Die Kulturpreisdebatte geht weiter…

… BIS DAS ORK DEN PREIS DOCH NOCH KRIEGT?

Zum Thema Kulturpreisdebatte stellt die FAZ heute reichlich Material zur Verfügung.

Da gibt es zunächst die Glosse „Kermani und das Kreuz“, die online und gedruckt bis auf Über- und Zwischentitel gleich ist. In der Online-Version ist die Angelegenheit vom „Eklat“ (Aufsehen, Knall, Skandal) zur „Affäre“ (1. besondere, oft unangenehme Angelegenheit, 2. Liebesabenteuer) und mithin etwas Schlüprigem mutiert. Ein Zwischentitel kanzelt Lehmann und Steinacker als „Glaubensfunktionäre“ ab. Lorenz Jäger, der behauptet, Kermani sei der Preis aberkannt worden, obwohl er erst am 5. Juli verliehen werden sollte, was jetzt auf den Herbst verschoben wird, lenkt nur scheinbar ein: „Man sollte Kardinal Lehmann auch DANKBAR sein: Ein donnernder Eklat ist der DICKEN Luft im KULTURPARADIES vorzuziehen. Denn wenn der Konflikt um das Kreuz Sinn beanspruchen kann, dann in zweierlei Hinsicht. Erstens ist er ein Widerstreit zweier Sprachen. Da hat man das über Jahrzehnte erprobte GREMIEN-IDIOM, das sich in der HÖHENLUFT des OFFIZIELLEN bewährt haben mag, das aber für DIE Menschen, DIE Gläubigen, ja die SEELEN nun mit einem Schlag als unzureichend ERKANNT ist. Auf die VERSUCHENDE, sicher auch herausfordernde Sprache von SELBSTDENKERN (Jaja, NUR IHR seid Menschen, Gläubige, Seelen und Selbstdenker, T.) wie Kermani ist der Diskurs der FUNKTIONÄRE nicht vorbereitet.

Vielleicht noch wichtiger aber ist ein anderer, kaum JE ausgesprochener Aspekt der Debatte. Er betrifft die KREUZIGUNGSLEHRE der Kirchen selbst. Was hinter den SCHEINBAR entschlossenen Einlassungen Steinackers und Kardinal Lehmanns in den Hintergrund zu treten droht, ist die Tatsache, dass sich in DEN Osterpredigten beider Konfessionen eine tiefe UNSICHERHEIT über den SINN des Kreuzes auftat: Sühneopfer oder bloßes „Symbol der Solidarität“ Gottes? Nun also ist bis zum Herbst Zeit für eine ECHTE Klärung.“

Na, das ist wirklich super, denn bis zum Herbst kann der kleine Lorenz noch ganz, ganz viele dufte Glossen schreiben, mit deren Hilfe die christlichen Lehren dann nach 2000 Jahren Geschichte vielleicht endlich mal geklärt werden können. Und vielleicht findet er bis dahin sogar mal in einen Gottesdienst. Was für eine Ignoranz! Und so etwas in der FAZ!

Nun ja, eine nationale Zeitung ist auch eine große Wirtschaftsunternehmung, und eine Debatte am Laufen zu halten ist sicher auflagenfördernd. Dies mag man sich in der Redaktion gedacht haben, als man Friedrich Wilhelm Graf anheuerte. Über ihn heißt es bei Wiki (1): „Am 3. Mai 2003 wurde in der SZ von F. W. Graf ein Artikel veröffentlicht, in der die ev.-luth. Bayrische Landeskirche im Allgemeinen und ihr Ausbildungskonzept im Besonderen in Frage gestellt wurde („Unkulturprotestantismus – Die bayerische Landeskirche ist auf dem Weg zur Sekte“). Der sehr polemisch gehaltene Artikel löste eine über Monate andauernde öffentliche Debatte aus. Auch seine feuilletonistische Auseinandersetzung mit dem Auftreten eines selbstbewußten Atheismus in Gestalt Richard Dawkins und Christopher Hitchens fiel besonders durch kämpferische Polemik statt durch wissenschaftliche Sachlichkeit und Zurückhaltung auf.“

Hier sein Aufsatz:

Kant hat dasselbe wie Kermani gelehrt

Endlich einmal gab es im Gespräch der Religionen mehr als Kompromissformeln von Gremien. Aber da versagten die LESEKÜNSTE zweier Kirchenmänner.

Im Streit um „Dominus Jesus“, die Erklärung der Glaubenskongregation, dass allein die römisch-katholische Kirche wahre Kirche Jesu Christi sei, suchte Karl Kardinal Lehmann im Herbst 2000 in BLUMIGEN Worten zu BESCHWICHTIGEN. Der „Welt am Sonntag“ erklärte er, man müsse solche Lehrtexte im „größeren Zusammenhang anderer römischer Verlautbarungen“ würdigen. Es entspreche „guter theologischer Übung, Texte in ihrer ganzen Dimension zu erschließen und auszulegen, sie einzuordnen“. Allerdings „habe ich das Gefühl, dass die Kunst, solche Dokumente angemessen und sinngerecht zu lesen, auch in unseren eigenen Reihen eigentlich immer seltener anzutreffen ist“, fügte der Mainzer Bischof selbstkritisch hinzu.

Man darf dies nun als prophetische Einsicht preisen. Sein INFAMER Brief an Ministerpräsident Roland Koch, mit dem er die Vergabe des Hessischen Kulturpreises an Navid Kermani HINTERTRIEBEN hat, lässt KEINERLEI Bereitschaft erkennen, einen ANSPRUCHSVOLLEN religiösen Text in seiner „ganzen Dimension“ zu erschließen. Auch die theologischen LESEKÜNSTE Peter Steinackers, des einstigen Präsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, sind nur SCHWACH entwickelt. Wer Kermanis Glaubensessays kennt, kann die von Lehmann und Steinacker erhobenen Vorwürfe nur für gegenstandslos erklären.

Navid Kermani ist kein intoleranter Feind des Christentums, der dessen „Zentralsymbol“, das Kreuz, verunglimpft, sondern ein FROMMER MUSLIMISCHER RELIGIONSINTELLEKTUELLER (what the hell is THAT? T.), der SEINEN Gott (ähem, wie hieß es noch gleich, das höchste Wesen der Orks, war das nicht ALLA? T.) auf GANZ EIGENE Weise verehrt und sich dabei EINFÜHLSAM auch den INNEREN Sinn christlicher FRÖMMIGKEIT zu erschließen sucht. KEIN ANDERER unter den wenigen muslimischen Intellektuellen im Lande hat seit Jahren vergleichbar kundig und verständnisbereit die in sich spannungsreichen christlichen Symbolwelten ernst genommen (Na, das mag sein, denn NICHTS ist zumindest DAS, T.). Kann dies den HERREN Lehmann und Steinacker ENTGANGEN sein? Eine Antwort fällt schwer. Denn entweder muss man ihnen einen ERSCHRECKENDEN MANGEL AN theologischer BILDUNG oder aber einen durch ALTERSEITELKEIT und MACHTINSTINKT genährten Willen zur DENUNZIATION eines deutlich jüngeren Gelehrten attestieren, der, im Unterschied zu den HOHEN geistlichen HERREN, ja keine einflussreiche Großorganisation, sondern nur sich selbst repräsentiert (Navid gegen Goliath, T.).

Kermanis Texte changieren oft zwischen religionswissenschaftlich INFORMIERTER Glaubensanalyse und FROMMEN Bekenntnis. Wie viele christliche Gottsucher der Moderne schreibt er als BEHUTSAM TASTENDER, aber AUCH PROVOKATIV ZUSPITZENDER, um den GLAUBEN der VÄTER in eigene Einsicht zu überführen. Großbürgerlicher Habitus spiegelt sich in demonstrativer Unabhängigkeit und bisweilen stolzem MUT, die ANPASSUNG an die VERLOGENEN Konventionen des „interreligiösen Dialogs“ im Land der korporatistisch VERWALTETEN Religion zu VERWEIGERN. Mit ihm zu reden und zu streiten macht großen SPASS. Als Stipendiat der Villa Massimo hat dieser ebenso gebildete wie FROMME Autor (Hier wimmelt es ja nur so von FROMMS, T.) nun neugierig die barocke Glaubenskunst des päpstlichen Rom erkundet, bisweilen begleitet von katholischen Freunden.

Spiegelt seine ANALYSE von Guido Renis Gemälde „Die Kreuzigung“ schockierende religiöse Intoleranz oder „unversöhnliche Angriffe auf das Kreuz“? Nein, der muslimische Intellektuelle will dem Bild vom sterbenden Christus gerade Lebenssinn abgewinnen. Er schreibt nichts, was nicht auch viele christliche Denker seit HUNDERTEN von JAHREN gesagt haben (Wenn sie Gottessohnschaft, Kreuzestod, Auferstehung und Trinität ablehnen, sind sie mE. vielleicht „christlich geprägte“ aber eben keine „christlichen“ Denker, T.). Harte Kritik von Christusikonen und Kreuzigungsbildern prägen die Konfliktgeschichten der diversen Christentümer schon sehr früh. In den Bilderstürmen der Reformation zerstörten protestantische Gotteswortgläubige Tausende von Christusbildern und Kruzifixen (Was nichts weiter als barbarische Akte waren, die kein christlicher Theologe heutzutage rechtfertigen sollte, T.), weil sie in ihnen gotteslästerliche Idolatrie sahen. Kierkegaard, Dostojewski und Tolstoi haben über die amtskirchlich autoritäre Verfälschung des Christusglaubens ungleich härter geurteilt als Kermani, der Benedikt XVI. viel freundlicher würdigt als die große Mehrheit der deutschen Katholiken (All dies hat mE. nichts damit zu tun, dass Kermani in seinem Text leider zentrale Dogmen des Christentum rigoros ablehnt und herabsetzt, T.).

Man wird von einem Kardinal keine innere Distanz zu volksFROMMER katholischer BILDMAGIE, der Anbetung Christi im KreuzesBILD, erwarten dürfen. Aber vom protestantischen Kirchenpräsidenten wünschte man sich schon ein WENIG GEBILDETES Verständnis dafür, dass „das Kreuz“ ein polyvalentes, in der Christentumsgeschichte fortwährend umstrittenes Symbol ist. Kermanis These, der Jude Jesus von Nazareth sei „nicht Sohn Gottes“, haben zahlreiche Theologen vertreten (interessant, waren das CHRISTLICHE Theologen? Tststs, was sich so alles „Theologe“ schimpft… naja, es gibt ja auch „Friedensforscher“, „Farbberater“ usw. usf., T.). Nun hat der Dogmatikprofessor Karl Lehmann die gelehrte Unterscheidung von geschichtlichem Jesus und verkündigtem Christus 1985 zu einer „verhängnisvollen Alternative“ erklärt, gegen die große Mehrheit katholischer Neutestamentler. Aber dies gibt ihm NICHT das RECHT, einen DENKENDEN Muslim (äääh, was ist DAS denn? T.) zu DENUNZIEREN, wenn dieser in SUBTILER Bildmeditation kirchliche Lehrformeln PROBLEMATISIERT (nein, er verwirft und verlacht sie, T.) – dogmatische Deutungsmuster, die christliche Theologen seit mindestens DREIHUNDERT Jahren kontrovers diskutieren. ICH hatte Kermanis Artikel an Theologiestudierende verteilt. Weil ich sie antichristliche Intoleranz lehren will? Nein, weil seine Texte WUNDERSCHÖNE Beispiele für jene Fortschreibung des Glaubens sind, die Religionsforscher HYBRIDISIERUNG nennen, Übernahme von Symbolen der einen Religion in die Sinnbilder einer anderen, bezeichnen (o-oh, da wird die Umma ja bald einen neuen Konvertiten und Geleerten willkommen heißen dürfen! Lesen Sie hierzu unbedingt Manfreds Ausführungen zum Synkretismus (2), T.).

Kein anderes Problemfeld christlicher Lehre ist so umstritten wie die SOTERIOLOGIE, die begrifflich voraussetzungsreiche Lehre von der Heilsbedeutung Jesu Christi und seines Kreuzestodes. „Wahrer Gott und wahrer Mensch“, „eine Person mit zwei Naturen“, Golgatha und leeres Grab sind wahrlich schwierige Themen. Es ist intellektuell UNREDLICH, wenn die EINST Systematische Theologie lehrenden Herren Lehmann und Steinacker SO TUN, als bewege man sich in der CHRISTOLOGIE nicht in einem dicht VERMINTEN Feld UNGELÖSTER PROBLEME (Na logo, je mehr Wörter mit „-logie“ man verwendet, desto logischer der Text! T.).

Nur ein Beispiel: Wer von Jesu Kreuzestod spricht, muss die Rede vom „Tod des lebendigen Gottes“ (Eberhard Jüngel) als christlich legitim anerkennen. Darf ein gottgläubiger Muslim (Mohammedanisten sind NICHT gott- sondern allagläubig! Und deshalb strecken sie zum Gebet auch ihren Allawertesten zu ihm nach oben in die Luft! T.) dann nicht seine Schwierigkeiten mit dem christlichen Symbolsystem bekunden (Es geht darum, dass Kermani für seine stolze Ablehnung des Dialogs nicht mit einem Preis, der das Führen eines Dialogs auszeichnen soll, geehrt werden sollte, T.)? Am Karfreitag geht es um das definitive Ende der autoritären Metaphysik vom allmächtigen Gott. „O große Not! Gott selbst liegt tot. Am Kreuz ist er gestorben; hat dadurch das Himmelreich uns aus Lieb erworben“ lautet die zweite Strophe eines ursprünglich katholischen Chorals, vom Lutheraner Johannes Rist 1641 gedichtet. Vom genuin christologischen Sinn der Rede vom Tode Gottes hat Kermani mehr erfasst als ein Mainzer Bischof, der, ich kann es nicht für wahr halten, am Karfreitag „das Kreuz verehrt“. Ich DACHTE bisher (Es spricht ein Prof. für Systematische Theologie! T.), dass für Christen nicht „das Kreuz“, sondern der gekreuzigte Jesus lebenswichtig ist (Genau darum geht es Lehmann und Steinacker doch! Und es geht darum, dass Jesus viehisch gefoltert und ermordet wurde, im Gegensatz zu einem gewissen Klo H. Metzel, der mit Leidenschaft viehisch folterte und mordete, und der deshalb von 1,3 Mrd. Verblendeten verehrt wird! T.). Die Erinnerung an seine Passion diente Christen immer auch dazu, ihre eigene Sterblichkeit zu reflektieren.

Kermani nimmt den Gekreuzigten ernst, indem er in Renis Christus den idealen Repräsentanten der sterblichen Menschheit sieht: „jeder Tote, jederzeit, an jedem Ort“ (Nein, Jesus und den Christen geht es mE. nicht um die Tragik des vergänglichen Lebens, einen Aufstand gegen DEN Tod. Es geht um die Idee, dass die beste Art des ZusammenLEBENS die ist, Gottes Gebote zu befolgen und IHN zu lieben und IHM zu vertrauen! T.). Kant, Hegel, Schleiermacher (ganz, ganz schwere Geschütze fährt er da auf, indes, ohne Goethe und Lessing wird es kaum gelingen, T.) haben NICHT ANDERS gelehrt. Auch ist radikale Kritik an der religiösen VERKLÄRUNG barbarischen Leidens („Verklärung“ findet bei KERMANI statt, T.) ein uralter Topos in den innerchristlichen DEUTUNGSKÄMPFEN um Jesu HEILSTOD. Vom „spekulativen Karfreitag“ (Hegel), der geistigen Vergegenwärtigung des einst Geschehenen zur Begründung menschlicher Freiheit, sollten habilitierte Theologen schon einmal gehört haben. Allzu DENKFAUL agieren sie nun als KIRCHENFÜRSTEN, wenn sie den Stachel des Negativen in Kermanis Text nicht ERTRAGEN können. Selbst seine Behauptung „die katholische Vorstellungswelt erscheint mir HEIDNISCH“ („Neue Zürcher Zeitung“ vom 9. Mai) entspricht nur altem reformatorischem Urteil.

Woher die episkopale AGGRESSIVITÄT gegen den muslimischen INTELLEKTUELLEN? Kermani macht in seinen Erfahrungsberichten aus dem katholischen Rom all jene innerchristlichen Konfliktlinien neu sichtbar, die man in ökumenischer KONSENSSCHUMMELEI verdrängt. Auch demonstriert er durch glaubenssprachliche KREATIVITÄT, dass vielen christlichen Theologen zu den eigenen Überlieferungen nur noch HOHLE Formelsprache, lebensferner KLERIKALJARGON einfällt (Da stimme ich teilweise zu, aber das ist wohlfeil, denn es gibt wie überall auch unter den Theologen natürlich begabtere und unbegabtere Denker und Redner, T.). Oder muss man die EPISKOPALINTRIGE schlicht aufs BELEIDIGTSEIN zweier ÄLTERER Herren zurückführen, die die INTELLEKTUELLE STRAHLKRAFT des Jüngeren nicht zu ERTRAGEN vermögen (Jetzt fängt der wieder von vorne an, nach dem Motto: „Ich bin der Herr Pastor und predige Euch was vor, und wenn ich nicht mehr weiter kann, dann fang ich wieder von vorne an!“ T.)? Lehmanns UNTERSTELLUNG, dass Kermani noch kein relevantes Lebenswerk vorzuweisen habe, ist christlich RUINÖS. Ein Blick aufs „Ganze“ eines Menschenlebens steht SELBST einem Kardinal nicht zu Gebote (dann holen wir am Besten ein paar Preisträger aus dem mohammedanistischen Kindergarten! Ach nee, gibt’s ja nicht, die unterwandern ja eher die christlichen (3). T.).

Und man wird die Jury fragen dürfen, was an Herrn Steinackers LEBENSWERK denn kulturpreiswürdig ist: Das BIEDERE KIRCHENFUNKTIONÄRSGEHABE? Die ISLAMOPHOBEN STEREOTYPEN (Jetzt ist’s raus! T.) in Vorträgen über „Absolutheitsanspruch und Toleranz“? Die seit Jahren RITUELL wiederholte KRITIK an Lessings (LESSING!!! Wir haben ihn! Und jetzt: Goethe! Goethe! Goethe! T.) Ringparabel (UN-ER-HÖRT! T,) und dem FREIEN Geist der Aufklärung (an dem nun grade nicht, T.)?

Gern BEHAUPTEN deutsche Bischöfe, dass die Christen Religion und Politik ganz aufgeklärt getrennt haben, im Unterschied zu den Muslimen (Aber das stimmt nicht? T.). Deshalb müsse man ihnen durch interreligiösen Dialog demokratische „Werte“ vermitteln (Muss man nicht? T.). HERR Steinacker wirft Navid Kermani vor, die „drei Grundsätze“ im Gespräch der Religionen verletzt zu haben. Der Vertreter der christlichen MEHRHEIT beansprucht die DEFINITIONSMACHT über Regeln des öffentlichen Diskurses in Glaubenssachen. Und er merkt nicht einmal, dass er so nur alte DISKRIMMINIERUNG fortschreibt. NIRGENDS kommt er auf die IDEE, dass zwischen Mehrheit und Minderheit Macht asymmetrisch verteilt ist.

Im System der HINKENDEN Trennung von Staat und Kirchen wird diesen VIEL MACHT eingeräumt. Nicht wenige deutsche Kirchenführer machen davon GERN Gebrauch. Eine irritierende Entwicklung lässt sich beobachten: Je mehr die tiefe Glaubenskrise und die schleichende Erosion der beiden großen Volkskirchen sichtbar werden, desto mehr setzen viele Kirchenführer auf KLERIKALMACHT. Aber die Politisierung tut dem Glauben nicht gut. Und durch ARROGANZ der BISCHOFSMACHT lässt sich der EKLATANTE MANGEL an GEISTESGEGENWART und intellektueller GLAUBWÜRDIGKEIT nicht ÜBERSPIELEN.

Die offene Gesellschaft muss um der gleichen Freiheit aller willen Kirchenmacht wie die Macht anderer Verbände demokratisch begrenzen, etwa durch Erzeugung von Öffentlichkeit. Weil Jesus Christus „Licht der Welt“ ist, „treten die Glaubenden… gegen jede Geheimpolitik und Geheimdiplomatie ein“, hat Karl Barth über „Christengemeinde und Bürgergemeinde“ geschrieben. So hat es seinen guten theologischen Sinn, dass die ARKANEN (geheimen, 4, T.) MACHTSPIELE der hohen geistlichen Herren EINMAL transparent geworden sind. Herr Steinacker hat in dieser Zeitung zwar bestritten, irgendwie Einfluss genommen zu haben. ABER (jetzt deckt Graf die Lügenintrige, die Verschwörung vollends auf, T.) will er den Leuten wirklich WEISMACHEN, ganz unabhängig von Herrn Lehmann auf die Idee gekommen zu sein, den Preis nicht anzunehmen, wenn auch der UNWÜRDIGE Herr Kermani ihn erhält? Sollte ihm der Kardinal gar nichts von seinem Brief erzählt haben? Immerhin haben sie den jungen (Alt-vs.-jung-Konstruktion, T.) Muslim in ökumenischer KOMPLIZENSCHAFT (Komplize = Mittäter oder Helfer eines Verbrechers, T.) gemeinsam via Staatskanzlei bitten lassen, seinen inkriminierten Text zu erläutern. Auch teilte der Kardinal dem Herrn Ministerpräsidenten mit, dass die Ehrung Kermanis eine Zumutung für Herrn Steinacker sei. Woher nur wusste er dies? (Und so flog durch die brilliante geistige Leistung des Herrn Graf ein abscheuliches Komplott zweier kranker und bösartiger, alter Kirchenfunktionäre gegen einen jungen, genialen und liebenswerten Mohammedanisten auf… Dieser Bewohner einer Groschenheftwelt ist Theologe an einer deutschen Universität – ich bin erschüttert! T.)

Laut HOMEPAGE des Hessischen Landtages ist der Abgeordnete Roland Koch römisch-katholischer Konfession (Ist natürlich nur vorgetäuscht, will Graf insinuieren, T.). Als Ministerpräsident und Vorsitzender der Jury des Hessischen Staatspreises hat er der „Lehrmäßigen Note zu einigen Fragen über den Einsatz und das Verhalten der Katholiken im politischen Leben“ entsprochen, die die Kongregation für die Glaubenslehre 2002 veröffentlicht hat: Vorgaben des kirchlichen Lehramtes seien gerade in religiösen und moralischen Fragen für katholische Politiker unbedingt verpflichtend. Zwischen Ostern und Pfingsten, Auferstehungsfreude und Geistausgießung darf die Öffentlichkeit nun laut über DIESE HERREN LACHEN. Da lässt sich ein PROVINZPOLITIKER, der so gern den ganz Starken, Trickreichen gibt, von zwei SPITZENKLERIKERN als KIRCHENMAUS vorführen. Und die Herren Lehmann und Steinacker GEFÄHRDEN nicht nur ihr persönliches ANSEHEN (sondern auch ihr Leben? T.), sondern werden nun GAR dafür ausgezeichnet, dass sie GROSSEN integrationspolitischen SCHADEN angerichtet haben. Aber nicht einmal das haben diese LESEKÜNSTLER gemerkt.

... puuuh… es ist vorbei, Sie können wieder unter dem Schreibtisch hervorkommen. Tja, so eine Schimpfkanonade waren Sie bisher allenfalls von Kewil oder dem angeschickerten Time gewöhnt, nicht jedoch aus der führenden Zeitung Deutschlands. Ob dieser kreischende, humorlose Rohrspatz die Auflage erhöhen wird? Ich fürchte, die Anzeigenabteilung muss recht bald doch mal wieder bei Karaffe in Kuweit (5) vorsprechen.

Erholen Sie sich jetzt bei Peter Steinacker im Interview, es fragte Stefan Toepfer:

„Auch ich stelle meine Sicht zur Disposition“

Im Streit über den Kulturpreis hat Peter Steinacker mehrfach Stellung genommen. Nun sollen „Verletzungen“ aus dem Weg geräumt werden.

FRAGE: Die Preisverleihung ist verschoben worden. Sind Sie zufrieden damit?

ANTWORT: Ja, denn es gibt nun einen Weg, fern der Öffentlichkeit über Verletzungen und Irritationen zu reden und sie, so hoffe ich, aus dem Weg zu räumen. Das bedeutet, dass auch ich meine Sicht zur Disposition stelle, sonst bräuchte ich nicht in einen solchen Dialog zu gehen.

FRAGE: Haben Sie und Kardinal Lehmann mit ihrer Kritik an Navid Kermani überreagiert?

ANTWORT: Ich empfinde das nicht so. Vielleicht bin ich dem Genuss des Artikels von Herrn Kermani, an dem sich unsere Kritik entzündete, nicht gerecht geworden und habe den Text, der einen ästhetisch-literarischen Anspruch hatte, theologisch interpretiert. Aber darum ging es mir. Ich wollte den Preis nicht einfach aus interreligiöspolitischen Gründen annehmen, um des lieben Friedens willen.

FRAGE: Wer war die treibende Kraft, Sie oder Kardinal Lehmann?

ANTWORT: Das wechselte, aber im Grundsatz waren wir uns völlig einig.

FRAGE: Wie viel Porzellan im ohnehin diffizilen interreligiösen Dialog ist nun zerschlagen?

ANTWORT: Nicht viel, denn der Dialog ist derzeit ohnehin nicht sehr offen – was zum Teil auch an den Muslimen liegt. Ich hätte erwartet, dass Herr Kermani mich einmal anruft. Vielleicht hätte ich ihn aber auch einmal anrufen können.

FRAGE: Selbst in Ihrer Kirche stößt Ihre Reaktion nicht auf Zustimmung.

ANTWORT: Viele denken immer noch, der interreligiöse Dialog sei einer, der auf Gleichheit der Religionen aus sei. Aber er lebt vom Respekt vor Differenz und der Zivilisierung von Differenz. Außerdem haben auch viele Christen Schwierigkeiten, mit dem Kreuz umzugehen. Es ist erschreckend, wenn Christen glauben, die Auferstehung sei nicht so wichtig, auf die Wiedergeburt komme es an.

FRAGE: Im Jahr 2007 hatten Sie interreligiöse Gebete mit Muslimen als „Gotteslästerung“ bezeichnet. Auch Sie gebrauchen, wie Kermani, dieses Wort. Sitzen Sie mit Ihrer Kritik nicht im Glashaus?

ANTWORT: Nein, denn ich habe, anders als Kermani, diesen Vorwurf nicht anderen gegenüber erhoben. Ich habe es mir selbst gegenüber gesagt. Nach biblischem Zeugnis kann man nicht verschiedene Götter gleichzeitig anbeten. Ich würde mich der Gotteslästerung schuldig machen, wenn ich als Christ Allah, Krischna, Buddha oder irgendeine andere Gottheit anbeten würde.

Toepfer resümiert:

„Dass Steinacker meint, es sei nun nicht viel Porzellan im interreligiösen Dialog zerschlagen, ist schwer nachzuvollziehen. Zu deutlich war das Unverständnis, auf das sein und Lehmanns Vorgehen etwa bei Vertretern des Frankfurter Rates der Religionen gestoßen ist…

Mehr als nachdenklich muss stimmen, wie Steinacker den Stellenwert des christlichen Auferstehungsglaubens unter den Christen selbst beurteilt: „erschreckend“. Wie kräftig ist die christliche Religionspädagogik eigentlich noch, wie überzeugend sind Liturgie und Predigt? Aber das steht auf einem anderen Blatt.“

Offensichtlich war Toepfer während des Interviews austreten, um zu einem Resümee zu kommen, das schon vorher feststand und mit dem Interview wenig zu tun hat.

Lesen Sie jetzt ein Beispiel für den üblichen Volkssynkretismus, das Wort hat Friederike Heuer aus Frankfurt am Main:

Der kirchliche Pakt mit der Macht

Vor ein paar Tagen habe ich mit großer Ergriffenheit und fast erschüttert Kermanis Essay zu einer römischen Marienikone („Neue Zürcher Zeitung“ vom 9. Mai) gelesen. Hinsichtlich Glaubensfragen und Glaubenszweifel sind dies wohl die stärkstmöglichen EMPFINDUNGEN, und ich fühlte mich dank Kermanis Gedanken ein wenig VERSÖHNT mit der langen christlichen Geschichte des Abendlandes, der Geschichte, aus der ich komme und die nolens volens auch nach meinem KIRCHENAUSTRITT (Was befähigt mehr zur Beurteilung christlicher Theorie und Praxis als ein Kirchenaustritt? T.) und meine Herkunft, mein Denken und meine Ästhetik prägt.

Die BEWEGENDE WIRKUNG der Bildbeschreibungen von Navid Kermani liegt darin, dass er seine Widerstände und Bedenken hinsichtlich einiger christlicher Dogmen nicht verschweigt, die nicht nur Andersgläubigen und Atheisten AUFSTOSSEN, sondern die JEDEN AUFRECHTEN Christen mit seinem Gott RINGEN lassen sollten. Ebenso wenig konnte ich mein Befremden nicht nur am kirchlichen PAKT mit der MACHT (des Bösen? T.), sondern auch innerreligiös angesichts fast idolatrischer Glaubenstraditionen weglassen, wenn ich manchmal meinem Sohn vom Christentum erzähle, wobei wir dann auch mal überlegen, ob es dem CHRISTENTUM und den NICHTCHRISTEN nicht vielleicht BESSER bekommen wäre, Konstantin hätte sich NICHT taufen lassen. Im Namen der Rechtgläubigkeit und des Kreuzes wurden bereits im vierten Jahrhundert zu Trier agnostische Brüder der frühen Christen hingerichtet.

Die KABALEN um den Hessischen Kulturpreis sind zum Glück nicht blutig, sondern nur BELEIDIGEND, aber von demselben KLEINGLÄUBIGEN Geist rechtschaffener SCHRIFTGELEHRTER geprägt, die weder JEMALS von POESIE noch von einer AHNUNG der Größe Gottes gestreift wurden. Die als Trost angebotene Ersatzveranstaltung (Dialog) zu besuchen, lehnt Kermani hoffentlich ab. Unser TROST als Leser ist die Vorfreude auf künftige Schriften von Narvid Kerami.

Zur Zeit ist Frau Heuer offenbar NICHT bei Trost, aber sicher zaubert ihr Dichterkönig Navid bald eine neue, bewegende, heilige „Schrift“ aus der Feder.

Nach diesem galoppierenden Dimmi-Schwachsinn haben Sie sich jetzt aber wirklich zum Abschluss noch einen kundigeren Beitrag verdient. Das Wort hat FAZ-Leser Dr. Jan-Heiner Tück aus Freiburg:

Das Kreuz als kulturelles Symbol

Für mich formuliere ich die Ablehnung der Kreuzestheologie drastischer: Gotteslästerung und Idolatrie ist für gläubige Christen nicht gerade eine Einladung zum Gespräch. Für sie ist das Kreuz mehr als ein kulturelles Symbol, sie bekennen, dass im Leben und Sterben Jesu rettende und versöhnende Kraft liegt. Die Erklärung der designierten Träger des Hessischen Kulturpreises, Karl Kardinal Lehmann und Peter Steinacker, ist daher nachvollziehbar, sie würden den Preis „wegen so fundamentaler und unversöhnlicher Angriffe auf das Kreuz als zentrales Symbol des christlichen Glaubens bei gleichzeitiger Vergabe an Kermani“ nicht annehmen. Kermanis Äußerung macht gleichwohl darauf aufmerksam, dass im Glauben an die rettende und versöhnende Kraft des Kreuzes eine Provokation liegt, die von führenden Kirchenvertretern immer wieder einmal heruntergespielt wird.

Dass nun ausgerechnet Kardinal Lehmann von Jäger als Vertreter einer „neuen Sanftheitsreligion“ hingestellt wird, welche die christliche Erlösungsbotschaft auf das Motiv der Solidarität halbiert, ist allerdings erstaunlich, wenn nicht gar maliziös. Gerade Lehmann hat wiederholt auf die Heilsbedeutung des Kreuzes hingewiesen. So hat er vor mehr als zwanzig Jahren in der Tübinger Theologischen Quartalschrift unter dem Titel „Er wurde für uns gekreuzigt“ eine vielbeachtete Skizze zur Neubesinnung in der Soteriologie vorgelegt. Dabei weist er einleitend auf die traditionelle Engführung der Erlösungslehre auf das Motiv der Satisfaktion und des stellvertretenden Strafleidens hin.

Die landläufige Vorstellung, Gott selbst habe das Opfer des Sohnes gefordert, um in seinem Zorn gegen die Sünder besänftigt zu werden, ist schriftwidrig und macht aus Gott einen Kannibalen im Himmel. Gott selbst ist es, der grundlos und frei die Gabe der Versöhnung anbietet, er muss nicht durch irgendwelche Leistungen versöhnt werden. Lehmann erinnert an die Vielfalt der soteriologischen Aussagen im Neuen Testament (Loskauf, Versöhnung, Befreiung, Opferlamm, Sühne) und sieht deren innere Achse im pro nobis, also der Tatsache, dass Jesus Christus für uns gestorben ist (vgl. 1 Kor 15,3; Röm 4,25 und etwa 2 Kor 5,21). Ein Vorentwurf dieser Selbsthingabe finde sich in der Proexistenz des Lebens Jesu, die sich in den Worten beim letzten Abendmahl verdichtet: „Dies ist mein Leib für euch.“

Es ist für die systematische Theologie und die pastorale Verkündigung nicht leicht, diese Botschaft in spätmoderne Verstehenshorizonte zu übersetzen. Es ist richtig zu sagen, dass Jesus seine Botschaft vom nahegekommenen Reich Gottes bis zuletzt in Treue durchgehalten hat; es ist richtig zu sagen, dass Jesus durch sein freiwilliges Sterben die Spirale von Gewalt und Gegengewalt durchbrochen und den verborgenen Sündenbockmechanismus aller Kulturen aufgedeckt hat; es ist richtig zu sagen, dass Gottes Liebe zu den Menschen im Leben und Sterben Jesu einen inkarnierten Kommentar gefunden hat. Aber das alles reicht nicht aus. Die Heilsbedeutsamkeit des Todes Christi wird erst da adäquat beschrieben, wo die neutestamentlichen Aussagen vom Sterben „für die vielen“ (Mt 10, 28; Mk 10, 45), „für alle“ (Joh 12, 32; 17,21) beachtet werden.

Um deren soteriologische Pointe herauszustellen, zieht Lehmann den Begriff Stellvertretung heran. Der Gekreuzigte trete in seinem Leiden so an die Stelle des Sünders, dass dieser zu sich selbst befreit werde. Den naheliegenden Einwand, dass ein solches Erlösungsverständnis die sittliche Unvertretbarkeit der Person unterlaufe, pariert er durch den Hinweis, dass die stellvertretende Übernahme der Sünde durch Christus keinen Heilsautomatismus in Gang setzt. Die Heilstat Christi bedarf der ausdrücklichen Anerkennung durch den Vertretenen.

Die Frage aber, wie einer für die Sünden aller sterben könne, berührt das Persongeheimnis Jesu Christi, das wohl nur aus der Binnenperspektive des Glaubens erschwinglich ist. Nur wenn der Gekreuzigte nicht allein Mensch, sondern zugleich der mit dem ewigen Wort des Vaters geeinte Sohn gewesen ist, kann sein Sterben die rettende und versöhnende Kraft gehabt haben, die ihm die Kirche von Anfang an zuerkannt hat. Man würde sich wünschen, dass die öffentliche Verständigung über das Kreuz am Reflexionsniveau Kardinal Lehmanns Maß nimmt.

Time am 19. Mai 2009

_____

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wilhelm_Graf
(2) http://tinyurl.com/qbay3l
(3) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/01/schicksalsmacht-demografie/
(4) „Arkandisziplin“ bedeutet die Geheimhaltung von Lehre und Brauch einer Religion, insbes. des frühen Christentums, vor Außenstehenden, und es ist mE. sehr bezeichnend, dass Chefsynkretist Graf auf diese Zeit assoziativ NEGATIV verweist.
(5) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/30/eine-seltsame-anzeige/

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8 Antworten to “Die Kulturpreisdebatte geht weiter…”

  1. Monalisa Says:

    Konnte mich kaum durchkämpfen, durch den ganzen haarsträubenden Schmonzes. Kermani wird natürlich dafür bejubelt, dass er dem eitlen Synkretismus der Mehrheit eine Stimme gibt. All denen, die von ihrer eigenen Gefühligkeit und unbestimmten, aber potentiell numinosen Ergreifbarkeit beseelt sind.

    Er ist ein Priester DIESES Götzendienstes.

    ———

    Gudrun Eussner hat sich den Artikel von Kermani ebenfalls vorgenommen. In gewohnter Schärfe und Klarsicht.

    http://www.eussner.net/artikel_2009-05-17_01-35-18.html

  2. Time Says:

    Liebe Monalisa,

    ich stimme sowohl Deiner pointierten Bemerkung über Kermani & Co. zu als auch der über Eussners neuen Artikel: Er ist mE. sehr lesenwert.

    Bei einem Querverweis trat bei mir eine Irritation auf. Dr. Eussner schreibt zunächst: „Da ist seine Frau (Kermani ist mit Katajun Amirpur (1) verheiratet, T.) schon sensibler, sie findet es einen Fortschritt, wenn im Iran Frauen nicht mehr gesteinigt, sondern, weithin sichtbar und zur Abschreckung aller unbotmäßigen Frauen, aufgehängt werden. (16)“ und verweist dann auf einen Artikel bei Broder (2), der sich wiederum auf einen Artikel aus der SZ vom 26. 8. 2004 (?) bezieht. Broder wundert sich mE. zu Recht über die ausführliche Darlegung kultureller ua. Hintergründe der Steinigungen im Iran, aber ich finde die Unterstellung, Amipur selbst würde Hinrichtungen durch den Strang als „Fortschritt“ bezeichnen, nicht korrekt.

    Bei Wiki heißt es über sie (1): „Beim Streit um die Mohammed-Karikaturen kritisierte sie, dass von den Europäern die Pressefreiheit nicht offensiver verteidigt wurde, sondern stattdessen Entschuldigungen gegenüber Islamisten geäußert würden. Gleiches galt für eine umstrittene Papstrede. Durch diese Unterwerfung seien die europäischen Werte der Freiheit auf Dauer gefährdet und der radikale Islamismus werde gestärkt.“

    Ich denke, dass sie und ihr Mann also keine eigentlichen Agenten der Orks sind. Sie haben mit ziemlicher Sicherheit so viele westliche Werte verinnerlicht, dass sie im Iran keine Chance hätten. Ich halte sie daher eigentlich für Verbündete im Kampf gegen den Mohammedanismus. Selbstverständlich muss Kermanis falsche, schwülstige und naive Bildbetrachtung sowie ihr beleidigender Ton zurückgewiesen werden, aber die Angelegenheit ist insgesamt zu einem hervorragenden Anlass geworden, Leitgedanken zu präzisieren und ihnen Gehör zu verschaffen. Und ECHTE Verräter an bedeutungsvollen Positionen, zu denen ich F.W. Graf zähle, verlassen ihre Löcher und enttarnen sich aus eigenem Antrieb…

    Ich grüße Dich herzlich,

    Time

    _____

    (1) http://de.wikipedia.org/wiki/Katajun_Amirpur
    (2) http://www.henryk-broder.de/html/tb_haengen.html

  3. Monalisa Says:

    Lieber Time,

    was Amirpur angeht, weiß ich nicht so recht. Ihr Vater soll durchaus khomeinitreu gewesen sein und die Ehe mit Kermani arrangiert. Wahrscheinlich ein konservativ bis islamistischer Background also.

    Und hier? Klingt da nicht alles wieder so freundlich menschelnd – wenn nur die bösen Kuffar nicht wären…?

    http://davo.uni-mainz.de/info/060215.htm

    Und wieviel Mühe sie sich gemacht hat, Ahmadinedschad als harmlos darzustellen:

    http://www.sueddeutsche.de/kultur/472/437217/text/

    Naiv? Ich glaube kaum. Amirpur scheint als Publizistin inzwischen in der Versenkung verschwunden zu sein. Was sich wohl Broder in den Colt schnitzen darf. Möge Kermani das gleiche Schicksal ereilen.

    Gruß, Ml

  4. Time Says:

    Liebe Monalisa,

    vielen Dank für Deine interessanten Bemerkungen und Links.

    Im ersten Aufsatz von Amirpur ist auch das Link http://www.zombietime.com/mohammed_image_archive/ enthalten. Da scheint mir ein Riesenhaufen historisches Bildmaterial vorzuliegen, das ich demnächst für weitere „Kunststunden“ sichten werde, hihihi.

    Ich weiß es auch nicht so recht, jedenfalls hat ihr Vater sowohl unter dem Schah als auch unter Klomeni gedient. Ich glaube, die Situation ist für viele der Beteiligten (außer eben für derlei Miet-Demagogen wie FW. Graf) ambivalent. Ich habe bei 8dS immer davon abgeraten, den Mohammedanismus einfach und monolithisch zu sehen. Letztes Jahr ist mir mal bei einer Betrachtung einer Parkwiese, auf der die obligatorischen orkischen (aber auch anderen) Grillgruppen lagerten, aufgefallen, dass die Mehrzahl der Orkgruppen in Bezug auf Kopftuch und Verschleierung nicht homogen sondern gemischt waren. Ich meine, der Counterjihad wirkt auch auf den Jihad, und es gibt sicher viele Menschen, die Anteile von beidem in sich vereinen.

    Jedenfalls sollte man einen klaren Kopf behalten, und es mE. NICHT so machen wie Kirchentagspräsidentin von Welck, über die es in der heutigen FAZ heißt: „… von Welck kritisierte die Entscheidung, dem Islamwissenschaftler N.K. den Hess. Kulturpreis abzuerkennen. Die Entscheidung sei INTOLERANT, UNVERSTÄNDLICH und BEDRÜCKEND. Kermani habe den Dialog zwischen Christentum und Islam ‚aufs Intelligenteste befördert'“.

    Na, da wissen wir mal wieder Bescheid: Alle anderen außer ihr selbst sind bösartige Vollidioten, und sie haben keine Ahnung, insbesondere die beiden gestandenen Theologen Lehmann und Steinacker nicht, und zwar insbesondere in Sachen Theologie nicht, auf deren Feld allein die Ethnologin v. Welck Deutungshoheit hat…

    Viele Grüße sendet Dir

    Time

  5. Katalin Says:

    Amipurs Vater diente als Kulturattaché dem Schah und Khomeni. Ihre Mutter war katholisch. Und der Schiit Navid Kermani durfte jahrelang ein Kulturprojekt in Isfahan leiten, auf seiner Homepage wurde der Link inzwischen gelöscht. Im Iran der Ayatollahs kann keiner ohne Einverständnis der Mullahs arbeiten. Nicht umsonst spricht man dort von den „1000 Augen des Kaisers“. Der Geheimdienst dort ist quasi die Mutter aller Geheimdienste.

    Der Ex-Kulturattaché lebt heute übrigens unbehelligt in deutschen Landen.

  6. Time Says:

    Liebe/r Katalin,

    letztendlich sollten unsere Angebote wertvoller und verlässlicher und FREUNDLICHER (und VERNÜNFTIGER sein) als alle anderen. JEDER KLUGE und FREUNDLICHE sei willkommen! DIESE Gruppe will SIEGEN!

    Ich freue mich über Ihre Botschaft und grüße Sie,

    Ihr Time

  7. Time Says:

    Hallo Katalin,

    icke nochmal. Falls der Eindruck entstanden sein sollte, ich wolle Ihre Informationen relativieren: Dies ist nicht der Fall, und Kermani/Amirpur sind auch mir in hohem Maße suspekt. An Kermani stört mich vor allem seine spontane, stolze Weigerung, vorab ein Gespräch mit den beiden christlichen Theologen über seinen Text zu führen.

    Heute gibt es in der FAZ einen Leserbrief von Prof. Dr. Horst Lange, in dem er Goethe für Kermani ins Feld führt:

    „Das Widerwärtigste unter der Sonne

    Zum Thema Hessischer Kulturpreis: In dem Divan-Gedicht ‚Süßes Kind, die Perlenreihen…‘ hat sich Goethe, mit erstaunlicher Kenntnis der islamischen Theologie, die muslimische Kritik am Kreuz zu eigen gemacht. In einem Brief an Zelter vom 9. Juni 1831 nannte er die Darstellung der Kreuzigung das Widerwärtigste unter der Sonne. Koch und Lehmann würden also auch dem Frankfurter Dichterfürsten den Hessischen Kulturpreis absprechen wollen. Mit seiner hochsensiblen Annäherung an die Kreuzigung riskierte Kermani, als muslimischer Apostat gebrandmarkt zu werden, NUR um in den Dialog mit dem Christentum eintreten zu können. Wenn Kardinal Lehmann ein solches Dialogangebot nicht annehmen oder als solches wahrnehmen kann (ein Angebot, das er von Goethe nie erhalten hätte), dann sind die christlichen Rufe nach einem Dialog mit dem Islam bloße Lippenbekenntnisse. Bessere Angebote als das von Kermani sind auch von liberalster muslimischer Seite nicht zu erwarten.“

    Na, wenn wüste Beschimpfungen alles sind, was wir erwarten können („Pornografie“), dann sollten wir den Dialog doch besser gleich auf der Vogelwies weiterführen (auf der man bekanntlich „nichts sah als Schwert und Spieß, an die hunderttausend“).

    Sicher liegt Horst Lange mit der Darstellung von Goethes Position (der eines Pioniers der Privatreligion, der vielleicht in der Tat mit seinem Wüten gegen das christliche Symbol wohl keinen Dialogpreis bekommen hätte) nicht völlig falsch, aber für manche Deutsche ist einfach alles, was von Goethe kommt, richtig und großartig. Ich persönlich glaube hingegen eher, dass es seine Schuld ist, dass Deutschland bisher noch keine einzige wirklich brauchbare RnR-Band hervorgebracht hat.

    Hier ein Link zu Goethes religiöser Anschauung von einer deutschen Ork-Konvertiten-Seite (1) und hier eines zu einem Aufsatz von Horst Jesse, Vorstandsmitglied der Goethe-Gesellschaft München, der den Meinungsaustausch zwischen Goethe und Lavater zusammenfaßt (2). Um die Lektüre zT. vorwegzunehmen, Goethe schreibt an Lavater: „Da ich zwar kein Widerkrist, kein Unkrist aber doch ein dezidierter NICHTKRIST binn…“. Jesse: „Von seinem Denken her hat Goethe gegenüber Jesus Christus ein ambivalentes Verhältnis. Er sieht ihn nicht wie die Pietisten als seinen Erlöser an, sondern als einen vorbildlichen Menschen. Während seiner kirchlichen Trauung mit Christiane Vulpius 1810 in der Sakristei der Weimarer Kirche stört er sich am Corpus des Gekreuzigten (offenbar sein erster Aufenthalt in einer Kirche seit langer Zeit, T.). Das Kreuz erscheint ihm als ‚leidiges Marterholz‘. Deshalb setzt er in seiner Kreuzesmeditation das Rosenkreuz an die Stelle des christlichen Leidenskreuzes. Die Erlösung durch das Kreuz ersetzt Goethe durch sein Ideal der neuen Humanität, die sich für ihn im tätigen Leben zeigt. Trotzdem erkennt er die Bedeutung des Christentums gegenüber den anderen Religionen durch dessen Heiligung des Schmerzes, der Armut, des Elends und des Todes im Kreuz Jesu. Es weist den Weg vom Irdischen allein über den Schmerz zu Gott. Wegen der Heiligung des Schmerzes wird nach Goethes Ansicht das Christentum niemals untergehen. Dennoch äußert sich Goethe entschieden gegen die Zurschaustellung des Kreuzes, weil es nach ihm das Würdigste gemein und abgeschmackt macht (hier ist er ganz Ork, T.). Für ihn verkörpert Jesus die Religion der Weisen (Auch der Weise Archimedes starb durch die Hand eines römischen Legionärs, T.).

    Ich grüße Sie,

    Time

    _____

    (1) http://www.tauhid.net/goethe.html
    (2) PDF: http://www.goethezeitportal.de/fileadmin/PDF/db/wiss/goethe/jesse_lavater.pdf

  8. Monalisa Says:

    Ergänzend:

    „In den deutschen Medien geht derweil, man mag es kaum glauben, die Kampagne gegen Karl Kardinal Lehmann immer weiter – oder fängt sie, wie angeblich der interreligiöse Dialog – gerade erst an? Der Skandal ist für deutsche Journalisten nicht der Artikel des Navid Kermani, den können sie mangels Kenntnis des Islams eh nicht verstehen und interpretieren, sondern daß es einen hochrangigen, bislang für liberal gehaltenen Christen gibt, der nicht mehr mittun will in der Farce. Als liberal gelten dabei diejenigen, die sich in Dialoge wie die der Islamkonferenz des Bundesinnenministers geduldig einbringen, die den unverschämten Forderungen der Muslimfunktionäre nicht entgegen-, sondern vor ihnen zurücktreten. Es wird nebenbei deutlich, wie deutsche Journalisten parteipolitisch ganz selbstverständlich Stellung beziehen gegen die CDU; der aus dieser Partei stammenden Bundestagspräsident rafft nicht einmal das.“

    http://www.eussner.net/artikel_2009-05-17_19-30-41.html

    Gruß, Ml

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