Zum gegenwärtigen Kanon der MSM und der Dimmies in den Orientinstituten gehört der ständige Verweis auf die Unruhen in einigen Ländern der arabischen Welt, die mit einem allgemeinen Streben nach Demokratie und westlichen Werten gleichgesetzt werden. Diesem Gesabbel erteilte heute mein Kollege Flash eine treffende Absage (1). Er schrieb:
„Weder existieren Verfassungen noch gab es freie Wahlen, noch gibt es unabhängige Parteien noch ist die Macht der Militärs beschnitten noch ist der folternden Polizei irgendwie Einhalt geboten. Es existiert kein Rechtsstaat, es existiert nichts, was ‚demokratisch’ zu nennen wäre. Und eins ist doch klar: in Ländern mit muslimischer Mehrheit wird es keine Religionsfreiheit geben, und die Hälfte der Bevölkerung wird immer rechtlich zweitklassig bleiben: die Frauen. Die Staaten, denen wir jetzt Milliarden an ‚Aufbauhilfe’ spenden wollen (Irrsinn!), sind in Wirklichkeit keine Demokratien, sondern anarchistische Gebilde mit Militärmachthabern. Was, bitte, sollen solche Staaten mit Milliardengeldern?“
Auf „Quantara“ nimmt denn auch der amerikanisch-iranische Intellektuelle Hamid Dabashi kein Blatt vor den Mund (2). Er verachtet die westlichen Demokratien und träumt wie viele westliche, nicht-stalinistische Kommunisten zur Zeit des „Kalten Krieges“ vom sogenannten „dritten Weg“ zwischen West und Ost:
„(…) Es zeigt, dass selbst in demokratischen Gesellschaften Demokratie zu einem einfachen Lippenbekenntnis verkommen ist.“
Frage: „Wie haben diese Entwicklungen das Bild des ‚Arabers’, ‚Moslems’ oder ‚Iraners’ verändert?“
Dabashi: „Meiner Ansicht nach haben die demokratischen Aufstände in der arabischen und muslimischen Welt, aufgrund ihrer tatsächlichen demokratischen Natur, gezeigt, dass die Bezeichnungen ‚arabische’ und ‚islamische Welt’ obsolet sind. Wir benutzen diese Begriffe irrtümlicherweise. Jetzt erleben wir die Bedeutung der Demokratie neu, wir definieren ihre Idee neu und zeigen dies der Welt. Europäer und Nordamerikaner, die sich einmischen und versuchen, dies zu interpretieren, zu überinterpretieren oder zu manipulieren, sollten besser innehalten und erkennen, dass ein anderes Volk nun dabei ist, die Idee der Demokratie neu zu definieren.“
Ein dritter Weg zwischen westlichen Demokratien und Scharia-Diktaturen? Träumen Sie weiter, Herr Dabashi. Wie lächerlich und arrogant von einem Ork, das in den USA alle Freiheiten genießt, das westliche Modell zu verurteilen und zu verwerfen und ein originär mohammedanistisches zu behaupten, obwohl es in diesem Teil der Welt noch niemals ansatzweise Demokratie gegeben hat, wenn man von den vormohammedanistischen, rechtsstaatlichen Ansätzen der Perser absieht (3). Noch dazu liegen sie alle im Dreck, und nur Afrika, das auch schon ziemlich mohammedanistisch ist, geht es noch schlechter. „Wir definieren Demokratie gegen den Westen neu“, was soll das denn bedeuten, und warum denn nur?
Aber auch Joschka Goebbels hatte ja 1934 über das Nazi-Terrorregime zu Protokoll gegeben: “Trotzdem können wir erklären, dass unsere Regierung den Gesetzen einer veredelten Demokratie entspricht.” Demokratie, das ist ein dehnbarer Begriff. Wie nannte sich doch die deutsche Stasi-Diktatur? „Deutsche Demokratische Republik“, wie lächerlich!
Die demokratischen Systeme des Westens sind recht unterschiedlich, aber eine „Scharia-Demokratie“ wird unter ihnen mit Sicherheit keinen Platz finden. Natürlich sind sie allesamt verbesserungswürdig, aber Kloran, Hadithe und Sira können dafür unmöglich Inspiration sein. Und noch etwas: Der Westen wird auch weiterhin die Welt führen.
Diese Meinung teilt auch Klaus-Dieter Frankenberger mit mir und Präsident Obama in einem wie stets prägnanten Aufsatz in der heutigen FAZ.
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Die unersetzliche Allianz
Obama sieht die westliche Welt nicht im Abstieg begriffen
London ist offenkundig ein guter Ort für amerikanische Präsidenten, um in die Ideengeschichte der angelsächsischen Welt einzutauchen und die Werte, die Amerikaner und Briten teilen und die sie die großen Bewährungsproben bestehen ließen, gegen das Licht der Herausforderungen von heute und morgen zu halten. Offenbar inspiriert sie die demokratiegeschichtlich beeindruckende Kulisse von Westminster ganz unpragmatisch zu einem Pathos des Heroischen und zur Beschwörung von Waffenbruderschaft, Idealen und Prinzipien.
Im November 2003 verkündete George W. Bush in der britischen Hauptstadt, die Ausweitung der Demokratie sei das Gegenmittel zu Instabilität, Hass und Terror: “Dauerhafter Frieden wird dadurch erreicht, dass Gerechtigkeit und Demokratie voranschreiten.” Siebeneinhalb Jahre später verteidigt Barack Obama die Intervention gegen den Diktator Gaddafi mit einem Idealismus, wie man es von ihm so oft nicht gehört hat: “Unser Idealismus wurzelt in den Realitäten der Geschichte – dass Unterdrückung nur ein falsches Versprechen von Stabilität zu bieten hat, dass Gesellschaften dann erfolgreich sind, wenn ihre Bürger frei sind, und dass Demokratien die engsten Verbündeten sind, die wir haben.” Und, mit Blick auf das Aufbegehren und die Revolution in den arabischen Ländern, machte sich Obama wie selten zuvor einen Werte-Universalismus zu eigen – die Idee, dass alle Menschen von “unserem Schöpfer mit bestimmten Rechten ausgestattet sind, die nicht verwehrt werden können”. Das war “Amerikanismus” in Reinkultur, verbunden mit dem Glauben an die besondere Verantwortung der Vereinigten Staaten in der Welt. Bush hatte sicher seine Freude an dieser Rede.
Dem Vorgänger hat vermutlich noch ein weiterer Passus in der Westminster-Rede seines Vorgängers gefallen: dessen entschiedener Widerspruch zu der gängigen Behauptung, Amerika und Europa seien auf dem absteigenden Ast, während andere Länder ihnen erfolgreich die Pole-Position in der Welt streitig machten. Aber der – relative – Machtgewinn Chinas, Indiens und Brasiliens bedeutet eben nicht zwangsläufig, dass der alte Westen künftig machtpolitisch nurmehr kleine Brötchen backen müsse und Führung in der Welt nicht mehr ausüben könne. Obama, der ansonsten viel Sympathie für “nichtwestliche” Länder bekundet, beanspruchte die Führung für den Westen jetzt und in Zukunft. Damit hat er natürlich auch seinen britischen Gastgebern geschmeichelt, schließlich rühmte er mehrfach die gestaltende Kraft von Briten und Amerikanern in der Geschichte, aber immerhin: “Unsere Allianz wird unersetzbar bleiben, um das Ziel zu erreichen, dieses Jahrhundert friedlicher, prosperierender und gerechter zu machen.”
Frieden, Wohlstand, Gerechtigkeit – mag die Welt auch künftig eine andere Topographie der Macht aufweisen, es bleibt an den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten, diese Ziele zu verwirklichen. Daraus spricht nicht Hybris, sondern Realismus. Denn es ist zwar nicht zu bestreiten, dass sich globale Wirtschaftskraft zum asiatisch-pazifischen Raum hin verschiebt und aufsteigende Mächte Mitsprache und Status verlangen. Aber die wenigsten sind bereit, auch die Verantwortung wahrzunehmen, die mit dem Macht- und Einflusszugewinn verbunden ist; im Gegenteil, sie verknüpfen ihren Aufstieg, der sich auch institutionell niederschlagen soll, mit der Absicht, jene Regeln zu ändern, denen sie ihren Aufstieg mitzuverdanken haben. So müssen auch künftig in erster Linie diejenigen weltpolitisch die Hauptlast tragen, die sie auch bisher getragen haben: die atlantische Gemeinschaft und ihre Partner.
Obama hat das so formuliert: Angesichts der Bedrohungen und Herausforderungen “bleiben wir der größte Katalysator für globales Handeln”; “unsere Tradition freier Märkte” biete die größte Chance für Wohlstand; “wir sind die Nationen, die am ehesten willens sind, für die Werte der Toleranz und der Selbstbestimmung einzutreten, die zu Frieden und Würde führen”. Nicht zuletzt angesichts leerer Kassen und den Ursachen der Finanzkrise ist das eine überraschend selbstbewusste, optimistische Beschreibung der Bedeutung und der Leistungsfähigkeiten der Staaten des Westens. In Sack und Asche gehen sie danach jedenfalls nicht. Und so wird die europäische Abteilung des Westens, zum Beispiel, ihren Anspruch nicht aufgeben, auch künftig den Geschäftsführenden Direktor des Internationalen Währungsfonds zu stellen. Darin kann sie sich vom amerikanischen Präsidenten sogar bestärkt fühlen.
Die Führungsfähigkeit des – um neue demokratische Partner erweiterten – Westens hängt freilich mindestens von zwei Dingen ab: Die Staaten, die sich ihm zugehörig fühlen, müssen ihre Staatsfinanzen in Ordnung bringen; ohne deren Konsolidierung wird ihre Handlungsfähigkeit langfristig abnehmen. Und sie müssen ihre Wirtschaften dynamisieren. Selbst wenn sie nicht die Wachstumsraten asiatischer Länder erreichen, müssen sie produktiv, innovativ und wettbewerbsfähig werden – damit attraktiv -, so gut es geht.
Auf den zweiten Punkt hat die frühere Außenministerin Rice hingewiesen: Selbst wenn Amerikaner und Europäer verschiedene Prioritäten verfolgen und sich ihre Agenden nicht gänzlich decken, so ist die transatlantische Verbindung essentiell. Vielleicht ist sie sogar wichtiger als jemals zuvor, einfach deshalb, weil die Liste der Herausforderungen für die internationale Ordnung und damit für den Westen immer länger wird. Amerikaner und Europäer sollten sich also nicht ihre Verschiedenheit und ihre Versäumnisse vorhalten; die sind hinreichend bekannt. Sie sollten zusammenstehen und gemeinsam vorkehren, von Libyen bis zum Hindukusch, vom IWF bis zur Energiepolitik. Tun sie das nicht, entsteht ein Vakuum. Es sollte nicht von jenen gefüllt werden, deren ordnungspolitische Vorstellungen den unseren zuwiderlaufen. Obamas Satz gilt: Unser Bündnis ist auch im 21. Jahrhundert der Schlüssel zu Sicherheit und Wohlstand. Wird das auch in Berlin verstanden?
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Time am 28. Mai 2011
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1)
http://faaanblogg.blog.de/2011/05/28/barer-unsinn-11226807/
2)
http://de.qantara.de/Die-Idee-der-Demokratie-wird-jetzt-von-anderen-neu-definiert/16260c16460i1p8/index.html
3)
http://tangsir2569.wordpress.com/iranian-heroes/kouroshe-bozorg/





