Posts Tagged ‘Fazil Say’

Torklügen über Deutschland

27. Dezember 2012

Turkey's PM Erdogan and Somalia's President Ahmed listen to the national anthems in Mogadishu

Am 27. November hat die Redaktion von „Turkishpress“ einen Hetzartikel veröffentlicht, in welchem die Behauptung aufgestellt wird, dass die Kulturzensur in Deutschland ebenso rigide sei wie die in der Torkei (1):

„Die Zensurbestimmungen in der Türkei sind teilweise rigide. Doch was stellenweise unbekannt ist: Deutschland betrieb und betreibt weiterhin und im selben Maße Zensur.“

Was wissen wir über die Zensur in der Torkei? „Arte“ (2):

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Zensur Türkei

Schauspieler sind in der Türkei Superstars, die von einem Massenpublikum verehrt und geliebt werden. Das macht sie gefährlich. Droht den staatlichen Bühnenarbeitern in der Türkei die Arbeitslosigkeit?

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan mag keine Kultur, die seine Regierung kritisiert oder seine Wertvorstellungen nicht teilt. „Schauspieler trinken Alkohol und verhalten sich nicht beispielhaft“, verkündete er im Mai.

Anfang Juni verurteilte ein Istanbuler Gericht die erfolgreiche Krimiserie „Behzat C.“ zu einer saftigen Geldstrafe, weil der Kommissar der Serie dort öffentlich Whisky trinkt. Das ist noch viel zu lasch, findet der Präsident des Grünen Halbmondes, Muharrem Balcı. Seine Stiftung mobilisiert gegen Alkohol und Drogenkonsum. „In den Serien müssen Rollenmodelle vorgeschrieben sein“, postuliert er.

Nun soll den staatlichen Theatern der Geldhahn zugedreht werden. „Seine Regierung finanziere keine Theater, die ihre Politik kritisiere“, verkündete Erdogan im Mai. Auslöser der Kritik war das Theaterstück „’Alltäglich, obszöne Geheimnisse“ von Marco Antonio de la Parra, in dem Stück wird der Mangel an Freiheit unter dem chilenischen Diktator Pinochet thematisiert. „Das ist keine Kunst, sondern vulgär“, urteilt auch der einflussreiche islamisch-konservative Autor und Kolumnist Iskender Pala.

Theater solle volksnah und an Familienwerten orientiert sein. Als Reaktion hat der Istanbuler konservative Bürgermeister Topas die inhaltliche Verantwortung der staatlichen Theater seiner Verwaltung übertragen. Die Mitarbeiter der staatlichen Theater in der gesamten Türkei sind empört und gehen auf die Strasse, spielen aus Protest in öffentlichen Parks.

Ein Gesetzesentwurf des Ministerpräsidenten droht den staatlichen Theatern mit einer Schließung in der kommenden Spielsaison.

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„Politically Incorrect“ hatte berichtet (3):

Erdogan regiert ins türkische Fernsehen

Serienfiguren müssen heiraten, Sender, die bestimmte Folgen der US-Comic-Serie Simpsons ausstrahlen, werden abgestraft, und jetzt droht sogar ein komplettes Verbot einer beliebten Serie. Offenbar setzt die türkische Regierung derzeit alles daran, „Das prächtige Jahrhundert“ aus dem TV zu verbannen – und das per Gesetz. Turkish Airlines hat die Filme bereits aus dem Bordprogramm genommen. (…)

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In der Torkei gibt es also eine umfassende politisch-religiöse Zensur im medial-kulturellen Sektor, die vor der Bestrafung einzelner Künstler nicht Halt macht, wenn deren Meinung den mohammedanistischen Machthabern nicht gefällt (4):

„Der türkische Starpianist Fazil Say twittert sich noch in lebenslänglich. Nach der Strafanzeige wegen Beschimpfung von Bekenntnissen, muss sich Say wohl auch wegen Beleidigung des Gerichts verantworten.“

Turkishpress kann die Verurteilung Says offenbar kaum erwarten. Was haben die Torks nun aber an Deutschland zu monieren?

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Filmzensur in Deutschland – Der Held der Türken war inbegriffen

(…)

Nennen sie es Nostalgie, aber rückblickend betrachten viele der 2. Generation diese Filme als ein Bindeglied in die Heimat der Eltern. Für die Migranten gab es damals nicht die Möglichkeit, sich in türkischer Sprache unterhalten zu lassen. Ausser dem “Köln Radyosu”, einem türkischsprachigen Radiosender, gab es nicht viel Abwechslung im Leben eines Migranten während der 70er und 80er Jahre. Auf Dauer war die tägliche Suche nach dem Radiosender eine sysiphusArbeit. Erst mit dem Aufkommen von türkischen Lebensmittelläden, wurden auch Waren aus der Türkei herbei geschafft, darunter die ersten Beta2000 Videofilme, wofür Gastarbeiter bereit waren, mehr als das doppelte ihres Bruttolohnes für Videoabspielgeräte hinzublättern. Deshalb versammelten sich auch Familien zu Videoabenden, man kam ins Gespräch, schaute gemeinsam den neuesten türkischen Film an, den man sich bei einem türkischen Videoverleiher ausgeliehen hatte. (…)

Wussten sie aber, dass manche der Filme in Deutschland zensiert wurden und nie in den Markt gelangen konnten? Hier eine Liste der Filme, die es nie in die türkischen Videotheken in Deutschland schafften:

Dev Kani, Türkei (1984)
Darsteller: Cüneyt Arkin
Vertrieb: Kalkavan Video
Beschlagnahmt: 29.6.1989 durch das LG Düsseldorf
Folgeindizierung: 31.05.2011, (B)

En büyük Yumruk, Türkei (1983)
Darsteller: Cüneyt Arkin
Vertrieb: Kalkavan Video
Beschlagnahmt: 25.09.1989 durch das AG Neuss
Folgeindizierung: 30.11.2010, (B)

Gecenin sonu, Türkei (1983)
Darsteller: Tarik Akan, Cigdem Tunc, Ahmet Mekin
Vertrieb: Destan Video
Bechlagnahmt: 13.07.1988 durch das AG Esslingen
Folgeindizierung: 31.05.2011, (B)

Insan avicisi, Türkei (1975)
Darsteller: Cüneyt Arkin
Vertrieb: Tele Video Star
Beschlagnahmt: 15.03.1988 und am 8.11.1988 durch das AG München
Folgeindizierung: 29.05.2009, (A)

Kartalbey, Türkei (1984)
Darsteller: Cüneyt Arkin, Alev Sayin, Cemal Gencer
Vertrieb: Arsel Film
Beschlagnahmt: 19.07.1993 vom AG Stuttgart-Bad Cannstatt
Folgeindizierung: 28.11.1992, (A)

Kin, Türkei (1974)
Darsteller: Cüneyt Arkin, Ferda Büyükgünes
Vertrieb: Kalkavan Video
Beschlagnahmt: 29.06.1989 durch das LG Düsseldorf
Folgeindizierung: -

Vahsi Kan, Türkei (1983)
Darsteller: Cüneyt Arkin, Emel Tümer
Vertrieb: Kalkavan Video
Beschlagnahmt: 29.06.1989 durch das LG Düsseldorf
Folgeindizierung: -

Zindan, Türkei (1974)
Darsteller: Tamer Yigit, Yildirim Önal, Feri Cansel
Vertrieb: Üzelli Video
Beschlagnahmt: 21.01.1988 und 10.08.1988 durch das AG Frankfurt
Folgeindizierung: -

(…)

(A): Medien die nach Ansicht der Bundesprüfstelle die Voraussetzungen einer Jugendgefährdung (gemäß § 18 Abs. 1 JuSchG) erfüllen.

(B): Medien die nach Ansicht der Bundesprüfstelle als strafrechtlich bedenklich einzustufen sind und dadurch den Verbreitungsverboten nach § 131 des Strafgesetzbuches (StGB) der Beschlagnahme unterliegen (Gewaltdarstellung).

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Wie unschwer zu erkennen ist, erfolgte die Erstindizierung der gelisteten acht Filme teilweise in der 70er-, teilweise in der 80er-Jahren, ist mithin einem Kulturverständnis geschuldet, wie es vor vierzig Jahren vorherrschte. Die Hälfte der Filme wurden in der Folge freigegeben. Begründung für die Beschlagnahmung waren jeweils vorliegende Voraussetzungen für Jugendgefährdung und Propagierung strafrechtlich relevanten Verhaltens, nicht jedoch unliebsame politisch-religiöse Anschauungen. In der Liste beschlagnahmter Filme (5) erhielten die meisten von ihnen das Genre-Prädikat „Trash“ (Schrott, Müll).

Der Artikel in Turkishpress ist daher ein typisch mohammedanistischer Hetzartikel, der lügenhaft die umfassende politisch-religiöse Zensur in der Torkei mit der Indizierung zum Schutz der Jugend in Deutschland gleichsetzt.

Und Ork-Kommentator Ali Ria Ashley setzt – wie gewohnt in fehlerhaftem Deutsch – noch einen drauf:

„Es gibt in Deutschland mittlerweile sehr viele sogenannter Tabuthemen. Themen, über die öffentlich nicht gesprochen oder gesendet werden darf. Wie zum Beispiel über die Tatsache, dass das Jugendamt immer mehr Kinder ‚In Obhut’ nimmt. Letztes Jahr waren es über 32 tausend Kinder. Es werden auch Kinder von Ausländischen Mitbürgern ohne Gerichtsbeschluss ‚In Obhut’ genommen. Die Teilweise Polnischen, türkischen oder Italienischen Kinder oder Kinder aus Mischehen, dürfen mit Ihren Eltern, so Sie Kontakt haben dürfen, nur auf Deutsch miteinander reden. Menschenrechtsorganisationen Sprechen offen über Germanisierung von Kindern ausländischer Herkunft. Eine öffentliche Debatte hierüber findet NICHT statt.“

Der deutsche Staat als Kinderräuber, die nichtdeutschen Muttersprachen unterdrückend. Das Gegenteil ist wahr: Allerorten wird aus linguistisch-pädagogischen Gründen die Wertschätzung der Erstsprache gefordert und gefördert. Aber die Mohammedanisten bauen sich ihre wahnhafte Welt zusammen, in der immer die anderen für die Schrecken verantwortlich sind, die in Wirklichkeit direkt aus dem Kloran kriechen (6):

„Einer Untersuchung der Universität zu Oslo zufolge beeinträchtigt Islamophobie die Gesundheit von Muslimen – unabhängig davon, ob die Muslime persönliche Opfer von Diskriminierung geworden sind.“

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Time am 27. Dezember 2012

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1) http://www.turkishpress.de/news/27112012/filmzensur-deutschland-der-held-der-tuerken-war-inbegriffen/2878
2) http://www.arte.tv/de/zensur-tuerkei/6853324,CmC=6853320.html
3) http://www.pi-news.net/2012/12/erdogan-regiert-ins-turkische-fernsehen/
4) http://www.turkishpress.de/news/07122012/fazil-say-aggressiv-aber-selbst-empfindlich/2942
5) http://www.schnittberichte.com/svds.php?Page=Titel&ID=3550
6) http://www.migazin.de/2012/12/19/islamophobie-beeintraechtigt-gesundheit-von-muslimen/

Wie die Torks die Archäologie kidnappen

16. Dezember 2012

Allianoi

Die antike Bäderstadt Allianoi soll Opfer eines fragwürdigen Staudammprojektes werden. Der extrem rücksichtslose Umgang der Torks mit Zeugnissen der vormohammedanistischen Vergangenheit  hindert sie aber nicht daran, von westlichen Institutionen gerettete, gekaufte und restaurierte Relikte zurückzufordern.

Es gibt einfach kein Gebiet, auf dem sich die Mohammedanisten in einer Weise bewegen, die man leidlich akzeptabel nennen könnte. Überall verhalten sie sich anmaßend, überheblich, destruktiv, unkooperativ und dumm. So auch die Torks in Bezug auf die deutsch-türkischen Kulturbeziehungen. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, berichtete in der gestrigen FAZ.

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Piraten vor Pergamon

SOS Archäologie: Die Zusammenarbeit zwischen der Türkei und Deutschland ist in der Krise. Gesten des guten Willens von deutscher Seite werden unfreundlich beantwortet. Lieber inszeniert sich die Türkei als Opfer eines „Kulturimperialismus“.

Mit großem Pomp wurde vor kurzem das neue türkische Botschaftsgebäude an der Tiergartenstraße in Berlin eröffnet. Diese größte Auslandsvertretung des Landes überhaupt, wie es heißt, soll auch die besondere Beziehung der Türkei zu Deutschland unterstreichen. Der türkische Ministerpräsident Recep Erdogan kam zur Eröffnung höchstpersönlich nach Deutschland. Er warb für einen Beitritt seines Landes zur Europäischen Union und sah die Türkei als Teil Europas. Während Erdogan früher alle Versuche, in Deutschland lebende Türken zu einem besseren Erlernen der deutschen Sprache zu ermuntern, scharf kritisierte, hörte man nun ganz andere Töne: Die türkischen Bürger in Deutschland „sollten auch Hegel, Kant und Goethe verstehen“. Eine kulturpolitische Charmeoffensive also, aber gleich gekoppelt mit der Forderung nach der doppelten Staatsbürgerschaft.

Doch in den deutsch-türkischen Kulturbeziehungen ist derzeit von Charme wenig zu verspüren, vielmehr sind sie einer schweren Prüfung ausgesetzt. Türkische Kulturfunktionäre überziehen zahllose Museen weltweit mit Rückforderungen, ob sie nun begründet sind oder nicht. Alles soll an seinen Ursprungsort zurück, und der türkische Kulturminister Ertugrul Günay erklärt dieses Ziel sogar zu seiner „Herzensangelegenheit“. Ob er in seinem Herzen aber auch jene Objekte aus Syrien, dem Libanon und anderen Teilen des ehemaligen Osmanischen Reiches trägt, die heute in türkischen Museen stolz zur Schau gestellt werden? Der Ton der Gespräche ist dabei wenig diplomatisch, was unter historisch so engen Partnern wie Deutschland und der Türkei irritieren muss.

Die Strategie der Hardliner lässt es im Augenblick offenbar noch nicht einmal zu, ausgestreckte Hände zu ergreifen und nach einvernehmlichen Lösungen zu suchen. Das ist bedauerlich. Vom British Museum in London etwa fordert die Türkei die sogenannte Samsat-Stele aus dem 1. Jahrhundert vor Christus zurück, obwohl das British Museum das Stück 1927 in Syrien erworben hat. Wie man hört, wäre das British Museum durchaus bereit, das Objekt als langfristige Leihgabe der Türkei zu überlassen, allerdings in Verbindung mit einer engeren Museumszusammenarbeit. Solches Ansinnen wies die türkische Seite jedoch schroff zurück und bezichtigte umgekehrt das British Museum öffentlich der Kooperationsunwilligkeit. Zusammenarbeit gern, aber bitte schön zu den von der Türkei diktierten Bedingungen!

So ähnlich erging es den Staatlichen Museen zu Berlin. Wir erinnern uns: Die stark fragmentierte hethitische Sphinx aus Bogazköy, die 1917 zur Restaurierung nach Berlin kam, wurde im vergangenen Jahr an die Türkei übergeben, obwohl die Stiftung Preußischer Kulturbesitz dazu nicht verpflichtet gewesen wäre, weil die Aktenlage die Eigentumsfrage offenlässt. Ob es Absprachen über den Verbleib der Sphinx in Berlin gegeben hat, bleibt anhand der Quellen unklar. Uns schien die privilegierte Position der deutschen Archäologie in der Türkei seit fast 150 Jahren Grund genug, die ganz besonders engen und freundschaftlichen Beziehungen beider Länder durch die freiwillige Geste dieser Übergabe zu vertiefen. Es war also keine Restitution. Gemeinsam mit der türkischen Seite unterzeichneten wir dabei ein Kooperationsabkommen, das eine Intensivierung der musealen und archäologischen Zusammenarbeit vorsah, wobei es auch um Leihgaben für die Pergamon-Ausstellung in Berlin ging. Die deutsche Seite hat ihre Verpflichtungen erfüllt, die Türkei jedoch nicht, keine einzige der Zusagen wurde bislang eingehalten: Keine Leihgaben für Berlin, und die zugesagte engere archäologische Kooperation scheint sich eher ins Gegenteil zu kehren. Eines ist klar: Die Sphinx war der Testfall für die Ernsthaftigkeit des türkischen Willens zu einer zukunftsorientierten Gestaltung unserer Kulturbeziehungen. Das Ergebnis war mehr als ernüchternd.

Natürlich wird man Verständnis dafür aufbringen, dass die Menschen in Ländern wie der Türkei danach fragen, wie es sein kann, dass Teile ihrer Kulturgüter heute in europäischen und nordamerikanischen Museen zu sehen sind. Anstatt aber über die gängige Praxis der Fundteilungen vor über hundert Jahren aufzuklären und damit die Mitverantwortung der früheren Regierungen dieser Länder deutlich zu machen, inszeniert man sich lieber auf schrille Art und Weise als ahnungsloses Opfer von verwerflichem Kulturimperialismus. Ausländische Archäologen aus Europa und Nordamerika hätten in jener Frühzeit der Archäologie das kulturelle Erbe der Türkei ausgeplündert, wobei man aber geflissentlich ausblendet, was dabei für den Erhalt und die Erforschung ebendieses Kulturerbes geleistet wurde. Der enorme Tourismusboom in der Türkei geht nicht zuletzt auch auf diese Anstrengungen zurück. Und jeder weiß doch, dass die wunderbaren hellenistischen Reliefs des Pergamon-Altars gerade in die Kalköfen des Dorfes Bergama wanderten, als Carl Humann in den sechziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts dort auftauchte und sie im wahrsten Sinne des Wortes für die Nachwelt rettete. Stattdessen suggeriert man Bilder von Lug und Trug und Diebstahl. Hier wird Archäologiegeschichte umgeschrieben, und diese neue Story ignoriert hartnäckig historische Wahrheiten. Um die Altertümer geht es dabei ohnehin zuallerletzt.

Wenn den türkischen Kulturfunktionären ihre Altertümer wirklich so wichtig sind, warum setzen sie sich dann nicht mit den ausländischen Grabungsteams an einen Tisch und entwickeln eine gemeinsame, partnerschaftliche Strategie für den Erhalt des archäologischen Kulturerbes? Ist es denn nicht ein Glücksfall, dass Archäologen aus aller Welt mit hoher Kompetenz und gutem Geld auch in der Türkei antike Stätten erforschen und damit für die Nachwelt bewahren wollen? Es ist richtig, wenn die türkische Antikenverwaltung dies nach eingehender Prüfung der Grabungsanträge steuert und prüft. Seit mehr als einem Jahrhundert gibt es keine Fundteilungen mehr, alles bleibt im Lande, es gibt für die Türkei nichts zu verlieren und viel zu gewinnen. Die heute in Anatolien tätigen ausländischen Expeditionen sind bereit, sich auf kooperativere Formen der Zusammenarbeit einzulassen. Zudem ist die Archäologie eine internationale Wissenschaft, und die Nationalität des Ausgräbers sollte doch eigentlich unerheblich sein, solange er über die nötige Fachkompetenz und die erforderlichen Finanzmittel verfügt. Stattdessen wirft man vielen ausländischen Grabungen jedoch Nachlässigkeit, mangelnde Investitionsbereitschaft und wissenschaftliche Versäumnisse vor, obwohl die meisten dieser Projekte für ihre Förderung eine strenge fachliche Evaluierung nach international anerkannten wissenschaftlichen Qualitätskriterien durchlaufen müssen. Es ist ein leicht zu durchschauendes Spiel, und man fragt sich: Geht es der türkischen Seite wirklich noch um Partnerschaft und zeitgemäße Kooperationsformen?

Die französischen Ausgrabungen sind inzwischen geschlossen worden. Die deutschen Unternehmungen sollen künftig in erster Linie rekonstruieren, so lautet die Ansage. Anastilosis ist das Zauberwort: weniger graben, lieber viel aufbauen. Der Tourismus muss schließlich zu seinem Recht kommen. Wen schert es da schon, dass dieser Rekonstruktionswahn aus denkmalpflegerischen Erwägungen vielfach überhaupt nicht sinnvoll ist. Es ist ein willkommenes Druckmittel, und da fügt es sich dann trefflich, wenn die meisten ausländischen Grabungen mit ihren Forschungsetats die Wiedererrichtung von Gebäuden gar nicht finanzieren können. Wer aber nicht rekonstruieren will, der soll auch nicht mehr graben. Ist das der Kernpunkt der türkischen Strategie?

Sind die ausländischen Wissenschaftler erst einmal aus dem Lande, so hat man mit den einheimischen Archäologen umso leichteres Spiel, sie zu Vollzugsbeamten der eigenen Tourismusbehörden zu machen. Mit Wissenschaft hat das alles nicht mehr viel zu tun. Wenn der Türkei der Erhalt ihres kulturellen Erbes wirklich so wichtig ist, warum hat man es dann nicht zu verhindern gewusst, dass so herausragende Plätze wie die antike Bäderstadt Allianoi nahe Pergamon oder die einzigartige mittelalterlich-islamische Metropole von Hasankeyf aufgrund fragwürdiger Staudammprojekte ohne angemessene Erforschung einfach in den Fluten versinken? Selbst die verzweifelten Aufrufe türkischer Wissenschaftler blieben im eigenen Land ungehört.

Es geht vor allem um Politik und schon längst nicht mehr um das berechtigte Anliegen des Kulturgüterschutzes. In dieses Bild passt nur zu gut eine am 19. Januar 2012 erfolgte Aktualisierung des türkischen Kulturgüter-Gesetzes, die weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit in Kraft gesetzt wurde. Die Novellierung dieses Gesetzes erlaubt es nunmehr, dass Kulturgüter, die lediglich von wissenschaftlichem Wert sind, immer dann, wenn sich Ähnliches bereits in der Schausammlung eines Museums befindet, unter Aufsicht des Ministeriums verkauft werden können. Um ihre überfüllten Depots zu entschlacken, dürfen die Museumsbeamten also mit staatlicher Genehmigung ihre eigenen Bestände veräußern. Selbst türkische Archäologen waren fassungslos von so viel Chuzpe.

Ist „nur“ wissenschaftlich wertvolles Kulturgut nun also nicht mehr erhaltenswert? Und wer trifft am Ende wirklich die Entscheidung, was veräußert werden kann? Darf also ein Museum, das in seiner Schausammlung zwei hübsche Keilschrifttafeln zeigt, die übrigen fünfzig aus dem Depot meistbietend an Privatleute verjubeln? Damit wird die vornehmste Aufgabe der Museen ausgehebelt, nämlich das kulturelle Gedächtnis der Menschheit zu bewahren, zu erforschen und zu vermitteln. Es ist entlarvend, wenn dieselben Leute, die auf der einen Seite dieses Gesetz erlassen haben, auf der anderen Seite nun plötzlich vor über hundert Jahren rechtmäßig ins Ausland gelangte Kulturgüter vehement zurückfordern.

Da überrascht es dann auch nicht mehr, wenn die türkische Regierung im August vergangenen Jahres ein weiteres Gesetz erlassen hat, das der Türkischen Akademie der Wissenschaften (TÜBA) ihre Autonomie nahm. Diese Akademie – ihre Mitglieder sind das „Who’s who“ der türkischen Wissenschaft – darf künftig ihre Mitglieder nicht mehr selbst wählen. Zwei Drittel davon inklusive des gesamten Präsidiums werden nunmehr direkt von der türkischen Regierung ernannt. Wissenschaftliche Selbstverwaltung ist Makulatur geworden.

Gegen diese unglaubliche Maßnahme hat sich ein internationaler Sturm der Entrüstung erhoben, die angesehensten Wissenschaftsakademien weltweit haben sich mit Protestbriefen an den türkischen Staatspräsidenten Abdullah Gül gewandt und ihn eindringlich gebeten, diese Regelung rückgängig zu machen und der hochangesehenen Türkischen Akademie der Wissenschaften wieder ihre Selbständigkeit zurückzugeben. Doch nichts ist geschehen. Mehr als 140 Mitglieder, die besten Köpfe des Landes, haben ihre Mitgliedschaft bereits niedergelegt.

Ja, die Türkei ist auf dem besten Wege zu einem politischen und wirtschaftlichen Schwergewicht an der Schwelle vom Orient zum Okzident. Sie könnte leicht auch ein bedeutender wissenschaftlicher und geistiger Faktor in der Region sein, gerade deshalb ist diese Art der intellektuellen Selbstverstümmelung ein Skandal. Angesichts solcher Entwicklungen wird man sich mit Recht fragen dürfen, was die Türkei – einmal in der Europäischen Union angekommen – wirklich würde beitragen können? Nicht nur kulturpolitisch steht die Türkei an einem Scheideweg. Gewiss stehen die Zeichen für eine auch weiterhin florierende Wirtschaft günstig.

Nachhaltig kann diese Entwicklung aber nur sein, wenn das Land seine eigenen intellektuellen Kräfte nicht an die Leine legt, sondern ihr Gestaltungsfreiheit gibt. Das hat auch etwas mit Grund- und Menschenrechten und mit Meinungsfreiheit zu tun. Man mag noch kopfschüttelnd schmunzeln, wenn der amerikanischen Zeichentrickserie „The Simpsons“ Gotteslästerung unterstellt und der die Folge ausstrahlende türkische Fernsehsender zu einer saftigen Geldstrafe verurteilt wird, auch wenn dies nicht wirklich witzig ist. Gar nicht mehr komisch wird es aber, wenn der weltbekannte Pianist Fazil Say aufgrund flapsiger Äußerungen zum Paradies der Verunglimpfung religiöser Werte beschuldigt wird. Ihm drohen nun im schlimmsten Fall bis zu anderthalb Jahre Gefängnis. Pussy Riot lässt grüßen. Man darf gespannt sein, wie das Gericht im Februar kommenden Jahres darüber entscheiden wird.

Viele Europäer betrachten die Türkei mit ihrer islamisch geprägten Kultur als Bestandteil Europas. Für Deutschland gilt dies in besonderer Weise, weil unser Land durch seine Geschichte und Hunderttausende türkischer Mitbürgerinnen und Mitbürger eng mit der Türkei verbunden ist. Insofern wäre es besser, wenn die Türkei die Strategie der kulturpolitischen Konfrontation aufgeben und wieder auf ihre historischen Partner zugehen würde. Die Zukunft kann nur dann gewinnbringend gestaltet werden, wenn beide Seiten auf einen offenen und fairen Dialog setzen und Respekt voreinander zur Grundlage ihres Handelns machen. Und diese gemeinsame Zukunft fängt schon beim Umgang mit den Resten der frühesten Vergangenheit an.

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Time am 16. Dezember 2012

Ab nach Japan

28. April 2012

Als für den widerwärtigen türkischen Film „Fetih 1453“ (1), der den Eroberer Konstantinopels und perversen Massenmörder Mohammed II. feiert, ein Komponist der Filmmusik gesucht wurde, verfiel man natürlich sogleich auf den weltbekannten Fazil Say (2). Dieser jedoch lehnte ab (3), weil er denken kann, anständig ist und eine menschenfreundliche Gesinnung hat.

Inzwischen beginnt man in der Türkei, dem Musiker die Hölle heiß zu machen, wie Wolfgang Günther Lerch in der heutigen FAZ berichtete.

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Schwarze Erde

Kara Toprak – Schwarze Erde – war das Lieblingsgedicht Kemal Atatürks, des Gründers der Türkischen Republik. Es stammt von Asik Veysel, einem 1973 verstorbenen blinden Volksdichter, dessen Verse enorm populär sind und in der Türkei zur türkischen Lang- und Kurzhalslaute vorgetragen werden. In diesen Zeilen findet der Dichter, völlig vereinsamt, Trost allein in der schwarzen Erde seiner anatolischen Heimat; das ist der Osten um die Stadt Sivas. „Hüzün“, die den Türken nachgesagte Nationaleigenschaft einer metaphysisch grundierten Melancholie und Trauer, ist die bevorzugte Stimmung der Gedichte Veysels, der schwere Schicksalsschläge zu meistern hatte.

Der türkische Pianist und Komponist Fazil Say hat sich von ihm zu einer Komposition „Schwarze Erde“ anregen lassen, die er auch selbst vorträgt. Seit Jahren ist Say in den Konzertsälen der ganzen Welt zu Hause, spielt er das Repertoire von Mozart bis Ravel. Auch beim Rheingau Musikfestival und in Frankfurt gastierte er schon. Mehr und mehr wird der 41 Jahre alte Musiker, in Ankara als Sohn Ahmet Says, eines Musikwissenschaftlers und Schriftstellers, geboren, jedoch auch als Komponist geschätzt. Zu seinem Œuvre gehört neben dem Klavierkonzert „Seidenstraße“ ein Oratorium über den Dichter Nazim Hikmet. Urbild dieser türkischen Oratorien ist das Oratorium um den Mystiker Yunus Emre von dem türkischen Komponisten Ahmet Adnan Saygun (1907–1991).

Seit einiger Zeit hat der Weltbürger Fazil Say, der – früh als Hochbegabung erkannt – unter anderem in Düsseldorf und Berlin musikalisch ausgebildet wurde, Schwierigkeiten in seiner Heimat. Seit den Wahlerfolgen der AKP von Ministerpräsident Erdogan 2002, die einen konservativ islamischen Hintergrund hat, klagt Say über wachsende Intoleranz, schon 2007 erwog er eine Auswanderung. Nun heißt es gar, er wolle sich in Japan niederlassen. Der Anlass: Es gibt offenbar Bestrebungen, ihn vor Gericht zu zerren, weil er die Religion verunglimpft habe. Zwar ist die Türkei theoretisch ein laizistischer Staat, doch in einer Gesellschaft, in der sich neunzig Prozent der Bevölkerung als gläubig bezeichnen, tut sich ein bekennender Atheist wie Say schwer. Und er erboste die Frommen, als er sich auf sarkastische Weise über die Paradiesesvisionen im Koran erregte. Breite Schichten verprellte er zudem, als er die Arabesk-Musik als „Schund“ kennzeichnete, dessen man sich zu schämen habe. Diese sentimentale Musik alla Turca, deren Star Orhan Gencebay ist, wird in der Türkei – im Unterschied zur osmanischen Kunstmusik – tagaus, tagein konsumiert wie anderswo die Schlager. Die Türkei hat eine Tradition der klassischen Musik, die bis zu Giuseppe Donizetti, dem Bruder Gaetanos, zurückreicht, der als Kapellmeister des Sultans Abdülmecit (1839–1861) fungierte. Und das Land hat bekannte Klaviervirtuosen hervorgebracht. Für die besonders Frommen freilich ist das gesungene Mevlid-i serif, ein Epos auf die Geburt Mohammeds von Süleyman Celebi, wichtiger als die europäische Klassik. Fazil Say wird indes Weltbürger bleiben, ob er die Türkei nun verlässt oder nicht.

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Es gibt jedoch nicht nur „offenbar Bestrebungen, ihn vor Gericht zu zerren“, sondern es sind ganz konkret staatsanwaltliche Ermittlungen „wegen des Verdachts auf Volksverhetzung durch beleidigende Äußerungen über den Islam“ aufgenommen worden, die ihm drei Jahre Haft einbringen könnten, wie die „Rheinische Post“ berichtete (4). Zudem hat er ganz direkt die türkischen Theokraten beleidigt, indem er nach einem besonders eilig vorgetragenen Gebetsruf in einer Moschee fragte, „ob der Muezzin wohl schnell zur Freundin oder zum Schnaps habe zurückkehren wollen“. (5)

In der Türkei und unter den Türken in Deutschland wird denn auch nach Kräften gegen Say gehetzt. „Fazil Say twittert sich zum Gespött der Türkei“ titelt „Turkish Press“ (6), die insbesondere durch ein absolut grottenmäßig schlechtes Deutsch auffällt. Weil er sich über das Kopftuch der Journalistin Esra Elönü lustig gemacht hat, wird ihm von der Zeitung „Radikal“ vorgeworfen: „Fazil Say reduziert die Frau zum Objekt der Begierde“.

Die ganze Entwicklung zeigt nach Meinung von Verheugen & Co natürlich eindeutig, dass die Türkei zu Europa gehört (7), und Wolfgang Günther Lerch übt auch schon mal ein bisschen, indem er das türkische Alphabet in der FAZ einführt (Ich habe aber alles rausoperiert, hihihi).

Ich hoffe, Say wartet mit seiner Auswanderung nicht solange, bis es zu spät ist.

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Time am 28. April 2012

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1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2012/03/06/mal-wieder-entlarvt/
2) http://de.wikipedia.org/wiki/Fazil_Say
3) http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2012/02/408744/fazil-say-ich-wollte-nicht-die-musik-zu-„fetih-1453-komponieren/
4) http://www.rp-online.de/panorama/ausland/justiz-ermittelt-gegen-bekannten-pianisten-1.2789421
5) http://www.br.de/radio/br-klassik/sendungen/leporello/fazil-say-japan-auswanderung100.html
6) http://www.turkishpress.de/2012/04/27/fazil-say-twittert-sich-zum-gespoett-der-tuerkei/id4973
7) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/10/18/wir-brauchen-die-turkei/


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