Ein Ork kennt keinen Scherz

Heute gibt es einen Aufsatz (1) des iranischen Schriftstellers Amir Hassan Cheheltan in der FAZ (übersetzt aus dem Persischen von Susanne Baghestani), in dem er erklärt, warum er trotz tiefster Resignation seit der Machtergreifung der Mullahs im Iran dennoch dieses Mal zur Wahl gegangen ist. Hier ein paar Ausschnitte:

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Ahmadineschad, der Wissenschaft, Literatur und Kunst für lästigen Luxus hält und der keine Bedenken zeigte, sie auszumerzen, bringt für Urbanität und deren kulturelle Bedeutung keinerlei Verständnis auf… (Moooment, das stimmt zwar im Kern, aber nach außen schmückt sich Pfauenstange gerne mit dem Dr.-Titel. Er geriert sich als „Wissenschaftler“. Was von seiner Wissenschaftlichkeit indes zu halten ist, versteht man, wenn man sich erinnert, was er unter „Kunst“ versteht: Nämlich die Tatsache, dass Tausende Kinder vom Mulla-Regime mit Plastikschlüsseln (für die Paradiestür) „made in Taiwan“ um den Hals in die irakischen Minenfelder getrieben werden konnten. „Kunst“ als Sterben für den Willen des Führers (2), „DIE KUNST“ wird zur Zurichtung von Kindern zu Kanonenfutter zugerichtet. T.).

Ahmadineschad ist ein neuartiges Phänomen, er spricht die Sprache der einfachen Leute oder sogar die der Gosse. Durch seine Umgangsformen und Bekleidung hat er sich für arme Bevölkerungsschichten und die Bewohner der Stadtränder und Dörfer in eine verständliche Persönlichkeit verwandelt; seine vierjährige Präsidentschaft genügte jedoch, dass ein beträchtlicher Anteil dieser Schichten ihm den Rücken kehrte. Sein Regierungsstil kam in diesen vier Jahren den Städtern und insbesondere der jungen Generation, die den Hauptanteil der iranischen Bevölkerung bildet, einer Warnung gleich. Viele Iraner betrachteten ihn in seiner Funktion als Präsident der Islamischen Republik als große Blamage im Hinblick auf die Weltöffentlichkeit…

Ich habe noch nie an einer Wahl in Iran teilgenommen, weil ich stets daran gezweifelt habe, dass die Obrigkeit die Wahlstimmen tatsächlich auszählen lässt. Auch diesmal hatte ich es nicht vor. Dann geschah jedoch etwas, das mich diesen Entschluss überdenken ließ. Ausschlaggebend war das Fernsehduell zwischen dem amtierenden Präsidenten und seinem wichtigsten Herausforderer Mussawi. Bei diesem Streitgespräch hob Ahmadineschad plötzlich einen Aktenordner vom Tisch, an den das Foto einer Frau geheftet war, und fragte Mussawi mit einem verschwörerischen Lächeln mehrmals: „Soll ich es sagen?“

Mussawi nickte und erwiderte gleichmütig: „Nur zu!“ Ahmadineschad fuhr fort: „Das ist die Akte einer Frau, die Sie gut kennen und die in Ihrer Wahlkampagne stets an Ihrer Seite ist. Es ist Ihre Ehefrau.“

Daraufhin führte er kurz aus, weshalb diese Frau ihre akademischen Grade und ihre gegenwärtige Position nicht verdient habe.

Ich zuckte heftig zusammen und fragte mich, ob dieses Thema unter solchen Umständen Gegenstand einer Fernsehdebatte zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten sein dürfe? Das war es jedoch nicht, was mich ängstigte, sondern die Tatsache, dass Ahmadineschad in diesem Augenblick jede Duldsamkeit vermissen ließ. Sein Blick glich dem eines Verhörbeamten, der bei einer Befragung dem Feind gegenübersitzt, nicht einem Konkurrenten. Und das im Rahmen einer Konkurrenz in einem politischen Ordnungssystem, aus dem beide hervorgegangen und dem beide treu ergeben sind, einer Ordnung, in der beide akzeptiert sind und der beide dienen sollten. Dieser Blick erschreckte mich zutiefst. Wie würde er sich dann erst, lautete meine Frage insgeheim, mir gegenüber als säkularem Romanschreiber verhalten?

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Ich sehe in der geschilderten Szene den Willen und dessen Demonstration, um jeden Preis zu herrschen, sei es um die Absage an jede Konvention, Würde, jeden Respekt vor irgend etwas. Das erinnert an die deutschen Provinz-Fußballligen, in denen in den letzten Jahren häufig einzig noch der erste Platz besetzt ist – von einem mohammedanistischen Verein. Die „normalen“ Vereine machen nicht mehr mit, weil die Orks stets ihre Gegenspieler zusammenschlagen, wenn sie verloren haben. Siegen um jeden Preis, den Orks geht nicht nur jeder Sinn für Fairness, sondern auch für das Spielerische ab. In ihren Kinderferienlagern wird von Zehnjährigen der Umgang mit Panzerfäusten und Sprenggürteln geübt. Fehler fatal!

Lange her ist die Zeit, als in Persien das vermutlich aus dem nordindisch-chinesischen Raum stammende Schachspiel kultiviert wurde (das komplexeste Spiel der Menschheit), bevor es die Orks nach Europa brachten.

Wiki (3): „Seit dem 6. Jahrhundert ist das Schachspiel in Persien belegt. Es verbreitete sich im 7. Jahrhundert im Zuge der islamischen Expansion im Nahen Osten und in Nordafrika. Über das maurische Spanien, Italien, das byzantinische Reich und Russland gelangte das Spiel zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert ins abendländische Europa, wo es im Hochmittelalter einerseits zu den sieben ritterlichen Tugenden gehörte, andererseits kirchliche Missbilligung erfuhr. Im 15. Jahrhundert veränderten sich (in Europa, T.) die Spielregeln einschneidend, so dass seither vom modernen Schach, wie es heute gespielt wird, gesprochen werden kann.“

Wiki (4): „In den folgenden Jahrhunderten trugen vor allem europäische Schachmeister zur Erforschung des Spiels bei.“

Eigentlich geht es beim Spiel (nicht jedoch beim Geldspiel) darum, in hohem Maße die eigenen Kräfte und den Siegeswillen zu mobilisieren, ohne dem Kontrahenten physisches (und möglichst natürlich auch kein psychisches Leid – Fairnis) zuzufügen. Aber diese Idee ist den Vogelscheichs verloren gegangen. Mit ihrem totalen Jihad haben sie jede Relativität, jeden Sinn für Grautöne verloren. Für sie gibt es nur noch Sieg (durch den Tod des Gegners) oder Sieg (durch den eigenen Tod während eines Kriegsgeschehens).

Diese völlige Humorlosigkeit, diese bornierte und brutale Grobschlächtigkeit, dieser totale Gegenentwurf zum europäischen galanten Rittertum, ist kein Produkt der Zeit, sie ist ein Produkt von Kloran und Hadithen (5). Diese bilden das Klima ab, welches in der Clique des bösartigen und größenwahnsinnigen Psychopathen Klohamett herrschte (6). Anders als in den Evangelien wird das Thema Humor von Klo benannt (wie auch „das Spiel“), es wird verdammt oder aber mit neuem Inhalt gefüllt und so entwertet (Humor ist hier zB., wenn der Herrscher über Leben und Tod für die Bauernschläue eines Subalternen mal NICHT den Kreuzigungstod verhängt). Pointen oder treffende Bilder, wie sie der Tanach oder die Evangelien überreich bieten, wird man bei Klo nur selten und in unbeabsichtigter und grotesker Form finden. Es gibt keine Überraschung, keine Erlösung, keine plötzliche Wendung, keine andere Sicht der Dinge. Wundert es, dass auch Bilder verboten sind (außer Schlachtvideos von Mitarbeitern westlicher Hilsorganisationen), und dass in Orkistan praktisch jede Woche Morde an Musikern verübt werden? Die Masse der Worte in Kloran, Hadithen und Scharia sollte nicht zu dem Irrtum verleiten, der Orkismus wäre vielgestaltig oder differenziert. All die vielen Worte sagen mE. allesamt das Gleiche.

Es gibt nur Macht, Gehorsam, Bestrafung – Einöde!

In der Wüste sind die Orks wirklich gut aufgehoben. In der Wüste… auf dem Mond! Nach welchem sie ihren Kalender ausrichten! Bei ihrem Mann im Mond! Bei ihrem Mondgott Alla! Ach, schert euch doch zum Mond, schert euch zu Alla, was schert ihr mich? Haut ab! Hau… t ab! HAU!

Time hat gesprrrochen am

19. Juni 2009

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(1) http://www.faz.net/s/Rub868F8FFABF0341D8AFA05047D112D93F/Doc~E1451558499684E23B6D919162F3C4666~ATpl~Ecommon~Scontent.html
(2) http://www.matthiaskuentzel.de/contents/sind-500000-plastikschluessel-genug
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Schachspiels
(4) http://de.wikipedia.org/wiki/Schach
(5) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/23/hadithe-4-da-wiehert-das-ork/
(6) http://www.merkur-online.de/lokales/nachrichten/foltervideo-prinz-schlickenried-250664.html

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4 Antworten to “Ein Ork kennt keinen Scherz”

  1. tabasco Says:

    Lieber Time:

    das in Deinem Beitrag erwaehnte Fernsehduell ist hier in Auszuegen zu verfolgen ( Video ):

    http://israelmatzav.blogspot.com/2009/06/video-iranian-presidential-debate.html#links

    Laut Caroline Glick, die in meinen Augen eine der besten Analytiker fuer den Nahost-Bereich ist, befindet sich Israel momentan in einer sog. win-win-Situation:

    http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1245184875280&pagename=JPost%2FJPArticle%2FShowFull

    http://www.carolineglick.com/

  2. Time Says:

    Lieber Tabasco,

    vielen Dank für die interessanten Links.

    Es ist wirklich eindrücklich, wie der Schimpanse Gardinenstange mit seinen Zetteln hantiert und zu jedem Fall angeblich eine ominöse Akte parat hat: Diese Taktik kennt man nur zu gut von Joe McCarthy. Gleichwohl finde ich ihn doch auch stark, wie er die Unterstützer Mussawis listet, die sich (angeblich?) hemmungslos bereichert haben, und wie er den Vorwurf Mussawis zurückweist, seine Außenpolitik sei zu inkonsequent (Marine-Eklat mit UK).

    Da freute mich dann zu sehen, wie in Mussawi endlich der Kampfgeist erwacht, als Gardinenstange versucht, seine Frau zu erniedrigen, und wie er (dadurch) zu Statements gegen Totalitarismus und Spitzel-Diktatur im Allgemeinen kommt. Vielleicht sieht er nicht nur aus wie ein Gentleman, sondern er hat sich im Herzen trotz seiner finsteren Karriere tatsächlich einen Rest Gentlemanlikeness bewahrt.

    Unabhängig davon ist, wie C. Glick mE. richtig ausführt, etwas mit Mussawi geschehen, was sich unabhängig von seinem Willen entwickelt: „The fact of the matter is that with each passing day, Mousavi’s personal views and interests are becoming increasingly irrelevant. Whether he realized it or not, Mousavi was transformed last Friday night… Mousavi became an enemy of the regime.“

    Ich finde C. Glicks Vorschlag ausgezeichnet, dass Israel unaggressive und international absolut glaubwürdige Hilfe für die Erkenntnis der Wahrheit im Iran leisten sollte, indem es die Informationssperren des Regimes durchbricht: „Although Israel is far away from Iran, it has significant capacity to help the demonstrators. It could use its communication satellites to break through the communications blackout the regime has attempted to enforce. Its Internet capabilities can be offered to the protesters to reopen closed networks. Israel could temporarily expand its radio broadcasts into the country and allow its airwaves to be used to broadcast events on the ground in real time so that protesters won’t have to rely on word of mouth to know what is happening or where things are leading.“ Lesen Sie alle hierzu auch den Artikel des einzigen wirklich anständigen deutschen Israelkorrespondenten Ulrich Sahm unter: http://www.n-tv.de/politik/politik_kommentare/Kol-Israel-informiert-glaubwuerdig-article376598.html

    Ich grüße Dich herzlich, Tabasco, und Sie alle,

    Time

  3. tabasco Says:

    Lieber Time,

    danke fuer die Gruesse und auch Gruss zurueck an Dich !

    Obama braucht zur Zeit verdammt lange, die iranische Freiheitsbewegung zu unterstuetzen… Dazu wurde er gestern gefragt. Hier ist seine Antwort:

    http://www.breitbart.tv/?p=365253

    Eigentlich haette man Obama gestern auch gleich bei der Gelegenheit fragen sollen, warum er die finanzielle Unterstuetzung der iranischen Freiheitsbewegung einstellen liess:

    http://www.foundingbloggers.com/wordpre … -movement/

    Ein Grund mehr fuer Israel, sehr misstrauisch gegenueber Obama zu sein !

    Zitat:

    „…People are in a great state of chaos here and are suffering too much. They claim to see such civil forces that they are unaware of, sitting in the yards. These are the very same forces that threaten people by their baton hits and drum beatings…“

    Es muss wohl Chaos in Teilen des Iran herrschen, wenn man dieser Quelle Glauben schenken mag. Hier gibt es noch aktuelle Nachrichten direkt aus dem Iran, die per E-mails und voicemails gesendet werden:

    http://www.rferl.org/archive/Iran_Elect … /2213.html

    Gegen Journalisten scheint eine Verhaftungswelle im Iran gerade anzurollen:

    http://cpj.org/2009/06/iranian-newspape … tained.php

    Folgendes hat gestern eine mutige iranische Mutter zum Tode von Neda gesagt:

    “ …To all Iranian nationals,
    At 2:30 p.m., the Islamic republic news channel was discussing the Neda Sultan issue — the innocent little Iranian child who was killed by them. May her soul rest in peace! I swear, the guilt will not let me be. They were even questioning the girl’s piousness, her character. They were also debating about the people with whom she was present at the venue. They questioned the innocence of the girl. What’s wrong with your honor, you Turks, Arabs, and Persians of Iran?

    I want to let Neda know that she went where my son has already gone. My child, I hope that your blood isn’t spilled for nothing. My son experienced the same fate. …“

    Quelle:
    http://www.rferl.org/content/Where_Is_Y … 61113.html

    Aus dieser Quelle geht auch hervor, dass das staatliche Fernsehen jetzt die Iraner dazu aufgefordert hat, die Demonstranten an die Behoerden zu verraten.

    Herr A. hat anscheinend Hilfe in Qom gesucht und aus der Uebersetzung des Videos geht hervor, dass er wohl mit aller Haerte gegen die friedliche iranische Freiheitsbewegung vorgehen wird:

    Video:
    http://raymankojast.blogspot.com/2009/0 … -coup.html

    Uebersetzung dazu:
    http://mypetjawa.mu.nu/archives/197977.php

  4. tabasco Says:

    Sorry, dass die links teilweise nicht funktioniert haben… Aber man kann sich auch durchwurschteln. Wenns ist, kann ich es auch noch Mal probieren.

    Eine extrem gute Seite zum Iran ist hier zu finden:

    http://raymankojast.blogspot.com/

    Tabasco

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