Leserbrief-Counterjihad (#2)

Die gestrige FAZ enthielt eine Reihe lesenswerter Leserbriefe. Hier zunächst eine Entgegnung von Professor Dr. Karl-Heinz Kuhlmann auf die Zuschrift von Ali Arschab (1):

Das islamische Dilemma

Im Leserbrief „Das ewig gültige Fundament des Islams“ von Ali Ashraff (F.A.Z. vom 5. Februar) offenbart sich das ganze Dilemma des Islams in Deutschland und in Europa. Er mag ja privat an das „ewig gültige Fundament des Islams“ glauben und für sich allein im Kämmerlein praktizieren, aber sobald dieses „Fundament“ einen öffentlichen Anspruch in unseren Breiten erhebt, kann allerdings nur falsch verstandene Toleranz der Politik und eine feige Neutralität der Justiz diesen zulassen, denn es bleibt dabei: Das Beharren auf verbaler Inspiration eines jeden Buchstabens des Korans sowie auf einer unüberbietbaren Vorbildfunktion des Lebens Mohammeds machen diese Religion für den öffentlichen Raum, in dem das Grundgesetz Geltung hat, zu einem Absurdum. Gerade der Koran zeigt hier neben all seinen positiven Seiten, die er auch hat, eine Anstiftung zu einer mit unseren Werten unvereinbaren Haltung seiner Anhänger. Auch das Leben Mohammeds, wie es sich in seiner nicht bereinigten Form von Ibn Ishaq, der Sira, darstellt, kann aus ethischen Gründen eben kein Vorbild für uns heute sein (W. Montgomery Watt, „Muhammad at Medina“, Oxford 1963). Die Einzelheiten mag jeder Interessierte selbst nachlesen (A. Guillaume, „The Life of Muhammad“, Oxford 2009). In den jetzt propagierten Schulbüchern für muslimische Kinder in deutschen Schulen findet man sie allerdings nicht; auch nicht in dem vom Osnabrücker Lehrstuhlinhaber Bülent Ucar „unter wissenschaftlicher Beratung“ herausgegebenen. Hier ist der Prophet immer noch der gute Mensch schlechthin.

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Helmut Krause geht auf den Leitartikel „Aufklärung zu dritt?“ (2) von Wolfgang Günter Lerch vom 6. Februar ein:

Eine säkularisierte Betrachtungsweise

Es ist keine Frage, dass die islamischen Staaten einer Aufklärung bedürfen, doch zunächst wohl erst einer Reformation, durch die die europäische Geistesgeschichte gegangen ist, die zweihundert Jahre später die Aufklärung ermöglichte, die dann die Voraussetzung für die europäischen Revolutionen war. Wenn man dies im historischen Kontext betrachtet, wird ersichtlich, dass dieser Prozess der europäischen Geschichte sich über vierhundert Jahre erstreckte; eine Zeit, die weder die islamischen Staaten noch die Weltgemeinschaft auf dem Hintergrund der mit dem Islam verbundenen politischen Entwicklung hat. Die Geschichte wiederholt sich aber nicht und es bedarf auch nicht einer ähnlich langen philosophisch-theologischen-politischen Entwicklung, da die notwendigen Erkenntnisse alle vorhanden sind. Bei allem Verständnis für den schwierigen Prozess, durch den die islamische Welt gehen muss, darf es dennoch nicht dazu führen, wie es Lerch in seinem Artikel anspricht, dass die religiösen, theologischen Fundamente der jeweiligen Religion zur Disposition stehen.

Wenn er darauf verweist, dass sich Muslime an „der Lehre von der Trinität oder der Gottessohnschaft Jesu“ stören – wie auch einige christliche Richtungen -, dann darf dies nicht von christlicher Seite als Veränderungsangebot, als Zugeständnis für die notwendigen philosophischen und politischen Veränderungen im Islam gesehen werden, denn hier würden die Vergleichsbereiche erheblich verschoben werden.

Das Hauptproblem in Lerchs Artikel scheint zu sein, dass kein religiöses Verständnis, geschweige denn eine derartige Überzeugung sichtbar wird, und es zu einer säkularisierten Betrachtungsweise kommt, die den lückenhaften historischen Kenntnisstand verabsolutiert und über christliche Glaubensaspekte setzt, um im Dia- bzw. Trialog ein Angebot zu machen.

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Auch Klaus Decker ist mit den Ausführungen von FAZ-Ali1 nicht einverstanden:

Dieser entkernte, substanzlose Gottesgedanke

Es wundert mich jedes Mal von Neuem, welch breiten Raum die F.A.Z. den Gedanken von Wolfgang Günter Lerch einräumt – ich kann es mir nur so erklären, dass weite Teile der F.A.Z.-Leserschaft nach Auffassung der Redaktion „philoislamisch“ eingestellt sind. Seine Kommentare überraschen immer wieder durch überaus wohlwollende, fast schon unrealistische Einschätzungen von Entwicklungen der islamischen Welt. Versöhnt ist man oft durch seine große Kenntnis der Islamgeschichte und des Nahen Ostens. Deshalb verblüfft es umso mehr, dass der oben erwähnte Kommentar 200 Jahre Theologiegeschichte einfach ausblendet. Die historisch-kritische Wissenschaft hat es in der „Entmythologisierung“ so weit gebracht, dass man über eine historische Person Abraham nur noch lächeln kann – daher: von abrahamitischen Religionen sollte ein „Aufklärer“ heutiger Tage besser nicht sprechen.

Der Beitrag atmet den Geist des Küngschen Weltethos – nur: Ein Kenner des Islam wie Lerch sollte wissen, dass er mit einem derart „entkernten“ und damit substanzlosen Gottesgedanken Gläubige einer Offenbarungsreligion nicht erreichen kann. Was christlich-jüdisches Denken mit dem Islam gemeinsam hat, sind nicht inhaltliche Übereinstimmungen, sondern die Überzeugung von Gotteshandeln als Offenbarung in Natur und Geschichte.

Es wird Lerch vielleicht überraschen, dass ich als einfaches Kirchenmitglied meinen Glauben auf die Grundsatzoffenbarung zurückführe, dass das „Wort Fleisch wurde“ und unter uns wohnte. Dieser Glaube an Jesus als den Christus hindert mich in keiner Weise daran, mit Menschen muslimischen Glaubens harmonisch zusammenzuleben. Nicht die Ausklammerung der Wahrheitsfrage und die banale Feststellung „Wir glauben seit Echnaton an denselben Gott“ bringt uns weiter, sondern das Ringen um Wahrheit in absoluter Personentoleranz schüfe die Basis für eine versöhnte Gesellschaft.

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Der nächste Brief stammt von einem jener innigen Freunde Israels, wegen derer das Land und Bollwerk gegen den Mohammedanismus eigentlich keine Feinde mehr bräuchte. Das Wort hat Dimmi Professor Dr. med. Axel Schnuch, er bezieht sich dabei auch ablehnend auf einen m.E. treffenden Leitartikel von Günther Nonnenmacher (3) vom 31. Januar:

Freunde Israels

Den Ausführungen von Leser Professor Dr. Werner Link in seinem Leserbrief „Es darf keinen Blankoscheck für Israel geben“ (F.A.Z. vom 5. Februar) stimme ich zu. Bedenklich ist, dass mit solchen Positionen, wie sie Günther Nonnenmacher im Leitartikel „Besondere Beziehungen“ (F.A.Z. vom 30. Januar) geäußert hat, die Leserschaft auf einen bedingungslosen Krieg vorbereitet werden soll. Im Übrigen wundere ich mich immer wieder darüber, dass manche Freunde und Unterstützer des Staates Israel, zu denen ich mich auch zähle, mit ihrem liebedienerischen Kotau gegenüber jedweder israelischen Regierung, ungeachtet der gerade verfolgten Politik, den undifferenzierten und unterschwelligen Zorn in der Bevölkerung gegenüber „Israel“ nur verstärken. Gerade Deutschland gehört eindeutig nicht in die erste Reihe der Israel-Kritiker. Umgekehrt dann aber „Blankoschecks“ auszustellen angesichts einer teilweise die Menschenrechte mit Füßen tretenden Politik der gegenwärtigen Regierung Israels dient nicht der Sache – sie schaden ihr.

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Indes, der Counterjihad schläft nicht und fährt den Judenhassern in die Parade. Dirk Gross schreibt das ebenso Selbstverständliche wie Notwendige:

Ohne Geschichtsbewusstsein im Ohrensessel

Zum Leserbrief „Es darf keinen Blankoscheck für Israel geben“ von Professor Dr. Werner Link (F.A.Z. vom 5. Februar) und zu der wiederholten Versicherung von Bundeskanzlerin Merkel, dass die Existenz Israels Teil der deutschen Staatsräson ist: Die Existenzgarantie gilt für jedes Mitglied der Vereinten Nationen (UN), also auch für Israel; das ist inzwischen Grundlage der Völkerrechtsordnung.

Es wäre natürlich schön, wenn alle Mitgliedstaaten der UN sich daran halten würden. Aber leider wissen wir, spätestens nach Burundi und Darfur, was die Deklarationen der Vereinten Nationen wert sind. Da ist es nur einfach anständig, dass die Bundeskanzlerin zum Existenzrecht Israels im Namen von uns Bundesbürgern ein klares Wort sagt.

In welcher Welt lebt Leser Professor Link denn? Hat er je intensiv und persönlich mit den Fanatikern rund um Israel gesprochen und sich als Bundesbürger zu Adolf Hitler und seinen Zielen beglückwünschen lassen müssen? Aber es ist natürlich einfach, unter dem Schutz der Nato in Köln den klugen Weltpolitiker zu spielen. Die Toskana-Fraktion grüßt mal wieder aus ihrem biedermeierlichen Ohrensessel, ohne jedes Geschichtsbewusstsein.

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Time am 18. Februar 2010

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/02/05/glauben-sie-nicht-an-den-osterhasen/
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/02/09/gute-und-schlexte-texte/
3) http://www.faz.net/s/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1/Doc~E9A3D87A283C44E999B6801249EC74AB7~ATpl~Ecommon~Scontent.html

https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/12/14/leserbrief-counterjihad-1/

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