Satan erkennen

10. September 2014

Banuqurayza

Bei der Abschlachtung der 900 Männer des jüdischen Stammes Banu Quraiza soll Klo H. Metzel – der von den Mohammedanisten als „bester Mensch aller Zeiten“ vergöttert wird – selbst mit Vergnügen Hand angelegt haben, bevor er eine jüdische Prinzessin, deren männliche Angehörige grade geköpft worden waren, in seinem Zelt vergewaltigte.

Immer mehr Bürger des freien Westens erkennen den Nazislahm als die Bedrohung der menschlichen Zivilisation schlechthin. Martin Rhonheimer ist Professor für Ethik und politische Philosophie an der Päpstlichen Hochschule Santa Croce in Rom. Er hat den folgenden Aufsatz verfasst (1).

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Gewalt und theologische Tradition im Islam

Töten im Namen Allahs

Islamistische Terroristen berufen sich zur Rechtfertigung ihrer Untaten auf ihre Religion. Geben Gründungsgeschichte und Gründungsidee des Islam eine Handhabe, um im Namen Allahs begangene Gewalttaten theologisch prinzipiell zu verurteilen? Nein – der Islam müsste sich erst in seiner religiösen Substanz wandeln.

Der Terror der Miliz Islamischer Staat (IS) gegen «Ungläubige» und Christen entsetzt und verängstigt die westliche Öffentlichkeit. Offizielle muslimische Stimmen, die diesen Terror verurteilen, sind wenige zu hören. Und wenn, dann richten sie sich nur gegen die schockierende und für den Islam imageschädigende Brutalität des Vorgehens, nicht gegen dessen Prinzip, oder sie verwickeln sich, wie unlängst eine wenig überzeugende Fatwa von britischen Imamen, in Widersprüche. Der IS ist keine Häresie, wie diese Fatwa behauptet, sondern handelt genau nach dem in der Geschichte wiederkehrenden Muster kriegerischer islamischer Expansion. Das Vorbild ist Mohammed selbst. Legitimationsgrundlage sind der Koran und das islamische Recht, die Scharia.

Eine politische Religion

Der IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi hat sich bekanntlich zum Kalifen ernannt. In einem von dem zum Islam konvertierten Amerikaner Nuh Ha Mim Keller ins Englische übersetzten Kompendium der Scharia – es wurde von der Al-Azhar-Universität in Kairo als authentisch zertifiziert – kann man nachlesen, was Aufgabe eines Kalifen ist: «Der Kalif führt gegen Juden, Christen und Zoroastrier Krieg, nachdem er sie zuerst eingeladen hat, sich der sozialen Ordnung des Islam zu fügen, indem sie die Kopfsteuer zahlen.“ Exakt das geschieht heute im Herrschaftsgebiet des IS. Die dort lebenden Christen sollen gedemütigt und unterworfen und durch die Kopfsteuer zur wirtschaftlichen Ressource islamischer Herrschaft werden. Mohammed hatte zunächst die Juden aus Medina vertrieben, dann liess er sie massenhaft köpfen. Später wurden Christen und Juden zu „Schriftbesitzern“ erklärt: Sie durften nun unter islamischer Herrschaft ihre Religion weiter ausüben – sofern sie die Kopfsteuer zahlten und sich diskriminierenden Demütigungen aller Art unterwarfen. So steht in Sure 9, 29: „Kämpft gegen diejenigen, die [. . .] nicht der wahren Religion angehören – von denen, die die Schrift erhalten haben – kämpft gegen sie, bis sie kleinlaut Tribut entrichten.“

Zu Beginn waren die Muslime im muslimischen Herrschaftsgebiet meistens eine Minderheit. Ihre Herrschaft gründete auf der grossen Zahl der „dhimmis“, der „Schutzbefohlenen“. Juden, Christen und andere „Schriftbesitzer“ galten nicht als „Ungläubige“: Sie konnten als „dhimmis“ ihr Leben behalten, auch wenn sie keine Muslime wurden. Die heute vom IS gejagten Jesiden gelten nicht als „Schriftbesitzer“, für sie gibt es daher nur die Alternative: Konversion zum Islam oder Tod. Die islamische Theologie besitzt keine argumentativen Ressourcen, um das Vorgehen des IS als „unislamisch“ zu verurteilen. Es gibt im Islam nämlich kein generelles Tötungsverbot. Es gibt hingegen eine generelle Tötungslizenz: „Ungläubige“, die sich der Konversion zum Islam widersetzen, sollen getötet werden. So heisst es in Sure 9, 5: „. . . tötet die Heiden, wo immer ihr sie findet, greift sie, umzingelt sie und lauert ihnen überall auf! Wenn sie sich aber bekehren, das Gebet verrichten und die Almosensteuer geben, lasst sie ihres Weges ziehen! Gott ist barmherzig und bereit zu vergeben.“

Der Islam ist seinem Wesen nach mehr als eine Religion. Er ist ein kultisches, politisches und soziales Regelwerk, will religiöse und politisch-soziale Ordnung in einem sein. Und er war von Anfang an kriegerisch. Der Islam will das „Haus des Islam“ auf der ganzen Welt verbreiten. Es geht ihm dabei nicht so sehr um religiöse Bekehrung der Nichtmuslime als um ihre Unterwerfung unter die Scharia. In Sure 2, 256 heisst es: „In der Religion gibt es keinen Zwang.“ Glaube lässt sich eben nicht erzwingen, Unterwerfung unter das islamische Recht aber sehr wohl. Sich diesem Zwang zu widersetzen, kann tödlich sein. Historisch war die islamische Einheit von Politik und Religion zwar meist nur Programm und selten Realität. Andere politische Machtzentren entstanden, die sich nicht unter der geistlichen Führung eines Kalifen befanden. Und gemäss islamischer Lehre konnte der Kampf (Jihad) gegen die Nichtmuslime genau dann unterbrochen und mit den Ungläubigen ein Waffenstillstand geschlossen werden, wenn für weitere Expansion keine Aussicht auf Erfolg bestand. Das führte zu langen und oft friedlichen Perioden der Koexistenz. Zudem sind muslimische Minderheiten in nichtmuslimischen Ländern verpflichtet, sich an die lokale Rechtsordnung zu halten.

In unseren westlichen Gesellschaften gibt es unzählige integrierte Muslime, die nichts vom Jihad wissen wollen; und selbst in Ländern mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit lässt sich nur ein kleiner Teil für ihn begeistern. Die meisten Leute kämpfen um ihr tägliches Brot und sind oft selber Opfer von Gewalt. Doch gerade sie sind auch anfällig für Radikalisierung – und zwar genau dann, wenn sie die Quellen ihrer Religion genauer studieren und angesichts der Erstarkung des politisch radikalen Islam auf den Gedanken kommen, die Zeit der Waffenruhe könnte vorbei und Gewaltanwendung wieder Pflicht sein.

Christliche Parallelen?

Natürlich gibt es den „gemässigten“ und reformerischen Islam. Seine Vertreter sind meist gutbezahlte Professoren an amerikanischen und europäischen Universitäten. Doch auch sie sind mit dem zentralen Problem ihrer Religion konfrontiert: Gehen sie zu ihren Ursprüngen zurück, stossen sie auf den kriegerischen, expansiven Islam von Medina, die Legitimierung des Tötens zur Ehre Allahs und einen gewalttätigen Mohammed. Hier gibt es einen wesentlichen Unterschied zum Christentum. Auch in seiner Geschichte spielte Gewalt eine gestaltende Rolle und wurde als «gerechter Krieg» oder zur Verteidigung der religiösen Wahrheit gegen Ketzer legitimiert. Auch Christen haben in der Vergangenheit gemordet und gebrandschatzt. Kriegsrecht und Foltermethoden waren brutal. Beschäftigt man sich jedoch mit den ursprünglichen Quellen des Christentums, etwa den Evangelien, findet man Sätze Jesu wie „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört“ oder „Alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen“. Zur Gründungsidee des Christentums gehören die Scheidung von Religion und Politik – von geistlicher und weltlicher Macht –, die Ächtung physischer Gewalt und das Gebot der Feindesliebe. Das Christentum hat aus seinen heiligen Texten auch keine Rechts- und Sozialordnung abgeleitet, sondern römisches Recht und heidnisch-antike Kultur assimiliert. Die mannigfachen Verbindungen von Politik und Religion gingen meist nicht von der Kirche, sondern von den weltlichen Machthabern aus. Gerade der dem Christentum in die Wiege gelegte Dualismus von „geistlich“ und „weltlich“ provozierte immer wieder innerkirchliche Reformbewegungen, die zu Prozessen der institutionellen Differenzierung und Selbstreinigung führten.

In der jüdisch-christlichen Tradition ist Gewalt rechtfertigungsbedürftig. „Du sollst nicht töten“, heisst es im Dekalog. Ein solch grundsätzliches Tötungsverbot ist dem Islam unbekannt. In der jüdischen und christlichen Bibel erscheint Gott als der alleinige Herr über Leben und Tod. Kein Mensch kann sich das Recht zum Töten anmassen. Oft wird das Alte Testament – auch in antisemitischer Absicht – als Beispiel für Grausamkeit und Gewaltlegitimation angeführt. Das Gegenteil ist wahr: Der Gott Israels entzieht dem Menschen die Kompetenz zum eigenmächtigen Töten. Im Christentum führte die Erfahrung des Unglaubens nicht zum Aufruf, die Ungläubigen zu töten, sondern zum Missionseifer und – nach der Entdeckung Amerikas – zu Gestalten wie Vitoria und Bartolomé de las Casas: In der christlichen Tradition stehend machten sie geltend, dass Ungläubige als Menschen die gleichen grundlegenden Rechte besitzen wie Christen. Dabei wurden sie von päpstlichen Verlautbarungen unterstützt (obwohl die spanischen Könige deren Verbreitung zu verhindern suchten).

Und hier liegt der entscheidende Punkt: Für den Islam sind Nichtmuslime keine vollwertigen Menschen. Denn islamischer Lehre gemäss ist der Mensch von Natur aus Muslim, die menschliche Natur selbst, die „fitra“, ist muslimisch. Nichtmuslime sind folglich Abtrünnige, „denaturierte“ Menschen. Im Islam kann es deshalb keine prinzipielle Gleichheit aller Menschen aufgrund ihrer Natur und kein für alle – unabhängig von der Religionszugehörigkeit – geltendes Naturrecht geben. Der Islam akzeptiert die modernen Menschenrechte immer nur unter dem Vorbehalt der Bestimmungen der Scharia. Deshalb kann sich gerade der „wahre Islam“ nicht in die Moderne integrieren.

Schwierige Selbstreinigung

Die modernen Menschenrechte sind eine Frucht der jüdisch-christlichen Zivilisation. Deren Vermächtnis ist die Anerkennung einer allen Menschen, unabhängig von ihrer Religion, gemeinsamen Menschennatur und Würde. Ihr Ethos von Recht und Barmherzigkeit führte, in einem stetig fortschreitenden Lernprozess, zu einer allmählichen Überwindung der Legitimation von Gewalt – auch ihrer theologischen Legitimation. Analoge Aufklärungsprozesse sind im Islam unbekannt oder haben zumindest noch kaum Wirkung entfaltet. Die Barmherzigkeit Allahs gilt nur den Bekehrten, gegen die Ungläubigen befiehlt er, mit dem Schwert vorzugehen. Darin gründet die theologische Not muslimischer Intellektueller: Sie können aufgrund ihrer religiösen Tradition den IS-Terror nicht prinzipiell verurteilen. Die christlichen Kirchen konnten für Prozesse der Selbstreinigung immer auf ihre Ursprünge rekurrieren und, sich an ihre Gründungsidee erinnernd, historischen Ballast abwerfen. Der Islam müsste sich für solche Selbstreinigung – gerade umgekehrt – von seiner Gründungsidee distanzieren, sein politisch-religiöses Doppelwesen aufgeben und sich damit in seiner religiösen Substanz verändern. Solange das nicht geschieht, wird es immer nur eine Frage der konkreten politischen Konstellation sein, ob und in welcher Form er sein gewalttätiges Gesicht zeigt.

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Time am 10. September 2014

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1) http://www.nzz.ch/feuilleton/toeten-im-namen-allahs-1.18378020

Naipaul: Am Ende blieb der Müll

9. September 2014

UnschuldigeKinder

Hier eine weitere Passage (1) aus V.S. Naipauls „Eine islamische Reise“:

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Pakistan 2

naipaulDer Dichter Mohammed Iqbal hatte, als er 1930 seine Idee eines separaten indisch-moslemischen Staates zur Debatte stellte, von einem moslemischen Staatswesen oder einer moslemischen Gesellschaftsordnung so gesprochen, als ob das ganz natürlich aus dem islamischen Prinzip des „Zusammengehörig-
keitsgefühls“ herauswüchse. Solch ein Staatswesen existierte in 
Pakistan. Aber der islamische Staat, von dem die Leute nun sprachen, war abstrakter als der Iqbals.

Dieser islamische Staat konnte nicht einfach verfügt werden, er musste erfunden werden, und
 bei dieser Erfindung war der Glaube keine grosse Hilfe. Der
 Glaube konnte im Augenblick nur die einfachen Negierungen
 liefern, die emotionalen Bedürfnissen entsprachen: kein Alkohol, keine weibliche Unkeuschheit, keine Bankzinsen. Aber
 bald sollten in Pakistan zu diesen Negierungen noch andere hinzukommen: keine politischen Parteien, kein Parlament, kein 
Dissens, keine Gerichtshöfe.

So wurden existierende Institutionen für unislamisch gehalten und untergraben oder abgeschafft, 
der Glaube wurde verfochten, weil nur der Glaube ganz zu sein 
schien, und in dem Vakuum konnte nur die Armee herrschen.

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Time am 9. September 2014

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2014/09/03/naipaul-exportartikel-mensch/

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V. S. Naipaul, „Eine islamischer Reise“ von 1981, DTV München 2002, S. 177.

Ihre Zukunft – unsere Zukunft

8. September 2014

Minderheit

Kann eine alteingesessene Bevölkerung froh sein über eine sich bei ihr festgesetzt habende Minderheit, die sich wie oben äußert?

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Time am 8. September 2014

Schwelle überschritten

7. September 2014

Fressehalten

In bekannter Manier machen sich die deutschen Mohammedanisten zu den eigentlichen Opfern der mohammedanistischen Mörderbande IS-IS.

Bei „FAZ.net“ macht sich Hans Ulrich Gumbrecht indes Gedanken darüber (1), warum die Enthauptung zweier westlicher Geiseln die Entschlossenheit des Westens verstärkt hat, die Killer, Folterer und Sklavenjäger – die exakt das tun, was der von ALLEN Mohammedanisten auf der Welt als „bester Mensch aller Zeiten“ verehrte Klo H. Metzel vorgelebt und befohlen hat – zu einer Randnotiz der Geschichte der vollständigen Dekonstruktion des Mohammedanismus zu machen.

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Enthauptung als Schwelle: der “Islamische Staat”

Die elektronisch veröffentlichten Bilder von den Enthauptungen zweier Journalisten durch die Organisation “Islamischer Staat” haben weltweit den Ton politischer Reaktionen verändert. Wo genau liegt die Schwelle, die überschritten wurde?

Angesichts der Vielzahl von aktuellen und potenziellen Kriegsschauplätzen im sogenannten “Mittleren Osten” ist es zu einer nicht immer banalen Herausforderung für politisch gebildete Bürger geworden, die Fülle des täglich über sie hereinbrechenden Informationsmaterials geographisch zu differenzieren und dann an eine jeweils adäquate Vorgeschichte anzuschließen. Hinzu kommt – auf einer höheren Komplexitätsebene – die politisch korrekte Verpflichtung, alle einschlägigen Konflikte “differenziert” zu sehen, was auf das Verbot hinausläuft, je für die eine oder andere Seite eines spezifischen Konflikts Partei zu ergreifen. Diese biedere Mündigkeit, glaube und hoffe ich, ist nun durch nun durch Berichte über Greueltaten der unter dem Namen “Islamischer Staat” die Bevölkerung des Irak und Syriens terrorisierenden Organisation durchbrochen worden. Nicht einmal die Angriffe der amerikanischen Luftwaffe gegen den “Islamischen Staat” haben – wie sonst eigentlich immer — weltweite Proteste ausgelöst. Stattdessen erreichten Ekel, Schrecken und Empörung einen neuen – vielleicht gar mehr überbietbaren – Höhepunkt in Reaktion auf die während der vergangenen drei Wochen per Internet sichtbar gemachten (und in den meisten westlichen Ländern schnell blockierten) Enthauptungen der Journalisten James Foley und Steve Sotloff, die laut “Islamischem Staat” zur Serie werden sollen.

Aber was genau unterscheidet die als Videobotschaft zugänglich gemachten Enthauptungen von anderen “Verbrechen gegen die Menscheit”? Warum wirkte ihre offizielle Einordnung in diese Kategorie durch die UNO wie eine im kafkaesken Sinn lächerliche Untertreibung? Und wieso ist die Zahl der Stimmen soviel geringer als sonst bei ähnlichen Anlässen, die eine Gleichung aufzumachen versuchen zwischen den Taten jener Terrorgruppe und den militärischen Aktionen etablierter Staaten (in diesem Fall eben den Bomben-Angriffen der amerikanischen Luftwaffe)? Vielleicht hilft es bei diesem Versuch, Begriffe für Greuel und Schrecken zu finden, wenn man zunächst einmal möglichst genau jene Video-Botschaften beschreibt, die in Europa und Nordamerika – aus guten, aber doch nicht unwidersprochenen Gründen – nur schwer zugänglich sind (ich habe die Sequenz der Tötung von James Foley in Brasilien gesehen). Die Bilder seiner Enthauptung sind inszeniert als “Botschaft an Amerika,” aber gehen – anders als vor Jahren von Al-Quaida produzierte Bilder derselben Gattung – über die bloße Dokumentation des Vollzugs einer Exekution hinaus. In der Mitte und im Vordergrund steht offenbar mit Handschellen unbeweglich gemacht das Opfer, dessen Koerper mit einem orangefarbenen Überhang bedeckt ist, wie er auch für Patienten bei chirurgischen Eingriffen verwendet wird. Neben Foley sieht man, beweglich und gestikulierend, den Henker in schwarzer Milizkleidung, sein zugewiesenes Opfer mindestens um eine Kopflänge überragend. James Foley spricht, wie es zu solchen Szenen gehört, als Konvertierter und klagt die Politik der amerikanischen Regierung an. Der Henker ergänzt – auf Englisch und in einem mittlerweile wissenschaftlich identifizierten “multikulturellem Londoner Akzent” — dass die anstehenden Exekution um den Preis eines Lösegelds von hundert Millionen Euro hätte vermieden werden können. Beide Reden zusammen dauern etwas mehr als eine Minute und werden am unteren Bildrand in arabische Schriftzeichen übersetzt.

Während dieser langen Minute zeigt der Henker einen mit dem spezifischen Ernst seiner Gestalt und Rolle in Spannung stehenden Drang, die Schneide eines kurzen Messers zu zeigen, vor die Kamera zu halten und so – wie vor Jahren der damals fast mythologisch gewordene “Terrorist Carlos” — etwas zuviel Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Entgegen der elektronischen Ankündigung wird aber der Moment der Enthauptung nicht sichtbar. Zwar beugt sich der Henker wie ein sorgfältiger Metzger von hinten über James Foley, umgibt seinen Kopf mit an den Ellenbogen zu einer Raute abgewinkelten Armen in Schwarz und berührt Foleys Gurgel mit seinem Messer. Doch darauf folgt eine Still-Photographie von Foleys Leiche, die bäuchlings im Wüstensand liegt und ab der Höhe der Schultern von einer roten Blende unsichtbar gemacht wird. “Humanitäre Erwägungen” können es eigentlich kaum gewesen sein, die zu dieser Aussparung führten. War es ein Grauen der Henker angesichts ihrer eigenen Greueltat? Oder die mangelnde chirurgische Kompetenz, um aus dem Schnitt in die Gurgel wirklich eine Enthauptung werden zu lassen?

Aber noch einmal und vor allem: wie unterscheidet sich diese Szene etwa von Bombenangriffen, welche das Risiko in Kauf nehmen, Zivilisten zu töten, wie unterscheidet sie sich von der Praxis der Hamas, Waffen mit den Körpern von Kindern zu schützen – und auch von der Industralisierung des Tötens in der Konzentrationslagern der deutschen Nationalsozialisten? Der programmatische Wille, Enthauptungen zur Schau zu stellen, ignoriert aggressiv eine Tabuschwelle, die sich in den westlichen Kulturen seit dem Ende der Aufklärung immer deutlicher abgezeichnet hat. Diese Tabuschwelle unterscheidet zwischen körperlichen Leiden von Opfern, die innerhalb einer militärischen Rationalität angeblich nicht zu vermeiden sind, und einem auch militärisch dysfunktionalen Exzess solcher Leiden.

Eigenartigerweise gibt es in der deutschen Sprache kein gängiges Wort, um solchen Exzess zu markieren (man kann von “Greueln” reden, aber der Begriff ist weniger gängig und wohl auch weniger genau als etwa das englische Wort “atrocity”). Historisch gesehen ist die Entstehung einer damals neuen Sensibilität, welche Greuel auschließen und unmöglich machen wollte, durch Francisco de Goyas “Desastres de la Guerra” markiert, eine Serie von Stichen aus den spanischen Befreiungskriegen gegen Napoleon, welche Greuel – bemerkenswerterweise: auf beiden Seiten des Konflikts – festhält, um mit dem Bild einer nackten jungen Frau zu enden, die für “das Leben” steht, für “das inackte Leben” eben (von dem während des vergangenen Jahrzehnts in der Welt der Intellektuellen vor allem die Philosophie von Giorgio Agamben gehandelt hat).

Vor dieser historischen Schwelle waren auch in den westlichen Kulturen öffentliche Rituale der körperlichen Bestrafung und Exekution gang und gäbe. Man kann also sagen, dass der “Islamische Staat” – im globalen Kontext sehr wahrscheinlich bewusst und programmatisch (der Henker der Videos ist aller Wahrscheinlichkeit nach in England zur Schule gegangen) – die Schwelle in Richtung auf die Vergangenheit zurück-überschreitet. Dies impliziert eine eindimensionale Sicht der Opfer: ihr unveräußerliches – und seit der Aufklärung zugleich als tendenziell “sakrosankt” angesehenes – “nacktes Leben” ist gegenüber ihrer Rolle als “Verbrecher” ausgeklammert. So gesehen existiert eine Konvergenz zwischen den Enthauptungs-Videos des “Islamischen Staats” und der Industrualisierung des Tötens im deutschen Nationalsozialismus, der die Namen seiner Opfer durch in ihre Unterarme tätowierte Nummern ersetzte – und so in der entgegengesetzten Weise ihr menschliches Recht auf das nackte Leben ausklammerte. Aber der deutsche Perfektionismus des Dritten Reiches ging eine Koalition mit den modernen Werten der Hygiene und der Effizienz ein (insofern waren die Gaskammern Nachfolge-Dispositive der Guillotine als Enthauptungs-Maschine) und glaubte so, eine Schwelle hin auf die Zukunft zu überschreiten, während der “Islamische Staat” seine grauenvolle Sehnsucht nach einem archaisch-elementaren Moment in der eigenen Tradition kultiviert.

Die vor zweihundert Jahren in einigen europäischen und amerikanischen Gesellschaften dominierende “Geschichtsphilosophie” hatte mit solchen zugleich konvergierenden und divergierenden Entwicklungen nicht gerechnet. Sie setzte, ob hegelianisch oder später marxistisch fundiert, auf die vermeintliche Gewissheit, dass sich bessere – “humanere” – Formen des Lebens zukünftig “mit Notwendigkeit” durchsetzen würden. Im späteren neunzehnten und im gesamten zwanzigsten Jahrhundert sind allerdings viele westliche Intellektuelle skeptisch gegen die eigene Unterstellung geworden, dass sich solch positive Entwicklungen “mit Notwendigkeit” einstellen sollten und haben zunehmend die Welt als ein Feld der Kontingenz, als eine existentielle Dimension der Unwägbarkeiten und Ambivalenzen beschrieben. Aufgeklärt und “humanitär” erschien nun, wer in dieser Welt, die sich als ein Feld der Kontingenz zeigte, auf ihre Ränder als Zonen des Notwendigen und des Unmöglichen setzte. Manche Menschenrechte zumindest sollten weiter als “unveräußerlich” (als “notwendig”) gelten — und einige Verbrechen als “Verbrechen gegen die Menschheit” (als “unmöglich”). In dieser Hinsicht hat sich unser Alltag des einundzwanzigsten Jahrhundert nun offenbar so verschoben, dass aus der Welt als Feld der Kontingenz zwischen den Zonen des Notwendigen und des Unmöglichen – nicht zuletzt in Folge der Akkumulation und wechselseitigen Abgleichung von allzu vielen verschiedenen “Kulturen” in globaler Zeit – ein Universum der Kontingenz geworden ist, wo sowohl das seit der Aufklärung als notwendig wie das seit der Aufklärung als unmöglich Geltende wieder möglich geworden ist – und werden soll. Anders gesagt: wo alles möglich und nichts mehr notwendig oder unmoeglich scheint.

Was zweihundert Jahre lang gegenüber den möglichen Formen menschlichen (“humanitären”) Verhaltens als unmöglich ausgeschlossen war, kommt zurück unter der neuen Konstellation universeller Kontingenz, die absolut nichts mehr ausschließt – ohne dass wir es noch wagen, auf gründsätzlich Besseres zu hoffen. Es ist wieder möglich geworden – und eben nicht unmöglich geblieben – einst gezogene Grenzen und Schwellen zurück-zu-überschreiten, die “wir Menschen” für immer hinter uns gelassen zu haben glaubten. Was uns bleibt, sind eher hilflose Reaktionen des Grauens – und symmetrische Reaktionen der Eskalation.

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Time am 7. September 2014

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1) http://blogs.faz.net/digital/2014/09/07/enthauptung-als-schwelle-der-islamische-staat-685/

Schuldig: der Kloran – nicht die Russen

6. September 2014

Jihadaffen

Jihadmonkeys on the run

In der heutigen FAZ macht es sich Klaus-Dieter Frankenberger heute einfach (1). Schuld sind s.E. natürlich mal wieder die Russen, weil sie Assad stützen und eben „die Russen“ sind. Sonst hätten nämlich westlich gesinnte Demokraten die Macht in Syrien erlangt und umgehend die offene Gesellschaft samt Rechtssicherheit, freier Meinungsäußerung, Minderheitenschutz, sozialer Marktwirtschaft und eingetragenen Skatvereinen eingeführt.

Dass die Amis leider die Jihadisten in Afghanistan gegen die Bolschewisten erst groß gezüchtet haben, lässt er unter den Tisch fallen.

Ich bin nicht gegen die amerikanische Politik: Ich finde es großartig, wie sie seit 10 Jahren im Orient Verwirrung stiften und dafür sorgen, dass sich die Orks gegenseitig massakrieren, anstatt dass sie unsere Länder angreifen, wie sie es noch vor 250 Jahren regelmäßig taten.

Aber es ist billig, die Iwans für den IS-IS verantwortlich zu machen. Der IS-IS ist ein Ergebnis, das zwingenderweise aus dem satanischen Kloran resultiert.

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Kampf gegen Terrormiliz „IS“

Gemeinsam gegen eine mörderische Gefahr

Eine Koalition für den Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“, die Regierung Obama zusammenstellt, sollte nicht nur westliche Staaten einschließen. Selbst in der Führung Irans wird eine militärische Zusammenarbeit erwogen. Und was ist mit Russland?

Die Nato wird nicht gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ kämpfen, dafür soll es eine Koalition richten – eine Koalition der Willigen, wie man vor einigen Jahren gesagt hätte. Eine Koalition, bestehend aus neun Nato-Staaten sowie Australien, will die Regierung Obama zusammenstellen, um die Last des Kampfes, der vor allem in der Unterstützung des Iraks und der irakischen Kurden besteht, auf mehrere Schultern zu verteilen.

Das ist richtig, reicht aber nicht. Warum sollten wichtige Staaten der Region sich nicht stärker als bisher daran beteiligen, den Terrorismus niederzuringen? Einige haben schließlich mitgeholfen, ihn groß zu machen.

Der islamistische Terrorismus stellt eine mörderische Gefahr dar für Völker und Staaten, in der Region und darüber hinaus; auf seinem Vormarsch gräbt er die ominösen schwarzen Löcher, aus denen Unheil droht, und zwar auf Jahre und Jahrzehnte hinaus. Afghanistan und Somalia sind Beispiele hierfür.

Eine Koalition sollte deswegen nicht nur westliche Staaten einschließen, sondern auf einer möglichst breiten Basis stehen. Dass die Führung Irans sich eine militärische Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten vorstellen kann – man mag es kaum glauben -, zeigt, für wie bedrohlich Teheran die sunnitischen Islamisten hält. Äußere Einmischung, deren vehemente Ablehnung bislang zum Standardrepertoire Irans gehört hat, scheint nun weniger frevelhaft zu sein.

Zu dieser Koalition müsste eigentlich auch Russland gehören, das selbst schlimme Erfahrungen mit islamistischem Terror gemacht hat. Der „Islamische Staat“ hat jetzt dem russischen Präsidenten Putin gedroht, nachdem er zuvor schon Terrorbotschaften an Obama gerichtet hatte. Aber lieber ergeht sich Russland in antiwestlichen Verschwörungstheorien.

Das Vorgehen in der Ukraine hat vorläufig zum Bruch mit dem Westen geführt, und Moskaus Patronage des Assad-Regimes hat zur Radikalisierung der syrischen Opposition und zum Erstarken der Dschihadisten beigetragen – ein weiterer Grund, warum heute deren „barbarische und verabscheuungswürdige Taten“ (Cameron) zu beklagen sind. Die Dschihadisten nehmen keine Rücksicht auf Interventionsmüdigkeit; sie füllen das Vakuum.

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Time am 6. September 2014

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/kampf-gegen-terrormiliz-is-gemeinsam-gegen-eine-moerderische-gefahr-13137461.html

Na also!

5. September 2014

Ukraine

Es gibt keinen vernünftigen Grund (außer Korruption), warum Christen Christen und überhaupt Nichtorks Nichtorks bekämpfen sollten, solange das Monster des Mohammedanismus auf der Erde herumspukt und nach Belieben mordet, foltert und versklavt. 

Der Mohammedanismus muss dekonstruiert werden – vollständig!

Die Peanuts knacken wir später – gemeinsam!

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Time am 5. September 2014

Im Geburtsland der Madrasas

5. September 2014

Chiwa

Chiwa

Im Reiseteil der FAZ berichtet Jakob Strobl y Serra aus Usbekistan (1), in dem die ersten Madrasas gegründet wurden (2).

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Auf der Seidenstraße durch Usbekistan

Das kostbare Erbe des großen Menschenschinders

Samarkand, Chiwa, Buchara: Gleich drei mythische Städte der Seidenstraße liegen in Usbekistan. Bis heute erzählen sie Geschichten wie aus Tausendundeiner Nacht – von grandioser Schönheit, grausamer Schicksalsmacht und der Sehnsucht nach dem Meer inmitten der Wüste.

So unwirklich, als sei sie aus Bauklötzchen errichtet, wirkt die fast dreitausend Jahre alte Wüstenstadt Chiwa, die wie Treibsand der Geschichte in die Gegenwart geweht wurde.

Gib mir einen Kuss, denn ich habe mich in dich verliebt, sagte der vorwitzige Baumeister zu Bibi Khanum, sonst vollende ich die Moschee nicht, die du deinem Gatten als Willkommensgeschenk bei seiner siegreichen Rückkehr nach Samarkand überreichen willst. Weißt du denn nicht, wer ich bin? schrie die schöne Bibi, die Lieblingsfrau des Weltenherrschers und Menschenschlächters Timur ibn Taraghai Barlas, schimpfte den Baumeister einen Frevler und drohte ihm mit Tod und Verderben. Doch die Zeit verrann, und ihre Verzweiflung wurde so groß, dass sie schließlich nachgab: Einen Kuss auf die Wange durch den Schleier gewährte sie dem frechen Kerl, und er war so feurig, dass er sich in Bibis Wange einbrannte als ein Mal des Verrats und der Treulosigkeit. Timur sah es sofort, tobte, wütete und wollte den Baumeister bei lebendigem Leibe einmauern lassen. Dieser aber baute sich Flügel aus Rehleder und Schilfgras und flog davon wie ein usbekischer Ikarus, dem weder der grausamste aller Feldherren noch die heißesten aller Sonnenstrahlen das Leben nehmen konnten.

Wir stehen in den Ruinen der Moschee von Bibi Khanum und erschaudern in der Hitze Samarkands, weil das Schicksal zwar nicht Frechheit und Vorwitz, dafür aber Hybris und Hochmut so schrecklich bestraft. Das größte Gotteshaus Zentralasiens ließ Bibi in grenzenloser Liebe für ihren Timur errichten, ein Fanal der Gigantomanie mit fünfzig Meter hohen Portalen und Platz für zwölftausend Gläubige, ein Monstrum von Moschee, das dem Gewicht seiner eigenen Maßlosigkeit nicht standhielt. Erdbeben zertrümmerten es, zerschlugen die Portale zu gewaltigen Torsi, stutzten die Minarette zu kolossalen Stümpfen, sprengten die Kuppeln in tausend Stücke. Drei von ihnen hat man restauriert, unter denen jetzt zwei Arbeiter engelsgeduldig die Majolikamosaiken aus den geretteten Kacheln zu rekonstruieren versuchen wie ein Puzzle mit Millionen von Teilen. Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende würden sie dafür brauchen. Und trotzdem wird Samarkand nie wieder das sein, was die Hauptstadt von Timurs Reich nach dem Willen des Tyrannen sein sollte: der Mittelpunkt des Weltalls.

Allahs Schatten auf Erden

Ein Krüppel und einer der skrupellosesten Eroberer der Weltgeschichte war dieser Timur, den seine Feinde „den Lahmen“ und der sich selbst „Allahs Schatten auf Erden“ nannte. Zwischen 1370 und 1405 schuf er ein riesenhaftes, doch auf den tönernen Füßen des Terrors stehendes Reich, das von Anatolien bis nach Indien, von Syrien bis nach Persien, von Georgien bis fast an die Grenze der Mongolei reichte. Und er tränkte dabei die Erde mit Strömen von Blut. Hunderttausend Gefangene ließ er bei der Eroberung von Delhi hinrichten, hunderttausend Menschenschädel bei der Unterwerfung von Bagdad zu Pyramiden auftürmen und Hunderttausende von Handwerkern bei seinen Feldzügen nach Samarkand verschleppen, um seine Hauptstadt in die strahlendste Perle des Planeten zu verwandeln. Dabei wurde sie schon lange zuvor als ein Ort von überirdischer Anmut gerühmt. „Alles, was ich über die Schönheit dieser Stadt gehört habe, ist wahr – nur dass sie noch viel schöner ist, als ich es mir vorgestellt habe“, sagte Alexander der Große, nachdem er sie 329 vor Christus erobert hatte. Vom „herrlichsten Antlitz der Erde“ sollten später arabische Reisende schwärmen, vom Anblick Samarkands als „einem der überwältigendsten Augenblicke, die dem menschlichen Auge jemals vergönnt waren“. Und bis heute schmerzt das Auge, wenn es von Samarkands Schönheit geblendet wird.

Selbst im Mausoleum des Menschenschinders Timur verblassen all seine Grausamkeiten vor der Pracht und Herrlichkeit seines Grabes. Es wird von einer gewaltigen geriffelten Kuppel gekrönt, einem Monumentalkunstwerk in Türkis mit Tupfern in Orange, Violett und Blau, so leuchtend, so funkelnd, als bestehe es aus Edelsteinen und nicht aus lasierten Kacheln. Im Inneren des Mausoleums erreicht die Apotheose Timurs dann eine Grenzenlosigkeit, die sonst nur Allah vorbehalten ist: Orgien von Blattgold, Kaskaden von Arabesken stürzen die Wände herab, die von Tonnen poliertem Onyx und den kunstvollsten Stalaktitengewölben getragen werden. Ein mächtiger Kristalllüster schwebt unter der himmelhohen Kuppel, die wie eine Schatzkiste voller Rubine, Smaragde und Aquamarine schimmert, während der Emir selbst in einem schlichten, schwarzgrünen Kenotaph aus Jade ruht, eine Bescheidenheit in der Stunde des Todes, die er zu Lebzeiten wohl niemals besaß.

Ein Meisterwerk der Geometrie

Manche Besucher im Mausoleum murmeln wie in Trance Koranverse und verneigen sich dabei immer wieder vor dem Kenotaph, demütig wie Pilger, devot wie Untertanen. Denn von den Muslimen wird Timur trotz seiner Schandtaten als Heiliger verehrt – und nicht nur das: Präsident Islam Karimow, der sein Land seit 1990 mit harter Hand und absolutistischem Machtanspruch regiert, hat den Kriegsherrn zum Ahnherrn des neuen Usbekistan erklärt und lässt ihn mit pompösen, pathetisch protzenden Monumenten zum zentralasiatischen Dschingis Khan verklären. Timurs Reich verschwand so schnell, wie es über die Menschen gekommen war.

Samarkands Schönheit aber überstand alle Albträume der Geschichte und hat ihren Gipfel im Registan gefunden, einst das Herz der Stadt, Markt-, Handels-, Hinrichtungs-, Verkündungsort und heute – so man das sagen darf, ohne als Ketzer gesteinigt zu werden – eine Art Petersplatz der islamischen Welt. Er ist ein Meisterwerk der Geometrie, die gerade in der Schlichtheit ihre größte Wirkung entfaltet: Drei mächtige Madrasas begrenzen drei Seiten des quadratischen Platzes, wobei alle drei Koranschulen demselben architektonischen Muster folgen – an der Frontseite ein fast vierzig Meter hohes Hauptportal mit Hufeisenbogen, dahinter ein rechteckiger Kubus, der einen Innenhof mit Rundbogengalerien und Aprikosen- oder Maulbeerbäumen umschließt, dazwischen säulenartige Minarette mit Stalaktitenkapitellen und einem flachen Abschluss statt einer Spitze, so dass sie den Himmel wie auf Händen zu tragen scheinen.

Das Erbe der Feueranbeter

Doch was heißt schon Schlichtheit bei dieser Sintflut von Dekor! Noch der letzte, kleinste, versteckteste Winkel des Ensembles ist mit Mosaiken und Majolikas, mit Lasuren und Keramiken bedeckt, als trügen die Bauten ein verschwenderisch besticktes Gewand aus steinernem Brokat. Stilisierte Sterne und abstrahierte Blüten schmücken es, Löwen, die wie Tiger aussehen, und Gazellen, die um ihr Leben rennen, Swastikas mit züngelnden Spitzen und Sonnen mit lachenden Gesichtern, eine Erbschaft der feueranbetenden Anhänger Zarathustras für ihre muslimischen Nachfolger. Das wichtigste Muster aber, das Mantra der Madrasas vom Registan, ist die Raute, die für uns wie reine Dekoration wirkt. Doch hinter ihrer Geometrie verbergen sich lauter Glaubensbekenntnisse, geschrieben in der Kufi-Kalligraphie, der am stärksten geometrisierten Schriftform des Arabischen. In einem schlichten Rhombus liest man viermal den Namen Allahs. In einem diagonal gestellten Sankt-Georgs-Kreuz steht geschrieben: „Es gibt keinen Gott außer ihm.“ Und was für uns wie ein auseinandergerissener Mäander oder ein Rautenlabyrinth aussieht, sagt in Wahrheit: „Mohammed ist der Gesandte Gottes.“

Wir lesen nichts von alldem, verstehen nichts, staunen nur, stundenlang, und werden stumm im Angesicht dieses Platzes – seiner verspielten Strenge und der Raffinesse seiner Einfachheit, seiner monumentalen Klarheit und der Perfektion seiner Proportionen. Wir sehen die hohe, die höchste Kunst der Geometrie und eine Schönheit, die so absolut ist wie eine mathematische Formel, geschaffen mit nichts anderem als einem minimalistischen Kanon aus Farben und Formen, aus Blau und Weiß, Grün und Gelb, Raute und Quader, Rechteck und Rundbogen. Und wir begreifen, dass wir hier, am Registan von Samarkand, der Vollkommenheit ins Gesicht blicken.

Du hast mich betrogen nach Strich und Faden, zeterte der alte Mann, rasend vor Wut, blind vor Eifersucht, und zerrte seine Frau, die so jung und schön war wie eine Orchidee, hinauf auf das Minarett der Hauptmoschee von Buchara, obwohl sie ihm ihre Unschuld schwor und um Gnade flehte. Doch ihr Gatte kannte kein Erbarmen. Dein Schicksal lege ich in Allahs Hand, und wenn du wirklich unschuldig bist, wirst du nicht sterben, geiferte er. Einen letzten Wunsch jedoch wollte er ihr noch gewähren. Und so zog seine Frau vierzig Röcke an, bevor ihr Mann sie vom Minarett in die Tiefe stieß. Und o Wunder, die Röcke blähten sich auf wie Gefieder und trugen die Frau fort wie einen Vogel. Der alte Mann aber, so sagen es die Gerechten unter den Geschichtenerzählern, stürzte sich nun selbst vom Minarett in den Tod, aus Scham und Reue und Untröstlichkeit.

Wir stehen am Fuß des Minaretts, schauen sechsundvierzig Meter hinauf zu seiner Spitze und versuchen, am Himmel die unglückselige usbekische Mary Poppins zu erspähen, obwohl sie längst auf und davon ist. Wir sehen nur die Tauben auf der Kuppel der Hauptmoschee, diesem türkisfarbenen Sehnsuchtsseufzer vielleicht nach dem Meer inmitten der Wüste oder doch nach dem Paradies, dessen Farben im Islam Blau und Grün sind und deren Symbiose wiederum das himmelszarte Türkis ist. Und wir versuchen uns vorzustellen, dass bis weit ins neunzehnte Jahrhundert hinein die Delinquenten von diesem Minarett ins Jenseits befördert wurden – ein unvorstellbarer Gedanke in einer Stadt, in der die Grausamkeit der Geschichte längst der völkerverständigenden Friedfertigkeit des internationalen Fremdenverkehrs gewichen ist.

Resolute Händlerinnen mit Goldgebiss

Die uralte Seidenstraßenmetropole Buchara präsentiert die Relikte ihrer Vergangenheit heute wie die Exponate eines begehbaren Museums: die Quelle des Propheten Hiob, der angeblich einst diesen Ort gründete, indem er mit seinem Stab auf den Boden schlug und das Wasser wundersamerweise sprudeln ließ; die weiß getünchten Tonnengewölbe der Seidenstraßenhändler, in denen die Souvenirverkäufer noch immer dasselbe Sortiment führen wie zu Zeiten Marco Polos – Gold und Gewürze, Brokat und Krummdolche, Seide natürlich und Lapislazuli vom hintersten Hindukusch – der Goldbasar, der jetzt eine matriarchalische Frauenveranstaltung ist, beherrscht von resoluten Händlerinnen mit Goldgebiss, die ihre ausländische Kundschaft herzhaft lachend mit einem „Salem aleikum bonjour muchas gracias“ begrüßen und trotzdem nicht den Eindruck erwecken, als verstünden sie sonderlich viel Spaß, wenn es ums Geschäft geht; die Karawansereien und Madrasas, die längst in Restaurants umgewandelt worden sind oder in Schauwerkstätten für Touristenbedarf voller Silberschmiede, Goldsticker, Teppichknüpfer, Puppenmacher, Holzschnitzer und Miniaturenmaler; und die Chanakas, die schon lange keine pilgernden Derwische mehr beherbergen, sondern Touristen auf Rundreise Obdach geben.

Doch alle klischeebeklebte Kulissenhaftigkeit verflüchtigt sich wie ein Flaschengeist, wenn es dämmert und die Hitze ihren Würgegriff endlich ein bisschen lockert. Dann erlebt vor allem der Labi Hauz, der Hauptplatz von Buchara, eine Metamorphose, wie wir sie in einem muslimischen Land kaum für möglich gehalten hätten: Der Platz mit seinem künstlichen Teich aus dem sechzehnten Jahrhundert, der von Maulbeerbäumen beschattet, von Koranschulen flankiert, von Derwischherbergen gesäumt wird, verwandelt sich plötzlich in das Wohnzimmer der Bewohner Bucharas. Jetzt sind die Touristen nur noch Dekor und die Einheimischen die Hauptdarsteller. Die Alten hocken beim Domino oder Schachspiel zusammen. Die Kinder toben sich in der Hüpfburg aus, verschwinden hinter Zuckerwattebergen oder sausen mit elektrischen Miniaturautos über das Pflaster. Die Verliebten verdrücken sich in die dunklen Ecken. Und ganze Großfamilien lassen es sich in den Restaurants rund um den Teich gutgehen, während Schnulzensänger in Goldjäckchen den Labi Hauz mit ihren Schmachtfetzen beschallen.

Die Intoleranz gegenüber der Intoleranz

Bier und Wein fließen wie Milch und Honig, Burka und Tschador bleiben im Schrank, fast fühlen wir uns wie in Spanien oder Italien und heben unseren Bierhumpen auf Präsident Karimow, der alles andere als ein Musterdemokrat sein mag, aber immerhin den Islam in seinem Land vor der Geißel der Radikalisierung bewahrt hat – wenngleich eher durch Exorzismus als durch Überredungskunst, eher mit den Mitteln eines Polizeistaates als mit denen Rechtsstaates. Uns kann das in diesem Augenblick gleichgültig sein. Wir denken mit Gruseln daran, welche Tragödien des Fanatismus sich gerade ein paar hundert Kilometer weiter südlich ereignen, loben uns die staatlich sanktionierte Intoleranz gegenüber religiöser Intoleranz in Usbekistan, freuen uns auf dem Labi Hauz an einem Islam ohne Islamisten und ,Islamischen Staat‘ und bestellen noch ein schönes, großes, kaltes Bier.

Ich werde euch retten, ich ganz alleine, sagte der Hirte und erntete nur Gelächter. Dabei war niemandem zum Lachen zumute, denn der allmächtige Kaiser von Persien stand kurz davor, das Hirtenvolk in der Roten Wüste Usbekistans zu vernichten. Wie willst du das tun, Hirte?, fragten ihn die anderen, und er antwortete: Ich werde mir Nase und Ohren abschneiden. So tat er es, ging zum Kaiser und sprach: Sieh, o großer Herrscher, was mir mein eigenes Volk angetan hat. Rache schwöre ich, und du musst mir dabei helfen. Der Kaiser glaubte ihm und schickte seine Armee mit dem Entstellten los. Doch der schlaue Hirte führte die Soldaten tief in die Wüste hinein und damit in den sicheren Tod und rettete so sein Volk, wenn auch nicht sein eigenes Leben.

UlugBegMadrasa

Madrasa #1: Ulugh Begs Madrasa in Samarkand

Wir fahren von Buchara nach Chiwa durch die Rote Wüste, hoffen inständig, dass unser Chauffeur kein verkleideter Hirte ist, und verstehen sofort, warum die kaiserliche Armee hier nicht die geringste Überlebenschance hatte. Denn diese Landschaft ist eine Kriegserklärung an die menschliche Existenz, eine furchterregende Ödnis voller Sand, Staub, Stein, schütter bewachsen mit Kameldorn, Krüppelakazien, Tamarisken und sonst nur wüst und tot und leer. Hundert Kilometer weit fahren wir, ohne auf Spuren von Zivilisation zu stoßen außer dem Gerippe eines Autowracks, den zerfetzten Resten eines Reifens oder einer Raststätte wie aus der Apokalypse, und machen nach zweihundert Kilometern den selbstmörderischen Fehler, uns bei fast fünfzig Grad die Beine zu vertreten – sofort bläst uns der Wüstenwind so heiß ins Gesicht, als stünden wir direkt hinter der Turbine eines startenden Flugzeugs.

Ein steinerner Untoter der Zeitläufe

Wie eine Geistererscheinung taucht manchmal der Amudarja neben der Straße auf, doch nicht einmal dieser Strom ist in der Lage, der Wüste Leben einzuhauchen. Dann verschwindet er wieder wie ein Hirngespinst, erschöpft und desillusioniert, weil er gnadenlos geplündert wird, um Usbekistans gigantische Baumwollplantagen zu bewässern, und deswegen längst nicht mehr im Aralsee mündet, sondern lange davor wie ein Verdurstender in der Wüste sein Leben aushaucht, während der Aralsee langsam zur Pfütze verkümmert. Und auch wir fühlen uns, als sei es bald um uns geschehen auf dieser schnurgeraden Straße, die schnurstracks ans Ende von Raum und Zeit zu führen scheint.

Unser Weg endet nicht im Nichts, sondern an einer zwölf Meter hohen, zinnenbewehrten, lehmverputzten Ziegelsteinmauer. Sie umschließt bis heute vollständig die Karawanserei Chiwa und hütet einen Schatz, wie es ihn an der Seidenstraße kein zweites Mal gibt: einen Ort wie Treibsand der Geschichte, wie ein steinerner Untoter der Zeitläufte, der sich in die Gegenwart verirrt hat, ohne so recht zu wissen, wie ihm geschieht. Wir schreiten durch das Tor und finden uns in einer wie vom Winde verwehten Welt aus Moscheen, Madrasas, Minaretten, Mausoleen wieder, laufen über Ziegelsteinpflaster im Fischgrätmuster, durchfurcht von tiefen Kutschenräderspuren, oder auch nur über gestampften Lehm, der hier liegen mag, seit der Schöpfer das Wasser von der Erde schied.

Orgientaugliches Himmelbett

Chiwa rettet seit 2700 Jahren die Wüstenfahrer in der usbekischen Ödnis vor dem Verdursten und war in seiner Glanzzeit eine der bedeutendsten Karawansereien entlang der Seidenstraße. Und weil die Wüste noch den Verwegensten demütig macht, versteckt sich der Reichtum der Jahrhunderte hinter unscheinbaren Mauern – im Palast des Khan etwa, des Herrschers dieser Überlebensfestung, der außen ein Bunker und innen ein Serail voller blauweißer Majolikas und ziselierter Säulen aus Ulmenholz ist, dekoriert mit einem silbernen Thronsessel und einem orgientauglichen Himmelbett im Harem, in dem der Khan durch Geheimgänge zu jeder einzelnen seiner Frauen gelangen konnte, ohne dass die Verschmähten es bemerkten. Nichts deutet von außen auch auf die stille Pracht der Freitagsmoschee hin, in der 212 Säulen aus Maulbeerbäumen und Platanen eine hölzerne Decke tragen – und jede einzelne Säule ist anders geschnitzt, mit Blumen, Bändern, Bögen, Rauten, Trapezen, Pentagonen, Hexagonen, Schraffuren, Drechseleien, wie zum Beweis dafür, dass die Phantasie der arabischen Ornamentik unerschöpflich ist, so unerschöpflich, wie es einst die geistige Kraft der islamischen Welt war.

Daran erinnert ein Museum in einer der Madrasas, in denen zu Seidenstraßenzeiten längst nicht nur das Wort des Propheten und schon gar nicht der Hass gepredigt, sondern auch Astronomie und Geometrie, Mathematik und Philosophie gelehrt wurden. Als steinerne Bildnisse blicken uns hier der berühmte Geograph Al Biruni an, der die Erde nicht mehr für eine Scheibe hielt und Kolumbus’ Kompass war; der unsterbliche Mathematiker Al Choresmi, der Vater der Allegra und Erfinder der Ziffer Null; der sagenumwobene Arzt Avicenna, dessen Lehren bis ins neunzehnte Jahrhundert in der Medizin maßgeblich waren. Sie alle waren Söhne der Seidenstraße und Kinder einer glücklichen Epoche, als der Islam dem Abendland noch den Weg der Weisheit wies.

Geschichten von Glück und Verderben

Spätabends, wenn sich die letzten Touristen in ihre Koranschulenhotels zurückgezogen und die Fotokulissenkamele Feierabend haben, wenn die Souvenirverkäufer mit ihren Fellmützen und Krummsäbeln verschwunden und die fußballspielenden Kinder mit ihren Barça-Trikots schlafen gegangen sind, muss man die Augen nur ein wenig zusammenkneifen, um sich in Chiwa wie ein Wüstenfahrer auf seiner vier, fünf, sechs Jahre währenden Seidenstraßenreise von Szechuan nach Konstantinopel zu fühlen. Ganz still ist es jetzt in der Stadt, ganz leise das Schnarchen der Menschen, die auf Bettgerüsten unter freiem Himmel schlafen, um nicht von der Hitze erstickt zu werden, und ganz deutlich sind die Geschichten zu hören, die uns die alten Mauern erzählen – Geschichten von Glück und Verderben, von Ruhm und Tod, von selbstlosen Hirten, geretteten Ehefrauen und fliegenden Baumeistern, die es auch hier gibt, so wie jenen, der das schönste Minarett der Stadt errichtet hat: Als der Emir von Buchara es sah, wurde er neidisch und wollte ein noch schöneres haben. Das wollte der Khan von Chiwa keinesfalls zulassen und befahl, seinen eigenen Baumeister zu töten. Doch dieser stieg auf sein Minarett, bat Allah um Beistand, verwandelte sich in einen Vogel und flatterte davon.

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Time am 5. September 2014

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1) http://www.faz.net/aktuell/reise/maerchenland-auf-der-seidenstrasse-durch-usbekistan-13131626.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
2) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/02/ulugh-beg/

Go Godane go!

5. September 2014

Ahmed Abdi Godane

Der somalische Jihadistenführer Ahmed Abdi Godane weilt nicht mehr unter uns Lebenden. Unsere amerikanischen Freunde haben ihn „vom Schlachtfeld entfernt (1)

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Time am 5. September 2014

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1) http://www.taz.de/Drohnenangriff-in-Somalia/!145517/

Finger weg von euren Moscheen

4. September 2014

Oldenburg

Bis August dieses Jahres hatte es in Deutschland erst sieben „Anschläge“ gegen Moscheen gegeben, wobei unter Anschlägen Lappalien wie Krakeleien oder abgelegte Schweineköpfe zu verstehen sind (1). Gegenüber den Vorjahren, im denen es angeblich 20-36 „Übergriffe“ gegeben haben soll, war dies eine dramatische Verringerung. Dies hindert die Ork-Kommissare und ihre Speichellecker natürlich nicht daran, eine „signifikante Zunahme“ derartiger Vorfälle herumzuposaunen (2).

Einige Orks der Führungskader – mutmaßlich Konvertiten mit deutscher Erziehung – haben aber offenbar Probleme mit der „evidenten Lüge“ (3). Daher scheint man durchgesetzt zu haben, dass man von eigener Hand gegen Moscheen gerichtete Vorfälle produziert, so wie ich es am 4. August prognostiziert hatte (4), damit es wenigstens die Vorfälle gibt, auf die man verweisen möchte.

Und so wurde uns der Brand in Berlin präsentiert, der sich unlängst als von einem Mohammedanisten gelegt worden herausstellte (5). Weiterhin wurden uns zwei Brände in Bielefeld präsentiert, die jeweils, was zweifellos ein Beweis für die Existenz von AllaHundseingesandter ist, von Offiziellen der jeweiligen Moscheen „entdeckt“ und ohne nennenswerten Schaden gelöscht wurden (6).

Ich fürchte, so munter werden sie jetzt in einem fort weiterlügen, bis sie Polizeischutz auf Bürgerkosten vor jeder Moschee und die Erfassung und Bestrafung jeglicher Mohammedanismuskritik als „antimuslimisch-rassistisches Hassverbrechen“ durchgesetzt haben.

Der neueste Fall wird aus Oldenburg gemeldet (7). Sein Muster gleicht den vorangegangenen:

„Auf die Haci-Bayram-Moschee an der Emsstraße ist ein Brandanschlag verübt worden. Unbekannte warfen am Wochenende zwei Molotowcocktails gegen die große Fensterscheibe neben dem Eingang. Das bestätigte die Polizei am Dienstag auf Anfrage der NWZ. Es sei nur geringer Schaden entstanden.“

Es gab nur geringen Schaden, u.a. weil die Brandsätze nicht durch das große Fenster hineingeworfen wurden.

„Das Feuer erlosch von selbst und hinterließ eine Verrußung an der Fensterscheibe und dem Mauerwerk.“

Derlei Vorfälle produziert niemand, der Schrecken in die Herzen der Orks senden möchte, denn die können über einen derartig harmlosen und physikalisch wirkungslosen Dilettantismus nur müde lächeln. Derlei Vorfälle produziert, wer sich auf diese Art als zu schützendes Opfer darstellen möchte, ohne dass er dafür tatsächlich ein echtes Opfer bringen will.

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Time am 4. September 2014

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1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2014/08/25/anschlage-2/
2) http://dtj-online.de/islam-in-deutschland-moscheebraende-politik-staatsversagen-36200
3) http://madrasaoftime.wordpress.com/2014/08/14/immer-wieder-evidentes-lugen/
4) http://madrasaoftime.wordpress.com/2014/08/04/nichts-sonst/
5) http://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2014/08/nach-moscheebrand–tatverdaechtiger-in-u-haft.html
6) http://madrasaoftime.wordpress.com/2014/08/25/anschlage-2/
7) http://www.nwzonline.de/oldenburg/anschlag-zwei-brandsaetze-gegen-moschee-geworfen-zwei-brandsaetze-gegen-moschee-geworfen_a_18,0,295549209.html

Naipaul: Exportartikel Mensch

3. September 2014

UK
Im Dezember letzten Jahres hatte ich Ihnen eine Passage aus dem Reisebericht „Eine islamische Reise“ (1) des indisch-britischen Nobelpreisträgers Vidiadhar Surajprasad Naipaul (2) von 1981 vorgelegt. Dieser Bericht enthält Landschafts- und Situationsbeschreibungen, Gespräche und zusammenfassende Schlussfolgerungen. Einige von den letzteren möchte ich Ihnen in der Zukunft in loser Folge vorlegen. Sie werden in Pakistan beginnen und in Indonesien enden.

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Pakistan 1

naipaulDer Traum von der moslemischen Heimat hatte seltsame Folgen gehabt. Und am seltsamsten von allen war diese: Der Staat, der einigen wie Gott persönlich vorgekommen war, wie eine vollkommene irdische Belohnung für die Gläubigen, lebte nicht so sehr von seinen landwirtschaftlichen Ausfuhren oder den Einnahmen aus seinen kleineren, zweitrangigen Industrien als vom Export seiner Menschen. Die Zeitungsanzeigen nannten das „Export menschlicher Arbeitskräfte“.

Die Idee vom moslemischen Staat als Gott hatte sich nie in etwas weniger Verstiegenes verwandelt, hatte sich nie in politischer oder ökonomischer Organisation niedergeschlagen. Pakistan – vom Meer bis zum Himalaya tausend Meilen lang und mit einer mehr als siebzig Millionen starken Bevölkerung – hatte eine Wirtschaft, die von Geldsendungen aus dem Ausland lebte. Der Eigentumsboom in Karatschi wurde zum Teil getragen von den Überweisungen überseeischer Arbeiter, und die waren überall, legal und illegal. Sie waren nicht nur in moslemischen Ländern, Arabien, den Golfstaaten, Libyen, sie waren auch in Kanada, den Vereinigten Staaten und vielen Ländern Europas.

Das Geschäft war organisiert. Wie Buchhalter Steuergesetze studieren, studierten die Experten Pakistans für den Export menschlicher Arbeitskraft die Einwanderungsgesetze der Welt und spekulierten um die Wette mit ihren Auswandererbataillonen: hier konnte man Touristenvisa überziehen (die meisten europäischen Länder), dorthin konnte man abhängige Verwandte verfrachten (England), da konnte man Studentenvisa in eine Aufenthaltserlaubnis umwandeln (Kanada und die Vereinigten Staaten), um politisches Asyl konnte dort gebeten werden (Österreich und West-Berlin), hier, direkt unterhalb des nördlichen Polarkreises, brauchte man gar keine Visa (Finnland). Sie füllten ganze Flugzeugladungen. Der Flughafen von Karatschi war für diesen Emigrantenverkehr ausgerüstet. Einige kamen durch, andere wurden zurückgeschickt. Deutsche schießen auf vier Pakistanis: Illegale Einreise. So lautete ein Artikel im Dawn, der von der Türkei über die Emigrantenroute gekommen war und die verspätete Geschichte einer ganzen Gruppe erzählte, die fluchtunfähig gemacht (Menschen wurden ins Bein geschossen) und gefangengenommen worden war.

Im Ausland warfen die Emigranten sich auf die Barmherzigkeit von Bürgerrechtsorganisationen. Sie suchten den Schutz des Gesetzes der Länder, in die die Flugzeuge sie gebracht hatten. Sie oder ihre Repräsentanten sprachen korrekt über den Unterschied zwischen armen und reichen Ländern, Süden und Norden. Sie sprachen vom Verbrechen der rassischen Diskriminierung und der Bruderschaft des Menschen. Sie appellierten an die Ideale der ausländischen Zivilisationen, denen sie zu Hause jeglichen Wert absprachen.

Und in den Augen der Gläubigen war das kein Widerspruch. Zu Hause war zu Hause, zu Hause war nicht wie draußen, daran änderten ökumenische Worte, draußen gesprochen, nichts. Das moslemische Staatswesen war wie Gott selbst, etwas, das für sich stand und unablässig geläutert und verteidigt werden musste. Wie der Artikel in der Teheran Times besagte, als er über die islamische Welle schrieb: „Angesichts der gegenwärtigen Verbesserung und Anpassung an Bedürfnisse, die in voller Übereinstimmung mit dem heiligen Koran und der Sunna (dem alten richtigen Weg) stehen, können der Iran und Pakistan durch Reinheit des Zwecks und aufrichtige Zusammenarbeit die Wahrheit bekräftigen, dass der Islam eine vollkommene Lebensweise ist.“

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Time am 3. September 2014

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V. S. Naipaul, „Eine islamischer Reise“ von 1981, DTV München 2002, S. 152 ff.

1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2013/12/29/ihr-konnt-auf-uns-zahlen/
2) http://de.wikipedia.org/wiki/V._S._Naipaul


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