Bürgerheld

Wer als Ursache des globalen Jihad eine Verschwörung DER Linken oder der Freimaurer vermutet, wird vermutlich einen anderen Lösungsansatz präferieren als jemand, der den Mohammedanismus für einen aus seiner Flasche entwichenen Wüstengeist hält (so wie ich). Mir ist eigentlich JEDER Counterjihadi recht und daher auch JEDER Lösungsansatz. Einen mE. sehr interessanten US-amerikanischer Herkunft stellt heute Mechthild Küpper in der FAZ vor. Sie schreibt über eine BÜRGERPLATTFORM in Berlin:
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“Die Idee klingt einfach, und sie ist einfach: Wenn Bürger sich zusammentun, wenn sie gemeinsame Interessen feststellen und gemeinsam auftreten, um diese DURCHZUSETZEN, dann sind sie eine MACHT, auch wenn sie keiner Partei angehören und nicht viel darstellen. Jeder, der abends um kurz vor sieben den lebhaften Verkehr vor der ‚Universal Hall‘ im Stadtteil Moabit betrachtete, im Saal saß und zusah, wie ZUPACKEND die Platzanweiser die Menschenströme lenkten, bekam eine Vorstellung davon, wie unendlich mühsam der Prozess ist, der zu SO einer Veranstaltung führt. Im Fall von Wedding und Moabit hat es 914 Tage gedauert, bis 1150 Leute in der ‚Universal Hall‘ saßen, um eine Bürgerplattform zu gründen, mit der sie künftig ihre Interessen vertreten werden…

Mehr als vierzig deutsche, türkische, arabische, afrikanische und russische Gruppen traten in der ‚Universal Hall‘ jetzt nacheinander auf, nannten ihre Namen, bezeichneten ihre Arbeit und sagten, wie viele Leute sie mitgebracht hatten: neunundvierzig Mitglieder der Aksemseddin Moschee, achtzehn von der Baptistenkirche, vierzehn von der Gemeinde Wedding der Stadtmission, siebenundzwanzig vom Verein ‚Freie Weddinger‘, vierzehn von der Interessengemeinschaft Selbständiger im Soldiner Kiez, fünf vom Wohnungslosentreffpunkt ‚Unter Druck‘. Einen so ‚breiten und bunten Zusammenschluss‘ habe er noch nie erlebt, sagte der Vertreter des Vereins ‚Bürger im Stephankiez‘, allein hätten sie ‚viel versucht und nicht genug erreicht‘.

Was ist eine Bürgerplattform? In Berlin hat diese Organisationsform ein strahlendes Referenzprojekt im ehemaligen Industriebezirk Oberschöneweide. Der AMERIKANISCHE katholische PRIESTER und Hochschullehrer Leo Penta hat mit seinen Studenten von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen dort in den neunziger Jahren beobachtet, wie die herrlichen Industriehallen an der Spree, erst von ihren Firmen verlassen, dann aufwendig saniert, leer standen und verfielen, während die Bewohner ratlos und ohnmächtig ohne Arbeit und Perspektive lebten. Die 2002 gegründete Bürgerplattform ‚Bürger verändern ihren Kiez – Organizing Schöneweide‘ ist inzwischen in Berlin gut bekannt, sie erfreut sich der Wertschätzung des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD), der froh ist, dass auch andere zu der Erkenntnis gelangt sind, dass Politik nicht alles kann, und des Bürgermeisters Harald Wolf von der LINKSpartei, der froh ist, ANTIETATISTISCHE Vorhaben gedeihen zu sehen. In jahrelangen Verhandlungen erreichte ‚Organizing‘, dass die bis dahin an mehreren Standorten arbeitende Fachhochschule für Technik und Wirtschaft in eine der Industriehallen umziehen durfte… Im nächsten Jahr werden sechstausend Studenten und zweihundert Hochschullehrer das Quartier beleben. Die Bürgerplattform in Schöneweide hat inzwischen die ‚Schöneweide AG‘ mitgegründet, die sich vorgenommen hat, vierhundert neue Jobs zu schaffen. Wer sieht, wie selbstbewusst die Schöneweider nach ihrem Coup mit der Fachhochschule auftreten, ahnt, warum sich nicht alle Kommunalpolitiker zutrauen, ‚auf Augenhöhe‘ mit den selbstorganisierten Bürgern zu verhandeln.

Noch sichtbarer als in Schöneweide wird in einer ehemals übelbeleumdeten Gegend von BROOKLYN, wie mächtig Bürger sind, die sich zusammenschließen. MEHRERE TAUSEND Einfamilienhäuser stehen dort heute, wo vor Jahren noch Drogenkriege und Verzweiflung dominierten. Unterstützt von KIRCHENgemeinden, haben arme New Yorker Bürger ein von der Politik und der Polizei weitgehend aufgegebenes Terrain zurückerobert. Die Siedlung… leidet nicht unter den unseriösen Subprime-Hypotheken. Ihre Häuser sind SOLIDE finanziert.

Bürgerplattform, das ist das GEGENTEIL von Bürgerinitiative und auch das Gegenteil des Berliner ‚Quartiersmanagements‘, das in besonders gefährdeten Gegenden staatlich finanziert wird. Es gibt nicht das eine Thema, um das sich die Gruppe organisiert. Mit der Plattform verbessern Bewohner eines Stadtteils gemeinsam ihre Lebensumstände. In beispielhaften Erzählungen wurden die dringlichsten Anliegen in Wedding und Moabit geschildert: Die Schulen müssen mehr für und um die Kinder kämpfen, Drogenkonsum und andere VERWAHRLOSUNGSPRAKTIKEN müssen aus dem öffentlichen Raum VERSCHWINDEN, und das Job Center muss beigebracht bekommen, für seine Kunden effizienter und freundlicher zu arbeiten. Bürgerplattformen nehmen KEIN Geld vom STAAT. Gegenüber Stadträten, Senatoren und Fraktionsvorsitzenden brauchen sie nicht mehr, als die übliche BÜRGERLICHE HÖFLICHKEIT zu üben.

Leichter und konfliktfreier macht das die Arbeit nicht. Auch arme Leute können sich unmöglich benehmen und kompromissunfähig sein, auch Vereine mit vielen guten Absichten können als Lobbys für das schlechte Alte wirken. Bei der Versammlung in der ‚Universal Hall‘ sah man, wie ENERGISCH dafür gesorgt werden musste, dass ARABISCHE junge MÄNNER mal Älteren und Kranken Platz machten, und wie supergeduldig Müttern, die Plätze für ihre Angehörigen freihielten, erklärt werden musste, warum auch sie ihre Handys abstellen sollten. Für die Definition dessen, was falsch läuft und was nötig wäre, ist der Bürger der EXPERTE, die Vertreter von Verwaltung, die Wirtschaft und die Politik sind seine Gesprächspartner…

Immer wieder wurden am Gründungsabend die 914 Tage Vorbereitung zitiert: AMATEURE sind beim ‚Community Organizing‘, wie das Projekt in Amerika heißt, FEHL am Platz. Ein HAUPTBERUFLICHER ‚Organizer‘ wird von Spenden der beteiligten Gruppen, Vereine, Geschäfte bezahlt, er erledigt die mühsame Arbeit des Redens, Anrufens, Herumlaufens, Überzeugens. Die Gruppen der Bürgerplattform haben je eine Stimme, sie schicken eine bis drei Personen in die Versammlungen. Nur bei Bedarf werden Vollversammlungen einberufen. Wer eine Bürgerplattform gründet, sollte zu langfristigem Engagement bereit sein, ein Vollzeitaktivist braucht niemand zu werden. Mit der Zeit und der Energie der Beteiligten geht eine Bürgerplattform SPARSAM um, ihre Veranstaltungen sind DURCHGEPLANT und werden STRAFF geführt… ‚Tue nichts für andere, was sie für sich tun können.‘ Das ist die Maxime der bürgerlichen Selbstorganisation… Der Ton, den Leo Penta, der inzwischen das ‚Deutsche Institut für Community Organizing‘ an seiner Hochschule leitet, anschlägt, ist betont trocken und nüchtern, sein Auftritt äußerst zurückgenommen – von messianischer Menschheitsbeglückung so weit entfernt wie möglich.”
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Nun ja, ich gebe zu, das hört sich nach SEHR lang dauernder Detailarbeit vor Ort an, und die Anglizismen sind auch recht ulkig. Aber es geht ja auch um die globale Beendigung des 1400-jährigen Jihad, das geht vielleicht nicht von einem auf den anderen Tag. Und für die, denen das zu hobbithaft und UNHELDISCH ist, hier ein Link zu einem bürgerlichen Heldensong von “Rose Tattoo”: http://www.youtube.com/watch?v=sJd1LiOX78E .

Hier der Text:

1854

Give me your heart now
Give me your hand
Take this oath with me
and make a stand
Are these our last days
Then let it be
l’ll stand by you
if you stand by me

We are NOT born to live in bondage
We are NOT born another man’s slave
It’s written we are created equal
A birthright from the cradle to the grave

There are times that turn against us
There are those who break those sacred ways
Treachery builds locks and chains
We are forced to live our darkest days

All for one
One for all
In good company we rise or fall
All for one
One for all
I won’t turn away
I heard you call

There was a song taught when I was younger
lt was a song that sets a man’s heart free
The words we learnt to sing spoke of Glory,
Truth and Justice and dignity
There were stories of our heroes
Who fought and died for life and liberty
They spoke of finding one thing
You will die for
So you can truly then start to live
Treachery builds locks and chains
We are forced to live in darkest days

All for one
One for all
In good company we rise or fall
All for one
One for all
I won’t turn away
Hear my call

If this be the last day that I see
I know I’ve lived and died in good company

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Worum ging es? Vom 29. November bis 3. Dezember 1854 fand der so genannte “Eureka-Stockade-Aufstand” der Minenarbeiter in Ballarat statt, der einzige bewaffnete Aufstand der australischen Geschichte. Der Aufstand, bei dem die Einwohner des Landes die Freilassung gefangener Landsleute, allgemeine Wahlen, geheime Abstimmungen und viele andere Reformen forderten, wurde am 3. Dezember 1854 von britischen Militärs und lokalen Polizeikräften niedergeschlagen. 14 Bergleute sowie 6 Soldaten und Polizisten starben für ein bürgerliches, demokratisches Australien. Hear the thunder down under!

Time am 27. November 2008

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PS.: Ich finde es erschütternd, dass die Nachricht von der Ehrenpreisverleihung an Mörder Kuntar durch Zippy nach zwei Tagen immer noch nicht den Eingang in IRGENDEIN deutschsprachiges Medium gefunden hat (mit Ausnahme israelnetz und hagalil)…

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