Ich kann Ihnen nur davon abraten, zu viele Libanesen bei sich aufzunehmen. Die meisten von ihnen sind Schiiten, und um die kümmern sich generell nicht die Präsidenten ihrer Länder, sondern die Führer Irans. Deshalb müssten sie damit rechnen, dass alle naselang ein einsames, räudiges Zwergmammut auf ihrer Matte steht um mit ihnen Händchen zu halten.

Die heutige FAZ bringt einen Aufsatz von Joseph Croitoru, der das Bemühen Mammut Gardinenstanges zeigt, ein globales antiwestliches Netz zu knüpfen und überall die Möglichkeit zur Mobilisierung schiitischer Hilfstruppen zu schaffen (siehe auch 1). Die Anthropologin Mara A. Leichtman, die dankenswerterweise den Schiismus in Senegal untersucht und auf den zunehmenden Einfluß Irans aufmerksam macht – ihre Arbeiten sind Grundlage für J. Croitorus Bericht – sieht jedoch keine Gefahr im Verzug.
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Iranische Revolution und afrikanisches Leben
Zur Strategie Irans gehört der Ausbau der Beziehungen zu südamerikanischen und afrikanischen Ländern. Unter dem Programm eines „antiimperialistischen Bündnisses“ (Man beachte die sozialistische Rhetorik, T.) versucht Iran Märkte für seine Öl- und Automobilindustrie zu erschließen. Illustriert hat dies kürzlich die Auslandsreise Mahmud Ahmadineschads, die den iranischen Präsidenten Ende November in zwei westafrikanische und drei lateinamerikanische Länder führte. In Begleitung einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation hatte er zunächst Gambia einen Staatsbesuch abgestattet und reiste dann nach Südamerika, wo er in Brasilien, Venezuela und Bolivien Station machte.
Anschließend besuchte Ahmadineschad noch Dakar, wo es bei dem Treffen mit seinem Amtskollegen Abdoulaye Wade nicht nur um den Ausbau des gemeinsamen Unternehmens Seniran ging, das in Senegal iranische Fahrzeugmodelle serienmäßig bauen und in Westafrika vertreiben soll. Wade nutzte die Gelegenheit, um seine Unterstützung für die iranische Atompolitik und für die Palästinenser zu bekräftigen; im Übrigen betätigt sich der senegalesische Staatschef neuerdings auch als Mittelsmann zwischen der säkularen palästinensischen Fatah und ihrer proiranischen Rivalin Hamas. Dem Ajatollah-Regime sind solche afrikanischen Partner willkommen, die unter seiner Ägide dem amerikanischen und – wie Teheran meint – israelischen Einfluss auf dem Kontinent entgegenwirken sollen (Senegal:
Fläche 197.722 km² /
Einwohnerzahl 12.853.259 /
Bevölkerungsdichte 63 Einwohner pro km² /
BIP 11.123 Mio. US$
/BIP/Einwohner: 910 US$ /
94% Mohammedanisten,
5% Christen, Mitglied der OIC, T.).
Dieser Kurs wird publizistisch begleitet, etwa durch die persischsprachige Halbjahresschrift „Afrika-Mitteilungen“ („Motaleat-e Afriqa“), die DIE außenpolitische DENKFABRIK des Regimes (offenbar haben sie nur eine, T.), das Teheraner „Institute for Political and International Studies“, seit 2002 herausgibt. Ein Blick auf die Beiträge der jüngsten Ausgabe (Heft 18) veranschaulicht, dass hier in erster Linie die Aktivitäten der Erzfeinde in Afrika ins Visier genommen werden – Titel wie „Der Einfluss Amerikas und des zionistischen Gebildes auf die politischen Beziehungen zwischen Iran und Ägypten nach der islamischen Revolution“ oder „Die außenpolitischen Prioritäten des zionistischen Gebildes im südlichen Afrika“ sprechen für sich (erinnert mich stark an das pseudowissenschaftliche Gequatsche in der „DDR“, T.).
Das ZUNEHMENDE Engagement Irans auf dem afrikanischen Kontinent ist von der FORSCHUNG bislang kaum wahrgenommen worden. Die Aufmerksamkeit richtet sich, wenn überhaupt, allenfalls auf die iranische Einmischung in Ostafrika, das Teheran offenbar als logistische Stütze für seine Waffentransporte in den Libanon und den Gazastreifen dient. Doch auch in Westafrika, wie Ahmadineschads kürzlicher Besuch in Gambia und Senegal zeigt, versucht das Teheraner Regime FUSS ZU FASSEN. Was Senegal betrifft, so liegen mittlerweile immerhin einige Arbeiten der amerikanischen ANTHROPOLOGIN Mara A. Leichtman vor, die sich sowohl mit den Beziehungen Irans zu dem afrikanischen Staat als auch mit dessen kleiner, aber wachsenden Schiiten-Gemeinde befassen. Wie viele islamische Länder blieb auch Senegal von den Revolutionsereignissen in Iran nicht unberührt. Bereits im August 1979 gründete der senegalesische Aktivist Ahmed Khalifa Niasse eine Partei mit dem Namen „Hizbullah“. Bald als der „Ajatollah von Kaolack“ – einer südöstlich von Dakar gelegenen Großstadt – bekannt, rief er zum Sturz des damals schon fast zwei Jahrzehnte regierenden ersten senegalesischen Präsidenten Léopold Sédar Senghor auf, der KATHOLIK war.
Wie Ahmed Khalifa hatte auch dessen Bruder Sidy Lamine Niasse kurz nach der islamischen Revolution Teheran besucht. Danach hatte Letzterer – mit Unterstützung iranischer REGIERUNGSKREISE – die islamistische Zeitschrift „Wal Fadjri“ gegründet, die regelmäßig über die Ereignisse im Iran und über das Wirken und die Schriften Ajatollah Chomeinis informierte. Impulse aus dem revolutionären Iran bezog damals auch der senegalesische Sunnit Muhammad Touré, der die aus seiner Sicht KONSERVATIV-ERSTARRTE sunnitische Konfession im Senegal – von Sufi-Orden und deren auch wirtschaftlich wie politisch mächtigen Anführern beherrscht – reformieren wollte.
Der jungen Islamischen Republik Iran kamen derartige Aktivitäten mehr als gelegen. Schon in den achtziger Jahren eröffnete Iran diplomatische Vertretungen in verschiedenen afrikanischen Ländern, so auch im mehrheitlich sunnitischen Senegal, wo die iranische Botschaft jedoch im Jahr 1984 wegen politisch-islamistischer Agitation wieder geschlossen wurde (Mara A. Leichtman, „[Still] Exporting the Islamic Revolution: Senegal’s Relationship with Iran“, in: Shi’a Affairs Journal, Bd. 1, London 2008).
Anfang der neunziger Jahre nahmen Senegal und Iran ihre diplomatischen Beziehungen wieder auf. Obgleich der amtierende senegalesische Präsident Wade den LAIZISTISCHEN Charakter des Staates seit jeher bewahren wollte, war er mehrere Male zu Staatsbesuchen nach Teheran gereist. Und 2008 hatte er bei einem Treffen mit dem religiösen Führer Chamenei verkündet, dass für Senegal die Islamische Republik Iran stets ein VORBILD gewesen sei und dies auch bleiben werde. Die iranische Botschaft in Dakar versucht heute zwar, politisch nicht aufzufallen, versteht sich aber dennoch als Schutzherrin des schiitischen Islam. So lädt sie muslimische Senegalesen und Vertreter der im Land seit Ende des neunzehnten Jahrhunderts ansässigen libanesischen Gemeinde regelmäßig zu Veranstaltungen ein, die der Glorifizierung der iranischen REVOLUTION dienen.
Iran scheint auch die kleine schiitische Minderheit im Land AKTIV zu unterstützen, die seit der Errichtung mehrerer Moscheen und der Gründung eines religiösen Schulnetzes durch den schiitischen libanesischen Scheich Abdul Monem al-Zayn in den siebziger Jahren langsam, aber stetig wächst. REISEN schiitischer wie sunnitischer senegalesischer Intellektueller zu islamischen Konferenzen in Iran werden vom Mullah-Regime subventioniert; von Teheran unterhalten wird auch ein schiitisches theologisches Seminar, das 2002 in Dakar in der Nähe der Universität eröffnet wurde und von senegalesischen Scheichs betrieben wird, die im Libanon oder in Iran studiert haben.
Bereits in den achtziger Jahren konvertierten, wie Mara Leichtman schreibt, mehrere Dutzend Senegalesen zur Schia. Der Grund für diesen Schritt liegt der Autorin zufolge zumeist in dem Bestreben der Konvertiten, sich von der Übermacht der Sufi-Orden zu befreien und ALTERNATIVE religiöse und soziale Netzwerke zu schaffen, die nicht an Frankreich beziehungsweise den sunnitischen arabischen Ländern und Saudi-Arabien orientiert sind, sondern an Iran und dem Libanon. Viele von ihnen seien aber auch aus intellektueller Neugier und nachdem sie bereits die arabische Sprache erlernt hatten vom sunnitischen zum schiitischen Bekenntnis gewechselt. Angezogen habe sie auch die – im Vergleich zur sunnitischen – größere FLEXIBILITÄT der juristischen Tradition des schiitischen Islam (Sunniten gegen Schiiten, supa! Wenn die Geisel Israel nicht wäre, sollte man Iran die Bombe SCHENKEN, T.)
Heute versuchen die schwarzafrikanischen senegalesischen Schiiten bei der BASISARBEIT Missionierung mit sozialen, medizinischen und agrarwissenschaftlichen HILFSANGEBOTEN zu verbinden, wobei neuerdings auch spezielle Angebote für FRAUEN konzipiert werden. Dass die Gemeindehäuser, wo die schiitischen Feiertage begangen werden, häufig Plakate mit den Konterfeis Chomeinis und Chameneis schmücken, bedeutet der Anthropologin zufolge nicht, dass es sich dabei um eine weitere MILITANTE Version des berüchtigten Exports der iranisch-islamischen Revolution handele (Nein, nein, die hängen da nur, weil die beiden so sagenhaft gut aussehen, T.).
Vielmehr scheinen die senegalesischen Konvertiten eine dialogbetonte religiöse REFORMKULTUR zu pflegen, die weder auf eine Revolution noch auf einen Umsturz des laizistischen Regimes im Land abzielt, sondern vielmehr auf eine MODERNISIERUNG der Gesellschaft (Eben genauso, wie dies Hamas und Hisballa im Sinn haben, T.). Einen militanten Islamismus nach dem Vorbild Irans strebten eher die seinerzeit von den dortigen Vorgängen beflügelten sunnitischen Aktivisten an, wie die erwähnten Brüder Niasse; dieser islamistische Extremismus gehört in Senegal heute allerdings längst der VERGANGENHEIT an. Für die Anthropologin stellt indes die senegalesische Schia ein bislang übersehenes Beispiel dafür dar, wie die Ideen der iranischen Revolution auch in abgewandelter, pragmatischer Form schiitische Gesellschaftsreformer in Afrika haben inspirieren können. So transformiert, sind sie bei den schiitischen Schwarzafrikanern in Senegal zum Bestandteil eines neuen, BETONT ISLAMISCHEN wie ANTIWESTLICHEN senegalesischen NATIONALbewusstseins geworden (Mara A. Leichtman, „Revolution, Modernity and [Trans]National Shi’i Islam: Rethinking Religious Conversion in Senegal“, im Journal of Religion in Africa, Bd. 39, Heft 3, Brill, Leiden 2009).
Es war VOR ALLEM der Revolutionsführer CHOMEINI, der auf die zur Schia konvertierten Senegalesen eine große FASZINATION ausübte. Er hatte die frankophonen Afrikaner schon zur Zeit seines kurzen, aber sehr medienwirksamen Aufenthalts in Frankreich Ende 1978 in seinen Bann gezogen. Allerdings war ihm die damalige Berichterstattung in den konservativ-sunnitischen Medien Senegals alles andere als wohlgesinnt. Die von der Verfasserin befragten ersten senegalesischen Konvertiten griffen deshalb begierig auf Informationen zurück, die in der iranischen Botschaft in Dakar leicht erhältlich waren. Französisch- und arabischsprachige Publikationen klärten über die islamische Revolution noch weiter auf, und die senegalesischen Anhänger der Schia ergänzten ihr Wissen durch Bildungsreisen nach Iran. Wie für viele in den islamischen Entwicklungsländern wurde Chomeini auch für sie bald zum Symbol einer gelungenen ANTIIMPERIALISTISCHEN BEFREIUNG.
Vom Erbe der iranischen Revolution, deren AUSGEPRÄGT ANTIWESTLICHE Haltung sie sich zu eigen machten, übernehmen die Senegalesen jedoch nur das, was mit ihrem Modernisierungskonzept übereinstimmt. So zwingen sie ihre Frauen nicht, sich zu verschleiern. Die in Iran gängige Institution der ZEITEHE dagegen wird in Senegal gerne praktiziert, weil sie bei heiratswilligen, aber sozial schwachen Männern und Frauen jene wirtschaftlichen Lasten, etwa das Brautgeld, zu mindern hilft, die mit einer traditionellen Eheschließung einhergehen. Eine solche selektive Adaption des iranischen Modells, so die Autorin, sei für die senegalesische Ausprägung der Schia typisch. Es handele sich dabei um einen transnationalen schiitischen Islam, der, von seinem iranisch-nationalen Kontext losgelöst, in Senegal durch die Anpassung an die politische Kultur des Landes renationalisiert werde. Der iranische Staat bleibt dennoch ein WICHTIGER Bezugspunkt. In welchem Umfang genau allerdings die Islamische Republik auf die Verbreitung der Schia in Senegal Einfluss nimmt, muss noch NÄHER untersucht werden.
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Ich meine, Frau Leichtman sollte vielleicht bis dahin mit eher wertenden Urteilen, die eine eindeutige Tendenz zur Verharmlosung haben, warten. Zumindest ist Irans Verhalten im Irak, im Libanon und bei den Palarabern alles andere als harmlos. Offenbar haben die Mullas jetzt sogar schon den Zünder für die Bombe (2), und dass die Schiiten in Senegal z.Z. noch friedlich sind, hängt wohl vor allem mit ihrer geringen Anzahl zusammen und kann sich bald ändern. Immerhin scheint sich jetzt ein Verhalten Europas gegen Iran anzubahnen, welches Amir Taheri (3) für entschiedener hält als Mr. Obamas Herumgeeier (4). Offenbar ist ein Hauptgrund darin zu sehen, dass Iran allmählich als Geschäftspartner uninteressant wird, so Taheri:
The fact that Iran is facing a major economic crisis may be another factor. European diplomats claim that Iran is running out of cash to finance current contracts.
Falling demand for oil, along with reduced prices, are affecting its public finances. And the economic meltdown of Dubai, the biggest magnet for private Iranian foreign investments, has shaken Iran’s private sector.
Doubts about Iran’s economic prospects have made most EU members to put stricter rules on guarantees for exports to Iran. Two of the three staunchly pro-Iran EU members, Spain and Greece, are going through economic crises and no longer can subsidize trade with Iran. The third, Austria (where mullahs have invested much of their money), has also withdrawn guarantees and indirect subsidies that have helped its companies secure a major share of the Iranian market.
The „pro-Iran trio“ has made another unexpected move – for the first time establishing direct contact with the Iranian opposition.
Germany, which accounts for 60 percent of EU-Iran trade, saw a 22 percent drop in that trade the first half of the year. Chancellor Angela Merkel’s new government has toughened its stance on the Islamic Republic. Merkel’s party, the Christian Democratic Union, has issued strong statements in support of Iran’s pro-democracy movement.
Zu den europäischen Maßnahmen gehört nicht nur die Stornierung hochrangiger politischer Kontakte sondern auch die Dutzender großer Geschäfte, wie z.B des Baus von 11 Raffinerien (Iran muß wegen Raffineriemangel Benzin einführen) oder die Einrichtung eines demokratisch-prowestlichen Satelliten-Fernseh-Senders. Sicher wäre es auch sinnvoll, Gardinenstanges händchenhaltenden Freunden in aller Welt dezente Hinweise zu geben oder ihnen zumindest zu verdeutlichen, dass Fotos wie das oben stehende nicht nur unendlich peinlich sind, sondern auch konkrete Resultate nach sich ziehen.
Time am 16. Dezember 2009
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(1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/11/20/iran-schafft-sechs-sieben-somalias/
(2) http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,667071,00.html#ref=rsshttp://madrasaoftime.wordpress.com/2009/11/23/iran-hat-fertig/
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Amir_Taheri
(4) http://www.faithfreedom.org/islam/iran-europe-tougher-obama-administration
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PS.: Aktueller Bericht von Kermanis Ehefrau Katajun Amirpur über die iranische Künstlerin Parastou Forouhar unter http://de.qantara.de/webcom/show_article.php/_c-468/_nr-1284/i.html
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PS2, passt: http://www.youtube.com/watch?v=DYYMbUVZIA4
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PS3, passt auch: http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/24/die-orks-sind-schwul/
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PS4, Rezension eines aktuellen Buches von Taheri: http://www.lizaswelt.net/2009/12/regime-change-statt-dialog.html