Posts Tagged ‘Wolfgang Günther Lerch’

Neues von der EU-Beitrittskandidatin

28. Dezember 2012

Erdogan2

In der heutigen FAZ macht der Sunnitenfreund Rainer Hermann auf die türkische Autorin Asli Erdogan aufmerksam (1), die in der Torkei um ihr Leben fürchten muss und daher in Graz im Exil lebt. Wie so oft taucht der Mohammedanismus in einem Artikel Herrn Hermanns nicht als Ursache der Misere auf, verantwortlich sind vielmehr die türkischen „Nationalisten“, so als ob die nicht zu 99,8% Mohammedanisten wären.

Was mir an Hermanns Text u.a. gut gefallen hat, ist, dass er auf die torkischen diakritischen Zeichen verzichtet, die z.B. sein Kollege Wolfgang Günther Lerch gern in seine Texte einzustreuen pflegt, um Sachkenntnis zu demonstrieren. Ich möchte jedoch nicht, dass das torkische Alphabet Eingang in unser deutsches Alphabet findet. Asli Erdogan heißt auf torkisch „Aslı Erdoğan“, und das spricht man „Assle Ärdohwan“.

Interessanterweise ist bei Wiki von der Ork-Kampagne gegen sie nichts zu lesen (2). Dort heißt es lapidar (unter Verwendung von Buchstaben des torkischen Alphabets):

„Erdoğan besuchte das Robert College in Istanbul-Arnavutköy bis 1983 und studierte Informationstechnik und Physik an der Boğaziçi Üniversitesi bis 1988. Für CERN arbeitete sie von 1991 bis 1993. Danach arbeitete sie in Rio de Janeiro und kehrte 1996 in die Türkei zurück, um hier als freie Schriftstellerin zu arbeiten. Seit Anbeginn engagierte sie sich für Menschenrechtsfragen und war beim P.E.N. im Komitee ‚Schriftsteller in Haft’. Ihre Kolumne ‚Die Anderen’ in der Zeitung ‚Radikal’ fasste sie zusammen in dem Buch ‚Bir Yolculuk Ne Zaman Biter’. Ihre Bücher wurden auch ins Französische und Englische übersetzt. 1990 erreichte sie einen dritten Platz beim türkischen Yunus-Nadi-Preis, bei der Deutschen Welle gewann sie den 1997 für türkischsprachige Beiträge ausgelobten Autorenwettbewerb mit der Kurzgeschichte Holzvögel, die auch den Titel für die veröffentlichte Sammlung abgab. 2010 erhielt sie für ihren Roman Tas Bin den „Sait-Faik-Literaturpreis“, den bedeutendsten Literaturpreis der Türkei. Von Dezember 2011 bis Mai 2012 weilte Aslı Erdoğan als ‚writer in residence’ des Literaturhauses Zürich und der Stiftung PWG in Zürich. Seit August 2012 ist sie Asylschreiberin der Stadt Graz.“

Lesen Sie jetzt den Artikel von Rainer Hermann.

_____

Eine türkische Winterreise

Sie schrieb über Gefängnisse, Folter und Gewalt gegen Frauen, dann verließ sie ihre Heimat: Warum sich die Schriftstellerin und einstige Cern-Physikerin Asli Erdogan im Exil nicht sicher fühlt.

Wilhelm Müllers Verse aus der „Winterreise“, „Fremd bin ich eingezogen, fremd ziehe ich wieder aus“, könnten auch von ihr sein. Auch Asli Erdogan sucht Orte wie den Lindenbaum, an dem sie Gewissheit hätte, Ruhe zu finden. Auch sie lässt ihre Helden mit dem Leiermann gehen, und dessen Leier steht nimmer still. Die Fremde und die Einsamkeit, Leid und Ungerechtigkeit, Lebensverzweiflung und endlich der Tod – sie durchziehen als feste Konstanten Asli Erdogans Schaffen, das, wäre es nicht so sehr der existentialistischen Realität verpflichtet, in der Tradition der „schwarzen Romantik“ stehen könnte.

In einem unveröffentlichten Manuskript schreibt die Istanbulerin, die sich seit Jahren von ihrer Heimat fernhält: „Den Sonnenaufgang begrüßen wir ganz allein für uns, den Sonnenuntergang jedoch teilen wir mit den Toten.“ Und in ihrem ersten großen Buch, „Der wundervolle Mandarin“ (1996), hatte sie erkannt: „Meine Hölle war weder mein Land, noch war sie hier. Ich habe sie in mir selbst getragen, genauso wie meine Träume von einem Paradies.“ Sie hatte dieses Buch in den Nächten der Jahre 1991 und 1992 geschrieben, als sie tagsüber als aufstrebende Physikerin in Genf am Cern, der Europäischen Organisation für Kernforschung, über die Higgs-Partikel forschte.

Sogar der eigene Vater erstattete Anzeige

Noch immer ist die Türkei nicht stark genug, eine Stimme wie die von Asli Erdogan, die sich keinen Konventionen beugt und keine Tabus akzeptiert, zu ertragen. In der Zeitung „Radikal“, mit der sich kritische türkische Intellektuelle lange geschmückt haben, schrieb sie von 1998 an drei Jahre lang Kolumnen mit dem Titel „Der Andere“. In ihnen machte sie sich zur Stimme der im Land zum Schweigen Gebrachten. Sie schrieb über die Bedingungen in den türkischen Gefängnissen, die Folter, die Gewalt gegen Frauen, die den Kurden vorenthaltenen Rechte und unterstützte hungerstreikende Gefangene.

Sie lebte, was sie schrieb, und war mit verfolgten Flüchtlingen aus Schwarzafrika in eine erbärmliche Wohnung im Istanbuler Stadtteil Cihangir gezogen. Dort wurde sie eines Abends Zeugin, als Unbekannte einen Mitbewohner mit 27 Messerstichen im Hauseingang töteten und sie selbst nur wie durch ein Wunder entkommen konnte. Sie machte publik, dass Mitglieder der Sicherheitskräfte drei kurdische Mädchen vergewaltigt hatten, und ist heute entsetzt, dass die zunächst Suspendierten später befördert wurden. Polizei zog vor ihrem Haus auf, um sie zu schikanieren, und 2001 wurde sie von ihrer Zeitung entlassen. 2010 durfte sie noch einmal, für fünf Monate, ihre Kolumnen schreiben. Da war sie bereits Zielscheibe nationalistischer Türken geworden. Sie wollten Asli Erdogan nicht verzeihen, dass sie 2008 zu den ersten Intellektuellen gehört hatte, die einen offenen Brief unterschrieben, der sich bei den Armeniern für das entschuldigte, was die Türken ihnen angetan hatten. Sogar ihr nationalistischer Vater erstattete Anzeige gegen die eigene Tochter.

Das Beste am Migrantenleben

Eine selbst für türkische Verhältnisse beispiellose Hetzkampagne setzte ein, und Asli Erdogan rettete sich ins Ausland. Im April 2011 begann sie, aus schierer Not, aber auch aus Überzeugung Kolumnen für die kurdische Zeitung „Özgür Gündem“ zu schreiben. Achtzig Journalisten dieser Zeitung sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten getötet worden. Seit dem 28. Oktober 2011 ist der Verleger und Menschenrechtler Ragip Zarakolu in Haft, ein literarischer Weggefährte, der auch für „Özgür Gündem“schrieb.

Seither fürchtet Asli Erdogan sich noch mehr vor einer Rückkehr ins Land ihrer Sprache. Sie zieht durch die Welt, so, wie die Frau ihres Buchs „Der wundervolle Mandarin“ in Genf nach Mitternacht als Fremde allein die Straßen durchstreift. Die beobachtet mit nur einem Auge, wie Bankiers, Unternehmer und Diplomaten auf den Parkplätzen aus den Autos aussteigen: „Deswegen bleiben Bürgersteige mittellosen Ausländern wie mir vorbehalten.“ Sie wird zum Fremden, sieht keine offenen Arme. Und „sein Land, das er in jenen vergangenen Zeiten nicht ertragen konnte, hat sich in ein verlorenes, erträumtes Paradies verwandelt, aber auch an seine Träume kann er nicht mehr glauben“.

Irgendwann sei, schreibt Asli Erdogan autobiographisch die Nächte der Einäugigen weiter, ein Tag gekommen, an dem sie auf einer Flasche Kölnisch Wasser ein Bild von Istanbul erblickt habe. „Ich vertiefte mich in den Anblick des Bosporusdampfers der Städtischen Schifffahrtsgesellschaft auf dem zwei Finger breiten Bild, auf das grellblaue Wasser, so hilflos gezeichnet, dass es einem das Herz brach, und weinte.“ Sehnsucht nach Heimat entstand, es war der erste Blickkontakt mit der Türkin in ihr. „Plötzlich hatte ich auf eine einfache, unverfälschte Art Sehnsucht nach Istanbul, nach meiner eigenen Sprache, meinen eigenen Menschen.“ Sie habe begriffen, dass das Beste am Migrantenleben darin liege, dass es wie keine andere Erfahrung dem Menschen das Leben begreiflich mache.

In ihrer Heimat wird sie totgeschwiegen

Asli Erdogan entdeckte, was türkisch an ihr ist: ihre Sprache. Zweimal war sie in die Türkei zurückgekehrt, 1996 und 2008. Sie wollte ihre Sprache nicht verlieren: „das einzige, was ich besitze“. Sie weiß aber auch: „Meine Tragödie erklärt die Türkei.“ Sieben Bücher hat sie verfasst, stets als Mischung aus Roman, Essay und Novelle. Die „Stadt mit der roten Pelerine“ (1998) wurde in zehn Sprachen übersetzt und erhielt glänzende Besprechungen, das französische Magazin „Lire“ nahm sie in seine Liste „50 Schriftsteller der Zukunft“ auf, beim Literaturfestival von Lillehammer hielt sie 2011 die Hauptrede.

In ihrer Heimat jedoch wird Asli Erdogan totgeschwiegen. „Die Türkei umgibt mich mit einer fürchterlichen Aura des Schweigens“, sagt sie. Mehr noch. Nach vielen Bedrohungen hat sie Angst, ins Land ihrer Sprache zurückzukehren. So lebt sie meist in der Fremde: erst in Rio de Janeiro, wohin sich sie sich schon 1994 in Sicherheit brachte und wo „Die Stadt mit der roten Pelerine“ entstand, dann in Sarajevo, im Heinrich-Böll-Haus in Lüneburg, in Wien und in Zürich. Dort lernte sie einen Überlebenden aus Auschwitz kennen und schrieb das Gedicht „Licht und Dunkelheit“.

Seit August 2012 ist sie in Graz „Asylschreiberin“. Dabei wäre sie lieber eine „Schreiberin im Exil“. Bereits in ihrem Land habe sie ja im Exil gelebt; so könne sie bei einer Rückkehr nicht enttäuscht werden. Exil sei ja nichts anderes als ein weiteres Gefängnis, sagt sie. Auch in der Novelle, an der sie gerade arbeitet, spielt das Gefängnis eine zentrale Rolle. Ein Wanderer sei sie nicht, auch keine Kämpferin, erst recht keine Siegerin. Und immer wieder plagt sie die Frage: „Werde ich das nächste Visum bekommen?“

Als sie jüngst in Deutschland war, sei sie mit Drohungen davor gewarnt worden, in die Türkei zurückzukehren. „Mein Leben ist das eines gejagten Tiers“, sagt Asli Erdogan bitter. Ihre Überzeugungen haben sie in ein langes und schmerzhaftes Exil geführt. Immerhin freut sie sich, dass ihr letztes Buch, „Das Steinhaus“, das sich in Metaphern mit Folter und Betrug beschäftigt, gerade auf Schwedisch erschienen ist. Die Schriftstellerin Asli Erdogan aber zieht auf ihrer Winterreise weiter.

_____

Time am 28. Dezember 2012

_____

1) http://www.faz.net/aktuell/autorin-asli-erdogan-eine-tuerkische-winterreise-12007276.html
2) http://de.wikipedia.org/wiki/Aslı_Erdoğan

Immer mehr sehen klar

7. September 2012

Bild von Isley (1).

Gestern hatte ich dargelegt, dass sich die Mohammedanisten und ihre Freunde, die im Allgemeinen schlauer sind als ihre Herrchen, wie mit dem Rücken zur Wand fühlen mögen.

Sicherlich gibt es z.B. keine Inflation counterjihadischer Artikel in den MSM, aber ihre Qualität hat sich doch deutlich erhöht. Brachte die FAZ vor Jahren noch in rascher Folge eine promohammedanistische Lobeshymne nach der anderen, so sind die Beiträge von Wolfgang Günther Lerch, Michael Martens, Karen Krüger und Rainer Hermann heutzutage eher nachdenklich bis kritisch, und der unsägliche Jörg Bremer ist schon vor langer Zeit in den römischen Katakomben verloren gegangen, ohne das das jemandem außer mir aufgefallen wäre.

In der FAZ vom Montag, den 3. September, lieferte Daniel Deckers einen fulminaten Kommentar ab, in dem er, wenn er auch noch nicht den faschistischen Charakter des Mohammedanismus feststellte bzw. feststellen durfte, so doch den prinzipiellen Judenhass der Mohammedanisten anprangerte.

Je mehr und je hellsichtigere, klarere und entschlossenere Beiträge in den MSM erscheinen, um so nervöser werden die Orks.

_____

Judenfreund

Ein als Jude erkennbarer Mann wird vor den Augen seiner Tochter zusammengeschlagen, das Kind mit dem Tod bedroht – eine solche Szene mag sich im Berlin des Jahres 1938 abgespielt haben. Aber es geschah in der vergangenen Woche, fast am helllichten Tag. Seither fehlt von den Tätern jede Spur; gefahndet wird nach vier Männern mutmaßlich arabischer Herkunft. Mögen islamische Verbände nun wieder aufheulen und ihre Klientel wegen dieses Vorfalls oder einer nicht unbedingt ansprechenden Plakataktion des Innenministeriums an den Pranger gestellt sehen: Judenfeindschaft hat es in bestimmten Kreisen in Deutschland immer gegeben, manchmal war sie sogar salonfähig. Doch seit fast siebzig Jahren sind es die arabischen Staaten, die in ihrer Mehrzahl keinen Frieden mit Israel machen wollen. Der Bogen des Judenhasses und der Vernichtungsphantasien spannt sich über „München 1972“ bis nach Teheran und zurück in die islamischen Parallelgesellschaften in Westeuropa. Wer als Deutscher davor die Augen verschließt, sollte sich nicht wundern, wenn er dereinst selbst bedroht wird – als Judenfreund.

_____

Time am 7. September 2012

_____

1) http://schda.wordpress.com/2012/05/16/der-islam-ist-eine-ideologie-mit-einer-religiosen-komponente/

Über den schiitischen Polytheismus

10. August 2012

Ali (rechte Figur) in der Schlacht

Die Auseinandersetzungen in Syrien sind in hohem Maße solche zwischen den Sunniten und den aus dem Schiitentum stammenden Alawiten. Diese verehren Klo H. Metzels jüngeren Cousin Ali im Grunde mehr als den Unruhestifter selbst. Ali heiratete Klo H. Metzels Tochter Fatima und hatte mit ihr u.a. auch die Söhne Hassan und Hussein, die als zwei weitere Imame das weitläufige Pantheon des Schiismus bevölkern. „eslam.de“ (1):

„Imam Ali hatte insgesamt 27 Kinder; außer den vier bereits erwähnten Kindern Fatimas (a.) hatte er noch 23 mit folgenden Frauen, die er nach dem Ableben Fatimas (a.) geheiratet hatte. (…)“

„eslam.de“ berichtet folgende denkwürdige Geschichte über die Beziehung zwischen Klo und Ali:

„In der Nacht, als Prophet Muhammad (s.) die Auswanderung von Mekka nach Yathrib, dem späteren al-Madina, beschloss, war ein Plan der mekkanischen Quraisch beschlossen worden, den Propheten Muhammad (s.) nachts gemeinschaftlich zu ermorden. Prophet Muhammad (s.)  bat nach einer entsprechenden Offenbarung Imam Ali (a.) sich in das Bett des Propheten (s.) zu legen, während er selbst unbemerkt das Haus verließ. Imam Ali (a.) konnte den Angriff abwehren. Nie wieder hat sich ein Mann in das Bett des Propheten Muhammad (s.) an seiner statt legen dürfen.“

Was für eine miese, feige Ratte dieser Klo H. Metzel (ass.) doch war. Mein Freund Tangsir hat übrigens eine bessere Erklärung dafür, warum Ali in Klos Bett lag (2):

_____

Mohammeds Liebe zu Imam Hussein

Dass der islamische Prophet sich schon immer für Kinder interessierte, wurde hier schon behandelt. Dass er aber auch eine ganz innige Beziehung zu Imam Hussein pflegte, den viele Schiiten verehren, wissen die wenigsten. Auch wird über sein intimes Verhältnis zu Männern berichtet.

In nicht weniger als in 20 islamischen Quellen und Hadhiten, wie die von Ahmad Ibn Hanbal und Abu Hurairah, steht, dass der islamische Prophet an den Zungen von Alis Kindern, Hussein und Hassan saugte. Auch Buchari erzählt davon, wie der islamische Prophet an Kinderzungen lutschte. Bei Ibn_Zubayr, Ibn Hajar, Al Nawawi, At-Tabari und  Abdullah Ibn Adiy wird davon berichtet, wie Muhammed das Hemd von Alis beiden Kindern Hassan und Hussein hochhob und ihre kindlichen Penise küsste. Weiter wird berichtet, wie er (der islamische Prophet Mohammed) die Beine Husseins spreizte und seinen Penis küsste.

Dass Mohammed Geschlechtsverkehr mit Männern hatte, wird in 40 islamischen Quellen und Hadhiten vermerkt. Ahmad Bin Hanbal erzählt, wie der islamische Prophet bei einem zwei bis drei jähriges Mädchen auf den Gedanken kommt, sie  zu heiraten. (…)

_____

In der FAZ vom 8. August gab Wolfgang Günter Lerch einen exzellenten Überblick über die komplexen syrischen Verhältnisse. Er teilt offenbar meine Ansicht, dass es sich beim Schiismus de facto um einen Polytheismus handelt.

_____

Der vergöttlichte Ali

Warum die Mehrheit der Syrer
die Alawiten ablehnt

Der Widerstand gegen das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al Assad begann mit Demonstrationen für Arbeitsplätze, sozialen Fortschritt und demokratische Rechte. Heute wird das Land von einem Bürgerkrieg geschüttelt, der (auch) zu einer Auseinandersetzung zwischen der sunnitischen Mehrheit der syrischen Muslime und der alawitischen Minderheit geworden ist, die das Regime seit dem Jahre 1970 trägt, als Baschars Vater Hafez al Assad, ein General der Luftwaffe, die Macht ergriff.

Das war neu für Syrien, denn die Alawiten waren bis dahin an den höchsten Stellen der Macht so gut wie nicht beteiligt gewesen. Nur die Armee hatte ihnen Aufstiegsmöglichkeiten geboten. Sie hatten seit Jahrhunderten im Westen des Landes, in der Region des Dschebel Ansarije, bei Lattakia gelebt, vornehmlich als Bauern. Dieser „Berg der Nusairier“, benannt nach Ibn Nusair, dem maßgeblichen Gründer und Inspirator ihrer Konfession, hatte als Rückzugsgebiet vor den Verfolgungen durch die sunnitische Orthodoxie gedient – ähnlich dem Libanon, in den sich die Maroniten und die Drusen, zeitweise auch die orthodoxen Schiiten zum Schutz vor Verfolgungen zurückgezogen hatten.

Die syrischen Alawiten dürfen nicht mit den Aleviten in der Türkei verwechselt werden, obwohl sie, wie diese, aus dem heterodoxen Schiitentum kommen. Auch die Alawiten sind, der Name sagt es, „Verehrer Alis“, des Vetters und Schwiegersohnes des Propheten Mohammed, des Ali Ibn Abi Talib. Insofern sind sie Schiiten. Denn „Schiat Ali“ bedeutet nichts anderes als die „Partei Alis“. In der Auseinandersetzung um die Nachfolge des 632 nach Christus gestorbenen Stifters des Islams vertraten (und vertreten) die Schiiten die Auffassung, nur Ali sei der rechtmäßige Kalif, das heißt Nachfolger Mohammeds, gewesen, alle anderen hingegen Usurpatoren, insbesondere die Omajjaden, die nach der Ermordung Alis im irakischen Kufa bis 750 in Damaskus herrschten.

Es ist nicht leicht, gültige Informationen über die Lehren der Alawiten zu erhalten, da die Ketzergeschichte des Islams hauptsächlich von ihren Feinden, den Sunniten, geschrieben worden ist. Diese rechnen sie unter die „Ghulat“ – was mit „Übertreiber“ oder „Extremisten“ übersetzt werden kann. Gemeint ist damit vor allem die herausragende Stellung, die sie Ali zugedenken. Diese charismatische Gründerfigur des Schiismus genießt bei den Alawiten – im Unterschied zu den orthodoxen Mehrheitsschiiten – fast göttlichen Rang. Er ist zusammen mit dem Propheten Mohammed und dem Perser Salman-i Farisi Teil einer Dreiheit, die – neben dem einzigen und alleinigen Gott – Objekt der Verehrung ist. Mohammed steht im Schatten Alis. Auch dies ist für die Sunniten eine wüste Ketzerei.

Das religiöse Gesetz lehnen die Alawiten, im Unterschied zu den Zwölferschiiten in Iran und dem orthodoxen Schiitentum überhaupt, zu großen Teilen ab, was sie wiederum mit den anatolisch-türkischen Aleviten gemeinsam haben. Die wichtigsten muslimischen Feste feiern sie allerdings. Offenbar unter dem Einfluss vorderasiatischer vorislamischer Religionen glaubt die Gemeinschaft, dass sich Gott sieben Mal in menschlicher Gestalt manifestiert. Die letzte dieser göttlichen Manifestationen ist Ali Ibn Abi Talib. Für die Sunniten ist hingegen Mohammed das „Siegel der Propheten“, Abschluss und Summe aller monotheistischen Offenbarungen. Es sind Gedanken, die wohl in den asiatischen Vorstellungen von der Metempsychose, der Seelenwanderung, sowie in der antiken Gnosis ihren Ursprung haben oder mit dieser zumindest verwandt sind. Nach dem Tod geht die Seele des Verstorbenen in einen anderen Körper ein. Dies stiftet eine Nähe zu den Drusen, deren Gemeinschaft sich ebenfalls aus dem heterodoxen Schiismus der „Übertreiber“ herausentwickelt hat. Auch die Drusen waren immer wieder Nachstellungen ausgesetzt.

Als der zwölfte Imam der Schiiten im neunten Jahrhundert in die Verborgenheit entrückt wurde, gab ein gewisser Ibn Nusair, der den Alawiten die Bezeichnung „Nusairier“ gab, vor, in dessen Namen zu predigen und das Erbe der Imame weiterzutragen, als Teil einer von den Sunniten gebrandmarkten Gruppe von Abweichlern, die jahrhundertelang zurückgezogen in ihren Bergen lebte. Da war Syrien ein Hort der sunnitischen Orthodoxie, erst recht, als es im Jahre 1516/17 nach der Eroberung durch Sultan Selim Yavuz Teil des Osmanischen Reiches wurde. Die Osmanen waren sechs Jahrhunderte lang die Vormacht des sunnitischen Islams, in Rivalität und Konkurrenz zum schiitischen Iran, das heute politisch und militärisch zum Alawiten-Regime Baschar al Assads hält, trotz der teilweise eklatanten Abweichungen in der Theologie und Religionsauffassung. Das sunnitische Handels-Bürgertum war in Syrien immer die maßgebende Schicht, machte seinen Einfluss bis in den Libanon geltend.

Unter dem französischen Mandat entstand nach dem Ersten Weltkrieg kurzfristig ein Quasi-Staat der Alawiten im Gebiet von Lattakia. Doch bot der Aufbau einer syrischen Armee, der unter den Franzosen einsetzte, den Bauernjungen aus dem Dschebel Ansarije die Gelegenheit, in den Reihen des Militärs voranzukommen. Die stark nationalistisch gesinnten Sunniten hingegen verweigerten sich bis zur Unabhängigkeit 1946 oft der Armee. Nachdem der Christ Michel Aflaq und der Muslim Salah al Bitar in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die säkular ausgerichtete Baath-Partei gegründet hatten, die sich den arabischen Nationalismus auf ihre Fahnen geschrieben hatte, strömten ihr viele Alawiten zu. Denn das Prinzip des Konfessionalismus schien überwunden zu sein.

Als Hafez al Assad 1970 die Macht ergriff, schienen die Alawiten am Ziel ihrer Wünsche zu sein. Bis heute sind es neben dem Assad-Clan im Grunde Alawiten-Familien aus drei Dörfern in der Umgebung der Ortschaft Qardaha, die zum engeren Kreis der Macht gehören – ergänzt um sunnitische und wenige christliche Politiker. Die maßgeblichen Leute freilich sind Alawiten, gehören zur Assad-Familie oder stehen ihr nahe. Immer wieder regte sich Widerspruch aus den Reihen der Sunniten gegen diese nun herrschende Minderheit von einem Zehntel der Bevölkerung. 1982 ließ der Vater Assad in Hama einen Aufstand der sunnitischen Muslimbrüder blutig niederschlagen, während sich die größtenteils sunnitische Handels-Bourgeosie allmählich mit dem Regime ausgesöhnt hatte, nicht zuletzt wegen der Stabilität, die es schuf. Die freilich gründete auf der Unterdrückung durch die Armee, die Partei und mehr als einem Dutzend Geheimdiensten. Immer war auch der Gegensatz zwischen Sunniten und Alawiten virulent, so, als der oberste Mufti Syriens, Ahmad Qaftaro, seinerzeit Hafez al Assad amtlich bescheinigen musste, er sei ein Muslim. Baschar al Assad hatte gehofft, durch die Heirat mit Asma, die aus einer der großen sunnitischen Familien des Landes stammt, zusätzlich für eine gewisse konfessionelle Balance zu sorgen. Dies schlug offenkundig fehl. Der gegenwärtige Aufstand hat nicht primär religiöse Ursachen, gründet vielmehr in jahrzehntelanger Repression, die immer wieder auch von Alawiten kritisiert wurde. Seine Träger sind aber vor allem die sunnitischen Kleinbürger und der Mittelstand, ein Milieu, das von dem der türkischen Regierungspartei AKP nicht allzu weit entfernt sein dürfte. Dass die Stimmung jetzt auch im bisher weitgehend regimetreuen Aleppo kippt, in dem auch viele Minderheiten leben, ist für Assad äußerst bedenklich.

_____

Time am 10. August 2012

_____

1) http://www.eslam.de/begriffe/a/ali_ibn_abu_talib.htm
2) http://tangsir2569.wordpress.com/2010/07/11/mohammeds-liebe-zu-imam-hussein/
auch: http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/24/die-orks-sind-schwul/
mit weiteren Links zum Thema

Ab nach Japan

28. April 2012

Als für den widerwärtigen türkischen Film „Fetih 1453“ (1), der den Eroberer Konstantinopels und perversen Massenmörder Mohammed II. feiert, ein Komponist der Filmmusik gesucht wurde, verfiel man natürlich sogleich auf den weltbekannten Fazil Say (2). Dieser jedoch lehnte ab (3), weil er denken kann, anständig ist und eine menschenfreundliche Gesinnung hat.

Inzwischen beginnt man in der Türkei, dem Musiker die Hölle heiß zu machen, wie Wolfgang Günther Lerch in der heutigen FAZ berichtete.

_____

Schwarze Erde

Kara Toprak – Schwarze Erde – war das Lieblingsgedicht Kemal Atatürks, des Gründers der Türkischen Republik. Es stammt von Asik Veysel, einem 1973 verstorbenen blinden Volksdichter, dessen Verse enorm populär sind und in der Türkei zur türkischen Lang- und Kurzhalslaute vorgetragen werden. In diesen Zeilen findet der Dichter, völlig vereinsamt, Trost allein in der schwarzen Erde seiner anatolischen Heimat; das ist der Osten um die Stadt Sivas. „Hüzün“, die den Türken nachgesagte Nationaleigenschaft einer metaphysisch grundierten Melancholie und Trauer, ist die bevorzugte Stimmung der Gedichte Veysels, der schwere Schicksalsschläge zu meistern hatte.

Der türkische Pianist und Komponist Fazil Say hat sich von ihm zu einer Komposition „Schwarze Erde“ anregen lassen, die er auch selbst vorträgt. Seit Jahren ist Say in den Konzertsälen der ganzen Welt zu Hause, spielt er das Repertoire von Mozart bis Ravel. Auch beim Rheingau Musikfestival und in Frankfurt gastierte er schon. Mehr und mehr wird der 41 Jahre alte Musiker, in Ankara als Sohn Ahmet Says, eines Musikwissenschaftlers und Schriftstellers, geboren, jedoch auch als Komponist geschätzt. Zu seinem Œuvre gehört neben dem Klavierkonzert „Seidenstraße“ ein Oratorium über den Dichter Nazim Hikmet. Urbild dieser türkischen Oratorien ist das Oratorium um den Mystiker Yunus Emre von dem türkischen Komponisten Ahmet Adnan Saygun (1907–1991).

Seit einiger Zeit hat der Weltbürger Fazil Say, der – früh als Hochbegabung erkannt – unter anderem in Düsseldorf und Berlin musikalisch ausgebildet wurde, Schwierigkeiten in seiner Heimat. Seit den Wahlerfolgen der AKP von Ministerpräsident Erdogan 2002, die einen konservativ islamischen Hintergrund hat, klagt Say über wachsende Intoleranz, schon 2007 erwog er eine Auswanderung. Nun heißt es gar, er wolle sich in Japan niederlassen. Der Anlass: Es gibt offenbar Bestrebungen, ihn vor Gericht zu zerren, weil er die Religion verunglimpft habe. Zwar ist die Türkei theoretisch ein laizistischer Staat, doch in einer Gesellschaft, in der sich neunzig Prozent der Bevölkerung als gläubig bezeichnen, tut sich ein bekennender Atheist wie Say schwer. Und er erboste die Frommen, als er sich auf sarkastische Weise über die Paradiesesvisionen im Koran erregte. Breite Schichten verprellte er zudem, als er die Arabesk-Musik als „Schund“ kennzeichnete, dessen man sich zu schämen habe. Diese sentimentale Musik alla Turca, deren Star Orhan Gencebay ist, wird in der Türkei – im Unterschied zur osmanischen Kunstmusik – tagaus, tagein konsumiert wie anderswo die Schlager. Die Türkei hat eine Tradition der klassischen Musik, die bis zu Giuseppe Donizetti, dem Bruder Gaetanos, zurückreicht, der als Kapellmeister des Sultans Abdülmecit (1839–1861) fungierte. Und das Land hat bekannte Klaviervirtuosen hervorgebracht. Für die besonders Frommen freilich ist das gesungene Mevlid-i serif, ein Epos auf die Geburt Mohammeds von Süleyman Celebi, wichtiger als die europäische Klassik. Fazil Say wird indes Weltbürger bleiben, ob er die Türkei nun verlässt oder nicht.

_____

Es gibt jedoch nicht nur „offenbar Bestrebungen, ihn vor Gericht zu zerren“, sondern es sind ganz konkret staatsanwaltliche Ermittlungen „wegen des Verdachts auf Volksverhetzung durch beleidigende Äußerungen über den Islam“ aufgenommen worden, die ihm drei Jahre Haft einbringen könnten, wie die „Rheinische Post“ berichtete (4). Zudem hat er ganz direkt die türkischen Theokraten beleidigt, indem er nach einem besonders eilig vorgetragenen Gebetsruf in einer Moschee fragte, „ob der Muezzin wohl schnell zur Freundin oder zum Schnaps habe zurückkehren wollen“. (5)

In der Türkei und unter den Türken in Deutschland wird denn auch nach Kräften gegen Say gehetzt. „Fazil Say twittert sich zum Gespött der Türkei“ titelt „Turkish Press“ (6), die insbesondere durch ein absolut grottenmäßig schlechtes Deutsch auffällt. Weil er sich über das Kopftuch der Journalistin Esra Elönü lustig gemacht hat, wird ihm von der Zeitung „Radikal“ vorgeworfen: „Fazil Say reduziert die Frau zum Objekt der Begierde“.

Die ganze Entwicklung zeigt nach Meinung von Verheugen & Co natürlich eindeutig, dass die Türkei zu Europa gehört (7), und Wolfgang Günther Lerch übt auch schon mal ein bisschen, indem er das türkische Alphabet in der FAZ einführt (Ich habe aber alles rausoperiert, hihihi).

Ich hoffe, Say wartet mit seiner Auswanderung nicht solange, bis es zu spät ist.

_____

Time am 28. April 2012

_____

1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2012/03/06/mal-wieder-entlarvt/
2) http://de.wikipedia.org/wiki/Fazil_Say
3) http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2012/02/408744/fazil-say-ich-wollte-nicht-die-musik-zu-„fetih-1453-komponieren/
4) http://www.rp-online.de/panorama/ausland/justiz-ermittelt-gegen-bekannten-pianisten-1.2789421
5) http://www.br.de/radio/br-klassik/sendungen/leporello/fazil-say-japan-auswanderung100.html
6) http://www.turkishpress.de/2012/04/27/fazil-say-twittert-sich-zum-gespoett-der-tuerkei/id4973
7) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/10/18/wir-brauchen-die-turkei/

Al Kaida – Jetzt überall

20. April 2012

Tuareg-Frau in Mali

Einst von den Arabern versklavt und zwangsislamisiert, sind die Tuareg jetzt mit den Schlächtern von Al Kaida im Bunde. Muss das sein?

Lesen Sie einen Aufsatz von Wolfgang Günther Lerch aus der FAZ vom 18. April.

_____

Aufstand in der Wüste

Die Proklamation des Tuareg-„Staates“ Azawad sorgt für Unruhe

Wird dieser „Staat“ von Dauer sein oder in einiger Zeit doch wieder von der Zentralregierung in Bamako kontrolliert werden können? Werden gar die Nachbarn eingreifen? Im wüstenhaften Norden Malis haben Tuareg-„Rebellen“ der „Nationalen Bewegung für die Befreiung des Azawad“ (MNLA) vor knapp zwei Wochen ihre Unabhängigkeit erklärt. Sie nutzten dafür den Putsch der malischen Armee vom 22. März gegen den Präsidenten Amadou Toumani Touré, indem sie die historischen Städte Gao und Timbuktu einnahmen. Unterstützt wurden sie von Islamisten, die Al Qaida im islamischen Maghreb (Aqim) nahestehen sollen. Der „Staat“ Azawad erstreckt sich theoretisch auf den gesamten Norden Malis bis zur algerischen Grenze, im Osten bis zur Grenze mit Niger und im Westen mit Mauretanien. Möglich geworden war die Einnahme Timbuktus, weil nach dem Militärputsch die malische Armee den Norden des Landes zum großen Teil geräumt hatte, die Hauptstadt Bamako liegt im Süden des Landes; auch sind etliche der Tuareg-Kämpfer offenbar noch zu Zeiten Gaddafis in Libyen gut ausgebildet worden und schlagkräftig.

Die Proklamation Azawads hat in den Nachbarstaaten ziemliche Unruhe hervorgerufen, insbesondere in Algerien, weshalb sich ein Sprecher der MNLA beeilte mit der Zusicherung, man werde die internationalen Grenzen respektieren und nicht antasten. Ein Blick auf die Landkarte und ihre über viele hundert Kilometer völlig gerade verlaufenden Grenzlinien macht deutlich, wie künstlich die Grenzziehungen in dieser Region, die auf die Zeit des französischen Kolonialismus zurückgeht, bis heute ist. Sie durchschneiden das Siedlungsgebiet der Tuareg, das sich – neben Mali – auf die Staaten Niger, Algerien (dort hauptsächlich das Hoggar-Gebiet), Mauretanien, Burkina Faso und auch auf den Westrand Libyens erstreckt. Kolonialbeamte und französische Politiker waren es, die diese Grenzziehungen vornahmen, der Bekannteste von ihnen war Marschall Hubert Lyautey (1854– 1934), der viele Jahre lang über Marokko und angrenzende Teile der Sahara-Region gebot.

Beunruhigt zeigte sich auch Frankreich, das in allen Staaten der Region als vormalige Kolonialmacht Interessen hat, politische und diplomatische, aber insbesondere auch wirtschaftliche. Vor allem die Beteiligung von – im weitesten Sinne – Al Qaida im islamischen Maghreb an den jüngsten Ereignissen, die ihrerseits Verbindungen zur militant-islamischen Boko-Haram-Sekte im Norden Nigerias haben soll, sorgt für Besorgnis. In Teilen der zentralen Sahara, unter anderem im Norden Nigers, wird Uran abgebaut, das die Franzosen für ihre Atomreaktoren benötigen.

Die Proklamation von Azawad ist der vorläufig letzte Höhepunkt einer politisch-kulturellen Unrast, die dieses Gebiet schon seit vielen Jahrzehnten beherrscht. Immer wieder haben die Tuareg, die „Herren der Wüste“, seit 1960 durch Aufstände von sich reden gemacht. Zwischenzeitliche Perioden der Ruhe waren nicht dazu genutzt worden, um den Anlass zur Unruhe zu beseitigen. Anfängliche Klagen über eine Vernachlässigung oder gar Diskriminierung durch die Zentralregierungen der jeweiligen jungen Staaten, insbesondere aber in Mali, wurden schließlich zu dem ausdrücklichen Konzept einer „Unabhängigkeit Azawads“, wie die Tuareg ihr malisches Kerngebiet in ihrer Sprache nennen, weiterentwickelt.

Bis zum Anbruch der Kolonialzeit konnten sich die Tuareg mit Recht als die Herren der Wüste bezeichnen. Jahrhundertelang hatten sie vom transaharischen Handel der Karawanen „gelebt“, der sich in zwei Richtungen vollzog: auf einer Nord-Süd-Achse und einer West-Ost-Achse. Was heute Azawad heißt, gilt vielen Tuareg als das eigentliche Zentrum ihrer Kultur, die durch die Kolonialzeit zurückgedrängt wurde. Nach der Unabhängigkeit der betreffenden Staaten in den sechziger und siebziger Jahren versuchte ein Teil der Regierungen, die Tuareg zu integrieren, oft in der Armee – mit nur mäßigen Erfolgen, wie der Ausbruch von Aufständen schon bald darauf deutlich machte. Bereits damals waren Mali und Niger Zentren der Erhebung. Am besten gelang die Integration noch dem libyschen Diktator Gaddafi, was ihm freilich seinen Thron im vorigen Jahr nicht retten konnte. Die von ihm ausgebildeten Kämpfer haben nun ein anderes Ziel gefunden. Bis heute auch leiden die Gebiete der Tuareg an einer Vernachlässigung durch die Zentralregierung, was Infrastruktur oder die Entwicklung des Schul- und Bildungswesens angeht.

Die Zahl der in der Sahara lebenden „arabisierten“ Tuareg wird auf etwa eineinhalb, höchstens zwei Millionen geschätzt. Das in mehrere Stämme zerfallende Volk, bei dem sich traditionell die Männer in meist blaue Gewänder hüllen und das Gesicht mit einem Schleier, dem Litham, bedecken, gehört zu den Berbern, der hamitischen Urbevölkerung Nordafrikas, die bis zum Einbruch der Araber im 7. Jahrhundert nach Christus praktisch ganz Nordafrika bis zur Küste des Mittelmeeres besiedelten.

Noch heute prägt die berberische Kultur, zusammen mit der arabischen, große Teile Marokkos, Algeriens und auch Libyens. Die Berber haben mit dem Tamazight sowie dem Tamascheg der Tuareg und dem Tifinagh eine eigene Sprache und Schrift entwickelt. Und in den Staaten des Maghreb, vor allem in Algerien, beharren die Berber teilweise stark auf ihrer kulturellen Autonomie, etwa in der Kabylei um ihr Hauptzentrum Tizi Ouzu, das sich der Arabisierung widersetzt. Auch in Marokko prägten die Berberstämme große Teile des Nordens (Rif) und des Landesinneren, so dass immer wieder ein Gegensatz zwischen den Arabern der Küstenregion und Berberstämmen wie den Chleuh, den Beraber und anderen aufbrach.

Die Tuareg (Einzahl Targi) sehen sich teilweise auch als die Nachfahren der legendären Garamanten, die schon viele Jahrhunderte vor Christus in der zentralen Sahara ein Reich beherrschten, das sich später sogar militärisch mit den Römern maß, als die Garamanten-Krieger bis zur nordafrikanischen Küste vorstießen und sogar die Römerstadt Leptis Magna belagerten. Dann setzte ein Niedergang ein, und im 7. nachchristlichen Jahrhundert eroberten die eben zum Islam bekehrten Araber ihr Reich. Noch heute kann man ganz im Südwesten Libyens, am Rande der Wüste von Edeyen Awbari, die weitgestreuten Ruinenfelder der alten Garamanten-Hauptstadt Gerama (Djerma) besuchen. Seit dieser Zeit bekennen sich die Berbervölker auch zum islamischen Glauben, obwohl einige von ihnen noch lange Zeit erbitterten Widerstand gegen die Islamisierung leisteten.

Dass die Tuareg-Kriger der MNLA nun Timbuktu eingenommen haben, ist kein Zufall. Zusammen mit dem ebenfalls in der Hand der Rebellen befindlichen Gao knüpft schon der Name „Timbuktu“ an große Zeiten des späten Mittelalters an, als diese Stadt am Nigerbogen zum Synonym für Macht, Reichtum und Gelehrsamkeit geworden war. Mag manches an diesem Ruf und Ruhm auch übertrieben gewesen sein, so bildete Timbuktu doch ein wichtiges Zentrum jenes Mali-Reiches, das sich unter bedeutenden Herrschern über große Teile der mittleren und südlichen Sahara sowie des Sahel erstreckt hatte. Timbuktu lockte damals sogar islamische Gelehrte aus anderen Teilen der muslimischen Welt an, die sich dort niederließen und lehrten. Heute ist die Stadt Teil des Weltkulturerbes. Freilich waren es Einfälle der Tuareg, die dem Mali-Reich ein Ende bereiteten. Bis heute herrscht unter den „Verschleierten“ der Wüste auch eine Haltung der Überlegenheit vor, die sich in einer gewissen Missachtung der schwarzen Afrikaner zeigt.

Welche Zukunft Azawad beschieden sein kann, wird auch davon abhängen, wie sich der Einfluss der radikalen Islamisten dort auswirkt und wie die Nachbarstaaten zu handeln gedenken. Die MNLA hat für eine rasche Anerkennung ihres „Staates Azawad“ geworben. Doch ob es dazu kommt, ist äußerst fraglich; schon gar nicht, wenn Al Qaida dort zunehmend ihr Unwesen treibt und wieder Ausländer als Geiseln genommen werden.

_____

Time am 20. April 2012 


Museums-Jihad

5. Februar 2012

Römischer Bronzekopf aus Saudi-Arabien

Zur Zeit wird die Ausstellung „Roads of Arabia“ im „Museum für Islamische Kunst“ in Berlin allerorten mit Pauken und Trompeten als „sensationell“ angepriesen. Sie zeigt auch Exponate aus vormohammedanistischer Zeit.

Ich habe vor Jahren das Pergamonmuseum, in dessen Südflügel das Orkmuseum untergebracht ist, besucht. Wir bestaunten zunächst einmal mehr den grandiosen Pergamonaltar (1), den türkische Orks zu Baumaterial umfunktioniert hatten, der aber teilweise von dem deutschen Ingenieur Carl Humann gerettet worden war. Sodann durchschritten wir das prächtige babylonische „Ischtar-Tor“ (2) und wandelten auf der Prozessionsstraße. Irgendwann verschlug es uns auch in die mohammedanistische Abteilung, und da waren wir doch arg erstaunt. Wir sahen ein paar löchrige Teppiche, diverse kalligrafische und ornamentale Objekte und blickten ins „Aleppo-Zimmer“. Aber das alles wirkte ziemlich „abgsandelt“, wie der Schwabe sagen würde. Dennoch konnten wir türkische Jugendliche einer Schulklasse beobachten, die sich mächtig in die Brust warfen und mächtig stolz auf die unansehnlichen Exponate waren.

Unansehnlichkeit ist nach meiner Erfahrung bei mohammedanistischen Ausstellungen der maßgebliche Eindruck. Ich erinnere mich z.B. an den naziranischen Auftritt auf der „Expo 2000“: Der war zwar ganz hübsch aber auch billig und einfältig. Insofern wäre es interessant, mal einen beeindruckenden, geistreichen und gewissermaßen wertvollen mohammedanistischen Event zu erleben, denn allein die Tatsache, dass etwas im Museum gezeigt wird, beindruckt vielleicht Orks, reicht jedoch gebildeten Westlern nicht.

Wenn Sie unter „Roads to Arabia“ googeln, werden Sie übrigens jede Menge vormohammedanistischer Exponate sehen und nur sehr wenig mohammedanistische.

Den Ansatz, Orks mit Orkausstellungen ins Museum zu locken, um ihr Selbstbewusstsein zu stärken, verfolgt indes gezielt eben der Organisator von „Roads of Arabia“, Museumsdirektor Stefan Weber (3):

„Gerade die Berliner Staatlichen Museen als nationale Institutionen sollten, so Weber, den Muslimen im Land eine kulturelle Heimat bieten, sodass es ihnen leichter fällt, zu Deutschen islamischen Glaubens zu werden.“

Weber ist mit einer Syrerin verheiratet, wie Wolfgang Günther Lerch in der gestrigen FAZ berichtete, und so ist es nicht unwahrscheinlich, dass er Ork-Konvertit ist. Wie auch immer, er verfolgt sicher nicht nur das Ziel, Orks zu Deutschen zu machen, sondern vielmehr besonders das, den Deutschen klar zu machen, dass der Mohammedanismus auch in ihren Museen Territorium fordert, dass er überall ist. Es scheint nicht möglich, dass Orks ganz normale Ausstellungen besuchen, nein, es müssen mohammedanistische sein. 

Bei den Orks kommt diese Botschaft gut an (4):

„Die Kunst von Muslimen wird hier nicht mit dem Islam erklärt, sondern als Ausdruck eines weiteren kulturellen Kontexts. Islamische Kunst ist vielfältig, zeigt aber vor allem auch viele Parallelen und Verbindungen zu nicht-islamischer Kunst. Die urbane Architektur in Kairo läßt sich eben nicht auf das ‘Islamische‘ beschränken, sondern wird maßgeblich bestimmt durch das großstädtische Leben einer Stadt – und da liegt es nahe, nicht nur nach Parallelen zwischen den Bauten in Kairo und Aswan zu fragen, sondern auch zwischen jenen in Kairo und Paris.“

Soweit so klar. Doch nun erfolgt die typisch orkisch-territoriale Schlussfolgerung:

„Das bedeutet auch, dass sich islamische Kunst nicht auf Architektur und Handwerk in Kairo, Istanbul und Karachi beschränken läßt. Islamische Kunst ist auch Teil der Kulturgeschichte Deutschlands, Frankreichs oder Großbritanniens.“

Weil „mohammedanistische Kunst“ nicht gänzlich „mohammedanistisch“ ist, sondern Übereinstimmungen mit nichtmohammedanistischer Kunst und Architektur aufweist, schließen die Orks darauf, dass sie auch Teil der westlichen Kulturgeschichte sei. Weil der „Burj Khalifa“ in Dubai von einem amerikanischen Architekturbüro gebaut wurde, ist der Eiffelturm auch teilweise mohammedanistisch, so die Logik hinter diesen Sätzen.

Zum Begriff „mohammedanistische Kunst“: Eine solche gibt es nicht, denn eigentliche Kunst haben die Orks nie hervorgebracht. Es gibt keine reflektierende, fragende, fordernde, forschende, programmatische, inhaltliche Ork-Kunst, es gibt nur mohammedanistisches Kunsthandwerk. Weil die Orks und ihre Dimmies aber einen Anspruch auf die Kunst erheben wollen, muss zunächst der Begriff nivelliert werden, so wie hier in der bereits zitierten „Berliner Zeitung“:

„Vor allem aber muss Weber wohl kämpfen mit dem in der deutschen Kulturgeschichte tief verankerten Glauben, dass Kunst etwas anderes sei als Handwerk, dass Kunstgeschichte etwas Besseres sei als Kulturgeschichte.“

Was erwartet die Kunstszene, was erwartet unsere Kultur?

„… die deutsche Firma Halaltattoo.com, die islamischen Wandschmuck anbietet. Dabei handelt es sich um kalligrafische Schriftzüge, die an Zimmerwänden montiert werden können. Das ist weder kitschig noch sakral, sondern sehr stylish und paßt in jedes Architekturbüro und in jede Zahnarztpraxis – hat aber eine ausdrücklich islamische Botschaft: Die Texte, die man wählen kann, stehen für ‚Es gibt keinen Gott außer Gott!’, ‚Im Namen Gottes, des Barmherzigen’, ‚Gott hat es so gewollt’ – oder einfach nur ‚Allah’.“

Das ist allerplumpeste Orkpropaganda inklusive der widerwärtigen Vermischung der Begriffe „Gott“ und „Alla“! Wie soll so etwas Teil unserer Kultur werden? So etwas ist m.E. im Gegenteil extrem ausgrenzend. Aber das soll es ja auch sein, es soll den Bewegungsspielraum der Nicht-Orks einschränken und den der Orks erhöhen. Es soll Ork-Territorium markieren.

Auch Mazyeks „islam.de“ ist übrigens begeistert (5):

„Im Fokus steht eine Verortung Saudi-Arabiens zwischen den großen Kulturen, wie Mesopotamien und Ägypten. Dabei wird deutlich: Kulturen greifen ineinander über und haben keine klaren Grenzen.“

So wollen Mazyeks Truppen Arabien als „große Kultur“ mit Mesopotamien und Ägypten gleichsetzen. Arabien, in dem es laut der Hadithe von Buhari sowie der Sira keine befestigten Straßen, keine Getreidesiebe und keine Toiletten, jedoch grassierenden Kopf- und Filzlausbefall gab (6).

_____

Time am 5. Februar 2012

_____

1) http://de.wikipedia.org/wiki/Pergamonaltar
2) http://de.wikipedia.org/wiki/Ischtar-Tor
3) http://www.berliner-zeitung.de/archiv/islamische-kunst-auch-fuer-deutsche-muslime,10810590,10692208.html
4) http://www.ufuq.de/newsblog/625-halal-tattoos-islamische-zimmerdeko-als-islamische-kunst
5) http://www.islam.de/19641
6) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/23/hadithe-3-aint-no-fun-waitin-round-to-be-a-millionaire/

Es wird besser werden

14. Januar 2012

N-TV: „Luftbetankung als Voraussetzung für einen Angriff aus großer Distanz: Kampfjets vom Typ F-15i der israelischen Luftwaffe.“

Der geschätzte Kommentator „L.“ schrieb gestern:

„Nachdem 2011 ein Schei*jahr für den Counterdjihad war – mit einem staunen- wie grauenerregend überzeugenden Revival für den Islamismus – kann es eigentlich nur noch besser werden.“

Auch Wolfgang Günther Lerch war in der heutigen FAZ ziemlich unzufrieden angesichts der Entwicklung der „Arabellion“, und er kann sich nicht recht zwischen Resignation und Sarkasmus entscheiden…

_____

Erwarteter Erfolg

Im ersten frei gewählten ägyptischen Parlament werden die beiden islamistischen Parteien etwa zwei Drittel der Mandate innehaben; so viel kann man schon sagen, auch wenn das amtliche Endergebnis der Abstimmung noch nicht bekanntgegeben wurde. Das Resultat entspricht den Erwartungen, man weiß nun, woran man mit dem Land ist. Das relativ schlechte Abschneiden der säkularen Parteien zeigt, dass der Weg zu einer modernen Zivilgesellschaft und zu einer Demokratie westlichen Zuschnitts noch lang ist – so lang wie der Nil, der durch Kairo fließt. Immerhin: Es ist ein Fortschritt, dass sich die Muslimbrüder in den vergangenen Jahren gemäßigt haben und dass sie mit den säkularen Parteien, wie sie sagen, zusammenarbeiten wollen. In den Augen des Westens bedenklicher als der Erfolg der Muslimbrüder ist das gute Abschneiden der radikal-religiösen Salafisten, die saudische Ideen in Ägypten populär gemacht haben. Die ökonomische Lage des Landes ist freilich so gespannt, dass auch die Islamisten bald entzaubert werden könnten.

_____

Der Nil ist der längste Fluss der Erde, und dieser Vergleich macht natürlich die einigermaßen desillusionierte Sicht WGLs deutlich.

Erheblich optimistischer war da in der gestrigen FAZ unser Außenminister und selbsternannte Mohammedanismus-Experte Guido Westerwelle, der die Hindernisse der Orks auf dem Weg zu einer freiheitlichen, demokratischen Bürgergesellschaft deutlich benannte, jedoch als nicht arg relevant ausmachte.

Wir müssten nur einen „nüchternen und unvoreingenommenen Blick“ entwickeln, um den Unterschied zwischen islamischen Kräften (die zur Vernichtung Israels aufrufen) und islamistischen Kräften (die zur Vernichtung Israels aufrufen) zu erkennen und um sodann die rabiatischen Staaten mit Geld zuzuschmeißen.

 _____

Politischer Islam und Demokratie

Islamische Orientierung bedeutet nicht per se rückwärtsgewandte, antimoderne, antidemokratische und unfreiheitliche Gesinnung.

Dem „arabischen Frühling“ drohen drei Gefahren: Erstens die Restauration, also das Wiedererstarken der Kräfte der autokratischen Anciens Régimes. Zweitens ein wirtschaftliches Scheitern, das soziale Spannungen verschärft und zu neuen Unruhen führt. Drittens die Unterwanderung des demokratischen Aufbruchs durch radikale, fundamentalistisch-islamistische Bewegungen.

Wir müssen die Umbruchprozesse in Nordafrika und der arabischen Welt politisch und wirtschaftlich unterstützen. Mit Investitionen, Bildungspartnerschaften und offeneren Märkten können wir viel tun, damit sich die wirtschaftlichen Perspektiven und persönlichen Lebenschancen für die Menschen verbessern.

Politisch sollten wir auf die Verankerung demokratischer Institutionen und Prozesse, auf Teilhabe und Pluralität dringen. Wie gehen wir dabei mit politischen Gruppen um, die ihre politische Agenda aus den Wert- und Moralvorstellungen des Islam schöpfen? Da, wo gewählt wurde oder wird, zeichnet sich eine Mehrheit für islamisch-orientierte Kräfte ab. Wie begegnen wir dem Islam in der Politik?

Wichtig ist ein nüchterner und unvoreingenommener Blick. Politischer Islam ist nicht das Gleiche wie radikaler Islamismus. Islamische Orientierung bedeutet nicht per se rückwärtsgewandte, antimoderne, antidemokratische und unfreiheitliche Gesinnung.

Wir müssen lernen, genau hinzusehen und zu differenzieren. Natürlich sind auch fundamentalistische, also tatsächlich „islamistische“ Gruppen in den politischen Wettbewerb eingetreten, mit denen ein Dialog keine Aussicht auf Erfolg hat. In Tunesien oder Marokko zum Beispiel aber sehen wir, dass bislang eher gemäßigte, moderat-islamische Parteien Mehrheiten gewonnen haben.

Es ist notwendig, gerade mit diesen gemäßigten Kräften den Dialog über das Verhältnis von Staat und Gesellschaft, Politik und Religion zu suchen. Denn von islamischen Werten und nationalen Traditionen inspirierte Parteien haben gegenwärtig die größte Chance, sich langfristig zu mehrheitsfähigen Volksparteien in der Region zu entwickeln. Wir müssen es respektieren, wenn Parteien in den Ländern Nordafrikas Politik mit einem islamischen Wertekompass gestalten möchten, so wie es in Europa selbstverständlich ist, dass viele Parteien sich christlichen Werten verpflichtet fühlen und auf dieser Grundlage ihre politischen Vorstellungen verwirklichen wollen.

Die entscheidende Frage für uns muss sein, wie sich islamisch-politische Parteien zur Demokratie stellen. Sind es islamisch-demokratische Parteien, so wie es im europäischen Parteienspektrum ganz selbstverständlich christlich-demokratische Parteien gibt? Ich bin davon überzeugt, dass die Verbindung zwischen islamischer Ausrichtung und demokratischer Gesinnung, zwischen Islam und Demokratie möglich ist.

In den Transformationsländern Nordafrikas kann sich das praktisch erweisen. Immerhin beziehen sich schon jetzt viele Vertreter gemäßigt islamischer Kräfte in Nordafrika auf die Entwicklungen in der Türkei. Dort ist mit der AKP – bei allem, was es kritisch zu beobachten gilt – eine Partei zur derzeit stärksten politischen Kraft geworden, die starke islamische Wurzeln hat und sich demokratischen Grundsätzen verpflichtet fühlt.

Wir müssen uns die Programmatik der islamischen Parteien genau ansehen, und vor allem müssen wir sie an ihrem Handeln messen. Wichtig sind das Bekenntnis zu Demokratie und Rechtsstaat, zu einer pluralistischen Gesellschaft und zu religiöser Toleranz sowie zur Wahrung des inneren und äußeren Friedens. Das sind die sechs Kriterien, die wir anlegen und einfordern werden. Wer sich daran hält, kann auf unsere Unterstützung zählen.

In Tunesien hat die Ennahda-Partei die Mehrheit bei den Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung gewonnen. Vertreter Ennahdas erklären die Versöhnung von Tradition und islamischer Identität mit den Herausforderungen moderner Gesellschaften zu ihrer Zielvorstellung; sie nennen aber auch Demokratie und Pluralität als politischen Rahmen ihres Wirkens. Nach den Wahlen ist Ennahda mit säkularen, also nicht religiös ausgerichteten Parteien eine Koalition eingegangen. Das sind ermutigende Zeichen auf dem Weg zu einer Parteienlandschaft, in der islamisch-demokratische Parteien einen wichtigen Platz einnehmen. Wir sollten das Unsere tun, um positive Entwicklungen zu befördern, indem wir Dialog und Unterstützung für einen nachhaltigen Wandel hin zu einer demokratischen und pluralen Gesellschaft anbieten.

Eines ist dabei klar: Der Bruch mit der autokratischen Vergangenheit kann nicht über Nacht erfolgen. Es braucht auf beiden Seiten des Mittelmeers Geduld und langen Atem. Der arabische Frühling hat tief greifende gesellschaftliche Umbruchprozesse und politische Veränderungen in Gang gesetzt. Mit dem Ende der Autokraten und Diktatoren in Tunesien, Libyen und Ägypten ist die erste revolutionäre Wegstrecke durchschritten. Der noch viel längere Weg des politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Neuaufbaus hat gerade erst begonnen.

Es besteht die Chance, dass sich gemäßigt islamische Kräfte dauerhaft als islamisch-demokratische Parteien etablieren. Wir haben ein großes Interesse daran, dass sich das Leitbild islamisch-demokratischer Parteien verfestigt. Deshalb sollten wir es nach Kräften unterstützen.

_____

Der schwule Guido, der nur in ganz wenigen Ländern der Orksphäre überleben könnte und im Irak z.B. mit großer Wahrscheinlichkeit lebendig gepfählt würde (1), erklärt:

„Wir haben ein großes Interesse daran, dass sich das Leitbild islamisch-demokratischer Parteien verfestigt.“

Nein Guido, Sie irren sich, daran haben WIR überhaupt kein Interesse. WIR haben ein Interesse daran, dass sich das Leitbild DEMOKRATISCHER Parteien verfestigt. Der Mohammedanismus aber gehört auf den Müllhaufen der Menschheitsgeschichte.

Lesen Sie jetzt das Interview von Jonathan Weckerle mit einem Mann, der die Situation etwas klarer sieht als unser selbstverliebter Traumtänzer und Vizekanzler. Ich habe es von der Web-Seite der linksradikalen Monatsschrift „Konkret“ (2), auf die in der Vergangenheit in Sachen Israel immer Verlass war.

„Haltet uns die Europäer vom Leib“

Dan Schueftan ist Direktor des Zentrums für Nationale Sicherheitsfragen an der Universität Haifa und seit drei Jahrzehnten einflußreicher Berater der israelischen Regierung. KONKRET sprach mit ihm über einen einseitigen israelischen Rückzug aus den besetzten Gebieten, die Gefahren des iranischen Atomprogramms und die Chancen auf Demokratie im Nahen Osten.

KONKRET: Sie plädieren für ein israelisches „Disengagement“, das heißt den einseitigen Rückzug aus den besetzten Gebieten. Warum?

SCHUEFTAN: Öffentlich bin ich schon ab Mitte der neunziger Jahre dafür eingetreten, besonders mit einem Buch, das erheblichen Einfluß auf die israelische Führung und die Entscheidung zum Rückzug aus Gaza hatte. Der Grund für mich war der Mangel an realistischen Alternativen. Ein Friedensabkommen ist keine Option, da die Palästinenser nicht bereit sind, einen jüdischen Staat zu akzeptieren. Es gibt keine palästinensische Führung, die zugleich moderat und repräsentativ sein könnte. Aber für immer in den besetzten Gebieten zu bleiben, ist auch inakzeptabel. Also kommt man zu etwas, das wenig erfreulich, aber weniger gefährlich und schädlich als die andere Alternative ist. Vor knapp drei Jahren habe ich vorgeschlagen, daß Netanjahu Obama folgendes sagt: Sie möchten unbedingt Verhandlungen, also gut, wir werden in gutem Glauben verhandeln. Aber haben Sie etwas dagegen, wenn wir während der Verhandlungen einseitig die Besatzung abbauen? Die C-Zonen in B-Zonen verwandeln, die B-Zonen in A-Zonen, mehr und mehr zusammenhängendes Territorium schaffen. Und solange es die Palästinenser in der Westbank so ernst wie jetzt mit der Bekämpfung des Terrors meinen, werden wir weitermachen. Was wir von Ihnen als US-Präsident wollen, ist, uns die Uno und die Europäer vom Leib zu halten und uns nicht vorzuschreiben, welche Gebiete wir wann räumen sollen. Damals sprach ich von koordiniertem oder parallelem Unilateralismus. Salam Fayyad (der palästinensische Regierungschef, J.W.) baut unilateral palästinensische Institutionen auf, und wir geben ihm immer mehr souveräne Gebiete. Dafür muß es kein Übereinkommen geben.

KONKRET: Viele Israelis beharren auf der Notwendigkeit verteidigbarer Grenzen, etwa zu Jordanien.

SCHUEFTAN: Ich spreche vom Abbau der israelischen Siedlungen im besiedelten Teil der Westbank, nicht vom Rückzug der Armee. Militärisch könnten wir immer noch die Kontrolle übernehmen, wenn es notwendig ist, denn durch einen Rückzug der Armee wären derzeit die israelischen Bevölkerungszentren gefährdet. Aber weil es einseitig geschähe, könnte man ja mit dem Jordantal bis zum Schluß warten. Wir müssen sehen, ob Jordanien stabil bleibt oder ob bald die Iraker im Dienste der Iraner zusammen mit den Syrern an unserer östlichen Front stehen. Dennoch: Man kann einen Großteil der Siedlungen räumen – ein sicherlich langer und schwieriger Prozeß, der zu großen Spannungen in Israel führen würde. Die Armee kann man irgendwann in zwei Wochen abziehen. Wenn man uns aber morgen sagte, das hier ist ein palästinensischer Staat, haut ab, dann wäre das aus der Verteidigungsperspektive sehr problematisch.

KONKRET: In den letzten Wochen gab es viele Debatten darüber, ob Israel militärisch gegen das iranische Atomprogramm vorgehen kann, soll, wird, und ob die Kosten nicht zu hoch wären.

SCHUEFTAN: Erst einmal: Wir könnten. Wir haben einen Militärschlag schon lange vorbereitet und sind dazu in der Lage. Was das Sollen angeht – es gibt einen wichtigen Grund, zu bombardieren, und einen wichtigen Grund, abzuwarten. Wir sollten zuschlagen, weil es so aussieht, als ob niemand sonst etwas unternimmt. Die aktuellen Debatten beeindrucken die Iraner nicht. Was man – damit die Diplomatie erfolgreich sein kann – braucht, ist ein Militärschlag oder die glaubwürdige Drohung damit.

In der gefährlichsten, instabilsten, explosivsten Region der Welt die Ausbreitung von Atomwaffen zuzulassen, wäre höchst unverantwortlich und würde die ganze Welt betreffen, nicht nur Israel. Unmittelbar nach dem Iran würden Ägypten, die Türkei, Saudi-Arabien Nuklearmächte werden, anschließend weitere Staaten in der Region. Viele andere Länder werden merken, daß sie den USA nicht mehr trauen können, und sie werden Schritte unternehmen, um selbst Atommächte zu werden.

KONKRET: Und was spricht gegen einen Militärschlag?

SCHUEFTAN: Nur eine wichtige Überlegung: der amerikanische Widerstand dagegen. Die iranischen Vergeltungsmöglichkeiten sind aus israelischer Sicht begrenzt. Es ist besser, eine kleine Bedrohung durch den Iran jetzt in Kauf zu nehmen als eine riesige Bedrohung später. Wir sehen, wie sich die Barbaren im Iran bereits ohne Atomwaffen aufführen, man stelle sich vor, wie sie sich mit Atomwaffen verhalten würden. Es geht also nicht darum, was der Iran tun würde, sondern wie die USA reagieren würden. Die Frage ist, ob die USA den israelischen Angriff als Möglichkeit sehen würden, dauerhaft einen nuklearen Iran zu verhindern. Ich fürchte, sie würden das nicht tun – und damit wäre auch ein israelischer Militärschlag nicht wirklich effektiv. Kurz: Ich erwarte keinen US-Militärschlag, vielleicht aber wird der amerikanische Widerstand gegen einen israelischen Angriff sich ändern.

KONKRET: Sie sollen die Araber als die größten Versager der Geschichte bezeichnet haben. Sehen Sie Momente im sogenannten »Arabischen Frühling«, die Sie auf eine positive Entwicklung hoffen lassen?

SCHUEFTAN: Es ist sehr ermutigend zu sehen, daß sich die arabische Bevölkerung der Tatsache bewußt ist, daß einer der Gründe für ihr Versagen der Mangel an Demokratie ist. Aber hier gibt es zwei Probleme. Erstens die Frage, ob man all die Vorteile der Demokratie haben kann, ohne den Preis dafür zu zahlen. Kann man beispielsweise politischen Pluralismus ohne einen Pluralismus des sozialen Lebens haben? Eine demokratische Regierung ohne Frauenrechte? Im Moment sieht man beim „Arabischen Frühling“, daß sie ohne jede gesellschaftliche Veränderung alle Vorteile der Demokratie erwarten – schon weil es Wahlen gibt. Aber Wahlen sind nur ein kleiner Teil einer offenen Gesellschaft, und ich sehe derzeit keinen tiefgreifenden Wandel der arabischen Gesellschaften in diese Richtung. Gibt es viele, vielleicht Millionen Araber, die das wollen? Ja, aber sie sind nicht organisiert. Organisiert sind die Muslimbrüder und die Kräfte, die die Realität im Nahen Osten noch weniger pluralistisch und demokratisch machen werden, als sie heute ist. Ich hoffe, die Dinge ändern sich noch, aber ich sehe keine Anzeichen dafür, daß sich in der arabischen Welt die Bedingungen für Demokratie herausbilden.

KONKRET: Wird Ägypten in die Hände der Muslimbruderschaft fallen?

SCHUEFTAN: Das ist zu einfach, denn die Muslimbruderschaft weiß, daß Ägypten scheitern wird, und das in nächster Zeit. Sie wollen nicht die Macht übernehmen, sie wollen nicht für das Scheitern verantwortlich sein, sondern vom Scheitern profitieren. Es wird in Ägypten eine kombinierte Herrschaft von Armee und Muslimbruderschaft geben, und ich denke, der Deal wird sein, daß die Muslimbruderschaft der Armee sagt: Ihr könnt die politische Macht haben, wir übernehmen die Gesellschaft. Denn wenn sie die Gesellschaft haben, so ihr Kalkül, wird ihnen letztlich auch die politische Macht zufallen.

_____

Die Situation ist sehr in Bewegung, und sie spitzt sich zu. N-TV heute (3):

„Im Streit um das iranische Atomprogramm steuern die Konfliktparteien weiter einer militärischen Eskalation entgegen: Washington versucht angeblich auf höchster Ebene, Israel von einem Präventivschlag gegen den Iran abzuhalten. Saudi-Arabien gibt unterdessen grünes Licht für das geplante Öl-Embargo.“

Ich denke, ich werde das Ende des Mohammedanismus als einer politisch bedeutsamen Kraft noch erleben.

_____

Time am 14. Januar

_____

1) http://www.kybeline.com/2011/10/20/barbarei-islam-homosexueller-lebend-gepfahlt/
2) http://www.konkret-magazin.de/kvv/txt.php?text=haltetunsdieeuropaeervomleib&jahr=2012&mon=01
3) http://www.n-tv.de/politik/Obama-haelt-Israel-zurueck-article5214851.html

auch: http://spiritofentebbe.blogspot.com/2006/10/gewalt-muss-man-benutzen.html 

To know him is to hate him (#1)

6. Januar 2012

Schon wieder so ein hässlicher Vogel (1) in der MoT, aber daran hat es in der Orksphäre wahrhaftig keinen Mangel. Der Typ oben hat Schwielen an der Stirn, wie sie durch besonders häufiges Hinwerfen zum Parolengröhlen, besonders heftiges Reiben der Stirn am stinkenden Gebetsteppich und besonders weites Hinausstrecken des Popos zu Alla, den die Orks oben in den Wolken und offenbar als männlich und schwul vermuten, verursacht wird.

Die FAZ hat ihre Berichterstattung über das Thema Orks unter bestimmten Redakteuren aufgeteilt. Michael Martens und Karen Krüger berichten über die Torks und den Balkan, und dabei hat insbesondere Karen Krüger eine erfreuliche Entwicklung durchgemacht. Den Rest der mohammedanistischen Sphäre bearbeiten Sunnitenfreund Rainer Hermann, der auch häufig Wirtschaftsberichte bringt, sowie Schiiten- und Sufifreund Wolfgang Günther Lerch, der historisch recht beschlagen ist und zunehmend mohammedanismusskeptischer wird.

Nahezu counterjihadisch wird es immer dann, wenn einer der beiden sich das „gegnerische“ Lager vornimmt, so in der heutigen FAZ, in der sich Rainer Hermann den naziranischen „Verteidigungs“-Minister Ahmad Vahidi vorknöpfte und durch den Mund der Saudis durchblicken ließ, dass die USA dessen großmäuligen Drohungen nicht unwidersprochen hinnehmen sollte.

_____

Provozierend

Mit jedem Manöver wächst Irans militärisches Selbstbewusstsein. Auch beim letzten Großmanöver hat Iran neue Raketen getestet. Sie sollen bei einer Reichweite von 200 Kilometern Schiffe mit hoher Präzision treffen, behaupten die Iraner; überprüfen lassen sich ihre Äußerungen nicht. Das zehntägige Marinemanöver „Velayati 90“ war gerade abgeschlossen, da provozierte der vor Selbstbewusstsein strotzende Verteidigungsminister Ahmad Vahidi die amerikanische Marine öffentlich. Iran werde selbst und allein für die Sicherheit der Meerenge von Hormus sorgen, ließ er die Welt wissen. Verhindern will Iran, dass der amerikanische Flugzeugträger USS John C Stennis in den Golf zurückkehrt, den er am 27. Dezember verlassen hat.

Das Parlament nahm Vahidis Ball auf und begann eine Debatte über einen Gesetzesentwurf, der die Einfahrt von Kriegsschiffen aus Ländern außerhalb der Golfregion an eine Genehmigung Teherans knüpfen soll. Auf das Parlament kann sich der General verlassen. Es hatte ihn am 9. August 2009 mit 80 Prozent als Verteidigungsminister bestätigt. In der ersten Amtszeit von Staatspräsident Mahmud Ahmadineschad war er noch stellvertretender Verteidigungsminister. Seit 2007 sucht ihn Interpol aber mit vier anderen Iranern steckbrieflich. Denn die argentinische Justiz ist überzeugt, dass die fünf Iraner den Anschlag auf das jüdische Gemeindezentrum am 18. Juli 1994, bei dem 85 Menschen getötet wurden, geplant haben. Die Ausführenden sollen Mitglieder der libanesischen Hizbullah gewesen sein.

Iran hat die Vorwürfe zwar stets bestritten. Zu Vahidis Karriere passen sie aber. Der am 28. Juni 1947 geborene Karrieresoldat trat 1980, unmittelbar nach der iranischen Revolution, den Revolutionswächtern bei und stieg in deren Eliteeinheit der Quds-Brigaden auf, die für die Unterstützung von gleichgesinnten Milizen im Ausland zuständig sind. Ende der achtziger Jahre wurde er Chef dieser Brigaden, und in dieser Funktion soll er den Terroranschlag vorbereitet haben. Seine Berufung durch Ahmadineschad 2005 zum stellvertretenden Verteidigungsminister war schon ein Indiz dafür, wie einflussreich die ideologisch linientreuen Revolutionswächter nicht nur in den Streitkräften geworden waren.

Vahidi verhöhnt die Vereinigten Staaten als eine verblassende Weltmacht, die in Afghanistan und im Irak gescheitert sei. Amerika unterhält in Reichweite iranischer Raketen in den arabischen Golfstaaten aber fünf Luftwaffenstützpunkte in drei Ländern, die Fünfte Flotte in Bahrein und die Kommandozentrale Centcom in Qatar. Als die Amerikaner noch in Saudi-Arabien waren, wurden bei einem Anschlag 1996 in der Stadt Chobar 19 ihrer Soldaten getötet. Auch hier soll Vahidi seine Hand mit im Spiel gehabt haben. Die Saudis sind wegen Vahidis Gehabe ohnehin mehr alarmiert als andere. Irans Waffen mögen technologisch rückständig sein, Schaden können sie dennoch anrichten. Die Saudis drängen daher die Amerikaner, die iranischen Drohungen nicht unwidersprochen in der Welt stehen zu lassen. Denn die Iraner, das hört man in Saudi-Arabien oft, meinen, was sie sagen.

_____

Time am 6. Januar 2012

_____

1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2012/01/05/boko-haram-avantgarde-des-mainstreams/ 

Aschraf

19. Dezember 2011

Eine iranische Widerstandsgruppe, die „Volksmudschahedin“, die das iranische Atomrüstungsprogramm aufdeckte, war hier bereits vor einigen Jahren Thema (1). Seinerzeit hatte die EU die Organisation gegen den Widerstand deutscher Diplomatie von der Liste terroristischer Organisationen gestrichen. Die Organisation hat bemerkenswerterweise eine weibliche Chefin, nämlich Maryam Radschavi (2), aber auch diese rennt leider als Schleiereule durch die Gegend.

Die Organisation unterhält seit vielen Jahren ein Flüchtlingslager im Irak, das nun auf Druck Nazirans aufgelöst werden soll. Die Bewohner befürchten ihre Auslieferung an die Mullas und ihre Ermordung. Lesen Sie einen Beitrag von Wolfgang Günther Lerch aus der heutigen FAZ.

_____

Ban Ki-moon fordert von Bagdad eine friedliche Lösung 

Die irakische Regierung hat beschlossen, bis zum Jahresende das Flüchtlingslager Aschraf aufzulösen und seine Bewohner innerhalb des Landes umzusiedeln, sollten sie es bis dahin nicht selbst geräumt haben. Betroffen davon wären 3400 Menschen, die sich seit mehr als 20 Jahren in diesem Camp aufhalten. Es liegt in der Nähe der iranischen Grenze und beherbergt Angehörige der iranischen Widerstandsorganisation „Volksmudschahedin“ (Modschahedin-e chalq). Seit den Tagen des irakisch-iranischen Krieges zwischen 1980 und 1988 hatten sie von dort aus, zunächst unterstützt von Saddam Hussein, gegen das Mullah-Regime in Teheran gekämpft. Nach dem Sturz Saddams im Jahre 2003 ging die Aufsicht über das Lager auf die Amerikaner über, die sie später auf die neu gewählte irakische Regierung übertrugen, die ihrerseits unter massivem iranischem Druck steht, das Lager aufzulösen und die dort Lebenden im schlimmsten Fall an Iran auszuliefern.

Gegenwärtig befindet sich das Camp im Belagerungszustand: Irakische Sicherheitskräfte haben es umstellt und beschallen es unaufhörlich mit Parolen und der Aufforderung, das Lager zu verlassen. Die Insassen befürchten im Falle einer gewaltsamen Auflösung des Camps ein Blutbad. Schon im April dieses Jahres hatten irakische Streitkräfte Aschraf angegriffen und beschossen, dabei waren 34 Personen getötet und mehrere hundert teilweise schwer verletzt worden. Ein erster Angriff hatte 2009 stattgefunden. Ein internationales Engagement zugunsten der Iraner war lange daran gescheitert, dass die Vereinigten Staaten die „Volksmudschahedin“ und deren Nationalen Widerstandsrat im Jahr 1997 auf eine Terrorliste gesetzt hatten. Dies ist inzwischen revidiert worden. Die schon zur Zeit des Schahs gegründete Organisation, die 1981/1982 endgültig mit Ajatollah Chomeini und der Islamischen Republik Iran gebrochen hatte, ins Ausland gegangen war und jahrelang auch Anschläge verübt hatte, hat schon vor vielen Jahren der terroristischen Gewalt als Mittel des Kampfes gegen das iranische Regime abgeschworen.

Die Lage um Aschraf ist in den vergangenen Wochen so sehr eskaliert, dass der Fall mittlerweile von den Vereinten Nationen und der Europäischen Union aufgegriffen worden ist. Die Außenbeauftragte der EU Catherine Ashton hat sich in den Fall ebenso eingeschaltet wie die Menschenrechtsbeauftragte der UN, Navi Pillay, bislang jedoch ohne Ergebnis. Eindeutig gelte für die Bewohner von Aschraf die UN-Flüchtlingskonvention, heißt es von Seiten des Hohen Kommissars für Menschenrechte. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat an den Irak appelliert, die Krise um das Lager mit friedlichen Mitteln zu lösen und dabei die Menschenrechte einzuhalten.

Bekannte Persönlichkeiten in vielen europäischen Ländern sind nun in der Angelegenheit aktiv geworden und fordern von der irakischen Regierung eine Aufhebung des Ultimatums. Der ehemalige Vizepräsident der EU-Kommission Günter Verheugen sieht vor allem die Amerikaner in der Verantwortung. Nur sie, so schreibt er in einem Beitrag für die „Neue Zürcher Zeitung“, seien in der Lage, den erforderlichen Druck auf die irakische Regierung auszuüben. Die Insassen des Camps dürften nicht zum „Treibgut der Weltgeschichte“ werden.

 _____

Time am 19. Dezember 2011

_____

1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/30/ein-riesen-mammut-schiss/
2) http://www.suedostschweiz.ch/politik/sit-vor-der-uno-genf-fur-den-erhalt-des-lagers-aschraf

Aus meinem Giftschrank (#29)

8. September 2011

Wie hat die FAZ vor Jahren doch um den Erhalt der deutschen Sprache und gegen die Rechtschreibreform gekämpft (1).

Gestern jedoch las ich dort einen Artikel von Wolfgang Günther Lerch über Fuhrergans kleinen Goebbels Davutoglu. Dieser stammt aus einem Landkreis der Türkei, der Taschkent heißt.

Aber was sah ich da, ein FAZ-Mitarbeiter, d.h. mutmaßlich WGL persönlich, hatte seine Tastatur auf Türkisch umgestellt oder sich das diaktritische (2) türkische „ş“, welches unserem „sch“ entspricht, weiß Gott woher, jedenfalls nicht ohne Extra-Arbeit, auf seinen PC geholt. So wurde aus Taschkent „Taşkent“, und das bedeutet nichts anderes, als dass die neue deutsche Rechtschreibung für die FAZ zwar verwerflich ist, Deutschlands beste Zeitung aber der Ansicht ist, man müsse als Deutscher das türkische Alphabet samt Phonetik beherrschen und seinen Gebrauch in deutschen Zeitungen als selbstverständlich ansehen.

Unser Alphabet hat nur 26 Zeichen, und wenn Wolfgang Ali Lerch recht fleißig ist, hat er sie bald allesamt durch türkische oder besser noch rabiatische ersetzt, der kleine Schelm.

_____

Time am 8. September 2011

______

1) http://de.wikipedia.org/wiki/FAZ#Die_Rolle_der_FAZ_in_der_Debatte_um_die_Rechtschreibreform
2) http://de.wikipedia.org/wiki/Diakritisch

PS: Auch die deutsche Wikipedia macht diesen Unfug mit.

 


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 29 Followern an