Mit ‘Fritz Steuben’ getaggte Artikel

Freedom Riders

9. September 2011

In unregelmäßigen Abständen wird in diversen Medien immer wieder mal das Ende der ältesten Demokratie modernen Typs, das Ende der USA also, herbeiphantasiert. Da ist stets der infantile Wunsch Vater des Gedankens.

Mit dabei sind natürlich Manni und seine Putztruppe (1), die grade in schönster nationalrevolutionärer Manier anhand des amerikanischen Westerns ihre Verachtung für die effektive, also ihrer Ansicht nach „unheldische“ amerikanische Militärmaschine zur Kenntnis gibt und wie nationalsozialistische Schriftsteller vom Schlage Fritz Steubens (2), dessen Biografie bei Wikipedia kunstvoll von einer anderen Putztruppe vom Nazitum gereinigt wurde (3), ihre Liebe zu den barbarischen Indianerkulturen erklärt. Recht bald ist man erwartungsgemäß dann bei der ihrer Ansicht nach fiesen Darstellung der Nazischergen des 2. WK im amerikanischen Film angelangt. Mannis Kommentatorin Xantippe hat sich jedoch, nomen est omen, ihren gesunden Menschenverstand bewahrt:

„Ich bin und war kein Fan von Frank Lisson (auf den sich Manni & Co. beziehen, T.). Was ich bisher von ihm gelesen habe, meist bei ef, war durchzogen von (s)einem Wunsch nach einer Art kargen Ästhetik des Geistes und des Körpers. ‚In Schönheit sterben/leiden’ ist ein fragwürdiges weil destruktives Lebensmotto und gehört in den Bereich lyrischer Vergangenheitsbewältigung.“

So ist es, aber es ist auch typisch für die völkisch-antikapitalistische Literatur. „Gemein, sie haben nur gewonnen, weil sie mehr waren, weil sie unfair sind“, meinen diese ulkigen Nussknacker, weil sie nicht akzeptieren wollen, dass Nazideutschland, Gott sei Dank, verloren hat, dass die Amis die Nazi-Diktatur zerschmettert haben, so wie sie auch die Bolschewisten hinter sich gelassen haben.

Und wer ist als nächstes an der Reihe? Mhm… Mulla Oma, Saddam, A*schl*ch bin Ka*ken, der alte Mübarek, Aff-Affie… welcher Totalitarismus könnte das sein? Der Weg ist zweifellos gewunden, aber das Ziel ist klar: Freiheit, Demokratie, Wohlstand, Wissen für alle Menschen. Die USA werden die Menschheit führen. Und wer dabei nichts zu tun hat, sollte wenigstens nicht im Weg rumstehen.

Lesen Sie jetzt einen Rundgang von Jordan Mejias durch amerikanische Zeitungen aus der FAZ vom 7. September. Herr Mejias ist ein linksstehender Journalist mit verdrehten Sympathien für die Mohammedanisten, darum wandert er von rechts nach links, damit er einerseits als objektiv gilt, andererseits jedoch die linke Sicht, weil sie seine Betrachtungen abschließt, in der Erinnerung des Lesers bleiben soll.

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Der 11. September 2001 und das Ende aller Kriege

Auch zehn Jahre danach wird noch über die Ursachen und Folgen
der Anschläge gestritten

Zehn Jahre nach dem 11. September legt “Foreign Affairs”, die Zeitschrift des einflussreichen Council on Foreign Relations, eine Bilanz vor, die sich allen herkömmlichen Analysen widersetzt. Es sei zwar höchst verlockend, den Angriffen vom 11. September nachzusagen, sie hätten die Außenpolitik der Vereinigten Staaten grundlegend verändert, schreibt der Historiker Melvyn P. Leffler. Aber es sei auch falsch. Die angeblich neue Richtung, in die George W. Bush sein Land führte, kommt Leffler sehr vertraut vor. Im Großen und Ganzen habe Bush die außenpolitischen Trends, die verlässlich die amerikanische Geschichte durchziehen, nur beibehalten, und auch sein Nachfolger handle nicht viel anders.

Als Konstanten in der “grand strategy”, der langfristig angelegten Großstrategie der Vereinigten Staaten, nennt Leffler das Streben nach Vorherrschaft in der Welt, die Bevorzugung freier Märkte, militärische Überlegenheit, die Bereitschaft, im Ernstfall unilateral vorzugehen, die eklektische Fusion von Interessen und Wertvorstellungen, die Überzeugung, unersetzlich zu sein. “All dies ist und bleibt unverändert.” Warum ist dann selbst die Nation über den Kurs, der in ihrem Namen eingeschlagen wurde, derart zerstritten? Für Leffler offenbart sich im “vergifteten öffentlichen Diskurs” nach dem 11. September und den sich anschließenden Kriegen eine wohlbekannte “Tragödie der amerikanischen Staatskunst”, nämlich das Unheil, durch Furcht, Schuldgefühle, Hybris und Macht dem Vorsatz, Gutes zu tun, entgegenzuwirken. Darüber seien nun sorgenvolle Betrachtungen anzustellen.

In der gleichen Ausgabe verkündet William McCants den Niedergang der globalen Dschihadisten-Bewegung. McCants, als Forscher über den militanten Islam auch im Außenministerium geschätzt, führt die Entwicklung nicht zuletzt auf den arabischen Frühling und die Liquidierung von Usama Bin Ladin zurück. Anfangs sei zwar zu fürchten gewesen, dass der Fall verhasster Diktatoren, von denen einige die Unterstützung des Westens genossen, Al Qaida Auftrieb verleihen könne. An die Macht jedoch hätten die Revolutionen islamistische Parlamentarier gebracht, die willens seien, Bomben durch Stimmzettel zu ersetzen. Al Qaida sei ins Hintertreffen geraten. Selbst in Afghanistan soll die Lage rosiger aussehen als gemeinhin angenommen. David M. Rodriguez, von 2009 bis 2011 ein ranghoher amerikanischer Militär in Afghanistan, traut der afghanischen Armee zu, in drei Jahren die innere Sicherheit des Landes garantieren zu können. In den wichtigsten Regionen herrsche heute schon Ruhe.

Verblüffend Erfreuliches über den Zustand der Welt hat auch Joshua S. Goldstein in “Foreign Policy” mitzuteilen. Der Fachmann für internationale Beziehungen widerspricht der geläufigen Darstellung, nach der es seit 2001 im globalen Dorf immer gefährlicher zugehe. Dabei habe es in den vergangenen zehn Jahren weniger Kriegstote gegeben als in jeder Dekade der letzten hundert Jahre. So teuer der “Krieg gegen den Terror” die Nation auch zu stehen komme, so schnell bewege sich die Welt auf den Frieden zu. “Seien Sie also nicht überrascht”, rät Goldstein, “wenn das Ende aller Kriege regelrecht denkbar wird.” Ein paar Seiten zuvor zeigt sich Bob Woodward, nach seinen Watergate-Enthüllungen als Chronist der Washingtoner Machtspiele tätig, weniger zuversichtlich. Aber er denkt nicht daran, am 11. September und den Folgen zu verzweifeln. Stattdessen hütet er sich, dem Urteil der Geschichte vorzugreifen, und spekuliert über Einträge in den Geschichtsbüchern. Was wird zu lesen sein? Dass Amerika auf den 11. September überreagiert oder den Krieg gegen den Terror gewonnen hat? Oder noch tiefer in ihn verstrickt ist? Woodward hält das alles für möglich.

Für “Chronicles”, das “Magazine of American Culture”, das in seinem Paläokonservatismus sich gerne hinter undurchdringliche amerikanische Grenzen zurückzöge, ist dagegen der Zehnjahrestag des Terrorattacken ein Anlass, zu verzweifeln. Die Klagen eines John C. Seiler, Jr., wären aber auch in einer zuverlässig linken Zeitschrift wie “Mother Jones” nicht fehl am Platz: “Hier sind wir, eine Dekade danach, mit unser Freiheit in Fetzen; mit unserer Wirtschaft in Scherben; mit unseren jungen Kämpfern – und sogar Kämpferinnen – tot, verwundet oder ausgelaugt. Erst jetzt wachen die meisten Amerikaner auf, mit einem dicken Kopf von all den Kriegen, den Lügen und dem falschen Patriotismus nach Schurkenart.”

Die welterschütternde Katastrophe sei leicht zu vermeiden gewesen, behauptet in “Vanity Fair” David Rose. Zwei Jahre vor den Anschlägen hätten die Vereinigten Staaten die Chance gehabt, sämtliche Telefongespräche und E-Mails zwischen den Taliban und Mitgliedern von Al Qaida zu überwachen. Ein Geheimabkommen, das einer Firma in amerikanischem Besitz erlaubt hätte, in Afghanistan ein Kommunikationsnetzwerk aufzubauen und für Lauschangriffe zu präparieren, habe kurz vor dem Abschluss gestanden. Zwischen FBI, CIA und der National Security Agency sei es jedoch zum Gerangel um die Zuständigkeit beim Abhören gekommen. Die Regierung Clinton hätte daraufhin das Projekt vertagt. Wie ursprünglich entworfen, wurde das Netzwerk schließlich doch verwirklicht. Nach dem 11. September.

In der “Encyclopedia of 9/11″, die das Stadtmagazin “New York” auf rund hundert Seiten ausbreitet, kommt das Netzwerkfiasko nicht vor. Aber sonst wird kaum etwas ausgespart zwischen A wie Abbottabad, der pakistanischen Stadt, wo Bin Ladin aufgestöbert und getötet wurde, und Z wie Zazi, Najibullah, dem Namen des Straßenhändlers aus Queens, der einen Anschlag auf die U-Bahn plante. Ein umfangreicher Eintrag beschäftigt sich mit der Kunst im Zeichen des Terrors, wobei Karlheinz Stockhausen und seine unglückliche Analogie vom “größten Kunstwerk, das es überhaupt gibt für den Kosmos”, nicht vergessen werden. An Feingefühl lässt es in “American Photo” auch Chefredakteur Scott Alexander fehlen, der meint, die Anschläge als bedeutsamstes Ereignis für die amerikanische Fotografie seit der Bürgerrechtsbewegung einordnen zu müssen. Krasse Fotos werden gezeigt. Ästhetische Erörterungen verbieten sich.

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Foreign Affairs, September/ Oktober, 58 East 68th Street, New York, NY 10065

Foreign Policy, September/ Oktober. 1899 L Street NW, Suite 550, Washington, DC 20036

Chronicles, September, 928 North Main Street, Rockford, IL 61103

Vanity Fair, September, 4 Times Square, New York, NY 10036

New York, 5. und 12. September, 75 Varick Street, New York, NY 10013

American Photo, September/ Oktober, 2 Park Avenue, New York, NY 10016

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Time am 9. September 2011

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1) http://korrektheiten.com/2011/09/08/hollywoods-helden/
2) http://www.dradio.de/dlf/sendungen/langenacht/852447/
3) http://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Steuben


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