Mit ‘Klage’ getaggte Artikel

Die Golfaraber beklagen sich

3. Juni 2009

In der heutigen FAZ beschreibt FAZ-Ali2 Rainer Hermann (1) unter der Überschrift “Die Einsamkeit der Araber” seltsamerweise das Gegenteil, nämlich zwar den Rückzug der Golfaraber von der EU, jedoch auch ihre vertiefte Zusammenarbeit sowie ihre Hinwendung nach Asien. Sechs Staaten hatten sich 1981 zum Golfkooperationsrat (GCC) zusammengeschlossen (2): Kuwait, Bahrain, Saudi-Arabien, Katar, Vereinigte Arabische Emirate und Oman, Jemen möchte beitreten.

2010 will der Rat eine eigene Währung einführen, die zu den drei stärksten der Welt gehören soll. Wiki: “Die Mitglieder sind zu gegenseitigem Beistand im Verteidigungsfall verpflichtet. Der GCC unterhält eine gemeinsame Verteidigungstruppe, die allerdings nur 5.000 Mann umfasst. Der GCC kooperierte eng mit den USA, um gegen den Iran geschützt zu sein. Für die Europäische Union ist die GCC-Region von strategischer Bedeutung. Der GCC ist der wichtigste Handelspartner der Union in der arabischen Welt. Auf ihn entfallen etwa die Hälfte des gesamten Handels mit den arabischen Staaten und etwa vier Prozent der Gesamtausfuhr der Europäischen Union in Drittländer.”

Nunmehr habe der Rat alle Verhandlungen mit der EU suspendiert und sei nur noch zu Konsultationen bereit. Hierfür, so Ali2, gebe es verschiedene Gründe, deren wichtigster offenbar das Bestehen der EU “auf einer Suspendierungsklausel im Falle von Menschenrechtsverletzungen in einem der sechs GCC-Staaten besteht.” Die Araber sind der Meinung, dass Menschenrechtsfragen ja bereits von diversen UNO-Organisationen bearbeitet werden (wie zB. dem berüchtigten UN-Menschenrechtsrat, den die Orkstaaten mit einem Drittel der Mitglieder als größter Block dominieren). Sie diagnostizieren große kulturelle Differenzen und fürchten Hermann zufolge, dass die Suspendierungklausel nur zum Schein und inflationär ausgerufen werden wird, um protektionistische Maßnahmen (gegen die arabische Computerindustrie, wie ich annehme) durchzusetzen. Warum die Orks das nicht erstmal abwarten, ist sonnenklar: Sie sind prinzipiell nicht bereit, die Menschenrechte zu achten, und sie möchten ihren Leuten nicht hin und wieder erklären müssen, dass dies oder jenes Ersatzteil nicht nachgeliefert werden kann, weil mal wieder eine 15jährige gesteinigt worden ist.

Hermann: “Laut (wie immer, T.) tragen Golfaraber die Klage vor, Europa behandle sie zwar als interessanten Markt, nicht aber als einen wirklichen Partner (Moment mal, dass es um mehr als nur ein Handelsabkommen geht, zeigt doch eigentlich das Bestehen auf der Suspendierungsklausel, T.). Von gegenseitigem Respekt für die Kultur des anderen könne nicht die Rede sein, zumal der Islam ein zentraler Bestandteil der KULTUR der Araber sei und (dieser akzeptíert werden muß, obwohl er ein Hindernis bei der Achtung der Menschenrechte ist? T., nein, weil… ) sich in Europa eine Sicht des Islam durchgesetzt habe, welche die Golfaraber als UNGERECHT empfinden (Oh nein, es ist vielmehr so, dass sich die Achtung für die Menschenrechte und die Gleichberechtigung von Mann und Frau noch nicht ansatzweise in den arabischen Ländern durchgesetzt haben. Es ist also vielmehr so, dass die arabischen Staaten vor UNSERER Kultur nicht den geringsten Respekt zeigen, T.).”

Weiterhin beklagten arabische Intellektuelle, “dass die EU keine eigene Nahost-Politik entwickelt habe”. Eigene Nahost-Politik? Das kann nur eines bedeuten, nämlich, dass die EU “nicht zu einem vertrauenswürdigen Vermittler geworden sei, sondern stets im Kielwasser Washingtons segele.” Gefordert wird also ein weiteres Mal der (gääähn) “EHRLICHE Makler”, aber “ANSTATT Israel als BESATZER von arabischem Land zu behandeln und die Palästinenser als OPFER zu sehen, pflege die EU BESTE Beziehungen zu Israel und gebe den Palästinensern die SCHULD für den Konflikt im Nahen Osten, so der EINDRUCK unter den Arabern”, wie auch der Rainer Hermanns, wie deutlich zu spüren ist, und er klagt mit den Arabern: “Sicherheit in der Region könne es nur bei der Schaffung einer atomwaffenfreien Zone geben (Deren Vorreiter Iran ist? T.). Das sei aber nicht zu erreichen, solange Europa und Amerika ihre Augen vor der israelischen Atombombe verschlössen, beklagen Golfaraber.”

Nun, für den Westen ist die Bombe der Demokratie Israel eben keine Gefahr, wohl aber sind es die pakistanische und die iranische. Eine Demokratie kann niemals “Freund” einer Diktatur sein, aber die Orks können leider NUR Diktatur (mit der zweifelhaften Nicht-Ganz-So-Schlimm-Ausnahme Türkei, oder würden Sie die Chaos-Staaten Irak und Afghanistan auch noch zu den Ausnahmen dazuzählen?). Und deshalb, leiderleider, können sie auch nie wirklich unsere FREUNDE sein. Dass das nicht in die dressierten Orkschädel reingeht, ist ja selbstverständlich. Eine Schande hingegen ist, wie der westliche Journalist Rainer Hermann die Positionen der Araber, die wohl auch seine eigenen sind, völlig unkritisch referiert.

Gegen Ende unterliegen Ali2 zwei eklatante Fehler, denn wir erfahren erstens, dass das ganze Gejammer der sog. arabischen Intellektuellen eigentlich jeder Grundlage entbehrt: “Die Golfaraber klagen über die Entfremdung Europas und fürchten, bei einem politischen ‘großen Handel’ zwischen Washington und Teheran das Nachsehen zu haben. Trotz aller Klagen räumen sie freilich auch ein, dass es ihnen heute besser als vor einem Jahr geht, dass sie insgesamt entspannter sind und in einem stabileren Umfeld leben, selbst wenn sich Iran noch nicht von einer destabilisierenden zu einer stabilisierenden Kraft gewandelt hat.” Also ist die Tendenz positiv! Aber immer erst mal die Klappe aufreißen und lautstark Forderungen stellen, so sind sie, die Mohammedanisten.

“Gewichen ist die Gefahr eines amerikanischen Militärschlags gegen Iran. Und sie knüpfen den neuen Optimismus an das Charisma und die Politik des amerikanischen Präsidenten, die inklusiv sei und multilateral, an Ergebnissen interessiert und nicht nur an Prozessen, die Dialog nicht mit Appeasement verwechsle. Der Anteil Europas an dieser atmosphärischen Verbesserung geht nach ihrer Meinung gegen null. Die HOFFNUNG besteht aber in der arabischen Welt und auch am Golf, dass Europa AUCH DIESMAL WIEDER auf den AMERIKANISCHEN Kurs einschwenkt”, behauptet Hermann zweitens. Hier setzt man auf einmal auf die Treue Europas zu den USA, nachdem man vorher beklagt hatte, dass die EU “stets im Kielwasser Washingtons segele”?

Mir kommt der Bericht Rainer Hermanns abschließend doch eher wie die typische MSM-Gemengelage aus Textbausteinen, Dimmitum und Antijudaismus vor. Es bleibt, so, wie er es darstellt, mE. der vertraute Eindruck, die Golfaraber wollten Handelsverträge als Druckmittel nutzen, um den Fieslahm in Europa und gegen Israel in Stellung bringen zu können. Aber den typisch orientalischen Wechsel zwischen Pöbel- und Jammerton, den hat FAZ-Ali2 gut getroffen. Und wenn ich höre, dass Mohammedanisten klagen, ist das für mich natürlich ein Grund zum Jubeln, und ich freue mich über jede Nachricht, die da lautet: “Es trennt sich, was NICHT zusammengehört!”

Time am 3. Juni 2009

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(1) FAZ.net: http://tinyurl.com/r6kj5v
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Golfkooperationsrat


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