Mit ‘Sven Kalisch’ getaggte Artikel

Milieustudien #32: Darum

22. April 2012

Von der Web-Seite „Migazin“ (1) war hier in der MoT schon häufiger die Rede. Es handelt sich um eine mohammedanistische Propagandaseite, die sich als migrationspolitisch tarnt. Auch Bulli (2) hatte dort bereits Auftritte als Gastautor. Ich habe mich gestern ein bisschen im Migazin umgeschaut.

Drei Artikel weckten mein Interesse. Dr. Sadi Aydin (Politikwissenschaft und Geschichte) befasst sich mit dem Misstrauen, das den Mohammedanisten entgegengebracht wird (3). Ultra-Orka Kübra Gümüschay, Mitbegründerin des Unterwanderernetzwerks „Zahnräder“ (4) schreibt zum Thema mohammedanistische Polygamie (5) und Lamya Kaddor, die Widersacherin von Sven Kalisch (6), versuchte sich einmal mehr an der Rettung der Scharia (7). Interessant sind nebenbei auch die jeweils dazugestellten Anzeigen.

Warum sind Nichtmohammedanisten den Orks gegenüber so misstrauisch? Wodurch wird das Misstrauen hervorgerufen? Dr. Aydin beantwortet diese Fragen bezeichnenderweise unter dem Titel: „Was Muslime tun müssen, um das Misstrauen zu BRECHEN“, wo sie ihm doch einfach z.B. entgegenwirken könnten. 

„Allzu leicht entsteht hierbei ein einseitiges Bild der Verantwortung, ein Fehler, den es zu vermeiden gilt. Denn die Ursachen des Misstrauens liegen nicht nur in Problemfeldern des muslimischen Bereichs. Auf der einen Seite stehen freilich sowohl die Missstände in Teilen der islamischen Welt insgesamt, wie Mängel bei den Menschenrechten und eine unzureichende Stellung der Frau als auch die Defizite, die sich bei Muslimen in Deutschland feststellen lassen.“

Wenn „Missstände in Teilen der islamischen Welt“ gesehen werden, so gibt es offenbar auch Teile, die von Missständen frei sind. Mich würde interessieren, welche Teile das sein könnten. „Mängel bei den Menschenrechten“ gibt es überall, leider. Das Problem bei den Orkstaaten ist vielmehr, dass es in ihnen gar keine Menschenrechte gibt. Wenn Dr. Aydin jedoch die „unzureichende Stellung“ der Frau als Negativum anführt, entfernt er sich schon recht weit vom Pack, das uns einreden möchte, dass grade die Unterdrückung der Frau diese befreien würde. Leider bleibt dieses Eingeständnis Ausnahmeerscheinung, und wirklich schuldig sind wieder mal wir, denn wir zeichnen uns aus durch:

„… ein durchschnittlich geringes sowie häufig fehlerhaftes Wissen über den Islam, historisch begründete Ressentiments gegenüber den Muslimen und die insgesamt relativ niedrige Quote persönlicher Kontakte zu ihnen… von nichtmuslimischer Seite wird die Vertrauensbildung zum Beispiel durch Fälle von Diskriminierung behindert. Ohne einflussreiche Fürsprecher kann sie sich durchaus mühsam und für manche Akteure entmutigend gestalten. Daher ist neben der Hilfe durch einheimische Machtträger auch eine vielfältige, geistig-intellektuelle bis finanzielle Unterstützung durch bestimmte islamische Länder sowie durch international bekannte Organisationen wie die OECD und Projekte wie das der UNO namens ‚Allianz der Zivilisationen’ stärkstens zu wünschen.“

Dr. Aydin hält es für eine vertrauensbildende Maßnahme, den Mohammedanismus in Deutschland durch „einflussreiche Fürsprecher“, „einheimische Machtträger“, „islamische Länder“ sowie die UNO zu propagieren. Bescheidener geht’s nicht! Er verschweigt, dass das Misstrauen gegen die Orks weltweit verbreitet ist und von Beginn des Mohammedanismus an herrschte, was kein Wunder ist, da der Verkünder ganz offensichtlich ein perverser und sadistischer Verbrecher war. Der tiefere Sinn an den zwanghaften aber extrem leicht zu durchschauenden Lügen der Orks ist, dass der Adressat gezwungen werden soll, wider seine Erkenntnis die Wahrheit der Lüge zu behaupten, der Sinn ist Gehirnwäsche.

Wenden wir uns Frau Gümüschay zu. Sie ist angeblich auf der Suche nach „dem neuen muslimischen Mann“, der anders als der gewöhnliche mohammedanistische Mann, dessen Masse sich rasant vermehrt, rar ist. Hintergrund:

„Eine Single-Freundin beschrieb mir ihre Lage: ‚Muslimische Männer gehen immer ins Extreme. Entweder spielen sie den superstrengen Heiligen oder schmeißen ihren Glauben beim Verlassen der Haustür in die Tonne. Entweder sind sie studiert, erfolgreich, aber dafür hyperassimiliert und wollen um keinen Preis als ausländisch oder gar muslimisch erkannt werden; oder sie lassen die Uni links liegen und lassen stattdessen überall den Muslim oder den Ausländer raushängen. Kann es denn so schwer sein, sich in der goldenen Mitte zu bewegen?’“

Demgegenüber empfindet sich Frau Gümüschay, die nur in Kopftuch und langem Mantel das Haus verlässt, offenbar nicht als „ins Extreme gehend“. Na, „extrem“ ist natürlich ein relativer Begriff, und die vorgeschobene Suche nach neuen männlichen „Vorbildern“ hat auch nur einen Zweck. In Wirklichkeit nämlich soll die mohammedanistische Polygamie, die ein besonders schwerwiegender Aspekt von Ungleichheit und Unterdrückung ist, als begründete, logische und akzeptable Lebensform etabliert werden:

„’Die Nachfrage nach polygamen Ehen geht vor allem von Frauen aus, nicht von Männern’, sagt Mizan Raja, Organisator von muslimischen Partnervermittlungsveranstaltungen in der ganzen Welt.“

Es sind die Frauen selbst, die die Polygamie, die Unterdrückung wollen! „Lieber in Polygamie als ganz ohne Mann“ wird uns so als massenhaftes weibliches Denken vorgelogen. Ist es nicht seltsam, dass die Orks so derartig zwanghaft die gesamten 100% ihrer Glaubensregeln und -Vorstellungen durchsetzen wollen? Dass niemals, niemals, niemals ein Kompromiss sichtbar wird? Warum schreibt sie nicht einfach gegen die Polygamie, erklärt, warum sie für die Frauen entwürdigend ist? Nein, sie ist ja mohammedanistisch, und ALLES, was mohammedanistisch ist, ist im Grunde richtig. Und ALLE machen mit. Meryemdiegehirnamputierte z.B. hatte letztes Jahr ebenfalls ein Lob der Polygamie verfasst (8).

Kommen wir zum dritten Beitrag. Frau Kaddor beackert das gleiche Feld wie Frau Gümüschay. Sie nimmt sich einen besonders widerwärtigen Aspekt der mohammedanistischen Religion heraus, einen, der in hohem Maße geeignet ist, unser Misstrauen zu erregen. Verwirft sie ihn nun? Kritisiert sie ihn? Ist sie zur Empathie mit uns fähig? Nein, es geht ihr um die Scharia, und die gehört nun mal dazu. „Und ewig schreckt die Scharia…“, so der Titel ihres Textes, „und wird schrecken, wenn es nach Ihnen geht“, möchte man hinzufügen.

Zwar legt Frau Kaddor scheinbar bemerkenswerte Bekenntnisse ab, die in der mohammedanistischen Sphäre ziemlich sicher ihre Hinrichtung nach sich ziehen würden, das perverse Regelwerk aber generell abzulehnen, kommt ihr nicht in den Sinn. Sie schreibt z.B.:

„Würde sich Gott heute, in einer völlig veränderten Welt – verglichen mit der Arabischen Halbinsel vor 1.400 Jahren – noch einmal bspw. in Deutschland offenbaren, würde er es zu aller erst nicht in derselben Sprache machen, in der er es im Koran getan hat; er würde heute ja kaum verstanden. Warum sollte er auch heute vor dem Übel warnen, das von Leuten ausgeht, die auf Knoten spucken wie es in Koran 113/4 heißt? Und was sollte man auch mit der Aufforderung in Koran 4/92 anfangen, wonach man als Sühneleistung einen gläubigen Sklaven freilassen und Blutgeld bezahlen muss, wenn man aus Versehen einen Gläubigen getötet hat? Wenn Gott im Hier und Jetzt sprechen würde, müsste er sich adäquat ausdrücken, damit wir ihn überhaupt verstehen könnten. Aber er spricht heute nicht mehr. Uns bleiben also nur Koran und Sunna, und deren Wortlaut – das liegt ja in der Natur der Sache – bleibt nun mal immer gleich.“

„Alla hat uns verlassen“, das wäre ein bemerkenswertes Bekenntnis. Ist es nicht seltsam, dass sie aber nicht von ihrem Gott „Alla“ spricht, sondern die Bezeichnung für den christlichen Gott Jahwe wählt? Das bedeutet, dass ihr Text nicht an Mohammedanisten gerichtet ist, sondern an Nicht-Mohammedanisten. Und es bedeutet, dass sie sich zur Not immer wieder rausreden kann. Sie erwartet wohl, das nötig zu haben. Ihr Fazit:

„Dann muss man die islamischen Quellen vor dem jeweils neuen Hintergrund des Hier und Jetzt sehen. Aus meiner Sicht ermöglicht die Scharia das nicht nur, sondern sie fordert es geradezu.“

Also: Ohne Scharia geht es nicht, ohne Polygamie geht es nicht, ohne Verschleierung geht es nicht. Das erinnert mich an einen schwachsinnigen Spruch, der vor drei Jahrzehnten zum deutschen Allgemeinplatz zu werden drohte: „Frieden schaffen ohne Waffen!“ Das ist ungefähr so sinnvoll wie „Wald ohne Bäume!“, „Leben ohne Sterben!“ oder eben „Vertrauen schaffen ohne Kompromissbereitschaft!“

Oder auch „Mohammedanismus ist Frieden!“

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Time am 22. April 2012

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1) http://www.migazin.de/
2) http://initiativgruppe.wordpress.com/
3) http://www.migazin.de/2012/04/16/was-muslime-tun-mussen-um-das-misstrauen-zu-brechen/
4) http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/08/22/999-sind-ihnen-nicht-genug/
5) http://www.migazin.de/2012/04/17/der-neue-muslimische-mann/
6) http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/07/28/totgeburt-reform-mohammedanismus/
7) http://www.migazin.de/2012/04/20/und-ewig-schreckt-die-scharia/
8) http://madrasaoftime.wordpress.com/2011/09/30/milieustudien-22-lob-des-harems/

Beyond Tradition

17. Juli 2010

Über einen religionswissenschaftlichen Kongress in Münster berichtete in der gestrigen FAZ Oliver Jungen.

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Es ist verboten, nicht zu denken

Wo wird eine  aufgeklärte islamische Theologie in Deutschland ihr Zentrum  finden? In Münster hat man jetzt vergleichend erörtert, wie die  Religionen es mit der Traditionskritik halten.

Mit einem Paukenschlag begann die vom Exzellenzcluster “Religion und Politik” ausgerichtete und größtenteils auch bestrittene Münsteraner Tagung “Beyond Tradition?”, die sich der eminent wichtigen Frage widmete, wie es in Zeiten eines sich verhärtenden Traditionsverständnisses in den Religionen um die Traditionskritik bestellt ist. Das in Münster vielfältig auseinandergelegte Hauptergebnis ist weniger spitzfindig, als es auf den ersten Blick scheinen mag: Traditionskritik stellt demnach einen wichtigen, möglicherweise sogar entscheidenden Aspekt der Tradition selbst dar. Ohne jene wird diese derart unflexibel, dass sie bei der kleinsten Belastung zu zerbrechen droht.

Der Tagung ging ein öffentlicher Abendvortrag von Angelika Neuwirth voraus, in dem die angesehene Berliner Arabistin hart mit der westlichen Koranforschung ins Gericht ging. Zunächst schien sie Edward Saids Orientalismus-These zu reaktivieren, indem sie den westlichen Orientwissenschaftlern vorhielt, den Koran allein historisch-kritisch und damit “von Anfang an theologisch verkürzt” wahrgenommen zu haben, als “gescheiterte Nachahmung der Bibel”. Man habe dabei den Koran als exotischen, “der europäischen Kultur grundlegend fremden Text” betrachtet. Bis in die Gegenwart hinein sei in Europa zudem die innerislamische Arbeit am Koran ausgeblendet worden. Es müsse demgegenüber eine “Zukunftsphilologie” entwickelt werden, die sich der politischen Dimension ihrer Arbeit bewusst zu sein habe, schließlich lebten wir in einem “von seiner Geschichte und seiner Gegenwartsrealität her jüdisch-christlich-islamischen Europa”. Das von der Vortragenden geleitete Akademieprojekt “Corpus Coranicum” versuche, in diese Richtung voranzugehen.

An dieser Stelle nun wurde eine Drehung in der Argumentation deutlich, die in der innerislamischen Diskussion wohl nicht unbedingt auf Zustimmung rechnen darf. Der Koran nämlich sei sowohl in seiner überlieferten Textform als auch in seiner mündlichen Vorform vor allem als “europäisches Vermächtnis”, als “Auslegung und Neuformulierung bereits bekannter biblischer und nachbiblischer Traditionen” zu betrachten. Insbesondere weise er eine große “Affinität zur Rhetorik” auf: Inhaltlich handele es sich um eine ergebnisoffene Mitschrift von Diskussionen zwischen dem Propheten Mohammed und seinen Hörern. Es gelte demnach, den Koran als europäischen Grundtext in die (westliche) Spätantike-Vorstellung aufzunehmen.

In drei Sektionen wurde daraufhin das Traditionsverständnis in Judentum, Christentum und Islam in Fallstudien beleuchtet. Wie unwichtig im frühen Christentum die Trennung von Althergebrachtem sowie Innovativem sein konnte, zeigte Hermut Löhr (Münster) anhand der Bezugnahme auf den jüdischen Dekalog: Das christliche Liebesgebot konnte im Johannes-Evangelium als “neues Gebot” und im ersten Johannes-Brief als “das alte Gebot” firmieren, mithin als Ersetzung und Reformulierung der Zehn Gebote zugleich.

Dass das Hergebrachte in der Gegenwart zum Wert an sich geworden ist, machte Assaad Elias Kattan anhand jüngerer Reaktionen der orthodoxen Kirchen auf Forderungen nach der Frauenordination deutlich. Die eklektisch zusammengetragenen Argumente erscheinen theologisch äußerst schwach. Der Grund für die männliche Exklusivität des Priesteramts ist wohl allein die Furcht vor einem Rütteln an der Tradition: Wer nur eine Tür der Festung öffnet, so die Sorge, könnte bald von innen besiegt werden.

Solche Versteifungen jedoch führen schnell zur Verknöcherung. Immer wieder nämlich zeigte sich in allen Religionen, welchen Aufschwung die Tradition dadurch nehmen konnte, dass rational argumentierende Kritik integriert wurde. Im Judentum steht dafür die so radikale wie einflussreiche Infragestellung zahlreicher Lehrinhalte durch Chiwi al-Balki im neunten Jahrhundert: Der berühmte Rabbiner Saadia ben Joseph Gaon antwortete mit einer eigenen Streitschrift, die aber kaum weniger rational vorging und damit den methodischen Vorstoß Chiwis legitimierte. Die Tora hat dies laut Moses Maimonides gerettet. Auf einen weiteren Fall progressiver Kritik machte Peter Lehnhardt (Beer Sheva) aufmerksam: Der jüdische Gelehrte Abraham Aben Esra siedelte in der Mitte des zwölften Jahrhunderts von Spanien nach Rom über, mithin aus dem arabischen in den hebräischen Traditionskreis. Die dort gängige dunkel-poetische Liturgie unterzog er einer radikalen Sprachkritik: Rätsel, Grammatikfehler und verwirrende Anspielungen hätten nichts in Gebeten verloren. Er selbst geriet zwar in Vergessenheit, doch seine Einsprüche wirkten fort und stärkten letztlich die liturgische Praxis.

Resoluter bewachte die späteste der drei monotheistischen Schwester-Religionen ihre Tradition. Müfit Daknili (Münster) legte dar, dass “in einem erheblichen und einflussreichen Teil der islamisch-theologischen Literatur der Vernunft die Rolle eines Instruments zukommt”, allerdings beschränkt auf die “Freilegung des von Gott dem Menschen zugeeigneten Wissens” und somit dem Glauben unterstellt. Knapp siebzigmal begegne der Zweifel auch im Koran, doch fast immer in der Form: Wenn dich der Zweifel ankommt, frage die Schriftgelehrten. Mouhanad Khorchide (Münster) unterstützte Daknilis Forderung nach innerislamischer Überlieferungskritik, indem er die Begrenztheit der Authentizitätsprüfung der außerkoranischen Prophetenüberlieferung (Hadithe) aufzeigte. Hier habe man vor allem die lückenlose Überlieferungskette nachzuweisen versucht ohne jede Bezugnahme auf mögliche politische Intentionen bei der Abfassung der Hadithe.

Der Versuch, provokante Islamkritik in die Theologie zu integrieren, ist in Münster allerdings vorerst gescheitert. Der nach Zweifeln an der Existenz Mohammeds vor zwei Jahren aus der Ausbildung islamischer Religionslehrer abgezogene Wissenschaftler Sven (Mohammad) Kalisch hatte auf der Tagung seinen wohl letzten Auftritt als Professor für die “Religion des Islam”, ohne dies weiter zu kommentieren (allerdings mussten zahlreiche Stühle gebracht werden, weil der Raum überfüllt war). Nach seiner Abkehr vom islamischen Glauben gehört Kalisch künftig dem universitätseigenen Centrum für Religiöse Studien (CRS) nicht mehr an, seine Stelle wird – als hätten Angelika Neuwirths Thesen zugrunde gelegen – in eine Professur für “Geistesgeschichte im Vorderen Orient in nachantiker Zeit” umgewidmet.

Ausgerechnet Kalisch nun brach eine Lanze für die Offenheit des Islam gegenüber der Kritik, indem er der vernunftorientierten Freidenker-Strömung der Mutaziliten, die im neunten Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichte, nicht nur viel Platz einräumte, sondern indirekt deren untergründiges Fortwirken bis heute suggerierte. So unterstützten die meisten islamischen Theologen, mit denen er gesprochen habe, ein Verbot des blinden Gehorsams (“taqlid”) in grundsätzlichen Glaubensfragen und forderten sehr wohl die Leitung der Vernunft. In der Praxis sehe es freilich anders aus.

Vielleicht weil es mit der traditionsinternen Traditionskritik denn doch so einfach nicht ist, hat man in Münster zugleich auf die klassische Variante gesetzt, die externe Kritik. Der Schriftsteller Rafael Seligmann und der Schauspieler, Radiosprecher und Übersetzer Recai Hallac zerfetzten in einer Podiumsdiskussion eloquent alle religiösen Überzeugungen: nichts als Kostüme mörderischer Intoleranz. Der in Istanbul geborene Hallac äußerte sich sehr viel vorsichtiger als der wie immer polternde Seligmann, bei dem Lessings Nathan als Präfiguration Adolf Hitlers erschien und Hitler wiederum als Schöpfer des modernen “Holocaust-Judentums”, das sich – eine “geistige Endlösung” – allein über die Opferrolle definiere. Das alles ging dermaßen fix, dass niemand wusste, wie die Tradition jetzt wieder bei Hitler gelandet war. Man wusste nur: Mit “Beyond Tradition” ist man immer fein raus.

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Time am 17. Juli 2010


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