The Fabulous Gitmo-Freak-Show

Gestern kam die „Gitmo-Freak-Show“ ganz groß in der FAZ raus und besetzte dort nahezu komplett die erste Seite des 8-seitigen Teils „Gesellschaft“. Im Interview der 24-jährige Christopher Arendt, der als Mitglied der Army National Guard im Alter von 19 Jahren 9 Monate lang auf Guantanamo stationiert war, sowie der 40-jährige Paki-Brite Moazzam Begg, der dort drei Jahre lang inhaftiert war.

Wenn ICH gekidnapped werde, werde ich gekidnapped. Nicht so Mr. Begg, bei ihm handelte es sich um ein „regelrechtes Kidnapping“. Was aber soll der einschränkende Zusatz „regelrecht“ ausdrücken? Vermutlich wurde er von Sicherheitsbeamten vor die Tür gebeten, aber „Kidnapping“ hört sich natürlich ungesetzlicher und dramatischer an als „Festnahme“.

„FRAGE: Herr Begg, wurden Sie als Häftling GEFOLTERT? ANTWORT: Ja, und zwar mit FAST jeder DENKBAREN Methode: Schläge, Tritte, Schlafentzug, Lärm, Attacken mit Hunden, Drohungen in Bezug auf meine Frau und meine Kinder…“.

Um es klar zu sagen, ich finde Folter verabscheuenswürdig und indiskutabel, und ich bin nicht nur gegen Mißhandlungen sondern auch schon gegen Grobheiten, aber all dies ist nicht dasselbe. Was FOLTER ist, erfährt man aus christlichen Märtyrer-Geschichten, von Überlebenden der Nazizeit oder aus B.E. Ellis „American Psycho“. Was Mr. Begg erlebt haben will, ist nichts davon. Wie unglaubwürdig vielmehr seine Worte sind, wird mE. aus folgender Passage deutlich: „FRAGE: Welches war die schlimmste Erfahrung? ANTWORT: Begg: Die SCHLIMMSTE Erfahrung war es, miterleben zu müssen, wie ANDERE Gefangene zu TODE geprügelt wurden. Zeuge von Folterungen zu sein und nichts dagegen unternehmen zu können, das ist SCHLIMMER, als SELBST gefoltert zu werden.“ Noble Einstellung, aber dass in Guantanamo Menschen zu Tode gekommen sein sollten – es sei denn durch Suizid – war mir und dem Roten Kreuz bisher unbekannt. Und es ist auch seltsam, wie diese ungeheuerliche Behauptung so quasi nebenbei daherkommt, quasi als weitere Methode, die an Mr. Begg angewandt worden sein soll. Folter an anderen als schlimmer zu empfinden als schwere Qualen des eigenen Körpers, das ist reine Poesie und deutet darauf hin, dass der romantische Mr. Begg im Leben noch nie schwere körperliche Schmerzen ertragen mußte.

Was sagt der ehemalige Wärter dazu? „FRAGE: Herr Arendt, wurden Sie während Ihrer Zeit in Guantánamo Zeuge von FOLTERUNGEN? ANTWORT: Ja, DEFINITIV. Allerdings handelte es sich überwiegend um PSYCHOLOGISCHE Folter. Ich erlebte jedoch auch Gefangene, die stundenlang in unangenehmen Positionen verharren mussten, die am Schlaf gehindert wurden… FRAGE: Haben Sie je selbst Folter angewendet oder wurden dazu aufgefordert, es zu tun? ANTWORT: ICH halte es EIGENTLICH schon für eine Folter, Menschen unter diesen Bedingungen in einem SOLCHEN Lager festzuhalten… SO gesehen, war ich an Folterungen beteiligt, ALLEIN indem ich für dieses SYSTEM gearbeitet habe.“ Ach so, ja klar, das fiese Schweinesystem! Und außerdem sind Sie WEISS, Christopher! Das allein macht Sie – in Ihren Augen – SCHULDIG!

„FRAGE: Herr Begg, haben Sie körperliche ODER seelische Schäden von Ihrer Gefangenschaft zurückbehalten? ANTWORT: Ich glaube, es gibt niemanden, den eine solche Erfahrung nicht TRAUMATISIEREN würde. Man kann danach nicht einfach weiterleben wie vorher. Das gilt auch für mich. Ich möchte da aber nicht ins DETAIL gehen.“ Yeah, cool! Also keine körperlichen Schäden, keine beweisbaren Spuren von Mißhandlungen, jedoch „Trauma“. Ich habe mal ein Folteropfer der iranischen Mullahs erlebt, der Mann war ein Wrack, er zuckte bei jeder unvorsichtigen Bewegung eines anderen Menschen unwillkürlich zusammen. „FRAGE: Herr Arendt, was war Ihre schlimmste Erfahrung in Guantanamo? ANTWORT: Es gibt da keine EINZELNE ’schlimmste Erfahrung‘. Guantanamo ist vielmehr eine EINZIGE Ansammlung ERSCHRECKENDER Erlebnisse. Ich habe dort die SCHLIMMSTE Zeit meines Lebens verbracht.“ Das mit der schlimmsten Zeit glaube ich gern, wie können amerikanische Militärs überhaupt 19-Jährige an solch extrem langweilige Orte auf der Erde bringen? Dass den das fertig macht, ist doch klar. Sie sollten mal den durchtriebenen Blick von Begg sehen und das träumerische, kindliche Gesicht von Arendt.

Arendt hat jetzt, wie er sagt, sein Vertrauen in die Regierung völlig verloren, sein sechsjähriger Dienst ist auch vorbei, was tun? Da ist es gut, dass es die „Gitmo-Freak-Show“ gibt, bei der man anheuern kann. Und das kam so: „FRAGE: Herr Arendt, Herr Begg, wie war das, als Sie einander zum ersten Mal trafen – der ehemalige Wärter und der ehemalige Gefangene? ANTWORT: Arendt: Ich war bei unserem ersten Treffen völlig überwältigt. Ich glaube, es wird noch eine ganze Zeit dauern, bis ich die richtigen Worte dafür finde. Begg: ICH hatte vorher schon einen AUFTRITT von Chris im Internet gesehen und DARAUFHIN ein paar E-Mails mit ihm gewechselt, weil ICH ihn näher kennenlernen wollte. Ich bin einfach davon überzeugt, dass wir gemeinsam mehr ausrichten können als jeder für sich allein. FRAGE: Wie würden Sie Ihr Verhältnis zueinander charakterisieren? ANTWORT: Begg: Wir sind uns zwar erst vor gut einer Woche zum ersten Mal persönlich begegnet, aber ich würde Chris trotzdem schon als einen Freund bezeichnen. Arendt: Mir geht es genauso. Ich kann auch viel von meiner eigenen Persönlichkeit in Moazzam erkennen. Und ich bewundere seine Kraft und seinen Mut.“ Na, da muss man Mr. Begg wohl für die gelungene Rekrutierung gratulieren.

Der hatte noch nie Vertrauen in die US-Regierung: „… ich hatte auch schon vorher wegen der ISRAEL-Politik meine Schwierigkeiten mit den USA. In Guantánamo habe ich aber ABGRÜNDE erlebt, von denen ich WAHRHAFTIG nichts ahnte. FRAGE: Hat Ihre Gefangenschaft Sie (über Ihren Judenhaß hinaus, T.) politisiert? ANTWORT: Begg: Auf jeden Fall… Ich habe GELERNT (nein, jetzt kommt nichts über Gewalterfahrung, sondern, T.:), wie schnell es geht und wie gefährlich es ist, ganze Gruppen von Menschen zu DÄMONISIEREN. Die ISLAMOPHOBIE ist ja nur ein Beispiel dafür.“ The „Gitmo-Freak-Show“ is rolling on an‘ on! „Arendt: … mein grundsätzliches Misstrauen in die Politik bleibt bestehen… viel wichtiger wäre es, dass wir Amerikaner einfach mal GRUNDSÄTZLICH unseren LEBENSSTIL überdenken.“ Nicht wahr, U-U-UMMA is calling you! „Begg: Das sehe ich genauso. Wir leben BEKANNTLICH in Zeiten der unmittelbaren Bedürfnisbefriedigung, und da ist die Versuchung groß, auf Obama zu setzen und zu glauben, mit ihm wird plötzlich alles gut. SO einfach ist es aber nicht. Die Amerikaner brauchen einen neuen Blick auf sich selbst und auf den Rest der Welt. FRAGE: Herr Arendt, hatten Sie in Guantánamo je das Gefühl, SCHULD auf sich zu laden? ANTWORT: Jeden einzelnen Tag.“

Ja die böseböse Bedürfnisbefriedigung, die am freien Westen angeprangert wird, während sie beim Mißbrauch von kleinen Mädchen, sofern der Täter ein erwachsener Mohammedanist ist, als sakrosankte religiöse Handlung gilt: Megastar Bekkay Harrach stößt da ja in dasselbe Horn, und ich erlaube mir die Bemerkung, dass auch manch counterjihadischer Kommentar davon gar nicht so weit entfernt liegt (Hier ein Bericht über Harrach aus dem Express (1) sowie das Harrach-Video in drei Teilen (2-4).

Jedoch bleibt abschließend leider festzustellen, dass weder Begg noch Harrach dem einsamen Giganten, dem Topact der „Gitmo-Freak-Show“, das Wasser reichen können: Murat „Rübezahl“ Kurnaz. Wie seit dem 28.6.07 bei Lizas Welt (5) zu lesen ist, behauptete Kurnaz Folterungen mit Elektroschocks (da hat der BEGG aber Glück gehabt), Schläge UND (das ist der Gipfel!) Schändungen des Klorans.

„Aber seine Anklagen umfassen noch weit einfallsreichere Dinge, wie etwa die Behauptung, zur regulären Praxis des medizinischen Personals der Amerikaner in Guantanamo habe es gehört, Inhaftierten gesunde Körperteile zu amputieren. In einem Fernsehbericht, der erstmals am 19. April von Radio Bremen ausgestrahlt wurde, erklärte Kurnaz: ‚FAST jedes Mal, wenn jemand zur Krankenstation musste und mehrere Tage nicht zurückgekommen ist, kam er mit irgendeinem Teil seines Körpers weniger wieder. Das habe ich mit eigenen Augen gesehen, dass irgendwelche Nachbarn von mir zur Krankenstation gebracht wurden, irgendwann wiederkamen und denen was amputiert wurde. Obwohl sie nicht krank gewesen sind, obwohl das nicht nötig gewesen ist. Gesunde Finger zum Beispiel.’“

Kurnaz wiederholt die gleiche Beschuldigung in seinem Buch, wobei die Körperteile dort SELTSAMERWEISE größer und wichtiger werden und sogar von Extremitäten die Rede ist. Kurnaz zufolge haben amerikanische Ärzte einem saudischen Häftling BEIDE Beine amputiert, bevor sie ihn mit bandagierten STÜMPFEN, aus denen Blut und Eiter tropften, in seinen ‚Käfig‘ zurückschickten. Charakteristisch für die deutsche Rezeption des Buches ‚Fünf Jahre meines Lebens‘ ist eine Besprechung von Yassin Musharbash (!, T.) im Spiegel, in der diese von Kurnaz erzählte Geschichte voller Abscheu wiedergegeben wird – jedoch ohne den leisesten Hinweis, dass sie MÖGLICHERWEISE einer Überprüfung bedarf. ‚Verzweifelt versucht der Mann, auf den Toiletteneimer zu klettern‘, schreibt Musharbash, der dabei in Kurnaz’ Rolle als Erzähler schlüpft, ‚doch die Wärter verprügeln ihn, statt ihm zu helfen.‘ In einem Bericht, den das ZDF-Nachrichtenmagazin Aspekte am 20. April sendete, behauptete Kurnaz, es habe in Guantánamo ‚alle Arten von Folter gegeben, die man sich vorstellen kann, und SOGAR solche, die man sich NICHT vorstellen kann. Es gab auch Menschen, die an der Folter starben‘. Er gab zudem an, Zeuge geworden zu sein, wie ‚ein Mann, der ÜBER hundert (100!, T.) Jahre alt war‘, von einem Wärter geschlagen wurde.“

Fazit: Vergessen Sie die „Märchen aus 1001 Nacht“, MEGA-angesagt ist heutzutage DEFINITIV die „Gitmo-Freak-Show“! Bleibt nur zu hoffen, dass irgendein Sektenbeauftragter den kleinen Christopher wieder aus den Fängen von Mohammedology lösen kann!

Time am 27. Januar 2009

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(1) http://www.express.de/nachrichten/news/politik-und-wirtschaft/von-bonn-an-die-spitze-von-el-kaida_artikel_1232796949939.html
(2) http://de.youtube.com/watch?v=Ycy_RjZjplQ
(3) http://de.youtube.com/watch?v=lAAPxPt64pY
(4) http://de.youtube.com/watch?v=Cbfrbysygg4
(5) http://www.lizaswelt.net/2007/06/die-kurnazianer.html

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PS: Matthias Rüb heute in der FAZ: „Vier Gefangene erhängten sich im Lager, einer erlag einem Krebsleiden… zwei ehemalige saudische Gefangene des Lagers (haben sich) nach ihrer Freilassung und einer offenbar wenig erfolgreichen ‚Rehabilitierung‘ in Saudi-Arabien… nach Jemen abgesetzt und (führen) dort Zellen des Terrornetzes Al Kaida…“ Kein Grund für die grüne Kühnast, auf folgendes Statement zu verzichten. Frage (FAZ): „Frau Künast, warum wollen Sie, dass Deutschland Guantanamo-Häftlinge aufnimmt?“ Antwort Künast: „DIE Guantanamo-Häftlinge sind UNSCHULDIGE. DAS sind KEINE Straftäter, KEINE Terroristen.“

Konteradmiral Harry Harris Jr., der Lagerkommandant, hatte zu den Gitmo-Suiziden übrigens Folgendes bemerkt: „Sie haben keine Achtung vor dem Leben, weder vor unserem noch vor ihrem. Ich glaube, es war kein Akt der Verzweiflung, sondern ein Akt der asymmetrischen Kriegsführung gegen uns.“ Schön, dass es in den Führungspositionen auch noch ein PAAR Checker gibt…

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Aktualisierung vom 22. Mai 2009, FAZ: „Unterdessen wurde ein Bericht des Pentagons veröffentlicht, nach dem jeder siebte frühere Guantánamo-Häftling nach seiner Entlassung den terroristischen Kampf wiederaufgenommen hat. Wie amerikanische Medien am Donnerstag berichteten, kommt der bisher aus Rücksicht auf das Weiße Haus nicht veröffentlichte Bericht des Pentagons zu dem Schluss, dass 74 der 534 bislang entlassenen Gefangenen nach ihrer Rückkehr ins Ausland wieder terroristischen oder militanten Aktivitäten nachgehen. Dies entspricht einer Quote von fast 14 Prozent.“

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