Closing TIME

31. Dezember 2020

Sehr geehrte Kommentatorinnen und Kommentatoren,
liebe Leserinnen und Leser.

Ich werde die „Madrasa of Time“ hiermit schließen (obgleich ich grade superviele Anfragen habe).

Ich lasse das Blog noch ein bisschen offen zum Stöbern, aber es wird komplett geschlossen werden, weil ich in Zukunft Privatmann (lat.: idiotus) sein möchte.

4.539 Beiträge und 8.260 Kommentare können Sie hier lesen, seit 2009 steht das Blog online.

Wir haben einen kleinen Beitrag zur Totalitarismusforschung und zur Dokumentation des Counterjihad geleistet. Die Zukunft ist offen.

Allerdings nicht für den Nazislahm – er wird verschwinden, so wild er sich derzeit auch gebärdet.

Ich werde nicht bedroht und bin nicht krank, aber ich will meinen Blick mal wieder auf etwas Heiteres richten (z.B. die neue Scheibe von ACDC).

Ich wünsche Ihnen alles Gute und Gottes Segen!

Ihr T+I+M+E

am 31. Dezember 2020

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P.S., ein letzter Soundtrack:

Soul Kitchen

Well, the clock says it‘s time to close now
I guess I‘d better go now
I‘d really like to stay here all night
The cars crawl past all stuffed with eyes
Street lights share their hollow glow
Your brain seems bruised with numb surprise
Still one place to go
Still one place to go

Let me sleep all night in your soul kitchen
Warm my mind near your gentle stove
Turn me out and I‘ll wander baby
Stumblin‘ in the neon groves

Well, your fingers weave quick minarets
Speak in secret alphabets
I light another cigarette
Learn to forget, learn to forget
Learn to forget, learn to forget

Let me sleep all night in your soul kitchen
Warm my mind near your gentle stove
Turn me out and I‘ll wander baby
Stumblin‘ in the neon groves

Well the clock says it‘s time to close now
I know I have to go now
I really want to stay here
All night, all night, all night

Hier die Performance von Mitch Ryder
https://www.youtube.com/watch?v=hfn2EYSZfFs

Frohe Weihnacht

24. Dezember 2020

Alles Gute zu Weihnachten wünscht Ihnen Ihr

T+I+M+E

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Time am 24. Dezember 2020

Eine lange Tradition der Säkularität

24. Dezember 2020

Lesen Sie einen Artikel von Agnes Imhof von „FAZ.NET“ (1).

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Säkulare Migrantinnen

Die Fesseln der Herkunft

Es hat sich eingebürgert, Migranten als Mitglieder von Kollektiven zu sehen, die wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer Kultur oder Religion geschützt werden müssen. Nicht wenige von ihnen fliehen aber gerade deshalb nach Europa, weil sie von kulturellen oder religiösen Geboten in ihrer Heimat unterdrückt werden. Auch Migranten sind Individuen, die mit den Regeln ihrer Herkunftswelt nicht übereinstimmen müssen. In der Migrationsdebatte wird diese Personengruppe so gut wie nicht wahrgenommen.

Die Gründerinnen der neuen Initiative für säkulare Migrantinnen, die kürzlich in Frankfurt am Main ins Leben gerufen wurde, haben ehrgeizige Ziele. Naïla Chikhi, Monireh Kazemi und Fatma Keser wollen Frauen eine Stimme geben, die sich von den patriarchalisch organisierten religiösen Verbänden nicht vertreten fühlen. „Wir wollen jeder Form der Gewalt gegen und Unterdrückung von Mädchen und Frauen entgegenwirken und nicht zulassen, dass sie traditionell, kulturell oder religiös entschuldigt werden“, sagt Fatma Keser. Die Zusammenarbeit der Regierung mit religiösen Akteuren sei nicht immer zielführend, fügt Monireh Kazemi hinzu, weil die Interessen der Frauen als Einzelpersonen dabei oft auf der Strecke blieben.

Weg von der Ikonographie des Kopftuchs

Es sind gebildete Frauen, die wissen, wovon sie sprechen. Naïla Chikhi hat ein Studium in angewandten Sprach- und Kulturwissenschaften abgeschlossen und arbeitete in der Initiative von Ahmad Mansour für Demokratieförderung und Extremismusprävention. Fatma Keser studierte Komparatistik und Philosophie, war Feminismusbeauftragte und Referentin für politische Bildung des Asta an der Goethe-Universität. Monireh Kazemi musste Mitte der achtziger Jahre Iran verlassen und engagiert sich seither für Frauenrechte.

Alle drei sehen Migrantinnen als Frauen, die für sich selbst einstehen. Nicht nur gegenüber der Aufnahmegesellschaft, sondern auch gegenüber patriarchalischen Strukturen ihrer Herkunftsgesellschaft. Bewusst setzt sich die Initiative von der weit- verbreiteten Ikonographie der Migrantin als kopftuchtragende Gläubige ab. „Wann ist es eigentlich passiert“, fragt Fatma Keser, „dass wir bei der Bezeichnung Migrantin nur noch an gläubige muslimische Frauen denken?“ Die Initiative wird sich Gehör verschaffen müssen. Gerade in den Parteien, die sich gern als Verteidiger muslimischer Migrantinnen gerieren, reagiert man bisweilen überrascht, wenn diese sich selbst zu Wort melden und andere Positionen vertreten als die verkürzten Stereotypen von der hochreligiösen Muslimin.

Der Staat muss neutral sein

Klar positioniert sich die Initiative gegen Kinderehen, Jungfräulichkeitsmythen und traditionelle Ehrkonzepte. Stattdessen fordert sie besseren Schutz vor religiösem Mobbing, den Schutz von Homo- und Transsexuellen, bundesweit integrativen Ethikunterricht als Pflichtfach und ein Verschleierungsverbot in staatlichen Institutionen, insbesondere bei Minderjährigen. Kritisch betrachtet man die Relativierung von Menschenrechten aus falscher Toleranz. „Wir sehen, dass die Parteien, die einst unsere Interessen vertreten wollten, da sie sich den Säkularismus und den Feminismus auf ihre Fahne geschrieben hatte, heute mit reaktionären Kräften in Dialog treten, ihnen eine politische Bühne bieten und somit dazu beitragen, dass die traditionellen Moralvorstellungen, welche uns fesseln, verfestigt werden“, sagt Monireh Kazemi.

Säkularität ist für die Mitglieder daher von entscheidender Wichtigkeit. „Für uns ist eine säkulare Demokratie das Fundament für die Gleichberechtigung von Frau und Mann. Auch deshalb vertreten wir einen universalen Feminismus“, betont Naïla Chikhi. Wissend, dass säkulare Muslime oft mit dem Etikett der „Islamophobie“ mundtot gemacht werden sollen, fügt sie hinzu: „Der Begriff ‚Islamfeindlichkeit‘ gehört zur Rhetorik der Islamisten.“

Aus islamwissenschaftlicher Sicht ist ihr zuzustimmen. Der bisweilen geäußerte Vorwurf, säkulare Muslime verleugneten ihre Kultur, geht ins Leere. Säkularität hat in der islamischen Welt eine weit längere Tradition, als Fundamentalisten heute gern glauben machen wollen, und Kultur ist nicht synonym mit dem identitären Selbstverständnis islamistischer Kreise. Die Vorstellung, die islamische Zivilisation sei allein durch die Religion geprägt, ist tatsächlich ein Stereotyp interkultureller Polemik, das von fundamentalistischen Bewegungen umgewertet wurde. Historisch haltbar ist es nicht. „Ich wünsche mir“, meint Naïla Chikhi, „dass die Errungenschaften der Aufklärung in fünf Jahren so gestärkt sind, dass wir Initiativen wie diese nicht mehr brauchen.“

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Time am 24. Dezember 2020

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1) https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/die-initiative-fuer-saekulare-migrantinnen-stellt-sich-gegen-stereotypen-17113656.html

Eine Landschaft des Elends

23. Dezember 2020

Lesen Sie einen Aufsatz von Chaim Noll von „Achgut“ (1).

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Migration: Israels Blaupause für die Ursachenbekämpfung

Viele der muslimischen Flüchtlinge, die heute Europa heimsuchen, kommen aus Wüstengebieten. Die ihren Bewohnern offenbar keine Zukunft bieten. Und diese Flüchtlinge werden mehr, schon aus dem einfachen Grund, dass sich Wüsten, Trockengebiete und Steppen weltweit ausbreiten – jedes Jahr um eine Fläche, die ungefähr der Größe Deutschlands entspricht.

Rund ein Drittel der globalen Anbaufläche musste – nach statistischen Angaben der UN – während der letzten Jahrzehnte wegen Bodenerosion aufgegeben werden. Inzwischen ist die Hälfte der Festlandfläche der Erde davon bedroht. Dieser Vorgang, genannt Desertifikation, lässt die Oberfläche des Planeten Erde zu großen Teilen versteppen. Er hat wenig mit einer „Klimaerwärmung“ durch zu hohen CO2-Ausstoß zu tun, und wenn, dann eher im gegenteiligen Sinn: Hoher CO2-Gehalt der Luft beschleunigt Pflanzenwachstum und wirkt damit der Desertifikation entgegen.

Desertifikation geht weniger von der Luft aus als vom Boden. Die rasante Zunahme von Wüstengebieten ist vor allem eine Folge von Übervölkerung und damit verbundener Degradation von Landflächen durch ruinöses Abweiden nomadisch lebender Stämme (overgrazing), zerstörerische Monokultur oder Raubbau, wofür – so gern man die Schuld dem CO2 ausstoßenden, alles niederwalzenden Moloch „Westen“ zuschieben möchte – weitgehend die Bewohner dieser Länder verantwortlich sind. Hinzu kommt die Neigung armer Landbevölkerungen in Asien und Afrika, sich in städtischen Ballungsräumen, sogenannten Mega-Metropolen anzusammeln. So gibt es inzwischen in China mehr als einhundert Millionenstädte, davon mindestens fünf im zweistelligen Bereich (angeführt von Shanghai mit über 20 Millionen), die durch ihren exzessiven Verbrauch und Absorption der umliegenden Landbevölkerung zu Polen der Desertifikation werden. Indem die verlassene landwirtschaftliche Nutzfläche um sie herum durch Bodenerosion zu Steppe und Wüste degradiert. Wodurch sich die Megastädte selbst, im Wortsinn, das Wasser abgraben und alle anderen Ressourcen ihrer Versorgung.

Auch in Afrika konzentriert sich städtisches Subproletariat in Mega-Metropolen wie dem 17-Millionen-Konglomerat Kairo, während das weite, größtenteils unkultivierte Wüstenland nach wie vor brach liegt und nur von verstreuten – und oft der staatlichen Kontrolle entzogenen – Beduinen-Stämmen durchwandert wird. Umgeben von leeren Wüstenflächen vegetieren in Kairo und Umgebung Millionen auf Müllhalden oder in der berühmten „Stadt der Toten“, dem alten Friedhof der Fatimiden, wo eine halbe Million Menschen zwischen den Gräbern hausen soll. Oder in Lagos, mit mehr als 16 Millionen Einwohnern, im ansonsten unentwickelten, in der Sahel-Zone gelegenen und stark von Desertifikation betroffenen Nigeria. Solche Megastädte, deren Zahl rasant zunimmt, beherbergen bereits jetzt den größeren und am stärksten wachsenden Teil der Weltbevölkerung. Die von ihnen verursachten Probleme und Umweltschäden haben globale Auswirkungen. Die Megastadt, „bereit uns zu verschlingen“, wie sie einst James Baldwin in seiner Erzählung Rückkehr aus der Wüste beschrieb, ist ihrerseits vom Kollaps der Überlastung bedroht, von einer nicht mehr kontrollierbaren Komplexität, von einem Umkippen des urbanen „Labyrinths“ in den Urzustand Wüste.

Expandierende Grundstruktur für künftige Einwanderung

Auch sonst sind weitgehend inner-strukturelle Fehlentwicklungen der betroffenen Länder und ihrer Einwohner verantwortlich für die global folgenschwere Misere. Rasant wachsende Bevölkerungen ruinieren in Afrika die spärlichen Ressourcen der Steppe und Halbwüste. Übervölkerung führt zur Übernutzung der Steppengebiete, diese zur Zerstörung der empfindlichen Ökosysteme und zu katastrophalen Hungersnöten wie im Niger, in der Sahel-Zone am Südrand der Sahara. Die indigenen Völker der Steppen und Halbwüsten sind meist Viehzüchter, die ihre Herden wandern lassen, ohne sich um die Regeneration der abgegrasten Flächen zu kümmern. Die rapide Zunahme von Menschen und Herden führt zu raschem, rücksichtslosen Abgrasen des Landes, ohne die Rekonvaleszenz des Bodens und der Vegetation zu sichern. Hinzukommt der übermäßige Verbrauch von Steppenpflanzen als Brennmaterial in den kalten, stürmischen Wintern.

Darauf folgt meist das Versanden und Verdünen vordem noch vitaler Steppengebiete. Von da gibt es kaum ein Zurück, jedenfalls nicht ohne massive Bemühung des Menschen. Flora und Fauna des Trockenlandes sind fragile Spezies, unter extremen Bedingungen zu überleben imstande, lassen sich aber, einmal zerstört, nicht so leicht wieder regenerieren. Sind Bodenorganismen, Vegetation und Tierwelt der Steppe ruiniert, ist die Landschaft auch für den Menschen nicht mehr bewohnbar. Sandwüste breitet sich aus, die legendäre Welt des totalen Mangels, der Menschenferne und Gottesnähe, von der in der Literatur seit frühesten Tagen die Rede ist. Eine Landschaft des Elends und der Bürgerkriege, die Millionen ihrer Bewohner Richtung Norden, Richtung Europa treiben.

Europa reagiert auf diesen Ansturm vollständig defensiv. Im öffentlichen Diskurs werden die von den Flüchtlingen ausgelösten Probleme beklagt oder geleugnet – zwischen diesen zwei Haltungen tobt die Debatte, doch beide tragen kaum zur Problemlösung bei. Die geforderte „Integration“ der Immigranten erfolgt in vielen Fällen nur zum Schein – sie ist auch kein Verhaltensmuster nomadisch lebender Stämme. Im Gegenteil: deren „Stolz“ beruht seit Jahrhunderten auf der Bewegungsfreiheit des Stammes, der Autonomie innerhalb eines nur kulissenhaft wahrgenommen Staates. In Wahrheit werden die alten Clan-Strukturen in europäische Großstädte implantiert, dadurch entstehen „Parallelgesellschaften“, nicht selten rechtsfreie Räume. Zunehmend mit gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den nach westlicher Beurteilung „kriminellen“, in ihrer Selbstwahrnehmung traditionell „ehrenhaften“ Stämmen und Großfamilien – wie seit jeher in der Wüste üblich. Weitere Straßen, weitere Viertel werden erobert und bilden die expandierende Grundstruktur für künftige Einwanderung.

Zivilisierte, lebensfähige, mit moderner Infrastruktur versehene Milieus

Maßnahmen zu ihrer Abwehr durch einzelne Länder – ohnehin meist unentschlossen und uneffektiv – kommen zu spät, wenn sich die früheren Wüstenbewohner erst einmal auf den Weg gemacht haben und, die offenen Grenzen ausnutzend, immer tiefer in die weitgehend wehrlosen Staaten Nordeuropas vordringen. Wo sie dortige Kulturen und Lebensformen in Frage stellen, jedoch nicht, wie von den Apologeten des Vorgangs behauptet, in kreativer, konstruktiver Weise, sondern weitgehend in destruktiver. Indem sie soziale Verschiebungen, Spannungen und Spaltungen auslösen, den gesellschaftlichen Konsens unterminieren und die demokratischen Strukturen dieser Länder überfordern und überlasten.

In Europa scheint kaum noch jemand darüber nachzudenken, wie das Übel an der Wurzel zu packen wäre. Das hieße: wie man gegen die Fluchtursachen vorgehen und weitere massenhafte Migration verhindern kann. Da die Ausbreitung der Wüsten eine der wesentlichen Ursachen ist, müssen wir uns mit dieser Landschaft beschäftigen. Die öffentliche Diskussion in den westlichen Ländern sollte nicht beim Phänomen der Massenflucht und ihren Auswirkungen stehenbleiben, sondern zu der entscheidenden Frage vordringen, wie man die wachsenden Wüstengebiete der Erde revitalisieren und die dort lebenden Völker veranlassen kann, zu bleiben.

Die tragische Ironie liegt darin, dass die westlichen Staaten heute, nach Jahrzehnten intensiver Wüstenforschung, über die technischen und wissenschaftlichen Möglichkeiten verfügen, um die Wüstengebiete der Erde in zivilisierte, lebensfähige, mit moderner Infrastruktur versehene Milieus zu verwandeln und Millionen im Elend lebenden Menschen erträgliche Lebensumstände zu schaffen. Doch offenbar haben sie nicht die Kraft und die politischen Fähigkeiten, solche Konzepte durchzusetzen. Milliarden fließen in den Nahen Osten oder nach Nordafrika, und man könnte an die Vergabe von Wirtschaftshilfe und von Krediten sinnvolle Bedingungen knüpfen. Man könnte zum Beispiel von der Hamas-Führung in Gaza, statt ihr durch dürftig verdeckte UN-Kanäle immer neue Summen zuzuspielen, die zum großen Teil in Terror-Waffen enden, eine Revitalisierung ihres durch Krieges und Misswirtschaft ruinierten Gebiets verlangen.

Europäische Politiker werden bald damit beginnen, Syrien mit Krediten und Hilfsgeldern aus der Krise des letzten Jahrzehnts zu helfen, die Leistungen werden an das dubiose Regime gehen wie überall – doch wird man auch die Forderung stellen, die überwiegend unfruchtbaren Flächen des Landes zu nutzen und mit zukunftsträchtiger Infrastruktur zu versehen? Oder auch diesem Despoten erlauben, das Geld für Aufrüstung und neue Waffensysteme auszugeben, um in den islamischen Machtkämpfen des Nahen Ostens auftrumpfen zu können, und die eigene Bevölkerung im Elend zu belassen? Ist die Europäische Gemeinschaft bereits zu schwach, zwar noch technologisch hoch entwickelt, doch politisch schon so aufgeweicht, dass sie ihre eigenen Interessen nicht mehr durchsetzen kann? Bis heute verharren die meisten Wüstenstaaten, vom Westen mit viel Geld unterstützt, in starren, innovationsfeindlichen Strukturen oder fallen zurück in Bürgerkriege und andere Muster der Selbstzerstörung.

Unglaublich scheinende Belebung einst verödeter Gebiete

Zu den erfolgreichsten Staaten bei der Rückgewinnung von Wüste gehört Israel. Das von der Fläche kleine Land besteht überwiegend aus Wüste, also musste man sich um des Überlebens willen mit dieser Landschaftsform arrangieren. Der wirtschaftliche Aufschwung Israels, seine erstaunliche Demographie und sein hoher, immer noch wachsender Lebensstandard beweisen, dass in relativ kurzer Zeit aus Wüstengebieten komfortable Lebensorte für den Menschen werden können. Ich lebe seit 23 Jahren in der Wüste Negev im Süden Israels und bin Zeuge einer fast unglaublich scheinenden Belebung einst verödeter Gebiete. David Ben-Gurion sah in der Besiedlung der Negev-Wüste, der einzigen größeren Landreserve Israels, den Prüfstein für Israels Zukunft. Er verlegte selbst seinen Wohnsitz aus dem komfortablen Tel Aviv in den Wüsten-Kibuz Sde Boqer, wo er die Gründung eines mit Wüstenforschung beschäftigten Campus der Universität Beer Sheva veranlasste. Beer Sheva, ein uralter biblischer Ort, unter osmanisch-muslimischer Herrschaft Jahrhunderte lang eine verschlafene Karawanserei, wandelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte in eine moderne Großstadt und ein international bekanntes Hightech-Zentrum. Allein in der Zeit, seit ich hier lebe, hat sich die Bevölkerung der Stadt verdreifacht.

Da die Bevölkerung Israels insgesamt stark wächst – in den 25 Jahren meines Hierseins von 5 auf über 9 Millionen – planen die Regierung und der Jüdische Nationalfonds Keren Kayemet bis zum Jahr 2040 die Ansiedlung einer weiteren Million Menschen in der Negev-Wüste, inklusive Arbeitsplätze und, wie es in der Projektbeschreibung Israel 2040 heißt, „grüne-nachhaltige Gemeinden“ zum Wohnen. Das liest sich wie ein Märchen, ich kann jedoch versichern, dass ich hier, mitten in dem von Mark Twain (in seinem Reisebuch The Innocents Abroad) als „hoffnungslos“ beschriebenen Ödland wirklich im Grünen wohne und dieser Tage Körbe voller Zitronen in meinem Garten ernte. Dass meine Kinder hier gut bezahlte Arbeit gefunden haben, in Universitäten und Hightech-Firmen, und meine Enkel die denkbar beste Ausbildung genießen. Unsere Lebensqualität ist hoch, auch nach westlichen Standards. Um Monsterstädte zu vermeiden, unkontrollierbares Wuchern von Beton und Slum-Strukturen, setzt man auf autonome kleine Orte mit Eigenheimen. Schon jetzt bauen hier, durch Eisenbahn-Bau und eine neue Autobahn dazu verlockt, Zehntausende Familien aus dem übersiedelten Zentrum des Landes neue Häuser im Grünen.

Auf die Bedrohung durch die Wüste gibt es zwei Antworten: Flucht oder Widerstehen. Längst lassen sich die Segen der Wüste – weite Räume, Sonnenenergie, fruchtbare, mineralhaltige Böden, unterirdische Gewässer – durch Anwendung neuer Technologien dazu nutzen, scheinbar leblose Trockengebiete, anderswo Schauplatz von Hungerkatastrophen und Bürgerkriegen, in Orte einer Hochkultur zu verwandeln. Die dieser Tage erfolgende Annäherung arabischer und nordafrikanischer Staaten an das früher zum Todfeind erklärte Israel wird eine enge Kooperation in Wüsten-Technologien zur Folge haben – zwecks Schaffung von Infrastruktur und Bewässerungssystemen, Pflanzenanbau, Städteplanung, Nutzung der unterirdischen Aquifer – und die mit Israel kooperierenden Länder spürbar verändern. Sie bieten Raum genug für wachsende Bevölkerungen, die dann nicht mehr gen Norden emigrieren müssen. Die Verheißung des Jüdischen Nationalfonds Keren Kayemet wirkt daher nicht übertrieben, wenn sie verspricht, mit dem Projekt Israel 2040 „eine weltweit gültige Blaupause für die Lösung globaler Probleme“ zu schaffen.

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Time am 23. Dezember 2020

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1) https://www.achgut.com/artikel/migration_israels_blaupause_fuer_die_ursachenbekaempfung

Das Ende der Republik Arzach

22. Dezember 2020

Marcus Latton hat eine detaillierte Reportage für die „Jungle World“ verfasst (1).

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Die Lage in Bergkarabach nach dem
Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan

Land im Abbruch

Nach dem Krieg in Bergkarabach und enormen Gebietsgewinnen für Aserbaidschan werden viele Armenier wohl niemals wieder in ihre alten Wohnorte zurückkehren können.

Auf dem Weg durch den Südkaukasus nach Bergkarabach lässt sich der Ausblick auf schneebedeckte Hänge und majestätische Schluchten nur schwer genießen. Denn auf der Straße sind Brandmale zu sehen: Im sechswöchigen Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan landeten mehrere Sprengkörper auf dem zweispurigen nördlichen Zugangspass nach Bergkarabach. Behutsam fahren die Autos an Einschlaglöchern und zersplittertem Asphalt vorbei.

In die eine Richtung sind fliehende, in die andere zurückkehrende Armenier unterwegs. Fahrzeuge der armenischen Armee schieben sich ebenso voran wie russische Truppentransporter. Russische Soldaten sollen das Waffenstillstandsabkommen überwachen, das Armenien, Aserbaidschan und Russland am 9. November unterzeichnet haben (Unter russischer Aufsicht), und jahrhundertealte Klöster, Kirchen und Kulturdenkmäler schützen. In Armenien herrscht die Angst, die aserbaidschanische Regierung könnte diese Bauten nach der Übernahme der Gebiete zerstören – wie bereits in der aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan und anderen Teilen Aserbaidschans, in denen viele armenische Kirchen dem Erdboden gleichgemacht wurden.

Das Dorf Tscharektar liegt auf dem Weg nach Bergkarabach, in Kelbadschar, einem der benachbarten Gebiete, die Armenien Ende November an Aserbaidschan übergeben musste. Kurz vor der Übergabe scheint Tscharektar wie ausgestorben. Leitungsrohre, landwirtschaftliche Maschinen, Generatoren und andere Wertgegenstände sind verladen und die Armenier, die hier gelebt haben, mit ihrem Hab und Gut verschwunden.

Viele Armenier haben vor ihrem Exodus ihre eigenen Häuser angezündet. Einer ist geblieben: Aschot Sewjan, Jahrgang 1970, sitzt mit seiner Kalaschnikow und einer kleinen Handfeuerwaffe auf einem Sofa draußen auf der Terrasse seines Hauses. »Viele Dorfbewohner haben ihre Häuser hier angezündet und sind weggegangen. Ich selbst habe mein Haus nicht niedergebrannt, weil ich hier geboren bin. Für mich ist das hier der Sinn meines Lebens. Ich behalte lieber meine Waffe in der Hand. Und ich würde jeden umbringen, der hierherkommt, um mir mein Haus zu nehmen«, sagt er. »Wer sein Hab und Gut verteidigt, der kann in Würde sterben. Es ist ganz gleich: Früher oder später werden wir alle sterben. Die Frage ist nur: Wie will man sterben? Als Verräter oder als echter Mann?«

Aschot Sewjan sagt, er habe zur Zeit der Sowjetunion in der DDR in Halle und in Zeitz seinen Armeedienst geleistet. Für seine Gäste hat er Kaffee aufgebrüht. Trümmer und Schrott stapeln sich zwischen ihm und dem kleinen Swimmingpool, in dem früher seine Kinder gebadet haben. Sie seien zusammen mit seiner Ehefrau bei Kriegsausbruch nach Armenien geflüchtet. Sewjan ist Invalide, er läuft mit Prothesen, die er nach seinem Einsatz im ersten Krieg um Bergkarabach Anfang der neunziger Jahre bekommen hat. »Ich wusste damals schon: Es geht um mein Haus, mein Eigentum.« Ihm ist wichtig zu betonen, dass sein Dorf Tscharektar schon immer von Armeniern bewohnt war, auch zu Sowjetzeiten, als es noch zur aserbaidschanischen Sowjetrepublik gehörte. »Sehen Sie die Kirche da oben?«, fragt er und deutet auf die kleine Kapelle, die einen Steinwurf von seinem Grundstück entfernt auf einem Hügel thront. »Die gab es hier schon immer.«

Zurück nach Stepanakert

Bergkarabach wird in Armenien als »Republik Arzach« bezeichnet. Doch kein Staat der Welt hat diese Republik je anerkannt. Die Region hatte nach dem ersten Krieg um ihre Zugehörigkeit ihre Unabhängigkeit erklärt. De facto aber war Arzach seitdem militärisch und politisch eng mit der Republik Armenien verbunden. 150 000 Menschen lebten hier in Friedenszeiten. Nach dem erneuten Angriff durch Aserbaidschan am 27. September ist mehr als die Hälfte von ihnen geflüchtet. Mit seinem Sieg ist Aserbaidschan ein Drittel des ursprünglichen Territoriums zugefallen, und darüber hinaus noch die sieben umliegenden vormals besetzten Gebiete, darunter auch Kelbadschar. Auch die zweitgrößte Stadt der Region, Schuschi oder Schuscha, wie sie auf Aserbaidschanisch genannt wird, ist für die Armenier verloren. Dort tobten die Kämpfe bis zum letzten Tag des Kriegs.

Dennoch kehren viele Menschen nun aus Flüchtlingsunterkünften in Armenien nach Bergkarabach zurück und kommen in Stepanakert an, der Hauptstadt der Region. Auch Raya Alexandrowna Bagiryan, die dort mit gepackten Koffern und Reisetaschen aus einem Bus steigt. »Uns ist nur noch wenig geblieben von unserem Land. Man hat fast alles dem Feind überlassen«, sagt sie.

Bagiryan wurde 1935 geboren. Über die längste Zeit ihres Lebens, während des Bestehens der Sowjetunion, bewohnten Aserbaidschaner und Armenier das Gebiet zusammen. Eine gemeinsame Zukunft mit Aserbaidschanern, die nach Bergkarabach ziehen, ist für sie aber unvorstellbar: »Unmöglich, absolut unmöglich!« Als es die Sowjetunion noch gab, seien die Armenier mit den Aserbaidschanern befreundet gewesen. »Aber als die Sowjetunion zerbrach, begannen die Aserbaidschaner, unsere Söhne und Enkel zu töten. Sie lehren ihre Kinder bis heute, dass wir Armenier schlechte Menschen seien. Es gibt eine regelrechte Agitation gegen uns.« Mit ihren Verwandten will sie in ihr Haus zurückkehren, aufräumen und trauern. Bereits im ersten Krieg seien Familienmitglieder gestorben, auch nach den jüngsten Kämpfen habe sie Opfer zu beklagen.

Mit wem man auch in Stepanakert spricht: An eine Versöhnung mit Aserbaidschan denkt hier niemand. Viele Wohngebäude, Geschäfte, der Stadtbasar und eine Geburtsklinik wurden während der sechswöchigen Bombardements zerstört.

Auf einem der Friedhöfe in Stepanakert, direkt neben dem Krankenhaus, beerdigen sie nun die Toten: Dutzende Zivilisten sind ums Leben gekommen, nach offiziellen armenischen Angaben wurden mindestens 2700 armenische Soldaten getötet. Aber nach Einschätzung der meisten Menschen hier liegt die Zahl der Gefallenen mindestens doppelt so hoch. Dafür spricht auch das Bild, das sich auf dem Friedhof bietet: Jeden Tag heben Bestatter neue Gräber aus. Die Leichen der Soldaten werden nur allmählich aus den Kampfgebieten geborgen oder von Aserbaidschan zurückgegeben. Männer in Uniform schenken schweigend Wein aus Plastikflaschen aus, sie trinken ein letztes Mal auf ihre getöteten Freunde und Kameraden. Auf den Grabsteinen stehen die Geburtsjahre der Gestorbenen: 1998, 2001, 1987, 2000.

Die Schätzungen der Totenzahlen auf armenischer Seite bewegen sich nach inoffiziellen Quellen zwischen 5400 und 10000 – in Armenien und Bergkarabach mit seinen insgesamt nicht mal drei Millionen Einwohnern wäre das viel: Fast jede Armenierin und jeder Armenier hat wohl Bekannte oder Verwandte unter den Gefallenen oder schwer Verwundeten.

Angst vor Erdoğan

Auch Hovig Esmerjan aus Stepanakert war bereit zu kämpfen. Wenige Tage nach seiner Einberufung sei das Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet worden. Die aserbaidschanischen Luftangriffe habe er wochenlang miterlebt. »Jeder musste sich verstecken, vor allem bei den Angriffen der Drohnen. Du hörst das Geräusch schon von weitem, es hängt die ganze Zeit über deinem Kopf. Als sie die Stadt bombardierten, flüchteten wir in die Luftschutzbunker. Sie haben alles attackiert, sogar den Basar.«

Hovig Esmerjan betreibt in Stepanakert ein Restaurant mit Spezialitäten aus Syrien. Es sei bereits der zweite Krieg für ihn, denn er sei 2012 aus seiner Heimatstadt Aleppo geflohen. Nach dem Genozid an den Armeniern im Osmanischen Reich Anfang des 20. Jahrhunderts siedelten sich viele Armenier in Syrien an, noch immer leben sie dort als Minderheit. Die Erinnerung an den Völkermord erwacht bei Hovig Esmerjan angesichts der türkischen Unterstützung von Aserbaidschans militärischer Offensive. »Unser Kampf richtete sich vor allem gegen die Türkei, nicht gegen Aserbaidschan. Denn die Aserbaidschaner benutzten türkische Waffen, und die Türken erhielten Geld von Aserbaidschan. Die Türkei kontrolliert die aserbaidschanische Armee. Sie hat syrische Söldner eingesetzt«, sagt er.

Esmerjan lässt sich Zeit beim Sprechen. Wie einer, der es gewohnt ist, dass man ihm zuhört, wenn er redet. »Es ist fast schon zum Witz geworden: Erdoğan verfolgt mich überallhin. Erst war ich in Syrien, wo er mir Probleme gemacht hat. Dann ging ich nach Arzach, und er verfolgte mich auch hier. Weswegen ich nicht auch von hier irgendwohin wegziehen werde, weil er mich auch dort aufspüren wird.«

Wie viele Armenier ist Hovig Esmerjan enttäuscht von dem Desinteresse, das die Welt in den Wochen des Kriegs für die Angriffe auf Bergkarabach gezeigt hat. Die Zukunft von Arzach sieht er in Gefahr. »Ich denke nicht, dass die Menschen hier noch weiter leben können. Sie werden nur zeitweilig zurückkehren, sie werden ihr Eigentum verkaufen und Arzach wird sich leeren.« Genau wie Nachitschewan, heute unter dem Namen Baku Hauptstadt Aserbaidschans, und viele andere Orte, an denen Armenier einst in der Mehrheit waren und dann zur Minderheit wurden, fügt Esmerjan hinzu.

Während die Aufbauarbeiten in Stepanakert und andernorts in Bergkarabach weitergehen, ist weiter westlich heftiger Streit entbrannt. In der armenischen Hauptstadt Eriwan stürmten aufgebrachte Demonstranten am Tag nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens das Parlament. Von der zuvor großen Popularität des armenischen Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan ist nicht viel übrig geblieben. Paschinjan gelangte 2018 nach Massenprotesten gegen die alte Herrscherclique um Sersch Sargsjan an die Macht und setzte im Zuge der sogenannten Samtenen Revolution Neuwahlen durch. Nun muss er sehen, wie in der Hauptstadt regelmäßig gegen ihn demonstriert wird. Viele in Armenien fordern seinen Rücktritt. Sie werfen ihm unter anderem vor, mit dem Abkommen habe er zu viele Zugeständnisse an Aserbaidschan gemacht, zugleich hätten seine strategischen Fehler Soldaten das Leben gekostet.

Die Last des Nationalismus

Richard Giragosian ist politischer Analyst und Leiter des Think Tanks Regional Studies Center in Eriwan. Armenien müsse nach der Kriegsniederlage genau prüfen, welche diplomatischen Optionen jetzt am sinnvollsten seien, sagt er. Der wichtigste Punkt sei die Zukunft und die Sicherheit der Armenier, die noch in Bergkarabach leben und von weniger als 2 000 leichtbewaffneten russischen Soldaten abhängig sind. »Es sind die russischen Friedenstruppen, die allein zwischen einer bedrohten armenischen Bevölkerung und einem großen, aggressiven aserbaidschanischen Militärapparat stehen.«

Die Niederlage beruhe auf der schlechteren Ausrüstung der armenischen Armee: Das Verteidigungsbudget Aserbaidschans ist nach offiziellen Angaben rund zwei Drittel so groß wie der gesamte Staatshaushalt Armeniens; die Regierung in Baku gewann zudem mit modernen Drohnen aus der Türkei und Israel die Lufthoheit über das umkämpfte Gebiet. Giragosian meint, Armenien habe sich vor der Offensive Aserbaidschans zu sehr darauf verlassen, dass sich nichts Grundlegendes ändern werde. »Ein großes Problem war eine gefährliche und kaum entschuldbare Selbstzufriedenheit. Fälschlicherweise hat man angenommen, dass die Zeit für die Armenier spiele. Die Notwendigkeit, Kompromisse und Zugeständnisse zu machen, was die besetzten Gebiete außerhalb von Bergkarabach betrifft, das geriet in Vergessenheit und wurde immer unpopulärer. Und das war gefährlich. Das interessanteste Opfer dieses Kriegs ist Armeniens Mythos von der eigenen militärischen und diplomatischen Unbesiegbarkeit.«

Für Sevak Kirakosjan müsste sich noch einiges andere ändern. Der Sprachlehrer ist in mehreren Friedensinitiativen in Eriwan aktiv, unter etwa im South Caucasus Council. Er setzt sich für einen Dialog zwischen Aserbaidschanern und Armeniern ein. Bei seinen Landsleuten stößt das auf heftigen Widerstand. Viele meinen, man könne doch mit dem Feind keine Annäherung suchen, zumal nicht mit Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew, dem Diktator. Sevak Kirakosjan hingegen sagt: »Wir müssen das als Fakt hinnehmen, Aserbaidschan ist, was es ist. Wenn wir es schaffen, in Putins Russland einen Freund zu sehen, und sogar im Iran, der sich so schrecklich verhält, was Menschen- und Frauenrechte betrifft, warum können wir uns dann nicht auch mit dem modernen Aserbaidschan und mit der modernen Türkei gut stellen?«

Für Kirakosjan geht es jetzt darum, den alten Nationalismus hinter sich zu lassen – trotz des großen Schmerzes über die Niederlage und trotz der Gebietsverluste. »Wenn wir weiter so denken, wie wir bisher gedacht haben, und so handeln, wie wir bisher gehandelt haben, werden wir dieselben Dinge immer und immer wieder erleben: Krieg, Konflikt, das Gefühl, verraten worden zu sein vom Rest der Welt und nicht verstanden zu werden.«

Ob diese Botschaft in Armenien in nächster Zeit auf offene Ohren stoßen wird, ist fraglich. Selbst Wochen nach der Kapitulation tauchen auf Telegram-Kanälen und in sozialen Medien immer wieder Fotos und Videos von aserbaidschanischen Soldaten auf, die armenische Kriegsgefangene foltern, demütigen, töten, in einigen Fällen sogar enthaupten. Aschot Sewjan aus dem Dorf Tscharektar sagt: »Aserbaidschaner existieren für mich nicht.«

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Time am 22. Dezember 2020

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1) https://jungle.world/artikel/2020/51/land-im-abbruch

Nicht relevant

21. Dezember 2020

Lesen Sie einen Artikel von „Freie Welt“ (1).

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Musikstar Cher zur Invasion Aserbaidschans in Berg-Karabach

»Es ist ein schwarzer Tag für das Christentum«

Für den Musikstar Cher ist die Invasion der Armee des islamischen Aserbaidschans in die christlichen Siedlungsgebiete in der Region Berg-Karabach ein schwarzer Tag für das Christentum. Die Welt schaue zu, wie die erste christliche Nation der Welt durch islamische Soldaten vernichtet werde.

Cher heißt mit bürgerlichem Namen Cherilyn Sarkisian, ihr Vater John war US-Amerikaner armenischer Abstammung. Noch heute im fortgeschrittenen Alter von 74 Jahren fühlt sie sich mit den Wurzeln ihrer Familie verbunden. Sie prangert die Invasion der Soldaten des islamischen Aserbaidschan in die christlichen Siedlungsgebiete Armeniens und Atsakh im gleichen Maße an wie das Ignorieren jener islamischen Invasion der Regierungen weltweit. »Es ist ein schwarzer Tag für das Christentum«, schreibt Cher via Twitter. »Niemand steht an der Seite der ersten christlichen Nation der Welt, denn alles was wir haben, ist Geschichte und Kultur – und das können wir nicht exportieren. Vielen Dank an die Menschheit.«

Und weiter schreibt Cher: »Armenien ist ein kleines Land, das keine natürlichen Ressourcen hat, die es zu stehlen lohnt. Die Türkei hat schon einmal versucht, Armenien zu vernichten. Aserbaidschan versucht es jetzt wieder. Dabei hat Aserbaidschan doch genügend Ressourcen, das ,schwarze Gold’. Und sie haben Männer, die töten oder die anderen beim Töten zusehen. Gott schütze Dich, Land meines Vaters.«

Noch immer ignorieren vor allem die Länder der EU den quasi vor ihrer Haustür stattfindenden islamischen Genozid an den Christen in der Region Berg-Karabach. Keine einzige EU-Regierung, auch nicht Merkel und ihr Kabinett, zeigen ansatzweise Interesse an dem sich abzeichnenden Verbrechen wider der Menschheit. Die Verfolgung der Christen weltweit und ganz explizit im Kaukasus ist für sie offensichtlich nicht relevant.

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Time am 21. Dezember 2020

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1) https://www.freiewelt.net/nachricht/es-ist-ein-schwarzer-tag-fuer-das-christentum-10083369/

Den Mullas endlich in den A**** treten (#2)

18. Dezember 2020

Lesen Sie einen Kommentar von Johannes Boie von der „Welt“ (1).

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Kampf gegen Antisemitismus

„Nie wieder“ ist eine müde Floskel geworden

In Iran wird an der Vernichtung des Staates Israel gearbeitet. Jeder, der ein Interesse am „Nie wieder“ hat, müsste deshalb den Tod des iranischen „Wissenschaftlers“ Fachrisadeh verstehen. Dennoch kondoliert der Europäische Auswärtige Dienst. Unter Diplomaten bedeutet diese Geste nur eins.

Die wichtigste Lehre aus dem Holocaust – „Nie wieder“ – ist eine müde Floskel geworden. Längst ist ein „Wieder“ vorstellbar, wenn nicht das gleiche, so doch ein ähnliches.

In Iran wird unaufhörlich an der Vernichtung des Staates Israel und seiner Bewohner gearbeitet. Israel ist, unter anderem, das Land, in das viele Holocaust-Überlebende mit letzter Kraft ausgewandert sind.

Der „oberste Führer“ Irans, Ali Chamenei, diskutiert seine Vernichtungsideen öffentlich auf Twitter. Jeder, der ein ernsthaftes Interesse am „Nie wieder“ hat, müsste deshalb den gewaltsamen Tod des iranischen „Wissenschaftlers“ Mohsen Fachrisadeh zumindest verstehen. Fachrisadeh war als Mitglied der „Revolutionsgarden“ eher eine Art vom Regime in Teheran bezahlter Terrorist als Wissenschaftler, für eben dieses entwickelte er Nuklearwaffen.

Stattdessen solidarisiert sich jetzt eine westliche Institution, der Europäische Auswärtige Dienst, quasi das Außenministerium der EU, mit Iran. Die Diplomaten in Brüssel haben den Angehörigen des Atombombenbauers offiziell kondoliert. Das wäre auf individuell menschlicher Ebene verständlich. Unter Spitzendiplomaten bedeutet die Geste aber: Wir sind in diesem Fall auf eurer Seite. Oder zumindest nicht weit weg davon.

Sollten die Diplomaten von Furcht vor Eskalation getrieben sein, könnten sie nachschauen, wie weit die Realität heute von jenen Befürchtungen entfernt ist, die hierzulande nach dem Tod des iranischen Generals Qassem Soleimani prophezeit wurden.

Soleimani, verantwortlich für Tausende Tote rund um die Welt, starb vor einem knappen Jahr bei einem gezielten Angriff der USA. Sigmar Gabriel erklärte, die Attacke sei „katastrophal falsch“ gewesen, in der ARD wusste ein Kommentator, dass man sich nun auf einer „Schnellstraße in die direkte Konfrontation“ befinde, und es fehle „eine Ausfahrt“.

Im „Abendblatt“ war zu lesen, der Tod Soleimanis sorge für eine „weitere Eskalation“, sie „könnte blutige Folgen haben.“ Joe Biden erklärte damals, die US-Regierung habe „eine Stange Dynamit in ein Pulverfass“ geworfen. Kein einziges Szenario ist eingetroffen. Nur eines ist sicher: Der Weg zur Atombombe ist für Iran länger geworden. Und wer ihn beschreitet, der weiß: Er lebt gefährlich. Das ist eine viel konkretere Version von „Nie wieder“ als jede gut gemeinte Sonntagsrede, die in Deutschland oder Europa gehalten wird.

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Time am 18. Dezember 2020

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1) https://www.welt.de/debatte/kommentare/article221872892/Antisemitismus-Nie-wieder-ist-eine-muede-Floskel-geworden.html

Sieg des Jihad: Edeka

18. Dezember 2020

Lesen Sie einen Artikel aus dem staatlich geförderten Mille-Görüsch-Magazin „IslamiQ“ (1).

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Edeka will mit Werbespot für Vielfalt werben

Mit einem aktuellen Werbespot zur Weihnachtszeit will Edeka für Vielfalt werben und sorgt für großes Aufsehen. Zuvor sorgte Edeka aber mit einem Rassismus-Vorfall für Schlagzeilen.

Kurz vor Weihnachten teilt Edeka einen neuen Werbespot mit dem Titel: „Besondere Weihnachtsgeschichte des Herrn Schmidt“ in den sozialen Medien. Zu sehen ist der ältere, etwas grimmige, aber zugleich einsame Renter Herr Schmidt und seine Nachbarn. Eine große, fröhliche und gastfreundliche Familie, deren Kinder gerne in dem Mehrfamilienhaus im Treppenhaus spielen – was Herrn Schmidt sehr zu verärgern scheint.

Während die Familie die Tage in der Corona-Pandemie mit Tee und der türkischen Süßspeise Baklava versüßen, schmückt Herr Schmidt seine Wohnung mit Weihnachtsdekorationen und bereitet sich auf die bevorstehenden Feiertage vor. Als seine Nachbarn ihm Baklava anbieten, hat er für sie aber nur ein stumpfes „Nein“ übrig. Dann erfährt Herr Schmidt von seiner Corona-Infektion, statt des Adventskranzes hängt jetzt eine Quarantäneverordnung an seiner Tür.

Edeka setzt auf kulturelles Miteinander

Daraufhin beschließt die Familie, besonders die Kinder, Herrn Schmidt ein Weihnachtsessen zu Kochen. Klöße, Gänsekeule, Rotkohl und ein Teller mit Baklava steht vor der Türe des Rentners. Im Treppenhaus wünschen ihm die Nachbarskinder noch „Frohe Weihnachten“, was ein kleines Lächeln auf das Gesicht von Herrn Schmidt zaubert. Der Spot endet mit den Worten: „Lasst uns froh und bunter sein.“

Rassismus-Vorfall in Filiale

Doch so sehr der aktuelle Werbespot bei vielen Menschen auch für überwältigende Emotionen sorgen mag, darf nicht vergessen werden, dass Edeka noch vor kurzem mit einer islamfeindlichen Diskriminierung in die Schlagzeilen kam.

Die 16-jährige Hamburger Schülerin Miriam J. hat sich mit ihren zwei Freundinnen für eine Aushilfsstelle in einem Supermarkt in Hamburg beworben. Mit der Aushilfsstelle in den Sommerferien wollte sich Miriam ihr Taschengeld aufbessern. Doch dazu kam es erstmal nicht, da der Marktleiter sie aufforderte ihr Kopftuch abzulegen. Miriam J. ging juristisch gegen die Diskriminierung vor. Daraufhin musste die Filiale der jungen Schülerin einen Schadensersatz zahlen. Außerdem wurde dem Marktleiter die Verantwortung für die Filiale in Hamburg entzogen.

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Time am 18. Dezember 2020

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1) https://www.islamiq.de/2020/12/15/edeka-will-mit-werbespot-fuer-vielfalt-werben/

Mekkazon

17. Dezember 2020

Amazon berichtet (1):

Hatice hat vorher noch nie vor einer Kamera gestanden. Für den TV-Spot gab es kein Skript und auch kein Fernsehtraining. „Ich bin lediglich gefragt worden, ob ich bei den Videos mitwirken möchte“, sagt sie. Die 30-Jährige arbeitet im Logistikzentrum in Werne und hat dort eine bemerkenswerte Karriere gemacht: „Ich habe als ganz normale Versandmitarbeiterin angefangen. Dann war ich Teamleiterin und schließlich habe ich den Sprung zur Abteilungsleiterin geschafft. Wenn man den Willen hat, kann man bei Amazon alles erreichen.“

Ihre Erfahrungen mit Arbeitgebern vor Amazon schildert Hatice als wenig positiv: „Ich bin Türkin und trage Kopftuch. In meinem früheren Job als PTA (pharmazeutisch-technische Assistentin) hatte ich das Gefühl, meine Vorgesetzten sehen nur mein Kopftuch, aber nicht mich als Mensch. Bei Amazon darf ich so sein, wie ich bin.“

Amazon schaltet diese Zeitungsanzeigen

Das „Westfalen-Blatt“ (2):

Emanzipation in der Logistikhalle

Zu Hause darf Gülcan keinen Führerschein erwerben. Das geziemt einer muslimischen Frau nicht, sagt ihr Mann. Im Amazon-Logistikzentrum Werne aber darf sie den Elektroschlepper von Jungheinrich 14 Fußballfelder hoch- und runterfahren, ohne dass irgendjemand meckert. (…)

Kein Kopftuch im Einzelhandel

Eine dieser Nadeln gehört Hatice Ok. Sie fand im Einzelhandel ihrer Heimatstadt keinen Ausbildungsplatz, weil sie ein Kopftuch trägt. Daraufhin fing sie bei Amazon in Werne als Aushilfskraft im Weihnachtsgeschäft an. Dabei entdeckte sie das »Career-Choice«-Programm und bewarb sich. In diesem Programm kommt Amazon vier Jahre lang für 95 Prozent der Kosten von Weiterbildungs-Studiengängen und -kursen auf, unabhängig von der Relevanz, den der damit angestrebte Beruf für Amazon hat. Es gibt Schulungen zur Gesundheits- und Krankenpflege, Informationstechnologie, Computerwissenschaft, Buchhaltung und zum Erlangen eines Lkw-Führerscheins.

Über einzelne Karrierestufen ist Hatice OK dadurch in wenigen Jahren zur Area-Managerin aufgestiegen, die für 88 Mitarbeiter verantwortlich ist. »Ask me – frag’ mich« steht auf dem Rücken ihrer gelben Weste. Sie steht gerade am Packtisch von Evelyn aus Nigeria, die hier ebenfalls untergekommen ist. Hatice Ok: »So eine Chance hätte ich in keinem deutschen Unternehmen bekommen. Ich bin ein Amazon-Kind.«

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Time am 17. Dezember 2020

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1) https://blog.aboutamazon.de/logistikzentren/arbeiten-bei-amazon-f%C3%BCr-die-neuen-tv-spots-vor-die-kamera
2) https://www.westfalen-blatt.de/OWL/Kreis-Guetersloh/Guetersloh/3695300-Bei-Amazon-in-Werne-bekommt-jeder-eine-Chance-Muster-fuer-Kreis-Guetersloh-mit-Video-Emanzipation-in-der-Logistikhalle

Mehr Scharia wagen

17. Dezember 2020

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Time am 17. Dezember 2020