedes Mädchen noch schnell einen Stempel auf die Haut bekommen.
Kann es wirklich sein, denkt sich beim Lesen der Zeitungskunde, dass diese Männer und die Leute in den Chefbüros der Versicherung, wo das alles organisiert und schließlich auch gezahlt wurde, kann es wirklich sein, dass sie alle glaubten, man müsse nur nach Budapest fahren, um die Zeit, das Genre und die Realitätsebene zu wechseln? Haben sie, bloß weil es vier Jahre dauerte, bis sich die Sache herumsprach, wirklich geglaubt, sie kämen damit davon? Hat ihnen keiner gesagt, dass dies das 21. Jahrhundert ist – jene Gegenwart also, in der man, so als halbwegs erwachsener Mann, zwar noch immer die Versuchung spürt, jene riesigen Plakate anzuglotzen, auf welchen in diesen Tagen sehr hübsche, sehr junge Frauen für sehr knappe Bikinis der Marke H&M werben? Was man aber selbstverständlich bleiben lässt, weil so ein Starren und Glotzen ungefähr so unangemessen wäre, wie wenn man rauchte in der U-Bahn oder sich zur morgendlichen Lagebesprechung im Chefbüro eine Flasche Bier mitbrächte: Es wäre blöder male chauvinism, der Blick allein etablierte schon das falsche Machtverhältnis. Und eine verdammte Unhöflichkeit gegenüber all den Frauen, die, während sie an diesen Plakaten vorübergehen, Schuhe, Hosen und ein Jackett tragen, wäre es sowieso.
Früher hätte man sich beim Anblick dieser Plakate gedacht: Was für eine Verschwendung, diese Bilder in den schönen Mai hineinzuhängen. Im grauen November wären diese Farben, die Formen und das Lächeln doch ein viel wertvollerer Trost.
Heute wissen wir, dass wir im November der Männer leben.
Es in den vergangenen Wochen ziemlich viel durcheinandergeraten im Gespräch über Sex und Macht, Zwang und Käuflichkeit – und weil die meisten und die Lautesten, die dazu eine Meinung hatten, Männer waren, klang es so oft wie Verschleierung und Verharmlosung, wie Erklärung und Entschuldigung. Vor allem aber klang es so, als wären die Männer noch immer an der Macht; und als ob diese Macht sich noch retten ließe.
Man sieht aber nicht ganz klar, wenn man mittendrin steht – und schon deshalb muss man ganz genau lesen, was in diesen Tagen die Frauen schreiben, und einen ganz besonders bösen und verdrossenen, einen ganz besonders starken Text hat die Schriftstellerin Sibylle Berg geschrieben, in ihrer Kolumne bei Spiegel Online, die sie „Männer, ich habe es satt!“ überschrieben hat. Zu diskutieren und zu argumentieren, schreibt Sibylle Berg, habe sie keine Lust mehr, und wer ihre Kolumne gelesen hat, versteht auch, warum das so ist. „Ich habe es aufgegeben, Männern erklären zu wollen, warum mich verschleierte Frauen demütigen, warum nackte Frauen in Schaufenstern mich demütigen, warum Frauen, die sich nackig für Hefte fotografieren lassen, um ihre Karriere als Schauspielerin-Schrägstrich-Model-Schrägstrich-Moderatorin anzukurbeln, mich demütigen. Ich werde Männern nicht erklären können, dass es mir ist, als ob ich ein Schwarzer wäre, der an seinen Kumpels mit Fußfesseln vorbeispaziert, die auf Baumwollfeldern ihren Job machen.“
Es wäre lächerlich, im Archiv der üblichen Argumente nach der Gegenrede zu suchen – auch wenn der Umstand, dass Frau Berg sich vom Schleier wie von der Nacktheit gleichermaßen belästigt fühlt, schon die Frage provoziert, was dann zu tun wäre: Brauchen wir eine Kleidungsnorm, eine Anstands-Uniform, welche die sexistischen Blicke zurückweist, aber noch nicht unter Vermummungsverdacht fällt?
Es geht nicht darum, Sibylle Berg zu widersprechen, es geht darum, gefälligst zur Kenntnis zu nehmen, dass die meisten Frauen ihr zustimmen, wenn sie schreibt: „Ich will das alles nicht. Ich will nicht, dass die Hälfte der Erdbevölkerung zur Lustbefriedigung der anderen bereitsteht, ich will keine nackten Frauen auf Tageszeitungen, ich will keine Pornos, ich will den ganzen Dreck nicht, der nahelegt, mich als Ware zu betrachten.“
Die Freiheit, die man diesen Sätzen intuitiv entgegenhalten möchte, wäre die Freiheit, „Neger“ zu sagen, obwohl der so Benannte sich davon belästigt fühlt, es wäre die Freiheit, sich seinen Mitmenschen gegenüber gehen zu lassen, es wäre eine Freiheit, auf welche man, im Namen der Höflichkeit und der Rücksichtnahme, gerne verzichten darf, ohne dass der liberale Rechtsstaat aufhörte, liberal zu sein. Wenn die Hälfte der Menschheit sich von den schlechten Angewohnheiten der anderen Hälfte belästigt fühlt, dann wird es einfach Zeit, sich ein paar Dinge abzugewöhnen.
Dieses Feuilleton hat sich an diesem Platz schon vom Rauchen und dem Trinken verabschiedet – und dass demnächst die Prostitution und die Pornographie dran sind, ist da nur konsequent. Zwar fordert eigentlich nur die Zeitschrift „Emma“ ein strenges Verbot von beidem. Zwar steht selbst im Programm der Grünen, deren Tugendherrschaft ja, wie die letzten Wahlergebnisse zeigen, nicht nur in den gentrifizierten Städten kommen wird, nur die Forderung nach härteren Strafen für die Kunden von Zwangsprostituierten. Aber wahrscheinlich braucht es gar keine Verbote, vermutlich ist die Forderung nach Abschaffung von Pornographie und Prostitution ungefähr so dringend, wie wenn man Ende November die baldige Abschaffung des alten Jahres forderte.
Sie wird kommen, ob das jemand fordert oder nicht.
Pornographie ist allseits verfügbar, dank des Internets, und genau das wird ihr die materielle Grundlage entziehen – weil kein Mensch mehr dafür zahlen will. Und wenn die Stars des Genres wie Jessica Drake und Alektra Blue in den Videos von Lady Gaga mitspielen, dann ist das nicht die Pornographisierung der Popmusik; eher schon die Flucht heraus aus der Pornographie.
Und der Absturz der Hamburg-Mannheimer, sagen kluge Frauen, wäre nie passiert, wenn es in den Führungsetagen deutscher Unternehmen eine Frauenquote gäbe. Sibylle Berg geht so weit und behauptet, eben deshalb gebe es dort oben keine Frauen: Damit die Männer weiter ungestört herumsauen können.
Mag sein, ist aber auch so eine Aussage, die im November der bestehenden Verhältnisse formuliert wird. Es sind nicht nur die Mädchen und die jungen Frauen, die ja an den Schulen und in den Universitäten so erfolgreich sind, dass sie, in zehn, fünfzehn, zwanzig Jahren die Führungspositionen unter sich verteilen werden, ob das den letzten Chauvinisten dort oben nun passt oder nicht. Es ist schon der Kapitalismus, es ist der Produktionsstandort Deutschland, der, angesichts des Bevölkerungsschwunds, nicht nur auf all die Frauen nicht verzichten kann. Er strebt ganz generell nach der Einebnung der Geschlechterdifferenzen, er braucht männlichere Frauen und weiblichere Männer, er wird den Männern die Bordelle abgewöhnen, so wie er es ihnen abgewöhnt hat, attraktiven Kolleginnen in den Hintern zu kneifen.
Die Kulturtechniken, die uns dabei verlorengehen werden, sind nicht die Pornographie und die Prostitution. Beides gab es zwar jahrtausendelang, aber das gilt auch für die Pest, den Aussatz oder die Angewohnheit, Menschen wegen ihrer Hautfarbe zu hassen und wegen ihrer Religion zu töten. Oder umgekehrt.
Das Kulturgut, das dabei verlorengeht, ist jene Männlichkeit, die in der Differenz der Geschlechter ihre Grundlage hat. Nein, es ist nicht unbedingt so besonders männlich, sich vorher Mut anzutrinken und hinterher den Sex mit einer ungarischen Prostituierten als Spesen abzurechnen.
Es ist eher eine Haltung, es ist das Bewusstsein einer Entfernung zu den Frauen, die niemals leicht zu überwinden ist und manchmal gar nicht, einer Ferne, die wir vielleicht zu oft nur mit unserem Schweigen füllen, weil wir darauf horchen, ob auf der anderen Seite jemand ruft. Manchmal rufen wir auch selber hinein, manchmal machen wir uns auf den Weg, und wenn er weit ist, füllen wir die Leere mit unseren Bildern.
Seltsam, und irgendwie paradox, dass uns so viel liegt an dieser Ferne. Seltsam, dass wir ihr Verschwinden so fürchten.
_____
Die dunkle Seite der Macht
Kann es sein, dass Chefs dazu neigen, komplett die Kontrolle über sich zu verlieren? Im Experiment haben Psychologen untersucht, was in den Köpfen menschlicher Alphatiere vorgeht.
Wer das wahre Gesicht der Macht studieren will, muss ihr erst einmal nahekommen. Für Politikjournalisten ist und bleibt das eine Herausforderung. Der „Spiegel“-Redakteur Cordt Schnibben, vormals bei der „Zeit“, beschrieb einmal rückblickend, wie sich der Altkanzler Helmut Schmidt geriert haben soll, als er, zum Herausgeber der Wochenzeitung berufen, an den Führungskonferenzen teilnahm: Er habe endlos monologisiert, sei allen ins Wort gefallen und habe vor allem, was im Hause nicht üblich war, hemmungslos den Teller mit den Konferenzkeksen geplündert. Schnibben wurde daraufhin vorgeworfen, er sei doch gar nicht dabei gewesen. Immerhin fanden sich genügend Augenzeugen, die das mit den Keksen bestätigen konnten; wenigstens als „szenische Rekonstruktion“ wird die Beobachtung gestimmt haben.
Plausibel wäre sie ohnehin. Die Psychologin Deborah Gruenfeld von der Stanford School of Business hat eine ähnliche Situation experimentell nachgestellt. Jeweils drei ihrer Studenten sollten zusammen eine Arbeitsgruppe bilden und ein politisches Problem diskutieren. Einem davon fiel die Aufgabe zu, die Qualität der Argumente zu bewerten. Er durfte sich als Chef fühlen. Mitten in der Diskussion wurde zur Stärkung ein Teller mit vier Keksen hereingereicht. Die allgemeine Höflichkeit gebot, wenigstens einen übrig zu lassen. Doch wer von den drei Studenten nahm den vierten? Stets der Chef. Filmaufnahmen zeigten, dass der zum Vorgesetzten beförderte Teilnehmer obendrein schlechte Manieren entwickelte: Er kaute demonstrativ mit offenem Mund und ließ ungeniert Krümel fallen.
Das kann man in jedem Büro beobachten: Wer legt die Füße auf den Schreibtisch und nimmt sie auch dann nicht herunter, wenn ein anderer den Raum betritt? Wer darf Anwesende ignorieren, sie ohne Entschuldigung warten lassen, ihnen jovial auf die Schulter klopfen, sie nicht ausreden lassen, Witze auf deren Kosten reißen, dies und das für Blödsinn oder das Ende der Diskussion erklären? Immer der, der das Sagen hat.
„Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, gib ihm Macht“, soll Abraham Lincoln gesagt haben. Offenbar existiert eine dunkle Seite der Autorität, die umso stärker hervortritt, je absoluter die Verfügungsgewalt ist, die ein Mensch über andere besitzt. Macht verändert vor allem den Mächtigen. Ehemals Gleichrangige stehen staunend dabei, wenn ein Kollege beim Marsch auf den Chefsessel rücksichtslos alle Moralvorstellungen über Bord wirft, die er eben noch wortreich verteidigt und vielleicht sogar besonders rigoros vertreten hat. In der Literatur ist vom „Paradox der Macht“ die Rede: Gerade jene Eigenschaften, die einen Menschen dazu qualifizieren, andere zu leiten, also beispielsweise soziale Kompetenz, Motivationskraft, intuitives Erfassen komplexer Zusammenhänge, scheinen wie von Zauberhand zu verschwinden, sobald die angestrebte Führungsposition erreicht ist.
Wer wird Chef? Und warum? Wie schafft er es nach oben, was passiert dann mit ihm? Wollte man das empirisch ergründen, müsste man die Erfolgreichen über längere Zeiträume hinweg beobachten und befragen. Nun gehört es aber zu den wesentlichen Strategien einer Angela Merkel oder eines Dominique Strauss-Kahn, sich nicht in die Karten schauen zu lassen. Die eigenen Motive verborgen zu halten zählt zum Tagesgeschäft der Machthaber. Was es der Wissenschaft nicht eben leicht macht: Objektive Feldforschung ist nicht möglich an der Spitze der Gesellschaft.
Ersatzweise haben Sozialpsychologen Modelle entwickelt, das Innenleben der Mächtigen zu simulieren. Gibt es bei ihnen mentale Prozesse, die quasi automatisch ablaufen? Ein experimenteller Ansatz dazu wurde in den neunziger Jahren in den Vereinigten Staaten entwickelt. Beim sogenannten priming wird den Versuchspersonen ein kurzer Reiz präsentiert, der sie in eine bestimmte Richtung prägen soll. Das scheint erstaunlich gut zu funktionieren: Der Psychologe John Bargh von der Yale University beispielsweise legte seinen Probanden einen Sprachtest vor, ohne dass sie eine Ahnung hatten, worum es in Wahrheit ging. Die Sätze, die sie zusammenstellen sollten, enthielten unter anderem Wörter wie „dreist“, „ärgerlich“ oder „unverschämt“. Nachdem sie die Aufgabe erledigt hatten, wurden sie in den Nebenraum gebeten, wo ein Gespräch mit anderen Versuchsteilnehmern stattfand. Zwei Drittel der Kandidaten mischten sich sofort und ungefragt in die Unterhaltung ein. Hatte man sie aber zuvor mit Wörtern wie „Respekt“, „zuvorkommend“ oder „höflich“ eingestimmt, störte nur ein Sechstel von ihnen.
Solche subliminalen Techniken der Beeinflussung waren eigentlich schon in Verruf geraten, nachdem Marktforscher vierzig Jahre zuvor fälschlich behauptet hatten, sie hätten Kinobesucher durch unterschwellige Werbebotschaften wie „Iss Popcorn, trink Coca-Cola!“ zu höherem Konsum angestachelt. Tatsächlich waren Experimente dieser Art nie unter kontrollierten Bedingungen durchgeführt worden. John Bargh und andere konnten nun in sorgfältig arrangierten Versuchen zeigen, dass sich Sozialverhalten sehr wohl aus unbewussten Quellen speist. Wie jemand agiert, hängt weniger vom freien Willen ab, sondern eng mit der allgemeinen Verfassung zusammen, in der er sich gerade befindet.
Suggeriert man Teilnehmern eines psychologischen Experiments zum Beispiel, sie hätten Kontrolle über andere und könnten nach Gutdünken Belohnungen verteilen, sind sie eher geneigt, die Welt nur noch durch die eigene Brille zu betrachten. Adam Galinsky von der Management School der Northwestern University forderte seine Kandidaten nach entsprechender Einweisung auf, sich den Buchstaben E auf die Stirn zu malen. Die Untergebenen führten ihn spiegelverkehrt aus, damit ihr Gegenüber ihn richtig erkennen konnte. Die Chefs hielten es genau andersherum.
Objektiv betrachtet würde man die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, im Falle einer Führungskraft für unverzichtbar halten. Doch das scheint das Erste zu sein, was frischgebackenen Vorgesetzten abhandenkommt. „Macht banalisiert unser Denken“, hat der Sozialpsychologe Dacher Keltner von der University of California in Berkeley festgestellt. „Wir betrachten die Dinge dann nur noch aus dem Blickwinkel unserer Eigeninteressen.“ In Keltners Experimenten waren die Schwachen stets besser darin, die Ansichten und Motive ihrer Mitmenschen korrekt einzuschätzen. Weil Untergebene aber dazu neigen, derartige Erkenntnisse nicht nach oben weiterzureichen, entsteht auf diese Weise ein noch größeres Informationsdefizit für den Anführer.
Quasi zum Ausgleich greifen Chefs dann gern zum Vorurteil. Die Sozialpsychologin Stephanie Goodwin beispielsweise hat in ihrer Doktorarbeit herausgefunden, dass Führungskräfte sehr viel mehr Zeit und Aufmerksamkeit investieren, wenn ihnen Informationen über Mitarbeiter vorgelegt werden, die bestimmten Stereotypen entsprechen (zum Beispiel Urteile wie „gebildet und ehrgeizig“ oder „unzuverlässig und emotional“). Differenziertere Einschätzungen werden beiseitegeschoben. Dazu passt eine Analyse Deborah Gruenfelds, die mehr als eintausend Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten unter die Lupe genommen hat: Je höher ein Richter in der Hierarchie stand, desto simpler waren seine Begründungen.
Die eingeschränkte Kognitionsfähigkeit des Chefs hat Konsequenzen für alle. Sein schlecht begründeter Optimismus („Das schaffen wir!“) ist bei ehrgeizigen Projekten ein schwacher Trost, wenn die übrigen Beteiligten wissen, wie schwierig es in Wahrheit wird. Für den Entscheidungsträger ist dagegen nur wichtig, dass endlich etwas geschieht; Power und Action gehen bei Führungskräften Hand in Hand, fasst Adam Galinsky von der Northwestern University seine Befunde zusammen.
Wie weit die Egozentrik des Chefs führt, ist andererseits auch eine Frage des Charakters. Menschen, denen ihre Omnipotenz täglich vor Augen geführt wird, gelangen irgendwann vielleicht zu der Ansicht, dass Regeln bloß für die Mehrheit gelten, nicht für Ausnahmeerscheinungen wie sie. In Dacher Keltners Experimenten waren die Führungspersonen beispielsweise unisono der Ansicht, Schummeleien bei Reisekostenabrechnungen seien ein ernstes Vergehen. Gab man ihnen jedoch die Chance, die Höhe der Spesenabrechnung insgeheim auszuwürfeln, reklamierten sie zwanzig Prozent mehr, als herausgekommen war – eine Kühnheit gegen die Statistik, die Untergebene nicht wagten. Bei einem ähnlichen Versuch, in dem es darum ging, illegal Geld beiseite zu schaffen, konnte die Managementforscherin Dana Carney von der Columbia Business School sogar physiologische Effekte messen: Erhöhte Stresshormonwerte zeigten sich nur beim Fußvolk, nicht aber bei den Häuptlingen.
Das Gefühl, einsam aus der Masse heraus zu ragen, kann schlimmstenfalls zum totalen Kontrollverlust führen. „Es ist immer derselbe“, berichtet Dacher Keltner, „kaum sind solche Leute an die Macht gekommen, benehmen sie sich wie Deppen. Sie fangen an, in unangemessener Weise zu flirten, machen sich über andere lustig, werden total impulsiv.“ Sie legen ein enthemmtes Verhalten an den Tag, dass in der Fachliteratur ansonsten typischerweise bei Patienten beschrieben wird, die Läsionen im präfrontalen Bereich der Großhirnrinde erlitten haben.
Der Schritt zum angriffslustigen Triebtäter ist dann nicht mehr allzu weit. Psychologen der Universität Würzburg haben das getestet. Männliche Teilnehmer, unbewusst geprägt durch ein sexuelles Vokabular, wählten anschließend aggressivere Worte, waren eher bereit, mit Pfeilen auf menschliche Porträts zu werfen und wählten aus einer Reihe von Photos besonders schockierende Beispiele aus, wenn sie wussten, dass diese anschließend von einer Frau betrachtet würden. Die weiblichen Versuchsteilnehmer hingegen waren immun gegen solches priming.
_____
Time am 29. Mai 2011
_____
1) http://www.n-tv.de/ticker/G8-stuetzen-mit-Milliarden-Reformen-in-der-arabischen-Welt-article3441951.html
2) http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/05/28/wir-werden-weiterhin-fuhren/
3) http://www.faz.net/artikel/C30297/integrationsdebatte-wir-sind-doch-keine-statistischen-ausreisser-30376659.html
4) http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/05/22/milieustudien-17-immer-dasselbe/
5) http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/10/26/mah-lammchen-mah/
6) http://islamicrevolutionservice.wordpress.com/2011/05/28/die-stellung-der-frauen-im-islam/
7) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/11/08/alla-hasst-frauen/
8- http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/23/kloran-10-das-ding-namens-frau/
9) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/22/hadithe-8-frauen/
10) http://www.n-tv.de/ticker/Iranerin-wuetend-ueber-Aufschub-ihrer-Racheaktion-article3333841.html
weitere Überlegungen dazu unter:
http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/10/08/es-geht-nicht-um-rache/