Demografie

Wenn die These geäußert wird, dass für die mangelnde Bereitschaft zum Kinderkriegen die jahrzehntelange Negativpropaganda der Linken verantwortlich sei, derzufolge Frauen nur dann etwas wert seien, wenn sie sich außer Haus verwirklichen, dann sehe ich darin eine Gegenthese zu Gunnar Heinsohn (1), wenn dieser schreibt: “Um ÜBERLEBEN zu können, müssen auch Frauen unbeschränkt Geld verdienen dürfen. Dafür erkämpfen sie noch im 20. Jahrhundert die Emanzipation mit den Rechten auf das Schließen von Arbeits-, Miet- und Kaufverträgen.” An beiden Thesen wird was dran sein, aber ich möchte – weil sie mir nicht reichen – einen weiteren Aspekt hinzustellen.

Mir selbst macht mein Beruf unheimlich Spaß. Ich mag das, was ich tue. Ich tue es seit vielen Jahren, und ich bin stolz auf meine Professionalität. Ich arbeite auch gern im Team mit den fast immer netten Kollegen. Zudem läßt mein Beruf mir Raum, in der Freizeit ganz andere Sachen auszuprobieren und zu erfahren. Wenn ich dort mit neuen Aufgaben oder Werkzeugen konfrontiert bin, und mir Lösungen oder auch Handhabungen ausdenken muss, wenn ich die neue Sache in den Griff kriege und alles ein Gesicht bekommt, dann fühle ich mich total gut. Dabei ist es für mich egal, ob diese Tätigkeiten als “typisch männlich” oder “typisch weiblich” konnotiert sind. Meine Freunde und Freundinnen sehen das genauso.

Für meine Arbeit bekomme ich natürlich Geld. Ich brauche deshalb niemanden um Erlaubnis zu fragen, was ich davon kaufen oder verschenken darf, ich brauche niemand bitten, mir etwas zu geben, für etwas, das ich dringend brauche. Das macht mich frei.

Ich bin der Ansicht, dass der westliche Mann und die westliche Frau sich sehr nahe sind. Sie sind sich viel näher, als dass sie ihren Kindern nahe sind, viel näher untereinander als zB. zu ihren jeweiligen orkischen Geschlechtsgenossen. Nicht in erster Linie mE. aufgrund der “Hardware” (Biologie/Genetik), die ich bekanntermaßen unter der geistigen/theoretischen Ebene ansiedle, sondern vielmehr aufgrund des “Betriebssystems” (Gesellschaftssystem): Vater und Mutter lachen gemeinsam an einer bestimmten Stelle des Films, die Kinder und der orientalische Gast verstehen nur Bahnhof (zB. ein- und dieselbe Hardware kann mit unterschiedlichen Betriebssystemen betrieben werden, und von den Betriebssystemen ist abhängig, welche Programme gestartet werden können). Da ich westliche Frau und westlichen Mann so nah beieinander verorte (in jeder Hinsicht gleich, außer Sex/Fortpflanzung), ergibt sich für mich zwingend die Vorstellung, dass sowohl Männer wie auch Frauen Spaß daran haben können, eine große Maschine mit viel Schweiß, Flüchen und deftigen Witzen aufzubauen, als auch Männer wie Frauen glücklich und erschöpft aufs Sofa sinken können, wenn das Kleine glücklich und erschöpft eingeschlafen ist.

Meine These lautet also: Der Wunsch, uneingeschränkt am vollständigen Wirtschafts- und Produktionsleben teilnehmen zu wollen, MUSS nicht unbedingt einem ökonomischen oder ideologischen ZWANG entspringen, sondern er kann auch als wesentlicher Aspekt des MENSCHseins verstanden werden. Die Juden zB. wurden jahrhundertelang von vielen gesellschaftlich-produktiven-ökonomischen Bereichen ferngehalten, was sie als Beschränkung ihres Menschseins empfanden, und wovon sie sich zu emanzipieren suchten. Bei der Arbeit mit Kollegen ein Problem lösen, das ist eine fundamentale, ur-menschliche Erfahrung, die darf (wie zB. mE. das Erlebnis einer Geburt) nicht auf eine Hautfarbe oder ein Geschlecht begrenzt werden.

Die These, dass (zumindest westliches) MENSCHsein besser SOWOHL öffentliches als AUCH familiäres Engagement in EINER Person, einem Menschen ist (und dass Menschsein inhärent expansiv bzw. strebsam ist und sich NIE mit dem Erreichten, Vorhandenen zufrieden geben darf, also umfassend ist), muß deshalb in Bezug auf die demografische Entwicklung mE. Lösungen andenken, die a) NIE das KOMPLETTE Menschsein irgendeines Bürgers (Frau/Neger/Jude/Homo) beschränken (=> Möglichkeit der vollständigen Teilnahme aller am gesamten Polit- und Wirtschaftszirkus), b) Demografie an dem Ziel, MENSCHsein zu VERBESSERN orientiert. Damit meine ich quasi, dass ein gesetzestreuer Negerianer besser ist als 100 randalierende Ostfriesen. “Qualität geht über Quantität”, sei die Parole. Ich meine, dass wir mE. unsere Lebens- und Wissensqualität aufgrund unserer PRODUKTIVITÄT durchaus auch mit der Hälfte der Bürger halten können.

“Man stelle sich folgendes Szenario vor: Auf der sechsspurigen Autobahn fährt am helllichten Tag nur alle paar Minuten ein einsames Auto vorbei. Leere, verfallene Wohnbauten säumen als triste Zeugen einer ehedem wachsenden Bevölkerung die Strasse, finsterer Wald dringt vor in Gebiete, wo früher die Traktoren fuhren, Rapsfelder blühten und subventionierte Zuckerrüben ins Kraut schossen. Wolf, Bär und Luchs wohnen plötzlich dort, wo einst Menschen siedelten”, so las ich am 23.3. in der NZZ. “Mit ein bißchen Zukunftspessimismus und viel schwarzer Farbe könnte man sich das Bild von der kiinftigen Schweiz tatsächlich so ausmalen, vorausgesetzt, man glaubt an das Schreckensszenario vom demografischen Untergang, von der Überalterung, von der Vergreisung der Bevölkerung. Die Zahlen sprechen scheint’s auch eine klare Sprache… Ist die Schweiz also dem Untergang geweiht? Braucht es folglich eine Familienpolitik, welche die Frauen – und unter ihnen BESONDERS die AKADEMIKERINNEN – im DIENSTE des Staates und seines Sozialsystems wieder vermehrt in den Kreißsaal führt? Muss angesichts des drohenden Untergangs Muttersein quasi zu einer Vaterlandspflicht erhoben werden?… Ein Blick in die Vergangenheit lässt zumindest eine gewisse Gelassenheit in dieser Frage zu. Die Diskussion um den demografischen Niedergang ist nämlich nicht neu, und entsprechende apokalyptische Prophezeiungen haben sich wiederholt als Irrtum erwiesen. Schon die alten Römer machten sich Sorgen um die Bevölkerungszahl und legiferierten tüchtig gegen unerwünschte Entwicklungen an. Die Ehe- und Sittengesetze des Kaisers Augustus zum Beispiel sind unter anderem als Versuch zu verstehen, dem drastischen Geburtenrückgang in der Oberschicht gegenzusteuern. Deshalb wurde, wer nicht verheiratet war oder keine Kinder hatte, mit schwerer Strafe bedroht. Nichtverheiratete wurden bei der Vergabe öffentlicher Ämter benachteiligt, wer hingegen mehr als drei Kinder hatte, bevorzugt. Genützt haben die Gesetze laut dem Althistoriker Holger Sonnabend übrigens nichts. Selbst die Ehe des Kaisers blieb kinderlos, der Versuch einer politischen Steuerung der Fertilität geriet zum Reinfall…”

Die NZZ weiter: “Empfohlen sei ein Blick in die jüngere Schweizer Geschichte. Angesichts des Geburtenrückgangs und ganz im Dunste der geistigen Landesverteidigung hörte der katholisch-konservative Bundesrat Philipp Etter in den dreissiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ebenfalls das Totenglöcklein “seines” Volkes läuten. “Wenn die Dinge sich so weiterentwickeln wie bisher”, zitiert ihn die Historikerin Doris – Huber (1991), “stehen wir in der Tat im Begriffe, ein sterbendes Volk zu werden.” Doch wie Figura zeigt, sind die Schweizer nicht ausgestorben, und es geht uns erst noch besser denn je.

Vorsorgliche Panikmache mit der Demografiefrage ist auf der Politbühne vielleicht attraktiv, weil sich daraus – wie bei anderen prognostizierten “Katastrophen” – leicht politisches Kapital schlagen lässt. Doch Panik ist nicht angezeigt. Den modernen liberalen Staat geht das Reproduktionsverhalten seiner Bürger ohnehin nichts an. Denn die Bürger gehören nicht dem Staat, es ist genau umgekehrt. Die Bürger sind – zumal in einem direktdemokratischen System – selbst der Souverän. In dieser Funktion haben sie theoretisch sogar das Recht, durch ihr Verhalten ihr eigenes Aussterben zu beschliessen, sofern sie das wollen. Kinder “für das System” zu FORDERN, sei es zum Erhalt eines Volkes oder zur Sicherung der Renten -, hat nicht nur deshalb einen unmoralischen Beigeschmack, weil es ganze, Generationen menschlicher Existenzen verzwecklicht, es zeugt auch von einem autoritären Staatsverständnis.

Der liberale Staat ist keine in ewiger Balance zu lenkende Maschine, und seine Regierung ist kein Ingenieur. Vielmehr ist der Staat ein lebendiges, demokratisches, sich ständig wandelndes und anpassungsfähiges Gebilde. Dies gilt es bei der Diskussion über die Uberalterung zuallererst zu würdigen… umso mehr, als es keineswegs erwiesen ist, dass allein eine höhere Geburtenziffer die Renten quasi automatisch bis auf den Sankt-Nimmerleins-Tag sichern kann. Der in Freiburg lehrende Finanzwissenschafter Reiner Eichenberger bestreitet diese These sogar ausdrücklich. Rein finanziell betrachtet, koste der Durchschnittsbürger mehr, als er während seines Lebens wieder einbezahle, sagt Eichenberger. Von einer Fertilitätspolitik rät er deshalb ab. Kommt dazu, dass die Alten in der alternden Gesellschaft nicht einfach eine undifferenzierte und unproduktive Ansammlung von Greisen darstellen, die in tristen Altersheimen ein trostloses Dasein fristen und den Jungen nur zur Last fallen. Viele von ihnen werden über eine sozialpolitisch definierte Altersgrenze hinaus aktiv bleiben, als Erwerbstätige und auch als Konsumenten. Im Lichte dieser Entwicklung ist der diese Woche gefallene Entscheid des Nationalrats zur 11. AHV-Revision nichts anderes als logisch.

Für die Alterssicherung in der alternden Gesellschaft ist daher nicht die Fertilität zu fördern, sondern die spätere Produktivität der vorhandenen Kinder. Denn es ist nicht relevant, wie viele Aktive dereinst rein rechnerisch für einen Rentner werden aufkommen müssen; viel entscheidender ist ihre PRODUKTIVITÄT. Diese zu fördern, heisst, in eine gute BILDUNG zu INVESTIEREN; die gut ausgebildeten Jungen zu halten, heisst, attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen. Daran beteiligen sich Familien und Kinderlose gleichermassen. Und so bekommt die Vorstellung von weniger Stau, grösseren Wohnungen und mehr Platz für alle – kurz: die schrumpfende Gesellschaft – ein durchaus sympathisches Antlitz.”

Ich frage Sie also, sind wir, da wir offenbar eine SCHRUMPFENDE Gesellschaft sind, denn unbedingt eine KRANKE? Oder sind wir vielleicht eher eine GESUNDschrumpfende Gesellschaft? Ist nicht viel eher das, was in Afrika und insbesondere bei den Pallies geschieht, mit 10 bzw. mehr Zwangs-Geburten pro Gebärmaschine, eine KRANKHEIT?

Time am 19. Juni 2007

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(1) http://www.cicero.de/97.php?ress_id=6&item=1871

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