Alles voll gut!

Am Sonnabend hatte ich mein Spektrum des „Lyrischen Counterjihads“ um den aktuellen Song von Bob „It’s all good“ erweitert (1), den ich für ein typisch bobsches Orakel halte und für counterjihadisch erklärte, obwohl der Jihad darin nicht direkt angesprochen wird. Dass ich solches tat, hat einerseits damit zu tun, dass mir der Stoff ausgegangen ist. Während nämlich die Verhöhnungen des Christentums und des Christus Legion sind, ist es mir bisher nicht gelungen, mehr als fünf dezidiert counterjihadische Lieder ausfindig zu machen ( 2 + 3 +4 + 5 + 6) – wobei zu bemerken ist, dass #5 mE. deshalb counterjihadisch ist, weil es ein proisraelischer Song ist, und #6 deshalb, weil er unsere Gesellschaft in Aspekten als verteidigenswert darstellt, die dem Mohammedanismus ein Gräuel sind.

Es hat weiterhin aber schon mit genau DIESEM Song zu tun, der sich mit der Idee befaßt, ALLES gut zu finden, sich alles schön zu reden, hier im Pferch (7).

Jordan Mejias berichtete (FAZ, 20. Juni) diesbezüglich von einem gespenstischen Happening in der Hauptstadt der Welt, in New York. Er schrieb:

„… An vielen Orten in New York stand jetzt… zehn Tage lang die Welt des Islam im kulturellen Scheinwerferlicht. Was es zwischen Marokko und Indien an Tanz, Theater, Kunst und Musik zu entdecken gibt, war zumindest in Kostproben zu erfahren. Arabisch umgedeutet wurde Hiphop ebenso wie Shakespeares ‚Richard III.‘ in einer Produktion aus Kuweit. Spielplätze der Avantgarde wie die Brooklyn Academy of Music und Hochburgen der Hochkultur wie das Metropolitan Museum of Art hatten „Muslim Voices: Art & Ideas“ aufs Programm gesetzt.

Für die Ideen war vor allem die New York Public Library zuständig, unterstützt von den European Union National Institutes for Culture, einem New Yorker Zusammenschluss von neunzehn europäischen Kulturinstituten. Ein dreitägiges Symposion behandelte den Islam in EUROPA. Die meistenteils europäischen Stimmen von Geisteswissenschaftlern, Imamen, Künstlern und sogar einer leibhaftigen Königin, der Witwe des 1999 verstorbenen haschemitischen Königs Hussein, vermischten sich zu einem CHOR, der nicht immer klar zu durchhören war. Die harmonischen Klänge überwogen, als Untertitel wäre „Quasi una fantasia“ nicht fehl am Platz gewesen. So gerieten Teilnehmer aus Spanien, Norwegen, Schweden, der Schweiz und der Türkei in einem Gespräch über Migrationspolitik und den Status quo geradezu ins SCHWÄRMEN über die Chancen und Aussichten, die der ISLAM den Europäern bietet.

Da war die Rede vom ISLAM als einer großen EUROPÄISCHEN Tradition, die wieder zu beleben sei, von einer größeren gesellschaftlichen OFFENHEIT (ausgerechnet, T.), die er in vielen Teilen Europas bewirke, und von Muslimen, die nur darauf brennten, Bürger der Länder ihrer jeweiligen Wahl zu werden. Alle lachten HERZLICH über das Schreckgespenst EURABIEN, vor dem sich NIEMAND zu fürchten brauche, weil die Alteingesessenen und Neuankömmlinge sich ohnehin vermischten und voneinander die besten Züge und Errungenschaften übernähmen. Muslime hätten Norwegen „globaler“ gemacht, freute sich die Norwegerin, und der Türke pries das neue, diversifizierte Europa (Hey, wer wissen will, was sich abspielt, der nach Oslo. Dort kann man sehen, wie eine uralte europäische Hauptstadt sich an den Mohammedanismus weggeschmissen hat – arme Hure Oslo – 200 Meter vom Königspalast beginnt Gaza – die Norweger haben die Herrschaft über ihre Hauptstadt vor 20 Jahren verloren, lesen Sie FJORDMAN, T.).

Das ging munter so fort, bis es dem Moderator Paul Berman doch etwas gar zu harmonisch wurde und er fragte, ob denn in Madrid nie eine Bombe hochgegangen sei und Terrorismus und Gewalt tatsächlich keine Themen mehr seien. Aber auch danach verdrängten Überlegungen über die sozioökonomische Misere islamischer Bevölkerungsschichten und hausgemachten Terror, von Baader-Meinhof bis zu amerikanischen Neonazis, die heikle Frage, ob es im Islam oder zumindest in einigen seiner Formen Unverträglichkeiten mit einer westlichen Lebensführung gebe. Um den Amerikanern die Lage in Europa einprägsamer zu schildern, standen Vergleiche mit Amerika hoch im Kurs, zum einen mit dem Amerika vor hundert Jahren, als katholischen und jüdischen Einwanderern vorgeworfen wurde, das Gewebe der Nation zu zerstören, und zum andern mit den zig Millionen mexikanischen Einwanderern, von denen sich jetzt manche Amerikaner bedroht fühlen.

Sicher war es richtig, wenn in einer Künstlerrunde darauf hingewiesen wurde, dass der Islam zu oft als erratischer Block begriffen wird, dass seine Nuancen und Variationen gar nicht wahrgenommen werden. Moustafa Bayoumi, Englischprofessor am Brooklyn College, hätte am liebsten das vorgegebene Thema radikal geweitet, bis hin zur Generaldebatte über Identitäten in der globalisierten Welt. Aber dann bekamen erst einmal die Medien kräftig Dresche. Klar, Teile von ihnen, und es mögen die lautesten sein, sind nicht abgeneigt, zu polarisieren und Klischees zu verbreiten. Aber für welches Thema gälte das nicht?

Wohin die Reise von hier aus gehe, wollte Paul Holdengräber, der umtriebige Symposienspezialist der New York Public Library, in einem abschließenden, zusammenfassenden Meinungsaustausch wissen, und da wagte es immerhin Khaled Fouad Allam, Soziologe aus Triest, von einer zeitgenössischen Krise des Islams zu sprechen. Als aber der holländische Essayist Bas Heijne versicherte, die Globalisierung treibe auch holländische Arbeiter dazu, sich als Opfer zu empfinden, prophezeite Benjamin Barber, der Autor von ‚Jihad vs. McWorld‘, einen Kampf zwischen Entrechteten, von dem allein die Wirtschaftseliten profitieren würden.

Und wieder seufzten die versammelten Europäer: Amerika, du hast es besser. Wie mit Einwanderern umzugehen ist, weiß Amerika von Natur aus, und dass Amerikas Muslime, deren Durchschnittseinkommen höher liegt als das ihrer nichtmuslimischen Landsleute, kaum Aufsehen erregen, muss geradezu den Neid Europas erwecken. Keiner redet von einer muslimischen Diaspora, es soll nur muslimische Amerikaner geben. Weshalb nicht auszuschließen ist, dass Königin Nurs These, es bestehe KEIN ESSENTIELLER WIDERSPRUCH zwischen dem ISLAM und der WESTLICHEN WELT, übers Wunschdenken vielleicht doch hinausweist. In diesem Sinne hatte Professor Bayoumi ein T-Shirt übergestreift, dessen eleganter arabischer Schriftzug verbarg und verriet, woher er kam: Brooklyn.“

And that was… REALLY FUNKY, ol‘ Bay…oumi

IT’S ALL GOOD! IT’S ALL GOOD!

Isn’t it?

T+I+M+E

_____

(1) http://www.youtube.com/watch?v=D730lzI9gy
(2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/18/open-season/
(3) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/21/poor-mohammed-von-procol-harum/
(4) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/31/islams-not-for-me-von-n-n/
(5) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/25/neighborhood-bully-von-bob-dylan/

(6) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/06/04/the-thunder-down-under-von-dave-evans/

(7) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/15/der-pferch/

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