EU unterstützt Terror-Uni

18. September 2020

Tina Adcock berichtete bei „Audiatur“ (1).

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Die Islamische Universität Gaza –
Eine von der EU unterstützte Hamas-Hochburg

Die Universitäten in den palästinensischen Gebieten geraten immer wieder in die Schlagzeilen wegen ihrer Verbindungen zu den unterschiedlichsten Terrororganisationen und ihren extremistischen Lehrinhalten.

Die im Jahr 1978 gegründete lslamische Universität Gaza (IUG), welche gleichzeitig die grösste Universität der Palästinensischen Autonomiegebiete ist, gilt als eine Hochburg der Hamas. Unzählige Alumnis des Lehrkörpers fanden sich nach ihrem Studienabschluss in hohen Positionen des militärischen und politischen Flügels der Hamas wieder und auch die Aktivitäten auf dem Campus Gelände unterliegen der Kontrolle der islamischen Terrororganisation. Viele Führungspersonen der Hamas unterrichteten an der IUG oder übernahmen administrative Aufgaben in den Universitätskomplexen. Ein Beispiel dafür ist Isma’il Haniyeh, einer der Führungspersönlichkeiten der Terrororganisation und vormaliger Sekretär des Kuratoriums der Universität sowie ehemaliger Vorsitzender des Fachschaftsrats. Dr. Mahmoud al-Zahar, einer der Gründer der Hamas, unterrichtete angeblich Medizin an der Universität. Yahya al-Sinwar, derzeit Chef des politischen Büros der Hamas im Gaza-Streifen, studierte an der Universität und war einer der Gründer des Islamischen Blocks der Hamas an der IUG. Hinzu kommt, dass laut israelischen Sicherheitsbehörden nicht wenige Absolventen in Terroranschläge, die sich gegen Israel richteten, involviert waren.

Obwohl die EU die Hamas offiziell als Terrororganisation listet, spendet sie bereits seit Jahren grosszügig Gelder an die Islamische Universität Gaza. Genauere Angaben kann man auf der jeweiligen Website finden. Dort wird u.a. angegeben, dass die IUG Projektpartnerschaften mit mehr als 130 Universitäten in 21 EU Ländern unterhält und an hochdotierten Forschungsprojekten teilnimmt, wie z.B. Horizont 2020, von dem die Ariel University in Samaria wegen ihrer „schwierigen Lage in den besetzten Gebieten“ ausgeschlossen ist. Die EU fördert also demzufolge lieber Projekte mit akademischen Institutionen, die von Terrororganisationen kontrolliert werden als innovative Universitäten, wie die Ariel University.

Die Europäische Union überweist jährlich Gelder an die Palästinensische Autonomiebehörde, welche dann einen bestimmten Anteil an die IUG weiterleitet, obwohl sie auf deren Hochschulpolitik wenig bis gar keinen Einfluss hat, da die Universität unter der Kontrolle der Hamas steht. Wer hierbei immer noch an eine Unschuldsvermutung glaubt, dem sei gesagt, dass der EU durchaus bewusst ist, dass das Ministerium für Volkswirtschaft der PA „durch die de-facto-Regierung [Hamas] nur einen limitierten Einfluss auf die Situation im Gazastreifen hat.“

Die IUG sagt von sich selbst, dass sie eine unabhängige akademische Institution wäre und unter der Kontrolle der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) stünde. In Wirklichkeit jedoch wird sie von der Hamas kontrolliert. Mehr als einmal wurde aufgedeckt, dass auf dem Campusgelände Waffen gelagert wurden, nachdem die Hamas im Jahr 2007 die Kontrolle über die Universität erlangte und sie in ein militärisches Kompositum verwandelte. Immer wieder werden Absolventen der Universität, die in die Waffenentwicklung involviert waren, nach Syrien, in den Iran und den Libanon geschickt, um dort vor Ort ein Aufbautraining zu erhalten. Während des Gazakriegs im Jahr 2008 (auch als Operation Gegossenes Blei bekannt) griff die israelische Luftwaffe eine Waffenentwicklungseinheit der Hamas an, welche sich in den Laboren der Islamischen Universität Gaza befanden. Die UNESCO geriet deswegen bereits im Jahr 2012 unter massive Kritik, als bekannt wurde, dass die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation einen Lehrstuhl für Astronomie und Weltraumwissenschaften an der Islamischen Universität Gaza eingerichtet hatte. Ein Sprecher der Israelischen Regierung äusserte sich wie folgt: „Die Islamische Universität von Gaza ist eine bekannte Brutstätte und ein Nährboden für Hamas-Terroristen.“ und „Das Motto der UNESCO lautet: ‚In den Köpfen der Menschen sollte die Verteidigung des Friedens konstruiert werden‘, doch die Islamische Universität Gaza vergiftet die Köpfe der Menschen im Namen des Terrors.“

Hamas Veranstaltung an der IUG

Doch auch die ideologische Beeinflussung der Studenten auf dem Campus ist mehr als offensichtlich. Zum Lehrplan gehört das Schüren des Hasses auf Israel, die Ablehnung des Westens und das Glorifizieren des Jihad. Vor allem letztgenanntes findet immer wieder Einzug in die Corpora der Abschlussarbeiten der Studenten. So wird vor allem die Rolle der Frau im eigenen Haus und die Rolle der Schule bei der Vermittlung von Werten in Bezug auf die positive Konnotation des Märtyrertums betont.

Die UN und die Europäische Union fördern damit islamistischen Terrorismus obwohl beide Institutionen, offenbar ahnen wofür ihre „Hilfsgelder“ verwendet werden. Es stellt sich die Frage, ob es den sonst so heroischen Organisationen der Menschlichkeit schlichtweg an Willen fehlt oder ob man sich, wie so oft, einfach keine Feinde machen will. Wie es auch anders geht hat die USA im Jahr 2019 vorgemacht, als Präsident Donald Trump die Förderung des palästinensischen Hilfswerk UNRWA einstellte, nachdem sich die PA weigerte, die Bezahlung von Märtyrerrenten einzustellen. Die EU dagegen, die sich gern als die Verkörperung von Demokratie, Freiheit und Menschenrechten sieht, sollte sich, angesichts ihrer Terrorismusfinanzierung, jedenfalls ein Beispiel an den USA nehmen, wenn sie an ihren Idealen festhalten will. Diese scheinen jedoch so bröckelig zu sein wie ihre Vorsätze.

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Time am 18. September 2020

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1) https://www.audiatur-online.ch/2020/09/18/die-islamische-universitaet-gaza-eine-von-der-eu-unterstuetzte-hamas-hochburg/

Das Ende der Nasenbären naht

16. September 2020

Zwei Nasenbären holen sich munter
einen nach dem anderen runter

Lesen Sie einen Aufsatz von Matthias Küntzel von „mena-watch“ (1).

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Kampf um den Koran

Bei ihrem Widerstand gegen die arabischen Abkommen mit Israel setzen Islamisten auch auf die religiöse Karte.

Stimmen die jüngsten Friedensabkommen zwischen Israel und den Vereinten Arabischen Emiraten (VAE) sowie Bahrain mit den islamischen Vorgaben überein? Der gläubige Teil der islamischen Welt ist, was die Antwort anbelangt, gespalten. In den letzten 80 Jahren dominierte im Nahen Osten eine judenfeindliche Lesart des Islam. Ihr zufolge war der Jihad gegen den jüdischen Staat ein religiöses Gebot und die Bereitschaft, hierfür den Märtyrertod zu sterben eine von Allah geforderte und mit Paradiesfreuden belohnte Haltung.

Die Keime dieses religiös begründeten Antisemitismus waren in dem Pamphlet „Judentum und Islam“ von 1937 enthalten, eine Hetzschrift, die die Nazis während des Zweiten Weltkriegs auf Arabisch verbreiteten. Sie wurden Anfang der Fünfzigerjahre von Sayyid Qutb, dem prominentesten Ideologen der Muslimbruderschaft neu gewässert und fanden seither besonders im arabischen Raum fruchtbaren Boden.

Die Argumentation ist stets gleichgeblieben: Die Juden hätten sich seit den Zeiten Mohammeds als die schlimmsten Feinde der Muslime erwiesen und wollten auch heute nicht nur die Al Aqsa-Moschee in Jerusalem, sondern den Islam insgesamt zerstören. Deshalb verrate jeder Moslem, der eine Normalisierung der Beziehungen zu Israel anstrebe, seine Religion.

Judenfreundliche Koranauslegung

Die Machthaber der VAE kannten diese Ressentiments und bereiteten das am 13. August 2020 vereinbarte Friedensabkommen mit Israel langfristig vor. Bereits 2016 schufen sie ein „Ministerium zur Förderung der Toleranz“. Sie erklärten auch das vergangene Jahr zum „Jahr der Toleranz“ und brachten Papst Franziskus mit Scheich Ahmed el-Tayeb, den Großimam der Kairoer al-Azhar Moschee zusammen. 2022 will man in Abu Dhabi das „Haus der abrahamischen Familie“ einweihen – ein Gebäudekomplex mit einer Moschee, einer Kirche und einer Synagoge.

Gleichwohl gingen die emiratischen Gegner dieser neuen Politik sofort nach Bekanntgabe des Friedensplans in die Offensive und gründeten eine gegen Israel gerichtete „Vereinigung zur Bekämpfung der Normalisierung“. Sie werfen dem Königshaus eine Verletzung von Artikel 12 der nationalen Verfassung vor, die das Land zur arabischen und islamischen Solidarität verpflichte. Die Gründungserklärung dieser Israel-Bekämpfer gipfelt in Vers 2, Sure 5 des Koran: „Helfet einander zur Rechtschaffenheit und Gottesfurcht und helfet einander nicht zur Sünde und Feindschaft.“

Doch setzen sich, wie Ofir Winter und Yael Guzansky berichten, gegen diese herkömmliche Koranauslegung inzwischen nicht nur emiratische Massenmedien, wie die regierungsnahe Tageszeitung Al Bayan, sondern auch führende Geistliche zur Wehr.

Das Abkommen mit Israel sei nicht nur in politischer, sondern auch in religiöser Hinsicht zu begrüßen, erklärte zum Beispiel Scheich Abdullah bin Bayyah, der Vorsitzende des Emiratischen Fatwa-Rats, da es grundlegende Sharia-Ziele verwirkliche. Koranverse werden auch von dieser Seite angeführt, z.B. Vers 61, Sure 8: „Sind sie aber zum Frieden geneigt, so sei auch Du ihm geneigt.“

Dieser judenfreundlichen Koran-Auslegung schloss sich am 4. September auch der Imam der Großen Moschee von Mekka, Abdul Rahman al-Sudais, an. Er warb im Freitagsgebet für die Zusammenarbeit mit Nicht-Muslimen und erwähnte judenfreundliche Episoden aus dem Leben Mohammeds: „Der Prophet hat seinen Schild, als er starb, an einen Juden verpfändet; er hat die Ernte vom Land der Juden in Khaybar geteilt“, so al-Sudais. „Die Güte, die er seinem jüdischen Nachbarn erwies, führte diesen zum Islam.“

Rahmenbedingungen geändert

Selbstverständlich verfälschen beide Koran-Auslegungen, die judenfreundliche wie auch die strikt judenfeindliche, die komplexe Rolle, die die Juden den Überlieferungen zufolge in Mohammeds Biografie und bei der Entstehung des Islam spielten. Die eine wie die andere Seite pickt sich religiöse Zitate für politische Zwecke heraus.

Gleichwohl ist die Tatsache, dass relevante Teile des arabischen religiösen Establishments erstmals seit der Gründung Israels dem islamischen Antisemitismus widersprechen, von größter Bedeutung. Mit ihrer Unterstützung gäbe es eine Chance, den in der arabischen Welt verbreiteten Antisemitismus zurückzudrängen.

Die Rahmenbedingungen hierfür sind besser als je zuvor, hat sich doch die Stimmung im Nahen Osten verändert: Kein einziger arabischer Staat hat den Friedensschluss zwischen Israel und den Emiraten oder Bahrain kritisiert. Die „arabische Straße“ blieb zuhause, während das Gros der emiratischen Bevölkerung auf das neue Bündnis begeistert reagiert. Offenkundig wollen mittlerweile nicht nur Regierungen, sondern auch relevante Teile der arabischen Bevölkerungen Israel anerkennen.

Diese neue Stimmungslage hat nicht nur mit dem gefährlichen Expansionismus des iranischen Regimes zu tun, sondern basiert zusätzlich auf der Tatsache, dass Israel ein attraktiver Investitionsstandort ist und über riesige Technologie-Potentiale verfügt – Potentiale, die die jüngeren arabischen Generationen nicht länger boykottieren, sondern für sich und ihre Länder nutzen wollen. Endlich! Immerhin sind seit dem letzten arabisch-israelischen Krieg 47 Jahre vergangen.

Auf welcher Seite steht Berlin?

Keine Wissenschaftlerin und kein Wissenschaftler wird ernsthaft bestreiten, dass die Propaganda des nationalsozialistischen Deutschlands zur Etablierung eines nazi-ähnlichen Antisemitismus in der arabischen Region beigetragen hat. In der Öffentlichkeit hat dieses Detail der Nazi-Vergangenheit bislang keine Rolle gespielt, von der Politik wird es ignoriert. Wäre dies anders, würde man heute die Kehrtwende in Teilen der arabischen Welt medial und politisch feiern und unterstützen und die Zurückdrängung des Judenhasses in der arabischen Welt auch als Verpflichtung und Teil der eigenen Vergangenheitsbewältigung begreifen.

Davon kann keine Rede sein. Stattdessen hofiert die Bundesregierung auch heute noch die explizit antijüdischen Kräfte, die alles tun, um den Prozess der Normalisierung zu zerstören.

Dazu gehört die Türkei, deren Führer Recep Tayyip Erdogan Israel als „ein eiterndes Furunkel“ bezeichnete, den Emiraten „Verrat an der palästinensischen Sache“ vorwarf und am 22. August 2020 demonstrativ eine hochrangige Hamas-Delegation empfing.

Dazu gehört der Iran, deren innenpolitisch isolierte Führung das Friedensabkommen als „verabscheuungswürdig und als Verrat an den menschlichen und islamischen Werten“ verurteilte.

Und dazu gehört schließlich die Palästinensische Autonomiebehörde, die sich als Antwort mit der terroristisches Hamas zu einer „Gemeinsamen nationalen Führung des Volkswiderstands“ zusammenschloss. Ihr wichtigster Sharia-Richter, Mahmoud Al-Habbash, warf den Emiraten ernsthaft vor, ein Abkommen „mit den Feinden des Propheten Mohammed“ geschlossen zu haben und startete einen Aufruf zum religiösen Krieg: „Wir werden weiter Widerstand leisten, selbst wenn wir alle getötet und geschlachtet werden.“

Würde es der deutschen Politik tatsächlich darum gehen, den auf Israel bezogenen Antisemitismus vieler Muslime in Deutschland zurück zu drängen, würde sie die Friedensabkommen mit den Golfstaaten hierfür nutzen. Doch sehen die deutschen Antisemitismusbeauftragten überhaupt diese Chance? Werden sie darauf drängen, dass bei den Freitagsgebeten in deutschen Moscheen die sonst übliche Hetze gegen jedwede Annäherung an Israel unterbleibt?

Es ist eine Tatsache, dass in Deutschland etwa 900 Moscheen der Ditib – dem deutschen Ableger der türkischen Religionsbehörde Diyanet – unterstehen, während das iranische Regime weitere 150 Moscheegemeinden über das „Islamischen Zentrum Hamburg e.V“ und die „Islamischen Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden in Deutschland e.V.“ kontrolliert. Hier gäbe es viel zu tun.

Noch nicht entschieden

Niemand weiß, wie lange es beim Tauwetter zwischen Arabern und Israelis bleibt. Der Prozess der Zurückdrängung des israelbezogenen Antisemitismus steckt in allerersten Anfängen. Noch halten die Islamisten – bei den Sunniten von Recep Tayyip Erdogan, bei den Schiiten von Ali Khamenei angeführt – entscheidende Trümpfe in ihren Händen.

Sie verfügen über eine Zukunftsvision und sind bereit diese auch mit Gewalt zu erzwingen. Sie können sich auf einen tief verankerten Antisemitismus stützen und sind weitaus besser als ihre innermuslimischen Gegner organisiert. Und sie nutzen kühn den Islam, um jedwede Annäherung an Israel zu torpedieren.

Die religiöse Debatte ist heute neu entbrannt. Koran-Auslegungen können über Krieg und Frieden entscheiden. In Deutschland ist man allerdings auch 19 Jahre nach 9/11 von einem Verständnis dessen, was ,religiöser Krieg‘ bedeutet, weit entfernt.

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Time am 16. September 2020

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1) https://www.mena-watch.com/kampf-um-den-koran/

Volksverhetzung durch die Bibel

15. September 2020

David Berger berichtet über ein Verfahren gegen eine Berliner Wirtin (1).

Remember Olaf Latzel (2).

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Berlin: Verfahren gegen Wirtin, weil sie
Bibelspruch in ihrem Restaurant aufgehängt hat

Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen eine christliche Restaurantbesitzerin, die in ihrem Lokal Bibel-Sprüche aufgehängt hat. Nun musste sie sogar eine Hausdurchsuchung hinnehmen. Der Vorwurf: Volksverhetzung durch die Bibel.

Direkt in meiner Nachbarschaft hat die 71-jährige Christin Park Young-Ai ein bekanntes Restaurant oder besser einen Imbiss: Bekannt ist dieser vor allem wegen seines ausgezeichneten Essens.

In aller Munde ist das „Ixthys“ im Stadtteil Schöneberg, das sich direkt gegenüber einer der wenigen katholischen Kirchen der Hauptstadt befindet, aber auch, weil an den Innenwänden Bibelsprüche hängen.

Darunter auch ein Zitat unter anderem ein Bibelzitat aus dem 3. Buch Mose: „Einem Mann sollst du nicht beiliegen, wie man einem Weib beiliegt; Greuel ist dies (…) jeder, der einen von allen diesen Gereueln tut – die Personen, die sie tut, sollen ausgetilgt werden aus der Mitte ihres Volkes.“

Vermutlich war dieser Spruch und eine länger andauernde Hetzkampagne v.a. aus Atheisten und Queeriban-Kreisen der Auslöser für die Hausdurchsuchung. Die Berliner Staatsanwaltschaft ist bekannt für ihr – freundlich ausgedrückt – außergewöhnliches Verhältnis zum Recht.

Noch eine persönliche Bemerkung: Seit etwa 6 Jahren besuchen mein Partner und ich dieses Restaurant regelmäßig. Wir sind daher der Besitzerin auch als homosexuelles Paar bekannt. Nie, nicht einmal mit einer leichten Geste oder einem Verändern der Gesichtszüge hat sie irgendeine Abneigung gegen uns erkennen lassen, die auf Homophobie schließen lassen könnte. Ganz andere Erfahrungen habe ich und eine transsexuelle Bekannte da in muslimisch geführten Restaurants in Berlin gemacht.

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Time am 15. September 2020

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1) https://philosophia-perennis.com/2020/09/15/berlin-verfahren-gegen-wirtin-weil-sie-bibelspruch-in-ihrem-restaurant-aufgehaengt-hat/
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2020/09/09/ein-schauprozess/

Sie kaufen uns weg (#11)

14. September 2020

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Time am 14. September 2020

Eine Terroristin als Staatsgast

13. September 2020

Lesen Sie einen Artikel von Stefan Frank von der „Achse“ (1).

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Die Story hinter Ground Zero und die Lehre des 12.9.1970

Vor 19 Jahren, am 11. September 2001, entführten Dschihadisten, die zum Terrornetzwerk Al-Qaeda des saudi-arabischen Bauunternehmers und Afghanistan-Kämpfers Osama bin-Laden gehörten, vier Verkehrsflugzeuge. Zwei davon lenkten sie in die beiden Zwillingstürme des World Trade Centers in Manhattan, eines in das Pentagon. Fast dreitausend Menschen wurden getötet. Mehr als dreitausend Kinder verloren ihre Eltern. Mit einem vierten Flugzeug wollten die Verschwörer mutmaßlich ein Gebäude in Washington angreifen – vielleicht das Weiße Haus. Die Maschine stürzte ab, nachdem heldenhafte Passagiere den Entführern Widerstand geleistet hatten.

Sie handelten wie jene Passagiere, die am 6. September 1970 zusammen mit israelischen bewaffneten Flugbegleitern die Flugzeugentführerin Leila Khaled überwältigten. Die Verbindung ist augenfällig: Auch damals, vor 50 Jahren, entführten die Terroristen – die zur PFLP gehörten, der marxistischen Terrorgruppe innerhalb der PLO – gleichzeitig vier Verkehrsflugzeuge, später ein fünftes. Drei davon, darunter eine Swissair-Maschine mit 155 Passagieren, die sich auf dem Flug von Zürich nach New York befunden hatte, brachten sie zum jordanischen Flugplatz Dawson’s Field, einem ehemaligen Flugplatz der britischen Royal Air Force, den die PFLP zu „ihrem“ Flughafen ernannt hatte.

Eine entführte Boeing 747, die zu groß war, um dort zu landen, steuerten sie nach Kairo. Die von Leila Khaled und ihrem Komplizen versuchte Entführung von El-Al-Flug 219 von Amsterdam nach New York scheiterte: Der israelische Pilot weigerte sich, sich entführen zu lassen, und vollzog stattdessen ein Sturzflugmanöver, das die Entführer von den Beinen brachte. Passagiere und israelische Flugbegleiter konnten die Entführer überwältigen. Das Flugzeug landete in London, wo Leila Khaled nach eigener Aussage „wie ein offizieller Staatsgast behandelt“ und dann freigelassen wurde (ihr Komplize starb an den Schussverletzungen, die er erlitten hatte).

In Jordanien trennten die Entführer unterdessen die nichtjüdischen Passagiere von den jüdischen und ließen die nichtjüdischen frei – eine Selektion, die an die Vernichtungslager der Nationalsozialisten erinnert. Die Juden behielten sie als Geiseln. Das war am 11. September 1970.

Die Entführung der Swissair-Maschine war bereits der dritte Terrorangriff auf die zivile Schweizer Luftfahrt. Im Februar 1969 war auf dem Flughafen Zürich-Kloten eine Maschine der israelischen Fluggesellschaft El Al von einem Terrorkommando auf der Landebahn angegriffen worden. Mit Kalaschnikows feuerten zwei Terroristen auf das Cockpit. Der Pilot wurde tödlich verletzt. Einer der Täter wurde von einem israelischen Wachmann, der an Bord der Maschine war, erschossen. Drei andere wurden von Feuerwehrleuten und der Polizei überwältigt und festgenommen und im Dezember 1969 zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt. Kurz darauf, im Februar 1970, verübten palästinensische Terroristen einen Bombenanschlag auf eine Maschine der Swissair bei Würenlingen im Kanton Aargau. Alle 47 Insassen starben. Als dann im September 1970 das dritte Schweizer Verkehrsflugzeug und seine Insassen Opfer des palästinensischen Terrorismus wurden, entschied die Schweizer Politik offenbar, dass es genug sei – Zeit, zu kapitulieren! Sie ließ die Mörder von Kloten frei. Der Journalist Marcel Gyr beschrieb vor einigen Jahren, den – zumindest informellen – Pakt mit den Terroristen:

„Aus den geheimen Gesprächen, von denen bisher nichts an die Öffentlichkeit gedrungen ist, resultierte ein Stillhalteabkommen zwischen der Schweiz und der PLO: Während die palästinensische Seite in Aussicht stellte, die Schweiz vor weiteren Anschlägen zu verschonen, wurde der PLO zugesichert, sie auf dem diplomatischen Parkett zu unterstützen.“

Leila Khaled sah im Nachgeben der Politik vor der Gewalt einen Sieg, der sie darin bestärkte, dass Terrorismus der richtige Weg sei:

„Der Erfolg, den wir mit der Taktik hatten, Flugzeuge zu entführen, unsere Forderungen zu stellen und unsere Forderungen erfolgreich umsetzen zu lassen, gab uns den Mut und das Vertrauen, mit unserem Kampf weiterzumachen.“

Der 12. September 1970

Am 12. September 1970 wurde die DC-8 der Swissair auf dem Dawson’s Field zusammen mit den beiden anderen dorthin entführten Flugzeugen in die Luft gesprengt. Die Terroristen hatten die Weltpresse dazu eingeladen und filmten selbst die Explosion. Schaut man sich die Bilder der explodierenden und brennenden Flugzeuge von Dawson’s Field heute – 50 Jahre später – an, kann man nicht umhin, die Ähnlichkeit zum 11. September 2001 zu sehen. Mit ihrem infernalischen Feuer zeigen die Terroristen ihre Macht und drohen: „Seht ihr, was passiert…?“

Sie sind wie der babylonische König Nebukadnezar, der jedem mit dem Feuerofen drohte, der sein Knie nicht vor seinem goldenen Standbild beugte. Daniel widerstand. Nicht so unsere Regierungen. Um 1970 herum begann der verhängnisvolle Weg, den die Schweiz, die Bundesrepublik Deutschland, Österreich und andere westeuropäische Staaten angetreten haben: Aus Angst vor den Terroristen zu deren Verbündeten werden. Auf politischer Ebene vollzogen die Regierungen das nach, was die Terroristen am 11. September 1970 auf dem Dawson’s Field in Jordanien gemacht hatten, als sie Juden von Nichtjuden trennten. 25 Jahre nach Auschwitz gab es in der Schweiz, in Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern genug Politiker, die bereit waren, den Terroristen zu sagen: Tut uns nichts, wir sind ja keine Juden. Nicht nur in Ostberlin (wo sie ideologisch und moralisch hingehörte) errichtete die PLO ein offizielles Büro, sondern auch in Westdeutschland, der Schweiz, Österreich und Frankreich.

Die nach Kairo entführte Boeing 747 war übrigens schon am 7. September 1970 in die Luft gesprengt worden. Cornelius Van Aalst, ein Mitarbeiter der Fluggesellschaft Pan Am, sagte der New York Times noch am selben Tag, die Entführer seien „sehr freundlich“ gewesen und hätten „vorbildliche Manieren“ gezeigt. Diese Zuneigung zu den Terroristen des Jassir Arafat haben die meisten westeuropäischen Regierungen in den folgenden Jahren und Jahrzehnten übernommen. Hat das Europa davor geschützt, Opfer des Terrorismus zu werden? Mit Blick auf Berlin, Paris, Nizza, Brüssel, Madrid, London und Stockholm müssen wir sagen: nein.

Als Osama bin-Laden 1998 erklärte, sein „Dschihad“ richte sich gegen „Juden und Kreuzritter“, waren wir mitgemeint – ob Jude oder nicht. Jeder, der für Demokratie und säkularen Rechtsstaat ist – ein Zustand, der Dschihadisten als Dschahiliya (Heidentum vor der Ankunft des Islam) gilt –, der ist ein Kreuzritter, auch wenn er keine Waffe trägt. Und wenn die Terroristen töten, fragen sie ohnehin nicht nach Gesinnung, Ethnie oder Religionszugehörigkeit: Die meisten Opfer des radikal-islamischen Terrorismus sind Muslime.

Es hat Europa nichts genützt, sich zu verstecken und so zu tun, als wäre der Terrorismus ein Problem Israels. Jeder Sieg, jedes Nachgeben berauscht die Täter und spornt sie zu weiteren Massakern an. Man kann den Terrorismus nicht besiegen, indem man den Terroristen nach dem Mund redet, ihnen Kränze flicht, diplomatische Beziehungen zu ihnen aufnimmt, sie gewinnen lässt. Selbst, wenn die Taktik, Schutzgeld an die Terrororganisation X zu zahlen (in Geld oder in Form von diplomatischer Unterstützung), damit diese uns verschont, wirklich zu dem Ergebnis führt, dass X keine Anschläge mehr bei uns verübt, wird es die Terrororganisationen Y und Z auf den Plan rufen, die gesehen haben, dass Terror sich für X gelohnt hat: Sie haben gemordet und Flugzeuge in die Luft gesprengt, jetzt sind sie respektiert und sitzen in der UNO. Auf Jassir Arafat folgte Osama bin-Laden. So führte das Nachgeben vom September 1970 zum 11. September 2001.

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Time am 13. September 2020

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1) https://www.achgut.com/artikel/die_story_hinter_ground_zero-und_die_lehre_des_12._september

Zeit zu handeln

12. September 2020

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Time am 12. September 2020

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Soundtrack von Bob:

Mozambique

I like to spend some time in Mozambique
The sunny sky is aqua blue
And all the couples dancing cheek to cheek
It’s very nice to stay a week or two
And maybe fall in love just me and you

There’s lots of pretty girls in Mozambique
And plenty time for good romance
And everybody likes to stop and speak
To give the special one you seek a chance

Or maybe say hello with just a glance
Lying next to her by the ocean
Reaching out and touching her hand
Whispering your secret emotion
Magic in a magical land…

And when it’s time for leaving Mozambique
To say goodbye to sand and sea
You turn around to take a final peek
And you see why it’s so unique to be
Among the lovely people living free
Upon the beach of sunny Mozambique

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Performance:

Hauptsache Terror

11. September 2020

Lesen Sie einen Aufsatz von Stefan Frank von „mena-watch“ (1).

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Wie Israel-Boykotteure und Terroristen zusammenarbeiten

In Zusammenhang mit Ermittlungen gegen die New IRA – eine Nachfolgeorganisation der nordirischen Terrororganisation IRA – ist in Großbritannien der arabisch-palästinensische BDS-Propagandist Dr. Issam Hijjawi (62) verhaftet worden.

Wie die BBC berichtet, wurde Hijjawi am Londoner Flughafen Heathrow festgenommen. Er steht im Verdacht, an der Vorbereitung eines Terroranschlags der New IRA beteiligt gewesen zu sein.

Die Anklage wirft ihm laut dem Bericht der BBC vor, am 19. Juli in Omagh – einer 80 Kilometer westlich von Belfast gelegenen 22.000-Einwohner-Stadt in Nordirland – an einem Treffen der New IRA teilgenommen und dort gesprochen zu haben. Nach Angaben der Polizei ist dies durch „Video- und Tonaufnahmen“ belegt. Hijjawis Anwalt Gavin Booth argumentiert, sein Mandant sei in eine „Falle“ getappt; ein Agent des MI5 habe ihn „bedrängt“, an dem Treffen teilzunehmen.

Der Fall rückt ein Bündel von internationalen Verbindungen in den Blick: die historische Bande zwischen der IRA und der PLO ebenso wie die Union der vermeintlich „gewaltlosen“ BDS-Bewegung und erklärten Bombenlegern.

Hijjawi, ein Arzt aus dem schottischen Edinburgh, ist der ehemalige Vorsitzende der Association of Palestinian Communities in Scotland und als BDS-Propagandist öffentlich bekannt. Der Anti-Israel-Website Middle East Eye gab er 2016 einen Kommentar, in dem er zum Kulturboykott gegen den Staat Israel aufrief. Auf Facebook ist zu sehen, wie Hijjawi im April 2015 auf einer Veranstaltung spricht, die offenbar unter dem Motto Hands off Yemen stand und gleichzeitig dem „Rückkehrrecht palästinensischer Flüchtlinge“ gewidmet war. Auf einem anderen Foto trägt er Fahnen, die die Umrisse des britischen Mandatsgebiets Palästina zeigen, darüber der Slogan Freedom – Right of Return.

Hijjawi wurde in jenem Teil des ehemaligen britischen Mandatsgebiets Palästina geboren, der 1948 von Jordanien besetzt worden war. Sein Vater stammt aus einem kleinen Dorf bei Nablus, schrieb Al-Jazeera vor einigen Jahren in einem Bericht über Hijjawi.

Wer ist die „Neue IRA“?

Die New IRA will an die blutige Tradition der Terrororganisation IRA anknüpfen und hat seit ihrer Gründung im Jahr 2012 zahlreiche Anschläge verübt. Im April 2019 erschoss sie in der nordirischen Stadt Derry (britisch: Londonderry) auf offener Straße die 29-jährige Journalistin Lyra McKee. Weitere bekannte Mordopfer sind:

– der Justizvollzugsbeamte David Black, der 2012 auf dem Weg zur Arbeit erschossen wurde
– der Justizvollzugsbeamte Adrian Ismay, der 2016 durch eine Bombe unter seinem Auto getötet wurde
– Michael McGibbon, ein 2016 in Belfast ermordeter Taxifahrer.

Die Festnahme von Issam Hijjawi ist Teil einer größeren Anti-Terror-Ermittlung gegen die New IRA und die ihr nahestehende nordirische Partei Saoradh.

Wie die BBC berichtet, hätten bei der „Operation Arbacia“ – so der Codename – mehrere Polizeien und Geheimdienste zusammengearbeitet: der britische Inlandsgeheimdienst MI5, die nordirische Polizei PSNI, die irische Nationalpolizei An Garda Siochana und die Londoner Metropolitan Police. Im Zuge dieser Polizeioperation wurden mindestens zehn Verdächtige festgenommen, die meisten von ihnen in Nordirland.

Saoradh – der Name bedeutet auf Gälisch „Freiheit“ – wurde 2016 als Sammelbecken für militante irische Nationalisten gegründet, die das 1998 unterzeichnete Karfreitagsabkommen zwischen Großbritannien, der Republik Irland und den nordirischen Konfliktparteien ablehnen und den „bewaffneten Kampf“ gegen Protestanten wiederaufnehmen wollen. Die Partei behauptet, unabhängig von der New IRA zu sein, doch nach Ansicht der Polizei ist ihr Hauptquartier in Derry „Sprachrohr und Schaltzentrale“ der Terroristen.

Gemeinsam gegen Großbritannien und Israel

Wie passt Hijjawi in dieses Bild? Terrorismus kennt für ihn keine Grenzen. Er hält Großbritannien für den gemeinsamen Feind von Iren und Palästinensern (u.a. wegen der Balfour-Deklaration von 1917), der gemeinsam bekämpft werden müsse. In einem Interview mit Al-Jazeera behauptete er vor drei Jahren:

„Von Anfang an zielte die eigentliche Politik des britischen Mandats darauf ab, der zionistischen Bewegung dabei zu helfen, Israel als Speerspitze zu etablieren, um nicht nur Palästina, sondern den gesamten Nahen Osten zu kontrollieren. Anstatt den Palästinensern zu helfen, ihren Staat zu erhalten, hat Großbritannien dazu beigetragen, dass ihr Heimatland zerstört wurde und dass sie brutal zu Flüchtlingen gemacht wurden.“

In einer Grußbotschaft, die er letztes Jahr an den Parteitag von Saoradh sandte, pries Hijjawi Terrororganisationen auf der ganzen Welt, ob in „Palästina“, Irland, Kolumbien oder dem Kaschmir; er lobte die antijüdischen Massaker von 1929 im britischen Mandatsgebiet Palästina als „palästinensische Revolution“ und kam zu dem Urteil, das Friedensabkommen zwischen Terrororganisationen und Regierungen stets zum „Scheitern“ verurteilt seien:

„Wenn wir auf die internationalen Ereignisse der letzten 30 bis 40 Jahre zurückblicken, sehen wir ein klares Bild: das Scheitern des Karfreitagsabkommens, das Scheitern des Osloer Abkommens, das Scheitern des Abkommens von FARC und Kolumbien, das Scheitern des Kaschmir-Abkommens.“

Aufmunternd sagte er an die Adresse der Militanten von Saoradh gerichtet:

„Genossen, seid versichert, dass wir auf der richtigen Seite der Geschichte stehen, ob in Palästina oder Irland, der fast hundertjährige Kampf für Freiheit, Selbstbestimmung, Würde und soziale Gerechtigkeit wird sich durchsetzen, und die imperialistischen, kolonialistischen Mächte werden früher oder später besiegt werden, es ist nur eine Frage der Zeit.“

Hijjawi ist eines von vielen Beispielen dafür, wie BDS und Terrorismus Hand in Hand gehen. Und auch die Beziehungen zwischen der IRA und arabischen Terrororganisationen haben eine lange Geschichte.

Nachdem Jassir Arafat 1969 an die Spitze der PLO gerückt war (zufällig im selben Jahr, als Muammar al-Gaddafi sich in Libyen an die Macht putschte, um sein Land in den Krieg gegen Israel einzureihen und zu einem der größten Sponsoren des Terrorismus zu machen), knüpfte er Bündnisse mit allen, die bereit waren, ihn zu unterstützen – darunter mit der IRA, deren Terroristen in den 1970er Jahren unter der Anleitung der Fatah im Libanon und in Libyen trainierten.

Auf Wandbildern, die in Nordirland an Häuserwände gemalt sind, wird der „gemeinsame Kampf“ der Terrororganisationen PLO und IRA verherrlicht. Gerry Adams, der langjährige Führer der Partei Sinn Féin, die der IRA nahe steht (deren Mitglied er selbst war), hat sich mehrmals mit der Hamas getroffen.

Der amerikanisch-israelische Schriftsteller Tuvia Tenenbom berichtet in seinem neuen Buch Allein unter Briten – eine Entdeckungsreise, wie der Lord Mayor (Oberbürgermeister) von Dublin im Interview mit ihm freimütig über seine Sympathien für die Hamas-Terroristen plauderte. Von Mena-Watch um einen Kommentar zu der irisch-palästinensischen Terroristenfreundschaft gebeten, sagt Tenenbom:

„Ich habe festgestellt, dass Irland und Nordirland von Antisemiten jeglicher Art und Gattung befallen sind, Menschen, die in ihrem Leben nichts Besseres zu tun haben, als Juden zu verurteilen und sich in wirklich jeden zu verlieben, der sich ‚Palästinenser’ nennt.“

Im Wahn vereint

Kaum überraschend, dass Hijjawi nun Solidaritätserklärungen sowohl von Terrorunterstützern als auch von einem wegen Antisemitismus aus der britischen Labour-Partei ausgeschlossenen Politiker erhält. Chris Williamson, ein ehemaliger Labour-Abgeordneter für die nordenglische Stadt Derby und zeitweilig im Schattenkabinett Jeremy Corbyns, hatte sich jahrelang schützend vor Antisemiten in seiner Partei gestellt, ehe er ausgeschlossen wurde, nachdem er öffentlich gesagt hatte, Labour „entschuldigt sich zu viel“ für Antisemitismus.

So hatte Williamson u.a. Scott Nelson verteidigt, der aus der Partei ausgeschlossen worden war, weil er auf Twitter verbreitet hatte, „jüdische Unternehmen“ würden „durch erschreckende Arbeitsbedingungen“ den „Tod von Arbeitern verursachen“.Jetzt setzt sich Williamson für Hijjawi ein: dessen Festnahme sei ein Versuch, „rechtmäßige politische Aktivität“ zu kriminalisieren.Unterstützung erhält Hijjawi auch von der PFLP-Vorfeldorganisation Samidoun, die erklärt:

„Von Irland bis Palästina geht der Kampf weiter … Das palästinensische Gefangenensolidaritätsnetzwerk von Samidoun drückt seine stärkste Solidarität mit den irischen und palästinensischen Häftlingen und allen irischen republikanischen Gefangenen aus. Wir fordern die sofortige Freilassung der Häftlinge und ihrer politischen Mitgefangenen, ebenso wie die Freilassung aller palästinensischen Gefangenen in israelischen Gefängnissen, und wir bekräftigen den Einsatz irischer und palästinensischer Gefangener für gemeinsamen Kampf, gegenseitige Solidarität und eine Vision der kollektiven Befreiung von Kolonialismus, Zionismus und Imperialismus. … Freiheit für die Menschen in Irland und Palästina!“

Warum soll, wer meint, dass „Palästina“ am „Zionismus“ leide, nicht auch glauben, dass das Blut von Menschen wie Lyra McKee, David Black, Adrian Ismay und Michael McGibbon vergossen werden muss, um die armen Iren aus imperialistischer Knechtschaft zu befreien? Die Terroristen von Derry bis Gaza sind in ihrer Verblendung vereint. Der Wahn geht weiter.

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Time am 11. September 2020

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1) https://www.mena-watch.com/wie-bds-und-terrorismus-hand-in-hand-gehen/

Sich als Aggressor aufspielen

10. September 2020

Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis legte in der FAZ die griechische Position gegenüber Erdogan und seiner Kamarilla dar (1).

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Gasstreit im Mittelmeer

Die Türkei hat die Wahl

Griechenland will die Territorialkonflikte mit der Türkei im Mittelmeer durch Dialog lösen. Aber nicht mit vorgehaltener Waffe.

Wenn sie die Zukunft vorhersagen sollen, orientieren sich Politikwissenschaftler oft an der Vergangenheit, an unserer gemeinsamen Geschichte. Die Beziehungen zwischen meinem Heimatland Griechenland und seinem Nachbarn, der Türkei, sind da keine Ausnahme. Wie die Geschichte uns lehrt, gibt es Anlass für Optimismus, aber auch Bereiche, die große Sorge bereiten. Und nie war die Frage, was die Zukunft bringt – Konflikt oder Kooperation –, so drängend wie heute.

Als ich im Juli vorigen Jahres Ministerpräsident wurde, war ich vorsichtig optimistisch. Ich hatte keinen Grund, daran zu zweifeln, dass Griechenland und die Türkei Freunde sein können. Schließlich war es vielen meiner Vorgänger gelungen, scheinbar unüberwindliche Hindernisse zu beseitigen. Politische Führer wie mein Großonkel Eleftherios Venizelos, der 1930 einen Friedens- und Freundschaftsvertrag mit Kemal Atatürk unterzeichnet hatte. Natürlich gab es seitdem Spannungen, aber die guten Tage haben die schlechten überwogen.

Als wir uns letzten Herbst trafen, sagte ich Präsident Erdogan, dass wir als geographische Nachbarn zur Koexistenz, zum friedlichen Nebeneinander bestimmt sind. Ich wollte ihm ganz ausdrücklich die Hand zur Freundschaft und Zusammenarbeit reichen. Ich sprach von offenem Dialog, einem Wunsch nach Fortschritt und meiner Bereitschaft, innerhalb Europas als Brückenbauer für die Türkei zu wirken.

Mehr Provokateur als Partner

Leider haben sich die Dinge anders entwickelt. Seit diesem ersten Treffen wirkte die Türkei weniger wie ein Partner und mehr wie ein Provokateur. Ende vergangenen Jahres unterzeichnete Präsident Erdogan ein illegales Seerechtsabkommen mit einer der Parteien, die sich im blutigen Bürgerkrieg in Libyen bekämpfen. Da die Türkei und Libyen keine gegenüberliegenden oder angrenzenden Küsten besitzen und das Abkommen die souveränen Rechte von Drittländern verletzt, wurde es von der Mehrheit der internationalen Gemeinschaft und von Rechtsexperten für null und nichtig und als Verletzung der Souveränitätsrechte von Drittstaaten, einschließlich Griechenlands, erklärt.

Im März ermutigte und unterstützte die Türkei in einem abgestimmten Vorgehen die verzweifelten Versuche von Migranten, nach Griechenland zu gelangen. Wir verteidigten unsere Grenze mit Unterstützung unserer EU-Partner. Unsere gemeinsame Botschaft war klar: Die Grenzen Griechenlands sind die Grenzen Europas, und wir werden sie schützen.

Und diesen Sommer schickte Präsident Erdogan als Reaktion auf die Unterzeichnung eines langfristigen, legalen und international anerkannten Seerechtsabkommens zwischen Griechenland und Ägypten seine Marine, um die Suche nach Gasvorkommen in einem noch keinem Land zugeschlagenen Gebiet im östlichen Mittelmeer abzusichern, das sowohl Griechenland als auch die Türkei beanspruchen und das noch immer nicht abgegrenzt ist. Nach dem UN-Seerechtsübereinkommen war dies ein einseitiger Akt, der gegen das Völkerrecht verstößt.

Jeden Tag unberechtigte Ansprüche

Trotz dieser Provokationen hatte Griechenland nie den Wunsch, die Spannung weiter zu verschärfen, und will dies auch heute nicht. Aber was als hässliches politisches Gehabe begonnen hat, ist in den letzten Wochen eindeutig zu einer echten Bedrohung geworden. Inzwischen vergeht kein Tag, an dem die türkische Regierung nicht unberechtigte Ansprüche geltend macht oder Unwahrheiten verbreitet. Kriegslüsterne Sprache, nationalistische Propaganda, aggressiver Militarismus, der Kauf von Waffensystemen aus Russland, die die Nato bedrohen, die Umwidmung von als Welterbe geschützten Kulturdenkmälern in Moscheen, illegale Aktivitäten auf dem Meer und Kriegsdrohungen.

Die Rhetorik der Türkei entstammt lang vergangenen Zeiten. Sie spricht von Feinden, Märtyrern, Kampf und der Bereitschaft, um jeden Preis zu siegen. Dies ist die Sprache und das Verhalten eines Beitrittskandidaten, der mit Griechenland und Zypern nicht nur zwei Mitglieder der Europäischen Union bedroht, sondern die EU selbst. Dies bereitet den Mitgliedstaaten große Sorgen.

In dieser neuen geopolitischen Landschaft scheint die Türkei mehr und mehr isoliert. Während Griechenland mit Ländern wie Israel, Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten starke Partnerschaften eingegangen ist, handelt die Türkei mit ihren Drohgebärden im östlichen Mittelmeer, der Einmischung in Syrien und Libyen und der offenen Unterstützung der Hamas allein. Frankreich, das im Mittelmeer wichtige nationale Interessen vertritt, hat sich an unsere Seite gestellt und seine militärische Präsenz in der Region verstärkt. Das amerikanische Außenministerium hat die Aktionen der Türkei als unilaterale Aggression eingestuft und in klaren Worten verurteilt.

Gesprächsbereit – in gutem Glauben

Während all dieser Zeit war ich jederzeit zu einem offenen Dialog bereit. Als Berlin sich als Vermittler anbot, haben wir uns in gutem Glauben auf die Gespräche eingelassen und nach einer gemeinsamen Basis gesucht. Wir haben sogar eine schriftliche Vereinbarung getroffen. Nur um dann zu erfahren, dass die Türkei nach Abschluss der Gespräche informelle, jedoch vertrauliche Diskussionen öffentlich gemacht hatte.

Die Hoffnung, die ich noch immer mit der Türkei verbinde, verstellt mir nicht den Blick auf die Realität. Wir brauchen Dialog, aber nicht mit vorgehaltener Waffe. Was die Sicherheit und Stabilität meines Landes bedroht, bedroht das Wohl und die Sicherheit aller EU-Mitgliedstaaten. Es birgt die Gefahr, die Nato zu schwächen. Und es bedroht die internationale Rechtsstaatlichkeit. Griechenland hat die militärische Stärke, um jede türkische Aggression abzuwehren. Eine militärische Auseinandersetzung zwischen unseren beiden Ländern ist jedoch sicherlich in niemandes Interesse.

Noch in diesem Monat werden die EU-Regierungschefs in einer Sondersitzung über eine angemessene Reaktion diskutieren. Wenn die Türkei bis dahin nicht Vernunft annimmt, haben die übrigen europäischen Regierungschefs und ich, soweit ich sehen kann, keine andere Option, als wirksame Sanktionen zu beschließen. Es geht dabei nämlich inzwischen nicht mehr nur um europäische Solidarität. Wir müssen anerkennen, dass vitale Interessen – strategische europäische Interessen – auf dem Spiel stehen. Wenn Europa echten geopolitischen Einfluss ausüben will, kann es eine kriegslüsterne Türkei nicht einfach gewähren lassen.

Die Türkei hat noch Zeit, um Sanktionen zu vermeiden, einen Schritt zurückzutreten und einen Weg aus dieser Krise zu finden. Die Türkei muss sich einfach aus ihren maritimen und wissenschaftlichen Aktivitäten in umstrittenen Gewässern zurückziehen und ihre aggressive Rhetorik unter Kontrolle bringen. Sie sollte sich zurückziehen, an den Tisch zurückkehren und dort weitermachen, wo sie aufgehört hat, als sie 2016 die Sondierungsgespräche beendete. Und wenn wir uns nicht einigen können, müssen wir eine Lösung in Den Haag suchen.

Die Optionen sind klar. Die Türkei kann konstruktiv nach einer gemeinsamen Basis suchen, oder sie kann sich weiter als Aggressor aufspielen, an den Rändern Europas Drohgebärden machen und dafür einen hohen wirtschaftlichen Preis bezahlen. Sie kann wählen, ob Griechenland eine Brücke oder ein Hindernis für Partnerschaft und Fortschritt sein soll.

Wenn sich die Türkei für die Brücke entscheidet, wird es für Präsident Erdogan meines Erachtens immer noch möglich sein, ein ehrgeiziges und weitreichendes Übereinkommen mit der EU zu erreichen, von dem wir alle profitieren. Streitigkeiten werden nicht durch Gewalt, Betrug und Manipulation gelöst, sondern durch gegenseitigen Respekt und Verständnis. Es muss nicht so sein. Es gibt einen einfachen Ausweg. Wir setzen uns hin. Wir sprechen über unsere Differenzen. Und wir versuchen, ein Übereinkommen zu erreichen. Wenn wir das nicht können, lassen wir den Internationalen Gerichtshof entscheiden. Was hat Ankara schließlich von der Herrschaft des Rechts zu befürchten?

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Time am 10. September 2020

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1) https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/mitsotakis-zu-gasstreit-im-mittelmeer-die-tuerkei-hat-die-wahl-16945414.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Reformen? Reflexionen? Never!

9. September 2020

Eine äußerst negative Rezension erstellte Ali Mete für das staatlich geförderte nazislahmische Mille-Görüsch-Magazin „IslamiQ“ von Mouhanad Korchides Buch „Gottes falsche Anwälte“ (1).

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Die Sache mit dem Islam

Wenn man das Buch „Gottes falsche Anwälte“ des Münsteraner Theologen Mouhanad Khorchide in wenigen Worten zusammenfassen müsste, könnte man sagen: Ethisierung und Enttraditionalisierung des Islams. Ethisierung deshalb, weil der Autor viele Gebote entweder für heute ungültig bzw. irrelevant erklärt und sich stattdessen auf die ethische Dimension des Islams beschränkt. Enttraditionalisierung deshalb, weil er die Tradition teils ausblendet, teils für verfälscht hält und sich nur in dem selbst festgesetzten Rahmen auf den Koran bezieht.

Die Hauptthese des Buches ist eine umfassende Tahrîf-Theorie: Demnach sei der Islam nach dem Ableben des Propheten Muhammad (s) mehr oder weniger bewusst verfälscht worden. Infolgedessen seien in Lehre und Praxis „Unterwerfungsstrukturen“ entstanden. Diese bestünden bis heute fort und seien schuld an der heutigen Misere der Muslime und der islamischen Länder. Das Buch erweckt den Eindruck, als sei in der islamischen Geschichte und Lehre der Muslime so ziemlich alles falsch gelaufen. Nur ein aufgeklärter Islam könne Abhilfe schaffen.

Ich möchte in diesem Beitrag exemplarisch auf einige theologische und historische Aspekte eingehen, die mir überbetont bzw. verzerrt dargestellt erscheinen. Zudem möchte ich auf auffallende sprachliche Merkmale aufmerksam machen. Beginnen wir mit dem Letzteren.

In Gegensätzen denken

Wie schon in seinen vorherigen Büchern, verwendet Khorchide bewusst eine populäre Sprache, um mehr Leser zu erreichen. Das ist nachvollziehbar. Doch darüber hinaus ist die Sprache bestimmt von Dichotomien, unterstützt von tendenziösen Schlagwörtern.

Ein Merkmal des Denkens und der Sprache des Autors sind Gegensätze. In diesem Buch sind es z. B.: Gehorsam vs. Freiheit, barmherzig vs. restriktiv, Gebot vs. Ethik, konservativ vs. aufgeklärt, Argument vs. Zwang, Liebesbeziehung vs. Unterwerfungsbeziehung. Für das Ausloten von Positionen und Gedanken sind Dichotomien geeignet. Problematisch ist es, wenn es dabei bleibt. Denn das erschwert es, eine dritte oder vierte Position miteinzubeziehen. Im Buch entsteht der Eindruck als könne es nur einen aufgeklärten oder einen restriktiven Islam geben, Gott könne nur autoritär oder barmherzig sein, und ein gläubiger Mensch könne entweder Gebote befolgen oder ethisch handeln. Alles, was dazwischen ist, bleibt ausgeblendet. Dabei ist doch gerade dieses Dazwischen das Reale, Menschliche.

Ein Beispiel hierfür ist das von Khorchide entwickelte Gottesverständnis. Zum einen ist hier eine Dichotomie zu erkennen: Entweder glaubt man an einen restriktiven oder an einen barmherzigen Gott. Beides wird quasi absolut gesetzt. Zum anderen wird der Schöpfer und sein Geschöpf fast auf eine Stufe gestellt, was in Richtung „Vermenschlichung“ Gottes geht. Natürlich ist Allah, der Barmherzige, Gnädige, Vergebende usw., der dem Menschen näher ist als seine Halsschlagader, wie es im Koran heißt. Das bedeutet aber nicht, dass er in eine „Gemeinschaft“ mit seinen Geschöpfen tritt oder sogar treten muss.

Gewalt, Manipulation und Macht

Vielmehr ist das Verhältnis des Muslims zu Gott als eines zwischen „Hawf“ und „Radscha“, also zwischen Furcht und Hoffnung. So wird in der Sure Isrâ von denen gesprochen, die „auf Gottes Barmherzigkeit hoffen und seine Bestrafung fürchten.“ Dies ist dem Gelehrten Ibn Arabi so wichtig, dass er in seinem „Futuhât“ den Gläubigen als jenen bezeichnet, dessen Hoffnung und Furcht ausgeglichen sind. Dieses ausgewogene Verhältnis ist ebenso für Gazâli zentral. Im „Ihyâ“ beantwortet er die Frage, was wichtiger ist, Hoffnung oder Furcht, mit einer Gegenfrage: „Was ist wichtiger, Brot oder Wasser?“.

Die dichotome Sprache des Buches wird unterstützt durch tendenziöse Schlagwörter, die den ganzen Text durchziehen. So ist die Rede von „Herrschern“ und „Machthabern“ – nicht etwa von „Regierenden“ oder „Staatsführern –, die fast immer „autoritär“ oder „restriktiv“ sind, während ihr Gegenpart durchweg „kritisch“, „aufgeklärt“ oder „liberal“. Worum es in dem Buch geht, verdeutlicht nicht zuletzt auch die Häufigkeit bestimmter Wörter: In verschiedenen Variationen kommt „Gewalt“ 46 mal, „Manipulation“ 70 mal und „Macht“ 140 mal vor. Alles in allem findet man also eine sehr deutliche, aber deshalb auch sehr drastische und tendenziöse Sprache vor.

Geschichte des Islams – Macht, Macht, Macht!?

Im ersten Kapitel geht es um politisch-religiöse Macht. Es wird beschrieben, wie nach dem Ableben des Propheten innerarabische Stammesrivalitäten, aber auch die Adaptation sassanidischer, der islamischen Lehre widersprechender Herrschaftsvorstellungen, nach und nach zur Errichtung einer Erbmonarchie geführt haben. Hierhin spielt der Prophetengefährte Muâwiya eine unheilvolle Rolle. Dies sind, aus meiner Sicht, schmerzliche Erfahrungen, die Teil des kollektiven Gedächtnisses der Muslime sind. Heute gilt es selbstkritisch zu fragen, ob und was Muslime aus diesen Erfahrungen gelernt haben.

Der Autor geht aber weiter. Ihm zufolge haben die nachprophetischen Entwicklungen eine Gesellschaft und Theologie, ja eine „Kultur der Unterwerfung“, entstehen lassen, die über die Jahrhunderte bis heute bestehe. Muslime seien darin gefangen und reproduzierten sie sogar, oft ohne zu wissen, dass sie nicht frei sind.

Richtig hieran ist, dass die Politik – Khorchide bevorzugt die Bezeichnung „autoritäre Machthaber“ –, oft versucht, Einfluss auf Religionsgemeinschaften und deren religiöse Lehren zu nehmen. Früher wie heute. Die abbasidischen und umayyadischen Herrscher nutzten lediglich andere Mittel als heutige Regierungen. Eine religiöse Sprache und theologische Argumente waren und sind hierbei besonders beliebt. Übrigens gilt das nicht nur für Länder der islamischen Welt, sondern auch für säkulare Staaten, die direkt oder über Umwege eine bestimmte Lesart des Islams fördern. Nüchtern betrachtet, ist die dramatische und Jahrhunderte islamischer Geschichte ausblendende Darstellung des „Verrats am Islam“ relativ zu sehen, wenn nicht selbst als Verzerrung zurückzuweisen.

Zurecht wird auch festgestellt, dass die Bezeichnung des Gemeinwesens in Medina als „Staat“ irreführend und eine unzulässige Rückprojizierung eines modernen Konzepts sei. Allerdings ist es nunmal so, dass der Prophet vor allem in Medina viele Positionen in sich vereinte. Vermutlich war die Nachfolge auch deshalb so strittig, übernimmt der Kalif doch alle Ämter außer der Prophetenschaft.

Jedoch war es in der damaligen Zeit unmöglich und auch unnötig, „Staat“ und Religion zu trennen, wie es heute in säkularen Staaten, mit verschiedenen Staat-Religion-Beziehungsmodellen, der Fall ist. Der Prophet kann, um einen aktuellen Begriff zu benutzen, nicht nachträglich „entpolitisiert“ werden. Es ist historisch unrealistisch und theologisch nicht haltbar, dass der Gesandte Gottes, wie Khorchide meint, bloß Verkünder der Botschaft gewesen sei, und ansonsten keinen Einfluss auf die Gemeinde gehabt habe. Dabei war er doch die zentrale Figur, vor allem nach dem Abkommen von Medina. Was mit dieser zentralen Sonderstellung des Propheten in späteren Zeiten legitimiert wurde, ist eine andere Frage.

Seltsam klingt in diesem Zusammenhang zudem, wenn der Autor anscheinend demokratische Wahlen im siebten Jahrhundert erwartet. So etwa, wenn er feststellt, dass nur einige wenige in die Wahl Abû Bakrs einbezogen und „alle anderen Muslime“ nicht gefragt wurden, oder bei Muâwiya eine fehlende „Legitimation durch das Volk“ vermisst.

Das Unerwähnte

Was in diesem Kontext deutlich zu kurz kommt, sind die Gegenstimmen und -bewegungen, vor allem aus theologischer Sicht. Zum Beispiel weigerte sich Abû Hanîfa, auf den die heute weit verbreitete hanafitische Rechtsschule zurückgeführt wird, zeitlebens, in den Staatsdienst einzutreten. Er wurde festgenommen und gefoltert. Ahmad ibn Hanbal, „Begründer“ der hanbalitischen Rechtsschule und zentrale Referenz der Salafiyya, wurde wegen seines öffentlichen Widerspruchs gegen die vorherrschende Meinung der Mutazila über den Koran eingekerkert. Und auch die beiden anderen Imame der vier bekannten Rechtsschulen, Imam Schafiî und Imam Mâlik, standen im Konflikt mit den Regierenden.

Ebenso bleibt unerwähnt, dass die nachprophetischen Jahrhunderte die Zeit waren, in der Kunst, Kultur und Wissenschaft gefördert wurden und einen immensen Aufschwung erlebten. Diese beiden Aspekte entkräften die Fixierung auf das vom Autor eingebrachte, unterworfene Objektsein der muslimischen Untertanen. Ohne diese Aspekte bekommt der Leser den Eindruck als würde die muslimische Bevölkerung – damals wie heute –, weil sie ja nicht eigenständig denkende und handelnde Subjekte seien, alles über sich ergehen lassen.

Zwischenfazit: Die theologisch-politischen Diskussionen nach dem Ableben des Propheten Muhammad (s) haben sicherlich Spuren hinterlassen und teilweise Weichen gelegt. Aber eine direkte Linie von der nachprophetischen Zeit bis in die Gegenwart zu ziehen und zu folgern, dass „ein Großteil dessen, was wir Muslime heute als islamisch bezeichnen, lediglich Produkt eines politischen Missbrauchs“ sei, ist nicht haltbar. Deshalb hat sich bisher auch kein Wissenschaftler von Rang gemeldet, der diese These mitträgt. Übrigens kritisiert der Autor an anderer Stelle genau diese epochenüberspringende Sichtweise, wenn er schreibt: „Der postsalafistische Islamist versucht einen roten Faden zu ziehen vom einstigen Kolonialismus zu der heutigen Lage der Muslime in der Welt.“

Mehr als ein historischer Klacks: Kolonialismus

Manchmal ist das Verschwiegene wichtiger als das Gesagte. Vor allem, wenn es zu einer verzerrten Sichtweise des Sachverhaltes führt. So sieht der Autor in der „Rhetorik des Kolonialismus“ bzw. Postkolonialismus eine Ausrede, die von Muslimen oder dem „politischen Islam“ vorgebracht werde, um die Schuld bei anderen zu suchen und nicht bei sich selbst. Doch Kolonialismus als Mittel der Schuldzuweisung zu betrachten, ohne die breit belegten und wissenschaftlich erforschten, immensen Folgen für die kolonisierten Länder auch nur zu erwähnen, ist irreführend. Andere haben die Folgen von Kolonialismus und Dekolonisation zutreffend erkannt, weshalb z. B. langsam eine sehr selbstkritische Beschäftigung mit der kolonialen Vergangenheit Deutschlands begonnen hat, und zwar aus der Mitte der Gesellschaft und Forschung.

Ein anderes Beispiel für das Auslassen relevanter Informationen betrifft die Selbstverortung des Korans. Dieser versteht sich als Fortsetzung der göttlichen Offenbarung, also als Bestätigung von Thora und Evangelium. Wenn man das so versteht, sind Sätze wie „Mohammed sah seine Verkündigung in einer Linie mit dem Judentum und dem Christentum“ folgerichtig. Der Koran ist allerdings nicht nur Bestätigung, sondern auch Korrektur der vorherigen Offenbarungen. Er bestätigt nicht „das Christentum“ und „das Judentum“, sondern nur jene Teile davon, die im Laufe der Zeit nicht verändert wurden.

Klassische Gelehrte als Referenz

Obwohl der Autor die islamische Geschichte als eine Art strukturellen Machtmissbrauch zu sehen scheint, versucht er an verschiedenen Stellen, seine Positionen durch Zitate und Verweise auf anerkannte, klassische Gelehrte zu untermauern. Dass dies aber nicht gründlich gemacht wurde, zeigt ein Beispiel von Tragweite, geht es doch immerhin um Himmel und Hölle. Khorchide meint, dass Gazâli, einer der zentralen klassischen Gelehrten, die „koranischen Bilder von Paradies und Hölle nur metaphorisch und nicht wortwörtlich“ verstanden habe.

Hier scheint eine Verwechslung vorzuliegen. Gazâli war der Meinung, dass die Höllenstrafen nicht figurativ oder metaphorisch zu verstehen sind, sondern körperlich. Himmel und Hölle metaphorisch zu deuten, bezeichnet Gazâli am Ende seines bekannten Werkes „Tahâfut al-Falâsifa“ sogar als Unglauben. Gazâli behauptet also das Gegenteil dessen, was ihm der Autor zuschreibt. Der Grund der Verwechselung ist vermutlich, dass, wie man an den Fußnoten dieses Passus erkennt, nicht die arabischen Originalquellen genutzt wurden, sondern deutsche Übersetzungen.

Weitere problematische Positionen

Auch in der Frage, ob Frauen „Imaminnen“ sein können, beruft sich Khorchide, nachdem er Muslimen vorgeworfen hat, ihr eigenes Erbe nicht zu kennen, auf Gelehrte, darunter Ibn Tamiyya. Dieser sehe „kein Problem darin, dass eine Frau als Imamin vor Männern betet.“ Tatsächlich ist Ibn Taymiyya dieser Meinung. Allerdings beschränkt er dies nur auf Notfälle, wenn kein geeigneter Mann vorhanden ist. Eine unerwähnte, aber wichtige Einschränkung, die ein ganz anderes Licht auf die Frage wirft.

Neben der umstrittenen Frage, ob Frauen einer gemischtgeschlechtlichen Gemeinschaft als „Imaminnen“ vorstehen können, gibt es noch eine Reihe anderer theologischer Positionen, die problematisch sind, in diesem Beitrag aber nicht behandelt werden können. Dazu zählen die Relativierung des Fastens, des Kopftuchgebotes sowie anderer religiöser Praktiken und Normen, die Ablehnung der Gültigkeit einzelner Koranverse, die recht freie, lebensberatermäßige „Exegese“ der Sure Fâtiha, die Stellung von Juden und Christen im Jenseits und die Bezeichnung der Offenbarung als unabgeschlossene Kommunikation.

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Time am 9. September 2020

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1) https://www.islamiq.de/2020/09/05/khorchide-rezension-die-sache-mit-dem-islam/

Ein Schauprozess

9. September 2020

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Time am 9. September 2020