Mit ‘Roland Koch’ getaggte Artikel

Eine Handvoll Wörter weiter

27. November 2009

Am 19. Mai hatte ich in Bezug auf den “Kulturpreiseklat” (1) gefragt: “Die Kulturpreisdebatte geht weiter… bis das Ork den Preis doch noch kriegt?”

Nun ja, das Ork hat den PREIS tatsächlich gestern erhalten, aber die DEBATTE ist doch halt irgendwie nach einem kurzen Stück weit im Sande verlaufen. Am 29.8. hatte es die knappe Meldung in der überregionalen FAZ gegeben, daß Einigung zwischen den Kontrahenten erzielt worden sei. Rhein-Main-Ausgabe und FAZ.net hatten dann am 30.8. lapidar gemeldet: “Es ist sicherlich klug, dass sich die vier Teilnehmer des Gesprächs in Mainz entschlossen haben, vorerst nichts Näheres über den Verlauf ihrer Unterhaltung am Freitag mitzuteilen. Nur das erfreuliche Ergebnis haben sie zur Kenntnis gegeben: Salomon Korn, Karl Lehmann und Peter Steinacker sind der Ansicht, dass auch Navid Kermani mit dem Hessischen Kulturpreis ausgezeichnet werden soll. Diese Zurückhaltung ist mit Rücksicht auf das Kuratorium des Hessischen Kulturpreises gewiss geboten.” (2)

Wie war der Eklat entstanden? Er war entstanden, weil zwei hochrangige christliche Theologen (Karl Kardinal Lehmann (3) und Peter Steinacker – 4) es ablehnten, einen Preis für “interreligiöse Kooperation” und die “Kultur des Respekts” gemeinsam mit einem Schriftsteller (Navid Kermani – 5) anzunehmen, der zentrale christliche Glaubensgrundsätze als Gotteslästerung verhöhnt und nicht zu einem klärenden Gespräch bereit war. Neben den beiden Christen sollte der Jude Salomon Korn (6) geehrt werden, eine Situation, die für den vor Mohammedanist Kermani eigentlich vorgesehenen Mohammedanisten Fuat Sezgin (7) aufgrund der fehlenden Distanzierung von Korn gegenüber Israel untragbar war. In der Rede zur Preisverleihung nun macht Kermani deutlich, daß er keineswegs als toleranter Vertreter des Mohammedanismus geehrt werden möchte, sondern als deutscher Schriftsteller. Hier ein paar Highlights aus Kermanis Rede (8):

“Deshalb möchte ich mich heute auch bei denen bedanken, die dafür verantwortlich sind, dass ich den Hessischen Kulturpreis tatsächlich entgegennehmen darf: Das ist die deutsche Öffentlichkeit, das sind die Journalisten, die Wissenschaftler, Schriftsteller und Intellektuellen, die sich in Artikeln zu Wort gemeldet haben, das sind Politiker gerade auch aus der Partei des Ministerpräsidenten, das ist die Opposition im Hessischen Landtag. Besonders bewegt hat mich, wie solidarisch viele Christen und Vertreter der Kirchen auf die Vorwürfe gegen mich reagierten, in Briefen, in Stellungnahmen und sogar in Predigten. Das war eine sehr schöne, beinah zärtliche Erfahrung.”

Kermani dankt einer Massenbewegung “aufrechter Bürger” von Journalisten über die rot-grüne Opposition bis zu Dimmi-Christen, denen das christenfeindliche Geschwurbel eines Undercover-Orks mehr bedeutet als die profunden Darlegungen ihrer hochqualifizierten Theologen. Die Dimmi-Christen sind seine bevorzugten Opfer:

“Die christliche Toleranz: Ganz neu war sie für mich nicht. Von der Toleranz, die sich im Christentum herausgebildet hat, haben meine Familie und ich nicht gelesen, sondern wir haben sie konkret erlebt, seit meine Eltern vor über fünfzig Jahren nach Deutschland eingewandert sind, in dem christlichen Krankenhaus, in dem mein Vater arbeitete, im christlichen Behindertenheim, in dem meine Cousine untergebracht war, in den christlichen Kindergärten, die wir Söhne besuchten, in der christlichen Familie, in die ein Bruder heiratete, bis hin zur christlichen Schule, die meine Tochter besuchte, und der christlichen Gemeinde in unserem Viertel in Köln – eine Toleranz, welche die Islamische Republik Iran, der ich als Bürger ebenfalls angehöre, Andersgläubigen und Andersdenkenden zumal in diesen Wochen versagt.”

Peinlich, wie er den Christen Honig ums Maul schmiert und noch peinlicher, daß sie es geschehen lassen. Beschönigend kritisiert er den Iran, aber Christen und Juden werden in ALLEN mohammedanistischen Staaten einschließlich der Türkei grausam unterdrückt, so wie es der Kloran vorschreibt (9). Dann bekräftigt er seine Ablehnung der Grundsätze christlicher Theologie und führt eine ebenso subtile wie hinterhältige Attacke gegen Ministerpräsident Koch aus:

“Dass ich an dem Text über die Kreuzigungsdarstellung von Guido Reni nichts zurückzunehmen, nichts zu relativieren und nichts zu entschuldigen habe, wird niemanden überraschen… Hingegen trägt es weder zur Lösung der unleugbar existierenden Probleme bei, noch ist es Ausdruck politischer Verantwortung, in fatal zuspitzenden Äußerungen, im Zusammenspiel mit der Boulevardpresse und mit degoutanten Plakaten an ausländerfeindliche Instinkte zu appellieren, die natürlich in Deutschland wie in jedem anderen Land vorhanden sind.”

Grade noch hatte er die für ihn kämpfende Massenbewegung mit besonderem Hinblick auf die Medien gepriesen, dann seine eigene Unbeugsamkeit unterstrichen, nun fantasiert er sich als Opfer einer Verschwörung der Boulevardpresse im Bündnis mit anti-mohammedanistischen Bürgerinitiativen und der Regierung Koch, und er hebt mahnend den Zeigefinger. Das Publikum seufzt andächtig und ist reif für den Fangschuss:

“Und bei allem Respekt vor dieser Institution (d.i. der Zentralrat der Juden, T.) teile ich die Kritik des ursprünglich nominierten Preisträgers, Fuat Sezgin, an der Stellungnahme des Zentralrats zum Krieg im Gaza-Streifen, GENAUSO wie mich ANDERE (= alle, T.) Stellungnahmen des Zentralrats zum NAHOSTKONFLIKT in ihrer EINSEITIGKEIT befremdet haben. Wir müssen uns gemeinsam gegen jeden zur Wehr setzen, der das Existenzrecht Israels bestreitet. Aber AUCH die Palästinenser haben ein EXISTENZRECHT, und ich wünsche mir, dass der Zentralrat der Juden in Deutschland deutlichere Worte findet, wenn eine israelische Regierung wie die gegenwärtige ALLES tut, um einen lebensfähigen palästinensischen Staat zu VERHINDERN.”

Da ist sie, die obligatorische Stellungnahme gegen Israel, den Staat der Juden, der nach Ansicht der Orks nicht sein darf. Nett, daß er für ein Existenzrecht Israels spricht, aber tut er daß auch für Israel als JÜDISCHER Staat? Oder ist er der Meinung, alle vier oder fünf Generationen der sogenannten “Flüchtlinge” müssten an die Wohnorte ihrer Urahnen zurückkehren dürfen? Er will sich sogar gegen Gegner des Existenzrechts Israels ZUR WEHR setzen, aber inwiefern TUT er das? Es sind übrigens die MOHAMMEDANISTEN, die nicht nur Israel sondern in weiterer Perspektive ALLEN Juden das Existenzrecht absprechen (10). Es sind die MOHAMMEDANISTEN, die bisher jede Gelegenheit zur Souveränität der Palaraber ausgeschlagen und auf Maximalforderungen (d.i. das Ende des Judenstaates Israel) beharrt haben. Heute meldete “tw_24:blog”:

“Nachdem die israelische Regierung die Einstellung von Bautätigkeiten in ‘Siedlungen’ anordnete, fand das zunächst die PA des ‘Palästinenserpräsidenten’ Abu Mazen nicht gut, sondern ‘gefährlich’; nun meldet auch die Demokratiebewegung Hamas aus dem beinahe judenreinen Gaza sich mit einer eindrücklichen Warnung: ‘A return to the NEGOTIATIONS with Israeli would be a national CRIME, Hamas spokesman Sami Abu Zuhri said on Wednesday. ’A return to the negotiating table is a national crime that Palestinians will surly reject,’ Abu Zuhri said, reacting to an Israeli announcement of a curb on expansion of West Bank settlements.” (11)

Aber egal wie verrückt und grausam, die Pallie-Orks sind den anderen Orks allemal näher als jeder andere, Orks kämpfen für Orks, für niemand anderes. Und das sagt Kermani dem, der es bis hierhin noch nicht begriffen hat, mit folgenden Sentenzen:

“Ich hingegen bin für den diesjährigen Hessischen Kulturpreis nicht allein für meine Bücher nominiert worden, sondern als REPRÄSENTANT einer RELIGION (so wie die anderen drei auch, T.). Dass daran etwas NICHT stimmt, hätte ich früher erkennen müssen (Aber das ist kein Grund für Kermani, den Preis dann auch NICHT anzunehmen, T.) … Ja, ich bin Muslim, und ja, ich bin Schriftsteller. Aber ich bin kein muslimischer Schriftsteller. Die einzige Gemeinschaft, der ich als Schriftsteller angehören möchte und vom heutigen Abend an hoffentlich WIEDER ausschließlich angehören werde, ist weder Nation noch Konfession. Es ist eine Literatur. Ich bin ein DEUTSCHER Schriftsteller.”

Hört, hört! “Ich bin Muslim, aber ich bin kein muslimischer Schriftsteller.” Wem will Kermani einen derartigen Schwachsinn weismachen? Jedenfalls keinem Mohammedanisten, die lachen schallend und dann steinigen sie ihn, denn entweder bist du Mohammedanist von oben bis unten oder eben Ungläubiger. Sein freundliches und leichtgläubiges Publikum sind wir, nicht die Orks, wir sind die, die er verändern will. “Deutsch gut, Wurst gut”, bekam ich häufiger im Ausland zu hören. “DEUTSCHER Schriftsteller”, das kommt gut an, “einer von UNS Deutschen” meint mancher, aber ein Flügel des DEUTSCHEN Jihad wimmert grade blutig geschossen im Hindukusch, und Lale Akgün sah sich schon im Amt der DEUTSCHEN Bundespräsidentin. “Nationalismus ist Trumpf”, warum sollte ausgerechnet ein mohammedanistischer Intellektueller und Undercoveragent diese Karte nicht spielen. Geschickterweise schenkt er dann die 45.000 Euro Preisgeld der katholischen Gemeinde St. Theodor in Köln-Vingst, deren Pfarrer Franz Meurer seine Gemeinde nicht nur dazu anhielt, für den Bau der kölschen “repräsentativen” grauen Wolfsschanze zu werben, sondern deren Bau auch durch Geldspenden tatkräftig unterstützte, damit die DITIB und die armen Scheichs nicht so belastet werden.

Und als fulminanten Schlusspunkt setzt Kermani, der sich lautstark als Mohammedanist bekennt, aber  nicht als solcher angesehen werden will, ein Kloranzitat, das seinen Leuten anzeigt, wem in Wirklichkeit sein Eifer gilt, und das zeigt, daß er die deutschen Dimmis für grade so wenig verblödet hält, daß sie sich noch selbst die Schuhe zur Gala zubinden und seinen Preisgeldscheck unterschreiben können. Kermani: “Hätte Gott es gewollt, Er hätte euch zu einer einzigen Gemeinde gemacht. Doch wollt Er euch prüfen in dem, was Er jedem von euch gab. Wetteifert darum in den guten Taten. Koran, Sure 5, Vers 48.”

Im Reclam steht das inhaltlich übereinstimmend in anderer Formulierung in Vers 53. Nur eine Handvoll Wörter weiter aber in Vers 56/Recl. resümmiert AllaHundseingesandter: “O ihr, die ihr glaubt, nehmt euch NICHT die Juden und Christen zu FREUNDEN; sie sind UNTEREINANDER Freunde, und wer sie zu Freunden nimmt, siehe, der ist von IHNEN. Siehe, Allah leitet NICHT UNGERECHTE Leute.”

Time am 27. November 2009

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(1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/19/1075/

(2) FAZnet: http://tiny.cc/yBcj0

(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Lehmann

(4) http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Steinacker

(5) http://de.wikipedia.org/wiki/Navid_Kermani

(6) http://de.wikipedia.org/wiki/Salomon_Korn

(7) http://de.wikipedia.org/wiki/Fuat_Sezgin

(8) http://tiny.cc/a7n0B

(9) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/23/der-kloran-4-hass-auf-juden-und-christen/

(10) Zwei Hadithe:
1.) “Nachdem sie das Fadschr-Gebet verrichtet haben, werden sie herausgehen, um den Dajjal zu treffen. Und wenn sie den Lügner sehen, wird er anfangen zu schmelzen, wie das Salz im Wasser. Isa (Jesus, T.) wird auf ihn zugehen und ihn töten. Sogar die Bäume und Steine werden dann sagen: „O Geist Allahs, hinter mir ist ein Jude.“ Und keiner von denen, die ihm gefolgt sind, werden bleiben, ohne getötet zu werden.“ (Ahmad 14426) von http://www.islampuls.com/forumnew/viewtopic.php?p=4498
2.) “Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: Die Stunde wird nicht eintreten, bis die Muslime gegen die Juden solange kämpfen und sie töten, bis sich der Jude hinter dem Stein und dem Baum versteckt. Da sagt der Stein oder der Baum: O Muslim! O Diener Allahs! Dieser ist ein Jude hinter mir, so komm und töte ihn! Der einzige Baum, der das nicht macht, ist Al-Gharqad, denn er gehört zu den Bäumen der Juden.“ (Sahih Muslim 5203) von http://hadith.al-islam.com/bayan/display.asp?Lang=ger&ID=1660

(11) http://www.tw24.info/?p=1699

Material aus meiner Madrasa zum Thema unter:
http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/15/die-kunststunde-ii/
http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/16/steinackers-erklarung/
http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/19/1075/
http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/20/liberal-wollte-ich-immer-sein/
http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/28/schade-herrrabbi/
http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/29/kreuzhype/
http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/06/01/kreuzestod-und-auferstehung/

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Ergänzung 28. November: Heute teilen sich Ministerpräsident Koch und Preisträger Korn mit zusammen rund 2400 Wörtern den Platz, der dem grrroßen Kermani gestern von der FAZ als Eröffnungsrede zugestanden wurde (2100 Wörter). Hier die Rede von Koch: http://tiny.cc/0IV2N , hier die von Korn: http://tiny.cc/HzRAT Wie man hört, ist Kardinal Lehmann in seiner Rede (vermutlich klugerweise) nicht auf den Eklat zurückgekommen, bisher habe ich weder seine Rede noch die von Steinacker ausfindig machen können.

“Liberal wollte ich immer sein”

20. Mai 2009

In der heutigen FAZ legt Karl Kardinal Lehmann seinen Standpunkt zum Kulturpreiseklat dar, sehr überzeugend, wie ich meine, und eine echte Erholung nach dem gestrigen, hysterischen Geschnatter von F.W. Graf.

Ich stimme Herrn Lehmann im Prinzip auch zu, wenn er sagt: “Der jetzige Konflikt darf nicht umsonst sein. Er zeigt noch dringlicher die Notwendigkeit eines echten Dialogs unter den Religionen. Dieser muss aber an der Wahrheit und damit an den Inhalten der Glaubensüberzeugungen interessiert sein.”

Gleichwohl ist die Sicht des Papstes vielleicht einstweilen realistischer, der, wie Heinz-Joachim Fischer in der FAZ v.10.05. ausführte, gesagt habe (1): “Ein interreligiöser Dialog ‘im engen Sinn’ ist ‘nicht möglich’. ‘Ergebnisoffene’ Verhandlungen sind damit abgelehnt, alles andere hieße, dass sich über Positionen des eigenen Glaubensbekenntnisses ‘verhandeln’ ließe. Die Dogmen und moralischen Überzeugungen werden von einem Dialog (’im engen Sinn’) nicht berührt… ‘Umso notwendiger ist der interKULTURELLE Dialog, der die kulturellen KONSEQUENZEN der religiösen Grundentscheidung vertieft…’”. Aber wie dem auch sei, das Wort hat jetzt Karl Kardinal Lehmann:

Als Ministerpräsident Koch mir die Mitteilung von der Verleihung des Hessischen Kulturpreises machte, war ich zuerst von dem Wagnis überrascht, von staatlicher Seite aus Vertreter der bei uns vorherrschenden Religionen gemeinsam auszuzeichnen. Trotz gewisser Bedenken stimmte ich zu, da mir der interreligiöse Dialog seit vielen Jahren wichtig ist. Als ich ziemlich spät von der Ablehnung des Preises durch Professor Dr. Fuat Sezgin und der Nominierung von Dr. habil. Navid Kermani hörte, habe ich dies ohne Widerspruch zur Kenntnis genommen. Ich besaß einige Bücher von ihm und lernte Navid Kermani vor gar nicht langer Zeit auch persönlich kennen.

Als ich Anfang April den Text von Navid Kermani über den gekreuzigten Jesus Christus von Guido Reni (“Neue Zürcher Zeitung” vom 14. März) las, war mir seit meinem Studium und durch die eigene Koranlektüre längst bewusst, dass der Islam trotz der hohen Anerkennung Jesu harte Aussagen macht zum Faktum der Kreuzigung und zur christlichen Wertschätzung des Kreuzes. Mit dieser Äußerung Kermanis konnte ich durchaus leben, wenn mich auch die Schärfe und Schroffheit des Urteils überraschte. Man muss dazu freilich den ganzen Text lesen.

Navid Kermani hat in unserer pluralistischen Gesellschaft das Recht, seine Meinung zu den Glaubensüberzeugungen anderer Religionen zu äußern. Dies habe ich nie in Frage gestellt. Im Schreiben an Ministerpräsident Koch vom 24. April habe ich jedoch die schwierige Situation dargestellt, in die mich dieser Text im Zusammenhang der Preisverleihung bringt. Ich habe sehr klar zum Ausdruck gebracht, “dass der Essay freilich eine gewisse dialektische Struktur hat und auch paradoxe Elemente enthält”. Ich habe den Schluss, den manche als so “anrührend” empfinden, wohl in seiner schriftstellerischen Kunstfertigkeit gesehen – aber gerade so konnte er die grundsätzlichen massiven Urteile im ersten Teil nicht wettmachen. Ich vermisste schon rein sprachlich Sensibilität und Respekt vor dem christlichen Glauben, auch wenn Navid Kermani diesen nicht teilen muss. Diese Rücksicht gehört auch zur Religionsfreiheit in unserem Land.

Gewiss sollte ich den Preis auch als Theologe und jemand, der das interreligiöse Gespräch zu fördern versuchte, aber nicht zuletzt als Bischof der katholischen Kirche bekommen. Ich musste mir vorstellen, welche Bildunterschriften zu lesen wären, wenn ich in dieser Situation und möglicherweise noch im Bischofsgewand neben Navid Kermani den Preis entgegengenommen hätte. In der Berichterstattung wäre dann zu erfahren gewesen, dass Navid Kermani Kreuzen gegenüber prinzipiell negativ eingestellt ist und sie rundherum ablehnt. Ich malte mir schon die Kommentare derer aus, die mich deswegen verhöhnt hätten, heute aber über mich herfallen, weil ich mir dieses Szenario ersparen wollte.

Schließlich – und dies war der Kern meiner Überlegungen – habe ich auch das Recht, mir mein Urteil zu bilden, ob ich mir dies alles, gerade auch als Bischof und Theologe, gefallen lassen muss. Schließlich habe ich mich schon seit bald fünfzig Jahren als Theologe um das Verständnis des Kreuzes bemüht, es bedeutet mir viel im täglichen Leben, und ich verehre es öffentlich bei vielen Gottesdiensten. Ich hoffte, dass mein Glaubensbekenntnis genügend respektiert wird. Im Übrigen hätten auch meine Mitchristen nicht verstanden, wenn ich mich ohne eine weitere Klärung für eine solche Auszeichnung auf die Bühne gestellt hätte. Als Bischof stehe ich für den Glauben der Kirche und meiner Mitchristen.

Mit keinem Wort habe ich den Ausschluss von Navid Kermani vom Preis auch nur insinuiert, geschweige denn erwartet oder gar angemahnt. Ich habe auch keinen diffamierenden Brief über ihn geschrieben, aber ich habe deutlich zum Ausdruck gebracht, dass ich unter diesen Umständen den Preis nicht in Empfang nehmen kann. Ich bat den Ministerpräsidenten und damit die Jury um eine “Lösung” des Dilemmas. Deutlich habe ich freilich betont, dass ich dabei keine billigen oder faulen Kompromisse annehmen kann. Vielleicht könnte – so dachte ich – Kermani ja auch seine Äußerungen erläutern. Aber ihn darum zu bitten, konnte nicht meine Aufgabe sein. Als ich meinen Brief an Ministerpräsident Koch schrieb, hatte ich noch die Hoffnung auf eine solche Lösung. Es gab also durchaus einen Spielraum dafür. Dieser Versuch ist jedoch gescheitert.

Das Ausmaß von Fehlinformationen und Indiskretionen, Beleidigungen und Schmähungen hat mich trotz mancher Erfahrungen sehr überrascht. Wenn nicht eine grundlegende Achtung vor der Glaubensüberzeugung anderer und Respekt vor der Andersheit des Anderen bestehen, steht es schlecht um ein wirkliches Gespräch der Religionen untereinander. Nur wenn alle Partner sich wirklich um ein tieferes Verstehen und eine wechselseitige Verständigung bemühen, hat das Wort Dialog einen Sinn. “Politische Korrektheit” ist für ein aufrichtiges interreligiöses Gespräch kein Mittel.

Ich bin vor allem als “liberaler” Kirchenmann und Theologe getadelt worden, von dem man diese Eindeutigkeit nicht erwartete. Offensichtlich war die Wut und Enttäuschung umso größer. “Liberal” wollte ich immer sein, wenn dies heißt: hören und achten auf den Anderen, auch wenn er mir sehr fremd ist und bleibt; in jedem Fall das wirklich Gemeinsame suchen; Bindungen und Loyalitäten des Partners nicht ignorieren; Unterschiede nicht verkleistern; verstehende Toleranz walten lassen. Dazu gehört auch, dass man manches Unverständnis, das vielleicht auch an den Grenzen des eigenen Deutenkönnens liegen mag, ohne Groll erträgt. “Liberal” konnte für mich aber nie heißen, dass ich deswegen keinen eigenen Standort einnehmen darf, dass die Frage nach der Wahrheit ausgeklammert wird und damit eben im Kern alles gleich-gültig ist und wird.

Diese Liberalität fürchte ich eher, denn sie hat schon zu viel zugelassen. Eine leere, hohle Toleranz leistet gerade in Konfliktsituationen keinen wirklichen Ausgleich. Die negative Religionsfreiheit schließt, mindestens in der gesellschaftlichen Dimension, das Gewähren positiver Religionsfreiheit ein. Wie sollte denn sonst überhaupt ein religiöser Dialog möglich sein?

Der jetzige Konflikt darf nicht umsonst sein. Er zeigt noch dringlicher die Notwendigkeit eines echten Dialogs unter den Religionen. Dieser muss aber an der Wahrheit und damit an den Inhalten der Glaubensüberzeugungen interessiert sein. Die Hilflosigkeit, mit der in der öffentlichen Diskussion über Kirche und Kreuz geredet wird, spricht Bände und fordert auch für die christliche Verkündigung und die Theologie große Nachdenklichkeit. Es wird hier zugleich deutlich, was “Dialog” nicht heißt: Übergehen und Missachtung der Unterschiede, Sichbegnügen mit einer abstrakten Gemeinsamkeit, Eliminierung des eigenen Profils.

Jeder Dialog muss zuerst klären, wie man miteinander umgeht, gerade bei Differenzen. Hat man dies schon einmal verlässlich geklärt, ist man weit gekommen. Deshalb darf man den religiösen Dialog nicht überfordern. Die bescheideneren, aber klärenden Grenzen eines jeden religiösen Dialogs müssen wir wohl noch gemeinsam besser entdecken.

Dies wollen wir auch in dem Konflikt um den Hessischen Kulturpreis erreichen. Den jetzt von der Politik und der Jury angenommenen und verkündigten Aufschub der Preisverleihung und den Versuch eines persönlichen Gespräches der vorgesehenen Preisträger mit Navid Kermani, zunächst ohne Öffentlichkeit, haben Kirchenpräsident Professor Dr. Peter Steinacker und ich vorgeschlagen. Wir wollen den Fortgang eines wahren Dialogs, den wir ja in der Ökumene seit Jahrzehnten praktizieren.

Ich möchte meinerseits, auch zur Stärkung und Bewährung meines eigenen Glaubens, an den vielleicht etwas bescheidener gewordenen Zielen des interreligiösen Dialogs festhalten. Dafür habe ich vom 28. April bis zum 7. Juli 2009 die Stiftungsprofessur an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz angenommen, und zwar mit dem Thema “Weltreligionen – Verstehen, Verständigung, Verantwortung”. Diesem Thema widme ich mich gemeinsam mit neun Experten. Am Ende wird meine eigene Vorlesung stehen, die schon lange den Titel trägt: “Notwendigkeit, Risiken und Kriterien für den interreligiösen Dialog heute und in Zukunft.”

Time am 20. Mai 2009

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(1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/11/benedikt-is-allright/

Die Kulturpreisdebatte geht weiter…

19. Mai 2009

… BIS DAS ORK DEN PREIS DOCH NOCH KRIEGT?

Zum Thema Kulturpreisdebatte stellt die FAZ heute reichlich Material zur Verfügung.

Da gibt es zunächst die Glosse “Kermani und das Kreuz”, die online und gedruckt bis auf Über- und Zwischentitel gleich ist. In der Online-Version ist die Angelegenheit vom “Eklat” (Aufsehen, Knall, Skandal) zur “Affäre” (1. besondere, oft unangenehme Angelegenheit, 2. Liebesabenteuer) und mithin etwas Schlüprigem mutiert. Ein Zwischentitel kanzelt Lehmann und Steinacker als “Glaubensfunktionäre” ab. Lorenz Jäger, der behauptet, Kermani sei der Preis aberkannt worden, obwohl er erst am 5. Juli verliehen werden sollte, was jetzt auf den Herbst verschoben wird, lenkt nur scheinbar ein: “Man sollte Kardinal Lehmann auch DANKBAR sein: Ein donnernder Eklat ist der DICKEN Luft im KULTURPARADIES vorzuziehen. Denn wenn der Konflikt um das Kreuz Sinn beanspruchen kann, dann in zweierlei Hinsicht. Erstens ist er ein Widerstreit zweier Sprachen. Da hat man das über Jahrzehnte erprobte GREMIEN-IDIOM, das sich in der HÖHENLUFT des OFFIZIELLEN bewährt haben mag, das aber für DIE Menschen, DIE Gläubigen, ja die SEELEN nun mit einem Schlag als unzureichend ERKANNT ist. Auf die VERSUCHENDE, sicher auch herausfordernde Sprache von SELBSTDENKERN (Jaja, NUR IHR seid Menschen, Gläubige, Seelen und Selbstdenker, T.) wie Kermani ist der Diskurs der FUNKTIONÄRE nicht vorbereitet.

Vielleicht noch wichtiger aber ist ein anderer, kaum JE ausgesprochener Aspekt der Debatte. Er betrifft die KREUZIGUNGSLEHRE der Kirchen selbst. Was hinter den SCHEINBAR entschlossenen Einlassungen Steinackers und Kardinal Lehmanns in den Hintergrund zu treten droht, ist die Tatsache, dass sich in DEN Osterpredigten beider Konfessionen eine tiefe UNSICHERHEIT über den SINN des Kreuzes auftat: Sühneopfer oder bloßes „Symbol der Solidarität“ Gottes? Nun also ist bis zum Herbst Zeit für eine ECHTE Klärung.”

Na, das ist wirklich super, denn bis zum Herbst kann der kleine Lorenz noch ganz, ganz viele dufte Glossen schreiben, mit deren Hilfe die christlichen Lehren dann nach 2000 Jahren Geschichte vielleicht endlich mal geklärt werden können. Und vielleicht findet er bis dahin sogar mal in einen Gottesdienst. Was für eine Ignoranz! Und so etwas in der FAZ!

Nun ja, eine nationale Zeitung ist auch eine große Wirtschaftsunternehmung, und eine Debatte am Laufen zu halten ist sicher auflagenfördernd. Dies mag man sich in der Redaktion gedacht haben, als man Friedrich Wilhelm Graf anheuerte. Über ihn heißt es bei Wiki (1): “Am 3. Mai 2003 wurde in der SZ von F. W. Graf ein Artikel veröffentlicht, in der die ev.-luth. Bayrische Landeskirche im Allgemeinen und ihr Ausbildungskonzept im Besonderen in Frage gestellt wurde („Unkulturprotestantismus – Die bayerische Landeskirche ist auf dem Weg zur Sekte“). Der sehr polemisch gehaltene Artikel löste eine über Monate andauernde öffentliche Debatte aus. Auch seine feuilletonistische Auseinandersetzung mit dem Auftreten eines selbstbewußten Atheismus in Gestalt Richard Dawkins und Christopher Hitchens fiel besonders durch kämpferische Polemik statt durch wissenschaftliche Sachlichkeit und Zurückhaltung auf.”

Hier sein Aufsatz:

Kant hat dasselbe wie Kermani gelehrt

Endlich einmal gab es im Gespräch der Religionen mehr als Kompromissformeln von Gremien. Aber da versagten die LESEKÜNSTE zweier Kirchenmänner.

Im Streit um “Dominus Jesus”, die Erklärung der Glaubenskongregation, dass allein die römisch-katholische Kirche wahre Kirche Jesu Christi sei, suchte Karl Kardinal Lehmann im Herbst 2000 in BLUMIGEN Worten zu BESCHWICHTIGEN. Der “Welt am Sonntag” erklärte er, man müsse solche Lehrtexte im “größeren Zusammenhang anderer römischer Verlautbarungen” würdigen. Es entspreche “guter theologischer Übung, Texte in ihrer ganzen Dimension zu erschließen und auszulegen, sie einzuordnen”. Allerdings “habe ich das Gefühl, dass die Kunst, solche Dokumente angemessen und sinngerecht zu lesen, auch in unseren eigenen Reihen eigentlich immer seltener anzutreffen ist”, fügte der Mainzer Bischof selbstkritisch hinzu.

Man darf dies nun als prophetische Einsicht preisen. Sein INFAMER Brief an Ministerpräsident Roland Koch, mit dem er die Vergabe des Hessischen Kulturpreises an Navid Kermani HINTERTRIEBEN hat, lässt KEINERLEI Bereitschaft erkennen, einen ANSPRUCHSVOLLEN religiösen Text in seiner “ganzen Dimension” zu erschließen. Auch die theologischen LESEKÜNSTE Peter Steinackers, des einstigen Präsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, sind nur SCHWACH entwickelt. Wer Kermanis Glaubensessays kennt, kann die von Lehmann und Steinacker erhobenen Vorwürfe nur für gegenstandslos erklären.

Navid Kermani ist kein intoleranter Feind des Christentums, der dessen “Zentralsymbol”, das Kreuz, verunglimpft, sondern ein FROMMER MUSLIMISCHER RELIGIONSINTELLEKTUELLER (what the hell is THAT? T.), der SEINEN Gott (ähem, wie hieß es noch gleich, das höchste Wesen der Orks, war das nicht ALLA? T.) auf GANZ EIGENE Weise verehrt und sich dabei EINFÜHLSAM auch den INNEREN Sinn christlicher FRÖMMIGKEIT zu erschließen sucht. KEIN ANDERER unter den wenigen muslimischen Intellektuellen im Lande hat seit Jahren vergleichbar kundig und verständnisbereit die in sich spannungsreichen christlichen Symbolwelten ernst genommen (Na, das mag sein, denn NICHTS ist zumindest DAS, T.). Kann dies den HERREN Lehmann und Steinacker ENTGANGEN sein? Eine Antwort fällt schwer. Denn entweder muss man ihnen einen ERSCHRECKENDEN MANGEL AN theologischer BILDUNG oder aber einen durch ALTERSEITELKEIT und MACHTINSTINKT genährten Willen zur DENUNZIATION eines deutlich jüngeren Gelehrten attestieren, der, im Unterschied zu den HOHEN geistlichen HERREN, ja keine einflussreiche Großorganisation, sondern nur sich selbst repräsentiert (Navid gegen Goliath, T.).

Kermanis Texte changieren oft zwischen religionswissenschaftlich INFORMIERTER Glaubensanalyse und FROMMEN Bekenntnis. Wie viele christliche Gottsucher der Moderne schreibt er als BEHUTSAM TASTENDER, aber AUCH PROVOKATIV ZUSPITZENDER, um den GLAUBEN der VÄTER in eigene Einsicht zu überführen. Großbürgerlicher Habitus spiegelt sich in demonstrativer Unabhängigkeit und bisweilen stolzem MUT, die ANPASSUNG an die VERLOGENEN Konventionen des “interreligiösen Dialogs” im Land der korporatistisch VERWALTETEN Religion zu VERWEIGERN. Mit ihm zu reden und zu streiten macht großen SPASS. Als Stipendiat der Villa Massimo hat dieser ebenso gebildete wie FROMME Autor (Hier wimmelt es ja nur so von FROMMS, T.) nun neugierig die barocke Glaubenskunst des päpstlichen Rom erkundet, bisweilen begleitet von katholischen Freunden.

Spiegelt seine ANALYSE von Guido Renis Gemälde “Die Kreuzigung” schockierende religiöse Intoleranz oder “unversöhnliche Angriffe auf das Kreuz”? Nein, der muslimische Intellektuelle will dem Bild vom sterbenden Christus gerade Lebenssinn abgewinnen. Er schreibt nichts, was nicht auch viele christliche Denker seit HUNDERTEN von JAHREN gesagt haben (Wenn sie Gottessohnschaft, Kreuzestod, Auferstehung und Trinität ablehnen, sind sie mE. vielleicht “christlich geprägte” aber eben keine “christlichen” Denker, T.). Harte Kritik von Christusikonen und Kreuzigungsbildern prägen die Konfliktgeschichten der diversen Christentümer schon sehr früh. In den Bilderstürmen der Reformation zerstörten protestantische Gotteswortgläubige Tausende von Christusbildern und Kruzifixen (Was nichts weiter als barbarische Akte waren, die kein christlicher Theologe heutzutage rechtfertigen sollte, T.), weil sie in ihnen gotteslästerliche Idolatrie sahen. Kierkegaard, Dostojewski und Tolstoi haben über die amtskirchlich autoritäre Verfälschung des Christusglaubens ungleich härter geurteilt als Kermani, der Benedikt XVI. viel freundlicher würdigt als die große Mehrheit der deutschen Katholiken (All dies hat mE. nichts damit zu tun, dass Kermani in seinem Text leider zentrale Dogmen des Christentum rigoros ablehnt und herabsetzt, T.).

Man wird von einem Kardinal keine innere Distanz zu volksFROMMER katholischer BILDMAGIE, der Anbetung Christi im KreuzesBILD, erwarten dürfen. Aber vom protestantischen Kirchenpräsidenten wünschte man sich schon ein WENIG GEBILDETES Verständnis dafür, dass “das Kreuz” ein polyvalentes, in der Christentumsgeschichte fortwährend umstrittenes Symbol ist. Kermanis These, der Jude Jesus von Nazareth sei “nicht Sohn Gottes”, haben zahlreiche Theologen vertreten (interessant, waren das CHRISTLICHE Theologen? Tststs, was sich so alles “Theologe” schimpft… naja, es gibt ja auch “Friedensforscher”, “Farbberater” usw. usf., T.). Nun hat der Dogmatikprofessor Karl Lehmann die gelehrte Unterscheidung von geschichtlichem Jesus und verkündigtem Christus 1985 zu einer “verhängnisvollen Alternative” erklärt, gegen die große Mehrheit katholischer Neutestamentler. Aber dies gibt ihm NICHT das RECHT, einen DENKENDEN Muslim (äääh, was ist DAS denn? T.) zu DENUNZIEREN, wenn dieser in SUBTILER Bildmeditation kirchliche Lehrformeln PROBLEMATISIERT (nein, er verwirft und verlacht sie, T.) – dogmatische Deutungsmuster, die christliche Theologen seit mindestens DREIHUNDERT Jahren kontrovers diskutieren. ICH hatte Kermanis Artikel an Theologiestudierende verteilt. Weil ich sie antichristliche Intoleranz lehren will? Nein, weil seine Texte WUNDERSCHÖNE Beispiele für jene Fortschreibung des Glaubens sind, die Religionsforscher HYBRIDISIERUNG nennen, Übernahme von Symbolen der einen Religion in die Sinnbilder einer anderen, bezeichnen (o-oh, da wird die Umma ja bald einen neuen Konvertiten und Geleerten willkommen heißen dürfen! Lesen Sie hierzu unbedingt Manfreds Ausführungen zum Synkretismus (2), T.).

Kein anderes Problemfeld christlicher Lehre ist so umstritten wie die SOTERIOLOGIE, die begrifflich voraussetzungsreiche Lehre von der Heilsbedeutung Jesu Christi und seines Kreuzestodes. “Wahrer Gott und wahrer Mensch”, “eine Person mit zwei Naturen”, Golgatha und leeres Grab sind wahrlich schwierige Themen. Es ist intellektuell UNREDLICH, wenn die EINST Systematische Theologie lehrenden Herren Lehmann und Steinacker SO TUN, als bewege man sich in der CHRISTOLOGIE nicht in einem dicht VERMINTEN Feld UNGELÖSTER PROBLEME (Na logo, je mehr Wörter mit “-logie” man verwendet, desto logischer der Text! T.).

Nur ein Beispiel: Wer von Jesu Kreuzestod spricht, muss die Rede vom “Tod des lebendigen Gottes” (Eberhard Jüngel) als christlich legitim anerkennen. Darf ein gottgläubiger Muslim (Mohammedanisten sind NICHT gott- sondern allagläubig! Und deshalb strecken sie zum Gebet auch ihren Allawertesten zu ihm nach oben in die Luft! T.) dann nicht seine Schwierigkeiten mit dem christlichen Symbolsystem bekunden (Es geht darum, dass Kermani für seine stolze Ablehnung des Dialogs nicht mit einem Preis, der das Führen eines Dialogs auszeichnen soll, geehrt werden sollte, T.)? Am Karfreitag geht es um das definitive Ende der autoritären Metaphysik vom allmächtigen Gott. “O große Not! Gott selbst liegt tot. Am Kreuz ist er gestorben; hat dadurch das Himmelreich uns aus Lieb erworben” lautet die zweite Strophe eines ursprünglich katholischen Chorals, vom Lutheraner Johannes Rist 1641 gedichtet. Vom genuin christologischen Sinn der Rede vom Tode Gottes hat Kermani mehr erfasst als ein Mainzer Bischof, der, ich kann es nicht für wahr halten, am Karfreitag “das Kreuz verehrt”. Ich DACHTE bisher (Es spricht ein Prof. für Systematische Theologie! T.), dass für Christen nicht “das Kreuz”, sondern der gekreuzigte Jesus lebenswichtig ist (Genau darum geht es Lehmann und Steinacker doch! Und es geht darum, dass Jesus viehisch gefoltert und ermordet wurde, im Gegensatz zu einem gewissen Klo H. Metzel, der mit Leidenschaft viehisch folterte und mordete, und der deshalb von 1,3 Mrd. Verblendeten verehrt wird! T.). Die Erinnerung an seine Passion diente Christen immer auch dazu, ihre eigene Sterblichkeit zu reflektieren.

Kermani nimmt den Gekreuzigten ernst, indem er in Renis Christus den idealen Repräsentanten der sterblichen Menschheit sieht: “jeder Tote, jederzeit, an jedem Ort” (Nein, Jesus und den Christen geht es mE. nicht um die Tragik des vergänglichen Lebens, einen Aufstand gegen DEN Tod. Es geht um die Idee, dass die beste Art des ZusammenLEBENS die ist, Gottes Gebote zu befolgen und IHN zu lieben und IHM zu vertrauen! T.). Kant, Hegel, Schleiermacher (ganz, ganz schwere Geschütze fährt er da auf, indes, ohne Goethe und Lessing wird es kaum gelingen, T.) haben NICHT ANDERS gelehrt. Auch ist radikale Kritik an der religiösen VERKLÄRUNG barbarischen Leidens (“Verklärung” findet bei KERMANI statt, T.) ein uralter Topos in den innerchristlichen DEUTUNGSKÄMPFEN um Jesu HEILSTOD. Vom “spekulativen Karfreitag” (Hegel), der geistigen Vergegenwärtigung des einst Geschehenen zur Begründung menschlicher Freiheit, sollten habilitierte Theologen schon einmal gehört haben. Allzu DENKFAUL agieren sie nun als KIRCHENFÜRSTEN, wenn sie den Stachel des Negativen in Kermanis Text nicht ERTRAGEN können. Selbst seine Behauptung “die katholische Vorstellungswelt erscheint mir HEIDNISCH” (“Neue Zürcher Zeitung” vom 9. Mai) entspricht nur altem reformatorischem Urteil.

Woher die episkopale AGGRESSIVITÄT gegen den muslimischen INTELLEKTUELLEN? Kermani macht in seinen Erfahrungsberichten aus dem katholischen Rom all jene innerchristlichen Konfliktlinien neu sichtbar, die man in ökumenischer KONSENSSCHUMMELEI verdrängt. Auch demonstriert er durch glaubenssprachliche KREATIVITÄT, dass vielen christlichen Theologen zu den eigenen Überlieferungen nur noch HOHLE Formelsprache, lebensferner KLERIKALJARGON einfällt (Da stimme ich teilweise zu, aber das ist wohlfeil, denn es gibt wie überall auch unter den Theologen natürlich begabtere und unbegabtere Denker und Redner, T.). Oder muss man die EPISKOPALINTRIGE schlicht aufs BELEIDIGTSEIN zweier ÄLTERER Herren zurückführen, die die INTELLEKTUELLE STRAHLKRAFT des Jüngeren nicht zu ERTRAGEN vermögen (Jetzt fängt der wieder von vorne an, nach dem Motto: “Ich bin der Herr Pastor und predige Euch was vor, und wenn ich nicht mehr weiter kann, dann fang ich wieder von vorne an!” T.)? Lehmanns UNTERSTELLUNG, dass Kermani noch kein relevantes Lebenswerk vorzuweisen habe, ist christlich RUINÖS. Ein Blick aufs “Ganze” eines Menschenlebens steht SELBST einem Kardinal nicht zu Gebote (dann holen wir am Besten ein paar Preisträger aus dem mohammedanistischen Kindergarten! Ach nee, gibt’s ja nicht, die unterwandern ja eher die christlichen (3). T.).

Und man wird die Jury fragen dürfen, was an Herrn Steinackers LEBENSWERK denn kulturpreiswürdig ist: Das BIEDERE KIRCHENFUNKTIONÄRSGEHABE? Die ISLAMOPHOBEN STEREOTYPEN (Jetzt ist’s raus! T.) in Vorträgen über “Absolutheitsanspruch und Toleranz”? Die seit Jahren RITUELL wiederholte KRITIK an Lessings (LESSING!!! Wir haben ihn! Und jetzt: Goethe! Goethe! Goethe! T.) Ringparabel (UN-ER-HÖRT! T,) und dem FREIEN Geist der Aufklärung (an dem nun grade nicht, T.)?

Gern BEHAUPTEN deutsche Bischöfe, dass die Christen Religion und Politik ganz aufgeklärt getrennt haben, im Unterschied zu den Muslimen (Aber das stimmt nicht? T.). Deshalb müsse man ihnen durch interreligiösen Dialog demokratische “Werte” vermitteln (Muss man nicht? T.). HERR Steinacker wirft Navid Kermani vor, die “drei Grundsätze” im Gespräch der Religionen verletzt zu haben. Der Vertreter der christlichen MEHRHEIT beansprucht die DEFINITIONSMACHT über Regeln des öffentlichen Diskurses in Glaubenssachen. Und er merkt nicht einmal, dass er so nur alte DISKRIMMINIERUNG fortschreibt. NIRGENDS kommt er auf die IDEE, dass zwischen Mehrheit und Minderheit Macht asymmetrisch verteilt ist.

Im System der HINKENDEN Trennung von Staat und Kirchen wird diesen VIEL MACHT eingeräumt. Nicht wenige deutsche Kirchenführer machen davon GERN Gebrauch. Eine irritierende Entwicklung lässt sich beobachten: Je mehr die tiefe Glaubenskrise und die schleichende Erosion der beiden großen Volkskirchen sichtbar werden, desto mehr setzen viele Kirchenführer auf KLERIKALMACHT. Aber die Politisierung tut dem Glauben nicht gut. Und durch ARROGANZ der BISCHOFSMACHT lässt sich der EKLATANTE MANGEL an GEISTESGEGENWART und intellektueller GLAUBWÜRDIGKEIT nicht ÜBERSPIELEN.

Die offene Gesellschaft muss um der gleichen Freiheit aller willen Kirchenmacht wie die Macht anderer Verbände demokratisch begrenzen, etwa durch Erzeugung von Öffentlichkeit. Weil Jesus Christus “Licht der Welt” ist, “treten die Glaubenden… gegen jede Geheimpolitik und Geheimdiplomatie ein”, hat Karl Barth über “Christengemeinde und Bürgergemeinde” geschrieben. So hat es seinen guten theologischen Sinn, dass die ARKANEN (geheimen, 4, T.) MACHTSPIELE der hohen geistlichen Herren EINMAL transparent geworden sind. Herr Steinacker hat in dieser Zeitung zwar bestritten, irgendwie Einfluss genommen zu haben. ABER (jetzt deckt Graf die Lügenintrige, die Verschwörung vollends auf, T.) will er den Leuten wirklich WEISMACHEN, ganz unabhängig von Herrn Lehmann auf die Idee gekommen zu sein, den Preis nicht anzunehmen, wenn auch der UNWÜRDIGE Herr Kermani ihn erhält? Sollte ihm der Kardinal gar nichts von seinem Brief erzählt haben? Immerhin haben sie den jungen (Alt-vs.-jung-Konstruktion, T.) Muslim in ökumenischer KOMPLIZENSCHAFT (Komplize = Mittäter oder Helfer eines Verbrechers, T.) gemeinsam via Staatskanzlei bitten lassen, seinen inkriminierten Text zu erläutern. Auch teilte der Kardinal dem Herrn Ministerpräsidenten mit, dass die Ehrung Kermanis eine Zumutung für Herrn Steinacker sei. Woher nur wusste er dies? (Und so flog durch die brilliante geistige Leistung des Herrn Graf ein abscheuliches Komplott zweier kranker und bösartiger, alter Kirchenfunktionäre gegen einen jungen, genialen und liebenswerten Mohammedanisten auf… Dieser Bewohner einer Groschenheftwelt ist Theologe an einer deutschen Universität – ich bin erschüttert! T.)

Laut HOMEPAGE des Hessischen Landtages ist der Abgeordnete Roland Koch römisch-katholischer Konfession (Ist natürlich nur vorgetäuscht, will Graf insinuieren, T.). Als Ministerpräsident und Vorsitzender der Jury des Hessischen Staatspreises hat er der “Lehrmäßigen Note zu einigen Fragen über den Einsatz und das Verhalten der Katholiken im politischen Leben” entsprochen, die die Kongregation für die Glaubenslehre 2002 veröffentlicht hat: Vorgaben des kirchlichen Lehramtes seien gerade in religiösen und moralischen Fragen für katholische Politiker unbedingt verpflichtend. Zwischen Ostern und Pfingsten, Auferstehungsfreude und Geistausgießung darf die Öffentlichkeit nun laut über DIESE HERREN LACHEN. Da lässt sich ein PROVINZPOLITIKER, der so gern den ganz Starken, Trickreichen gibt, von zwei SPITZENKLERIKERN als KIRCHENMAUS vorführen. Und die Herren Lehmann und Steinacker GEFÄHRDEN nicht nur ihr persönliches ANSEHEN (sondern auch ihr Leben? T.), sondern werden nun GAR dafür ausgezeichnet, dass sie GROSSEN integrationspolitischen SCHADEN angerichtet haben. Aber nicht einmal das haben diese LESEKÜNSTLER gemerkt.

... puuuh… es ist vorbei, Sie können wieder unter dem Schreibtisch hervorkommen. Tja, so eine Schimpfkanonade waren Sie bisher allenfalls von Kewil oder dem angeschickerten Time gewöhnt, nicht jedoch aus der führenden Zeitung Deutschlands. Ob dieser kreischende, humorlose Rohrspatz die Auflage erhöhen wird? Ich fürchte, die Anzeigenabteilung muss recht bald doch mal wieder bei Karaffe in Kuweit (5) vorsprechen.

Erholen Sie sich jetzt bei Peter Steinacker im Interview, es fragte Stefan Toepfer:

“Auch ich stelle meine Sicht zur Disposition”

Im Streit über den Kulturpreis hat Peter Steinacker mehrfach Stellung genommen. Nun sollen “Verletzungen” aus dem Weg geräumt werden.

FRAGE: Die Preisverleihung ist verschoben worden. Sind Sie zufrieden damit?

ANTWORT: Ja, denn es gibt nun einen Weg, fern der Öffentlichkeit über Verletzungen und Irritationen zu reden und sie, so hoffe ich, aus dem Weg zu räumen. Das bedeutet, dass auch ich meine Sicht zur Disposition stelle, sonst bräuchte ich nicht in einen solchen Dialog zu gehen.

FRAGE: Haben Sie und Kardinal Lehmann mit ihrer Kritik an Navid Kermani überreagiert?

ANTWORT: Ich empfinde das nicht so. Vielleicht bin ich dem Genuss des Artikels von Herrn Kermani, an dem sich unsere Kritik entzündete, nicht gerecht geworden und habe den Text, der einen ästhetisch-literarischen Anspruch hatte, theologisch interpretiert. Aber darum ging es mir. Ich wollte den Preis nicht einfach aus interreligiöspolitischen Gründen annehmen, um des lieben Friedens willen.

FRAGE: Wer war die treibende Kraft, Sie oder Kardinal Lehmann?

ANTWORT: Das wechselte, aber im Grundsatz waren wir uns völlig einig.

FRAGE: Wie viel Porzellan im ohnehin diffizilen interreligiösen Dialog ist nun zerschlagen?

ANTWORT: Nicht viel, denn der Dialog ist derzeit ohnehin nicht sehr offen – was zum Teil auch an den Muslimen liegt. Ich hätte erwartet, dass Herr Kermani mich einmal anruft. Vielleicht hätte ich ihn aber auch einmal anrufen können.

FRAGE: Selbst in Ihrer Kirche stößt Ihre Reaktion nicht auf Zustimmung.

ANTWORT: Viele denken immer noch, der interreligiöse Dialog sei einer, der auf Gleichheit der Religionen aus sei. Aber er lebt vom Respekt vor Differenz und der Zivilisierung von Differenz. Außerdem haben auch viele Christen Schwierigkeiten, mit dem Kreuz umzugehen. Es ist erschreckend, wenn Christen glauben, die Auferstehung sei nicht so wichtig, auf die Wiedergeburt komme es an.

FRAGE: Im Jahr 2007 hatten Sie interreligiöse Gebete mit Muslimen als “Gotteslästerung” bezeichnet. Auch Sie gebrauchen, wie Kermani, dieses Wort. Sitzen Sie mit Ihrer Kritik nicht im Glashaus?

ANTWORT: Nein, denn ich habe, anders als Kermani, diesen Vorwurf nicht anderen gegenüber erhoben. Ich habe es mir selbst gegenüber gesagt. Nach biblischem Zeugnis kann man nicht verschiedene Götter gleichzeitig anbeten. Ich würde mich der Gotteslästerung schuldig machen, wenn ich als Christ Allah, Krischna, Buddha oder irgendeine andere Gottheit anbeten würde.

Toepfer resümiert:

“Dass Steinacker meint, es sei nun nicht viel Porzellan im interreligiösen Dialog zerschlagen, ist schwer nachzuvollziehen. Zu deutlich war das Unverständnis, auf das sein und Lehmanns Vorgehen etwa bei Vertretern des Frankfurter Rates der Religionen gestoßen ist…

Mehr als nachdenklich muss stimmen, wie Steinacker den Stellenwert des christlichen Auferstehungsglaubens unter den Christen selbst beurteilt: “erschreckend”. Wie kräftig ist die christliche Religionspädagogik eigentlich noch, wie überzeugend sind Liturgie und Predigt? Aber das steht auf einem anderen Blatt.”

Offensichtlich war Toepfer während des Interviews austreten, um zu einem Resümee zu kommen, das schon vorher feststand und mit dem Interview wenig zu tun hat.

Lesen Sie jetzt ein Beispiel für den üblichen Volkssynkretismus, das Wort hat Friederike Heuer aus Frankfurt am Main:

Der kirchliche Pakt mit der Macht

Vor ein paar Tagen habe ich mit großer Ergriffenheit und fast erschüttert Kermanis Essay zu einer römischen Marienikone (“Neue Zürcher Zeitung” vom 9. Mai) gelesen. Hinsichtlich Glaubensfragen und Glaubenszweifel sind dies wohl die stärkstmöglichen EMPFINDUNGEN, und ich fühlte mich dank Kermanis Gedanken ein wenig VERSÖHNT mit der langen christlichen Geschichte des Abendlandes, der Geschichte, aus der ich komme und die nolens volens auch nach meinem KIRCHENAUSTRITT (Was befähigt mehr zur Beurteilung christlicher Theorie und Praxis als ein Kirchenaustritt? T.) und meine Herkunft, mein Denken und meine Ästhetik prägt.

Die BEWEGENDE WIRKUNG der Bildbeschreibungen von Navid Kermani liegt darin, dass er seine Widerstände und Bedenken hinsichtlich einiger christlicher Dogmen nicht verschweigt, die nicht nur Andersgläubigen und Atheisten AUFSTOSSEN, sondern die JEDEN AUFRECHTEN Christen mit seinem Gott RINGEN lassen sollten. Ebenso wenig konnte ich mein Befremden nicht nur am kirchlichen PAKT mit der MACHT (des Bösen? T.), sondern auch innerreligiös angesichts fast idolatrischer Glaubenstraditionen weglassen, wenn ich manchmal meinem Sohn vom Christentum erzähle, wobei wir dann auch mal überlegen, ob es dem CHRISTENTUM und den NICHTCHRISTEN nicht vielleicht BESSER bekommen wäre, Konstantin hätte sich NICHT taufen lassen. Im Namen der Rechtgläubigkeit und des Kreuzes wurden bereits im vierten Jahrhundert zu Trier agnostische Brüder der frühen Christen hingerichtet.

Die KABALEN um den Hessischen Kulturpreis sind zum Glück nicht blutig, sondern nur BELEIDIGEND, aber von demselben KLEINGLÄUBIGEN Geist rechtschaffener SCHRIFTGELEHRTER geprägt, die weder JEMALS von POESIE noch von einer AHNUNG der Größe Gottes gestreift wurden. Die als Trost angebotene Ersatzveranstaltung (Dialog) zu besuchen, lehnt Kermani hoffentlich ab. Unser TROST als Leser ist die Vorfreude auf künftige Schriften von Narvid Kerami.

Zur Zeit ist Frau Heuer offenbar NICHT bei Trost, aber sicher zaubert ihr Dichterkönig Navid bald eine neue, bewegende, heilige “Schrift” aus der Feder.

Nach diesem galoppierenden Dimmi-Schwachsinn haben Sie sich jetzt aber wirklich zum Abschluss noch einen kundigeren Beitrag verdient. Das Wort hat FAZ-Leser Dr. Jan-Heiner Tück aus Freiburg:

Das Kreuz als kulturelles Symbol

Für mich formuliere ich die Ablehnung der Kreuzestheologie drastischer: Gotteslästerung und Idolatrie ist für gläubige Christen nicht gerade eine Einladung zum Gespräch. Für sie ist das Kreuz mehr als ein kulturelles Symbol, sie bekennen, dass im Leben und Sterben Jesu rettende und versöhnende Kraft liegt. Die Erklärung der designierten Träger des Hessischen Kulturpreises, Karl Kardinal Lehmann und Peter Steinacker, ist daher nachvollziehbar, sie würden den Preis “wegen so fundamentaler und unversöhnlicher Angriffe auf das Kreuz als zentrales Symbol des christlichen Glaubens bei gleichzeitiger Vergabe an Kermani” nicht annehmen. Kermanis Äußerung macht gleichwohl darauf aufmerksam, dass im Glauben an die rettende und versöhnende Kraft des Kreuzes eine Provokation liegt, die von führenden Kirchenvertretern immer wieder einmal heruntergespielt wird.

Dass nun ausgerechnet Kardinal Lehmann von Jäger als Vertreter einer “neuen Sanftheitsreligion” hingestellt wird, welche die christliche Erlösungsbotschaft auf das Motiv der Solidarität halbiert, ist allerdings erstaunlich, wenn nicht gar maliziös. Gerade Lehmann hat wiederholt auf die Heilsbedeutung des Kreuzes hingewiesen. So hat er vor mehr als zwanzig Jahren in der Tübinger Theologischen Quartalschrift unter dem Titel “Er wurde für uns gekreuzigt” eine vielbeachtete Skizze zur Neubesinnung in der Soteriologie vorgelegt. Dabei weist er einleitend auf die traditionelle Engführung der Erlösungslehre auf das Motiv der Satisfaktion und des stellvertretenden Strafleidens hin.

Die landläufige Vorstellung, Gott selbst habe das Opfer des Sohnes gefordert, um in seinem Zorn gegen die Sünder besänftigt zu werden, ist schriftwidrig und macht aus Gott einen Kannibalen im Himmel. Gott selbst ist es, der grundlos und frei die Gabe der Versöhnung anbietet, er muss nicht durch irgendwelche Leistungen versöhnt werden. Lehmann erinnert an die Vielfalt der soteriologischen Aussagen im Neuen Testament (Loskauf, Versöhnung, Befreiung, Opferlamm, Sühne) und sieht deren innere Achse im pro nobis, also der Tatsache, dass Jesus Christus für uns gestorben ist (vgl. 1 Kor 15,3; Röm 4,25 und etwa 2 Kor 5,21). Ein Vorentwurf dieser Selbsthingabe finde sich in der Proexistenz des Lebens Jesu, die sich in den Worten beim letzten Abendmahl verdichtet: “Dies ist mein Leib für euch.”

Es ist für die systematische Theologie und die pastorale Verkündigung nicht leicht, diese Botschaft in spätmoderne Verstehenshorizonte zu übersetzen. Es ist richtig zu sagen, dass Jesus seine Botschaft vom nahegekommenen Reich Gottes bis zuletzt in Treue durchgehalten hat; es ist richtig zu sagen, dass Jesus durch sein freiwilliges Sterben die Spirale von Gewalt und Gegengewalt durchbrochen und den verborgenen Sündenbockmechanismus aller Kulturen aufgedeckt hat; es ist richtig zu sagen, dass Gottes Liebe zu den Menschen im Leben und Sterben Jesu einen inkarnierten Kommentar gefunden hat. Aber das alles reicht nicht aus. Die Heilsbedeutsamkeit des Todes Christi wird erst da adäquat beschrieben, wo die neutestamentlichen Aussagen vom Sterben “für die vielen” (Mt 10, 28; Mk 10, 45), “für alle” (Joh 12, 32; 17,21) beachtet werden.

Um deren soteriologische Pointe herauszustellen, zieht Lehmann den Begriff Stellvertretung heran. Der Gekreuzigte trete in seinem Leiden so an die Stelle des Sünders, dass dieser zu sich selbst befreit werde. Den naheliegenden Einwand, dass ein solches Erlösungsverständnis die sittliche Unvertretbarkeit der Person unterlaufe, pariert er durch den Hinweis, dass die stellvertretende Übernahme der Sünde durch Christus keinen Heilsautomatismus in Gang setzt. Die Heilstat Christi bedarf der ausdrücklichen Anerkennung durch den Vertretenen.

Die Frage aber, wie einer für die Sünden aller sterben könne, berührt das Persongeheimnis Jesu Christi, das wohl nur aus der Binnenperspektive des Glaubens erschwinglich ist. Nur wenn der Gekreuzigte nicht allein Mensch, sondern zugleich der mit dem ewigen Wort des Vaters geeinte Sohn gewesen ist, kann sein Sterben die rettende und versöhnende Kraft gehabt haben, die ihm die Kirche von Anfang an zuerkannt hat. Man würde sich wünschen, dass die öffentliche Verständigung über das Kreuz am Reflexionsniveau Kardinal Lehmanns Maß nimmt.

Time am 19. Mai 2009

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(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wilhelm_Graf
(2) http://tinyurl.com/qbay3l
(3) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/01/schicksalsmacht-demografie/
(4) “Arkandisziplin” bedeutet die Geheimhaltung von Lehre und Brauch einer Religion, insbes. des frühen Christentums, vor Außenstehenden, und es ist mE. sehr bezeichnend, dass Chefsynkretist Graf auf diese Zeit assoziativ NEGATIV verweist.
(5) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/30/eine-seltsame-anzeige/


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