Reise in das Herz des Feindes

Der Israel-Reisebericht des Irakers Najem Wali (1) liegt jetzt auf Deutsch vor, wie Annika Müller für die heutige FAZ berichtet.

Verschlungene Geschichten

Najem Walis Reise durch das Land des Feindes

Der 1956 im südirakischen Basra geborene und seit 1980 in Deutschland im Exil lebende arabische Intellektuelle Najem Wali war 2007 einer Einladung der Universität Haifa zu einer Tagung namens „Irak Quo Vadis“ gefolgt und anschließend für einige Zeit in Israel geblieben. Sein Bericht von dieser Reise brachte ihm in der arabischen Welt nicht nur scharfe Kritik ein, sondern auch Morddrohungen von Seiten des irakischen „Widerstands“.

Schon in früheren Büchern hatte Wali die Doppelmoral arabischer Gesellschaften beleuchtet. Der Israel-Konflikt, so lautet sein Vorwurf, werde von arabischen Herrschern dazu benutzt, vom Demokratiedefizit in den eigenen Ländern abzulenken. Wirtschaftskrisen, die Verschlechterung des Bildungsniveaus, die Ausbreitung des Islamismus – all dies würde mit dem arabisch-israelischen Konflikt erklärt.

Wali entwickelte auf seiner Reise Sympathie für den jüdischen Staat und beschreibt ihn fast durchweg wohlwollend. Die Lebensgeschichten der Menschen, denen er begegnet, sind so plastisch dargestellt und gleichzeitig auf solch tragische Weise miteinander verknüpft, dass sie ebenso gut einem Roman Walis entstammen könnten. Da ist der jüdisch-irakische Taxifahrer, der sich so sehr über den Besuch des Autors freut, dass er ihn umsonst kutschiert. Da ist die junge Muslima, die vor einer Zwangsehe aus dem Libanon flüchtete und für ein Frauenhaus in Jerusalem arbeitet. Da ist der Archäologe Avner Goren, der den Autor durch Jerusalem führt und ihm eine nüchtern-kritische Perspektive auf die Geschichte der von religiösen Auseinandersetzungen zerrissenen Stadt eröffnet.

Mit zahlreichen Anspielungen auf die arabische Literatur führt Wali den Leser nicht nur durch das Land, sondern auch durch die Geschichte des Nahen Ostens. Er beschreibt den Nahen Osten als einen Schmelztiegel, in dem sich Christentum, Judentum und Islam kulturell nicht voneinander trennen lassen. Seine Analysen sind dabei von wohltuender Klarheit. Die aufgezeichneten Gespräche vermitteln Einblicke in die arabische und jüdische Kultur und deren Schnittstellen. Immer wieder greift der Autor auch auf seine eigenen Erinnerungen zurück, insbesondere um die bizarre Geschichte seines eigenen gebeutelten Landes zu erzählen. Und er zeigt, wie in einer für viele arabische Staaten repräsentativen Gesellschaft schon den Kindern der Hass auf Israel eingeimpft wird.

Für seinen Großvater, schreibt Wali, habe der Niedergang der irakischen Kultur mit dem Weggang der Juden begonnen. Es scheint ihm auf seiner Reise tatsächlich, als wäre die gesamte irakische Kultur ins Exil gegangen. Er trifft auf Emigranten, die einen im Irak ausgestorbenen Dialekt beherrschen und uralte musikalische Traditionen pflegen. Einen leidenschaftlichen Bewahrer früherer irakischer Kultiviertheit findet er auch in dem Literaturwissenschaftler Sasson Somekh. Der war einst enger Vertrauter des ägyptischen Literaturnobelpreisträgers Nagib Mahfuz, dessen Plädoyer, die von Generationen geprägte Freundschaft und Kooperation zwischen Arabern und Juden höher einzuschätzen als die Konflikte, den Grundton dieses Buchs bestimmt.

Najem Wali: „Reise in das Herz des Feindes“. Ein Iraker in Israel. Aus dem Arabischen von Imke Ahlf-Wien. Hanser Verlag, München 2009. 239 S., br., 17,90 [Euro].

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Als Ausgleich für diesen israelfreundlichen Artikel bringt die FAZ natürlich auch einen, in dem zwei antijüdische Hetzfilme gelobt werden, die grade auf der 60. Berlinale laufen. Hans-Christian Rößler berichtet darüberhinaus übrigens von einem interessanten Vorschlag des stellvertretenden israelischen Außenministers Ajalon, der erwartungsgemäß den Widerspruch der israelischen Mohammedanisten und ihrer selbstmörderischen und verräterischen linken Freunde hervorrief:

Der stellvertretende israelische Außenminister Ajalon hat angeregt, in einem Gebietsaustausch auch von israelischen Arabern bewohnte Regionen einem Palästinenserstaat zuzuschlagen. „Die arabischen Staatsbürger Israels werden nichts verlieren, wenn sie Teil eines palästinensischen Staats werden. Statt den Palästinensern leere Gebiete im Negev zu geben, bieten wir ihnen von vielen Menschen bewohnte Gebiete, die dann ihre Häuser nicht verlassen müssen“, sagte er in einem Interview mit der in London erscheinenden arabischen Zeitung „Al Scharq al Awsat“. In früheren Friedensverhandlungen hatten Israelis und Palästinenser über einen kleineren Austausch von Gebieten gesprochen. Israel will die Palästinenser damit für die Siedlungen im Westjordanland entschädigen, die es behalten möchte. Die Forderung, den Siedlungsbau einzustellen, verglich Ajalon mit dem von Israel verlangten palästinensischen Verzicht auf das Rückkehrrecht der Flüchtlinge. Arabische Parlamentsabgeordnete in Israel und Politiker der Linken wiesen Ajalons Vorschlag zurück. „Wir sind hier nicht eingewandert. Das ist unser Land“, sagte der arabische Abgeordnete Mohammad Barakeh. Minister Bravermann von der Arbeiterpartei sagte, Ajalon und Außenminister Lieberman hätten nicht das Recht, zu entscheiden, wo die arabischen Bürger des Landes leben.

Wann immer sie die Gelegenheit dazu haben, zeigen sie ihre Illoyalität ihrem Staat gegenüber. Aber nichts wäre schlimmer für die Orks, als in einem Land leben zu müssen, in dem ihre geliebte Scharia verwirklicht ist. Der dänische Psychologe Nicolai Sennels (2): „Denn während die Aussicht auf Gefängnis Migranten nicht davon abzuhalten scheint, schwere Verbrechen zu begehen, scheinen sie richtig Angst davor zu haben, nicht mehr in unserem Land leben zu dürfen. Das entspricht auch meinen eigenen Erfahrungen von meiner Arbeit mit kriminellen Muslimen: Was sie wirklich fürchten, ist abgeschoben zu werden.“

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Time am 15. Februar 2010

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/30/buchmesse-jerusalem/
2) http://europenews.dk/de/node/28592
auch: https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/12/30/mohammedanisten-sind-vaterlandsverrater/

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