Jihadismus – vom Westen finanziert

12. Februar 2016

Hamas

Tzipi Hotovely ist stellvertretende Außenministerin Israels. „Audiatur“ brachte einen Aufsatz von ihr über die Finanzierung der Pallie-Jihadisten durch den Westen (1).

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Wo landen die Hilfsgelder für Palästinenser?

Ein oft zitierter Schlüssel zum Frieden zwischen Israel und den Palästinensern ist die wirtschaftliche Entwicklung. Aus diesem Grund scheint es ein breites Verständnis für die Notwendigkeit der Ausweitung der Entwicklungshilfe zu geben, um den Palästinensern zu helfen, die physische und soziale Infrastruktur aufzubauen, die das Entstehen einer tragfähigen und blühenden Gesellschaft ermöglicht. Aber wenige haben ernsthaft hinterfragt, wie viel Geld überwiesen wird und wie es genutzt wird.

Solch eine Unterstützung wird nur dann den Frieden voranbringen, wenn sie genutzt wird, um Toleranz und Koexistenz zu fördern. Wenn sie eingesetzt wird, um Unnachgiebigkeit zu verstärken, dann schadet sie mehr, als dass sie nützt – und je mehr Hilfe hineingeht, desto schlimmer ist das Ergebnis. Das ist genau das, was in den vergangenen Jahrzehnten passiert ist. Grosse Summen ausländischer Hilfszahlungen wurde genutzt, um Terroristen zu unterstützen und die Feindseligkeit zu verstärken.

Jahrelang haben die hochrangigsten Persönlichkeiten der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) den Terrorismus unterstützt, gebilligt und verherrlicht. „Jeder Tropfen Blut, der in Jerusalem vergossen wurde“, so sagte Präsident Mahmud Abbas vergangenen September im palästinensischen Fernsehen, „ist heiliges Blut, so lange es für Allah war.“ Zahllose palästinensische Offizielle und das öffentliche Fernsehen haben wiederholt den Mord an Juden gepriesen.

Die Unterstützung für den Terrorismus endet nicht mit der Hetze. Das palästinensische Regime in Ramallah zahlt monatlich zwischen 370 und 3300 Euro an Terroristen und ihre Familien, letzteres ist fünfmal mehr als der durchschnittliche Monatsverdienst eines palästinensischen Arbeiters.

Nach den Zahlen des Haushaltsberichts, der im Juni 2014 von Israels Aussenministerium zusammengetragen wurde, betrug das jährliche Budget der Palästinensischen Autonomiebehörde für die Unterstützung palästinensischer Terroristen damals ungefähr 69 Millionen Euro. Das waren ungefähr 16 Prozent der ausländischen Spenden, die die PA jährlich erhält. Im Jahr 2012 machten ausländische Hilfsgelder ungefähr ein Viertel des Haushalts der PA von 2,85 Milliarden Euro aus. Jüngere Zahlen sind nicht verfügbar, da die PA die Höhe der Hilfszahlungen nicht mehr offenlegt.

Peinlich berührt durch das Bekanntwerden der Zweckentfremdung von ausländischen Hilfszahlungen, hat die PA im August 2014 die Aufgabe der Geldzahlungen an Terroristen und ihre Familien an einen PLO-geführten Fonds übertragen, der ebenfalls von Herrn Abbas geleitet wird. Um jeden Zweifel an der rein kosmetischen Natur dieser Änderung zu beseitigen, hat der palästinensische Ministerpräsident Rami Hamdallah erst kürzlich im September 2015 versichert, dass die PA jede „notwendige Unterstützung“ zur Sicherung der Terrorstipendien leisten werde.

Dieser bürokratische Trick beruhigte offensichtlich das Gewissen der Regierungen der Geberländer, die auch weiterhin die Hilfsgelder überweisen. Es ist schwer, einen anderen Fall zu finden, bei dem mit vergleichbarer Nachsicht gegenüber einem Hilfsgeldempfänger, der Terrorismus unterstützt, agiert wurde.

Die Situation ist besonders verstörend, wenn man den unverhältnismässigen Anteil an Entwicklungsunterstützung, den die Palästinenser erhalten, in Betracht zieht, der auf Kosten bedürftiger Bevölkerungen andernorts geht. Einem Bericht vom Global Humanitarian Assistance zufolge haben die Palästinenser 732 Millionen Euro im Jahr 2013 als internationale Hilfe erhalten. Nur nach Syrien ist mehr gegangen. Dies entspricht einer Unterstützung von 163 Euro pro Palästinenser, was bei weitem die höchste Unterstützung pro Kopf weltweit ist. Syrien, wo mehr als 250 000 Menschen getötet wurden und 6,5 Millionen Menschen seit 2011 auf der Flucht sind, erhält pro Person 98 Euro.

Ein genauerer Blick auf die anderen acht Länder, die zu den 10 grössten Hilfsgeldbeziehern gehören – Sudan, Südsudan, Jordanien, Libanon, Somalia, Äthiopien, Afghanistan und die Demokratische Republik Kongo – ist sogar noch besorgniserregender. Das Statistikwerk CIA Factbook zeigt, dass diese Länder zusammen eine Bevölkerung von 284 Millionen Menschen haben und ein durchschnittliches Bruttosozialprodukt von 2194 Euro pro Person. Trotzdem haben sie durchschnittlich 14,13 Euro Entwicklungshilfe pro Person erhalten. Die Palästinenser haben, im Vergleich, bei einer Bevölkerung von 4,5 Millionen ein Bruttosozialprodukt von 4530 Euro pro Person.

Mit anderen Worten: Obwohl die Palästinenser durchschnittlich zweimal so viel Geld haben wie diese acht Länder, erhalten sie pro Person mehr als 11-mal so viel ausländische Hilfsgelder. Die Demokratische Republik Kongo ist ein gutes Beispiel. Die 79 Millionen Einwohner haben ein Bruttosozialprodukt pro Kopf von 646 Euro, aber sie erhalten nur 5,30 Euro Hilfe pro Person.

Zwischen 1993 (als der Friedensprozess von Oslo begann) und 2013 haben die Palästinenser nach Angaben der Weltbank 20,04 Milliarden Euro als Entwicklungsunterstützung erhalten. Die palästinensische Führung hatte reichlich Gelegenheit, diese Gelder für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung einzusetzen. Bedauerlicherweise bevorzugt sie es, wie gesehen im Hamas-geführten Gazastreifen, die Gelder in den Aufbau der terroristischen Infrastruktur und Waffen zu stecken, in Terrortunnel und tausende Raketen, die in den vergangenen Jahren auf Israel herabregneten.

In Judäa und Samaria, dem Westjordanland, ist die Situation ähnlich beunruhigend. Abgesehen von der finanziellen Unterstützung für Terroristen und medialer Hetze, weigert sich die PA starrsinnig hunderttausende Palästinenser aus dem „Flüchtlingsverzeichnis“ zu streichen, um sie ganz bewusst in Abhängigkeit und Unterentwicklung zu lassen, mit keinem anderen Ziel, als der Anstachelung der Feindseligkeit gegenüber Israel.

Es ist schwierig, sich diese Fakten vor Augen zu führen, ohne den tiefgreifenden Zusammenhang zu erkennen zwischen den enormen geleisteten Hilfszahlungen, der absonderlichen internationalen Toleranz für das offenkundig inakzeptable Verhalten der Palästinenser und den fehlenden Fortschritten in Richtung Frieden.

Geldgeber an die Palästinenser, die den Frieden unterstützen, täten gut daran, die Art ihrer Unterstützung zu überdenken. Geld sollte in ökonomische und bürgerliche Ermächtigung fliessen und nicht, um ein falsches Opfergefühl zu kultivieren und vorbehaltloses Anspruchsdenken. Es sollte die Werte der Toleranz und Gewaltlosigkeit fördern, nicht die Verherrlichung und Finanzierung von Terrorismus.

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Time am 12. Februar 2016

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1) http://www.audiatur-online.ch/2016/02/02/wo-landen-die-hilfsgelder-fuer-palaestinenser/

Arme, arme Orka

11. Februar 2016

Arme Orka

Ungeheuerlich aber wahr: Ein nichtorkischer Busfahrer wagt es, seine Pause nicht zu unterbrechen, um einer Orka umgehend zu Diensten zu sein.

Natürlich hat die Herrenmenschin gleich Fotos von ihm und seinem Bus gemacht, um ihn wegen seines abscheulichen Verbrechens vor Gericht zu zerren oder ihn von ihren Clanbrüdern zusammenschlagen zu lassen. Aber dann, man fasst es nicht, hat der freche Busfahrer es sogar noch gewagt, sein Uneinverständnis mit den Maßnahmen der Herrin zu zeigen!

Jetzt droht ihm eine heftige Bestrafung durch ein dem Nazislahm willfähriges Dimmi-Gericht.

Das mohammedanistische Propaganda-Organ „IslamiQ“ (1):

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Busfahrer beleidigt Frau mit Kopftuch

In Berlin wurde eine Frau mit Kopftuch von einem Busfahrer beleidigt und geschubst. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der versuchten Körperverletzung und wegen fremdenfeindlicher Beleidigung.

In Berlin-Spandau soll ein Busfahrer der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) einer Frau mit Kopftuch den Zustieg verweigert und sie fremdenfeindlich beleidigt haben. Eine 26-Jährige hat Mittwochnacht (10. Februar) bei der Polizei eine Beleidigung und versuchte Körperverletzung angezeigt. Sie habe gegen 23.20 Uhr in Spandau gewartet und den Fahrer des Busses gefragt, ob sie bereits in den noch wartenden Bus einsteigen dürfe.

Wie die Berliner Morgenpost am Donnerstag berichtet, habe der Busfahrer daraufhin eine abfällige Handbewegung gemacht und ihr den Einstieg verweigert. Als sie ihr Handy aus der Tasche holte, um den Fahrer und den Bus zu fotografieren, soll der Mann ausgestiegen sein und sie geschubst haben. Zudem habe er sie beleidigt und eine abfällige Bemerkung über ihr Kopftuch gemacht. Die 26-Jährige blieb unverletzt. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der versuchten Körperverletzung und wegen fremdenfeindlicher Beleidigung.

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Time am 11. Februar 2016

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1) http://www.islamiq.de/2016/02/11/busfahrer-beleidigt-frau-mit-kopftuch/

Hölle von Aleppo?

10. Februar 2016

IZ

Die Russen und ihre syrischen Handlanger haben unseren MSM zufolge die „Hölle von Aleppo“ entfacht.

Bei der sunnitischen „Islamischen Zeitung“ scheint man anderer Ansicht zu sein (1). An einem von Früchten (u.a. Bananen) berstenden Marktstand posieren die üblichen Orkgroßmäuler und verkünden, dass „sie lieber in ihrer Heimat sterben wollen, als vor den vorrückenden Kämpfern zu fliehen“.

Vor den militärischen Operationen hat man angeblich keine Angst sondern vielmehr vor den Refugees, die hier not welcomed sind:

„Wir sind nicht verängstigt von den Bomben, sondern vor dem drohenden Migrationsdruck.“

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Time am 10. Februar 2016

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1) http://www.islamische-zeitung.de/bewohner-aleppos-wollen-regierungsangriffen-trotzen/

14 kleine Alkis

10. Februar 2016

N-TV

Den Lakaien der Mohammedanisten ist keine Verdrehung zu verzerrt. Wenn 14 besoffene Polen vor einer Invasorenunterkunft randalieren, ist das für sie ein „Großangriff“.

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Time am 10. Februar 2016

Religionsjustiz?

9. Februar 2016

Piquemal

Der französische 75-jährige Vier-Sterne-General der Fremdenlegion Christian Piquemal ist auf rüde Art festgenommen worden (1), weil er an einer verbotenen Kundgebung des „Kreises der patriotischen Bürger“ in Calais teilgenommen hat. Die „FAZ“ berichtete heute (S. 5):

„Republikaner-Sprecher Gulliaume Peltier prangerte eine ,schockierende Ungleichbehandlung’ an. So seinen die Aktivisten der linken Organisation ,No Border’, die in Calais die Statue des Generals de Gaulle mit der Aufschrift ,Fick Frankreich’ verunziert hatten, straflos ausgegangen.“

Den General erwartet sein Prozess am 12. Mai.

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Time am 9. Februar 2016

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1) http://www.barenakedislam.com/2016/02/08/french-resistance-government-arrests-esteemed-general-at-anti-islamization-pegida-demonstration/

Im Interview: Eva Prost

9. Februar 2016

do-TU Raum der Stille

„Raum der Stille“ / TU Dortmund

Zur Beunruhigung einiger ihrer freiwilligen Stiefellecker verhalten die Mohammedanisten sich wie Mohammedanisten sich seit 1.400 Jahren verhalten.

Sie verstoßen gegen die Regeln und sind auf Eroberungen aus.

Lesen Sie ein Interview von Matthias Kaufmann mit Eva Prost, Leiterin des Referats Hochschulkommunikation und Pressesprecherin an der Technischen Universität Dortmund aus dem „Spiegel“ (1).

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„Raum der Stille“ an der TU Dortmund:
„Wir halten das Experiment für gescheitert“

Muslimische Studenten haben einen „Raum der Stille“ der TU Dortmund umgebaut: Männer links, Frauen rechts, dazwischen eine Trennwand. Jetzt wurde er geschlossen. Was ist da los?

SPIEGEL ONLINE: Frau Prost, an der TU Dortmund gibt es Ärger um einen “Raum der Stille”: Einige Muslime haben ihn für ihre Zwecke vereinnahmt, daraufhin hat die Uni ihn geschlossen. Warum muss eine Universität überhaupt einen Gebetsraum anbieten?

Prost: Das muss sie nicht. Und es gab auch nie einen Gebetsraum, weder für muslimische noch für christliche Studierende. Unser „Raum der Stille“ war vielmehr ein Angebot an alle, die Ruhe und Einkehr im oft stressigen Universitätsalltag suchen. Wer dann im Stillen ein Gebet sprechen möchte, darf das dort auch tun. Aber nur, wenn er niemand anderen damit stört oder von der Nutzung des Raums ausschließt.

SPIEGEL ONLINE: Sie müssen sich nun des Vorwurfs erwehren, islamfeindlich zu sein.

Prost: Das hat mit dem Islam erst mal nichts zu tun. Hier haben Studierende den Raum eigenmächtig umgestaltet und dabei massiv gegen die Nutzungsordnung verstoßen, in der es heißt, dass der Raum „weltanschaulich und religiös neutral“ zu halten ist. Es waren improvisierte Wände aufgestellt worden, um Männer und Frauen zu trennen. Der Koran lag aus, es gab Möglichkeiten zur Fußwaschung, auch Gebetsteppiche wurden hier gelagert. Auf Flyern wurden Frauen angewiesen, Kopftuch zu tragen, auch wenn wir nicht wissen, ob das tatsächlich durchgesetzt wurde. All das konnten wir nicht hinnehmen. Studierende haben sich bei uns beschwert, und zwar völlig zu Recht. Gegen Geschlechterdiskriminierung müssen wir vorgehen, denn als staatliche Einrichtung sind wir dem Grundgesetz verpflichtet.

SPIEGEL ONLINE: Wie lange geht das Gezerre um den Raum schon?

Prost: Wir haben den „Raum der Stille“ 2012 eingerichtet. Wenige Monate danach gab es auch schon Bestrebungen, einen muslimischen Gebetsraum daraus zu machen. Uni-Leitung und AStA sind auch damals eingeschritten, haben mit den Beteiligten gesprochen. Außerdem hat der AStA damals die Einrichtung verändert. Eine Couch als Sitzgelegenheit und ein Bücherregal sollten signalisieren: Das hier ist kein Gebetsraum.

SPIEGEL ONLINE: Damals haben sie den Raum nicht geschlossen. Was ist diesmal anders?

Prost: Wir halten das Experiment des konfessionsneutralen „Raums der Stille“ für gescheitert. Ursprünglich war er als Projekt für zwei Jahre angelegt, die sind lange vorüber. Wir stehen bei niemandem in der Pflicht, das Projekt fortzuführen, nachdem es sich als nicht machbar erwiesen hat.

SPIEGEL ONLINE: Eine Petition von über 400 Studierenden fordert den Raum zurück.

Prost: Denen haben wir in einem ausführlichen Brief geantwortet und unsere Position deutlich gemacht. Dieser Brief ist auch öffentlich. Es soll außerdem weiterhin Rückzugsmöglichkeiten geben an unserer Uni. Im Gespräch sind Ruheräume für Studierende mit kleinen Kindern.

SPIEGEL ONLINE: An anderen Hochschulen gibt es ähnliche Räume. Warum scheitert das Projekt bei Ihnen?

Prost: Andere Einrichtungen haben teils ganz ähnliche Probleme wie wir. Darüber wird aber normalerweise nicht so hitzig gestritten, auch in Dortmund nicht. Wäre das gleiche vor zwei Monaten passiert, vor den Silvester-Ereignissen auf der Kölner Domplatte, dann wäre die öffentliche Aufmerksamkeit sicher geringer.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie schon eine Antwort auf den offenen Brief des Rektorats bekommen?

Prost: Nein, aber sehr vielfältige Reaktionen. Manche haben einen fremdenfeindlichen Hintergrund, was völlig daneben ist. Andere loben, dass wir uns gegen Diskriminierung von Frauen in dem Raum einsetzen, was uns wichtig ist, aber nur ein Teil des Problems. Einer wandte sich an uns mit dem Angebot, der Uni Bibeln zu sponsern, die man neben den Koran legt. Das ist sicher freundlich gemeint, aber zielt an unserem Konzept eines konfessionsneutralen Raums völlig vorbei.

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Time am 9. Februar 2016

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1) http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/raum-der-stille-der-tu-dortmund-muslime-bauen-raum-um-a-1076269.html

Vielfalt des Nazislahm

8. Februar 2016

Vielfalt

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Time am 8. Februar 2016

Rodney Stark: technisch rückständig

7. Februar 2016

Akkon

Kreuzfahrerburg Akkon

Heute möchte ich Ihnen den letzten und spannendsten Teil des Kapitels „Abendländische ,Ignoranz’ versus morgenländische ,Kultur’“ des Buches „Gottes Krieger“ (Haffmans & Tolkemitt, 2014) von Rodney Stark vorlegen (S. 95-110).

Mr. Stark befasst sich darin mit der vermeintlichen Rückständigkeit der christlichen mittelalterlichen Gesellschaft.

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Rodney StarkDer Mythos vom
finsteren Mittelalter

Die Behauptung, die Muslime hätten die fortgeschrittenere Kultur gehabt, beruht auch auf falschen Vorstellungen über die kulturelle Rückständigkeit der Christenheit – auf der verbreiteten, aber unbegründeten Überzeugung, Europa sei nach dem Untergang des Römischen Reichs in ein dunkles Zeitalter zurückgefallen und habe das kulturelle Erbe verloren, das im Islam lebendig blieb.

So behauptete Voltaire, nach dem Fall Roms hätten „Barbarei, Aberglaube und Unwissenheit das Antlitz der Welt bedeckt”.

Ebenso sah Rousseau (1712-1778) Europa „in die Barbarei seiner Vorzeiten zurückgefallen. Die Völker dieses … Teils der Welt lebten vor einigen Jahrhunderten in einem Zustand, der schlimmer als die Unwissenheit war.”

Auch Edward Gibbon sah in diesem Zeitalter den „Triumph der Barbarei und Religion”. Kein Wunder, dass solche Ansichten zum anerkannten Wissen wurden. In seinem Bestseller Entdeckungen (1983, dt. 1991) hat der Historiker und Pulitzer-Preisträger Daniel J. Boorstin (1914-2004) im Kapitel „Das Gefängnis des christlichen Dogmas” geschrieben, das „dunkle Zeitalter” habe schon vor dem Untergang Roms begonnen. Das Christentum „eroberte das Römische Reich und große Teile Europas. Dann beobachten wir ein europaweites Phänomen des Gedächtnisschwundes der Gelehrten, das den Kontinent von etwa 300 n. Chr. bis mindestens 1300 n. Chr. heimsuchte.” Es seien die Führer des orthodoxen Christentums gewesen, die eine „große Barriere gegen den Fortschritt des Wissens” errichtet hätten.

Und der Historiker William Manchester (1922-2004) sieht das Mittelalter als eine Ära „unablässiger Kämpfe, der Rechtlosigkeit, der Besessenheit von seltsamen Mythen, einer nahezu undurchdringlichen Geistlosigkeit … Das dunkle Zeitalter war eine in jeder Hinsicht öde Periode.“

Einige dieser Behauptungen sind boshaft, andere zeugen von erstaunlicher Ignoranz. Freilich, wie die muslimischen Eroberer hatten auch die germanischen Stämme, die das Römische Reich eroberten, in Sachen Kultur allerhand aufzuarbeiten, bis sie es mit ihren Vorgängern aufnehmen konnten. Aber sie hatten nicht nur Römer, die sie unterrichteten und anleiteten, sie hatten auch die Kirche, die die von Rom ererbte Kultur sorgfältig bewahrte und weiterentwickelte. Man sollte sich vor Augen halten, dass die als „dunkel” bezeichneten Jahrhunderte eine der „großen innovativen Epochen der Menschheit” gewesen sind, eine Zeit, in der in einem Maß neue Techniken entwickelt und angewandt wurden, wie dies „in keiner Zivilisation zuvor” der Fall war. Tatsächlich machte Europa, wie wir sehen werden, im angeblich dunklen Zeitalter den großen technologischen Sprung nach vorn, mit dem es sich weltweit an die Spitze setzte.

Immerhin hat sich diese Erkenntnis inzwischen so weit durchgesetzt, dass der Terminus „dunkles Zeitalter” mittlerweile auch in solchen Lexika und Enzyklopädien als unbegründeter Mythos gilt, die ihn einige Jahre zuvor noch verbreitet hatten. Während in älteren Auflagen der Encyclopcedia Britannica die fünf oder sechs Jahrhunderte nach dem Untergang Roms noch „dark ages” genannt wurden, lehnten die Autoren der 15. Auflage (1981) diese Bezeichnung als „unannehmbar” ab, denn damit werde fälschlich behauptet, diese Zeit sei „eine Periode des geistigen Dunkels und der Barbarei” gewesen.

Den Annahmen über eine fortgeschrittenere und höher entwickelte Kultur der islamischen Welt liegt, wie sich gezeigt hat, häufig ein gewisser „Intellektualismus” zugrunde. Kultur besteht nicht nur in Schriften oder „Bücherwissen”. Wie man Ackerbau betreibt, ein Segelschiff navigiert oder Schlachten gewinnt, lernt man nicht, indem man Platon oder Aristoteles liest. Technik im weitesten Sinne ist der Stoff, aus dem das wirkliche Leben gemacht ist; Technik entscheidet darüber, wie gut die Menschen leben und ob sie sich schützen können.

Und wie gut oder schlecht die muslimischen Intellektuellen im Vergleich zu gebildeten christlichen Scholastikern die aristotelische Wissenschaft und die platonische politische Philosophie gekannt haben mögen – die Technik jedenfalls befand sich in den muslimischen Ländern, verglichen mit den byzantinischen und europäischen, eindeutig im Rückstand.

Unterschiede auf technischem Gebiet

Es ist weitaus schwieriger, als es sein sollte, den in der christlichen und der islamischen Welt unterschiedlichen Entwicklungsstand der Technik herauszuarbeiten, weil das Thema von muslimischen Autoren beherrscht wird, die zu absurden Behauptungen neigen. So kann man „entdecken”, dass „Ibn Firnas aus dem islamischen Spanien im 9. Jahrhundert eine Flugmaschine erfand, baute und erprobte”.

Nicht europäische, vielmehr muslimische Schiffbauer hätten das Steuerruder erfunden. (Welche muslimischen Schiffbauer sollen das gewesen sein?) Der Kompass sei keine chinesische Erfindung, sondern eine muslimische. Und so weiter und so fort.

Transport

Was wir mit absoluter Sicherheit wissen, ist, dass das Rad nach der muslimischen Eroberung Ägyptens, des Mahgreb und Spaniens aus diesen Gebieten verschwand!

Über Jahrhunderte gab es dort weder Karren noch Wagen. Alle Waren wurden von Menschen getragen oder auf Kamele, Esel und Pferde gepackt. Das heißt nicht, dass die Araber das Rad nicht kannten, aber sie waren der Meinung, dass es ihnen nicht viel nütze. Für Räder braucht man Straßen und Wege. Kamele und Fußgänger brauchen beides nicht. Wenn man in Betracht zieht, wie sie die Möglichkeiten des Rades verkannten, erscheint es zweifelhaft, dass sie wussten, wie Geschirre auszusehen hatten, mit denen man Zugtiere vor Karren oder Wagen spannen konnte.

Ganz anders im „dunklen Zeitalter” Europas: Irgendwann in dieser Zeit nämlich wurden das Kummet und ein Geschirr entwickelt, mit dem man Pferde statt Ochsen als Zugtiere für schwer beladene Wagen benutzen konnte – und schneller vorankam. Ein richtig angeschirrtes Pferd kann einen Wagen mit fast einer Tonne Last ziehen, für diese Last braucht man vier oder fünf Kamele.

Die Zugkraft europäischer Pferde wurde weiter gesteigert, als im 8. Jahrhundert das Hufeisen erfunden wurde und im folgenden Jahrhundert überall in Gebrauch kam. Hufeisen schützen nicht nur die Hufe vor Abnutzung, besonders auf harten Oberflächen, beschlagene Pferde finden auf weicherem Untergrund auch besseren Halt und können mehr ziehen.

Ferner erfanden Europäer im 10. Jahrhundert ein Geschirr, das es erlaubte, mehrere Pferde oder Ochsen paarweise hintereinander, nicht mehr nur nebeneinander anzuschirren. Damit war es möglich, große Ladungen mit vielen Zugtieren zu bewegen, zum Beispiel große Steinschleudern oder Belagerungstürme.

Gegen Wagen hätten die Araber einwenden können, dass die Konstruktionen, die zur Zeit der muslimischen Eroberungen und davor in Gebrauch waren, eine starre Vorderachse hatten, darum schwer zu wenden waren. Auch Bremsen kannte man noch nicht, was bei starkem Gefälle gefährlich war.

Die Europäer hatten diese Probleme spätestens im 9. Jahrhundert gelöst, ihre Fuhrwerke mit Schwenkachsen und Bremsen ausgerüstet. Diese technischen Neuerungen verschafften ihnen Vorteile auf Feldzügen, die oft fast 4000 Kilometer von ihren Siedlungen entfernt stattfanden. Ein Heer soll im Ersten Kreuzzug mit mindestens 2000 Wagen aufgebrochen sein.

Und zuletzt fehlten den Muslimen, obwohl sie die schnellsten Reitpferde der Welt züchteten, die großen und schweren Zugpferde, wie sie die Europäer einsetzten. Darum hätte es ihnen auch kaum Vorteile gebracht, hätten sie Wagen anstelle ihrer Packkamele benutzt.

Natürlich waren beide, Muslime wie Europäer, erfahrene Pferdezüchter; diese Unterschiede haben sich also infolge unterschiedlicher Präferenzen ergeben.

Landwirtschaft

Große Zugpferde spielten auch eine Rolle für die Revolution der Landwirtschaft, die das Europa des „dunklen Zeitalters” verwandelte. Damals konnte die Nahrungsmittelproduktion gewaltig gesteigert werden. Das lag nicht zuletzt daran, dass Pferde einen Pflug doppelt so schnell ziehen können wie Ochsen; Bauern, die auf Pferde umstellten, konnten in der gleichen Zeit zweimal so viel Land bewirtschaften wie Bauern mit Ochsengespannen.

Nicht weniger wichtig war, dass die schweren Zugpferde einen viel besseren Pflug zogen. Bis zum 6. Jahrhundert benutzten die fortgeschrittensten Bauern auf der ganzen Welt Hakenpflüge, es waren Grabstöcke, die an einem Brett angebracht wurden. Mit einem Pflug dieses Typs war es unmöglich, den Boden zu wenden, der Pflug wurde einfach über die Oberfläche gezogen; der Boden zwischen den flachen Furchen blieb unberührt, so dass man noch einmal quer pflügen musste.

Diese Art des Pflügens eignete sich weder für die mageren trockenen Böden des Mittelmeerraums noch für die schweren, nasstn und fruchtbaren Böden Nordeuropas. Gebraucht wurde ein schwerer Pflug mit langer, scharfer und schwerer Schar, nur so ließ sich der Boden wenden und eine tiefe Furche ziehen. Hatte man diesen Pflug, war die nächste Verbesserung eine zweite Schar, die, in einem Winkel zur ersten angebracht, die von der ersten Schar gewendete Scholle durchschnitt; schließlich fehlte noch das Streichbrett oder -blech, das die zerkleinerte Scholle vollständig wendet. Und der Pflug musste Räder bekommen, damit man ihn leichter von einem Feld zum anderen bewegen und die Schar auch unterschiedlich hoch einstellen und so, je nach Gegebenheit, flacher oder tiefer pflügen konnte. Mit diesen Neuerungen wurden auch Böden, die vorher nicht oder nicht effizient genug beackert werden konnten, ertragreich; selbst auf mageren Böden ließ sich mit schweren Streichblech- Pflügen der Ertrag fast verdoppeln.

Im 8. Jahrhundert kam es in Europa zu einer zweiten Revolution in der Landwirtschaft: der Dreifelderwirtschaft. Das Ackerland, das zu einem Dorf gehörte, wurde dreigeteilt, und jeder Bauer hatte in allen drei Feldern oder Flurstücken eigene Ackerstreifen. In einem Flurstück wurde Wintergetreide angebaut, zum Beispiel Weizen, im zweiten Sommergetreide wie Hafer (der vor allem gebraucht wurde, nachdem das Pferd zum wichtigsten Zugtier geworden war), oder Hülsenfrüchte (Erbsen und Bohnen) und Gemüse, das dritte Stück blieb ein Jahr lang brach liegen. Im nächsten Jahr wurde auf dem Brachland Wintergetreide angebaut, auf dem zweiten Stück Sommergetreide, und das Stück, auf dem im Vorjahr Sommergetreide angebaut wurde, blieb Brachland und wurde als Weide genutzt. Damit wurde nicht nur das Unkraut niedrig gehalten, sondern auch der Dung des Weideviehs genutzt, um die Fruchtbarkeit des Landes zu erhöhen.

Diese Verbesserungen hatten zur Folge, dass sich die meisten Europäer seit dem „dunklen Zeitalter” besser ernähren konnten, als es dies einfachen Leute anderswo oder zu früheren Zeiten jemals möglich war. Die Europäer im Mittelalter, so lässt sich sagen, waren die ersten Menschen, deren genetisches Potential nicht durch schlechte Ernährung verkümmerte, und so waren sie im Durchschnitt größer, gesünder und kräftiger als die Menschen anderer Regionen.

Die Liste technischer Neuerungen im Europa des „dunklen Zeitalters” ließe sich um ein Vielfaches verlängern; an anderer Stelle habe ich das getan. Hier erscheint es mir sinnvoller, das Thema mit einem Vergleich der Militärtechnik abzuschließen.

Militärische Macht

Beginnen wir mit einem Beispiel: Im Jahr 732, tief im angeblich „dunklen Zeitalter”, hatte die schwere Reiterei Karl Martells Sättel mit einem hohen Rückenteil und Steigbügeln, so dass die volle Masse eines angreifenden Pferdes und eines schwer gepanzerten Reiters hinter eine lange Lanze gesetzt werden konnte, ohne dass der Reiter durch den Aufprall abgeworfen wurde.

Die Muslime dagegen benutzten Pferde ohne Sattel oder nur mit einem dünnen Polster, sie ritten ohne Steigbügel, konnten also nur Schwerter und Äxte schwingen, so wie es die berittenen Abteilungen früher getan hatten, auch die der Römer und Perser.

Die muslimische Reiterei konnte den geballten Angriffen abendländischer Ritter ausweichen und flüchten, standhalten konnte sie ihnen nicht. Hinzu kam, dass den Muslimen, ebenso wie sie keine starken Pferde zum Pflügen und zum Ziehen schwerer Fuhrwerke hatten, auch die großen Streitrösser fehlten, wie sie gut gepanzerte Ritter brauchten – ein Handikap, das sich erstmals in der Schlacht von Tours und Poitiers zeigte und nie gelöst wurde.

Im Zeitalter der Kreuzzüge benutzten die europäischen Ritter Pferde, die zwölf undmehr Zentner wogen, die muslimische Reiterei dagegen. Pferde, die nur etwa acht Zentner schwer waren. Das verschaffte den Kreuzrittern Vorteile, im Nahkampf konnte der Mann auf dem größeren Pferd nach unten auf seinen Gegner einschlagen, dessen Pferd ließ sich mit dem massigeren Tier abdrängen. Zudem wog der durchschnittliche Kreuzritter mehr als sein muslimischer Gegner, denn er war größer und trug vor allem eine schwerere Rüstung.

Anders als in neueren Zeiten gab es in dieser Epoche keine „Standardausrüstung” für Soldaten. Zwar stellten manche Adelige ihren Männern Waffen und Rüstungen zur Verfügung, aber das war nicht die Regel: Die meisten Krieger hatten ihre eigene Ausrüstung. Daher sind Vergleiche zwischen der Ausrüstung der christlichen und muslimischen Heere viel weniger aussagekräftig als beispielsweise Vergleiche zwischen amerikanischen und japanischen Soldaten und ihrer Ausrüstung im Zweiten Weltkrieg.

Dennoch lässt sich sagen, dass die Kreuzfahrer mehr und bessere Rüstungen trugen als die Muslime. Das aber heißt nicht, dass alle europäischen Ritter mit Rüstungen aus beweglichen Panzerplatten, wie man sie in Museen sieht, ausgestattet waren. Solche eisernen Vollrüstungen, die ihren Träger rundum schützten, kamen später auf, und nur wenige Ritter der schweren Reiterei trugen sie.

Denn solche Rüstungen waren unpraktisch und gefährlich. Ein voll gepamerter Ritter musste mittels einer Hebevorrichtung in den Sattel gehievt werden, und wenn er vom Pferd fiel, konnteer nicht wieder aufstehen und weiterkämpfen. Daher waren auch in der schweren Reiterei eher dicke Kettenmäntel üblich, die heftigen Schläge mit dem Schwert oder der Axt standhielten, sowie Helme, die Schädel, Hals und in besonderen Ausführungen auch Teile des Gesichts bedeckten. Fußsoldaten, die den Hauptanteil aller abendländischen Heere im Mittelalter stellten, haben ebenfalls solche Rüstungen getragen.

Die Kettenpanzer wurden aus dünnen Eisenringen gefertigt, wobei jeder Ring mit vier anderen verbunden war; geschnitten war dieses Gewebe wie ein langes Hemd, an der Leiste in Bahnen geteilt, die von der Hüfte zum Knie herunterhingen und – wie die Überhosen der Cowboys – um die Beine gebunden werden konnten oder aber, wie dies meistens der Fall war, lose um die Beine baumelten.

Manche Kreuzritter trugen auch Gamaschen aus Kettengewebe, die die Füße bedeckten. Bekannt waren Kettenhemden auch im Morgenland, waren aber selten zu sehen. Stattdessen nähte man schuppenförmige Metallteile auf Stoff- oder Lederjacken – eine Art der Rüstung, die „im Abendland als veraltet” galt.

Einerseits waren die muslimischen Krieger wegen ihrer leichteren und sparsameren Rüstungen beweglicher, bei Frontalangriffen aber auch verwundbarer. Die Kettenpanzer der Franken waren erstaunlich robust. Die muslimischen Pfeile konnten sie nicht durchschlagen, „oft fügten sie keine Verletzungen zu. Manchmal wurde das Bild eines Stachelschweins verwendet, wenn man Männer beschreiben wollte … , die von Türken angegriffen worden waren.”

Insofern war es durchaus angemessen, wenn Radulf von Caen in seiner Chronik des Ersten Kreuzzugs schreibt, die Sarazenen hätten „auf ihre Zahl und wir auf unsere Rüstungen vertraut”.

Keine Rüstung, auch kein Plattenpanzer, vermochte etwas auszurichten gegen die Erfindung, die die Kreuzfahrer in der Schlacht so gefährlich machte – die Armbrust. Diese Waffe war unter Kreuzfahrern weit verbreitet, doch nur wenig wurde über sie geschrieben – wohl deshalb, weil ihr Einsatz als schändlich, ja sündhaft galt. Das Zweite Laterankonzil hat die Armbrust und ihren Einsatz 1139 unter die Strafe des Kirchenbanns gestellt: als „eine Waffe, die Gott und den Christen verhasst ist”, sie war verboten (ausgenommen aber im Einsatz gegen Ungläubige); ein Verbot, das Innozenz III. bestätigt hat. Die europäischen Heere kümmerten sich jedoch nicht um die Kirche und machten reichlich Gebrauch von der Armbrust, bis sie durch Feuerwaffen überholt war.

So bestand beispielsweise die Garnison der Tempelritter in der Burg von Safed im nördlichen Galiläa aus 50 Rittern und 300 Armbrustschützen.

Die „moralischen” Einwände gegen die Armbrust hatten mit sozialen Unterschieden zu tun, denn diese revolutionäre Waffe machte auch einfache Bauern zu tödlichen Gegnern des Kriegerstands. Um Ritter zu werden, war eine lange Ausbildungszeit erforderlich, und das galt auch für Bogenschützen; sie brauchten jahrelanges Training, bis ihre Arme so stark waren, dass sie einen Langbogen spannen und sicher treffen konnten.

Dagegen konnte praktisch jeder die Handhabung einer Armbrust binnen einer Woche lernen, zumindest in ihren Grundzügen, und selbst ein Anfänger konnte auf eine Entfernung bis zu 60 Metern bald genauer schießen als ein gut ausgebildeter Langbogenschütze. Das lag daran, dass man mit der Armbrust zielte wie mit einem Gewehr und mit einem Abzugshahn die Sehne freigab, die dann einen Bolzen (einen schweren Pfeil) losschnellen ließ, der in gerader Linie ins Ziel flog. Zwar konnten Langbögen schneller und (auf einer hohen Flugbahn) auf weiter entfernte Ziele abgeschossen werden, aber sie waren lange nicht so genau wie Armbrüste.

Die von Armbrüsten abgeschossenen Projektile hießen Bolzen, weil sie viel kürzer und schwerer waren als die Pfeile herkömmlicher Bögen. Wenn sie auch auf große Entfernungen nicht zu gebrauchen waren, so hatten sie auf kürzere Entfernungen eine ungleich größere Wirkung. Da keine lange und mühselige Ausbildung nötig war, um das Armbrustschießen zu lernen, konnte man rasch auch größere mit dieser Waffe ausgerüstete Abteilungen aufstellen. Die Genuesen etwa zogen mehrmals mit einer Armee von 20.000 Armbrustschützen in die Schlacht.

Gegen die Armbrüste der Kreuzfahrer setzten die Muslime einen kurzen Kompositbogen von geringerer Reichweite und Schlagkraft ein. Ihr Pfeilhagel tat seine Wirkung, wenn es sich um leicht gepanzerte Gegner handelte, zum Beispiel um feindliche Muslime, aber wenn sie nicht aus kürzester Entfernung abgeschossen wurden, mussten sie einen Kreuzfahrer an einer ungepanzerten Stelle treffen. Der Bolzen einer Armbrust dagegen konnte, selbst wenn er aus einer Entfernung von etwa 130 Metern abgeschossen wurde, noch eine Panzerplatte durchschlagen. Wie die byzantinische Prinzessin Anna Komnena in der Alexias – einer hervorragenden Darstellung der Regierungszeit ihres Vaters Alexios Komnenos – schreibt, schießt die Armbrust mit „voller Wucht und höchster Schnellkraft die Bolzen ab, dann prallen diese dort, wo immer sie auftreffen, nicht nach hinten ab, sondern durchlöchern einen Schild und durchschlagen einen schweren Eisenpanzer und treten dann auf der anderen Seite wieder aus.”

In Kreuzfahrerheeren wie dem des Richard Löwenherz wurde eine Armbrust von jeweils drei Männern bedient: Einer trug einen großen Schild und richtete ihn auf, alle drei kauerten sich dahinter, um vor feindlichen Pfeilen und Geschossen geschützt zu sein, einer spannte und lud die Waffe, reichte sie dem Schützen, und der zielte und löste sie aus. Diese Teams konnten achtmal pro Minute schießen, ebenso oft wie ein Langbogenschütze, aber mit größerer Wirkung.

Kamen Armbrustschützen hinter einer gut gepanzerten, zuverlässigen Abteilung Fußsoldaten zum Einsatz, dann war dies eine tödliche Kombination: Der anstürmende Gegner erlitt durch die Armbrüste hohe Verluste und traf dann auf die noch geschlossenen Reihen der Fußsoldaten. Für die muslimischen Heerscharen erwies sich als zusätzlicher Nachteil, dass sie vor allem aus Reiterabteilungen bestanden, die für Angriffe auf eine entschlossene Fußtruppe nicht tauglich waren, es sei denn, sie waren in der Überzahl.

Die schweren Niederlagen, die diese Reiterarmeen im 8. Jahrhundert gegen die Frankenheere einstecken mussten – und damals setzten diese noch keine Armbrüste ein -, werden die muslimischen Führer veranlasst haben, die Zusammensetzung ihrer Streitkräfte zu überdenken. Doch wiegt in solchen Fragen die Tradition schwer. Die Araber waren immer als leichte Reiterei in Fehden und Kriege gezogen, hatten mit ihren traditionellen Methoden zunächst auch glänzende Siege errungen. Alle Versuche muslimischer Strategen, an der übergroßen Abhängigkeit von ihren Reitertruppen etwas zu ändern, möglicherweise in Reaktion auf ihre Vertreibung aus Europa, kamen im 11. Jahrhundert zum Erliegen, als nämlich gerade zum Islam übergetretene seldschukische Türken den arabischen Nahen Osten überrannten. Die Türken waren berittene Nomaden, die den Fußkampf verachteten.

Daher blieb das Vertrauen der Muslime in ihre leichten Reiterverbände ein ernsthaftes taktisches und kriegstechnisches Defizit, das während der Kreuzzüge fatale Folgen hatte. Immer wieder scheiterten die muslimischen Reiter, trotz ihrer zahlenmäßigen Übermacht, an den christlichen Fußtruppen. Auch christliche Ritter stiegen häufig vom Pferd und kämpften zu Fuß weiter, stets unterstützt von zahlreichen Armbrustteams.

Nicht nur auf dem Schlachtfeld entfalteten Armbrüste ihre tödliche Wirkung, sie ließen sich auch wirkungsvoll einsetzen, um Verteidiger von Festungsmauern herunterzuholen, beziehungsweise um Angriffe auf eine Festung abzuwehren; selbst in Seegefechten spielten sie eine wichtige Rolle.

Wenn man christliche und muslimische Kriegsflotten vergleicht, sollte man vor allem beachten, dass die Schiffe der Muslime Kopien christlicher Schiffe waren, gebaut und bemannt von christlichen Renegaten und Söldnern. Daraus folgt, dass die Besatzungen der muslimischen Schiffe nicht so engagiert waren wie die der christlichen Flotten.

So wurde eine von Saladin in den 80er Jahren neu aufgestellte Flotte bereits 1187 komplett zerstört, während sie vor Tyrus kreuzte, damit die von Saladins Streitkräften belagerte Stadt nicht vom Meer aus versorgt werden konnte. Von einer Kreuzfahrerflotte überrascht, gaben Saladins Besatzungen, so jedenfalls steht es in einer ägyptischen Chronik, ihre Schiffe kampflos auf.

Außerdem waren die muslimischen Flotten, die Christen nach christlichen Vorbildern gebaut hatten, selten auf dem neuesten Stand der Technik. Nicht nur im Hinblick auf seemännisches Können und den Kampfwillen ihrer Besatzungen waren christliche den muslimischen Flotten überlegen, sondern auch hinsichtlich der „Größe und der technischen Fähigkeiten ihrer Schiffe”.

So waren die „Kastelle” christlicher Galeeren mit Armbrustschützen besetzt, die den gegnerischen Schiffen schwere Verluste beibringen konnten, bevor sie in Reichweite von deren Rammspornen kamen – ganz ähnlich hat die englische Flotte später Kanonen gegen die spanische Armada eingesetzt und auf den Nahkampf Mann gegen Mann verzichtet. Außerdem entwickelten die Christen schwere Armbrüste, die auf den Decks ihrer Galeeren montiert wurden und große Geschosse abschießen konnten – bisweilen auch Behälter mit Griechischem Feuer.

Ein weiterer technischer Vorsprung bestand darin, dass christliche Flotten über spezielle Galeeren verfügten, die zum Kampf gerüstete Ritterabteilungen samt ihren großen Streitrössern an Land bringen konnten.

Selbst wenn wir einräumen, dass gebildete Araber über eine überlegene Kenntnis der klassischen Autoren verfügten, dass sich unter ihnen hervorragende Mathematiker und Astronomen befanden, so bleibt doch festzuhalten, dass die Muslime auf vielen technischen Gebieten weit im Rückstand lagen.

Man denke an Sättel, Steigbügel, Hufeisen, Wagen und Karren, Zugpferde und Geschirre, effektive Pflüge, Armbrüste, das Griechische Feuer, den Schiffbau, die Kenntnisse der Seeleute, produktive Landwirtschaft, leistungsfähige Rüstungen und gut ausgebildete Fußtruppen. Insofern ist es kaum verwunderlich, dass die Kreuzfahrer Tausende von Kilometern marschieren und einen Feind schlagen konnten, der ihnen zahlenmäßig überlegen war – dies allerdings nur so lange, wie die Menschen und Staaten Europas bereit waren, ihren Kampf zu unterstützen.

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Time am 7. Februar 2016

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Rodney Stark in der MoT:

https://madrasaoftime.wordpress.com/2016/02/04/rodney-stark-nichts-lief-schief/
https://madrasaoftime.wordpress.com/2016/02/05/rodney-stark-bildungshass/

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Rodney Stark: „Gottes Krieger“ (Haffmans & Tolkemitt, 2014, 384 S.)

Missverständnis Nazislahm

7. Februar 2016

nigeria

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Time am 6. Februar 2016

Der Kumpel vom Pfau

6. Februar 2016

Schiffauer

Werner Schiffauer ist ein Kumpel von Süperdimmi Klaus J. „Pfau“ Bade (1), und er scheint ein fast ebenso guter Hetzer und Verschleierer wie jener zu sein.

Bei „FAZ.NET“ rechnet Regina Mönch mit seinem jüngsten Elaborat ab, das er offenbar im Dienste der orkischen Unterwandererverbände erstellt hat (2).

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Schule und Integration

Die Grenzen der Zumutung

Moscheevereine als Retter bei Problemen in der Schule? Werner Schiffauer leistet sich eine ethnologische Intervention zu einem religionspolitischen Konflikt, von dem er nichts versteht.

Es sollte ein Versuch sein, einander skeptisch bis misstrauisch gegenüberstehende Gruppen zusammenzubringen: Werner Schiffauers Projekt „Brücken im Kiez“. Das Wunschziel des Kulturanthropologen, die Moscheegemeinden in den Schulen so weit zu installieren, dass sie konservative muslimische Eltern in die Lage versetzen, mit den Lehrern und Schulleitern „auf Augenhöhe“ – ein Bild, das häufig auftaucht – zu kommunizieren, wurde nicht erreicht.

Zum Glück, möchte man sagen, schaut man sich die Auswahl der angesprochenen Islamverbände und Gemeinden an. Störend wirkt von Anfang an, dass muslimische Eltern als Opfer dargestellt sind, die sich „verletzenden Zuschreibungen“ ausgesetzt sahen, sich nicht respektiert und oft diskriminiert fühlten – wobei diese Gefühlszustände kaum näher ausgeführt werden. Den Pädagogen wiederum wird eine Überlegenheit als Vertreter des säkularen Staates zugeschrieben, obwohl sie ja gerade diese Autorität in problematischen Schulen zum Teil verloren haben.

Das Leberwurstbrötchen war nicht halal

Liest man die Berichte mühsamer Diskussionen, die ab und an über ein paar Jahre doch zustande kamen und von denen dieses Buch vor allem handelt, so drängt sich der Eindruck auf, einige Lehrer und Schulleiter hätten sich auf dieses von Schiffauer entwickelte Experiment – ein „Projekt der ethnologischen Aktionsforschung“ – gerade darum überhaupt eingelassen. Das Schulversagen muslimischer Schüler oder die Schwierigkeiten, gemeinsamen Schwimmunterricht oder Klassenfahrten durchzusetzen, ist eine Belastung, die dazu führt, dass Pädagogen angesichts der Vergeblichkeit ihrer Bemühungen resignieren.

Schiffauer nimmt dies zwar zur Kenntnis, doch gehört sein Herz den seiner Ansicht nach Schwächeren, den Eltern, die oft in prekären Verhältnissen leben, gering gebildet sind und das komplizierte System Schule kaum zu verstehen imstande sind. Denen vor allem wollte er Brücken bauen. Doch verhaken sich die Diskussionen dann doch immer wieder im Leberwurstbrötchen, das nicht halal war, in „Blicken“, die man zu spüren meinte, in Verdachtsmomenten, die Kinder konservativer Muslime würden wegen ihres Glaubens benachteiligt – ohne je einen tragfähigen Befund anführen zu können. Den Schulleiterwunsch, endlich einmal über Rassismus gegen deutsche Kinder zu reden, über Beleidigungen von Lehrerinnen und Erzieherinnen, über aggressives Verhalten von Eltern, konnte man nicht erfüllen.

Fragwürdige Moscheevereine in der Bildungsarbeit

Zudem verblüfft dann doch, dieses Projekt unter anderem mit der salafistischen Al-Nur-Moschee in Berlin-Neukölln zu versuchen, deren radikal-religiöse, vor allem religionspolitische Ziele mehr als bedenklich sind. Wie immer beschreibt Werner Schiffauer nur die Oberfläche der Gemeinde, völlig wertfrei und voller Empathie. In der Al-Nur-Moschee genössen vor allem „größere Veranstaltungen von bekannten Predigern oder prominenten Gelehrten (meistens sonntags), die aus anderen Städten oder aus den Herkunftsländern der Gläubigen kommen“, besondere Aufmerksamkeit, schreibt er. In der Tat, die Liste skandalöser Auftritte radikal-islamistischer Prediger dort ist lang und interessiert nicht nur, wie Schiffauer glaubt, den Verfassungsschutz, sondern vor allem die darum sehr beunruhigten Schulen im Umfeld. Dass fragwürdige Moscheevereine wie diese in die Bildungsarbeit eingestiegen sind, ist aus deren Perspektive schlau, rekrutieren sie doch auf diese Weise ihren Nachwuchs.

al nur moschee

Nazislahmische Kaderschmiede:
Al-Nur-Moschee in Berlin

Eine Referentin für ein Elternseminar von Schiffauers „Brücke“-Projekt in der Al-Nur-Moschee sagte dann doch ab. Sie hatte sich, wie Schiffauer tadelnd schreibt, bei Neuköllner Migrationsarbeitsgruppen erkundigt, die ihr dringend und begründet abrieten. Nur der Kulturanthropologe ist überzeugt, dass eine Gemeinde wie diese, der man von Seiten des Staates zu Recht und bestens belegt „parallelgesellschaftliche Tendenzen“ vorwirft, solche Seminare als Chance der Öffnung zur Gesellschaft nutzen will. Ihnen die Schulkinder auch noch zuzuführen wäre jedoch eine Katastrophe. Zwar gibt es längst viele Schulen, in denen türkische und arabische Migrantenkinder die deutliche Mehrheit stellen. Doch heißt das keinesfalls, dass deren Eltern sich gern und mehrheitlich in extremen Moscheegemeinden wie dieser organisieren.

Bittere Erfahrungen mit extremen Sittenwächtern

Die Aleviten Berlins wiederum zogen sich nach einigen Elternseminaren aus dem Projekt zurück. Schiffauer beschreibt gerade diese erfolgreiche, autarke und selbstbewusste Gemeinde als zu stark auf ihre furchtbaren Gewalterfahrungen in der Türkei fixiert. Aber das Problem sind eher die unbestraften Mörder, von denen einige mitten unter uns leben. Denn neun der frommen Attentäter des Pogroms von Sivas im Jahr 1978 erhielten in Deutschland politisches Asyl. Aleviten kennen die Täter und wissen auch, welchem Islamverband sie zuzurechnen sind. Trotzdem klagt Werner Schiffauer, der Allesversteher, es sei „lähmend“ gewesen, dass sie „im Kontakt zu den anderen Gemeinden sehr zurückhaltend sind“.

Er erwähnt auch nicht die anderen guten Gründe, die sie für ihre Zurückhaltung haben, nämlich ihr von den orthodoxen Verbänden mit Argwohn beobachtetes freiheitliches Verständnis von Zivilgesellschaft, Toleranz und Religion und ihre bitteren Erfahrungen in deutschen Schulen mit extremen muslimischen Sittenwächtern, deren bevorzugtes Mobbingziel etwa kopftuchlose alevitische Mädchen sind. Die Aleviten mit der islamischen Gemeinde Millî Göruş zusammenschweißen zu wollen, wie es das Projekt vorsah, ist absurd.

Die Aufsteiger und die Absteiger

Nicht verwunderlich ist dagegen, dass die Vertreter von Millî Göruş bei „Brücken im Kiez“ am besten abschneiden, hat doch Werner Schiffauer deren vermeintlicher Modernisierung ein ganzes Buch gewidmet. Auch wenn Millî Göruş nicht mehr vom Verfassungsschutz beobachtet wird, gehört sie weder für Lehrer noch für die Mehrheit der Muslime in Deutschland zu den Verbänden, denen sie Reformen und Integrationshilfen zutrauen, im Gegenteil. Da auch in diesem Buch keinerlei Aufklärung über die klandestine Organisationsstruktur und ökonomische Potenz dieser religionspolitischen Bewegung zu finden ist, muss sich der Leser auch hier mit den Früchten von Schiffauers „beobachtender Teilnahme“ begnügen: Man redet miteinander und glaubt einander alles, es sei denn, es handelt sich um einen Lehrer.

So scheiterte der Versuch, den Studentenverband der Millî Göruş in eine Kreuzberger Hauptschule zu implantieren, zuerst für Nachhilfe, dann aber auch für religiöse Botschaften zur rechten Lebensführung, vor allem aus zwei Gründen. Zum einen wäre die Nachhilfe kostenpflichtig gewesen – das Berliner Bonusprogramm für Kinder aus schwierigen Verhältnissen bietet das kostenlos und ohne jede Missionierung an, von ehrenamtlichen Patenschaften ganz zu schweigen. Schiffauers muslimische Eltern verweigern sich solchen Engagements, sie seien doch keine „Dienstleister“ für Mängel im Schulsystem. Außerdem habe es „zu wenig Überschneidung in der Klientel“ gegeben. Aus der Perspektive von Millî Görüş heißt das, die Aufsteiger konnten mit den Absteigern nichts anfangen.

Das Gerücht zur Tatsache gewandelt

Als zweiter Grund wird „das Selbstverständnis der säkularen, nationalen und staatlichen Schule“ angeführt. Die Lehrer hielten dieses Selbstverständnis für schwer mit Millî-Göruş-Zielen vereinbar, was Werner Schiffauer kaum verstehen will. Dafür versteht er, warum sich streng religiöse Eltern im Elterncafé der Schule fremd fühlen: Dort engagieren sich fast immer säkular gesinnte (auch muslimische) Eltern. Was eigentlich eine gute Nachricht ist.

Schiffauer möchte gegenseitiges Misstrauen abbauen. Doch worauf das gründet, ist in endlosen Projektbeschreibungen nur schwer zu finden. Bei ihm reagieren Lehrer mehrheitlich „gereizt“ oder „gekränkt“, etwa wenn die Mütter ihnen den Handschlag verweigern. Für Schiffauer nur „habituelles Unbehagen“. Oder wenn ein Gerücht die Runde macht, ein Lehrer habe auf der ohnehin hochumstrittenen Klassenfahrt Schnaps besorgt, was auf die „mündliche Mitteilung einer Verwandten eines der Betroffenen“ zurückging. Wenige Seiten weiter hatte sich dieses Gerücht zur Tatsache gewandelt und stützt die Forderung frommer muslimischer Eltern von Kindern mit Schulnöten nach einem generellen Rauch- und Alkoholverbot für Lehrer. So geht das weiter, und die armen „verunsicherten“ Eltern bleiben vermeintliche Opfer einer sie ablehnenden Mehrheitsgesellschaft – wobei die in den Schulen ihrer Kinder kaum noch vertreten ist. Warum das so ist, wie diese Segregation sich entwickelt hat, ist nicht Thema des Buches, das überhaupt daran krankt, dass die Situation in den Schulen und das kräftezehrende Dasein der Lehrer darin kaum eine Rolle spielen.

Einigen Pädagogen wurde es schließlich zu viel, sie zogen sich zurück, auch weil sie den Eindruck hatten, dass Eltern eher als Verbandsvertreter agierten und im Namen der Religion politische Ziele vertraten, insbesondere die von Millî Görüş. So gesehen, war das Projekt „Brücken im Kiez“ für die orthodoxen Islamverbände ein mäßiger Erfolg und für die Pädagogen ein heilsames Lehrstück über Grenzen der Zumutung. Und am Ende der zähen Lektüre dieses Buches ist man schon froh, dass das Neutralitätsgebot für Schulen noch irgendwie intakt ist und gegen den Einfluss paralleler bis islamistischer Lebensentwürfe wirkt.

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Time am 6. Februar 2016

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2016/02/03/was-macht-eigentlich-18/
2) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/werner-schiffauers-schule-moschee-elternhaus-14052345.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2


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