Wir müssen aufpassen, dass wir nicht denselben Weg gehen, wie unsere Freunde in der “Test-Tube” Libanon.
Auszüge aus einem Interview mit der libanesischen Christin Brigitte Gabriel. Sie ist heute heute Journalistin in Deutschland, nein, Scherz, natürlich in the USA, und Gründerin des “American Congress For Truth”:
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“Ich bin aufgewachsen im Südlibanon. Mein Vater hatte ein Restaurant und viel Grundbesitz. Ich hörte viele Gespräche über Politik und die Lage im Nahen Osten. Wir Christen standen stark unter arabischem Einfluss, hatten die arabische Sprache. Die Meinung, die man über Israel hörte, war klar: Die Juden sind der Satan, man muss sie ins Meer treiben, töten. Nur dann wird es Frieden geben. Das hörte man im Fernsehen und Radio, im Restaurant. Die Medien wurden von der Regierung kontrolliert. Das war die Meinung der Libanesen.
Ich ging auf eine christliche Privatschule. Dort las man die Bibel. Diese hatte kein Altes Testament. Das Buch des Feindes, die Thora, mit der hatte man nichts zu tun.
Als der Libanon in den 40er-Jahren von Frankreich unabhängig wurde, war die Mehrheit der Bewohner Christen. Die Muslime waren in der Minderheit. Mit den Jahren änderte sich das. Die Christen heiraten eine Frau und bleiben mit ihr bis zum Tod zusammen. Sie haben nicht so viele Kinder, 3 oder 4. Die Muslime hingegen haben oft mehrere Frauen und dadurch viele Kinder. Der berühmteste Muslim zurzeit ist Osama bin Laden. Er ist eins von 53 Kindern. Er selbst hat 27 Kinder. Vater und Sohn haben zusammen 80 Kinder. Die Muslime vermehrten sich viel schneller und nach 20-30 Jahren wurden sie zur Mehrheit. Trotzdem hielten wir uns in den höheren Positionen. Wir waren besser ausgebildet, weil wir weniger Kinder hatten. Wir konnten sie aufs College schicken. Bildung war für uns wichtig. Die Muslime hingegen konnten ihren Kindern keine so gute Ausbildung ermöglichen, schon allein wegen der Tatsache, dass sie viele Kinder hatten. Es gab innerhalb des Libanon zwei total verschiedene Kulturen, zwei verschiedenen Bevölkerungsschichten.
Ein weiterer Faktor war der Zustrom von Palästinensern aus Jordanien 1970. Yassir Arafat und die Palästinenser wollten König Hussein stürzen. Arafat wollte von dieser Basis aus Israel bekämpfen. Als sein Plan scheiterte und sie von König Hussein aus dem Land gejagt wurden, nahmen wir sie auf. Wir hatten ja schon palästinensische Flüchtlinge im Land. Die meisten Palästinenser, die aus Jordanien kamen, waren Moslems. Wir hatten im Libanon schon ein Problem mit dem Gleichgewicht zwischen Christen und Moslems, aber durch den Zustrom der Palästinenser wurde es noch grösser. Arafat versuchte im Libanon nun dasselbe wie in Jordanien, nämlich eine Basis zu schaffen im Kampf gegen Israel und das gelang. Dafür musste er aber die Bevölkerung kontrollieren. Er verbündetet sich mit den Moslems im Libanon und gemeinsam erklärten sie den Jihad gegen die Christen. So begann der Bürgerkrieg.
Um 1974 begann sich die Lage meiner Familie zu verschlechtern. Wir hatten stets die Feiertage in Beirut mit der übrigen Familie verbracht. doch diesmal fuhren wir nicht. Ich fragte, warum feiern wir nicht Weihnachten mit der Familie. Vater gab nur eine ausweichende Erklärung. Wir wollen dieses Jahr hier bleiben. Das konnte ich als Kind nicht verstehen. Später erfuhr ich den Grund: Moslems und Palästinenser hatten Strassensperren eingerichtet. Sie bildeten eine gemeinsame Armee, die libanesisch-arabische Armee, und sie errichteten Checkpoints mitten in der Nacht und mitten auf der Strasse. Sie hielten die Autos an, sie kontrollierten die Identitätskarten. Und wenn sie sahen, dass es Christen waren – denn im Libanon steht die Religion im Ausweis – holten man sie aus dem Auto und erschoss sie, die ganze Familie. Das sprach sich rasch herum und die Christen wurden Gefangene in ihren Wohngegenden. Wir hatten Angst zu reisen. Aber, was unser Leben am meisten änderte, war der Bombenangriff auf unser Haus. Der libanesisch-arabischen Armee gelang es, alle Militärbasen im Libanon zu übernehmen. Nur die Militärbasis in der Nähe unseres Hauses nicht. Sie bombardierten sie, um sie zu erobern. Sie verfehlten sie und eine ihrer Bomben explodierte in unserem Haus, zerstörten es und ich wurde unter den Trümmern begraben. Ich war verwundet und lag zwei Monate im Krankenhaus. Und ich fragte meine Eltern, warum haben sie uns dies angetan? Mein Vater sagte immer: Weil wir Christen sind. Deswegen wollen sie uns töten. Von da an wusste ich, dass man mich töten wollte, nur weil ich als Christin in einer christlichen Stadt lebte.
Als ich vom Krankenhaus nach Hause kam, war es nicht mehr mein Zuhause. Das Haus war halb zerstört. Mein neues Zuhause wurde der Lustschutzraum unter dem Haus, ohne Strom, ohne Wasser und nur wenig zu essen. Meine Mutter und ich suchten in der Nähe nach Kräutern zum Essen. Meine Mutter weichte über Nacht Erbsen und Bohnen ein, damit wir dies am nächsten Tag essen konnten. Um Wasser zu holen, mussten wir unter dem Beschuss der Heckenschützen zur nahen Quelle kriechen. Dort versteckten wir uns hinter einer Mauer und meine Mutter füllte den Kanister. Sie band einen Strumpf darüber, um die die Maden und Würmer aufzufangen, damit wir es trinken konnten. Dann krochen wir zurück. Manchmal dauerte dies Stunden, weil uns die Heckenschützen terrorisierten. So ging es tagaus, tagein, Jahr um Jahr. Unser Leben wurde unerträglich. Wir hatten keinen Strom, keine Heizung. Wir lebten in einen feuchten, kalten Luftschutzraum unter der Erde. Tagsüber drangen einige Sonnenstrahlen durch die Türritzen und das winzige Fensterloch. Das war alles an Licht. Nachts hatten wir Petroleumlampen. Und wir froren. Es war so kalt. Vater sammelte Zweige und machte ein Feuer im Bunker. Wenn wir einschliefen, wachten wir meistens mit einer Rauchvergiftung auf. Wer als erster erwachte, musste die andern nach draussen ziehen und sie schlagen, damit sie aufwachten. So lebte ich im Alter von 10-17, meiner Jugend beraubt.
Als die Palästinenser mit dem Krieg in Libanon anfingen, war er so grausam, wie ihn sich keiner vorstellen konnte. Sie wollten die christlichen Städte niederreissen. Eins der schlimmsten Massaker war in der Stadt Damur. Sie fanden zum Beispiel in einem Schutzraum eine Mutter und einen Vater mit ihrem Baby. Da banden sie ein Bein des Babys am Bein des Vaters fest, das andere am Bein der Mutter. Dann zerrten sie die Eltern auseinander und zerrissen das Kind. Sie gingen in die Kirchen, urinierten und entleerten sich auf dem Altar, nahmen Blätter aus der Bibel als Klopapier. Meine beste Freundin im Libanon, die später für mich arbeitete, war geistig gestört, denn sie war gezwungen worden, ihren eigenen Sohn zu töten. Sie hatten sie an einen Stuhl gebunden und banden ein Messer an ihre Hand. Und führten ihre Hand so, dass sie ihrem Sohn die Kehle durchschnitt. Sie brachten christliche Männer um und eine Signatur war es, ihnen die Genitalien abzuschneiden und sie ihnen in den Mund zu stecken. Oder man schnitt ihnen ein Kreuz auf die Brust. So töteten sie die Christen und liessen sie in der Strasse oder sonst irgendwo liegen.
Als sie am Anfang des Krieges begannen, in unserer Stadt die Kontrolle zu übernehmen, versteckten wir uns wie gesagt im Schutzraum. Und damals waren noch weitere Menschen da. Wir lebten alle in diesem Raum 8 x 10 Meter gross, vier Familien mit 9 Kindern, ich war das älteste. Die Palästinenser stellten immer ihre Geschütze vor unserem Schutzraum auf und schossen nach Israel. Sie wussten, wenn Israel zurückschoss, dann würden wir alle sterben. So machten sie es. Sie schossen ihre Raketen auf Israel ab und fuhren dann mit ihren Panzern weg. Wenn die Israelis zurückschossen, würden wir sterben und gross in den Nachrichten stehen. Diese Taktik benutzen die Palästinenser immer wider. Sie versteckten sich unter Zivilisten. Sie schossen von Strassen zwischen den Häusern von Zivilisten und sie wählten immer Christenhäuser nicht die von Muslimen.
Im Luftschutzraum hatten wir Israel im Rücken und um uns herum versuchten uns die Palästinenser zu töten. Entweder würden wir von denen abgeschlachtet oder wir müssten von die Israelis um Hilfe bitten. Das waren zwei Übel. Denn im Libanon wuchsen wir ja im Glauben auf, dass Israel der Teufel sei. Aber wir wussten, dass uns die Israelis nicht abschlachten würden wie die Moslems, weil wir mit ihnen mehr gemeinsame Werte hatten. Einige Leute aus meiner Heimatstadt baten Israel um Hilfe. So blieben wir am Leben. Die Israelis kamen nachts und brachten den Christen Vorräte. Milch für die Kinder, Munition für das Militär. Sie holten Christen nach Israel und gaben ihnen militärisches Training. Die Christen waren gebildet. Aber sie hatten keine Ahnung von Strassenkämpfen. Alle akademischen Titel schützen dich nicht vor jemandem, der dich im Namen Gottes töten will. Israel war das einzige Land, das verstand, was wir durchmachten. Und Israel stand uns bei und hielt uns am Leben. Sieben Jahre lang.
1982 kam Israel in den Libanon. Es war ein Kommen, kein Einmarsch für uns. Die Christen hatten darum gebeten, dass sie in den Libanon kommen und sie von den Palästinensern befreien würden. Der einzige Grund, warum Israel in den Libanon kam, war, weil die Hisbollah mit den Palästinensern arbeitete und mit den Syrern und wir hatten noch viele Muslime aus vielen Ländern, die gekommen waren, um gegen Israel zu kämpfen. Und sie beschossen alle Städte im Norden Israels mit Raketen, sodass ihre Bürger auch in den Luftschutzräumen leben mussten wie wir. Dies ging monatelang. Da beschlossen die Israelis, in den Libanon zu gehen und die palästinensischen Vorposten soweit zu vernichten, dass ihre Artillerie ihre Städte im Norden nicht mehr erreichen konnte. Als die Israelis in den Libanon kamen, beschlossen uns die Moslems wie wild. Eine ihrer Boben explodierte vor unserem Haus gerade in dem Moment, als meine Mutter dahin lief. Sie wurde verletzt. Wir konnten sie nirgendwo im Libanon hinbringen. Unsere einzige Rettung war Israel. Da wurden alle Kranken und Verwundeten behandelt. Die medizinische Behandlung war gratis für alle, die sie brauchten, sieben Jahre lang, so lange Israel für uns sorgte. Wir brauchten meine Mutter als Notfall in das Krankenhaus in meiner Stadt. Es war nur noch die Hülle eines Krankenhauses. Es gab dort einen Arzt und zwei Schwestern, die Dienst hatten. Sie leisteten erste Hilfe und ich fuhr mit meiner Mutter an die Grenze, eine Fahrt von zehn Minuten. Dort kam der libanesische Fahrer zu mir und wollte Geld für die Ambulanz. Ahnungslos wie ich war, holte ich alles Geld heraus, das mir mein Vater gegeben hatte und fragte, wieviel schulde ich Ihnen? Er schaute auf das Geld und sagte, gib mir 30. Das war die Hälfte meines Geldes. Er sagte, das sei die Gebühr für die Ambulanz.
Sie brachten meine Mutter von der Grenze mit einer Ambulanz ins Innere von Israel in ein Krankenhaus. Der Fahrer war ein Israeli, er war sehr nett zu mir. Er behandelte mich wie seine eigene Tochter. Er beruhigte mich, denn ich hatte Angst. Ich dachte, ich bin Libanesin, ich habe niemanden in Israel. Meine Mutter lag halb bewusstlos hinten auf der Bahre. Ich war überrascht, wie nett der israelische Fahrer war. Im Krankenhaus angekommen brachten sie meine Mutter auf die Notfallstation. Ich ging zum Fahrer, um die Ambulanz zu bezahlen. Er sagte, was soll das? Ich fragte, brauchen Sie es nicht für den Transport? – Behalt dein Geld, sagte er. Dies ist ein Gratisdienst. Ich hoffe, dass deine Mutter bald gesund wird. Ich dachte bei mir, was für ein ehrlicher Mensch, was für eine Moral. Er hätte das Geld nehmen und behalten können, aber er tats nicht. Und plötzlich packte mich die Wut, weil ich erkannte, dass mich der libanesische Fahrer bestohlen hatte. Das war meine erste Lektion über die Werte eines arabischen und des israelischen Volkes. Wir kamen in die Notfallstation. Hunderte von Menschen waren da. Verwundete aus dem Krieg wurden gebraucht, Israeli, aber auch Palästinenser. Ich traute meinen Augen nicht. Ich dachte, ich kann verstehen, warum sie mich behandeln, schliesslich bin ich Christin, ihre Verbündete. Aber warum behandeln sie die Muslime, die Feinde, die uns bombardierten. ich wusste wenig über die Werte des israelischen Volkes. Die Ärzte behandelten jeden nach seiner Verwundung, sie achteten nicht auf Religion, politische Verbindung, Nationalität. Sie behandelten sie als menschliche Wesen. Der Arzt behandelte meine Mutter vor einem israelischem Soldaten, weil ihre Verletzung schwerer war.
Sie brachten meine Mutter in den vierten Stock. Kaum im Zimmer, hörte ich draussen viel Lärm. Ich ging auf den Balkon, um zu sehen, was los war. Zwei israelische Helikopter waren gelandet. und brachten israelische Soldaten, die im Libanon verwundet worden waren. Ich stand auf dem Balkon und schaute auf den Boden. Ich schämte mich. Ich dachte, die sind verwundet wegen des Krieges in meinem Land. Ich sah niemanden an. Es waren viele Menschen da. Mütter von verwundeten Soldaten. Väter, die bei ihren Kindern im Krankenhaus waren, Krankenschwestern. Ich blickte auf den Boden. Dann tippte mir jemand auf die Schulter. Eine Krankenschwester sagte, du bist neu hier. Ich sagte ja, sie haben eben meine Mutter gebracht. Sie ist in diesem Zimmer. Und sie sah die Angst in meinen Augen. Da legte sie den Arm um meine Schultern und sagte, mach dir keine Sorgen. Wir kümmern uns um sie, es wird alles gut. Zum ersten mal in meinem Leben spürte ich, was Zivilisation war. Ich brach in Tränen aus. Ich spürte das Mitgefühl, die Liebe, die mein Volk einem Feind gegenüber niemals zeigen würde. Mir war klar, wenn ein Jude im vierten Stock eines libanesischen Krankenhaus erschiene, würde er gelyncht und heruntergeworfen. Und “Allah ist gross” würde als Freudenschreie durch die Gänge des Krankenhausen schallen und durch die Strassen der Umgebung.
Als die Israelis merkten, das verwundete Libanesen in ihrem Krankenhaus waren, brachten sie uns Geschenke. Sie reichten uns die Hand zum Frieden. Sie brachten uns Schokolade. Sie besuchten die verwundeten Familien und sagten. Was können wir für euch tun. Unser Heim ist euer Heim. Wenn du dich ausruhen willst und ein Bett brauchst, wenn dir etwas fehlt, sage es und wir bringen es. Es war unglaublich. Ich freundete mich mit den Familien an, mit den Müttern und Schwestern der verwundeten Soldaten. Vor allem mit einer: Ihr einziger Sohn Amir war am Auge verletzt. Er verlor es. Sie wurde so etwas wie meine Ersatzmutter. Ich war viel mit ihr zusammen, weil meine Mutter 22 Tage im Krankenhaus war. Ich ging oft zu ihr rüber. Eines Tages kam eine israelische Militärband, um mit ihren Liedern die israelischen Soldaten aufzumuntern. Sie spielten israelische Lieder. Ich war gerade zu Besuch bei Amirs Mutter. Alle standen um Amirs bett. Ich fühlte mich fehl am Platz und wollte mich aus dem Zimmer schleichen. Sie hatte angefangen zu weinen beim Klang der Musik. Sie ergriff meine Hand und wir weinten beide. Ich dachte, was für ein Kontrast. Hier eine Mutter, die ihr Kind vom Krieg entstellt sieht, und doch die Araberin lieben kann. Was für eine Kontrast zu einer palästinensischen Mutter, die ihren Sohn oder ihre Tochter losschickt, damit sie sich mit einem Bobengürtel in die Luft jagen kann, nur um einen Juden oder ein paar jüdische Kinder zu töten. 22 Tage war ich in diesem Krankenhaus. Tage, die mein Leben veränderten. Auch die Weise, wie ich Informationen erhielt. Ich schaute Fernsehen und hörte Radio und erkannte, wie man mich mit fingierten Lügen über die Juden und Israel vollgestopft hatte. Ich erkannte, dass mich meine Kultur hassen gelehrt hatte. Dass meine Kultur dem Feind in Not kein Mitleid entgegenbringen konnte, so wie die Israelis Mitleid zeigen konnten mit Palästinensern. Und ich erkannte den Unterschied zwischen den Werten der israelischen und der arabischen Gesellschaft. Und da liegt das eigentliche Problem. Es sind die Werte.
Als die Behandlung abgeschlossen war, mussten wir zurück in den Libanon. Ich freute mich einerseits auf die Rückkehr, weil ich meinen Vater sehr vermisste. Wir waren so lange weg gewesen. Aber eigentlich wollte ich nicht mehr in den Libanon zurück. Als wir über die Grenze gingen, meinte ich die Pforten der Hölle zu durchschreiten. Ich wollte nicht mehr hinüber und hielt mich so am Stacheldraht fest, bis die Hände blutig waren. Ich sagte zu meiner Mutter, bitte nimm mich nicht von hier fort. Ich will nicht in den Libanon zurück. Sie sah mich an, und sagte, ich habe gehofft, du würdest für mich und meinen Vater sorgen. Ich war das einzige Kind. Ich wusste nicht, was sagen. Ich musste zurück in den Libanon. Ich fühlte mich zurück in der Hölle. Ich wurde depressiv, ich wollte nicht mehr raus, blieb zu Hause, dachte immer an die Tage in Israel bei Leuten, die mich Menschlichkeit gelehrt hatten, Respekt. Ich wusste, dass es dies nicht gab, wo ich her kam. Die Israelis hatten Achtung vor dem Menschen. Sie hatten Werte, Prinzipen, die in meiner Kultur fehlten. Ich war so deprimiert und schwor, dass ich eines Tages wieder in Israel sein würde. So wie die Israelis wollte ich werden, solche Charaktereigenschaften haben wie sie. Drei Jahre später war ich in Israel, um zu arbeiten..
Ich bekam einen Job als Korrespondentin in Jerusalem. Ein Traum wurde für mich war. Ich durfte in Israel arbeiten, in einem Beruf, der es mir erlaubte, Weltführern zu begegnen und an Nachrichten heranzukommen, die nicht durch arabische Filter oder Propaganda gegangen waren. Ich konnte Entscheidungen treffen und etwas über Situationen in der Welt erfahren, um mir eine eigene Meinung zu bilden, die auf Fakten beruhte. Ich bekam einen Einblick in die palästinensische Kultur, denn in Jerusalem trifft der Osten auf den Westen. Es gibt den Westteil, wo die Juden wohnen und den Ostteil, wo die Araber wohnte. Der Kontrast ist überdeutlich. Es zeigte sich mir der Unterschied der Werte der beiden Völker. Es zeigten sich mir auch die Übertreibungen der arabischen Medien im Vergleich zu dem, was im Gazastreifen wirklich geschah. Wir besuchten auch Familien, die Christen waren. Sie mussten um ihr Leben fürchten, weil sie so eingeschüchtert wurden durch die palästinensischen Muslime. Diese gingen zum Beispiel auf den christlichen Friedhof und stürzten die Kreuze um. Oder sie kauften ein, ohne zu bezahlen. Wollte man Christen interviewen, mussten sie ihr Gesicht verbergen. Ihr Leben war bedroht, weil sie die Wahrheit sagten. Denn, wenn ihre Nachbarn erfuhren, dass sie von dem sprachen, dem sie ausgesetzt waren, würde man sie umbringen. Die Einschüchterungen und die Todesdrohungen waren unglaublich. In der Altstadt von Jerusalem gingen, als ich noch als Korrespondentin dort arbeitete, Schülerinnen im Christenquartier von der Schule nach Hause. Sie trugen die katholische Uniform. Einige Male haben ihnen palästinensische Schüler Säure ins Gesicht geschüttet. Ein paar Mädchen wurden von der Säure entstellt. Sie mussten ins Krankenhaus.
Ich konnte die israelische Seite sehen, die immer die besten Friedenshoffnungen hegt. Sie lehren ihre Kinder, dass es eines Tages Frieden mit den Palästinensern geben wird. Sie sagen, eines Tages werden wir Frieden mit unseren palästinensischen Nachbarn haben. Und wir wollen alles tun, um diesen Frieden zu erreichen. Ging man zu den Palästinensern, hörte man sie ihre Kinder lehren, eines Tages werden wir alle Juden umbringen und sie ins Meer treiben.
Wenn Israel den Gaza und die Westbank zurückgeben würde, brächte dies für den Frieden nicht viel. Die Palästinenser wollen alles, nicht nur das. Man muss wissen, als die PLO 1964 gegründet wurde, war Gaza unrechtmässig von Ägypten besetzt worden. Und das Westjordanland war unrechtmässig von Jordanien besetzt worden. Arafat wollte ganz Israel. Auf den Karten in den Schulen der Palästinenser existiert Israel nicht. Sie wollen das ganze Land. Es gibt keinen Platz für Israel. Sie wollen keine Juden in den arabischen Gebieten. Israel dagegen hat israelische Muslime als Bürger, es gibt Moslems in der Knesset, also im Parlament. Nennen Sie mir ein arabisches Land mit einem Juden in der Regierung? Die Araber hassen die Juden. Israel kann Gaza und die Westbank zurückgeben, aber es wird deswegen keinen Frieden geben. Die Palästinenser werden kämpfen, um mehr zu bekommen.
Die Palästinenser haben gelernt, die Medien für ihre Ziele zu manipulieren. Sie lassen den Westen nach ihrer Geige tanzen. Wenn man in den Abendnachrichten hört, dass Israel einen Hamasführer getötet hat, aber noch 14 Menschen umkamen, darunter einige Kinder, denkt der Westen, diese Israelis haben wieder etwas Schreckliches getan. Sie töten Kinder. Sie müssen aber wissen, dass sich dieser Führer bewusst bei den Kindern versteckte. Das nenne ich, seine eigenen Leute umbringen. Der Westen verseht nicht, wie der Nahe Osten denkt. Das schockiert mich. Man stelle sich vor, wenn man zum Beispiel mit Japan erfolgreich Geschäfte machen will, muss man viel Zeit und Energie investieren. Man muss die japanische Kultur kennen lernen. Man lernt ihre Sinnen und Bräuche kennen. Man weiss dann mit der Zeit: So kann man mit Japan am effektivsten Handel treiben..Und hier befinden wir uns in einem Krieg. Einem heiligen Krieg, der gegen Juden und Christen erklärt wurde. Weltweit. Aber hier stecken wir den Kopf in den Sand. Nehmen wir die IUG, die Islamische Universität in Gaza-Stadt. Eine Uni sollte eigentlich ein Ort sein, um Toleranz zu üben, wo man verschiedene Kulturen kennen lernt, verschiedene Ideen. Doch die IUG Uni lässt Hass zu. Es gibt Vorlesungen, wo die Leute aufstehen und Hasstiraden gegen Israel schreien. Alle Juden sollten umgebracht werden, kein Erbarmen mit den Juden. Wie können wir so etwas zulassen. Wie können wir akzeptieren, dass man da an Selbstattentate glaubt, an Terrorismus. Wer nämlich die Bombenattentäter, den Terrorismus nicht verurteilt, dessen Hände sind besudelt mit dem Blut der Unschuldigen. Das müssen die Menschen erkennen. Wir müssen aufwachen.”
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Time am 15. November 2007
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http://www.jesus.ch/index.php/D/article/538-Versoehnung/38249-Die_Augenzeugin_Brigitte_Gabriel/