Mit ‘Friedrich Wilhelm Graf’ getaggte Artikel

Die Lust des Blinden zu führen

18. Juni 2010

“Der Blinde führt die Blinden” von Walter Heckmann (1) 1991

Wolfgang Günther Lerch gedachte in der gestrigen FAZ des Orientalisten Gernot Rotter, der letzte Woche verstarb. Herr Rotter ist u.a. Übersetzer der “Sira”, also der Biografie von Klo H. Metzel (2).

Ob er ein guter Übersetzer ist, kann ich nicht beurteilen, aber es ist natürlich ein großes Verdienst, sich durch den gesammelten Schwachsinn des Lebens eines perversen Irren zu kämpfen, dessen böser Geist heutezutage zu einer Bedrohung für die ganze Welt geworden ist. Auch die beiden Vorworte Rotters zu verschiedenen Auflagen der Biografie sind sachlich.

Dubios mutet allerdings die Gesellschaft an, in die er sich bei der Veröffentlichung begeben hat. Sein Verleger Salim Spohr ist Konvertit, eingefleischer Demokratiefeind, sehr rührig und völlig durchgeknallt (3), was nicht heißt, dass er kein eingefleischter Geschäftsmann wäre (4). Den Klappentext der Sira hat er mit absurdem Gefasel gefüllt. Beim Mohammedanismus gehe es um die “Wiedererneuerung des Glaubens an den einen und einzigen Gott…“, oder: “Betrachtet ein Muslim das Leben seines Propheten in dessen Vielschichtigkeit und Fülle als unvergleichliches Geschenk eines über die Maßen barmherzigen Gottes an die Menschheit, so rühren ihn die vielbezeugte Vortrefflichkeit und Lauterkeit seines Charakters immer wieder zu Tränen“, oder: “das… wirkmächtige Leben dieses wunderbaren Mannes…”.

Dies sind alles andere als wissenschaftliche oder nüchterne Aussagen, das ist dumpfes, romantisches und verlogenes Gesabbel eines kostümierten Narren und angesichts des blutrünstigen Inhaltes der Sira im Grunde ein Skandal. Was man über diesen “wunderbaren” Mann in der Sira lesen muss, ist die Beschreibung eines elend niedrigen Charakters und brutalen Verbrechers, der stolz auf seinen verkommenen Geist ist. Dass Herr Rotter hier nicht nur nicht auf einer Kommentierung bestanden hat, sondern sogar das schleimige Gesülze von “Sheik” Spohr zuließ, sollte ihn der wissenschaftlichen Sphäre zutiefst suspekt machen.

_____

Er ließ Allahs Plagiator auffliegen

Streiter gegen ein verzerrtes Islam-Bild:
Zum Tod des Orientalisten Gernot Rotter

Drei Männer haben ihn maßgeblich beeinflusst: der Religionswissenschaftler Gustav Mensching, der marxistische Philosoph Ernst Bloch – der ihn in seiner religionsskeptischen Überzeugung prägte – und Josef van Ess, der Tübinger Orientalist, dessen Assistent er eine Zeitlang war. Gernot Rotter war bis zu seiner Emeritierung 1993 Professor für gegenwartsbezogene Orientwissenschaft am Orientalischen Seminar der Universität Hamburg. Er studierte in Bonn Islamwissenschaft zu einer Zeit, da dieses Fach fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit betrieben wurde – von einigen wenigen Leuten, die man damals gern als Exoten bezeichnete. Das hat sich radikal geändert, und Rotter, der sich immer auch für den modernen Orient und die Politik interessierte, war das gerade recht. Wer ihn in Tübingen im Seminar erlebte, schätzte seinen bisweilen an Sarkasmus grenzenden trockenen Humor.

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er mit einer publizistischen Arbeit bekannt: In dem Buch “Allahs Plagiator” konnte er zeigen, dass der Journalist und Nahost-Reporter Gerhard Konzelmann in seiner Mohammed-Biographie seitenweise von ihm abgeschrieben hatte, ohne die Quelle anzugeben. Seitdem nahm er immer wieder Stellung zu aktuellen Ereignissen im Nahen Osten, zum Beispiel im Karikaturenstreit. Stets lag ihm dabei am Herzen, ein verzerrtes Islam-Bild im Westen zu korrigieren, gleichzeitig aber auch mit muslimischen Vorurteilen durchaus hart ins Gericht zu gehen.

Der mit einer Arbeit über die “Stellung des Negers in der arabisch-islamischen Gesellschaft bis zum 16. Jahrhundert” bei Mensching promovierte und bei van Ess über die Dynastie der Omajjaden von Damaskus habilitierte Islamkundler kannte den modernen Orient gut, zumal aus den vier Jahren, die er als Direktor des deutschen Orient-Instituts in Beirut verbrachte. Als Orientalist lag sein Schwerpunkt – neben der aktuellen Entwicklung der islamischen Gesellschaften – im Historischen. Seine von ihm herausgegebene Bibliothek Arabischer Klassiker, für die er auch als Übersetzer tätig war, gehört zum Bestand jener Bücher, aus denen sich auch der Laie über klassische Originaltexte der muslimischen Kultur informieren kann. Dazu gehört eine Übertragung der berühmten “Sira rasul Allah” des Ibn Ishaq, der zum Standard gewordenen Propheten-Biographie.

Rotter wurde 1941 in Troppau geboren und war der Sohn des Journalisten Walter Rotter. Mit seinem Bruder zusammen, dem Mittelalter-Historiker Ekkehart Rotter, veröffentlichte er das Werk “Venus, Maria, Fatima” – eine Kritik der Frauenfeindlichkeit in Islam und Christentum. Politisch vorübergehend für die Grünen im Landtag von Rheinland-Pfalz engagiert, blieb er danach ein Ratgeber in Fragen der Migration und Integration muslimischer Menschen in Deutschland. In der vorigen Woche ist Gernot Rotter im Alter von 69 Jahren gestorben.

_____

Dass Menschen mit Blindheit geschlagen oder eingeschränkt sind, kommt vor. Warum aber drängt es so viele geistig eingeschränkte Menschen in Führungspositionen? Warum wollen sie mit Macht ihre Anschauungen wider den gesunden Menschenverstand oder jedwede Evidenz zur Norm erheben?

Steckt eine perverse Lust dahinter? Sind sie alle gekauft?

Ebenfalls in der gestrigen FAZ kritisierte Kermani-Verteidiger (5) Friedrich Wilhelm Graf (6) einen aktuellen Aufsatz (7) des Niederländers Ian Buruma (8), welcher Ayaan Hirsi Ali als “Fundamentalistin der Aufklärung” bezeichnet hatte.

Buruma scheint Wissenschaft als Instrument zur Volkserziehung mißzuverstehen. Das Ergebnis der “wissenschaftlichen” Untersuchung wird bei ihm zu Beginn festgelegt, und dann erstellt er eine Datensammlung in diesdem Interesse. Graf: “Buruma folgt einer klaren religionspolitischen Agenda. Er will die vielen Europäer, welche die wachsende Einwanderung aus dominant muslimischen Gesellschaften als Bedrohung europäischer Identität wahrnehmen und im Islam eine prinzipiell demokratiefeindliche Religion sehen, von der Demokratiefähigkeit der Korantreuen überzeugen.” So wie Spohr, der auf dem Klappentext über die “Lauterkeit” von Klos Charakter faseln kann, während der Text zwischen den Deckeln eine einzige Anhäufung von Scheußlichkeiten bietet, häuft Buruma einen Wortberg gegen das Offensichtliche an: Denn der Mohammedanismus ist immer gewalttätig, unfrei und expansiv. Selbstredend verweigert sich Buruma der Methode der Falsifikation.

_____

Wie lassen sich die Götter zähmen?

Ian Burumas neues Buch vergleicht auf drei Kontinenten das Verhältnis von Politik und Religion. Er betont die Demokratiefähigkeit der Korantreuen.

Der deutschen Öffentlichkeit ist Ian Buruma spätestens durch sein Buch “Mord in Amsterdam”, eine dichte Beschreibung des 2004 verübten Attentats auf den islamophoben Filmemacher Theo van Gogh, bekannt. Der Niederländer mit britischer Mutter, der inzwischen in New York lehrt und in den letzten Jahren zahlreiche Essays zu den neuen Religionskonflikten der Gegenwart veröffentlicht hat, ist stolz darauf, in Kindheit und Jugend von religiöser Sozialisation verschont geblieben zu sein, und bezeichnet sich als liberalen Agnostiker. Nach Abschluss eines kulturwissenschaftlichen Studiums mit Schwerpunkten in Chinesischer Literatur und Japanischem Film lebte er als Schauspieler und Tänzer in Tokio, bevor er als Dokumentarfilmer, Fotograf, Reiseschriftsteller und Journalist unterhaltsam über zahlreiche asiatische Gesellschaften berichtete. Als Feuilletonchef von “The Far Eastern Economic Review” verstand er sich als Mittler zwischen Ost und West.

Auch sein neuester Essay über nun endlich zu zähmende Götter, hervorgegangen aus Vorlesungen in Princeton, demonstriert die seltene journalistische Fähigkeit, ebenso geistreich und ironisch über Religion in China und Japan zu plaudern wie über Glaubenskämpfe in den Vereinigten Staaten und in einigen europäischen Gesellschaften. Im Vergleich von Entwicklungen auf drei Kontinenten gelingen Buruma eine Reihe von originellen, überraschenden Beobachtungen. Aber der lockere Ton, in dem er seine Sicht der Glaubensdinge entfaltet, bringt es auch mit sich, dass oft nur Stereotypen reproduziert werden. Harte Arbeit am religionsanalytischen Begriff liegt Buruma fern. Zentrale Diskurse der modernen Religionskulturforschung kennt er nicht.

Mit großer Überzeugungskraft betont Buruma, dass man über Spannungen von Religion und Politik niemals allgemein, sondern sinnvoll nur mit Blick auf bestimmte geschichtlich geprägte Kontexte reden kann. Amerikaner hätten nun einmal ganz andere Vorstellungen der öffentlichen Rolle von Religion als viele europäische Denker entwickelt. Die meisten Amerikaner sähen in religiösen Organisationen Kräfte der aktiven Stärkung demokratischer Bürgertugend. Viele Europäer hingegen urteilten über die Fähigkeiten der Kirchen, demokratische Prozesse zu unterstützen, eher skeptisch, kritisch.

Besonders gut kennt Buruma sich natürlich in den Niederlanden aus. Hier kann er zeigen, dass der modische Multikulturalismus, der die Debatten um die Einwanderung von Muslimen lange Zeit prägte, nur die Fortschreibung der niederländischen Kolonialpolitik ist. Die Holländer hatten in ihren Kolonien, ähnlich wie die Briten, eine Politik indirekter Herrschaft verfolgt, mit entschiedener Trennung einheimischer ethnischer Gruppen, die man je einzeln und relativ isoliert effizienter kontrollieren und beherrschen konnte. Weniger überzeugend sind einige Aussagen über Religion und Politik in den Vereinigten Staaten. Zwar zitiert Buruma gern Tocquevilles “Demokratie in Amerika” und Gründungsväter wie insbesondere Thomas Jefferson.

Doch nimmt er die hohe Vielfalt religiösen Lebens in den Vereinigten Staaten kaum zur Kenntnis. Nicht alle Evangelicals unterstützen die Republikaner, und die pauschale Rede von den “liberalen Säkularisten” unterschlägt, dass es neben der Christian Right in den jüdischen wie protestantischen Lebenswelten vor allem der Ostküste immer auch wichtige Kräfte liberaler Religion gab und noch gibt. Mit der Behauptung, dass zwischen 1920 und 1970 religiöse Organisationen keinen relevanten Einfluss auf die amerikanische Politik genommen hätten, ignoriert Buruma die Bürgerrechtsbewegung, die entscheidend von protestantischen Black churches und Kirchenführern wie Martin Luther King getragen wurde.

Buruma folgt einer klaren religionspolitischen Agenda. Er will die vielen Europäer, welche die wachsende Einwanderung aus dominant muslimischen Gesellschaften als Bedrohung europäischer Identität wahrnehmen und im Islam eine prinzipiell demokratiefeindliche Religion sehen, von der Demokratiefähigkeit der Korantreuen überzeugen. Tocquevilles These, dass man mit der Religion des Propheten keine Demokratie gestalten könne, lehnt er ab. Die Prinzipien der parlamentarischen Demokratie seien Muslimen keineswegs fremd. In Indonesien hätten gerade muslimische Akteure, die gut 150 Millionen tief Gläubige repräsentieren, eine der wenigen halbwegs funktionierenden Demokratien Südostasiens aufgebaut und gestärkt. Für die autoritären Züge in der türkischen Politik seien keineswegs nur islamistisch orientierte Kräfte, sondern mindestens ebenso stark jene Säkularisten verantwortlich, die in blinder Treue zu Kemal Atatürk einen zutiefst illiberalen Laizismus predigten und alle Religion aus dem öffentlichen Raum zu verbannen suchten.

Für die europäischen Gesellschaften setzt Buruma deshalb auf eine entschieden liberale Religionspolitik. Die Europäer müssten neu lernen, die bürgerlichen Freiheitsrechte auch der ganz anderen, entschieden Frommen anzuerkennen, und es gelassen ertragen, wenn sie ihren Glauben im öffentlichen Raum demonstrativ bekunden; niemand werde ja gezwungen, sich ihre Glaubensvorstellungen zu eigen zu machen. Umgekehrt sollen die europäischen Muslime nach innen hin dafür werben und sorgen, dass gewaltbereite junge Islamisten der zweiten oder dritten Generation, die hier geboren und aufgewachsen sind, das Gewaltmonopol des weltanschaulich neutralen Verfassungsstaates zu akzeptieren lernen. Über pathetische Appelle und viel Sollensrhetorik gelangt Buruma hier nicht hinaus. Er ignoriert die Vielfalt der religionsrechtlichen Verhältnisse in Europa und sieht nicht, dass man zwar rechtlich prägnant Staat und Kirchen beziehungsweise Religionsgemeinschaften trennen kann, solche institutionelle Trennung aber keineswegs gleichbedeutend mit der Unterscheidung von Politischem und Religiösem ist. So bleibt er im Entscheidenden vage.

Mit dem Aufklärer Spinoza hofft er darauf, dass der Gottesglaube die Menschen freundlich und friedlich stimme. Spinoza ging davon aus, dass eine starke weltliche Obrigkeit die Glaubensgemeinschaften unter starker Kontrolle halten müsse. Dazu kann Buruma sich aus naheliegenden liberalen Gründen nicht entschließen. Er setzt auf die “Werte” der Aufklärung, eine vage Toleranz, fordert aus Sicherheitsgründen aber zugleich, die globalen Kommunikationsnetze der Islamisten, speziell ihre Propaganda im Internet, zu überwachen und zu zerschlagen. Was denn zu tun sei, wenn ihr Glaube die Gottesfürchtigen unfreundlich, aggressiv und kriegerisch stimme, weiß er in einer zusammenhängenden Argumentation nicht zu sagen. So bekundet er, bei aller belehrenden Grenzüberschreitung zwischen Ost und West, Europa und den Vereinigten Staaten, Christentum und Islam, ungewollt auch viel Ratlosigkeit.

_____

Die Blindschleiche Buruma auf Führungsmission steckt den Kopf in den Sand und erwartet, dass wir es ihm alle nachmachen. Ein kräftiger A*schtritt könnte ihm evtl. das Augenlicht zurückgeben.

_____

Time am 18. Juni 2010

_____

1) http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Heckmann
2) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/22/sira-1-einfuhrung-und-massenmord/
3) http://www.islampress.de/2007/7/27/warum-wir-den-koenig-lieben
4) http://islam.de/2302.php
5) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/19/1075/
6) http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wilhelm_Graf
7) Ian Buruma: “Taming the Gods”. Religion and Democracy on Three Continents. Princeton University Press, Princeton & Oxford 2010. 132 S., geb., 15,99 Euro.
8- http://de.wikipedia.org/wiki/Ian_Buruma

Die Kulturpreisdebatte geht weiter…

19. Mai 2009

… BIS DAS ORK DEN PREIS DOCH NOCH KRIEGT?

Zum Thema Kulturpreisdebatte stellt die FAZ heute reichlich Material zur Verfügung.

Da gibt es zunächst die Glosse “Kermani und das Kreuz”, die online und gedruckt bis auf Über- und Zwischentitel gleich ist. In der Online-Version ist die Angelegenheit vom “Eklat” (Aufsehen, Knall, Skandal) zur “Affäre” (1. besondere, oft unangenehme Angelegenheit, 2. Liebesabenteuer) und mithin etwas Schlüprigem mutiert. Ein Zwischentitel kanzelt Lehmann und Steinacker als “Glaubensfunktionäre” ab. Lorenz Jäger, der behauptet, Kermani sei der Preis aberkannt worden, obwohl er erst am 5. Juli verliehen werden sollte, was jetzt auf den Herbst verschoben wird, lenkt nur scheinbar ein: “Man sollte Kardinal Lehmann auch DANKBAR sein: Ein donnernder Eklat ist der DICKEN Luft im KULTURPARADIES vorzuziehen. Denn wenn der Konflikt um das Kreuz Sinn beanspruchen kann, dann in zweierlei Hinsicht. Erstens ist er ein Widerstreit zweier Sprachen. Da hat man das über Jahrzehnte erprobte GREMIEN-IDIOM, das sich in der HÖHENLUFT des OFFIZIELLEN bewährt haben mag, das aber für DIE Menschen, DIE Gläubigen, ja die SEELEN nun mit einem Schlag als unzureichend ERKANNT ist. Auf die VERSUCHENDE, sicher auch herausfordernde Sprache von SELBSTDENKERN (Jaja, NUR IHR seid Menschen, Gläubige, Seelen und Selbstdenker, T.) wie Kermani ist der Diskurs der FUNKTIONÄRE nicht vorbereitet.

Vielleicht noch wichtiger aber ist ein anderer, kaum JE ausgesprochener Aspekt der Debatte. Er betrifft die KREUZIGUNGSLEHRE der Kirchen selbst. Was hinter den SCHEINBAR entschlossenen Einlassungen Steinackers und Kardinal Lehmanns in den Hintergrund zu treten droht, ist die Tatsache, dass sich in DEN Osterpredigten beider Konfessionen eine tiefe UNSICHERHEIT über den SINN des Kreuzes auftat: Sühneopfer oder bloßes „Symbol der Solidarität“ Gottes? Nun also ist bis zum Herbst Zeit für eine ECHTE Klärung.”

Na, das ist wirklich super, denn bis zum Herbst kann der kleine Lorenz noch ganz, ganz viele dufte Glossen schreiben, mit deren Hilfe die christlichen Lehren dann nach 2000 Jahren Geschichte vielleicht endlich mal geklärt werden können. Und vielleicht findet er bis dahin sogar mal in einen Gottesdienst. Was für eine Ignoranz! Und so etwas in der FAZ!

Nun ja, eine nationale Zeitung ist auch eine große Wirtschaftsunternehmung, und eine Debatte am Laufen zu halten ist sicher auflagenfördernd. Dies mag man sich in der Redaktion gedacht haben, als man Friedrich Wilhelm Graf anheuerte. Über ihn heißt es bei Wiki (1): “Am 3. Mai 2003 wurde in der SZ von F. W. Graf ein Artikel veröffentlicht, in der die ev.-luth. Bayrische Landeskirche im Allgemeinen und ihr Ausbildungskonzept im Besonderen in Frage gestellt wurde („Unkulturprotestantismus – Die bayerische Landeskirche ist auf dem Weg zur Sekte“). Der sehr polemisch gehaltene Artikel löste eine über Monate andauernde öffentliche Debatte aus. Auch seine feuilletonistische Auseinandersetzung mit dem Auftreten eines selbstbewußten Atheismus in Gestalt Richard Dawkins und Christopher Hitchens fiel besonders durch kämpferische Polemik statt durch wissenschaftliche Sachlichkeit und Zurückhaltung auf.”

Hier sein Aufsatz:

Kant hat dasselbe wie Kermani gelehrt

Endlich einmal gab es im Gespräch der Religionen mehr als Kompromissformeln von Gremien. Aber da versagten die LESEKÜNSTE zweier Kirchenmänner.

Im Streit um “Dominus Jesus”, die Erklärung der Glaubenskongregation, dass allein die römisch-katholische Kirche wahre Kirche Jesu Christi sei, suchte Karl Kardinal Lehmann im Herbst 2000 in BLUMIGEN Worten zu BESCHWICHTIGEN. Der “Welt am Sonntag” erklärte er, man müsse solche Lehrtexte im “größeren Zusammenhang anderer römischer Verlautbarungen” würdigen. Es entspreche “guter theologischer Übung, Texte in ihrer ganzen Dimension zu erschließen und auszulegen, sie einzuordnen”. Allerdings “habe ich das Gefühl, dass die Kunst, solche Dokumente angemessen und sinngerecht zu lesen, auch in unseren eigenen Reihen eigentlich immer seltener anzutreffen ist”, fügte der Mainzer Bischof selbstkritisch hinzu.

Man darf dies nun als prophetische Einsicht preisen. Sein INFAMER Brief an Ministerpräsident Roland Koch, mit dem er die Vergabe des Hessischen Kulturpreises an Navid Kermani HINTERTRIEBEN hat, lässt KEINERLEI Bereitschaft erkennen, einen ANSPRUCHSVOLLEN religiösen Text in seiner “ganzen Dimension” zu erschließen. Auch die theologischen LESEKÜNSTE Peter Steinackers, des einstigen Präsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, sind nur SCHWACH entwickelt. Wer Kermanis Glaubensessays kennt, kann die von Lehmann und Steinacker erhobenen Vorwürfe nur für gegenstandslos erklären.

Navid Kermani ist kein intoleranter Feind des Christentums, der dessen “Zentralsymbol”, das Kreuz, verunglimpft, sondern ein FROMMER MUSLIMISCHER RELIGIONSINTELLEKTUELLER (what the hell is THAT? T.), der SEINEN Gott (ähem, wie hieß es noch gleich, das höchste Wesen der Orks, war das nicht ALLA? T.) auf GANZ EIGENE Weise verehrt und sich dabei EINFÜHLSAM auch den INNEREN Sinn christlicher FRÖMMIGKEIT zu erschließen sucht. KEIN ANDERER unter den wenigen muslimischen Intellektuellen im Lande hat seit Jahren vergleichbar kundig und verständnisbereit die in sich spannungsreichen christlichen Symbolwelten ernst genommen (Na, das mag sein, denn NICHTS ist zumindest DAS, T.). Kann dies den HERREN Lehmann und Steinacker ENTGANGEN sein? Eine Antwort fällt schwer. Denn entweder muss man ihnen einen ERSCHRECKENDEN MANGEL AN theologischer BILDUNG oder aber einen durch ALTERSEITELKEIT und MACHTINSTINKT genährten Willen zur DENUNZIATION eines deutlich jüngeren Gelehrten attestieren, der, im Unterschied zu den HOHEN geistlichen HERREN, ja keine einflussreiche Großorganisation, sondern nur sich selbst repräsentiert (Navid gegen Goliath, T.).

Kermanis Texte changieren oft zwischen religionswissenschaftlich INFORMIERTER Glaubensanalyse und FROMMEN Bekenntnis. Wie viele christliche Gottsucher der Moderne schreibt er als BEHUTSAM TASTENDER, aber AUCH PROVOKATIV ZUSPITZENDER, um den GLAUBEN der VÄTER in eigene Einsicht zu überführen. Großbürgerlicher Habitus spiegelt sich in demonstrativer Unabhängigkeit und bisweilen stolzem MUT, die ANPASSUNG an die VERLOGENEN Konventionen des “interreligiösen Dialogs” im Land der korporatistisch VERWALTETEN Religion zu VERWEIGERN. Mit ihm zu reden und zu streiten macht großen SPASS. Als Stipendiat der Villa Massimo hat dieser ebenso gebildete wie FROMME Autor (Hier wimmelt es ja nur so von FROMMS, T.) nun neugierig die barocke Glaubenskunst des päpstlichen Rom erkundet, bisweilen begleitet von katholischen Freunden.

Spiegelt seine ANALYSE von Guido Renis Gemälde “Die Kreuzigung” schockierende religiöse Intoleranz oder “unversöhnliche Angriffe auf das Kreuz”? Nein, der muslimische Intellektuelle will dem Bild vom sterbenden Christus gerade Lebenssinn abgewinnen. Er schreibt nichts, was nicht auch viele christliche Denker seit HUNDERTEN von JAHREN gesagt haben (Wenn sie Gottessohnschaft, Kreuzestod, Auferstehung und Trinität ablehnen, sind sie mE. vielleicht “christlich geprägte” aber eben keine “christlichen” Denker, T.). Harte Kritik von Christusikonen und Kreuzigungsbildern prägen die Konfliktgeschichten der diversen Christentümer schon sehr früh. In den Bilderstürmen der Reformation zerstörten protestantische Gotteswortgläubige Tausende von Christusbildern und Kruzifixen (Was nichts weiter als barbarische Akte waren, die kein christlicher Theologe heutzutage rechtfertigen sollte, T.), weil sie in ihnen gotteslästerliche Idolatrie sahen. Kierkegaard, Dostojewski und Tolstoi haben über die amtskirchlich autoritäre Verfälschung des Christusglaubens ungleich härter geurteilt als Kermani, der Benedikt XVI. viel freundlicher würdigt als die große Mehrheit der deutschen Katholiken (All dies hat mE. nichts damit zu tun, dass Kermani in seinem Text leider zentrale Dogmen des Christentum rigoros ablehnt und herabsetzt, T.).

Man wird von einem Kardinal keine innere Distanz zu volksFROMMER katholischer BILDMAGIE, der Anbetung Christi im KreuzesBILD, erwarten dürfen. Aber vom protestantischen Kirchenpräsidenten wünschte man sich schon ein WENIG GEBILDETES Verständnis dafür, dass “das Kreuz” ein polyvalentes, in der Christentumsgeschichte fortwährend umstrittenes Symbol ist. Kermanis These, der Jude Jesus von Nazareth sei “nicht Sohn Gottes”, haben zahlreiche Theologen vertreten (interessant, waren das CHRISTLICHE Theologen? Tststs, was sich so alles “Theologe” schimpft… naja, es gibt ja auch “Friedensforscher”, “Farbberater” usw. usf., T.). Nun hat der Dogmatikprofessor Karl Lehmann die gelehrte Unterscheidung von geschichtlichem Jesus und verkündigtem Christus 1985 zu einer “verhängnisvollen Alternative” erklärt, gegen die große Mehrheit katholischer Neutestamentler. Aber dies gibt ihm NICHT das RECHT, einen DENKENDEN Muslim (äääh, was ist DAS denn? T.) zu DENUNZIEREN, wenn dieser in SUBTILER Bildmeditation kirchliche Lehrformeln PROBLEMATISIERT (nein, er verwirft und verlacht sie, T.) – dogmatische Deutungsmuster, die christliche Theologen seit mindestens DREIHUNDERT Jahren kontrovers diskutieren. ICH hatte Kermanis Artikel an Theologiestudierende verteilt. Weil ich sie antichristliche Intoleranz lehren will? Nein, weil seine Texte WUNDERSCHÖNE Beispiele für jene Fortschreibung des Glaubens sind, die Religionsforscher HYBRIDISIERUNG nennen, Übernahme von Symbolen der einen Religion in die Sinnbilder einer anderen, bezeichnen (o-oh, da wird die Umma ja bald einen neuen Konvertiten und Geleerten willkommen heißen dürfen! Lesen Sie hierzu unbedingt Manfreds Ausführungen zum Synkretismus (2), T.).

Kein anderes Problemfeld christlicher Lehre ist so umstritten wie die SOTERIOLOGIE, die begrifflich voraussetzungsreiche Lehre von der Heilsbedeutung Jesu Christi und seines Kreuzestodes. “Wahrer Gott und wahrer Mensch”, “eine Person mit zwei Naturen”, Golgatha und leeres Grab sind wahrlich schwierige Themen. Es ist intellektuell UNREDLICH, wenn die EINST Systematische Theologie lehrenden Herren Lehmann und Steinacker SO TUN, als bewege man sich in der CHRISTOLOGIE nicht in einem dicht VERMINTEN Feld UNGELÖSTER PROBLEME (Na logo, je mehr Wörter mit “-logie” man verwendet, desto logischer der Text! T.).

Nur ein Beispiel: Wer von Jesu Kreuzestod spricht, muss die Rede vom “Tod des lebendigen Gottes” (Eberhard Jüngel) als christlich legitim anerkennen. Darf ein gottgläubiger Muslim (Mohammedanisten sind NICHT gott- sondern allagläubig! Und deshalb strecken sie zum Gebet auch ihren Allawertesten zu ihm nach oben in die Luft! T.) dann nicht seine Schwierigkeiten mit dem christlichen Symbolsystem bekunden (Es geht darum, dass Kermani für seine stolze Ablehnung des Dialogs nicht mit einem Preis, der das Führen eines Dialogs auszeichnen soll, geehrt werden sollte, T.)? Am Karfreitag geht es um das definitive Ende der autoritären Metaphysik vom allmächtigen Gott. “O große Not! Gott selbst liegt tot. Am Kreuz ist er gestorben; hat dadurch das Himmelreich uns aus Lieb erworben” lautet die zweite Strophe eines ursprünglich katholischen Chorals, vom Lutheraner Johannes Rist 1641 gedichtet. Vom genuin christologischen Sinn der Rede vom Tode Gottes hat Kermani mehr erfasst als ein Mainzer Bischof, der, ich kann es nicht für wahr halten, am Karfreitag “das Kreuz verehrt”. Ich DACHTE bisher (Es spricht ein Prof. für Systematische Theologie! T.), dass für Christen nicht “das Kreuz”, sondern der gekreuzigte Jesus lebenswichtig ist (Genau darum geht es Lehmann und Steinacker doch! Und es geht darum, dass Jesus viehisch gefoltert und ermordet wurde, im Gegensatz zu einem gewissen Klo H. Metzel, der mit Leidenschaft viehisch folterte und mordete, und der deshalb von 1,3 Mrd. Verblendeten verehrt wird! T.). Die Erinnerung an seine Passion diente Christen immer auch dazu, ihre eigene Sterblichkeit zu reflektieren.

Kermani nimmt den Gekreuzigten ernst, indem er in Renis Christus den idealen Repräsentanten der sterblichen Menschheit sieht: “jeder Tote, jederzeit, an jedem Ort” (Nein, Jesus und den Christen geht es mE. nicht um die Tragik des vergänglichen Lebens, einen Aufstand gegen DEN Tod. Es geht um die Idee, dass die beste Art des ZusammenLEBENS die ist, Gottes Gebote zu befolgen und IHN zu lieben und IHM zu vertrauen! T.). Kant, Hegel, Schleiermacher (ganz, ganz schwere Geschütze fährt er da auf, indes, ohne Goethe und Lessing wird es kaum gelingen, T.) haben NICHT ANDERS gelehrt. Auch ist radikale Kritik an der religiösen VERKLÄRUNG barbarischen Leidens (“Verklärung” findet bei KERMANI statt, T.) ein uralter Topos in den innerchristlichen DEUTUNGSKÄMPFEN um Jesu HEILSTOD. Vom “spekulativen Karfreitag” (Hegel), der geistigen Vergegenwärtigung des einst Geschehenen zur Begründung menschlicher Freiheit, sollten habilitierte Theologen schon einmal gehört haben. Allzu DENKFAUL agieren sie nun als KIRCHENFÜRSTEN, wenn sie den Stachel des Negativen in Kermanis Text nicht ERTRAGEN können. Selbst seine Behauptung “die katholische Vorstellungswelt erscheint mir HEIDNISCH” (“Neue Zürcher Zeitung” vom 9. Mai) entspricht nur altem reformatorischem Urteil.

Woher die episkopale AGGRESSIVITÄT gegen den muslimischen INTELLEKTUELLEN? Kermani macht in seinen Erfahrungsberichten aus dem katholischen Rom all jene innerchristlichen Konfliktlinien neu sichtbar, die man in ökumenischer KONSENSSCHUMMELEI verdrängt. Auch demonstriert er durch glaubenssprachliche KREATIVITÄT, dass vielen christlichen Theologen zu den eigenen Überlieferungen nur noch HOHLE Formelsprache, lebensferner KLERIKALJARGON einfällt (Da stimme ich teilweise zu, aber das ist wohlfeil, denn es gibt wie überall auch unter den Theologen natürlich begabtere und unbegabtere Denker und Redner, T.). Oder muss man die EPISKOPALINTRIGE schlicht aufs BELEIDIGTSEIN zweier ÄLTERER Herren zurückführen, die die INTELLEKTUELLE STRAHLKRAFT des Jüngeren nicht zu ERTRAGEN vermögen (Jetzt fängt der wieder von vorne an, nach dem Motto: “Ich bin der Herr Pastor und predige Euch was vor, und wenn ich nicht mehr weiter kann, dann fang ich wieder von vorne an!” T.)? Lehmanns UNTERSTELLUNG, dass Kermani noch kein relevantes Lebenswerk vorzuweisen habe, ist christlich RUINÖS. Ein Blick aufs “Ganze” eines Menschenlebens steht SELBST einem Kardinal nicht zu Gebote (dann holen wir am Besten ein paar Preisträger aus dem mohammedanistischen Kindergarten! Ach nee, gibt’s ja nicht, die unterwandern ja eher die christlichen (3). T.).

Und man wird die Jury fragen dürfen, was an Herrn Steinackers LEBENSWERK denn kulturpreiswürdig ist: Das BIEDERE KIRCHENFUNKTIONÄRSGEHABE? Die ISLAMOPHOBEN STEREOTYPEN (Jetzt ist’s raus! T.) in Vorträgen über “Absolutheitsanspruch und Toleranz”? Die seit Jahren RITUELL wiederholte KRITIK an Lessings (LESSING!!! Wir haben ihn! Und jetzt: Goethe! Goethe! Goethe! T.) Ringparabel (UN-ER-HÖRT! T,) und dem FREIEN Geist der Aufklärung (an dem nun grade nicht, T.)?

Gern BEHAUPTEN deutsche Bischöfe, dass die Christen Religion und Politik ganz aufgeklärt getrennt haben, im Unterschied zu den Muslimen (Aber das stimmt nicht? T.). Deshalb müsse man ihnen durch interreligiösen Dialog demokratische “Werte” vermitteln (Muss man nicht? T.). HERR Steinacker wirft Navid Kermani vor, die “drei Grundsätze” im Gespräch der Religionen verletzt zu haben. Der Vertreter der christlichen MEHRHEIT beansprucht die DEFINITIONSMACHT über Regeln des öffentlichen Diskurses in Glaubenssachen. Und er merkt nicht einmal, dass er so nur alte DISKRIMMINIERUNG fortschreibt. NIRGENDS kommt er auf die IDEE, dass zwischen Mehrheit und Minderheit Macht asymmetrisch verteilt ist.

Im System der HINKENDEN Trennung von Staat und Kirchen wird diesen VIEL MACHT eingeräumt. Nicht wenige deutsche Kirchenführer machen davon GERN Gebrauch. Eine irritierende Entwicklung lässt sich beobachten: Je mehr die tiefe Glaubenskrise und die schleichende Erosion der beiden großen Volkskirchen sichtbar werden, desto mehr setzen viele Kirchenführer auf KLERIKALMACHT. Aber die Politisierung tut dem Glauben nicht gut. Und durch ARROGANZ der BISCHOFSMACHT lässt sich der EKLATANTE MANGEL an GEISTESGEGENWART und intellektueller GLAUBWÜRDIGKEIT nicht ÜBERSPIELEN.

Die offene Gesellschaft muss um der gleichen Freiheit aller willen Kirchenmacht wie die Macht anderer Verbände demokratisch begrenzen, etwa durch Erzeugung von Öffentlichkeit. Weil Jesus Christus “Licht der Welt” ist, “treten die Glaubenden… gegen jede Geheimpolitik und Geheimdiplomatie ein”, hat Karl Barth über “Christengemeinde und Bürgergemeinde” geschrieben. So hat es seinen guten theologischen Sinn, dass die ARKANEN (geheimen, 4, T.) MACHTSPIELE der hohen geistlichen Herren EINMAL transparent geworden sind. Herr Steinacker hat in dieser Zeitung zwar bestritten, irgendwie Einfluss genommen zu haben. ABER (jetzt deckt Graf die Lügenintrige, die Verschwörung vollends auf, T.) will er den Leuten wirklich WEISMACHEN, ganz unabhängig von Herrn Lehmann auf die Idee gekommen zu sein, den Preis nicht anzunehmen, wenn auch der UNWÜRDIGE Herr Kermani ihn erhält? Sollte ihm der Kardinal gar nichts von seinem Brief erzählt haben? Immerhin haben sie den jungen (Alt-vs.-jung-Konstruktion, T.) Muslim in ökumenischer KOMPLIZENSCHAFT (Komplize = Mittäter oder Helfer eines Verbrechers, T.) gemeinsam via Staatskanzlei bitten lassen, seinen inkriminierten Text zu erläutern. Auch teilte der Kardinal dem Herrn Ministerpräsidenten mit, dass die Ehrung Kermanis eine Zumutung für Herrn Steinacker sei. Woher nur wusste er dies? (Und so flog durch die brilliante geistige Leistung des Herrn Graf ein abscheuliches Komplott zweier kranker und bösartiger, alter Kirchenfunktionäre gegen einen jungen, genialen und liebenswerten Mohammedanisten auf… Dieser Bewohner einer Groschenheftwelt ist Theologe an einer deutschen Universität – ich bin erschüttert! T.)

Laut HOMEPAGE des Hessischen Landtages ist der Abgeordnete Roland Koch römisch-katholischer Konfession (Ist natürlich nur vorgetäuscht, will Graf insinuieren, T.). Als Ministerpräsident und Vorsitzender der Jury des Hessischen Staatspreises hat er der “Lehrmäßigen Note zu einigen Fragen über den Einsatz und das Verhalten der Katholiken im politischen Leben” entsprochen, die die Kongregation für die Glaubenslehre 2002 veröffentlicht hat: Vorgaben des kirchlichen Lehramtes seien gerade in religiösen und moralischen Fragen für katholische Politiker unbedingt verpflichtend. Zwischen Ostern und Pfingsten, Auferstehungsfreude und Geistausgießung darf die Öffentlichkeit nun laut über DIESE HERREN LACHEN. Da lässt sich ein PROVINZPOLITIKER, der so gern den ganz Starken, Trickreichen gibt, von zwei SPITZENKLERIKERN als KIRCHENMAUS vorführen. Und die Herren Lehmann und Steinacker GEFÄHRDEN nicht nur ihr persönliches ANSEHEN (sondern auch ihr Leben? T.), sondern werden nun GAR dafür ausgezeichnet, dass sie GROSSEN integrationspolitischen SCHADEN angerichtet haben. Aber nicht einmal das haben diese LESEKÜNSTLER gemerkt.

... puuuh… es ist vorbei, Sie können wieder unter dem Schreibtisch hervorkommen. Tja, so eine Schimpfkanonade waren Sie bisher allenfalls von Kewil oder dem angeschickerten Time gewöhnt, nicht jedoch aus der führenden Zeitung Deutschlands. Ob dieser kreischende, humorlose Rohrspatz die Auflage erhöhen wird? Ich fürchte, die Anzeigenabteilung muss recht bald doch mal wieder bei Karaffe in Kuweit (5) vorsprechen.

Erholen Sie sich jetzt bei Peter Steinacker im Interview, es fragte Stefan Toepfer:

“Auch ich stelle meine Sicht zur Disposition”

Im Streit über den Kulturpreis hat Peter Steinacker mehrfach Stellung genommen. Nun sollen “Verletzungen” aus dem Weg geräumt werden.

FRAGE: Die Preisverleihung ist verschoben worden. Sind Sie zufrieden damit?

ANTWORT: Ja, denn es gibt nun einen Weg, fern der Öffentlichkeit über Verletzungen und Irritationen zu reden und sie, so hoffe ich, aus dem Weg zu räumen. Das bedeutet, dass auch ich meine Sicht zur Disposition stelle, sonst bräuchte ich nicht in einen solchen Dialog zu gehen.

FRAGE: Haben Sie und Kardinal Lehmann mit ihrer Kritik an Navid Kermani überreagiert?

ANTWORT: Ich empfinde das nicht so. Vielleicht bin ich dem Genuss des Artikels von Herrn Kermani, an dem sich unsere Kritik entzündete, nicht gerecht geworden und habe den Text, der einen ästhetisch-literarischen Anspruch hatte, theologisch interpretiert. Aber darum ging es mir. Ich wollte den Preis nicht einfach aus interreligiöspolitischen Gründen annehmen, um des lieben Friedens willen.

FRAGE: Wer war die treibende Kraft, Sie oder Kardinal Lehmann?

ANTWORT: Das wechselte, aber im Grundsatz waren wir uns völlig einig.

FRAGE: Wie viel Porzellan im ohnehin diffizilen interreligiösen Dialog ist nun zerschlagen?

ANTWORT: Nicht viel, denn der Dialog ist derzeit ohnehin nicht sehr offen – was zum Teil auch an den Muslimen liegt. Ich hätte erwartet, dass Herr Kermani mich einmal anruft. Vielleicht hätte ich ihn aber auch einmal anrufen können.

FRAGE: Selbst in Ihrer Kirche stößt Ihre Reaktion nicht auf Zustimmung.

ANTWORT: Viele denken immer noch, der interreligiöse Dialog sei einer, der auf Gleichheit der Religionen aus sei. Aber er lebt vom Respekt vor Differenz und der Zivilisierung von Differenz. Außerdem haben auch viele Christen Schwierigkeiten, mit dem Kreuz umzugehen. Es ist erschreckend, wenn Christen glauben, die Auferstehung sei nicht so wichtig, auf die Wiedergeburt komme es an.

FRAGE: Im Jahr 2007 hatten Sie interreligiöse Gebete mit Muslimen als “Gotteslästerung” bezeichnet. Auch Sie gebrauchen, wie Kermani, dieses Wort. Sitzen Sie mit Ihrer Kritik nicht im Glashaus?

ANTWORT: Nein, denn ich habe, anders als Kermani, diesen Vorwurf nicht anderen gegenüber erhoben. Ich habe es mir selbst gegenüber gesagt. Nach biblischem Zeugnis kann man nicht verschiedene Götter gleichzeitig anbeten. Ich würde mich der Gotteslästerung schuldig machen, wenn ich als Christ Allah, Krischna, Buddha oder irgendeine andere Gottheit anbeten würde.

Toepfer resümiert:

“Dass Steinacker meint, es sei nun nicht viel Porzellan im interreligiösen Dialog zerschlagen, ist schwer nachzuvollziehen. Zu deutlich war das Unverständnis, auf das sein und Lehmanns Vorgehen etwa bei Vertretern des Frankfurter Rates der Religionen gestoßen ist…

Mehr als nachdenklich muss stimmen, wie Steinacker den Stellenwert des christlichen Auferstehungsglaubens unter den Christen selbst beurteilt: “erschreckend”. Wie kräftig ist die christliche Religionspädagogik eigentlich noch, wie überzeugend sind Liturgie und Predigt? Aber das steht auf einem anderen Blatt.”

Offensichtlich war Toepfer während des Interviews austreten, um zu einem Resümee zu kommen, das schon vorher feststand und mit dem Interview wenig zu tun hat.

Lesen Sie jetzt ein Beispiel für den üblichen Volkssynkretismus, das Wort hat Friederike Heuer aus Frankfurt am Main:

Der kirchliche Pakt mit der Macht

Vor ein paar Tagen habe ich mit großer Ergriffenheit und fast erschüttert Kermanis Essay zu einer römischen Marienikone (“Neue Zürcher Zeitung” vom 9. Mai) gelesen. Hinsichtlich Glaubensfragen und Glaubenszweifel sind dies wohl die stärkstmöglichen EMPFINDUNGEN, und ich fühlte mich dank Kermanis Gedanken ein wenig VERSÖHNT mit der langen christlichen Geschichte des Abendlandes, der Geschichte, aus der ich komme und die nolens volens auch nach meinem KIRCHENAUSTRITT (Was befähigt mehr zur Beurteilung christlicher Theorie und Praxis als ein Kirchenaustritt? T.) und meine Herkunft, mein Denken und meine Ästhetik prägt.

Die BEWEGENDE WIRKUNG der Bildbeschreibungen von Navid Kermani liegt darin, dass er seine Widerstände und Bedenken hinsichtlich einiger christlicher Dogmen nicht verschweigt, die nicht nur Andersgläubigen und Atheisten AUFSTOSSEN, sondern die JEDEN AUFRECHTEN Christen mit seinem Gott RINGEN lassen sollten. Ebenso wenig konnte ich mein Befremden nicht nur am kirchlichen PAKT mit der MACHT (des Bösen? T.), sondern auch innerreligiös angesichts fast idolatrischer Glaubenstraditionen weglassen, wenn ich manchmal meinem Sohn vom Christentum erzähle, wobei wir dann auch mal überlegen, ob es dem CHRISTENTUM und den NICHTCHRISTEN nicht vielleicht BESSER bekommen wäre, Konstantin hätte sich NICHT taufen lassen. Im Namen der Rechtgläubigkeit und des Kreuzes wurden bereits im vierten Jahrhundert zu Trier agnostische Brüder der frühen Christen hingerichtet.

Die KABALEN um den Hessischen Kulturpreis sind zum Glück nicht blutig, sondern nur BELEIDIGEND, aber von demselben KLEINGLÄUBIGEN Geist rechtschaffener SCHRIFTGELEHRTER geprägt, die weder JEMALS von POESIE noch von einer AHNUNG der Größe Gottes gestreift wurden. Die als Trost angebotene Ersatzveranstaltung (Dialog) zu besuchen, lehnt Kermani hoffentlich ab. Unser TROST als Leser ist die Vorfreude auf künftige Schriften von Narvid Kerami.

Zur Zeit ist Frau Heuer offenbar NICHT bei Trost, aber sicher zaubert ihr Dichterkönig Navid bald eine neue, bewegende, heilige “Schrift” aus der Feder.

Nach diesem galoppierenden Dimmi-Schwachsinn haben Sie sich jetzt aber wirklich zum Abschluss noch einen kundigeren Beitrag verdient. Das Wort hat FAZ-Leser Dr. Jan-Heiner Tück aus Freiburg:

Das Kreuz als kulturelles Symbol

Für mich formuliere ich die Ablehnung der Kreuzestheologie drastischer: Gotteslästerung und Idolatrie ist für gläubige Christen nicht gerade eine Einladung zum Gespräch. Für sie ist das Kreuz mehr als ein kulturelles Symbol, sie bekennen, dass im Leben und Sterben Jesu rettende und versöhnende Kraft liegt. Die Erklärung der designierten Träger des Hessischen Kulturpreises, Karl Kardinal Lehmann und Peter Steinacker, ist daher nachvollziehbar, sie würden den Preis “wegen so fundamentaler und unversöhnlicher Angriffe auf das Kreuz als zentrales Symbol des christlichen Glaubens bei gleichzeitiger Vergabe an Kermani” nicht annehmen. Kermanis Äußerung macht gleichwohl darauf aufmerksam, dass im Glauben an die rettende und versöhnende Kraft des Kreuzes eine Provokation liegt, die von führenden Kirchenvertretern immer wieder einmal heruntergespielt wird.

Dass nun ausgerechnet Kardinal Lehmann von Jäger als Vertreter einer “neuen Sanftheitsreligion” hingestellt wird, welche die christliche Erlösungsbotschaft auf das Motiv der Solidarität halbiert, ist allerdings erstaunlich, wenn nicht gar maliziös. Gerade Lehmann hat wiederholt auf die Heilsbedeutung des Kreuzes hingewiesen. So hat er vor mehr als zwanzig Jahren in der Tübinger Theologischen Quartalschrift unter dem Titel “Er wurde für uns gekreuzigt” eine vielbeachtete Skizze zur Neubesinnung in der Soteriologie vorgelegt. Dabei weist er einleitend auf die traditionelle Engführung der Erlösungslehre auf das Motiv der Satisfaktion und des stellvertretenden Strafleidens hin.

Die landläufige Vorstellung, Gott selbst habe das Opfer des Sohnes gefordert, um in seinem Zorn gegen die Sünder besänftigt zu werden, ist schriftwidrig und macht aus Gott einen Kannibalen im Himmel. Gott selbst ist es, der grundlos und frei die Gabe der Versöhnung anbietet, er muss nicht durch irgendwelche Leistungen versöhnt werden. Lehmann erinnert an die Vielfalt der soteriologischen Aussagen im Neuen Testament (Loskauf, Versöhnung, Befreiung, Opferlamm, Sühne) und sieht deren innere Achse im pro nobis, also der Tatsache, dass Jesus Christus für uns gestorben ist (vgl. 1 Kor 15,3; Röm 4,25 und etwa 2 Kor 5,21). Ein Vorentwurf dieser Selbsthingabe finde sich in der Proexistenz des Lebens Jesu, die sich in den Worten beim letzten Abendmahl verdichtet: “Dies ist mein Leib für euch.”

Es ist für die systematische Theologie und die pastorale Verkündigung nicht leicht, diese Botschaft in spätmoderne Verstehenshorizonte zu übersetzen. Es ist richtig zu sagen, dass Jesus seine Botschaft vom nahegekommenen Reich Gottes bis zuletzt in Treue durchgehalten hat; es ist richtig zu sagen, dass Jesus durch sein freiwilliges Sterben die Spirale von Gewalt und Gegengewalt durchbrochen und den verborgenen Sündenbockmechanismus aller Kulturen aufgedeckt hat; es ist richtig zu sagen, dass Gottes Liebe zu den Menschen im Leben und Sterben Jesu einen inkarnierten Kommentar gefunden hat. Aber das alles reicht nicht aus. Die Heilsbedeutsamkeit des Todes Christi wird erst da adäquat beschrieben, wo die neutestamentlichen Aussagen vom Sterben “für die vielen” (Mt 10, 28; Mk 10, 45), “für alle” (Joh 12, 32; 17,21) beachtet werden.

Um deren soteriologische Pointe herauszustellen, zieht Lehmann den Begriff Stellvertretung heran. Der Gekreuzigte trete in seinem Leiden so an die Stelle des Sünders, dass dieser zu sich selbst befreit werde. Den naheliegenden Einwand, dass ein solches Erlösungsverständnis die sittliche Unvertretbarkeit der Person unterlaufe, pariert er durch den Hinweis, dass die stellvertretende Übernahme der Sünde durch Christus keinen Heilsautomatismus in Gang setzt. Die Heilstat Christi bedarf der ausdrücklichen Anerkennung durch den Vertretenen.

Die Frage aber, wie einer für die Sünden aller sterben könne, berührt das Persongeheimnis Jesu Christi, das wohl nur aus der Binnenperspektive des Glaubens erschwinglich ist. Nur wenn der Gekreuzigte nicht allein Mensch, sondern zugleich der mit dem ewigen Wort des Vaters geeinte Sohn gewesen ist, kann sein Sterben die rettende und versöhnende Kraft gehabt haben, die ihm die Kirche von Anfang an zuerkannt hat. Man würde sich wünschen, dass die öffentliche Verständigung über das Kreuz am Reflexionsniveau Kardinal Lehmanns Maß nimmt.

Time am 19. Mai 2009

_____

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wilhelm_Graf
(2) http://tinyurl.com/qbay3l
(3) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/01/schicksalsmacht-demografie/
(4) “Arkandisziplin” bedeutet die Geheimhaltung von Lehre und Brauch einer Religion, insbes. des frühen Christentums, vor Außenstehenden, und es ist mE. sehr bezeichnend, dass Chefsynkretist Graf auf diese Zeit assoziativ NEGATIV verweist.
(5) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/30/eine-seltsame-anzeige/


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.