Auch Katholiken sind Christen

Ich habe es in der Vergangenheit gelegentlich kritisiert, wenn versucht wurde, unter dem Mantel des Counterjihad „konservative Revolution“ zu betreiben. Mit Konservatismus war dabei üblicherweise ein Zurück zum deutschen Kaiserreich gemeint, und zwar weniger in Hinblick auf unsere koloniale Vergangenheit als vielmehr ausschließlich auf eine Familienpolitik, die die Frauen aus dem Berufsleben heraushält und wieder auf Kinder, Küche, Kirche festlegt. Wesentliche Unterschiede zum Mohammedanismus drohen dadurch aus meiner Sicht zu verschwimmen. FAZ-Leserin Dr. Karin Rosa Jansen berichtet in der heutigen Ausgabe über eine ähnliche Beobachtung in Bezug auf „christliche Werte“:

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Christliche Werte und katholischer Konservatismus

Schon als junges Mädchen wunderte ich mich über den logischen Salto mortale intelligenter Menschen, wenn es um sogenannte „christliche Werte“ ging. Anscheinend unangefochten von irgendeinem Zweifel, war es immer klar, dass die vereinzelt aus dem Neuen Testament, häufiger aus der kirchlichen Tradition stammenden strengen Textstellen über Familie, Frauen und Sexualität absolute Geltung beanspruchten, während die zentralen christlichen Aussagen zu Macht, Reichtum und Krieg sehr schnell den Anforderungen einer anscheinend übermächtigen Realität angepasst werden konnten, ja mussten.

Nun sehe ich als alte Frau mit großem Missvergnügen im Artikel „Christliche Werte und Politik“ von Joachim Klose und Werner J. Patzelt (F.A.Z. vom 15. Januar), wie dieses Prinzip – zwischen den Zeilen und hinter vielen klugen Worten wie des Teufels Pferdefuß kaschiert – immer noch gilt. Worin besteht der Anspruch des christlichen Gottes- und Menschenbildes, wenn es sich nicht von den anderen monotheistischen Religionen abhebt? Worin soll es sich abheben, wenn nicht im Bild des Sohnes, der nicht die Macht und die Herrlichkeit des Vaters darstellt, sondern nicht weiß, wo er sein Haupt hinlegen soll, der armselig auf einem Esel reitet, der mit Sündern und Huren tafelt, der die Selbstgerechtigkeit der offiziellen Religionsvertreter tadelt, der als Kind im Stall auftritt?

Es wird viel über den Unterschied zwischen Islam und Islamismus diskutiert und selten erwähnt, dass hier ein grundsätzliches Problem von Religion in Frage steht, die auch das Christentum und das christlich geprägte Europa angeht. Gerade als Christin möchte ich mich entschieden dagegen verwahren, christliche Werte mit katholischem Konservativismus gleichgesetzt zu sehen. Und es ist die Frage, ob die christlichen Parteien sich selbst, aber auch der Religiosität der Menschen mit einer solchen Übereinstimung einen Gefallen tun. Vielleicht kann die CDU ihren Namen heute ja tragen wie Herr Müller den seinen: im Bewusstsein, Vorfahren zu haben, die einem ehrwürdigen, nährenden Beruf nachgingen.

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Time am 26. Januar 2010

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PS.: Der Artikel von Joachim Klose und Werner J. Patzelt steht leider nicht online.

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