Mit ‘Matthias Fienbork’ getaggte Artikel

Hart, härter, demokratisch

6. Mai 2011

Gustave Doré: Der Prophet Elias tötet die Baalspropheten

Die Verurteilungen der Freudenbekundungen anlässlich der Höllenfahrt A*schl*ch bin Ka*kens („Höllenfahrt?“ fragen Sie erstaunt, „kommt er denn nun doch nicht ins Paradies?“ Oh nein, denn oben ist unten, rechts ist links, Nazislahm ist Frieden und das Orkparadies ist die Nichtorkhölle) werden insbesondere in Deutschland häufig mit dem „Argument“ be­gleitet, grade die westlichen Demokratien müssten nun in jeder Situation ganz unbedingt ganz besonders demokratisch, rechtsstaatlich, mitfühlend und freundlich agieren, da unser Gesell­schaftsmodell ansonsten weiterhin von den Orks abgelehnt werde und für sie unattraktiv sei. Reuters am 4. Mai (1):

„Nach dem Tod des Al-Kaida-Extremisten Osama Bin Ladens hat Bundesaußenminister Guido Westerwelle vor überzogenen Freudenreaktionen des Westens gewarnt und zu mehr Respekt vor dem Islam aufgerufen. Wir müssen aufpassen, dass wir mit unseren Reaktionen im Westen – bei allem Verständnis über die Erleichterung – nicht Bilder in die Welt senden, die wiederum nur zu einer Aufstachelung oder Heroisierung Al-Kaidas beitragen.“

Ich meine, dass das ein hanebüchener Unsinn ist. Wir müssen nämlich vor allem aufpassen, dass wir den Counterjihad mit möglichst geringen Opfern und Schäden auf unserer Seite gewinnen. Die Mohammedanisten lehnen uns sowieso ab, ihre Ideologie ist eine Sklaven­halter- und Räuberideologie, und das einzige, was die beeindruckt, sind unsere exzellenten Waffen, auf die sie in ihrer 1.400-jährigen Raserei selbst immer wieder gerne zurückgegriffen haben.

Demokratie ist nicht gleichbedeutend mit Selbstaufgabe oder Schlaffheit, wie die exzessive Grausamkeit bzw. Entschlossenheit der griechischen und römischen Demokratien zeigt. Wiki (2):

„Aufgrund von Sullas militärischer Überlegenheit kamen die versammelten Senatoren nicht umhin, ihn in seinem prokonsularischen Amt zu bestätigen. Zugleich wurden alle Beschlüsse Sullas im Osten und alle seine Maßnahmen gegen innenpolitische Gegner gebilligt. Am 3. November wurden auf dem Marsfeld in Rom mehrere Tausend Samniten eingeschlossen und durch Speerwürfe getötet.“

Demokratie und Rechtsstaat sind die Staatsform, in der wir leben wollen, und mir fällt jetzt so auf die Schnelle auch überhaupt keine militärische Auseinandersetzung zwischen zwei modernen Demokratien ein (d.h. „Demokratie ist Frieden“), aber wenn wir uns im Inneren freiheitlich und gleichberechtigt organisieren und unseren Mitbürger prinzipiell als Freund ansehen, dann heißt das noch lange nicht, dass wir nun jeden Menschen als Freund ansehen – und unsere Todfeinde da draußen schon gar nicht (Was orkische Masterminds begriffen haben, weshalb sie uns von innen zerstören wollen)! 

Deshalb sollten wir nicht nur schlecht über Hitler, Stalin, Mao, bin Ka*ken und seinen Meis­ter Klo H. Metzel reden (3). Nein, wir sollten die Kämpfer für diese zutiefst bösartigen Ideen­geber mit aller uns zu Gebot stehenden Macht und Kraft schlagen. Es geht nicht um Fairness, es geht um Vernichtung: einer satanischen Ideologie und ihrer Hohepriester.

Die Bibel erzählt von König Ahab, der zu Baal konvertierte und den Juden damit die Dürre brachte (1. Kön/16,29ff.). Nach drei Jahren hatte Gott jedoch genug vom Strafen, da es keine Einsicht bewirkte, und er schickte seinen einzig verbliebenen Propheten, Elia, damit der König und Volk wieder auf den rechten Weg brächte. Elia schlug den 450 Priestern Baals ein „Wettzaubern“ vor: Jeder der beiden Götter solle seine Stärke dadurch zeigen, dass er seinen Opferaltar selbst entzünde. Die Baalspriester „riefen laut und ritzten sich mit Messern und Spießen nach ihrer Weise, bis ihr Blut herabfloß (vgl. ‘Ashura’, T.). Als aber der Mittag vergangen war, waren sie in Verzückung bis um die Zeit, zu der man das Speiseopfer darbringt; da war keine Stimme noch Antwort noch einer, der aufmerkte (18,28f.).“ Als Elia an der Reihe war, forderte er dreimal dazu auf, vier Eimer Wasser über den Altar zu gießen, es war soviel Wasser, dass es sich in einem Graben um den Altar sammelte. Dann sprach er: „‘Erhöre mich Herr, erhöre mich, damit dies Volk erkennt, dass du Herr, Gott bist und ihr Herz wieder zu dir kehrst.’ Da fiel das Feuer des Herrn herab und fraß Brandopfer, Holz, Steine und Erde und leckte das Wasser auf im Graben.’“

Was passierte dann?

„Als das alles Volk sah, fielen sie auf ihr Angesicht und sprachen: Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott (Jahwe, T.)! Elia aber sprach zu ihnen: Greift die Propheten Baals (Beachten Sie, dass es hier ‘Propheten’ heißt, T.), dass keiner von ihnen entrinne! Und sie ergriffen sie. Und Elia führte sie hinab an den Bach Kison und tötete sie daselbst.“ (1. Kön. 18/39,40)

Niemand aus dem Volk wurde hier in die Sklaverei geführt, niemand wurde bestraft, aber gegenüber den Religionskommissaren mit ihren von Bosheit durchtränkten Seelen gab es kein Erbarmen.

Bin Ka*ken war der orkische Religionskommissar mit dem größten „Mana“ (4) seinerzeit, er hat die absolut angemessene Behandlung und das höchstmögliche Maß an Fairness erfahren.

Inzwischen hat „al Kaida“ den Tod von bin Ka*ken „offiziell“ bestätigt (5), so unsere hirnrissige Dimmipresse, und wir sind gespannt, wann die Mörderbande wohl in den Menschenrechtsrat der U-NO berufen werden wird.

In der heutigen FAZ  stellte Aaron Y. Zelin eine Übersicht über die Reaktionen der Jihadisten in ihren Internetforen vor. Er ist wissenschaftlicher Assistent an der Brandeis University in Boston und, so die FAZ, „ein Kenner der Islamistenszene“ (6). Die Übersetzung lieferte Matthias Fienbork.

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Glückwunsch, Usama, wehe Obama!

Skepsis, Jubel über den “Märtyrer” und Rache. Davon sind die Foren der Islamisten im Internet geprägt. Eine Übersicht in Stichworten.

Seit der amerikanische Präsident Barack Obama die Tötung Usama Bin Ladins bekanntgegeben hat, wird in den globalen Dschihadisten-Foren darüber debattiert, ob Bin Ladin tatsächlich tot ist. Viele Sympathisanten äußern sich skeptisch. Dies entspricht der Reaktion, die von der Gruppe “Tehrik-i-Taliban Pakistan”(TTP) und den afghanischen Taliban zu hören war. Andererseits wird in vielen Foren Bin Ladin gepriesen und sein Tod akzeptiert. Diejenigen, die nicht an seinen Tod glauben, drohen für den Fall, dass er tot ist, Racheaktionen an.

Am Montag war auf BBC-Arabic zunächst eine Videobotschaft von Wali Al-Rehman verbreitet worden, dem Kommandeur der Taliban in Südwasiristan, der zufolge Bin Ladin nicht tot sei. Später wurde indirekt eingeräumt, er lebe womöglich doch nicht mehr. Nun seien der pakistanische Präsident Zardari und die Armee das wichtigste Ziel, Amerika das zweitwichtigste Ziel, sagte der TTP-Sprecher Ihsanullah Ihsan. Bei den afghanischen Taliban heißt es noch anders. Ihr Sprecher Zabihullah Mujahid sagte, es gebe noch keinen Beweis von Bin Ladins Tod.

Die Erklärungen der Taliban werden in Dschihadisten-Foren als Beweis dafür gesehen, dass man den Worten Obamas keinen Glauben schenken dürfe. In Foren wie “Jamia Urdu Forum”, “Ansar al-Mujahidin Arabic Forum”, “Ansar al-Haqq French Forum”, “Islamic Awakening English Forum” sowie in deutschen und indonesischen Foren wird zu Geduld aufgerufen. Man solle Stellungnahmen der offiziellen Mudschahedin abwarten, statt sich auf Informationen der “Kuffar” (Ungläubigen) zu verlassen. In dem einflussreichen “Shmukh al-Islam Arabic Forum” zog der Administrator Abu Turab al-Muhajir die Glaubwürdigkeit Amerikas genauso wie diejenige arabischer Medien in Zweifel.

Auch das Fehlen konkreter Beweise für den Tod Bin Ladins sorgt für Diskussionen. Nach der Tötung von Abu Musab al Zarqawi, dem ehemaligen Kommandeur von Al Qaida im Irak, veröffentlichten die Amerikaner ein Foto der Leiche. Bin Ladins Seebestattung und das fehlende Bild seiner Leiche sorgen für Misstrauen.

Anders als die offiziellen Vertreter der Taliban und im Gegensatz zu vielen Foren haben die prominentesten “Internet-Scheichs” die Nachricht vom Tod Bin Ladins akzeptiert. Hani al-Sibai, ehemaliges Mitglied des ägyptischen “Islamischen Dschihad”, veröffentlichte ein Statement unter der Überschrift “Glückwunsch, Usama, wehe Obama, wehe den pakistanischen Verrätern”. Hamid bin Abdullah al-Ali, ein Kuweiter mit Beziehungen zu Al Qaida, verfasste eine Elegie “An den Löwen Scheich Usama Bin Ladin, möge Gott ihm gnädig sein”, und Akram Hijazi, ein bekannter jordanischer Dschihad-Blogger, postete einen Beitrag mit dem Titel “Lebe wohl, o du ehrenvoller Scheich”.

Nicht wenige preisen Bin Ladins Tod als Märtyrer. Ein Blogger, der in verschiedenen Foren vertreten ist, schreibt, er habe von Bin Ladins Tod schon vor seiner Tötung geträumt. Er habe Bin Ladin in Jerusalem vor der Al-Aqsa-Moschee gesehen, in Begleitung anderer “Märtyrer”. Viele betonen ihre Loyalität gegenüber der Bewegung und erklären, der Dschihad und die Verbreitung des Willens Gottes gingen weiter. “Wir erneuern unseren Treueschwur gegenüber Gott und unseren Führern und unsere Entschlossenheit, unseren Weg bis zu Ende zu gehen”, erklärt ein Forumsmitglied: “Wir machen weiter.”

Es geht auch um Rache. Abu Sulayman ruft im “Shmukh al-Islam Arabic Forum” die “Muslime der Welt auf, vor allem in Amerika und Europa, die geplanten Operationen nun durchzuführen”. Bestätigten die Mudschahedin Bin Ladins Tod, sei dies das Signal, “mit den bewaffneten Operationen zu beginnen”. Ein anderer erklärt: “wir kommen, Amerika, wir kommen, ihr Juden! Wir kommen, ihr Ungläubige, Atheisten und Abweichler! Neue Kämpfer treffen schon ein, und sie bringen die Särge mit den todbringenden Sprengsätzen.” Ein anderer ergänzt: “Ich werde jedem den Kopf abschneiden, der behauptet, dass Scheich Usama tot ist.” Diese Äußerungen sind alarmierend, aber solche Drohungen werden in Internetforen täglich ausgestoßen. Das tatsächliche Gefahrenpotential ist schwer einzuschätzen.

Neben den Foren preisen Dschihad-Sympathisanten Bin Ladin auch bei Facebook. Eine dieser Seiten nennt sich “Kulna Usama” (Wir alle sind Usama). Bei Youtube werden Gedenkvideos veröffentlicht, zusammengebastelt aus Fotos und Videos von Bin Ladin, unterlegt von ehrenden Texten und emotional aufpeitschenden “Anashid” (islamischen Gesängen). So sind bei den Dschihadisten drei Tendenzen zu beobachten: Skepsis, Jubel und Rache. Solange es keine offizielle Stellungnahme von Al Qaida gibt, werden viele Sympathisanten, selbst wenn die amerikanische Regierung doch beschlösse, ein Foto des toten Bin Ladin zu veröffentlichen, von einem Chor des Misstrauens begleitet werden.

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Time am 6. Mai 2011

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1) http://de.reuters.com/article/domesticNews/idDEBEE74300X20110504
2) http://de.wikipedia.org/wiki/Sulla
3) http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/05/05/you-have-the-right-to-die/
4) http://de.wikipedia.org/wiki/Mana_(religiöse_Praxis)
5) http://www.express.de/news/politik-wirtschaft/al-kaida-bestaetigt-osama-bin-ladens-tod/-/2184/8416544/-/index.html
6) http://jihadology.net/

Im Zeichen der Kirschblüte

19. März 2011

In der heutigen FAZ gibt es einen sehr einfühlsamen Aufsatz von Ian Buruma (1) in der Übersetzung von Matthias Fienbork, der deutlich macht, warum unsere fernen Nachbarn in Japan so leicht unsere Freunde sein können (während dies in Bezug auf unsere unmittelbaren Nachbarn, die dauerhysterischen Mohammedanisten, unmöglich ist).

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Schönheit ist nur das Gesicht des Schreckens

Zwischen Fatalismus und magischem Denken: Ihre Kulturgeschichte lehrt die Japaner den Umgang mit Katastrophen.

Theorien über Nationalcharakter sind mit Vorsicht zu genießen. Das menschliche Verhalten ist viel zu eigenwillig, als dass man es an Faktoren wie Klima oder natürlicher Umgebung festmachen könnte. Und doch wird man vernünftigerweise annehmen können, dass Menschen, die am Fuß eines Vulkans leben, eine etwas andere Lebenseinstellung haben als die Bewohner einer sanften englischen oder bayerischen Hügellandschaft. Vor allem dürften sie kaum Jahrzehnte damit verbringen, an Vulkanhängen Kathedralen zu bauen. Grandiose Bauwerke für die Ewigkeit zu errichten wäre töricht, wenn man davon ausgehen muss, dass die Natur sie jederzeit zerstören kann.

Alle Menschen wissen, dass sie sterben werden, aber nicht alle betrachten Städte als ebenso vergänglich wie das Leben. Europäer beispielsweise können sich zumindest der Illusion hingeben, dass manche Dinge ewig halten. Diese Illusion hatten Japaner nie. Sie können es sich auch nicht leisten. Ihr Land ist viel zu erdbeben- und tsunamigefährdet. Die traditionellen japanischen Häuser aus Holz und Papier waren so flexibel, dass sie kleineren Beben widerstanden, und so leicht, dass die Bewohner eine Überlebenschance hatten, wenn das Haus einstürzte. Aber sie brannten auch leicht. In der Zeit, als Tokio noch Edo hieß, brachen so oft Großbrände aus, dass die Leute mit einem gewissen Stolz den Gefahren von Feuersbrunst trotzten, den sogenannten “Blumen von Edo”.

Im zwanzigsten Jahrhundert wurde Tokio zweimal fast vollständig zerstört: 1923 durch ein Erdbeben, das sich um die Mittagszeit ereignete und den größten Teil der Stadt durch Feuer vernichtete, und ein zweites Mal 1945 durch amerikanische Luftangriffe, bei denen mehr als hunderttausend Menschen durch Brandbomben umkamen, die “Molotow-Blumenkörbe” genannt wurden. Und zweimal schafften es die Japaner, aus dem zerstörten Tokio in Rekordtempo eine noch modernere, noch rasantere Stadt wiederaufzubauen.

Die Unberechenbarkeit der Naturgewalten mag zur buddhistischen Schicksalsergebenheit der Japaner beigetragen haben. Der Buddhismus ist nur eine der großen japanischen Religionen. Die andere ist der Shintoismus, ein altjapanischer Kult. Daneben gibt es den Konfuzianismus, eine chinesische Moralphilosophie. Alle drei prägen das japanische Denken und Verhalten. Besonders im Buddhismus mit seiner Vorstellung eines ewigen Kreislaufs von Tod und Wiedergeburt geht es um Vergänglichkeit und Verlust. Da man Erdbeben oder Tsunamis nicht verhindern kann, ist es am besten, den Gedanken an eine jederzeit mögliche Zerstörung als notwendigen Bestandteil des Lebens zu akzeptieren. Einer der gebräuchlichsten Ausdrücke im Japanischen (wie das “that’s not fair” im Englischen) lautet Shikata ga nai, “es ist nicht zu ändern”.

Das bedeutet nicht, dass das Leben in Japan nichts zählt. Die Japaner leben genauso gern und nehmen genauso großen Anteil am Leben ihrer Angehörigen und Freunde wie die Engländer oder Bayern. Wenn überhaupt, dann sollte die Erkenntnis, dass das Leben in jedem Moment zu Ende sein kann, die Menschen dazu bringen, noch bewusster zu leben. Tatsächlich gibt es in Japan genauso große Unterschiede wie anderswo. Manche Japaner genießen das Leben mehr als andere. Aber die Vorstellung, dass nichts von Bestand ist, prägt die Kultur auf besondere Weise. Man sieht das beispielsweise in der Kunst.

Wir alle sind traurig, wenn etwas Schönes vergeht. Die Japaner machen fast einen Kult daraus. Eben deswegen spielt die Kirschblüte eine so große Rolle, weil sie nur kurze Zeit dauert. Kaum hat man seine Sake-Schale auf diese rosafarbene Pracht erhoben, ist sie auch schon vorbei.

Die Japaner, heißt es, seien viel eher bereit als andere Völker, Selbstmord zu verüben. Das stimmt nicht. In einigen anderen Ländern – Litauen oder Südkorea – sieht die Statistik viel düsterer aus. Doch im traditionellen Drama und selbst in modernen Popsongs wird die melancholische Schönheit des Todes in der Blüte der Jugend gefeiert. Nicht umsonst wurden die Kamikaze-Piloten in zeitgenössischen Schlagern als “Kirschblüten” bezeichnet.

Die Vergänglichkeit des Lebens ist ein beliebtes Thema in Dichtung und Malerei, im Film und selbst in der Architektur. Die zerstörerischen Naturgewalten sind also nicht nur Quelle von Angst oder Fatalismus, sondern auch von Kreativität. Sie sind gewissermaßen Teil der japanischen Kultur. Im Alltag hat das positive wie negative Auswirkungen. Das Gefühl, dass der Mensch nicht viel tun kann, um angesichts von Naturkatastrophen oder autoritären Herrschern sein Schicksal zu bestimmen, kann zu einer Aufkündigung von individueller Verantwortung führen. Wenn Menschen Verantwortung übernehmen, dann oft in einem formalen Sinn – im Namen der Familie oder des Unternehmens und durchaus auch für anderer Leute Fehler.

Die Japaner haben ein ausgeprägtes kollektives Verantwortungsgefühl. Man kümmert sich um die Gemeinschaft, von der Familie bis hin zur Nation. Die Idee einer universalen Brüderlichkeit im christlichen Sinne ist dem traditionellen japanischen Denken fremd. Zwar hat Japan den Vereinten Nationen viel Geld überwiesen, nicht zuletzt, um nach dem Zweiten Weltkrieg den Respekt der Welt zu gewinnen. Die Japaner haben oft geholfen, wenn andere Länder von Erdbeben oder anderen Naturkatastrophen heimgesucht wurden. Aber in der Vergangenheit ist es ihnen schwer gefallen, ausländische Hilfe anzunehmen, weil sich das nicht mit der japanischen Ehre vereinbaren ließ. Die japanischen Behörden fanden, dass sich das Land selbst zu helfen habe. Als 1995 weite Teile der Stadt Kobe durch ein Erdbeben zerstört wurden, lehnte die Regierung ausländische Hilfsangebote ab, zum Schaden der Opfer. All das hat mit einem kollektivem Pflichtgefühl zu tun, dem Privatinitiative fremd ist. Der amerikanische Individualismus – auch das zum Teil ein Mythos – würde traditionellen Japanern als kindische Illusion erscheinen. Das kann Ausdruck philosophischer Reife sein. Aber es verlangt einen hohen politischen Preis. Der Zweite Weltkrieg mit seinen ungeheuren Zerstörungen wurde nach der Niederlage 1945 von vielen nur als neuerliche Naturkatastrophe, als eine Art Erdbeben empfunden. Diese Haltung verstärkte sich noch durch die beispiellose Zerstörungskraft der Atombomben von Hiroshima und Nagasaki. Diese neue Waffe wurde als höhere Gewalt betrachtet, als etwas, das außerhalb jeder Kriegserfahrung lag, geradezu als Magie. Deshalb war die Kapitulation nach dem Bombenabwurf nicht ehrenrührig. Was konnte ein aufrechter Krieger schließlich gegen eine solche Waffe ausrichten? In der Bevölkerung entwickelte sich die gleiche Denkweise. Man konnte nichts dagegen tun, also fühlte sich auch niemand verantwortlich. Das ist keine produktive Sicht auf die Vergangenheit.

Andererseits reagierten die meisten Japaner in bewundernswerter Weise auf die katastrophale Niederlage. Quasi über Nacht begann eine Nation von chauvinistischen Kaisertreuen, ihre Gesellschaft in liberalerem, demokratischerem Geist zu erneuern. Nirgendwo wurde der Wiederaufbau aus Ruinen tatkräftiger, entschlossener und auch optimistischer betrieben als im Nachkriegsjapan. Wie die Einwohner des alten Edo, die nach jedem Erdbeben oder Feuersturm wieder von null anfingen, gingen die Japaner sogar gestärkt aus dem Zusammenbruch hervor.

Das wird gewiss auch für die jüngste Katastrophe gelten. In mancherlei Hinsicht hat sie schon das Beste in den Japanern hervorgebracht und auch bemerkenswerte Veränderungen erkennen lassen. Viele Beobachter staunen über die allgemeine Disziplin – nirgendwo Plünderungen, nirgendwo Unruhen, nirgendwo offene Panik. So war es nicht immer. 1923 ermordete ein wütender Mob viele Koreaner, die für alles verantwortlich gemacht wurden, vom Erdbeben bis hin zu vergiftetem Wasser. Nicht diesmal. Man hat Vergleiche zu der Situation in New Orleans nach Katrina gezogen, bei denen die Japaner sehr gut abschneiden. Auch die Bereitschaft der japanischen Regierung, diesmal ausländische Hilfe anzunehmen, ist ein gutes Zeichen.

Ein schönes Symbol für den immerwährenden Kreislauf von Zerstörung und Erneuerung ist der Shinto-Schrein in Ise in Zentraljapan. Shinto (“Weg der Götter”) ist eine Art Natur- und Fruchtbarkeitskult, der aber auch die Launenhaftigkeit der Natur anerkennt – in der shintoistischen Welt können gefährliche Vulkane heilig sein. Magisches Denken, wie es die Reaktion auf Hiroshima und Nagasaki kennzeichnete, war in gewisser Weise typisch für den Shintoismus. Die Götter können nicht nur wohlgesinnt sein, sondern auch zerstören. Alles kann Elemente des Heiligen in sich tragen – der Berg Fuji, Flüsse, der Kaiser oder der riesengroße Katzenfisch, der in alten Zeiten als Auslöser gewaltiger Erdbeben angesehen wurde.

Kraft, zumal potentiell zerstörerische Kraft, muss mit Opfergaben und Gebeten besänftigt werden. Die Kraft, die im Schrein von Ise angebetet wird, ist eng mit der kaiserlichen Familie verbunden, die nach allgemeiner Auffassung auf die Sonnengöttin Amaterasu zurückgeht. Der Schrein ist so heilig, dass nur Angehörige der Kaiserfamilie Priester oder Priesterinnen werden können. Dieser heiligste aller Schreine wurde vor 1500 Jahren errichtet. Er ist sehr alt und zugleich sehr neu. Denn alle zwanzig Jahre wird er abgerissen und in identischer Gestalt aus frischem Zedernholz neu gebaut. Wie das Land, wie alle Geschöpfe der Natur, so erneuert sich dieser Schrein unablässig selbst. Dauerhaft ist einzig seine Vergänglichkeit.

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Time am 19. März 2011

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1) http://de.wikipedia.org/wiki/Ian_Buruma


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