Posts Tagged ‘Joseph Croitoru’

Erkenntnisdrang vs. Jihadparolen

26. Mai 2012

Bloggen macht Spaß. Ohne großes Risiko kann man verstehen, wie der Gegner tickt. Das hatte Vitzliputzli kürzlich so ausgedrückt (1):

„ich habe es… als ideales medium begriffen, um mit andersdenkenden einen geistigen austausch zu erproben, ohne unmittelbare lebensgefahr durch kranke islamidioten erfahren zu müssen, und die wirklichen gedanken hinter der stirn zu erforschen.“

Wir wissen, wie sie ticken, aber sie wissen auch, wie wir ticken. Zumindest liegen die jeweiligen Ansichten und ihre Grundlagen in einzigartiger Offenheit nebeneinander.

Wir sehen dabei glasklar, dass wir Recht haben, und dass sie im Irrtum sind. Mag sein, dass es ihnen uns gegenüber ebenso geht, aber ich habe eher das Gefühl, dass sie bewusst die Unwahrheit behaupten, „evident lügen“ (2).

Vor 1400 Jahren mag es beeindruckt haben, wenn ein Imam im Licht der untergehenden Sonne mit kreischender Stimme aus dem Kloran zitierte. Kaum einer in der Gefolgschaft konnte lesen und schreiben. Mangelernährung und schwärende Entzündungen an den Körpern waren die Regel und begünstigten Hysterien, Halluzinationen und Irrationalismus. Die lebensfeindliche Geografie legte die prinzipielle Unerfahrbarkeit der Welt nahe und machte einen grausamen Schöpfergott wahrscheinlich.

Die heutige Situation ist zumal im Westen grundlegend anders. Wir werden in eine Welt hineingeboren, die uns freundlich erwartet und bis zu unserem Tod liebevoll in uns investiert. Wir haben genug zu essen, eine gute Krankenversorgung und unbegrenzten Zugang zu unbegrenztem Wissen. Das missmutige Gegreine des Klorans als wörtliche Rede des Wesens, welches das gesamte Universum geschaffen habe, zu akzeptieren, können nur Verrückte oder Perverse von uns verlangen.

Aber wenn der Kloran Schrott ist und eine Lüge, dann sind es die absurden Hadithe und die widerliche Sira noch viel mehr. Wenn aber alle Schriften des Mohammedanismus bösartiger Humbug sind, was bleibt dann von ihm noch übrig?

Es bleiben „evidente Lügen“ und „Pinkelparolen“ (3) wie z.B. diese aus der „Welt“ (4):

„Natürlich stellt die Behauptung des bekanntesten Wortführers der Salafisten in Deutschland, ‚Jesus war kein Deutscher, er war auch kein Jude – er war Moslem’, alles, was wir im christlich-jüdischen Abendland gelernt haben, auf den Kopf. Die Frage ist: Wie ernst darf man Imam Hassan Dabbagh überhaupt nehmen, der plötzlich aussagte, gar kein Salafist zu sein?“

Die rhetorische Frage von Caroline Stern muss auf alle Mohammedanisten und alle ihrer Freunde ausgeweitet werden. Man sollte keinen einzigen von ihnen ernst nehmen, in argumentativer Hinsicht nicht – wohl aber als Gefährder unseres Gesellschaftssystems. Wir tauschen ja auch mit dem AIDS-Virus keine Argumente aus, nehmen ihn gleichzeitig als Bedrohung unserer Gesundheit sehr ernst. Ist es legitim, Anhänger einer Ideologie mit einem Virus zu vergleichen? Ich denke schon, denn die Anhänger dieser Ideologie behaupten einen Mann als „besten Menschen aller Zeiten in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“, der ein Sklavenjäger und -Händler, ein Völkermörder, ein Meuchelmordbeauftrager, ein Vergewaltiger und Kindervergewaltiger, ein Räuber und Plünderer sowie ein schamloser Lügner war. Klo H. Metzel, so wie ihn die mohammedanistischen Schriften schildern, ist absolut inkompatibel zu jedem menschlichen Gesellschaftssystem außer einem, an dessen Spitze er selbst steht. Die Behauptung hingegen, Jesus sei Ork gewesen, ist eine infame Lästerung, eine Verhöhnung des Christentums und erfüllt zweifellos den Straftatbestand der Volksverhetzung.

Können die orkischen Masterminds auch dieses und jenes über den Kloran vorlügen, weil er ein so unangenehmes Gefasel ist, dass sich auch gebildete Westler selten mit ihm auseinandersetzen, so ist die Existenz des Staates Israel eine Tatsache, die jeder Mensch anerkennt.

Und genau darin liegt das Problem für die Mohammedanisten, das sie mit dem Staat der Juden haben, dass dieser die Nichtexistenz oder zumindest gravierende Schwäche des angeblichen Schöpfers des gesamten Universums tagtäglich demonstriert.

Denn was soll das für ein „Gott“ sein, der einerseits Klo H. Metzels Ehefrauen zum Beischlaf in dessen Bett zwingen wollte und konnte, der es aber andererseits zulässt, dass die Juden, deren Vernichtung ein wesentlicher Aspekt der mohammedanistischen Grundlagentexte ist, den Mohammedanisten bereits erobertes und über Jahrhunderte beherrschtes Gebiet wieder entreißen konnten?

Für dieses Dilemma gibt es aus mohammedanistischer Sicht nur eine Lösung: Israel muss zumindest formal vernichtet bzw. unter die Oberherrschaft einer Orkregierung gestellt werden, so wie dies auch auf nationalrevolutionärer Seite angedacht wird (5).

In diese Agenda fügt sich die mohammedanistische, „evidente Lüge“ ein, auf dem Gebiet Israels hätten vor den Arabern nie Juden gelebt. Der Hamasführer Faludschi im „Focus“ (6):

„In Palästina, vom Mittelmeer bis zum Jordan, gibt es keinen Platz für Israel. Die Juden haben kein Recht auf das Land. Israel wurde auf den Ruinen unseres Volkes errichtet. Palästina ist rein islamischer Boden. Solange Israel existiert, gibt es keine Stabilität…“

Er erhielt Schützenhilfe von dem jüdischen Verräter und evidenten Geschichtsklitterer Shlomo Sand. Der „Spiegel“ (7):

„Es gebe keine wissenschaftlichen Beweise für die Vertreibung des jüdischen Volkes aus dem Heiligen Land im Jahre 70 nach Christus, schreibt Sand. Daraus folge, meint er: Die Juden seien ergo gar kein Volk, das 2000 Jahre lang in alle Welt versprengt gewesen sei. Die jüdischen Gemeinden im Mittelmeerraum und Europa seien vielmehr das Produkt eifriger Missionsarbeit jüdischer Geistlicher. Juden seien keine Ethnie, sondern bloß eine Religionsgemeinschaft, der sich Gruppen der unterschiedlichsten Herkünfte angeschlossen hätten.“

Die „Jüdische Allgemeine“ über Sands Thesen (8):

„Die meisten Juden weltweit sind Nachfahren der türkischstämmigen und slawischen Stämme des chasarischen Königreichs in Zentralasien, das im 10. Jahrhundert verschwand. Das Judentum war die erste missionarische Religion im Westen. Ohne diese massenhaften Bekehrungen würden heute noch so viele Juden existieren wie Samariter – rund eintausend.“

Leo „Bulldog“ Brux (9):

„Ich würde – anders als Grass – in der Hauptsache den Landraub, die Siedlungspolitik, die ethnische Säuberung, den Staatsterrorismus Israels gegen die arabischen Einwohner des Landes, das man sich aneignen will, angreifen.“

Landraub, ethnische Säuberung, Staatsterrorismus? Was meinen die Juden dazu? „Israelnet“ (10):

„Ein allgemeines Missverständnis lautet, dass die Juden, die nach der Zerstörung des Zweiten Tempels in Jerusalem im Jahr 70 d.Z. von den Römern vertrieben und in die Diaspora gedrängt worden waren, nach 1800 Jahren plötzlich wieder nach Palästina zurückkehrten und Anspruch auf ihr Land erhoben. In Wahrheit hat das jüdische Volk die Bindung an seine historische Heimat über 3700 Jahre hinweg bewahrt. Zu dieser Bindung gehört die Nationalsprache und eine eigenständige Kultur. Das jüdische Volk gründet seinen Anspruch auf das Land Israel auf mindestens vier Voraussetzungen:

· G’tt hat das Land dem Patriarchen Abraham verheissen.
· Das jüdische Volk hat dieses Land besiedelt und zur Blüte gebracht.
· Die internationale Gemeinschaft hat dem jüdischen Volk
in Palästina politische Souveränität zugesichert.
· Das Territorium wurde in mehreren Verteidigungskriegen erobert.

Auch nach der Zerstörung des Zweiten Tempels in Jerusalem und dem Beginn des Exils gab es ein – häufig sogar blühendes – jüdisches Leben in Palästina. In Jerusalem und Tiberias wurden im neunten Jahrhundert grosse jüdische Gemeinden gegründet. Im elften Jahrhundert kam es zur Bildung jüdischer Gemeinden in den Städten Rafah, Gaza, Aschkelon, Jaffa und Caesarea.“

Demgegenüber erklärte der Hamas-Minister für Inneres und Nationale Sicherheit, Fathi Hammad kürzlich Folgendes (11):

„Wer sind die Palästinenser? Wir haben viele Familien mit dem Namen Al-Matzri, deren Wurzeln ägyptischen Ursprungs sind. Sie sind Ägypter. Sie kamen aus Alexandria, Kairo, Dumietta, dem Norden von Assuan und Oberägypten. Wir sind Ägypter! Wir sind Araber. Wir sind Muslime. Wir sind ein Teil von euch.“

Sie sind im Rahmen der mohammedanistischen Eroberungszüge dorthin gekommen, und sie waren vor 130 Jahren nur 250.000 an der Zahl. Das „palästinensische Volk“ ist eine Fiktion, eine „evidente Lüge“, eine Jihad-Parole.

Das historische Recht auf  ihre angestammte Heimat können die Juden hingegen immer dichter auch durch archäologische Erkenntnisse nachweisen. Die „Welt“ (12):

„Antikes Betlehem-Siegel in Jerusalem entdeckt – Artefakt soll 2.700 Jahre alt sein – Archäologen sind in Jerusalem auf das mit 2.700 Jahren bisher älteste Siegel mit der Inschrift ‚Betlehem’ gestoßen. Das sei das erste Mal, dass die traditionell als Geburtsort Jesu Christi geltende Stadt auf einem Artefakt dieser Epoche aufgetaucht sei, sagte der für Ausgrabungen zuständige Leiter der israelischen Behörde für Altertümer (IAA), Eli Schukron. Das Siegel hat einen Durchmesser von 1,5 Zentimeter. Es wurde den Angaben zufolge in einem Graben in der israelischen Hauptstadt entdeckt. In der Nähe stießen die Forscher auch auf Töpferwaren aus derselben Epoche.“

Das Siegel sehen Sie oben als Titelbild. Michael Selutin spezifizierte bei „Israel heute“ (13):

„… wurde zum Versiegeln von offiziellen Dokumenten benutzt, die nur von autorisierten Personen geöffnet werden durften. Die Inschrift des Siegells lautet: Bishv’at, Bet Lechem, Lemel[ekh]. Dies bedeutet, dass die mit diesem Siegel versiegelten Dokumente von Bethlehem zum König nach Jerusalem geschickt wurden, im siebten Jahr seiner Herrschaft. Es ist jedoch nicht klar, ob es sich dabei um König Hesekia, Menasse oder Josia handelt. Eli Schukrun, Direktor der Ausgrabungen, erklärt die Bedeutung des Siegels:, ‚Solche Siegel wurden benutzt, um im 7. und 8. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung Steuerzahlungen zu versiegeln. Diese Zahlungen konnten in Form von Silber oder Naturalien wie Wein oder Weizen kommen. Das Interessante ist, dass der Name Bethlehems zum ersten Mal in einem Fund aus der Zeit des ersten Tempels außerhalb der Bibel erwähnt wird. Das beweist, dass Bethlehem zu dieser Zeit eine Stadt im Königreich Jehuda war, und wahrscheinlich sogar schon früher.’ Bethlehem wird in der Bibel im Zusammenhang mit dem Tod Rachels erwähnt und auch im Buch Ruth, das an diesem Sonntag in Synagogen zum Schawuotfest gelesen wird. Auch im Buch Samuel wird Bethlehem als Ort erwähnt, an dem David zum König gesalbt wurde. Mit diesem Fund haben Archäologen, die die Wahrheit der Erzählungen der Bibel zu beweisen versuchen, ein weiteres Argument.“

Auch Joseph Croitoru lieferte in der gestrigen FAZ einen Beitrag zu diesem Thema, und er hat inzwischen gelernt, seine antijüdischen Reflexe fast in den Griff zu bekommen.

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Die Beglaubigung Bethlehems

Der Fund eines Lehmsiegels macht Furore: Zum ersten Mal scheint ein archäologischer Nachweis für die historische Existenz der biblisch-judäischen Stadt Bethlehem vorzuliegen.

Israelische Archäologen melden eine Sensation. Bei Ausgrabungen in der umstrittenen sogenannten Davidstadt südlich der Jerusalemer Altstadt ist ein Siegel gefunden worden, das sie als ersten archäologischen Nachweis für die Existenz der biblisch-judäischen Stadt Bethlehem deuten. Das nicht vollständig erhaltene eineinhalb Zentimeter große Lehmsiegel, das vermutlich zur Rechtsbekräftigung von Warensendungen oder zur Beglaubigung von Urkunden diente, ist mit der dreizeiligen Aufschrift „Im siebten (Jahr)/Bethlehem/Für den König“ versehen.

Dies ist die erste namentliche Erwähnung von Bethlehem auf einem archäologischen Fund, der, so wird vermutet, aus dem siebten oder achten Jahrhundert vor Christus stammt. Eine solche Datierung untermauert die auf dem Siegel verwendete althebräische Schrift, die als Abwandlung der phönizischen zwischen dem zehnten und dem fünften Jahrhundert vor Christus im Königreich Juda in Gebrauch war, ehe sie durch das spätere hebräisch-aramäische Alphabet abgelöst wurde.

Für den israelischen Archäologen Eli Shukroun, der die Ausgrabungen in der Davidstadt leitet, ist das Fundstück auch deshalb von unschätzbarem Wert, weil es israelischen Archäologen nicht möglich ist, in der Stadt Bethlehem selbst Grabungen durchzuführen. Shukroun nimmt an, dass das jetzt entdeckte Lehmsiegel aus der Herrschaftszeit eines der judäischen Könige Hiskija, Manasse oder Joschija stammt. Es könnte zum Versiegeln einer damals in Form von Silber, Naturalien oder Wein entrichteten Steuersendung benutzt worden sein.

Ein ähnliches Siegel, das etwa an gleicher Stelle vor drei Monaten entdeckt wurde, enthielt ebenfalls den „König“ als Adressaten, Absender war die Stadt Gibeon.

Die Begeisterung in Israel über das Bethlehem-Siegel rührt daher, dass in der jüdischen Tradition das judäische Bethlehem als Geburtsort von König David gilt und im Alten Testament mehrmals erwähnt wird. Auch wenn für die Christenheit der Ort in erster Linie als Geburtsstadt Jesu Christi im Vordergrund steht, dürfte die Entdeckung Anlass zu doppelter Freude liefern, wird doch Christi Abstammung im Neuen Testament in Bestätigung alttestamentlicher Prophezeiungen über den kommenden Messias auf das „Haus David“ zurückgeführt.

In Israel hat indes jede wichtige Entdeckung von Funden aus biblischer Zeit nicht nur eine religiöse, sondern meist zugleich auch eine politische Bedeutung. So ist für das israelische Archäologen-Team in der Davidstadt das Bethlehem-Siegel auch ein willkommener Mosaikstein, mit dem die zionistischen Altertumswissenschaftler ihre These zu festigen meinen, dass auf dem Areal der Grabungstätte einst ein oder gar mehrere prächtige Paläste früherer judäischer Könige gestanden hätten. Obgleich für diese Behauptung bislang kaum Belege erbracht werden konnten, ist der neue Fund für Eli Shukroun ein Beweis für die einstige Existenz einer judäisch-königlichen Schatzkammer am Fundort.

Auch dies wird der israelischen Öffentlichkeit als Sensation präsentiert, mit der wohl nicht nur der jüdische Anspruch auf Jerusalem zementiert, sondern auch die politisch umstrittenen Ausgrabungsarbeiten in der Davidstadt legitimiert werden sollen.

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Allein die Juden haben einen Anspruch auf Jerusalem – die Araber sind überall außerhalb Arabiens illegitime Besatzer. Und die Ausgrabungsarbeiten in der Davidstadt brauchen nicht legitimiert zu werden, denn nichts darf den Erkenntnisdrang des Menschen, seinen heiligen Geist einschränken.

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Time am 26. Mai 2012

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1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2012/05/08/fantastillionen-von-fingern/#comment-3212
2) http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/01/08/evidentes-lugen/
3) http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/18/pinkelparolen/
4) http://www.welt.de/fernsehen/article106320086/Chaotischer-Salafisten-Talk-mit-aggressivem-Katholiken.html
5) http://korrektheiten.com/2010/09/21/friede-fur-den-nahen-osten-ein-gedankenspiel/
6) http://www.focus.de/politik/ausland/ausland-juden-ja-und150-israel-nein_aid_154852.html
7) http://www.spiegel.de/politik/ausland/historikerstreit-in-israel-wir-haben-kein-recht-auf-dieses-land-a-697365.html
8- http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/7278/page/2
9) http://initiativgruppe.wordpress.com/2011/12/30/prognose-2012/#comment-22566
10) http://www.israelnet.de/hintergruende/Behauptungen_und_Tatsachen.htm
11) http://www.israel-nachrichten.com/archive/3290
12) http://www.welt.de/newsticker/news3/article106368217/Antikes-Betlehem-Siegel-in-Jerusalem-entdeckt.html
13) http://www.israelheute.com/Nachrichten/tabid/179/nid/24494/Default.aspx

Kairo vs. Teheran

26. April 2012

Ihm kann man nicht entkommen: Der Kuscheltierhase „Felix“ zeigt auf allen Kanälen im Auftrag der Multikultimafia den Kindern die Buntheit der Welt, wo diese doch häufig denken, sie sei schwarz-weiß.

Wenn er nicht über Israel schreiben soll, liefert Joseph Croitoru meist recht brauchbare Texte über den Orient ab. Heute befasste er sich in der FAZ mit der allaistischen Aktion „Lies!“. Hatte N-TV am Freitag, den 13. April, den Schwerstbescheidwisser Dirk Hartwig von der FU Berlin verkünden lassen (1):

„Bei den Verteilexemplaren handelt es sich um die Übersetzung zweier Muslime namens Abu ar-Ridaa und Ahmad ibn Rassul. ‚Die Übersetzer stehen der Pierre-Vogel-Gruppe nahe’, sagt Dirk Hartwig, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Arabistik der Freien Universität Berlin, im Gespräch mit n-tv.de. Pierre Vogel ist ein deutscher Konvertit, der den Namen Abu Hamza angenommen hat. Er wird seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet.“

So klärt Herr Croitoru nunmehr auf, dass es sich nicht um zwei sondern einen Übersetzer, nämlich Abu-r-Rida Muhammad ibn Ahmad ibn Rassoul, handele. Er hat auch einen Blick in den übersetzten Text getan und dabei festgestellt, dass Abu-r-Rida…Rassoul ihn offenbar abgemildert hat. Das Beispiel, das Croitoru für besonders auffällig hält, ist aber eher eine der harmloseren Passagen, so dass man auf weitere Vergleiche gespannt wäre. Interessant ist für mich auch die Feststellung, dass die Salafisten sich nicht der Tarnbezeichnung „Gott“ bedienen, sondern konsequent „Alla“ sagen, wenn sie „Alla“ meinen. Diese Absage an den Hokuspokus mit dem angeblich „abrahamitischen“ Gott gereicht ihnen zur Ehre, das klärt die Fronten.

Schiitenmastermind Yavuz Özoguz (der Mann von Hexe Özoguz, welche wiederum bei Leo gern gesehener Gast ist), hält die Salafisten ebenso wie die „liberalen Muslime“ übrigens für Agenten des Kapitalismus aka USA aka Israel. Er schreibt (2):

„Warum hat JEDE aber auch wirklich JEDE der Taten der Salafisten dazu geführt, dass sie den USA genutzt haben? Und warum lassen sie sich so leicht vom weltweiten Kapitalismus kaufen?… Jedes Verbrechen, das sie begehen, dient dazu, dass der weltweite Imperialismus im missbrauchten Namen der Menschenrechte ‚zur Hilfe’ eilt, so geschehen in Afghanistan, so geschehen in Libyen, so geschehen im Irak und jetzt in Syrien… Die Befreiungstheologie ausgehend von der Islamischen Revolution (d.i. das naziranische Terrorregime, T.) ist nicht mehr aufzuhalten. Sie stellt die größte Bedrohung für den kapitalistischen Unterdrückungswahn dar… So versucht die Tyrannei einen anderen Weg. Er stellt sich an die Spitze von zwei “islamischen“ Bewegungen: Den Salafismus und den “liberalen Islam“. Die Menschheit soll die Befreiungstheologie des Islam ausgehend von der Islamischen Revolution übersehen und nur noch zwei extremistische Arten des Islam kennen lernen: Den Salafismus und den “liberalen Islam“.

Wenn man diesen Irren so schwadronieren liest, könnte man glatt Salafist werden. Womit weder Sunniten noch Schiiten zu rechnen scheinen: Da gibt es noch die Torks, die zwar auch Sunniten sind aber doch vor allem Torks.

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Alle Spuren führen nach Ägypten

Wer steckt hinter der Verteilung von Koran-Exemplaren? Nicht nur der Blick auf die Übersetzung und ihren Verfasser verweist auf Zusammenhänge mit dem Erstarken der ägyptischen Salafisten.

Für die Aufregung um die Aktion „Lies!“ ist es bezeichnend, dass bislang Einzelheiten über die verteilte Koran-Ausgabe und ihren Übersetzer kaum bekannt wurden. Die Fassung der von den Salafisten massenhaft verteilten Gratis-Korane trägt den Titel „Der edle Quran. Die ungefähre Bedeutung in der deutschen Sprache“. Vorgelegt hat sie bereits in den achtziger Jahren ein deutsch-ägyptischer Rechtsgelehrter aus Köln unter dem Namen Abu-r-Rida Muhammad ibn Ahmad ibn Rassoul. Wie mehrere andere hierzulande zirkulierende deutsche Koranausgaben – dazu gehört ebenso eine vom saudischen Staat autorisierte Übersetzung wie eine aus Kreisen der Ahmadiyya-Bewegung – dient auch sie missionarischen Zwecken. Wie die beiden erwähnten Versionen, verwendet auch Rassoul in Abgrenzung von zeitgenössischen deutschen Orientalisten, die den Begriff „Gott“ bevorzugen, konsequent den Terminus „Allah“.

Das hat keineswegs nur stilistische Gründe. Mit dem Wort „Allah“ ist man bereits beim Arabischen, der Sprache der islamischen Offenbarung. Damit meint man wohl gerade bei spirituell suchenden Nichtmuslimen auf fruchtbaren Boden zu treffen. Auch Rassouls Bezeichnung des islamischen Gottes als der „Allwissende“, „Allhörende“, „Allsehende“ oder „Allweise“ soll den empfänglichen Leser näher an das Arabische heranführen: Gezielt wird damit auf die „99 Namen Allahs“, die fromme Muslime zu rezitieren pflegen. Im Arabischen beginnen sie allesamt mit dem bestimmenden Artikel „al-“, wodurch phonetisch eine Affinität zur deutschen Vorsilbe „all-“ erzeugt wird.

Nicht ohne Grund haben deutsche Koranübersetzer mit wissenschaftlichem Anspruch wie Peter Paret oder neuerdings Hartmut Bobzin diese Termini ebenso gemieden wie eine weitere Praxis Rassouls. Um Authentizität zu suggerieren, werden von ihm nämlich etliche religiöse Leitbegriffe in der Originalsprache belassen und lediglich ins Deutsche transkribiert: etwa Dschahiliya (vorislamische Zeit der „Unwissenheit“), Aya (Koranvers) oder besonders gern auch Dschahanam (Hölle).

Die Drohung mit dem „Dschahanam“ ist derzeit bei salafistischen Aktivisten denn auch eine besonders beliebte Taktik. Den Koran bei der Übersetzung zu verfälschen ist indes kaum die Intention von islamischen Missionaren. Nichtsdestotrotz erweckt Rassoul als Übersetzer bisweilen den Eindruck, als versuche er manch militantem Koranspruch die Schärfe zu nehmen. Besonders auffällig in diesem Zusammenhang ist Rassouls Übersetzung von Vers 9:30, in dem es um die Konfrontation mit Juden und Christen geht und der von Islamkritikern als direkte Kriegserklärung ausgelegt wird. Rassouls Version lautet „Allahs Fluch über sie!“, während Orientalisten und sogar die saudische Version mit „Allah bekämpfe sie!“ eine deutlich schärfere, weil offensivere Variante vorziehen.

Über Rassoul ist nur so viel bekannt, dass er, zumindest als die erste Auflage seiner Koranübersetzung erschien, Imam einer Moschee in Köln war. Dort soll er damals auch den Verlag „IB Islamische Bibliothek“ gegründet haben, der bis heute aktiv ist. Aufgefallen war Rassoul, dessen Koranversion sich seit ihrem Erscheinen in hiesigen Konvertitenkreisen großer Beliebtheit erfreut, im Jahr 1993, als er unter dem etwas kompakteren Namen Muhammad Ahmad Rassoul im eigenen Verlag seine programmatische Schrift „Das deutsche Kalifat“ veröffentlichte. Rassoul (arabisch für Gesandter) zog darin gegen die Staatsform der Demokratie zu Feld, prophezeite ihren Untergang und propagierte die Errichtung eines deutschen Kalifats. Er plädierte dafür, die „Herzen der Deutschen für den Islam schlagen zu lassen und das Kalifat… auf dem deutschen Boden als leuchtendes Beispiel für Europa und die übrige Welt entstehen zu lassen“. Dass der Verfasser wegen des Pamphlets von staatlicher Seite sanktioniert wurde, ist nicht bekannt. Auch heute wird es hierzulande von mehreren islamischen Online-Shops angeboten. Auf Ebay ist es für 6,50 Euro verlagsfrisch zu haben.

Nicht nur über den Koranübersetzer Rassoul führt die salafistische Spur nach Ägypten, sondern auch über in Deutschland wirkende ägyptisch-muslimische Missionare. Zumindest einer von ihnen unterstützt aktiv die aufsehenerregenden Koranschenkungen. Es handelt sich um den in Berlin lebenden Deutschägypter Reda Seyam, dem – nachdem er sich für die Gotteskrieger in Bosnien eingesetzt und sich kurz vor den verheerenden Anschlägen von 2002 auf Bali aufgehalten hatte – Kontakte zu Al Qaida nachgesagt werden. Nachweisen konnte man ihm diese bislang aber nicht.

Seyam, der schon in Bosnien als Dschihadisten-Filmer unterwegs war, hat sich in den letzten Jahren auf die Missionsarbeit verlegt und als Medienexperte und Verleger in der hiesigen arabischen Salafistenszene einen Namen gemacht. Die auf ihn registrierte Internetseite „Al-Risala“ (Die Botschaft) begleitet ebenso intensiv die Koranverteilungen wie die von Ibrahim Abou Nagie unterhaltene Website „Die wahre Religion“. Im Übrigen leben beide, im Fall von Seyam war dies zuletzt 2007 dokumentiert, von Sozialhilfe.

Auf Seyams „Al-Risala“ finden sich Videos und Berichte, die die Koranaktion dokumentieren. Für die Videoclips zeichnet der „As-Sunna-Verlag“ verantwortlich, der ebenfalls über einen Internetauftritt verfügt und islamisch-missionarische Literatur in deutscher Sprache vertreibt. Eines der Bücher ist mit dem offensiven Titel versehen „Du’a (Anrufung Gottes) – Die Waffe des Gläubigen“. Seyam, der 2007 nicht nur in Berlin Aufsehen erregte, als er allen Protesten zum Trotz seinen Sohn „Dschihad“ nannte, beherrscht die Kunst der Tarnung. Während er sich im arabischen Ausland als Inhaber des „As-Sunna-Verlags“ präsentiert, ist auf dessen Internetseite im Impressum ein Konvertit mit deutschem Namen angegeben.

Bei seinen Auftritten im Ausland – außer in arabischen Ländern neuerdings auch etwa in Spanien – begleitet Seyam häufig ein weiterer in Deutschland aktiver ägyptischer Salafist, der Berliner Imam Hossam El-Gabry. Im vergangenen Herbst war das Salafisten-Duo beim arabischen Satellitensender „Al-Khalijia“, den konservative saudische Kreise betreiben, zu Gast. Der ebenfalls aus Ägypten stammende Moderator interessierte sich für die Lage der islamischen Missionsbewegung in Deutschland. In vertrauter Gesprächsatmosphäre beklagten seine Gäste die negative Darstellung der Muslime in den deutschen Medien, die aus El-Gabrys Sicht wie generell im Westen „von den Juden beherrscht“ würden.

Seyam vertrat die Auffassung, man sollte deutsche Nichtmuslime weniger mit wissenschaftlichen Argumenten ansprechen, sondern sich vielmehr auf die Propagierung des islamischen Einheitsglaubens konzentrieren. Entschlossenheit sei gefragt, denn die Deutschen seien häufig infantil und ihre Charakterstruktur weise schwere Defizite auf: Schätzungen zufolge, so Seyam, litten einundvierzig Prozent der Deutschen an psychischen Störungen.

Beide Salafisten waren sich einig, dass sich die islamische Missionierung in Deutschland nach wie vor schwierig gestalte. Verleger Seyam klagte darüber, dass es noch immer an geeigneter islamischer Literatur auf Deutsch mangele, weshalb er nun mit Gesinnungsgenossen aus Ägypten zusammenarbeite; dort habe man mehr Erfahrung mit der Übertragung missionarischer Schriften in europäische Sprachen. Vor diesem Hintergrund darf die Verteilung von Gratisexemplaren des Korans, die kurz nach diesem Fernsehauftritt startete, als Versuch einer an sich überschaubaren Salafisten-Gruppe gewertet werden, sich im deutschsprachigen Raum mit einer spektakulären Aktion aus dem Schattendasein ins öffentliche Bewusstsein zu katapultieren.

Mit derartigen Unterfangen wird man in Zukunft wohl häufiger rechnen müssen, denn offenbar feuert das Erstarken der Islamisten in Ägypten den Eifer der deutsch-arabischen Missionare zusätzlich an. Wer nach einer Verbindung zwischen diesen beiden Gruppen sucht, wird schnell fündig. So ist der Ägypter Hossam El-Gabry Mitglied der Organisation „Europäisches Institut für islamische Angelegenheiten“, die ihren Sitz in Antwerpen hat. Auf ihrer offiziellen Facebook-Seite lächelt den Besucher ein mittlerweile weltweit bekannter bärtiger Mann freundlich an: Es ist der salafistische ägyptische Präsidentschaftskandidat Hazem Abu Ismail, für dessen Wahl hier geworben wird, auch wenn er seit kurzem nicht mehr kandidieren darf.

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Time am 26. April 2012

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1) http://www.n-tv.de/politik/Behoerden-erwarten-Streit-article6018581.html
2) http://www.muslim-markt-forum.de/t73f2-Syriens-Situation-hilft-der-Entwicklung-zur-Wahrheit.html

Gelebt werden

30. Juni 2011

Ferngesteuert auf dem Weg zurück zum Pfuhl: Joseph Kröterich

Totalitäres Denken z.B. der Kommunisten oder der Orks versucht nicht, die Welt zu verstehen, sondern es versucht, die Welt an die ideologischen Vorgaben anzupassen. Widersprüche werden nicht argumentativ erörtert, sondern gewaltsam aus dem Weg geräumt. Theorien gründen sich nicht auf Beobachtungen, sondern sie sind Setzungen, Parolen, die die territoriale Expansion stützen sollen. Hierfür ein paar Beispiele.

Auf YouTube kann man das Video eines Ork-Geleerten anschauen, in dem dieser über die Frage der mohammedanistisch korrekten Haarpflege doziert (1). Er macht gleich zu Anfang klar, dass diese Frage zwar klein aber keineswegs egal ist. Denn da sie von Allah persönlich geregelt sei, seien seine Festlegungen mit großem Ernst zu befolgen, da er ansonsten beleidigt sei. Allah sind die „little Things“ offenbar ebenso wichtig wie Alice Cooper (2, s.u.). Das Ork, das den Schwachsinn hochgeladen hat, hört auf den Namen „MuslimAlhamdullah“. Es hat Text zum Video gestellt (Unterstreichungen von mir, T.):

„…
Es ist für Männer Pflicht, den Bart wachsen zu lassen. Dies geht absolut eindeutig aus der Sunna hervor.

Auch die vier Rechtsschulen sagen ALLE, dass es verboten ist, den Bart zu rasieren oder unter eine Faustlänge zu kürzen.
In der Rechtsschule Abu Hanifas beispielsweise werden Zeugenaussagen und die Imamtätigkeit von Männern, die den Bart rasieren, nicht angenommen, weil das Rasieren des Bartes eine öffentlich begangene Sünde ist.


Einige Beweise aus der Sunna:

Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete: 
Der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: Zur Fitra (natürlichen Veranlagung) gehören fünf Dinge: Die Beschneidung, das Abrasieren der Schamhaare, das Schneiden der (Finger- und Fuß-) Nägel, das Auszupfen der Achselhaare und das Kurzschneiden des Schnurrbarts. (Muslim 377)
Ibn `Umar, Allahs Wohlgefallen auf beiden, berichtete: 
Der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: “Schneidet den Schnurrbart kurz und lasset den Bart frei wachsen” (Muslim 380)

Es gibt kein bestimmtes Alter, niemand kann sagen, er sei zu jung um einen Bart zu tragen.“

So schön glattrasiert im Intimbereich und dann noch ohne Vorhaut sind Orks sicher sehr gefragte Pornodarsteller. Aber bisher haben wir nur ein paar Rechtsschulen und Hadith-Überlieferer gehört. Gibt es weitere „Beweise“? Was sagt denn der Chef dazu?

Allah sagt im Quran:


Und sie sagen: ‚Wir glauben an Allah und an den Gesandten, und wir gehorchen.’ Hierauf aber wenden sich einige von ihnen ab. Und dies sind keine Gläubigen. [24:47] 
Und wenn sie zu Allah und Seinem Gesandten gerufen werden, damit er zwischen ihnen richte, siehe, dann wendet sich eine Gruppe von ihnen ab. [24:48] 
Doch wenn das Recht auf ihrer Seite ist, dann kommen sie zu ihm in aller Unterwürfigkeit gelaufen. [24:49] 
Ist Krankheit in ihren Herzen? Oder zweifeln sie, oder fürchten sie, dass Allah und Sein Gesandter ungerecht gegen sie sein würden? Nein, sie sind es selbst, die Unrecht begehen. [24:50] 
Doch die Rede der Gläubigen, wenn sie zu Allah und Seinem Gesandten gerufen werden, damit Er zwischen ihnen richten möge, ist nichts anderes als: ‚Wir hören und wir gehorchen.’ Und sie sind es, die Erfolg haben werden. [24:51]




(…)So mögen sich die, die sich seinem Befehl widersetzen, (davor) hüten, dass sie nicht Drangsal befalle oder eine schmerzliche Strafe treffe. [24:63]




“

O.k., o.k., ist ja gut. Aber wir sprachen über Haare, und es wurden „Beweise“ aus dem Kloran angekündigt, die eine bestimmte Barttracht festlegen sollten. In dem gebrachten Text aber werden Haare oder Körperpflege mit keinem Wort erwähnt. Die Methode MuslimAlhamdullahs ist also, etwas Bestimmtes zu behaupten und seine Richtigkeit dadurch zu „beweisen“, indem ein beliebiges Kloranzitat, das völlig aus dem Zusammenhang gerissen ist, angefügt wird. Die Methode lautet also pointiert so: Ich sage, wo es langgeht, und wenn du widersprichst, schlage ich dir die Zähne ein. Alla bin ich. Zur Abrundung schließt MuslimAlhamdullah konsequent wie folgt ab:

„Wenn wir wissen, dass ein Befehl von Allah kommt, dann werden wir geprüft: ob wir den Islam lieben und dem Befehl Allahs gehorchen, oder ob wir uns abwenden und unserem Ego gehorchen…
Möge Allah uns festigen und rechtleiten

Und Allah weiß es am besten“. Am besten von allen weiß es natürlich MuslimAlhamdullah.

Von den Orks wenden wir unseren Blick zu den Linken. In der heutigen FAZ durfte Joseph „Kröterich“ Croitoru mal wieder (3) einen antijüdischen Hetzartikel bringen.

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Brücke der Zwietracht

Baubeginn in Jerusalem, Angst vor Unruhen

Seitdem vor einigen Tagen die palästinensische Autonomiebehörde offiziell ihre Absicht bekräftigt hat, bei der Vollversammlung der Vereinten Nationen im September die Mitgliedschaft als Staat zu beantragen, steigt in Israel die Nervosität. Von hektischen Vorbereitungen auf Regierungsebene ist nun die Rede. Die Militärführung soll demnächst in einer Reihe von Krisensitzungen die Armee auf die schlimmsten Szenarien vorbereiten, wird doch bei der nun immer wahrscheinlicher werdenden Ausrufung eines Palästinenserstaates mit schweren Unruhen gerechnet.

Während das Militär Ausschreitungen verhindern will, beabsichtigen die israelische Polizei, der Inlandsgeheimdienst Schabak und der Stadtrat von Jerusalem im September dort solche gezielt zu provozieren.

(Oha, ein tiefer Spalt geht laut Kröte durch die israelische Gesellschaft, auf dessen einer Seite die IDF, auf dessen anderer jedoch eine feindliche Allianz aus Polizei, Geheimdienst und dem Stadtrat von Jerusalem steht? Das ist natürlich völlig unglaubwürdig, aber darum geht es auch gar nicht. Es geht darum, israelische Staatsinstitutionen als „gezielte“ Provokateure abzustempeln. Es geht um die Erfüllung ideologischer Vorgaben, die nicht logisch sondern vor allem laut sein müssen. Das ist exakt die Sprache des linken Nazis T. I. Steinberg, den ich Ihnen bereits mehrfach vorstellen musste (4). Lesen wir weiter um zu erfahren, wie raffiniert die „Provokateure“ ihren teuflischen Plan durchführen wollen, und wie der Kröterich davon erfuhr. T.)

Ihre Geheimwaffe heißt Maghrebiner-Brücke. Der rampenähnliche Bau aus osmanischer Zeit, der den Platz vor der Klagemauer mit dem kleinen Maghrebiner-Tor, einem der Zugänge zum Moschee-Areal auf dem Tempelberg, verbunden hatte, war 2004 nach schweren Schneefällen teilweise weggebrochen und musste anschließend aus Sicherheitsgründen abgerissen werden. Die Palästinenser, unterstützt von israelisch-arabischen Islamisten und Jordanien, hatten schon damals gegen den Abriss protestiert. Als die Israelis sogenannte Rettungsgrabungen in dem Bereich durchführten und eine provisorische Holzbrücke bauten, die nach Behördenangaben israelischen Polizisten weiterhin den freien Zugang zum Tempelberg sichern sollte, kam es zu noch heftigeren und zum Teil auch gewalttätigen Protesten – und Gegenprotesten.

(Was ich bis jetzt verstanden habe, ist, dass die Geheimwaffe in einer Brücke besteht. Diese war baufällig und musste abgerissen werden. Die Orks waren dagegen, sie wollten die Brücke also behalten. Als eine provisorische Brücke gebaut wurde, waren sie auch gegen diese, d.h., sie waren sowohl für als auch gegen eine Brücke und mussten deshalb gewalttätig werden. T.)

Rechte israelische Aktivisten, angeführt von gleichgesinnten Abgeordneten, demonstrierten an Ort und Stelle und pochten auf eine ungestörte Fortsetzung der Ausgrabungen. Als diese schließlich beendet waren, flammten die arabischen Proteste, nun auch von der damaligen palästinensischen Hamas-Regierung mit besonders kämpferischen Äußerungen angefeuert, wieder auf. Grund war diesmal die Ankündigung der Jerusalemer Stadtverwaltung, das Provisorium schon bald durch eine neue Brücke zu ersetzen.

(Die Pallies, die seinerzeit auf einer Brücke bestanden, dann aber die provisorische Brücke ablehnten, protestieren nun gegen die Errichtung einer dauerhaften Brücke: Hauptsache Protest, egal wofür oder wogegen! T.)

Der angekündigte Plan, eine Pfeilerbrücke zu errichten, stieß auch bei israelischen Archäologen auf heftige Kritik, deren Vorbehalte nicht nur denkmalpflegerischer, sondern auch ästhetischer Art waren.

All das liegt vier Jahre zurück. Das Bauprojekt war damals von dem israelisch-arabischen Wissenschaftsminister Ghaleb Madschadla, einem Muslim, aus Rücksicht auf Empfindlichkeiten der islamischen Seite gestoppt worden. Diese sah eine Verletzung des Status quo darin, dass trotz mehrmaliger Überarbeitung des Entwurfs – er sah zuletzt eine Hängebrücke vor – die israelischen Planer den Frauen vorbehaltenen Bereich vor der Klagemauer um die Fläche der einstigen Rampe vergrößern wollten. Das Projekt ist seitdem Gegenstand zäher Verhandlungen zwischen Israel, der palästinensischen Waqf-Behörde und Jordanien. Einzelheiten über die Gespräche, bei denen die Unesco als Vermittlerin fungierte, drangen nur selten an die Öffentlichkeit.

Offensichtlich lag allen Beteiligten daran, die Angelegenheit so diskret wie möglich zu behandeln. Dass, wie zuletzt 2008, die arabische Seite in der vergangenen Woche wieder bei der Unesco Protest gegen die israelischen Baupläne eingelegt hat, erfuhr die israelische Öffentlichkeit erst vorgestern. Die Israelis sehen sich vor allem von den Jordaniern hintergangen, mit denen, so Nimrod Barkan, Israels Vertreter bei der Unesco, man sich doch längst über die Einzelheiten des Baus geeinigt habe.

(Das wird so gelaufen sein wie immer mit den Orks, die am Morgen angeblich vergessen haben, was am Abend beschlossen wurde, die keinen Kompromiss kennen und nur mit 105% zufrieden sind, die sich nur von Waffengewalt gezwungen an Verträge halten. Irgendwann hat man es einfach satt, immer auf der gleichen Stelle an der Nase herumgeführt zu werden. T.)

Nun setzt man in Jerusalem auf Provokation. Mit dem jetzt überraschend für den kommenden September anberaumten Termin des Baubeginns ist offenbar die Intention verbunden, Unruhen zu provozieren, um so medial von der erwarteten Staatsausrufung der Palästinenser abzulenken. Dies sei, berichtete die Zeitung “Haaretz”, jüngst bei einer Sitzung im Büro des Polizeichefs von Jerusalem, Nisso Shaham, beschlossen worden, an der auch hochrangige Offiziere der Sicherheitskräfte teilnahmen. Und ihnen lag wohl besonders daran, dass die Öffentlichkeit über Einzelheiten dieser Gesprächsrunde unterrichtet wird.

(Kröte vertritt die These, dass antagonistische Kräfte in Israels Institutionen wirken, von denen die eine gezielt gewalttätige Unruhen hervorrufen will, um von der eventuellen Staatsausrufung der Pallies abzulenken.

Dann schildert er lang und breit die Geschichte der Brückenauseinandersetzung, die nur den Schluss zulässt, dass die Pallies durchdrehen, egal was die Juden tun. Wir erfahren, dass sie Schützenhilfe von israelischen Orkministern erhalten, was nicht als der Staatsverrat herausgestellt wird, der er ist. Wir erleben auf jüdischer Seite einen sehr langen Entscheidungsfindungsprozess, der von der Gegenseite nur mit Protesten oder Gewalt beantwortet wird. Wir erhalten alle Informationen, um zu dem Schluss zu kommen, dass, egal was passiert oder nicht passiert, von den Pallies nur Ablehnung kommen wird. Dennoch macht Kröte bei den Juden „gezielte Provokation“ aus – das ist die Maßgabe der Ideologie entgegen aller Realität.

Hey, in zwei Monaten fangen die jetzt endlich mit dem Bauvorhaben an. Die Orks können ja weiterschimpfen, aber wenn sie im Leben nichts anderes zu tun haben als Schimpfen, sollten sie wenigstens nicht denen, die etwas verbessern wollen, im Weg rumstehen!

Übrigens, was für eine komische Verschwörung, der daran liegt, dass Plan X und die angebliche „Geheimwaffe“ bereits Monate vorher in der ganzen Welt bekannt sind. T.)

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Ich habe noch einen für Sie! Auf der Deutschen-Hass-Seite „Aggro-Migrant“ sinniert „Querschläger“ über die „Salafisten“ (5). Er erteilt der von Bundesinnenmisnister Friedrich skizzierten „Sicherheitspartnerschaft“ (6) eine klare Absage:

„… Die Muslime auf den Islamkonferenzen zeigten sich bisher nicht großartig bereit, die sicherheitspolitische Paranoia mitzutragen, indem sie die in ihren Gebetsreihen befindlichen ‚Demokratiefeinde’, ‚Dschihadisten’, ‚Islamisten’, ‚Israelhasser’, ‚Homophoben’ und ‚Frauenunterdrücker’ freiwillig an die Sicherheitsbehörden verpfeifen. (…)“

Von den Westlern hat natürlich mal wieder keiner eine Ahnung, worum es wirklich geht, darum muss „Querschläger“ aufklären:

„Die Gruppe über die die ganze Zeit geredet wird heißt ‘Wahhabiten’ und nicht ‚Salafisten’, zu den letzteren gehören viele progressive Denker, die bei den Wahhabiten ebenfalls als ‚Kafir’ oder ‚Kuffar’ gelten. Sie bezeichnen sich zwar manchmal als Salafiten, doch sind die Wahhabiten eine Antisufibewegung, die sich Mitte des 19. Jahrhunderts in der arabischen Halbinsel etablierte. Sie pfeifen gerne auf die Tradition und die ‚Mezheps’ und wollen durch bloßes Hadithenlesen die originale Zeit  der ersten Generationen, sprich die ‚Salafs’, ausleben. Eine sehr primitive, aber bei gerade jungen Menschen beliebte Art. A bissel kompliziert, aber egal. (…)“

Das ist nicht nur ein „bissel“ kompliziert, sondern offenbar doch eher ziemlich. Zumindest die Super-Konvertitin „Meryemdeutschemuslima“, die tief in den schiitischen Hokuspokus eingestiegen zu sein vorgibt, schreibt (7):

„Es sind nicht nur die Salafiten/Wahabiten bei denen ich mich grusele – das sind die sog. „Hardliner“, sondern auch diejenigen, die alles so locker nehmen, dass sie ihren eigenen Islam zurechtbasteln und sich selber Fatwas geben (natürlich nennen sie das nicht so).“

Während Meryemdiegehirnamputierte also Salafiten und Wahabiten gleichsetzt, ist es „Querschlägers“ Intention, nur die Wahabiten als Gefahr stehenzulassen und die Salafiten reinzuwaschen. Aber im Grunde ist das auch eigentlich egal, denn die Umma ist, so „Querschläger“, eins und soll und wird eins bleiben. Man wird sich doch nicht von den fiesen Westlern auseinander dividieren lassen und „Brüder“ denunzieren. Seine terroristischen Brüder stehen ihm allemal näher als jeder Nicht-Ork:

In jedem Fall wird hier versucht die Muslime gegeneinander auszuspielen. Doch Vorsicht: Seit Jahren drischt man auf die IGMG (Milli Görüs, T.) ein, davor die IGD, neuerdings auch die Grauen Wölfe (was für ein Witz), jetzt sind die Salafisten dran, als nächstes werden die ‚Süleymancis’ und die ‚Gülen-Gruppierung’ zu ‚Staatsfeinden’ erklärt, bis keiner mehr mit ihnen zusammenarbeiten will. (Warum sollte man? T.)

Was fragte mich doch glatt meine Frau gestern während der Autofahrt als die Berichterstattung im WDR 5 mit vermeintlichen Experten lief:  ‚Würdest Du ab jetzt mit Wahhabiten zusammenarbeiten wollen?’… Ich: ‚Soll ich mir jetzt vorschreiben lassen, mit wem ich reden darf?’. Ich rede mit jedem, auch wenn ich dessen Gedanken im Leben nicht gutheiße. Denn wie krumm sie auch denken mögen, sie gehören zu mir.“

Hier erklärt das Ork seine tiefe Feindschaft zur freien, offenen Gesellschaft des Westens und zeigt die unlösbare, reflexhafte Bindung seines Denkens an die totalitäre Ideologie. Orks und Linke leben nicht – sie werden gelebt.

Q.E.D.

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Time am 30. Juni 2011

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1) http://www.youtube.com/watch?v=KN9YXbHCNX8&feature=related
2) http://www.youtube.com/watch?v=spg0naoM7jw
3) http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/06/18/joseph-kroterich/
4) http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/06/28/the-party-is-over/
5) http://www.aggromigrant.com/2011/06/27/vorsicht-salafisten/
6) http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/06/25/zur-gewalt-verpflichtet/
7) http://meryemdeutschemuslima.wordpress.com/2011/06/26/geht-echter-dialog/

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PS, Soundtrack „It’s the little things“ von Alice Cooper unter:
http://www.youtube.com/watch?v=spg0naoM7jw

Hier der Text:

It’s the little Things 

You can burn my house
You can cut my hair
You can make me wrestle naked
With a grizzly bear

You can poison my cat
Baby I don‘t care
But if you talk in the movies
I‘ll kill you right there

It‘s the little things
It‘s just the little things
Aw it‘s the little things
It‘s just the little things
Yeah it‘s the little things
That drive me wild

I‘m like a mad dog
I‘m on a short leash
I‘m on a tight rope
Hanging by a thread

I‘m on some thin ice
You push me too far
Welcome to my nightmare
No more Mr. Nice Guy

You can steal my car
And drive it into the lake
You can stick me in the oven
And put it on bake

You could throw a big brick
Through my window pane
But if I ever hear you ask me
How I got my name

It‘s the little things
It‘s just the little things
Aw it‘s the little things
It‘s just the little things
Yeah it‘s the little things
That drive me wild

I‘m like a mad dog
I‘m on a short leash
I‘m on a tight rope
Hanging by a thread

I‘m on some thin ice
You push me too far
Welcome to my nightmare
No more Mr. Nice Guy

I‘ve done it all
I mean I been everywhere
I‘ve been beaten
I been stabbed
I been hung
I been burried alive
And I can deal with that
But its the little things

It‘s the little things
It‘s just the little things
Yeah it‘s the little things
Just the little things
Aw just the little things
That drive me wild

I‘m like a mad dog
I‘m on a short leash
I‘m on a tight rope
Hanging by a thread

I‘m on some thin ice
You push me too far
I‘m just a psycho
Pathic psycho pathic

I‘m like a mad dog
I‘m on a short leash
I‘m on a tight rope
Hanging by a thread

I‘m on some thin ice
You push me too far
Welcome to my nightmare
No more Mr. Nice Guy

It‘s the little things
Aw it‘s the little things
It‘s just the little things

Isolation verblödet

20. Juni 2011

Joseph Kröterich (1) zeichnet sich nicht nur durch seinen fanatischen Judenhass aus, er ist auch ein großer Freund der Sunniten, weshalb von ihm relativ zuverlässige Texte über die Schiiten und Naziran zu erwarten sind.

In der heutigen FAZ berichtet er von den Anstrengungen des Terrorregimes, ein „Halal-Internet“ im Land zu installieren. Die Vorstellung eines extrem eingeschränkten, mohammedanistischen Rechnernetzwerkes sind ungefähr so sinnvoll, wie einen Säugling bis zum Schulalter in Isolation zu halten. Jeder weiß, dass sich grade bis zum Alter von drei Jahren die Synapsen im kindlichen Gehirn in dem Maße verknüpfen, wie es verarbeitbaren aber vielfältigen Reizen ausgesetzt wird, und dass es sich ohne Reize nicht entwickeln kann.

Aber die Orks setzen, debil wie sie sind, auf die immer gleiche gewalttätige Methode, die sie seit 1.400 Jahren in den Kloaken unseres wunderschönen Planeten vegetieren lässt. Heraus kommt dann maximal so etwas wie auf dem unten stehenden Bild, ein Ein-Mann-Flugzeug, das fliegen UND schwimmen kann („Boah, ey!“), vom Regime als Wunderwaffe 2.0 verkauft wird aber aussieht wie ein Ringelpietz abgesoffener Trabbies.

Mir wäre so etwas sehr, sehr peinlich, aber ich bin ja auch kein Ork. Ich bin allerdings auch nicht der Meinung, dass Völker und Nationen Eigentum oder Geiseln von Verbrecherbanden sein können sollten.

Das saubere Internet

Irans Regime will das Land offline stellen

Die iranische Regierung macht Ernst damit, ein “sauberes” Internet zu errichten. Dafür will die unlängst gegründete, den Basidsch-Verbänden unterstellte “Organisation für Information und Technologie” ihrem Chef Said Farjian-Zadeh zufolge achttausend Ingenieure einsetzen. Sie sollen das Vorhaben zusammen mit dem staatlichen Telekommunikationsministerium umsetzen.

Die Basidsch, vom jetzigen Regime zu einer schätzungsweise vier Millionen Mitglieder umfassenden ideologischen wie paramilitärischen Stoßtruppe ausgebaut, wollen damit nicht zuletzt ihre gefestigte Stellung auch innerhalb des Ingenieurwesens demonstrieren. Neben Studenten, Universitätsdozenten, Ärzten und Anwälten ist dies eine der Gesellschaftsgruppen, die die Herrscherclique um Mahmud Ahmadineschad – der Präsident ist selbst Bauingenieur – an sich binden will.

Der Plan des Telekommunikationsministeriums sieht eine schrittweise “Säuberung” des iranischen Netzes von “gefährlichen” Elementen vor. Begründet wird dies mit den neuen Gefahren, die dem Land aus dem Internet drohten. Verwiesen wird in Teheran zwar auf den Angriff des Computerwurms Stuxnet. Allerdings nur, um die von ihm verursachten Schäden herunterzuspielen und den Fall propagandistisch auszuschlachten. Das geschieht nicht ganz widerspruchsfrei: Die gescheiterte “amerikanisch-zionistische” Stuxnet-Attacke sei ein Segen gewesen, weil sie neue Gefahren offenbart habe.

Mit dem “Halal-Netzwerk”, bei dessen Schaffung die Initiatoren gern argumentieren, es gelte islamische Moral und Sitten zu wahren, soll offenbar den Oppositionellen der Zugang zum Internet unmöglich gemacht werden. Aufnahmen protestierender demokratischer Aktivisten, wie sie im Netz kursieren, könnten bald der Vergangenheit angehören, zumal der Plan in seiner ersten Phase die Trennung zwischen “sauberem” und “nichtsauberem” Internet vorsieht. Es soll ein landesweites, nach außen abgeschottetes Netzwerk eingerichtet werden, Zugangsmöglichkeiten zum Internet soll es künftig nur für staatliche Behörden, Banken und ausgewählte Firmen geben. Das Konzept des “Halal-Netzwerks” will das Regime schließlich in die islamische Welt exportieren, etwa nach Malaysia. Die Ankündigung der amerikanischen Regierung, demokratischen Kräften in der Region Schattennetzwerke für Internet und Mobiltelefonie zur Verfügung zu stellen, kommt dem Regime in Teheran gerade recht. Der Sprecher des Außenministeriums, Ramin Mehmanparast, wertet sie als Beginn eines “Cyber-Kriegs”. Selbstbewusst verkündete er, man verfüge über bestes Knowhow im IT-Bereich und werde diesen Krieg mühelos gewinnen.

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Time am 20. Juni 2011

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1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/06/18/joseph-kroterich/

Joseph Kröterich

18. Juni 2011

Den Panik-Paddel Pahners sind die geneigten Leser der FAZ nun zwar demnächst endlich los (1), im Biotop des Feuilletons von Deutschlands bester Zeitung tummelt sich aber immer noch ein ziemlich garstiges Ungetüm: Der Judenhasser Joseph „Kröterich“ Croitoru. Immer wenn aus dem Pfuhl übelriechende Blasen aufsteigen, steht sein Auftauchen kurz bevor, und heute hatte er wieder die Gelegenheit, seinen pro-palarabischen Schleim auszuwälzen.

Das Schöne an Kröterichs Texten ist, dass man einfach nur straight alles umdrehen muss, so wie das meist bei Äußerungen der Orks notwendig ist, und dann hat man ein einigermaßen passables Ergebnis.

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Sie haben angegriffen, sie haben verloren

Mit immer schärferen Worten und kruderen Thesen leugnet Israels Rechte das Leid, das die Palästinenser erlitten haben. Jetzt kursiert eine Kampfschrift, die im Land gleichermaßen für Begeisterung  und Entsetzen sorgt.

Das Wort „Nakba“, mit dem die Palästinenser ihre Vertreibung aus dem früheren britischen Mandatsgebiet nach der Gründung des Staates Israel 1948 bezeichnen, dürfte in den nächsten Monaten immer stärker in die Schlagzeilen geraten, je näher der für September angekündigte Termin für die Ausrufung eines Palästinenserstaates rückt. In Israel steigt schon seit Wochen die Spannung, dramatisierend sprach jüngst Ministerpräsident Netanjahu von einem drohenden „Tsunami“. Gestern drohte der israelische Außenminister Avigdor Lieberman in Jerusalem in einem Gespräch mit der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton, im Falle der Proklamierung eines palästinensischen Staates würde sich Israel nicht mehr an die Osloer Friedensverträge gebunden sehen. Auch publizistisch macht Israels Rechte gegen die palästinensische Seite mobil. Aus ihren Kreisen ist unlängst eine aufsehenerregende Kampfschrift in Umlauf gebracht worden, die verspricht, die palästinensische Katastrophe von 1948 als boshafte Erfindung der Palästinenser zu entlarven. Entsprechend lautet denn auch ihr programmatischer Titel „Nakba kharta“ (Nakba-Bluff). Mit dem siebzig Seiten umfassenden „Büchlein, das um die Wahrheit kämpf“ – so der Untertitel – wollen die Autoren Ariel Segal und Erez Tadmor dafür sorgen, dass die palästinensische „Nakba-Lüge“ nicht weiter Verbreitung finde. Auch sie machen von der Tsunami-Metapher in diesem Zusammenhang gern Gebrauch.

Tadmor und Segal sind angesehene Kolumnisten der konservativen, aber nicht radikalen Tageszeitung “Maariv”. Tadmor ist einer der Wortführer der rechten außerparlamentarischen Bewegung “Im Tirzu”. Ihr Name bedeutet auf Hebräisch “Wenn ihr wollt” und bezieht sich auf den Ausspruch Theodor Herzls, “Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen”; gemeint war damit der Judenstaat. Die Organisation hatte in den vergangenen Jahren immer wieder mit lautstarken Angriffen auf linksorientierte israelische Universitätsdozenten die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, denen sie vorwarf, propalästinensische und antizionistische Positionen zu vertreten. Zuletzt beschuldigte sie israelische Menschenrechtsorganisationen, das Ergebnis des Goldstone-Berichts der Vereinten Nationen über den Gaza-Krieg durch tendenziöse Angaben negativ beeinflusst zu haben, und forderte vom Staat Konsequenzen. Tatsächlich haben derartige Kampagnen von “Im Tirzu” wiederholt bis ins israelische Parlament gewirkt. Sein Erziehungsausschuss setzte die Vorwürfe gegen die Hochschullehrer auf die Tagesordnung.

Das Pamphlet “Nakba kharta” erschien Mitte Mai im Rahmen einer koordinierten Aktion, die sich als Gegenveranstaltung zu den palästinensischen Nakba-Demonstrationen verstand. Ein die Kampagne begleitendes Poster zeigt eine mit einem Palästinensertuch vermummte finstere Gestalt. Sie trägt ein Stirnband, auf dem “Nakba kharta” prangt. Der darunter plazierte Text fasst schlagwortartig einige der Hauptthesen dieses Machwerks zusammen: “Sie (die arabischen Staaten und die Palästinenser) haben angegriffen. Sie sind selbst gegangen. Sie haben vertrieben. Sie haben verloren.” Mit solchen Parolen erklären die Autoren die “zionistische” Geschichtsversion vom israelisch-arabischen Krieg von 1948 zur ultimativen historischen Wahrheit, die die angebliche Fiktion und Propaganda der Gegenseite nun endlich aus der Welt schaffen soll.

Ihre Argumentation sieht die Israelis ausschließlich als Opfer arabischer Aggression und Manipulation: Mit dem “Nakba-Mythos” täuschten die arabischen Täter immer dreister vor, Opfer zu sein. Die israelischen Soldaten, die ihr Volk damals vor einem Massaker durch die Araber bewahrt hätten, habe man zu Kriegsverbrechern gestempelt und “Blutlegenden” in Umlauf gebracht, denen zufolge Israel das Verbrechen einer ethnischen Säuberung begangen habe. Die patriotischen Gefühle der Leser werden in der Einleitung mobilisiert: Sie sollen sich gleichsam als “Soldaten” im publizistischen Kampf um den Fortbestand des jüdischen Staates engagieren.

Was nun folgt, ist reine Geschichtsklitterung, wie man sie bislang selbst von Israels konservativsten Historikern nicht gekannt hat. Wie von Letzteren wird auch hier das Ziel verfolgt, die Israelis von jeder Verantwortung für das Schicksal der Palästinenser zu entlasten. So wird die längst bewiesene These, dass 1948 auch gezielte Vertreibungen der palästinensischen Bevölkerung stattfanden, als eine Lüge diffamiert und die systematische Zerstörung palästinensischer Ortschaften ignoriert. Stattdessen verweist ein ganzes Kapitel darauf, dass die arabischen Staaten diejenigen waren, die zum Mittel der Vertreibung gegriffen und ihre jüdischen Bürger ausgewiesen hätten. Den als grausam und dumm abqualifizierten Arabern unterstellen die Verfasser Vernichtungsabsichten und stilisieren den palästinensischen Großmufti Hadsch Amin al-Husseini, einen Verbündeten der Nationalsozialisten, gar zu einem wichtigen Akteur bei der Judenvernichtung. Die Araber, wird gebetsmühlenartig wiederholt, hätten den Krieg begonnen, sich dabei überschätzt und ihn deshalb verloren. Für seine Folgen trügen allein sie die Verantwortung.

Während das Pamphlet in rechten Kreisen begeistert aufgenommen wird, hat die linksliberale Zeitung “Haaretz” Ende Mai die Kriegsereignisse in Haifa auch unter Einbeziehung jüdischer und palästinensischer Zeitzeugen nachrecherchiert. Tatsächlich bombardierte die jüdische Hagana – sie hatte in der Nacht zum 22. April 1948 schon fast die gesamte Stadt erobert – damals gezielt den städtischen Marktplatz, auf dem sich gerade zahlreiche palästinensische Zivilisten versammelt hatten, um über ihre Lage zu beraten. Die jüdischen Kampfeinheiten feuerten in jenen Stunden praktisch auf alles, das sich im arabischen Stadtteil bewegte. Unter den zahlreichen Todesopfern waren vor allem Kinder und Frauen. Verzweifelt suchten viele Palästinenser Zuflucht auf dem Hafengelände, das noch unter britischer Kontrolle stand. So gelang einem Teil von ihnen auf dem Seeweg die Flucht in den Libanon.

Allein im Internet meldeten sich auf den “Haaretz”-Beitrag vierhundert meist wütende Leser zu Wort, von denen nicht wenige bedauerten, dass man damals nicht alle Palästinenser aus dem Land gejagt hatte. Von rechter Seite muss auf die Zeitung massiver Druck ausgeübt worden sein, denn nur wenige Tage später veröffentlichte sie einen Artikel mit dem Titel “Die jüdische Nakba”. Darin warb nun Zvi Gabai, früherer Botschafter und Vize-Direktor des israelischen Außenministeriums, für die These, dass die Juden in den arabischen Ländern eine noch weit größere Katastrophe erlitten hätten als die Palästinenser durch die Israelis. Von ihrer Nakba rede die ganze Welt, während die der arabischen Juden weiterhin vergessen bleibe.

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Dr. Gudrun Eussner hat für „hagalil“ exzellente Texte zum Thema verfasst (2). Bei ihnen kann man sich natürlich die Mühe des „gegenteiligen Lesens“ sparen.

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Time am 18. Juni 2011

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1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/06/16/flucht-nach-new-york/
2) http://www.zionismus.info/antizionismus/arabisch.htm

Die Naziran-Krake

29. April 2011

Dass der Counterjihad an Boden gewinnt, ist nicht zuletzt daran zu sehen, dass ein FAZ-Redakteur nach dem anderen beginnt, in seine Richtung zu tendieren. Heute beschuldigte Joseph Croitoru die iranischen Machthaber, das syrische, alevitische Minderheitenregime zu unterstützen.

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Heimliche Helfer

Hinweise auf iranische  Unterstützung für Syrien

Die Zeichen mehren sich, dass das Assad-Regime in Syrien, dessen Ende die Oppositionsbewegung am heutigen Freitag in zahlreichen angekündigten Demonstrationen wieder fordern wird, zunehmend in Bedrängnis gerät. Das Land ist der arabische Schlüsselverbündete von Iran, also würde Assads Sturz auch die persische Demokratiebewegung stärken. Aber genau dieses Szenario will man in Damaskus wie in Teheran um jeden Preis verhindern. Deshalb gilt es jetzt offenbar, bei der Unterdrückung der Proteste möglichst viel voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen.

In den letzten Tagen häuften sich die Hinweise darauf, dass sich Assad die Erfahrungen seines Bündnispartners Iran zunutze macht und er bei der Zerschlagung der Demonstrationen womöglich direkte Hilfe aus Teheran bekommt. So führt derzeit das syrische Staatsfernsehen wiederholt geständige “Terroristen” vor, die angeblich Anschläge auf Angehörige der Sicherheitskräfte verübt haben. Derartige Inszenierungen, über die die syrische Regierungspresse dann ausführlich berichtet, sind vor allem aus dem iranischen Fernsehen bekannt. Festgenommene demokratische Aktivisten wurden dort nach größeren Protestwellen dem Volk als reuige Verschwörer präsentiert.

In der syrischen Version lässt man die Geständigen sagen, sie seien von einem radikalislamischen “Scheich” zum Dschihad gegen das Regime mobilisiert worden. Als Mitverschwörer und Drahtzieher werden aber nicht nur religiöse “Extremisten” angeführt, sondern den Aussagen der Verhafteten zufolge sollen an den subversiven Aktionen auch nicht näher bezeichnete “Intellektuelle” beteiligt gewesen sein, womit man diese Gruppe ebenfalls pauschal zu Staatsfeinden erklärt.

Wie es zu solchen Geständnissen kommen kann, schilderte jüngst ein anonymer Teilnehmer des oppositionellen arabischsprachigen Internetforums “Shababsyria” (Syriens Jugend). Geheimpolizisten hätten ihn ohne Vorwarnung am Arbeitsplatz aufgegriffen und verhaftet. Er habe dann mehrere Tage in verschiedenen Gefängnissen zugebracht, wo Offiziere der Staatssicherheit auch unter Anwendung verschiedener Foltermethoden versucht hätten, ein Geständnis aus ihm herauszupressen. Er sollte zugeben, dass er islamischer Terrorist sei; an zweiter und dritter Stelle stand die Option, amerikanischer oder zionistischer Spion zu sein. Nach eigenem Bekunden leistete der wiederholt Gefolterte konsequent Widerstand und wurde schließlich entlassen. Ihm war während seiner Tortur etwas aufgefallen, was besonderen Mitteilungswert hat: Unter den Folterknechten hätten sich einige befunden, die mit libanesischem und iranischem Akzent sprachen. Man darf hier Hilfskräfte aus den Reihen der proiranischen libanesischen Hizbullah und aus der berüchtigten Gefängniswelt von Iran vermuten.

Dass das syrische Regime bei den Repressionen gegen die Demokratiebewegung Handlanger aus dem Libanon und Iran einsetzt, dafür spricht auch die jüngste Protesterklärung syrischer Studenten der Universität Damaskus. Wo immer einheimische Studenten sich versammelten, da seien bald auch libanesische und iranische Kommilitonen zur Stelle, die den Demonstrierenden handgreiflich begegneten. Die syrischen Studenten, die auf freie Meinungsäußerung pochen, sind davon überzeugt, dass es sich bei den gewalttätigen libanesischen Hochschülern um Anhänger der schiitischen Hizbullah handelt.

Ähnliches wird mittlerweile über die Zerschlagung der landesweiten Protestkundgebungen berichtet. Laut Augenzeugenberichten werden die Sicherheitskräfte bei ihrem gewaltsamen Vorgehen immer wieder von iranischen Helfern unterstützt. Auf den Internetseiten der Opposition, etwa “Syrianrevolution”, hat man dafür eine plausible Erklärung: Weil sich syrische Soldaten weigerten, auf demonstrierende Landsleute zu schießen, übertrage das Regime diese Aufgabe zunehmend der iranischen Verstärkung, die weniger Hemmungen habe. Bestätigen lassen sich solche Berichte, mit denen die Aktivisten das Verhalten der Regierung als skrupellos und verräterisch entlarven wollen, allerdings nicht. Auffälligerweise begannen solche Beobachtungen zu kursieren, als die amerikanische Regierung verlauten ließ, ihr lägen konkrete – wenn auch nicht weiter spezifizierte – Beweise für eine aktive Einmischung von Iran in Syrien vor. Auch sollte man den triumphierenden Unterton, der in den Meldungen über Hilfsdienste der Iraner mitschwingt, nicht übersehen – wird doch als Grund für diese Maßnahme gern suggeriert, dass immer häufiger syrische Sicherheitsleute Befehle aus moralischen Gründen verweigern.

Fest steht, dass die syrischen Machthaber, anders als die iranischen, kaum auf das Szenario geographisch breitgestreuter Massendemonstrationen vorbereitet waren. Mit dem verstärkten Einsatz von Panzereinheiten versucht man nun wohl die unzureichenden Kapazitäten der eigenen Schlägertrupps zu kompensieren. Dass Assad dabei auf die Hilfe der damit sehr erfahrenen iranischen Basidsch zurückgreift, ist allemal plausibel.

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Time am 29. April 2011 

Festung für den Fortschritt

20. Februar 2011

Die Festung Marienberg in Würzburg (1) wurde erfolglos von den aufständischen Bauern berannt, fiel aber im 30-jährigen Krieg für einige Zeit den Schweden in die Hände.

Alard von Kittlitz liefert der FAZ m.E. durchweg ausgezeichnete Artikel. Heute brachte die Zeitung einen Kommentar von ihm, der sich mit der Flüchtlingsproblematik auseinandersetzt.

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Festung Europa

Die 5000 Tunesier, die vergangene Woche auf Lampedusa anlangten, bilden womöglich nur den Anfang eines Flüchtlingsstroms, der noch anschwellen wird. Und zwar gerade dann, wenn in Nordafrika eintritt, was wir uns wünschen: eine Demokratisierung, ein Aufschwung der Freiheit. Sogleich forderte in Deutschland ein selbsternannter Polizeisprecher, Europa müsse zur Festung werden. Wer will so etwas? Eine stacheldrahtumzäunte Enklave, in der wir fein leben, während die Armen draußen verhungern? Ganz einfach: Das will niemand. Aber tatsächlich leben wir längst in einem solchen Europa, hinter Mauern, Küsten, Stacheldrahtrollen gegen einen Strom von Armen, die zu uns wollen. Nur identifizieren wollen wir uns nicht damit. Wir wollen nicht nur reich sein, sondern auch gut.

Die Europäer sind reich. Fast alle anderen sind ärmer, teilweise sehr viel ärmer als die Tunesier, die nach Italien geflohen sind, weil sie dort auf ein besseres Leben hoffen. Wie gehen wir damit um? Christus sagt dem reichen Jüngling: Wenn du in den Himmel willst, dann verkauf deinen Besitz und verteil das Geld an die Armen. Der Jüngling geht traurig davon, und auch die Umstehenden sagen erschrocken: Dann wird ja keiner selig.

Seligkeit gibt es nicht in der Politik. Es gibt Wünsche, und es gibt Möglichkeiten. Hurra, freie Tunesier, kommt her, ihr seid arm, wir sind reich, jetzt teilen wir? In Wirklichkeit will das keiner – jedenfalls keiner auf der Geberseite. Die wahren Grenzen unserer Hilfsbereitschaft sprach der Innenminister aus, als er sich gegen die Aufnahme tunesischer Flüchtlinge wandte. “Wir können nicht alle sozialen Probleme dieser Welt lösen”, sagte de Maizière. Diese Haltung der Union nannte Claudia Roth von den Grünen “zynisch und heuchlerisch” – die Sympathie mit den Tunesiern, die ihren Diktator gestürzt haben, sei nicht echt. Doch mit welchem Recht wollen wir Tunesier hereinlassen und Somalier draußen halten?

Europa ist wie Lampedusa. Es leben, gemessen an der Weltbevölkerung, nur wenige Menschen hier – aber so viel besser als so viele andere. Das liegt auch daran, dass wir, wie der reiche Jüngling, unseren Reichtum behalten haben, statt ihn auszuschütten. Wir geben im Rahmen unserer Möglichkeiten, aber wir wollen natürlich selbst nicht arm werden dabei. Manchmal lassen wir Einwanderer herein, auch deswegen, weil hier zu wenige Kinder geboren werden. Weil wir das Recht politisch Verfolgter auf Asyl anerkennen. Oder weil wir in besonderen Fällen – Kosovo-Flüchtlinge – gezielt helfen wollen.

Aber für die Armutsflüchtlinge dieser Welt sind unsere Grenzen dicht. Mit diesem Konflikt müssen wir leben. Es geht nämlich nicht darum, wie man die Seligkeit erlangt oder wie man es schafft, sich besser zu fühlen, sondern darum, wie man mit konkreten Problemen umgeht, welche Mittel man dazu hat und wie weit die reichen. Und dazu gehört auch die Einsicht, dass Probleme sich nicht umso leichter lösen lassen, je schwerer sie wiegen, sondern dass es in der Regel umgekehrt ist.

Es versuchen mittlerweile vier von fünf Flüchtlingen aus Nordafrika, über die griechisch-türkische Grenze nach Europa zu gelangen. Allein im letzten Jahr hat sich die Zahl der auf diesem Landweg ankommenden Menschen fast vervierfacht, etwa 30.000 sind gekommen, nicht nur aus Nordafrika, auch aus Afghanistan und anderen Ländern. Die Folgen sind bekannt. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat die Zustände in den Aufnahmestellen erst im Januar als “erniedrigend und unmenschlich” bezeichnet. Die griechischen Behörden sind derart überlastet, dass viele, die tatsächlich verfolgt werden und ein Recht auf Asyl haben, nicht einmal ein vernünftiges Verfahren bekommen. Jedes Jahr ertrinken viele Flüchtlinge bei dem Versuch, an der Küstenwache vorbei zu uns zu gelangen, und es gibt Geschichten von Menschen, die Gaddafi in Frachtcontainern nach Sudan geschickt hat, weil er die Bitte der Europäer um Hilfe beim Flüchtlingsproblem so interpretiert.

Das ist die Wirklichkeit der Festung Europa, es ist nicht richtig, sie zu ignorieren; und ebenso wenig ist es richtig, so zu tun, als hätten wir die Macht, das wirklich grundlegend zu ändern. Mit viel Geld könnte man die Situation womöglich erträglicher machen: Flüchtlingsunterkünfte wie Abfangmethoden humaner gestalten, den Ankömmlingen echte Asylverfahren ermöglichen. Wer sich die Menschenrechte auf die Fahnen geschrieben hat, darf nicht anders handeln. Aber die Tore öffnen, das können wir nicht.

Denn grundsätzlich müssen die Probleme dort gelöst werden, wo sie entstehen. Fehlender Wohlstand, fehlendes Recht: Dieses Elend muss an der Wurzel bekämpft werden. Außenminister Westerwelle hat vorgeschlagen, europäische Hilfsleistungen – sie belaufen sich für Nordafrika jedes Jahr auf Milliarden – künftig stärker an echte Reformen in den Empfängerländern zu knüpfen. Das ist der vernünftigste Ansatz.

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Wenn Kittlitz schreibt: „Das liegt auch daran, dass wir, wie der reiche Jüngling, unseren Reichtum behalten haben, statt ihn auszuschütten. Wir geben im Rahmen unserer Möglichkeiten, aber wir wollen natürlich selbst nicht arm werden dabei“, so stimme ich ihm zu. Ich möchte aber aus christlicher Perspektive, die Herr Kittlitz mit der Geschichte vom reichen Jüngling (Matth. 19,16ff.) anspricht, betonen, dass es m.E. schon unsere wesentliche Aufgabe ist, uns dafür einzusetzen, dass jeder Mensch auf Erden in Wohlstand und Freiheit leben kann.

Dass wir aber unseren „Reichtum behalten haben statt ihn auszuschütten“ ist eine Metapher für einen wesentlichen Aspekt westlicher Philosophie im Gegensatz zur mohammedanistischen, nämlich den der Bewahrung und Entwicklung. Dieser Gedanke wird durch das Gleichnis der „Anvertrauten Zentner“ (Matth. 25,14f.) sehr stark pointiert, in welchem die Diener, die das anvertraute Silber vermehrten, die Hochachtung ihres Herren gewinnen.

Dass wir global gesehen so gut dastehen, ist also m.E. ein Resultat der Qualität unserer Ideen, Philosophien und Religion. Als Atheist wird man vielleicht betonen, wie sehr wir uns dies erarbeitet bzw. auch unter großen Opfern erkämpft haben, als Christ wird man es vielleicht eher als das Geschenk des gütigen Jahwe sehen. Das ist jedoch nicht so wesentlich wie die extreme Differenz der Gesamtheit unserer Vorstellungen zu denen der Orks und die Tatsache, dass wir immer stärker unter Druck geraten.

Einerlei ob Resultat einer gesellschaftlichen Entwicklung, philosophischer Forschung oder Geschenk Gottes, unsere Position verpflichtet uns, unsere Stellung zu verteidigen und auszubauen. Kittlitz meint, es ginge darum „…wie man mit konkreten Problemen umgeht, welche Mittel man dazu hat und wie weit die reichen“, und diese Sicht teile ich. Ziel ist wohl das Glück der ganzen Menschheit, aber dies kann nicht dadurch gefördert werden, indem man die Festung Europa an die Barbaren gibt. Die Tore der Festung verschlossen zu halten und dadurch ihren Fortbestand zu sichern, ist nicht “zynisch und heuchlerisch”, wie Claudia „Bullfrog“ Roth blökt, es ist vielmehr unsere Pflicht im Interesse der Weiterentwicklung der gesamten Menschheit, ihres Wohlstands, ihres Wissens und ihrer Freiheit.

Von der orkischen Welt dürfen wir in Bezug auf dieses Projekt nichts erhoffen. Überall soll es dort immer noch mohammedanistischer werden, was bedeutet schariatischer bzw. barbarischer. Der Nazismus hatte 12 Jahre, der Kommunismus 70. Der Mohammedanismus hat 1400 Jahre lang Zeit gehabt, irgendetwas zu entwickeln, was den Menschen dient und sie glücklicher macht. Dies ist bisher nicht geschehen und es wird nicht geschehen. Er ist ein einziges Unglück. Ich meine den „realen Mohammedanismus“, nicht jenen aus der Fantasie weltfremder, bekiffter Redakteure (2).

Lesen sie diesbezüglich nun einen Artikel des nüchternen  Joseph Croitoru aus der FAZ vom 17. Februar.

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Islamischer sollen sie werden

Ägyptens erster Verfassungsreformer könnte den Weg
der arabischen Länder weisen

Der Freiheitswunsch der Ägypter muss, ehe er in demokratische Tagespolitik umgesetzt werden kann, in einer neuen Verfassung festgeschrieben werden. Bildet sich bei den Ägyptern ein neues Selbstbewusstsein, so ist damit zu rechnen, dass eine eigene Version von Demokratie angestrebt wird, bei der der Westen lediglich als eine der Inspirationsquellen dienen würde – die weit wichtigere wird wohl die islamische Tradition sein.

Darauf deutet jetzt der Beschluss des Obersten Militärrats, den pensionierten Richter Tariq al Bishri zum Vorsitzenden des achtköpfigen Ausschusses für die Überarbeitung der Verfassung zu ernennen. Es ist eine Wertentscheidung mit Signalwirkung, die nicht nur die Richtung der Verfassungsdebatte andeutet, sondern womöglich auch ähnliche Diskussionen in anderen arabischen Ländern beeinflussen könnte. Denn der siebenundsiebzigjährige Jurist, Rechtsphilosoph und Historiker al Bishri ist nicht nur als Streiter für die Unabhängigkeit der Justiz und als jemand bekannt, der schon 2004 seine Landsleute aufforderte, mit zivilem Ungehorsam gegen die Zustände im Land zu kämpfen. Als Rechtsphilosoph, der über zwanzig Bücher veröffentlicht hat, genießt er in der arabischen Welt auch als Denker einer angestrebten staatsrechtlichen Synthese von Demokratie und Islam Ansehen.

Im vergangenen November betonte er etwa gegenüber dem islamistischen Portal “islammemo” die Notwendigkeit, die ägyptische Rechtsprechung zwar weiterhin im demokratischen Rahmen, aber noch stärker im Sinne eines islamischen Rechtsdenkens zu formulieren. Er ist, wie andere Vertreter der reformistischen islamisch-modernen Rechtsschule, der Auffassung, dass schon in der älteren Geschichte des Islam demokratische Ansätze zu finden sind. Damit steht er für eine Sicht der Dinge, die auch unter Islamisten verbreitet ist und die dazu tendiert, manche Aspekte der islamischen Staatsgeschichte zu idealisieren. So habe, meint al Bishri, lange bevor im Westen Religionsfreiheit zur rechtlichen Norm wurde, der Kalifen-Staat auch Nichtmuslimen die freie Ausübung ihrer Religion gestattet – dabei lässt der frühere Richter allerdings die systematische Diskriminierung von Juden und Christen vor allem im Mittelalter außer Acht, wenn er auch einräumt, dass ihr Ausschluss von der Macht mit heutigen Demokratiebegriffen nicht vereinbar sei. Aus dieser Auffassung folgt, dass er etwa als engagierter Anwalt der Rechte der Kopten gilt. Dennoch stellt für ihn die Festsetzung der Scharia als Hauptquelle einer modernen Gesetzgebung kein Hindernis dar für eine demokratisch orientierte Rechtsfindung innerhalb eines säkularen Nationalstaates, weise doch das islamische Religionsgesetz bei vielen Fragen eine große Breite an Auslegungen auf, die den Richtern genügend Spielraum biete.

Wovon al Bishri hier redet, ist, zumindest formal, in Ägypten schon seit Beginn der achtziger Jahre verfassungsrechtliche Realität. Damals ließ Präsident Sadat in der Verfassung die Formulierung zur Rolle der Scharia dahingehend ändern, dass sie von “einer Quelle” zur “Hauptquelle” der Rechtssystems wurde. Ähnlich formulierte Verfassungstexte finden sich auch in anderen islamischen Ländern. In der Praxis bedeutet dies, dass in Ägypten seitdem erlassene Gesetze generell den “Grundsätzen der Scharia” nicht widersprechen dürfen. Wie diese Maxime im Einzelnen umgesetzt wird, ist in der Rechtsprechung Ägyptens von Fall zu Fall unterschiedlich und hängt von der Argumentationsstärke der jeweils Debattierenden und von ihrer Fähigkeit ab, die islamische Rechtsliteratur in ihrem Sinne zu deuten.

Diese juristische Diskussionskultur stützte sich bislang auf islamische Rechtsgelehrte und auf eine Richterschaft, die – auch wenn sie sich hin und wieder dem Autoritarismus Mubaraks zu widersetzen vermochte – dem Regime weitgehend hörig war und die von ihm vorangetriebene Modernisierung eher unterstützte als blockierte. Dies könnte sich jedoch bald ändern, wenn im Land wirklich freie Demokratie herrschte und islamische Werte ohne den Druck eines autoritären säkularistischen Herrschaftssystems ungehindert diskutiert werden würden. An Stelle von Anpassungsfaktoren, die die bisherige Westbindung des Landes bedingten, könnten künftig Scharia-Kompatibilitätsfragen in den Vordergrund rücken und zu einer wie auch immer gearteten stärkeren Islamisierung öffentlicher Debatten führen.

Zwar soll die angekündigte Überarbeitung des ägyptischen Grundgesetzes nicht jenen Artikel 2 der Verfassung betreffen, der den Islam als Staatsreligion festschreibt und den erwähnten Status der Scharia fixiert. Vielmehr sollen vor allem die Hindernisse für die freie Entfaltung einer pluralistischen Parteienlandschaft beseitigt werden. Von welcher Art Rhetorik indes solche Korrekturen begleitet sein könnten, darauf deutet schon die Wahl Tariq al Bishris zum Vorsitzenden des Verfassungsausschusses. Er ist alles andere als ein Freund der Vereinigten Staaten und steht für eine stärkere Bindung an die islamische Welt. Nicht nur deshalb bringt der angesehene Richter Iran Sympathie entgegen, sondern auch deshalb, weil Teheran sich der “Aggression” Israels widersetze und nichts Verwerfliches tue, wenn es seine Nationalinteressen über alles erhebe und konsequent verfolge. Ähnliches erwartet al Bishri wohl von dem künftigen ägyptischen Regime. An solche Prioritäten wird man sich im Westen gewöhnen müssen.

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Time am 20. Februar 2011

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1) http://de.wikipedia.org/wiki/Festung_Marienberg
2) http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/16/panik-paddel/

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Soundtrack: „Bullfrog Blues“ von Rory Gallagher unter
http://www.youtube.com/watch?v=33Jaodra7AY

Im Interview: Mosab Hassan Yousef

2. Januar 2011

Im März letzten Jahres hatte ich Ihnen den zahnlosen Verriss (1) Joseph Croitorus des Buches „Sohn der Hamas“ (2) von Mosab Hassan Yousef vorgestellt. Die heutige FAZ nun brachte ein Interview mit dem Autoren, welches Dr. Gil Yaron (3) mit ihm führte.

Dabei gibt es eine m.E. besonders interessante Passage. Yaron: „In Ihrem Buch beschreiben Sie eine tiefe Freundschaft zu Ihren Kollegen im israelischen Geheimdienst, sprechen sogar mit Liebe vom Staat Israel. (…)“. Yousef: „Als ich dann 18 war, wurde ich für 15 Monate verhaftet, gefoltert. In meiner Zeit im Gefängnis musste ich erleben, wie die Hamas ihre eigenen Leute folterte, weil sie sie der Kollaboration mit Israel verdächtigte. Heute tun sie genau dasselbe, nur in größerem Umfang.“ Hieraus lese ich, dass Yousef von der Hamas gefoltert wurde.

Bei Croitoru kam das so daher: „… hielt ihn später nicht davon ab, sich in jugendlichem Leichtsinn an der Beschaffung von Waffen zu beteiligen, was ihm Inhaftierung und Folter durch die ISRAELIS einbrachte. Einer langjährigen Haft konnte er nur entgehen, weil er dem Druck seiner israelischen Vernehmer nachgab und sich bereit erklärte, mit dem Schabak zusammenzuarbeiten.“ Ich habe Croitorus Aussage seinerzeit bezweifelt und finde mich durch das aktuelle Interview bestätigt.

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Ich sah mehr Blut als die meisten aus meinem Volk

Sein Vater gründete die Hamas, er arbeitete für die Israelis: Ein Gespräch mit Mosab Hassan Yousef über sein Buch “Sohn der Hamas”

FRAGE: Herr Yousef, Sie sind der Sohn eines der Gründerväter der Hamas, aber Sie haben sich vom Islam abgewendet und mit dem israelischen Geheimdienst zusammengearbeitet. Was ist an Ihnen so besonders, dass dieser Wandel sich ausgerechnet bei Ihnen vollzog?

ANTWORT: Ich bin kein besonderer Mensch. Aber meine Erfahrungen waren einzigartig. Ich wurde in jungen Jahren verhaftet und musste Folter durchstehen. Ich bin der Sohn einer der wichtigsten nationalen islamischen Führungspersönlichkeiten und hatte eine besondere Beziehung zu meinem Vater. Meine Familie war arm, mein Vater oft weg, verhaftet, als ich noch sehr jung war. So wurde ich zu Hause zur Autoritätsperson. Ich habe als Kind auf dem Friedhof gespielt, auf dem die Opfer der Intifada begraben wurden. Ich habe mehr Blut gesehen als die meisten anderen Menschen in meinem Volk. Das viele Leid, das ich sah – mein persönliches Leid und das meines Volkes – zwangen mich dazu, schwere Entscheidungen zu fällen und immer weiter zu suchen. Und das führte auch dazu, dass ich, im Gegensatz zu vielen anderen Menschen hier, bereit war, die schweren Konsequenzen meiner Entscheidungen zu tragen.

FRAGE: In Ihrem Buch beschreiben Sie eine tiefe Freundschaft zu Ihren Kollegen im israelischen Geheimdienst, sprechen sogar mit Liebe vom Staat Israel. Fühlten Sie das bereits als Kind?

ANTWORT: Nein, natürlich nicht. Als Kind habe ich Israelis gehasst, wie alle.

FRAGE: Wann trafen Sie erstmals einen Israeli?

ANTWORT: Als ich von der Armee verhaftet wurde. Als ich zehn Jahre alt war, wurde ich zum ersten Mal verhaftet, dann noch mal mit 16. Die ersten zwei Male war ich nur kurz in Haft. Als ich dann 18 war, wurde ich für 15 Monate verhaftet, gefoltert. In meiner Zeit im Gefängnis musste ich erleben, wie die Hamas ihre eigenen Leute folterte, weil sie sie der Kollaboration mit Israel verdächtigte. Heute tun sie genau dasselbe, nur in größerem Umfang. Anderthalb Millionen Palästinenser im Gazastreifen leben heute jeden Tag in Angst. Langfristig zerstört das unsere Gesellschaft, und es wird Jahrzehnte dauern, bis wir das wieder richten.

FRAGE: Wann hörten Sie auf, Israelis zu hassen?

ANTWORT: Es war kein einzelner, entscheidender Augenblick, in dem dieser Wandel stattgefunden hat, sondern ein langwieriger Prozess, in dem ich mir die Frage stellte, ob ich wirklich hassen und kämpfen soll. Erst nach vielen Jahren kam ich zu der Erkenntnis, dass meine Feinde auch Menschen sind.

FRAGE: Sie wuchsen aber in einer ganz anderen Welt auf, Ihre ganze Umgebung dachte anders als Sie. Gab es da keine Zweifel?

ANTWORT: Es ging nicht um Zweifel, sondern darum, was in meinen Augen die Realität war und was uns einfach nur vorgegaukelt wurde. Ich habe sehr lange falschen Ideen angehangen. Es dauerte, bis ich erkannte, dass meine Welt nicht auf soliden Tatsachen beruht. Das Problem für mich war, die Wirklichkeit anzuerkennen. Als ich herausfand, dass alles, was ich bisher gedacht hatte, falsch war, war das für mich eine Katastrophe. Ich sah mich plötzlich im Konflikt mit einer ganzen Kultur, einer Religion. Ich musste ganz allein gegen etwas angehen, an das ich einmal glaubte. Danach habe ich an meinem Weg aber niemals gezweifelt.

FRAGE: Haben Sie in dieser Zeit jemals mit Ihrer Familie oder jemand aus Ihrem Freundeskreis gesprochen und gesagt: “Schaut mal, was wir hier machen, ist falsch!”?

ANTWORT: Ja, ich habe es versucht, aber niemand verstand mich. Ich dachte ganz anders als die Menschen um mich herum.

FRAGE: Eine Ihrer Entscheidungen war, mit dem israelischen Geheimdienst eng zusammenzuarbeiten. Erinnern Sie sich noch, wie Sie sich fühlten, als zum ersten Mal ein Palästinenser aufgrund eines Hinweises verhaftet wurde, den Sie gegeben hatten?

ANTWORT: Die ersten zwei oder drei Jahre meiner Arbeit beim Geheimdienst hatte ich mit solchen Dingen nichts zu tun. Später, als wir anfingen, ernsthaft zu arbeiten und Leute hinter Gitter zu stecken, war es schon eine sehr problematische Zeit. Sie wissen, die zweite Intifada, in der viel Blut vergossen wurde. Wenn wir so einen Mörder fassten, fühlte ich mich weder schlecht noch schuldig dabei. Im Gegenteil, ich wusste, dass ich damit sein Leben und das Leben anderer Menschen rettete. Ich habe mich nie dafür geschämt.

FRAGE: Hatten Sie nicht Angst davor, dass jemand aus Ihrer engsten Umgebung, Ihrer Familie oder Ihren Freunden, Ihre Doppelrolle aufdecken und Sie töten könnte?

ANTWORT: Nein, darüber habe ich niemals nachgedacht. Ich weiß, dass meine Familie mich liebt, auch heute noch. Ich vertraue ihnen. Sie würden mir nie Schaden zufügen. Ich hatte keine Angst, entdeckt zu werden, weil ich mich ganz natürlich verhielt. Sie haben mich nie etwas gefragt. Auch meine Freunde nicht. Ich musste nie lügen. Wenn sie mich fragten, wo ich gewesen war, musste ich ihnen noch nicht mal antworten, wenn ich nicht wollte. Ich war immer ehrlich zu ihnen. Ich liebe meinen Vater und tat vieles, um ihn durch meine Kontakte zum Geheimdienst zu schützen. Ich liebe sie alle genug, um sie nicht zu fürchten, auch wenn es heute Menschen in meinem Volk gibt, die mich gern töten würden.

FRAGE: Sie haben das Buch Ihrem Vater gewidmet, er spielt darin eine zentrale Rolle, nicht nur für Ihr Leben, sondern für das Schicksal Ihres Volkes. Er ist einer der wichtigsten Führer der Hamas, die für den Islam und den Kampf gegen Israel steht. Wie reagierte er, als Sie ihm sagten, dass Sie dem Islam den Rücken gekehrt und mit Israel kollaboriert hatten?

ANTWORT: Er war schockiert. Ich glaube, er ist es immer noch. Es ist nicht leicht für ihn. Aber ich glaube, er wird mich eines Tages verstehen.

FRAGE: Haben Sie seither mit ihm gesprochen?

ANTWORT: Nein. Ich hoffe, dass wir eines Tages wieder miteinander sprechen können.

FRAGE: Was würden Sie ihm sagen?

ANTWORT: Ich würde ihn bitten, die Verantwortung für seine Taten zu übernehmen, diese Ideologie des Islams zu verlassen, um sich für die Menschheit, für die Wahrheit einzusetzen. Ich möchte, dass er nicht mehr für die Hamas arbeitet, sondern für die Menschen, damit er Frieden bringen kann, anstatt weiterhin Opfer einer verrückten Organisation oder Religion zu sein.

FRAGE: Haben Sie in Ihrer Zeit im Geheimdienst nicht um Ihr Leben gefürchtet?

ANTWORT: Manchmal kam ich natürlich in gefährliche Situationen, zum Beispiel, als ich Treffen mit Agenten in der Nähe des Grenzzauns ausmachte. Ich war ein Teil von ihnen, aber die Soldaten wussten das natürlich nicht. Sie hätten mich erschießen können. Aber das wäre ein Unfall gewesen. Es gab manche Augenblicke, in denen mein Leben in Gefahr war, aber das war kein Dauerzustand. Ich musste nicht ständig um mein Leben fürchten.

FRAGE: In Ihrem Buch gibt es viele Abenteuer. Manchmal liest es sich wie die Geschichte von einem kleinen Jungen, der langsam zu einem James Bond wird. Vermissen Sie den Nervenkitzel und das Gefühl, mit Ihren Taten Geschichte mitzuschreiben?

ANTWORT: Ja, natürlich! Es macht süchtig. Jeder, der im Geheimdienst arbeitet, wird Ihnen bestätigen, dass es stärker süchtig macht als Politik oder Drogen. Ich vermisse das Gefühl, mehr zu wissen als die anderen, zu wissen, was hinter den Kulissen abläuft. Man denkt anders, das ganze Leben ändert sich: Geheimdienstarbeit wird zu einem Teil des Alltags. Das vermisse ich sehr.

FRAGE: Wie sieht Ihr Leben heute aus? Wie müssen wir uns das vorstellen? Sie sind untergetaucht. Schauen Sie ständig in den Spiegel aus Angst, dass Ihnen jemand auflauern könnte?

ANTWORT: Ich bin nicht untergetaucht. Zugegeben: Ich halte meinen Aufenthaltsort geheim. Manche Leute erkennen mich auf der Straße, aber die meisten wissen nicht, wo ich bin. Ich halte mich an Sicherheitsvorkehrungen, damit ich nachts ruhig schlafen kann. Ich werde manchmal von Leibwächtern begleitet, aber nur wenn ich öffentlich auftrete. Ich versuche, ein normales Leben zu führen: Ich gehe ins Kino, ich fahre Fahrrad, habe einen Sportwagen, gehe tauchen. Ich habe Freunde, mit denen ich über alles sprechen kann.

FRAGE: Bereuen Sie irgendetwas, was Sie getan haben?

ANTWORT: Nein, ich bereue nichts. Ich glaube an das, was ich tat. Mit tut es leid, meiner Familie so viel Schmerz zugefügt zu haben. Sie stecken da so tief drin, das ist mein einziger Grund zur Trauer. Aber es ist höchste Zeit, dass die Menschen aufwachen und anfangen, für sich selbst zu denken.

FRAGE: In Ihrem Buch beschreiben Sie eine große Razzia, die die israelische Armee ausführt, um Sie zu fassen, während der Geheimdienst Sie versteckt. Alles nur, um Ihre Tarnung aufrechzuerhalten. Selbst die Soldaten wussten nicht, dass sie Sie eigentlich gar nicht finden sollten. Wie viel von dem Konflikt, den wir täglich in den Nachrichten sehen, ist so eine Täuschung? Wird mit der Öffentlichkeit gespielt?

ANTWORT: (Lacht) Eine hervorragende Frage. Ich kann Ihnen nur raten: Glauben Sie nicht alles, was Sie in den Nachrichten sehen. Ich habe oft gesehen, wie weit selbst die besten Journalisten von der Realität entfernt sind. Der Journalismus wird oft zum Opfer der Geheimdienste. Man braucht viel Erfahrung, um zu wissen, was wirklich stimmt und was falsch ist. Die Medien werden benutzt, um Botschaften zu übermitteln. Die Journalisten haben oft keine Ahnung davon, dass sie im Dienst der Geheimdienste agieren. Täuschung ist Teil unserer Wirklichkeit.

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Time am 2. Januar 2011

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1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/03/26/anstatt-sich-zu-freuen/
2) http://www.amazon.de/Sohn-Hamas-Mein-Leben-Terrorist/dp/3775152237/ref=sr_1_3?ie=UTF8&s=books&qid=1293995307&sr=8-3
3) http://www.info-middle-east.com/

Lobotomie unumgänglich

30. September 2010

Grandioser Psychothriller um einen paranoid-schizophrenen US-Marshall: “Shutter Island” (1) von Martin Scorsese (im Bild mit Leonardo diCaprio, Ben Kingsley und Mark Ruffalo)

Ab und zu schreibt Joseph Croitoru auch mal was Vernünftiges, so in der heutigen FAZ. Während Mahdi Stuxie dabei ist, jeden einzelnen PC in Naziran für den Counterjihad in Besitz zu nehmen, feilen die Klerikalfaschisten weiter an der Ausgestaltung ihres schizophrenen Paralleluniversums (2). Wie Deutschlands Schande Adolf Hitler sind sie immer weniger in der Lage, den Kontakt zur Realität zu halten und sich den Blick für das Wesentliche zu bewahren. Während Aff-Affie seine Demenz geschickt mit Alkoholexzessen kaschiert, lebt das naziranische Regime seinen Wahnsinn offen aus. Herr Croitoru gibt Einzelheiten zur Kenntnis.

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Das gekippte Online-Voting Deutsche Welle
beflügelt iranische Propaganda

Angeregt durch die Recherchen dieser Zeitung (F.A.Z. vom 29. September), konnte man bei der Deutschen Welle mit deutlicher Verspätung doch noch die Spur der in den iranischen Medien zitierten “DW-Umfrage zum 11. September” zurückverfolgen. Anders als es zunächst auch an dieser Stelle schien, gab es die Sache also doch. Wie ein Pressesprecher des Senders jetzt mitteilte, ging es dabei aber nicht etwa um eine repräsentative Meinungserhebung, sondern lediglich um ein Online-Voting, das der persischsprachige Dienst des Hauses unmittelbar nach der provokativen UN-Rede des iranischen Präsidenten Ahmadineschad gestartet hatte.

Per Mausklick konnten Hörer und Leser abstimmen, ob man den von Ahmadineschad vertretenen Verschwörungstheorien zu den Terroranschlägen Glauben schenken sollte oder nicht. In den ersten Stunden zählte man in der Farsi-Redaktion der Deutschen Welle rund dreihundert Meinungsabgaben, die meisten lauteten auf: “Nein”. Dann aber wurde innerhalb kürzester Zeit eine Flut von Zugriffen registriert, bei denen “Ja” angeklickt wurde – nach wenigen Stunden waren es schon mehr als tausend. So kam es zu jenem fragwürdigen Abstimmungsergebnis von “rund 65 Prozent” Zustimmung für Ahmadineschads verschwörungstheoretische Äußerungen, worauf sich denn auch kurz danach die staatlich gelenkten iranischen Medien begierig stürzten.

Dass die Masse der bejahenden Klicks von Freunden, wenn nicht gar Handlangern des iranischen Regimes getätigt wurde, darf angenommen werden. Teherans Propagandisten zufolge aber stammten sie von deutschen Bundesbürgern. Während sich die Verantwortlichen in Iran über ihren Propagandacoup die Hände reiben, kann man über die Vorgehensweise des deutschen Auslandssenders nur den Kopf schütteln, ist doch hinlänglich bekannt, wie leicht sich Online-Votings gerade auch für politische Zwecke manipulieren lassen.

Bei der Deutschen Welle ist man sich dieser peinlichen Panne bewusst. Mit der Online-Abstimmung, so sagte einer ihrer Pressesprecher gegenüber dieser Zeitung, habe man bedauerlicherweise der iranischen Staatspropaganda in die Hände gespielt. Um Derartiges künftig zu vermeiden, denke man schon über Konsequenzen nach. Unterdessen geht die neue, offenbar generalstabsmäßig organisierte Propagandakampagne Irans zum 11. September weiter, zu der jene erfundenen “deutschen” Gesinnungsgenossen des iranischen Staatspräsidenten ärgerlicherweise ihren Beitrag geleistet haben. Die “Tehran Times” meldete, dass das Ministerium für Kultur und islamische Führung die Genehmigung für die Produktion eines Films über die Ereignisse des 11. September 2001 erteilt hat. Den Propagandastreifen mit dem Titel “9/11 Blackbox” soll der iranische Filmemacher Mohammadreza Eslamlu drehen. Er ist im Land als enger Freund von Dschawad Shamaqdari bekannt, dem stellvertretenden Kulturminister, zuständig für Filmangelegenheiten. Dass Eslamlu die Drehgenehmigung, auf die man sonst lange warten muss, jetzt schon erhalten hat, führt das regimenahe Blatt nicht nur auf seine persönlichen Beziehungen zurück. Es sei auch zu vermuten, dass der Film von der Sicht des iranischen Präsidenten auf den 11. September geprägt sein werde.

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Time am 30. September 2010

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1) http://de.wikipedia.org/wiki/Shutter_Island_(Film)
2) http://de.wikipedia.org/wiki/Schizophrenie

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PS, der MAHDI naht! “n-tv”:

Schädling wütet in Afghanistan – Opiumproduktion bricht ein – Nicht die Maßnahmen der Regierung oder der ISAF-Truppen, sondern ein Pflanzenschädling halbiert die Produktion von Rohopium in Afghanistan. Das Land ist weltweit der größte Produzent. UN-Experten rechnen nun mit steigenden Preisen für den Heroin-Grundstoff. Die Produktion von Rohopium in Afghanistan wird nach Schätzungen der Vereinten Nationen in diesem Jahr fast um die Hälfte einbrechen.

Huahuahua, Alla sorgt für die seinen… nicht!

http://www.n-tv.de/politik/Opiumproduktion-bricht-ein-article1610806.html

Drei Kröten

17. August 2010

Mal ein bißchen für den Counterjihad, mal ein bißchen dagegen, das ist das Motto von Deutschlands bester Tageszeitung, der FAZ. Abhängig vom Wind kann 1+1 da schon mal drei oder vier aber auch zwei sein.

Den Auftakt zu einem antiisraelischen Krötenreigen gab gestern Dr. Tamar Amar-Dahl, eine sephardische Jüdin des Jahrgangs ’68 aus Israel, die sich 2006 in Deutschland einbürgern ließ und als Dissertation eine Hetzschrift gegen Staatspräsident Simon Peres vorlegte (1). Die Arbeit, “die sich”, so Rezensent Rolf Steininger “- eher ungewöhnlich – ausschließlich auf veröffentlichtes Material stützt”, intendiert die Demontage von Simon Peres (2) als “Friedenspolitiker”, diskreditiert Israel und ist daher in Deutschland bei vielen, nicht jedoch Herrn Steininger und mir, hochwillkommen. Einmal mehr macht übrigens die Humbold-Universität Berlin, an der Amar-Dahl leert, durch Dimmi-Professoren auf sich aufmerksam (vergl. gestrigen Beitrag).

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Militärisch

Israel und Shimon Peres

“Der den Frieden in seinen Himmelshöhen stiftet, stifte Frieden unter uns und ganz Israel.” Mit dem Kaddisch-Gebet begann Staatspräsident Peres seine historische Rede am 27. Januar 2010 im Deutschen Bundestag (3). Das entsprach ganz dem Bild vom Friedenspolitiker, das man insbesondere in Deutschland vom 86 jährigen, dienstältesten Politiker Israels hat. Tamar Amar-Dahl will nun dieses Bild zerstören. Das hat wohl auch etwas mit ihrer Vita zu tun: 1968 als Tochter eines aus Marokko eingewanderten Rabbiners in Israel geboren, dort sozialisiert, mit zwei Jahren Wehrdienst et cetera. Als sephardische – orientalische – Jüdin konnte sie mit dem Holocaust als israelisches Staatsverständnis wenig anfangen, ging 1996 in das Land der “Täter”, erhielt einen deutschen Pass und gab 2006 ihren israelischen ab. Ihr missfällt die Politik Israels vom ersten Tag der Existenz dieses Staates. Mitverantwortlich und an vorderster Front Shimon Peres – mit dem die Autorin allerdings nicht gesprochen hat.

Was war Peres nicht alles? 1923 im damaligen Ost-Polen geboren, seit 1935 in Palästina, “rechte Hand” von “Gründungsvater” Ben Gurion, 1953 bis 1959 Generaldirektor im Verteidigungsministerium, mehrmals Minister, dreimal Ministerpräsident, langjähriger Vorsitzender der Arbeiterpartei, von 1959 bis 2007 Mitglied des israelischen Parlaments, seither Staatspräsident. Das Buch von Frau Amar-Dahl ist eine Dissertation, die sich – eher ungewöhnlich – ausschließlich auf veröffentlichtes Material stützt. Es ist auch eine Geschichte des Nahost Konflikts, deren “harte Realität” Peres mitgestaltet hat durch – wie die Autorin betont – “Landeroberung, Landenteignung und Besiedlung”. Peres habe den “maximalistisch-separatistischen Zionismus verinnerlicht”. Wer von der “umfassenden Feindseligkeit der arabischen Welt Israel gegenüber” spreche (so Peres 1978), der habe ein Konfliktverständnis, das “Annäherungsversuche schlechterdings unmöglich macht”. Wobei die Autorin nicht die Frage nach der konkret vorhandenen “Feindseligkeit” stellt.

Als ob es die nicht gegeben habe beziehungsweise nicht gebe! Die Palästinenser wurden demnach von Peres lange Zeit als Feinde und als Sicherheitsproblem gesehen. In manchen Punkten hat Frau Amar-Dahl natürlich recht. Israels Politik ist kein Sonntagsspaziergang, die Gesellschaft ist vielfach militärisch, vielleicht sogar militaristisch orientiert. Aber war die politische Führung 1967 etwa wirklich “trostlos, unfähig und dazu auch unverantwortlich”, wie die Autorin behauptet?

Sie lässt jedenfalls an ihrem “Helden”, dem Architekten des Oslo-Friedensprozesses 1993, kein gutes Haar. Für sie ist er kein Friedenspolitiker, sondern ein Nationalist. Im Falle Israel heißt das ein extremer Zionist, ein Mann von “Undurchsichtigkeit und Unnahbarkeit”, mit der Tendenz, “sich jeder beliebigen Koalition anzuschließen”, der nicht hinter der Zwei-Staaten-Lösung steht, der die Siedlungspolitik unterstützt und ganz Palästina als das Land des jüdischen Volkes sieht. Ein Urteil, das durch wirkliche Quellenarbeit wohl erst noch überprüft werden muss.

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Derart sachliche Berichterstattung kann man von Joseph Croitoru natürlich nicht erwarten. In der heutigen FAZ sieht er einmal mehr die freie Meinungsäußerung bzw. dementsprechend die Demokratie in der einzigen Demokratie im Nahen und Mittleren Osten bedroht.

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Bissiger Wachhund

Medienkritisches Portal in Israel steht vor dem Aus

Der Triumphzug der von dem amerikanisch-jüdischen Milliardär Sheldon Adelson subventionierten rechtsgerichteten Gratiszeitung “Israel Hayom” (F.A.Z. vom 11. August) ist nicht die einzige bedenkliche Entwicklung innerhalb der israelischen Presselandschaft. Gerade auch ob des verschärften Konkurrenzkampfs zwischen Adelsons aggressivem Gratisblatt und den etablierten israelischen Zeitungen “Jediot Achronot”, “Maariv” und “Haaretz” ist die Arbeit des nichtkommerziellen Jerusalemer medienanalytischen Internetportals “The 7th Eye” immer wichtiger geworden – und nun steckt auch dieses in Schwierigkeiten.

Vor vierzehn Jahren von dem unabhängigen und durch private Spenden finanzierten Demokratie-Institut in Jerusalem gegründet, lieferte die Publikation – zunächst als Print-, seit einigen Jahren nur noch als Internetzeitschrift – kompetente kritische Analysen zur israelischen Medienlandschaft. Sie reflektierte die zunehmende Konzentration im israelischen Medienmarkt, den sich bis zum Start der von Adelson finanzierten “Israel Hayom” hauptsächlich vier Verlegergruppen teilten. Die genannten hebräischen Blätter befinden sich in der Hand der drei Verlegerfamilien Mozes, Nimrodi und Shocken; hinzu kommt die vierte Mediengruppe der Unternehmer Eli Azur und David Weisman, die neben der englischsprachigen “Jerusalem Post” und dem hebräischsprachigen Gratisblatt “Israel Post” auch große Einzelhandelsketten und ein Tankstellennetz besitzt – dort wird “Israel Post” kostenlos verteilt.

In dieser von kommerziellen wie politischen Interessen stark beherrschten Medienszene hat sich vor allem die Presseschau, die “The 7th Eye” seit zweieinhalb Jahren wochentags veröffentlicht, den Ruf einer ebenso neutralen wie bissigen Instanz erworben. Die tägliche Kritik wird auch deshalb gefürchtet, weil aufgrund des häufigen Personalwechsels zwischen den Redaktionen ehemalige Mitarbeiter gern anonym Interna ausplaudern. So nahm sich “The 7th Eye” vor einigen Tagen die linksliberale “Haaretz” vor, die seit dem Einstieg der DuMont-Gruppe 2006 ihren Redaktionsstamm nahezu vollständig ausgewechselt hat.

Die Jerusalemer Medien-Wachhunde machten jetzt auf eine neue und bedenkliche Praxis im Hause “Haaretz” aufmerksam. Die Redakteure seien neuerdings angewiesen, Agenturberichte möglichst nicht mehr als solche zu kennzeichnen, sondern als eigene Beiträge auszugeben und ihren vollen Namen darunter zu setzen. Wie lange “The 7th Eye” seine Arbeit noch fortsetzen kann, ist allerdings fraglich. Denn die Leitung des Demokratie-Instituts hat vor kurzem den Etat des Projekts um ein Drittel gekürzt, was schon zu einer erheblichen Reduzierung des Angebots geführt hat.

Dagegen protestieren jetzt über hundert israelische Journalisten mit einer Petition im Internet, in der sie die Institutsleitung auffordern, ihre Entscheidung zu überdenken: sie bedeute eine Schwächung der demokratischen Medienkultur im Land. Unter den Signataren befinden sich sogar zwei Autoren der Kulturredaktion von Adelsons Gratisblatt “Israel Hayom”, dessen Netanjahu-freundliche Berichterstattung “The 7th Eye” in aller Regelmäßigkeit als journalistisch zweifelhaft geißelt.

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Was bei mir als Verbraucherschutz daherkommt, nämlich die Verantwortlichkeit der Journalisten für die Texte zu erhöhen, die sie abliefern, und welche aus etwas mehr als abgeschriebenen Agenturberichten bestehen sollten, erscheint bei Herrn Croitoru als Angriff auf die Pressefreiheit. Klar, das spielt sich ja auch in Israel ab (einem Land mit beispielloser Presselandschaft). Und ein gutes Haar an Netanjahu zu lassen, das geht nun wirklich nicht.

All dies wurde jedoch leider noch getoppt von Reinhard Müller, der seinen Senf zum Thema Brodsky dazugab und als bewiesene Gewissheiten ausgab, was arabische Dienste propagandistisch nur mutmaßen. Müller verhöhnt nicht nur Israel, die Juden und die Holocaustopfer, er geißelt auch das europäische westliche System als angeblich verlogen. Nur nach Iran oder Syrien will er denn doch nicht übersiedeln, genauso wenig wie die dummschwätzigen und feigen Kommunisten in der Bundesrepublik ihrerzeit, die sie in Grund und Boden verdammten, ohne sich jemals in die heißgeliebte “DDR” aufzumachen.

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Schlechter Krimi

So läuft das – nicht nur im Krimi, sondern auch in der wirklichen Welt: Es gibt gute und schlechte Killer. Wer im Auftrag des israelischen Geheimdienstes einen Hamas-Führer betäubt und erstickt, ist in seiner Welt ein guter. Und gute Mörder kommen nicht ins Gefängnis, sondern überallhin. Ein einziger der zahlreichen mutmaßlichen Mossad-Agenten, die an dem Mord in Dubai beteiligt waren, lief aufgrund eines europäischen Haftbefehls in Warschau ins Netz des europäischen Raums der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts. Er soll einem der Killer einen deutschen Pass besorgt haben. Das war nicht schwer: Der Geheimdienstmann berief sich darauf, dass dessen Eltern von den Nationalsozialisten verfolgt worden seien. Wegen eines Urkundendelikts wurde “Brodsky” nach Deutschland ausgeliefert, jetzt durfte er wieder in die Heimat zurück. Kein Zweifel: Ein weiterhin gutes Verhältnis zu Israel ist auch ein Wert. Doch beim nächsten Mal sollte die Bundesregierung gleich diskreter vorgehen. Und auf Protest gegen Morde, die man gar nicht aufklären will, ganz verzichten.

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Mit Verlaub, Herr Müller, Sie sind ein A*schl*ch!

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Time am 17. August 2010

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1) Tamar Amar-Dahl: Shimon Peres. Friedenspolitiker und Nationalist. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2010. 471 S., 39,90 [Euro].
2) http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/01/23/im-interview-schimon-peres/
3) http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/01/28/die-rede-des-prasidenten-des-staates-israel/
langes Interview mit Amar-Dahl unter http://www.tvb.de/newsmeldung/datum/2010/05/05/standort-berlin-mit-tamar-amar-dahl.html


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