Merkels Urlaubstips

25. September 2016

merkel

Alessa Busch: Reisen in andere Länder bieten ja auch immer einen Einblick in die Kultur des Gastlandes. Auch das ist ein Thema des Tourismusgipfels. Inwiefern kann der Tourismus – speziell auch im arabischen Raum – als Basis für den kulturellen Austausch zur gegenseitigen Verständigung hierzulande beitragen?

Angela Merkel: Reisen von Menschen aus Deutschland zum Beispiel in arabische Länder haben natürlich zwei Effekte: Einmal hilft das diesen Ländern wirtschaftlich; wir wissen, dass es in diesen Ländern zum Teil eine sehr große Arbeitslosigkeit gibt, und deshalb ist der Tourismus natürlich eine Wachstumsbranche und eine Branche, die Menschen auch Zukunftsperspektiven eröffnet. Zum anderen ist es so, dass auch wir mehr über die Zusammenhänge verstehen; zum Teil auch über die alten historischen Verbindungen, die es schon immer zwischen Europa und auch dem arabischen Raum gab. Deshalb kann ich nur jeden ermutigen, der in arabische Länder fährt, dass man sich einfach auch ein Stück weit mit der Geschichte und der Entwicklung dieser Länder beschäftigt und dabei ganz sicher immer wieder neue Erkenntnisse gewinnt.

_____

Time am 25. September 2016

_____

https://www.bundeskanzlerin.de/Content/DE/Podcast/2016/2016-09-24-Video-Podcast/links/download-PDF.pdf?__blob=publicationFile&v=3

Hussein im Dienst der Täter

24. September 2016

hussein

Wie „FAZ.NET“ berichtet, versucht B. Hussein O. mit Vehemenz zu verhindern, dass Saudi-Arabien wegen seiner Verwicklung in die Anschläge vom 11. September juristisch belangt wird (1).

_____

Obama verhindert Klagen gegen Saudi-Arabien

Der Kongress will wegen der Anschläge auf das World Trade Center Klagen gegen Saudi-Arabien ermöglichen. Präsident Obama hat nun sein Veto dagegen eingelegt – doch ihm droht eine Demütigung.

Der amerikanische Präsident Barack Obama hat sein Veto gegen ein Gesetz eingelegt, das Klagen von Angehörigen der Opfer der Anschläge vom 11. September 2001 gegen Saudi-Arabien ermöglicht hätte. Das Weiße Haus erklärte am Freitag, Obama äußere sein „tiefes Mitgefühl“ mit den Opfern der Anschläge, betrachte das Gesetz aber als „schädlich für die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten“. Der Präsident hatte sich vergeblich im Kongress dafür eingesetzt, dass das Gesetz entscheidend verändert wird.

Nach dem Senat hatte Anfang September auch das Repräsentantenhaus dem Gesetz zugestimmt, das Angehörigen der Opfer der Terroranschläge ermöglicht, Entschädigungsklage gegen fremde Staaten einzureichen. Es richtet sich vor allem gegen Saudi-Arabien. Da 15 der 19 Attentäter aus dem Königreich stammten, waren seit den Anschlägen immer wieder Vorwürfe laut geworden, die Attentäter hätten Hilfe von offizieller saudiarabischer Seite erhalten.

Die Führung in Riad wies dies stets zurück und versuchte hinter den Kulissen in Washington vehement, die Verabschiedung des Gesetzes zu verhindern. Die amerikanische Regierung argumentiert, dass das Gesetz das Prinzip der Immunität souveräner Staaten schwächt, das sie – und damit auch die Vereinigten Staaten – vor Prozessen schützt. Die Befürworter des Gesetzes werfen der Regierung aber vor, die Initiative nur aus Rücksicht auf ihren Verbündeten abzulehnen und die Terroropfer hängen zu lassen.

Demokraten und Republikaner könnten sich im Kongress nun zusammentun, um Obamas Veto zu überstimmen. Dies wäre eine schwere Demütigung für ihn in seinen letzten Amtsmonaten. „Dies ist eine enttäuschende Entscheidung, die rasch und umfassend im Kongress gekippt wird“, sagte der demokratische Senator Chuck Schumer. „Wenn die Saudis nichts Falsches getan haben, sollten sie das Gesetz nicht fürchten. Wenn sie Mitschuld an 9/11 hatten, sollten sie zur Rechenschaft gezogen werden.“

_____

Time am 24. September 2016

_____

1) http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/amerika/11-september-obama-verhindert-klagen-gegen-saudi-arabien-14450741.html

Natürlich illoyal, natürlich illegal

24. September 2016

galgenvo%cc%88gel

Palarabische Galgenvögel
in der Knesset statt im Gefängnis

Der Mohammedanismus ist eine widerwärtige und bösartige Religion, und seine palarabischen Anhänger sind in der Regel besonders widerwärtig und bösartig. Lesen Sie einen Artikel von „Audiatur“ (1).

_____

Arabisch-israelische Partei unter Betrugsverdacht

Die israelische Polizei hat am Sonntagmorgen die Wohnungen und Büros Dutzender Aktivisten der israelisch-arabischen Knessetpartei Balad durchsucht.

Hochrangige Persönlichkeiten, Aktivisten, Anwälte und Buchhalter von Balad wurden wegen der mutmasslichen Beteiligung an einer Reihe von Straftaten im Zusammenhang mit Geldern festgenommen, die die Partei erhalten und für ihre Finanzierung verwendet hatte.

Dokumente und andere Materialien der Partei wurden beschlagnahmt und die Vermögenswerte und Bankkonten der Verdächtigen eingefroren. Es wurden aber keine Knessetabgeordneten der Balad-Partei verhaftet.

Laut Polizeisprechern stellte sich bei den seit mehreren Jahren laufenden Ermittlungen heraus, dass systematisch falsche Angaben über die Herkunft von einer Million Schekel (mehrere Hunderttausend US-Dollar) gemacht und somit die israelische Regierung hintergangen wurden.

Balad gab an, das Geld wäre von Hunderten Spendern in Israel zur Verfügung gestellt worden, die Polizei vermutet jedoch, dass die Mittel aus anderen Quellen in Israel und auf der ganzen Welt stammen. Bisher hat die Polizei keine weiteren Informationen zur Herkunft des Geldes veröffentlicht.

Mitglieder der Balad-Partei sollen eine Reihe von Finanzdelikten begangen haben, unter anderem Geldwäsche, Bilanzfälschung, Fälschung, schweren Betrug sowie verschiedene andere Verstösse gegen das Gesetz zur Parteienfinanzierung.

Im israelischen Parlament gehört Balad der Vereinten Liste an, einem Bündnis dreier mehrheitlich arabischen Parteien. Balad beschreibt sich selbst als „nationale Partei für die palästinensischen Bürger Israels“ und ist nationalistischer als die gemässigte, sozialistische Partei Chadasch und die islamisch-religiöse Vereinigte Arabische Liste.

Am Sonntagmorgen veröffentlichte die Partei eine Erklärung, in der sie die Anschuldigungen zurückwies und die Verhaftungen als „politische Verfolgung“ verurteilte.

„Dies ist eine gefährliche Eskalation und eine weitere Stufe der politischen Verfolgung der arabischen Minderheit und ihrer politischen Bewegungen“, hiess es in der Erklärung von Balad. „Dieses Vorgehen soll uns zum Schweigen bringen und unserer Rolle als Speerspitze im Kampf gegen Unterdrückung und Diskriminierung schaden.“

Die Balad-Partei ist für ihre Unterstützung der Palästinenser und ihren erbitterten Widerstand gegen die israelische Regierung bekannt. Parteimitglied Hanin Soabi befand sich 2010 an Bord des Schiffs „Mavi Marmara“, das auf dem Weg in den Gazastreifen von IDF-Streitkräften aufgehalten und gestürmt wurde. Kürzlich wurde sie dafür kritisiert, im Rahmen einer Knesset-Plenarsitzung israelische Soldaten als „Mörder“ bezeichnet zu haben.

Im Februar wurden Soabi und zwei weitere Balad-Knessetmitglieder, Jamal Zahalka und Basel Ghattas, vier Monate lang von allen Sitzungen der Knesset suspendiert, weil sie sich mit den Familien palästinensischer Terroristen getroffen und diese geehrt hatten.

Die aktuelle Untersuchung wurde vor mehreren Jahren nach einem Bericht des Staatskontrolleurs Joseph Schapira in die Wege geleitet und vom ehemaligen Generalstaatsanwalt Jehuda Weinstein in Übereinstimmung mit Empfehlung der Staatsanwaltschaft genehmigt. Die verdeckten Ermittlungen wurden von der Staatsanwaltschaft eng überwacht.

_____

Time am 24. September 2016

_____

1) http://www.audiatur-online.ch/2016/09/20/arabisch-israelische-partei-unter-betrugsverdacht/

Armut sinkt

23. September 2016

betteln

Dank der fast weltweiten Abschaffung des Bolschewismus bzw. der Etablierung der offenen Gesellschaft ist die Armut der Menschheit drastisch gesunken. Der Nazislahm hat dazu keinen positiven Beitrag gebracht. Lesen Sie einen Artikel von „FAZ.NET“ (1).

_____

Oxfam-Studie

99 Prozent der Deutschen überschätzen die weltweite Armut

In den vergangenen 20 Jahren hat sich die weltweite Armut halbiert. Bis zu den Deutschen hat sich das aber nicht herumgesprochen.

Die Erfolge im Kampf gegen die Armut in der Welt bleiben von vielen Menschen und besonders von Deutschen weitgehend unbemerkt. Weltweit glaubt jeder Zweite (48 Prozent) auch nicht, dass sein persönliches Engagement zur Überwindung der extremen Armut beitragen kann. Das geht aus einer Umfrage des niederländischen Forschungsinstituts Motivaction hervor, die die Entwicklungsorganisation Oxfam am Donnerstag in Berlin vorstellte.

Dass die Zahl der Menschen in extremer Armut in den vergangenen 20 Jahren weltweit um die Hälfte verringert werden konnte, wissen nur 0,5 Prozent der Deutschen. 92 Prozent der Deutschen gehen vielmehr fälschlicherweise davon aus, dass die Armut gleich geblieben oder angestiegen ist. 7 Prozent gehen von einer Abnahme um ein Viertel aus, berichtete Oxfam aus der Studie, die von der Bill und Melinda Gates-Stiftung finanziert wurde.

Die Deutschen sind pessimistischer

„Die Bekämpfung der Armut macht Fortschritte, aber der öffentliche Glaube daran fehlt“, sagte Martijn Lampert von Motivaction. Drei Viertel der Deutschen halten es auch für unwahrscheinlich, dass die Armut bis 2030 beseitigt werden könnte. Laut Studie sind die Deutschen insgesamt pessimistischer als der Weltdurchschnitt.

Aber auch 87 Prozent der Befragten weltweit nehmen an, dass die Zahl der Menschen in absoluter Armut konstant geblieben oder gestiegen sei. In China, das mit seinem Boom viele Millionen aus der Armut geholt hat, sind die Fortschritte allerdings am stärksten in den Köpfen der Menschen verankert. So sind die Chinesen auch entsprechend optimistisch, das weitere Erfolge erreicht werden können.

_____

Time am 23. September 2016

_____

1) http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/arm-und-reich/oxfam-umfrage-deutsche-ueberschaetzen-armut-14447805.html

Terrorist = Flüchtling

22. September 2016

jihad-baby

So wie der von ihnen innig bewunderte Unruhestifter Klo H. Metzel schrecken auch seine Nachfolger vom IS-IS vor keiner noch so widerwärtigen Greueltat und natürlich erst recht nicht vor dem Einsatz von Kindersoldaten zurück.

In einem Satz bringt es „FAZ.NET“ dabei fertig, einen 16-Jährigen einerseits als IS-IS-Terroristen und andererseits als „Flüchtling“ zu bezeichnen. Angesichts derartig weitverbreiteter intellektueller Unschärfe mutet es fast wie ein Wunder an, dass Deutschland nicht schon längst ein Schariastaat ist.

_____

Time am 22. September 2016

Regierung gefährdet sozialen Frieden

21. September 2016

faz

Wir haben eine gaaanz tolle Regierung, die gaaanz viel sieht. Derzeit sieht sie den „sozialen Frieden im Osten durch Fremdenhass gefährdet“.

Sie sieht aber nicht, dass der soziale Frieden vielleicht eher durch randalierende mohammedanistische junge Männer gefährdet ist, die Flaschen und Steine auf Polizisten werfen. Sie sieht den sozialen Frieden auch nicht durch Hassprediger, Jihadisten und Terroristen gefährdet.

Wenn einer ein Schild hochhält, auf dem steht: Kein Islam in Sachsen, dann bezeichnet sie diese freie Meinungsäußerung als Gefährdung der inneren Sicherheit, weil sie der Ansicht ist, dass der Islam sehr wohl zu Sachsen und ihm morgen die ganze Welt gehören muss.

Sie sieht nicht, dass immer mehr Bürger eine Wesensverwandheit zwischen dem Nationalsozialismus, dem Bolschewismus und dem Mohammedanismus erkennen. Sie sieht nicht, dass immer mehr Bürger ihr Vaterland nicht noch ein drittes Mal durch einen grausamen Totalitarismus beherrscht sehen wollen. Sie sieht nicht, dass es gar nicht um Fremdenhass geht sondern um die Abscheu vor einer blutrünstigen und perversen Ideologie, der Ideologie des Nazislahm, die tatsächlich vollständig dekonstruiert werden muss.

Oder aber sie sieht all das genau, aber weil sie dem Nazislahm mit aller Macht zum Durchbruch verhelfen will, darum diffamiert sie seine Kritiker als dumpfe Fremdenhasser und stempelt einen immer größeren Teil der Bürger als „rechtsradikal“ ab. Damit gefährdet sie selbst den sozialen Frieden.

_____

Bericht zur deutschen Einheit

Regierung sieht sozialen Frieden im Osten
durch Fremdenhass gefährdet

Die zunehmenden Fälle von Gewalt gegen Fremde in Ostdeutschland alarmieren die Bundesregierung: Sie sieht den gesellschaftlichen Frieden gefährdet und befürchtet auch wirtschaftliche Nachteile.

Die Bundesregierung befürchtet, dass wachsender Fremdenhass den gesellschaftlichen Frieden in Ostdeutschland gefährdet. Im vergangenen Jahr habe die Zahl der rechtsextremen und fremdenfeindlichen Übergriffe stark zugenommen, heißt es nach Informationen des „Handelsblatts“ im aktuellen Jahresbericht zum Stand der Deutschen Einheit, den das Kabinett an diesem Mittwoch erörtern will und der danach vorgestellt wird.

„Neben unzähligen Angriffen auf Flüchtlinge und ihre Unterkünfte sind gewalttätige Ausschreitungen wie in Heidenau und Freital zu Symbolen eines sich verfestigenden Fremdenhasses geworden“, zitiert das „Handelsblatt“ aus dem Bericht. Bei den Protesten gegen die Aufnahme von Flüchtlingen sei deutlich geworden, dass die Grenzen zwischen bürgerlichen Protesten und rechtsextremistischen Agitationsformen zunehmend verschwömmen.

„Besorgniserregende Entwicklungen“

Die Bundesregierung spricht von „besorgniserregenden Entwicklungen“, die das Potenzial hätten, „den gesellschaftlichen Frieden in Ostdeutschland zu gefährden“. Auch negative Konsequenzen für die Wirtschaft werden nicht ausgeschlossen.

„Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus und Intoleranz stellen eine große Gefahr für die gesellschaftliche, aber auch die wirtschaftliche Entwicklung der neuen Länder dar“, heißt es den Informationen zufolge in dem Bericht. „Ostdeutschland wird nur als weltoffene Region, in der sich alle dort lebenden Menschen zu Hause fühlen und am gesellschaftlichen Leben teilhaben, gute Entwicklungsperspektiven haben.“

_____

Time am 21. September 2016

_____

1) http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/bericht-zur-deutschen-einheit-regierung-sieht-sozialen-frieden-im-osten-durch-fremdenhass-gefaehrdet-14445692.html

Ihr perverses Schlachtfest

20. September 2016

kurban

Alle Jahre wieder begehen die Mohammedanisten ihr perverses Schlachtfest, bei dem Millionen von Säugetieren von Laien in aller Öffentlichkeit und auch vor den Augen der Kinder grausam massakriert werden.

Dann wird ein Teil des Fleisches verschenkt, und die Orks rühmen sich ihrer Freigiebigkeit, die zu anderen Zeiten des Jahres auf sich warten lässt, wie z.B. die nahezu nicht vorhandene Hilfe der Staaten der Orksphäre bei Naturkatastrophen zeigt.

Die Mohammedanisten nennen ihr Fest „Opferfest“, und sie tun so, als würden sie wer weiß was opfern, aber es sind die vielen Tiere, die ihr Leben opfern müssen.

So sieht das dann z.B. in den Straßen von Dhaka/Bangladesch aus:

dhaka01

dhaka02

dhaka03

Und so sieht das beim IS-IS aus:

isis

If you want blood – you’ve got it!

_____

Time am 20. September 2016

Gravierende Unterschiede

19. September 2016

integrationschance

Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, hat einen längeren Beitrag für „FAZ.NET“ verfasst (1).

_____

Folgen der Flüchtlingskrise

Erosion des Vertrauens

Die Bürger sind skeptisch, ob ihr Land die massenhafte Einwanderung verkraftet. Der Politik trauen sie die Lösung des Problems nicht zu.

Die Stimmungslage der Bürger ist zurzeit von einer ungewöhnlichen Konstellation geprägt: Die Zufriedenheit mit der eigenen materiellen Lage steigt seit Jahren kontinuierlich an, die Konsumfreude ist groß, und Sorgen um die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes treiben nur noch eine Minderheit um – ganz anders als noch vor zehn Jahren. Gleichzeitig ist der Zukunftsoptimismus der Bürger in den letzten zwölf Monaten regelrecht zusammengebrochen. Nur 36 Prozent der Bevölkerung sehen den kommenden zwölf Monaten hoffnungsvoll entgegen, die Mehrheit mit Skepsis oder sogar ausgeprägten Befürchtungen. Ähnlich düster war die Stimmung der Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten nur in Zeiten gravierender ökonomischer oder politischer Krisen, wie während der Ölkrisen, inmitten der Wirtschafts- und Finanzmarktkrise 2008, nach den New Yorker Anschlägen oder Anfang der neunziger Jahre, als eine Rezession und die Flüchtlingswelle vom Balkan zusammentrafen.

Willkommenskultur weit von der Gemütslage der Mehrheit entfernt

Was die Bürger heute verunsichert, sind vor allem der Flüchtlingszustrom, die Häufung von Terrorakten, die internationalen Krisen, die unkalkulierbar und auch fast unbeherrschbar erscheinen, und die innere Sicherheit in Deutschland. Inmitten der wirtschaftlichen Prosperität und robusten Konjunktur wächst das Bedrohtheitsgefühl der Bürger kontinuierlich an.

Der Zeitpunkt, zu dem der Optimismus zusammenbrach und einer tiefen Besorgnis wich, lässt sich eindeutig auf den Spätsommer des vergangenen Jahres datieren. Die Flüchtlingskrise, die zu diesem Zeitpunkt eskalierte, erschütterte und alarmierte die Bevölkerung. Dass eine Regierung die Kontrolle über die eigenen Grenzen verliert und Hunderttausende unregistriert ins Land strömen, war zuvor für die Bürger kaum vorstellbar. Die anfangs von Medien und Politik gefeierte Willkommenskultur war weit von der Gemütslage der Mehrheit entfernt, die schockiert und beklommen war.

Jeder Fünfte ist zuversichtlich

Mit den Flüchtlingszahlen bildete sich in diesem Jahr zwar auch die Beunruhigung der Bürger zurück. Die Mehrheit ist jedoch skeptisch, ob der Rückgang der Flüchtlingszahlen wirklich nachhaltig ist. Gleichzeitig sieht die Bevölkerung in den Flüchtlingen, die sich bereits im Land befinden und anerkannt oder zumindest geduldet sind, eine enorme Herausforderung, die die Herkulesaufgabe der ersten Unterbringung und Versorgung bei weitem übersteigt. 71 Prozent beurteilen die Integrationschancen skeptisch, lediglich jeder Fünfte ist hier zuversichtlich.

Das hat wenig mit Ausländerfeindlichkeit zu tun. Deutschland hat seit Jahrzehnten Millionen Bürger mit Migrationshintergrund. Die Mehrheit der Bevölkerung zählt aus anderen Ländern Zugewanderte zu ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis; das gilt insbesondere für die junge Generation, von denen die große Mehrheit mit ausländischstämmigen Kindern zur Schule gegangen ist. Die große Mehrheit zieht in Bezug auf diese Zugewanderten eine positive Bilanz, stuft sie als überwiegend gut integriert sein.

Fremde Wertvorstellungen

In Bezug auf die Flüchtlinge ist die große Mehrheit jedoch überzeugt, dass die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Integration eher ungünstig sind. Zu unterschiedlich sind nach der Einschätzung der Bürger die kulturellen Prägungen, zu groß der Rückstand an schulischer und beruflicher Bildung.

Dass vor allem gut Gebildete ins Land strömen und helfen, den Mangel an Fachkräften in einigen Branchen zu mildern, hielt die große Mehrheit zu keinem Zeitpunkt für plausibel. Die kulturellen Prägungen und Wertvorstellungen werden als völlig anders und fremd wahrgenommen. 90 Prozent der Bevölkerung sind überzeugt, dass sich Kultur und Wertvorstellungen der meisten Flüchtlinge gravierend von der deutschen Kultur und den anerkannten gesellschaftlichen Grundprinzipien unterscheiden. Die meisten denken hier nicht nur an die Gleichstellung von Mann und Frau oder die religiösen Überzeugungen, sondern auch an die Haltung zum Staat und die Bereitschaft, die Gesetze einzuhalten. Auch in Bezug auf die Kindererziehung und die Leitvorstellungen für das Familienleben unterscheiden sich nach der Einschätzung der großen Mehrheit die Vorstellungen gravierend.

Gleichstellung von Mann und Frau

Diejenigen, die in den letzten zwölf Monaten häufiger Kontakte zu Flüchtlingen hatten, sehen dies nicht wesentlich anders als der Durchschnitt der Bevölkerung. Sie betonen die unterschiedlichen Prägungen teilweise sogar noch stärker; dies gilt insbesondere in Bezug auf die Leitideen für das Familienleben und die Kindererziehung. Lediglich in Bezug auf die Einstellungen zum Staat und die Bereitschaft, sich an den geltenden Gesetzen und Regeln zu orientieren, sehen diejenigen, die in den letzten Monaten häufiger Kontakte zu Flüchtlingen hatten, tendenziell weniger Schwierigkeiten als der Durchschnitt der Bevölkerung. 61 Prozent der gesamten Bevölkerung, 55 Prozent der Bürger, die häufiger Kontakte zu Flüchtlingen hatten, gehen von signifikanten Unterschieden bei der Einstellung zum Staat und der Bereitschaft, Gesetze und Regeln einzuhalten, aus. In Bezug auf die Gleichstellung von Mann und Frau sehen 93 Prozent der gesamten Bevölkerung, 95 Prozent derjenigen mit Kontakten zu Flüchtlingen gravierende Unterschiede zwischen den Prägungen der Flüchtlinge und der deutschen Bevölkerung.

„Leitkultur“ ist kein Reizwort

Die Bevölkerung hat klare Vorstellungen von den Voraussetzungen einer erfolgreichen Integration: rascher Erwerb von Sprachkenntnissen, Integrationsbereitschaft, die Akzeptanz der Grundprinzipien der deutschen Gesellschaft, insbesondere der Gleichstellung von Männern und Frauen, Bildungsinteresse und die Bereitschaft, unter Deutschen zu leben, und sich nicht abzuschotten.

Die Bürger verstehen unter Integration nicht Assimilierung. Sie halten es jedoch für wichtig, dass bei ernsten Konflikten zwischen den kulturellen Prägungen aus dem Herkunftsland und der deutschen Kultur die Letztere den Vorrang hat. Der Begriff der Leitkultur, der in der öffentlichen Diskussion immer wieder zu Kontroversen führte, ist für die große Mehrheit kein Reizwort, sondern eine Selbstverständlichkeit. Ob Integration gelingt, hängt nach Überzeugung der meisten auch von der Entschiedenheit ab, mit der wesentliche Grundprinzipien im Alltag durchgesetzt werden. Dass beispielsweise weibliche Ärzte zurückgewiesen werden oder Frauen der Handschlag verweigert wird, ist nach Überzeugung der großen Mehrheit nicht tolerierbar.

Mehrheit nicht von Anschlägen überrascht

Die Beunruhigung über die noch lange nicht erfolgreich bewältigte Flüchtlingswelle ist jedoch nicht die einzige Quelle von Verunsicherung. Die Terroranschläge und Attentate in Frankreich, Belgien und neuerdings auch Deutschland unterminieren das Sicherheitsgefühl der Bürger.

Die Anschläge kamen für die Mehrheit keineswegs überraschend. Schon vor der Anschlagsserie fürchteten drei Viertel der Bevölkerung, dass es in absehbarer Zeit zu einem Terroranschlag in Deutschland kommt. Nach den Anschlägen waren ebenfalls drei Viertel überzeugt, dass dies erst der Anfang ist und weitere Anschläge drohen. 58 Prozent fürchten, dass man in Deutschland nie mehr so sicher leben kann wie zuvor. Knapp zwei Drittel haben sogar das Gefühl, dass Terror und Gewalt mittlerweile zu unserem Alltag gehören. Die Gefahren, die von radikalen islamistischen Gruppierungen für Deutschland ausgehen, treten immer mehr ins Bewusstsein der Bürger. Vor zehn Jahren veranschlagten 45 Prozent diese Gefahren als groß, im letzten Jahr bereits 68 Prozent, jetzt 77 Prozent.

Vertrauen in die Politik gesunken

Die wachsenden Sorgen über Terrorgefahren treffen auf ein gesellschaftliches Klima, das ohnehin von wachsender Besorgnis um die innere Sicherheit geprägt ist. Schon seit Jahren nimmt die Besorgnis über die Entwicklung von Gewalt und Kriminalität zu. Der Anteil der Bevölkerung, der sich in diesem Zusammenhang Sorgen macht, stieg seit 2014 von 52 auf 82 Prozent. Insbesondere Frauen haben heute den Eindruck, dass sie sich nicht mehr in ihrem Umfeld so frei bewegen können wie früher, ohne sich Risiken auszusetzen. Auch Einbruchdiebstähle beunruhigen der Bürger zunehmend. Zu diesen Risiken im Nahbereich kommt die Sorge, dass Deutschland in internationale militärische Konflikte hineingezogen werden könnte. Für zwei Drittel der Bürger ist dies eine reale Gefahr.

Die Zusammenballung von Risiken hat nicht nur das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung unterminiert, sondern auch das Vertrauen in die Politik. Insbesondere die Reaktion der etablierten Parteien auf die Flüchtlingskrise hat zu einer tiefen Entfremdung und zu Misstrauen geführt, ob sich die Ziele und Vorstellungen der Politik überhaupt noch näherungsweise mit denen der Bürger decken. Die politische Reaktion auf die Eskalation der Flüchtlingskrise war und ist teilweise noch von einem bemerkenswerten Konsens der im Parlament vertretenen Parteien geprägt. Von der Linken über die Grünen bis zu CDU und SPD wurde die Flüchtlingspolitik im letzten Jahr weitgehend mitgetragen – eine ungewöhnliche Konstellation bei einem Ereignis von derartiger Tragweite und Sprengkraft.

Renaissance der AfD

Der Schock, die Besorgnis der Mehrheit, hatte im Parlament kaum eine Stimme und wurde so politisch nicht aufgefangen. Dazu kam zeitweise eine Medienberichterstattung, die im Verbund mit dem breiten Konsens im Parlament ein gesellschaftliches Klima beförderte, in dem die Mehrheit der Bevölkerung plötzlich den Eindruck hatte, dass man vorsichtig sein müsse, sich überhaupt mit seiner Meinung zur Flüchtlingssituation zu exponieren. Die Berichterstattung der Medien zu diesem Thema wurde im letzten Jahr überwiegend kritisiert bis hin zum Vorwurf der „Lügenpresse“, der weit über den Kreis der Pegida- und AfD-Anhänger hinaus erhoben wurde.

Eine Folge des Eindrucks, weder in Medien noch in der Politik mit den eigenen Sorgen und Positionen Verständnis zu finden, war die Renaissance und Stärkung der AfD. Noch im Frühsommer letzten Jahres war sie durch die Abspaltung des Lucke-Flügels und die internen Querelen so geschwächt, dass sie deutlich unter 5 Prozent lag. Mit der Flüchtlingskrise und der Reaktion der im Parlament vertretenen Parteien auf diese Herausforderung nahm die Unterstützung für die AfD steil zu. In diesem Jahr bewegen sich die Zweitstimmenwahlabsichten zugunsten der AfD bisher zwischen 10 und annähernd 13 Prozent. Sämtliche Landtagswahlen sind zurzeit von diesem Höhenflug geprägt. Die Reaktion vieler Bürger auf die Erfolge der AfD bei Landtagswahlen zeigt eine Verbitterung über die im Parlament vertretenen Parteien, die weit über den Kreis der AfD-Anhänger hinausreicht. Nach den Landtagswahlen von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz begrüßten 46 Prozent der Bürger das Abschneiden der AfD mit dem Argument, dass die etablierten Parteien einen derartigen Denkzettel brauchen.

Vertrauenserosion schwächt besonders CDU

In der öffentlichen Diskussion wurde in den letzten Monaten immer wieder die AfD als das eigentliche Problem und Risiko dargestellt. Das eigentliche Problem ist jedoch der Vertrauensverlust der etablierten Parteien, die AfD das Ergebnis dieser Vertrauenserosion. Die Mehrheit der Bevölkerung kann bei keiner Partei überzeugende Konzepte für den Umgang mit der Flüchtlingssituation erkennen.

Dies schwächt besonders die Partei, die in der Verantwortung ist und die immer weitaus mehr als andere Parteien als Garant von Sicherheit gesehen wurde und in abgeschwächter Form auch noch gesehen wird – die CDU. War bei der letzten Bundestagswahl sogar die absolute Mehrheit in Reichweite, schwankt sie zurzeit in der Bandbreite zwischen 33 und 35 Prozent. Die anderen im Bundestag vertretenen Parteien profitieren davon kaum, sondern müssen auch kämpfen, um das Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen. Das ist angesichts der zahlreichen Krisen, für die es keine einfachen Lösungen gibt, nicht leicht. Gerade in diesem Umfeld wird Vertrauen rasch zerstört, aber nur schwer restauriert.

_____

Time am 19. September 2016

_____

1) http://www.faz.net/aktuell/politik/denk-ich-an-deutschland-1/erosion-des-vertrauens-14436667.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Chaim Noll: Bibel vs. Kloran (#3)

18. September 2016

monsterkloran

Lesen Sie Teil fünf, sechs und sieben der Reflexionen des deutsch-israelischen Schriftstellers Chaim Noll über Bibel und Kloran, die ich auf der „Achse“ gefunden habe.

_____

Nähe und Unvereinbarkeit von Bibel und Koran

Den Status von Gott geduldeter, sogar in die Gottesliebe einbezogener Fremder gibt es im Islam nicht. Der Begriff des „Andersgläubigen“ ist im Koran unbekannt, folglich gibt es auch keine Toleranz ihm gegenüber. Die Menschheit ist dort getrennt in Gläubige, denen die Gnade, Barmherzigkeit und Anleitung Allahs gelten, und Ungläubige, die nicht nur davon ausgeschlossen sind, sondern die der Gott des Islam in leitmotivischer Eindringlichkeit zu strafen und von der Erde zu vertilgen verlangt. Die Bestrafung soll sowohl durch Allah erfolgen als auch durch Muslime. Neben zahlreichen Stellen im Koran, die von Gott auferlegte Strafen und Torturen für Ungläubige beschreiben (Sure 2, Vers 189ff., Sure 3,103 und 126, Sure 4, 45, 50, 59, Sure 8,12, Sure 9, 5 u..a), gibt es auch die direkte Aufforderung an die Muslime, etwa in Sure 8 Vers 12: „Trefft sie oberhalb des Nackens und schlagt ihnen jeden Finger ab“. Oder den in Sure 4, Vers 105 ergehenden Aufruf zur Jagd auf Ungläubige: „Und lasst nicht nach, die Ungläubigen aufzuspüren.“

Wo es keine von Gott tolerierten Andersgläubigen gibt und keine anderen Wege zu Gott als den des Islam, kann es auch keine Gleichwertigkeit der Menschen vor dem Schöpfer geben. Das Konzept des Koran vom menschlichen Zusammenleben ist eine klare, sozusagen heilige Hierarchie, eine Unterteilung der Menschheit in zwei Klassen. Mensch erster Klasse ist nach Mohameds Lehre der gläubige muslimische Mann, neben ihm werden sowohl Frauen als auch Nicht-Muslime zu Menschen zweiter Klasse.

Die Frauen werden es dadurch, dass im Koran die Gottgewolltheit der männlichen Superiorität wieder eingeführt wird, jene archaische Vorstellung der frühen Völker, aus welcher das biblische Gesetz herauszuführen sucht. Die in der Bibel entwickelte Idee einer Gleichwertigkeit der Geschlechter wird von Mohamed nicht aufgegriffen, das in den mosaischen Büchern ausgearbeitete System zur Sicherung der Rechte der Frauen fast völlig ignoriert. In Mohameds Gesetz gilt eine Frau nicht einmal als selbständige juristische Person. Allah hätte, heißt es in Sure 4,38, den Männern Vorrang verliehen, auch das Recht, alle Angelegenheiten der Frauen zu bestimmen, und erwarte von den Frauen Gehorsam. Werde dieser verweigert, solle der Mann die Frau züchtigen.

Ein Koran-Vers als Aufruf zur Vergewaltigung

Die der Frau zugedachte Rolle beschreibt Sure 2, Vers 223: „Eure Frauen sind euch ein Saatfeld. Geht zu diesem Saatfeld, wann immer ihr wollt.“ Bereits die metaphorische Gleichsetzung eines Menschen mit einem Saatfeld, dem Inbegriff des Passiven und Wehrlosen, ist mit unserem Menschenbild unvereinbar. Sie wird noch übertroffen durch die Aufforderung zu vollständiger Willkür im Umgang mit dem zu passiver Hinnahme verurteilten Wesen. Nicht einmal so viel Recht soll der Frau gelassen werden, dass sie wenigstens den Zeitpunkt der männlichen Beiwohnung bestimmen darf. Nach westlichem Rechtsverständnis ist dieser Koran-Vers ein Aufruf zur Vergewaltigung. Die Metapher vom Saatfeld mit dem Zusatz „Wann immer ihr wollt“ ist die sprachliche Formel für völlige die Entrechtung, in unseren Augen Enthumanisierung der Frauen.

Wie wenig eine Frau im Koran als Persönlichkeit und Einzelwesen verstanden wird, belegt der Umstand, dass einzelne Frauen – jenseits der Sammelbezeichnung al-nisa, Frauen – im gesamten Text nicht in Erscheinung treten. Im Koran wird nur eine einzige Frau namentlich erwähnt, und diese Einzige ist auch noch der Bibel entnommen: Maria, die Mutter Jesu. Wenn man bedenkt, welche prominente Rolle Frauen in der Bibel spielen, als Prophetinnen, Königinnen, Führerinnen des Volkes, als Mütter und Partnerinnen, als Symbole der Tapferkeit, Klugheit und Retterinnen in der Not, welchen Reichtum an unvergesslichen Frauengestalten die Bibel entfaltet, dann vertritt der Koran, in dem es überhaupt keine Frauenfiguren gibt (außer einer einzigen, der Bibel entliehenen) hier das diametrale Konzept zum biblischen.

Das Menschenbild des Koran ist kein freies, sondern ein hierarchisches, von vornherein politisch geprägtes. Die viel zitierte Toleranz islamischer Herrscher, etwa zur Zeit der Okkupation Spaniens, kann nur vor dem Hintergrund dieser Hierarchie verstanden werden. Es ist keine Toleranz unter Gleichen, eher Indifferenz gegenüber Unterworfenen. Da der jihad, der Heilige Kampf, wie er der „Gemeinschaft der Gläubigen“ geboten ist, nicht primär die Missionierung der Ungläubigen zum Ziel hat, sondern die territoriale Ausdehnung des Reiches der Gläubigen, des dar al-islam, verhält sich die herrschende muslimische Männerkaste, wenn das fremde Gebiet einmal erobert ist, weitgehend indifferent gegenüber den Unterworfenen. Diese müssen das Steueraufkommen des Gebiets erbringen und andere Kontributionen und Menschenopfer entrichten, wie etwa im Osmanischen Reich den Knabentribut, und solange sie es tun, lässt man sie weitgehend bei ihren Sitten und Gebräuchen.

Loyal nur dem Sultan gegenüber

Der Knabentribut (devsirme) ist ein Beispiel für die im Osmanischen Reich üblichen Opfer der unterworfenen Völker: „Alle paar Jahre gingen die Osmanen in ein, sagen wir, serbisches Dorf und griffen sich dort die kräftigsten und klügsten Jugendlichen (…) In der Türkei absolvierten diese eine anstrengende sieben Jahre dauernde Ausbildung: schwere körperliche Arbeit zur Kräftigung ihrer Körper, Unterweisung im Islam und in der Türkischen Sprache. Jene, die sich in Sport und Kriegskunst hervortaten, wurden als Kadetten des Janitsharen-Korps ausgesucht, als ‚Männer des Schwertes‘. Ihrer Familienbindungen beraubt, kannten sie keinen Interessen-Konflikt und waren loyal nur dem Sultan gegenüber.“ Max Weber nannte eine auf Sklavendienst basierende Herrschaftsform folglich „Sultanismus“: „Im Sultanismus rekrutiert der Herrscher seinen Stab aus Ausländern und Sklaven. Weil diese in der Gesellschaft, die zu regieren sie helfen, wenig Rückhalt haben, sind sie auf die Gnade ihres Herrn angewiesen. Deshalb sind Ausländer und Sklaven die besten Werkzeuge für Willkürherrschaft.“

Doch die Ausbildung zu Werkzeugen des Herrschaftsapparates ließ die herrschende muslimische Männerkaste nur wenigen angedeihen. Gegenüber der großen Masse der Unterworfenen blieb sie, was deren Glauben betraf, relativ gleichgültig. Der Historiker Henri Pirenne nennt den wohl wichtigsten Grund: „Allah ist der Einzige Gott“, heißt es in seinem Buch „Mohammed et Charlemagne“ über die islamische Invasion Europas, „und daher wäre es logisch, dass seine Diener (die muslimischen Männer – Ch.N.) es als ihre Pflicht verstehen, die Ungläubigen zum Gottesgehorsam zu zwingen. Was sie jedoch beabsichtigten war nicht, wie man denken könnte, deren Konversion, sondern ihre Unterwerfung.“

In den vom Islam eroberten Ländern bestand das vorrangige Interesse der neuen Herrscher in der Einführung der islamischen Zwei-Klassen-Ordnung, eines Systems von Tributzahlungen und Sklaverei. Anders verhält es sich in nicht islamisch beherrschten Gebieten: Hier ist das Gewinnen von Konvertiten „eine permanente Pflicht“ des gläubigen Muslim, der individuelle Teil des Gebots vom jihad. Solange die muslimische Männerkaste nicht die politische und militärische Herrschaft des Gebietes gesichert hat, zählt jeder einzelne Proselyt. Ob im Falle von Sklaven mit der Konversion ihre Freilassung verbunden ist, bleibt im Koran unausgesprochen. Anders im biblischen Text: Der Eintritt eines Sklaven in die biblische Religion (ger zedek) führte automatisch zu der (in 2 Moses 21,2 und 5 Moses 15,12-18) gebotenen Freilassung.

In den humanen Gesetzen gegenüber Unfreien und Fremden lag einer der revolutionären Aspekte, die den jüdischen, später christlichen Glauben so anziehend für die Sklaven des römischen Imperiums machten, welche ihm in großen Scharen zuströmten. Dagegen schafft der Koran durch das „gottgewollte“ Privileg der Gläubigen gegenüber den Ungläubigen einen unangreifbaren Vorwand für das Prinzip lebenslanger Versklavung. „Mit dem Islam“, findet der deutsche Orientalist Hans-Peter Raddatz, „wird der Herrschaftsanspruch des Menschen über den Menschen welthistorisch reaktiviert“.

Die im dar al islam „gottgewollt“ herrschende muslimische Männerkaste fühlt sich zur Unterwerfung aller Anderen legitimiert, weil sie selbst ihr Leben in totaler Unterwerfung verbringt, unter den Willen Allahs, wie es im Wort islam zum Ausdruck kommt. Aus der Forderung bewusster Selbstaufgabe ergibt sich eine weitere Unvereinbarkeit des koranischen Konzepts mit dem biblischen: die Frage betreffend, ob dem Menschen von Gott die Freiheit der Entscheidung zugestanden wird. Schon frühe jüdische und christliche Quellen weisen auf diesen Unterschied zwischen biblischem und islamischem Denken hin, etwa der Dialog des Johannes von Damaskus mit einem Sarazenen, ein christlicher Text aus dem 8.Jahrhundert. Der Christ Johannes von Damaskus erklärt den biblischen Standpunkt, wie in 5 Moses 30, 19 dargelegt: dass Gott dem Menschen die „freie Wahl“ zwischen dem Guten und dem Bösen überlassen hätte.

Direkte Folge einer religiös motivierten Hoffnungslosigkeit ist die Vernachlässigung des individuellen Menschenlebens

Darüber zeigt sich sein muslimischer Gesprächspartner erstaunt: nach seinem Dafürhalten sind alle Handlungen der Menschen, gute wie böse, bis ins Detail von Allah vorherbestimmt. Sein Erstaunen reflektiert die Haltung der orthodoxen islamischen Theologie. Das Gegenargument des Johannes war, dass der Mensch, falls ihm Gott nicht freien Willen zugestanden hätte, auch nicht für seine Untaten verantwortlich gemacht werden könne. „Dann würden auch alle menschlichen Pläne und Bemühungen um Verbesserung und Fortschritt vergeblich sein“, heißt es dazu summarisch in der Lehre Buddhas, die den jüdisch-christlichen Standpunkt teilt und den islamischen verwirft. „Es ist kein Wunder, dass Menschen, die dieser Vorstellung verhaftet sind, alle Hoffnung verlieren und ihre Bemühungen vernachlässigen, weise zu handeln und Böses zu vermeiden“.

Direkte Folge einer religiös motivierten Hoffnungslosigkeit ist die Vernachlässigung des individuellen Menschenlebens, zunächst der Qualität des Lebens, dann des Lebens selbst. Sie zeigt sich nicht nur in den Selbstmordattentätern, die sich offenbar freudig für eine in unseren Augen sinnlose Sache opfern wie das Zünden von Bomben und Töten anderer Menschen (Muslime wie „Ungläubige“), sondern – noch unbegreiflicher – in der seltsamen Schicksalsergebenheit großer Menschenmassen, die über Jahrhunderte despotische Herrscher, Gewalt und Korruption, ein Leben in Elend und Bevormundung ohne Widerstand erduldet haben.

In der Geringschätzung des eigenen Lebens liegt nach biblischer Vorstellung eine Missachtung der Werke des Schöpfers. Daher wird in der Bibel der Selbstmord abgelehnt: unter Berufung auf 1 Moses 9,5 gilt Selbsttötung als Tötung menschlichen Lebens, der Selbstmörder folglich – von wenigen Ausnahmefällen abgesehen – als Mörder. Im Islam wird dagegen für ein mit der Tötung anderer Menschen verbundenes Selbstopfer „gewaltiger Lohn“ verheißen, es wird sogar einem Sieg gleichgesetzt (Sure 4,74). Diese Art Märtyrertum, shahid, ist mit dem biblischen Menschenbild unvereinbar, auch wenn es im Christentum, vor allem in seiner frühen Phase, zahlreiche Martyrien gegeben hat: sie galten jedoch nicht, wie im Islam, der Tötung anderer, sondern waren, im Gegenteil, zu deren Rettung gedacht.

Das Martyrium des shahid ist die intimste Form des Menschenopfers. Die Geringschätzung des eigenen Lebens impliziert die Geringschätzung von menschlichem Leben überhaupt, das Selbstopfer verschafft dem Opfernden eine Pseudo-Legitimation zum Opfern anderer. Diese Haltung wird vom Koran gepriesen. Im Gegensatz dazu lehnt der Gott der Bibel jegliches Menschenopfer ab. Als Abraham seinem Gott den eigenen Sohn opfern wollte, eine in der Alten Welt übliche Praxis, sandte der biblische Gott einen Engel, um ihn daran zu hindern (1 Moses 22, 1-19). Hierin lag die erste revolutionäre Botschaft der Bibel, der Grundstein des humanen Zeitalters. Mit der Belohnung des shahid – zumal, wo es mit der Tötung anderer verbunden ist – hat der Islam die Rückkehr zum Menschenopfer vollzogen und den humanen Ansatz der Bibel aufgehoben.

Krieg und Frieden: Die in unseren Augen geringe Wertschätzung des einzelnen Menschenlebens liegt im jihad begründet, dem der islamischen Glaubensgemeinschaft gebotenen heiligen Kampf zur weltweiten Durchsetzung des Islam. Der Prophet lässt keinen Zweifel daran, dass dieser Kampf erst dann zu Ende sein kann, wenn alle Menschen Allah anbeten und die Gebote erfüllende Muslime sind (Suren 8,39; 61,9 u.a.). Während es missionierenden Christen erklärtermaßen um das Gewinnen von Individuen geht – Jesus bezeichnete seine Jünger als „Menschenfischer“ (Matthäus 4,19) – geht es dem Islam um die Ausweitung des dar al Islam, also um die Beherrschung von Völkern und Territorien.

Das biblische Volk führte eine Reihe von Kriegen zur Gewinnung und Sicherung des ihm versprochenen Landes, wobei dieses Land per definitionem begrenzt ist und seine Grenzen mehrmals im Text genau bezeichnet werden (2 Moses 23,31; 4 Moses 34,3 u.a.) Kein einziger dieser antiken Kriege wurde mit einem generellen Vorrecht des biblischen Volkes begründet, „Gläubige“ zu sein und daher Anspruch auf „ungläubiger“ Völker Land zu haben. Für das biblische Volk tritt ein Gefühl des Friedens bereits ein, wenn das Gebiet zwischen Dan und Beer Sheva gesichert ist (1 Könige 5,5), nicht erst, wie im Koran, wenn sich das Reich des Islam über die ganze Welt ausgebreitet hat.

Anthropologischer Prozess: Anthropologisch gesehen, ist der in den Mosaischen Büchern für das Volk der Hebräer vorgeführte Prozess, wie Morris S.Seale formuliert, „ein Wechsel in der Lebensweise von revolutionärem Ausmaß. Sie ließen die Gesetzlosigkeit der Wüste hinter sich, für die Gesetzlichkeit einer niedergelassenen Gesellschaft. Die Mosaischen Bücher können daher als Übungsbuch (im englischen Original: training manual) für ein Volk verstanden werden, das sich auf den schweren Weg in Richtung Humanität und Zivilisation begibt.“ Die nomadische Lebensweise ist dagegen der Zwang zu ständiger Expansion. Nomadisch lebende Völker – in ihrem notgedrungenen Kampf um die elementaren Subsidien des Lebens wie Wasserstellen und Weideland – sind per se kriegerisch.

Daher ist die im Gesetz vom Sinai regulierte Gesellschaftsform eine sesshafte. Die Feste der Juden sind landwirtschaftliche Feste, angeordnet im Zyklus von Saat, Reife, Ernte, symbolisiert in drei Pilgerreisen zum Tempel zur Darbringung von Erstfrüchten. Auch Jesus bewegte sich in dieser landwirtschaftlichen Welt, fast alle seine Gleichnisse sind ihr entnommen. Die Feste der Christen folgen dem alten landwirtschaftlichen Zyklus der jüdischen, unter Hinzufügung einer weiteren, nun mit der Gestalt Jesus verbundenen Komponente.

Im Koran ist dagegen kaum irgendwo von Angelegenheiten der Landwirtschaft und sesshaften Lebens die Rede. Das dort propagierte Bild vom Muslim ist das Bild eines Kämpfers und Kriegers. Auch im späteren Schrifttum genießt die Arbeit in der Landwirtschaft (überhaupt in irgendeiner Form friedlicher Wirtschaft) kein großes Ansehen. Die Überlieferung des Hadit, schreibt ein muslimischer Geistlicher, Maulana Muhammad Ali, „spricht davon als von einer verdienstvollen Handlung, warnt aber zugleich davor, dass jene, die sich ganz der Wirtschaft widmen, nicht fähig sind zu großen und glorreichen Taten“.

Beide Bücher, Bibel und Koran, lassen sich als Anleitung verstehen, wie Völker aus wildem Nomadentum, Faustrecht und Stammeskriegen herausfinden können. Doch sie zeigen verschiedene Wege und Ziele. Ein früher Unterschied liegt im Verhältnis zum Land: in der Bibel ein fest umrissenes Gebiet, das intensiv kultiviert werden soll, um die darauf Lebenden zu ernähren, im Koran ein – nun aus religiösem Grund – ständig zu erweiterndes Territorium. Der Koran enthält einen erneuten Aufruf zum Nomadentum, diesmal zu einem globalen, von der „Gemeinschaft der Gläubigen“ gemeinsam unternommenen. „Das Wandeln auf dem Weg Allahs bedeutet die Ausbreitung des Islam durch den Glaubenskrieg“, schreibt Franz Rosenzweig. „In dem gehorsamen Beschreiten dieses Weges (…) findet die Frömmigkeit des Muslim ihren Weg in die Welt.“

_____

Time am 18. September 2016
_____

http://www.achgut.com/artikel/naehe_und_unvereinbarkeit_von_bibel_und_koran_5
http://www.achgut.com/artikel/naehe_und_unvereinbarkeit_von_bibel_und_koran_6
http://www.achgut.com/artikel/naehe_und_unvereinbarkeit_von_bibel_und_koran_7

Chaim Noll: Bibel vs. Kloran (#2)

17. September 2016

Lesen Sie Teil drei und vier der Reflexionen Chaim Nolls über Bibel und Kloran, die ich bei der „Achse“ gefunden habe.

_____

Nähe und Unvereinbarkeit von Bibel und Koran

Eine Besonderheit von Mohammeds Vortrag mögen die krampfartigen Zustände gewesen sein, die ihn in visionärem Zustand befielen und die von seinen Zuhörern in Ehrfurcht abgewartet wurden. Man wertete sie als Augenblicke der Inspiration, der höheren Beseeltheit, des Empfangens der Botschaft. Sie können einer der Gründe für den in manchen Suren auffallend abrupten, verwirrenden Wechsel des Themas, der Stimmung, des Erzähl-Duktus sein, für die oft erstaunlichen Abweichungen von einem „plausiblen“ Erzählverlauf. „The Suras“, findet der englische Arabist Arthur J.Arberry, „are not arranged in any chronological order“. Der Koran ist nach abendländischem Verständnis eindeutig ein Werk der Dichtkunst, eher inspirativ und irrational gewachsen als in absichtsvoller Systematik. „Der größte Dichter bist Du, oh großer Prophet von Mekka…“, schrieb Heinrich Heine. Einige Jahrzehnte später schildert ihn Rilke als Analphabeten und „innen verwirrten Kaufmann“.

Einer der am häufigsten erhobenen Einwände gegen Mohameds Botschaft ist der unbestreitbare Tatbestand, dass ihre Adressaten, die mit „ihr“ angeredeten Empfänger des Textes, ausschließlich Männer sind. Das Männerparadies des Koran, die „immerjungen Mädchen“ und „Fontänen von Wasser“, sind Beleg für die Mittel, mit denen der Text arbeitet, um seine Leser zur Aktion zu bewegen (…) Außer Versprechen und Verheißung benutzt er dazu noch andere: Warnung, Drohung, Ankündigung von Strafe. Das harte Nebeneinander sanft gewinnender und aggressiv-polemischer Passagen wurde zum stilistischen Prinzip, da der Koran ein Buch der Abgrenzung ist. Die üppigen Darstellungen vom Paradies erweisen sich als notwendiger kompositorischer Ausgleich in einem Text, der auf dieser Welt vor allem eines fordert: absolute Unterwerfung. „Es ist ein Weg des Gehorsams“, schreibt Franz Rosenzweig. „Das unterscheidet ihn, mehr als sein Inhalt, von der Liebe des Nächsten“.

Verbindlichkeit des Textes (textus receptus): Die für Europäer ohnehin schwierige Rezeption des Koran wird noch schwieriger durch die nicht gesicherte Eindeutigkeit des Textes. Bis heute variieren seine „Lesarten“ (tafsir al koran) so erheblich, dass bereits das Lesen des Textes eine erste Interpretation darstellt. „Es gibt keinen uniformen Koran-Text“, schreibt Ignaz Goldziher in seinem Standardwerk „Die Richtungen der Islamischen Koranauslegung“. Unter den Ursachen für die Mehrdeutigkeit des Textes sind sprachliche, vor allem die „Eigentümlichkeit der arabischen Schrift, in der dasselbe grafische Skelett je nach der Verschiedenheit und der Anzahl der über oder unter dasselbe gesetzten Punkte verschiedene Lautwerte darstellt.“

Der inner-islamische Hass ist oft stärker
als der auf die „Ungläubigen“

Hinzukommen zahlreiche andere Gründe für die Strittigkeit einzelner Worte und Passagen des Koran-Textes, nicht zuletzt politische. So hat die schiitische Richtung des Islam seit der frühesten Zeit ihres Auftretens die Integrität der othmanischen Textgestaltung bezweifelt und abgelehnt. Diese enthalte, behaupten die Schiiten, gegenüber dem echten Koran Mohameds unzulässige Änderungen und Zusätze, während andere Passagen des authentischen Textes durch Weglassung getilgt worden seien.

Allerdings können sich auch die Schiiten nicht auf einen „von ihnen bedingungslos anerkannten und integren Korantext“ einigen, daher nichts zur Überwindung des Problems beitragen. Der inner-islamische Krieg um die Nachfolge des Propheten, begonnen im siebenten Jahrhundert, hat bis heute kein Ende gefunden. Er nährt sich aus dem unheilbaren Schisma, das bereits mit der jeweils für heilig erklärten arabischen Fassung des Korantextes beginnt und seit Jahrhunderten ein unerschöpfliches Potential für inner-islamische Spaltung, Sektenbildung und politische Fragmentierung darstellt, einen Vorwand für Kriege und blutige Gewalt.

Letztlich lassen sich inner-islamische Kämpfe im Mittleren Osten, wie sie heute etwa zwischen Schiiten und Sunniten im Irak, im Libanon, Jemen, oder zwischen dem schiitischen Iran und dem sunnitischen Saudi-Arabien in einer die ganze Region entflammenden Erbitterung und Grausamkeit ausgebrochen sind, bei Bedarf immer auf diese Jahrhunderte alten Uneinigkeiten in der Textfassung zurückführen. Der inner-islamische Hass ist oft stärker als der auf die „Ungläubigen“. Die Unfähigkeit der islamischen Fraktionen, sich auf eine verbindliche Textfassung zu einigen, deutet auf eine gering entwickelte Kultur der Konsensfindung, eine geringe Bereitschaft zu sinnvollen Kompromissen, die sich auch auf andere Bereiche des Lebens auswirken muss.

„Zäune für die Tora“

Für die Bibel besteht ein solches Problem nicht. Spätestens seit der Synode von Javne um 90 unserer Zeit ist der hebräische (in einigen Abschnitten aramäische) Original-Text in bis heute verbindlicher Eindeutigkeit fixiert. Seit dem dritten bis zweiten vorchristlichen Jahrhundert existiert zudem eine von Juden verfertigte, später von den Christen übernommene griechische Übersetzung, die Septuaginta (in die auch einige nicht-masoretische Texte aufgenommen wurden, die sogenannten Apokryphen). Sie liegt in der leicht bearbeiteten Version des Origines, der Hexapla, den meisten späteren Übersetzungen zugrunde, auch der lateinischen Vulgata-Fassung des Hieronymus, die für die katholische Kirche verbindlich ist. Einen eigenen Weg ging die syrische Kirche, die im Aramäischen blieb und einer aus dieser Sprache kommenden, peshita („die Einfache“) genannten Fassung folgt.

Unbestreitbar hat es auch im Judentum verderblichen Fanatismus gegeben und im Christentum Kreuzzüge, Hexenwahn und Inquisition. Doch im Unterschied zum Koran sind solche Missbräuche nicht durch den biblischen Text selbst geboten. Zudem hat, wo das Missverständnis lebensgefährlicher Interpretation im biblischen Text bestehen mag, die über Jahrtausende gewachsene Text-Betrachtung dem biblischen Kanon ein ergänzendes Gesetzeswerk von Adaptionen, Diskussionen und Spezifizierungen zur Seite gestellt, „Zäune für die Tora“, wie man im rabbinischen Judentum sagt, die den Missbrauch des Textes ins Lebensbedrohliche verhindern sollen. Ähnliches unternahm die christliche Theologie. Die ständige Analyse und Auslegung des Ur-Textes im Sinne humaner Lebbarkeit ist in Juden- und Christentum seit langem ein selbstverständliches Vorgehen.

Im Islam sind text-analytische Ansätze traditionell behindert. Der Prophet selbst hat vor derlei „Mutwillen“ gewarnt: „Und wenn du solche siehst, die über unsere Zeichen grübeln, so wende dich von ihnen ab.“ (Sure 6,68) Mohameds Freund und Nachfolger (im Amt des ersten Khalifen) Abu Bekr wird der Spruch zugeschrieben: „Wie könnte mich die Erde tragen oder der Himmel beschatten, wenn ich über den Koran nach meiner subjektiven Meinung spräche, als über etwas, wovon ich nichts verstehe.“ Noch strikter lehnt der maßgebliche Theosoph at-Tirmidi jede nicht durch muslimische Autoritäten gebilligte Beschäftigung mit den „heiligen Texten“ ab: „Wer den Koran nach Gutdünken erklärt, ist dadurch ein Ungläubiger.“

Das Menschenbild: „Gott ist gütig gegen alle, und sein Erbarmen waltet über all seinen Geschöpfen“, heißt es in Psalm 145,9. In dieser Textstelle wird – stellvertretend für viele – das entscheidende Kriterium des biblischen Menschenbildes ausgesprochen: die Gleichwertigkeit aller Menschen vor dem Schöpfer. Das Volk der Bibel hält sich nicht für besser oder moralischer als andere Völker und Religionen. Die hebräische Bibel versucht nirgendwo, Israel zu glorifizieren. Eher das Gegenteil: alle seine Schwächen und Verfehlungen werden in einer manchmal erschreckenden Offenheit dargestellt.

Die „Erwähltheit“ des biblischen Volkes ist als Verpflichtung gemeint, als kritischer Anspruch an sich selbst, nicht als Erhöhung über andere. Der Text betont, dass die Flüchtlinge aus Ägypten, die am Berg Sinai das Gesetz empfingen, nur zu einem Teil Hebräer waren, zum anderen Teil Unterdrückte und Verzweifelte anderer Völker, die sich ihnen angeschlossen hatten, im hebräischen Original erev rav (a mixed multitude in der King James Bible, fremdes Volk in der Luther-Bibel), und diese Fremden „stiegen mit Israel auf“, wie das Verb alah im Hebräischen wörtlich meint, sie nahmen das Gesetz an wie die Hebräer, und schon von daher ist das Sein und Wesen Israels seit seiner eigentlichen Geburtsstunde mit Fremden verbunden.

Den Fremden sollt ihr nicht bedrücken, heißt es immer wieder in den Mosaischen Büchern, denn ihr seid selbst Fremde gewesen in Ägypterland. Die für die Völker der alten Welt unübliche Wertschätzung des „Anderen“ – gemeint im Sinne von „Anderssein“ – begann bei den Frauen. Die zunächst in 1 Moses 3,16 ausgesprochene, von den frühen Völkern als „gottgewollt“ angesehene Superiorität des Mannes gegenüber der Frau wird schon wenig später im selben Buch für die hebräischen Patriarchen korrigiert. In der Abraham-Sarah-Geschichte wird dem Stammvater von seinem Gott geboten, fortan auf seine Frau zu hören: „In allem, was dir Sarah sagt, höre auf ihre Stimme“ (1 Moses 21,12). Die Aufforderung erfolgt in derselben sprachlichen Formel – im Hebräischen sh’ma b kolah – mit der sonst geboten wird, auf das Wort Gottes oder seiner Sendboten zu hören.

Die Unterwerfung der Frau konnte nicht mehr
für „gottgewollt“ erklärt werden

Von da an ist in der biblischen Sphäre die Unterwerfung der Frau unter den Willen des Mannes aufgehoben, zumindest in Frage gestellt. Wo sie dennoch gesellschaftliche Gepflogenheit blieb, konnte sie jedenfalls nicht mehr für „gottgewollt“ erklärt werden. Die Behauptung der Gottgewolltheit eines solchen Vorrechts wird in der Bibel nirgendwo mehr erhoben. Zwei Stellen im Neuen Testament, in Briefen des Paulus, die einen Aufruf zur Unterordnung der Frau enthalten, berufen sich gleichfalls nicht auf Gottes Wort, sondern geben ausdrücklich die Ansicht des Apostels wieder.

Auch über den Fremden oder Andersgläubigen besteht nach biblischem Verständnis kein gottgewolltes Vorrecht des „Gläubigen“ – so wie kein gottgewolltes Vorrecht des Mannes gegenüber der Frau besteht. Beide Relationen werden oft im biblischen Text verknüpft, das Verhältnis zu den Fremden und das zu den Schwächeren im eigenen Volk, zu den Frauen und Kindern, den ökonomisch Abhängigen und Unfreien, meist in der Metapher ihrer ohnmächtigsten, schutzbedürftigsten Gruppe, der „Witwen und Waisen“.

Im Besonderen wird in der Bibel das Verhältnis zu denen geregelt, die anderen Glaubens sind. Schon zu antiken Zeiten lebten sie zahlreich unter den Juden, als „dein Fremder, der in deinen Toren wohnt“ und wurden (und werden bis heute) in jüdische Segenssprüche eingeschlossen, sogar in den Shabat-Segen. Die biblische Toleranz gegenüber allen Andersgläubigen wird im Buch des Propheten Micha 4,5 verbindlich formuliert: „Mag jedes Volk im Namen seines Gottes wandeln, während wir im Namen unseres Gottes wandeln werden für immer“. Der Bund des biblischen Volkes mit Gott gilt nur für die, die durch Geburt darin einbezogen sind oder sich freiwillig anschließen, die übrige Menschheit mag andere Zugänge zu Gott oder Göttern finden, sie gilt als gerechtfertigt durch die noachidischen Gesetze oder die Disziplin ihrer jeweiligen Religionen.

Unter Berufung auf andere Stellen der hebräischen Bibel ermutigt das Neue Testament zu einer friedlichen Mission unter Andersgläubigen. Diese entwickelte sich aus ihren noch ganz auf inner-jüdische Mission bezogen Anfängen zu jenem „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker“ (Matthäus 28,19). Alle der Mission geltenden Textstellen im Neuen Testament meinen ohne Zweifel die Bekehrung von Individuen, nicht ihre massenhafte Unterwerfung oder das Erobern von Gebieten. Der Text der Evangelien äußert keine Drohungen oder Strafen gegenüber denen, die sich der Bekehrung entziehen. Missbräuche seitens der Kirchen ändern nichts an der ursprünglichen christlichen Idee einer spirituellen Überzeugungsarbeit ohne gewaltsamen Nachdruck.

_____

Time am 17. September 2016

_____

http://www.achgut.com/artikel/naehe_und_unvereinbarkeit_von_bibel_und_koran_3
http://www.achgut.com/artikel/naehe_und_unvereinbarkeit_von_bibel_und_koran_4