Eine seltsame Anzeige

Heute wartet die FAZ im Hauptteil auf Seite 9 mit einer ganzseitigen Anzeige auf, die einmal mehr zeigt, wie fundamental breit der  Graben zwischen IHNEN und UNS ist.

Die Anzeige zeigt in einem rotem Rahmen 12 „verstörende“ Bilder, die wohl aus Gaza und der Zeit des jüngsten israelischen Counterjihad gegen die Hamas stammen. Oben stehen drei Bilder, und dann folgt dieser Text: „Offener Brief an Seine Exzellenz Barack Obama – Präsident der Vereinigten Staaten – Sie haben Ihr Amt mit dem Versprechen von Veränderung übernommen. Wir bitten Sie, diese Veränderung auch auf die Politik Palästina-Israel zu beziehen. Ihre Exzellenz, ES WIRD gesagt, die Hamas feuere Raketen ab, greife Israel an, töte mehr als zweitausend Menschen einschließlich Frauen und Kinder, setze hoch entwickelte Waffen aus dem AMERIKANISCHEN Arsenal ein und verletze internationale Gesetze. Man fragt dabei nicht, WARUM die Raketen abgefeuert werden, nämlich weil das Land BESETZT ist, die Grenzen geschlossen sind und die Bevölkerung im Belagerungszustand lebt. Ihre Exzellenz, wir bitten Sie nur, GERECHT zu bleiben. Wie würden Sie reagieren, wenn die USA besetzt wären?“ Es folgen weitere drei mal drei Bilder und sodann ein Logo mit arabischem Gekritzel und den Worten „Al Kharafi Gruppe“.

Googeln nach Al Kharafi fördert nicht nur seine Versuche zutage, den FC Liverpool für rd. eine halbe Mrd. zu kaufen, sondern zB. auch einen aktuellen Bildzeitungsartikel (1), in dem es heißt: „Ziel der Annonce, mit der die ‚FAZ‘ laut Preisliste über 67.000 Euro verdient: Die Angriffe der terroristischen Palästinenser-Organisation Hamas auf Israel sollen gerechtfertigt werden als Reaktion auf die israelische Besatzungspolitik. Absender der Hetz-Kampagne ist der Bau-Unternehmer und Multi-Milliardär Nasser Al-Kharafi (64). Der stinkreiche Kuwaiti, dessen Land die USA im Golfkrieg 1990 von der Besatzung des Irak befreiten, wird vom US-Wirtschaftsmagazin ‚Forbes‘ auf Platz 46 der reichsten Menschen der Erde geführt. Schon im Libanonkrieg 2006 schaltete er in der ‚International Herald Tribune‘ eine Anzeige, die den Krieg der Israelis gegen die Hisbollah mit dem faschistischen Regime der Nazis verglich. Und schon damals fragten Medien-Kritiker, ob es moralisch vertretbar sei, mit politischer Hetze und historisch fragwürdigen Vergleichen Anzeigenplatz zu füllen.“

Der Pressespiegel der deutschen Botschaft/Kuweit vom 23. Juli 2008 enthält folgende interessante Passage (Salah Al-Hashim auf Online-Zeitung Alaan). „… Der bekannte und gewichtige Geschäftsmann Nasser Al-Kharafi hat am 16. Juli 2008 in der Zeitung ‚Al-Qabas‘ die libanesische Hisbollah und deren Führer Al-Sayyed Hassan Nasrallah anlässlich des Gefangenaustausches mit Israel gelobt und gewürdigt, gleichzeitig den kuwaitischen Leser provoziert, da diese Miliz in die Entführung des Flugzeugs der Kuwait Airways und den Mordversuch gegen den ehemaligen Emir Scheich Jaber Al-Ahmad in den achtziger Jahren und nicht zuletzt in die Veranstaltung einer Kondolenzkundgebung für Maghnieh verwickelt ist. Bedauerlich habe ich bisher keinen Kommentar gelesen, der die Meinung von Al-Kharafi befürwortet, widerspricht oder kritisiert, zumal diese Haltung von einer Persönlichkeit kommt, die sich nicht um die innenpolitische – nicht sogar die arabische und internationale – Lage kümmert und sich eher auf wirtschaftliche Tätigkeiten konzentriert. Es ist auch bekannt, dass er und sein BRUDER, der PARLAMENTSPRÄSIDENT Jasim Al-Kharafi, uneinig sind, da der erste den Geschäftstätigkeiten der Familie Vorrang gibt. Ich musste aber feststellen und mich daran erinnern, wie das GELD die MEINUNGSBILDUNG in Kuwait dominiert. Al-Kharafi in seinem Artikel widerspricht der Haltung der der Kuwaitis gegenüber Hisbollah und Emad Maghnieh. Was treibt Herrn Al-Kharafi dazu, die Hisbollah so ÜBERTRIEBEN zu LOBEN? Muss er so eine Position einnehmen, um seine GESCHÄFTE und wirtschaftliche Interessen in Syrien und Libanon zu verteidigen?…“

Wie man sieht, durchdringt der Jihad auch die orkische Geschäftswelt und macht es notwendig, dass sich diese als eine Art Unterabteilung desselben versteht und präsentiert. Dass die FAZ die 67.000 Euro einsteckt, finde ich persönlich nicht verwerflich (wenn auch bedenklich), da sie auf den Grips ihrer Leser vertrauen kann, welche die Anzeige umgehend als dilettantisches Machwerk des Medienjihad identifizieren können. Ulkig, dass die Scheichs glauben, sie könnten mit einem derartigen Gefasel bei uns Westlern punkten. Sehr seltsam, dass sie 67.000 Euro verbraten, aber kein Honorar für einen anständigen, deutsch-muttersprachlichen Texter übrig haben (was ich für ein Beispiel ihrer unglaublichen Hochnäsigkeit halte). Folgender Part ist doch entweder völlig durchgeknallt oder aber ein Beispiel für den blumigen arabischen Humor: „… ES WIRD gesagt, die Hamas feuere Raketen ab, greife Israel an, töte mehr als zweitausend Menschen einschließlich Frauen und Kinder, setze hoch entwickelte Waffen aus dem AMERIKANISCHEN Arsenal ein und verletze internationale Gesetze…“ Äh, bitte? Und was meint „weil das Land BESETZT ist“? Hamas kontrolliert Gaza, die Fatah die Westbank und die IDF Israel. Das von Israel „besetzte“ Land ist das israelische Territorium. Dass Israel sein Territorium kontrolliert, ist nach Meinung des Vogelscheichs ein Unrecht, die Existenz Israels ist ein Unrecht, gegen das die Hamas kämpft, und DARUM gerechterweise Raketen auf die Juden schießt, was „Barack Obama“ (hier wurde interessanterweise der „Hussein“ mal weggelassen) einsehen soll, um seinerseits GERECHT zu bleiben. Auuuuuuweia!

Ich grüße Sie,

Time

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Update1:

Inzwischen hat Mr. Moe eine Abbildung der oben besprochenen FAZ-Anzeige unter (2) eingestellt. Mr Moe schreibt dazu u.a.: „In der Überzeugung, dass diese Entscheidung ohne Alternative ist, hat der Betreiber dieses Blogs sein Abonnement ‚einer der besten Zeitungen der Welt‘ daher so eben gekündigt. Wer einen Rest Anstand besitzt möge es ihm gleichtun, denn wer sein Abonnement aufrecht erhält bekennt sich zu den Judenmördern der Hamas und finanziert überdies diejenigen, die in Deutschland Verständnis für selbige aufbringen.“

Auch auf die Gefahr hin, daß Mr. Moe, dessen Arbeit ich sehr schätze, mich nun voll und ganz unanständig findet, werde ich mein FAZ-Abo nicht kündigen.

Erstens lege ich Wert auf eine große überregionale Tageszeitung an jedem Morgen, und da käme für mich dann allenfalls noch die Welt infrage, die ich persönlich aber etwas zu populär aufgemacht finde (zudem ist eine jahrelang regelmäßig bezogene Tageszeitung so etwas wie eine Wohnung, in der man gerne wohnt, und die man nicht ohne weiteres aufgibt – ebenso wie 8dS übrigens!).

Zweitens bin ich der Überzeugung, dass weder Geldgier (der FAZ geht es gut) noch Unaufmerksamkeit noch Willfährigkeit dem Jihad gegenüber zur Veröffentlichung der Anzeige geführt haben. Ich denke, man hat das Geld gerne abgegriffen und den dummen Ork auf seine eigenen Kosten einen tiefen Einblick in seine verdrehte Mentalität demonstrieren lassen. Ich denke, die FAZ schätzt ihre gebildete Leserschaft hoch und richtig ein und erwartet in Folge der Anzeige vielleicht eine lebhafte Diskussion darüber. Als Propaganda für die Hamas ist die Anzeige jedenfalls mE. – zumal in der FAZ – völlig verfehlt, sie ist nur ein weiteres peinliches Jihad-Produkt, welches für sich selbst spricht oder besser stammelt. Unter (3) können Sie sich beispielhaft ein anderes peinliches Jihad-Produkt (mutmaßlich deutscher Ex-Kommunisten-Konvertiten) zuführen, das ebenso wie die Anzeige so absurd ist, dass sich die beabsichtigte Wirkung völlig ins Gegenteil verkehrt. Mr. Moes FAZ-Analysen werden mir allerdings fehlen.

Update2:

Die Anzeige wurde in der FAZ in der Folge mW. nicht ein einziges Mal erwähnt, auch nicht zB. in einem  Leserbrief.

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(1) http://www.bild.de/BILD/news/politik/2009/02/09/al-kharafi-group-anzeige-in-der/frankfurter-allgemeinen-zeitung.html

(2) http://zeitungfuerdeutschland.wordpress.com/2009/02/09/wir-sind-raus-und-wir-sind-stolz-darauf/

(3) http://www.islamischer-weg.de/melodien/muslimesindwir.mp3

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