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SDI ist machbar, Herr Nachbar

23. November 2012

Fast noch mehr Unsinn als über die Kernkraft wurde von den Linken über die Idee einer Raketenabwehr publiziert. Jedoch, diese Entwicklungen funktionieren, und wir sind richtig gut darin.

Grund genug für die Gegner der offenen Gesellschaft und des freien Westens, unsere Erfindungen mit allen Mitteln zu bekämpfen, denn diese Psychowracks dienen unseren Feinden, egal ob es Nationalsozialisten, Kommunisten oder Mohammedanisten sind: Hauptsache, die Freiheit endet.

In der heutigen FAZ zog Karl-Heinz Kamp, Forschungsdirektor des Nato Defense Colleges in Rom, ein Resümee des Iron-Dome-Debüts.

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Israel zeigt: Raketenabwehr funktioniert

Bei der jüngsten Eskalation der Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern, die am Mittwochabend durch eine Waffenruhe beendet wurde, gibt es zumindest eine gute Nachricht: Das Raketenabwehrsystem „Iron Dome“, das Israel gegen die Bedrohung durch palästinensische Raketenangriffe beschafft hat, funktioniert. Fast 90 Prozent der Raketen, die andernfalls in israelischen Wohngebieten detoniert wären, konnten abgefangen und zerstört werden.

Das hat Konsequenzen weit über die Krisenregion im Nahen Osten hinaus. Es zeigt, dass Raketenabwehr machbar und im Ernstfall erfolgreich einsetzbar ist, auch dann, wenn die Flugzeit angreifender Geschosse weniger als eine Minute beträgt. Der Nutzen einer Raketenabwehr – auch das zeigt der aktuelle Konflikt – liegt nicht nur im Retten von Menschenleben, was allein schon die Kosten rechtfertigt. Sie gibt Israel auch politischen Handlungsspielraum. Hätten palästinensische Raketen große Opferzahlen unter der Zivilbevölkerung verursacht, wäre der Druck auf Israels Regierung enorm gewachsen, mit Bodentruppen vorzurücken und die Abschussbasen in Palästina selbst zu zerstören. Damit mindert ein Raketenschutzschild auch den Eskalationsdruck in einem Konflikt.

Seit Jahrzehnten arbeiten die Vereinigten Staaten an dem Projekt einer Raketenabwehr zum Schutz amerikanischen Territoriums. Der amerikanische Präsident Reagan nannte es „SDI“ (Strategic Defense Initiative). Die Nato schloss sich dem Gedanken an und verpflichtete sich auf ihrem Gipfeltreffen vor zwei Jahren in Lissabon, eine Raketenabwehr für das gesamte europäische Bündnisgebiet zu schaffen. Natürlich ist es ein Unterschied, ob man eine strategische Raketenabwehr für eine ganze Region anstrebt oder, wie beim Eisendom, einen Schutz für das Gefechtsfeld. Das Ziel ist in beiden Fällen aber gleich: Raketenbedrohungen reduzieren, Menschenleben schützen und den politischen Handlungsspielraum in einer Krise vergrößern.

Der Bedarf hierfür ist offensichtlich, da die Verbreitung ballistischer Raketentechnik weltweit zunimmt und ständig an der Vergrößerung der Reichweiten gearbeitet wird. Geographische Distanz bietet immer weniger Schutz vor Raketenbedrohungen aus Nordafrika, der Golfregion oder Ostasien. Dennoch ist die Kritik an den Raketenabwehrplänen der Vereinigten Staaten und der Nato so alt wie die Projekte selbst, wobei die Skeptiker sowohl innerhalb der Nato als auch außerhalb, etwa in Russland, zu finden sind.

Raketenabwehr, so heißt es bis heute, sei sinnlos, da sie technisch zu anspruchsvoll wäre und nie funktionieren könnte. Selbst wenn man eine Abwehr aufbauen würde, könne sie technisch leicht überwunden werden. Raketensprengköpfe würden zusammen mit Täuschkörpern verschossen und damit jedes Abwehrsystem überfordern. Tests, die das Gegenteil belegen, seien allesamt von der Rüstungslobby gefälscht. Eine Raketenabwehr sei sogar gefährlich, sagen die Kritiker. Sie könnte neue Rüstungswettläufe auslösen. Gerade Russland würde die Pläne der Nato als aggressiven Schritt betrachten, der entsprechende Gegenmaßnahmen erfordere. Und schließlich könne auch eine funktionierende Raketenabwehr nie einen hundertprozentigen Schutz gewähren. Man bekäme allenfalls eine Illusion von Sicherheit, die ihr Geld nicht wert sei.

Bemerkenswert ist, dass sich viele der Einwürfe der Skeptiker seit Ronald Reagans Zeiten nicht wesentlich geändert haben, obwohl der Ost-West Konflikt überwunden ist, sich das internationale Umfeld völlig geändert hat und man mittlerweile mit Handys telefoniert, deren Leistungsfähigkeit der eines Großcomputers Anfang der achtziger Jahre entspricht.

Raketenabwehr ist in der Tat ein enorm anspruchsvolles Projekt, geht es doch im Kern um nichts Geringeres, als eine anfliegende Gewehrkugel mit einer Gewehrkugel abzuschießen. Genau das geschah in den vergangenen Tagen an der israelischen Grenze zu Gaza, und es kann weiter perfektioniert werden. Die Trefferquote ist so bemerkenswert, weil die Flugzeit der Raketen nur wenige Sekunden beträgt. Auch die Vereinigten Staaten und die übrigen Nato-Verbündeten haben ihre Technologien zum Erkennen und Zerstören von anfliegenden Raketen erheblich fortentwickelt. Raketenabwehr ist machbar – im Kleinen wie im Großen –, und auch ein nicht hundertprozentiger Schutzschirm kann in einer Krise der Politik Freiräume für Entscheidungen verschaffen, den sie unter dem Eindruck von Raketeneinschlägen nicht hätte. Auch in Israel hielten Experten die Idee einer Raketenabwehr für vertane Zeit und verschwendete Mittel. Zum Glück hat man nicht auf sie gehört.

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Time am 23. November 2012


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