So kann man sie erkennen

Kürzlich stellte ich die Frage, ob nicht Dr. Schreck und Leo himself Mitarbeiter des Verfassungsschutzes sein könnten (1). Gestern jedenfalls machte Bulli auf eine Broschüre der niedersächsischen Abteilung des Dienstes aufmerksam, die auf S. 22f. einen Katalog von Merkmalen enthält, welche Hinweise auf die Radikalisierung von Mohammedanisten geben (2). Danke Bulli, so eine Liste hat uns bisher gefehlt!

Anstatt unserer demokratischen Institution aber für die Bereitstellung dieses Hintergrundwissens dankbar zu sein, beschimpft Leo die Broschüre als Aufforderung zur „Denunziation“ und gegen „die Muslime“ gerichtet (3).

Wieder einmal zeigt er dadurch, dass er „die Muslime“ als eine Einheit betrachtet und nicht zwischen mohammedanistischen Terroristen, die ausgeschaltet werden müssen, und dem Rest, der angepasst bleibt, bis er die Mehrheit darstellt, unterscheiden will.

Im Grunde typisch mohammedanistisch wahnhaft erscheint seine Position natürlich dann schlüssig, wenn man sich Leo als einen Mitarbeiter des VS vorstellt, der seine Glaubwürdigkeit in der zu observierenden Community sicherstellen muss.

Den Merkmalskatalog aber sollte jeder Counterjihadi gelesen haben.

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Mögliche Merkmale von Radikalisierungsprozessen

Es gibt zwar keinen allgemeingültigen, standardisierten Radikalisierungs­verlauf. Die Sicherheitsbehörden haben jedoch aus ihrer Arbeit sowie den Ergebnissen der Extremismusforschung Erkenntnisse dazu, wie sich indivi­duelle Radikalisierungsprozesse bemerkbar machen können (Radikalisie­rungsmerkmale).

Konkrete äußerliche Erscheinungsformen der Radikalisierung, die abso­lut sichere Rückschlüsse auf die islamistische Radikalisierung oder gar die Gewaltbereitschaft zulassen, sind nahezu ausgeschlossen. Mit Vorsicht be­trachtet, können Indikatoren islamistischer Radikalisierung dann gegeben sein, wenn

► beispielsweise kritische Nachfragen zum Islam als Angriff auf die angesprochene Person oder Gruppe verstanden werden

► festgestellt wird, dass innerhalb einer Gruppe ein Infragestellen be­stimmter Ansichten zur Auslegung des Islams als Verrat an der Gruppe gedeutet wird

► festgestellt wird, dass eine Person oder eine Gruppe ihre Außenwelt als ausschließlich feindselig begreift

► ein immer strenger werdender Moralkodex befolgt wird oder

► festzustellen ist, dass etwa der Druck auf einzelne Mitglieder einer Grup­pe wächst oder bedingungslose Loyalität eingefordert bzw. gelebt wird

Diese Aufzählung kann allerdings nur exemplarisch sein. Ferner ist zu berücksichtigen, dass das Eintrittsalter in den Radikalisierungsprozess (durchschnittlich 16–24 Jahre) oft sehr niedrig ist. Darüber hinaus sind von islamistischer Radikalisierung verstärkt Personen der dritten Zuwanderer­generation bzw. Konvertiten betroffen. Radikalisierungsprozesse können zudem sehr schnell und als Selbst-Radikalisierung stattfinden. Aufgrund der Erfahrungen der Sicherheitsbehörden lassen sich folgende Anzeichen auf­zählen, die ebenfalls Hinweise auf eine islamistische Radikalisierung dar­stellen können:

► zunehmend strengere Religionsauslegung

► Ablehnung bzw. Aggressivität gegen alles „Westliche“

► Religion wird zum Dauerthema und zur Erklärung für alles (beispielswei­se ständiges Thematisieren der vermeintlichen Unterdrückung und Be­drängung der Muslime weltweit)

► Veränderung des sozialen Umfeldes; Abgrenzung von der Familie und dem bisherigen Freundeskreis; Hinwendung zu neuem, durch die Religi­on geprägtem Umfeld

► der Islam wird als Lösung, die so genannte westliche Welt als Ursache aller Probleme gesehen

► dualistische Weltsicht, Anwendung eines strikten Freund-Feind-Schemas

► Äußerung islamistischer Parolen

► eine ebensolche religiöse Strenge wird auch von der gesamten Gesell­schaft gefordert

► Muslime anderer Ausrichtung (z.B. Schiiten) werden als Ungläubige be­zeichnet

► sichtbare äußere Veränderungen (Kleidung, Verhalten, Gewichtsverlust durch veränderte Essgewohnheiten etc.)

► Besuch radikaler bzw. islamistischer Moscheen oder Prediger

► Teilnahme an religiösen Seminaren mit radikalen Predigern

► sich verfestigender Kontakt zu anderen extremistischen und radikalen Personen

► Besuch islamistischer Internet-Seiten

► Konsum von Filmen, die den ge­waltsamen Jihad fördern sollen

► zunehmende Bereitschaft zur aggressiven und gewalttätigen Durchsetzung religiöser oder religiös gefärbter politischer Forderungen gegenüber ande­ren (möglicherweise dadurch auch zunehmendes Interesse an Waffen)

► möglicherweise kriminelle Aktivitäten gegen Sachen und Personen mit dem Verweis auf die Minderwertigkeit der so genannten Ungläubigen und/oder begangen mit dem Ziel, dem angeblichen Feind des Islams zu schaden

► Durchführung von Überlebenstrainings, Kampfausbildungen oder ähnli­chen paramilitärischen Aktivitäten in Gesamtschau mit anderen Indikatoren häufige und/oder längere Rei­sen in Länder mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung

► besonderer Sprachunterricht

► Besuch von paramilitärischen Ausbildungslagern

► Bemühungen, besondere Umstände der Lebensführung oder Freizeitge­staltung zu verheimlichen (z. B. vorgegebener Passverlust nach Reisen)

► intensive Beschäftigung mit dem Leben nach dem Tode oder dem Mär­tyrertum

► veränderte finanzielle Situation (nicht nachvollziehbare Einkünfte oder plötzliche Verschuldung)

Die aufgeführten Anzeichen können jedoch nicht als abschließend oder als in Ihrer Aussagekraft absolut angesehen werden. Das Erkennen eines Radikalisierungsprozesses wird zudem auch dadurch erschwert, dass die­jenigen, die sich für den gewaltbereiten Islamismus entschieden haben, oftmals versuchen, ein nach außen recht unauffälliges Leben zu führen. Sicherheitsbehörden fehlt in solchen Situationen oftmals die Möglichkeit, der fortschreitenden Radikalisierung begegnen zu können. Dies macht die Bedeutung der Sensibilisierung der unmittelbaren Umgebung so wichtig.

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Time am 27. Juni 2012

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1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2012/05/10/im-netz-der-verschworer/
2) http://www.verfassungsschutz.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=30947&article_id=106665&_psmand=30
3) http://initiativgruppe.wordpress.com/2012/06/26/so-erkennen-sie-den-islamistischen-terroristen-ein-katalog-fur-denunzianten/#more-9042

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