Die Kommissare rausziehen

Die FAZ-Journalistin Karen Krüger ist mir ein Rätsel (1). Einem counterjihadischen Artikel läßt sie unweigerlich stets einen pro-türkischen oder pro-mohammedanistischen Artikel folgen. Ich glaube, dass sie ganz schön schlau und eigentlich vernunftmäßig auf unserer Seite ist, aber sie ist wohl leider, und das bestimmen die realen Machtverhältnisse, scheuklappengesteuert. Es scheint die Auffassung zu herrschen, dass ehrlicher Journalismus dazu verpflichtet ist, einem faktenbasierten Artikel unweigerlich einen ausgedachten Meinungsartikel folgen lassen zu müssen, im Sinne der Ausgewogenheit, so als ob die Wahrheit nur inmitten eines Haufens Lügen zur Wahrheit würde. In der heutigen FAZ liefert sie einen Lobgesang auf die Momo Lamya Kaddor und deren absurden Kids-Wellness-Kloran ab (2), eine Unternehmung, die Dr. Ali Sina mehr als einmal als unsinnig herausstellte (3). Sie schrieb aber heute außerdem kritisch über einen Hassprediger amerikanischer Provenienz, der gekauft, gekauft und gekauft (und gekauft und gekauft) wurde, und der daher in der Welt herumzieht, um den mohammedanistischen Türken zu bestätigen, dass ihr Massenmord an den Armeniern eigentlich total in Ordnung war. So einen Kommissar lassen wir frei herumlaufen und für Satan predigen (4)! Seltsam… aber danke, Karen!

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Karl May war ein Armenier

Wie ein Experte aus Kentucky die Türken tröstet

Da steht er nun, Dr. Justin McCarthy, Professor für Geschichtswissenschaft an der Universität von Louisville, Kentucky. Er wolle nicht über Menschen reden, die getötet worden seien, sagt der Historiker. Denn dann begehe man leicht den Fehler, die Vergangenheit emotional und nicht mit Verstand zu reflektieren. Kein Vortrag, aber eine Geschichtsstunde werde das Folgende sein. Das Thema: „Die leidvolle Geschichte der Türken und Armenier – der Konflikt von 1915“. Die Schüler: gut zweihundert erwachsene Mitglieder der türkischen Gemeinde Rhein-Main, Typ gebildeter Mittelstand. Das auf der Einladung des Vereins formulierte Ziel: „Die Aufarbeitung der Geschichte“. Sie beginnt an diesem Montagabend mit wissenschaftlichen Karten der heutigen Türkei; da stand das Osmanische Heer, da die Armenier, dort sehen Sie die wichtigsten Straßen der Region und die Eisenbahnlinie. Von „Osmanen“ und „den Armeniern“ spricht McCarthy – ganz so, als wären die Armenier ein Fremdkörper, nicht aber gleichberechtigte Untertanen des Osmanischen Reiches gewesen. Es stimme, Armenier seien getötet worden, doch warum? Weil sie keine Muslime sind? „Falsch“, antwortet McCarthy sich selbst. „Muslime und Christen haben schließlich neunhundert Jahre friedlich im Osmanischen Reich zusammengelebt.“ Vom Balkan bis zum Nahen Osten konnte man freilich beobachten, dass auch die längste Friedensperiode enden kann.

Fünfzehn Minuten schon dauert seine Geschichtsstunde. Die Begeisterung der türkischen Gemeinde wächst: Wofür sie sich sonst verteidigen müssen, erfährt hier und jetzt die ersehnte Bestätigung. Was McCarthy vorträgt, entspricht der offiziellen Geschichtsversion der Türkei und ist auch Teil der kollektiven Identität vieler im Ausland lebender Türken geworden. Aber nun sagt es einer, der in Amerika als Experte für osmanische Geschichte gilt.

Der Wissenschaftler als Verführer: Ein guter Muslim würde niemals einen Genozid begehen, da er wisse, dass er dann in der Hölle endete, sagt McCarthy. Mit fast gleichem Wortlaut verteidigte Ministerpräsident Erdogan im vergangenen Jahr Sudans Präsidenten Al Baschir, als der UN-Gerichtshof Haftbefehl gegen ihn wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit erließ. Die Armenier, so der Professor aus Kentucky weiter, seien eine „furchtbare Gefahr“ für das Osmanische Reich gewesen. „Sie“, „die Armenier“ hätten als Teil der russischen Kriegsmaschinerie agiert, geheime Waffenarsenale angelegt, so gut versteckt, „dass sie nicht gefunden werden konnten“. McCarthys Bedrohungsbeweis: zwei Zitate armenischer Nationalisten. Nach fünfundvierzig Minuten Vortrag erklärt McCarthy, wen er mit „die Armenier“ meint: Natürlich nur die bewaffneten Rebellen! Aber wie viele der Toten rechnet er dazu? Und was ist mit den anderen?

Spricht er über deren türkische Opfer, so verwendet er das Bild von „Schlachthäusern“, in dem „die Armenier“ wahllos „alle“ muslimischen Männer, Frauen und Kinder töteten. Die Scheu vor Emotionen hat er angesichts dieser Toten nun abgelegt. Und es geht weiter: Die folgenden Deportationen armenischer Zivilisten seien eine logische Konsequenz gewesen, um Menschenleben zu retten; viele Armenier hätten ja überlebt. Wenn man tatsächlich alle Armenier hätte töten wollen, „dann hätten die Osmanen einen schlechten Job gemacht“. Dafür gibt es donnernden Applaus.

„Diese Leute“ wollten, dass die Türken als Nazis dastehen. Menschen wie er sollten mundtot gemacht werden, sagt McCarthy, der doch nun schon eine ganze Weile laut und deutlich redet – und bedauert, dass ihm das Geld fehle, um seine Bücher ins Deutsche zu übersetzen. Auf welche Quellen stützen sich armenische Historiker, die anderes behaupten, will ein junger Türke wissen. McCarthy zuckt mit den Schultern: „Sie wollen nicht mit uns sprechen. Weil man dann merken könnte, dass sie unrecht haben. Es tut mir leid, das zu sagen, aber: Sie sind Feiglinge.“ Und was halte er von den Dokumentationen von Johannes Lepsius? Der habe nur aus Missionarsbriefen abgeschrieben, Istanbul aber nie verlassen, sagt der Historiker über den deutschen Theologen, der mit seinen Berichten die deutsche Öffentlichkeit auf die Massaker aufmerksam machen wollte. „Das hat Karl May ja auch gemacht“, tönt ein Vertreter der türkischen Gemeinde aus dem Hintergrund.

Was solle er seinen deutschen Freunden sagen, die in den Armeniern die Opfer sähen, fragt ein anderer. Er solle aufstehen und wütend werden, rät McCarthy. Man wolle eine Versachlichung der Debatte, sie sei zu emotional, hatte einer der Organisatoren der Veranstaltung eingangs erklärt. Und: Die türkische Gemeinde sei daran interessiert, dass die deutsche Öffentlichkeit, in der ein einseitiges Bild gezeichnet werde, sich objektiv informiere. Ein Mann steht auf und verspricht, Geld zu sammeln, damit McCarthys Werke auf Deutsch erscheinen können. Noch mal lauter Applaus. Heute Abend wird der Historiker, der 1998 den türkischen Verdienstorden erhielt, in Stuttgart sprechen.

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Karen, the Counterjihad is waiting for you…

Time am 18. März 2010

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1) http://www.faz.net/s/RubD87FF48828064DAA974C2FF3CC5F6867/Doc~EC2E113A4274942ADB1FCD2F81FC4E2F3~ATpl~Ecommon~Scontent.html

2) http://www.faz.net/s/RubC17179D529AB4E2BBEDB095D7C41F468/Doc~E762C1798CDA64165A3FC3F4281DBD19F~ATpl~Ecommon~Scontent.html

https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/11/26/projekt-kloranwasche/

3) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/03/17/orks-sind-terroristen-oder-unwissend/

4) http://de.wikipedia.org/wiki/Justin_A._McCarthy

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