Posts Tagged ‘Richard Wagner’

Das Muster erkennen

29. Dezember 2012

Kasan-Kathedrale

Ab jetzt ohne Tanne: Kathedrale in Kasan/Russland

In der FAZ-Redaktion scheint sich die Erkenntnis weiter zu verbreiten, dass die weltweite Entwicklung in Bezug auf den Mohammedanismus für den Westen und seine Anhänger alles andere als günstig verläuft. Noch sieht man vor allem einzelne Regionen und verweigert sich der Erkenntnis des Gesamtmusters, welches das Muster des 1.400jährigen, gefräßigen Jihad ist, der sich selbst „Islam“ nennt. Dass der „arabische Frühling“ in Wirklichkeit ein „jihadistischer Frühling“ ist, wird jetzt vielen vor allem aufgrund der massiven Verfolgung der Christen (Juden gibt es dort schon nicht mehr) in den betreffenden Staaten deutlich. 

Richard Wagner ging in seinem Leitartikel am 27. Dezember nun soweit, „kraftvolle politische Unterstützung“ für die verfolgten Christen zu fordern, die über „lasche Aufrufe“ hinausgehen müsse, „nicht in Ländern Urlaub machen, in denen (Christen) unterdrückt würden.“

_____

In Bedrängnis

Es steht der katholischen Kirche gut zu Gesicht, wenn sie in ihre Fürbitten nicht nur die Notleidenden in jedem noch so entlegenen Winkel der Erde einschließt, sondern auch für ihre eigenen Mitglieder an einem herausgehobenen Tag wie dem zweiten Weihnachtstag betet. Wie zur traurigen Vergegenwärtigung der Dringlichkeit dieses Tuns wurden, wenige Stunden nachdem Papst Benedikt XVI. in seiner Weihnachtsansprache die Anschläge auf Christen in Nigeria beklagt hatte, von mutmaßlich islamistischen Terroristen wieder tödliche Anschläge auf Kirchen im Norden des Landes verübt. Solche mörderischen Vorfälle sind der Kamm einer Welle wachsender Bedrängungen und Bedrohungen, denen sich Christen auf der ganzen Welt ausgesetzt sehen – vor allem in islamisch geprägten Ländern.

Es lässt sich trefflich darüber streiten, ob man, wie es der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, getan hat, das Christentum als die „meistverfolgte Religion in der ganzen Welt“ bezeichnen kann; denn nicht in jedem einzelnen Fall werden Christen systematisch gesellschaftlich oder staatlich benachteiligt oder gar existentiell bedroht. Es zeugt aber von Mut, sich einem gerade hierzulande weitverbreiteten Affekt entgegenzustellen, der bereit zu sein scheint, alles unter seine Fittiche zu nehmen, solange es nur weit genug von allem Christlichen entfernt ist. Auch Bundeskanzlerin Merkel bekam diesen Affekt kürzlich zu spüren, als sie auf der EKD-Synode auf das Los der Christen hinwies und sich dann von politisch korrekten Menschenrechtsorganisationen und Grünen-Politikern anhören musste, man müsse alle bedrohten Minderheiten gleichermaßen schützen und dürfe Religionsgemeinschaften nicht gegeneinander ausspielen – das war nie die Absicht der Kanzlerin gewesen.

Das Eintreten des Papstes und der deutschen Bischöfe für Christen in aller Welt, verbunden mit unverstellter Kritik an den unguten Entwicklungen in den Ländern des sogenannten arabischen Frühlings, allen voran Ägypten, hin zu wachsender religiöser Intoleranz, bleibt aber vergeblich, wenn es keine kraftvolle politische Unterstützung erfährt. Ohne diese bliebe am Ende nur der etwas lasche Aufruf Zollitschs, Christen sollten nicht in Ländern Urlaub machen, in denen ihre Glaubensbrüder und -schwestern unterdrückt würden.

_____

Auch Günther Nonnenmacher gab sich in seinem Leitartikel in der heutigen FAZ sehr pessimistisch. Er hat erkannt, dass in Syrien nicht der alte Gegensatz Amerika-Russland stellvertretend ausgefochten wird, sondern dass es hier um den Überlebenskampf einer orkischen, nicht-sunnitischen Minderheit geht. So treffend seine Analyse im Einzelnen ist, unternimmt es doch nicht, seinen Blick über die ganze Welt schweifen zu lassen, um das Muster des Jihad zu erkennen. Wenn er dies täte, würde er erkennen, dass die Entwicklung in Syrien durchaus eine sein kann, die uns in Europa in ein paar Jahrzehnten bevorsteht, wenn wir unsere Anstrengungen zur Dekonstruktion des Nazislahm nicht vehement verstärken.

_____

Syrien-Konflikt

Assad ist nicht ein Diktator von Moskauer Gnaden, sondern Führer einer religiösen Minderheit, der Alawiten, die um ihr Überleben kämpft. Deshalb ist zu befürchten, dass Syrien auch ohne Assad noch lange kein befriedetes Land sein wird.

Die Entwicklung in Syrien ist in den vergangenen Monaten über alle internationalen Friedensinitiativen und -pläne hinweggegangen. In einem Kampf, der immer unbarmherziger geführt wird und der inzwischen alle Anzeichen eines Religionskrieges angenommen hat, gibt es letztlich immer weniger zu vermitteln. Spätestens seit der Diktator Assad die syrischen Städte ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung von seiner Luftwaffe beschießen und bombardieren lässt, ist sein Anspruch verfallen, bei Verhandlungen über die Zukunft des Landes noch irgendeine Rolle zu spielen.

Unübersichtlich ist das Feld der bewaffneten Opposition, deren Spannweite von säkularen Kräften bis zu Dschihadisten reicht. Inwieweit die unbewaffnete Opposition in Syrien oder diejenige im Exil auf diese Gruppen überhaupt noch Einfluss hat, ist nicht klar. Die Dynamik dieses Konfliktes, auch im Verhältnis zu den Nachbarstaaten, wirkt immer schwerer beherrschbar.

Das ist der Hauptgrund dafür, dass nun auch Washington und Moskau sich intensiver um eine Beendigung des Massakers kümmern. Weder Amerika noch Russland haben ein Interesse daran, dass der gesamte Nahe Osten destabilisiert wird. Für Washington geht es unter anderem um seinen Einfluss in der arabischen Welt; dazu kommt die prekärer werdende Lage Israels in einem immer stärker vom politischen Islam geprägten Umfeld. Für Moskau ist – neben geostrategischen Überlegungen – die größte Sorge, dass die religiöse Dynamik islamistische Strömungen im eigenen Land befeuert oder seine muslimischen Nachbarrepubliken ergreift und in Brand setzt.

Allerdings hätten Amerikaner und Russen, selbst wenn sie sich auf eine Linie einigen könnten, die Kräfte noch lange nicht gezähmt, die in dem syrischen Bürgerkrieg seit mehr als einem Jahr eskaliert sind. Die Ereignisse und Entwicklungen in anderen Ländern der Arabellion zeigen, dass es zuverlässige „Klienten“ äußerer Mächte, die sich von Washington oder Moskau dirigieren ließen, nicht mehr gibt. Die nationalen Revolutionen haben jeweils eine Eigendynamik gewonnen, die von außen schwer zu beeinflussen ist. Assad ist nicht ein Diktator von Moskauer Gnaden, sondern Führer einer religiösen Minderheit, der Alawiten, die um ihr Überleben kämpft. Deshalb ist zu befürchten, dass Syrien auch ohne Assad noch lange kein befriedetes Land sein wird.

_____

Dass bald Schluss sein wird mit Zehntausenden von Alawiten und Christen und mit Assad, scheint eine ausgemachte Sache zu sein. Dabei hatte sich der Diktator wie ehedem Saddam mit aller Kraft an die Sunna-Orks angebiedert und sogar dem palarabischen Kindermörder Kuntar die höchste Auszeichnung des Landes verliehen (2)

In Russland ist man syrischen Verhältnissen näher als in Europa, was kein Wunder ist, da man endlose Grenzen mit Orkstaaten und ganze Orkvölker im Inneren hat. Lesen Sie einen diesbezüglichen Artikel aus der FAZ vom 27. Dezember von Michael Ludwig, der mit der Formulierung schließt: „In welche Richtung sich Tatarstan entwickelt, ist offen.“ Damit meint er wohl, dass offen ist, ob Tatarstan im Kreis der Zivilisationen verbleibt oder ob es völlig in die Orksphäre abrutscht. Ich meine, es kommt vor allem auf die Kraft an, die der Counterjihad entwickeln kann, damit dies nicht geschieht.

_____

Die tatarische Tannenbaumdebatte

Im Kreml von Kasan an der Wolga gibt es dieses Jahr zu Neujahr keinen festlich beleuchteten Baum mehr. Das ist ein Teil eines langen Streits über russische und muslimische Symbole.

Über dem Kreml von Kasan ragen vier Minarette hoch in den Himmel. Seit einigen Jahren überragen sie die russische orthodoxe Kathedrale in der Festung aus dem 16. Jahrhundert. Nur an einigen wenigen Tagen im Jahr hatten die Minarette der Kul-Scharif-Moschee zuletzt noch Konkurrenz: wenn zu Neujahr vor der Kremlmauer eine möglichst hohe Festtanne aufgestellt und festlich beleuchtet wurde. Aber die zentrale Tanne hat ihren Platz vor dem Sitz der Regierung der Republik Tatarstan bis auf weiteres verloren.

Vielen Muslimen in der Region an der Wolga gelten die Tanne und die Feiern zum Neujahrsfest als Symbole einer fremden Kultur, als unislamisches, verwerfliches und gar gefährliches russisches Brauchtum. Vergangenes Jahr hatten islamische Fundamentalisten Flugblätter an Häuserwände geklebt, auf denen Muslime dazu aufgerufen wurden, sich vor den Neujahrsfeiern zu hüten: Es sei eine große Sünde, Tannen zu schmücken und Kindern zu erlauben, sich an den Händen zu fassen und – Jungen und Mädchen – gemeinsam einen Reigen um die Festbäume in der Stadt oder um die Tanne zu Hause zu tanzen. Wer Väterchen Frost und das Schneemädchen Snjegurotschka verehre, die in Russland den Kindern zu Neujahr Geschenke bringen, der begehe Vielgötterei. Hinzu komme moralische Verwerflichkeit, zumal auch Muslime von der russischen Gewohnheit in Versuchung geführt werden könnten, die Feiern in ein mehrtägiges Besäufnis ausarten zu lassen. Dieses Jahr gab es zwar keine Flugblätter, aber auf islamistischen Internetseiten wurden die Warnungen wiederholt.

Antichristlich ist die islamische Neujahrskritik nicht unbedingt, denn die Tanne spielt in der Russischen Orthodoxen Kirche kaum eine Rolle – sie ist Teil des Neujahrsfestes, das seit den dreißiger Jahren in der Sowjetunion ein Ersatz für das Weihnachtsfest sein sollte, das in Russland am 6. Januar gefeiert wird. Ganz verzichtet wurde auf öffentliche Tannen in Kasan auch dieses Jahr nicht – 162 sind es, über das ganze Stadtgebiet verteilt: Fast die Hälfte der Bevölkerung der Stadt sind noch immer Russen. Sie werden auch dieses Jahr mit ihren ganzen Familien auf die Neujahrsmärkte strömen, um die Tannen herumtanzen, Kinder werden Väterchen Frost, einen Mann mit weißem Rauschebart und Weihnachtsmannmütze, und das Mädchen Snjegurotschka bewundern.

Aber die Russen sind auf dem Rückzug – auch demographisch. Nach der jüngsten Volkszählung bilden die muslimischen Tataren in der Republik Tatarstan wieder die Mehrheit, während die Russen dort zur größten Minderheit wurden. Die Moschee im Kreml von Kasan, eine der größten in Europa, die von 1996 bis 2005 gebaut wurde, ist das sichtbarste Symbol für den Anspruch der Tataren, in der nach ihnen benannten Teilrepublik auch zu bestimmen. Rafael Hakim, der Anfang der neunziger Jahre der Ideologe einer Bewegung für die Souveränität Tatarstans war und als Berater Minitimer Schajimijews, des ersten Präsidenten Tatarstans nach dem Ende der Sowjetunion, die Politik gegenüber Moskau prägte, bekennt offen, dass die Entscheidung zum Bau der Moschee im Kreml politische Gründe gehabt habe. Es sei darum gegangen, in diesem Zentrum der Macht Flagge zu zeigen und mit baulichen Mitteln die „historische Gerechtigkeit“ wiederherzustellen, nach Jahrhunderten russischer Herrschaft, Zwangstaufen, Vertreibungen der muslimischen Bevölkerung aus angestammten Siedlungsgebieten und nach siebzig Jahren atheistischer Sowjetherrschaft. Es habe zu viele Kirchen und „zu wenig Halbmonde“ im Land gegeben.

In Tatarstan wird gerne daran erinnert, dass der Islam in dieser Region Russlands ältere Wurzeln hat als das Christentum. Im Jahr 922 kam eine arabische Gesandtschaft ins Reich der turkstämmigen Wolgabulgaren, und diese nahmen in ihrer Hauptstadt Bolgar den Islam an. Etwa drei Jahrhunderte später wurde Bolgar von den mongolischen Tataren erobert und Teil des Herrschaftsgebietes der Goldenen Horde. Beide Ethnien mischten sich. Zu Russland kam Tatarstan erst ein halbes Jahrtausend später, als Zar Iwan der Schreckliche das Khanat von Kasan eroberte.

Von der großen Moschee und deren Minaretten in Bolgar waren nur die Fundamente übrig geblieben. Wie in Kasan wird auch dort baulich demonstriert, dass sich die Zeiten geändert haben. Neben der Kirche, mit der das Russische Reich einst demonstriert hatte, dass das orthodoxe Christentum in Tatarstan den Islam als herrschende Religion abgelöst hatte, wurde nun auf den Fundamenten der alten Moschee eine neue gebaut. Wichtig scheint bei dieser „Rekonstruktion“ nicht nur gewesen zu sein, dass der Halbmond sich neben dem Kreuz über die Ebene an der Wolga erhebt, sondern auch, dass dieses Minarett die Kirche eindrucksvoll überragt. Wer vom Fluss landeinwärts schaut, erblickt am Horizont, dort, wo vielleicht einmal die Grenzen der großen mittelalterlichen Stadt Bolgar verliefen, die „Weiße Moschee“.

Auch der Name der Moschee im Kreml von Kasan knüpft an diese Geschichte an: Sie ist nach dem Imam Kul Scharif benannt, der im 16. Jahrhundert die Verteidigung Kasans gegen die Truppen des Moskauer Zaren Iwan organisierte und im Kampf sein Leben verlor. Dass die Eroberung Kasans durch Zar Iwan ein weltgeschichtlich bedeutsames Ereignis war, weil es ihm gelang, den nördlichsten Stützpunkt des Islams auf Jahrhunderte unter christliche Herrschaft zu zwingen und Moskaus Anspruch zu untermauern, nach Rom, das zerstört war, und nach Byzanz, das unter osmanische Herrschaft geraten war, als „drittes Rom“ die Belange der gesamten Christenheit zu vertreten, ist verblasst. Für die Tataren von heute ist es jedenfalls ohne Belang.

Religion und tatarischer Nationalismus gehen dabei Hand in Hand – dabei gibt es unter den Tataren höchst unterschiedliche Vorstellungen davon, wie der Islam auszusehen habe. Danis Safargali, tatarischer Nationalist von der „Patriotischen Front Altyn Orda“ (Goldene Horde), bevorzugt den sogenannten traditionellen russländischen Islam und hält die Trennung von Staat und Islam für unverzichtbar. Rustam Safin, Imam der schäbig wirkenden kleinen Kasaner Moschee Al Ichlas, hängt dagegen offenbar einer Richtung an, die auf fundamentalistische Einflüsse aus Arabien schließen lässt – auch wenn er beteuert, nicht in einem arabischen Land, sondern in Tatarstan den Islam studiert zu haben. In der offiziellen Geistlichkeit sieht Safin Marionetten der Regierenden, in dem lockeren „traditionellen Islam“ die Fortführung des sowjetischen Bestrebens, Muslime mit Wodka zu demoralisieren. Den Bau der Kul-Scharif-Moschee hält er für überflüssig, die teure Spezialanfertigung des weltgrößten Exemplars des Korans ebenfalls. Das Geld hätte man lieber im Interesse der Menschen ausgeben sollen, sagt er. Ihnen in ihren materiellen Nöten zu helfen und sie zum Gehorsam gegen Allah zu führen sei viel wichtiger als solche Symbole. So halte er es in seiner Moschee, sagt Rustam Safin – sie hat ihren Platz im einstigen Kesselhaus der Heizungsanlage einer Wohnsiedlung gefunden. Und wenn die Gläubigen es einst wünschten, sei es auch nicht ausgeschlossen, dass in Tatarstan ein Kalifat, ein Gottesstaat, entstehe.

In Tatarstan suchen gerade junge Menschen Halt – und bei dieser Suche hat der Islam, wie er in der Al-Ichlas-Moschee gelehrt wird, mit seinen einfachen Regeln Vorteile. Das Verbot von Alkohol, dessen zerstörerische Rolle viele kennen, spielt dabei eine wichtige Rolle. Eine junge Frau, die sich für den Islam entschieden hat, spürt zwar ein gewisses Unbehagen an der Stellung der Frau in ihrer Religion – aber wenn ein künftiger Ehemann es wünsche, werde sie auch den Hidschab tragen, sagt sie.

In einem wichtigen Punkt stimmen die beiden Antipoden, der Nationalist Safargali und der Fundamentalist Safin, überein: Die Ermordung des stellvertretenden Muftis von Tatarstan und der Sprengstoffanschlag auf den Mufti im Juli sowie die darauf folgenden Aktionen des Inlandsgeheimdienstes FSB gegen angebliche Islamisten in Tatarstan seien russische Provokationen gewesen. Es sei nur darum gegangen, sich eine Handhabe zur Vernichtung der politischen und wirtschaftlichen Autonomie zu verschaffen, die Tatarstan einst dank Präsident Schajmijew – und dessen Berater Hakim, der übrigens einen Reformislam anstrebt – errungen habe und über die die Republik in gewissem Ausmaß noch immer verfüge. Safargali ist zudem überzeugt, dass die Russen noch immer versuchten, die Tataren durch Druck zu assimilieren. „Für uns hat die russische Kultur, von der Putin spricht und die aus Sauna, Zieharmonika, Wodka und Balalaika besteht, aber keinerlei Anziehungskraft“, sagt der ehemalige Offizier voller Spott.

Safargalis Organisation verbreitet unter den Tataren ihre Sicht der tatarischen Geschichte, propagiert Sprache und Kultur und verbreitet die Grundsätze des Islams im Volk. Er selbst glaubt, dass die föderalen Verfassungsgrundsätze Russlands unter Putin ausgehebelt worden seien. Dagegen gebe es nur ein Mittel: aus der Föderation eine Konföderation zu machen. Dadurch würde auch sichergestellt, dass die Einkünfte der nach russischen Maßstäben relativ reichen Republik Tatarstan im Lande blieben und nicht ab einer bestimmten, von Moskau festgelegten Obergrenze an die Zentrale abgeführt werden müssten.

Auch von Vertretern des offiziellen Islams werden Forderungen vorgebracht, die in Moskau nicht gut ankommen. Der Leiter der zentralen geistlichen Verwaltung der Muslime Russlands, Mufti Talgat Tadschuddin, fordert, im Staatswappen der Russischen Föderation, das auf das Zarenwappen zurückgeht, Veränderungen vorzunehmen, damit auch die Muslime darin angemessen abgebildet seien. Zum gekrönten Doppeladler und der Zarenkrone, die Kreuze zieren, müsse ein Halbmond ins Wappen aufgenommen werden. Tadschuddin wird in seiner tatarischen Heimat von den Muslimen nicht sonderlich geschätzt. Daher hat das Verlangen, den Halbmond ins Staatswappen aufzunehmen, noch keinen offiziellen Fürsprecher gefunden.

Ganz in den leeren Raum ist Tadschuddins Forderung indes nicht gefallen. Auch der Nationalist Danis Safargali fordert, das Staatswappen Russlands neutral zu gestalten. Muslime dürften, bildlich gesprochen, nicht gezwungen werden, sich unter das christliche Kreuz der orthodoxen Russen zu beugen. Im gleichen Atemzug kritisiert er, dass die Kirche sich mit Förderung des Kremls immer mehr als Staatskirche im gemischtkonfessionellen Russland gebärde. Putins Gerede von der Notwendigkeit eines neuen russländischen Patriotismus oder davon, dass die Russen den Kern der Föderation bildeten und die russische Kultur das Fundament der russländischen Nation sei oder die russische Sprache der verbindende Faktor für die Einheit aller Völker, sei nur Vernebelungstaktik, die den russischen Chauvinismus verdecken solle.

Einiges von dem, was Safargali sagt, findet – anders formuliert – auch Eingang in die offizielle Politik der kremltreuen Führung Tatarstans. Der frühere Präsident Minitimer Schajmijew, der als „Staatsrat“ noch immer wichtige politische Fäden zieht, hatte im November öffentlich die „imperiale Nostalgie“ Moskaus gegeißelt und vor Versuchen gewarnt, durch Neuziehung der territorialen Grenzen zwischen den Föderationssubjekten die nationalen Republiken zu überwinden. Jüngst verlangte Schajmijew, dass den nationalen Republiken besondere Vertreter in der Duma zugestanden werden müssten, damit der Gesetzgeber nicht gegen deren Interessen handele.

Beim russischen Gegenpol in Tatarstan herrscht eine andere Sicht. Michail Schtscheglow vom russischen Kulturverein zum Beispiel nimmt Putins Forderung vom alles und alle verbindenden (christlichen) Russentum sehr ernst. Moskau müsse nun Taten folgen lassen und sowohl politisch als auch finanziell, mehr für die Selbstbehauptung der Russen in Tatarstan unternehmen. Bis zu 1000 Russen seien bereits zum Islam übergetreten, sagt er. Die russische Sprache drohe ins Abseits gestellt zu werden. Er wolle nicht irgendwann aus Tatarstan als „Ungläubiger“ vertrieben werden wie die Russen aus dem Nordkaukasus. Tataren dürften Aussagen wie die Schtscheglows dagegen als Beweis für die Existenz einer russischen „Fünften Kolonne“ zur Schwächung der erreichten Selbständigkeit an der mittleren Wolga bewerten.

In den Disputen in Tatarstan deuten sich möglicherweise bereits die Konturen möglicher Konflikte zwischen Moskau und den muslimisch geprägten Teilrepubliken Russlands an, die in Zukunft an Bedeutung gewinnen könnten. Es ist gut möglich, dass die tatarische Tannenbaumdebatte in nicht allzu ferner Zukunft wie ein harmloses Vorgeplänkel aussieht. Die Zahl der orthodoxen Christen hat sich in Russland in den vergangenen drei Jahren um drei Prozent verringert, die der Muslime ist um sechs Prozent gewachsen – und diese Tendenz wird sich nach Ansicht von Demographen fortsetzen. Präsident Putin hat bislang außer der Ankündigung, dass ethnische Gebiete mit eigenem Recht und eklatanten Abweichungen von der russisch geprägten „Leitkultur“ nicht geduldet würden, wenig konkrete Schritte benannt – außer dem Vorschlag, wieder Schuluniformen einzuführen, um den Hidschab an Lehranstalten zu verhindern. Gibt er sich als Befürworter einer größeren Rolle der orthodoxen Kirche als Klammer für das Russentum, handelt er sich von Muslimen den Vorwurf ein, er wolle offenbar den christlichen Gottesstaat. In Dagestan oder Tschetschenien im Nordkaukasus dagegen sind die Exklaven, vor denen er warnt, schon Wirklichkeit. In welche Richtung sich Tatarstan entwickelt, ist offen.

_____

Time am 29. Dezember 2012

_____

1) http://www.faz.net/aktuell/politik/syrien-konflikt-unkontrollierbar-12008356.html
2) http://www.haaretz.com/news/assad-awards-convicted-murderer-kuntar-syria-s-highest-medal-1.258115

Doppelmoral: IHR Kennzeichen

13. Juni 2010

“Hafis am Brunnen”,
gemalt von Anselm Feuerbach (1) 1866 (Ausschnitt)

Zwei Texte in der heutigen FAZ setzen sich mit der neuen Achse Ankara-Teheran auseinander. Christiane Hoffmann lässt dabei, auch wenn sie diese Ansicht als die “mancher” bezeichnet, keinen Zweifel mehr an der tatsächlichen ideologischen Disposition from the Fuhregan, der “… aus seinem islamistischen Herzen nicht länger eine Mördergrube macht”.

Zur Zeit stimmen alle Kommentatoren darin überein, dass Israel durch die Gaza-Flotte eine schwere Niederlage erlitten habe. Diese Ansicht teile ich nicht (2). Ich meine, die IDF haben den Orks und ihren Freunden gezeigt, wo der Hammer hängt, und das war gut so!

Worin die in ihrem Titel angekündigte “Doppelmoral” des Westens nun übrigens eigentlich bestehen soll, wird Frau Hoffmann den Lesern schuldig bleiben, wie Sie gleich sehen werden.

_____

In die Kerbe westlicher Doppelmoral

Ob Gaza-Blockade oder Iran-Sanktionen:
Die Türkei mischt überall kräftig mit

Der Preis mag hoch gewesen sein, aber ihr Ziel hat die Gaza-Solidaritätsflotte mehr als erreicht: Der Mehrwert an internationalem Mitgefühl und Aufmerksamkeit für Gaza, den die Aktion nach der blutigen Erstürmung durch die israelische Marine Ende Mai erzielte, dürfte die kühnsten Erwartungen der Organisatoren übertroffen haben. Noch dazu ist die Diskussion über Sinn und Unsinn der Gaza-Blockade neu entbrannt. Sogar Washington, das zuvor die Blockade nur äußert maßvoll kritisiert hatte, schlug schärfere Töne an. Von einer “unhaltbaren Lage” für die Palästinenser sprach Präsident Barack Obama anlässlich eines Treffens mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Washington – gerade eine Woche nachdem der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu seinen geplanten Versöhnungsbesuch bei Obama wegen der Flottenkrise hatte absagen müssen.

Angesichts der Welle internationaler Empörung sah Israel sich gezwungen, die Blockade zu lockern und einer Untersuchungskommission für die Vorfälle zuzustimmen, über deren Zusammensetzung und Zuständigkeit allerdings noch heftig gekämpft wird. Die herrschende Hamas ist in Gaza in einer komfortablen Lage: Wird die Blockade gelockert, wie es Ägypten mit der unbefristeten Öffnung des Grenzübergangs in Rafah bereits getan hat, wird das den Islamisten als Erfolg gutgeschrieben. Bleibt die Blockade bestehen, kann sich Hamas internationalen Mitgefühls sicher sein. Die Machtstellung der Islamisten hat die Blockade in den drei Jahren ihres Bestehens ohnehin nie gefährdet.

Die Führungsrolle bei der Israel-Schelte übernahm der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Die scharfe Kritik an Israel und die unverhohlene Sympathie für die Hamas sehen manche als Beleg dafür, dass Erdogan aus seinem islamistischen Herzen nicht länger eine Mördergrube macht. Tatsächlich ist er dabei, dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad seinen Rang als Liebling der arabischen Straße streitig zu machen. Erdogan schlägt, wenngleich mit geringerer demagogischer Verve und gedämpftem Sendungsbewusstsein, in genau dieselbe Kerbe westlicher Doppelmoral. Die Ankündigung Teherans, auch der iranische Rote Halbmond werde alsbald Hilfsschiffe gen Gaza senden, lässt auch eine Rivalität erkennen: Schließlich kann man den Türken dieses propagandistisch fruchtbare Feld nicht gänzlich überlassen.

Das lautstarke Auftreten Ankaras lieferte aber auch einen neuen Beitrag zur Frage, wer in der Region in jene Lücke vorstößt, die der beständig schwindende Einfluss Washingtons hinterlässt. Den illustrierten zuletzt die vergeblichen Bemühungen des amerikanischen Sondergesandten George Mitchell, die Friedensgespräche wieder in Gang zu bringen, die als Kollateralschaden des Flottenmanövers einen weiteren Rückschlag erlitten.

Die Türkei hat als Vermittlerin in den Konflikten der Region, als Militär- und als Handelsmacht, ihre Politik aktiviert und das erklärte Ziel des Außenministers Ahmet Davutoglu, das Verhältnis zu allen Nachbarstaaten zu verbessern, mit Nachdruck verfolgt, nicht nur mit Blick auf die Ukraine, den Balkan und sogar Armenien, sondern vor allem zu Syrien und Iran.

Vor allem der Türkei – und China – hat Teheran es zu verdanken, dass Iran es bislang verhindern konnte, zum international isolierten Paria-Staat zu werden – trotz der blutigen Niederschlagung der Oppositionsproteste bei der Präsidentenwahl vor genau einem Jahr und trotz des fortgesetzten Ausbaus seines Nuklearprogramms. Daran ändert auch die am Mittwoch nach monatelangem Tauziehen vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedete nunmehr vierte Sanktionsresolution gegen Iran nichts. Die Türkei und Brasilien, die im Mai eine Vereinbarung über den Austausch von angereichertem Uran gegen Brennstäbe mit Teheran ausgehandelt hatten, stimmten erwartungsgemäß gegen die Sanktionen. Und China, das die Resolution beständig verwässert hatte, um seine Energiegeschäfte mit Teheran nicht zu gefährden, empfing Ahmadineschad tags darauf bei der Expo in Schanghai – nachdem ihm Ankara Anfang der Woche auf einer Sicherheitskonferenz in Istanbul ein Forum geboten hatte.

Die größte Bedrohung fürchten die Machthaber in Teheran von innen. Vor dem Jahrestag der Präsidentenwahl nahm die Repression noch einmal massiv zu. Seit Tagen patrouillieren Spezialkräfte der Polizei auf Straßen und Plätzen der Hauptstadt. Dabei fürchtet die Opposition die Konfrontation auf der Straße: Ihre Führer sagten die für Samstag geplante Demonstration ab, nachdem sie von der Regierung nicht genehmigt worden war.

_____

Eine pointierte Glosse, die ahnen lässt, wie sehr die Verehrung des Dichters Hafis (3) durch das offizielle Iran seiner tatsächlichen Persönlichkeit und seinen Werken widerspricht, und die also einmal mehr die Verlogenheit des iranischen Regime und der mohammedanistischen Unkultur aufdeckt, lieferte Richard Wagner.

Doppelmoral, um auf Frau Hoffmann zurückzukommen, ist eines der entscheidenden Attribute mohammedanistischer Ideologie und im Westen eher bei denen anzutreffen, die den Westen hassen. Die z.B. Krokodilstränen über die vor Gaza getöteten Jihadisten vergießen, denen aber die vielen Christen, die täglich von den Mohammedanisten abgeschlachtet werden (4), völlig egal sind. Doppelunmoral übrigens sehen Sie auf dem Bild rechts.

_____

Wer aus schlichten Verhältnissen kommt

Wer aus schlichten Verhältnissen kommt, muss noch lange nicht so sprechen als käme er aus schlichten Verhältnissen, und so hätte der iranische sogenannte Präsident Mahmud Ahmadineschad seinen Unmut auf die ihm wieder einmal mit Sanktionen kommenden Vereinten Nationen nicht in derart garstige Worte verpacken müssen, wie er das in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe im Beisein tadschikischer sogenannter Eliten getan hat: “Für uns ist das wie eine lästige Schmeißfliege. Gegen uns sind nun Sanktionen erlassen worden. Für uns ist das wie eine Serviette, mit der man sich den Speichel abwischt und sie dann in den Müll wirft.”

Das mag ja nun auch alles so sein, wie er das auf seine stets unrasierte und schlecht gekleidete Art sagte, aber er hätte auch zurückgreifen können auf die Sprachakrobatik eines Hafis, dessen Gedichte zwar immer nach Rosenwasser, Moschus, Rotweinflecken und homoerotischen sogenannten Phantasien müffeln, der aber auch so manches wahre Wort gesprochen hat wie dieses: “Erbaue dich am Weine, Freund – / wirst du der Moderwelt zum Raube, / So backt sie Ziegelsteine, Freund, / nach deinem Tod aus deinem Staube”.

Und hätte er überdies die Aura des Ortes auf sich wirken lassen, dann wäre eine Besinnung auf Hafis überflüssig gewesen, weil sich in Tadschikistan jene sagenumwobenen filigranen Pfirsichbäumchen in den kornblumenblauesten Himmel recken, deren mit kaninchenfellweichem Flaum überzogene Früchte von einer Zartheit und Süße sind, dass sie jeden Sterblichen, der sie genießt, unweigerlich ins Verderben reißen – heißt es.

_____

Sonst durch seine verdrehte Ausdrucksweise bekannt und stets darauf bedacht, sich als Wissenschaftler darzustellen, verliert das räudige Zwergmammut jegliche Contenance und schimpft wie ein altes Fischweib – wenn das kein Zeichen dafür ist, dass die Sanktionen ihn maßlos ärgern und seine Gewaltherrschaft angreifen. Noch ein Hammer, und wir haben noch mehr!

Time am 13. Juni 2010

_____

1) http://de.wikipedia.org/wiki/Anselm_Feuerbach
2) http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/06/01/daniel-pssst-wir-haben-gewonnen/
3) http://de.wikipedia.org/wiki/Hafis
4) http://www.kybeline.com/2010/06/13/philippinen-militante-muslime-ermorden-drei-christen/

Im Interview: Peter Schrull-Latour

3. Januar 2010

Unter den Reiseschriftstellern gefallen mir Bruce Chatwin (1) oder Ryszard Kapuscinski (2) besser, und ich bin auch häufig anderer Meinung als Peter Scholl-Latour (3), aber ein Interview mit ihm in der heutigen FAZ, für das Richard Wagner die Fragen stellte, besticht denn doch durch seinen greisenhaft-granteligen Ton ebenso wie seine erfrischende Selbstironie. Fürwahr eine Schrulle von Format:

Entdecken kann man nichts, aber vieles anders sehen

Ein Gespräch mit dem Journalisten Peter Scholl-Latour über sein Buch “Die Angst des weißen Mannes”

FRAGE: Herr Scholl-Latour, Ihr jüngstes Buch handelt von der Angst des weißen Mannes. Vor was fürchten wir uns?

ANTWORT: Als ich Kind war, war die Welt europäisch beherrscht. Nach den beiden politischen Selbstmorden der Europäer im 1. und 2. Weltkrieg ist diese Vormachtstellung verlorengegangen. Mich betrifft die weitere Entwicklung aber nicht mehr, in meinem Alter.

FRAGE: Warum hat der weiße Mann seine Vormachtstellung verloren?

ANTWORT: Dass er sie überhaupt errungen hat, war ja grandios, nicht wahr, das waren Staaten, die heute keine große Bedeutung haben wie Portugal. Auch die spanische Ausweitung, das war Eroberungsdrang, Abenteuergeist, Gier nach Gold, aber auch der Wille zur Ausbreitung des Christentums, das war damals die Vorstellung, so wie Bush die Demokratie überall verbreiten wollte. Alles naiv, aber ehrlich. Ich habe ja noch das britische Empire in seinen letzten Zügen gesehen – eine grandiose Angelegenheit.

FRAGE: Wie war das in der nachkolonialen Zeit?

ANTWORT: Ich habe sechs Jahre in Afrika verbracht. Ich mag die Kongolesen, aber die haben unter den Belgiern eine fürchterliche Zeit durchlebt. Unter den Briten wurde alles extrem paternalistisch. Eine allzu hohe Bildung haben sie auch da nicht bekommen, aber es herrschte Ordnung, es hat niemand gehungert. Es ist viel Positives geschehen, neben der Ausbeutung. Was später dann im Kongo passiert ist, hat so grauenhafte Ausmaße angenommen, da ist der 11. September ein Klacks dagegen.

FRAGE: Afrika gilt vielen als verlorener Kontinent. In Südostasien hingegen gibt es viele Erfolgsgeschichten.

ANTWORT: Viele haben bei uns geglaubt, man müsse erst Demokratie schaffen, dann käme wirtschaftlicher Fortschritt und mit ihm der Wohlstand. Aber genau das Gegenteil ist der Fall gewesen. Wo man versucht hat, die westliche Demokratie zu kopieren, sind diese Staaten gescheitert.

FRAGE: Ist es ein Fehler, das westliche Gesellschaftsmodell zu exportieren?

ANTWORT: Wenn die Bundeskanzlerin Putin trifft und ihm Vorhaltungen wegen der Menschenrechte macht, ist das schon wegen der deutsch-russischen Vergangenheit unerträglich. Wenn deutsche Politiker aus China zurückkommen, brüsten sie sich damit, Tibet angesprochen zu haben. Was geht das die Deutschen an, verdammt noch mal?

FRAGE: Sollte man nicht für die Menschenrechte eintreten?

ANTWORT: Ich möchte nicht darauf verzichten, ich möchte auch auf die Demokratie nicht verzichten. Nur müssen wir auch bei uns aufpassen. Wir haben schon zu viele Parteien. Drei waren gut, aber inzwischen kommen wir zu einer Lähmung und spüren, dass wir nicht mehr entscheidungsfähig sind. Und das deutsche System auf Afrika zu übertragen wäre purer Nonsens.

FRAGE: Gilt das auch für Afghanistan?

ANTWORT: Ich war vor Jahren bei den Wahlen zur Loya Dschirga dabei, und das war eine ungeheuer kostspielige Komödie.

FRAGE: Singen die Afghanen das Lied, das wir hören wollen, damit unser Geld fließt?

ANTWORT: Wahrscheinlich ja.

FRAGE: Saudi-Arabien hat sich über das Minarettverbot der Schweizer empört, lässt aber selbst kein Christentum zu. Wie müsste der Westen sich da verhalten?

ANTWORT: Wenn sie in Deutschland abstimmen ließen, würden sie wahrscheinlich zu einem ähnlichen Resultat kommen. Eine Stellungnahme kann man schon erwarten, aber die Kanzlerin, die Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Union, das Wort christlich kennt sie gar nicht. Sie redet immer von einer werteorientierten Außenpolitik, welche Werte meint sie denn? Es gibt auch islamische Werte. Mohammed war ein Sozialrevolutionär. Er hat eine Religion geschaffen, die weder Adel noch Klerus kannte, wenigstens in der Sunna. Er hat, da er selbst Waise war, für die Waisen und Witwen gesorgt. Er hatte die Vielweiberei auf vier Frauen begrenzt. Für die damalige Zeit, war das alles sensationell.

FRAGE: Haben Sie mittlerweile alle Länder der Welt bereist?

ANTWORT: Also, es gibt ein paar, wo ich nicht gewesen bin, wo ich auch nicht hin möchte wie die Cayman Islands, ich habe auch kein Konto da.

FRAGE: Sie sind immer noch neugierig?

ANTWORT: Ja. Der Journalismus ist für mich keine Berufung gewesen, sondern ein Mittel zum Zweck, nämlich, das zu tun, von dem ich als Kind geträumt habe. Mein Vater, und das rechne ich ihm hoch an, hat mir Entdecker- und Erobererbücher gegeben, die habe ich mit elf schon gekannt, und das hat mich begleitet mein Leben lang. Gut, entdecken kann man nichts mehr, aber man kann vieles anders sehen.

FRAGE: Hapert es daran bei vielen Politikern, dass sie die Wirklichkeit jenseits der eigenen Landesgrenzen nicht kennen? Vielleicht kennen Sie nicht mal die Wirklichkeit in den eigenen Landesgrenzen gut genug?

ANTWORT: Auch oft die Stimmung nicht.

FRAGE: Wir reden uns die Köpfe heiß, wie wir die Integration der verschiedenen Menschen, die in unserem Land leben, vollbringen sollen. Passen manche Völker besser zueinander als andere Völker?

ANTWORT: Das ist so. Da spielt die Religionszugehörigkeit eine große Rolle. Ein christlicher Araber hat kein Problem, sich zu integrieren. Die Religion macht eine Barriere, nicht weil sie böse ist, sondern weil sie anders ist, andere Gesetze hat. Es gibt auch islamische Tugenden, die wir nicht besitzen. Das wir jetzt eine Familienministerin mit Zuständigkeit für den Islam benennen von 32 Jahren, die nicht verheiratet ist, keine Kinder hat – was die Familie betrifft, ist mir das egal, aber dass sie sich um den Islam kümmert, ist ein Skandal.

FRAGE: Was ist daran skandalös?

ANTWORT: Weil Sie keine Ahnung hat. Und man muss auch Rücksicht nehmen auf die Mentalität dieser Völker. Für die ist eine 32 Jahre alte ledige Frau, die in wilder Ehe lebt, wie man früher sagte, inakzeptabel.

FRAGE: Was ist das größte Problem im Umgang mit dem Islam?

ANTWORT: Die Gefahr, die uns droht, ist natürlich eine Entfremdung der türkischen Gemeinde. Die dritte Generation besinnt sich mehr auf den Islam als die Ersten, die hierher zu uns gekommen sind, und die auch ziemlich unwissende Leute waren. Ich bin auch gegen den Beitritt der Türkei zur Europäischen Union. Das akzeptieren die Türken auch, aber man muss die richtigen Argumente vorbringen. Die Mahnung, sie müssten die Menschenrechte einhalten, ist eine verdammte Heuchelei. Ich sage denen, ihr seid die Erben eines großen Reiches. Ihr seid gleichberechtigt mit uns, ihr seid nicht privilegierte Partner, ihr seid gleichberechtigt. Schlimm ist im Islam der fundamentalistische Wahhabismus der Saudis. Das sind aber die lieben Kinder des Westens.

FRAGE: Was steht uns noch alles bevor?

ANTWORT: Vor dem Terrorismus brauchen wir keine Angst zu haben, mit Terrorismus kann man leben. Die Demographie wird uns beschäftigen. Ich bin im Irak das erste Mal 1951 gewesen. Damals waren es fünf Millionen, heute sind es 25 Millionen. In Algerien 1953, da gab es acht Millionen Muselmanen, heute sind es über 30 Millionen. Die Bevölkerung in Amerika ist zu meinen Lebzeiten von 140 Millionen auf 300 Millionen angeschwollen.

FRAGE: Ist es ein großer Vorteil für die Chinesen auf ihrem Weg zur neuen Supermacht, dass sie stolz sind auf ihre kulturellen Traditionen, auf ihre Herkunft, und dass wir diesen Stolz verloren haben?

ANTWORT: Selbst in der Zeit der tiefsten Erniedrigung Chinas hat es sich allen anderen gegenüber überlegen gefühlt. Ich war mal sehr befreundet mit einer Chinesin und habe sie sehr geliebt, wir sind im Guten auseinandergegangen, aber wenn die wütend auf mich war, hat sie gesagt “you red-faced barbarian”.

FRAGE: Wir “rotgesichtigen Barbaren” haben dem nichts entgegenzusetzen?

ANTWORT: Wie denn? Zum Beispiel die Feier zum zwanzigsten Jahrestag des Mauerfalls am Brandenburger Tor. Da habe ich mich wirklich aufgeregt. Das war ja wirklich ein gewaltiger historischer Einschnitt, nicht wahr, aber anstelle von Gottschalk, den ich mag, das ist ein netter Kerl, und diesem blöden Dominospiel, dieser Lächerlichkeit, da hätten die doch wenigstens Brahms spielen sollen oder Lohengrin, man hätte Parzival nehmen sollen, und dann hätte man einen Choral anstimmen können. Ich bin kein Preuße, aber mich hätte es nicht gestört, wenn die einen Choral gesungen hätten, der katholische Erzbischof hätte ein Tedeum mit Hochamt zelebrieren müssen.

FRAGE: Es gab einmal das Schlagwort vom Ende der Geschichte.

ANTWORT: Es hat wirklich deutsche Idioten gegeben, die daran geglaubt haben.

FRAGE: Sie nennen Ihr Buch einen Abgesang. Geschichte ist zwar nicht ans Ende gelangt, aber sind wir jetzt nur noch Zuschauer des Weltgeschehens?

ANTWORT: Die Amerikaner werden weiterhin Einfluss nehmen. Gott sei Dank, dass sie da sind. Aber sie werden durch das ungeheure Gewicht Chinas gezwungen sein, pazifischer zu denken.

FRAGE: Sie haben eingangs gesagt, dass Sie…

ANTWORT:… ich rede viel zu viel…

FRAGE: Nein, nein. Sie haben eingangs gesagt, dass Sie das alles nicht mehr erleben werden, was jetzt noch auf uns zukommt…

ANTWORT:… ich werde jetzt bald 86.

FRAGE: Ein Prophet sind sie nicht, obwohl sie manchmal einen beschwörenden Ton anschlagen?

ANTWORT: Prophet will ich auch nicht sein.

FRAGE: Ich komme darauf, weil Ihr Buch mit einem Gebet endet.

ANTWORT: Ich bin katholisch, aber nicht sehr fromm. Ich bin ja noch in der lateinischen Liturgie erzogen worden, wenn ich bete, dann auf Lateinisch. Ich muss ehrlich sagen, ich ärgere mich am laufenden Band über die Kirche. Ich halte von den Piusbrüdern überhaupt nichts. Dass sie an der Liturgie festhalten wollen, dafür habe ich aber Verständnis.

Time am 3. Januar 2010

_____

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Bruce_Chatwin

(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Ryszard_Kapuściński

(3) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/30/iraelkritik/
http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/29/muss-jedes-problem-gelost-werden/

Leserbrief-Counterjihad (#1)

14. Dezember 2009

Die FAZ brachte gestern und heute eine Reihe von Leserbriefen mit stark counterjihadischer Tendenz. Joachim Burkart aus Berlin schreibt:

Es ist nicht verwunderlich, dass solche Abwehrreaktionen aus dem Volk kommen“, schreibt Günther Nonnenmacher in seinem Leitartikel “Das Ende der Diskretion” (siehe 1). Denn schließlich gehe es um “religiöse Konflikte, archaische Praktiken, die aus einem überholten Kodex, der Scharia, abgeleitet werden, Parallelgesellschaften, letztlich die Herausforderung durch eine Religion, die, wörtlich genommen, eine Lebensweise vorschreibt, die unserer eigenen nicht entspricht”. Genau so sehen das sehr viele Bürger in Deutschland, nach Prozenten noch viel mehr Leute als in der Schweiz.

Was für ein Glück, dass die Leute bei uns diesbezüglich derzeit nichts zu melden haben. Warum aber schreibt Nonnenmacher dann, es handle sich bei der Abstimmung um eine “Abkehr von der Welt, ein trotziger Rückzug auf sich selbst, in das eigene ,réduit'”? Warum soll diese Abstimmung plötzlich in “Geschichte und Nationalcharakter der Schweizer angelegt” sein? Und warum folgert er nach vielen allgemeinen Worten: “Darin” – sinngemäß, dass die Schweizer jetzt mit einem Ergebnis leben müssen, das für ihr Land politischen und womöglich auch wirtschaftlichen Schaden stifte – muss ihnen Deutschland nicht nacheifern”?

Was will uns Nonnenmacher damit sagen? Dass auch er Angst vor der Vox populi hat? Obwohl er weiter oben anerkennt, es sei “nicht verwunderlich, dass solche Abwehrreaktionen aus dem Volk kommen”? Es gab bis vor nicht langer Zeit durchaus eine F.A.Z., welche die Probleme des politischen Islam kritisch diskutierte und ansprach, bis hin zu Protokollen der Islamkonferenz, zu kritischen Kommentaren von Necla Kelek und anderen.

Reihen sich Nonnenmacher und die F.A.Z. plötzlich auch in die Riege der “wirtschaftlich und politisch Verantwortlichen” ein, die “sich nahezu einhellig gegen das Minarettverbot ausgesprochen hatten”? Sollen die Deutschen diskret bleiben müssen? Ist jetzt in der besten deutschen Tageszeitung auch das Appeasement angesagt? Will die F.A.Z. der scheinheiligen linksliberalen Presse und deren Konfliktverleugnung nacheifern? Dann darf es auch keine fundamentalen oder sogar antagonistischen Konflikte mehr geben. Dann ist es wirklich besser, Volkes Stimme nicht zum Ausdruck zu bringen.

_____

Manfred Schmitt aus St. Augustin bezieht sich ebenfalls heute auf die Ausführungen von Roger Köppel (siehe 2). Er kritisiert u.a. wie Herr Burkart die beschwichtigende Haltung der FAZ:

Die Schweizer Bürger haben die Politiker- und Publizistenkaste bloßgestellt und für alle europäischen Bürger, denen es verwehrt ist, ihrer Meinung Ausdruck zu verleihen, gestimmt. Die 57,2 Prozent Jastimmen bezeugen, dass die Wähler noch bei sich sind und ihnen die Witterung für Gefahren des Gemeinwohls nicht abhandengekommen ist. Den Geist von Tell haben sie noch nicht verloren – nicht verloren den Mut, sich zu wehren, wenn es ums Ganze geht. Zu beklagen ist hingegen das ängstliche Verschweigen von Bürgersorgen hierzulande durch die Zeitungen und sonstigen Medien. Leider hat in letzter Zeit auch die F.A.Z. sich einen seltsam vermittelnden Ton in der Islamdebatte angewöhnt, obwohl sie schon durch die Leserbriefe informiert wird, worüber sich die Bürger Sorgen machen.

_____

Franz Kosel aus Lauffen am Neckar referiert heute auf einen Artikel der FAZ von 2008 über die Einweihung einer Kirche in Qatar und brandmarkt die ungleiche Behandlung von Kirchen gegenüber Moscheen:

Im Jahr 2008 wurde im Emirat Qatar am Persischen Golf eine katholische Kirche eingeweiht. Sie dient den christlichen Gastarbeitern, immerhin 100.000 Menschen unter 900.000 Einwohnern, als Gotteshaus. Der Bericht der F.A.Z. seinerzeit hebt das für die Region Singuläre dieses Ereignisses hervor, schränkt aber abschließend ein: “Vorsicht war trotzdem geboten. Auf einen Glockenturm oder ein von außen sichtbares Kreuz verzichteten die Christen gemäß der Vorschrift.” Unschwer ist die Parallele zum Bauverbot für Minarette zu erkennen, dem die Schweizer in einer Volksbefragung mehrheitlich zugestimmt haben. Mit einem Unterschied: Was im Mittleren Osten als gebotene, ja selbstverständliche Zurückhaltung von christlicher Seite gilt, löst – betrifft es die Anhänger des Islam – in der islamischen Welt, aber auch bei uns wütende Proteste aus. So ist von Islamfeindlichkeit, der Verletzung grundlegender Menschen- und Religionsrechte, von Rassismus die Rede.

Mich wundert, wie wenig diese Asymmetrie in der Wahrnehmung, Beurteilung und Kommentierung von offensichtlich vergleichbaren Vorgängen bei uns Beachtung findet. Diese Asymmetrie scheint mir auch ein wichtiger Grund für das so nicht erwartete Ergebnis in der Schweiz zu sein. Es macht Menschen misstrauisch, wenn Anhängern anderer Religionen bei uns Rechte eingeräumt werden, die den Christen in ihren Herkunftsländern verwehrt bleiben. Dieses Misstrauen wäre um einiges geringer, würden zum Beispiel den Christen in der Türkei nur annähernd gleiche Rechte zugestanden wie den Muslimen bei uns. Dieses Missverhältnis zu akzeptieren mag manchen bei uns als ein Zeichen besonderer Toleranz erscheinen oder als ein Entgegenkommen, das die Integration fördern soll. In den Augen des einfachen Bürgers stellt es eher eine Bedrohung und eine Gefährdung des sozialen Friedens dar. Auch macht es den Menschen Angst, wenn ihre Fragen und Vorbehalte in keinerlei Weise von den Meinungsträgern des Staates aufgegriffen, sondern fast durchweg als unberechtigt abgewehrt oder in eine rechte Ecke gestellt werden. So fühlen sie sich wehrlos einer Entwicklung ausgesetzt, von der sie nicht wissen, wohin sie am Ende führen soll.

In den aktuellen Ereignissen finden dieses Misstrauen und diese Angst zudem reichlich Nahrung. So hat soeben der Europäische Gerichtshof Kreuze in den Schulen verboten, während ein deutsches Gericht einem muslimischen Schüler das Recht auf einen Gebetsraum zusprach. Auch bei den Minaretten könnte es mit ihrem Bau allein nicht sein Bewenden haben. Da sie dem Gebetsruf dienen, könnte als Nächstes – wie in Rheinfelden schon versucht – die Forderung folgen, diesen Ruf über Lautsprecher auch zuzulassen.

_____

Kurz und pointiert schilderte Berthold Fritz aus Duisburg in der gestrigen FAZ einen gewagten Selbstversuch. Er bezieht sich auf den Artikel „Einladung zum Gebet“ von Michael Martens (siehe 3):

Ich habe versucht, die zehn Minuten Video auf Youtube durchzuhalten, um dem Ezan des besten Muezzins Istanbuls zu lauschen. Ich konnte es nicht. So gesehen, haben die Schweizer im Dezember 2009 eine kluge Entscheidung getroffen. Wenn man nicht schon mit der Muttermilch dieses in unseren Ohren unerträgliche Gejammer eingesogen hat und auch die Absicht des Rufers zum Nachmittagsgebet nicht versteht, zieht man das Glockengeläut unserer Kirchen als wesentlich harmonischeren Klang vor, obwohl die meisten von uns Aufgeklärten auch diesem Ruf nicht folgen.

_____

Ludwig Stemmer aus München schrieb zu “Minarette und Kirchenglocken” von Eckart Lohse, Oliver Hoischen und Richard Wagner (siehe 4) und schlug sarkastisch in dieselbe Kerbe wie Herr Kosel:

Ich weiß nicht, warum man sich über die Abstimmung in der Schweiz so aufregt? Schließlich hat die Schweiz eine längere demokratische Tradition als die Bundesrepublik Deutschland und auch eine andere politische Vergangenheit, auf die sie sich – im Gegensatz zu Deutschland – mit Stolz berufen kann. Im Gegensatz zu gewissen Linken und Rechten, welche eine andere Republik anstreb(t)en und deshalb bis hin zum Berufsverbot verfolgt wurden und immer noch vom Verfassungsschutz überwacht werden und mit Verbot der politischen Betätigung rechnen müssen, geht die Errichtung eines islamischen Gottesstaats und der Versuch dazu bei uns unstrittig mit Artikel 4 des Grundgesetzes konform. Das Läuten von Kirchenglocken von 22 Uhr an und vor 6.15 Uhr ist bei uns als Ruhestörung längst verboten. Es fällt offenbar nicht unter den vorgenannten Schutz der Religionsausübung des Grundgesetzes. Ausnahme: das Silvesterläuten um Mitternacht am Jahresende. Der Gebetsruf des Muezzins in der Nacht dagegen schon.

_____

Irmgard Asdonk aus Köln gibt die „Asymmetrie“ ebenfalls zu denken, und sie machte gestern eine Ergänzung in Bezug auf Architektur und Landschaftsschutz:

Wir als Christen wären überaus froh, wenn es in den arabischen Ländern und in der Türkei ganz einfache, schmucklose Kirchenräume gäbe, in denen die Christen dort frei, ohne Repressalien und ohne Angst vor Verfolgung ihre Gottesdienste feiern könnten – ganz ohne Kirchtürme und ohne Glocken! Die Bauform eines Gotteshauses kann die Minderheit in einem Land nicht bestimmen oder sogar verlangen – sie muss sich in das architektonische Gesamt eines Kulturraums einfügen, darf es nicht stören oder sogar zerstören. Das gilt, meine ich, auch und gerade für die Schweiz mit ihrer durch viele Jahrhunderte gewachsenen Verbindung von Landschaft und Kultur.

_____

Time am 14. Dezember 2009

_____

(1) http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E55FF750908A5437BA5159C1795C03507~ATpl~Ecommon~Scontent.html

(2) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/12/01/drei-totalitarismen-in-folge/

(3) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/12/08/kennen-sie-die-hitlerkirche/

(4) http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~EF52866F8878D43A288B949ECC1456ED9~ATpl~Ecommon~Scontent.html


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 27 Followern an