Posts Tagged ‘Fethullah Gülen’

Höchste Zeit für einen Putsch, Ratze!

7. März 2014

TURKEY-EGYPT-POLITICS-UNREST

Falls Ratze Fuhrergan nicht freiwillig abtreten sondern putschen will, wird es höchste Zeit dafür, und es wäre auch in hohem Maße mohammedanistisch. Lesen Sie einen Artikel von Michael Martens, der heute auf „FAZ.net“ veröffentlicht wurde (1).

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Internet-Enthüllungen

Erdogan – ganz ungeschminkt

Immer mehr Tondokumente finden ihren Weg ins Netz, auf denen der türkische Ministerpräsident zu hören sein soll. Die Mitschnitte decken auf, wie wenig sich Erdogan um Gewaltenteilung und andere Grundregeln schert.

Das Gespräch, das Barack Obama und Tayyip Erdogan am 19. Februar dieses Jahres miteinander geführt haben, gehört zu jenen Telefonaten des türkischen Ministerpräsidenten, die noch nicht im Internet nachzuhören sind. Dafür hat Erdogan nun selbst darüber berichtet. Demnach hat er Obama vor Fethullah Gülen gewarnt. Ankara bezichtigt den in den Vereinigten Staaten lebenden türkischen Religionsfürsten, Großunternehmer und einstigen Verbündeten, der Drahtzieher hinter den systematischen Lauschangriffen zu sein, denen sich die Regierung Erdogan ausgesetzt sieht. „Ich habe Obama gesagt, dass die für die Unruhe in der Türkei verantwortliche Person in seinem Land lebt, in Pennsylvania. Ich sagte: „Ich erwarte, was nötig ist“. Sie müssen die nötige Position einnehmen, wenn jemand die Sicherheit meines Landes bedroht.“ Obama habe positiv reagiert und gesagt, er habe die Nachricht verstanden, behauptet Erdogan.

Ob sich Erdogans Darstellung dieser Konversation in den kommenden Tagen im Internet mit ihrem Originalwortlaut vergleichen lassen wird, ist ungewiss, aber überrascht wäre niemand mehr. Fast täglich stellen einstweilen und vielleicht für immer Unbekannte neue Tondokumente ins Netz, auf denen angeblich Erdogan zu hören ist – und wie. Zu hören ist eine Regierung, die korrupt und undemokratisch bis ins Mark ist. In einer entwickelten Demokratie hätte das Material zehnmal einen Rücktritt des gesamten Kabinetts gerechtfertigt. Erdogan hat die Authentizität von drei (vergleichsweise) harmlosen Mitschnitten bereits zugegeben, bezeichnet die verfänglicheren indes als Fälschungen.

Doch selbst die offenbar authentischen Mitschnitte legen bloß, was sich bisher zwar aus guten Gründen vermuten, aber nicht immer stichfest beweisen ließ: Erdogan schert sich weder um Gewaltenteilung noch um andere demokratische Grundregeln. Da seine anonymen Mithörer offenbar reichlich Material haben, ist es gut möglich, dass die skandalösesten Enthüllungen noch zurückgehalten und erst kurz vor der Kommunalwahl am 30. März veröffentlicht werden.

Erdogan in Umfragen weiter stark

Unterdessen haben Erdogan und sein Justizminister Bekir Bozdag angedeutet, die Türkei werde womöglich versuchen, die Auslieferung Gülens aus den Vereinigten Staaten zu erwirken. Noch habe die Regierung einen solchen Schritt „seines Wissens“ nicht unternommen, doch gebe es „einige Einschätzungen“ die dafür sprächen – nämlich „Gesetzeswidrigkeiten, Unsittlichkeiten und einige Handlungen, die laut unseren Gesetzen Verbrechen sind“, sagte Bozdag dazu, ohne die Vergehen und ihre Urheber genauer zu benennen. Das unternimmt sein Regierungschef dafür um so deutlicher. Während sich Erdogan zu Beginn seines offenen Bruchs mit Gülen noch hütete, seinen in bestimmten muslimischen Kreisen der Türkei hoch angesehenen Gegenspieler beim Namen zu nennen, tut er sich inzwischen keinen Zwang mehr an. Zwar halten sich einzelne Politiker, so der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu oder Ankaras Bürgermeister Melih Gökcek, auffällig zurück, doch Erdogan schießt rhetorisch inzwischen aus allen Rohren gegen Gülen. „Die Gülen-Bewegung ist keine religiöse Gruppe, sondern eine politisch motivierte illegale Organisation. Ihre Mission ist es, die Regierung zu übernehmen“, sagte er auf einer Wahlveranstaltung in der Provinz vor Zehntrausenden seiner jubelnden Anhänger. Erdogan versucht, einen Keil zwischen Gülen und islamische Konservative zu treiben. „Die Gülen-Bewegung nutzt eure reinen und aufrichtigen Gefühle aus“, warnt er sie und macht es ganz deutlich: „Diese Leute (die Gülen-Bewegung) sind nicht länger eine religiöse Gemeinschaft, sie sind eine politische Organisation“. Nach der Wahl werde man „alle schmutzigen Beziehungen und alle schmutzigen Taten“ untersuchen und die Täter vor Gericht bringen. Dass an der Optimierung des türkische Justizsystems gearbeitet werde, hatte Justizminister Bozdag seinem Regierungschef in einem Telefonat, dessen Echtheit Erdogan bestätigte, bereits zugesagt. In dem Telefonat versicherte Bozdag, die Regierungspartei AKP habe fast 2000 „Freunde“, die zuvor Anwälte im Privatsektor waren, „in das System versetzt“. Soll heißen: Die Regierung installiert ihre Anhänger im Justizsystem, um die dort postierten Gülen-Adepten zu verdrängen.

Am Freitag verbreitete Umfrageergebnisse der als seriös geltenden Meinungsforschungsagenturen Konda und Metropoll haben unterdessen bestätigt, dass die Korruptionsbezichtigungen Erdogan bisher offenbar kaum geschadet haben. Demnach kann seine AKP bei den Kommunalwahlen mit 46 bis 49 Prozent (Konda) beziehungsweise 36 bis 42 Prozent (Metropoll) der Stimmen rechnen. Damit bliebe die AKP selbst in der für sie schlechtesten Prognose die stärkste Partei. Allerdings könnte sich das Ergebnis eintrüben, wenn es ihr nicht gelingt, die Bürgermeisterämter in Istanbul und Ankara zu halten.

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Time am 7. März 2014

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/internet-enthuellungen-erdogan-ganz-ungeschminkt-12836516.html

The Beginning of the End

5. Februar 2014

DTJ

Um die Loyalität der Redakteure des „Deutsch Türkischen Journals“ braucht sich the Fuhrergan keine Sorgen zu machen. Anders sieht es in Bezug auf eine Handvoll Aleviten und Kommunisten aus, die in Berlin gegen ihn protestierten (1).

So ganz wenige scheinen sie aber denn doch nicht zu sein, die von seinen Anmaßungen die Nase volle haben, denn bei den Kommunalwahlen wird die AKP vermutlich auf 36% abrutschen (2). Aber wenn Ratze gestürzt ist, wer wird dann kommen? Fethullah Gülen oder Pierre Vogel?

Lesen Sie einen Bericht aus der gestrigen „taz“ von Ebru Tasdemir.

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Protest in Berlin

Alle Anti-Erdogan

Der türkische Premier weilte am Dienstag auf Staatsbesuch in Berlin. Zwei Demonstrationen machten gegen die Stippvisite mobil.

Türkische Protestmusik schallt durch das Regierungsviertel: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Rechte klaut“, skandiert der Redner im Takt über das Megafon. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan weilte gestern in Berlin – und die Proteste gegen den Staatsbesuch fielen lautstark aus.

Während Erdgğan mit Kanzlerin Angela Merkel beim gemeinsamen Mittagessen saß, sammelten sich am späten Vormittag die ersten rund 300 Demonstrierenden am Washingtonplatz vor dem Hauptbahnhof, um sich dann in Richtung Regierungsviertel in Bewegung zu setzen. Die Veranstalter, der „Verein zur Förderung der Ideen Atatürks“ (ADD) sowie der linksnationalistische Bund türkischer Jugendlicher (TGB), hatten mit deutlich mehr ProtestlerInnen gerechnet: auf etwa 2.000 TeilnehmerInnen hoffte TGB-Mitglied Kurtulus Özkökdemir im Vorfeld.

Immer wieder skandierten die Demonstrierenden „Wir sind die Soldaten Atatürks“. Radikale Sprüche wie dieser sind einer der Gründe, warum es gestern mehrere Demonstrationen gegen den türkischen Staatspräsidenten gab. „Vielen sind wir zu radikal“, sagt Özkökdemir. „Wir sind hier genauso gespalten wie die Opposition in der Türkei.“

Am Brandenburger Tor startete um 13 Uhr denn auch bereits die nächste Demonstration. Zu der Protestaktion hatten mehrere alevitische und linke türkische Verbände aufgerufen. Hier herrschte deutlich mehr Zulauf: Rund 1.300 Menschen hatten sich eingefunden, Fahnen der Türkischen Kommunistischen Partei (TKP) werden geschwenkt. Manche recken leere Schuhkartons in die Höhe: in der Affäre um Bestechungsgelder an ranghohe türkische Politiker, die im Januar ans Licht kam und in die auch die Söhne des Premiers verwickelt sein sollen, fanden die Ermittler das Schmiergeld in eben solchen Kartons.

Am Abend sollte Erdogan im Berliner Tempodrom zu mehreren tausend Landsleuten sprechen – der Berlin-Besuch war für den Premier auch Wahlkampf: Im März finden in Erdogans Heimat Kommunalwahlen statt, im August soll ein neuer Staatspräsident gewählt werden. Eine Protestaktion direkt vor dem Tempodrom war hingegen nicht geplant: man wolle „keine Zusammenstöße mit seinen Anhängern provozieren“, erklärte Ali Onur Firat, Vorstandsmitglied der alevitischen Gemeinde.

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Time am 5. Februar 2014

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1) http://www.taz.de/Protest-in-Berlin/!132349/
2) http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2014/02/498151/stimmungsbarometer-akp-wird-bei-kommunalwahlen-auf-36-prozent-rutschen/

To know him is to hate him (#10)

15. April 2013

Gülen

Ein ganz übler Mastermind der Orks ist Fethullah Gülen (1), der die Erde mit einem Netzwerk von Stützpunkten seiner Sekte, überwiegend getarnt als Schulen, überzogen hat.

Die heutige FAZ brachte den ausführlichen Hinweis von Regina Mönch zu der Fernsehsendung „Der lange Arm des Imam – Das Netzwerk des Fethullah Gülen“ über den verschlagenen Nazislahmisten, die heute um 22:00 Uhr im WDR ausgestrahlt werden wird.

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Sekte oder Segen?

Ein Film über das Netzwerk des Fethullah Gülen

Die Deutschen wissen inzwischen viel über den Islam. Und fast nichts über den wohl wirkmächtigsten Prediger dieser Religion, den türkischen Imam Fethullah Gülen. Millionen Muslime in aller Welt verehren ihn, halten ihn für einen islamischen Gandhi, einen Heilsbringer und Modernisierer des Islam. Am bekanntesten ist noch seine Botschaft: „Baut Schulen, nicht Moscheen.“ Bildungsbewusste deutsche Muslime schicken ihre Kinder gern in diese Schulen, die seit Jahren überall entstehen. Woher das Geld dafür stammt, bleibt unklar. Gülens Kritiker wiederum glauben, dass sein weltweites Netzwerk, auch das in Deutschland, eine wichtige islamistische Bewegung sei. Es ist kein Streit mit allzu viel belastbaren Fakten; Gülen-Lobbyisten sind Meister des unklaren Wortes. Wer ausgestiegen ist, verschweigt lieber seinen Namen. Gülen-Kritiker in der Türkei aber leben gefährlich. Journalisten und sogar Staatsanwälte, die wegen Korruption ermitteln, sind nicht mehr sicher, sobald sie sich mit den Machtstrukturen dieses Netzwerkes beschäftigen.

In der Reihe „die story“ zeigt der WDR heute die Reportage „Der lange Arm des Imam – Das Netzwerk des Fethullah Gülen“. Cornelia Uebel und Yüksel Ugurlu haben begeisterte Anhänger des Predigers getroffen und hochmotivierte Unternehmer, die Gülens Bildungsideen für eine neue muslimische Elite umsetzen wollen. Sie versuchen zu erfahren, wofür die Bewegung steht, und erleben schon eine etwas ratlose Kölner Stadträtin, die eine dieser Schulen mit genehmigt hat. Rita Süssmuth sitzt im Beirat des Berliner Vereins „Forum für Interkulturellen Dialog“ (FID), dessen Ehrenvorsitzender Fethullah Gülen ist. Sie ist überzeugt, der Prediger trete für Demokratie und Dialog ein. Als man ihr eine Gülen-Rede zur Religionsfreiheit vorlegt, in der der Prediger betont, dass Apostasie, der Abfall vom Glauben, mit dem Tode bestraft werden müsse, ist sie zwar schockiert, will darüber aber allenfalls diskutieren, nicht handeln. Fethullah Gülens märchenhafter Aufstieg in der Türkei der neunziger Jahre, Seite an Seite mit seinem Freund Recip Erdogan, wird 1999 jäh unterbrochen. Offiziell heißt es, er sei aus gesundheitlichen Gründen in die Vereinigten Staaten gegangen.

Die Autoren zeigen noch einmal das Video, in dem er dazu aufrief, den türkischen Staat zu unterwandern, um dereinst die Macht zu übernehmen, und damit den Bogen wohl überspannte. Eine Manipulation, sagen seine Anhänger. Wie sie überhaupt alles, was offiziellen Gülen-Verlautbarungen widerspricht, als „aus dem Kontext gerissen“ abtun. Das zu zeigen ist ein großes Verdienst des Filmes. Die vielen ins Leere laufenden Fragen der Reporter bei Lobbyisten, etwa nach den Lichthäusern, angeblich ganz normale Wohngemeinschaften, und die eindrücklichen Berichte der Aussteiger, die dort indoktriniert wurden, die Erfahrungen des Integrationsbeauftragten Cakir, der beschreibt, wie diese Parallelwelt sich am Rande der Legalität etabliert hat – das alles vermittelt eindrücklich, wie das Netzwerk funktioniert: als gut organisierte Sekte, deren Schulen nur Fassade sind.

Den Rahmen der Geschichte bildet ein Interview mit Fethullah Gülen, zu dem es nie kommt. Das Hinhalten der Journalisten vor und in Gülens Haus in Pennsylvania, das unermüdliche Verunklaren seiner Mitstreiter sind das eine, die Blicke hinter diese freundliche Barriere des Verbergens aber zeigen vor allem eines: eine religiöse Parallelwelt, ein schwer durchschaubares Netzwerk, das aber offensichtlich großen Einfluss auf Staat und Gesellschaft hat, auch in Deutschland.

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Time am 15. April 2013

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/bil-schulen-in-deutschland-gebildet-hoeflich-muslimisch-12110894.html

Leserbrief-Counterjihad (#31)

20. Dezember 2012

Leserbrief

Einen rabenschwarzen Kommentar zur torkischen Kulturpolitik lieferte in der heutigen FAZ Leser Bernd Schäfer.

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Nur der Blick des Muslims

Zu „Piraten vor Pergamon“ (1): Die Türkei befindet sich auf einem abschüssigen und falschen Weg. Auch in diesem Artikel wird deutlich, dass die türkische Geschichte heute neu unter islamischem Blickwinkel interpretiert wird. Kein Museumsdirektor, der gleichzeitig Mitglied der AKP ist, würde die gezeigte nackte Venus-Statue heute in seinem Museum ausstellen, weil sie nicht dem islamischen Verständnis von Kunst entspricht. Aus diesem Grund kann auch wissenschaftlich wertvolles Kulturgut verkauft werden, denn vieles davon passt nicht in das Wunschbild von Islamisten, da ist es besser, das Geld dafür in der Hand zu haben. Die Bevölkerung steht desinteressiert daneben und sieht noch nicht einmal richtig zu. Was zählt, ist der wirtschaftliche Erfolg des Landes und die bessere Lebenssituation des Einzelnen. Und im Windschatten davon wird das Land Schritt für Schritt umgebaut, weg von den laizistischen Ideen Atatürks hin zu einem islamischen Staat.

Aus liberal-europäischer Sicht kann man es gut finden, wenn die Schuluniformen in der Türkei gerade abgeschafft werden. Tatsächlich bedeutet dies, dass jede Schülerin und in Kürze auch jede Lehrerin mit Kopftuch zur Schule kommen darf und es in einigen Jahren tragen muss. Der nächste Schritt wird bei der Wahl 2013 vollzogen werden, wo durch das passende Zuschneiden der Wahlkreise und das Einbeziehen von ländlichen Regionen mit hohem AKP-Anteil in die städtischen Wahlbezirke die letzten Bastionen der CHP wie zum Beispiel Izmir geschleift werden. Vor diesem Hintergrund sind einfühlsame Interviews mit den Vordenkern des Islams, wie von Rainer Hermann mit Fethullah Gülen geführt (2), fehl am Platz, denn dieser wortgewandte Vertreter des Islams bereitet den Boden für die knallharte islamische Exekutive, die keinen anderen Blick auf die Welt zulässt als den eines Muslims.

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Time am 20. Dezember 2012

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1) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/archaeologie-piraten-vor-pergamon-11993585.html
2) http://www.faz.net/aktuell/politik/arabische-welt/prediger-fethullah-guelen-im-f-a-z-gespraech-islam-und-moderne-stehen-nicht-im-widerspruch-11983556.html

Der Wirt bist du

6. April 2011

Schlupfwespen legen ihre Eier in Schmetterlingsraupen ab (s.o.), woraufhin die Wespenlarven die Muskulatur und das Fett ihrer Wirte von innen auffressen. Wenn schließlich auch das Nervengewebe verspeist wird, stirbt die Raupe. Zu diesem Zeitpunkt sind die Larven aber bereits so weit entwickelt, dass sie aus der Raupe kommen und sich verpuppen können.

Dimmie-Lakaien der Mohammedanisten vom Schlage des Leo Brux (1) werden oft mit einem simplen Trick auf Linie gebracht: Die Orks bestärken sie in ihrem Überlegenheitsgefühl und machen sie so zu Marionetten. Besonders gefährdet durch diese Taktik sind natürlich (freiberufliche) Lehrer, Sozialarbeiter u.ä., die von der Gesellschaft wie ihre Klientel eher nicht so hoch bewertet werden, und deren Bezahlung eher schlecht ist. Aber vor dem Sprachkurs für Orks ist dies alles vergessen, da ist man King Leo, vorausgesetzt, man schwimmt im Mainstream, der dort mohammedanistisch ist, mit.

Und dann kann man es sich gut einrichten, denn die Orks wissen genau, dass sie bis zur Machtübernahme auf ihre Dimmiehelfer angewiesen sind, und sie schmieren hemmungslos: Ihre Frauen bringen leckeres Essen mit (das meistens sichtbare Spuren hinterlässt), keine Hochzeit, zu der man nicht eingeladen wird usw.

Von sich selbst eingenommen, werden die Dimmie-Lakaien in dem Glauben bestärkt, sie hätten eine Deutungsmacht über die Ideologie des Mohammedanismus und seine Anhänger, ohne die Texte des Mohammedanismus auch nur im geringsten berücksichtigen zu müssen. Es ist schon erstaunlich, wie die oft so viel besser als die Orks ausgebildeten Dimmies die Ansicht zementieren, alle Orientalen seien als Mohammedanisten geboren und dazu verurteilt, auf ewig Mohammedanisten bleiben zu müssen, sich auf ewig zu den abartigen Texten des abartigen, falschen „Propheten“ Klo H. Metzel bekennen zu müssen.

Diese Festlegung von Geburt an, die also als quasi genetische Festlegung erscheint, ist sie etwas anderes als ein paternalischer Rassismus? Die Dimmies wissen genau, dass die Texte bösartiger Dreck sind (und deshalb verweigern sie ja auch das Gespräch darüber, s. 2), aber anstatt die Orks darüber aufzuklären und ihnen auf die Stufe der Wissenden zu helfen, unterstützen sie sie in ihrem Unwissen. Sie merken nicht, dass dieses Gefühl scheinbarer Überlegenheit ein bösartiges Gefühl ist, das ihnen von den Mohammedanisten implementiert wird, und das sie von innen auffressen wird.

Karen Krüger von der FAZ hat dies inzwischen klar erkannt, und sie legt derzeit Aufsatz um Aufsatz gegen Erdogans Versuche der totalen Machtergreifung vor (ohne dass dies ihre grundsätzliche Sympathie für die Türkei und die Türken als Menschen in Frage stellen würde). Im heutigen Leitartikel schildert sie, wie sich der nicht-säkulare Mohammedanismus (tatsächlich gibt es nur diesen) in die Türkei hineinfrisst und fetter und immer noch gefräßiger wird. Nun, dies ist das Wesen des Mohammedanismus, und er wird sich bei uns nicht anders verhalten als irgendwo im Orient. Und Leo kann es kaum erwarten, bis sein Nervengewebe endlich an der Reihe ist…

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Unterwanderung von oben

Türken werden nicht zum freien Denken, sondern zur Unmündigkeit erzogen. Alles andere widerspräche den Prinzipien des Kemalismus: Der ideale türkische Bürger hat nur das zu wissen und zu meinen, was sich konform zur Ideologie des Staates verhält – Dagegensein ist in der Gedankenwelt des EU-Anwärters nicht vorgesehen. Die staatliche Bildung predigt die Prinzipien des Laizismus und die bedingungslose Liebe zum Staatsgründer Atatürk.

Auf anderen Gebieten macht sich indessen Tayyip Erdogans Regierungspartei, die AKP, die anerzogene Unmündigkeit der Bürger zunutze. Bei Zuwiderhandlungen gegen die von ihr propagierte muslimisch-konservative Lebensweise drohen bisher nur gesellschaftliche Sanktionen. Beim geschriebenen und gesprochenen Wort hingegen greifen regierungsfreundliche Staatsanwälte ein. Sie ersticken jeden Keim kritischen Denkens, bevor er Wirkung entfaltet. Seit Jahren bekämpfen sie die kritische Presse – mit Erfolg: Während Brüssel und auf Demokratie hoffende Türken vorschnell den Reformeifer Erdogans feierten, ist die Türkei in nur zwei Jahren auf dem internationalen Index der Pressefreiheit um 36 Plätze auf Platz 138 abgerutscht. Sie steht damit hinter Ägypten und Zimbabwe.

Auch türkische Schriftsteller haben es schwer. Bücher, die man besitzen, ohne Aufsicht lesen und weitergeben kann und die ihre Leser zu nichtsystemkonformem Denken und Handeln verleiten könnten, gelten als gefährlich. Ein Gesetz, das Zensur offiziell ermöglicht, gibt es in der Türkei nicht. Bisher wurden Journalisten und Autoren deshalb mit Klageandrohungen nach Artikel 301 (“Beleidigung der türkischen Nation”) zur Selbstzensur gebracht. Sie verlegten sich auf das, was einer Demokratie den schleichenden Tod beschert: Sie kleideten realpolitische Bezüge in allegorische Gewänder oder schwiegen ganz.

Drei Monate vor den türkischen Parlamentswahlen, die Erdogan natürlich haushoch gewinnen will, hat die Intoleranz der Justiz eine neue Qualität erreicht. Sogar Mitstreiter der AKP reagieren mit Schaudern. Die Staatsanwälte haben etwas gefunden, das wirkungsvoller als alles bisher Dagewesene ist, um Kritik zu unterbinden: Ergenekon. Als die Ermittlungen gegen den Geheimbund vor vier Jahren begannen, ging es um geplante Morde an Meinungsführern und um Bombenattentate, die das Land destabilisieren und den Weg ebnen sollten für einen Militärputsch – vor allem Generäle wurden damals verhaftet.

Die neuen Übeltäter sind Journalisten und Buchautoren. Wegen angeblicher Propaganda für Ergenekon wurden in den vergangenen Wochen Dutzende von regierungskritischen Journalisten festgenommen. Im Falle des verhafteten Reporters Ahmed Sik, eines der angesehensten investigativ arbeitenden Journalisten des Landes, ging die Justiz noch weiter: Sie kriminalisierte nicht nur ihn, sondern auch sein noch nicht veröffentlichtes, noch nicht einmal fertiggestelltes Buch. Es ist die Mentalität eines Polizeistaates, die sich offenbarte: Bei Razzien wurden Kopien des Manuskripts beschlagnahmt und digitale Versionen zerstört. Wer es besitze und nicht den Behörden aushändige, mache sich strafbar wegen Unterstützung einer verbrecherischen Organisation, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Nicht einmal Siks Anwalt durfte für die Verteidigung seines Mandanten ein Exemplar behalten. Regierungsfreundliche Medien hingegen veröffentlichten Auszüge, deren Zusammenstellung die Nähe Siks zu Ergenekon unterstellt. Inzwischen ist das gesamte Manuskript im Internet aufgetaucht und wird dort tausendfach heruntergeladen. Ganz offensichtlich ist es ein Schlüssel zur Wirklichkeit der heutigen Türkei.

“Die Armee des Imams” beschreibt die Unterwanderung der türkischen Justiz und der Polizei durch die islamistische Fethullah-Gülen-Bewegung. Erdogan hat seine Nähe zu dem im freiwilligen Exil in den Vereinigten Staaten lebenden Prediger nie bestritten – im Gegenteil. In privat betriebenen Gülen-Schulen, die es in der Türkei, aber auch in Deutschland gibt, wird die türkisch-islamische Synthese verbreitet und gelehrt. Die Absolventen besetzen einflussreiche Positionen in Politik und Wirtschaft. Die missionarische Glaubensgemeinschaft inszeniert sich gern als Brückenbauer zwischen dem Islam und dem Westen. Vermutet wird aber nicht nur von Journalisten wie Ahmed Sik, dass sie tatsächlich die Errichtung eines theokratischen Staates anstrebt.

Viele Türken glaubten, dass die Aufdeckung von Ergenekon der Zerstörung von Machtstrukturen diene, die ihrem Land bisher den Weg in eine echte Demokratie versperrten. Sie wurden bitter enttäuscht. Ergenekon ist zu einem Persilschein geworden, um all jene zum Schweigen zu bringen, die sich der Ideologie der Regierung widersetzen. Die Sphäre der Demokratie hat sich verengt. Dass mit Hilfe der Justiz nun offensichtlich auch noch der Einfluss der Gülen-Bewegung verschleiert wird, verunsichert Teile der türkischen Gesellschaft zutiefst – davon zeugen die Demonstrationen gegen die Verhaftung Siks. In echten Demokratien schützt die Justiz die freie Meinungsäußerung und das freie Denken. In der Türkei, die Erdogan gern als Modell für den Nahen Osten preist, macht sie derzeit beides unmöglich.

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Time am 6. April 2011

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1) http://initiativgruppe.wordpress.com/
2) http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/03/28/bald-wird-es-finster-dort/#comment-1257

Türken türken

5. August 2010

Dimmi-Daves Schleimspur, die er in der Türkei hinterlassen hatte, wurde am 1. August von Klaus-Dieter Frankenberger in der FAZ beleuchtet. Frankenberger stellte die großen Differenzen zwischen der deutschen und britischen Position gegenüber einem EU-Beitritt der Orks dar und schrieb sodann:

“(…) Nicht zu bestreiten ist, dass die Türkei eine große wirtschaftliche Dynamik erlebt mit quasi “chinesischen” Wachstumsraten. Die islamische Regierung Erdogan legt außen- und regionalpolitisch ein Machtbewusstsein und einen Gestaltungsehrgeiz an den Tag, wie man sich das auch von Europa öfter wünschte. Nicht zu leugnen ist allerdings auch, dass sie sich damit wiederholt in Gegensatz zur westlichen Politik gebracht hat. Was auf der “arabischen Straße” populär ist, lässt Leute andernorts die Stirn runzeln. Die Türkei ist jedenfalls ein Land, das sich im Aufstieg wähnt und dessen Führung sich entsprechend selbstbewusst verhält.

Wie würde sich dieses Land in der EU verhalten? Frohgemut Kompetenzen abtreten, wo es doch machtpolitisch viele Trümpfe in der Hand zu haben scheint und historisch wieder groß rauskommt? Das kann man sich kaum vorstellen. Es würde den Trend verstärken, dass die Großen Entscheidendes unter sich ausmachen. Und wie würden die Leute in der EU reagieren?

Akzeptanz- und Begeisterungsverlust, unter denen die EU schon heute leidet, würden gewiss nicht geringer. Die EU-Mitgliedschaft der Türkei wäre vielleicht der Tropfen, der das Fass der Euro-Skepsis zum Überlaufen bringt. Und das politische Projekt “Europa” zum Stillstand. Es ist schleierhaft, warum auch Leute den Beitritt forcieren, die sonst gar nicht genug Integration haben können. Und wenn die britischen Konservativen für Referenden bei Vertragsänderungen sind, werden sie ein Wählervotum auch bei weiteren Aufnahmen akzeptieren müssen (mit möglicherweise für sie unerfreulichen Resultaten).”

Soweit nachvollziehbar und auf den Punkt gebracht schloss Frankenberger jedoch mit folgenden Sätzen:

“Auf der anderen Seite – das ist das entscheidende Argument, auf das sich die Türkei berufen kann – haben die Europäer Aufnahmeverhandlungen zugestimmt. Seit 2005 werden sie geführt. Nicht aus Jux und Tollerei, sondern mit dem Ziel des Beitritts. Anderes ist Augenwischerei.

Es erhöht aber die Sehfähigkeit, wenn man sich ab und zu den Schleim aus den Augen wischt.

Zudem haben sich die Voraussetzungen geändert: Sie sind z.B. in Verhandlungen über den Kauf eines Gebrauchwagens. Sie merken, dass der Verkäufer gar kein Auto besitzt, sondern nur ein defektes Mofa. Wer kann Sie mit welchem Argument zwingen, die Verhandlungen fortzusetzen? Als die Verhandlungen mit der Türkei begannen, erschien die Türkei als laizistischer Staat auf dem Weg nach Westen. Seit dem Jihad-Fanal vom 11. September und der Machtübernahme durch die mohammedanistische AKP-Partei wandert die Türkei unaufhaltsam Schritt um Schritt ins Lager der Jihad-Staaten. Wesentliche Voraussetzungen für die Verhandlungen haben sich geändert, und daher ist es für unsere Seite unsinnig geworden, sie weiter zu führen. Wir müssen bremsen und – bitte – wenden.

Von den Türken ist nichts als Betrug und Täuschung zu erwarten, solange sie Mohammedanisten sind. Dies zeigt auch ein weiteres mal das Beispiel der von Orkverstehern als beispielhaft integrativ gelobten, weit verzweigten und anwachsenden “Gülen-Bewegung”, die tatsächlich Meister der Takija ausbildet mit dem Ziel, für alle die Scharia durchzusetzen. Lesen Sie über diese türkenden Türken zunächst einen Aufsatz von Friedmann Eißler (1), wissenschaftlicher Referent bei der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, aus “ZEITzeichen” (7/2010):

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Für die Scharia

Die Gülen-Bewegung gibt sich modern – und ist antiwestlich eingestellt. Dialog der Kulturen oder Scharia-Islam? Friedmann Eißler, wissenschaftlicher Referent bei der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, untersucht die Motivation der Anhänger des türkischen Predigers Fethullah Gülen, die auch in Deutschland immer mehr Verantwortung in Wirtschaft, Medien und Bildung übernehmen.

Sie wollen Frieden zwischen den Völkern, Dialog zwischen den Kulturen und Versöhnung zwischen Glaube und Wissenschaft. Sie gelten als Reformer modern, liberal, unpolitisch und dialogisch. Ihr gesellschaftliches Engagement wird meist mit einer Mischung aus Staunen, Neugier und Respekt wahrgenommen, und dies zunehmend von einer breiteren Öffentlichkeit. Die Rede ist von den Anhängern des türkischen Predigers Fethuilah Gülen (geboren 1938), der seit 1999 in den USA lebt und lnspirator und geistiger Kopf eines weltweit erfolgreichen Netzwerkes ist.

Nicht nur in Deutschland übernehmen die überwiegend männlichen, mit Anzug und Krawatte gepflegt auftretenden Aktivisten immer mehr Verantwortung in Wirtschaft, Medien und Bildung. Aber allein hier betreiben sie inzwischen rund 150 Nachhilfezentren, knapp zwanzig Schulen, viele Kindertagesstätten, eine Reihe von Dialoginstitutionen wie das Institut für Information über Islam und Dialog in Hamm (INID), das Forum für Interkulturellen Dialog Berlin (FID) und das Interkulturelle Dialogzentrum in München (IDIZEM). Auch “ein kleines Medienimperium”, wie es die taz nennt, das unter dem Dach der Worid Media Group AG Zeitungen, Zeitschriften, Radio- und Fernsehsender vereint – Tendenz in allen Bereichen: wachsend.

Das Netzwerk besteht aus einem inneren Kreis von engagierten freiwilligen Mitarbeitern, soll aber weltweit bis zu fünf Millionen Anhänger zählen. Es versteht sich nicht als politische oder ideologische Organisation, ebenso wenig als religiöser Orden oder Bruderschaft, sondern als “eine einmalige und einzigartige moderne soziale Bewegung” (M. Enes Ergene: Das neue Gesicht des Islams). Die freilich ist keineswegs säkular, sondern religiös motiviert. Denn die treibende Kraft hinter ihren uneigennützigen Aktivitäten ist die Religion, und zwar in Form eines durchaus konservativ geprägten, an der Scharia ebenso wie an den Lehren des Sufismus orientierten Islamverständnisses. Bis vor kurzem versuchte man die religiöse Motivation wie überhaupt die Zugehörig keit zum Gülen-Netzwerk in der Öffentlichkeit eher zu verbergen. Dies hat sich geändert, so dass eine Potsdamer Konferenz mit dem Titel “Muslime zwischen Tradition und Moderne – Die Gülen-Bewegung als Brücke zwischen den Kulturen” vom Mai 2009 in der ZEIT geradezu als “Coming-out der Fethullahcis, also der Anhänger, in Deutschland” bezeichnet werden konnte.

Dialog der Kulturen oder SchariaIslam? Was bewegt die Bewegung, die als Träger von “Traumschulen” der Integration auftritt (ZEIT-online), an denen die Unterrichtssprache Deutsch ist und Ethik anstatt Religionstunterricht angeboten wird, der aber zugleich mangelnde Transparenz vorgeworfen wird, was die religiösen Ziele angeht? Kommunale und kirchliche Beauftrage geben Entwarnung, auch der Journalist Rainer Hermann stellt der Gülen-Bewegung ein gutes Zeugnis aus. Kritiker sprechen dagegen im Blick auf die inneren Zirkel der Bewegung von einer “verschlossenen Welt” und befürchten gleichsam eine Islamisierung mit den Mitteln eines säkularen Bildungsdiskurses. Sieht man die Eigenwerbung, sollte man denken, es handle sich um einen modernen, weltoffenen, reformorientierten Islam, der hier propagiert wird. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich allerdings, dass unter zeitgemäßem Gewand nicht Reformen, sondern Positionen eines streng konservativen Islam vertreten werden, die nicht in staatlich anerkannte Bildungseinrichtungen gehören. Drei Aspekte spielen dabei eine besonders hervorgehobene Rolle: Naturwissenschaft, gesellschaftspolitische und -kritische Themen sowie das Koranverständnis.

Jede Nummer der Gülen-Zeitschrift “Die Fontäne” führt das vor Augen. Die “Vierteljahreszeitschrift für Religion, Kultur und Wissenschaft” ist relativ aufwändig und ansprechend gemacht. Auf den ersten Blick springt der hohe Anteil an naturwissenschaftlichen Themen ins Auge. Es geht zum Beispiel in Nummer 45/2009 um die Funktion der Bauchspeicheldrüse, den hohen Gesundheitswert der Kirsche und die Wunder des Kosmos, um Mathematik und das Sterben des Aralsees. Über solche Themen sollen auch nichtreligiöse junge Menschen angesprochen und für den Islam interessiert werden.

Grundtenor der Wissenschaftsbeiträge ist, die Schöpfung als einzigartiges Kunstwerk Gottes nahezubringen und so auf die wahre Religion aufmerksam zu machen. Dabei ist nicht unwichtig zu wissen, dass Fethullah Gülen neben Adnan Oktar alias Harun Yahya einer der führenden Vertreter eines islamischen Kreationismus ist, der gerade in der Türkei in einen umfassenderen antisäkularistischen, antiwestlichen Diskurs eingebettet ist, der damit einen ideologischen Import aus dem Westen gegen “den Westen” wendet. Die Evolutionstheorie wird als atheistisch abgelehnt, die “materialistische Weltanschauung” der Säkularisten angeprangert. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden regelmäßig auf Koranstellen zurückgeführt beziehungsweise dort vorgezeichnet gefunden.

Klimaschutz, Ökologie, moderne Medizin und technische Errungenschaften werden mehr oder weniger direkt mit der im Koran niedergelegten göttlichen Offenbarung in Verbindung gebracht. Steht die einzigartige Weisheit des Koran und die von ihm durchdrungene Harmonie des Kosmos fest, so erscheint der Islam nachgerade als natürliches Bezugssystem des Menschen, das bei Gülen durch geistige Ausflüge in glorreiche Zeiten des Osmanentums und in den Sufismus reichlich ausstaffiert wird.

Krisen und Übel in der Welt entstehen durch die Verabschiedung des individualisierten, autonomen Menschen aus diesem System. Damit sind die gesellschaftlichen Probleme im Blick. Atheismus und Materialismus führen zu Werte- und Orientierungslosigkeit und innerer Leere mit unabsehbaren Folgen für familiäre Strukturen wie für die gesamte Gesellschaft. Die Analyse des Amoklaufs eines Schülers zielt genau darauf ab. Auch von Sünde ist die Rede. Der Begriff besitze in Konsumgesellschaften keinerlei Stellenwert mehr. Freilich werden dem nicht etwa Sündenvergebung und die Verantwortlichkeit des Menschen vor Gott gegenübergestellt, vielmehr wird betont, dass sich der Mensch vor neuen Katastrophen nur durch Einhalten der Scharia schützen kann: “Der Mensch ist ein Geschöpf, dem ein Mittelweg in den Grenzen von ,Erlaubtem und Verbotenem’ aufgezeigt werden muss.” Individuelle Freiheit hingegen ist ein westliches Produkt, auf die Befriedigung sinnlicher Begierden aus und letztlich eine tödliche Gefahr für die ohnehin moralisch degenerierte (westliche) Gesellschaft. Es ist konsequent, wenn unmissverständiich gesagt wird, dass das westliche und das islamische Freiheitsverständnis unvereinbar sind.

Der Fall ist klar: Wir müssen zurück zur Einheit von Glaube und Naturwissenschaft, die im Koran grundgelegt ist, so wie man auch zurückkehren muss zur Einheit von Religion und Politik, von Moral und Gesellschaft. Der Islam ist die Lösung. Zumindest erscheinen die geistigen Werte der Scharia als notwendige Ergänzung zum geist- und gottlosen Materialismus der westlichen Hemisphäre.

Scharia und moderne Wissenschaft stehen demnach in keinem Widerspruch, im Gegenteil: “Die Wissenschaft ist ein Weg, Gott kennenzulernen”, so steht es in der Fontäne. Diese Überzeugung ist für die Gülen-Philosophie grundlegend. In der Türkei war der Islam seit Atatürk aus den öffentlichen Institutionen gedrängt worden. Folgerichtig erschien säkulare Bildung als geeignetes Mittel für eine zeitgemäße und effektive Mitgestaltung der modernen Welt im Sinne einer (Re-)Islamisierung der Gesellschaft. Dies erkannte schon der Begründer der Nurculuk-Bewegung, Said Nursi (1879-1960), ein Lehrer Fethuliah Gülens. Und dies spiegelt sich in den Aktivitäten der Gülen-Bewegung. Der Islam als allumfassendes System soll auf diese Weise in der Mitte der Gesellschaft und damit in der Gegenwart ankommen.

Auf dieser Linie wird auch der Dschihad mehr oder weniger unverblümt als Verteidigung der Religion gepriesen, die von Muslimen zu verlangen sei. Wer im Dschihad stirbt, ist ein Märtyrer. Und nicht genug: Der moderne Katalog der Menschenrechte wird auf das friedfertige Bemühen um solche Bewahrung der Religion zurückgeführt. Dschihad ist plötzlich der Einsatz für Menschenrechte, genauer die Verantwortung, sich für “die unveräußerlichen Rechte der Geschöpfe” einzusetzen und sie zu bewahren. Diese zumindest aus westlicher Sicht doch etwas verquere Einbindung der Menschenrechte in den Kontext der Scharia, die übergreifend und bestimmend bleibt, ist typisch für die Debatte, wie sie hier geführt wird. Der Islam erscheint nicht nur als in Einklang mit den universalen Menschenrechten, sondern geradezu als deren Ursprung und Garant. Dies alles ist zwar nicht neu, kommt aber im neuen Gewand des naturwissenschaftlich ausgerichteten Bildungsdiskurses daher. Für Gülen gehört Bildungsarbeit zu den Bemühungen, “die Muster, auf denen die moderne Weit aufgebaut ist, Stück für Stück auf ihre Vereinbarkeit mit dem Islam zu untersuchen” – was er”Dschihad” nennt.

Auf diese und viele andere Positionen stößt man auch in den anderen Gülen nahen Publikationen, die in immer größerer Zahl auf den Markt gebracht werden – ein aktueller internationaler Katalog bewirbt allein auf Deutsch über fünfzig Titel. Einer davon ist die jüngst auf Deutsch erschienene Koranübersetzung mit Kommentar von Ali Ünal. Damit berühren wir eine tragende Säule der Bewegung, das Koranverständnis. Auffallend und sicher nicht zufällig ist die öffentliche Zurückhaltung in Sachen Koran, etwa in der Zeitschrift “Die Fontäne”. Man will offenbar nicht fromm oder gar traditionalistisch wirken, indem man mit Koranzitaten um sich wirft. Vieles des bisher Gesagten wird gleichwohl deutlicher oder erst im Zusammenhang plausibel, wenn man sich vor Augen führt, wie in Teilen der Gülen-Bewegung der Koran gelesen wird. Nun gibt der bibliophil ausgestattete, über 1600 Seiten starke Band viel mehr her, als in wenigen Sätzen und in der hier eingenommenen Perspektive gesagt werden kann.

Uns interessieren angesichts der einseitigen Wahrnehmung hierzulande, die sich zumeist auf den Reformislam und Kulturdialog bezieht, Grundhaltungen der religiösen Motivation bei Gülen-Anhängern, die offenbar dazugehören und in ihrer Tragweite kaum beachtet, jedenfalls nicht diskutiert werden. Einige davon aber sind – und es geht hier nota bene nicht um die Freiheit der persönlichen Religionsausübung, sondern um den Bildungsauftrag an öffentlichen Schulen – im Blick auf ihre mittelbare gesellschaftliche Auswirkung etwa durch den Schulunterricht durchaus kritisch zu diskutieren.

Ausgehend von der genannten Koranausgabe seien vier Bereiche genannt. So wird etwa ein krudes Geschichtsbild vermittelt, das unbeeindruckt von allgemein anerkannten historischen Erkenntnissen den Islam hemmungslos idealisiert und mit antiwestlichen, auch explizit antijüdischen und antichristlichen Affekten durchsetzt ist. Politische und soziale Konflikte werden religiös gedeutet, Totalitarismen, Imperialismus, Sklavenhandel und vieles andere einlinig dem Westen angelastet, während der Islam frei davon sei. Die “ganzheitliche Weltsicht” des Islam habe mit “universeller Gültigkeit” auch gesellschaftliche Relevanz, ja, der Islam übertrage alle Aufgaben, die von modernen Regierungssystemen wahrgenommen werden, der muslimischen Gemeinschaft selbst. Rechtstreue und Geselischaftsform stehen daher grundsätzlich unter Schariavorbehalt.

Dem Frauenbild widmet sich die Koranausgabe an vielen Stellen mit besonderer apologetischer Aufmerksamkeit. Der Schutz der Frau, ihre bevorzugte Behandlung, ihre Rechte und ihre Besserstellung im Vergleich zu anderen “Systemen” werden hervorgehoben. Wie sich dies mit den konkreten Auslegungen zu einschlägigen Koranversen verträgt, bleibt ein Geheimnis. Denn Frauen werden als den Männer unterlegen beschrieben, und dies nicht nur in sozialen oder sonst erlernbaren Fähigkeiten, sondern in Charaktereigenschaften wie Zuverlässigkeit, Gerechtigkeit und Unparteilichkeit.

Die Mehrehe wird mehrere Seiten lang wortreich als das gegenüber der “modernen Zivilisation” überlegene Konzept verteidigt und die Sklaverei von Frauen relativiert. Explizite Benachteiligungen werden als Privilegierung der Frau im Islam und als Schutz der Frau vor Tyrannei und Ausbeutung ausgegeben. Zudem finden sich nicht wenige diskriminierende Aussagen, etwa: “Eine Frau verliert das Anrecht auf Respekt, wenn sie sich unsittlich benimmt.” Schließlich hat der Mann, wie es die Tradition vorsieht, das Erziehungs- und das Züchtigungsrecht über seine Frau, wenn es um “eine eindeutig uneinsichtige Frau geht, die sich nicht korrekt verhält”.

Die Aussagen zu Krieg und Gewalt sind stellenweise nicht weniger irritierend. Ein Grundübel in der Gesellschaft sei “fitna”, das ist die Unordnung, die aus der Auflehnung gegen Gott und der Missachtung der Gesetze hervorgeht. Wo solche Unordnung entstehe, müsse sie bekämpft und ihr jeglicher Boden entzogen werden, zur Not auch mit Gewalt. Wer dabei getötet wird, “stirbt als Märtyrer”. In Anbetracht des westlichen Demokratieverständnisses und insbesondere der hiesigen Integrationsbemühungen sind vielleicht Aussagen besonders beunruhigend, wie sie zu Sure 2,193 gemacht werden: “Das Leben des Menschen muss im Einklang mit Gottes Geboten stehen. Wenn irgendwelche Menschen (…) den Versuch unternehmen, die Autorität Gottes an sich zu reißen und eine Gesellschaftsordnung nach eigenem Gutdünken einzuführen und andere darüber hinaus zu zwingen, sich dieser unterzuordnen, dann ist genau dies die fitna, die zu bekämpfen den Muslimen aufgetragen ist.”

Angesichts dessen verwundert es nicht, dass die baden-württembergischen Aleviten entsetzt sind, “wie blauäugig man mit dem Thema Fethullah Gülen hier im Lande umgeht”. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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In der gestrigen FAZ hat sich auch der Islamwissenschaftler Ralph Ghadban (Princeton) dieses Themas angenommen und dabei besonderes Augenmerk auf Gülens Mentor Said Nursi gelegt.

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Vernunft nur im  Dienst des Glaubens

Sind Gülen-Schulen tatsächlich ein Beitrag zur Integration? Informationen über diese islamische Bewegung sparen deren ideologische Grundlagen und alle Widersprüche aus.

Auf einer großen Konferenz, gemeinsam organisiert mit der Universität Potsdam im Mai 2009, trat die Fethullah-Gülen-Bewegung an das Licht der Öffentlichkeit. Mit einer zweiten Konferenz an der Ruhr-Universität Bochum im Juni dieses Jahres hat sie ihre Informationsoffensive in Deutschland fortgesetzt. Trotzdem bleibt ein Unbehagen, immer noch kann man diese Bewegung schwer einordnen. Ist sie modern oder traditionell, liberal oder fundamentalistisch, pietistisch, calvinistisch, kreationistisch oder doch islamistisch? Es fehlt nach wie vor an Transparenz, und das Unbehagen, vor allem unter jenen, die sich der Integration verschrieben haben, ist groß.

Die Gülen-Bewegung legt ihren Schwerpunkt auf die profane Bildung und scheint an ihrem Dutzend privaten Eliteschulen in Deutschland die Religion zu vermeiden. Gülens Bewunderer und Anhänger, die nur diese Schulen im Blick haben, sehen darin vor allem einen Beitrag zur Integration muslimischer Migrantenkinder in unseren säkularen Staat. Sie übersehen aber dabei oder unterschätzen die Bedeutung der Arbeitsteilung in Gülens Netzwerk, in dem die Vermittlung der Religion woanders, insbesondere in den “Lichthäusern”, stattfindet. Daher ist es sinnvoll, einen Blick auf das ideologische Gerüst zu werfen, das dieses Netzwerk trägt. Die ideologische Grundlage der Gülen-Bewegung bildet die Lehre von Said Nursi (1876 bis 1960), die sich mit der Wissenschaftsdebatte des neunzehnten Jahrhunderts auseinandersetzte.

Ausgelöst hatte diese Debatte der Orientalist Ernest Renan. In seiner Rede an der Sorbonne in Paris im Jahr 1883 über “den Islam und die Wissenschaft”, die eine eurozentristische, überlegene Haltung Europas in jener Zeit reflektierte, hatte Renan kategorisch die Vereinbarkeit des Islams mit den Wissenschaften ausgeschlossen. Er behauptete unter anderem: “Der Islam,… , ist unter den verschiedenen Formen des semitischen Monotheismus tausend Meilen von alle dem entfernt, was man Rationalismus oder Wissenschaft zu nennen pflegt.”

Die weltweiten muslimischen Reaktionen auf Renans Rede unterstrichen alle die beachtlichen wissenschaftlichen Leistungen der mittelalterlichen islamischen Zivilisation; sie waren aber nicht einig über die Art ihrer Wiederbelebung. So übernahmen zum Beispiel im Osmanischen Reich die nationalistischen Modernisierer das gesamte westliche Modell einschließlich der Naturwissenschaften, verdrängten, ja vertrieben die Religion aus dem öffentlichen Raum und gründeten schließlich mit Atatürk 1922 die laizistische Türkei.

Islamreformer wie Afghani (1838 bis 1897) und Abdu (1849 bis 1905), die auch zu den Modernisierern zählen, vertraten wiederum die Ansicht, dass eine effektive Modernisierung zuerst mit einer Reform der Religion beginnen müsse. Dies geschehe durch die Wiederbelebung der Vernunft, mit deren Hilfe die heiligen Schriften neu gelesen werden sollen. Wie die Altvordern die heiligen Texte gelesen und verstanden haben, steht es nun den Muslimen zu, diese Texte im Lichte ihrer Zeit, der Moderne, selbst zu lesen und neu zu interpretieren. Damit könnten, so ihre Überzeugung, die scheinbaren Widersprüche zwischen Religion und rationaler Wissenschaft aufgehoben werden.

Eine dritte Gruppe bildeten die Pseudomodernisten, die nur die Übernahme der westlichen Wissenschaften erlauben wollten. Ihre Hauptfigur war der bereits erwähnte Said Nursi. Sein Leben teilte Nursi selbst in zwei Phasen. Die erste betrifft die Zeit unter der osmanischen Herrschaft, in der er eher kämpferisch-agitatorisch war, und die zweite beginnt für ihn 1922 mit dem säkularen Kemalismus, in der er aufklärerisch-subversiv auftrat.

In beiden Phasen, sein ganzes Leben lang, hat Said Nursi den Säkularismus bekämpft. Er wollte immer das islamische Wertesystem im Staat und in der Gesellschaft wiederherstellen: in der ersten Phase durch die Restauration der schariagemäßen Macht des Sultans, in der zweiten Phase, als die Repression von Seiten des kemalistischen Staates zunahm, durch die Erhaltung einer an der Scharia ausgerichteten Religiosität in der Gesellschaft. Anders als die Islamreformer, die auf die Wiederbelebung der autonomen Vernunft setzen, um die Religion zu modernisieren, versucht Nursi, die Moderne in die seiner Ansicht nach unveränderliche Welt der Religion zu integrieren.

Dafür bekämpft er die autonome Vernunft und versucht, deren Operationsfeld einzuschränken. Vernunft, so Nursi, dürfe nur im Dienst des Glaubens eingesetzt werden. Der Islam habe alles, was ein Mensch braucht, vom Westen sollten Muslime nur naturwissenschaftliche und technische Erkenntnisse übernehmen, damit sie wieder mächtig werden und den Westen übertrumpfen können. Er behauptet, die Naturwissenschaften selbst seien bereits im Koran begründet, und er versucht mit seiner Koranexegese, dies zu beweisen. Flugzeuge, Elektrizität, Eisenbahn, Telegraph und dergleichen seien alle schon im Koran erwähnt; sein geistiger Schüler Fethullah Gülen glaubt sogar, im Koran die Mondlandung entdeckt zu haben.

Das Studium und Erlernen der Naturwissenschaften verwandelt Nursi in einen Gottesdienst, weil sie, wie er meint, über den Schöpfer und seine im Koran erwähnten neunundneunzig Namen unterrichten. Nursi schreibt: “Dieses Universum zeigt mit allem, was in ihm ist, wie viele verborgene geistige Schätze sich in jedem seiner schönen Namen (Esma-i husna) finden und wie viel Subtiles in jeder Bezeichnung seiner Heiligkeit verborgen ist. Es zeigt auf diese Weise, dass alle Wissenschaften, mit all ihren Prinzipien dieses kosmische Buch seit Adams Zeiten studieren.”

Diese Methode stellt ganz offensichtlich keine Modernisierung dar, sie ist eher eine Islamisierung der Moderne, so werden die Wissenschaften von der Offenbarung und die Rationalität vom Glauben vereinnahmt. Die religiösen Grundlagen werden in keiner Weise berührt, weil der Islam nach Nursi die Moderne gewissermaßen vorweggenommen hat, er ist ewig gültig und braucht darum keine Modernisierung und Reform. Das ist eine islamistische und traditionelle Ideologie, mit einem pseudomodernistischen Lack überzogen.

Fethullah Gülen setzt die Arbeit von Nursi fort, verschiebt aber den Schwerpunkt auf die Bereiche Netzwerk und Bildung. Das Bildungsziel Gülens ist der Dienst an Gott, hizmet, der zugleich die Erhöhung von Gottes Wort bedeutet. Und wer hizmet leiste, verrichte daawa-Arbeit – darunter wird die islamische Mission verstanden. Sie erfolgt durch Verbreitung der islamischen Botschaft, tebligh, und Rechtleitung, irschâd. Vor einem nichtreligiösen Publikum allerdings spricht Gülen nur von temsil, das heißt: den Islam vorleben, wie Agai Bekim in seinem ausgezeichneten Buch über das Bildungsnetzwerk der Bewegung (“Zwischen Netzwerk und Diskurs”, Schenefeld 2004) schreibt.

Diese verborgene Art, den Islam zu vermitteln, verleiht dem Gülen-Netzwerk seine große Flexibilität. So hat Gülen in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts als Erster Lehrpläne für seine Nachhilfezentren, dersanes, und andere Bildungsstätten entwickelt, die keine religiöse Unterweisung vorsehen. Später folgte die Gründung säkularer Schulen, die keinen Religionsunterricht anbieten. Diese Einrichtungen schaffen ein günstiges Umfeld für die Rekrutierung von Unterstützern und Mitgliedern für die Bewegung und stimmen die Öffentlichkeit positiv.

Das Netzwerk der Nurculuk, der Anhänger Nursis, entstand in der Phase der forcierten Säkularisierung der Türkei, die bis 1950 andauerte und in der die Religion aus dem öffentlichen Raum verdrängt wurde. Das Nurculuk-Netzwerk war deshalb ziemlich geschlossen und konzentrierte sich hauptsächlich auf die religiöse Erziehung seiner Anhänger. Fethullah Gülen dagegen profitierte bereits von der 1950 einsetzenden Liberalisierung, die das Eindringen der Religion in die säkulare Gesellschaft erlaubte, und gründete ein offenes Netzwerk. Es ermöglichte auf verschiedene Art Beziehungen zu seiner Umwelt, darunter auch mit scheinbar säkularen Formen. Gülen entwickelte außerdem mehrere Diskurse, die sich an unterschiedliche Gruppen wenden. Neben dem islamischen finden wir auch einen nationalistischen Diskurs, der seit dem Exil Gülens in den Vereinigten Staaten, seit 1999, um einen universellen Diskurs, gerichtet an die Christen im Westen, ergänzt wird.

Diese Erweiterung der Diskursstränge hat die ideologischen Grundlagen der Bewegung nicht berührt. Die traditionelle Haltung Fethullah Gülens zum Ddschihad, zur Apostasie, zur Frau, zur Demokratie hat sich nicht geändert. Es wurde nicht einmal versucht, die scheinbaren Widersprüche in den verschiedenen Diskursen zu klären, mit dem Ergebnis, dass viele Menschen angesichts der Offensive der Fethullaci seit zwei Jahren verwirrt und unentschieden dastehen; sie wissen nicht, was sie davon halten sollen.

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So unheimlich die Dimension dieses krakenden Netzwerkes und seine Ausrichtung auf die Scharia ist, so kann auch gehofft werden, dass die reine Auseinandersetzung mit Teilen der westlichen Philosophie der Vernunft einen Funken dieser in den Ork-Hirnen entzünden wird. Während sie noch dabei sind, Handys, Fußball und Pommes als Erfindung Klo H. Metzels herbeizufantasieren, entzündet dieser Funke so den Brand, der den ebenfalls frei geborenen aber zwischen morschen Balken gefangenen Geist der Adepten befreit, diese begreifen die Lügen des Mohammedanismus und werden von Sklaven zu aufrichtigen Bürgern…

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Time am 5. August 2010

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1) Friedmann Eißler: Islamisierung profaner Arbeit als Dienst an der Menschheit. Zum Bildungsideal Fethullah Gülens. In: Reinhard Hempelmann (Hg.): Religionsdifferenzen und Religionsideale. 5o Jahre EZW. EZW-Texte, Berlin 2010.


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